230261 · Beschlussvorlage
"Bonn4Future - Wir fürs Klima" - Umgang mit Ergebnissen des Mitwirkungsverfahrens
Kerndaten
- Nummer
- 230261
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 14.02.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 230261 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung Dezernat: Dez. OB "Bonn4Future - Wir fürs Klima" - Umgang mit Ergebnissen des Mitwirkungsverfahrens Beratungsfolge Beirat Bürgerbeteiligung 24.02.2023 Empfehlung Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 02.03.2023 Empfehlung Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 09.03.2023 Empfehlung Rat 23.03.2023 Entscheidung Begründung der Dringlichkeit: Die Beschlussvorlage zu den Ergebnissen von Bonn4Future soll gemeinsam mit dem Zielbeschluss zum Klimaplan in die Beschlussfassung gehen. Ein Einbringen in den nächsten Sitzungslauf wäre demnach zu spät. Wenn die Vorlage erst im fristgerecht erreichbaren Sitzungslauf behandelt würde, könnte das Bonn4Future-Team außerdem den ausstehenden Ratsbeschluss nicht mehr an die Teilnehmenden der Mitwirkungsformate kommunizieren, da das Projekt (inklusive der Arbeitsverträge des Bonn4Future-Teams) zum 30.04.2023 endet. Die Einreichung der Vorlage erfolgte aufgrund der zeitintensiven Aufbereitung der Ergebnisse durch das Bonn4Future-Team, sowie aufgrund von Abstimmungsschleifen zwischen Bonn im Wandel und OB-23/OB-22 erst am 03.02.2023. Beschlussvorschlag 1. Die Ergebnisse aus dem Bonn4Future-Mitwirkungsverfahren (Anlage 1) werden zur Kenntnis genommen. 2. Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens sind Projektvorschläge entstanden, die sich bislang nicht oder nicht vollständig im Klimaplan befinden (mit einer gelben Glühbirne in Anlage 1 markiert). Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, ob und ggf. wie bis zur Umsetzung von Aktivitäten aus dem Klimaplan bereits kurzfristige Maßnahmen ergriffen werden können, um Empfehlungen aus dem Bonn4Future-Verfahren zu realisieren, oder wie diese Maßnahmen bei der Fortschreibung des Klimaplans berücksichtigt werden können. 3. Die Verwaltung wird des Weiteren beauftragt, auch alle weiteren Ergebnisse aus dem Bonn4Future-Verfahren bei der Umsetzung des Arbeitsprogramms Klimaschutz (Band 2 des Klimaplans, DS 222006) zuSeite 1 von 71 Seite 2 prüfen und soweit sinnvoll und möglich zu berücksichtigen. Es handelt sich dabei um alle Empfehlungen aus Anlage 1, die nicht gelb markiert sind. Die Ergebnisumsetzung sowie die Begründung, falls Ergebnisse nicht berücksichtigt werden können, sind gemäß der Leitlinien Bürgerbeteiligung gegenüber der Öffentlichkeit darzustellen. Vor Umsetzung der jeweiligen Aktivitäten (Steckbriefe aus Band 2 des Klimaplans) sind die erforderlichen Beschlussvorlagen in die zuständigen Gremien einzubringen. 4. Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, wie eine Begleitung des Umsetzungsprozesses des Klimaplans unter Einbindung von Bürger*innen und weiteren Akteur*innen sichergestellt werden kann. Bei der Prüfung sind die Empfehlungen des Bonn4Future-Prozessbeirats (Anlage 2) zu berücksichtigen. 5. Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, ob und falls ja in welcher Höhe zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen für die Integration von Bonn4Future-Ergebnissen in Band 2 des Klimaplans benötigt werden. Begründung Durch die coronabedingte Verschiebung der Bonn4Future-Klimaforen konnten die Vorschläge der Bürger*innen aus dem vierten und letzten Klimaforum, anders als Vorschläge aus den Klimaforen 2 & 3, noch nicht in den Klimaplan eingearbeitet werden. Die Vorlage dient dazu, den Ergebnisbericht vorzulegen. Außerdem macht sie Vorschläge, wie mit den Ergebnissen aus dem Bonn4Future-Verfahren umgegangen werden kann. Zu Beschlusspunkt 1: Anlage 1 enthält die Hauptergebnisse des Mitwirkungsverfahrens „Bonn4Future – Wir fürs Klima“. Es handelt sich um den Klima-Aktionsplan der Bürger*innen in sieben Themenfeldern. Er wurde am 9. und 10. September 2022 im vierten und abschließenden Bonn4Future-Klimaforum erarbeitet. Der Klima-Aktionsplan besteht aus 37 Teilplänen mit insgesamt über 200 ersten Schritten auf dem Weg zur klimaneutralen und lebenswerten Stadt. Im gesamten Verfahren haben sich über 300 Menschen eingebracht, darunter über 200 zufällig geloste Bürger*innen mit einer hohen Diversität, knapp 80 Akteur*innen aus Initiativen und Organisationen, Expert*innen aus der Verwaltung, externe Referent*innen, Moderator*innen und Wissenschaftler*innen. Sehr viele Empfehlungen aus dem Bonn4Future- Beteiligungsverfahren geben wertvolle Hinweise und Empfehlungen, wie der Klimaplan umgesetzt werden kann und wie die Politik die Bürger*innen auf diesem Weg mitnehmen kann. Zu Beschlusspunkten 2 und 3: Im Nachgang des 4. Bonn4Future-Klimaforums wurde ein Workshop zu den Empfehlungen der Bürger*innen mit 27 Teilnehmenden aus 15 verschiedenen Ämtern der Stadtverwaltung bzw. städtischen Unternehmen durchgeführt. BonnSeite 2 von 71 Seite 3 im Wandel e.V. hat die Aktionspläne und Empfehlungen der Bürger*innen gesichtet und mit dem Klimaplan 2035 abgeglichen. Auch die Gutachter*innen des Klimaplans haben einen solchen Abgleich vorgenommen. Darüber hinaus ist es auch gelungen, in Interviews weitere Einschätzungen von einzelnen Ämtern zu den Empfehlungen der Bürger*innen zu erhalten. Mit Blick auf den Klimaplan 2035 teilt Bonn im Wandel e.V. die Empfehlungen der Bürger*innen demnach in zwei Kategorien ein: 1. Neue Ideen, soziale Innovationen und Maßnahmen zur zeitlichen Überbrückung: Der Prozess Bonn4Future wurde mit hoher Expertise und Engagement vieler unterschiedlicher Akteur*innen durchgeführt. So sind Bonner Ideen und Innovationen entstanden, die es im Klimaplan noch nicht gibt, etwa Multiplikator*innen, die zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen vermitteln, die Einrichtung eines Lebensmittelhubs zur Anlieferung und Verarbeitung von Bio-Regio-Waren für Großküchen oder der Aktionsplan „Biochar Bonn“ mit der Empfehlung, holzartige Reststoffe zu Biokohle zu verkohlen und als CO2- und Wasserspeicher zu nutzen. Dazu gehören aber auch Maßnahmen, die den Zeitraum zwischen Beschlussfassung und Umsetzungsbeginn einzelner Maßnahmen überbrücken und die Bürger*innen dabei unterstützen, selbst schon einmal aktiv zu werden, zum Beispiel die Unterstützung von selbstorganisierten Transformationszentren im Quartier (siehe gelb markierte Absätze in Anlage 1; vgl. Beschlusspunkt 2). 2. Ergänzungen/Hinweise für die Umsetzung bestehender Inhalte des Arbeitsprogramms Klimaschutz (Band 2 des Klimaplans). Fast alle Hinweise der Bürger*innen lassen sich jetzt schon bestimmten Aktivitäten im Klimaplan zuordnen. Sie bereichern und ergänzen das Arbeitsprogramm Klimaschutz (Band 2 des Klimaplans) zum Beispiel aus Perspektive der sozialen Gerechtigkeit, aus Perspektive von Mieter*innen oder auch mit der Perspektive des Gemeinwohls (es handelt sich um die Prozessempfehlungen, die nicht gelb markiert sind). Bisher sind diese Hinweise der Bürger*innen nicht in den Klimaplan 2035 integriert. Sie liefern jedoch wertvolle Hinweise und Ergänzungen für die Ausgestaltung der einzelnen Aktivitäten-Steckbriefe und sollten deshalb in diesem Rahmen berücksichtigt werden (vgl. Beschlusspunkt 3). Vorschläge zum Bereich Kommunikation und Beteiligung finden sich kondensiert in Teil I der Anlage 1. Neue fachliche und methodische Empfehlungen finden sich aber auch an vielen Stellen in den Klima- Aktionsplänen. Sie sollten daher kurzfristig diskutiert und geprüft werden, inwieweit sie sinnvoll sind, ob sie jetzt oder auch später in den Klimaplan aufgenommen werden können und ob zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht schon vorbereitende Arbeiten begonnen werden können, damit sie in der Fortschreibung des Klimaplans berücksichtigt werden. Sinnvolle Vorarbeiten wären zum Beispiel eine Potentialanalyse der Flächen, die in Bonn entsiegelt werden können, eine Recherche zu regionalen Lebensmittel- Verarbeitungszentren in Deutschland, ein runder Tisch zur Pyrolyse von holzartigen Reststoffen oder eine Analyse aller Angebote für Umweltbildung. Für diese neuen Ideen braucht es laut Bonn im Wandel e.V. einen kurzfristigen Prüfauftrag („Fastlane Prüfung“).Seite 3 von 71 Seite 4 Dann gibt es eine zeitliche Lücke zwischen dem Projektende des Bonn4Future- Verfahrens und dem tatsächlichen Start der Klimaquartiere und weiterer Mitwirkungsverfahren. Schon während des Verfahrens sind neue Projektideen entstanden, etwa die Sanierung einer Reihenhaussiedlung oder Stadtteilkonferenzen für Menschen, die unter hohen Energiepreisen leiden (siehe auch https://www.bonn4future.de/de/ideen). Es wäre daher sinnvoll, nicht zu warten, bis in drei Quartieren Klimabüros eingerichtet werden, denn Bürger*innen könnten jetzt schon mit einfachen Mitteln unterstützt werden, den Wandel vor der eigenen Haustür zu organisieren, zum Beispiel mit Räumlichkeiten, Moderation oder Beratung. Es ist besonders wichtig, schnell zu handeln, um die Bereitschaft der jetzt aktivierten Bürger*innen hochzuhalten und Energie aus dem Verfahren nicht versiegen zu lassen. Klimaneutralität braucht die gesamte Stadtgesellschaft, daher sollten bereits bestehende Ideen so schnell wie nur möglich niedrigschwellig unterstützt werden. Zu Beschlusspunkt 4: Die Kooperation zwischen dem Verein Bonn im Wandel e.V. und der Stadt Bonn hat mit dem Projekt Bonn4Future einen Rahmen geschaffen, in dem zufällig geloste Bürger*innen, Zivilgesellschaft, gesellschaftliche Akteur*innen, Vertreter*innen aus der Verwaltung und den städtischen Unternehmen, Politik, Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis zusammenkommen, beraten und konstruktiv an Lösungen arbeiten. Die Ergebnisse erweitern und unterstützen die Umsetzung des Klimaplans durch die vielfältigen Erfahrungen und Perspektiven aus der Bonner Lebensrealität. Dieser Realitätsabgleich ist ein Erfolgsfaktor für die Umsetzung des Vorhabens. Mit dem Ende von Bonn4Future gibt es nach aktuellem Stand keinen Bonn4Future-Prozessbeirat mehr. Der Bonn4Future-Prozessbeirat hält eine Begleitung und Beratung der weiteren Umsetzung des Klimaplans durch ein Multi-Stakeholder-Gremium für erforderlich und sinnvoll. Hintergrund zu Bonn4Future: Anfang 2020 haben „Bonn im Wandel“ und die „Klimawache Bonn“ einen Bürgerantrag zur Beteiligung an der Zielerreichung der Klimaneutralität eingereicht. Dieser wurde am 4. März 2020 beschlossen (DS 200292). In der Folge wurde von den Initiatoren in Abstimmung mit der Stadtverwaltung ein entsprechendes Mitwirkungskonzept erarbeitet (DS 201084). Dieses wurde vom Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger beschlossen und die Verwaltung vom Rat beauftragt, mit „Bonn im Wandel“ einen Kooperationsvertrag zur Koordination und Umsetzung des zweijährigen Verfahrens abzuschließen. Dafür wurden bis Ende 2022 Mittel in Höhe von bis zu 719.000€ bereitgestellt. Bonn im Wandel hat sich darüber hinaus vertraglich verpflichtet, Eigenleistung in Höhe von 35.000 Euro zu erbringen. Am 1. Dezember 2020 ist das Mitwirkungsverfahren Bonn4Future – Wir fürs Klima“ gestartet. Aufgrund von Verzögerungen durch die Corona-Pandemie wurde das Verfahren um vier Monate bis zum 30.04.2023 verlängert (DS 220893). Für die Verlängerung werden Mittel in Höhe von bis zu 54.501€Seite 4 von 71 Seite 5 bereitgestellt. Bisherige Berichte zum Verfahren: erster Sachstandsbericht (Februar 2021, DS 210174), zweiter Sachstandsbericht (Juli 2021, DS 211269), Bericht im Nachgang des ersten Klimaforums (Oktober 2021, DS 212006), Bericht im Nachgang der Klimaforen 2&3 (Juli 2022, DS 221352), Bericht im Nachgang des 4. Klimaforums (Oktober 2022, DS 222054), Endbericht Evaluation des Mitwirkungsverfahrens (DS 230309). Anlage/n 1 Klimaneutral und gut leben in Bonn Ergebnisse Bonn4Future (öffentlich) 2 Empfehlungen Prozessbeirat B4F (öffentlich)Seite 5 von 71 Klimaneutral und gut leben in Bonn - so können wir es schaffen Empfehlungen und gute Ideen aus dem Mitwirkungsverfahren BONN 4 FUTURE – WIR FÜRS KLIMA Einleitung Durch den Klimaplan wissen wir nun schwarz auf weiß: Die Menge CO2, die uns in Bonn noch zur Verfügung steht, ist nur noch sehr gering. Je nach Zielsetzung bleiben durchschnittlich 50-70 Tonnen CO2-Emissionen pro Bonner:in übrig. Durch den Angriffskrieg auf die Ukraine haben wir auch gespürt, wie abhängig wir von fossilen Rohstoffen sind. Der Beschluss zur Klimaneutralität des Bonner Stadtrates von November 2019 war daher der Beginn einer Zeitenwende. