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230309 · Mitteilungsvorlage

Endbericht Evaluation des Mitwirkungsverfahrens „Bonn4Future – Wir fürs Klima"

Nummer
230309
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
09.02.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung 24.02.2023 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 09.03.2023 Kenntnisnahme
  3. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 02.03.2023 Kenntnisnahme
  4. Sitzung des Rates 23.03.2023 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
230309
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung
Dezernat:
Dez. OB
Endbericht Evaluation des Mitwirkungsverfahrens
„Bonn4Future – Wir fürs Klima"
Beratungsfolge
Beirat Bürgerbeteiligung 24.02.2023 Kenntnisnahme
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger
02.03.2023 Kenntnisnahme
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
09.03.2023 Kenntnisnahme
Rat 23.03.2023 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Das Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ wurde durch das
Geographische Institut Bonn und promediare wissenschaftlich evaluiert. Die
Evaluation wurde vom städtischen Kooperationspartner „Bonn im Wandel e.V.“
nach Stellungnahme durch den Beirat des Bonn4Future-Mitwirkungsverfahrens
beauftragt. Der Endbericht der Evaluation liegt nun vor (siehe Anlage).
Hintergrund zu Bonn4Future:
Anfang 2020 haben „Bonn im Wandel“ und die „Klimawache Bonn“ einen
Bürgerantrag zur Beteiligung an der Zielerreichung der Klimaneutralität
eingereicht. Dieser wurde am 4. März 2020 beschlossen (DS 200292).
In der Folge wurde von den Initiatoren in Abstimmung mit der Stadtverwaltung
ein entsprechendes Mitwirkungskonzept erarbeitet (DS 201084). Dieses wurde
vom Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger beschlossen und
die Verwaltung vom Rat beauftragt, mit „Bonn im Wandel“ einen
Kooperationsvertrag zur Koordination und Umsetzung des zweijährigen
Verfahrens abzuschließen. Dafür wurden bis Ende 2022 Mittel in Höhe von bis
zu 719.000€ bereitgestellt. Bonn im Wandel hat sich darüber hinaus vertraglich
verpflichtet, Eigenleistung in Höhe von 35.000 Euro zu erbringen.
Am 1. Dezember 2020 ist das Mitwirkungsverfahren Bonn4Future – Wir fürs
Klima“ gestartet. Aufgrund von Verzögerungen durch die Corona-Pandemie
wurde das Verfahren um vier Monate bis zum 30.04.2023 verlängert (DS
220893). Für die Verlängerung werden Mittel in Höhe von bis zu 54.501€
bereitgestellt.
Bisherige Berichte zum Verfahren: erster Sachstandsbericht (Februar 2021, DS
210174), zweiter Sachstandsbericht (Juli 2021, DS 211269), Bericht im
Nachgang des ersten Klimaforums (Oktober 2021, DS212006), Bericht imSeite 1 von 82
Seite 2
Nachgang der Klimaforen 2&3 (Juli 2022, DS 221352), Bericht im Nachgang
des 4. Klimaforums (Oktober 2022, DS 222054), Beschlussvorlage zum
Umgang mit Ergebnissen des Mitwirkungsverfahrens (DS 230261).
Anlage/n
1 Evaluation Bonn4Future Endbericht (öffentlich)Seite 2 von 82
Evaluation des Projekts Bonn4Future
Endbericht
Stand: 27. Januar 2023
Vorgelegt von:
promediare
Geographisches Institut Universität Bonn
Bearbeitung:
Michael Lobeck
Prof. Dr. Kathrin Hörschelmann
Prof. Dr. Claus-C. Wiegandt
Dr. Juliane Dame
Julian Antoni
Miriam Gruber (bis 30.9.2022)
Hanna Schmid
Maximilian Scholtes (bis 31.3.2022)
Jochen BurgerSeite 3 von 82
I. Zentrale Ergebnisse in Form von zehn Thesen ......................................................................4
II. Evaluierung einzelner Formate .......................................................................................... 11
II. 1 Klimatag .................................................................................................................... 14
II. 2 Klimaforen ................................................................................................................. 15
II. 2.1 Klimaforen als wesentliches Format des Beteiligungsprozesses .......................... 16
II. 2.2 Erstes Klimaforum .............................................................................................. 17
II. 2.3 Zweites und drittes Klimaforum .......................................................................... 20
II. 2.4 Viertes Klimaforum ............................................................................................. 25
II.2.5 Diversität – Wie gut bilden die Klimaforum die Bonner Bevölkerung ab? ............. 28
II. 3 Verwaltungsworkshops .............................................................................................. 31
II. 4 Kommunikationsnetzwerk.......................................................................................... 33
II.4.1 Kommunikationskonzept und Ansprache ausgewählter Zielgruppen ................... 33
II.4.2 Kommunikationsakademie .................................................................................. 34
II.4.3 Zielgruppenworkshop - Jugendliche als zielgruppenspezifische Ansprache ......... 36
II.4.4 Jugendworkshop mit Projektgruppe der Gesamtschule „Bonns Fünfte“ ............... 36
II.4.5 Weitere Vernetzungstreffen................................................................................. 37
II. 6 Nachhaltigkeitsplattform ........................................................................................... 39
II. 7 Prozess-Beirat ............................................................................................................ 43
III. Wahrnehmungen des Projekts Bonn4Future – drei Querschnittserhebungen ................... 45
III. 1 Einschätzung von Expert*innen – die Auswertung von Interviews ............................. 45
III. 2 Einstellungen zur Bonner Klimaschutzpolitik – die Auswertung von Umfragen unter
Teilnehmenden an den Klimaforen sowie unter Bonner Bürgerinnen und Bürgern ........... 48
III. 3 Resonanz in der Stadtöffentlichkeit – die Auswertung zur lokalen Berichterstattung . 55
IV. Handlungsempfehlungen ................................................................................................ 63
V. Anhang (Dank, Literatur, Interviewpartner*innen) ............................................................. 65
In Anlehnung an das Buch "Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst" von Kolja Reichert verwenden wir in diesem
Bericht bewusst verschiedene Formen des Genderns gleichwertig Die Begründung für ein solches Vorgehen fanden
wir gut nachvollziehbar:
"Es ist kompliziert. Die Bemühungen um gerechte Sprache haben dazu geführt, dass das generische Maskulinum nicht
mehr wie eine Regel wirkt, sondern wie eine Entscheidung gegen die Bemühungen um gerechte Sprache. Jede
Entscheidung für eine andere Regel wirkt, als sei damit das Problem gelöst. Um nicht den Eindruck zu erwecken, es sei
eine gerechte Sprache gefunden und gleichzeitig niemanden auszuschließen, werden in diesem Buch verschiedene Form
des Genderns gleichwertig verwendet. Auf das Risiko hin, es sich mit allen zu verscherzen; und im Interesse, den großen
Sensibilisierungsprozess, den unsere Gesellschaft derzeit durchläuft, nicht vorzeitig zu bremsen." (Reichert 2022:4)Seite 4 von 82
Seite 3
Zur Einordnung
Bonn4Future ist ein Kooperationsprojekt der Bundesstadt Bonn und des
gemeinnützigen Vereins Bonn im Wandel e.V. Gegenstand des Projekts ist ein
zweijähriger Beteiligungsprozess mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und
Bürgern, die gemeinsam mit den Kooperationspartnern einen Klima-Aktionsplan
erarbeitet haben. Mit der Evaluierung dieses Prozesses wurde das Büro promediare
und das Geographische Institut der Universität Bonn beauftragt.
Die Ergebnisse der Evaluierung werden in diesem Bericht in einem ersten Abschnitt
in Form von zehn Thesen zusammengefasst und vorgestellt.
In einem zweiten Abschnitt werden die einzelnen Formate des Beteiligungsprozesses
evaluiert, im dritten Abschnitt werden verschiedene Einschätzungen zum
Beteiligungsprozess vorgestellt.
Abschließend werden fünf Handlungsempfehlungen für den Fortgang einer
Beteiligung bei der Umsetzung eines Klimaplans gegeben.Seite 5 von 82
Seite 4
I. Zentrale Ergebnisse in Form von zehn Thesen
1. Die Ergebnisse der einzelnen Formate im Beteiligungsprozess sind gehaltvoll
und auf teils hohem Niveau.
Ein zentrales Format des Beteiligungsprozesses waren die Klimaforen mit der
Erarbeitung des abschließenden Klima-Aktionsplans. Die Foren bauten inhaltlich
weitgehend aufeinander auf, ihre Abfolge war für alle Beteiligten gut nachvollziehbar
(1.: Zukunftsbilder / 2. und 3.: die beiden Handlungsfelder Mobilität und Wohnen /
4.: der lokale Klima-Aktionsplan mit sieben Handlungsfeldern und 36 Aktionsplänen
für Bonn). Die Veranstaltungen waren inhaltlich und organisatorisch sehr gut
vorbereitet. Es wurden viele Informationen geliefert. Es gab Möglichkeiten für den
Austausch, die Diskussionen verliefen (auch durch die Einbindung von Expert*innen
aus verschiedenen Fachbereichen / zu verschiedenen. Themen) auf einem hohen
Niveau. Allerdings war die Zeit für den Austausch und die Entwicklung der
Maßnahmen für die Mitwirkenden zu knapp bemessen, so die Rückmeldung vieler
Teilnehmer:innen.
Die Ergebnisse der einzelnen Klimaforen sind auf der „Beteiligungs-Webseite“
(Unsere vier Klimaforen (bonn4future.de)) gut dokumentiert und der Öffentlichkeit
zugänglich. Kurze Filme und Zeichnungen (Graphic Recording) von den
Veranstaltungen veranschaulichen den Prozess und die Ergebnisse gut. Die
Ergebnisse wurden gegenüber den an den Klimaforen mitwirkenden Bürgerinnen
und Bürgern rückgekoppelt. Eine schnelle Bereitstellung der Ergebnisse diente nicht
nur der Information, sondern auch der Anerkennung ihres ehrenamtlichen
Engagements.
In weiteren Formaten des Beteiligungsprozesses Bonn4Future – Prozessbeirat,
Klimatag, Kommunikationsakademie und Verwaltungsworkshops mit jeweils
unterschiedlichen Funktionen – waren die ernsthafte Auseinandersetzung und
Bereitschaft zur intensiven Beschäftigung mit dem Thema zu beobachten. Der eigens
eingerichtete Prozessbeirat diente der Information unterschiedlicher städtischer
Interessengruppen und der kontinuierlichen Überprüfung des Verfahrens, der
Klimatag, die Kommunikationsakademie der Vernetzung von Akteur:innen, einer
breiteren Information und Vernetzung zahlreicher städtischer Interessengruppen, die
Verwaltungsworkshops der Vermittlung der Ergebnisse in die städtische Verwaltung.
2. Die Ergebnisse wurden in einer angenehmen Atmosphäre gemeinschaftlich
mit hohem Engagement erarbeitet.
Die Ergebnisse des Projekts wurden ganz weitgehend in einer sich gegenseitig
wertschätzenden Atmosphäre mit den Bürgerinnen und Bürgern in den KlimaforenSeite 6 von 82
Seite 5
erarbeitet. Die Mitwirkung war für alle Teilnehmenden vertrauensbildend und konnte
einer andernorts manchmal aufgeheizten und aufgeregten Stimmung in der Stadt
Bonn entgegenwirken. Die Mitwirkung in den Klimaforen hat einigen Bürgerinnen
und Bürgern auch Freude bereitet. Ein gegenseitiger Respekt und das Bemühen um
ein Verständnis auch anderer Interessen und Positionen war in allen Formaten des
Beteiligungsprozesses spürbar – sowohl bei den Klimaforen als auch beim Klimatag,
im Prozessbeirat, bei der Kommunikationsakademie, den Verwaltungsworkshops
und weiteren Formaten. Die Moderationen und Gesprächsführungen haben in allen
Formaten zu dieser positiven Atmosphäre beigetragen. Für einige wenige
Teilnehmende war das „Wohlfühlsetting“ allerdings übertrieben und wurde eher als
ineffektives Arbeiten wahrgenommen. Zeit für inhaltliche Diskussionen habe dadurch
gefehlt.
3. Der Beteiligungsprozess zeichnete sich durch ein sehr hohes ehrenamtliches
Engagement aus.
An allen Klimaforen haben 280 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus der
Stadtgesellschaft auf Einladung mitgewirkt. Sie haben einen Freitagnachmittag und
einen Samstag ihrer Freizeit aufgewendet, um unentgeltlich ihr Know-How sowie
ihre Sichtweisen in die Entwicklung des Klima-Aktionsplans in den Prozess
einzubringen. Zudem haben weitere engagierte Bürgerinnen und Bürger und
Initiativen aus der Zivilgesellschaft viel Zeit aufgewendet und sich in die
verschiedenen Formate des Beteiligungsprozesses vom Prozessbeirat über die
Kommunikationsakademie bis zum Klimatag ebenso wie in die ehrenamtliche
organisatorische und praktische Unterstützung von Bonn4Future eingebracht. Damit
wird die Arbeit der Stadtverwaltung und der kommunalen Politik unterstützt und mit
Wissen und Know-How angereichert. Für alle Mitwirkenden war der
Beteiligungsprozess motivierend.
4. Der Kreis der Mitwirkenden in den Klimaforen war divers, spiegelt aber nicht
die Vielfalt der städtischen Gesellschaft wider.
An den Klimaforen haben zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger,
Mitarbeitende der Verwaltung und Personen aus der Zivilgesellschaft mitgewirkt. Auf
eine möglichst diverse Zusammensetzung der Klimaforen wurde großen Wert
gelegt. In der zufallsgesteuerten Auswahl wurde nach dem ersten Forum
nachjustiert, sodass bei den späteren Klimaforen die Altersstruktur und die Herkunft
der Bürgerinnen und Bürger breiter gestreut waren. Die großen Bemühungen,
inklusive Veranstaltungen durchzuführen, bei denen sprachliche bzw. körperliche
Einschränkungen keine Hindernisse darstellen, waren in Ansätzen erfolgreich.Seite 7 von 82
Seite 6
Insgesamt ließ es sich nicht vermeiden, dass in erster Linie Bürgerinnen und Bürger
mit einer schon hohen Affinität zu Fragen des Klimaschutzes an den Veranstaltungen
mitgewirkt haben. Der Anteil an Bürgerinnen und Bürgern mit Hochschulabschluss
war bei den ersten Foren überdurchschnittlich, beim vierten Forum entsprach
er dann dem Durchschnitt der Bonner Bevölkerung.
