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230255-01 · Mitteilungsvorlage

Erstellung eines gesamtstädtischen Konzeptes zur wassersensitiven Stadtentwicklung in Bonn nach dem Prinzip der Schwammstadt – Präsentation des Zwischenberichts

Nummer
230255-01
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
11.08.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 29.08.2023 Kenntnisnahme
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Übergeordnet

  1. 230255 Anpassung an den Klimawandel - Erstellung eines gesamtstädtischen Konzeptes zur wassersensitiven Stadtentwicklung in Bonn nach dem Prinzip der Schwammstadt

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Mitteilungsvorlage
öffentlich
230255-01
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Erstellung eines gesamtstädtischen Konzeptes zur
wassersensitiven Stadtentwicklung in Bonn nach
dem Prinzip der Schwammstadt – Präsentation des
Zwischenberichts
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
29.08.2023 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Wie zuletzt anhand der DS-Nr. 230255 erläutert, wurde im Dezember 2022 mit
der Ausarbeitung des Schwammstadtkonzeptes für die Stadt Bonn begonnen.
Die Verwaltung legt nun den gemeinsam mit dem beauftragten Büro „MUST
Städtebau GmbH“ erarbeiteten Zwischenbericht zum aktuellen Sachstand vor
(s. Zwischenbericht in der Anlage). Im ersten Schritt wurden eine profunde
Grundlagenermittlung sowie Positionsbestimmung durchgeführt, um darauf
aufbauend das strategische Zielbild zu definieren. Teil des vorliegenden
Zwischenberichtes ist zudem ein räumliches Leitbild, eine Karte der
Gelegenheitsfenster sowie der Auftakt für eine wachsende Projektkarte mit
„good practice“ Beispielen im Sinne der Schwammstadt.
In der zweiten Projektphase (Juli – Dezember 2023) wird die Vorbereitung der
Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen sowie der Implementierung von
Anforderungen in relevante Verwaltungsprozesse im Fokus stehen. Hierzu wird
ein Maßnahmenkatalog (u.a. analytische, baulich-räumliche, prozessuale und
kommunikative Maßnahmen) erarbeitet. Zudem werden für fünf Standorte in
Bonn Modellprojekte skizziert und ein Kommunikationskonzept entwickelt (s.
Zwischenbericht, S.85). Das finale Konzept soll zum Jahresende 2023
fertiggestellt sein. Das Projekt liegt im definierten Zeitplan (s. Zwischenbericht,
S. 8).
Die Präsentation der Ergebnisse erfolgt im AUKLA am 29.08.2023 durch
„MUST Städtebau GmbH“.
Anlage/n
1 Zwischenbericht Schwammstadt Bonn (öffentlich)Seite 1 von 65
SCHWAMMSTADTBONNSCHWAMM
ZWISCHENBERICHT
GESAMTSTÄDTISCHES KONZEPT ZUR
HITZE- UND TROCKENHEITSVORSORGE
UNTER EINSATZ VON REGENWASSER
STADT
BONNSeite 2 von 65
Impressum
Auftragnehmerin:
MUST Städtebau GmbH
Eigelstein 103–113
50668 Köln
mail@must.eu
www.must.eu
Bearbeitung:
Dr. Jan Benden
Paula Erckmann
Auftraggeberin:
Bundesstadt Bonn
Amt für Umwelt und Stadtgrün
Klimaanpassung und -vorsorge (67-41)
Berliner Platz 2
53111 Bonn
Ansprechpartnerinnen:
Jessica Löffler
Dr. Britta Holbeck
Köln, 08. August 2023Seite 3 von 65
Inhalt
1. Hintergrund 4
2. Ziele der Schwammstadt 10
2.1 Ziel 1: Hitzebelastung durch Verdunstung mindern! 12
2.2 Ziel 2: Stadtgrün gegen Trockenheit wappnen! 14
2.3 Ziel 3: Synergiepotenziale ausschöpfen! 15
2.4 Operationalisierung der Ziele (Ausblick) 17
3. Rahmenbedingungen für die Schwammstadt 18
3.1 Grundlagenermittlung 19
3.2 Zusammenfassende Bewertung (SWOT) 36
4. Strategie für die Schwammstadt 38
4.1 Leitbild 39
4.2 Leitkarte für die Schwammstadt 41
4.3 Gelegenheitsfenster für die Schwammstadt 49
4.4 Leuchtturmprojekte der Schwammstadt („good practice“) 53
5. Bausteine der Schwammstadt 54
5.1 Bausteine zur Verdunstungskühlung 55
5.2 Bausteine zur Speicherung von Regenwasser 78
6. Ausblick 84Seite 4 von 65
1. Hintergrund
Hintergrund
01Seite 5 von 65
Schwammstadt Bonn
Hintergrund
Die Bundesstadt Bonn zählt mit fast 330.000 Einwoh-
ner*innen zu den zwanzig größten Städten der Bun-
desrepublik Deutschland. Sie gehört zu den Metropol-
regionen Rheinland und Rhein-Ruhr und liegt damit in
einer der am dichtesten besiedelten Regionen Euro-
pas. Die Lage am Rhein und der vergleichsweise hohe
Anteil an öffentlich zugänglichen Grünanlagen sind
mitentscheidend für das Erscheinungsbild der Stadt.
Bonn verzeichnet ein kontinuierliches Bevölkerungs-
wachstum. Bis zum Jahr 2040 wird auf Grundlage der
Bevölkerungsvorausberechnung mit einem Zuwachs
von rund 12 Prozent gerechnet. Damit gehört Bonn zu
den 11 kreisfreien Städten in NRW, die landesweit die
höchsten Zuwächse aufweisen werden. Mit dem dyna-
mischen Bevölkerungswachstum geht ein zunehmen-
der Nutzungsdruck auf noch vorhandene Freiflächen
einher.
Gleichzeitig ergeben sich durch die nicht mehr ab-
wendbaren Folgen des fortschreitenden Klimawandels
besondere Herausforderungen und Anpassungsbe-
darfe. Starkregenereignisse werden in Häufigkeit und
Intensität zunehmen, ebenso wie Hitze- und Dürrepe-
rioden. Die Entstehung neuer Baugebiete sowie Nach-
verdichtungen im Bestand führten und führen zu einer
Zunahme der Bodenversiegelung, verbunden mit der
Gefahr einer zunehmenden Erwärmung und damit
einer Verschlechterung des Mikroklimas. Der Verlust
an versickerungsfähigen Flächen bewirkt eine nega-
tive Veränderung der natürlichen Wasserbilanz. Das
Niederschlagswasser fließt schneller ab und steht nicht
mehr für Retention, Versickerung und Verdunstung zur
Verfügung. Der zunehmende Oberflächenabfluss be-
lastet die teilweise ohnehin schon hydraulisch ausge-
lastete Kanalisation bzw. die Oberflächengewässer.
Gleichzeitig kommt es bei hohen sommerlichen Tem-
peraturen immer häufiger zu einem Wassermangel.
Die Hitzesommer 2003, 2015 und 2018 haben aufge-
zeigt, dass bei länger anhaltenden Hitzewellen eine na-
türliche Bewässerung von Grünflächen und Stadtbäu-
men nicht mehr ausreichend ist. Durch die zukünftig
zu erwartende negative Wasserbilanz in den Sommer-
monaten ist es notwendig, den Bodenwasserspeicher
aufzufüllen und Niederschlagswasser zu speichern,
um in Trockenzeiten die Wasserversorgung der Grün-
bereiche und Stadtbäume zu verbessern. Vor diesem
Hintergrund ist eine nachhaltige Bewirtschaftung des
Regenwassers am Ort des Niederschlages zielfüh-
rend. Das Niederschlagswasser kann - direkt als ober-
flächennahes pflanzenverfügbares Bodenwasser oder
indirekt als Gießwasser für das urbane Grün - zur Er-
höhung der Verdunstungsleistung und damit zur Ver-
besserung des Stadtklimas beitragen. Zudem können
durch eine Erhöhung der dezentralen Speicherkapa-
zitäten und der Verdunstungsleistung hydraulische
Spitzen bei Starkregenereignissen teilweise verringert
werden.
Wassersensitive Stadt
Wie auch andere Großstädte steht Bonn vor der He-
rausforderung, Strategien für eine naturnahe Nieder-
schlagswasserbewirtschaftung zu entwickeln und zu
implementieren. Ziel ist es dabei, sich zu einer „was-
sersensitiven Stadt“ weiterzuentwickeln, um in der
Zukunft die Auswirkung des Klimawandels abmil-
dern zu können (siehe Abbildung 02). Insbesondere
das Stadtgrün, die Gewässer und die Freiflächen sind
dabei Schlüsselfaktoren und leisten einen wichtigen
funktionalen wie auch gestalterischen Beitrag für die
Erhaltung und Verbesserung der Lebens- und Aufent-
haltsqualität für die Menschen in Bonn.
Die Strategie einer „wassersensitiven Stadtentwick-
lung“ in Bonn umfasst drei Handlungsstränge:
1. Hochwasservorsorge
2. Starkregenvorsorge
3. Hitze- und Trockenheitsvorsorge
(Schwammstadt)
Im Bereich der Hochwasservorsorge ist die Stadt
Bonn bereits gut aufgestellt. In Folge der Jahrhun-
derthochwasser 1993 und 1995 wurde ein Hochwas-
serschutzkonzept für den Rhein erstellt, in dem Hoch-
wasserschutzmaßnahmen erarbeitet und bis heute
umgesetzt wurden. Das Tiefbauamt der Stadt Bonn
übernimmt dabei die Planung und den Bau von Hoch-
wasserschutzanlagen, die Feuerwehr koordiniert den
Aufbau des Hochwasserschutzes im Ernstfall. Die Be-
zirksregierung Köln hat zudem für Bonner Bäche und
Bach-Systeme die Überschwemmungsgebiete für
ein 100-jährliches Hochwasser ermittelt und gesetz-
lich festgesetzt. Diese dienen dem Erhalt natürlicher
Rückhalteflächen, der Regelung des Hochwasserab-
flusses, dem Erhalt der ökologischen Strukturen sowie
der Verhinderung erosionsfördernder Eingriffe.
5Seite 6 von 65
Hochwasserschutz Starkregenvorsorge Hitze- und Trockenheitsvorsorge
-C°
-C°
-C°
-C°
Schwammstadt Bonn
Hintergrund
Auch das Thema der Starkregenvorsorge hat in
den letzten Jahren in Bonn viel Aufmerksamkeit be-
kommen. Rückstauendes Wasser aus dem Kanal,
Überflutungen aus Bächen und Flüssen, aber auch
wild oberflächig abfließendes Wasser abseits der
Auenbereiche inmitten der Bebauung haben in den
vergangenen Jahren an einigen Stellen im Bonner
Stadtgebiet Überflutungen von Grundstücken, Ge-
bäuden und Verkehrsinfrastruktur verursacht. Zum
Schutz vor Starkregen und Überschwemmungen
hat die Stadt Bonn bereits viel getan. Mit zahlrei-
chen Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Infra-
struktur wurde durch das Tiefbauamt entsprechende
Vorsorge getroffen oder Schritte dazu eingeleitet.
Daneben konnten durch umfangreiche bauliche
Schutzmaßnahmen an den Bonner Bächen bereits
Sturzflutrisiken verringert und somit mögliche Schä-
den reduziert werden. Darüber hinaus wurde das In-
formationsangebot für die Eigenvorsorge durch die
Erstellung von Starkregengefahrenkarten erweitert.
Diese stellen dar, wo im Stadtgebiet Gefahren durch
Sturzfluten und Starkregen (50-, 100-jährlich oder
bei extremem Starkregen) entstehen können.
Zur Vorbereitung einer verstärkten Hitze- und Tro-
ckenheitsvorsorge wurden in der jüngeren Ver-
gangenheit erste Untersuchungen durchgeführt,
die sich mit den bereits heute erkennbaren und mit
den zukünftig zu erwartenden Veränderungen des
städtischen Mikroklimas beschäftigen (z.B. ZURES,
MUTABOR etc.). Auf Basis dieser Erkenntnisse hat
die Stadt Bonn 2022 beschlossen, zukunftsweisende
Strategien für eine nachhaltige Bewirtschaftung des
Niederschlagswassers als Baustein zur Hitze- und
Trockenheitsvorsorge auszuarbeiten und zu imple-
mentieren, um Bonn langfristig nach dem Prinzip
der „Schwammstadt“ weiterzuentwickeln. Im Januar
2022 wurde hierzu der Haushaltsantrag „wassersen-
sitive Stadt“ (DS 211387) beschlossen. Zudem wurden
über den Doppelhaushalt 2021/2022 entsprechende
Haushaltsmittel und über die Stellenplanfortschrei-
bung eine Personalstelle in Teilzeit (50%) zur ver-
waltungsseitigen Projektkoordination bereitgestellt.
Die Stelle konnte zum 01.02.2022 im Amt für Umwelt
und Stadtgrün (67-41) besetzt werden.
Im Dezember 2022 wurde das Planungsbüro MUST
mit der Erarbeitung des vorliegenden Schwamm-
stadtkonzeptes für die Stadt Bonn beauftragt. Das in
enger ämterübergreifender Abstimmung entwickelte
Konzept widmet sich insbesondere der Trockenheits-
und Hitzevorsorge und damit auch der Verbesserung
des Stadtklimas und der Aufenthaltsqualität. Neben
den in Bonn bereits konzeptionell bearbeiteten The-
men der Starkregenvorsorge und des Hochwasser-
schutzes werden durch das Schwammstadtkonzept
Grundlagen für die dritte Säule im Rahmen der was-
sersensitiven Stadt geschaffen. Dabei wird ange-
strebt, nach Möglichkeit Synergien zwischen den
verschiedenen Aspekten der wassersensitiven Stadt-
entwicklung zu nutzen und negative Wechselwirkun-
gen zu vermeiden.
02
Handlungsstränge der wassersensitiven Stadtgestaltung in Bonn
6Seite 7 von 65
Schwammstadt Bonn
Hintergrund
Projektaufbau und Methodik
Das Bonner Schwammstadtkonzept basiert auf einer
profunden Grundlagenermittlung und -analyse und
formuliert darauf aufbauend strategische Anpas-
sungsziele. Da die Anpassungspotenziale in einem
engen Kontext mit den räumlichen Standorteigen-
schaften stehen, werden in einem Leitplan allge-
meine Planungsempfehlungen für unterschiedliche
Siedlungs- und Freiraumtypen sowie für ausgewähl-
te Fokusräume im Bonner Stadtgebiet gegeben.
Zentrales Ziel dieses Planwerkes ist es, die Aspekte
der Schwammstadt in Zukunft bei allen flächenrele-
vanten Entscheidungen in Bonn frühzeitig und kon-
sequent zu prüfen und möglichst zu berücksichtigen.
Anschließend werden die einzelnen Bausteine der
Schwammstadt aufgezeigt, die im Rahmen der Pla-
nung und Realisierung von Projekten eingesetzt wer-
den können.
Um die Ergebnisse des Konzeptes zügig in die Praxis
zu implementieren, sollen bereits heute alle Mög-
lichkeiten zur Umsetzung von Schwammstadtele-
menten in laufenden Vorhaben genutzt werden. Das
Konzept umfasst daher eine weitere Karte, in der
alle planerischen „Gelegenheitsfenster“ (öffentliche
Bauvorhaben, Planverfahren etc.) für die potenzielle
Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen darge-
stellt werden.