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir unabhängig von fossilen Rohstoffen werden und siebenmal schneller Treibhausgas- Emissionen reduzieren als bisher. Das neue klimaneutrale Bonn nutzt neue Formen der Energie- und Wärmeversorgung, der Mobilität, der Landwirtschaft und Ernährung, es hat einen Wirtschafts- und Konsumwandel vollzogen, fördert das Gemeinwohl, die soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige inklusive Lebenskultur. Doch wie kommen wir dahin? Und wie nehmen wir alle mit? Die Transformation zur klimaneutralen Stadt ist technisch möglich, das bestätigt der Klimaplan. Die Voraussetzung für den technischen Veränderungsprozess hingegen ist ein sozialer Lernprozess. Der Klima-Aktionsplan der Bürger:innen enthält Empfehlungen für diesen sozialen Lern- prozess. 1 Unsere wichtigste Erfahrung aus dem zweijährigen Prozess: Wenn man freundlich und klar die Herausforderungen der Klimakrise erklärt und aufzeigt, welche Ziele wir nach dem Stand der Wissenschaft erreichen müssen, und wenn man dann einen guten Rahmen schafft für die gemeinsame Suche nach Lösungen, dann sind die meisten Bürger:innen bereit, sich zu engagieren und wollen, dass es schneller geht.Seite 6 von 71 Im Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima” konnten wir erproben und zeigen, was es braucht, damit Menschen zusammen diese Veränderung gestalten. Es sind 37 Aktionspläne entstanden in Zusammenarbeit von Bürger:innen, Akteur:innen aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft, Mitarbeiter:innen aus Verwaltung und städtischen Betrieben und Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis. Viele Vorschläge zahlen auf den Klimaplan ein. Und es gibt neue, innovative Ideen, die noch nicht im Klimaplan enthalten sind. Erste Projekte wurden bereits gestartet. Ein Anfang ist gemacht. Mit dem Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima” hat die Stadt Bonn ein einmaliges Projekt gefördert, das auch bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Einmalig war die Kooperation zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft. Neu ist auch der transformative Ansatz von Bonn im Wandel e. V.1 Im Rahmen des Bonn4Future- Mitwirkungsverfahrens sind nicht nur 37 Klima-Aktionspläne mit über 200 ersten wichtigen Schritten entstanden, sondern auch erste Projekte und Initiativen. Über 160 Organisationen nutzen die neue Online-Plattform www.bonn4future.de, stellen ihre Arbeit dar, kommen miteinander in Kontakt, publizieren Ideen im Ideenboard oder nutzen den Mitmachkalender für ihre Veranstaltungen. Artikel und Filme informieren über die Ergebnisse von Bonn4Future und die klimaneutrale Stadt. Man findet gute Bonner Beispiele und Interviews mit Vertreter:innen der Stadt Bonn, des Klimaschutzbeirates oder Initiator:innen innovativer Projekte. Bonn ist dabei, ein großes Potential zu heben, nämlich die Kreativität und den guten Willen der Menschen. 1 Hinweise dazu, was das Bonn4Future-Verfahren besonders macht, finden Sie ganz am Ende dieses Dokuments. 2 Teilnehmende von Klimaforum 1 im September 2021 Teilnehmende von Klimaforum 4 im September 2022 Teilnehmende von Klimaforum 2 und 3 im Juni 2022Seite 7 von 71 Das finden Sie hier Vor Ihnen liegen nun die Ergebnisse des Bonn4Future-Mitwirkungsverfahrens. Wir haben die Ergebnisse für Sie in zwei Teile gegliedert: Teil I) Die sechs „Gamechanger” für Kommunikation, Bildung und Mitwirkung in der klimaneutralen Stadt. Dieser Abschnitt bündelt die Empfehlungen der Bürger:innen, um die breite Stadtgesellschaft zu erreichen. Es ist das Fazit aus allen 37 Aktionsplänen. Teil II) Der vollständige Klima-Aktionsplan der Bürger:innen mit den Empfehlungen von Bonn im Wandel e. V. zum weiteren Umgang damit. Die Ergebnisse haben wir tabellarisch aufbereitet: ● Spalte 1: Die Zusammenfassung der Empfehlungen und Forderungen der Teilnehmenden als Fließtext. Den Original-Aktionsplan finden Sie unter https://beteiligung.bonn4future.de/de/klimaforum4 ● Spalte 2: Unsere Empfehlung für den weiteren Prozess bzw. den Klimaplan. Dafür haben wir noch weitere Quellen berücksichtigt, nämlich die Ergebnisse aus vorherigen Klimaforen, die Ergebnisse eines Workshops mit der Verwaltung, Hinweise des Klimaschutzbeirates, des Bonn4Future-Prozessbeirates, Verweise der Gutach- ter:innen des Bonner Klimaplans sowie das Know-how von Bonn im Wandel e. V. als Schnittstelle zur Zivilgesellschaft und Wissensträger für Kommunikation und Beteiligung zur klimaneutralen Stadt. ● Spalte 3: Unsere Begründung. Sie beruht auf dem Kenntnisstand von Bonn im Wandel e. V. zum 27. Januar 2023 und Auskünften einzelner Vertreter:innen verschiedener Ämter. Diese Interviews mit der Verwaltung ersetzen keine Ämterbeteiligung. Wie wird aus den beiden Verfahren ein Gesamtwerk? Zu Beginn des Mitwirkungsverfahrens „Bonn4Future – Wir fürs Klima” war nicht absehbar, dass es einen Bonner Klimaplan geben würde. Es war auch nicht geplant oder budgetiert, dass Bonn im Wandel e. V. den Klimaplan sichtet und die Ergebnisse des Bürger- beteiligungsverfahrens damit abgleicht. Dennoch haben wir diese Arbeit übernommen, weil wir glauben, dass die Zusammenführung beider Wissensbestände eine große Chance für den Erfolg des Klimaplans ist. Denn über 90 % der Aktionspläne, die die Bürger:innen erarbeitet haben, wurden von Mitarbeiter:innen der Verwaltung in einem Bonn4Future- Workshop als gute Idee eingestuft oder als Vorschlag, den man weiter entwickeln könnte. 3Seite 8 von 71 In den unten stehenden Tabellen finden Sie nun zwei unterschiedliche Ergebnistypen: ● Neue Ideen, soziale Innovationen und Maßnahmen zur zeitlichen Überbrückung: Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens sind neue, innovative Projektvorschläge entstanden, die sich bislang nicht im Klimaplan befinden (mit einer gelben Glühbirne markiert). Wir empfehlen daher eine kurzfristige Prüfung („Fast Lane”-Prüfung), ob und wie bereits vor der Umsetzung von Aktivitäten aus dem Klimaplan Maßnahmen ergriffen werden können oder ob diese Maßnahmen bei der Fortschreibung des Klimaplans berücksichtigt werden können (Beschlusspunkt 2). ● Vorschläge und Verbesserungen für Steckbriefe im Klimaplan: Gut 30 von 37 Aktionspläne lassen sich vorhandenen Steckbriefen im Klimaplan zuordnen. Die Bürger:innen geben damit wertvolle Hinweise und Empfehlungen, damit die Transformation gelingt. Diese Empfehlungen sollten geprüft und, soweit sinnvoll und möglich, bei der Umsetzung des Arbeitsprogramms Klimaschutz berücksichtigt werden. Diese Empfehlungen sind nicht markiert (Beschlusspunkt 3). Die Kapazitätsabschätzung und Budgetierung der Innovationen und neuen Vorschläge gehört nicht zum Auftrag oder in den Verantwortungsbereich von Bonn im Wandel e. V. Wir empfehlen Ihnen daher, die gelb markierten Textpassagen zu sichten und eine kurzfristige Prüfung zu beauftragen. 4Seite 9 von 71 Teil I: Sechs Gamechanger für KOMMUNIKATION, BILDUNG und MITWIRKUNG im neuen klimaneutralen Bonn Kurzfassung Teil I Nach Auswertungen aller Empfehlungen aus dem Bonn4Future-Mitwirkungsverfahren haben wir sechs Hebel für eine transformative Kommunikation, Bildung und Mitwirkung in der neuen klimaneutralen Stadt erarbeitet: Gamechanger 1: Kommunikation für eine klimaneutrale und lebenswerte Stadt, das ist mehr als die Information über den Klimaplan und seine Aktivitäten. Die Stadt Bonn hat auch eine große Verantwortung dafür, ihre Bürger:innen rechtzeitig darüber zu informieren, was die Klimakrise für sie und ihr Leben bedeutet und wie eine klimaneutrale Mobilität, die Ernährung, das Wohnen, wie die Wirtschaft der Zukunft in Bonn aussieht. Dazu gehört auch, wie wir mehr Lebensqualität schaffen mit weniger Konsum, denn die erneuerbaren Energien reichen nicht für ein „weiter so wie bisher” (Wohlstandswandel)2. Es braucht Bilder vom neuen klimaneutralen Bonn. Es muss deutlich werden: Wer muss was tun? Welche guten Vorbilder und Beispiele gibt es schon? Und wie kann jede:r Teil des Neuen Bonn werden – die Bürger:innen, die Verwaltung, die Politik? Die Teilnehmenden wünschen sich eine zentrale Informationsquelle über Best Practices und Möglichkeiten zur Mitwirkung. Zeitkritisch ist daher jetzt schon die Prüfung, in welchem Maße das Kommunikationsbudget aufgestockt werden muss. Zeitkritisch ist auch die Prüfung der Frage, ob und in welcher Form sich die Stadt Bonn an der Fortführung der im Rahmen des Verfahrens entwickelten Online-Plattform www.bonn4future.de beteiligt. Die Förderung endet am 1. Mai 2023. (Empfehlungen 1.1–1.7) Gamechanger 2: Bildung und Mitwirkung vervielfachen: Der Wandel zur klimaneutralen Stadt ist ein sozialer Lernprozess. Wenn die Stadt Bonn viel mehr Menschen erreichen will als bisher, dann braucht sie mehr Orte der erfahrungs- bezogenen Bildung. Sie sollte Bildungsangebote sichten und ausbauen. Sie braucht mehr Multiplikator:innen, die Wissen vervielfältigen, sowie Netzwerke zum Erfahrungsaustausch. Zeitkritisch ist auch die Erarbeitung von Qualitätskriterien für die Bürger:innenbeteiligung im klimaneutralen Bonn, damit die Erfahrungen und Empfehlungen aus Bonn4Future auch in laufende Prozesse eingespeist werden können (Empfehlungen 2.1–2.4). 2 Vortrag „Alles Technik oder was – wie kann eine schnelle Energiewende gelingen?” des Industrieforschers Dr. Sascha Samadi, Wuppertal Institut, auf dem 1. Klimaforum https://vimeo.com/613628655 5Seite 10 von 71 Gamechanger 3: Selbstorganisierte Transformation im Quartier: Man erreicht Menschen am besten dort, wo sie leben und arbeiten. Viele Menschen wollen loslegen und nicht warten, bis irgendwann in ihrem Quartier ein Klimabüro eingerichtet wird. Wir empfehlen kurzfristig die Entwicklung von Konzepten und Unterstützungs- möglichkeiten für selbstorganisierte Stadtwandelorte/Klimaquartiere in der gesamten Stadt. Auch dies ist eine Empfehlung, die zeitnah geprüft werden sollte. Gamechanger 4: Soziale Gerechtigkeit: Schon jetzt steigen Energie- und Lebensmittel- preise und bringen Menschen in Not. Damit bei der bevorstehenden Transformation niemand auf der Strecke bleibt, braucht es eine Prüfung, inwieweit der Klimaplan ausreichend Antwort auf Fragen der sozialen Gerechtig- keit gibt. Kurzfristig sollten niederschwellige Angebote zum Dialog und zur Selbstorganisa- tion geschaffen werden, zum Beispiel Klimagespräche, Stadtteilkonferenzen, gerade für Menschen in prekären Lebenslagen. Gamechanger 5: Menschen zusammenbringen: Die Stadt Bonn kann die Klimaneutralität allein nicht herbeiführen. Es braucht die Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Akteur:innen auf vielen Ebenen. Die Stadt Bonn kann dies ermöglichen und Impulsgeberin dieser neuen kooperativen Zusammenarbeit für eine klimaneutrale und lebenswerte Stadt sein. Zahlreiche innovative Projektvorschläge lassen sich niederschwellig anbahnen, indem man Akteur:innen zusammenbringt, einen Raum und Moderation bereitstellt. Zeitkritisch ist insbesondere die Prüfung der Einrichtung eines Multi-Stakeholder-Gremiums inklusive Bürger:innen, das die Umsetzung des Klimaplans und der Bonn4Future-Ergebnisse multiperspektivisch begleitet. Gamechanger 6: Fund the Fundraiser – Anschubfinanzierung von Partnerprojekten: Die Stadt Bonn braucht kompetente Partner:innen und Multiplikator:innen in allen Bereichen. Um das Potential in Bonn zu heben, empfehlen wir die Etablierung/Öffnung von Fördermitteln für zivilgesellschaftliche oder gemeinnützige Organisationen, damit sie eine Anschubfinanzierung beantragen können, um Projektkonzepte zu entwickeln und/oder Drittmittelanträge zu erarbeiten. Auch dies sollte sofort geprüft werden. 6Seite 11 von 71 1. Kommunikation und Beteiligung für die klimaneutrale und lebenswerte Stadt3 In 23 von 37 Klima-Aktionsplänen geben die Teilnehmenden Empfehlungen für eine Kommunikation, die Menschen erreicht und für den Wandel begeistert. Wir haben acht Empfehlungen und Prinzipien für eine Kommunikation herausgearbeitet, die Bürger:innen mitnimmt und dabei unterstützt, ihren Beitrag zur Transformation zu leisten. 1.1 Zielbilder für jedes Handlungsfeld: Wohin wollen wir? Die Teilnehmenden fordern von der Stadt Bonn klare, verständliche Ziele und positive Bilder von der Zukunft, und zwar in allen Handlungsbereichen. Zum Beispiel: So sieht die neue klimaneutrale Mobilität der Zukunft aus – bist du dabei? Statt: Hier ist die neue Parkraumordnung! Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die geplante Kommunikationsstrategie (1.1.3.1) um verständliche Ziele und Bilder von der klimaneutralen Zukunft zu erweitern. Empfehlenswert ist es, diese Zukunftsbilder gemeinsam mit verschiedenen Zielgruppen zu entwickeln und mit Hilfe von (prominenten) Bonner Akteur:innen zu verbreiten. Begründung: Klare, verständliche Ziele helfen den Bürger:innen, sich mit dem Leitbild der klimaneutralen und lebenswerten Stadt zu identifizieren, in den Dialog darüber zu gehen und auch zu verstehen, warum Maßnahmen ergriffen werden. Diese Ziele sind auch die Voraussetzung dafür, dass Bürger:innen aktiv werden und eigene Lösungen entwickeln, um Bonn mit umzugestalten. Sie helfen außerdem bei der Diskussion und Evaluation von Maßnahmen. 