Bürgerinnen und Bürger, die weniger affin zum Thema Klimaschutz sind, sind den
Einladungen zur Teilnahme an den Klimaforen seltener gefolgt. Eine in der
Gesellschaft weit verbreitete Haltung, dass anscheinend „alles am besten so bleiben
soll, wie es ist“, war in den verschiedenen Formaten des Beteiligungsprozesses kaum
wahrzunehmen. Bürgerinnen und Bürger mit einer entsprechenden Haltung waren
kaum vertreten. Vor allem nach dem einführenden Klimatag blieb bei einigen
Teilnehmenden der Eindruck, sich in einer – wenn auch heterogenen – „Blase“ von
Menschen zu befinden, denen das Ziel der Klimaneutralität am Herzen liegt.
Das Problem der selektiven Mitwirkung wurde kompensiert, indem stellvertretend
für bestimmte Belange und Einstellungen Vertreter und Vertreterinnen
unterschiedlicher Interessengruppen an den Veranstaltungen mitwirkten. Dabei ist
anzumerken, dass die Ergebnisse des Klimaaktionsplans im Erarbeitungsprozess der
Klimaforen auch durch Zufälle gesteuert waren und keine Mehrheiten abgebildet
haben. Zudem waren etwa die mitwirkenden Einwohner:innen in den sieben
Arbeitsgruppen zu den Handlungsfeldern des Klimaaktionsplans zahlenmäßig
begrenzt und die Einteilung der Personen in die Arbeitsgruppen war zufällig.
5. Die Bonner Stadtöffentlichkeit in ihrer Breite wurde durch den
Beteiligungsprozess Bonn4Future kaum erreicht.
Der Beteiligungsprozess Bonn4Future wurde in der Bonner Stadtöffentlichkeit kaum
wahrgenommen. In den lokalen Medien wurde wenig berichtet, eine Kommunikation
in den sozialen Netzwerken fand kaum statt, die Reaktionen auf der
Beteiligungsplattform „Bonn macht mit“ oder in den durchaus bespielten Sozialen
Medien waren sehr überschaubar.
Die vier Ziele des Beteiligungsprozesses, zu informieren, zu ermutigen, sich
auszutauschen und Verständnis für Klimaschutzziele und -maßnahmen zu schaffen,
sind zwar für unmittelbar am Prozess beteiligte Bürgerinnen und Bürger erreicht,
nicht aber für die Allgemeinheit der Bonner:innen in ihrer vielfältigen
Zusammensetzung. Entscheidungsträger und Schlüsselpersonen aus der
Stadtgesellschaft, die im Rahmen der Evaluierung interviewt wurden und selbst nicht
am Prozess beteiligt waren, hatten kaum Kenntnis vom Beteiligungsprojekt. Hier
braucht es mehr Öffentlichkeitsarbeit mit einem größeren Budget, um den
Beteiligungsprozess mit den Ergebnissen bekannt zu machen und zuSeite 8 von 82
Seite 7
kommunizieren. Die unterentwickelte Öffentlichkeitsarbeit ist ein grundlegender
Mangel in der Konzeption des Projekts.
Die Pressearbeit war in weiten Teilen nicht wirksam, weder „klassisch“ in der
Tageszeitung noch „zeitgemäß“ über Social Media. Über reine Ankündigungen
hinaus gab es kaum eine lokale Berichterstattung. Insgesamt war das Projekt in der
Stadtgesellschaft wenig wahrnehmbar. Angemerkt sei hier aber, dass das Projekt
nicht den Anspruch einer Kampagne für den Klimaschutz hatte und es für einen
solchen Zweck kein Budget gab.
Der Prozessbeirat hat sich als ein sehr konstruktives Beratungsgremium gezeigt.
Seine „Multiplikatorenfunktion“ war allerdings kaum wahrnehmbar.
Die Maßnahmen zum Aufbau eines Kommunikationsnetzwerks konnten umgesetzt
und ausgewählten Initiativen ein Kommunikationstrainings- und ein
Beratungsangebot gemacht werden. Aufgrund von zeitlichen und finanziellen
Limitierungen war hiermit kaum eine Multiplikatorfunktion im Sinne des
Bonn4Future-Prozesses verbunden.
Die zielgruppenspezifischen Formate im Beteiligungsprozess haben nur ansatzweise
gewirkt. Dies gilt für die Beteiligung von Jugendlichen in einem eigenen Workshop.
Eine Beteiligung von Unternehmerinnen und Unternehmern in einem eigenen
Workshop hat nicht stattgefunden. Insgesamt ist es nicht in größerem Umfang
gelungen, eine breitangelegte Umsetzung des Bonn4Future-
Kommunikationskonzepts gemeinsam mit Kommunikationsnetzwerk Stadt und
weiteren Akteuren zu realisieren.
Die Breitenwirkung wurde auch durch zusätzliche Veranstaltungen (VHS, Nachtreffen
Klimaforum) nicht wirksam unterstützt.
6. Die Ergebnisverwertung des Klima-Aktionsplans blieb den teilnehmenden
Bürgerinnen und Bürgern unklar.
Bei einigen teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern wurden Enttäuschungen
geäußert, weil ihnen nicht klar geworden ist, was mit den Ergebnissen aus dem
Klima-Aktionsplan konkret passieren wird. Der politische Prozess, in den das
Beteiligungsprojekt Bonn4Future eingebettet ist, war für die Bürgerinnen und Bürger
an einigen Stellen nicht transparent. Offen blieb einigen Bürgerinnen und Bürgern,
wer Adressat des Klima-Aktionsplans gewesen ist und welche Rolle der Klima-
Aktionsplan auf dem Weg zu einer klimaneutralen Stadt spielt.
Das Verhältnis von städtischer Verwaltung und kommunaler Politik blieb den
Bürgerinnen und Bürgern unklar. Im Beteiligungsprozess wurde nicht bedacht, dassSeite 9 von 82
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Bürgerinnen und Bürger häufig nur ein geringes Verständnis für die politischen
Prozesse aufbringen und mit dem Zusammenwirken von Verwaltung und Politik
nicht vertraut sind.
7. Die parallellaufenden Prozesse des Klimaplans der Stadt und des Klima-
Aktionsplans von Bonn4Future waren in der zweiten Hälfte der Projektlaufzeit
schlecht aufeinander abgestimmt und haben dadurch ein effizientes,
ineinandergreifendes Arbeiten erschwert.
Der von der Stadt beauftragte Klimaplan wurde von einem Konsortium von
Gutachter:innen erstellt und hat zu einem handlungsorientierten Konzept auf
Expert:innenebene geführt. Zum bereits früher gestarteten Beteiligungsverfahren
Bonn4Future gab es während der Klimaforen 2 und 3 einen Kontakt und einen
Austausch, in dem Gutachter:innen ihre Expertise in die Foren eingebracht haben.
Eine grundlegende Zusammenarbeit fehlte jedoch. Dies erklärt, dass am Ende des
Beteiligungsprozesses zwei Pläne nebeneinander vorlagen – ein städtischer
Klimaplan und ein Klima-Aktionsplan von Bonn4Future.
Die weitgehende Fertigstellung des städtischen Klimaplans vor dem abschließenden
vierten Klimaforum, bei dem der Klima-Aktionsplan von Bonn4Future erarbeitet
wurde, konnte bei den teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern den Anschein
erwecken, als seien ihre Ergebnisse für das Handeln der Stadt nicht mehr relevant.
Dies hat bei einigen Mitwirkenden zu Irritationen geführt. Ursachen für die
unterschiedlichen Geschwindigkeiten der beiden Prozesse sind u.a. der Zeitdruck
durch Haushaltsfestlegungen im Stadtrat und Verzögerungen im
Beteiligungsprozess durch die Pandemie.
Der Aufwand, die Ergebnisse der beiden Pläne im Nachgang zusammenzuführen, ist
sehr hoch und kann voraussichtlich nicht vollständig gewährleistet werden. Es wird
jedoch mit viel ehren- und hauptamtlichem Engagement seitens Bonn im Wandel
und der Stadtverwaltung versucht, die Ergebnisse des Klima-Aktionsplans so weit
wie möglich parallel zum Klimaplan in den politischen Prozess einzuspielen.
8. Veränderungen in Personal und Struktur der Stadtverwaltung haben den
Beteiligungsprozess beeinflusst.
Während des Beteiligungsprozesses haben sich auf städtischer Seite Zuständigkeiten
für das Projekt Bonn4Future verändert. Lag die Verantwortung zunächst bei der
„Leitstelle Klimaschutz“ im Amt für Umwelt und Stadtgrün, übernahm das
„Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035“ die Verantwortung auf städtischer Seite.
Mehrere Personen wechselten durch die neuen Zuständigkeiten oder durch
Ausscheiden aus dem Dienst. Auch dadurch gewann der städtische Klimaplan anSeite 10 von 82
Seite 9
politischem Gewicht. Dies kann – neben den anstehenden Haushaltsberatungen –
einen Beitrag dazu geleistet haben, dass der städtische Klimaplan mit einer größeren
Geschwindigkeit als der Klima-Aktionsplan behandelt wurde. Für die Bestimmung
von Zielen und Maßnahmen ist dies förderlich, für die Wertschätzung der Arbeit im
Beteiligungsprozess war es zeitweise jedoch erschwerend, was durch ein kollegiales
Zusammenwirken von Bonn im Wandel und Stadtverwaltung im Projektteam
Bonn4Future kompensiert werden konnte. Auch bei Bonn im Wandel gab es
besonders in der Anfangsphase des Projekts Personalwechsel. Projekte mit längerer
Laufzeit müssen so aufgestellt werden, dass personelle und strukturelle Änderungen
verkraftet werden können – das ist in diesem Fall gelungen.
9. Die Kooperation zwischen der Bundesstadt Bonn und dem Verein Bonn im
Wandel war durch zwei ungleiche Partner charakterisiert.
Bonn4Future wurde als eine Kooperation zwischen der Bundesstadt Bonn und dem
Verein Bonn im Wandel umgesetzt. Alternativ wären die Vergabe eines Auftrags
durch die Stadt oder eine selbstständige Initiative der Zivilgesellschaft vorstellbar
gewesen, die unabhängig von der Stadtverwaltung organisiert gewesen wäre.
Kooperieren zwei Partner miteinander, die gegenseitig nicht weisungsbefugt sind,
erfordert dies laufend zahlreiche Abstimmungen, zumindest wenn sich
Zuständigkeiten nicht klar aufteilen lassen und es gemeinsamer Entscheidungen
bedarf. Bei der Erteilung eines Auftrags gibt es dies zwar ebenso, jedoch in
geringerem Maße. Bei einer rein zivilgesellschaftlichen Initiative, die unabhängig von
der Stadt agiert, braucht es solche Abstimmungen nicht.
Laufende Abstimmungen können den Nachteil haben, dass durch einen Partner
entwickelte konsistente Lösungen verwässert und Prozesse durch Abstimmungen
verlangsamt werden. Sie können aber den Vorteil haben, dass mehr Blickwinkel und
Perspektiven in die Erarbeitung von Lösungen einfließen und die Partner
voneinander lernen.
Eine Schwierigkeit bei einem Kooperationsprojekt wie Bonn4Future ist, dass die
Stadt Bonn zwei Rollen innehat. Sie ist im Projekt Kooperationspartnerin auf
Augenhöhe und durch ihre Rolle als Zuwendungsgeberin gleichermaßen hoheitliche
Behörde. Dazu verfügt sie über ungleich mehr Ressourcen, ist andererseits aber in
der Regel langsamer in ihrer Entscheidungsfindung, da viele Ämter einzubinden
sind, bevor eine Entscheidung gefällt wird.
Schwieriger bei einem Kooperationsprojekt ist zudem die Zurechenbarkeit von
Verantwortung. Es wird oft nicht klar, wer eigentlich eine Entscheidung getroffen hat.
Hinzu kommt, dass in der Außendarstellung des Projekts die Begriffe „Bonn imSeite 11 von 82
Seite 10
Wandel“, „Stadt Bonn“, „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ und „Bonn4Future – Wir
machen Wandel“ auftauchen und zahlreiche Teilnehmende dadurch nicht wissen,
wer genau entscheidet bzw. handelt.
Die beiden Akteure unterscheiden sich auch im Hinblick auf die ehrenamtliche
gegenüber der hauptamtlichen Aufgabenwahrnehmung. Auch wenn Bonn4Future
hauptamtliche Stellen im Projekt geschaffen hat, ist der Träger ehrenamtlich geführt.
Schon der Name von Bonn im Wandel deutet die Ausrichtung des Vereins an, der
der Transition Town-Initiative angehört. Es geht um Wandel, um Veränderung. Das
sind nicht die typischen Assoziationen, die man mit Verwaltung verbindet, die eher
für Beständigkeit und Verlässlichkeit steht. Beide Organisationen verstehen sich
jedoch als gemeinwohlorientiert, was eine Klammer und eine Basis für
Verständigung bietet.
10. Die Covid-19-Pandemie hat die Aktivitäten von Bonn4Future
beeinträchtigt.
Der Bonn4Future-Prozess fiel in die Zeit der Einschränkungen der Covid-19-
Pandemie. Diese Einschränkungen haben den Beteiligungsprozess beeinflusst. Einige
Veranstaltungen wurden verschoben bzw. zusammengelegt, andere Veranstaltungen
fanden online auf den Bildschirmen der Mitwirkenden statt. Für die
Präsenzveranstaltungen war ein deutlich höherer Aufwand in der Organisation
erforderlich, für Online-Veranstaltungen ist zu vermuten, dass Kreativität und
Phantasie bei der Entwicklung neuer Ideen und Konzepte beeinträchtigt wurden.
Unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen sind das hohe Engagement und die
Ergebnisse des Bonn4Future-Prozesses umso bemerkenswerter. Die Pandemie war
schließlich eine von Bonn4Future nicht zu verantwortende Ursache für die
Ungleichzeitigkeit von Klima-Aktionsplan und städtischem Klimaplan.Seite 12 von 82
Seite 11
II. Evaluierung einzelner Formate
Im Rahmen des Beteiligungsprozesses Bonn4Future wurden verschiedene Formate
eingesetzt, um die vier Ziele des Projekts („informieren“, „ermutigen“, „sich
austauschen“ und „Verständnis schaffen“) zu erreichen (s. Abbildung 1 – Schaubild
zum Ablauf des Projekts):
Abbildung 1: Ablauf des Bonn4Future-Prozesses
Quelle: https://beteiligung.bonn4future.de/de/fragen-und-antworten
Die Ziele von Bonn 4 Future
1. Die Beteiligten erfahren, was die Klimakrise bedeutet, dass sie gebraucht werden, um die
Weichen richtig zu stellen und was sie tun können, damit die Veränderung zur
klimaneutralen Stadt gelingt und die Potentiale genutzt werden können.