Parallel zur fachlichen Erstellung des Schwammstadt-
konzeptes durch MUST fand (unter der Federfüh-
rung des Amtes für Umwelt und Stadtgrün der Stadt
Bonn) ein breiter Beteiligungsprozess statt. Neben
einem kontinuierlichen Informationsaustausch zwi-
schen Auftraggeber und Auftragnehmer traf im Rah-
men der bisherigen Projektphase unter Moderation
des Auftragsnehmers an insgesamt drei Terminen
eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe aus den re-
levanten Fachgebieten zusammen. Darüber hinaus
wurden die Ergebnisse der Konzepterstellung und
der Arbeitsgruppen an zwei Terminen mit einer ver-
waltungsinternen Steuerungsgruppe abgestimmt,
die sich u. a. aus verschiedenen leitenden Personen
relevanter Ämter in der Bonner Stadtverwaltung zu-
sammensetzt. Nicht zuletzt wurde eine gemeinsame
Ortsbesichtigung (Fahrradexkursion) durchgeführt
sowie bilaterale Gespräche mit internen und exter-
nen Expert*innen geführt. In diesem Zusammenhang
fand auch ein frühzeitiger Austausch mit den poli-
tischen Umwelt- und Planungssprecher*innen der
Stadt Bonn statt, in dem die Teilnehmenden frühzei-
tig über die Ziele und den Inhalt des Konzeptes sowie
dessen Abgrenzung von den Aktivitäten zur Hoch-
wasser- und Starkregenvorsorge in Bonn informiert
wurden. Die Beteiligung der Bonner Öffentlichkeit
zu Fragen der Hitze- und Trockenheitsvorsorge im
Sinne der Schwammstadt soll im Rahmen des über-
greifenden Beteiligungsprozesses zum integrierten
Klimaanpassungskonzept der Stadt Bonn (ab 2024)
stattfinden.
In der Grafik 03 auf den folgenden Seiten ist der Er-
arbeitungs- und Beteiligungsprozess der Konzepter-
stellung dargestellt.
Der vorliegende Zwischenbericht fasst die bisheri-
gen Ergebnisse der Konzepterstellung (Januar-Ju-
ni 2023) zusammen. In der zweiten Projektphase
(Juli – Dezember 2023) wird ein umsetzungsorien-
tierter und auf die spezifischen Eigenschaften der
Stadt Bonn ausgelegter Maßnahmenkatalog er-
arbeitet. Dieser soll Strategien, Instrumente und
Anreizsysteme für die Umsetzung der Schwamm-
stadt beinhalten und sich dabei auf sämtliche Ra-
dien städtischer Einflussmöglichkeiten erstrecken,
welche die Stadt Bonn mittelbar oder unmittelbar
steuernd beeinflussen kann. Darüber hinaus wer-
den für fünf Standorte in Bonn Ideenskizzen für
Modellprojekte erarbeitet. Die Entwürfe sollen
Möglichkeiten einer räumlichen und gestalteri-
schen Einbindung von Schwammstadtelementen
in unterschiedliche städtebauliche Kontexte auf-
zeigen. Zudem sollen sie praxisnahe und realisti-
sche Lösungsansätze zur Bewältigung von Umset-
zungshemmnissen und zur Minderung der Risiken
adressieren. Nicht zuletzt wird das Schwamm-
stadtkonzept eine die Umsetzung begleitende
Kommunikationsstrategie enthalten. Zentrales
Element wird dabei eine gesamtstädtische inter-
aktive Karte bilden, welche bereits realisierte und
im Sinne der Schwammstadt vorbildliche Projek-
te („good practice“) aufführt, sukzessive ergänzt
wird und somit der Bonner Öffentlichkeit die fort-
schreitende Entwicklung verdeutlichen soll.
7Seite 8 von 65
Ortsbesichtigungen
Grundlagenermittlung und Analyse der Ist-Situation
Positionsbestimmung
Zieldefinition und Leitbild
Kommunikationskonzept
Modellprojekte
Maßnahmenkatalog
Karte:
Betroffenheiten und
Handlungserfordernisse
Handlungsfeld 2:
Stadtentwicklung und
Stadtplanung
„Den planerischen Rahmen für die
Umsetzung der Schwammstadt
setzen!“
Handlungsfeld 3:
Private Liegenschaften und
Gebäude
„Private Akteur:innen zur Umsetzung
der Schwammstadt motivieren!“
Karte:
Zielvorstellung, Potenziale und Fokusräume
Karte:
Gelegenheitsfenster und Planungen
Leitbild Wassersensitive Stadtentwicklung in Bonn
Zielsystem
Handlungsfeld 1:
Kommunale Liegenschaften
und Infrastrukturen
„Mit gutem Vorbild vorangehen –
Schwammstadt selber umsetzen!”
Steckbriefe Steckbriefe Steckbriefe
Karte:
Good Practice
SWOT-Analyse
Modellprojekte Karte:
Projekte Schwammstadt Bonn
Grundlagenermittlung
Beteiligung
Abstimmung mit
Auftraggeberin
Arbeitsgruppe 1
Arbeitsgruppe 2
Expert*innen-
gespräche
Arbeitsgruppe 3
Arbeitsgruppe 6
Arbeitsgruppe 7
Steuerungsgruppe 2
Steuerungsgruppe 3
Steuerungsgruppe 4
Steuerungsgruppe 1
Kick-off Steuerungsgruppe
Abgabe Zwischenbericht
Vorstellung Zwischenbericht im
politischen Ausschuss (AUKLA)
Abgabe Endbericht
Vorstellung Endbericht im
politischen Ausschuss
12/23 11/23 10/23 09/23 08/23 07/23 06/23 05/23 04/23 03/23 02/2303/23
Arbeitsgruppe 5
Expert*innen-
gespräche
Arbeitsgruppe 4 Ortsbesichtigung
Zeitplan und Meilensteine
Schwammstadt Bonn
Hintergrund
Schwammstadt Bonn
Hintergrund
03
Projektablauf
8 9Seite 9 von 65
2. Ziele der
Schwammstadt
Ziele
der Schwammstadt
04Seite 10 von 65
Leitbild: Schwammstadt Bonn
Entwicklung einer „Schwammstadt Bonn“ zur Abmilderung der Auswirkungen des Klimawandels
und zum Erhalt der Lebens- und Aufenthaltsqualität.
Ziel 1:
Hitzebelastung durch
Verdunstung mindern
Gezielte Verdunstung von Regenwasser
zur Kühlung des Stadtraums während
Hitzeperioden.
Ziel 3:
Synergien ausschöpfen!
Überflutungsschutz:
Ergänzung zusätzlicher Rückhaltemöglichkeiten
für Starkregenereignisse.
Biodiversität:
naturnahe artenreiche Gestaltung zur Schaffung
von Lebensräumen für Flora und Fauna.
Grundwasseranreicherung:
Versickerung von überschüssigem (unbelasteten)
Regenwasser in untere Bodenschichten.
Stadtgestaltung:
Nutzung des Regenwassers als
gestalterisches Element im Stadtraum.
Trinkwassereinsparung:
Einspeisung des Regenwassers in
Grauwasserkreisläufe.
Klimaschutz:
Ausschöpfung von Energieeinsparpotenzialen
(z. B. Gebäudekühlung, Kläranlagen).
Ziel 2:
Stadtgrün gegen
Trockenheit wappnen!
Speicherung von Regenwasser zur Versorgung
der Vegetation im Stadtraum während
Trockenperioden.
Schwammstadt Bonn
Ziele der Schwammstadt
Das Prinzip der „Schwammstadt“ sieht vor, das in
urbanen Räumen anfallende Regenwasser lokal auf-
zunehmen und für einen längeren Zeitraum zu spei-
chern und zu nutzen, anstatt es über das Kanalnetz
abzuleiten. Dadurch soll an erster Stelle das Stadt-
klima verbessert und die Gesundheit des Stadtgrüns
gefördert werden. Oberstes Ziel ist es, schonend mit
der Ressource Wasser umzugehen, die Aufenthalts-
qualität an heißen Tagen im urbanen Raum zu erhö-
hen und somit einen Beitrag zu einer attraktiven und
lebenswerten Stadt Bonn zu leisten.
Es geht darum, den Stadtraum so zu gestalten, dass
das Regenwasser länger an der Oberfläche bzw. im
oberen Bodenbereich gehalten werden kann, um es
anschließend zur Kühlung der Stadt nutzen zu kön-
nen (Kapitel 2.1). Zu den Bausteinen der Schwamm-
stadt gehören sowohl offene Wasserflächen (Seen,
Teiche, Weiher, Bäche) als auch die Nutzung des
Oberbodens als Speicherorgan mit Poren, die Wasser
aufnehmen und über die Oberfläche und Vegetation
wieder abgeben können. Während Dürreperioden
nimmt die Verdunstungsleistung von Grünflächen
jedoch ab, da nur das für Pflanzen oberflächennah
verfügbare Wasser verdunstet und damit eine Kühl-
leistung erbracht werden kann. Daher umfasst der
Schwammstadt-Ansatz ergänzend auch die Spei-
cherung von Regenwasser in offenen Wasserflächen
oder in unter- bzw. oberirdischen Zwischenspeichern
(Rigolen oder Zisternen), um so Trockenperioden zu
überbrücken und die Wasserversorgung zur Bewäs-
serung des Stadtgrüns sicherzustellen (Kapitel 2.2).
Maßnahmen der Schwammstadt entfalten, in unter-
schiedlichem Ausmaß, Synergien (Kapitel 2.3) für
den Überflutungsschutz (durch die Verzögerung
und Verminderung des Abflusses), für die Grundwas-
seranreicherung (durch die Versickerung von über-
schüssigem Wasser in den Untergrund), für den Res-
sourcenschutz (durch das Einsparen von Trinkwasser
und von Energie für die Wasseraufbereitung), für die
Biodiversität (durch die Schaffung von Lebensräu-
men für Flora und Fauna) sowie für den Klima- und
Umweltschutz (durch das Binden von Schadstoffen).
05
Zielsystem der Schwammstadt Bonn
11Seite 11 von 65
-C°
-C°
-C°
-C°
Schwammstadt Bonn
Ziele der Schwammstadt
2.1 Ziel 1: Hitzebelastung durch Verdunstung mindern!
Durch den anthropogenen Einfluss herrschen im
Bonner Stadtraum modifizierte Klimabedingungen
vor. Gründe hierfür sind insbesondere der hohe Ver-
siegelungsgrad, dem ein geringer Anteil an Vegeta-
tion und bewachsenem Boden gegenübersteht. Die
Oberflächenvergrößerung durch Gebäude sowie
Emissionen durch Verkehr, Industrie und Haushalte
spielen ebenfalls eine Rolle. Im Vergleich zum weit-
gehend natürlichen bzw. naturnahen, unbebauten
Umland führen diese Effekte im Sommer zu höhe-
ren Temperaturen und bioklimatischen Belastungen.
Das Phänomen der Überwärmung kommt vor allem
nachts zum Tragen und wird als Städtischer Wärme-
inseleffekt bezeichnet.
Die aktuelle Stadtklimaanalyse für die Stadt Bonn [1]
zeigt für die vergangenen Jahrzehnte eine deutliche
Zunahme an Sommertagen (>25°C) und an heißen
Tagen (>30°C). Während im Bereich des Rheintales
und des bebauten Stadtgebiets von Bonn in der Pe-
riode 1961 – 1990 noch durchschnittlich 37 Sommer-
tage und 7 heiße Tage pro Jahr registriert wurden,
zählte man in der Klimaperiode von 1989 bis 2018 be-
reits durchschnittlich 48 Sommertage bzw. 11 heiße
Tage. Lediglich die Höhenlagen und damit Waldge-
biete wie der Ennert und der Kottenforst verzeichnen
rückblickend in den Analysen eine geringere Anzahl
an Sommer- und Hitzetagen. Je nach zugrunde ge-
legtem Klimawandelszenario wird die Zahl der Kenn-
tage bis zum Ende des Jahrhunderts noch in starkem
Maße zunehmen.
Gemäß der derzeit vorliegenden Klimaprognosen
kann für Bonn zwar eine Tendenz zukünftig gleich-
bleibender bzw. leicht steigender Jahresniederschlä-
ge abgeleitet werden. Für die Vegetation und den
Bodenwasserhaushalt ist jedoch die jahreszeitliche
Verteilung der Niederschläge entscheidend. In allen
repräsentativen Konzentrationspfad Szenarien (RCP)
ist eine Tendenz geringerer Niederschläge im Som-
mer und leicht höherer Werte in den übrigen Mona-
ten zu erkennen. In den vergangenen Jahrzehnten
sind die mittleren Niederschläge im Sommer in Bonn
bereits kontinuierlich zurückgegangen. Zudem fällt
der Niederschlag im Sommer zunehmend als Stark-
regen und kann so nicht infiltrieren. Außerdem füllen
sich die Bodenvorräte in den Wintern häufig nicht
mehr ausreichend. Es kann erwartet werden, dass
sich dieser Trend in Zukunft fortsetzt. In Kombination
mit hohen Temperaturen führt dies zu längeren Hit-
ze- und Trockenperioden. Darunter leiden Mensch
und Natur gleichermaßen.
12Seite 12 von 65
Schwammstadt Bonn
Ziele der Schwammstadt
Um der sommerlichen Wärmebelastung in den dicht
bebauten Gebieten der Stadt entgegenzuwirken, ist
eine Verstärkung bzw. Aufrechterhaltung der Evapo-
transpiration notwendig. Neben der Verschattung,
der Kaltluftzufuhr und einer Oberflächengestal-
tung mit geringer Erwärmung (Albedo) bildet die
Verdunstungskühlung über gesammeltes Nieder-
schlagswasser ein wichtiges Element zur Hitzemin-
derung im Rahmen der Stadt- und Freiraumplanung.
Die kühlende Wirkung des Regenwassers kann dabei
auf unterschiedliche Weise genutzt werden. Hier las-
sen sich drei Handlungsfelder unterscheiden:
1. Durch den Rückhalt von Regenwasser im
Boden, in Wasserkörpern oder in Zwischen-
speichern kann es dazu verwendet werden, das
Stadtgrün zu bewässern, um somit während
Hitzeperioden über Verdunstungsprozesse
eine Kühlwirkung im öffentlichen Raum der
Stadt zu erreichen.
2. In Verbindung mit einer Dach- oder Fassaden-
begrünung kann das gesammelte Regenwasser
sowohl die Verbesserung des Lokalklimas als
auch die Kühlung von Gebäuden unterstüt-
zen. Sofern die Wasserversorgung der Grün-
elemente gewährleistet wird, entfalten diese
nicht nur über die Verdunstung eine kühlende
Wirkung auf die Umgebung, sondern sie ver-
bessern durch ihre Dämmwirkung auch das
Innenraumklima und reduzieren zudem den
Kühlbedarf im Gebäude.
3. Nicht zuletzt kann das gespeicherte Regen-
wasser in einem adiabaten Kühlsystem für Ge-
bäude verwendet werden. Mittels einer Was-
serpumpe werden dabei kontinuierlich mit dem
Regenwasser Kühlpads befeuchtet, durch die
mit Hilfe eines mechanischen Lüfters warme
Außenluft gepresst wird. Die abgekühlte Luft
wird dann anschließend in das Gebäude gelei-
tet und verbessert dort das Innenraumklima.
Die technischen Systeme zur adiabaten Nutzung des
Wassers zur Gebäudekühlung werden in dem vorlie-
genden Konzept nur am Rande betrachtet. Vielmehr
liegt der Fokus vor allem auf den beiden erst genann-
ten Lösungsansätzen, die im Sinne der Schwamm-
stadt eine Kombination aus Maßnahmen zur Begrü-
nung und Regenwasserspeicherung anstreben, um
über eine Verdunstungskühlung (Evaporation und
Transpiration) einen entscheidenden Beitrag für ein
angenehmeres Lokalklima in der Stadt zu leisten.