3 Aktionspläne unter anderem: 1.2, 1.3, 1.4, 2.1, 2.3, 2.4, 4.2, 6.2, 6.4, 6.6, 7.1, 7.3, 7.5 7Seite 12 von 71 1.2 Das „Wir im Neuen Bonn-Gefühl”: Wer muss was tun? Das fehlt bisher: das große Bild. Dazu müssen alle beitragen: die Stadt, die Bürger:innen, die Wirtschaft, die Medien und andere Akteur:innen. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die geplante Kommunikationsstrategie (1.1.3.1), um das Bild vom klimaneutralen Bonn und die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten zu erweitern. Sie sollte darstellen: Wer muss was tun, damit die Klimaneutralität gelingt? Begründung: Klimaneutralität ist Teamsport. Kommunikationsmaßnahmen müssen die geteilte Verantwortung und Aufgaben sichtbar und verstehbar machen. Im 2. und 3. Klimaforum (Wohnen und Mobilität) haben die Bürger:innen bereits Empfehlungen und Verantwortlichkeiten für verschiedene Akteur:innen erarbeitet (Stadt Bonn, die Bürger:innen, die Medien und die Wirtschaft, Bund und Land). Das lässt sich nutzen und weiter ausbauen. Ein prominentes Beispiel dafür findet sich in der Ernährungsstrategie der Stadt London. 1.3 Die Stadt Bonn als Vorreiterin und Blaupause für andere Institutionen Die Stadt Bonn ist jetzt schon Vorreiterin in der Art und Weise, wie sie den Prozess zur Klimaneutralität organisiert. Viele Teilnehmende der Klimaforen waren dankbar für die Einladung, das Interesse war größer als bei anderen Verfahren. Die Bürger:innen empfehlen, durch ein Monitoring des Prozesses und seiner Ergebnisse und durch die Ausbildung von Multiplikator:innen den Bonner Prozess als Blaupause für andere Institutionen zu nutzen, die klimaneutral werden wollen. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen zu prüfen, inwieweit der Prozess der Stadt Bonn auf dem Weg zur Klimaneutralität evaluiert und begleitet werden kann, um zum Vorbild und zur Blaupause für andere Kommunen und Behörden zu werden. Begründung: Der „Bonner Weg” weist Besonderheiten auf. Dazu gehören verwaltungsinterne Prozesse, wie die Einrichtung der Programmbüros, die Kooperation mit der Zivilgesellschaft im Rahmen von Bonn4Future und ein großes Engagement in der Verwaltung. Schon jetzt werden die Kooperationspartner:innen Bonn im Wandel e. V., die Stabsstelle Bürgerbeteiligung und das Programmbüro Klimaneutralität von anderen Kommunen angefragt. Eine systematische Aufarbeitung, Begleitung und Auswertung des laufenden und zukünftigen Gesamtprozesses ist sinnvoll. Die Aufarbeitung des Know-hows und die Entwicklung von Trainings und Leitfäden könnten Folgeschritte sein. 8Seite 13 von 71 1.4 Die Klimakrise als Krise begreifen In fünf Aktionsplänen empfehlen die Bürger:innen, dass die Herausforderung und die Bedeutung der Klimakrise für Bonn verständlich aufbereitet wird. Denn in der breiten Bevölkerung fehlt es an Erfahrungen und Bewusstsein in Bezug darauf, was die Klimakrise für sie und ihr Leben konkret bedeutet. Sie empfehlen die Konzeption von erfahrungsbezogenen Informations- und Bildungsangeboten für alle Zielgruppen, auch für Politik und Verwaltung. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen, die Kommunikationsstrategie (1.1.3.1) und die Mitmachkampagne (2.1.2.1) um Inhalte zur Bedeutung der Klimakrise für Bonn zu erweitern: Bürger:innen müssen erfahren können, was mit der Klimakrise auf uns alle zukommt und was passiert, wenn wir nicht angemessen handeln. Dafür braucht es Erfahrungs- und Erlebnismöglichkeiten an Bonner Orten, in der Natur, im Wald, in der Stadt, am Rhein. Diese erfahrungsbezogene Informationsarbeit kann nicht von der Stadt allein bewältigt werden - es wird Kooperationspartner:innen aus Wissenschaft und Praxis brauchen. Begründung: Das Gefühl der Dringlichkeit ist ein großer Hebel für Veränderung, denn es motiviert zum Handeln. Vor einer Motivationskampagne sollte daher die Frage nach dem Sinn, dem Warum, beantwortet werden: „Was ist hier die Herausforderung? Warum ist es dringlich? Was passiert, wenn wir nichts tun?” (zum Beispiel Baumsterben im Kottenforst, kritische Versorgungssituation im Bereich Wärme, regionale Ernährungsversorgung/Situation der Landwirtschaft) Die Stadt Bonn sollte ihre Bürger:innen möglichst frühzeitig über die Folgen des Nicht-Handelns informieren und bilden. Die Filme, Artikel und Materialien aus den Bonn4Future- Klimaforen 1–4 liefern dafür bereits eine gute Grundlage, siehe https://beteiligung.bonn4future.de/de. 9Seite 14 von 71 1.5 Kommunikation für den Werte- und Wohlstandswandel im Neuen Bonn Unser derzeitiges Konsumniveau lässt sich mit erneuerbaren Energien nicht aufrechterhalten (siehe Vortrag Dr. Sascha Samadi, Wuppertal Institut, auf dem 1. Bonn4FutureKlimaforum https://beteiligung.bonn4future.de/de/klimaf orum1). In fünf Aktionsplänen fordern die Bürger:innen daher einen Wandel von einer wachstumsgetriebenen Gesellschaft („Weiter so wie bisher”) hin zu einer Stadt und einer Wirtschaft, die dem Gemeinwohl dient, eine nachhaltige Lebenskultur fördert und unsere Lebensgrundlagen erhält. Dieser „Wandel des Mindsets“ ist für die Bürger:innen die Basis für alles. Sie empfehlen, dass der Rat einen Beschluss für die Gemeinwohlbilanzierung städtischer Unternehmen fasst. Rat und Verwaltung brauchen außerdem Wissen und Handlungskompetenz zum Thema Gemeinwohlbilanz und Klimaneutralität. Gemeinwohlorientierte Unternehmen mit einem Klimaplan sollen einen Gewerbesteuer-Nachlass bekommen. Auch für die Vergabe von städtischen Werbeflächen sollen Nachhaltigkeitskriterien gelten. Sie empfehlen außerdem eine inklusive Kommunikationskampagne für Bürger:innen mit Vorbildern und Diskussionsräumen für mehr Lebensqualität und weniger Konsum (Wohlstandswandel). Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die Erweiterung der Kommunikationsstrategie (1.1.3.1) und der Mitmachkampagne (2.1.2.1) um das „Neue Bonn”, die gemeinwohlorientierte Stadt, mit einer nachhaltigen Lebenskultur und weniger materiellem Konsum und Ressourcenverbrauch. Die Basis dafür ist ein stadt-internes Bildungsprogramm über neue Wohlstandsindikatoren und eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Dazu gehört die Suche nach innovativen Kommunikationspartner:innen für den Werte- und Wohlstandswandel (Unternehmen, Organisationen, Prominente). Wir empfehlen des Weiteren die Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten der Stadt Bonn, die Nutzung/Vergabe von Werbeflächen in Bonn an Nachhaltigkeitskriterien zu knüpfen. Begründung: Mit dem Entschluss zur Klimaneutralität hat der Rat der Stadt Bonn eine Zeitenwende eingeleitet, von einem Bonn, das sorglos mit den Grenzen der Erde umgeht, hin zu einem Bonn, das Verantwortung übernimmt für die ökologischen Grenzen und einen Wandel gestalten möchte, der alle mitnimmt. Das „Neue Bonn” muss daher ein Leitmotiv in der Rahmenkommunikation sein. (Weiterführende Hinweise: Forschungsprojekte zu Wirtschafts- und Wohlstandsindikatoren https://transzent.uni-wuppertal.de/de) 10Seite 15 von 71 1.6 Positive Vorbilder für das Neue Bonn In drei Aktionsplänen empfehlen die Bürger:innen, positive Vorbilder zu kommunizieren, die für das Neue Bonn und eine neue nachhaltige, konsumarme Lebenskultur stehen – zum Beispiel die Stadt Bonn selbst, Prominente, Best Practices aus der Zivilgesellschaft, der Bürger:innenschaft und der Wirtschaft. Die Teilnehmenden empfehlen eine Plattform, die Dreh- und Angelpunkt kollektiver Problemlösung ist und ggf. eine Schnittstelle zwischen den Klimaquartieren sein kann. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die Erweiterung der Kommunikationsstrategie (1.1.3.1) um positive Vorbilder, idealerweise gemeinsam mit Kooperations- partner:innen, sowie die Prüfung, inwieweit die Plattform www.bonn4future.de, die bereits im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens entwickelt wurde, ein gutes Beispiel für konstruktiven Journalismus ist und als solches erhalten und weiterentwickelt werden soll. Begründung: Positive und lebensnahe Rollenmodelle sind nach eigenen Erfolgserfahrungen der zweitstärkste Hebel für Veränderung. Die Plattform www.bonn4future.de, die im Rahmen des Beteiligungsverfahrens gefördert wurde, arbeitet bereits nach dem Prinzip des konstruktiven Journalismus. Hier sind heute schon über 160 Initiativen aktiv und es sind gute Beispiele in Interviews und Stories aufbereitet. 1.7 Mitwirkung statt Verhaltenstraining Die bisherige Kommunikationskampagne fokussiert tendenziell das individuelle Verhalten. Die Teilnehmenden in den Foren wünschen sich das Kollektive, das Gemeinschaftliche. Sie machen in mehreren Aktionsplänen deutlich, dass es Aktivierung, Räume und Unterstützung braucht, damit sie mit anderen Menschen eine neue Lebenskultur der Nachhaltigkeit diskutieren und erproben können. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die Überarbeitung des Steckbriefes Mitmachkampagne (2.1.2.1) und Ausrichtung auf gemeinschaftliche Klimaschutzinitiativen und - aktivitäten. Begründung: 80 % des klimarelevanten Verhaltens wird durch Strukturen und Rahmenbedingungen beeinflusst. Die gemeinsame Veränderung der Lebensumstände ist daher ein wichtiger Ansatzpunkt. Sie ermöglicht positive Erfolgserfahrungen, sei es die nachbarschaftliche Organisation eines Lastenrades, einer Wärmepumpe, der Häuserdämmung oder gemeinsam zu kochen. Hinweis: Anfang März bietet Bonn im Wandel e. V. gemeinsam mit der VHS ein erstes Training für Menschen an, die gemeinschaftliche Klimaschutzinitiativen gründen möchten („Skills4Transformation”). 11Seite 16 von 71 2. Bildung und Mitwirkung für die klimaneutrale lebenswerte Stadt4 Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist der Goldstandard in der Nachhaltigkeitsbildung, denn sie fördert Handlungskompetenzen zur Gestaltung des eigenen Lebens und der Lebensfelder, gemeinsam mit Anderen. Die Empfehlungen und Forderungen der Bürger:innen lassen sich im Bereich Bildung in drei Cluster unterteilen: 2.1 Konzeption von motivierenden und niederschwelligen Bildungs- und Mitmachangeboten Die Bürger:innen empfehlen niederschwellige Aktionstage fürs Klima (Freidays) in Unternehmen und Institutionen, aber auch Klimapartys nach dem Prinzip des Netzwerkmarketing (Tupperware-Konzept). Die Bürger:innen empfehlen auch die Entwicklung von zielgruppenspezifischen Bildungskonzepten im Bereich Wohnen, Natur, Klima und Ernährung. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die Konzeption von erfahrungsbezogenen, zielgruppenspezifischen Bildungsangeboten, die die bisherigen Bildungsaktivitäten vervielfachen. Denn die aktuellen Maßnahmen erreichen nur einen Bruchteil der Gesellschaft. Es braucht eine Analyse von Bonner Initiativen, die sich jetzt schon für Klimaschutz und Gerechtigkeit einsetzen (Agent:innen des Wandels) und die gezielte Förderung sozialer Innovationen und Netzwerke, um sie zu vervielfältigen. Begründung: Das vorhandene Bildungsangebot muss erweitert und gestärkt werden, um noch mehr Menschen bei den Bürger:innen, der Politik und der Verwaltung zu erreichen. Der Klimaplan spricht zwar von „Agent:innen des Wandels”, er beschreibt aber keine Maßnahmen, wie man ihre Verbreitung fördern und vervielfältigen kann. Damit lässt der bestehende Klimaplan ein großes gesellschaftliches Innovationspotential von Bonn ungenutzt. Gesellschaftliche Innovationen brauchen förderliche Rahmenbedingungen, damit sie in den Mainstream gelangen. Bonn hat hier viel Potential. 4 Kommt in folgenden Aktionsplänen vor: 3.1, 3.3, 3.4, 4.2, 5.1 12Seite 17 von 71 2.2 Schaffung von Lern- und Erlebnisorten im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) In fünf Aktionsplänen empfehlen die Bürger:innen die Einrichtung von Lern- und Erfahrungsorten, um gemeinsam als Stadtgesellschaft aktiv zu werden, neue Konzepte von Lebensqualität und Wohlstand zu entwickeln und zu erproben. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen, die Vorschläge in die Steckbriefe 2.1.2.1 Mitmachkampagne und 2.2.1.2 Nachhaltigkeitsbildung einzuarbeiten. Die Schaffung von neuen Begegnungs- und Erfahrungsorten wird mehr Finanzmittel erfordern. Auch die Interessen von Jugendlichen müssen berücksichtigt werden. Begründung: BNE braucht eine Landschaft der transformativen Lernorte. Diese müssen nicht von der Stadt allein getragen werden. Die Stadt Bonn kann die Entwicklung von Lernorten gezielt durch eine Bestandsaufnahme, Förderkonzepte und Qualitätskriterien fördern. 