2. Der Prozess macht Mut, fördert Zusammenhalt, Lernen und Engagement in der
Gesellschaft. Der Prozess ermutigt und unterstützt die Stadt und ihre Bürger*innen,
gemeinsam neue Wege zu gehen für ein nachhaltiges und wertschätzendes Leben in Bonn:
Für uns, für andere Menschen und die Natur, deren Teil wir sind.
3. Diskussionen und Austausch unterstützen Politik und Verwaltung bei der Entwicklung von
tragfähigen Maßnahmen.
4. Durch transparente Information und gegenseitigen Austausch erfahren die
Maßnahmen der Stadt zum Klimaschutz mehr Verständnis und Akzeptanz
Quelle: §2 Abs. (5) des Kooperationsvertrags zwischen Bonn im Wandel e.V. und der
Bundestadt BonnSeite 13 von 82
Seite 12
Folgende Formate werden in diesem Abschnitt im Weiteren evaluiert:
 Zu Beginn des Projekts stand der Klimatag – auch Klimaaktionstag genannt
– der in erster Linie der Bekanntmachung des Projekts und der Vernetzung
der verschiedenen Akteure diente.
 Kernstück des Projekts waren die vier Klimaforen, die der
gemeinschaftlichen Erarbeitung des Klima-Aktionsplans dienten. Aufgrund
der Einschränkungen durch die Pandemie wurden im Laufe des Prozesses
zwei Foren zusammengelegt.
 Zur Vorbereitung bzw. Nachbereitung der Klimaforen fand viermal ein
Verwaltungsworkshop mit Mitarbeitenden der Stadtverwaltung statt.
 Zur Vermittlung der Ziele und Maßnahmen des gesamten Projekts wurde ein
Kommunikationskonzept verfolgt, bei dem eine
Kommunikationsakademie und Zielgruppen-Workshops eine zentrale
Rolle spielten. Ergänzend wurden einige Veranstaltungen zur Vernetzung
von Initiativen und Interessierten durchgeführt.
 Zur besseren Sichtbarkeit des Projekts wurde eine Nachhaltigkeitsplattform
aufgebaut, die vielfältig über das Thema Klimaneutralität informieren und
zum Austausch anregen soll.
 Begleitet wurde das Projekt von einem Prozess-Beirat, der mit etwa 25
Vertreterinnen und Vertretern verschiedener gesellschaftlicher
Gruppierungen besetzt war und der im Laufe der Projektzeit zehnmal
zusammengekommen ist.
Des Weiteren fanden regelmäßige Abstimmungsgespräche zwischen dem
Projektteam Bonn4Future und der städtischen Verwaltung statt, an denen das Team
der Evaluierung nicht teilgenommen hat und die deshalb hier nicht weiter
berücksichtigt werden.
Übersicht zu den Methoden der Begleitforschung
 Teilnehmende Beobachtung von diversen Veranstaltungen im Laufe des Bonn4Future-
Prozesses (Klimatag, Klimaforen, Kommunikationsakademie, Prozess-Beirat,
Verwaltungsworkshops, ...)
 Zwei Bevölkerungsbefragungen einer Auswahl von Bonner Bürgerinnen und Bürgern mit
Unterstützung der Stadtverwaltung im Juni 2021 und im Dezember 2022
 Drei Befragungen der Mitwirkenden im Anschluss an die Klimaforen
 Medien- bzw. Dokumentenanalyse der lokalen Presse und sporadisch von Social Media
 Beobachtung und Befragung zur Ausgestaltung der Nachhaltigkeitsplattform
 Interviews mit Expertinnen und ExpertenSeite 14 von 82
Seite 13
Bonn4Future ist als Kooperationsprojekt zwischen dem Verein Bonn im Wandel e.V.
und der Bundestadt Bonn für einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt. Für die
Umsetzung des Mitwirkungsverfahrens wurde ein eigens Projektteam eingerichtet.
Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Bonn waren
zudem an dem Projekt beteiligt. Ehrenamtlich wirkten Vereinsmitglieder
verschiedener Bonner Initiativen mit. In der Kooperation hatte das Projekt für die
beiden beteiligten Partner einen unterschiedlichen Stellenwert. Für die
Stadtverwaltung war es eines von vielen Projekten, für den Verein Bonn im Wandel
war es ein zentrales Projekt. Für beide Projektpartner war die Zusammenarbeit in
dieser Konstellation neu und nicht eingeübt. Umso bemerkenswerter sind die
verschiedenen Formate, die entwickelt wurden und die im Ergebnis der
Zusammenarbeit und der bürgerschaftlichen Mitwirkung nach zwei Jahren zum
Klima-Aktionsplan geführt haben.
Die Planung der einzelnen Bonn4Future-Veranstaltungen musste an die
Bedingungen der Covid19-Pandemie angepasst werden. Daher konnten einzelne
Veranstaltungsformate, wie beispielsweise ein zweiter Klimatag, nicht stattfinden
oder mussten in der Zeitplanung angepasst werden. So wurden die Klimaforen 2
und 3 als sogenanntes „Doppelforum“ gebündelt und auf einen späteren Zeitpunkt
als ursprünglich geplant verlegt. Die Präsenzveranstaltungen unter Pandemie-
Bedingungen bedeuteten zudem einen erhöhten Aufwand bei der Vorbereitung und
Durchführung, um den jeweils geltenden Hygienevorschriften bzw. -empfehlungen
gerecht zu werden. Einige Formate, darunter die Zusammenarbeit mit ausgewählten
Zielgruppen oder die Beiratssitzungen, fanden zeitweise online statt in Präsenz statt.
Daher sind bei der Evaluation die unterschiedlichen Vor- und Nachteile von Online-
und Präsenzveranstaltungen – auch in Abhängigkeit der teilnehmenden
Personengruppen – zu berücksichtigen. Diese Anpassungen konnten nur durch den
hohen – auch ehrenamtlichen – Einsatz der Kooperationspartner ermöglicht werden.
Bonn im Wandel hat nach eigenen Angaben allein für den Projektzeitraum (ohne
Projektentwicklung) ehrenamtliche Leistungen in Höhe von 59.000 Euro
dokumentiert.Seite 15 von 82
Seite 14
II. 1 Klimatag
Der Klimatag fand am 3. Juli 2021 in der Grünen Spielstadt in Präsenz statt. Rund 100
Personen nahmen teil. Die Begleitforschung war mit mehreren Personen vertreten,
die teilnehmend beobachteten und Gespräche mit Teilnehmer*innen zur Reflexion
der Veranstaltung führten. Die Beobachtungen und Gespräche lassen darauf
schließen, dass der Klimatag einen positiven Beitrag zur Erreichung der Projektziele
geleistet hat.
Ziel (1) informieren:
Während der Plenumsveranstaltung, den Barcamps und den Workshops wurde
relevantes Wissen zur Klimaneutralität vermittelt und aus unterschiedlichen
Perspektiven überlegt, wie die Klimaschutzziele bis 2035 erreicht werden können. Es
wurde rege diskutiert. Teilnehmer*innen zeigten sich zufrieden mit dem vermittelten
Wissen und motiviert, selbst konkrete Ideen beizusteuern. Es gab breite
Informationsmöglichkeiten, auch durch zahlreiche Poster, Broschüren und Schilder.
Ziel (2) ermutigen:
Über 100 Aktive nahmen am Klimatag teil und trugen zum Teil selbst zu Barcamps
und Workshops bei. Der Ort (Grüne Spielstadt) erwies sich als gut geeignet. Seine
Gestaltung ermöglichte eine entspannte Atmosphäre, die zum Mitmachen und
Austausch einlud. Teilnehmer*innen lobten diese Atmosphäre, den Umgang und den
Respekt untereinander. Der Ort wurde insgesamt als thematisch passend
beschrieben und Teilnehmer*innen zeigten sich hoch motiviert, den Klimatag zu
nutzen. Die Ansprache der Oberbürgermeisterin und der einführende Beitrag von
Prof. Dr. Nikolaus Froitzheim, Universität Bonn, wurden positiv bewertet. Das Team
von Bonn4Future dokumentierte die generierten Ideen umfassend und anschaulich.
Diese Dokumentationen wurden später allen Teilnehmer*innen zugänglich gemacht,
was ebenfalls positiv aufgenommen wurde.
Ziel (3) sich austauschen:
Der Klimatag bot hervorragende Gelegenheiten zur Vernetzung. Dies wurde
wiederholt von Beteiligten angemerkt. Einige Teilnehmende nutzten die Gelegenheit
für die Planung eigener weiterer Aktivitäten. Für die Vernetzung hätten sich einige
Teilnehmende allerdings noch etwas mehr Zeit gewünscht. Es wurde zudem
bedauert, dass vorwiegend bereits im Klima- und Umweltschutz aktive Personen am
Klimatag teilnahmen. Hierdurch gab es weniger „kontroverse“ Diskussionen. Beim
Alter und Geschlecht erschien die Zusammensetzung der Teilnehmer*innen aber
ausgeglichen.
Ziel (4) Verständnis schaffen: Dieses Ziel wurde hier noch nicht angestrebt.Seite 16 von 82
Seite 15
II. 2 Klimaforen
Kernstück des Projekts Bonn4Future waren die vier Klimaforen, die der
Vorbereitung und gemeinschaftlichen Erarbeitung des Klima-Aktionsplans dienten.
Auch die vier Klimaforen sollten zur Erreichung der vier Projektziele („informieren“,
„ermutigen“, „sich austauschen“ und „Verständnis schaffen“) beitragen. Zu diesen
vier Klimaforen fünf generelle Thesen vorweg, die sich auf alle Klimaforen beziehen:
These 1:
Durch das hohe Engagement aller Beteiligten, insbesondere der teilnehmenden
Bürger und Bürgerinnen, ist es gelungen, in den Klimaforen eine Vielzahl
konkreter Ideen und Maßnahmen zu entwickeln und sie in einem Klima-
Aktionsplan zu bündeln. Sollten die Ideen und Maßnahmen aus den
unterschiedlichsten Bereichen umgesetzt werden, können sie dazu beitragen,
dass Bonn bis 2035 klimaneutral wird.
These 2:
Die Teilnehmenden der Klimaforen waren nach Geschlecht und Alter in ihrer
Zusammensetzung ausgewogen. Bürgerinnen und Bürger mit
Migrationshintergrund und mit Beeinträchtigungen wurden durch gezielte
Ansprache im Laufe des Prozesses eingebunden. Nicht alle Hürden zur
Inklusivität konnten jedoch genommen werden. Zudem nahmen vor allem
Bürgerinnen und Bürger mit besonderem Interesse an der Thematik des
Klimaschutzes teil. Vor allem einkommensschwächere und bildungsfernere
Bürgerinnen und Bürger haben sich weniger beteiligt.
These 3:
Die Klimaforen waren von einem wertschätzenden und zielführenden
Austausch zwischen allen Beteiligten geprägt. Die teilnehmenden Bürgerinnen
und Bürger wurden vielseitig über wissenschaftliche Grundlagen und politische
Möglichkeiten informiert. Sie hatten Gelegenheit, ihren Sachverstand und ihre
Meinungen in den Beteiligungsprozess einzubringen. Allen Klimaforen
gemeinsam war ein sehr straffer Zeitplan, der die Ausarbeitung und
Darstellung konkreter Ideen und Maßnahmen einschränkte.
These 4:
Die Ergebnisse des Klimagutachtens für die Bundesstadt Bonn konnten erst ab
dem zweiten und dritten Klimaforum in den Bonn4Future-Prozess eingebracht
werden. Dies machte es den Teilnehmenden schwer, die eigenen Ideen
hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit einschätzen zu können.Seite 17 von 82
Seite 16
These 5:
Konkrete Informationen zu kommenden Schritten und Maßnahmen bzw. zu
politisch-institutionellen Rahmenbedingungen und Umsetzungsmöglichkeiten
wurden während des Beteiligungsprozesses zu wenig vermittelt. Es gibt Bedarf
an einer Klärung, wie die Ergebnisse des Klima-Aktionsplans in die weiteren
politischen Prozesse in Politik und Verwaltung eingehen.
II. 2.1 Klimaforen als wesentliches Format des
Beteiligungsprozesses
Die vier Klimaforen stehen an zentraler Stelle im Bonn4Future-Beteiligungsprozess
(Abbildung 1). Mit ihnen sollten zufällig ausgewählte Bonner Bürger*innen die
Möglichkeit erhalten, Ideen für ein klimaneutrales Bonn bis 2035 zu entwickeln. Dazu
besaßen die Foren, die in drei Veranstaltungen innerhalb von 12 Monaten
stattfanden, eine jeweils eigene thematische Fokussierung mit unterschiedlichem
Konkretisierungsgrad.
Das erste Forum wurde am 10.09. und 11.09.2021 im Bad Godesberger
Schauspielhaus durchgeführt. Mit der Entwicklung von Zukunftsbildern für ein
klimaneutrales Bonn war diese Veranstaltung eher grundlegend ausgerichtet. Das
zweite und dritte Forum, die zusammengelegt am 10.06. und 11.06.2022 in der
Beueler Brotfabrik stattfanden, bewegten sich auf einer thematisch konkreten Ebene.
Für die beiden Felder Wohnen und Mobilität wurden von den Teilnehmenden
Empfehlungen und Projektideen entwickelt. Während des vierten Klimaforums, das
am 09.09. und 10.09.2022 am Geographischen Institut der Universität Bonn
stattfand, wurden anhand von sieben Handlungsfeldern 36 lokale Aktionspläne für
das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 entwickelt.
Bei den Teilnehmenden aller Foren handelte es sich um zufällig ausgewählte Bonner
Bürger*innen, die ehrenamtlich an den Klimaforen teilnahmen. Eine angebotene
Aufwandsentschädigung von fünfzig Euro pro Forum wurde nach Angaben von
Bonn4Future von einem Drittel der Teilnehmer:innen in Anspruch genommen. Des
Weiteren nahmen Vertreter*innen der organisierten Zivilgesellschaft sowie externe
Expert:innen und Moderator:innen sowie Vertreter*innen aus Organisationen,
Kommunalpolitik und -verwaltung an den Foren teil.Seite 18 von 82
Seite 17
Das Evaluationsteam nutzte sowohl Methoden der qualitativen als auch der quantitativen
Sozialforschung. Den Kern bildeten teilnehmende Beobachtungen während der Klimaforen,
die jeweils von vier bis sechs Evaluator*innen gleichzeitig durchgeführt wurden, so dass
auch Arbeitsgruppen innerhalb der Foren besucht werden konnten. Zusätzlich wurde eine
quantitative Umfrage im Nachgang jedes Forums durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden
nach ihrer Einschätzung zu ihrer eigenen Informiertheit und ihrem Verständnis der
Klimakrise, ihren Einschätzungen zum Prozess hin zu einem klimaneutralen Bonn sowie zur
Wirkung des Klimaforums auf die eigene Person befragt.