Die Unterschiede in der Verdunstungskühlleistung
von Böden und Vegetation können sehr groß sein.
Die entscheidenden Einflussgrößen für die Verduns-
tung sind dabei zunächst der Windeinfluss, die Son-
neneinstrahlung und die Luftfeuchtigkeit. Daneben
ist die Art, die Größe und die Speicherfähigkeit der
verdunstenden Fläche maßgebend für die Kühlleis-
tung. Im Einzelfall bedingen die gegebenen Stand-
ortfaktoren sowie die Wahl der passenden Bausteine
den Beitrag zur Hitzeminderung: So verfügen bei-
spielsweise Böden mit Grundwasseranschluss über
eine kontinuierlich gute Kühlleistung während sie bei
Böden mit geringer Wasserspeicherfähigkeit gegen
Null tendiert. Sofern sie vital sind und ausreichend
mit Wasser versorgt werden, entfalten vor allem gro-
ße Bäume die größte Verdunstung. Dagegen ist die
Verdunstungskühlleistung bei trockenresistenten
Baumarten wiederum sehr gering. Ähnlich different
sieht es bei (fließenden oder stehenden) Gewässern
aus. Vor allem tagsüber ist die kühlende Wirkung
von Wasserflächen relevant und meist höher als die
von offenen Grünflächen. Nachts dagegen geben
die Wasserkörper, wenn die Umgebungstemperatur
sinkt, oft ihre Energie in Form von Wärme wieder ab.
Im Sinne der Schwammstadt bedarf es verstärkter
Anstrengungen, um Elemente mit hohem und mitt-
lerem Verdunstungspotenzial im Bonner Stadtgebiet
zu erhalten und zu erweitern bzw. vor Versiegelung
zu schützen. Für ein angenehmes Mikroklima sind
dabei vor allem möglichst viele und große Grünflä-
chen mit Bäumen oder Vegetation sowie gleichzeitig
ein möglichst natürlicher Wasserhaushalt in einem
geeigneten Bodenaufbau anzustreben. In Bereichen
mit hohen Raumnutzungskonkurrenzen sind darüber
hinaus auch verstärkt die Potenziale zur Begrünung
von Gebäuden auszuschöpfen. Für alle genannten
Maßnahmen zur Verdunstungskühlung in der Stadt,
ist es von entscheidender Bedeutung, dass eine aus-
reichende und kontinuierliche Versorgung mit Re-
genwasser gewährleistet wird. Es müssen entspre-
chend große Räume für den (temporären) Rückhalt
von Niederschlagswasser bereitgestellt werden, um
sicher zu stellen, dass ausreichend Wasser für die
Verdunstungskühlung in Trockenperioden zur Ver-
fügung steht.
13Seite 13 von 65
Schwammstadt Bonn
Ziele der Schwammstadt
2.2 Ziel 2: Stadtgrün gegen Trockenheit wappnen!
Die heißen Temperaturen und die abnehmenden Nie-
derschlagsmengen in den Sommermonaten führen
zu längeren und intensiveren Dürreperioden und zu
einem erhöhten Wasserbedarf für das städtische Grün
in Bonn. Im Sinne der Schwammstadt wird daher der
Lösungsansatz verfolgt, das anfallende Regenwasser
lokal zu speichern und für die Bewässerung während
Trockenzeiten verfügbar zu machen. An erster Stelle
steht hier das Ziel einer unmittelbaren Speicherung
und Zirkulation des Niederschlagswassers im ober-
flächennahen Bodenwasserspeicher. Die Fähigkeit
des Bodens Wasser in Poren zu speichern, stellt einen
wichtigen Faktor für die Versorgung der Vegetation
mit Wasser bei längerer Trockenheit dar [2]. Die Spei-
cherkapazität hängt stark von standörtlichen Faktoren
wie dem Bodentyp und der Feldkapazität ab. Letztere
beschreibt die Regenmenge, die der Boden gegen die
Schwerkraft halten kann. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass die Vegetation nur einen Teil der Bodenwasser-
menge nutzen kann, da ein gewisser Prozentsatz als
„Totwasser“ gebunden und damit für die Versorgung
der Pflanzen nicht verfügbar ist. Zieht man diesen An-
teil ab, bekommt man den für Pflanzen durch den ka-
pillaren Aufstieg verfügbaren Anteil des Bodenwasser-
speichers, die „nutzbare Feldkapazität“.
Bei beengten Platzverhältnissen oder bei ungünstigen
Bodeneigenschaften, kann das Speichervermögen für
Regenwasser durch den Einsatz von Speicherkörpern
erhöht werden. Dabei kann zum einen auf Speicherri-
golen zurückgegriffen werden. Das Niederschlagswas-
ser wird dabei über Versickerung oder über ein Rohr
in einen geschlossenen Speicherkörper geleitet. Die
Rigolen können aus grobkörnigen Schüttgütern wie
Kies, Schotter und Lava oder aus festen Kunststoffele-
menten hergestellt werden. Je nach Herstellungsart,
können sie bei Bedarf auch überbaut werden. Das in
den Rigolen gesammelte Wasser steigt über die Kapil-
larkräfte ohne Pumpenergie nach oben und bewässert
so die Vegetationsschicht. Bei Bedarf können auch
stehende Gewässer (Teiche etc.) als Wasserquelle für
die Speicherrigolen dienen. Überschüssiges Wasser
aus dem Speicher kann – je nach Belastung - versickern
und den Grundwasservorrat wieder auffüllen oder ge-
drosselt dem Kanalnetz zugeführt werden.
Das von Dächern oder von versiegelten Flächen abflie-
ßende Regenwasser kann alternativ auch in unterirdi-
schen Zisternen, in Regentonnen oder in Füllkörpern
unterhalb von Gründächern gesammelt werden, um es
in Trockenzeiten für eine indirekte Bewässerung ent-
nehmen und nutzen zu können.
14Seite 14 von 65
Schwammstadt Bonn
Ziele der Schwammstadt
2.3 Ziel 3: Synergiepotenziale ausschöpfen!
Überflutungsschutz
Durch die Ausnutzung der Spei-
cherelemente der Schwamm-
stadt können teilweise auch Ab-
flussspitzen bei Starkregen und
Sturzfluten gemindert werden.
Insgesamt betrachtet, sind die
Synergiepotenziale zur Überflu-
tungsvorsorge jedoch beschränkt.
Insbesondere bei extremen Sturz-
fluten an Fließgewässern sowie
bei außergewöhnlichen Oberflä-
chenabflüssen durch Starkregen
stoßen die Anlagen schnell an ihre
Grenzen. Zur Bewältigung der-
artiger Ereignisse sind eher ein
gezieltes Ableiten durch weniger
empfindliche Korridore (Notent-
wässerung) und das vorüberge-
hende Zurückhalten auf größeren
und weniger vulnerablen Reten-
tionsflächen entscheidend.
Biodiversität
Infolge der Versiegelung verlieren
Pflanzen und Tiere zunehmend an
Lebensraum. Durch den Ausbau
und die Aufwertung blau-grü-
ner Infrastrukturen im Zuge der
Schwammstadt können Lebens-
grundlagen für diverse Tier- und
Pflanzenarten im Bonner Stadt-
raum geschaffen und somit die
Biodiversität erhöht werden. Klei-
ne Gewässer und deren struk-
turreiche Uferbereiche bieten
wichtige Lebensräume für viele
Amphibien, Kaulquappen und
Wasserinsekten. Urbane Grün-
flächen, Bäume oder Gebäude-
begrünungen bilden lebendige
Standorte, an denen Vögel, Wild-
bienen, Schmetterlinge und eine
Vielzahl von Insekten Nahrung
und Lebensraum finden.
Grundwasseranreicherung
Die Schwammstadt kann, zu-
mindest teilweise, Synergien mit
der Herstellung des natürlichen
Bodenwasserhaushaltes entfal-
ten. Zwar ist es oberstes Ziel der
Schwammstadt, das Regenwasser
an der Oberfläche oder im oberen
Bodenbereich zu sammeln, um
es wiederzuverwenden. Jedoch
kann auch überschüssiges (mög-
lichst unbelastetes) Wasser ver-
sickert werden, um so den Grund-
wasserspiegel anzureichern. Die
Versickerungsmöglichkeiten sind
jedoch angesichts der ungünsti-
gen Bodenverhältnisse in Bonn
begrenzt. Zudem ist im Einzelfall
jeweils die Behandlungsbedürf-
tigkeit des Wassers sowie die Alt-
lastengefährdung am Standort zu
prüfen.
Zur Reaktion auf das geringere Wasserdargebot auf-
grund der Zunahme der Häufigkeit, Dauer und Intensi-
tät von Dürreperioden stehen zusammenfassend zwei
verschiedene Herangehensweisen zur Verfügung: die
Erhöhung der Wasserverfügbarkeit und die Verringe-
rung des Wasserbedarfs. Bei der Umsetzung dieser
Strategien sollte stets berücksichtigt werden, dass nur
die erste (durch die Verdunstungskühlung) Synergien
für die Hitzeminderung (Ziel 1) birgt. Trotzdem macht
der zu erwartende sommerliche Wassermangel auch
die Verringerung des Wasserbedarfs erforderlich, z.B.
durch den Einsatz wassereffizienterer grün-blauer In-
frastrukturen. Wo innerhalb des Siedlungsraums eher
die erste und wo die zweite Strategie zum Tragen kom-
men sollte, muss stets auch aus der Perspektive der
Hitzevorsorge evaluiert werden, um gezielt Räume mit
hoher Hitzeempfindlichkeit besser schützen zu kön-
nen. An Standorten mit einer geringeren Vulnerabilität
gegenüber Hitze bietet sich hingegen der zweite An-
satz der Trockenheitsvorsorge an.
15Seite 15 von 65
+O
+O
-CO
-CO
-°C
Schwammstadt Bonn
Ziele der Schwammstadt
Stadtgestaltung
Wasser im Stadtraum bildet
ein Element urbaner Quali-
tät, das neben seiner Funktion
als Trink- und Nutzwasser den
Stadtraum gliedern, strukturie-
ren und beleben kann. Die Schaf-
fung erleb- und wahrnehmbarer
Schwammstadtelemente kann
die Aufenthaltsqualität und das
Stadtbild von Bonn auch gestal-
terisch noch weiter aufwerten.
Öffentliche Wasser- und Grün-
flächen erfüllen vielfältige Auf-
gaben, so auch für die Erholung
und Gesundheit des Menschen.
Für die Akzeptanz in der Bonner
Bevölkerung und die Erlebbarkeit
ist es wichtig, dass neben funk-
tionalen Ansprüchen immer auch
auf die Ästhetik und die gelun-
gene Einbettung der Schwamm-
stadtbausteine in die Umgebung
geachtet wird. Zusätzlich kann
die Kombination mit bespielbaren
Elementen (Regenwasserspiel-
plätze, Brunnenanlagen, Fontä-
nenfelder etc.) die Attraktivität
des Stadtraumes erhöhen.
Klimaschutz
Bäume, Grünflächen, Feucht-
gebiete und Böden können zum
Teil Kohlenstoffdioxid (CO2) so-
wie verschiedene Luftschadstof-
fe aufnehmen und damit einen
wichtigen Beitrag zum Klima-
schutz und zur Luftreinhaltung in
Bonn leisten. Je mehr dieser Ele-
mente es im Stadtraum gibt, desto
mehr CO2 und Feinstäube können
folglich gebunden werden. Das
Vermögen der Grünelemente,
Schadstoffe aus der Luft zu filtern,
hängt jedoch stark von der jeweili-
gen Art des Grüns ab.
Durch verschiedene Maßnahmen
der Schwammstadt kann darüber
hinaus Energie eingespart wer-
den. Zum einen wirkt sich z.B. eine
Gebäudebegrünung positiv auf
das Innenraumklima aus und min-
dert den Kühl- und Heizenergie-
bedarf, zum anderen kann durch
die Bereitstellung von Regenwas-
ser aus Zisternen Energie, die für
die Aufbereitung und den Trans-
port von Trinkwasser anfällt, ein-
gespart werden.
Trinkwassereinsparung
Durch die Verwendung des Re-
genwassers als Brauchwasser
können auch Wasserressourcen
geschont werden. So können
durch die Wiederverwendung des
gesammelten Wassers zur Bewäs-
serung oder zur Brauchwasser-
nutzung (z.B. für Reinigungszwe-
cke, Waschmaschinen oder für die
Toilettenspülung) Trinkwasserres-
sourcen eingespart sowie Kanäle
und Kläranlagen entlastet werden.
Da bei der Brauchwassernutzung
in Gebäuden in den meisten Fäl-
len auf eine Wasserversorgung
mit Trinkwasser nicht verzichtet
werden kann, müssen die Lei-
tungsinstallationen jedoch häufig
doppelt geführt werden, was mit
einem höheren Erstellungsauf-
wand verbunden ist. Darüber hin-
aus muss ein Speicher geschaffen
werden, um einen kurzzeitigen
Spitzenbedarf abzudecken. Es
ist daher jeweils im Einzelfall zu
prüfen, ob die haustechnische
Nutzung von Regenwasser ökolo-
gisch und ökonomisch sinnvoll ist.
16Seite 16 von 65
Schwammstadt Bonn
Ziele der Schwammstadt
2.4 Operationalisierung der Ziele (Ausblick)
In der zweiten Projektphase (Juli - Dezember 2023) soll - in enger Abstimmung mit der Arbeits- und
Steuerungsgruppe - erörtert werden, ob und inwieweit die zuvor beschriebenen Ziele für Bonn operatio-
nalisiert werden sollen bzw. können.
Operationale Ziele sind solche, bei denen der Zielerreichungsgrad exakt i.d.R. über geeignete Kennzah-
len gemessen werden kann (z. B. quantitative Angaben hinsichtlich Abkopplungsmengen, Speichervo-
lumina oder Verdunstungsanteilen). In diesem Zusammenhang sollen, auch im Hinblick auf den zu er-
stellenden Maßnahmenkatalog, insbesondere die folgenden Fragen diskutiert werden:
– Welche Qualitätsstandards und Zielgrößen beabsichtigt sich die Stadt Bonn selbst für öffentliche
Bauvorhaben zu setzen?
– Durch welche Instrumente können bzw. sollen diese Ziele Verbindlichkeit für Vorhabenträger*in-
nen in Bonn erlangen (z.B. Baulandmodell, Bauleitplanung, Grundsatzbeschluss, Ortsrecht etc.)?
– Welche Anreizsysteme (z.B. Förderprogramme) sind erforderlich, um private Hausbesitzer*innen
in Bonn zur Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen auf Privatgrundstücken zu animieren?
17Seite 17 von 65
3. Rahmenbedingungen
für die Schwamm-
stadt
06
Rahmenbedingungen
für die SchwammstadtSeite 18 von 65
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
3.1 Grundlagenermittlung
Im Rahmen der Aktivitäten der Stadt Bonn zur Klima-
anpassung wurden und werden bereits zahlreiche
Untersuchungen, Konzepte und Förderprogramme
seitens der Stadtverwaltung entwickelt, die das über-
geordnete Ziel der Hitze- und Trockenheitsvorsorge
in Bonn im Kontext eines weiteren Wachstums der
Stadt unterstützen. Hierzu zählen:
– Integriertes Klimaschutzkonzept mit Baustein
zur Klimaanpassung (2013)
– ZURES mit Stadtklimaanalyse (2016-2019)
– Regionale Klimawandelvorsorgestrategie
– KlimNet
– MUTABOR (2021-2023)
– Förderprogramm Begrünung
– Bonner „Freiraumplan“ (2022-2023)
– Stadtbaumkonzept (2021-2023)
– Kleingartenentwicklungskonzept (ab 2023)
Mit dem nachhaltigen Anpassungskonzept sowie
dem Hitzeaktionsplan sind zeitnah weitere Instru-
mente für die systematische Erfassung und strategi-
sche Weiterentwicklung der Hitzeanpassung vorge-
sehen. Diese beiden Konzeptionen sollen die kurz-,
mittel- und langfristig umzusetzenden Maßnahmen
beschreiben und werden damit das Arbeitspro-
gramm zur Klimaanpassung in Bonn für die kommen-
den Jahre definieren.
