230210 · Mitteilungsvorlage
Grünrahmenplan Bundesviertel
Kerndaten
- Nummer
- 230210
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 10.03.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg Kenntnisnahme
- Sitzung des Unterausschusses Denkmalschutz Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage öffentlich 230210 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Grünrahmenplan Bundesviertel Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 17.05.2023 Kenntnisnahme Ausschuss für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 17.05.2023 Kenntnisnahme Bezirksvertretung Bonn 23.05.2023 Kenntnisnahme Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 25.05.2023 Kenntnisnahme Bezirksvertretung Bad Godesberg 31.05.2023 Kenntnisnahme Unterausschuss Denkmalschutz 01.06.2023 Kenntnisnahme Rat 13.06.2023 Kenntnisnahme Mitteilung: Am 08.12.2021 wurde das Planungsbüro bgmr Landschaftsarchitekten GmbH aus Berlin durch die Verwaltung mit der Erstellung des Grünrahmenplans Bun- desviertel beauftragt (DS-Nr.: 220366; nichtöffentlich). Die Beauftragung ergab sich aus der politischen Beratung der Rahmenplanung Bundesviertel (DS-Nr.: 210819) mit dem Ergebnis das städtebauliche Konzept des Büros CITYFÖRS- TER architecture + urbanism durch eine Grünrahmenplanung zu ergänzen. Der Grünrahmenplan stellt ein grünordnerisches Planwerk dar, das Potentiale und Handlungsmöglichkeiten der Freiraumentwicklung des Bundesviertels auf- zeigt. Es baut auf die vorliegende städtebauliche Rahmenplanung auf. Der Grünrahmenplan berücksichtigt gemäß Auftrag alle Freiraumthemen wie Kli- maanpassung, Naherholung, soziale Aspekte, Sport- und Bewegung, und aus- drücklich auch den Biotopverbund im gesamtstädtischen Kontext. Er stellt eine wichtige Leitlinie für die zukunftsfähige Weiterentwicklung der Frei- und Grün- räume des Bundesviertels dar. Der Grünrahmenplan enthält sechs Leitlinien, ein räumliches Leitbild, einen Maßnahmenplan im Maßstab 1:4000, ein Umsetzungskonzept und zwei Tool- boxen. Die sechs Leitlinien für die zukünftige Freiraumentwicklung sind: „Urban und Grün – Freiraumgerechtigkeit“, „Hitzevorsorge und Wassersensible Stadtent- wicklung“, „Biologische Vielfalt fördern“, „Mobilität und Bewegungskultur – invite to bike/invite to walk“, „Verflechtungen optimieren/Verbindungen herstellen“ und „Identität stärken“. Das räumliche Leitbild bietet die Möglichkeit räumlich ähnliche Bereiche im Bundesviertel zu identifizieren und Handlungsschwerpunkte auf räumlicherSeite 1 von 71 Seite 2 Ebene zu benennen. Es unterstützt so den Charakter der bestehenden Sied- lungs- und Freiraumstruktur. Es identifiziert mehrere Viertel (z.B. Ministerien- viertel, Viertel „Rücken“) sowie drei Achsen (Grüne, Urbane und Mobilitätsach- se). Das Umsetzungskonzept stellt verschiedene Maßnahmenräume vor und be- nennt Schlüsselprojekte. Es unterteilt in Maßnahmenräume auf städtischen Flächen und Maßnahmen in Abhängigkeit von städtebaulichen Entwicklungen. Maßnahmen auf städtischen Flächen, insbesondere die Verkehrsräume, kön- nen durch die Stadt Bonn initiiert und in der Tendenz schneller umgesetzt wer- den. Maßnahmen in Abhängigkeit von städtebaulichen Entwicklungen bieten wiederum das Potential der Neugestaltung mit Chancen für die Grüne und Blaue Infrastruktur. Als Schlüsselprojekte sind Maßnahmenbündel in überwie- gend (halb-)öffentlichen Räumen benannt, die einen hohen Aufwertungscharak- ter mit einer realistischen Umsetzbarkeit verbinden. Anstelle der ehemals vorgesehenen Lupenräume wurden in Rücksprache mit der verwaltungsinternen Steuerungsgruppe „Toolboxen“ erarbeitet, die als Mus- ter für städtebauliche Planungen im Bundesviertel dienen können. Sie stellen textlich und grafisch dar wie a) Straßenräume blau-grün und b) Baufelder was- sersensibel und klimaangepasst entwickelt werden können. Sie greifen die Be- sonderheiten der räumlichen Struktur des Bundesviertels (z.B. hoher Anteil an Verkehrsräumen, Nebeneinander unterschiedlicher Bautypologien) auf und ermöglichen gleichzeitig eine Übertragung auf eine Vielzahl an Entwicklungs- räumen im Bundesviertel. Die Erstellung des Grünrahmenplans wurde von einer verwaltungsinternen Steuerungsgruppe begleitet. Ende April fanden Ortsbegehungen im Bundes- viertel durch drei Mitarbeitende des Planungsbüros statt. Die Öffentlichkeit konnte – in Abstimmung mit dem Ausschuss Bürgerbeteili- gung – im Rahmen der Stadtteilspaziergänge der Bürgerbeteiligung zum Frei- raumplan beteiligt werden (vgl. DS-Nr.: 210819). Der Freiraumplan wird wie der Grünrahmenplan durch das Büro bgmr Landschaftsarchitekten GmbH entwi- ckelt. An dem Stadtteilspaziergang im Bundesviertel nahmen Arbeitnehmende sowie Bürger:innen teil. Die Ergebnisse des Stadtteilspaziergangs flossen in die Endversion des Grünrahmenplans ein. Die weiteren Schritte orientieren sich am Umsetzungskonzept des Grünrah- menplanes: Zu den sieben dort genannten Schlüsselprojekten gehört bei- spielsweise die Öffnung und klima- und wassersensible Umgestaltung des Friedrich-Ebert-Gymnasiums: Die Fragen einer Umgestaltung inklusive der Entsiegelung und Begrünung sollen vertieft verwaltungsintern abgestimmt, För- dermöglichkeiten sowie Beteiligungsmöglichkeiten geprüft werden. Zu den Schlüsselprojekten gehören auch die Qualifizierung der Grünanlagen in den Wohnvierteln sowie des Grünzuges am Annaberger Bach. Alle Schlüsselprojek- te beziehen sich auf städtische Flächen, die aufgrund der Eigentumsverhältnis- se einen leichteren Zugriff ermöglichen und für welche sich die Abstimmungs- dauer zum Teil reduziert. Die Ergebnisse des Grünrahmenplanes fließen zudem in die Planung und Durchführung der städtebaulichen Entwicklungsprojekte des Bundesviertels einSeite 2 von 71 Seite 3 – insbesondere die zwei Toolboxen „Blau-Grüne Straßenräume“ und „biodiver- se, klimaangepasste und wassersensible Baufeldentwicklung“ bieten eine Viel- zahl an Maßnahmen an, auf die in der städtebaulichen Weiterentwicklung des Bundesviertels zurückgegriffen werden kann. Außerdem werden die Perspektiven des Grünrahmenplanes in die Hitzeanpas- sungsszenarien des Mutabor-Projektes integriert (vgl. DS 230235). Anlage/n 2 Maßnahmenplan (öffentlich) 3 Endbericht (öffentlich)Seite 3 von 71 Seite 4 von 71 Grünrahmenplan Bundesviertel EndberichtSeite 5 von 71 Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten2 IMPRESSUM AUFTRAGGEBERIN Bundesstadt Bonn Amt für Umwelt und Stadtgrün Berliner Platz 2 53111 Bonn Projektbearbeitung Sara Faßbender AUFTRAGNEHMERIN bgmr Landschaftsarchitekten GmbH Prager Platz 6, 10779 Berlin www.bgmr.de Konzepterstellung und Projektbearbeitung Dr. Carlo Becker Antje Bachmann Dominikus Littel Arno Walz Berlin, Januar 2023 Redaktionelle Anmerkungen Alle Bilder, Grafiken und Pläne, deren Urheberschaft und Urheberrecht nicht beim Büro bgmr Landschaftsar- chitekten GmbH oder der Bundesstadt Bonn liegt, sind direkt im Text mit entsprechender Quellenangabe gekennzeichnet. Tietelbild: Schrägluftbild Bundesviertel, Quelle: https://3d.bonn.de/ (c) Bundesstadt Bonn, Amt für Bodenma- nagement und Geoinformation (CC-by-sa 4.0); Land NRW (2017)/Bundesstadt Bonn, Amt für Bodenmanage- ment und Geoinformation, dl-de/by-2-0; GeoBasis-DE/LVermGeoRP2018, dl-de/by-2-0, www.lvermgeo.rlp.deSeite 6 von 71 Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten3 INHALT 1. Einleitung.........................................................................................................................4 1.1 Anlass und Zielsetzung..........................................................................................................4 1.2 Herangehensweise................................................................................................................5 1.3 Dialog....................................................................................................................................6 2. Ausgangslage...................................................................................................................8 2.1 Lage und Raumprägungen...................................................................................................10 2.2 Bestehende Planungen und Konzepte.................................................................................14 2.3 Freiraumverständnis und Flächenanalyse............................................................................20 2.4 Urban Mapping....................................................................................................................26 3. Leitlinien.........................................................................................................................34 Urban und Grün - Freiraumgerechtigkeit...................................................................................34 Hitzevorsorge und wassersensible Stadtentwicklung................................................................35 Biologische Vielfalt fördern........................................................................................................36 Mobilität und Bewegungskultur - Invite to bike/invite to walk.................................................36 Der Blick in die Nachbarschaft - Verbindungen herstellen.........................................................37 Identität stärken.........................................................................................................................37 4. Räumliches Leitbild und Maßnahmen.............................................................................38 Räumliches Leitbild....................................................................................................................38 Grüne Achse – Maßnahmen und Handlungsempfehlungen......................................................42 Feines Netz - Maßnahmen und Handlungsempfehlungen……………………………………………..........45 + Toolbox 1: Blau-Grüne Straßenräume....................................................................................48 Grüne Viertel - Maßnahmen und Handlungsempfehlungen…………………………………………….......53 + Toolbox 2: Klimaangepasste und wassersensible Baufeldentwicklung..................................58 5. Umsetzungskonzept........................................................................................................64 Quellenverzeichnis.....................................................................................................................66 Abbildungsverzeichnis................................................................................................................67Seite 7 von 71 4Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 1. EINLEITUNG 1.1 ANLASS UND ZIELSETZUNG Nach dem Wechsel von der Bundeshauptstadt zur Bundesstadt hat das Bonner Bundesviertel einen erfolgreichen Strukturwandel hinter sich gebracht. Heute ist das Viertel Sitz der Vereinten Nationen und Wirtschaftsstandort (45.000 Beschäftigte, 4.000 Einwohner*innen). Das Stadtentwicklungskonzept „Rahmenplanung Bun- desviertel“ (Druckmaßstab 1:5.000) befasst sich mit der Weiterentwicklung des Bonner Bundesviertels und sieht eine Neubebauung in erheblichem Umfang vor. Da sich dieses Konzept nur sehr bedingt mit un- terschiedlichen Freiraumthemen beschäftigt, wurde seitens der Politik die Erarbeitung eines Freiraumkon- zepts bzw. eines Grünrahmenplans für diesen Raum gefordert. Um diese städtebauliche Rahmenplanung verträglich und zukunftsfähig weiterzuentwickeln, wurde der Grünrahmenplan erarbeitet. Ziele sind konkrete und handlungsorientierte Aussagen zum Freiraum, die die Entwicklungsziele und Perspektiven des Bundesvier- tels aufzeigen. Dabei wurden folgende Themen betrachtet: Mehrfache Innenentwicklung Wenn eine Stadt verdichtet wird, dann bedarf es gleichzeitig einer Strategie, um das Stadtgrün im „Huckepack“ mit zu entwickeln. Jedes städtebauliche Vorhaben wird als ein Motor gesehen, um auf den Grundstücken selbst oder im Umfeld neue Grünqua- litäten zu entwickeln. Die doppelte Innenentwicklung wird hierbei mit den Themen der Nahmobilität ver- knüpft, sodass eine mehrfache Innenentwicklung an- gestrebt wird. Klimaanpassung Zielsetzung einer zukunftsfähigen Stadtquartiersent- wicklung ist die Entkoppelung von negativen Wirkun- gen auf die Umwelt und das Klima. Daher bedarf es einer gleichzeitigen Strategie wie eine wassersensible und hitzeangepasste Stadtentwicklung erfolgen kann. Das Regenwasser wird als eine Ressource verstanden, um die Stadt zu kühlen und Bäume und Vegetations- flächen verbessert mit Wasser zu versorgen. Regen- wasser wird nicht mehr in die