II. 2.2 Erstes Klimaforum
Das erste Klimaforum fand im Bad Godesberger Schauspielhaus am 10. und
11.09.2021 statt. Am ersten Tag lag der Fokus auf dem Kennenlernen und
Informieren, während die Visions-Entwicklung für ein klimaneutrales Bonn im Jahre
2035 im Zentrum des zweiten Tages stand. Die Evaluationsziele 1 („informieren“)
sowie 2 („ermutigen“) wurden überwiegend erreicht. Für das Ziel 3 („sich
austauschen“) ist keine Bewertung abzugeben, das Ziel 4 („Verständnis schaffen“)
wurde nicht erfüllt. Die im Anschluss durchgeführte Umfrage unter den gelosten
Teilnehmenden bestätigte das Erreichen der Ziele 1 und 2. Sie zeigte allerdings auch
ein Defizit an Informationen zu Maßnahmen der Stadt Bonn sowie eine starke
soziokulturelle Homogenität der Teilnehmenden, die sie selbst als Mangel
wahrgenommen haben.
These zum Ziel (1) „informieren“:
Durch die einführenden Beiträge wurde das Evaluationsziel der Information
und des Verstehens der Herausforderungen der Klimakrise erfüllt.
Unterstützend kam hinzu, dass die Teilnehmenden bereits ein gutes
Vorverständnis und Problembewusstsein besaßen. In der späteren
Gruppenphase wurden Bezüge zu den Informationen der einführenden
Beiträge nur selten gemacht.
Die Vorträge von Expert*innen und Vertreter*innen der Stadt Bonn leisteten einen
einführenden Beitrag für ein Verständnis der Klimakrise sowie möglicher
Lösungsansätze. Dieses Element des Klimaforums deckte als Einführung das
Minimalziel des Verstehens ab. Einige Informationen schienen bereits bekannt,
andere neu zu sein. Bereits vor dem Klimaforum gab es offensichtlich bereits ein
grundlegendes Verständnis für Risiken der Klimakrise, ein hohesSeite 19 von 82
Seite 18
Problembewusstsein und eine positive Einstellung zum Ziel der Klimaneutralität. Den
Wortmeldungen und den Reaktionen des Publikums war bspw. zu entnehmen, dass
Lebensstiländerungen im Sinne einer Klimaneutralität befürwortet werden.
Bis zum ersten Plenum des zweiten Tages wurden die offenen Fragen des Vortags
schriftlich beantwortet, was zu einem besseren Verständnis beitrug. Eine
Zusammenfassung erfolgte durch die Plenumsleitung mündlich. In der späteren
Gruppenphase wurden von den Teilnehmenden jedoch nur selten direkte Bezüge zu
den fachlichen Inhalten des Vortags vorgenommen.
These zum Ziel (2) „ermutigen“:
Die Gestaltung des ersten Klimaforums hatte einen aktivierenden Effekt auf die
Teilnehmenden. Allerdings wurde die starke Homogenität der Teilnehmenden
als Mangel gesehen. Auch wiesen die entwickelten Visionen häufig keinen
unmittelbaren Bezug zum Ziel der Klimaneutralität auf.
Von Seiten der Moderation wurde eine wertschätzende Atmosphäre erzeugt.
Umgangsprinzipien wurden dargelegt, ein Fragespiel zum Kennenlernen des
Plenums veranstaltet, das gut angenommen wurde und einen aktivierenden Effekt
besaß. Murmelrunden nach den Vorträgen und die Möglichkeit für Wortbeiträge im
Plenum wirkten ebenfalls aktivierend. Nicht alle Teilnehmenden, die sich frühzeitig
im Plenum zu Wort gemeldet hatten, bekamen die Möglichkeit, sich zu äußern. Für
das Evaluationsziel des Ermutigens ist weiterhin von Nachteil, dass einzelne
Teilnehmende über kein Prozessverständnis – weder vom Beteiligungsverfahren
noch von den politischen Prozessen – verfügten. Insgesamt wurde der Prozess von
Bonn4Future sowie die mögliche Verwendung der Ergebnisse zu wenig erläutert.
Auch in den verschiedenen Kleingruppen schufen die jeweiligen Moderierenden eine
grundsätzlich wertschätzende Atmosphäre. An den Beiträgen der Teilnehmenden
wurde deutlich, dass die Motivation zur Mitwirkung am Klimaforum hoch war. Es
waren keine grundsätzlichen Vorbehalte im Sprechen miteinander oder vor der
Gruppe ersichtlich. Es bestand eine kommunikative Stimmung. Es war allerdings zu
spüren, dass die Teilnehmenden in Bezug auf den Bildungsstand und die „Weltsicht“
eher homogen waren. So machten z.B. Menschen mit einem Hochschulabschluss die
große Mehrheit aus (s. Abschnitt II 5 dieses Berichts). Die Wortbeiträge von
Teilnehmenden gingen in aller Regel in die gleiche Richtung, abweichende Beiträge
gab es selten. Die große Homogenität in Bezug auf die Sozioökonomie, den
(fehlenden) Migrationshintergrund und die vermutete politische Präferenz wurde
von zahlreichen Teilnehmenden als Mangel angesehen.
Die Elemente der inhaltlichen Arbeit („Traumreise“ in ein positives Bonn 2035,
Sammelphase von Visionen, Kleingruppenarbeit zur weiteren Visualisierung,Seite 20 von 82
Seite 19
Ergebnissicherung, Abschlussrunde) wurden von den Teilnehmenden gut
angenommen. Es kam ein offener Austausch zustande. Die Elemente waren
grundsätzlich geeignet, um sehr weitgefasste Visionen zu entwickeln. Dies führte
allerdings dazu, dass Ergebnisse entstanden, deren unmittelbarer Bezug zur
Klimaneutralität nicht erkennbar war. Verbindungen dazu wurden bis zum Ende
meist nicht explizit gefordert und somit häufig nicht hergestellt. Die erarbeiteten
Visionen waren eher wertbasierte Vorstellungen eines guten Lebens in urbanen
Räumen. Elemente zur Klimaneutralität wurden in aller Regel nur nachrangig, ohne
die Thematisierung von möglichen „Hebelwirkungen“ oder gar nicht explizit
abgebildet.
These zum Ziel (3) „sich austauschen“:
Das Evaluationsziel des Austauschs war im Rahmen des ersten Klimaforums
nicht zu bewerten.
Das Evaluationsziel des Austausches wurde im Rahmen des ersten Klimaforums nicht
explizit adressiert. Dies galt sowohl für die Plenumsveranstaltungen als auch für die
Gruppenphasen. Mitarbeitende der Stadt Bonn nahmen nur vereinzelt an der
Veranstaltung teil, die Stadt trat insgesamt kaum als ansprechbarer Akteur in
Erscheinung. Oberbürgermeisterin Katja Dörner sprach symbolisch von einem
„gemeinsamen Weg“ städtischer und bürgerschaftlicher Akteure. Der genaue
politische Prozess, in den die Formate von Bonn4Future eingebunden sind, blieb
unklar.
These zum Ziel (4): “Verständnis schaffen“:
Das Evaluationsziel der Akzeptanz bzw. des Verständnisses wurde nicht erfüllt.
Der Prozess von Bonn4Future sowie die kommunalpolitischen Prozesse
konnten durch die Teilnehmenden nicht überblickt werden.
Die späteren Prozesse, die sich an das Klimaforum anschlossen, wurden kurz
angesprochen, jedoch nicht im Detail erläutert. Nicht genügend dargestellt wurden
die Gegenstände nachfolgender Klimaforen, der Gesamtprozess von Bonn4Future
mit den verschiedenen Formaten sowie der kommunalpolitische Prozess, in dessen
Rahmen die Ergebnisse des Projekts verhandelt werden. Es erschien fraglich, ob die
Teilnehmenden den Prozess und ihren Beitrag darin überblicken. Das Evaluationsziel
der Akzeptanz bzw. des Verständnisses wurde an dieser Stelle daher nicht
unterstützt.Seite 21 von 82
Seite 20
II. 2.3 Zweites und drittes Klimaforum
Aufbauend auf den Zukunftsbildern aus dem ersten Klimaforum wurden am 10. und
11. Juni 2022 zwei parallele Klimaforen in der Bonner Brotfabrik durchgeführt. Der
thematische Fokus auf „Wohnen“ (Klimaforum 2) und „Mobilität“ (Klimaforum 3)
resultierte aus Diskussionen der ersten Ergebnisse mit Stadtverwaltung, Politik und
Expert:innen sowie aus der Einschätzung dieser beiden Bereiche als wichtigste
Stellschrauben für Klimaneutralität in Bonn.
Es waren ca. 100 zufällig geloste Bürger:innen sowie 50 Akteur:innen aus Initiativen
und Organisationen und Vertreter:innen der Stadtverwaltung, Expert:innen und
Wissenschaftler:innen zur Teilnahme eingeladen. Im Vorfeld sprach das Projektteam
Personen unterrepräsentierter Gruppen gezielt an, um ein adäquateres Abbild der
Zusammensetzung der Bonner Stadtgesellschaft zu erreichen.
Wissenschaftlich fundiertes Wissen zu Lösungsmöglichkeiten sowie ein
aufgezeichnetes Interview mit Joshua Omonuk (Fridays for Future, Uganda) zu
globalen Dimensionen des Klimawandels wurden den Teilnehmenden am ersten Tag
vorgestellt. Im Anschluss trafen sich die Teilnehmer:innen in ihren Gruppen für eine
kurze, moderierte Kennenlern-Runde und zum ersten Austausch über Erfahrungen
und Problembereiche. Fragen der Teilnehmenden wurden über Nacht schriftlich von
Expert:innen beantwortet.
Am zweiten Tag erarbeiteten die insgesamt acht Gruppen (vier pro Forum) in
mehreren vertiefenden, moderierten Workshop-Runden Projektideen und
Empfehlungen für mögliche und nötige Veränderungen, adressiert an relevante
Akteur:innen. Die Gruppen waren dazu angehalten, sich mit Perspektiven aus
Stadtteilen verschiedener Charakteristika auseinanderzusetzen. Anregungen
erhielten die Teilnehmenden auch durch Informationen zu den spezifischen
Unterthemen, die in den Räumen sowie auf Infotafeln und Aushängen im Innenhof
ausgehängt waren.
These zum Ziel (1) „informieren“:
Die Vermittlung relevanten Wissens über Risiken der Klimakrise und
Lösungsansätze war durch die informativen inhaltlichen Inputs gelungen. Es
gab viele Möglichkeiten zur Rückfrage und die Vermittlung von spezifischem
Wissen durch die anwesenden Expert:innen in den Gruppen half, Ideen zu
konkretisieren.
Von den Teilnehmenden wurden die inhaltlichen Inputs am ersten Nachmittag
ebenso wie die beratende Anwesenheit von Expert:innen überwiegend positiv
eingeschätzt. Hilfreich war hierfür zusätzlich der Austausch von Expertise unter denSeite 22 von 82
Seite 21
Teilnehmenden selbst. Die Vorträge waren überwiegend passend und verständlich.
Auch die Ziele des Beteiligungsprozesses wurden klar vermittelt, wobei
Rückmeldungen der Teilnehmenden deutlich machten, dass dies noch häufiger hätte
passieren können.
Die Diversität der Teilnehmenden führte jedoch erwartungsgemäß auch dazu, dass
einige ihre Vorkenntnisse wenig ausbauen konnten, während andere dem
Fachjargon nicht immer folgen konnten und sich sehr rasch in den Prozess und die
Thematik einarbeiten mussten. Mehr inhaltliche Vorabinformationen hätten hier ggf.
Abhilfe geschaffen und wurde von Teilnehmenden empfohlen, denen die Inputs zu
lang und die Einleitungen zu viel waren.
These zum Ziel (2) „ermutigen“:
Die Foren haben überwiegend einen motivierenden Effekt gehabt, wobei die
Teilnehmenden zu einem großen Teil bereits aktiviert waren. Es gab gute
Gelegenheiten, eigene Ideen zu entwickeln. Die Wirksamkeit des Prozesses
konnte trotz der insgesamt sehr wertschätzenden Atmosphäre jedoch nicht
ausreichend vermittelt werden. Hoher Zeitdruck führte außerdem dazu, dass
Potentiale und Expertisen einiger Beteiligter ungenutzt blieben.
Insgesamt wurden die Foren als ermutigend eingeschätzt. Es wurde schon während
der Begrüßung mehrfach betont, dass die Stadtgesellschaft ein wichtiger Akteur ist
und die Bürger:innen die Expert:innen für ihren Alltag sind. Die Ansprache der
Oberbürgermeisterin am ersten Tag wurde von vielen als ein Zeichen der
Wertschätzung empfunden.
Teilnehmende erhielten vor allem am zweiten Tag viele Gelegenheiten, selbst Ideen
zu entwickeln. Die Referentinnen und Referenten verschreckten trotz realistischer
Darstellung der Probleme nicht mit negativen Botschaften, sondern zeigten
Lösungsmöglichkeiten auf. Dennoch äußerten sich einige Teilnehmende in den
Feedbackrunden betroffen über das Ausmaß der Klimakrise und wie wenig derzeit
getan wird, um sie zu bewältigen. Daran schloss sich für manche die Hoffnung, für
andere die explizite Erwartung, dass Bonn4Fututre zu konkreten Umsetzungen
gelangt und nicht nur Ideen entwickelt. Es wurden außerdem Beteiligungsverfahren
in allen Städten gefordert und der Wunsch nach Langfristigkeit geäußert (z.B. mit
festen Anlaufstellen in jedem Viertel).
Die Moderationen verliefen sehr strukturiert. Mögliche Schwierigkeiten wurden
antizipiert. Es wurden strukturgebende Inputs und meist klare Aufgabenstellungen in
die Gruppenarbeiten gegeben. Die Teilnehmenden wurden angeregt, über
Hindernisse für die Umsetzung von Visionen nachzudenken und diese inSeite 23 von 82
Seite 22
Überlegungen über konkrete und besonders aussichtsreiche Vorschläge
miteinzubeziehen. Die Atmosphäre lud zu Nachfragen ein, ältere Gruppenmitglieder
erklärten den jüngeren bspw. Begrifflichkeiten. Zudem luden die Moderator:innen
wiederholt dazu ein, sich hier und im weiteren Prozess einzubringen.
Überwiegend lobten Teilnehmende die wertschätzende, offene Atmosphäre der
Foren, insbesondere die Gruppenarbeit mit ihrer „guten Mischung an Menschen und
Gesprächskultur.“ Auch untereinander regten die Teilnehmenden sich gegenseitig
an, aktiv zu werden und sich zu engagieren. Es wurde aber auch Skepsis gegenüber
dem Ablauf des Forums und seiner Effektivität geäußert und nicht immer war die
Gruppendynamik förderlich für gleichberechtigte Beiträge aller Teilnehmenden.