2.3 Qualifikation von Multiplikator:innen und Einrichtung von Netzwerken Die Bürger:innen empfehlen in gut einem Drittel der Aktionspläne die Unterstützung und Begleitung von Veränderungs- und Lernprozessen durch Multiplikator:innen/ Botschafter:innen. Zum Beispiel für nachhaltige Ernährung, Nachhaltigkeitsbotschafter:innen in Unternehmen, Multiplikator:innen für die Moderation von Gesprächen mit Mieter:innen und Vermieter:innen, Menschen, die Klimapartys organisieren oder Fachkundige, die bei Fassaden- und Dachbegrünung unterstützen. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen zu prüfen, wo im Klimaplan die Qualifikation von Multiplikator:innen ergänzt werden muss und inwieweit es eine eigene Aktivität für Multiplikator:innen braucht, etwa die Einrichtung eines Multiplikator:innenpools oder eines Kompetenzzentrums. Es sollte frühzeitig geklärt werden: Welche Qualifikationen brauchen die Multiplikator:innen und wer qualifiziert sie? Kann die Stadt ein Qualitätssiegel vergeben? Wo braucht es Kooperationen mit Bildungsinstitutionen? Wer koordiniert und begleitet die Arbeit von Multiplikator:innen, aber auch den Austausch und die Dokumentation von Lernerfahrungen? Wir empfehlen außerdem die Einrichtung und Unterstützung eines Netzwerks von Bildungsakteur:innen. Begründung: Mit Multiplikator:innen geht alles besser und schneller, denn sie bündeln Wissen und Methoden, können Lernprozesse vervielfältigen und das Potential der Zivilgesellschaft aktivieren. Für die Arbeit von Multiplikator:innen braucht es aber klare Ziele und Qualitätsstandards. Diese sollte die Stadt festlegen. Multiplikator:innen sollten erreichbar und sichtbar sein, zum Beispiel auf einer Plattform. 13Seite 18 von 71 2.4 Gamechanger: Qualitätskriterien für eine transformative Bürger:innenbeteiligung Auch Bürger:innenbeteiligung muss künftig auf der Basis der Klimaneutralität und der sozialen Gerechtigkeit umgesetzt werden. Doch was bedeutet dies für die Menschen, die Bürger:innenbeteiligung organisieren? Was bedeutet das für die Auftragnehmer:innen der Stadt? Und kann jede:r das Label „Bonn4Future” für ein Projekt nutzen – ohne Beachtung von Qualitätsstandards? Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die Ausarbeitung von Qualitätskriterien für eine Bürger:innenbeteiligung in der klimaneutralen Stadt und die Ergänzung der Leitlinien Bürger:innenbeteiligung. Ämter und Dienstleister:innen müssen wissen und transparent machen, wie Beteiligungsverfahren jetzt und künftig die Klimaneutralität fördern. Begründung: Die Stadt Bonn befindet sich auf dem Weg zur klimaneutralen und sozial gerechten Stadt. Mit Bonn4Future wurde ein Prototyp für eine transformative und erfolgreiche Bürger:innenbeteiligung entwickelt. Es ist sinnvoll, die Erfahrungen, aber auch die Ergebnisse der Evaluation zu nutzen und für künftige Beteiligungsprozesse aufzubereiten. Denn auch Dienstleister:innen der Stadt brauchen eine klare Orientierung in Bezug darauf, ob sie im alten Bonn arbeiten, – mit dem Mindset „Weiter so wie bisher” –, oder im Neuen Bonn, das Wohlstand schafft durch eine Orientierung am Gemeinwohl und mehr Lebensqualität mit weniger Konsum verbindet. 14Seite 19 von 71 3. Transformation im Quartier5 Insgesamt gibt es in 14 von 37 Aktionsplänen einen klaren Quartiersbezug. Darin zeigt sich das große Potential des Quartiersansatzes, denn hier fließen alle Themen zusammen: das Wohnen, die Mobilität, das Einkaufen, Ernährung, Entsiegelung und Begrünung. Kollektive Problemlösungen sind in der Nachbarschaft am einfachsten möglich, etwa die gemeinschaftliche Umgestaltung des öffentlichen Raums, gemeinsame Lösung für die Wärmewende etc. Die Teilnehmenden empfehlen Bedarfsanalysen, zum Beispiel für Wohnraum oder die Dinge des täglichen Bedarfs, Unterstützung in Form von Informationen, Impulsen, moderierten Räumen für kollektive Entwicklung von Lösungen, Koordinations- Unterstützung bei der gemeinsamen Umsetzung der Wärme- und Energiewende und beratende Unterstützung. Die Bürger:innen fordern die oben genannte Unterstützung in jedem Quartier – im Klimaplan ist dies aber nur für einige wenige vorgesehen. Empfehlungen für den Klimaplan: Ergänzung vorhandener Steckbriefe, z. B. 2.1.1. Klimaquartiere, 1.1.2.6. Innovationsräume, 1.3.1.1. Kommunikationsstrategie, in Bezug auf: ● Räumlichkeiten ● Bedarfsanalysen ● Entwicklung und Skalierung partizipativer Mitwirkungskonzepte für Transformation hin zu klimaneutralem Quartier ● Schaffung von Lern- und Erlebnisorten im Quartier, auch für Kinder und Jugendliche ● Multiperspektivität ● Knüpfen von Kooperationen und Ansprache vulnerabler Gruppen Wir empfehlen die kurzfristige Entwicklung von Konzepten und Fördermöglichkeiten für selbstorganisierte Stadtwandelorte/ Klimaquartiere in der gesamten Stadt. Etwa durch Organisation von Räumen, Identifikation und Ansprache von Nachbarschaftsinitiativen, Unterstützung durch Moderation oder Trainings oder bei der Beantragung von Fördermitteln. Begründung: Zusätzlich zu den geplanten Klima- und Quartiersbüros braucht es niederschwellig zugängliche Orte für Kinder und Jugendliche bzw. Strategien für die Ansprache von Armutshaushalten, denn diese Zielgruppen kommen evtl. nicht ins Quartiersbüro. Hier kann zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Sozialamt an Lösungen gearbeitet werden. Die zeitliche Lücke zwischen Verabschiedung des Klimaplans und dem Beginn der Arbeit in den Klimabüros im Quartier ist sehr lang. Die Bürger:innen wollen und müssen auch nicht unbedingt warten, bis im Jahr 2025 die ersten drei Klima- oder Quartiersbüros eröffnet werden. Um das Engagement zu fördern und die Selbstorganisation der Bürger:innen zu ermöglichen, braucht es Unterstützung, Beratung und Fördermöglichkeiten für selbstorganisierte Quartierszentren, ggf. auch durch verschiedene Ämter (Stabsstelle Bürgerbeteiligung, Städtisches Gebäudemanagement). 5 Kommt in folgenden Aktionsplänen vor: 1.1, 1.2, 1.3, 2.2, 3.3, 4.1, 4.2, 4.5, 5.3, 5.4, 5.6, 6.3, 6.5, 7.4 15Seite 20 von 71 4. Soziale Gerechtigkeit6 Den Teilnehmenden war vom ersten Klimaforum an die soziale Gerechtigkeit sehr wichtig. Auch im 4. Klimaforum haben die Teilnehmenden in mindestens acht Aktionsplänen das Thema soziale Gerechtigkeit bearbeitet. Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit betrifft viele Lebensbereiche, zum Beispiel ● die Verbesserung des Essens in allen öffentlichen Einrichtungen, ● Lern- und Begegnungsräume im Lebens-, Arbeits- und Wohnumfeld, die für alle Menschen leicht zugänglich sind, ● Mobilität (als Bestandteil der Grundversorgung) für alle bezahlbar und barrierefrei, ● Sicherung der Wärme- und Energieversorgung für alle Bürger:innen, insbesondere Mieter:innen, ● Zugang und Schaffung von grünen öffentlichen Räumen (4.5), ● Ausrichtung hin zum Gemeinwohl, das auch die soziale Gerechtigkeit am Arbeitsplatz fördert (4.3., 4.5, 6.4), ● Identifikation und Ansprache von Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben (6.3). Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die Überprüfung des Klimaplans: Inwieweit fördert er soziale Gerechtigkeit? Außerdem sollen die Vorschläge der Bürger:innen zur Verbesserung der sozialen Gerechtigkeit geprüft werden. Es sollte geprüft werden, ob kurzfristig in möglichst vielen Quartieren oder quartiersübergreifend niederschwellige Angebote des Austausches und der Selbsthilfe angeboten werden können, wie Nachbarschaftsgespräche oder Stadtteilkonferenzen, z. B. zur Energiewende oder zu anderen Themen, die den Bürger:innen auf dem Herzen liegen. Begründung: Steigende Energiepreise und materielle Sorgen können dazu führen, dass sich Menschen benachteiligt, isoliert und als Verlierer:innen fühlen. Das bereitet den Boden für Ausgrenzung oder Abspaltung. Niederschwellige Angebote zum Dialog und zur Selbsthilfe ermöglichen es Menschen, akute Sorgen und Ängste zu teilen, sich gemeinschaftlich zu organisieren und Ausgrenzung zu vermeiden. Ein Beispiel für eine niederschwellige Aktivität ist die Idee von Stadtteilkonferenzen zum Austausch und zur Unterstützung von Menschen bei steigenden Energiepreisen. Diese Idee wurde auf dem 4. Bonn4Future-Klimaforum entwickelt und von einer Teilnehmerin bereits eigenständig umgesetzt. Vier dieser Konferenzen wurden schon durchgeführt. Diese Aktivität könnte mit etwas Unterstützung vervielfältigt werden. Weitere Informationen: https://www.bonn4future.de/de/ideen/stadtteilvernetzu ng-zu-den-fragen-was-tun-bei-steigenden-wasser- strom-gas-sprit-und 6 Kommt in folgenden Aktionsplänen vor: 1.1., bei allen zum Thema 2 (Mobilität), 3.3, 3.4, 4.2, 4.3, 4.5, 6.3, 6.4 16Seite 21 von 71 5. Menschen zusammenbringen7 Bei einem Viertel aller Bürger:innen-Aktionspläne findet sich die Empfehlung, verschiedene gesellschaftliche Perspektiven und Expertisen dieser Stadt an einen Tisch zu holen, um z. B. Runde Tische, Gründungsgremien oder Beiräte einzurichten. Die Bürger:innen wünschen sich ausdrücklich eine Multiperspektivität in diesen Gremien, zum Beispiel mit zufällig gelosten Bürger:innen, Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft, gesellschaftlichen Akteur:innen, die in diesem Bereich aktiv sind oder werden müssten, ggf. auch mit Expert:innen aus Wissenschaft, Praxis und Institutionen. Die Bürger:innen schlagen vor, dass die Stadt Bonn die Koordination und Organisation solcher Gremien initiiert und unterstützt. Denn die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur:innen braucht u. a. eine professionelle, wertschätzende Moderation. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen der Stadt Bonn zu prüfen, inwieweit für den Prozess der Klimaneutralität ● bestehende Runde Tische/Beiräte/Gremien vielfältiger gestaltet werden können, zum Beispiel durch zufällig geloste Bürger:innen, um Perspektiven zu integrieren, ● neue Gremien/Netzwerke eingerichtet werden können, etwa solche, die die Bürger:innen im Klima-Aktionsplan vorgeschlagen haben. ● Grundsätzlich ist auch zu prüfen, welche Kreise oder Gremien die Weiterentwicklung und den Fortschritt des Klimaplans beratend begleiten, zum Beispiel der Klimaschutzbeirat, erweitert um zufällig geloste Bürger:innen und Expert:innen aus der Prozessbegleitung und Beteiligung. Begründung: Nach Abschluss von Bonn4Future gibt es keinen interdisziplinären Kreis, in dem sich Verwaltung, Zivilgesellschaft, Bürger:innen und Akteur:innen treffen, um zu verfolgen, zu beraten und nachzuvollziehen, wie der Prozess der klimaneutralen Stadt weitergeht. Die Einrichtung und Moderation von Runden Tischen oder Fachbeiräten o. Ä. ist eine niederschwellige Möglichkeit, potentielle Partner:innen zusammenzubringen. Die Ausrichtung kann unterschiedlich sein: 1. Beratung und Anhörung: Die Diskussion von Maßnahmen durch Vertreter:innen betroffener Bevölkerungsgruppen kann dabei unterstützen, Stadtentwicklung nah an den Bedarfen umzusetzen (bspw. Fragen von Preisgestaltung und Barrierefreiheit in der Mobilität). 2. Kooperation und Kokreation: Mitglieder/Teilnehmende dieser Gremien/Runden Tische sind im Rahmen ihrer Handlungsmöglichkeiten selbst Teil der Lösung (bspw. zivilgesellschaftliche „Anbieter:innen” von Mobilitätslösungen). 7 Kommt in folgenden Aktionsplänen vor: 2.5, 2.6, 3.1, 3.2, 3.3, 4.1, 4.4, 5.2, 7.1, 7.5 17Seite 22 von 71 6. Anschubfinanzierung von Partnerprojekten Die Sichtung und Auswertung aller Aktionspläne der Bürger:innen zeigt, dass die Herausforderung enorm ist, denn wir müssen siebenmal schneller als bisher unabhängig von fossilen Rohstoffen werden. Diese Herausforderung wird die Stadt Bonn mit ihren verfügbaren Mitteln und Kräften niemals alleine bewältigen können. Sie wird viele Partner:innen brauchen, die in Kooperation oder Kokreation mit der Stadt Bonn Aufgaben übernehmen. Bonn4Future ist dafür eine erste Blaupause. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen im Bereich Governance des Klimaplans die Etablierung/Öffnung von Fördermitteln für zivilgesellschaftliche oder gemeinnützige Organisationen, damit sie eine Anschubfinanzierung beantragen können, um im Sinne der klimaneutralen und lebenswerten Stadt Projektkonzepte zu entwickeln und/oder Drittmittelanträge zu erarbeiten. Bonner Initiativen und Organisationen, die einen Beitrag zur Klimaneutralität in Bonn leisten, könnten außerdem – analog zur Anerkennung der Bundeszentrale für politische Bildung – ein offizieller Träger/ offizielle Partnerin der Stadt werden (Blaupause). Dies braucht transparente Leitlinien. Begründung: Beim Aufbau von Partnerschaften, wie beispielsweise mit Bonn im Wandel e. V., kann man nicht darauf hoffen, dass Partner:innen in der Lage sind, die Konzeption, Antragstellung und Projektentwicklung vollständig aus Eigenmitteln zu finanzieren. Nach dem Prinzip „Fund the Fundraiser” könnte die Stadt Bonn die Erarbeitung von Konzepten oder das Beantragen von Drittmitteln fördern, die dann im Sinne des Klimaplans eingesetzt werden. Damit kann die Stadt Bonn ihre Reichweite und ihre Wirkung erhöhen. 