Das vorliegende Schwammstadtkonzept baut auf
viele der oben genannten Untersuchungen auf und
stellt an den entsprechenden Schnittstellen zu an-
deren Konzepten (mit Bezug zu einer hitze- und
trockenheitssensiblen Stadt- und Freiraumplanung)
eine Verknüpfung her. Darüber hinaus nimmt es Be-
zug zu den vorliegenden Beschlüssen des Bonner
Stadtrates zu Aspekten einer wassersensiblen Stadt-
entwicklung.
Die Grundlagenermittlung wurde durch gezielte In-
terviews bzw. Gespräche mit ausgewählten Schlüs-
selakteur*innen der Bonner Stadtverwaltung unter-
stützt. Darüber hinaus wurden gemeinsam mit der
Auftraggeberin im Rahmen einer Fahrradexkursion
im Juni 2023 verschiedene Standorte im Stadtge-
biet besichtigt. Dabei wurden insbesondere Orte ge-
wählt, die einerseits eine erhöhte Handlungspriorität
verzeichnen (z.B. Hitze-Hotspots der Stadtklima-
analyse) oder die andererseits Potenzialräume bzw.
Gelegenheitsfenster für Maßnahmen im Sinne der
Schwammstadt darstellen. Auch bereits umgesetz-
te Projekte einer wassersensitiven Stadtentwicklung
wurden besichtigt.
In Ergänzung zur Dokumentenanalyse und zu den
Gesprächen wurde zu Projektbeginn eine zielgerich-
tete Bestandsaufnahme und -analyse vorhandener
Geodaten (der Stadt Bonn und des Landes NRW)
mit Relevanz für die Schwammstadt durchgeführt.
Ziel war es, die stadträumliche Ausgangslage für die
„Schwammstadt Bonn“ als Grundlage für die Strate-
gie (Kapitel 4) kartografisch darzustellen und zu be-
werten. Dabei galt es vor allem diejenigen stadt- und
freiräumlichen Strukturen hervorzuheben, die im
Kontext der Schwammstadt eine besondere Beach-
tung verlangen (Fokusräume).
Bei der kartografische Darstellung der stadträumli-
chen Gegebenheiten wurden die folgenden Frage-
stellungen untersucht:
– Wie lässt sich die Ausgangslage für die Umset-
zung von Schwammstadt Maßnahmen in Bonn
bewerten?
– Wie hoch ist die Siedlungsdichte und wie ist sie
über das Bonner Stadtgebiet verteilt?
– Wie stark ist der Wachstums- und Siedlungs-
druck in Bonn?
– Wie hoch ist der Grünanteil im Bonner Stadt-
raum und wie gut sind die öffentlichen Grünflä-
chen erreichbar?
– Wie sind die Bodeneigenschaften in Bonn zu
bewerten (Versickerungseignung, nutzbare
Feldkapazität, Altlasten)?
– Wo liegen besonders vom Klimawandel betrof-
fene Bereiche (Hitze, Dürre, Starkregen etc.) in
Bonn?
Auf Basis der Grundlagenermittlung wurden im
nächsten Schritt mittels einer vereinfachten SWOT-
Analyse die Stärken, Schwächen, Chancen und Ri-
siken identifiziert, die für eine Weiterentwicklung
Bonns zur Schwammstadt relevant sind (siehe Kapi-
tel 3.2).
19Seite 19 von 65
21
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Legende
Siedlungsstruktur und Versiegelungsgrad
Sowohl die Notwendigkeit als auch die Möglichkei-
ten für die Umsetzung von Schwammstadtmaßnah-
men hängen eng mit der Siedlungsdichte und mit
dem Versiegelungsgrad einer Stadt zusammen. Die
Bundesstadt Bonn liegt in einer der am dichtesten
besiedelten Regionen Europas. Die Siedlungsfläche
wird durch den Rhein zerschnitten und teilt sich in die
Stadtbezirke Bonn, Hardtberg und Bad Godesberg
auf der linksrheinischen Seite sowie Beuel rechts-
rheinisch. Neben dem dichten Innenstadtbereich
verfügen auch die anderen Stadtteile über dichte,
stark versiegelte Ortsteilzentren. Hinzu kommen
größere Industrie- und Gewerbeareale insbesonde-
re im Bonner Westen, in Beuel, in Bad Godesberg
und in Mehlem. Diese sind durch einen sehr hohen
Versiegelungsgrad gekennzeichnet. Ein besonde-
res Gebiet stellt zudem das Bonner Bundesviertel
mit seiner ausgedehnten Bürobebauung entlang
der Bundesstraße 9 dar. Abseits der Zentren und der
Arbeitsstandorte überwiegen in Bonn jedoch locker
bebaute Quartiere mit Geschosswohnungsbauten
der Nachkriegsjahrzehnte sowie ausgedehnte Ein-
und Zweifamilienhausgebiete, die durch einen deut-
lich geringeren Versiegelungsgrad geprägt sind.
Eigene Kartendarstellung nach Klimaatlas NRW
Stand: März 2023Seite 20 von 65
23
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Legende
Grünflächen
Die Stadt Bonn wird wesentlich geprägt von den
regional und überregional bedeutsamen Land-
schaftsräumen des Kottenforsts, der Siegmündung,
des Ennert und Siebengebirges sowie des Rheins.
Ergänzt werden diese großräumigen Grünstruktu-
ren durch qualitätvolle Parkanlagen innerhalb des
Siedlungskörpers wie z.B. den Rheinauenpark, den
Botanischen Garten und den Hofgarten. Über 50 %
des Stadtgebiets sind von Grünflächen geprägt, eine
wesentliche Stärke hinsichtlich der Kaltluftproduk-
tion. Zudem sind die Grünflächen recht ausgewogen
über das Stadtgebiet verteilt, für 97 % der Stadtbe-
völkerung sind kühle Erholungsflächen fußläufig er-
reichbar [3]. Somit bietet die Grünstruktur der Stadt
Bonn grundsätzlich eine gute Ausgangslage für die
Belange der Schwammstadt. Diese gilt es zu sichern,
zu verbessern und gezielt zu erweitern.
Eigene Kartendarstellung nach Daten der Stadt Bonn
Stand: März 2023Seite 21 von 65
25
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Legende
Hitzebelastung
Die Karte zeigt die aktuelle bioklimatische Situation
innerhalb des Siedlungskörpers am Tag. 36 % der
Siedlungsfläche weisen bereits aktuell eine mittlere
bis sehr ungünstige thermische Situation auf, dies
wird sich mit fortschreitendem Klimawandel noch
zusätzlich verschärfen. Ausgeprägte Hitzeinseln be-
finden sich insbesondere in den stark versiegelten
Gewerbegebieten sowie in den dicht bebauten In-
nenstadtbereichen sowie in den Ortsteilzentren Bad
Godesberg, Beuel und Hardtberg. Der hohe Anteil
stadtklimatischer Defiziträume unterstreicht die drin-
gende Notwendigkeit, zielgerichtete Maßnahmen
zur Hitzeminderung im Siedlungsraum umzusetzen.
Eigene Kartendarstellung nach Daten der Stadt Bonn
Stand: März 2023Seite 22 von 65
27
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Legende
Dürreempfindlichkeit
Die dargestellte Bewertung der Dürreempfindlich-
keit für forstliche und landwirtschaftliche Standorte
wurde von den Bodenexpert*innen des Geologi-
schen Dienstes NRW vorgenommen und basiert
auf einer Auswertung der bodenkundlichen Daten
in Verbindung mit Klimadaten des Klimaatlas NRW.
Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass sich die Analysen
des Landes nur auf die Außengebiete der Stadt be-
ziehen. Besonders empfindlich gegenüber längeren
Trockenperioden sind einzelne Flächen innerhalb
oder am Rande des Siedlungskörpers sowie Forstflä-
chen in Hardtberg und einige Ackerflächen in Geislar.
Zur Dürrebelastung bzw. -empfindlichkeit des städ-
tischen Grüns liegen derzeit keine Untersuchungen
vor. Aufgrund der Erfahrungen aus der Stadtgrün-
pflege sowie angesichts der Standortbedingungen
in der Stadt (Versiegelung, Bodenverdichtung), lässt
sich jedoch vermuten, dass die Trockenstressgefähr-
dung des Stadtgrüns innerhalb des Bonner Stadrau-
mes vielerorts als kritisch einzuschätzen ist. Dies gilt
insbesondere für die dicht bebauten Quartiere bzw.
Straßen der Stadt und wird sich im Zuge des Klim-
wandels weiter verschärfen.
Eigene Kartendarstellung nach Klimaatlas NRW
Stand: März 2023Seite 23 von 65
29
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Legende
Evapotranspiration
Unter dem Begriff Evapotranspiration werden die
Verdunstung von Wasser- und Bodenoberflächen
sowie die Transpiration über die Spaltöffnungen (Sto-
mata) von Pflanzen zusammengefasst. Diese Was-
serhaushaltsgröße ist also von großer Relevanz zur
Beurteilung der Kühlleistung. Im Bonner Stadtge-
biet zeichnen sich die Zentrumsbereiche Innenstadt,
Bad Godesberg, Beuel und Hardberg auf Grund
ihrer Dichte und des hohen Versiegelungsgrad als
Flächen mit besonders geringer Evapotranspiration
ab. Ebenso sind die Gewerbegebiete in Beuel und in
der Bonner Nordstadt betroffen. Im Gegensatz dazu
stellt das enorme Grünvolumen des Kottenforsts
eine große zusammenhängende Fläche mit hoher
Evapotranspirationsleistung dar.
Eigene Kartendarstellung nach Klimaatlas NRW
Stand: März 2023Seite 24 von 65
31
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Legende
Nutzbare Feldkapazität
Die nutzbare Feldkapazität beschreibt die Wasser-
menge, die der Boden pflanzenverfügbar speichern
kann. Je nach Körnung des Bodens unterscheidet
sich die Wassermenge, die in den Poren gegen die
Schwerkraft zurückgehalten werden kann. Grund-
sätzlich verfügt Bonn in weiten Teilen des Stadtge-
biets über mittlere bis sehr hohe Feldkapazitäten
– mit Blick auf die Schwammstadt gute Vorausset-
zungen. Insbesondere im Stadtbezirk Hardberg, in
einigen Bereichen der westlichen Ortsteile des Be-
zirks Bonn sowie in Teilen Bad Godesbergs besteht
eine sehr hohe Wasserspeicherkapazität des Bo-
dens. Im Gegensatz dazu sind sowohl im Nordosten,
als auch im Nordwesten Bonns kleinere Siedlungs-
bereich von einer geringen Feldkapazität geprägt.
Hier versickert anfallendes Regenwasser schnell ins
Grundwasser, sodass die Versorgung des Stadtgrüns
mit Wasser (beispielsweise bei Jungbäumen) einer
besondern Aufmerksamkeit bedarf. Inwieweit diese
aufgezeigten Eigenschaften für die Schwammstadt
zur Verfügung stehen oder aber Hemmnisse durch
anthropogene Einflüsse wie Bodenverdichtung oder
eingebrachte Schadstoffe bzw. Altlasten bestehen,
muss allerdings für einzelne Planungsvorhaben indi-
viduell überprüft und bewertet werden.
Eigene Kartendarstellung nach GEOportal.NRW
Stand: März 2023Seite 25 von 65
33
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Legende
Versickerungseignung
Der überwiegende Teil des Bonner Stadtgebiets ist
für die Versickerung von Niederschlagswasser un-
geeignet oder sogar im Bereich des Kottenforsts und
in Teilen Beuels staunass, sodass für die Versickerung
aufwändigere Bewirtschaftungsmaßnahmen mit ge-
drosselter Ableitung notwendig sind. Die bindigen
Böden, die mit Blick auf die Speicherkapazität (nutz-
bare Feldkapazität, siehe oben) von Vorteil sind, ste-
hen also einer guten Wasserdurchlässigkeit und da-
mit schnellen Versickerung entgegen.
Da das Regenwasser so verstärkt in den oberen Bo-
denschicht gehalten wird und der Vegetation zur
Verfügung steht, ist diese Ausgangslage aus Sicht
der Schwammstadt zunächst als günstig zu bewer-
ten. Dort wo eine Versickerung dennoch gewünscht
ist, beispielsweise als Überlauf von Zisternen oder
anderen Speicherelementen, müssen technische
Maßnahmen, wie Mulden-Rigolen-Systeme zum
Einsatz kommen. Für eine detaillierte Planung bei
konkreten Vorhaben sind allerdings stets zusätzliche
und kleinmaßstäblichere Untersuchungen der Bo-
deneigenschaften notwendig und die Einhaltung der
Bodenschutzansprüche zu berücksichtigen.
Eigene Kartendarstellung nach GEOportal.NRW
Stand: März 2023Seite 26 von 65
35
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Legende
Überflutungsgefahren bei Starkregen
Die Starkregengefahrenkarte stellt dar, wo im Stadt-
gebiet Gefahren durch Sturzfluten und Starkregen
entstehen können. Die Karte zeigt gefährdete Be-
reiche bei einem Starkregenereignis, dass sich bei
extremem Starkregen ereignet. Besonders betroffen
sind die tiefer liegenden Altrheinarme entlang der
Servatiusstraße/ Bernkasteler Straße und weiter in
Bad Godesberg entlang der Deutschherrenstraße,
sowie in Beuel entlang der Königwinterer Straße und
einige Bereiche in Vilich-Müldorf. In den durch Stark-
regen besonder gefährdeten Bereichen sollte bei der
Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen immer
auch eine Kombination mit zusätzlichen Rückhalte-
volumina geprüft werden, sodass die Synregiepoten-
ziale zur Starkregenvorsorge so weit wie möglich aus-
geschöpft werden können.
Eigene Kartendarstellung nach Daten der Stadt Bonn
Stand: März 2023Seite 27 von 65
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
3.2 Zusammenfassende Bewertung (SWOT)
Auf Basis der Grundlagenermittlung wurden mit-
tels einer SWOT-Analyse die Stärken (Strength) und
Schwächen (Weaknesses) sowie die Chancen (Oppor-
tunities) und Risiken (Threats) für eine Schwammstadt
Bonn untersucht.
Als Stärken wurden die bereits im Bonner Stadtge-
biet vorhandenen und wirksamen Potenziale oder
Qualitäten einer wassersensitiven Entwicklung, als
Schwächen die noch bestehenden Mängel oder Defi-
zite identifiziert. Zur Beurteilung der Stärken war dabei
nicht nur von Bedeutung, wodurch die Stadt Bonn in
der Vergangenheit profitiert hat, sondern auch, ob zu-
künftig auf den vorhandenen Stärken aufgebaut wer-
den kann und welche Synergien genutzt werden kön-
nen. Im Rahmen der Bewertung der Schwächen stand
im Vordergrund, wie diese behoben und minimiert
werden können.