Zur Aktivierung der Teilnehmenden trugen auch die im Innenhof angebotenen
Mitmachstationen bei, in der sich Menschen zu neuen Initiativen zusammenfinden
konnten, sowie eine Fotobox und die Möglichkeit, am Ausgang niederschwellig ein
aktives Interesse an weiterer Mitarbeit zu bekunden. Durch den hohen Zeitdruck
konnten die Mitmachstationen, Informationen und weiteren Inputmöglichkeiten
jedoch kaum genutzt werden und auch für den Aufbau von Kontakten, die für die
Umsetzung neuer Ideen wichtig sind, gab es wenig Zeit.
Der hohe Zeitdruck erzeugte auch insofern Frustrationen, als die Ausarbeitung der
konkreten Ideen weniger reflektiert und tiefgründig ablaufen konnte, als
wünschenswert gewesen wäre, um die Expertise der Teilnehmenden adäquat zu
nutzen und sichtbar zu machen. Zudem waren die abschließend im Plenum
vorgestellten Forderungen sehr viel allgemeiner als die konkret und sorgfältig
ausgearbeiteten Ideen, was den Eindruck erweckte, dass die Vorschläge nicht
unbedingt weiterverwendet werden. Insgesamt waren einigen Teilnehmenden die
Zielsetzung und ihre Rolle im Prozess nicht klar.
Gegen Ende äußerten sich einige enttäuscht über das „unkonkrete Ergebnis“. Andere
unterstrichen, wie wichtig es sei, dass ihre Ergebnisse ernst genommen und von
Multiplikator:innen weiter in die Stadtgesellschaft kommuniziert würden. Zweifel
wurden auch an der Zusammensetzung der Teilnehmenden geäußert. Trotz hoher
sozio-kultureller Diversität wurde das abgebildete Meinungsspektrum von den
Beteiligten überwiegend als zu homogen eingeschätzt (man spricht überwiegend
mit Gleichgesinnten). Dadurch blieben Widersprüche verdeckt, die Ergebnisse zum
Teil unrealistisch und Zukunftsvisionen nicht vielfältig genug, um in der
Stadtgesellschaft auf breite Resonanz zu stoßen. Diese Kritiken können jedoch auch
als ein Zeichen der reflektierten Herangehensweise vieler Teilnehmer:innen
verstanden werden. Sie waren bereit, eigene Positionen zu hinterfragen.Seite 24 von 82
Seite 23
These zum Ziel (3) „sich austauschen“:
Die Einzelheiten des Prozesses und seiner Bedeutung für die Entwicklung von
Maßnahmen der Politik und Verwaltung blieben eine „Black Box“ für viele
Teilnehmende.
Das Interesse an den Ideen und Vorschlägen der Bürger:innen seitens der
Stadtverwaltung wurde mehrfach klar signalisiert, u.a. in den Begrüßungen durch
Gesa Maschkowski und Oberbürgermeisterin Katja Dörner sowie von anwesenden
Vertreter:innen der Verwaltung in den Gruppen. Zu Beginn wurde der Ablauf des
Beteiligungsverfahrens transparent gemacht, bzw. wie der Output des Forums in die
Fachausschüsse gelangen soll. Es wurde vermittelt, dass die Empfehlungen von der
Verwaltung umgesetzt werden müssen, wobei die Foren diese schon „auf dem Weg“
dahin inspirieren sollen. Vielfach zeigten Rückfragen und das Feedback der
Teilnehmenden jedoch, dass sich viele dennoch unzureichend informiert über die
Einzelheiten des Prozesses - von der Ideenentwicklung hin zu konkreten
Maßnahmen der Stadt - fühlten.
In einigen Gruppen fand nur wenig Dialog zwischen den Bürger:innen und
anwesenden Mitgliedern der Verwaltung statt, vermutlich auch deshalb, weil
Verwaltungsmitarbeiter:innen den Prozess nicht dominieren und zu stark
beeinflussen wollten. In anderen Gruppen gelang es ihnen jedoch, sich engagiert
und offen für Ideen und Anregungen zu präsentieren. Verwaltungsmitarbeiter:innen
wurden hier z.T. direkt von Teilnehmenden angesprochen.
These zum Ziel (4) „Verständnis schaffen“:
Maßnahmen der Stadt standen nicht im Vordergrund der Veranstaltung,
wurden aber in einigen Vorträgen kurz vorgestellt. Teilnehmende erfuhren
dennoch wenig Konkretes über das Zusammenwirken von Politik, Verwaltung
und Beteiligungsprozess.
Informationen zu aktuellen Maßnahmen der Stadt und zum Klimaplan wurden
ansatzweise in den Begrüßungen und Vorträgen von Verwaltungsmitarbeiter:innen
mitgeteilt, blieben aber recht vage und z.T. unbegründet. Die Rolle der Stadt als
potentielle Wegweiserin mit Vorbildfunktion wurde z.T. in den Vorträgen
unterstrichen und es wurde auch um Akzeptanz der Grenzen städtischer
Handlungskapazitäten und -möglichkeiten geworben.
Einige Teilnehmer:innen äußerten die Erwartung, mehr über die Stadt Bonn zu
lernen. Von ihnen wurde ein Mangel an Information und zu wenig Anreize zum
Mitmachen seitens der Stadt kritisiert, was aber eher allgemeine
Beteiligungsmöglichkeiten betraf.Seite 25 von 82
Seite 24
Weitere Anmerkungen
Positiv wurde aus der Evaluationsgruppe und von verschiedenen Teilnehmer:innen
wahrgenommen, dass die Diversität zum Beispiel mit Blick auf Behinderung bzw.
Einschränkung sowie Migration höher war als beim ersten Klimaforum.
Simultanübersetzungen wurden ebenso angeboten. Um ein barrierefreies oder
barrierearmes Arbeiten zu ermöglichen, wären aber im Vorfeld geplante
methodische Anpassungen nötig gewesen. Einige Barrieren (z.B. Akustik oder
Verwendung schriftlicher Materialien) wurden erst im Prozess der Gruppenarbeit
bemerkt und mussten dann spontan adressiert werden. Auch die unterschiedlichen
Wissensstände und die Verwendung von Fachbegriffen erschwerten jüngeren
Teilnehmer:innen und jenen mit weniger Vorkenntnissen die Beteiligung auf
Augenhöhe.Seite 26 von 82
Seite 25
II. 2.4 Viertes Klimaforum
Das abschließende vierte Klimaforum fand am 9. und 10. September 2022 in den
Räumen des Geographischen Instituts, des Poppelsdorfer Schlosses und weiteren
Räumen der Universität Bonn statt. Eingeladen waren – wie bereits in den Klimaforen
zuvor – ca. 100 Bürger:innen, Initiativen und Organisationen sowie eine Vielzahl von
Akteur:innen und Vertreter:innen der Stadtverwaltung. Durch gezielte Ansprache
und zweite Verlosung in unterrepräsentierten Stadtteilen konnte eine
Zusammensetzung erreicht werden, die der statistischen Verteilung in den Bereichen
Bildungsabschluss und Migrationshintergrund der Stadt Bonn in etwa entspricht (s.
Abschnitt II 5).
Der erste Nachmittag galt neben einem kurzen Kennenlernen der Vermittlung von
Wissen zum Beteiligungsprozess, zur Situation in Bonn und zu unterschiedlichen
Möglichkeiten der Transformation hin zu Klimaneutralität. Expert:innen gaben hierzu
weitere inhaltliche Inputs in den Arbeitsgruppen. Am zweiten Tag entwickelten die
Teilnehmenden Ideen, Meilensteine und erste Schritte für den Klima-Aktionsplan in
thematisch fokussierten Gruppen und Kleingruppen. Dabei entstanden 37
Aktionspläne, von denen zum Abschluss eine Auswahl im Plenum der
Oberbürgermeisterin vorgestellt wurde.
These zum Ziel (1) „informieren“:
Fachliche Expertise zu den sieben Unterthemen wurde überwiegend
verständlich und fokussiert in einer Vielzahl inhaltlicher Vorträge vermittelt
und ist als Mehrwert für die meisten Beteiligten einzuschätzen. Meilensteine
und Aktionspläne konnten so informierter und fundierter entwickelt werden.
Die Vielzahl und Länge einiger Inputs führte jedoch zu einem gewissen
Ungleichgewicht zwischen Input und Austausch im Beteiligungsprozess. Den
Teilnehmenden blieb so zu wenig Zeit für die eigene Arbeit.
Die spezifischen Inputs wirkten inspirierend, teilten vielfältige Informationen und
waren von hoher Fachkompetenz gekennzeichnet. Zum Teil wurden aber auch
Kenntnisse vorausgesetzt und Fachbegriffe verwendet, die sich nicht alle
Teilnehmenden erschließen konnten. In den folgenden Diskussionen wurden
einzelne Punkte aus den Vorträgen immer wieder aufgegriffen. Insgesamt war es
aber wohl etwas zu viel des Guten. Durch Länge und Anzahl der Inputs blieb
manchen Gruppen wenig Zeit für die Kleingruppenarbeit und für Reflexionen.
Diejenigen, die nur am ersten Tag teilnehmen konnten, hatten wenige
Möglichkeiten, ihre Ideen einzubringen.
Manche inhaltlichen Informationen zur Klimakrise hätten ggf. schon vorab geteilt
werden können, als Vorbereitung auf die Veranstaltung. Dies hätte unterschiedlicheSeite 27 von 82
Seite 26
Wissensstände im Vorfeld ausgeglichen und Neuankömmlingen den Einstieg
erleichtert.
Die Diskussionen im Plenum und die Vorschläge, die von den Teilnehmenden am
zweiten Tag miteinander geteilt und weiterentwickelt wurden, zeigten ein gutes
Verständnis vom Zusammenwirken unterschiedlicher Kräfte, den Einflussfaktoren
und den Möglichkeiten, dennoch konkrete Maßnahmen zu entwickeln und
umzusetzen, wenngleich wenig Informationen zu konkreten Maßnahmen der Stadt
geteilt wurden (siehe Ziel 3).
These zum Ziel (2) „ermutigen“:
Neben der überwiegend als wertschätzend und offen eingeschätzten
Atmosphäre der Veranstaltung trug auch die Anwesenheit von Akteur:innen
aus der Praxis stark dazu bei, dass das Klimaforum von vielen Teilnehmenden
als Bereicherung und motivierende Erfahrung empfunden wurde. Förderlich
waren hierfür auch die Zusammenarbeit und das Gefühl, „gemeinsam an einem
Strang“ zu ziehen. Im Widerspruch dazu standen jedoch Zeitdruck und
Erfahrungen der Ausgrenzung durch mangelnde Barrierefreiheit am
Veranstaltungsort.
Die Gruppenarbeit war von einer wertschätzenden Atmosphäre geprägt, bei der die
Teilnehmenden sich frei äußern konnten und dies in der Regel auch taten. Ein
gegenseitiges, wertfreies Zuhören wurde von den Moderator:innen gefördert.
Allerdings wurden einige Diskussionen mit Verweis auf Zeitmangel beendet, ohne
dass einzelne Punkte vertieft werden konnten. Insgesamt fehlte Teilnehmenden in
allen Gruppe ausreichend Zeit für Reflexion, Vertiefung und Erarbeitung konkreter
Schritte. Gerade für die zentrale Entwicklung der Aktionspläne und Meilensteine
blieb im Schnitt nur eine Stunde, in der sich die Teilnehmenden finden, austauschen
und mehrere Dokumente erstellen mussten. So wurden zwar viele Ideen skizziert,
aber es gelang nur bedingt, Einzelheiten zu erklären und zusammenhängende
Zukunftsbilder zu entwickeln. Ob in der Kürze der Zeit eine nachhaltige Stimmung
des Aufbruchs geschaffen werden konnte, ist fraglich. Teilnehmer:innen merkten an,
dass es dem Projekt an Kontinuität fehle und ein langfristigerer Beteiligungsprozess
nötig sei. Obwohl das Klimaforum für viele Teilnehmer:innen eine persönliche
Bereicherung und motivierende Erfahrung war, wurde wiederholt kritisch angemerkt,
dass durch den Zeitdruck und durch die starke Fokussierung gute Ideen
verlorengingen und man kaum über das Ideenstadium hinauskam.
Kontakte wurden u.a. in Pausengesprächen geknüpft, aber inwiefern diese zu neuen
Initiativen führten oder dazu, dass Teilnehmende Ideen selbständig umsetzen, war
aus der Beobachtung heraus nur schwer einzuschätzen.Seite 28 von 82
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Probleme bereitete auch die mangelnde Barrierefreiheit in den universitären
Räumlichkeiten. Eine Beteiligte mit Schwerbehinderung musste die Veranstaltung
komplett verlassen, weitere hatten Probleme bei der Nutzung von Fahrstühlen und
dem Zugang zu Toiletten. Auch wurde die Universität von einigen Beteiligten nicht
als niederschwellig genug wahrgenommen. Es wurde empfohlen, ähnliche
Veranstaltungen eher in Gesamtschulen durchzuführen, um mehr Menschen
unterschiedlicher sozialer Hintergründe zur Beteiligung zu ermutigen.
These zum Ziel (3) „sich austauschen“:
Die zahlreichen Vertreter:innen der Verwaltung, Expert:innen und Akteur:innen
vermittelten, dass die Ideen der Bürger:innen sie in ihrer Arbeit inspirieren und
von ihnen weiterverfolgt würden. Ob und wie die Ergebnisse in Maßnahmen
der Stadt münden, blieb jedoch weitgehend unklar.
Es waren erkennbar viele Vertreter:innen der Verwaltung und Expert:innen
anwesend, die sich engagiert einbrachten, ohne den Prozess zu dominieren. Auch in
den meisten Kleingruppen fand ein Austausch von Verwaltung, Initiativen und
Bürger:innen statt. Allerdings fehlte auch hier oft die Zeit für tiefgründigere
Gespräche.
Grenzen städtischen Handelns wurden aus einzelnen Vorträgen deutlich. Es gab
jedoch nur wenige Informationen zu Maßnahmen der Stadt und es blieb unklar, ob
und wie die Diskussionen und Ideen Politik und Verwaltung bei Entwicklung von
Maßnahmen unterstützen. Die Teilnahme und das offene Ohr der
Oberbürgermeisterin wurden positiv als ermutigend und motivierend
wahrgenommen. Dennoch äußerten einige Teilnehmende Zweifel an der Umsetzung
der Maßnahmen. Mehrfach wurde der Wunsch nach einer Verstetigung des
Austauschs mit der Stadt geäußert.