18Seite 23 von 71 Teil II: Die 37 AKTIONSPLÄNE und daraus folgende EMPFEHLUNGEN 1. Wohnen in lebenswerten Vierteln mit erneuerbarer Energie und Wärme Die Klimaforen zeigen: Bürger:innen brauchen verständliche Informationen dazu, wie kritisch die Versorgungslage ist, welche Ziele wir erreichen müssen und wie das gemeinsam möglich ist. Denn sonst riskiert die Stadt, dass ihre Wärmeangebote nicht angenommen werden oder Bürger:innen dort im Kalten sitzen, wo es keine Fernwärme gibt. Die Bürger:innen wollen an Wohn-, Energie- und Wärmewende mitwirken – und müssen es auch. Die drei wichtigsten Hebel sind abhängig vom Mitgestaltungswillen der Bürger:innen: Flächenreduktion, Sanierung/Dämmung und Wärmeversorgung. Um Menschen mit niedrigem Einkommen nicht abzuhängen und soziale Spaltung zu vermeiden, braucht es neben den Top-Down-Ansätzen auch gemeinschaftliche Bottom-Up-Lösungen. Im Klimaplan fehlt es bislang an Handlungsmöglichkeiten für Mieter:innen. Sie brauchen dafür inspirierende Leuchtturmprojekte, Beratung und Unterstützung durch Multiplikator:innen, Räume der Vernetzung, sowie die Bereitschaft der Verwaltung, zivilgesellschaftliche Ideen aufzunehmen und zu fördern. Das gelingt am besten vor Ort im Quartier. Ein zu schaffendes „Amt für Wohnungswesen” könnte diese Maßnahmen koordinieren. 19Seite 24 von 71 1.1 80% DER MIETSHÄUSER SIND KLIMANEUTRAL (Multiplikator:innen für Mieter-Vermieter-Kooperation) Die Teilnehmenden empfehlen, die Zusammenarbeit zwischen Mieter:innen und Vermieter:innen durch Multiplikator:innen zu fördern, um Dämmung, technische Umrüstung und den Ausbau von Wärmenetzen (siehe 1.2) zu fördern. Es soll ein Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl entstehen und Energie sparen zu einer Win-win-Situation werden. Als ersten wichtigsten Schritt empfehlen sie der Stadt Bonn, Öffentlichkeitsarbeit zu machen, indem sie Positivbilder kommuniziert, auch anhand eigener Leuchtturmprojekte als Vorbild. Des Weiteren empfehlen sie die Ausbildung von Multiplikator:innen, die Mieter:innen und Vermieter:innen an einen Tisch bringen. Außerdem soll sich die Kommunalpolitik dafür einsetzen, dass gesetzliche Hindernisse für Energiepolitik und Handwerk beseitigt werden. Empfehlungen für den Klimaplan: 1) Neuer Steckbrief oder neues Projekt für die Ausbildung von Multiplika- tor:innen für Mieter-Vermieter- Kooperation, ggf. angedockt an die Klimaquartiere (Steckbrief 2.1.1.1). Eckpunkte: ● Recherche und Entwicklung eines Qualifikationskonzeptes für Multiplikator:innen, die Mieter:innen und Vermieter:innen an einen Tisch bringen ● Personalkapazität für die Qualifikation und Koordination dieser Multiplikator:innen vorsehen, z. B. bei der BEA, in Quartiersmanagements oder zivilgesellschaftlichen Organisationen ● Akquise und Vergütung von Multiplikator:innen ● Kommunikationskonzept der Stadt Bonn zur Ansprache von Mieter:innen und Öffentlichkeitsarbeit zur Kommunikation von Erfolgen, z. B. auf den Seiten der Stadt/ Bonner Energieagentur/Bonn4Future ● Begleitung und kontinuierliche Weiterentwicklung des Programms 2) Aufnahme der Perspektive von Mieter:innen in die Steckbriefe 4.3.1.3 (Förderprogramm Altbausanierung) und 4.3.2.1 (Kooperation Wohnungswirtschaft) Ggf. zusätzlich: Förderung von Handwerk Begründung: Die Energiewende muss sozial gerecht gestaltet und Mieter:innen müssen vor steigenden Energiekosten geschützt werden. Es droht Überschuldung und soziale Spaltung, wenn Mieter:innen nicht mitgenommen und ihnen keine Handlungsmöglichkeiten gegeben werden. Das Vermieter-Mieter-Dilemma braucht professionelle Moderation. Es gibt breite Unkenntnis darüber, dass und wie eine Warmmieten- neutrale Sanierung möglich ist, von der beide Parteien profitieren. Die im Klimaplan bisher vorgesehenen Maßnahmen richten sich ausschließlich an Eigentümer:innen. Die Empfehlungen der Bürger:innen sind geeignet, diese Lücke zu schließen. Die von uns befragten Mitarbeiter:innen der Verwaltung sind skeptisch, inwieweit ehrenamtliche Multiplikator:innen zu bauphysikalischen Fragen beraten können und empfehlen daher, sie für die Moderation zwischen Vemieter:innen und Mieter:innen zu qualifizieren. Um in die Breite zu kommen, braucht es Multiplikator:innenarbeit. Das kann die Stadt nicht alleine schaffen. Unsere Erfahrung zeigt, dass Menschen auf Basis fundierter Informationen bereit sind, sich zu engagieren – vorausgesetzt, es gibt einen fachlichen und sozialen Rahmen dafür. Das Aktivierungs- und Einsparungspotential ist vermutlich sehr hoch. Weitere Querverweise/Synergieeffekte zum Klimaplan: 4.1 Stadt als Vorbild für kommunale Gebäude und Anlagen, 4.3 Wohngebäude Bestandssanierung, 4.3.2 Modernisierung gewerblich vermieteter Wohngebäude, 2.1.1.1 Klimabüros im Quartier, 2.1.2.1 Mitmachkampagne 20Seite 25 von 71 1.2 WÄRMEWENDE MIT BÜRGER:INNENBETEILIGUNG gelungen Die Teilnehmenden fordern, den Ausbau der Wärmenetze mit grüner Energie bis 2030 abgeschlossen zu haben. Dafür müssen die Wärmeleitplanung und Bau- bzw. Planungsstandards frühzeitig an die Bürger:innen kommuniziert sein, damit Stadt und Bürger:innen gemeinsam (!) beginnen, dafür notwendige, zielgerichtete Maßnahmen zu ergreifen. Die Stadt soll dabei koordinierend unterstützen. Empfehlungen für den Klimaplan: 1) Ergänzung in Steckbrief 5.2.1.1 (Wärmeplanung): Verständliche Kommunikation: Es braucht Transparenz darüber, dass die Versorgungssicherheit im Bereich Wärme gefährdet ist (Heizkosten steigen und ab 2024 sollen laut Bundesregierung 65 % der Heizungen mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Es gibt aber nicht genug Wärmepumpen zur Verfügung). Die Bürger:innen brauchen daher Informationen über die geplante Wärmeleitplanung. 2) Neuer Steckbrief oder Ergänzung in Steckbrief 5.3.1.1 (Energiegenossenschaften): Beteiligung und Unterstützung beim Aufbau von Wärmegenossenschaften: Dort, wo es kein Wärmenetz geben wird, braucht es ein frühzeitiges Bürger:innenbeteiligungsverfahren zur Wärmeleitplanung -> nicht stadtweit/oberflächlich, sondern mit Angeboten in Quartieren, um nachbarschaftliche Lösungen zu entwickeln. Begründung: Aus Sicht der Bürger:innen sollte eine sozial gerechte Wärmewende das Ziel sein – bspw. bezahlbare Heizwärme als Grundversorgung für alle (Verfügbarkeit/ Bezahlbarkeit vor wirtschaftlichen Interessen bspw. der Versorger). Der bisherige (bundespolitische) Fokus auf individuelle Lösungen durch Eigentümer:innen ist ohne ausreichende Erfolge. Für individuelle Wärmepumpen für alle Bonner Gebäude fehlt es außerdem an Material und Fachkräften. Die SWB bestätigen uns, dass Fernwärme nur eine Lösung für die innerstädtischen Quartiere sein wird, nicht für die Randbezirke. Daher muss die Wärmewende (auch) durch dezentrale Energieversorgung (Nahwärmeinseln) gelöst werden. Nachbarschaftliche Initiativen können diese Lösungen eigenständig entwickeln und so den Prozess beschleunigen. Dafür brauchen sie neben Unterstützung vor allem Planungssicherheit. Die Klimaforen offenbaren außerdem ein Informationsdefizit über die Brisanz der Lage (gefährdete Versorgungssicherheit). Weitere Querverweise/Synergieeffekte zum Klimaplan: 5.4.1 Transformation grüne Fernwärme 21Seite 26 von 71 1.3 WOHNKREISLAUFWIRTSCHAFT FÜR BONN – der richtige Ort fürs Jetzt! (Wohnungstauschbörsen in den Quartieren) Die Teilnehmenden empfehlen, dass die Quartiersmanagements aktiv und agil auf mögliche Wohnungstausch-Aktivitäten hinarbeiten. Dafür brauche es Förderprogramme für Wohnungstausch (nicht nur 1:1, sondern auch Ringtausch), aber auch für Wohnprojekte (bspw. durch kommunale Liegenschaften), eine Plattform, auf der Wohnungen aufgelistet werden (mit Bezug zum Quartier) und Quartiersmanager:innen, die den Wohnungstausch anregen bzw. begleiten. Es braucht außerdem eine Informationskampagne und Medien, die das Angebot in die Breite tragen. Von der Kommunalpolitik erwarten die Teilnehmenden außerdem, dass sie sich auf Bundesebene dafür einsetzt, rechtliche Rahmenbedingungen anzupassen (z. B. das Mietrecht). Empfehlungen für den Klimaplan: 1) Ergänzung von Steckbrief 4.2.1.2 (flächensparsames Wohnen) durch ein mieter:innenorientiertes Konzept für Wohnraumoptimierung in Bonn, das Erfahrungen aus anderen Städten, die Erkenntnisse und Empfehlungen des Beteiligungsverfahrens Bonn4Future und die Erfahrungen der VEBOWAG zusammenführt. 2)Gekoppelt an Steckbrief 2.1.1.1 (Klimaquartiere): Entwicklung von Wohnungstauschbörsen in den Quartieren mit ● Öffentlichkeitsarbeit/Marketing ● Kapazitäten in den Quartiersmanagements, um einen Tausch anzuregen und zu begleiten, ● Unterstützung „minimalen Wohnraums” und alternativer Wohnprojekte durch finanzielle Förderung und Abbau von Bürokratie, ● ggf. Vermittlertätigkeit gegenüber Vermieter:innen und Konzepte zur Verhinderung von Mieterhöhungen bei Wohnungstausch (z. B. durch Verträge mit Wohnungsbaugenossenschaften). Begründung: Neben Dämmung und Umrüstung auf erneuerbare Wärmequellen muss die allgemeine Wohnfläche reduziert werden – das bestätigt auch der Klimaplan. Der Wunsch nach weniger Wohnraum und die Bereitschaft, diesen zu reduzieren, sind größer, als oft angenommen wird (vgl. Vortrag von Andreas Hübner, Gertec GmbH, auf dem 2. Klimaforum sowie Vortrag von Dr. Benjamin Best, Wuppertal Institut, auf dem 4. Klimaforum im Themenfeld Wirtschaft). Es gibt erfolgreiche Wohnraumtausch-Konzepte in Tübingen, Köln, Freiburg und Göttingen (Optiwohn). Jeder bezahlbare Wohnraum, der auf diese Weise geschaffen wird, reduziert die Wohnungsnot und den Neubaudruck (Suffizienzstrategie – siehe auch Vortrag von Nicole Funk und Interview mit Florian Gottschalk, Stadt Bonn, auf www.bonn4future.de). Zuzug und demografischer Wandel werden den bezahlbaren Wohnraum noch weiter verknappen. Wohnungstauschbörsen funktionieren aber nicht von alleine. Es braucht klare und verlässliche Informationen, Vertrauen und klare Rahmenbedingungen. Wohnungstausch ist kein technisches Problem, sondern ein sozialer Prozess, den man fördern und erleichtern kann. Denn es müssen organisatorische, formale und finanzielle Hürden bewältigt werden. Dies lässt sich am ehesten in Nachbarschaften bzw. auf Quartiersebene gestalten, denn Menschen wollen Wohnraum, nicht aber ihr soziales Umfeld tauschen. 22Seite 27 von 71 1.4 Nachhaltige BESTANDSOPTIMIERUNG Die Teilnehmenden raten der Stadt Bonn, bis 2030 bestehende Flächen effizienter zu nutzen – insb. Leerstand zu vermeiden und Büroflächen als Wohnraum umzunutzen. Die gemeinschaftliche Nutzung soll gefördert werden. Bis 2030 sollen nachhaltige bzw. ökologische Baustoffe der Standard sein und Rückbau bzw. Recycling etabliert sein. Dafür empfehlen sie jetzt eine Kommunikationskampagne, die Verständnis für weniger Neubau und die Wertschätzung für den Bestand fördert. Sie empfehlen eine Bestandsaufnahme von Leerstand bzw. Nutzungspotentialen und einen Beschluss des Rates, Haushaltsmittel zu bewilligen, damit die Stadt selbst Liegenschaften erwerben kann. Empfehlungen für den Klimaplan: 1) Ergänzung des „Scannings“ in Steckbrief 4.2.1.2 (Flächenoptimierung) um die Suche nach Leerstand und umnutzbaren Büroflächen. 