Während die Stärken und Schwächen den Ist-Zustand
und eher stadtbezogene Aspekte beschreiben, zeigen
die Chancen und Risiken räumlich übergreifende so-
wie langfristig zu erwartende Rahmenbedingungen für
die Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen auf.
Ziel muss es sein, den Nutzen aus Stärken und Chan-
cen zu maximieren und die Verluste aus Schwächen
und Risiken zu minimieren.
Stärken
Die Analysen haben verdeutlicht, dass die Stadt Bonn
mit Blick auf die Schwammstadt einige Stärken auf-
weist, auf die im Zuge der Konzeptumsetzung aufge-
baut werden kann. Zwar ist die Freiraumverfügbarkeit
je Einwohner*in auf Grund der Lage in der dicht be-
siedelten Region Köln/Bonn vergleichsweise gering,
jedoch weist die Stadt Bonn laut IFS Monitoring 2017
eine größtenteils sehr gute Erreichbarkeit der Erho-
lungsflächen auf [4]. Das vorhandene Stadtgrün über-
nimmt an vielen Stellen in Bonn bereits heute eine
wichtige Rolle zur Kühlung des urbanen Raumes und
als Aufenthaltsort für die Bonner Bevölkerung an hei-
ßen Tagen. Diese Funktion gilt es im Kontext des Kli-
mawandels durch einen weiteren Ausbau der blauen
und grünen Infrastrukturen sowie durch eine fachge-
rechte Pflege des Grünbestandes in Bonn zu erhalten
und zu stärken.
Als weitere Stärke der Stadt mit Blick auf die Umsetzung
der Schwammstadt ist die umfangreiche Wissensbasis
(mit Bezug zum Klimawandel) zu nennen, die in den
vergangenen Jahren innerhalb der Stadtverwaltung
durch zahlreiche Projekte aufgebaut wurde (z.B. ZU-
RES, MUTABOR). Hinzu kommen zahlreiche Konzepte
mit Bezug zum Bonner Stadtgrün, deren Umsetzung
vielfältige Synergiepotenziale mit der Schwammstadt
Bonn bieten. Besonders hervorzuheben sind hier bei-
spielsweise der Bonner Freiraumplan, der Grünrah-
menplan Bundesviertel und das Stadtbaumkonzept .
Nicht zuletzt sind auch die Bodeneigenschaften in
Bonn - aus Sicht der Schwammstadtidee - als positiv
zu bewerten. Die Stadt weist zwar relativ ungünstige
Bedingungen für eine Regenwasserversickerung auf,
jedoch zahlt sich - dem gegenüber stehend - die rela-
tiv hohe nutzbare Feldkapazität für den Rückhalt des
pflanzenverfügbaren Regenwassers im Oberboden
aus.
Schwächen
Den oben genannten Stärken aus Sicht der Schwamm-
stadt stehen auch einige Schwächen gegenüber.
Zunächst ist festzustellen, dass die Stadt Bonn als
Großstadt an vielen Stellen durch eine hohe Bebau-
ungsdichte und einen starken Versiegelungsgrad ge-
kennzeichnet ist. Diese Tatsache lässt sich auch an
den im Zuge von ZURES und MUTABOR erarbeiteten
Klimaanalysen und Entwicklungsszenarien ablesen.
Schon heute ist der Anteil klimatischer Defiziträume
im Bonner Stadtgebiet sehr groß. Mit dem Klimawan-
del wird die sommerliche Hitzebelastung in der Stadt
mit sehr großer Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen.
Angesichts des enormen Wachstumsdrucks in der
Region Köln/Bonn und der zunehmenden Raumnut-
zungskonkurrenzen des Stadtgrüns im Zuge der In-
nenentwicklung und Nachverdichtung wird sich dieser
Zustand mit großer Wahrscheinlichkeit noch zusätz-
lich verschärfen.
Als eine weitere Schwäche mit Blick auf die Umset-
zung von Schwammstadtmaßnahmen in Bonn ist der
vergleichsweise hohe Anteil an Altstandorten und Alt-
lastenverdachtsflächen in Bonn zu sehen. Insbesonde-
re auf denjenigen Flächen, wo aufgrund von Altlasten
keine Entsiegelung oder Versickerung möglich ist, sind
die Handlungsmöglichkeiten für die Schwammstadt
beschränkt bzw. häufig mit höheren Kosten verbun-
den.
36Seite 28 von 65
Schwammstadt Bonn
Rahmenbedingungen
Chancen
Mit Blick auf die Zukunft zeigen sich für die Umset-
zung der Schwammstadt Bonn einige Chancen. Zwar
steht das städtische Grün unter einem erheblichen
Siedlungsdruck in der wachsenden Stadt Bonn. An-
dererseits bietet die damit verbundene Transforma-
tionsdynamik, zahlreiche Gelegenheitsfenster für
eine zeitnahe und schrittweise Umsetzung kleiner
Maßnahmenbausteine der Schwammstadt im Zuge
der Realisierung öffentlicher und privater Bauvorha-
ben.
Langfristig werden sich auch im Zuge der Mobilitäts-
wende Chancen für die Integration von Schwamm-
stadtbausteinen im öffentlichen Raum bieten. Aus-
gehend von der erwarteten teilweisen Verlagerung
der Nahmobilität auf den Umweltverbund (ÖPNV,
Sharing, Fuß- und Radverkehr) und einer verstärk-
ten Bündelung des ruhenden Verkehrs werden sich
langfristig mancherorts im Stadtraum Optionen zur
Neuaufteilung von Straßenräumen bieten. Dabei
kann neuer Raum für blau-grüne Infrastrukturen ge-
schaffen werden.
Auch die politischen Rahmenbedingungen kön-
nen als Chance für die Schwammstadt Bonn be-
wertet werden. Angesichts der wachsenden
gesellschaftlichen Sensibilität bezüglich der Not-
wendigkeit der Klimafolgenanpassung genießt das
Thema Schwammstadt eine wachsende Aufmerk-
samkeit und Akzeptanz in der Lokalpolitik sowie in
der Bonner Bevölkerung. Auch auf der Landes- und
Bundesebene werden in der Form von Gesetzen,
Richtlinien und Förderprogrammen sukzessive Rah-
menbedingungen geschaffen, mit denen die Um-
setzung von Schwammstadtmaßnahmen erleichtert
und beschleunigt werden kann.
Risiken
Die Umsetzung der Schwammstadt ist jedoch auch
mit gewissen Risiken verbunden. An erster Stelle sind
hier die Kosten zu nennen. Der Klimawandel sowie
der steigende Nutzungsdruck auf die blau-grünen
Infrastrukturen in Bonn bewirkt bereits heute, dass
eine nachhaltige Bestandssicherung der öffentlichen
Grün- und Wasserflächen mit erhöhten Aufwendun-
gen für die Grünflächenpflege und -instandsetzung
(inkl. Bewässerung) einhergeht. Die Ressourcen
für die Grünpflege in Bonn sind begrenzt. Sofern
davon ausgegangen werden kann, dass sich das
Grünvolumen in der Stadt im Zuge der Umsetzung
der Schwammstadt noch weiter vergrößern wird, sind
die dadurch entstehenden finanziellen Mehrkosten
und personellen Ressourcenbedarfe bislang nicht
abgesichert.
Mit Blick auf die Neuschaffung grün-blauer Infra-
strukturen können (vor allem im Bestand) die Her-
stellungskosten mit einigen Ungewissheiten und Zu-
satzinvestitionen verbunden sein. Insbesondere im
Zusammenhang mit der Altlastensanierung oder der
Regenwasserbehandlung können hier z.T. erhebliche
Mehrkosten entstehen. Im Wohnungsbau besteht
darüber hinaus ein Konflikt zwischen dem Vorsatz
einer kostengünstigen Wohnraumbereitstellung und
der Zielstellung, im Zuge von Bauvorhaben höhere
Ansprüche an das Grünvolumen und an die Grün-
qualität zu stellen.
Nicht zuletzt bestehen bei manchen Akteursgrup-
pen in der Stadt noch Vorbehalte gegenüber dem
Leitbild bzw. gegenüber manchen Bausteinen der
Schwammstadt. So zum Beispiel regen sich teilweise
Widerstände, sobald die Begrünung von Straßenräu-
men zulasten von Stellplätzen durchgeführt werden
soll. Darüber hinaus werden regelmäßig Bedenken
gegenüber einer Gebäudebegrünung (z.B. Dichtheit,
Schäden an Gebäudehülle, Schädlinge), gegenüber
Feuchtbiotopen (z.B. Mücken etc.) oder Speicherri-
golen (z.B. Systemversagen, Baumgesundheit, Ver-
nässung, Überflutungsgefahren) geäußert, denen in
Zukunft verstärkt begegnet werden muss.
Fazit
Zusammenfassend betrachtet kann die Ausgangsla-
ge für die „Schwammstadt Bonn“ angesichts der der
räumlichen Ausgangsbedingungen, der Transforma-
tionsprozesse und der breiten Akzeptanz als relativ
günstig bewertet werden. Die größten Herausfor-
derungen liegen in der Lösung von Raumnutzungs-
konkurrenzen (insb. Wohnraum, ruhender Verkehr)
sowie in der Entwicklung möglichst kosteneffizienter
und konfliktfreier Maßnahmen.
37Seite 29 von 65
4. Strategie für
die Schwamm-
stadt
Strategie
für die Schwammstadt
07Seite 30 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
4.1 Leitbild
Für eine erfolgreiche Umgestaltung Bonns in eine
Schwammstadt (als Teil einer wassersensitiven Stadt-
entwicklung, siehe Abb. 08) ist es von zentraler Re-
levanz, dass die Möglichkeiten zum Einsatz von Re-
genwasser für die Hitze- und Trockenheitsvorsorge
stärker als bisher in sämtlichen flächenrelevanten
Planungsprozessen im urbanen Raum eingebunden
werden. Ausgehend von den in Kapitel 2 beschriebe-
nen Zielen der Schwammstadt und unter Berücksich-
tigung der Ausgangslage (Kapitel 3) wurde in diesem
Zusammenhang eine Leitkarte erarbeitet (Kapitel
4.2). Diese formuliert und verortet Handlungsemp-
fehlungen für die Umsetzung der Schwammstadtziele
im Rahmen der Stadt- und Freiraumplanung und stellt
Bereiche in Bonn dar, in denen eine Umsetzung der im
Folgenden (Kapitel 5) beschriebenen Bausteine zur
Hitze- und Trockenheitsvorsorge besonders erforder-
lich bzw. zielführend ist. Die Auswahl dieser „Fokus-
räume“ ergibt sich zum einen aus der Betroffenheit der
Gebiete (z.B. Versiegelungs- und Bebauungsdichte,
Hitzebelastung, Dürreempfindlichkeit) sowie zum an-
deren aus besonderen Eignungskriterien bzw. Poten-
zialen für eine Maßnahmenumsetzung (z.B. stark fre-
quentierte Orte, unbegrünte Gleistrassen etc.).
In einer weiteren Karte wurden, in enger Abstimmung
mit der Arbeits- und Steuerungsgruppe, diejenigen
anstehenden Planungs- und Bauvorhaben in Bonn
zusammengetragen und dargestellt, die ein realisti-
sches Gelegenheitsfenster bzw. mögliche Anknüp-
fungspunkte für eine schrittweise Umsetzung des
Schwammstadtgedankens bieten (Kapitel 4.3). Das
Kartenwerk umfasst dabei sowohl ausgewählte infor-
melle und formelle Planverfahren (Masterpläne, Be-
bauungspläne) als auch konkrete Projekte der Stadt
Bonn im Bereich der Straßenumgestaltung, der Frei-
flächengestaltung (z.B. Spielplätz, Parkanlagen) und
der Planung öffentlicher Bauvorhaben (z.B. Schulen).
Mit Blick auf die Entwicklung der Kommunikations-
strategie in der zweiten Projektphase wurde ergän-
zend eine dritte Karte entwickelt (siehe Kapitel 4.4).
In dieser sind alle diejenigen Projekte in Bonn dar-
gestellt, bei deren Umsetzung in den letzten Jah-
ren bereits Aspekte bzw. Maßnahmen im Sinne der
Schwammstadt umgesetzt wurden („good practice“).
08
Wassersensitive Stadt
39Seite 31 von 65
41
Schwammstadt Bonn
Strategie
Legende
Ausführliche Planungshinweise auf den nachfolgenden Seiten.
4.2 Leitkarte für die
Schwammstadt
Diese Karte formuliert Handlungsempfehlungen für
die Schwammstadt im Rahmen der Stadt- und Frei-
raumplanung. Sie unterscheidet unterschiedliche
Freiraum- und Siedlungstypen und stellt Bereiche
dar, in denen Schwammstadtmaßnahmen besonders
zielführend sind.Seite 32 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
Öffentliche Grün-
und Freiflächen
Die öffentlichen Grünflächen (Parkan-
lagen, Sport- und Spielflächen) bilden
wichtige Naherholungsorte für die Bon-
ner Stadtbevölkerung. Im Kontext der
Schwammstadt stellen sie während Hit-
zeperioden insbesondere tagsüber durch
die Verschattungs- und Verdunstungs-
leistung der Vegetation kühle Rückzugs-
orte im Bonner Stadtgebiet dar.
Oberstes Ziel für diese Flächen ist es, eine
ausreichende und kontinuierliche Be-
wässerung des Grüns in Trockenperioden
sicherzustellen, um die Vitalität der Pflan-
zen und deren Kühlleistung zu fördern.
Maßnahmen zum Erhalt bzw. zur Erhö-
hung der Verdunstungskühlung in öffent-
lichen Grün- und Freiflächen sind:
– Anpassung der Bodeneigenschaf-
ten und des Porengefüges zur Ver-
besserung der nutzbaren Feldkapa-
zität in den Grünflächen
– Anpassung der Vegetation durch
Einsatz von trockenheitsresistente-
ren Arten und Sorten
– Anlage bzw. Erweiterung offener
Wasser- bzw. Verdunstungsflächen
(z.B. Teiche, Weiher, Feuchtbioto-
pe) in öffentlichen Grünanlagen
– Integration von bewegten Wasser-
elementen (z.B. Brunnen, Fontä-
nenfelder, Wasserspielplätze etc.)
an stark frequentierten Orten
– Dezentrale Bereitstellung groß-
formatiger Speicherelemente (z.B.
Baumtankstellen, Teiche, Zisternen
etc.) mit Entnahmestellen für die
Grünbewässerung
Stehende Gewässer
Die offenen Stehgewässer in Bonn leisten
als Verdunstungsflächen einen wichtigen
Beitrag zur Kühlung der Stadt. Sie sollen
daher erhalten und, soweit möglich, er-
weitert und ergänzt werden. Außerdem
soll die Zugänglichkeit der Gewässer als
Abkühlungsorte für die Bonner Stadtbe-
völkerung weiterhin gewährleistet und bei
Bedarf verbessert werden.
Besonders effektiv für die Verdunstungs-
kühlung sind Wasserflächen, die quer zur
Hauptwindrichtung ausgerichtet sind.
Sinnvolle Maßnahmen zur Sicherstellung
und Erhöhung der Kühlleistung stehender
Gewässer sind:
– Bepflanzung der Uferbereiche mit
verdunstungsstarker Vegetation
und/oder Einsatz von schwimmen-
den Vegetationsinseln
– Vermeidung der Austrocknung
der Gewässer (z.B. durch gezielte
Nachspeisung mit gespeichertem
Regenwasser aus Zisternen oder
Rigolen)
– Schaffung von Entnahmestellen an
dafür geeigneten Gewässern, um
das gespeicherte Wasser zur Be-
wässerung des Stadtgrüns nutzbar
zu machen
Fließgewässer
Auch die Fließgewässer in Bonn erfül-
len im Kontext der Schwammstadt eine
wichtige Funktion als kühlende lineare
Elemente im Stadtraum. Insbesondere für
die derzeit kanalisierten und verrohrten
Bäche, soll geprüft werden, ob eine Of-
fenlegung realisierbar ist. Dadurch kann
die verdunstungskühlende Funktion der
Bäche erhöht werden.