Bürger:innen mit besonderer Expertise in bestimmten Bereichen konnten diese nicht
immer gewinnbringend einbringen, weil die Themen zufällig zugeteilt wurden. Auch
deutete die folgende Bitte einer der Gruppen in der Abschlussvorstellung darauf hin,
dass der Ideenreichtum der Bürger:innen abschließend nicht ausreichend dargestellt
werden konnte: „Wir hatten wesentlich mehr Ideen und würden darum bitten, dass
hier nochmal nachgeschaut wird und das nicht untergeht.“
These zum Ziel (4) „Verständnis schaffen“:
Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Bonn
im Wandel und der Stadtverwaltung im Beteiligungsprozess. Es wurde jedochSeite 29 von 82
Seite 28
unzureichend klar, wie der städtische Klimaplan mit dem Klima-Aktionsplan
der Bürger:innen verknüpft ist.
Es wurde im Plenum vermittelt, dass Ergebnisse des 2. und 3. Klimaforums in den
Klimaplan der Stadt aufgenommen wurden und dass die Ergebnisse des 4.
Klimaforums nach Sichtung von der Verwaltung diskutiert werden würden. Unklar
blieb vielen Bürger:innen dennoch, wie die Ergebnisse ins Verwaltungshandeln
einfließen: “Man weiß nicht, was mit den Ergebnissen der Beteiligung geschieht.” Eine
klare nachträgliche Rückmeldung an alle Beteiligten wäre hier wünschenswert, um
das geschaffene Vertrauen zu erhalten und demokratische Prozesse in Bonn
insgesamt zu stärken.
Die Frage, wieso Bonn4Future und der städtische Klimaplan nicht von Beginn an
gemeinsam geplant und gedacht wurden, stellten einige Teilnehmende. Hier gab es
Aufklärungsbedarf. Abhilfe schuf z.T. eine in der Mittagspause angebotene
Sprechstunde, in der Fragen zum Klimaplan und zu Klimaschutzinitiativen der
Stadtverwaltung gestellt werden konnten. Dies war allerdings nicht ausreichend. Die
Chance, mittels des Klimaforums den Zusammenhang zwischen Politik, Verwaltung
und Zivilgesellschaft zu erklären, wurde nicht ausreichend genutzt.
II.2.5 Diversität – Wie gut bilden die Klimaforum die Bonner
Bevölkerung ab?
Im Zwischenbericht der Evaluation wurde dargestellt, dass auf der Basis
unterschiedlicher Beobachtungen der Eindruck entstand, der Kreis der
Teilnehmenden an den Klimaforen sei nicht divers genug und er müsse deshalb
erhöht werden (vgl. Hörschelmann u.a. 2021: 21-23)
Die Aktivitäten des Bonn4Future-Teams, diesem Kritikpunkt zu begegnen, waren in
den Folgeveranstaltungen, den Klimaforen 2/3 und 4, durchaus erfolgreich. Für das
Klimaforum 1 lagen nur qualitative Einschätzungen aus der teilnehmenden
Beobachtung und den Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst
vor. Daten beispielsweise zum Migrationshintergrund der Teilnehmenden wurden
seinerzeit nicht erhoben.
Die ergriffenen Maßnahmen der direkten Ansprache von Zielgruppen und der
zweistufigen Ziehung der Teilnehmenden mit einer Abfrage von Alter, Wohnort
(PLZ), Schul- und Berufsabschluss sowie Migrationserfahrung führten zu einer
ausgewogeneren Besetzung des Teilnehmendenkreises. Im Folgenden werden nur
die Zahlen der Klimaforen 2/3 und 4 diskutiert, weil hierzu die Angaben für alle
Teilnehmenden vorliegen.Seite 30 von 82
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Klimaforum
2/3
Klimaforum 4 Stadt Bonn
(Fach-)Hochschulreife 78% 1 69% 1 56% 2
(Fach-)Hochschulabschluss 51% 1 30% 1 33% 2
Migrationshintergrund 29% 1 34% 1 30% 3
Tabelle 1: Verschiedene Dimensionen der Diversität;
Quellen: 1 TN-Listen Bonn4Future, 2 Mikrozensus 2019, 3 Bundesstadt Bonn 2021:10.
Von den 112 Einwohner:innen, die auf der Teilnahmeliste des Klimaforums 2/3
standen, hatten 33 Personen – also 29% – einen eigenen oder familiären
Migrationshintergrund. Von 87 teilnehmenden ausgelosten Einwohner:innen des
Klimaforums 4 hatten 30 einen eigenen oder familiären Migrationshintergrund. Das
entspricht einem Prozentwert von ca. 34%. Der vom Einwohnermeldeamt mitgeteilte
Wert für die Bundesstadt Bonn entspricht 30% (vgl. Tabelle 1). Die Werte sind
eingeschränkt vergleichbar, da die Angaben der Teilnehmenden der Klimaforen
Selbstauskünfte eines eigenen oder familiären Migrationshintergrundes sind, die
Werte der Stadt Bonn die Addition der Kategorien „Ausländer“ und „Doppelstaatler“.
Im Klimaforum 2/3 hatten 78% der auf der Teilnahmeliste aufgeführten
Einwohner:innen eine (Fach-)Hochschulreife und 51% einen (Fach-
)Hochschulabschluss. Im Klimaforum 4 waren es 69% der Teilnehmenden mit einer
(Fach-)Hochschulreife und 30% mit einem (Fach-)Hochschulabschluss. Die
Teilnehmenden der Klimaforen verfügen damit über formal höhere Schulabschlüsse
als die Bonner Bevölkerung, in der laut 2019er Mikrozensus 56% eine Fach-
/Hochschulreife haben.
Beim beruflichen Ausbildungsabschluss sind die Teilnehmenden dem Bonner Schnitt
durch die Aktivitäten der gezielten Ansprache und der zweistufigen Auswahl recht
nahe gekommen. Hier gibt es 33% akademische Abschlüsse und 29%
Lehre/Berufsausbildung (ebenfalls laut Mikrozensus 2019)
Während die Werte der akademischen Abschlüsse im Klimaforum 4 fast die Werte
der Gesamtstadt erreichen, ist das bei den abgefragten Parteipräferenzen (Wir
fragten die Teilnehmenden anonym nach ihrer letzten Kommunalwahlentscheidung)
nicht der Fall.Seite 31 von 82
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Die Antwortenden der Befragung der Klimaforen wählen eher die Grünen (81 von
166 Antwortenden in den drei Befragungen, statt erwarteter 35, wenn die
Kommunalwahlergebnisse 2020 gelten würden). Die Linke (8) und die FDP (7)
wurden genauso häufig genannt, wie es nach dem Kommunalwahlergebnis zu
erwarten war. Wähler:innen von CDU (14 statt 33), SPD (12 statt 20) und Volt (5 statt
6) waren weniger vertreten als nach dem Kommunalwahlergebnis zu erwarten
gewesen wären. Wähler:innen von BBB, AfD, Die Partei und BIG waren gar nicht
unter den Antwortenden.
Da 27 Teilnehmer:innen mit „keine Angabe“ geantwortet haben und ca. 80
Teilnehmer:innen der Klimaforen die Umfrage nicht ausgefüllt haben, sind die
Aussagen sehr vorsichtig zu interpretieren. Die Selbstauswahl bei der Beantwortung
der Evaluationsfragen könnte zum Beispiel mit der Parteipräferenz korrelieren, so
dass die 27 „keine Angabe“ Antwortenden und die ca. 80 Teilnehmer:innen, die gar
nicht an der Umfrage teilgenommen haben, das Bild der vermuteten
Parteipräferenzen radikal verändern würden, wenn diese Gruppe beispielsweise
überwiegend die CDU oder den BBB wählen würden.
Wie im dritten Abschnitt des Berichts auch in den weiteren Ergebnissen der
Interviews mit Expert*innen dargestellt wird, ist die Gruppe eher konservativer, dem
Konzept der Klimaneutralität ferner stehender Akteure schwerer zu erreichen. Hier ist
vermutlich eine gezielte Vertrauensbildung erforderlich, um eine engagierte
Teilnahme an Beteiligungsveranstaltungen zur Klimaneutralität zukünftig zu
erreichen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Bonn4Future die Diversität der
Teilnehmenden im Laufe des Prozesses dank umfangreicher Maßnahmen
gesteigert hat.
Generell ist für eine konsultative Beteiligung, die das Projekt Bonn4Future
auszeichnet, nicht entscheidend, jede Gruppe exakt entsprechend ihrem Anteil
abzubilden. Wichtig ist es vielmehr, möglichst viele vorhandene Perspektiven
der Stadtgesellschaft abbilden zu können. Das ist in Teilen gelungen.Seite 32 von 82
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II. 3 Verwaltungsworkshops
Im Laufe des Projekts Bonn4Future haben am 30.11.2021, am 17.01.2022, am
20.6.2022 und am 26.9.2022 vier Verwaltungsworkshops stattgefunden. Das
Projektteam von Bonn4Future hat jeweils über den Stand des Projekts informiert und
sich ausführlich mit Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern ausgetauscht. Zu
den Verwaltungsworkshops zusammenfassend die folgenden vier Thesen:
These 1:
Dem Projektteam von Bonn4Future ist es gelungen, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Stadtverwaltung aus unterschiedlichen
Verantwortungsbereichen über das Projekt Bonn4Future zu informieren und
für eine Mitwirkung an den Klimaforen zu gewinnen.
These 2:
Dem Projektteam von Bonn4Future ist es gelungen, für den
Beteiligungsprozess in der Verwaltung zu sensibilisieren und die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung auch untereinander in eine
noch intensivere Diskussion zu bringen. In den Verwaltungsworkshops wurde
durch die Moderation ein kooperatives und offenes Arbeitsklima geschaffen.
These 3:
Dem Projektteam von Bonn4Future ist es gelungen, gemeinsam mit den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung eine sehr
wertschätzende Haltung gegenüber den Aktivitäten der zivilgesellschaftlichen
Akteure einzunehmen. Ergebnisse des Klimaforums werden in der Verwaltung
mit Interesse aufgenommen und diskutiert, wenn auch die Zeit für den
Austausch knapp war.
These 4:
Es bleibt unklar, in welchen Verantwortungsbereichen die Ergebnisse des
Mitwirkungsverfahrens weiterbearbeitet werden und wie sie in die städtischen
Aktivitäten zum Klimaschutz eingehen. Zudem bleibt die Rolle der einzelnen
Ämter und der Politik bei kommunalen Aktivitäten zum Klimaschutz nach
außen zu wenig transparent.
Der erste Verwaltungsworkshop fand in einem kleinen Kreis zwischen Bonn4Future
und der Verwaltung statt. Die Ergebnisse des ersten Klimaforums wurdenSeite 33 von 82
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besprochen. Am zweiten Verwaltungsworkshop nahmen rund 25 Personen aus der
Verwaltung und von Bonn im Wandel e.V. teil. Diesem Personenkreis wurde in einem
digitalen Format über die Aktivitäten von Bonn4Future berichtet und für eine
Mitwirkung an den weiteren Klimaforen geworben. Anregungen für die
Ausgestaltung des folgenden Klimaforums wurden gegeben. Am dritten Workshop
waren nicht nur Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter aus verschiedenen
Ämtern, Personen von Bonn im Wandel sowie Vertreter städtischer Einrichtungen,
sondern auch ein Vertreter des Konsortiums für den Bonner Klimaplan vertreten, um
den Prozess zu reflektieren und weitere Schritte vorzubereiten. Der Workshop fand
in Präsenz statt und wurde extern moderiert. Im vierten Workshop wurden dann
schließlich die Ergebnisse des letzten Klimaforums, der Klima-Aktionsplan, in Präsenz
diskutiert. Sehr viele und sehr komplexe Themen standen bei diesem Workshop auf
der Agenda. Für die konkrete Bearbeitung der Vorschläge aus der Bürgerschaft war
die Zeit nicht ausreichend. Nicht deutlich wurde, wie die Ergebnisse der Klimaforen
Eingang in die Verwaltungsarbeit bzw. in den Klimaplan des Konsortiums finden
werden.
Die Verwaltungsworkshops haben dazu beigetragen, das Ziel zu erreichen, einen
Austausch zwischen den Anliegen des Projekts und der Verwaltung zu ermöglichen.Seite 34 von 82
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II. 4 Kommunikationsnetzwerk
II.4.1 Kommunikationskonzept und Ansprache ausgewählter
Zielgruppen
Der Aufbau eines Netzwerks an engagierten Akteuren sowie die Entwicklung eines
Kommunikationskonzepts stellten einen weiteren zentralen Baustein der Aktivitäten
im Bonn4Future-Prozess dar. Dieser Netzwerkansatz zur Kommunikation von Projekt
und Ergebnissen sollte eine Sichtbarkeit bei ausgewählten Zielgruppen erhöhen und
es den mit Bonn4Future verbundenen Akteuren ermöglichen, als Multiplikator:innen
eigene Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit zu entwickeln, unter anderem um mit
diesen Gruppen in Kontakt zu treten.
Dies sollte in einem zweiten Schritt auch dazu dienen, ausgewählte Zielgruppen
verstärkt in den Bonn4Future-Prozess einzubinden. Gemeinsam mit der Agentur
tippingpoints wurden Unternehmen und Jugendliche/Kinder als beispielhafte
Zielgruppen identifiziert und Anfang 2022 Online-Workshops zur Erarbeitung einer
Kommunikations-Strategie für diese Zielgruppen durchgeführt. Mit einer
ausgewählten Gruppe an Jugendlichen wurde schließlich im Sommer 2022 in einer
dreitägigen Projektwerkstatt zusammengearbeitet.
Für den Aufbau des Kommunikationsnetzwerkes und die Erarbeitung eines
partizipativen Kommunikationskonzeptes wurde die Kommunikationsakademie
zwischen Oktober und Dezember 2021 als Maßnahme umgesetzt. Sie fand als
Veranstaltungsreihe mit zwei Online-Terminen (coronabedingt) und einem
Workshop in Präsenz statt, die vom Projektteam Bonn4Future gemeinsam mit der
Klimapsychologin Janna Hoppmann gestaltet wurde. Im Anschluss konnten die im
Rahmen der Kommunikationsakademie gebildeten Kleingruppen optional Coaching-
Angebote mit Alex Wernke (Bonn4Future-Team) und Janna Hoppmann
wahrnehmen.
Das Evaluationsteam hat mit Ausnahme der Online-Auftaktveranstaltung der
Kommunikationsakademie an allen Veranstaltungen im Rahmen einer
teilnehmenden Beobachtung teilgenommen. Zusätzlich sind Eindrücke aus den
qualitativen Interviews zum Gesamtprozess Bonn4Future in die Evaluation
eingeflossen. Darüber hinaus hat das Evaluationsteam an Workshops mit der
Agentur tippingpoints sowie einer dreitägigen Veranstaltung mit Schüler:innen einer
Gesamtschule teilgenommen. Ergänzend wurden kleinere Veranstaltungsformate in
die Evaluation aufgenommen.Seite 35 von 82
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II.4.2 Kommunikationsakademie
Die Kommunikationsakademie umfasste das Training und die Beratung von
Initiativen für eine wertschätzende Klimawandel-Kommunikation. Hieraus sollte
partizipativ ein Kommunikationskonzept entwickelt werden, um ausgewählte
Zielgruppen anzusprechen.