Kanalisation abgeführt. Freiraumqualität Die Freiraumqualitäten sollen für die Naherholung und im Wohn- und Arbeitsumfeld verbessert werden, diese beziehen sich sowohl auf die öffentlichen Grün- flächen, wie aber auch auf die halböffentlichen und privaten Flächen. Auch wenn die Zugriffsmöglichkei- ten auf private Flächen begrenzt sind, werden typolo- gische Empfehlungen für deren Entwicklung gegeben. Diese können ggf. aktiviert werden, wenn städtebauli- che Entwicklungen umgesetzt werden sollen. Biologische Vielfalt Nach der EU-Strategie der Biologischen Vielfalt 2030 sollen Städte ehrgeizige Pläne für mehr Grün aufstel- len. Wir verstehen den Rahmenplan Stadtgrün als ei- nen solchen Baustein, um die Biologische Vielfalt und Biotopverbundfunktionen auf den öffentlichen und privaten Flächen zu steigern. Handlungsmöglichkei- ten werden aufgezeigt. Aus Grau mach Grün Die Flächen im Bundesviertel sind begrenzt und weit- gehend verhandelt. Der Straßenraum und die Stell- platzanlagen bieten jedoch noch Flächenpotentiale für ein Mehr an Stadtgrün, Biologische Vielfalt und Klimaanpassung. Potentiale hierfür werden in der Rahmenplanung Grün aufgezeigt. Umweltgerechtigkeit Ein Grünrahmenplan leistet auch einen Beitrag zur so- zialen und Umweltgerechtigkeit. Daher wurden auch Umweltbelastungen und soziale Daten ausgewertet, um entsprechend Schlussfolgerungen für die Entwick- lung ziehen zu können. Der Blick in die Nachbarschaft - Verflechtungen Die Entwicklung des Bundesviertels ist stark verknüpft mit seinen Verflechtungen zu übergeordneten Grün- räumen und angrenzenden Quartieren. Diese Bezü- ge beziehen sich auf das Wegenetz, auf klimatische Wirkräume, Biotopverbundfunktionen und visuelle Qualitäten.Seite 8 von 71 5Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Vision und Umsetzung Der Grünrahmenplan zeigt eine Vision für die grüne Entwicklung des Bundesviertels (Leitbild), gleichzeitig ist der Rahmenplan hinreichend konkret, um Hand- lungsempfehlungen, Maßnahmen und Projekte abzu- leiten. Daher wurde ein räumlich und visuell ansprechendes Gesamtkonzept erarbeitet und mit einem eher pro- grammatischen Handlungskonzept untersetzt. 1.2 HERANGEHENSWEISE Grundlagen und Rahmenbedingungen In der ersten Phase standen diverse fachliche Grundla- gen in digitaler Form und Berichtsform zur Verfügung. Die vorhandenen Unterlagen wurden gesichtet und hinsichtlich der Planungsziele für den Grünrahmen- plan ausgewertet. Die Sichtung und Auswertung der planungsrelevanten Unterlagen erfolgte mit besonde- rer Berücksichtigung der „Rahmenplanung Bundes- viertel“ sowie des Integrierten Freiraumsystems mit Bezug zu den Themenschwerpunkten Hitzevorsorge und wassersensible Stadtentwicklung. Ortsbesichtigung - Urban Mapping Das Plangebiet Grünrahmenplan wurde einschließlich der räumlichen Verflechtungen im April 2022 besich- tigt und in Form eines „Urban Mapping“ dokumen- tiert. Es wurden bestimmte Atmosphären festgehal- ten und Themen wie Freiraumqualitäten, Freiraum- defizite, Wegetypologien, Entsiegelungspotentiale, Nischen, Zäune usw. erkundet und so auch Entwick- lungspotentiale aufgezeigt. Konzeption Das Konzept besteht aus Leitlinien für die Freirau- mentwicklung im Bundesviertel, einem Räumlichen Leitbild mit Maßnahmen und Handlungsempfehlun- gen sowie zwei ergänzenden Toolboxen. Die Leitlinien geben eine thematische Richtung vor, in welche sich die Frei- und Grünräume des Bundes- viertel entwickeln können. Das Augenmerk liegt hier besonders auf der Klimaanpassung und der Stärkung der biologischen Vielfalt im Bundesviertel. Das räumliche Leitbild zeigt die Schwerpunkträume der Freiraumentwicklung. Innerhalb dieser Räume werden konkrete Maßnahmen verortet und Hand- lungsempfehlungen gegeben. Die Maßnahmen ver- einen die Zielsetzungen der Leitlinien und zeigen auf wie diese erreicht werden können. Für das räumliche Leitbild wurde ein Maßnahmenplan im druckbare Maßstab von 1:4.000 erstellt (vgl. Anlage: Maßnah- menplan „Grünrahmenplan Bundesviertel“, M1 : 4.000) Zusätzlichen ergänzen zwei „Toolboxen“ die Maß- nahmenthemen Blau-Grüner Straßenraum und kli- ma- und wassersensible Gestaltung von Baufeldern. Anhand von Beispielsituationen wird gezeigt wie eine Umsetzung der Maßnahmen erfolgen kann. Die Refe- renzbeispiele orientieren sich an den Gegebenheiten im Bundesviertel und können so auf verschiedene, vergleichbare Orte übertragen werden. Sie dienen damit als Vorlage für zukünftige städtebauliche Ent- wicklungen im Bundesviertel.Seite 9 von 71 6Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 1 Der Prozess des Rahmenplans Grün 1.3 DIALOG UND ZEITPLAN Im Rahmen des Bearbeitungsprozesses haben zwei verwaltungsinterne Abstimmungen stattgefunden. In einem ersten Gespräch mit den Fachämtern konnten Erwartungen an den Grünrahmenplan abgefragt und fachspezifische Hinweise und Anregungen zur Grund- lagenermittlung und Analyse eingebracht werden. Beteiligung der Bürgerschaft Im Zusammenhang mit der Erarbeitung des Gesamt- städtischen Freiraumkonzeptes für Bonn wurde ein Stadtteilspaziergang u.a. im Bundesviertel durchge- führt. So konnten die Wünsche und Belange der Bon- ner Bürgerschaft in der Bearbeitung des Rahmenplans Planungen und Daten Kartenmaterial Ortsbesichtigungen SICHTUNG UND AUSWERTUNG FACHLICHER GRUNDLAGEN UND URBAN MAPPING HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN LEITLINIEN UND RÄUMLICHES LEITBILD Konzept Auftakt 20.01.2022 Erwartungen 14.03.2022 Dialog März April Mai JuniJan. Feb. 2022 Grün berücksichtigt werden. Die Teilnehmenden des Stadtteilspaziergangs wurden zufällig aus Anwohnen- den und im Bundesviertel Arbeitenden ausgewählt. Bürger*innenArbeitsgruppe verwaltungsinterne Steuerungsgruppe AKTEURESeite 10 von 71 7Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten MASSNAHMEN TOOLBOXEN Grün- rahmenplan Konzept 15.08.2022 Stadtspaziergang im Rahmen des Freiraumkonzeptes Vorstellung in der Politik Februar/März Juli Aug. Sep. Okt. Nov. Jan. Abb. 2 Stadtteilspaziergang in Bad Godesberg - Bundesviertel im Rahmen des Gesamtstädtischen Freiraumkonzeptes für Bonn (Fotos: Sara Faßbender) Akteure der Politik Dez. 2023Seite 11 von 71 8Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 2. AUSGANGSLAGE 2.1 LAGE UND RAUMPRÄGUNGEN 2.2 BESTEHENDE PLANUNGEN UND KONZEPTE 2.3 FREIRAUMVERSTÄNDNIS UND FLÄCHENANALYSE 2.4 URBAN MAPPINGSeite 12 von 71 9Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 3 Lage des Planungsraum im Stadt- und Landschaftsgefüge BONNER INNENSTADT BundesviertelSeite 13 von 71 10Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten GESAMTSTADT BONN: 333.794 EINWOHNER*INNEN 180.528 BESCHÄFTIGTE 14.100 HEKTAR 100% 25 % DER BESCHÄFTIGTEN BUNDESVIERTEL: 4.000 EINWOHNER*INNEN 45.000 BESCHÄFTIGTE 340 HEKTAR 2,4 % DER STADTFLÄCHE 1,2 % DER BONNER*INNEN 2.1 LAGE UND RAUMPRÄGUNGEN Der Planungsraum umfasst ca. 340 Hektar (2,4% der Gesamtfläche Bonns) und enthält die am Rhein liegenden Ortsteile Gronau und Hochkreuz in der Köln-Bonner-Rheinebene. Im Osten wird das Gebiet vom Rhein und dem Rheinauenpark begrenzt, westlich trennen die Gleisanlagen und die parallel dazu verlaufenden Straßen die Stadtteile Kessenich, Dottendorf und Friesdorf vom Bundesviertel. Im Süden ist das Planungsgebiet durch die Kennedyallee begrenzt und im Norden endet es mit dem Bundes- rechnungshof. Naturräumlich und geologisch ist das Bundesviertel in der Kölner Bucht auf der älteren Niederterrasse des Rheins gelegen, am Nordrand des Godesberger Rheintaltrichters. Bis auf die künstlich angelegte Hügelland- schaft im Rheinauenpark und dem Höhenunterschied vom Rheinauenpark zum Bundesviertel (heute: Ludwig- Erhard-Allee/Petra-Kelly-Allee), gibt es keine größeren Erhebungen im Gebiet. Erste Siedlungen entwickelten sich nördlich und südliche des Planungsraums - im Norden die Stadt Bonn und im Süden Bad Godesberg. Der Verlauf der direkten verkehrlichen Verbindung zwischen den beiden Orten ist bis heute weitestgehend unverändert und wird durch die Friedrich-Ebert-Allee/Godesberger Allee abgebildet. Weitere Siedlungen (Friesdorf, Dottendorf, Kessenich) entstanden an der Hangkante zum Kottenforst, bedingt durch den sehr fruchtbaren Boden der Niederterrasse. Diese sind heute noch ortsprägende Zentren im Bonner Stadtgefüge. Plittersdorf hingegen orientierte sich ursprünglich zum Rhein und wuchs vom Rhein in die Nie- derrheinterrasse hinein. Besonders interessant ist, dass der heutige Rheinauenpark, früher „in der Aue“, stehts weitestgehend frei von jeglicher Siedlungsentwicklung war und ist.Seite 14 von 71 11Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 4 Lageplan Bundesviertel (M 1:4.000 im Original) RHEINAUENPARK VILLA HAMMERSCHMIDT UN-CAMPUS FRIESDORFER PARK GRÜNZUG DOTTENDORF GRÜNZUG BAHNQUARTIERE KESSENICHSeite 15 von 71 12Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 5 Spuren der Deep Time (© www.tim-online.nrw.de) Abb. 6 Querschnitt (© www.tim-online.nrw.de) Das heutige Gebiet des Bundesviertels blieb bis zum Kriegsende weitgehend unbebaut und landwirtschaftlich genutzt. Mit der Bestimmung zur vorläufigen Hauptstadt 1949 wurde es nach und nach zum Standort zahlrei- cher Behörden, Verbände und Botschaften. Die Zeit als Regierungssitz und die Neuausrichtung nach der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin prägen noch heute die Baustruktur und städtebauliche Anordnung im Planungsraum. SIEBENGEBIRGE JÜNGERE HAUPTTERRASSE RHEINISCHES SCHIEFERGEBIRGE GODESBERGER RHEINTALTRICHTER KÖLNER BUCHT Rheinauenpark Rhein BundesviertelSeite 16 von 71 13Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 7 Spuren der Siedlungsgeschichte (1801 - 1828 Kartenaufnahme der Rheinlande (Tranchot/v. Müffling) © www.tim-online.nrw.de) Als Sitz der Vereinten Nationen, als Wirtschafts- und Kongressstandort und Zielort aufgrund der Museumsmei- le hat das Bundesviertel eine regionale Bedeutsamkeit, gleichzeitig besitzt es als Alltagsort der Bonner*innen eine eher untergeordnete Rolle. Mit rund 4.000 Bewohner*innen leben hier lediglich 1,2% der Gesamtbevöl- kerung Bonns. Bei der Bebauung des Bundesviertel handelt es sich um eine jüngere ergänzende Entwicklung entlang der Verbindungstraße zwischen der Innenstadt und Bad Godesberg. Die historischen Siedlungskerne liegen alle außerhalb des Untersuchungsraums. Dies spiegelt sich auch in der vorhandenen Struktur wider. Der Pla- nungsraum ist geprägt durch dominante (verkehrliche) Nord-Süd-Verbindungen, gleichzeitig fehlen für Sied- lungsräume typische Zentren mit Versorgungsangeboten.Seite 17 von 71 14Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten RAHMENPLAN BUNDESVIERTEL Der Rahmenplan liefert das Leitbild für die zukünftige städtebauliche Entwicklung des Bundesviertels. Die durch den Rahmenplan aufgezeigte Verdichtungs- strategie konzentriert sich auf die beiden Hauptver- dichtungsräume „Parkrand“, am Übergang zur Rhei- naue und „Rücken“, dem Bereich östlich der Bahntras- se. Zusätzlich sind punktuelle Entwicklungsräume über das gesamte Gebiet verteilt. Ferner koppelt der Rah- menplan die Entwicklung u.a. an die drei Hauptachsen des Bundesviertels. Als Ziel für die zukünftige Nutzungen ruft der Rahmen- plan die Strategie der Durchmischung aus. Durch die Neuansiedlung von neuen Brachen aus der Kultur-, Kreativ- und Wissensökonomie und die Kombination mit Wohnen, soll ein urbaner Nutzungsmix entstehen. Vor allem das Wohnen rückt im Bundesviertel stärker in den Fokus. Der Rahmenplan formuliert eine zukünftige Entwicklung die zu einer Vervierfachung der Bewoh- nerschaft führt. Die Zahl der Beschäftigten steigt hinge- gen nur um ca. ein Viertel. Für den Freiraum definiert der Rahmenplan zwei we- sentlichen Elemente: die sogenannte „Grünbrücke“1 (Grünverbindung entlang der Autobahn A562) als Bin- deglied zwischen Venusberg und Rheinauenpark und den „Community Space“ als durchgängigen Raum im Entwicklungsgebiet „Rücken“. Letzterer ist als Sequenz von öffentlichen und halböffentlichen miteinander ver- bundner Freiräumen vorgesehen. Ein weiteres Ziel ist die Stärkung von Verbindungen durch das Viertel und die Aufwertung des Wegesy- stems. Dafür ist die Qualifizierung der drei Straßenach- sen sowie der in Ost-West-Richtung verlaufende Quer- achsen vorgesehen. Der Grünrahmenplan bezieht die grünen Hauptele- mente des Rahmenplans mit ein, ergänzt und kon- kretisiert diese, im Sinne der Freiraumgerechtigkeit, Klimaanpassung, Biodiversität und wassersensiblen Stadtentwicklung. 