2) Einstellung von Haushaltsmitteln zum Ankauf von Gebäuden, Entwicklung von Konzepten/ Vorgaben und Beratung für ökologische Sanierung und Vermietung durch die Stadt Bonn. 3) Ergänzung der Kommunikationsstrategie (1.1.3.1) um Kommunikationsmaßnahmen, die Verständnis für weniger Neubau und die Wertschätzung für den Bestand fördern. Begründung: Angesichts der Wohnungsnot und der Notwendigkeit, gleichzeitig Klimaneutralität zu fördern, ist es sinnvoll, alle Wohnraumpotentiale und Handlungsmöglichkeiten der Stadt zu ermitteln. Eine Potentialanalyse von möglichen Wohnflächen ist laut Aussagen der Verwaltung ein wichtiges Instrument der Stadt Bonn, um den Wohnungsmarkt umzusteuern und zu entlasten. Im Steckbrief 4.2.1.2 (Flächenoptimierung) wird ein „Scanning“ erwähnt, nicht aber die Suche nach Leerstand (den es gibt, wenn auch bisher nicht in kommunaler Hand) und auch nicht die Umnutzung von Büroflächen. Für beides braucht es Mittel zum Ankauf von Gebäuden, Entwicklung von Konzepten/Vorgaben und Beratung für ökologische Sanierung und Vermietung durch die Stadt Bonn. Weitere Querverweise/Synergieeffekte zum Klimaplan: 4.2.1.2 Initiative flächensparendes Wohnen, 4.3.1.3 Förderprogramm für die sozialverträgliche energetische Altbaumodernisierung 23Seite 28 von 71 2. Mobilität Auch in den Klimaforen zeigte sich, dass die Mobilitätswende ein sehr emotionales Thema ist. Um Widerstände zu reduzieren, müssen die Ziele anhand von Bedarfen der Menschen entwickelt, konkreter definiert, beschlossen und als Positiv-Vision kommuniziert werden (und zwar faktenbasiert und auch in Zwischenschritten – Empfehlung Klimaforum 3). Auch der Umbau muss deutlich schneller und mutiger werden (insb. Radwege und Parkraumreduzierung), um einen echten Umstieg zu ermöglichen. Dafür müssen Kapazitäten und Ressourcen erhöht, Prioritäten auf wichtigste Strecken gesetzt und Planungs- bzw. Umbaumaßnahmen beschleunigt werden. All das geht am besten, wenn alle Akteur:innen inkl. der Bürger:innen an einem Tisch sitzen (bspw. in einem Mobilitätsbeirat). Insbesondere von den großen Unternehmen in Bonn wünschen sich die Teilnehmenden mehr Verantwortungsübernahme für Verkehrsreduzierung. Im Klimaplan sollten außerdem dringend Aspekte sozialer Gerechtigkeit (Barrierefreiheit, Verfügbarkeit für alle, bezahlbare Tickets) ergänzt werden – denn die leichte Zugänglichkeit für alle ist Voraussetzung dafür, dass umgestiegen werden kann! 24Seite 29 von 71 2.1 HALTUNGS- UND EINSTELLUNGSÄNDERUNG (Kommunikationskonzepte und Anreizsysteme) Die Teilnehmenden empfehlen eine Aufklärungskampagne und ein Bonussystem für umweltfreundliches Mobilitätsverhalten. Außerdem sollen Arbeitgeber:innen die Arbeitswelt bzw. die damit verbundene Mobilität umstellen – oder entstandene CO2- Emissionen refinanzieren. Für die Bildungs- bzw. Aufklärungsarbeit und die Schaffung von Angeboten sind aus Sicht der Bürger:innen Entscheider:innen in Politik und Unternehmen zuständig. Empfehlungen für den Klimaplan: 1) Kommunikationskonzepte im Klimaplan prüfen: Enthalten sie Appelle oder auch Informationen über konkrete Ziele, Notwendigkeiten und Positivbilder, entweder in der Gesamtkommunikationsstrategie oder im Steckbrief 6.3.2 (Radverkehr)? 2) In Steckbrief 3.3.2.1 (betriebliches Mobilitätsmanagement) Anreizsysteme aufnehmen. Vorhandenen kommunalen Spielraum stärker nutzen (z. B. Vergabe von Aufträgen an Bedingungen knüpfen), um Unternehmen mehr in die Pflicht zu nehmen, durch betriebliches Mobilitätsmanagement Pendelverkehr zu vermeiden (vgl. auch Empfehlung 7.5). 3) Aufnahme eines Bonussystems für klimafreundliches Mobilitätsverhalten in Steckbrief 6.3.3.2 (Mobilitätsapp) – nach Umsetzung zentraler Verbesserungsmaßnahmen für Radverkehr und ÖPNV. Begründung: Widerstände verlangsamen und erschweren den Umsetzungsprozess – sie können durch bessere Kommunikation im Vorfeld reduziert werden. Bisher fehlt in der Information über Maßnahmen noch ein positives, vertrauenswürdiges Bild davon, wie Mobilität 2035 aussieht (Kennzahlen zu Soll und Ist im Bereich Mobilität sind nicht vorhanden oder öffentlich bekannt). Der Klimaplan enthält zwar einen Ziel-Modal- Split, der für die Kommunikation aber niederschwellig und visuell übersetzt werden müsste: Wie sieht der Straßenraum/die alltägliche Mobilität 2035 konkret aus? Das ist bisher nicht explizit vorgesehen. Bürger:innen und Verwaltung erwarten bzw. erhoffen sich, dass zumindest große Unternehmen ihre Verantwortung zur Vermeidung von Pendelverkehr ernster nehmen. Der Steckbrief 3.3.2.1 zu betrieblichem Mobilitätsmanagement beschränkt sich auf ein Beratungsangebot, das als alleiniger Impulsgeber ggf. unzureichend ist. Ein Bonussystem für klimafreundliches Mobilitätsverhalten kann ein Baustein sein. Der Effekt wird aber verpuffen, solange die strukturellen Rahmenbedingungen für Fahrrad und ÖPNV schlechter sind als für den MIV. Weitere Querverweise/Synergieeffekte zum Klimaplan: 2.1.1 Klimaquartiere, 2.1.2 Klimaschonendes Verhalten in die Breite bringen, 6.3. Verkehrsvermeidung und - verlagerung 25Seite 30 von 71 2.2 LEBENSWERTE VEEDEL (Aufwertung/Wiederbelebung der Stadtteilzentren zur 15-Minuten-Stadt) Die Teilnehmenden empfehlen, dass sich die Stadtentwicklung am Leitbild der 15-Minuten- Stadt orientiert. Das heißt, dass „jede Person in Bonn innerhalb von 15 Minuten sicher zu Fuß und barrierefrei die wichtigsten alltäglichen Ziele erreicht (täglicher Bedarf, ÖPNV, grundlegende Bildung…)“. Zur 15-Minuten- Stadt gehören Begrünung, Verkehrsberuhigung, Förderung des Einzelhandels und Freiräume für Bürger:innen zur Mitgestaltung. Als wichtigen ersten Schritt empfehlen die Teilnehmenden, die Viertel zu identifizieren und „dass jetzt der tägliche Bedarf der Bevölkerung identifiziert und ein WIR-Gefühl im Veedel geschaffen wird, sodass sich alle in einem Viertel für die Neuerungen einsetzen und begeistern“. Empfehlungen für den Klimaplan: 1) Ergänzung einer Bedarfsermittlung in Steckbrief 6.2.1.1 (Schaffung/Erhalt Siedlungsstrukturen): Identifizierung und Darstellung der täglichen Bedarfe in einer GIS- Karte als Grundlage für die Verkehrsplanung (bestenfalls Open Source/ Open Data). 2) Ergänzung in Steckbrief 6.2.1.1 oder 2.1.1.1 (Klimaquartiere): Prozess ermöglichen für gemeinsame Strategien durch Planungsamt, Wirtschaftsförderung UND Bürger:innen zur Aufwertung von Stadtvierteln. 3) Begrünung (3.2.2.1) und Verkehrsberuhigung (6.2.1.1) schnellstmöglich umsetzen bzw. beschleunigen. Begründung: Um Emissionen ausreichend zu reduzieren, müssen auch Wege vermieden/reduziert werden. Dass hierfür Stadtviertel neu belebt werden müssen, darüber besteht zwischen Bürger:innen und Verwaltung große Einigkeit. Eine Stadt der kurzen Wege hat zusätzlich zwei weitere Vorteile: 1) Der erlebbare Positivzustand hilft Widerstände abzubauen (vgl. Ansatz „Bönnsche Viertel”). 2) Stärkung der Nachbarschaft bzw. des Quartiers durch mehr Bezug zum nahen Umfeld (die braucht es für Lösungen in anderen Sektoren). Eine einseitige, Top-Down-Aufwertung der Stadtviertel wird – wenn sie sich unzureichend an den tatsächlichen Bedürfnissen orientiert – diese Effekte nicht erzielen können. Bürger:innen wünschen sich aktive Teilhabe und nachbarschaftliche Lösungen. Wir empfehlen die Bedarfsermittlung quartiersbezogen durchzuführen, denn die Quartiere sind sehr heterogen. Weitere Querverweise/Synergieeffekte zum Klimaplan: 1.1.1.1 Bürger:innenbefragung zur Klimaneutralität, 2.1 Schwerpunkt Klimaschutz im Alltag, 4.2 Schwerpunkt integrierte klimafreundliche Stadt- und Quartiersentwicklung 26Seite 31 von 71 2.3 RADWEGENETZ Die Teilnehmenden fordern, dass sich alle sicher, komfortabel und schnell mit dem Rad in Bonn bewegen können. Neben Geld und Personal für den schnelleren Ausbau braucht es vor allem ein definiertes Ziel-Radwegenetz, das sich an Bedarfen und guten Standards orientieren muss. Der Umbau soll von einer besseren Kommunikation begleitet werden, um Widerstände abzubauen. Empfehlungen für den Klimaplan: In Steckbrief 6.3.2.1 (Radverkehr) stärkerer Fokus auf Umsetzungsbeschleunigung und Priorisierung eines durchgängigen Netzes auf den Hauptrouten. Begründung: Der ADFC-Fahrradklimaindex bestätigt, dass das persönliche Sicherheitsempfinden entscheidend für den Umstieg aufs Rad ist. Dieses wird in Bonn sehr schlecht bewertet. Ohne Ausbau durchgängiger, vom Autoverkehr baulich getrennter Radwege ist ein Anteil von 25 % am Modal Split nicht zu erreichen. Teilstücke reichen offenbar nicht aus, solange an anderer Stelle des Weges das Unsicherheitsgefühl bleibt. Der Ausbau des Radwegenetzes ist im Klimaplan vorgesehen. Zwischen Bürger:innen und Verwaltung besteht aber Einigkeit, dass auch der Planungs- und Umsetzungsprozess beschleunigt werden muss. Die Teilnehmenden des Klimaforums empfehlen, sich dabei auf Hauptrouten zu konzentrieren und dort schnellstmöglich für ein durchgängiges, sicheres Netz zu sorgen. 27Seite 32 von 71 2.4 FUSSWEGE Die Teilnehmenden fordern den schnellen Ausbau der Fußwege nach definierten Standards, damit sich alle sicher zu Fuß in Bonn bewegen können. Die Bedürfnisse von Fußgänger:innen, Rollstuhlfahrer:innen und Personen mit Kinderwägen müssen sichtbarer und mehr berücksichtigt werden (bspw. Mindestbreite, beseitigte Hindernisse, guter Zustand, Absenkungen, Querungsmöglichkeiten, Sitzgelegenheiten und Beschattung). Empfehlungen für den Klimaplan: Ergänzung in Steckbrief 6.3.2.3 (Fußwege) unter ersten Handlungsschritten: Definition von Standards und die Sichtbarmachung bzw. Berücksichtigung von Fußgänger:innen- Bedürfnissen (inkl. bspw. konsequenter Freihaltung der Gehwege von falsch parkenden Autos). Begründung: Der Fußverkehr hat mit 1/3 bereits einen großen Anteil am Modal Split. Er darf als Hebel nicht unterschätzt werden. Gerade für mobilitätseingeschränkte Personen sind gute Fußwege zu den Haltepunkten Voraussetzung für die Nutzung des ÖPNV. Im Klimaplan vorgesehen. Hier nur Detailanmerkung. 28Seite 33 von 71 2.5 Der INKLUSIVE, SOZIAL GERECHTE, SAUBERE, UNKOMPLIZIERTE und PÜNKTLICHE ÖPNV ist real Die Teilnehmenden fordern sozial gerechte Tickets und die dringende Beschleunigung des ÖPNV-Ausbaus. Sie empfehlen neben Haltestellenausbau und der Umrüstung von Antrieben auch die stärkere Nutzung von (on- demand) Shuttle-Lösungen, die Einrichtung von Umweltspuren zur Beschleunigung des ÖPNVs und eine Taktverbesserung bzw. neue Angebote am Wochenende. Sie empfehlen auch eine App; siehe dazu den separaten Aktionsplan 2.7. Empfehlungen für den Klimaplan: Ergänzung von Steckbrief 6.3.1.1 (ÖPNV): 1) Aufnahme eines inklusiven/sozialen Ticket- Angebots. 2) Einrichtung eines Mobilitätsbeirates, der Aspekte sozialer Gerechtigkeit beurteilt und Empfehlungen gibt (auch zu anderen Mobilitätsformen, ggf. neuer Steckbrief). 3) Shuttle-Angebote mit aufnehmen (Empfehlung aus Klimaforum 3: kleinteilig denken – je nach Bedingungen vor Ort, bspw. Shuttle-Fahrten durch große Unternehmen oder Rad-Shuttles auf den Venusberg). 4) ÖPNV durch Umweltspuren beschleunigen. Begründung: Mobilität ist Bestandteil der Daseinsfürsorge. ÖPNV muss dafür verfügbar, barrierefrei erreichbar und finanzierbar sein. Das haben die Teilnehmenden in den Klimaforen 1, 3 und 4 unabhängig voneinander immer wieder besonders herausgestellt! Und diese Einschätzung teilen auch die Verwaltungsmitarbeiter:innen. Die Bürger:innen nehmen den ÖPNV bisher als nicht ausreichend inklusiv wahr. Sie betonen bspw. stets die Notwendigkeit finanzierbarer Tickets. Daher sollten diese in den Klimaplan aufgenommen werden – auch wenn es bereits Sozialticket-Angebote in Bonn gibt. Ob ein Mobilitätsangebot hinreichend „nutzbar“ ist, können nur die Betroffenen selbst beurteilen. Insofern ist die Einrichtung eines Beirates sinnvoll – und sein Aufgabengebiet sollte ggf. auf alle Mobilitätsformen erweitert werden. Ergänzungen 3 und 4 sind Anregungen zur Verbesserung des vorhandenen Steckbriefs. 29Seite 34 von 71 2.6 VIELFÄLTIGES SHARING-PORTFOLIO für alle Bonner:innen Die Teilnehmenden fordern, dass Mobilität als Teil der Grundversorgung verstanden wird. Um dies trotz deutlicher Reduktion von privaten Pkws (bspw. durch Parkraumkonzepte) zu erreichen, braucht es ein vielfältiges Mobilitätsportfolio, das gewährleistet, dass verschiedene Sharing-Angebote für alle fußläufig zu erreichen sind. Neben der Finanzierung ist ein wichtiger erster Schritt, Stakeholder zu identifizieren und an einen Tisch zu bringen. Empfehlungen für den Klimaplan: Ergänzungen zu Steckbrief 6.3.3.1 (Mobilstationen): 1) Einrichtung eines Runden Tisches mit Anbieter:innen, auch zivilgesellschaftlichen, von Mobilitätsangeboten (Scooter, Fahrräder, Lastenräder, Autos, ÖPNV, Shuttles). 2) Dadurch möglichst viele Anbieter:innen an Mobilstationen vereinen (auch zivilgesellschaftliche). 3) Sicherstellen, dass Mobilstationen flächendeckend erreichbar sind (auch in Randbezirken). Begründung: Eine multimodale Mobilität ermöglicht durchgängige Fortbewegung zwischen A und B und damit erst Verzicht auf Pkw und Pkw-Stellflächen. Um zur Alternative für alle Bonner:innen zu werden, muss das Angebot jedoch flächendeckend erreichbar sein. Der Ausbau von Mobilstationen ist im Klimaplan vorgesehen. Die Empfehlung der Bürger:innen, (noch mehr) mögliche Anbieter:innen zu vereinen, könnte den Steckbrief erweitern (ggf. ist eine Verbindung mit dem Mobilitätsbeirat möglich, vgl. 2.5). Zivilgesellschaftlich organisierte Mobilitätsangebote wie privates Carsharing oder der Lastenradverleih Bolle Bonn zeigen, dass auch hier Bürger:innen Teile der Lösung beitragen. 