 Es ist in der Kommunikationsakademie gelungen, eine wertschätzende
Arbeitsatmosphäre zu schaffen und zumindest teilweise neue Akteure
einzubinden und miteinander zu vernetzen. Eine Vernetzung der klima-
engagierten Akteure findet teilweise bereits über andere Kanäle statt.
 Die zeitliche Planung war für die Umsetzung des Kommunikationskonzepts
zu knapp bemessen. Die teilnehmenden Akteure arbeiten ehrenamtlich und
verfügen über wenig zusätzliches Zeitbudget. Sie hätten sich andere
Unterstützung auch finanzieller Art gewünscht. Die Veranstaltung wirkte
für einen Teil der Teilnehmenden aktivierend, so dass sie in ihrer
Kleingruppe ein zusätzliches Online-Coaching wahrgenommen haben.
Manche wünschten sich eine stärkere Wirksamkeit.
 Die Maßnahmen zum Aufbau eines Kommunikationsnetzwerks konnten
umgesetzt werden. Ausgewählten Initiativen wurden ein
Kommunikationstrainings- und ein Beratungsangebot gemacht. Eine
breitangelegte Umsetzung des Kommunikationskonzepts gemeinsam mit
einem aktiven Kommunikationsnetzwerk und der Stadt Bonn sowie
weiteren Akteuren ist jedoch nicht gelungen.
Am 20.10.2021 fand ein einführender Online-Termin zum Thema „Transformative
Klimakommunikation für Bonner:innen“ statt, zu dem Grundlagen der
Klimakommunikation von der externen Trainerin Janna Hoppmann präsentiert
wurden. Anschließend fand das „Praxislabor“ der Kommunikationsakademie am
20.11.2021 als ganztägige Präsenzveranstaltung im Co-Working-Space Eutopia in
der Bonner Innenstadt statt. Mit knapp 20 ausgewählten Akteuren wurde vom
Projektteam Bonn4Future gemeinsam mit der Klimapsychologin Janna Hoppmann
erarbeitet, welche Zielgruppen in Bonn zusätzlich von dem Bonn4Future-
Beteiligungsprozess erfahren sollten, wie diese erreicht werden können und welche
vorhandenen Erfahrungen und Netzwerke für den Bonn4Future-Prozess hilfreich
sind. Die Akteure erlernten die Erstellung eines zielgruppenorientierten
Kommunikationskonzepts, das sie später auch für die eigene Arbeit nutzen können.
Eine Online-Abschlussveranstaltung fand am 08.12.2021 statt.Seite 36 von 82
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Zusätzlich konnten die während der Kommunikationsakademie gebildeten
Kleingruppen Coaching-Angebote mit Alex Wernke (Bonn4Future) und Janna
Hoppmann wahrnehmen.
Im Praxislabor wählten die Teilnehmenden ausgehend von einem Bericht über das
erste Klimaforum zunächst mehrere Zielgruppen aus, die den Bonn4Future-Prozess
stärken sollen, darunter: „Studierende“, „Gebäudebesitzer“, „Unternehmer:innen“,
„Kulturbranche“. Die Teilnehmenden sollten in Kleingruppen für ihre jeweilige
Zielgruppe ein Kommunikationskonzept erstellen, das unterschiedliche
Wirkungsziele anstrebt und einen zielgruppenspezifischen Medieneinsatz nutzt. Ziel
sollte sein, über die Ansprache dieser Zielgruppen den Bonn4Future-Prozess zu
stärken, Botschafter:innen zu finden und neue Gruppen für Bonn4Future zu
begeistern. Hierfür wurde das von Janna Hoppmann entwickelte CANVAS-Tool
verwendet.
Die Teilnehmenden brachten bereits Vorwissen mit und lernten im Rahmen der
Kommunikationsakademie mit dem CANVAS-Tool eine mögliche Vorgehensweise
für wertschätzende Klimakommunikation kennen. Bei manchen Teilnehmenden
führte die Aufgabenstellung zu Unklarheiten, inwiefern die Arbeit mit diesem Tool
der „Übung“ mit modellhaftem Charakter diente oder ob bereits ein konkretes
Konzept erarbeitet werden sollte. Aus zeitlichen Gründen konnten die
Kommunikationskonzepte nicht fertig ausgearbeitet werden, was bei manchen
Akteuren zu Unzufriedenheit führte. Die Vorstellungen der teilnehmenden Akteure
zur Wirksamkeit waren divergent. Zudem traten während der
Kommunikationsakademie Unklarheiten bezüglich des Bonn4Future-Prozesses und
der Mitwirkung der beteiligten Akteure auf. Das Bonn4Future-Team ist auf
Rückfragen eingegangen und hat die eigene Rolle im Beteiligungsprozess
umfassend erläutert. Damit wurde das Verständnis für den Bonn4Future-Prozess
gefördert. Unklarheiten bei der Unterscheidung zwischen Bonn im Wandel als
Transition Town-Initiative und Bonn4Future könnten Auswirkungen auf das
potentielle Engagement als Multiplikator:innen haben.
Mehrere Initiativen haben zusätzlich ein Coachingangebot des Bonn4Future-Teams
und der Klimapsychologin wahrgenommen. Hieran anschließende zusätzliche
Aktivitäten konnten aufgrund finanzieller und zeitlicher Limitierungen nicht
umgesetzt werden. Es konnte im Rahmen der Evaluation nicht abschließend
beobachtet werden, inwiefern die Kommunikationsakademie dennoch weiteres
Engagement der teilnehmenden Akteure ausgelöst hat.Seite 37 von 82
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II.4.3 Zielgruppenworkshop - Jugendliche als zielgruppenspezifische
Ansprache
Am 26.01.2022 fand ein zweistündiger Workshop mit der Zielgruppe
„Kinder/Jugendliche“ statt, der gemeinsam vom Bonn4Future-Projektteam und der
Kommunikationsagentur tippingpoints gestaltet wurde. Pandemie-bedingt musste
die Veranstaltung in Zoom stattfinden. Ziel des Workshops war es, die von
Bonn4Future und tippingpoints entwickelten Vorschläge für die Ansprache von
Jugendlichen gemeinsam mit Vertreter:innen der Zielgruppe zu evaluieren. Hierfür
nahmen vier Schüler:innen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren von zwei Bonner
Gymnasien und einer Bonner Gesamtschule, zwei Personen aus der Stadtverwaltung
sowie drei Akteure neben Bonn4Future, tippingpoints und Vertreter:innen des
Evaluationsteams teil.
Während der Veranstaltung wurde am Beispiel von zwei fiktiven Jugendlichen
überlegt, wie sich Jugendliche für Klimaschutz und Bonn4Future begeistern lassen.
Zudem wurden sechs unterschiedliche Aktionen, die Bonn4Future und tippingpoints
in einem vorangegangenen Workshop entwickelt hatten, zur Diskussion gestellt. Die
Veranstaltung basierte auf offenen Fragerunden im Plenum. Die Vorstellung der
Beispiele und Aktionen wurde über Miro-Visualisierungen unterstützt.
Fazit:
Die Veranstaltung zeichnete sich durch eine offene und wertschätzende
Atmosphäre aus. Die Erwachsenen haben sich um eine altersgemäße Ansprache
der Zielgruppe bemüht und das Feedback der Jugendlichen sehr geschätzt.
Es gab eine klare Dominanz der erwachsenen Teilnehmenden. Insgesamt
entstand der Eindruck, dass zwar Feedback von der Zielgruppe eingeholt
wurde, aber das gesamte Format wenig Raum für eigene Ideen und Impulse
der Zielgruppe „Jugendliche“ bot.
Einige der Ideen der Jugendlichen wurden im Sommer in einem Workshop mit
Jugendlichen der Gesamtschule „Bonns Fünfte“ aufgegriffen.
II.4.4 Jugendworkshop mit Projektgruppe der Gesamtschule „Bonns
Fünfte“
In einem dreitägigen Workshop mit einer Gruppe von 12 Schüler:innen der 10.
Klasse der Gesamtschule „Bonns Fünfte“ wurde die Zielgruppe „Jugendliche“ in den
Bonn4Future-Prozess eingebunden. Dabei wurden die Evaluationsziele „Verstehen“
sowie „Aktivieren/Ermutigen“ adressiert. Ziel des Workshops war es, gemeinsam
Ideen zu entwickeln, wie sich Klimaneutralität in Bonn aus Sicht der JugendlichenSeite 38 von 82
Seite 37
erreichen lässt. Inhaltliche Inputs befassten sich mit Grundlagen zum Klimawandel,
dem Bonn4Future-Klimanavigator, der bereits in den Klimaforen Verwendung fand,
sowie dem Prozess von Bonn4Future. Anschließend konnten die Jugendlichen
eigene Ideen für ein klimaneutrales Bonn entwickeln.
Aus einer Vielzahl an Ideen wurden als konkrete Aktionen der Bau von Hochbeeten
mit Sitzgelegenheit aus Euro-Paletten sowie die Gestaltung von StreetArt mit Klima-
Botschaften, die mit Kreide-Spray auf den Gehweg gesprüht werden können,
gewählt. Schließlich entschied sich die Gruppe, hieraus eine gemeinsame Aktion zu
entwickeln: Am Friedensplatz wurde eine Ecke mit dem Verweis „Achtung Zukunft“
mit Bauband abgesperrt, Botschaften wurden auf den Gehweg gesprüht und die
Bänke und das Hochbeet platziert. Einige Schüler:innen kamen mit Passant:innen
über Klimawandel und Bonn4Future ins Gespräch. Das übergeordnete Projektziel
Aktivieren/Mut machen konnte in den Kreativphasen zu großen Teilen erreicht
werden.
Das übergeordnete Projektziel „Informieren“ wurde gefördert. Die
Schüler:innen hatten bereits Vorkenntnisse und Bewusstsein für das Klima-
Thema. Das Verstehen im Hinblick auf den Bonn4Future-Prozess und der
Austausch mit Bonn4Future wurden gefördert. Die Aktivitäten erreichten
einzelne Passant:innen und wurden später in einem Kurzbericht auf der
Schulwebsite veröffentlicht.
Der Workshop zeichnete sich durch eine wertschätzende Atmosphäre aus. Die
Moderation durch das Bonn4Future-Team wirkte motivierend. Die Zielgruppe
entschied sich für zwei Aktionen in der Innenstadt, um auf das Klima-Thema
aufmerksam zu machen.
Grundsätzlich konnten mit der Maßnahme zwar die teilnehmenden
Schüler:innen erreicht werden, aber eine breitere Berücksichtigung der
Zielgruppe „Kinder/Jugendliche“ im Bonn4Future-Prozess war nicht möglich.
II.4.5 Weitere Vernetzungstreffen
In Ergänzung zur Kommunikationsakademie hat Bonn4Future weitere kleinere
Formate zur Vernetzung von Initiativen und Interessierten angeboten, an denen das
Evaluationsteam nur sporadisch teilgenommen hat. Hierzu zählten die Veranstaltung
„Stadtwandel selber machen“ am 27. April 2022 in der VHS sowie das Nachtreffen
nach den Klimaforen 2/3.Seite 39 von 82
Seite 38
Transitionabend VHS als ergänzende Veranstaltung zur Mitwirkung
Der als Transitionabend geplante Workshop wurde sowohl von Personen von bereits
existierenden Initiativen besucht als auch von Personen, die zum ersten Mal an einer
Bonn im Wandel Veranstaltung teilgenommen haben und nach Engagement-
Möglichkeiten innerhalb Bonns suchten. Nach einem Eröffnungsinput zur Transition-
Town-Initiative konnten die Teilnehmenden in einem Open Space Ideen für
Veränderungen einbringen und mit den anderen Teilnehmenden offen diskutieren.
Abschließend wurde der Bonn4Future-Prozess und die Nachhaltigkeitsplattform von
Bonn4Future vorgestellt und damit die Möglichkeit einer weiteren Vernetzung
angeboten.
Die Teilnehmenden fühlten sich durch die Veranstaltung motiviert und
inspiriert, so dass insbesondere das Evaluationsziel „ermutigen“ erfüllt wurde.
Nachtreffen Klimaforum 2/3
Am 21.07.2022 fand eine Projektwerkstatt, ein zweieinhalbstündiges Nachtreffen für
die Mitwirkenden der Klimaforen 2/3, statt. Das Ziel der Veranstaltung war das
Weiterarbeiten an Projektideen der vorangegangenen Foren. Das Treffen wurde von
elf Teilnehmenden besucht. Zunächst wurde ein Input zu überholten Vorstellungen
über die negativen Seiten eines klimabewussten Handelns und zu alternativen,
besseren Vorstellungen geboten. Im weiteren Verlauf wurden Steckbriefe von im
Klimaforum entwickelten Projektideen von den Teilnehmenden selbstständig
angesehen und priorisiert.
Die darauffolgende Arbeitsphase fand in Gruppen statt, die die Projekte
weiterentwickeln sollten. Diese war mit 30 Minuten zu knapp angesetzt. Das Ziel der
Veranstaltung, nach diesem Abend in Kleingruppen an den Projektideen in
Eigenregie weiterzuarbeiten, wurde zunächst nur implizit mitgeliefert. Dies führte
beim Bilden von Gruppen zu Verunsicherungen bei Teilen der Teilnehmenden. Es
stand die Frage im Raum, wie verbindlich ihre Teilnahme an einer Kleingruppe an
diesem Abend sei. Eine der anwesenden Gruppen, deren Teilnehmer:innen bereits
vorher miteinander vernetzt waren, baute ihre Vernetzung mit weiteren
Teilnehmenden aus. Das Ziel dieser Veranstaltung, nach diesem Abend in
Kleingruppen an den Projektideen in Eigenregie weiterzuarbeiten, wurde nur in
geringem Umfang erreicht.Seite 40 von 82
Seite 39
II. 6 Nachhaltigkeitsplattform
Im Rahmen des Gesamtprozesses Bonn4Future war die Entwicklung einer digitalen,
webbasierten Onlineanwendung ein weiterer Baustein der Projektplanung. Zur
Realisierung der Nachhaltigkeitsplattform lassen sich von der Begleitforschung die
folgenden vier Thesen ableiten:
1. Technisch wurden alle vorab gesteckten Ziele zur
Nachhaltigkeitsplattform bonn4future.de erreicht. Die Webseite ist
übersichtlich, nutzerfreundlich und barrierearm gestaltet. Sie erschließt
sich administrativ und inhaltlich schnell. Besonders die interaktive Karte
wird sehr gelobt. Die Verbindung mit den SDGs wird positiv benannt.