Gleichzeitig können durch eine natur-
nahe Gestaltung der Fließgewässer neue
Lebensräume für Tiere und Pflanzen ent-
stehen sowie attraktive Aufenthaltsräume
für die Bonner Bevölkerung geschaffen
werden.
Freiflächen
09 10 11
42Seite 33 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
Kleingärten
Die Kleingartenanlagen in Bonn bilden
an heißen Tagen wichtige Rückzugs- und
Erholungsorte für die Bonner Stadtbevöl-
kerung. Um eine ausreichende und konti-
nuierliche Bewässerung der Vegetation in
Trockenperioden sicherzustellen, sollte in
diesen Gebieten insbesondere die priva-
te Versiegelung von Flächen vermieden
und die Speicherung und Nutzung von
Regenwasser zu Bewässerungszwecken
(über Regentonnen, Zisternen) gefördert
werden.
Waldgebiete
Die Waldgebiete des Kottenforstes und
des Siebengebirges bilden qualitätvol-
le Naherholungsgebiete für die Bonner
Stadtbevölkerung. Jedoch stehen diese
Forstflächen durch anhaltende Hitze und
Trockenheit als Folge des Klimawandels
zunehmend unter Druck. Aktuelle Mög-
lichkeiten der Bewässerung von Wald-
flächen stellen keine sinnvolle und wirt-
schaftliche Lösung dar. Stattdessen soll
ein schrittweiser Umbau zu standortge-
rechten und klimastabilen Mischwäldern
erfolgen, die eine höhere Wasserspei-
cherkapazität und Resilienz gegenüber
Trockenstress aufweisen als beispielswei-
se artenarme Kiefern- oder Fichtenforste.
In Ergänzung soll innerhalb des Bonner
Siedlungskörpers die Möglichkeit zur An-
lage von „Tiny Forests“ geprüft werden.
Diese gedeihen bereits auf kleineren
Brachflächen ab 200 m2. Mit der ent-
sprechenden Bearbeitung des Bodens
speichern sie Wasser und entfalten somit
ein hohes Kühlpotenzial im Quartier und
bilden zudem stabile Ökosysteme.
Ackerflächen und Grünland
Auf den landwirtschaftlich genutzten
Ackerflächen sowie in den offenen Land-
schaften im Bonner Stadtgebiet hängt die
Vitalität der Pflanzen während Hitzewel-
len und Dürreperioden nicht nur vom Nie-
derschlag, sondern vor allem auch von der
Beschaffenheit und von der Bearbeitung
des Bodens ab.
Bei der herkömmlichen Landwirtschaft
kann durch das tiefe Pflügen und die Ver-
dichtung des Bodens als Folge des Ein-
satzes schwerer Maschinen die Stärke des
humosen Oberbodens reduziert werden,
wodurch auch das Wasserspeichervermö-
gen deutlich abnehmen kann. In diesen
Bereichen besteht die Aufgabe, neben
der dezentralen Speicherung von Regen-
wasser für die Bewässerung und einer
angemessenen, rücksichtsvollen Bewirt-
schaftung der Flächen vor allem darin, die
Resilienz der Kulturpflanzen gegenüber
Klimaeinflüssen zu erhöhen (z.B. durch
die Erhöhung des Humusgehaltes, die
Anpassung von Fruchtfolgen und Sorten-
wahl sowie der Bodenbearbeitung).
12 13 14
43Seite 34 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
Die Bonner Innenstadt sowie insbeson-
dere die Ortsteilzentren in Beuel und Bad
Godesberg sind von einer dichten Be-
bauung sowie von einem hohen Versiege-
lungsgrad mit vergleichsweise wenig Grün
geprägt. Sie bilden dadurch Hitzeinseln in
der Stadt und weisen aufgrund der Versie-
gelung eine geringe Evapotranspiration
und damit kaum Verdunstungskühlung
auf.
Aufgrund ihrer zentralen Versorgungs-
funktion und der hohen Arbeitsplatzdich-
te sind die Bereiche vor allem tagsüber
stark frequentiert. Der erhöhten Hand-
lungserfordernis für eine Hitzevorsorge
im Sinne der Schwammstadt steht eine
hohe Flächenknappheit gegenüber, was
insbesondere multifunktionale Lösungen
erforderlich macht. Hier stehen insbeson-
dere die folgenden Schwammstadt-Maß-
nahmen im Fokus:
– Begrünung von Straßenräumen
(z.B. durch den Rückbau von Stell-
plätzen) mit Bäumen oder straßen-
begleitenden Pflanzbeeten (inkl.
Rigolen)
– Integration von bewegten Wasser-
elementen (z.B. Brunnen, Fontä-
nenfelder etc.) zur Kühlung stark
frequentierter Plätzen
– Schaffung dezentraler (unterirdi-
scher) Rigolen und Zisternen mit
Entnahmestellen für die Bewässe-
rung des Stadtgrüns
– Maßnahmen zur Gebäudebegrü-
nung (bei Neubau möglichst er-
gänzt durch Speicher- und Rück-
haltekörpern auf Dachflächen bzw.
durch Zisternen im Wurzelraum der
Grünfassaden)
Die an die Innenstadt angrenzenden Sied-
lungsbereiche sind vorrangig durch dich-
te Bebauung der Gründerzeit oder der
Nachkriegsjahre geprägt. Sie sind dabei
gekennzeichnet durch eine größtenteils
geschlossene Bebauung entlang der Stra-
ßenräume und durch teilweise stark ver-
siegelten Innenhöfen.
Als gemischt genutzte Gebiete mit Woh-
nen, Gewerbe und Einzelhandel sind
die Gebiete sowohl tagsüber als auch
nachts stark frequentiert. Vorrangig bie-
tet sich hier die Umsetzung der folgenden
Schwammstadt-Maßnahmen an:
– Begrünung von Straßenräumen
(z.B. durch den Rückbau von Stell-
plätzen) mit Bäumen oder straßen-
begleitenden Pflanzbeeten (evtl.
inkl. Rigolen)
– Entsiegelung und Begrünung von
Innenhöfen und Vorgärten
– Maßnahmen zur Gebäudebegrü-
nung (bei Neubauten möglichst
ergänzt durch Speicher- und Rück-
haltekörpern auf Dachflächen bzw.
durch Zisternen im Wurzelraum der
Grünfassaden)
– Schaffung dezentraler (unterirdi-
scher) Rigolen und Zisternen im
Straßenraum oder in Innenhöfen
mit Entnahmestellen für die Bewäs-
serung des Stadtgrüns
Diese Siedlungen sind vorwiegend durch
offene Bebauungsstrukturen wie Zei-
len-, Reihen- und Großwohnsiedlungen
(vorwiegend aus der Nachkriegszeit)
geprägt. Sie zeichnen sich dabei durch
einen hohen Anteil halböffentlicher bzw.
gemeinschaftlicher Grünflächen aus, die
zum Teil untergenutzt sind. Aufgrund der
vorwiegenden Wohnfunktion sind diese
Gebiete insbesondere abends und nachts
bevölkert. Im Kontext der Schwammstadt
sollen hier die folgenden Maßnahmen im
Fokus stehen:
– Begrünung von Straßenräumen
(z.B. durch den Rückbau von Stell-
plätzen oder Fahrspuren) mit Bäu-
men oder straßenbegleitenden
Pflanzbeeten (inkl. Rigolen)
– (Teil-)Entsiegelung und Begrünung
von gemeinschaftlichen Freiflä-
chen (z.B. Garagenhöfe/Stellplatz-
anlagen)
– Abkopplung von (wenig belasteten)
Straßen- und Dachabflüssen vom
öffentlichen Entwässerungssystem
und Sammlung in (unterirdischen)
Rigolen und Zisternen im Straßen-
raum oder in Freiflächen zur Bewäs-
serung in Trockenzeiten
– Maßnahmen zur Gebäudebegrü-
nung (bei Neubau inkl. Prüfung der
Schaffung von Speicher- und Rück-
haltekörpern auf Dachflächen für
die Grünbewässerung oder im Neu-
bau als Brauchwasser im Gebäude)
Siedlungsflächen
15 16 17
Innenstadt und
Ortsteilzentren
Dicht bebaute Wohn-
und Mischgebiete
Locker bebaute Wohn-
siedlungen
44Seite 35 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
Die locker bebauten Ein- und Zweifami-
lienhaussiedlungen in Bonn sind durch
freistehende Einzel- und Doppelhäuser
und duch eine starke Durchgrünung mit
privaten Gartenflächen geprägt. Auf-
grund der vorwiegenden Wohnfunk-
tion sind diese Gebiete insbesondere
abends und nachts bevölkert. Geeignete
Schwammstadt-Maßnahmen sind:
– Abkopplung der Straßenabflüsse
vom öffentlichen Entwässerungs-
system und Sammlung in (unterirdi-
schen) gemeinschaftlichen Rigolen
und Zisternen im Straßenraum oder
in Freiflächen zur Bewässerung des
Stadtgrüns in Trockenzeiten
– Abkopplung von Grundstücks-
bzw. Dachflächenabflüssen und
Sammlung in privaten Zisternen
oder Rigolen (für die Gartenbe-
wässerung oder u.U. im Neubau als
Brauchwasser im Gebäude)
– Begrünung von Flachdächern, Ga-
ragen und Carports
– (Teil-)Entsiegelung und Begrünung
von Vorgärten
Die Stadt Bonn ist, insbesondere durch
die Zeit als Regierungssitz, durch einen
außergewöhnlich hohen Anteil an Büro-
und Verwaltungsgebäuden geprägt. Ins-
besondere das Bundesviertel beherbergt
zahlreiche Wirtschafts-, Kongress-, Kul-
tur- und Regierungseinrichtungen. Neben
den ausgedehnten Bürostandorten prägt
auch die Universität mit ihren fünf Cam-
pus-Arealen das Bonner Stadtgebiet.
Dazu zählen auch das Universitätsklini-
kum auf dem Bonner Venusberg sowie
zahlreiche außeruniversitäre Forschungs-
einrichtungen. Die Bewohner*innenzahl
liegt in vielen dieser Gebiete stark unter
dem städtischen Durchschnitt. Dagegen
ist die Anzahl der Beschäftigten und Be-
sucher*innen, die sich vor allem tagsüber
in diesen Gebieten aufhalten, überdurch-
schnittlich hoch.
Besonders geeignete Schwammstadt-
Maßnahmen in diesen Bereichen sind:
– Schaffung kühler Aufenthaltsbe-
reiche in Gebieten mit einer hohen
Arbeitsplatz- und Besucher*innen-
dichte, z.B. durch die Anlage offe-
ner Wasserflächen, bewegter Was-
serelemente (Brunnen etc.) oder
schattenspendende Bepflanzung
mit hoher Kühlleistung
– Rückbau bzw. (Teil-)Entsiegelung
von Park- und Verkehrsflächen (z.B.
durch Stapelung von Stellplatzflä-
chen in Parkhäusern)
– Maßnahmen zur Gebäudebegrü-
nung (bei Neubau inkl. Prüfung der
Schaffung von Speicher- und Rück-
haltekörpern auf Dachflächen für
die Grünbewässerung oder im Neu-
bau als Brauchwasser im Gebäude)
Diese Siedlungsbereiche sind durch ge-
werbliche und industrielle Nutzungen ge-
prägt und zeichnen sich in der Regel durch
eine offene Bebauung mit großkörnigen
Gebäudestrukturen sowie ausgedehnten
Lager- und Parkflächen mit einem hohen
Versiegelungsgrad und einem geringen
Anteil an Grünflächen aus. Aufgrund der
Versiegelung heizen sich die Gewerbe-
gebiete in Bonn besonders stark auf und
sind als Arbeitsstandorte zudem tagsüber
stark frequentiert. Sinnvolle Schwamm-
stadt-Maßnahmen in diesen Bereichen
sind:
– Rückbau bzw. (Teil-)Entsiegelung
von Park- und Verkehrsflächen (z.B.
durch Stapelung von Stellplatz-
flächen in Parkhäusern oder Quar-
tiersgaragen)
– Gebäudebegrünung: Gewerbehal-
len mit geringer bzw. keiner Dach-
neigung eignen sich besonders für
eine Dachbegrünung, vor allem bei
Neubauten
– Abkopplung (und u.U. Reinigung)
von wenig belasteten Abflüssen zur
Speicherung in Zisternen (Bewäs-
serung, Brauchwassernutzung)
18 19 20
GewerbegebieteBüro-, Verwaltungs- und
Universitätsstandorte
Ein- und Zweifamilien-
hausgebiete
45Seite 36 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
Diese Bereiche sind, gemäß der Stadt-
klimaanalysen für Bonn, heute während
Hitzeperioden tagsüber durch eine un-
günstige oder sehr ungünstige human-
bioklimatische Situation und somit durch
eine hohe thermische Belastung gekenn-
zeichnet (siehe Karte Hitzebelastung auf
den Seiten 24-25). In diesen Bereichen
sind Schwammstadt-Maßnahmen zur
Verbesserung des Mikroklimas durch Ver-
dunstungskühlung bei Hitze besonders
zielführend.
Diese landwirtschaftlichen (braun) und
forstlichen Bereiche (grün) verzeichnen
eine hohe bzw. sehr hohe Empfindlichkeit
gegenüber Dürre, also unterdurchschnitt-
lichen Niederschlägen über eine längere
Zeit. (siehe Karte Dürreempfindlichkeit
auf den Seiten 26-27). In diesen Bereichen
sind Schwammstadt-Maßnahmen zur
Speicherung von Regenwasser zur Ver-
sorgung der Vegetation in Trockenzeiten
besonders notwendig und zielführend.
Diese Gebiete sind gekennzeichnet durch
eine tatsächliche Verdunstung (Evapo-
ration und Transpiration) von weniger als
150 mm pro Jahr (siehe Karte Evapotran-
spiration auf den Seiten 28-29). Dies deu-
tet auf einen Mangel an Vegetation oder
offenen Gewässern hin, sodass auch nur in
geringem Maße Kühlung durch Verduns-
tung stattfinden kann. In diesen Berei-
chen sind Schwammstadt-Maßnahmen
zur Erhöhung der Verdunstungsleistung
(insbesondere eine Entsiegelung und Be-
grünung von Flächen) besonders zielfüh-
rend.
Fokusräume mit erhöhter Handlungspriorität
21 22 23
Besonders hitze-
belastete Standorte
Besonders
dürregefährdete Gebiete
Gebiete mit einer beson-
ders geringen Evapotran-
spirationsleistung
46Seite 37 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
Seit mehreren Jahren vollzieht sich (durch
den Rückgang der Erdbestattungen
gegenüber Feuerbestattungen) ein Kul-
turwandel im Friedhofswesen, der sin-
kende Flächenbedarfe zur Folge hat. Das
Bonner Friedhofskonzept hat bereits Flä-
chen identifiziert, die künftig nicht mehr
durch das Bestattungswesen in Anspruch
genommen werden. Diese sollten als öf-
fentliche Freiflächen mit ihrer stadtklima-
tischen Bedeutung und Erholungsfunk-
tion für die Bewohner*innen erhalten und
qualifiziert werden.