2.7 DIGITALITÄT ALS GRUNDVERSORGUNG (zentrale Mobilitäts-App) Die Teilnehmenden fordern eine digitale Infrastruktur als Teil der Mobilitäts- Grundversorgung (siehe 2.6.). Dafür wünschen sie sich eine App, in der Reiseplanung und Ticket-Buchung für alle Verkehrsmittel zentral möglich sind – und die anhand von Tests mit User:innen/Bürger:innen entwickelt wird. Empfehlungen für den Klimaplan: Ergänzung des Steckbriefs 6.3.3.2 (Mobilitätsapp) um explizites Augenmerk auf Barrierefreiheit und Zuverlässigkeit als Erfolgsvoraussetzung. Aufnahme weiterer Anbieter:innen inkl. Buchungsfunktion erreichen/fördern. Begründung: Voraussetzung für multimodale Mobilität ist einfache Information, Verfügbarkeit und Buchbarkeit. Sowohl in Klimaforum 3 als auch 4 wurde eine zentrale Navigations- und Buchungsapp sehr hoch priorisiert. Mit BONN.mobil gibt es bereits ein erstes Angebot, das eher unbekannt und aus Sicht der Bürger:innen in Sachen Bedienung und Anzahl der Anbieter:innen noch verbesserungswürdig ist. Beide Punkte sollten im zugehörigen Steckbrief ergänzt werden. 30Seite 35 von 71 3. Ernährung und Landwirtschaft Die Empfehlungen priorisieren die zentralen Ansatzpunkte, um das Bonner Ernährungssystem für alle Bürger:innen nachhaltig zu verbessern. Denn nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verursacht unser Ernährungssystem vom Acker über den Teller bis zur Tonne 25 % der Treibhausgase. Zu einem klimaneutralen und fairen Bonner Ernährungssystem gehören eine starke nachhaltige Landwirtschaft, die Steigerung der Produktion von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten, ein regionaler Logistik- und Verarbeitungshub, klimafreundliche Verpflegung in Gemeinschaftseinrichtungen bzw. Großküchen sowie erlebnisorientierte Lehr- und Lernorte in allen Institutionen und Quartieren. Die Empfehlungen der Teilnehmenden im Bereich Ernährung und Landwirtschaft zielen auf eine Verbesserung des Ernährungsumfeldes, die es allen Bürger:innen ermöglicht, gut und klimafreundlich zu essen. Voraussetzungen für diesen Prozess sind eine positive Rahmenkommunikation, eine erfahrungsorientierte Agrar- und Ernährungsbildung, die Schulung der Verpflegungsverantwortlichen in Großküchen, die Kenntnis von positiven Beispielen und konstruktiver Raum für einen sektorübergreifenden Dialog darüber, der die Verständigung auf gemeinsame Ziele ermöglicht – so, wie es im Klimaforum 4 bereits begonnen wurde. Wenn die Stadt Bonn sich entschließt, gemeinsam mit kompetenten Partner:innen die Steuerung der lokalen Ernährungstransformation zu fördern und zu ermöglichen, dann kann sie einen großen Beitrag für Gesundheit, Umwelt und Klima in und um Bonn leisten. 31Seite 36 von 71 3.1 STEIGERUNG DER BIO-FLÄCHEN in/um Bonn Die Teilnehmenden empfehlen, dass bis zum Jahr 2035 60 % der Flächen im Umland und 100 % der Flächen in Bonn auf biologische Landwirtschaft umgestellt sind. Das beinhaltet eine Steigerung der Produktion von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten, eine grünlandbasierte Tierhaltung und mehr Wertschätzung für die Landwirt:innen. Die Bürger:innen empfehlen eine Bestandsanalyse (Was haben wir und wer ist involviert?) und eine Bedarfsanalyse, um den Unterstützungsbedarf der Landwirt:innen zu ermitteln. Als die drei ersten, wichtigsten Schritte empfehlen sie 1) einen Runden Tisch Landwirtschaft mit Beteiligung von Landwirt:innen, Kommune, Kreis, Landwirtschaftskammer und Universität, 2) die Entwicklung von Modellbetrieben, zum Beispiel für Agroforst, 3) mehr Strukturen auf den landwirtschaftlichen Flächen zu schaffen, zum Beispiel Bäume, Hecken, Blühstreifen, Brachen oder Wasserflächen. Empfehlungen für den Klimaplan: Ergänzung des Steckbriefes 3.6.1.1. um folgende Schritte: 1) Die im Klimaplan geplante Potentialanalyse ist eine wichtige Voraussetzung, um zu prüfen, wie sich der Anteil der Bioflächen und die Versorgung mit regionalen Produkten erhöhen lässt. Sie sollte auch prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, Lehr- und Lernorte in Form von Modellbetrieben und -orten zu schaffen, denn an solchen guten Beispielen und Orten fehlt es bislang. 2) Der Runde Tisch Landwirtschaft, der bereits erfolgreich ins Leben gerufen wurde, sollte gestärkt und erweitert werden. Denn hier sind Dialog auf Augenhöhe, Akteursanalysen und die Entwicklung von Zielbildern möglich. Hier wäre zu überlegen, ob eine externe Begleitung/Moderation mit landwirtschaftlicher Expertise dieses Gremium unterstützen kann. 3) Wir empfehlen, Dialogformate zu schaffen, die die Verständigung zwischen Landwirtschaft und Politik ermöglichen ggf. auch im Rahmen des Runden Tisches Landwirtschaft. 4) Es sollte die Entwicklung eines Aktionsplans zur Ernährungs- und Agrarbildung geprüft werden (vgl. 3.3). Begründung: Eine aktuelle Studie der Universität Bonn zeigt, dass die Ernährungsversorgung in der Region Köln/Bonn zu sehr von globalen Handelsströmen abhängig ist. Die Verbesserung der Lebensmittelproduktion in der Region hat daher mehrere positive Effekte: Sie kann eine vielfältige, humuserhaltende biologische Landwirtschaft fördern, Gewässer schonen, Versorgungssicherheit und Gesundheit der Bevölkerung sichern und hat ein großes Potential für die Agrar- und Ernährungsbildung. Bürger:innen und Mitarbeitende der Verwaltung sind sich weitgehend einig, dass ein höherer Anteil an biologischen und regionalen Lebensmitteln in Bonn wünschenswert ist. Dies geht nur mit den Landwirt:innen, denn auch in und um Bonn leiden sie unter Konkurrenzdruck und Höfesterben. Der Aktionsplan gibt wertvolle Hinweise zur Ergänzung des Klimaplans. Denn bislang fehlt es dort an Maßnahmen zur Entwicklung eines tragfähigen Zielbildes, das die Zukunft der Landwirtschaft in und um Bonn beschreibt. Ein solches muss mit Beteiligung der Akteur:innen, Politik und Bevölkerung entwickelt werden, um daraus die erforderlichen Maßnahmen abzuleiten. Dafür empfehlen wir die links genannten Schritte. Die Verbesserung der regionalen Lebensmittelversorgung wird zunehmend zur kommunalen Aufgabe. Immer mehr Städte entwickeln kommunale Ernährungsstrategien. Der Beschluss „Biostadt Bonn“ war dafür eine wichtige Basis. Die Sicherung und Verbesserung der Ernährungsversorgung geht aber nur in Kooperation zwischen allen Beteiligten. Der Stadt Bonn kommt hier eine wichtige Rolle als Ermöglicherin und Koordinatorin zu. 32Seite 37 von 71 3.2 REGIONALER LEBENSMITTEL-HUB mit Verarbeitungszentrum Die Teilnehmenden empfehlen bis 2030 einen „Lebensmittel-Hub” aufzubauen, der regionale Produkte sammelt, verarbeitet und an Gastronomie, Kantinen und Gemeinschaftseinrichtungen liefert, um die Logistik zu vereinfachen und das Angebot zu verbessern. Die Teilnehmenden empfehlen außerdem die Entwicklung eines Bonn-Logos für regionale Produkte. Als wichtigste erste Schritte ab 2023/24 fordern sie, dass die Stadt Bonn einen Beirat für den Food Hub ins Leben ruft aus Handwerksbetrieben, Landwirtschaftskammer, Bürger:innen, Speditionen, Produzent:innen, großen und kleinen Vermarkter:innen (Regionalwert AG, Marktschwärmereien), IHK und Wohlfahrtsverbänden. Die Bürger:innen empfehlen, sofort mit der Suche nach einem geeigneten Standort zu beginnen. Nach der Gründung des Beirates sollen Landwirt:innen motiviert werden, regionaler und vielfältiger zu produzieren. Sie empfehlen auch die Förderung von regionalen Start-ups. Empfehlungen für den Klimaplan: Maßnahme 3.6.1 um einen „Lebensmittel-Hub”/ein regionales Verteilzentrum mit Lebensmittel- verarbeitung ergänzt werden (zum Beispiel als neuer Steckbrief): Wir empfehlen 1) eine Vorstudie, die sowohl Best Practices von regionalen Verteilzentren in Deutschland untersucht, (sowohl online als auch reale), zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Uni Bonn. 2) Auf dieser Basis braucht es eine Mittel- und Kapazitätsplanung. Diese muss in die Fortschreibung des Klimaplans aufgenommen werden. 3) Wir empfehlen auch die rechtliche Prüfung, inwieweit die Stadt Bonn zur Einrichtung eines regionalen Verteilzentrums tätig werden kann und ob die Einrichtung eines Gründungskreises/Fachbeirates die Analyse und Informationsphase verkürzt. 4) Fördermöglichkeiten prüfen für die Entwicklung und Konzeption von regionalen Ernährungssystemen zur Erhöhung des Regio-Bio- Anteils in Großküchen, denn hier wird es vermutlich in Kürze ein Bundesprogramm geben. Für eine entsprechende Antragstellung sollte die Stadt Bonn Kapazitäten und Mittel bereitstellen oder beschaffen. 5) Unterstützung bei der Suche nach einem Ort, an dem regionale Lebensmittel angeliefert und vorverarbeitet werden können. Begründung: Die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln ist ein Menschenrecht. Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung übernehmen hier eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. In der Kantine, Schulküche, Kita und im Altenheim entscheidet sich, ob es ein nachhaltiges, klimafreundliches und bezahlbares Lebensmittelangebot für alle Bonner:innen gibt. Die Bürger:innen haben mit dem regionalen Lebensmittel-Hub mit Lebensmittelverarbeitung einen zentralen Engpass bzw. Erfolgsfaktor für eine klimafreundliche und regionale Ernährungsversorgung identifiziert. Ein Lebensmittel-Hub stellt einen Dreh- und Angelpunkt für die Verbesserung der regionalen Ernährungsversorgung dar. Diese Maßnahme fehlt jedoch im Klimaplan. Bürger:innen und Verwaltung sehen die gleichen Engpässe und Notwendigkeiten. Engpass für die Gründung sind rechtliche Fragen, aber auch kapazitäre. Eine Analyse von Best-Practice-Beispielen gibt es nach unserer Kenntnis bislang nicht. Sie kann daher in relativ kurzer Zeit einen wichtigen Erkenntnisfortschritt bringen – auch für andere Städte. Dabei wären sowohl Online-Plattformen als auch reale Verarbeitungszentren mit zu betrachten. Die Stadt Bonn kann durch die Verbesserung der Liefer- und Verarbeitungsstrukturen und die Koordination von Schlüsselakteur:innen eine wichtige Voraussetzung für ein regionales Ernährungssystem schaffen. Regionale Verarbeitungszentren eignen sich auch als Lehr- und Lernorte, als Instrument zur Förderung von Arbeitsplätzen sowie als Maßnahme, um Lebensmittelabfälle zu verringern, wenn auch regionale Ware verarbeitet wird, die nicht den Normen entspricht (bspw. Start-ups unterstützen, die hochwertige Lebensmittelreste veredeln). 33Seite 38 von 71 3.3 BILDUNG ZU NACHHALTIGER ERNÄHRUNG IN ALLEN EINRICHTUNGEN – vom Kindergarten bis zum Altersheim Im Aktionsfeld „Ernährungskultur und Lernorte“ empfehlen die Teilnehmenden bis 2035 die systematische Entwicklung von inklusiven und sozial gerechten Bildungs- und Lernorten in allen Einrichtungen, zum Beispiel von Schulgärten, öffentlichen Essgärten in Quartieren oder Hochbeeten in Altersheimen. Städtische und andere Modellbetriebe sollen als Lernorte entwickelt werden. Die Begleitung und Verantwortung sollten Schulamt, Jugendamt und Amt für Umwelt und Stadtgrün gemeinsam übernehmen. Als erste wichtige Schritte empfehlen die Bürger:innen: 1) Anfang 2023 einen Ratsbeschluss für die Entwicklung eines zielgruppenspezifischen Bildungskonzeptes für nachhaltige Ernährung, mit dem solche nachhaltigen Lernorte geplant werden. Dies soll in Abstimmung mit verschiedenen Ämtern erfolgen, u. a. dem Dezernat V, dem Gesundheitsamt, der Schulkonferenz, der AG 78 und Kitas. 2) Ebenfalls für das Frühjahr 2023 empfehlen die Teilnehmenden die Gründung einer übergreifenden Arbeitsgruppe und die Ernennung einer Koordinator:in für die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen. 3) Anschließend empfehlen sie die Information (und Motivation) der Beteiligten, u. a. in der Verwaltung, über den Sinn des Bildungskonzeptes und die nächsten Schritte. Empfehlungen für den Klimaplan: Steckbrief 3.6.1.1 (Potentialanalyse und Informationskampagne Enährungswirtschaft) sowie Maßnahme 2.2.1 (Umweltbildung) sollten überarbeitet und weiterentwickelt werden um folgende Maßnahmen: 1) Studie zur Bestandsaufnahme aller Aktivitäten zur Agrar- und Ernährungsbildung sowie eine Analyse realer und potentieller Lehr- und Lernorte - sowohl zentral als auch in den Quartieren. Voraussetzung dafür ist die Koordination einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe, für die Personalkapazitäten eingeplant werden müssen (intern oder extern). 