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230153 · Beschlussvorlage

Optimierung der vorhandenen Gelbbauchunken-Tümpel an der Heckelsgasse, Bonn - Oberkassel

Nummer
230153
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
18.01.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Naturschutzbeirates 18.01.2023 Entscheidung federführend
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Beschlussvorlage
öffentlich
230153
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Optimierung der vorhandenen Gelbbauchunken-
Tümpel an der Heckelsgasse, Bonn - Oberkassel
Beratungsfolge
Naturschutzbeirat 18.01.2023 Entscheidung
Begründung der Dringlichkeit:
Es handelt sich im vorliegenden Fall um bereits vorhandene, besiedelte
Gewässer. Zur Aufrechterhaltung des Lebensraumes und zum Erhalt der
vorhandenen Population ist eine erneute Sanierung der Gewässer vor dem
kommenden Frühjahr zwingend erforderlich. Die nächste Sitzung des
Naturschutzbeirates findet erst am 15.03.2023 statt. Daher ist eine
Beschlussfassung zu diesem Punkt in der Sitzung am 18.01.2023 erforderlich.
Beschlussvorschlag
Der landschaftsrechtlichen Befreiung zur Sanierung der vorhandenen
Gewässer an der Heckelsgasse, Bonn-Oberkassel, mittels Abdichtung mit
Zement-Guss und Ausstreichung mit Dichtschlamm wird zugestimmt.
Begründung
Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) nutzt als typische Pionierart
sonnenexponierte Klein- und Kleinstgewässer als Laichplatz. Die Gewässer
sind meist vegetationslos und frei von Fressfeinden. In Nordrhein-Westfalen
erreicht die Gelbbauchunke ihre nördliche Verbreitungsgrenze. Die
Gelbbauchunke ist eine Anhang II- und Anhang IV-Art der FFH-Richtlinie und
gilt europaweit als hochgradig gefährdet und streng geschützt. In NRW gilt die
Art als vom Aussterben bedroht und kommt vor allem in den Randlagen der
Mittelgebirge vor (LANUV NRW).
Die Population der Gelbbauchunke an der Heckelsgasse stellt zusammen mit
den Tieren im Härlepark durch den Bau der B42n ein isoliertes Vorkommen der
Siebengebirgs-Population dar. Der Lebensraum wird seit vielen Jahren von der
Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft e.V. und Ehrenamtlichen gepflegt.
In direkter Nachbarschaft zur damaligen Schwerpunktfläche liegt die
Maßnahmenfläche, welche sich im Eigentum der Stadt Bonn befindet und bisSeite 1 von 5
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2010 ungenutzt war bzw. in der Vergangenheit als wilde Müllkippe genutzt
wurde. Anwohner*innen und die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft e.V.
regten 2010 an, die Fläche in einen Lebensraum für Gelbbauchunken
umzuwandeln. Im gleichen Jahr entfernte die Stadt Bonn den Müll, baute Lehm
ein und legte probeweise erste Gewässer an, die leider nur kurzfristig das
Wasser hielten.
Nach einem erfolgreichen Bürgerantrag im Jahr 2011 erhielten die Biologische
Station Bonn/Rhein-Erft und die Anwohner*innen die Möglichkeit, die Fläche zu
überarbeiten und für die Gelbbauchunke weiter zu optimieren. Die Fläche
wurde mit dem Material Dernoton abgedichtet und anschließend wurden
mithilfe von Naturton mehr als 30 Kleingewässer angelegt.
Da die Sukzession schnell einsetzte und die Gelbbauchunke eine Pionierart ist,
die auf weitgehend pflanzenfreie Gewässer angewiesen ist, mussten die
Gewässer seitdem jährlich gepflegt werden. Dennoch konnte die Sukzession
nicht aufgehalten werden, da die leider zu geringe Dicke der verbauten
Naturtonschicht es nicht erlaubte, die Gewässer massiv zu überarbeiten. Durch
die aufkommenden Pflanzen wurden Prädatoren wie Libellen und Wasserkäfer
angelockt, was zu Reproduktionsausfällen auf der Maßnahmenfläche führte.
Aus diesem Grund wurden die Gewässer im Jahr 2021/2022 noch einmal
überarbeitet und erhielten eine zusätzliche Abdeckung aus 30 cm Naturton, die
es nun erlauben sollte, regelmäßig einen Teil der Gewässer neuzugestalten. An
der Dichtschicht und den bisherigen Tonlagen wurde nichts verändert.
Die extreme Trockenheit im Jahr 2022 hat jedoch gezeigt, dass diese Bauweise
in den kommenden Jahren keine Zukunft mehr haben wird. Wie überall in
Deutschland trockneten in den letzten Jahren die Böden im Frühjahr und