1 Der Begriff Grünbrücke ist, aufgrund seiner De- finition („Wildtierbrücke“) an dieser Stelle irreführend. Im Grünrahmenplan wird dieser Raum als Teil der Grünen Ach- se zwischen Kottenforst und Rhein benannt. Abb. 8 Verdichtungsräume Rahmenplan cityförster Abb. 9 Freiraumelemente Rahmenplan cityförster 2.2 BESTEHENDE PLANUNGEN UND KONZEPTE RÜCKEN GRÜNBRÜCKE COMMUNITY SPACE PARKRANDSeite 18 von 71 15Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 10 Integriertes Freiraumsystem 2012 Abb. 11 Schutzgebiete und gesetzlich geschütze Alleen INTEGRIERTES FREIRAUMSYSTEM (IFS) Das Bundesviertel liegt in den beiden Teilräumen IX und VIII des Integrierten Freiraumsystems 2012. Es weist die Grünzüge „Dottendorf“, „Bahnquartiere Kessenich“, „Rheinaue“ als erhaltenswerte Grünzüge aus. Nördlich knüpft an den Grünzug „Bahnquartier Kessenich“ eine vorhandene Grünverbindung entlang der Gleise zur Innenstadt und eine lineare Umfeldver- besserung Richtung Westen an. Ferner sieht das IFS zwei Querverbindungen zwischen den Grünzügen im Westen und Osten des Bundesviertels, mit dem Ziel der linearen Umfeldverbesserung, vor: Am südlichen Rand des Bundesviertels entlang der Kennedyallee und im Bereich der Heusallee. Außerdem finden sich mit dem Areal um die Villa Hammerschmidt und der Erhaltungsfläche südöstlich der A562 zwei weitere Grünflächen auf dem Gebiet des Bundesviertels. SCHUTZGEBIETE UND BIODIVERSITÄT Das Bundesviertel liegt zwischen den Landschafts- schutzgebieten Rheinufer und Kottenforst. Es gibt neun gesetzlich geschütze Alleen. Die Stadt Bonn rückt den Erhalt der biologischen Ar- tenvielfalt bei den Bürger*innen durch Aufklärung und Motivation - selbst aktiv zu werden - in den Vor- dergrund. Mit dem Wiesenprogramm aus dem Label StadtGrün und der Biodiversitätsstrategie geht Bonn erste Schritte dahingehend die gesamte Stadt beim Thema Biodiversität miteinzubeziehen. Auch durch das Amt für Umwelt und Stadtgrün werden bereits diverse Wiesenflächen extensiv in der Stadt gepflegt. LSG Kottenforst LSG Rheinufer Grünzug „Bahnquartier Kessenich“ Grünzug „Dottendorf“ RheinauenparkSeite 19 von 71 16Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 12 Auszug aus ZURES-Klimaanalysen Abb. 13 Überschwemmungsgrenze der Gebiete ohne technischen Hochwasserschutz und Starkregenereignis (Extrem) ZURES - KLIMAANALYSE Die Stadtklimaanalyse Bonn weist in der Planungshin- weiskarte Tagsituation vor allem für den Bereich ent- lang der Bahntrasse Wirkungsräume mit ungünstiger bis sehr ungünstiger humanbioklimatischer Situation auf. Für die Nachtsituation ist eine Kaltluftleitbahn vom Landschaftsschutzgebiet Kottenforst kommend und im Bereich des Zubringers zur A562 auf das Bundesviertel treffend verortet. Weiterhin bilden der Rheinauenpark und die Freiflä- chen der Villa Hammerschmidt wichtige Kaltluftprodu- zenten, gleichzeitig gehen die Ströme Richtung Rhein und haben nur minimalen Effekt für die Wohnquartiere im Bundesviertel. HOCHWASSER UND STARKREGEN Die Hochwassergefahrenkarten wurden für ein häufi- ges Hochwasser (10-20jährlich), ein mittleres (100jähr- lich) und ein extremes (seltener als 100jährlich) Hoch- wasser erstellt. Die Hochwasser-Risikokarte HQ extrem zeigt überwiegend in direkter Nähe am Rhein, im Be- reich des UN-Campus und im Rheinauenpark Über- schwemmungsbereiche. Starkregen und damit einhergehende Sturzfluten ha- ben in den letzten Jahren im Bonner Stadtgebiet zu teils verheerenden Überflutungen gesorgt. Die Stadt Bonn hat dazu sogenannte Starkregen-Gefahrenkarten erstellen lassen. Diese Karten zeigen einen Handlungsbedarf sowohl im Straßenraum als auch auf privaten Flächen. Große zu- sammenhängende und tieferliegende versiegelte Flä- chen treten besonders betroffen hervor. Bachlauf offen / verrohrter Abschnitt/Seite 20 von 71 17Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 14 Pendlerrouten, ÖPNV-Haltepunkte und Seilbahn-Neuplanung Abb. 15 Karte Lärmbelastung NEUE MOBILITÄTEN Der Rahmenplan setzt unter dem Thema Mobilität auf die Strategie des Umsteigens, der Förderung der Nahmobilität und Langsamverkehre. Hier verortet sind bereits laufende Planungen zur Seil- bahn, sie soll die Stadtteile auf der östlichen Rheinseite und den Venusberg verbinden. Innerhalb des Bundes- viertels sind Haltepunkte in der Rheinaue und an der Bahnhaltestelle UN-Campus vorgesehen. Weiterhin ist eine neue Radwegeverbindung ent- lang der Bahntrasse Richtung Bad Godesberg und am Rheinufer geplant. Neue Mobilitäten sind ein wichtiges Thema hinsichtlich der Verdichtung des Bundesviertels sowie der Integra- tion und dem Anschluss dieses in die angrenzenden Stadtteile. LÄRMBELASTUNG UND BARRIEREN Das Bundesviertel ist dominiert durch den motorisier- ten Verkehr. Durch die großen in Nord-Süd verlaufenden Verkehrstrassen, der parallel verlaufenden Bahntrasse und der querenden A562 entstehen Lärmbelastungen und Barrieren. Insbesondere der im Rahmenplan ge- nannte Entwicklungsraum „Rücken“ ist stark betroffen. geplante SeilbahnSeite 21 von 71 18Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten BONNER FREIRAUMPLAN Mit dem Bonner Freiraumplan (derzeit in Bearbei- tung) wird eine Dachstrategie für die gesamtstädti- sche Freiraumentwicklung aufgestellt. Das Konzept zeigt zu den aktuellen Herausforderungen der Stadt- entwicklung freiraumplanerische Visionen, Ziele und Lösungsansätze zur Weiterentwicklung der Frei- und Grünräume der Stadt Bonn auf. Dabei agiert der Frei- raumplan auf drei Ebenen: • den Grünen Vierteln (Grüne Infrastruktur, aus Grau wird Grün - die Dächer und Fassaden der privaten und öffentlichen Gebäude, Stell- plätze, Platzflächen und Straßenräume, An- eignung & Teilhabe der Bewohner*innen und Nutzer*innen) • den Starken Landschaften (Flusslandschaften, Wald-Berglandschaft, Landwirtschaftlich gepräg- te Offenlandschaft und den Urbanen Parkland- schaften) • den Feinen Netzen (Blaue Netze - gesamtstädti- sches Bachsystem, Grüne Wege - übergeordnetes Rad- und Wegenetz in die Landschaft und Graue Wege, die grüner werden sollen - Verkehrsstra- ßen und Alltagswege)Seite 22 von 71 19Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten ZUSAMMENFASSUNG Die Überlagerung der bereits bestehenden Konzepte, Planungen und Bauvorhaben zeigt, dass besonders im Bereich des „Rückens“ ein städtebaulicher Entwick- lungsschwerpunkt besteht. Nachverdichtung, Nut- zungsmischung, städtebauliche Veränderungen sol- len zukünftig zwischen zwei prägenden Stadtachsen stattfinden, gleichzeitig wird deutlich, dass genau die- ser Raum bereits heute klimatisch und lärmbelastet ist und hier verstärkt Antworten auf Freiraumgerech- tigkeit, Hitzebelastungen gefunden werden müssen. Ein freiräumlicher Entwicklungsschwerpunkt bildet der Agglomerationsraum der Grünzüge „Dottendorf“ und „Bahnquartiere Kessenich“ zusammen mit der Grünverbindung entlang der Autobahn A562. Dieser Raum ist im IFS als bedeutende übergeordnete Grün- achse verzeichnet und wurde auch im Rahmenplan aufgenommen, gleichzeitig ist es ein wichtiger klima- tischer Entlastungsraum und eine wichtige Kaltluft- bahn. Es ergibt sich jedoch auch die Notwendigkeit für weitere grüne Schwerpunkte innerhalb der Quartiere. Die vorangegangenen Konzepte und Planungen für das Bundesviertel bzw. für die gesamte Stadt- entwicklung setzten bereits erste Schwerpunkte für die zukünftige Ausrichtung der Stadt- und Freirau- mentwicklung im Bundesviertel. Sie zeigen die Not- wendigkeit Antworten auf die städtischen Herausfor- derungen Klimaanpassung, Urbanes Wachstum und Freiraumgerechtigkeit, Biologische Vielfalt, Hitzevor- sorge und wassersensible Stadtentwicklung, Mobilität und Bewegungskultur zu finden. Im Grünrahmenplan wurden die Erkenntnisse und Ideen der vorangegangenen Planungen integriert, konkretisiert und erweitert.Seite 23 von 71 20Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 2.3 FREIRAUMVERSTÄNDNIS UND FLÄCHENANALYSE Freiraumverständnis Der Grünrahmenplan Bundesviertel befasst sich ne- ben der Grünen Infrastruktur auch mit der Blauen und Grauen Infrastruktur. Grüne Infrastruktur wird hierbei mehrdimensional betrachtet und beinhaltet somit auch private Fassaden und Dächer. Ziel dieses breiten Freiraumverständnisses ist es Po- tentiale im Sinne der Multicodierung und Mehrfach- nutzung bislang monofunktionaler Flächen zu heben. Somit wird die gesamte mehrdimensionale Oberflä- che des Bundesviertels als Freiraum verstanden. Grüne Infrastruktur Betrachtungsgegenstand sind hier die öffentlichen Plätze, Grünflächen, öffentlich zugängliche private Grün- und Platzflächen, Höfe, Spielplätze, Friedhöfe, Kleingartenanlagen, Sportanlagen, Ufergrünzüge und Straßenbegleitgrün. Die Flächenkulisse des Bundesviertels hat bereits ei- nen überwiegend grünen Charakter, gleichzeitig be- stehen hier noch Potentiale in Bezug auf die Nutzbar- keit, klimatische Anpassungsfähigkeit, Naturnähe und Biodiversität. Aufgrund der städtebaulichen Struktur und Nutzungsmischung mit einem sehr hohen Anteil an Arbeiten, übernehmen die öffentlich zugänglichen privaten Freiflächen eine bedeutende Rolle in der Grünausstattung des Bundesviertels. Innerhalb des Planungsgebietes hat das Bundesviertel eine sehr geringe Ausstattung an öffentlich zugängli- chen Grünanlagen (ca. 2,5% der Gesamtfläche): Der Friesdorfer Park, die Grünverbindung entlang der Autobahn A562 und jeweils eine Grünanlage in den Wohnquartieren Johanniterviertel und Ringviertel. Mit dem Tulpenfeld und einem Teil des UN-Geländes kommen noch zwei private, aber öffentlich zugängli- che Anlagen hinzu. Ein großer Teil des grünen Charakters wird, neben den begrünten privaten Flächen, durch begrünte und baumbestandene Straßenzüge erreicht. Blaue Infrastruktur Das Bundesviertel weist neben der Lage am Rhein und den stehenden Gewässern des Rheinauenparks auch drei in den Rhein mündende, teils verrohrte Bäche auf: den im Kottenforst entspringenden Annaberger Bach; den Venusbergbach, der seine Quelle unterhalb der Universitätskliniken hat und den Engelsbach. Der Annaberger Bach entwässert, wie alle Bäche am Osthang des Kottenforsts und der südlichen Ville, die dort vorhandene Hauptterrasse. Im Siedlungsbereich ist der Bach häufig und z. T. über weite Strecken ver- rohrt. In seinem Verlauf durch den Siedlungsraum nimmt das Gewässer einige Zuflüsse auf: den Gieve- ningsbach, den Winzerbach und den Klufterbach. Das Bundesviertel erreicht der Annaberger Bach an der August-Bebel-Allee und fließt dann nur abschnittswei- se offen in der Grünverbindung entlang der Autobahn A562 und verrohrt durch den Rheinauenpark, um an der Konrad-Adenauer-Brücke in den Rhein zu mün- den. Der Annaberger Bach inkl. seiner Zuflüsse ent- wässerte ursprünglich nicht unmittelbar in den Rhein, sondern floss unterhalb des Kottenforst-Hanges Rich- Diagrammtitel 1 2 3 4 5 6 7 Abb. 16 Prozentuale Verteilung der Grünen Infrastruktur (ohne Rheinauenpark) im Verhältnis zurm Planungsraum (340 ha) 2,5 % öffentlich zugängliche Grünanlagen 2,6 % öffentl. zugängliche Grünanlagen auf privaten Flächen 7 % Straßen- und Bahnbegleitendes Grün, Abstands- und Rahmengrün entlang von Straßen 2,2 % Grün im Wartestand (Bauerwartungsland) restliche bebaute und unbebaute Flächen 0,04% Spielplätze und 0,4% Sportanlagen (nicht darstellbar)Seite 24 von 71 21Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Plätze öffentliche Grünflächen öffentlich zugängliches Privatgrün Spielplätze Sportanlagen Friedhöfe Kleingartenanlagen Brachfläche/Grün im Wartestand Straßenbegleitgrün Abb. 17 Grüne und Blaue Infrastruktur Straßenbäume Rheinauenpark Rhein Zentralfriedhof Südfriedhof Tulpenfeld Platz der Ver. Nationen UN-Campus Grünzug Dottendorf Grünzug Kessenich Friesdorfer Park R.