Die Hauptradrouten in Bonn bilden (ins-
besondere im Sommer) wichtige, viel ge-
nutzte und vor allem nachhaltige bzw.
klimaschonende Verkehrswege. Da-
her sollten die Radwege entlang dieser
Routen attraktiv gestaltet und - im Sinne
der Schwammstadt - möglichst von ver-
schattender und/oder transpirierender
Vegetation gesäumt werden, die ein
angenehmes Befahren auch in Hitze-
perioden ermöglicht. Insbesondere die
Haltebereiche bzw. Stellflächen an Kreu-
zungspunkten bieten sich für Schwamm-
stadtmaßnahmen zur lokalen Kühlung an.
Die größeren Sportstätten in Bonn sind viel
genutzte Freiflächen und stellen wichtige
Treffpunkte für die Bonner Stadtbevölke-
rung dar. Im Sinne der Schwammstadt soll-
ten insbesondere die Aufenthaltsbereiche
von verschattender und transpirieren-
der Vegetation gesäumt werden. Zudem
ist, dort wo möglich, auf den Einsatz von
Kunstrasen zu verzichten, da dieser sich
im Vergleich zu natürlichen Rasenflächen
stärker aufheizt und keine Kühlleistung er-
bringen kann. Anfallendes Regenwasser
sollte vom Kanalnetz abgekoppelt und bei
geeigneten Bodeneigenschaften vor Ort
versickert, oder in Zisternen zur späteren
Nutzung gespeichert werden.
Insbesondere im dichtbebauten inner-
städtischen Raum der Stadt kann eine
grüne Gleistrasse die Abschnitte optisch
aufwerten und hat das Potenzial zahlrei-
che positive Effekte auf das Stadtklima,
das Regenwassermanagement, die Bio-
diversität und die Feinstaubbindung zu
erzielen. Für die Stadt Bonn wurde bereits
eine Potenzialanalyse zur Begrünung von
Bahntrassen durchgeführt. Die in der Kar-
te markierten Abschnitte sind gemäß der
Untersuchung aufgrund ihrer Lage und
baulichen Konstruktion grundsätzlich
für eine Gleisbegrünung geeignet. Das
Potenzial einer Erhöhung des Grünvolu-
mens durch eine Gleisbegrünung sollte in
Kooperation der Stadtverwaltung und der
Stadtwerke ausgeschöpft und eine Um-
setzung aktiv vorangetrieben werden.
24 25 26
27
Stark frequentierte
Radrouten
Gleisabschnitte mit
Begrünungspotenzial
Stark frequentierte
Sportstätten
Friedhöfe mit Flächen-
potenzialen
47Seite 38 von 65
49
Schwammstadt Bonn
Strategie
4.3 Gelegenheitsfenster
für die Schwammstadt
In dieser Karte sind ausgewählte anstehende Projekte
und Planungen in Bonn markiert, die ein mögliches und
realistisches Gelegenheitsfenster für die Umsetzung von
Schwammstadtmaßnahmen bieten.
(Zwischenstand August 2023)
Legende
Ausführliche Legende auf den nachfolgenden Seiten.Seite 39 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
Informelle Planungen
1. Rahmenplan Bundesviertel
2. Masterplan Bad Godesberg
3. Integriertes Entwicklungs-
konzept Buschdorf
4. Bönnsche Viertel - Nord-
stadt
5. Bönnsche Viertel - Com-
bahnviertel
Gebäude und Freianlagen
Schulen und Kitas
1. Schulstandort Rölsdorfstr.
2. Adelheidisschule
3. Heinrich-Herz Berufskolleg
4. IGS- Beuel
5. Ludwig-Erhard Berufskolleg
6. Clara-Schumann-
Gymnasium
7. Helmholtz-Gymnasium
8. Kita Ossietzkystraße
9. Kita Margaretenstraße
10. Kita Pappelnweg
11. Kita Von-den-Driesch-
Straße
Projekte und Planungen
28 29 30
Bebauungspläne
1. Rosenfeld
2. Alte Stadtgärtnerei
3. Urban Dott
4. Wilhelm-Flohe-Straße,
Pützchen/ Bechlinghoven
5. Landesbehördenhaus
50Seite 40 von 65
Schwammstadt Bonn
Strategie
Verkehrsflächen
1. Friedrich-Breuer-Straße
2. Karl-Marx-Straße
3. Heinemannstraße
4. Am Fronhof, Theaterplatz
Richtung Am Kurpark
5. Christian-Miesen-Straße,
HKW Süd bis Dottendorfer
Straße
6. Kurfürstenplatz,
Reichsstraße bis
Heidegartenstraße
7. Wesselstraße (Uni trifft City)
8. Klosterweg, Otto-Hahn-
Straße bis Aegidienstraße
9. Oppenhoffstraße
10. Heerstraße,
Vorgebirgsstraße bis
Kölnstraße
11. Nibelungenstraße,
Gunterstraße bis Viktor-
Schnitzler-Straße
12. Weierbornstraße
13. Rheinuferpromenade
Innenstadt
14. Rheinuferpromenade Bad
Godesberg
15. Chlodwigplatz
16. Insterburgerstraße
17. Maarstraße
18. Schieffelingsweg
19. Vorgebirgsstraße
20. Immenburgstraße
21. Honnefer Straße
22. Deutschherrenstraße und
Röntgenstraße
23. Bennauerstraße
Spiel- und Sportflächen
1. Landsberger Straße
2. Haberstraße
3. Auf dem Hügel
4. Morseweg
5. Am Krümpel
6. Rilkestraße
7. Sonnenberg
8. Honnefer Straße
9. Reuterpark
10. Clemens-August-Platz
11. Königsberger Weg
12. Alsstraße/Büchelstraße
13. Christian-Miesen-Straße
14. Sportanlage Drachenpark
Heiderhof
15. Wasserspielplatz Quasi
Parks
1. Rheingärten
2. Endenicher Park
3. Grünzug Annaberger Bach
31 32 33
51Seite 41 von 65
53
Schwammstadt Bonn
Strategie
Legende
4.4 Leuchtturmprojekte
der Schwammstadt
(„good practice“)
In dieser Karte sind Projekte und Planungen in Bonn
markiert, bei deren Umsetzung in den letzten Jahren
bereits Aspekte bzw. Maßnahmen der Schwamm-
stadt berücksichtigt wurden.Seite 42 von 65
5. Bausteine der
Schwammstadt
Bausteine
der Schwammstadt
34Seite 43 von 65
-C°
-C°
-C°
-C°-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
-C°
Gewässer
Gründächer
Feuchtbiotope
Verdunstungsfähige Beläge
Grünfassaden Grüngleise
Wasserdächer
VerdunstungsbeeteBlühwiesen
Bewegtes Wasser
Straßenbäume
-C°
-C°
-C°
Kühlen über Vegetation
Kühlen über Bauwerksgrün
Schwammstadt Bonn
Bausteine der Schwammstadt
Kühlen über Wasser
5.1 Bausteine zur Verdunstungskühlung
Sowohl Gewässer, als auch offenliegende Böden
sowie Pflanzen verdunsten unter dem Einfluss von
Wärmeeeinstrahlung Wasser. Dadurch kühlen sie die
Umgebungsluft und haben so einen Einfluss auf das
städtische Mikroklima. Maßgebliche Einflussgrößen
der Kühlleistung sind dabei die Größe der verduns-
tungsfähigen Oberfläche (diese ist beispielsweise bei
einem Laubbaum mit großem Blattvolumen deutlich
größer als bei einer kurz gemähten Rasenfläche), die
verfügbare Wassermenge sowie die Intensität der
Wärmestrahlung. Während die Versickerung von Re-
genwasser in der Praxis bereits eine etablierte Ziel-
größe der Regenwasserbewirtschaftung geworden
ist, wird die Verdunstung (als zweite wichtige Säule
des naturnahen Wasserkreislaufes) bisher nur wenig
thematisiert und oftmals als Verlustgröße dargestellt.
In den letzten Jahren hat die Relevanz der Verduns-
tung und ihrer Kühlleistung in der Forschung [5] und
in der Praxis jedoch an Bedeutung gewonnen: So zum
Beispiel hat die DWA 2022 das Merkblatt M 102-4
(„Wasserhaushaltsbilanz für die Bewirtschaftung des
Niederschlagswassers“) [6] veröffentlicht. In Ergän-
zung zum Arbeitsblatt DWA-A 100 („Leitlinien der
integralen Siedlungsentwässerung“) [7] fordert die-
ses Merkblatt für neu erschlossene Siedlungsgebiete
eine zielgerichteter Anwendung alternativer Entwäs-
serungsverfahren mit Versickerung und einer Förde-
rung der Verdunstung durch einen hinreichend gro-
ßen Grünflächenanteil.
In den folgenden Steckbriefen werden die verschie-
denen Bausteine zur Verdunstungskühlung näher
erläutert und ihr jeweiliger Beitrag zu den Zielen der
Schwammstadt verglichen. Die Bewertung basiert
dabei auf einer metaanalytischen Literaturrecherche
und einer allgemeinen gutachterlichen Einschätzung.
Grundsätzlich lassen sich die Bausteine danach unter-
scheiden, ob die Verdunstungskühlung unmittelbar
über offene Wasserflächen oder über die Vegetation
im Stadtraum bzw. auf Gebäuden erzeugt wird:
55Seite 44 von 65
-C°
-C°
-C°
GEWÄSSER
Schwammstadt Bonn
Bausteine der Schwammstadt
56 57
GEWÄSSER
Bonn ist eine Stadt am Wasser. Insbesondere der
Rhein und die Sieg prägen mit ihren Uferbereichen
das Bonner Gewässer- und Freiraumsystem. Neben
den beiden Flüssen wird das Stadtgebiet zudem von
zahlreichen Bachläufen durchzogen. Darüber hin-
aus befinden sich im Stadtgebiet zahlreiche offene,
künstlich angelegte Wasserflächen wie Teiche, Wei-
her oder Becken, die ebenfalls einen wichtigen Bei-
trag zur Verdunstungskühlung in der Stadt leisten.
Die Wasserkörper sind in der Regel dauerhaft mit
Wasser gefüllt. Manche stehenden Gewässer, wie
beispielsweise der Dornheckensee im Ennert sind
naturnah gestaltet, andere wie z.B. die Rheinauen-
seen sind eher landschaftsarchitektonisch ausge-
führt. Die kleinen Fließgewässer in Bonn, wie z.B.
der Mehlemer Bach, sind dagegen insbesondere im
urbanen Raum meist naturfern eingefasst und an
zahlreichen Stellen verrohrt.
Welche Standorte sind geeignet?
Die Schaffung bzw. der Ausbau von Wasserflächen
ist mit einem vergleichsweise hohen Flächenbedarf
verbunden. Potenziale im Bonner Stadtgebiet bieten
sich in städtische Parkanlagen oder auf größeren öf-
fentlichen Plätzen. Im kleineren Maßstab ist die An-
lage von Teichen in privaten Gärten denkbar.
Auch bieten sich an manchen Stellen Möglichkeiten
verrohrte Bäche freizulegen und zu renaturieren. Al-
lerdings sind die Potentiale hierfür begrenzt.
Was ist zu beachten?
Die Offenen Wasserflächen und
die Fließgewässer in Bonn wer-
den mit zugeführtem Regenwasser gespeist. Im
Jahresmittel tritt zwar eine ungefähr ausgegliche-
ne Wasserbilanz auf, allerdings kann der monatli-
che Wasserstand auf Grund von Verdunstung und
Trockenperioden stark schwanken. Bei Bedarf kann
zusätzlich mit Regenwasser aus Zisternen oder Stau-
raumkanälen nachgespeist werden. Um ein zu star-
kes Absinken des Wasserpegels oder Austrocknen
zu vermeiden sind die Wasserflächen in der Regel
abgedichtet. Je nach System ist zudem ein Überlauf
in eine Mulde zur Versickerung, in ein Oberflächen-
gewässer oder in den Kanal vorzusehen.
Um ein Kippen des Gewässers zu verhindern, muss
ein ausreichendes Umwälzen sicher gestellt sein.
Dies kann über natürliche Verfahren, durch die Aus-
bildung von Flach- und Tiefenwasserbereichen sowie
natürlichen Bodenfiltern hergestellt werden, aber
auch durch technische Verfahren mittels Pumpen
und Filteranlagen unterstützt werden. Ist das Ge-
wässer für den Menschen zugänglich und beispiels-
weise als Schwimm- oder Badeteich vorgesehen,
sind zusätzliche Maßnahmen gegen die Ertrinkungs-
gefahr und entsprechende Hygienemaßnahmen zu
treffen. Die häufig thematisierte Problematik durch
Mücken (insb. im Umfeld von Wohnnutzungen), wel-
che die Wasserfläche als Ort für die Eiablage nutzen,
reguliert sich in der Regel bei größeren Gewässern
durch die Ansiedlung von natürlichen Fressfeinden
auf natürliche Weise.
35
Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung
Wasserflächen und Fließgewässer bieten in der Regel eine hohe
Aufenthaltsqualität und sind attraktive Orte der Naherholung.
Je nach Ausführung bieten sie für die Stadtbewohner zudem die
Möglichkeit einer direkten Abkühlung.
Ressourcen- und Klimaschutz
Durch die dezentrale Einspeisung, Speicherung und Verdunstung
von Regenwasser in Wasserkörpern können Energieaufwände für
die Ableitung und Reinigung des Wassers reduziert werden.
Abflussminderung
Wenn schwankende Wasserpegel toleriert und entsprechende
Zusatzvolumen für die Retention vorgehalten bzw. neu geschaf-
fen werden, können die Wasserkörper als effektive Rückhalteele-
mente bei Starkregenereignissen eingesetzt werden.
Biodiversität
Wasserkörper sind Lebensräume für Tiere und Pflanzen und leis-
ten so einen Beitrag zur Biodiversität. Die Bonner Bäche bilden
darüber hinaus wichtige lineare Elemente für den Biotopverbund.
gering gering
gering gering
hoch hoch
hoch hoch
Kühlleistung
Die Wasserfläche gibt Wasser über Evaporation (Verdunstung
über vegetationslose Flächen) an die Umgebung ab und entzieht
der Luft dabei Wärme, sodass der Effekt der Verdunstungsküh-
lung entsteht. Grundsätzlich erzeugt ein großer Wasserkörper
eine größere kühlende Wirkung, als viele kleine Wasserkörper mit
insgesamt dem gleichen Volumen. Allerdings kann die Kühlwir-
kung mit mehreren dezentralen Wasserflächen auf ein größeres
Gebiet verteilt werden. Zudem ist die Kühlwirkung von Wasser-
flächen am effektivsten, wenn diese quer zur Hauptwindrichtung
ausgerichtet sind. Es ist allerdings zu beachten, dass der Wasser-
körper die Energie der Sonneneinstrahlung speichert und lang-
samer wieder abkühlt als der natürliche Boden. Somit kann sich
der kühlende Effekt der Wasserfläche in der nächtlichen Situa-
tion umkehren.
gering hoch
Beitrag zur Hitzeminderung
Synergien
WEITERFÜHRENDE LITERATUR
– Hinweise zur Planung und Bauaus-
führung von Teichanlagen finden
sich in den Richtlinien für Planung,
Bau und Instandhaltung von priva-
ten Schwimm- und Badeteichen der
FLL (2017).