2. Synergien mit anderen Netzwerken und Portalen lassen sich bei
bonn4future.de nur bedingt erkennen.
3. Die Community nutzt bonn4future.de episodisch, d.h. von Zeit zu Zeit
wird die Webseite benutzt, um „up to date“ zu bleiben und eigene
Veranstaltungen einzutragen. Dennoch bleibt bonn4future.de nur ein
Element von einer ganzen Bandbreite, um eigene Veranstaltungen zu
bewerben.
4. Die Community ist bereits sehr gut vernetzt und nutzt dafür bisher nicht
die Nachhaltigkeitsplattform, sondern andere Kanäle und will bisher
auch bei den bestehenden Kanälen bleiben.
Methoden zur Evaluierung der Nachhaltigkeitsplattform
Um die im Kooperationsvertrag gesteckten Ziele zu evaluieren, wurden a) eine Prüfung der
Funktionen durch das Evaluationsteam („Webseitentestung“), b) teilnehmende
Beobachtungen mit Erstnutzer*innen der Webseite, c) Leitfaden-Interviews als Ergänzung zu
diesen teilnehmenden Beobachtungen und d) Interviews mit Nutzer*innen aus der
Community durchgeführt. Bewusst wurde eine qualitative Methodik gewählt, um die
Wertigkeit der erreichten Ziele einschätzen zu können.Seite 41 von 82
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Fünf eigene Ziele zur Nachhaltigkeitsplattform
Für die Entwicklung der Nachhaltigkeitsplattform sind im Kooperationsvertrag
(Anlage 4 „Projektplan Nachhaltigkeitsplattform“) die folgenden fünf eigenen Ziele
für die Plattform formuliert:
1. Bonn im Wandel baut eine Online-Plattform auf, die Initiativen, Akteure,
Aktivitäten, Termine und weitere Informationen zum Thema klimaneutrale Stadt,
Engagement für Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung sichtbar macht und im
Kontext der SDGs verortet.
2. Die Nachhaltigkeitsplattform erlaubt die ko-kreative Entwicklung qualitativ
hochwertiger Inhalte, das heißt die Interaktion von Bürger*innen mit Redaktion. Die
Nachhaltigkeitsplattform zeichnet sich durch einen engen Community-Bezug aus.
3. Es werden Synergien zu bestehenden Portalen (bonn.de, bonn-macht-mit.de,
bonnsustainabilityportal.de, bonner-netzwerk.org, Open Data Bonn und weitere)
sowie zur Stadt Bonn hergestellt.
4. Es werden gezielt themenferne Zielgruppen angesprochen und zum Mitmachen
aktiviert. Die Webseite ist barrierearm und userfreundlich gestaltet.
5. Die Nachhaltigkeitsplattform weist folgende technische Lösungen auf:
 Terminkalender (filterbar)
 Übersichtskarte über bürgerschaftlich organisierte Initiativen, Gruppen
und andere (filterbar)
 relevante Organisationen (filterbar)
 Gruppenbasierte Redaktionstools und Rechteverwaltung
 Newsletter für verschiedene Zielgruppen
 Schnittstellen zu bestehenden Portalen
Überprüfung der fünf Ziele zur Nachhaltigkeitsplattform
Die Evaluierung der Nachhaltigkeitsplattform zeigt, dass alle fünf Ziele zur
Nachhaltigkeitsplattform zumindest in Teilen erreicht wurden:
Zu Ziel (1) Sichtbarkeit der Aktivitäten zur klimaneutralen Stadt:
Die Online-Plattform www.bonn4future.de als die im Kooperationsvertrag genannte
„Nachhaltigkeitsplattform“ wurde vom Verein Bonn im Wandel in Kooperation mit
anderen Partner*innen nach den Vorgaben entwickelt und online geschaltet. Auf der
Plattform finden sich die im Vertrag angegebenen „[...] Initiativen, Akteure,
Aktivitäten Termine und weitere Informationen zum Thema klimaneutrale Stadt,Seite 42 von 82
Seite 41
Engagement für Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung [...] [diese] im Kontext der
SDGs verortet“ (Anlage 4 des Kooperationsvertrages). Das Ziel 1 wurde daher
erreicht. Eine Erstnutzerin kommentierte die Seite folgendermaßen:
„Die Ziele der Plattform werden schon schnell klar, auch die Gestaltung finde
ich gut: klare Überschriften, die Seite ist nicht überlastet mit visuellen Effekten,
keine Werbung, die Farbgestaltung finde ich auch schön und klar gemacht.“
Zu Ziel (2) Ko-Kreativität bei der Entwicklung von Inhalten
Die befragten Personen aus der Community geben an, die Webseite für einfache
redaktionelle Inhalte (Termineintragung, Eintragung in die Karte, Eintragung ins
Gesamtregister von Initiativen etc.) zu nutzen. Eine ko-kreative Entwicklung von
Inhalten in Absprache mit der Redaktion ist allerdings nicht zu erkennen. Die
redaktionellen Inhalte beschränken sich auf kleinere und kürzere Eintragungen, v.a.
für Termine. Das Ziel der Kreation von qualitativ hochwertigen Inhalten seitens der
Community ist daher nicht erreicht. Gleichzeitig gaben alle Befragten der
Community an, dass die Nachhaltigkeitsplattform zwar hilfreich sei, aber a) keine
anderen bereits bestehenden Kommunikationskanäle (Chatgruppen, Mailinglisten,
Soziale Medien, etc.) ersetzen und b) daher nur als ein weiterer Baustein in der
Kommunikationsstrategie – wenn überhaupt - angesehen werden kann. Qualitativ ist
dieser Baustein eher als nicht-prioritär einzuordnen, da die Befragten angegeben
haben, dass sie über andere Kanäle mehr Leute v.a. aus der Community erreichen
und grundsätzlich über diese anderen Kanäle schon gut vernetzt sind. Der enge
Community-Bezug wird insofern nur teilweise erreicht mit Abzügen bei der Qualität
bei den Einträgen und der Vernetzung. An dieser Stelle einige Zitate aus den
Befragungen:
„Die Plattform erfüllt für mich jetzt nicht die Funktion, mich zu vernetzen. Das
mache ich über andere Kanäle, da gibt es schon so viele Möglichkeiten. Und
das wirklich lokale, also im Veedel, das mache ich dann über direkte Ansprache
oder lokale Gruppen wie die Bürgervereine.“
„Ich bin auch eher ein analoger Mensch. Ich nutze generell Plattformen und
das Internet wenig um mich zu informieren. Ich bin schon gut vernetzt und
brauche auch nicht noch mehr Vernetzung.“
Zu Ziel (3) Synergien zu bestehenden Portalen:
Synergien lassen sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Die entsprechenden Links
und Verknüpfungen zur Stadt Bonn und anderen Netzwerken sind erst nach einigem
Suchen auf der Webseite zu finden. Dies bestätigen auch die Befragten, die sich eine
klarere Verbindung zur Stadt Bonn auf der Webseite wünschen.Seite 43 von 82
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Zu Ziel (4) Ansprache themenferner Zielgruppen:
Ob themenferne Zielgruppen angesprochen wurden, kann im Rahmen dieser
Evaluation nicht abschließend beurteilt werden, da dies nur über eine quantitative
Befragung und ein Abrufen der Zugriffsstatistik bewertet werden kann. Die
Befragten gaben aber, wie bereits oben erwähnt, an, dass diese Webseite nur ein
Element in der Öffentlichkeitsstrategie ist und daher die Einschätzung vorliegt, dass
über die Nachhaltigkeitsplattform bonn4future.de kein großes Publikum erreicht
wird. Es sind sich aber alle Befragten einig, dass der barrierearme Zugang und die
nutzerfreundliche Gestaltung der Webseite gelungen sind:
„Die Themenfelder finde ich cool und übersichtlich gestaltet, das Design ist
auch wie auf der Startseite, das passt sich gut an und macht Spaß.“
Zu Ziel (5) technische Lösungen der Nachhaltigkeitsplattform:
Die angestrebten technischen Lösungen wurden erreicht und besonders die
interaktive und filterbare Karte fällt allen befragten Personen positiv auf:
„Die alte VHS als Organisation wollte ich mir anschauen und habe sie über
‚Karten‘ auch schnell gefunden. Die Filter, die man über die Karte legen kann,
finde ich ganz cool. Auch, dass man immer direkt sehen kann, wie man wo
mitmachen kann und Kontakt aufnehmen kann, ist echt praktisch.“
„Das ist eine sehr schöne Idee - wenn ich auf diese ganze Karte schaue - es gibt
so viel - das löst ein sehr schönes Gefühl aus.“
Vorschläge für den weiteren Umgang mit der
Nachhaltigkeitsplattform
Um die Nachhaltigkeitsplattform im Bonner Netzwerk und in der Bonner
Öffentlichkeit besser zu positionieren, empfehlen die Befragten eine aktive Pflege,
Wartung und Aktualisierung durch ehrenamtliche oder hauptamtliche Kräfte.
Darüber hinaus wäre es wichtig, Social Media- Aktivitäten in die Plattform
einzubinden und die Plattform technisch weiterzuentwickeln, um noch mehr Leute,
die nicht in der Klima-Community-Blase sind, in den Prozess einzubinden und die
Kräfte noch stärker zu bündeln.Seite 44 von 82
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II. 7 Prozess-Beirat
Zur Begleitung des Beteiligungsprojekts Bonn4Future wurde ein eigener Prozess-
Beirat eingerichtet. Er unterstützt das Projekt Bonn4Future gemäß seiner
Geschäftsordnung bei der Umsetzung des Projekts und der Erreichung der
Projektziele. Er ist ein Organ, das von außen auf das Geschehen blicken soll, um mit
einem unvoreingenommenen Blick Anregungen, Unterstützung und Hinweise zu
geben sowie als Multiplikator in die Stadtgesellschaft zu wirken.
These 1:
Der Prozessbeirat hat seine Aufgabe, den Bonn4Future-Prozess zu begleiten
und Anregungen zur Prozessoptimierung zu geben, bestens erfüllt. Seine Rolle
als Multiplikator in die Stadtgesellschaft hinein wurde allerdings kaum
thematisiert.
Der Prozessbeirat hat zu zahlreichen Aspekten des Bonn4Future-Prozesses Stellung
genommen und sowohl konzeptionelle Anregungen als auch konkrete Vorschläge
zum Verfahren unterbreitet. Die verschiedenen Veranstaltungen im Bonn4Future-
Prozess wurden vom Prozessbeirat begleitet und so auch von ihm vor- und
nachbereitet. Besonders intensiv wurden Fragen zur Diversität und Ausgewogenheit
bei der Einbindung von Bürger*innen in den Prozess, Fragen zur Entwicklung
inhaltlicher Schwerpunkte der Klimaforen sowie Fragen zur Prozesssynchronisation
von Bonn4Future und städtischem Handeln diskutiert.
Der Prozessbeirat plädierte stark für die Bemühungen von Bonn4Future, bisher
weniger vertretene Gruppen aus der Bonner Stadtgesellschaft zu erreichen. Er
machte sich ebenso stark für das Zusammenbringen des Klima-Aktionsplans mit
dem städtischen Klimaplan. Er erfüllte damit seine Aufgabe gut, den Bonn4Future-
Prozess zu begleiten und Anregungen zur Prozessoptimierung zu geben. Inwieweit
der Prozessbeirat auch eine Multiplikator-Rolle in die Stadtgesellschaft hinein
wahrgenommen hat, ist von Seiten der Evaluation nur schwer einzuschätzen. Diese
Rolle wurde während der Sitzungen kaum thematisiert.
Die Beiratsmitglieder aus einem breiten Spektrum an Interessengruppen verfügten
über die erforderlichen Kompetenzen, um Bonn4Future fachlich zu beraten und
Anregungen zu geben. Allerdings war das Engagement der einzelnen Mitglieder, in
dem Kreis aktiv mitzuwirken, unterschiedlich ausgeprägt. So waren einige Personen
durchgehend anwesend und unterstützten mit zahlreichen und hilfreichen
Wortbeiträgen den Prozess, während andere Mitglieder gegen Ende des Prozesses
nicht mehr an den Sitzungen teilgenommen haben. Einzelne Mitglieder waren zu
Beginn des Verfahrens mit ihrer Rolle in einem Prozessbeirat noch nicht vertraut. DieSeite 45 von 82
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Zahl der Anwesenden war während der zehn Sitzungen im Laufe des Verfahrens
schwankend und belief sich auf rund 15 bis maximal 30 Teilnehmende.
These 2:
Die Moderation und die Ausgestaltung der Sitzungen haben zu einem
produktiven Arbeitsklima innerhalb des Beirats beigetragen.
Die Terminierung der Sitzungen zwischen den einzelnen Formaten des
Beteiligungsprozesses war vorteilhaft für den Gesamtprozess. Jeweils aktuelle Fragen
und Sachstände konnten so diskutiert werden, sodass die Empfehlungen des Beirats
für die Mitwirkenden im Prozess eine Hilfestellung waren. Die Tagesordnungen des
Prozess-Beirats waren entsprechend ausgerichtet. Für Berichte und Vorträge sowie
anschließende Diskussionen gab es ausreichend Zeit, um eine zielführende Tiefe zu
erreichen. Insgesamt war die Konzeption der Beiratssitzungen für die
Beiratsmitglieder nützlich, ihre Aufgabe der Prozessbegleitung und –optimierung
wahrzunehmen. Allerdings mussten einige Austauschformate in Kleingruppen aus
Zeitgründen entfallen.
Der Rahmen und die Atmosphäre bei den Sitzungsterminen wurden von den
Mitgliedern des Beirats geschätzt und als konstruktiv wahrgenommen. Dies gilt
durchgehend sowohl für die Sitzungen im digitalen als auch im Präsenzformat. Die
beiden Ausschussvorsitzenden haben ihre Aufgabe sehr professionell ausgeübt und
für eine wertschätzende Diskussionskultur gesorgt.
These 3:
Die Kommunikation zwischen den Beiratsmitgliedern, den Akteuren von Bonn
im Wandel, der Stadtverwaltung Bonn sowie dem Projektteam von
Bonn4Future war meist offen und problemorientiert. In der Schlussphase des
Projekts sorgte die Gleichzeitigkeit des Bonn4Future-Prozesses und die
Erarbeitung des städtischen Klimaplans für leichte Irritationen, die aber in den
letzten Sitzungen des Beirats geklärt werden konnten.
Die Kommunikation zwischen dem Prozes

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Datenstand: 02.11.2026, 23:21 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de