2) Entwicklung eines Aktionsprogramms Ernährungs- und Agrarbildung mit a) konkreten Zielen wie: Bis 2035 hat jedes Kind in Bonn einen Bauernhof besucht und weiß, wie es Gemüse anbaut und zubereitet (siehe auch Vision der Initiative für einen Ernährungsrat: https://bonnimwandel.de/die- vision-2030-des-ernaehrungsrates-fuer-bonn- und-umland), [Fortsetzung nächste Seite] Begründung: Für eine Ernährung, die das Klima schützt, müssen wir doppelt so viel Obst und Gemüse, viel mehr Hülsenfrüchte und halb so viele Tiere produzieren bzw. essen. Das sind die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die seit Jahrzehnten nicht umgesetzt werden. Denn es fehlt an Orten für erlebnisorientierte Bildung und „Learning by Doing“, wie zum Beispiel Essgärten im Quartier und Volksküchen – Orte, an denen man gemeinsam Lebensmittel anbauen, verarbeiten und essen kann. Die Stadt Bonn hat Einfluss auf Bildungsangebote, die sie selbst betreibt (Haus der Natur, Garten der Bildung), mit denen sie kooperiert (Höfe) oder die sie fördert bzw. fördern könnte. Die Zusammenarbeit mit kompetenten Partner:innen kann zumindest teilweise durch begrenzte Zeit- und Personalkapazitäten unterstützen. Es gibt vielfältige Informationsangebote in Bonn, die aber nur eine begrenzte Zahl Menschen erreichen. Für eine fröhliche, öffentliche Ernährungskultur braucht es viel mehr als bisher. Die Analyse der Programme, Aktivitäten und auch der Reichweite ist daher ein guter erster Schritt. Mit der Schaffung von Lehr- und Lernorten, Qualitätsstandards und Förderprogrammen für eine handlungsorientierte Agrar- und Ernährungsbildung hat die Stadt Bonn einen großen Hebel in der Hand, um Veränderung zu fördern bzw. sichtbar und erlebbar zu machen, die Wertschätzung der Landwirtschaft und der Lebensmittel zu verbessern, soziale Ungleichheit zu verringern und ein Handlungsfeld zu eröffnen, das eine positive Klimaschutzkommunikation unterstützt und die Gesundheit und Klimabilanz verbessert. 34Seite 39 von 71 b) Qualitätsstandards für eine handlungsorientierte Bildung, die Menschen dabei unterstützt, gemeinsam ihr Ernährungsumfeld zu verbessern, zum Beispiel durch gemeinschaftliche Aktivitäten, 3) der Suche nach Bildungs-Partner:innen, die beim Fundraising, der Analyse und Entwicklung des Bildungskonzeptes mitwirken oder dies in Kooperation mit der Stadt Bonn umsetzen. 4) Auf dieser Basis sollte in die Fortschreibung des Haushaltsplanes ein Netzwerk für Agrar- und Ernährungsbildung eingeplant werden, sowie der Aufbau von niederschwelligen Lehr- und Lernorten in allen Stadtteilen. Der Stadt Bonn kommt hier vor allem die Rolle zu, Ziele, Qualitätsstandards für die Bildner:innen und Multiplikator:innen zu setzen und Räume des Austausches und der Zusammenarbeit zu schaffen. 35Seite 40 von 71 3.4 KLIMAVERTRÄGLICHE VERPFLEGUNG IN STÄDTISCHEN EINRICHTUNGEN Die Teilnehmenden empfehlen der Stadt Bonn, so schnell wie möglich einen Beschluss zu fassen, dass in allen städtischen Einrichtungen der Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) gilt – als wissenschaftlich fundierter Standard für klimafreundliches Essen. Als wichtigste Schritte empfehlen sie für 2023/24 1) die Schaffung von Personalkapazität und Finanzmitteln in der Stadtverwaltung, um ein Schulungsprogramm ins Leben zu rufen und zu koordinieren, 2) die Schulung der Verpflegungsverantwortlichen (Fachkräfte und Leitungen der Großküchen), nachhaltig mit mehr regionalen und mehr Bio-Produkten zu kochen, sowie 3) Aufklärung der Tischgäste und Transparenz. Idealerweise gibt es bis 2035 in allen Bonner Vierteln öffentliche Kantinen mit klimafreundlichem Essen für alle. Empfehlungen für den Klimaplan: 1) Der Rat sollte beschließen die DGE-Standards auch auf weitere Einrichtungen der Stadt auszuweiten und dies als klimafreundliche Essensangebote in die Rahmenkommunikation mit aufzunehmen. 2) Um auch nicht-städtische Einrichtungen zu inspirieren oder von ihnen zu lernen, empfehlen wir die Einrichtung und Moderation eines Runden Tisches klimafreundliches Essen für Verantwortliche in der Außer- Haus-Verpflegung, ggf auch mit Unterstützung durch externe Kooperationspartner:innen (Universität Bonn/Service Learning) (siehe auch Empfehlungen des Klimaschutzbeirates vom 22.2.2022). Die Kapazitäten sind im Klimaplan bislang nicht berücksichtigt. 3) Die Umstellung gelingt nur, wenn Verpflegungsverantwortliche geschult und Tischgäste entsprechend motiviert sind. Dafür braucht es Kapazität und Finanzmittel für die Konzeption und Umsetzung von Schulungsprogrammen in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Begründung: „Wandel in den Köpfen und Töpfen“. Mit diesem Motto wurden in Kopenhagen in gut 10 Jahren über 60.000 Essen täglich ohne Mehrkosten auf Bio umgestellt. Der Schlüssel dafür ist die Bildung der Küchenmitarbeiter:innen und der Tischgäste. Viele Städte folgen diesem Beispiel. Mit dem Beschluss „Biostadt Bonn“ hat die Politik eine Keimzelle der Veränderung geschaffen, die nun weiterentwickelt werden kann. Wenn in allen Großküchen von Bonn nur halb so viel Fleisch und doppelt so viel Gemüse und Hülsenfrüchte serviert werden, dann essen tausende von Bürger:innen besser und klimafreundlicher. Bürger:innen, Mitarbeitende der Verwaltung und Klimaschutzbeirat kommen zur Einschätzung: Entscheidender Faktor für die Ernährungstransformation hin zu einem klimafreundlichen Angebot ist die Gemeinschaftsverpflegung. An der langfristigen Entwicklung des öffentlichen Ernährungsangebotes kommt mittlerweile keine Stadt mehr vorbei. Auch die Bundesregierung setzt auf diesen Hebel. In diesem Handlungsfeld kann die Stadt Bonn als Vorbild vorangehen, gute Erfahrungen und Beispiele vervielfältigen und in der Kommunikation sichtbar machen. Langfristig kann die Einrichtung eigener kommunaler Küchen ein wirksamer Hebel sein, um Produktion, Verarbeitung und Lebensmittelangebot für alle mit überschaubaren Kosten auf einem hohen Standard zu entwickeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Bonn hat bereits Erfahrungen durch die Einführung der DGE- Qualitätsstandards in Kitas und Schulen. Aus diesen Erfahrungen können Fortbildungs- und Schulungsbedarfe abgeleitet werden. Für die Konzeption und Umsetzung von Schulungsangeboten für Küchenmitarbeiter:innen und Tischgäste, aber auch für einen Runden Tisch „Gemeinschaftsverpflegung“ gibt es bislang keine Kapazitäten. Weitere Querverweise/Synergieeffekte zum Klimaplan: 3.6.1.1 Potenzialanalyse und Informationskamapgenen zur Stärkung der Landwirtschaft 36Seite 41 von 71 4. Wirtschaft und Konsum Die Transformation der Wirtschaft zur Klimaneutralität ist eine große Chance, eine Wohlstandstransformation einzuläuten – durch einen Paradigmenwechsel von Gewinnmaximierung zur Maximierung des Wohlbefindens und der Lebensqualität mit weniger Konsum. Denn mit dem derzeitigen Konsumniveau werden wir das Ziel der Klimaneutralität verfehlen. Die Basis dafür ist aus Sicht der Bürger:innen 1) ein inklusives Bildungs- und Kommunikationskonzept, das diesen Wandel einläutet, zeigt, wie Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden zusammenhängen und das in jeder Institution und jedem Quartier diskutiert und erprobt wird (vgl. 4.2 Mindset ändern). 2) Die Stadt soll mit ihren eigenen Unternehmen mit gutem Vorbild vorangehen und sich selbst Gemeinwohl-zertifizieren. 3) Sie soll Förder- und Unterstützungsmaßnahmen entwickeln für Unternehmen, die sich klimaneutral und gemeinwohlorientiert aufstellen. 4) Damit das Angebot an entsprechenden Waren und Dienstleistungen zunimmt und leicht verfügbar ist, empfehlen die Bürger:innen eine Strategie, die Akteur:innen zusammenbringt, Netzwerke ins Leben ruft und nachhaltige und klimafreundliche Waren und Angebote vor Ort und online verfügbar macht. Im Klimaforum 4 sind auf diese Weise sehr konkrete Vorschläge entstanden, wie das Zielbild aus dem Klimaforum 1 – „Klimaneutral soll einfach, schön und normal werden“ – konkret umgesetzt werden kann. Die Basis für den Mindshift ist die Verständigung darüber, wie Wirtschaft dem Gemeinwohl dienen kann und was eigentlich Lebensqualität ist. Dafür braucht es Vorbilder, gute Beispiele, Begegnungs- und Erfahrungsräume. 37Seite 42 von 71 4.1 NACHHALTIGE PRODUKTE aus der Region Bonn und Umgebung werden IM ONLINE-FORUM integriert mit mind. 1.000 Kund:innen Die Teilnehmenden empfehlen, bis zum Jahr 2035 ein Online-Forum aufzubauen, in dem nachhaltige Produkte und Dienstleistungen aus Bonn und Umgebung angeboten werden. Das Portal soll mindestens von 1.000 Kund:innen genutzt werden, damit nachhaltige und regionale Konsumgüter bzw. Produkte schnell und einfach für Bonner:innen verfügbar sind. Dazu gehört auch der Aufbau von gemeinsamen Lagerstätten. Diese Plattform soll mit Tauschbörse, Wohnungstauschbörse und Charity Shops verbunden werden. Als wichtigste Schritte empfehlen die Bürger:innen 1) sofort einen Runden Tisch zum Aufbau eines Netzwerks für nachhaltigen Konsum ins Leben zu rufen, an dem Konsument:innen, Hersteller:innen und Dienstleister:innen gemeinnütziger Vereine zusammenarbeiten. 2) Die Stadt soll eine Anschubfinanzierung bereitstellen für die Moderation des Runden Tisches und den Aufbau des Onlineshops. 3) Ab 2023 soll eine Werbekampagne für den Onlineshop entwickelt werden. Empfehlungen für den Klimaplan: Wir empfehlen die Prüfung, inwieweit der Nachhaltigkeitshub den Aufbau eines Multi-Akteurs- Netzwerks Nachhaltiger Konsum unterstützen kann. Wir empfehlen außerdem die Prüfung, inwieweit der Klimaplan um eine Strategie zur Online-Vermarktungen von regionalen Nachhaltigkeits-Produkten/Dienstleistungen Repair und Share-Angeboten ergänzt werden kann, zum Beispiel in Maßnahme 2.1.2 Klimaschonendes und nachhaltiges Verhalten oder in 1.1.2.6 Innovationsräume. Die Empfehlungen der Bürger:innen sollten bei der Konzeption berücksichtigt werden. Das heißt u.a., dass die Plattform auch mit nicht- kommerziellen Angeboten verknüpft ist, z. B. mit einer Tauschbörse, Wohnungstauschbörse und Charity Shops. Erste Erfahrungen mit entsprechenden Angeboten z. B. in den Bönschen Vierteln sollten dokumentiert und weiterentwickelt werden. Begründung: Ein Schlüssel für den nachhaltigen Konsum ist, dass das Angebot bekannt und leicht verfügbar ist und dass es eine Verbindung gibt zwischen Bürger:innen und Unternehmen. Die Verbesserung der Verfügbarkeit von nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen ist insofern eine zentrale Strategie auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt und gleichzeitig ein wertvoller Impuls für die regionale Wertschöpfung. Daher ist der Aufbau eines Netzwerks für nachhaltigen Konsum mit Räumlichkeiten und Online-Portal, das Bürger:innen, Produzent:innen, Stadt und zivilgesellschaftliche Organisationen zusammenführt, eine konkrete und lösungsorientierte Empfehlung (Verknüpfung/Bezug zu 7.5 Nachhaltigkeitssiegel). Die Stadt Bonn kann hier als Impulsgeberin und Unterstützerin aktiv werden, etwa durch die Moderator:in eines Akteursnetzwerkes, sowie die Zielentwicklung und die Anschubfinanzierung für eine Konzeption. 38Seite 43 von 71 4.2 MINDSET ÄNDERN (Voraussetzung für alle anderen Aktionspläne, muss daher bis 2025 passiert sein) Unter dem Motto „Mindset ändern zu Nachhaltigkeit als Lebenskonzept" fordern die Teilnehmenden eine „wirklich inklusive und flächendeckende Kampagne”, die alle Bonner:innen in den Dialog zum Klimawandel bringt, Menschen aus unterschiedlichen Kontexten und Kulturen verbindet und Lebensqualität fördert durch Begegnung, Inspiration und innere Entwicklung. Dazu gehören Mitmachaktionen für alle Zielgruppen, in allen Quartieren und Schulen, sowie mehr Plätze, an denen Tauschen, Reparatur, Upcycling etc. von Dingen und Dienstleistungen stattfinden können, damit Bewusstsein und handwerkliche Fähigkeiten gefördert werden. Diese Kampagne muss bis 2025 realisiert werden, denn sie ist die Basis für alle anderen Veränderungen. Als erste wichtigste Schritte empfehlen die Bürger:innen, dass es 1) Informationsveranstaltungen an Kitas, Schulen, Arbeitgeber:innen/Verbände, Vereine, Gemeinden gibt, die Aufmerksamkeit auf konsumfreie Lebensqualität lenken, Menschen begeistern und inspirieren. Außerdem, dass 2) authentische Geschichten verbreitet werden und 3) dass prominente Vorbilder für den Imagewandel werben. Empfehlungen für den Klimaplan: 1) Aufnahme/Berücksichtigung von Gemeinwohlökonomie, Commoning und Produktdienstleistungen und Angebote des Tauschens, Teilens, Reparierens, Upcycling und Cradle to Cradle in den Klimaplan, sowie auch in bereits laufende Projekte wie die Bönnschen Viertel. 2) Die inklusive und handlungsorientierte Kampagne zu „Nachhaltigkeit als Lebensqualität“ und Wirtschaften für das Gemeinwohl sollte im Steckbrief 1.1.1.3 (Kommunikation) aufgenommen werden und durch prominente Vorbilder aus allen Gesellschaftsbereichen inspiriert werden. Diese Empfehlungen geben wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung von 2.1.2.1 (Mitmachkampagne), 2.2.1.2 (BNE-Projekte). 3) Aufnahme der Förderung bereits vorhandener Initiativen und Netzwe
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