-S- PlatzSeite 25 von 71 22Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 18 Übersicht Bachläufe tung Norden in einem Altrheinarm ab. Im Zuge der Urbanisierung von Friesdorf wurden diese Bäche zu- sammengefasst und in die Mischwasserkanalisation geleitet. In den 1960/70er Jahren plante das Tiefbau- amt der Stadt, dies wieder rückgängig zu machen. Um das Bachwasser aus der Kanalisation und den Kläran- lagen herauszunehmen, wurde in den 1990er Jahren der Annaberger Bach in Richtung Rhein geleitet und offengelegt, wo dies möglich war. Der Venusbergbach entspringt nordwestlich der Uni- versitätskliniken und durchfließt zunächst ein Wald- gebiet. Außerhalb des Waldgebiets durchzieht er eine Parkanlage und verschwindet am Hindenburgplatz in der Verrohrung bis zu seiner Mündung in den Rhein. Dem Venusbergbach fließt das gesamte Regenwasser der Universitätskliniken zu (Bachentwicklungsplan 2008). Der Engelsbach fließt über die Hälfte seiner Länge of- fen, in diesem Bereich oberhalb des Melbbades ent- spricht er einem naturnahen und natürlich mäandrie- renden Waldbach. Ab dem Einlauf „Im Wingert“ bis zur Mündung ist der Engelsbach verrohrt. Er besitzt mehrere Einleitungen aus der Mischwasserkanalisati- on und durchfließt den Poppelsdorfer Schlossweiher. Kennzahlen im Bundesviertel 372m (≈ 20%) offener Bachlauf 1.529m (≈ 80%) verrohrter Bachlauf Graue Infrastruktur Betrachtungsgegenstand sind die stark versiegelten unbebauten Freiflächen, wie Straßen und Stellplatz- anlagen. Das Bundesviertel ist durchzogen von großen und kleineren Verkehrsräumen. Zudem gibt es eine große Flächenkulisse der offenen PKW-Stellplätze. Zu- sätzlich gibt es großflächig unterbaute Bereiche durch Tiefgaragen. Diese sind zwar häufig einfach begrünt oder mit Aufenthaltsorten belegt, gleichzeitig stellen sie eine besondere Herausforderunge im Sinne einer biodiversen, klimaangepassten und wassersensiblen Entwicklung dar. Dies ergibt sich aufgrund des fehlen- den Bodenanschlusses und der eingeschränkten Be- grünungsmöglichkeiten von Tiefgaragen. Bisher sind die Straßenräume im Bundesviertel über- wiegend als Bewegungsraum für den motorisierten Verkehr angelegt. Gleichzeitig können sie auch Raum für Aufenthalt, Kommunikation und soziale Interak- tionen sein. Sie haben das Potential, schnelle und an- genehme Verbindungswege durch das Quartier, zum Rhein oder in die Innenstadt für den nichtmotorisier- ten Verkehr zu sein - sei es während der Mittagpause oder zu Freizeitzwecken. Straßenräume können klimatisch und gesundheitlich belastend sein. Schon jetzt tragen Straßenbäume und Straßenbegleitgrün zur Kühlung und zur Steige- rung der Biodiversität in der Stadt bei und weisen ein großes Potential auf, zukünftig noch grüner, feuchter, kühler und nutzbarer zu werden. Kennzahlen im Bundesviertel 17% versiegelter Straßenraum 3% großräumige Parkplätze [Prozentangaben beziehen sich auf den Anteil im Un- tersuchungsgebiet (Bundesviertel)] ANNABERGER BACH ENGELSBERGBACH VENUSBERGBACHSeite 26 von 71 23Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 19 Graue Infrastruktur Tiefgaragen Stellplätze Straßenraum GleisanlagenSeite 27 von 71 24Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Verwaltung und Ministerien Gewerbe und Dienstleistungen ungenutzt Abb. 20 Vorwiegende Nutzungen des Bundesviertel im Bestand überwiegend Arbeiten Bildung, Soziales und Kultur überwiegend Wohnen EHEMALIGES REGIERUNGSVIERTEL (KANZLERBUNGALOW, PALAIS SCHAUMBURG, VILLA HAMMERSCHMIDT etc.) UN CAMPUS JOHANNITERVIERTEL BERLINER RINGVIERTEL MINISTERIEN MUSEEN GIZ TELEKOM JOHANNITER KRANKENHAUS KIRCHE KIRCHE EHEMALIGES KINDER-KRANKENHAUS FRIEDRICH-EBERT-GYMNASIUMSeite 28 von 71 25Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Private und öffentliche Baufelder Die Grüne, Blaue und Graue Infrastruktur wird er- gänzt durch die Grün- und Freiräume auf den priva- ten und öffentlichen Baufeldern. Neben den privaten Grundstücken, die für Wohnen oder Dienstleistung und Gewerbe genutzt werden, bieten auch öffentli- che Grundstücke, wie Schulen, Kultureinrichtungen oder Krankenhäuser eine Freiraumkulisse. Prägend für das Bundesviertel sind die Standorte der Verwaltungen, Ministerien und anderen Dienst- leistungen mit überwiegend großzügigen begrünten Freiflächen. Gleichzeitig findet das Wohnen überwiegend in Ein- oder Mehrfamilienhäusern mit privaten Gärten in den Wohnenklaven „Berliner Ringviertel“ und „Johanni- terviertel“ statt. Weitere kleinere Wohnbereiche be- finden sich entlang der Bahntrasse nördlich der Mu- seen. Insgesamt tragen die Gärten und Freiflächen der Bau- felder zum grünen Charakter des Bundesviertel bei. Zukünftig soll mehr Arbeiten und Wohnen im Bundes- viertel möglich werden. Durch Nachverdichtung und Transformation werden bisher freie Flächen bebaut, gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine ange- passte Freiraumkulisse im Sinne der Freiraumgerech- tigkeit, Hitzevorsorge, Biodiversität und Wassersen- siblen Stadtentwicklung. Potentiale für eine Freiraumqualifizierung bieten hier nicht nur ebenerdige Flächen, wie Höfe, Gärten oder das Abstandsgrün, sondern ebenso die Dächer und Fassaden der Gebäude. Öffentliche und private Flä- chen sind zu unterscheiden, da hierfür jeweils unter- schiedliche Strategien, Instrumente und Förderzugän- ge erforderlich sind. Abb. 21 Beispiele Ministerienlandschaft (oben) und Dienstleistung (unten) mit begrünten Freiflächen Abb. 22 Beispiele Wohnen: Einfamilienhaus/Reihenhaus mit privaten Gärten (oben) und Mehrfamilienhaus/Zeile mit Gemeinschaftsgrün (unten) Quelle Schrägluftbilder Abb. 20 und 21: https://3d. bonn.de/ (c) Bundesstadt Bonn, Amt für Bodenma- nagement und Geoinformation (CC-by-sa 4.0); Land NRW (2017)/Bundesstadt Bonn, Amt für Boden- management und Geoinformation, dl-de/by-2-0; GeoBasis-DE/LVermGeoRP2018, dl-de/by-2-0, www. lvermgeo.rlp.deSeite 29 von 71 26Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 2.4 URBAN MAPPING Der Charakter des Bundesviertels inklusive seiner räumlichen Verflechtungen wurde in einem Urban Mapping dokumentiert. Das Bundesviertel stellt sich als ein vielfältiger und kontrastreicher Raum mit abwechslungsrei- chen Atmosphären dar. Gegliedert wird das Bundesviertel durch markante Verkehrsräume, die es zeitgleich zu einem Durchgangsort machen. Der geringe Bestand an Grünanlagen wird durch die Nähe zu den großen Grün- und Landschaftsräumen Kottenforst und Rheinauen Park teilweise kompensiert. Dies hebt aber auch den Fokus auf das kleinteilige Grün um vorhandene und zukünftige Freiraumbedarfe zu decken.Seite 30 von 71 27Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Nebeneinander Das Bundesviertel ist geprägt von einem Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen, Bautypologien und At- mosphären. Dabei entsteht ein Kontrast von sehr großen repräsentativen Strukturen (hohe Gebäude, großzügi- ge Plätze und Verkehrsinfrastrukturen) zu kleinen, eher introvertierten Bereichen (idyllische Ein- bis Mehrfami- lienhausgebiete mit engen Straßen und kleinen Plätzen/Grünanlagen). Auf dem Weg durch das Bundesviertel taucht man so immer wieder in neue Atmosphären ein. Es gibt eine Art Ordnung - in diverse Cluster - die in einem pragmatischen Nebeneinander funktionieren.Seite 31 von 71 28Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Verkehrsräume Getrennt sind die unterschiedlichen Wohn-, Ministerien-, und Dienstleistungscluster von großen Verkehrstras- sen, die das Ankommen, Durchfahren und Wegfahren aus dem Bundesviertel organisieren. Sie erscheinen als schnelle Leitbahnen durch den Raum und bilden gleichzeitig viele Barrieren der nichtmotorisierten Durchwe- gung. Sie verdeutlichen die starke Autoorientierung und legen den Handlungsbedarf bei der Förderung von Langsamverkehren offen. Insgesamt zeigt sich ein großes Potential die Straßenräume als blau-grüne Infrastruk- turen zu denken.Seite 32 von 71 29Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten „Frei“ - Räume Öffentlich nutzbare Grün- und Freiräume sind eher knapp im Bundesviertel und beschränken sich auf wenige Grünflächen und Plätze, bzw. öffentlich zugängliche private Flächen an repräsentativen Standorten. Gemein- sam haben diese Flächen die geringe Bespielung und „Leere“ des Raumes, sowie das „frei sein“ von alltäglicher und sportlicher Nutzung. Kleinteiliges Nachbarschaftsgrün fehlt. Qualitäten bieten die Nähe zum Rheinauen- park und das Potential einer direkten Grünverbindung in den Kottenforst.Seite 33 von 71 30Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Durchgangsräume Das Bundesviertel erscheint mehr als Durchgangsraum, denn als Aufenthalts- und Zielort. Während die moto- risierte Durchfahrt durchs Bundesviertel großzügig auf mehreren Achsen ermöglicht wird, ist die Querung mit dem Rad oder zu Fuß vom Westen zum Rhein oder durch den Stadtteil häufig erschwert, zum Teil unattraktiv und orientierungsschwer. Gleichzeitig gibt es gelungene neue Beispiele (bspw. Umgestaltung der Heussallee zur Promenade) und diverse Potentiale der Aufwertung des Wegesystems.Seite 34 von 71 31Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Randbereiche und Kontaktzonen Die heterogenen Randbereiche der Baufelder sind auffällig und prägend für das Bundesviertel. Sie bilden Rän- der zwischen den privaten Arbeitswelten und dem öffentlichen Straßen- oder Platzraum. Zum Teil ist die Ab- grenzung stark und abwehrend, in Teilbereichen verschwimmen die Randbereiche mit dem öffentlichen Raum. Die privaten Randbereiche bilden eine erhebliche Flächenkulisse in der begleitenden Grünausstattung, gleich- zeitig sind sie überwiegend monoton gestaltet und haben ein großes Potential im Sinne der Biodiversität und des Schwammstadtgedankens.Seite 35 von 71 32Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Pausenraum Die größte Nutzer*innengruppe des Freiraums im Bundesviertel sind derzeit die Beschäftigten. Mobile Mittag- sangebote weisen auf diesen Bedarf hin. Zugleich fehlen arbeitsstättennahe Pausenräume und Verweilmög- lichkeiten. Freiraum als Pausenraum ist daher ein wichtiger Faktor in der Betrachtung der öffentlichen Räume und zugleich eine zukünftige Aufgabe.Seite 36 von 71 33Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Aneignung Punktuelle kleine Interventionen im Freiraum zeugen von bisher wenig erfüllten Bedürfnissen und zu heben- den Potentialen. Diese Interventionen machen auf die Kreativität und den Gestaltungswillen der Beschäftigten und Anwohnenden aufmerksam. Eine geringe Ausstattungsvielfalt wird dadurch versucht selbst auszugleichen.Seite 37 von 71 34Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 3. LEITLINIEN Ziel des Grünrahmenplans ist die zukunftsfähige Weiterentwicklung der Freiraumstruktur im Bundes- viertel. Für die zukünftige Freiraumentwicklung des Bundesviertels wurden, aus den Erkenntnissen der städtischen Herausforderungen, der bestehenden Freiraumstruktur und den bereits bestehenden Pla- nungen und Konzepten 6 Entwicklungsleitlinien abge- leitet. URBAN UND GRÜN - FREIRAUMGERECHTIGKEIT Mit dem Rahmenplan Bundesviertel wurden zukünf- tige Bau- und Entwicklungspotentiale für mehr Woh- nen und Arbeiten im Bundesviertel aufgezeigt. Der Rahmenplan zeigt ein Mehr an ca. 12.000 Wohnen- den. Damit entstehen Anforderungen an die alltägli- che Freiraumstruktur im Wohnumfeld. Im Sinne der mehrfachen Innenentwicklung, soll das Bundesviertel baulich, programmatisch, verkehrlich und freiräumlich entwickelt und qualifiziert werden. Eine erhöhte bau- liche Dichte und ein erhöhter Nutzungsmix sollen, im Sinne einer Freiraumgerechtigkeit, gleichzeitig einen Mehrwert für die Grün- und Freiraumentwicklung im Bundesviertel haben. Im Sinne der Freiraumgerech- tigkeit sollen dabei Grün- und Freiräume für alle und uneingeschränkt zugänglich geschaffen werden. Gleichzeitig sollen graue Flächen grüner werden und schrittweise grüne Nachbesserung im Bestand erfol-Seite 38 von 71 35Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten URBAN UND GRÜN - FREIRAUMGERECHTIGKEIT HITZEVORSORGE UND WASSERSENSIBLE STADTENTWICKLUNG BIOLOGISCHE VIELFALT FÖRDERN MOBILITÄT UND BEWEGUNGSKULTUR - INVITE TO BIKE/INVITE TO WALK DER BLICK IN DIE NACHBARSCHAFT - VERBINDUNGEN HERSTELLEN IDENTITÄT STÄRKEN gen. Wenn Neues gebaut wird, dann sind das Stadt- grün, die Klimaanpassung und die biologische Vielfalt auf Augenhöhe im Huckepack mit zu entwickeln. Da- mit hat die Stadt eine besondere Verantwortung der Steuerung, um dieses Gleichgewicht zu erreichen. Die Verdichtung der Stadt ist aufgrund des stetigen Wachstums und der zentralen Lage des Bundesvier- tels ein Selbstläufer, die damit verbundene Grün- und Freiraumentwicklung eine Herausforderung. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: • Bestehenden Grünanlagen sichern, aufwerten und anreichern • Freiraumangebote weiter ausdifferenzieren – Impulse für öffentliche Orte geben • Neues Stadtgrün im Huckepack der baulichen Entwicklung schaffen • Öffentlich zugängliche Grünflächen erweitern (vom Abstandsgrün zum Gemeinschaftsgrün) • Aus Grau Grün machen (Straßen, Dächer und Fassaden, Stellplätze) HITZEVORSORGE UND WASSER- SENSIBLE STADTENTWICKLUNG Hitze und Trockenheit, thermische Belastungen und Überflutungen durch Starkregen stellen Städte vor große Herausforderungen und erfordern eine umfas-Seite 39 von 71 36Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten sende Klimaanpassungsstrategie, sowie ein unmittel- bares Handeln, um auf die Klimafolgen der nächsten Jahrzehnte vorbereitet zu sein. Mit dem ZURES-Projekt, dem MUTABOR-Projekt (der- zeit in Bearbeitung) und dem zukünftigen Schwamm- stadt-Projekt startete Bonn den Prozess zu einer um- fassenden klimaangepassten und wassersensiblen Entwicklung der Stadt. Dieses Handlungsfeld betrachtet die gesamte Ober- fläche der Stadt. Das erfordert eine konstruktive Zu- sammenarbeit der unterschiedlichen Fachdisziplinen und den zahlreichen Akteuren in den Stadtquartieren. Strategien der Klimaanpassung und insbesondere der Schwammstadt müssen in die vielfältigen Prozesse der Stadtentwicklung integriert werden. Der Grünrahmenplan greift diese Zielstellung auf und zeigt Flächenpotentiale und exemplarische Hand- lungsmöglichkeiten für das Bundesviertel. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: • Die Oberfläche des Bundesviertels als Interven- tionsraum der Klimaanpassung mehrdimen- sionaler gestalten: durchlüften, verschatten, begrünen, verdunsten, Klimakomfort erhöhen, rückstrahlen • Schwammstadt: Regenwasser als Ressource nutzen: speichern, bewässern, verdunsten und kühlen • Starkregenvorsorge: Retentionsräume schaffen, Starkregenabflüsse leiten • Emissionsfreie und klimaschonende Stadträume schaffen – Baustoffe recyceln und einsparen BIOLOGISCHE VIELFALT FÖR- DERN Die Lebensqualität in der Stadt ist stark verbunden mit dem Vorhandensein von reiner Luft, sauberem Wasser, Ruhe, funktionsfähigen Böden und intakter Umwelt. Daher wird es vor allem in den dicht bebau- ten Stadtquartieren eine Symmetrie zwischen Men- schen und Natur angestrebt: wenn es dem Menschen gut geht, dann geht es auch der Natur gut und umge- kehrt. Ein schonender Umgang mit den Ressourcen und die Förderung der Biologischen Vielfalt werden damit zur Aufgabe der Stadt- und Freiraumplanung im Bundes- viertel. Flächenpotentiale für ein Mehr an Natur und biologi- scher Vielfalt sind, neben den Grünflächen, vor allem die graue Infrastruktur, von Straßen, Stellplätzen bis zu den Gebäudehüllen. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: • Biologische Vielfalt und Biotopverbundfunktio- nen steigern • Entsiegeln - Grünflächen und Wasserorte schaf- fen • Tiefgaragenmanagement auf Gebäudekubatoren begrenzen, Pflanzung bodengebundener Bäume und Gehölze • Animal Aided Design anwenden (z.B. belebte und begrünte Fassaden mit Nistkästen, gezielte Pflanzenauswahl, insektenfreundliche Beleuch- tung und Vermeidung von Vogelschlag) • Durchführung von Öffentlichkeitsarbeit zu Maß- nahmen (z.B. durch Anbringung von Schildern, begleitender Pressearbeit etc.) MOBILITÄT UND BEWEGUNGS- KULTUR - INVITE TO BIKE/INVITE TO WALK Die Ziele der Klimaneutralität für Bonn bis 2035 erfor- dern eine Umstellung auf nachhaltige Mobilitäten. Das stellt auch die städtische Freiraumplanung vor große Herausforderungen und bietet zugleich ein großes Po- tential für mehr Freiraumqualität in den Quartieren. Eine Stadt der kurzen Wege mindert den Bedarf von motorisiertem Individualverkehr. Das heißt, dass das Grün für Freizeit, Entspannung und Bewegung vor der Haustür oder im Stadtquartier auf angenehmen We-Seite 40 von 71 37Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten gen zu Fuß und mit dem Rad gut erreichbar sein muss. Das Bundesviertel lädt zukünftig zum Gehen und Rad- fahren ein (Invite to go, Invite to bike) und bietet ein gutes Wegenetz mit attraktiven grünen Begleiträu- men für die Alltags- und Freizeitmobilität. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: • Städtebauliche Entwicklung mit Mobilltätswen- de verknüpfen (mehrfache Innenentwicklung) • Angebote für die Langsamverkehre verbessern - invite to walk - invite to bike • Schnittstellen für intermodalen Verkehr optimie- ren • Straßenraum als Freiraum denken • Gesunde Stadt fördern: Sport- und Bewegungs- orte entwickeln DER BLICK IN DIE NACHBAR- SCHAFT - VERBINDUNGEN HER- STELLEN Verbindungen innerhalb der Stadt sind wichtig, um Räume zu durchqueren, Barrieren zu überwinden und große Erholungs- und Naturräume, wie z.B. den Rhein und den Rheinauenpark zu erreichen. Diese Verbin- dungen dienen nicht nur dem Menschen, gleichzeitig brauchen auch Tiere diese Verbundräume. Mit der zentralen Lage zwischen den Erholungs-, Na- tur- und Landschaftsräumen, dem Rhein und dem Rheinauenpark sowie dem Kottenforst übernimmt das Bundesviertel die Verantwortung diese Verflech- tungen und Verbindungen für Mensch, Tier und Natur zu erhalten und herzustellen. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: • Erreichbarkeit der übergeordneten Landschafts- räume verbessern: sicher und angenehm auch an Hitzetagen • Barrieren abbauen, Durchwegung ermöglichen • Wegeverbindungen qualifizieren IDENTITÄT STÄRKEN Das Bundesviertel ist Wirtschaftsstandort und Sitz der Vereinten Nationen, Kulturstandort und ehemaliges Parlaments- und Regierungsviertel. Das Bundesviertel repräsentiert. Mit dem Rahmenplan und dem Grün- rahmenplan stellt sich das Bundesviertel den zukünf- tigen Herausforderungen und Aufgaben der Stadt- und Freiraumentwicklung, wie Wachstum, Klimaan- passung oder neue Mobilitätsanforderungen. Gleich- zeitig möchte das Bundesviertel mehr Teil der Stadt sein, mehr Wohnen, mehr Nutzungsmix und neue Arbeitswelten anbieten. Repräsentativ, bunt, smart und kreativ, mobil, rheinverbunden und verknüpfend – das spiegelt sich zukünftig auch im Freiraum wider. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: • Den Rheinbezug aus der Tiefe des Raumes stär- ken • Die langen Stadtachsen mit ihren Kontaktzonen als Gestaltungsaufgabe verstehen • Die Cluster mit ihren spezifischen Gestaltmerk- malen weiter qualifizieren (Vorgärten, Einfrie- dungen, Straßengrün, Freiflächen, Gebäude- grün)Seite 41 von 71 38Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 4. RÄUMLICHES LEITBILD UND MASSNAHMEN Die 6 Leitlinien geben die thematische Zielstellung für die zukünftigen Freiraumentwicklung im Bundesvier- tel vor (vgl. Kapitel zuvor). Urban und Grün - Freiraumgerechtigkeit Biologische Vielfalt fördern Hitzevorsorge und wassersensible Stadt- entwicklung Der Blick in die Nachbarschaft - Verbin- dungen herstellen Mobilität und Bewegungskultur - Invite to bike/invite to walk Identität stärken Das Räumliche Leitbild bietet die Möglichkeit räum- lich ähnliche Bereiche zu identifizieren und Hand- lungsschwerpunkte auf räumlicher Ebene zu benen- nen. Das Räumliche Leitbild unterstützt so den Charakter der bestehenden Siedlungs- und Freiraumstruktur des Bundesviertels und reagiert auf die zukünftigen städ- tebaulichen Veränderungen aus dem Rahmenplan. Dabei beschränkt sich das räumliche Leitbild nicht auf die „grünen Freiflächen“, sondern bezieht die grauen Infrastrukturen und Baufelder mit ein. Das Räumliche Leitbild agiert auf drei Ebenen: • Grüne Achse • Feines Netz • Grüne Viertel Mit den drei Leitbildebenen nimmt es Bezug zum ge- samtstädtischen Freiraumkonzept „Bonner Freiraum- plan“ (derzeit in Bearbeitung). Das Freiraumsystem wird einerseits als robustes Ge- rüst entwickelt, gleichzeitig kann es, in Abhängigkeit von städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen punk- tuell flexibel modifiziert und ergänzt werden. Auf den folgenden Seiten werden die drei Leitbildebe- nen erläutert und konkrete Maßnahmen sowie ergän- zend zwei Toolboxen formuliert. Den benannten Maßnahmen sind die Symbole der Leitlinien (links) zugeordnet, um zu zeigen, welche Zielstellung überwiegend mit der entsprechenden Maßnahme unterstützt wird.Seite 42 von 71 39Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten MOBILITÄTSACHSE URBANE ACHSE UN-VIERTEL MINISTERIEN-VIERTEL GRÜNE ACHSE VIERTEL RÜCKEN JOHANNITER VIERTEL BERLINER RING VIERTEL Abb. 23 Räumliches LeitbildSeite 43 von 71 40Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Räumliches Leitbild Den Grünzug Dottendorf (1), Grünzug Bahnquartier Kessenich (2) und Grünzug Annaberger Bach (3) als zusammenhängende „Grüne Achse“ zwischen Kotten- forst und Rhein entwickeln. GRÜNE ACHSE Starke Landschaft Rhein Rheinauenpark Starke Landschaft Kottenforst 1 2 3 FEINES NETZ GRÜNE VIERTEL Urbane Achse Mobilitätsachse Im Bundesviertel werden Grüne Wege in die starken Landschaften geschaffen, die Stadtachsen qualifiziert und zukünftige Graue Wege weitergedacht. GRÜNE VIERTEL UN-VIERTEL MINISTERIEN-VIERTEL VIERTEL RÜCKEN JOHANNITER VIERTEL BERLINER RING VIERTEL Das Bundesviertel schafft neue Freiräume, erhält seinen Grünen Infrastrukturen und entwickelt diese weiter. Es schafft Möglichkeiten zur Aneignung und Teilhabe im Freiraum und verfolgt das Prinzip einer wassersensiblen, klimaangepassten und biodiversen Stadtentwicklung auf zukünftigen Baufeldern.Seite 44 von 71 41Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 24 Maßnahmenplan - Grünrahmenplan Bundesviertel, ohne Maßsstab (Original 1 : 4000, siehe Anlage) MaßnahmenplanSeite 45 von 71 42Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Zwischen dem Kottenforst und dem Rhein/Rheinauen- park erstreckt sich ein Verbundraum aus heterogenen Freiraumnutzungen: Sportanlagen, dem Südfriedhof, Kleingartenanlagen, Grünanlagen, bachbegleitende Naturräume und Freiflächen im Wartestand auf eine städtebauliche oder freiräumliche Entwicklung. Aus einem Nebeneinander wird ein Miteinander. Die einzelnen Teilräume lassen sich zu einem gestal- teten und erlebbaren Gesamtraum verknüpfen. Die Abstandsflächen, öffentlich zugänglichen Bereiche und Wegeverbindungen fungieren als Grundgerüst der Raumentwicklung. Neben dem Erholungsaspekt übernimmt diese Grüne Achse wichtige Aufgaben für die Klimaanpassung und Erhöhung der Biodiversität. Regenwasserrückhalt, Verdunstung und Versickerung können in diesen Räumen integriert werden. Die Grüne Achse erstreckt sich über die Planungsgrenze hinaus. Im Bundesviertel ist der Grünzug Annaberger Bach Teil der Achse. GRÜNE ACHSE Den Grünzug Dottendorf (1), Grünzug Bahnquartier Kessenich (2) und Grünzug Annaberger Bach (3) als zusam- menhängende „Grüne Achse“ zwischen Kottenforst und Rhein entwickeln. Maßnahmen und Handlungsempfehlungen: 1. Gesamtkonzept für die Grüne Achse zwi- schen Kottenforst und Rhein entwickeln Aus gesamtstädtischer Freiraumsicht bedarf es eines Gesamtkonzepts für den Freiraumverbund der drei Grünzüge Dottendorf (1), Bahnquartier Kessenich (2) und Grünzug Annaberger Bach (3) als zusammenhän- gende „Grüne Achse“ zwischen Kottenforst und Rhein. Im Planungsraum Bundesviertel ist der Grünzug Anna- berger Bach Teil dieses Verbunds. Mit einem Gesamtkonzept können Belange der Biodi- versität (Biotopverbund), der Klimaanpassung (insbe- sondere Luftleitbahn) und der Freiraumgerechtigkeit (wichtiger Erholungs- und klimatischer Ausgleichs- raum, auch für die zukünftigen Bewohner*innen im „Rücken“) zusammengebracht werden. 2. Vernetzen - den Grünzug Annaberger Bach als durchgängigen Freiraum entwickeln Den Grünzug Annaberger Bach als Freiraum im Ver- dund der Grünen Achse zwischen Kottenforst und Rhein erhalten und durchgängig weiterentwickeln. Dafür bedarf es der Qualifizierung und Ergänzung der bestehenden Wegeverbindung zu einer durchgängi- gen breiten Fuß- und Radwegeverbindung durch den Grünzug und einer neuen, bzw. versetzten Bahnque- rung. Gleichzeitig ist die Verknüpfung über Wege und Grün- und Freiräume in die angrenzenden Viertel zu erhal- ten und bei städtebaulichen Entwicklungen zu ergän- zen. 3. Sichtbarmachen des Annaberger Bachs Südöstlich der A 562 verläuft der renaturierte Anna- berger Bach mit einem aufgeweiteten Profil in einem dichten Gehölzbestand. Zukünftig soll der Bach durch punktuelle Freistellung an zwei Wasserplätzen stärker erlebbar werden. Starke Landschaft Rhein Rheinauenpark Starke Landschaft Kottenforst 1 2 3Seite 46 von 71 Seite 47 von 71 44Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Unterstützte Leitlinien Maßnahmen und Handlungsempfehlungen der Grünen Achse 1. Gesamtkonzept für die Grüne Achse zwischen Kottenforst und Rhein entwickeln 2. Vernetzen - den Grünzug Annaberger Bach als durchgängigen Freiraum entwickeln 3. Sichtbarmachen des Annaberger Bachs 4. Aufwerten und Erweitern 5. Kooperation - Verknüpfung mit angrenzenden Städtebaulichen Entwicklungen Die Offenlegung von Bächen, wo immer möglich, ist eine Zielstellung aus dem Bonner Freiraumplan und auch für den Annaberger Bach wünschenswert. Im Bundesviertel betrifft das einen verrohrten Abschnitt am Dreizehnmorgenweg und den Abschnitt ab der Kreuzungssituation mit der Autobahn. Zum jetzigen Zeitpunkt kann der Annaberger Bach, nach Einschät- zung des zuständigen Amtes (66) aufgrund des feh- lenden ausreichenden Gefälles bis zum Rhein, nicht weiter offengelegt werden. Mit der Kreuzungssitua- tion mit der Autobahn und der AS BN-Rheinaue be- steht bis heute ein Zwangspunkt, an dem der Anna- berger Bach unterirdisch queren muss. Der Bach wird im weiteren Verlauf in der bereits vorhandenen Tras- se der Entwässerung der Südtangente bis zum Rhein geführt. 