– Hinweise zur Auswahl und Aus-
legung der Abdichtung gibt die
DWA-Richtlinie M 512 (2012)
36 37
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FEUCHTBIOTOPE
Schwammstadt Bonn
Bausteine der Schwammstadt
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FEUCHTBIOTOPE
Feuchtbiotope stellen eine gute Möglichkeit dar,
Temperaturen zu senken. Es handelt sich dabei
um wassergesättigte Vegetationsflächen (Teiche,
Feuchtwiesen, Moore). Derartige vegetative Feucht-
gebiete kombinieren eine dauerfeuchte Substrat-
zone mit einer besonders verdunstungsstarken
Bepflanzung. Feuchtbiotope können als bauliche ge-
fasste oder naturnah gestaltete Flächen zum Einsatz
kommen, auch schwimmende Vegetationssysteme
sind möglich.
Welche Standorte sind geeignet?
Baulich gefasste wassergesättigte Vegetationsbeete
sind durch ihren vergleichsweise geringen Raumbe-
darf für den Einsatz im öffentlichen Stadtraum geeig-
net. Naturnah gestaltete Feuchtgrünflächen können
in öffentlichen Grünflächen, wie z.B. im Lengsdorfer
Kreuzbergpark, sowie an den Uferzonen von be-
stehenden oder neu geplanten Teichen, Weihern
oder Kanälen angelegt werden. Dort, wo sich Uferzo-
nen von Wasserflächen nicht bepflanzen lassen oder
eine Bepflanzung aus gestalterischen Gründen nicht
gewünscht ist, lassen sich schwimmende Konstruk-
tionen auf tieferen Gewässerzonen integrieren.
Auch im Hof- und Gartenbereich privater Grund-
stücke stellen kleine Feuchtbiotope oder bepflanzte
Gartenteiche eine Möglichkeit dar, Temperaturen lo-
kal zu senken.
Im Außenbereich der Stadt bietet sich die Mög-
lichkeit, durch den Erhalt und durch eine Renatu-
rierung von Moor- und Feuchtflächen die Was-
serspeicherung und die verdunstungskühlende
Wirkung großräumig zu fördern. Gleichzeitig ist hier
ein umfassendes Wasserma-
nagement erforderlich, um diese
Gebiete vor sommerlichen Tro-
ckenschäden zu bewahren.
Was ist zu beachten?
Für die Bepflanzung von Feuchtgrünflächen kom-
men ausschließlich Pflanzen in Frage, die eine hohe
Bodenfeuchte und Staunässe tolerieren. Hierzu zäh-
len vor allem Röhrichtpflanzen wie Schilfrohr oder
Sumpf-Schwertlilie.
Um eine dauerhafte Sättigung mit Wasser sicherzu-
stellen, müssen die Biotope gedichtet ausgebildet
und bei Bedarf mit Wasser – vorzugsweise Regen-
wasser aus Zisternen – nachgespeist werden. Im Ein-
zelfall kann auch geprüft werden, ob unter Umstän-
den Oberflächenabflüsse benachbarter Flächen
zugeleitet werden können oder ob eine Überleitung
von Wasser aus naheliegenden Oberflächengewäs-
sern möglich ist.
Beim Einsatz an der Uferzone offener Gewässer,
muss die Schwankung des Wasserstandes auf cir-
ca +/- 15 Zentimeter begrenzt werden, um ein Tro-
ckenfallen oder ein Überstauen der Vegetation
über längere Zeiträume zu vermeiden. Für stärker
schwankende Wasserpegel kommen schwimmende
Vegetationsinseln in Frage. Diese kombinieren einen
Auftriebskörper und einen Vegetationsträger, der
von der Bepflanzung durchwachsen wird, sodass ihre
Wurzeln frei im Wasser hängen. So sind die an der
Oberfläche treibenden Vegetationsbestände stets
optimal mit Wasser versorgt und unabhängig von
Schwankungen des Wasserstandes.
-C°
-C°
-C°
39
Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung
Die Bepflanzung von Uferbereichen kann gezielt zur Gestaltung
und Zonierung von Wasserflächen in der Stadt eingesetzt werden.
Dauerfeuchte Vegetationsbeete können als attraktives stadtge-
stalterisches Element für Straßen- und Platzräume dienen.
Ressourcen- und Klimaschutz
Feuchtiotope binden und speichern Kohlenstoff und können, je
nach Größe, als Treibhausgassenken für den Klimaschutz eine
wichtige Rolle spielen.
Abflussminderung
Feuchtgrünflächen sind nur begrenzt in der Lage, einen Beitrag
zum Überflutungsschutz zu leisten, da die eingesetzte Vegetation
nur in geringfügig resistent gegenüber Schwankungen des Was-
serstandes ist. Eine Außnahme bilden schwimmende Systeme .
Biodiversität
Insbesondere in den vegetationsbestandenen Uferzonen von
Gewässern finden zahlreiche Tierarten ihren Lebensraum. Zu-
dem erhöhen die Biotope die natürlichen Selbstreinigungskräfte
und sorgen für eine verbesserte Wasserqualität.
gering gering
gering gering
hoch hoch
hoch hoch
Kühlleistung
Durch die Bepflanzung mit geeigneter Vegetation lässt sich die
Kühlleistung von Wasserflächen erheblich erhöhen, da so die rei-
ne Evaporation (Verdunstung über die Wasseroberfläche) durch
Transpiration (Verdunstung über die Pflanzenoberfläche) er-
gänzt wird. Hinzu kommt, dass hierfür in der Regel Arten feuchter
Standorte eingesetzt werden, die nicht darauf angewiesen sind
mit einer knappen Verfügbarkeit von Wasser umgehen zu müs-
sen. Anders als beispielsweise viele Baumarten schließen diese
Pflanzen ihre Spaltöffnung bei hohen Temperaturen und starker
Sonneneinstrahlung nicht. Sie verdunsten dauerhaft Wasser, also
auch in heißen Mittagsstunden und sogar bei Nacht und kühlen
somit die Umgebungsluft. Hinzu kommt, dass Bepflanzung die
Wasserfläche teilweise verschattet, sodass sich diese weniger
stark aufheizt und es nicht zur nächtlichen Wärmeabstrahlung
kommt. Bei der Pflanzenauswahl und Pflege ist allerdings darauf
zu achten, dass keine Arten überhandnehmen, welche die Was-
seroberfläche zu stark abdecken (z.B. Teichrosen) und so wieder-
um die Evaporation schmälern können.
gering hoch
Beitrag zur Hitzeminderung
Synergien
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Schwammstadt Bonn
Bausteine der Schwammstadt
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WASSER DÄCHERWASSERDÄCHER
Eine Sonderform der verdunstungsfähigen Was-
serflächen stellen Wasserdächer („blue roofs“) dar.
Dabei wird Regenwasser temporär oder permanent
offen auf der Flachdächern größerer Bauwerke (z.B.
Tiefgaragen, Schulen, Verwaltungsgebäude etc.) an-
gestaut. Die Wasserfläche kann die gesamte Dach-
fläche bedecken und durch die Attika des Gebäudes
gefasst sein, oder aber nur auf Teilen der Dachflä-
chen angelegt und beispielsweise als Teich als Ge-
staltungselement von begehbaren Gründächern
eingesetzt werden. .
Welche Standorte sind geeignet?
Da Wasserdächer keinen eigenen zusätzlichen Flä-
chenverbrauch generieren, sondern die bereits be-
stehende versiegelte Fläche des Bauwerks nutzen,
eigenen sie sich insbesondere für Siedlungsbereiche
mit knappen Raumreserven wie die dichten Innen-
stadtbereiche Bonns oder die Ortsteilzentren Bad
Godesberg und Beuel. Im Rahmen von Neubauvor-
haben lassen sich die Wasserbecken dabei beson-
ders gut auf Tiefgaragen oder auf großen Bauwerken
mit Flachdach integrieren. Voraussetzung ist durch
das hohe Gewicht stets eine entsprechende Bausta-
tik.
Was ist zu beachten?
Für die Nutzung von Wasserdächern zum kon-
trolllierten Rückhalt von Regenwasser kommen
ausschließlich Flachdächer ohne nennenswertes
Gefälle in Frage. Im Gegensatz zu reinen Retentions-
dächern, kommt es bei Wasserdächern im Sinne der
Schwammstadt zu einem (in der Höhe variierenden)
dauerhaften Anstau von Was-
ser. Nur so kann das Dach – im
Sinne der Schwammstadt –eine
Kühlfunktion erbringen.
Die Herstellungs- und Unterhaltungskosten für
Wasserrdächer sind relativ gering. Allerdings muss
die Dachabdichtung eines Wasserdaches in beson-
derem Maße leistungsstark gegenüber drückendem
Wasser ausgeführt sein. Hinzu kommen baustati-
sche Belange, die durch das zusätzliche Gewicht der
Wasserfläche entstehen. Eine zehn Zentimeter hohe
Wasserfläche verursacht dabei bereits ein zusätzli-
ches Gewicht von 100kg/m2.
Das Wasserdach muss für den Fall extremer Nieder-
schlagsereignisse mit einem Überlauf in das Kanal-
system oder in eine nahegelegene Versickerungsflä-
che versehen werden. Unter Umständen ist im Zuge
eines Neubaus auch eine Einspeisung des gesam-
melten Wassers in eine Zisterne bzw. in den Grau-
wasserkreislauf (z.B. für die Toilettenspülung) eines
Gebäudes denkbar.
-C°
-C°
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WEITERFÜHRENDE LITERATUR
– Blue Roofs - LID SWM Planning
and Design Guide
– Rooftop Detention (Blue Roof) -
Massachusetts Clean Water Toolkit
by Massachusetts Department of
Environmental Protection (MASS-
DEP)
Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung
Auf begehbaren Dächern können Wasserflächen als gestalteri-
sches Element integriert werden und so die Aufenthaltsqualität
steigern. Sind sie für die Öffentlichkeit zugänglich, dienen sie zu-
gleich als direkte Möglichkeit der Abkühlung an heißen Tagen.
Ressourcen- und Klimaschutz
Durch die Verdunstung von Regenwasser über das Dach können
Energieaufwände für die Ableitung und Reinigung reduziert wer-
den. Durch die kühlende bzw. isolierende Wirkung des Daches
wird der Energiebedarf für die Gebäudekühlung minimiert.
Abflussminderung
Als zusätzliche Speichervolumen in der Stadt haben Wasserdä-
cher ein Potenzial zur Starkregenvorsorge. Optimal ist der Einsatz
intelligenter Systeme, welche die Wettervorhersage berücksich-
tigen und bei anstehendem Regen die Dachfläche leeren.
Biodiversität
Ein Wasserdach in seiner reinen Form entfaltet nur wenige Syn-
ergien mit dem Erhalt bzw. mit dem Ausbau der Biodiversität. In
Kombination mit Vegetationselementen können jedoch attrakti-
ve Lebensräume für Flora und Fauna geschaffen werden.
gering gering
gering gering
hoch hoch
hoch hoch
Kühlleistung Außenraum Kühlleistung Innenraum
Die Kühlfunktion von Wasserdächern bezieht sich vorrangig auf
das Innenraumklima, da sich die Dachfläche weniger stark auf-
heizt. Jedoch kann durch die Evaporation auch ein kühlender
Effekt auf die Umgebungsluft erzielt werden, welcher je nach
Höhe und Anordnung der Dachfläche das städtische Mikroklima
beeinflussen kann. Um eine kontinuierliche Verdunstungsrate
und damit Kühlleistung sicherzustellen, muss das Dach dauerhaft
mit Wasser gefüllt sein, sodass unter Umständen ein Nachspei-
sen – vorzugsweise mit Regenwasser aus Zisternen – notwendig
sein kann. Wie bei den Gewässern (siehe oben) auch, ist die
Kühlleistung am effektivsten, wenn die Wasserfläche quer zur
Hauptwindrichtung ausgerichtet ist. Durch die zumeist geringe
Einstauhöhe bei Wasserdächern ist hier allerdings die nächtliche
Abstrahlung der tagsüber absorbierten Strahlungswärme be-
sonders relevant und muss beim Einsatz von Wassertdächern als
kühlender Baustein im Sinne der Schwammstadt berücksichtigt
und im Einzelfall bewertet werden.
gering hoch
Beitrag zur Hitzeminderung
Synergien
gering hoch
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Schwammstadt Bonn
Bausteine der Schwammstadt
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BEWEGTES WASSERBEWEGTES WASSER
Bewegte Wasserelemente haben insbesondere an
heißen Sommertagen eine hohen Verdunstungsver-
lust. Im Sinne der Schwammstadt ist das ein positiver
Effekt, da dies mit der Abkühlung der Umgebungs-
luft verbunden ist. An vielen Stellen im Bonner Stadt-
gebiet wurden auf vielfältige Weise Elemente mit
bewegtem Wasser in den Stadtraum integriert, die
neben ihrer stadtgestalterischen Funktion einen
wichtigen Beitrag zur Kühlung der Stadt liefern. Hier-
zu zählen zum einen klassische Stadtbrunnen wie
beispielsweise am Neutor, am Chlodwigplatz und im
Rosengarten. Hinzu kommen Wasserspiele und Fon-
tänenfelder wie z.B. am Budafok-Park, an der Bun-
deskunsthalle, am Frankenbad oder am Telekom-Fo-
rum. Insgesamt verfügt die Stadt Bonn über rund 100
bewegte Wasserelemente im gesamten Stadtgebiet.
Bislang werden diese fast ausschließlich mit Trink-
wasserreserven gespeist. Im Zuge der Schwamm-
stadtinitiative wäre es denkbar, vermehrt auch gering
verschmutztes Regenwasser (z.B. von Dachflächen)
zu Kühlzwecken über Brunnen und Wasserspiele
einzusetzen.
Welche Standorte sind geeignet?
Für weitere Elemente mit bewegtem Wassers kom-
men zahlreiche Standorte im Bonner Stadtraum in
Frage. Zerstäuber- oder Fontänenfelder sind vor al-
lem sinnvolle Ergänzungen der Flächennutzung von
Stadtplätzen, da diese so ausgebildet werden kön-
nen, dass sie im ausgeschalteten Zustand befahrbar
sind. Brunnen können in diversen Formen und Grö-
ßen gestaltet werden, sodass sie sich für die Integra-
tion in Innenhöfen, Straßenräumen sowie auf stark
frequentierten Plätzen und
Parks gleichermaßen eignen. Be-
sonders zu berücksichtigen ist der
Einsatz von bewegtem Wasser auch bei der Spiel-
platzplanung.
Was ist zu beachten?
Die hohen Verdunstungsverluste von Wasserspie-
len und Brunnen an heißen Tagen machen ein kon-
tinuierliches Nachspeisen notwendig. Als alternative
zu Trinkwasser sollte hierfür im Optimalfall gespei-
chertes Regen- oder Oberflächenwasser zum Ein-
satz kommen. Die erforderlichen Maßnahmen zur
Aufbereitung und Behandlung des Wassers hängen
von Einsatzweise und -bereich ab und müssen bei
Planungsvorhaben mit dem zuständigen Gesund-
heitsamt geklärt werden. Wenn die zu planende
Anlage keine Nutzung durch Kinder vorsieht, kann
grundsätzlich aufgefangenes Regenwasser verwen-
det werden. Sofern jedoch Kinder Zugang zum Was-
ser haben (z.B. an Wasserspielplätzen) , werden die
Anforderungen an die Wasserqualität bislang noch
so hoch gesetzt, dass nur Trinkwasser eingesetzt
werden darf, welches in einem Kreislauf gehalten
und immer wieder gereinigt und aufbereitet wird. In
Pilotprojekten für Regenwasserspielplätze in Ham-
burg (Neugraben-Fischbek), Solingen (Bismarck-
platz) und Nienhausen (Revierpar

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

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Datenstand: 03.11.2026, 10:29 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de