Sommer bis in mehrere Meter Tiefe aus. Natürliche Dichtmaterialien wie Ton
oder auch Dernoton trocknen dann nicht nur von oben durch Verdunstung aus,
sondern durch die kapillare Sogwirkung des umgebenden Bodens auch von
unten. Dies führt dazu, dass die Dichtschichten von unten dauerhaft rissig bzw.
undicht werden. Dies geschah auch bei den Gewässern in der Heckelsgasse:
sowohl der oberflächliche Ton als auch die Dichtschicht trockneten durch und
wurden damit undicht.
Die fehlende Staunässe führte im späteren Jahresverlauf zudem zu
verstärktem Pflanzenaufwuchs.
Die Gesamtmaßnahme seit 2010 ist bisher als Erfolg anzusehen, da auf der
Fläche täglich mehr als 100 erwachsene Gelbbauchunken beobachtet werden
konnten. Insgesamt konnte zusammen mit den Tieren auf dem Gelände eines
angrenzenden Anwohners der Gesamtbestand von ursprünglich etwa 30 Tieren
in den 2000er Jahren auf aktuell ca. 300-350 Tiere erhöht werden.
Der Klimawandel lässt allerdings erwarten, dass Hitze und Trockenheit nun
jährlich in den Frühjahrsmonaten wiederkehren und es ist zu befürchten, dass
die Gewässer ohne weitere Maßnahmen nicht mehr den benötigten
Lebensraum für die Gelbbauchunken bieten können.
Die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft e.V. beabsichtigt daher, dieSeite 2 von 5
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Kleinstgewässer an der Heckelsgasse umzubauen. Wie bei den
Kleinstgewässern für die Gelbbauchunkenvorkommen im Naturschutzgebiet
Ennert ist daher nun auch hier vorgesehen, die Mulden händisch mit Zement-
Guss auszugießen und mit Dichtschlamm auszustreichen. Die Betongewässer
haben den Vorteil, dass sie länger das Wasser halten und vor allem nicht
verkrauten und somit keine geeigneten Habitate für Fressfeinde bieten. Somit
können optimale Lebensbedingungen für die Gelbbauchunke geschaffen
werden. Die Reinigung im Herbst und Winter ist deutlich einfacher
durchzuführen und ermöglicht im Frühjahr hervorragende Startbedingungen für
die Gelbbauchunken. Zudem ist auf den Maßnahmenflächen der Einsatz mit
schwerem Gerät nicht mehr so häufig erforderlich, da die Betongewässer nicht
mehr mit dem Bagger bearbeitet werden müssen. Die Gewässer fügen sich gut
in das Landschaftsbild ein und dunkeln nach kurzer Zeit durch das Ansetzen
von Algen nach.
Die betroffene Fläche liegt im Geltungsbereich des Landschaftsplanes Ennert
und im Landschaftsschutzgebiet 2.6 Hangbereiche südwestlich der A 59 und B
42n Küdingshoven / Oberkassel. Dieses Landschaftsschutzgebiet gliedert sich
in zwei Teilflächen nördlich und südlich des Ramersdorfer Knotens. Es handelt
sich um ein Gelände mit hoher struktureller Vielfalt, in dem der Eichen-
Hainbuchen-Buchen-Niederwaldrest – durch die A 59 vom Ennertwald
abgetrennt – in waldartige Zwetschgenbrachen und Grünlandbrachen übergeht.
Die Schutzgebietsausweisung erfolgte
- zur Erhaltung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des
Naturhaushalts und der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
- wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes und
- wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung.
Nach den textlichen Festsetzungen des Landschaftsplanes Ennert ist im
Landschaftsschutzgebiet verboten,
- Aufschüttungen, Abgrabungen oder Ausschachtungen vorzunehmen
oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern,
- fließende oder stehende Gewässer anzulegen oder zu verändern.
Das ursprüngliche Vorhaben wurde mit der Unteren Naturschutzbehörde
abgestimmt und die notwendige landschaftsrechtliche Genehmigung wurde
erteilt. Für die geplante Betonabdichtung ist eine Ergänzung bzw. Erweiterung
der bestehenden Genehmigung erforderlich.
Der Naturschutzbeirat wird gebeten, dem Vorhaben zuzustimmen.
Anlage/n
1 Sanierung der Gelbbauchunkengewässer an der Heckelsgasse_Anhang
(öffentlich)Seite 3 von 5
1
Optimierung vorhandener Gelbbauchunken-Tümpel an der
Heckelsgasse
Anhang
Abb. 1: Zustand 2010
Abb. 2: Zustand 2011
Abb. 3: aufkommendes Pflanzenwachstum 2020Seite 4 von 5
2
Abb. 4: Zustand Frühjahr 2022
Abb. 5: Extreme Trocknungsrisse Sommer 2022Seite 5 von 5

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Datenstand: 02.11.2026, 23:07 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de