4. Aufwerten und Erweitern Beidseitig der A 562 erstrecken sich drei einzelne Grünflächen und eine Biotopfläche entlang der tiefer- liegenden Verkehrstrasse. Durch die Verknüpfung mit den städtebaulichen Entwicklungsbereichen und der Stellplatzreduzierung sowie Straßenumbau des Drei- zehnmorgenweges können Erweiterungsflächen für den Grünzug gewonnen werden. Langfristig besteht das Potential durch eine neues re- duziertes Verkehrskonzept für den Platz der Vereinten Nationen den Grünzug maßgeblich zu erweitern. Im bestehenden Grünraum sind derzeit keine öffent- lich zugänglichen Spiel- und Bewegungsangebote vorhanden. Auf den Wiesenflächen und den Erweite- rungsbereichen können neue Angebote für Spiel und Sport auch für die Mittagspause geschaffen werden. 5. Kooperation - Verknüpfung mit angrenzen- den Städtebaulichen Entwicklungen Angrenzend an den Grünzug Annaberger Bach liegen fünf Städtebauliche Transformationsräume sowie das das Ministerien-Viertel mit seinen Grün- und Freiräu- men. Die bevorstehende Entwicklung der Baufelder kann als Motor für die Weiterentwicklung des Grün- zugs genutzt werden. Durch Kooperation können die öffentlichen Grün- und Freiräume des Grünzugs mit den Freiräumen der Entwicklungsbereiche verknüpft und Wegebeziehungen hergestellt werden. Die Rän- der zum Grünzug sollten offen, mit Verbindung zum Grünzug hergestellt werden. Gleichzeitig bietet sich hier die Verknüpfung von Maß- nahmen zum nachhaltigen Umgang mit Regenwasser an. Überschusswasser aus den Quartieren kann den öffentlichen Grünflächen zugutekommen und gleich- zeitig den Schutz vor Schäden bei Starkregen erhöhen.Seite 48 von 71 45Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Aus den Siedlungsräumen kommend bilden Hauptwe- ge, Radrouten und grüne Verbundräume Verbindun- gen in die Starken Landschaften. Das weite Netz an Wegen und Verbindungen wird durch die Alltagswege innerhalb der einzelnen Quartiere ergänzt. Neben der Funktion als Wege für den Menschen sind diese line- aren Verbindungen für den Biotopverbund und die Natur in der Stadt von hoher Bedeutung. Die zwei großen von Süden kommend, in die Innen- stadt führenden Stadtachsen - die Urbane Achse und die Mobilitätsachse - sollen weiter freiräumlich qua- lifiziert werden. Der Grünrahmenplan erweitert die Idee der Baumergänzung für die Stadtachsen aus dem Rahmenplan (hier Magistrale und Meile), um weitere Maßnahmen. Maßnahmen und Handlungsempfehlungen: 1. Stadtachsen qualifizieren Die große Stadtachse Adenauerallee/Friedrich-Ebert- Allee/Godesberger Allee wird zur Urbanen Achse weiter qualifiziert. Die Urbane Achse ist eine Prachtstraße, die rechts und links von bedeutenden kulturellen und ministerialen Gebäuden gerahmt ist. Viele Eingangsbereiche schlie- ßen mit großzügigen Vorzonen an den öffentlichen FEINES NETZ Im Bundesviertel werden Grüne Wege in die starken Landschaften geschaffen, die Stadtachsen qualifiziert und zukünftige Graue Wege weitergedacht. Urbane Achse Mobilitätsachse Straßenraum an oder haben nach innen versetzte begrünte Vorzonen. Das Prinzip der großzügigen, teils begrünten Vorzonen als Schnittstelle zum öffentlichen Raum wird weiter kultiviert. Sie ist geprägt durch ei- nen fast durchgängigen Baumbestand und beidseiti- gen Radwegen. Maßnahmen und Potentiale: • Prinzip der Grünen Taschen und öffentlichen Vorzonen bei städtebaulichen Entwicklungen fortführen, z.B. Landesbehördenhaus • Begrünung erhöhen: Grüngleis anlegen, fehlen- de Straßenbäume ergänzen • Anreize schaffen zur Entsiegelung und Begrü- nung privater Vorzonen und insbesondere Stell- platzanlagen • Umgestaltung und Aufwertung Kreuzungsbe- reich vor dem Bundeskanzlerplatz (Kreuzung B9 und Reuterstraße) Die Mobilitätsachse ist im Bestand ein rückwärtiger Durchgangsraum am westlichen Rand des Bundes- viertels. Bestehende Gebäudekomplexe sind, anders als bei der Urbanen Achse, selten mit ihren Eingangs- bereichen zur Straße ausgerichtet. Gleichzeitig ist die Achse nur einseitig mit Gebäuden gefasst und hat einen durchgängigen Baumbestand. Sie bildet einen von Nord nach Süd gerichteten Mobilitätsraum aus Straße, Bahntrasse und beidseitig der Bahn gelegenen schnellen durchgängigen Radverbindungen. Links der Bahntrasse schließt eine urbane „Parklandschaft“ aus Kleingärten, Grünflächen im Wartestand, neuen Park- anlagen von städtebaulichen Entwicklungsgebieten und dem Grünzug Annaberger Bach an. Dieser Raum ist für zukünftige Bewohner*innen der Entwicklungs- gebiete im „Rücken“ ein wichtiger Erholungs- und Ausgleichsraum (unter Berücksichtigung der bauli- chen Entwicklungen) der auf kurzem Wege erreichbar ist. Deshalb sind die Übergänge und gleichzeitigen Zu- gänge zu diesem Grünraum von zentraler Bedeutung.Seite 49 von 71 46Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Annabergerstraße/Max-Loebner-Straße, Hoch- kreuzallee • Spur- und Stellplatzreduzierung zugunsten einer Begrünung/Umbau im Rahmen der städtebauli- chen Entwicklung in der Ollenhauerstraße • Fahrradstraße: Zitelmannstraße, Johanniterstraße, Sträßchensweg 3. Graue Wege weiterdenken: klimaangepasste und wassersensible Straßenräume Der Straßenraum im Bundesviertel ist, neben den ver- siegelten Flächen auf den Baufeldern, der am stärk- sten hitzebelastete Raum, gleichzeitig wird er täglich von tausenden Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit oder nach Hause, beim abendlichen Spaziergang oder - für Durchfahrende - auf dem Weg zu Ausflugszielen genutzt. Das anfallende Regenwasser wird derzeitig vollständig in die Kanalisation abgeleitet und steht nicht zur Be- wässerung der Baumscheiben oder Kühlung zur Ver- fügung. Zukünftig sollen die Straßenräume im Bundesviertel, klimaangepasst und wassersensibel gestaltet werden. Dafür braucht es gute Verkehrskonzepte die eine Neu- aufteilung des Straßenraumes, zugunsten von Blauen Elementen für den Wasserrückhalt im Straßenraum, von Grünen Elementen für die Nutzbarkeit und den Aufenthalt und von Elementen zur Kühlung durch Ver- dunstung und Verschattung, zum Ziel hat. Maßnahmen und Potentiale: • Erarbeitung von neuen Verkehrskonzepten, um mehr Raum im Straßenprofil für blau-grüne Elemente zu schaffen • Straßenräume wassersensibel gestalten im Sinne der Blue-Green-Streets • Mehr Straßengrün zur Hitzevorsorge, Straßen- bäume ergänzen • Mehr Straßengrün mit ökologischer Funktion schaffen (z.B. Blühflächen als Nahrungsquelle für Maßnahmen und Potentiale: • Den grünen Charakter erhalten und Ergänzen, fehlende Straßenbäume ergänzen • Durchgängige Radwegeverbindung erhalten und Lücken schließen • Bei städtebaulichen Entwicklungen: zur Mo- bilitätsachse ausgerichtete Vorzonen und Eingangsbereiche schaffen, z.B. bei Bebauung Baunscheidstraße und Oscar Romero Allee (DHL Postgroup) • Übergänge der Bahntrasse als Eingänge zur Grü- nen Achse gestalten • Ankommensorte/Mobile Stationen und Schnitt- stellen als besondere Orte gestalten 2. Grüne Wege in die Starken Landschaften Mit übergeordneten Fuß- und Radwegeverbindungen in Ost- und West-Richtung sollen das Bundesviertel und die angrenzenden Quartiere mit dem Kottenforst und dem Rhein/Rheinauenpark verbunden werden. Über den Grünzug Annaberger Bach soll eine Verbin- dung geschaffen werden die durchgängig in einem Grünraum verläuft. Durch die Neuordnung von Straßenräumen zugun- sten des nichtmotorisierten Verkehrs (Spurreduzie- rung oder Stellplatzreduzierung) wird Platz für attrak- tive Fuß- und Radwegeverbindungen geschafft. Dabei können Radspuren ergänzt, Fußwege verbreitert oder Fahrradstraßen angelegt werden. Fehlende Übergänge an der Urbanen Achse werden nach Möglichkeit ergänzt. Maßnahmen und Potentiale: • Potentielle Promenaden oder Begegnungszonen: zweite Fährgasse, Tempelstraße, Kaiser-Fried- richstraße, Dahlemannstraße, Heinemannstraße (in Teilbereichen) • Neuordnung zugunsten des nichtmotorisierten Verkehrs durch Reduzierung der Stellplätze: Rheinweg, Marie-Schlei-Allee/Heinemannstraße,Seite 50 von 71 47Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Insekten und Vögel) = Wege für den Biotopver- bund, Verknüpfung der Lebensräume für eine Vielzahl an Tieren In der folgenden Toolbox wurden drei Referenzstra- ßenräume dargestellt, um mögliche Maßnahmen de- taillierter zu zeigen. Seite 48 ff. Unterstützte Leitlinien Maßnahmen und Handlungsempfehlungen des Feinen Netzes 1. Stadtachsen Qualifizieren 2. Grüne Wege in die Starken Landschaften 3. Graue Wege weiterdenken: klimaangepasste und wassersensible StraßenräumeSeite 51 von 71 48Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Der Straßenraum ist alltäglicher Lebensraum für die Bewohner*innen, Pausenraum oder täglicher Weg zur Arbeit. Gleichzeitig bildet Straßenraum an vielen Stellen Hitzeinseln aus und über die versiegelten Flächen wird derzeit das gesamte Regenwasser überwiegend in der Mischwasserkanalisation abgeleitet. Die Mobili- tätswende erfordert zusätzlich eine schrittweise Umverteilung der Verkehrsflächen hin zu mehr Fuß-, Rad-, ÖPNV-Verkehr oder Sharing-Angeboten. Zielstellung Der Straßenraum im Bundesviertel soll zukünftig wassersensibel und klimatisch angepasst sowie nutzer*innenorientiert aufgewertet, bzw. umgestaltet werden. Der Straßenraum sollte weitgehend abflussarm umgebaut werden. Stehen 20% oder mehr Fläche für Versickerung und Verdunstung zur Verfügung, sollte ein abflussloser Straßenraum das Ziel sein, d.h. keine Ableitung von Regenwasser in die Kanalisation. Dafür können • Blaue Elemente >> Wasserrückhalt im Straßenraum • Grüne Elemente >> Nutzbarkeit und Aufenthalt • Elemente zur Kühlung >> Verdunstung und Verschattung in den Straßenraum integriert werden. Im Folgenden wird beispielhaft gezeigt welche Blau-Grünen Maßnahmen im Straßenraum möglich sind. Dafür werden 3 Referenzstraßentypen betrachtet, die aus den Gegebenheiten im Bundesviertel abgeleitet wurden. Die gezeigten Maßnahmen haben empfehlenden Charakter. Im Rahmen einer konkreten Umsetzung müssen bestehende Konflikte, bezogen auf unterirdische Versorgungsleitungen oder der benötigten Kapazität des Kfz- Verkehrs ortsspezifisch betrachtet werden. Zielführend ist hier ein integriertes Sanierungsmanagement, bei dem die Sanierung der Straßenoberfläche und die Sanierung der Versorgungsleitungen mit den Belangen des Stadtgrüns verknüpft werden. Damit können Synergien genutzt und Kosten eingespart werden. Toolbox 1 BLAU-GRÜNE STRASSENRÄUME Exkurs BGS Korridor und Flexstreifen Der BlueGreenStreets-Korridor – kurz BGS-Korridor bündelt die Anforderungen einer wassersensiblen, hit- zeangepassten und einladenden Straßenraumgestaltung räumlich in einem straßenbegleitenden blau-grün gestalteten Streifen. Aufgrund von technischen, wasserwirtschaftlichen und pflanzenökologischen Anforde- rungen wird für den BGS-Korridor eine Mindestbreite von 2,30 m empfohlen. Der BGS-Flexstreifen beschreibt eine weitere Option für die gegenüberliegenden Straßenseite des BGS-Kor- ridor. Dieser Flexstreifen besteht, je nach Bedarf und Situation, aus Baumstandorten, Pkw- und Fahrradstell- plätzen. Zusätzlichen können, je nach Platzangebot, blau-grünen Elementen (z.B. Baumrigolen) integriert werden. Er ist angelehnt an den multifunktionalen Parkstreifen mit integrierten Bäumen, wie ihn die RASt vorschlägt (FGSV 2006). Weiterführende Informationen: Forschungsprojekt „Blue-Green-Streets - Multifunktionale Straßenraumgestal- tung urbaner Quartiere“Seite 52 von 71 49Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Typ: Anliegerstraßen/Wohnstraßen (ca. 10 - 14 m breit) z. B.: Heinemannstr., Marie-Schlei-Allee oder Genscherallee Dieser Straßentyp hat einen begrünten Mittelstreifen mit Baumbestand. Pro Richtung kann es bis zu zwei Fahr- spuren und einer dritten Abbiegespur geben. Beidseitig sind PKW-Stellfläche angeordnet. 10 m Parken Gehweg Gehweg 15 m Parken Parken Gehweg Gehweg 28 m Parken Parken Gehweg Mittelstreifen Gehweg Typ: Nebenstraßen (ca. 15 - 18 m breit) z.B.: Karl-Marx-Straße, Sträßchensweg, Achim-von-Arnim-Str., E.T.A.-Hoffmann- Str., Brentanostr., Heinrich-Lübke-Str. oder Riemenschneiderstr. Dieser Straßentyp hat überwiegend keinen Baumbestand auf städtischem Grund, die PKW-Stellflächen sind einsei- tig oder im Wechsel angeordnet. Durch die Erschließungsfunktion von Ein- oder Mehrfamilienhäusern gibt es vermehrt Zufahrten die in einer Umplanung zu beachten sind. Diese Straßen enden oft- mals in Sackgassen. Typ: Straße mit Mittelstreifen (ca. 25 - 30 m breit) z. B.: Baunscheidstraße, Annaberger Stra- ße, Olof-Palme-Allee, Max-Löbner-Straße, Friedrich-Wilhelm-Str., Zitelmannstr. oder Hochkreuzallee Dieser Straßentyp hat ein- oder zweisei- tiger Baumbestand und überwiegend beidseitig PKW-Stellflächen. Häufig haben diese Straßen eine Verkehrsverbindungs- funktion zwischen der Mobilen und der Urbanen Achse, bzw. bilden die Querver- bindungen zum Rhein oder in den Kotten- forst. Die Lage an den zukünftigen städte- baulichen Entwicklungsbereichen bietet das Potential diese Straßen im „Hucke- pack“ mitzuentwickeln.Seite 53 von 71 50Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten REFERENZTYP: UMGESTALTUNG NEBENSTRASSE Durch die Reduktion des Längsparkens und dem Ver- zicht auf eine komplette Parkreihe kann die notwen- dige Fläche für mehr Grüne und Blaue Elemente und mehr Aufenthaltsqualität generiert werden. Bestandssituation FLEX-STREIFEN >> Reduktion Parkstände • Wasserdurchlässiges Pflaster für Parkstände • Baumneupflanzung mit Baumrigolen und genügend Wurzelraum • Vergrößerung von bestehenden Baumscheiben • Ergänzung Fahrradständer BLAU-GRÜNER KORRIDOR >> Verzicht auf Parkstreifen • Anlegen eines BGS-Korridors, bzw. Erweiterung bestehender Streifen • Verdungstungs- und Versickerungsmulde auf ehem. Parkstreifen • Ergänzung des Baumbestands durch Neupflanzungen • Integration beschatteter Sitzgelegenheit Bestandsbaum Bestandsbäume BaumneupflanzungSeite 54 von 71 51Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Durch die Reduktion des versetzten, bzw. beidsei- tigem Längsparken können mehr Grüne und Blaue Elemente generiert werden. Gleichzeitig besteht das Potential durch Umwandlung in eine Fahrrad- oder Spielstraße mehr Qualität für nichtmotorisierte Ver- kehrsteilnehmer zu schaffen. FLEX-STREIFEN >> Reduktion Parkstände • Wasserdurchlässiges Pflaster für Parkstände • Baumneupflanzung mit Baumrigolen und genügend Wurzelraum • Vergrößerung von bestehenden Baumscheiben • Ergänzung Fahrradständer REFERENZTYP: UMGESTALTUNG ANLIEGER- / WOHNSTRASSE Bestandssituation Baumneupflanzung UMWANDELN Umwandlung in Begegnungszone, Fahrrad- oder SpielstraßeSeite 55 von 71 52Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Durch die Reduktion des Längsparken und dem Ver- zicht auf eine oder zwei Fahrspuren kann die not- wendige Fläche für mehr Grüne und Blaue Elemente und mehr Aufenthaltsqualität generiert werden. Bei einer konkreten Umsetzung muss hierbei die Kom- patibilität mit benötigten Kapazitäten des Kfz-Ver- kehrs beachtet werden. FLEX-STREIFEN >> Reduktion Parkstände • Wasserdurchlässiges Pflaster für Parkstände • Baumneupflanzung mit Baumrigolen und genügend Wurzelraum • Vergrößerung von bestehenden Baumscheiben • Ergänzung Fahrradständer REFERENZTYP: UMGESTALTUNG STRASSE MIT MITTELSTREIFEN Bestandssituation PROMENADE Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche, Spiel oder Sportmöglichkeiten Bestandsbaum Baumneupflanzung BLAU-GRÜNER KORRIDOR >> Reduktion Fahrspur • Erweiterung Mittelstreifen • Verdunstungs- und Versickerungsmulde auf ehem. Fahrspur • Ergänzung des Baumbestands durch Neupflanzungen • Integration beschatteter Sitzgelegenheit BestandsbäumeSeite 56 von 71 53Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten GRÜNE VIERTEL Das Bundesviertel möchte zukünftig stärker wachsen - auch im Wohnen. Damit steigt auch der Anspruch an die Grüne Infrastruktur und insbesondere auch an wohnortnahe Freiflächen und Pausenräume. Die bis- herigen Bewohner*innen verteilen sich zum überwie- genden Teil auf private Einfamilienhausgrundstücke mit Garten. Die zukünftigen Bewohner*innen werden dichter und ohne privates Grün wohnen und stärker durch Hitze belastet sein. Umso wichtiger sind die Neuanlage sowie Qualifizierung bestehender Grün- anlagen sowie der Blick auf die noch grauen Infra- strukturen und privaten Freiflächen. Dabei haben die Wohn- und Arbeitsviertel entsprechend ihrem Cha- rakter unterschiedliche Potentialräume für die Frei- raumentwicklung. BERLINER RING VIERTEL UND JOHANNITER VIERTEL Die Wohnviertel liegen als Enklaven inmitten der Dienstleistungs-, Verwaltungs- und Ministerien- landschaft des Bundesviertels. Es sind überwiegend monofunktionale Wohnstandorte mit keinem größe- Das Bundesviertel schafft neue Freiräume, erhält seinen Grünen Infrastrukturen und entwickelt diese weiter. Es schafft Möglichkeiten zur Aneignung und Teilhabe im Freiraum und verfolgt das Prinzip einer wassersensib- len, klimaangepassten und biodiversen Stadtentwicklung auf zukünftigen Baufeldern. ren städtebaulichen Transformationspotential (ge- mäß Rahmenplan). Hier wird es um die Anpassung und Qualifizierung der bestehenden Grünanlagen ge- hen. Im Sinne der Klimaanpassung und dem sensiblen Umgang mit Wasser können Potentiale im Straßen- raum aktiviert werden. MINISTERIEN-VIERTEL Das Ministerienviertel verfügt über großzügige be- grünte private Freiräume. Mit dem Robert-Schumann- Platz und den Verbindungen zum Grünzug Annaber- ger Bach ist es gleichzeitig durchzogen von öffentlich zugänglichen Grün- und Freiräumen. Dennoch fehlt es an Schattenplätzen, Aufenthalts- und Bewegungs- möglichkeiten (insbesondere für Pausenzeiten). Die klimatische Aufwertung des Robert-Schuman-Platzes und des Straßenraumes sowie die Schaffung von An- eigungsmöglichkeiten und Teilhabe stehen hier im Vordergrund. UN-VIERTEL Das UN-Viertel ist ein repräsentatives, stadtweit be- deutendes Viertel und Besucherstandort. Die öffentli- che Freiraumstruktur ist charakterisiert durch weitge- hend neu angelegte Plätze (Platz der Vereinten Natio- nen, Platz am Posttower und aufgewertete Straßen- räume (z.B. Heussallee). Die Grünanlagen am Rhein bilden die größten öffentlich zugänglichen Grünraum innerhalb des Plangebiets. Wichtige stadträumliche Aufgaben dieses Clusters sind die Heranführung an den Rhein und die Über- gänge zur Rheinaue. Mit den bestehenden Grün- und Freiräumen liefert es Ansätze zur Ausformulierung ei- nes Freiraumnetzes, das dem repräsentativen und ge- schichtsträchtigen Charakter des Viertels widerspie- gelt. Mit der Verknüpfung zur Museumsmeile und der Bahnhaltestelle UN Campus kann das Freiraumnetz sinnvoll ergänzt werden. GRÜNE VIERTEL UN-VIERTEL MINISTERIEN-VIERTEL VIERTEL RÜCKEN JOHANNITER VIERTEL BERLINER RING VIERTELSeite 57 von 71 54Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 2. Schulhof „Friedrich-Ebert-Gymnasium“ öffnen und klimaangepasst und wassersensibel gestalten Schulhöfe bieten Bewegungs- und Spielangebote für Kinder und Jugendliche. Außerhalb der Schulzeit, am Wochenende oder in den Ferien können diese Orte ein Flächenangebot für alle Kinder und Jugendliche in der Nachbarschaft sein. Für die Doppelnutzung der Schulhöfe sind entsprechende Regelungen zu treffen, die Schließzeiten und Haftungsfragen berücksichti- gen. Der Schulhof des Friedrich-Ebert-Gymnasium bietet dieses Potential im Bundesviertel. Durch entspre- chende Aufwertungsmaßnahmen können Entsieglung stattfinden und Versickerungs- und Verdunstungsbee- te angelegt werden, die der klimatischen Entlastung dienen. Gleichzeitig kann die Biodiversität gesteigert werden, indem die Schulhöfe naturnah gestaltet wer- den. 3. Palais Schaumburg öffentlich zugänglich machen Im „Masterplan Innere Stadt Bonn“ ist die Öffnung des Palais Schaumburg für die Öffentlichkeit bereits als ein Projekt im Rahmen des Leitmotivs Grüne Tritt- steine benannt worden. Auch im Grünrahmenplan zum Bundesviertel soll die Öffnung dieses Freiraums als besonderes Potential genannt sein. Die Grünräume des Palais Schaumburg bieten ein großes Erholungs- und insbesondere Aus- gleichspotential an Hitzetagen in den, in diesem Be- reich, dichten und belasteten Vierteln. 4. Neuanlage von Grünanlagen und Plätzen im Rahmen von städtebaulichen Entwicklungen Neben der Sicherung und Pflege der bestehenden An- lagen ist, insbesondere vor dem Hintergrund zukünf- tig steigender Bewohner*innenzahlen, die Neuanlage von Grün- und Freiflächen ein zentrales Ziel. Im Rah- men von städtebaulichen Entwicklungen (vgl. Rah- menplan Bundesviertel) werden Potentiale für neue VIERTEL RÜCKEN Der sogenannte Rücken ist charakterisiert durch ein Nebeneinander von unterschiedlichen städtebauli- chen Strukturen und Nutzungen (Wohnen, Arbeiten, Kultureinrichtungen). Im Rahmenplan sind für diesen Raum die umfänglichsten Transformationen und Ver- dichtungen in einem Raum mit bestehenden klimati- schen Belastungen und keinen öffentlichen Grünräu- men. Deshalb ist hier der Ansatz gewählt: den Stra- ßenraum und die privaten Freiflächen klimaangepasst und wassersensibel zu entwickeln und die Verbindun- gen zur Grünen Achse (westliche des Planungsrau- mes) zu stärken. Maßnahmen und Handlungsempfehlungen: 1. Bestehendes Quartiersgrün sichern, aufwer- ten und erweitern Das Bundesviertel wird zukünftig mehr Wohnende und Arbeitende haben. Damit einher gehen auch sozio-demografische Veränderungen und sich ver- ändernde Nutzer*innenansprüche an den Freiraum. Im Bestand treffen diese Veränderungen auf wenige, kleine Grünanlagen. Weiterhin können Grünanlagen und Stadtplätze im Sinne der Multicodierung, Aufga- ben der Kühlung aufnehmen, bei Starkregen als Über- flutungsraum zur Verfügung gestellt und hinsichtlich der Biodiversität qualifiziert werden. • Die bestehenden Grünanlagen und Spielplätze in den Wohnvierteln Johanniter und Ring-Viertel sollen schrittweise saniert und aufgewertet sowie den Nutzer*innenansprüchen angepasst werden. Sie bilden die Quartiersmitten und sind wichtige Treffpunkte und Kommunikationsorte. Erweiterungspotentiale bieten sich im Straßen- raum. • Der Robert-Schuman-Platz wird zum klimaange- passten Stadtplatz umgebaut. Zukünftig soll die, von ihm ausgehende Hitzebelastung minimiert werden und ein angenehmer Pausenraum durch Kühlung uns Verschattung entstehen.Seite 58 von 71 55Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Grün- und Freiflächen im Bundesviertel generiert. Der Fokus sollte auch hier auf einer klimasensitiven Gestaltung liegen, die auch die blau-grünen Prinzipien der Schwammstadt in den Mittelpunkt stellt. Es soll- ten multifunktionale Grünanlagen entstehen, die eine hohe Aufenthaltsqualität, Sport- und Bewegungsmög- lichkeiten bietet und ökologische Funktionen erfüllt. 5. Möglichkeiten der Aneignung und des Sel- bermachens fördern Integration und Teilhabe schaffen Verantwortung und Bewusstsein für die Grün- und Freiräume. Im Bundes- viertel zeigen sich bereits erste Ansätze, z.B. der Me- ander Garden, ein Urban Gardening Projekt der GIZ, oder die mobilen Grünen Inseln der AG Grüne Infra- struktur auf dem Robert-Schuman-Platz. Im Wettbewerbsergebnis „urban_dot” – städtebauli- che Entwicklung im Umfeld der Dottendorfer Straße wurde z.B. ein Bereich in der Parkanlage als Stadt- acker ausgewiesen. Aneignungsprozesse im Freiraum bieten das Potenti- al auch temporär und kurzfristig Freiraumqualitäten an Orten zu schaffen, wo ein kompletter Umbau nur langfristig gesehen erfolgen würde. Im Modellprojekt, „Treffpunkt Vielfalt – PikoPark“ hat der WILA Bonn mit Wohnungsunternehmen fünf klei- ne Parks realisiert – gemeinsam mit den Anwohnerin- nen und Anwohnern. Dabei wurde neben der Lebens- qualität der Menschen auch die Biologische Vielfalt gefördert. Maßnahmen und Potentiale: • Möglichkeiten für Bewohner*innen und Arbeitnehmer*innen den Raum (temporär) zu begrünen schaffen • Orte mit Möglichkeit der Aneignung ausweisen • Kooperationen anstreben: Grünpatenschaften mit Unternehmen, Ministerien, Kultureinrichtun- gen, Schule • Gemeinschaftsgärten im verdichteten Woh- nungsbau anregen 6. Aus Grau wird Grün: Transformation Straßen- raum zu blau-grünen Begegnungszonen und Frei- räumen Der „Rücken“ (zwischen Urbaner und Mobiler Achse) ist im Rahmenplan ein Schwerpunktraum für Nachverdichtung und urbane Transformation. Zukünftig sollen hier auch deutlich mehr Menschen wohnen. Der dadurch steigende Bedarf für öffentlich zugängliche Grün- und Parkanlagen kann im Viertel kaum gedeckt werden. Im Rahmenplan ist der Ansatz gewählt worden den Straßenraum in der Kulisse des „community path“ zu ertüchtigen. Der community path ist eine Verbindung von Straßenzügen mit den Merkma- len der Aufenthaltsqualität und qualitativem öffentlichem Raum. Das Entwicklungsgebiet der „Rücken“ verfügt über Anlie- gerstraßen in Nord-Süd-Richtung, die häufig in Sackgassen enden und keine hohe Pkw-Frequentierung haben. Diese Straßen sind überwiegend baumbestanden und bieten ein großes Potential zu Begegnungszonen umgestaltet oder ganz als Freiraum transformiert zu werden. So können z.B. Sitzmöglichkeiten, Spiel- und Sportbereiche oder gärtneri- sche Bereiche ergänzt werden. Gleichzeitig kann durch die Integration von Blühflächen im Begleitgrün die biologische Vielfalt gefördert werden. Bei der Entwicklung dieser Straßenräume sollten gleich- zeitig auch eine klimaangepasste und wassersensible Ge- staltung angewendet werden. Über die Integration von Elementen des Wasserrückhalts, der Versickerung und Ver- dunstung können abflusslose (Straßen)Räume entstehen, die einen Kühleffekt auf die angrenzende Bebauung haben. Maßnahmen: • Stellplatz- und Fahrbahnreduzierung zugunsten der Freiraumentwicklung, maximale eingeschränkte ver- kehrliche Nutzung für Anlieger*innen. • Straßenraum mit angrenzenden Randbegrünungen und privaten Gebäude-Vorzonen verknüpfen potentielle Straßen sind: • Dreizehnmorgenweg, Karl-Marx-Straße, Baunscheid- straße, Emil-Nolde-Straße, Paul-Clemen-Straße und Eduard-Pflüger-StraßeSeite 59 von 71 56Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 7. Mehrfachnutzung Bei knappen Flächen braucht es Überlagerungen von Flächenansprüchen. Mit diesem Prinzip kann auch der Bestand ertüchtig werden. So können z.B. Fassa- den begrünt, Dächer (in Abhängigkeit der Statik) als Wasserspeicher oder Habitat für Tier und Pflanzen genutzt werden, sowie Platzflächen und Grünanlagen als temporäre Retentionsräume dienen; bereits be- grünte Dächer können, durch abwechslungsreichere Pflanzungen, biodiverser gestaltet und sogar Tiefgara- genflächen aufgewertet werden. Zur Umsetzung von Maßnahmen im Bestand bedarf es einer Förderung sowie fachlicher Beratung, um Anreize für die Umgestaltung von privaten Gebäuden und Höfen zu schaffen. Mit dem Förderprogramm Be- grünung hat Bonn bereits ein Programm welches die Zielstellung der Gebäude- und Hofbegrünung verei- nigt. Bei Neubauprojekten sollte der Ansatz der Mehrfach- nutzung bereits von Anfang an mitgedacht werden. 8. Wassersensible, klimaangepasste und biodi- verse Stadtentwicklung Im Rahmenplan zum Bundesviertel werden diver- se städtebauliche Entwicklungsflächen auf derzeit brachliegenden oder schon bebauten Flächen ausge- wiesen. In jedem Fall wird das Bundesviertel mit je- dem umgesetzten Vorhaben dichter und ein Teil der noch freien Flächen wird verschwinden. Die bauliche Verdichtung sollte deshalb als Chance genutzt werden einen Mehrwert für die Grünentwick- lung, Klimaanpassung sowie für die Erhöhung der Bio- logischen Vielfalt umzusetzen. Zielsetzung eines jeden Vorhabens sollte es sein: opti- mal klimaangepasst, biodivers und abflusslos (d.h. kei- ne Entwässerung ins Kanalnetz) zu sein. Dafür muss die gesamte Oberfläche des Entwicklungsgebietes sowie die Verknüpfung mit angrenzenden Grün- und Freiräumen betrachtet werden. Gebäude stehen im Bundesviertel nicht dicht an dicht, sondern sind umgeben von Grün- und Freiräumen: In der folgenden Toolbox werden exemplarisch Maß- nahmen gezeigt, um diese Zielstellung zu erreichen. Seite 58 ff. Grünflächen, Wege, Verkehrsräume. Im Rahmen einer zukunftsgerichteten Freiraumplanung sollen diese vom Neben- zum Hauptschauplatz werden. Hier liegt das Potential für ein Netz aus grün-blauen Freiräumen (als Pausenraum, für die Verbesserung der Luftqualität, als Lebensräume für Tiere) das den Aufenthalt im Quartier besonders lebenswert macht. Maßnahmen: • Begrünen und Verschatten (z.B. Fassaden- begrünung, Dachbegrünung, Entsiegelung, Baumdach, technischer Sonnenschutz) • Klimakomfort und Wohlfühlen ermöglichen (z.B. schattige Sitzplätze anlegen, Wasserspie- le, (Trink-) Brunnen) • Durchlüften (z.B. Blöcke öffnen, Plätze als Leitbahnen nutzen) • Mehrfachnutzen (z.B. Dachbegrünung mit Kopplung Energieproduktion, Dachterrassen als nutzbarer Freiraum) • Biodiversität und Animal Aided Design integ- rieren (z.B. standortgerechte und klimaange- passte Auswahl an Gehölz- und Baumarten, Trittsteine etablieren, belebte und begrünte Fassaden und Dächer) • Durchführung von Öffentlichkeitsarbeit bei Biodiversitätsfördernden Maßnahmen wie Nistkästenanbringung oder Blühwiesen (z.B. durch Anbringung von Schildern, begleitender Pressearbeit etc. )Seite 60 von 71 57Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Unterstützte Leitlinien Maßnahmen und Handlungsempfehlungen der Grünen Viertel 1. Bestehendes Quartiersgrün sichern, aufwerten und erweitern 2. Schulhof „Friedrich-Ebert-Gymnasium“ öffnen und klimaangepasst und wassersensibel gestalten 3. Palais Schaumburg öffentlich zugänglich machen 4. Neuanlage von Grünanlagen und Plätzen im Rahmen von städtebauli- chen Entwicklungen 5. Möglichkeiten der Aneignung und des Selbermachens fördern 6. Aus Grau wird Grün: Transformation Straßenraum zu blau-grünen Be- gegnungszonen und Freiräumen 7. Mehrfachnutzung 8. Wassersensible, klimaangepasste und biodiverse StadtentwicklungSeite 61 von 71 58Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten Toolbox 2 MASSNAHMEN FÜR EINE BIODIVERSE, KLIMAANGEPASSTE UND WASSERSENSIBLE BAUFELDENTWICKLUNG Zielstellung: Die Neubauentwicklungen und zukünftigen städtebaulichen Transformationen im Bundesviertel sind klimaan- gepasst, biodivers und weitgehend abflusslos. Die verschiedenen Maßnahmen zur Hitzereduzierung, wasser- sensiblen Gestaltung und ressourcenschonenden Umgang mit Wasser im Freiraum werden zusammenge- dacht, um so den größtmöglichen Effekt zu erzielen. Bei beengten Verhältnissen und dichten Strukturen spielt die Verknüpfung von privaten und öffentlichen Freiflächen eine bedeutende Rolle. Mit den Maßnahmen zur Klimaanpassung und einer wassersensiblen Gestaltung werden gleichzeitig Orte der Biodiversität und qualitative Grün- und Freiräume - Wohlfühlorte: Verweilen zwischen Grünen Fassaden, Schatten und Kühlung für Arbeitende und Bewohner*innen, schneller Zugang zu grünen Aufenthaltsräumen in der Mittagspause oder für den abendlichen Spaziergang geschaffen. Im Folgenden werden verschiedene Maßnahmen im Freiraum für eine klimaangepasste und wassersensible Baufeldentwicklung exemplarisch dargestellt. Die städtebauliche Struktur der zwei Referenztypen orientiert sich an den zukünftigen städtebaulichen Entwicklungsflächen gemäß dem Rahmenplan. Dichte, Gebäudetyp, Anschluss an öffentliche Grünräume, Platzsituationen, Straßen- und Wegeflächen wurden beispielhaft aus den Planungen zum Rahmenplan und weiterführenden Planungen erstellt, um so eine Übertragbarkeit auf die un- terschiedlichen zukünftigen Bauflächen zu generieren. Referenztyp 1: dichte Blöcke, kleine In- nenhöfe, Tiefgaragen, schmale Erschlie- ßungsfugen (z.B. EZMW, Baunscheidstr., DHL Campus) Referenztyp 2: Blockstruktur mit grö- ßeren Innenhöfen, ohne Tiefgaragen, Quartiersplätze (z.B. Landesbehörden- haus) Tiefgaragen QuartiersplatzSeite 62 von 71 59Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten RÜCKHALT, VERDUNSTEN UND VERSICKERN IM KASKADEN-PRINZIP • Rückhalt und Verdunstung auf Blau-Grünen Dachflächen (Tiefgaragen), ggf. zusätzli- cher Rückhalt in Zisternen (Zisternenwasser zur Bewässerung in Trockenzeiten) • Gedrosselter Abfluss in Retentions- oder Verdunstungbeeten im Innen- hof oder im angrenzenden privaten oder öffentlichen Erschließungsraum/ Platzflächen • Versickerung in kompakten Versickerungsmulden oder Rigo- len für überschüssiges Wasser auf privaten Grünflächen oder in Verbindung mit angrenzenden öffentlichen Freiflächen • Retentionsraum bei Starkregen auf privaten Grünflächen oder in Verbindung mit angrenzen- den öffentlichen Freiflächen Abb. 26 Kaskaden-Prinzip [Zeichnungstitel]1 Lay-1 Rückhalt + Verdunstung Retentions- und Verdunstungsbeete Versickerung Versickerungs- und Retentionsraum Zisterne BewässerungSeite 63 von 71 Seite 64 von 71 61Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten REFERENZTYP 1: dichte Blöcke, kleine Innenhöfe, Tiefgargen, schmale Erschließungsfugen MEHRFACHNUTZ Nutzung von öffentlichen Grünflächen für die Ver- sickerung oder als Retention bei Starkregen BEGRÜNEN Fassaden und Dachbegrünung BIODIVERSITÄT Dachhabitate MEHRFACHNUTZEN Energiegewinnung und Dachbegrünung BEHERBERGEN betierte Fassaden: Nistmöglichkeiten, Winterquartiere (dabei auf insekten- freundliche Beleuchtung achten) DURCHLÜFTEN Blöcke öffnenSeite 65 von 71 62Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten KLIMAKOMFORT UND WOHLFÜHLEN • Schattige Sitzplätze anlegen • Wasserspiele, (Trink-) Brunnen DURCHLÜFTEN • Blöcke in Hauptwindrichtung öffnen, um Durch- lüftung und Abkühlung zu ermöglichen • Plätze als Leitbahnen nutzen, Windrichtungen beachten MEHRFACHNUTZEN • Extensive und intensive Dachbegrünung mit Kopplung Energieproduktion, z.B. PV-Anlagen • Dachterrassen als Pausenraum, Spiel- und Sport- möglichkeiten auf dem Dach BIODIVERSITÄT UND ANIMAL AIDED DESIGN • Fassadenbegrünung, v.a. auf Süd- und Westseite • Extensive und intensive Dachbegrünung mit Biodiversitätselementen • Belebte und begrünte Fassaden mit integrierten Nistmöglichkeiten und Winterquartieren, Spal- tenquartieren (Beachtung der Ausrichtung/Him- melsrichtung je nach Tierart) • Standortgerechte und klimaangepasste Auswahl an Gehölz- und Baumarten • Begrünte Bereiche als Teil des Biotopverbundes schaffen und verknüpfen (Trittsteine etablieren) • Ausbildung von Feuchthabitaten, gezielte Pflan- zenauswahl • Insektenfreundliche Beleuchtung beachten • Vermeidung von Vogelschlag an Glas (z.B. halb- transparente Materialien) MASSNAHMEN FÜR DIE REFERENZTYPEN 1 UND 2 (FORTSETZUNG) KLIMAKOMPFORTPLÄTZE ANLEGEN begrünte Stadtplätze, Sonnenschutz, Wasserspiel, Brunnen MEHRFACHNUTZEN Spiel- und Sportmöglichkeiten auf dem Dach, Dachgarten RÜCKHALTEN UND KÜHLEN Begrünte Baumscheiben, BaumrigolenSeite 66 von 71 63Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten REFERENZTYP 2: Blockstruktur mit größeren Innenhöfen, ohne Tiefgaragen, Quartiersplätze BEGRÜNEN Fassaden und Dachbegrünung BIODIVERSITÄT Dachhabitate MEHRFACHNUTZEN Energiegewinnung und Dachbegrünung RÜCKHALTEN UND KÜHLEN Blau-Grüne-Dächer KÜHLEN UND VERSICKERN Retentions- und Verdunstungsbeete, kompakte Versickerungsmulden BEHERBERGEN betierte Fassaden: Nistmöglich- keiten, Winterquartiere (dabei auf insektenfreundliche Beleuch- tung achten)Seite 67 von 71 64Grünrahmenplan - Bundesviertel bgmr Landschaftsarchitekten 5. UMSETZUNGSKONZEPT Der Grünrahmenplan zeigt Maßnahmen und Hand- lungsempfehlungen der grünen und grauen Infra- struktur sowohl bei den öffentlichen als auch privaten Flächen. Der Zugriff ist jedoch unterschiedlich und muss berücksichtigt werden. Es entstehenen kom- plexe Entwicklungsabhängigkeiten, die eine konkrete Phasierung in kurz-, mittel- und langfristige Maßnah- men nicht zielführend machen. Das Umsetzungskonzept nimmt eine Einteilung der Maßnahmenräume vor und benennt Schlüsselprojek- te. MASSNAHMENRÄUME AUF STÄDTISCHEN FLÄCHEN Hier sind die Maßnahmenräume verzeichnet, die aufgrund der Eigentumsverhältnisse durch die Stadt Bonn initiiert und umgesetzt werden können. Dazu gehören: • Grünzug Annaberger Bach (außer Ergänzungsflä- chen) • Maßnahmen in Straßenräumen • Öffentliche Grünflächen MASSNAHMEN IN ABHÄNGIG- KEIT VON STÄDTEBAULICHEN ENTWICKLUNGEN Im Zusammenhang mit städtebaulichen Entwicklun- gen basierend auf der Rahmenplanung können neue Grünräume geschaffen und benachbarte Maßnah- men initiiert und umgesetzt werden. Die Zielsetzung einer klimaangepassten und wasser- sensiblen Baufeldentwicklung ist in zeitlicher Abhän- gigkeit der Entwicklungsbereiche umzusetzen. Schlüsselprojekte für eine Blau-Grüne Entwicklung sind, aufgrund bereits angelaufener Planungen: • Landesbehördenhaus • DHL Campus • Entwicklungsgebiet am EZMW 5. SCHLÜSSELPROJEKTE Aus Grau mach Grün Qualifizierung Grüne Infrastruktur Transformation Karl-Marx Straße am Friedrich-Ebert-Gynasium zu einem blau- grünen Freiraum 6. 7. Transformation Emil-Nolde-Straße am Kunstmuseum und der Bundeskunsthalle zu einer blau-grünen Begegnungszone Transformation Heinemannstraße zu einer blau-grünen Promenade (nach Vor- bild Heusallee) mit Anschluss/Öffnung Friesdorfer Park 2. Schulhof „Friedrich-Ebert-Gymnasium“ öffnen und klimaangepasst und wasser- sensibel gestalten Aufwertung und Erweiterung des be- stehenden Quartiersgrün im Johanniter Viertel: Grünanlage Adalbert-Stifter- Straße 3. Aufwertung und Erweiterung des beste- henden Quartiersgrün im Ringviert
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 10:39 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de