230063 · Beschlussvorlage
Touristisches Leitbild der Stadt Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 230063
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 17.01.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 230063 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 03 Amt für Wirtschaftsförderung Dezernat: Dez. OB Touristisches Leitbild der Stadt Bonn Beratungsfolge Ausschuss für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 31.01.2023 Empfehlung Rat 09.02.2023 Entscheidung Beschlussvorschlag 1. Der Rat der Stadt Bonn nimmt das Touristische Leitbild zustimmend zur Kenntnis. 2. Das Leitbild soll als Grundlage zukünftigen Verwaltungshandelns dienen und Impulse für die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit externen Partnern und Leistungsträgern sowie mit dem Rhein-Sieg Kreis und der Tourismus und Congress GmbH geben. Insbesondere ist den dort formulierten Zielen und Handlungsfeldern sowie Vermarktungsstrategien zu folgen. Es soll, entsprechend den Empfehlungen des Berichts, geprüft werden ob Strukturen und Ressourcen neugeordnet bzw. bereit gestellt werden sollen und der Politik hierzu entsprechende Vorschläge unterbreitet werden. Begründung Unter Federführung des Amts für Wirtschaftsförderung (hier: Bonn-Information) und in enger Abstimmung mit dem Amt für Presse, Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit wurde im September 2022 unter Beauftragung der Agentur dwif mit der Ausarbeitung eines Touristischen Leitbildes der Bundesstadt Bonn begonnen (vgl. DSNR 221783). Es erfolgte die Einbindung von Verwaltung, Politik und touristischen Leistungsträgern, Akteur*innen und Partner*innen der Stadt über die Durchführung von Fachgesprächen sowie einem Workshop im Oktober und einem Workshop im November 2022. Parallel wurden die (Zwischen-)Ergebnisse seitens der Agentur dwif über ein sog. Mural Board allen Beteiligten online zur Diskussion und Kommentierung gestellt. Gemeinsam wurden so Vision, Ziele, Leitthemen sowie Handlungsfelder für das zukünftige Vorgehen und die touristische Vermarktung von Bonn erarbeitet und festgeschrieben. So ist ein gemeinsamer Handlungsrahmen entstanden, welcher insbesondere den Akteuren innerhalb aber auch außerhalb der Verwaltung Orientierung und Perspektive geben soll, für künftige Maßnahmen,Seite 1 von 45 Seite 2 Strukturen und Vermarktungsstrategien von profilschärfenden Themen und Produkten in Bonn und der Region. Auch die besondere Bedeutung des Tourismus für die Stadt Bonn wird ergänzend anhand der zusätzlich ermittelten wirtschaftlichen Effekte aufgezeigt. Der Aufbau und die Inhalte des Touristischen Leitbildes werden anhand einer Präsentation über die Agentur dwif in der Sitzung des AEIWWA erläutert. Anlage/n 1 Touristisches-Leitbild (öffentlich)Seite 2 von 45 Entwickelt in Zusammenarbeit mit der dwif-Consulting CmbH Touristisches Leitbild der Bundesstadt BonnSeite 3 von 45 Bonn und Region haben touristisch viel zu bieten: Das ist eine große Chance und wichtige Aufgabe zugleich. Für die Stadt Bonn ist es an der Zeit, die touristischen Leitthemen neu zu bewerten. Hier spielen die allgemeinen Veränderungen im Reiseverhalten, der starke Wett- bewerb im Städtetourismus, die fortschreitende Digitalisierung so- wie die notwendigen Anpassungen im Zuge des Klimawandels eine Rolle. Daher hat die Verwaltung ‒ auf Initiative des Amts für Wirtschaftsförderung und des Amts für Presse, Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit – im September 2022 die Agentur dwif damit beauf- tragt, uns bei der Erstellung eines Touristischen Leitbilds der Bundesstadt Bonn zu begleiten. Hier- bei war es uns von Beginn an wichtig, einen partizipativen Prozess einzuleiten, indem Expertisen und Perspektiven aus unterschiedlichen Blickwinkeln einbezogen werden sollen. Ich möchte mich herzlich bei allen Beteiligten bedanken, die sich aktiv in die Erarbeitung des Leitbildes mit ihren wertvollen Erfahrungen und Meinungen eingebracht haben. Das vorliegende Touristische Leitbild zeichnet eine Vision für das Jahr 2030, mit Zielen, Handlungsfeldern, Schwer- punktthemen und Zielgruppen. Diese geben den Akteur*innen in Verwaltung, Politik, Tourismus- wirtschaft Orientierung und Perspektive. Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für die Stadt Bonn ist enorm: 2019 belief sich der durch den Tourismus erzeugte Bruttoumsatz auf fast 1,3 Milliarden Euro. Fast alle Wirtschafts- zweige profitieren vom Tourismus, allen voran das Gastgewerbe (Beherbergung und Gastronomie) und der Einzelhandel. Es gilt also mehr denn je, sich in einem anspruchsvollen Reisemarkt zu platzieren und zu profilie- ren! Machen wir uns gemeinsam auf den Weg für einen starken Tourismus in Bonn und Region! Katja Dörner Oberbürgermeisterin der Bundesstadt Bonn VorwortSeite 4 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 3 Ansprechpartner*innen MARKUS SEIBOLD MARTINA KIRCHHOFF-FEIL DR. ANDREA MÖLLER Prokurist & Leiter Destinationsmanagement m.seibold@dwif.de Tel. +49(0)89/237028 9-19 Consultant m.kirchhoff@dwif.de Tel. +49(0)30/757949-29 Senior Consultant a.moeller@dwif.de Tel. +49(0)89/237028 9-13 dwif-Consulting GmbH Marienstr. 19/20, 10117 Berlin Sonnenstr. 27, 80331 München www.dwif.de dwif-Consulting GmbH München/Berlin, den 5. Januar 2023Seite 5 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 4 MANAGEMENT SUMMARY .......................................................................................................................................- 5 - I. ENTSTEHUNG UND PROZESS ...................................................................................................................- 8 - II. ANALYSE .......................................................................................................................................................................- 9 - III. TOURISMUSVISION BONN 2030 .......................................................................................................... - 17 - IV. ZIELE UND HANDLUNGSFELDER........................................................................................................ - 19 - 1. Ziele für die Tourismusentwicklung Bonns bis 2030 ...................................................... - 19 - 2. Handlungsfelder ....................................................................................................................................... - 22 - V. ZUKÜNFTIGE SCHWERPUNKTTHEMEN UND ZIELGRUPPEN.................................. - 25 - 1. Eignung der Themenvielfalts Bonns für die touristische Vermarktung ............. - 25 - 2. Zukünftige Schwerpunkt- und Entwicklungsthemen Bonns ..................................... - 26 - 2.1 Themen im Leisure-Segment .............................................................................................. - 26 - 2.2 Schwerpunktthema: Kongress- und UN Stadt Bonn .......................................... - 29 - 3. Hauptzielgruppe für Bonn: Das Sinus-Milieu der Postmateriellen ....................... - 30 - VI. PERSPEKTIVE TOURISMUS BONN ...................................................................................................... - 32 - VII. ERGÄNZENDE INFORMATIONEN....................................................................................................... - 33 - 1. Stärken-Schwächen-Analyse zum Tourismus in Bonn ................................................... - 33 - 2. Beteiligte im Leitbildprozess ............................................................................................................ - 39 - INHALTLICHE BEARBEITUNG / IMPRESSUM …………………………………………………….…...… - 42/43 -Seite 6 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 5 Die folgende Management Summary fasst die wichtigsten Inhalte des Touristischen Leitbilds der Bundesstadt Bonn für schnelle Leser*innen zusammen. Es liegt in der Natur der Sache, dass wich- tige Hintergrundinformationen nur aus der ausführlichen Fassung hervorgehen können. Daher empfiehlt sich die Lektüre des gesamten Leitbildes, wenn inhaltliche Fragen zu den Beweggründen für bestimmte Schlussfolgerungen und Zielformulierungen entstehen sollen. Entstehung des Leitbilds Das touristische Leitbild der Bundesstadt Bonn schärft das touristische Profil Bonns, indem es Ziele und Handlungsfelder vorgibt, auf die die Stadtverwaltung und touristische Akteur*innen ge- meinsam hinarbeiten wollen. Es wurde im Zeitraum September bis Dezember 2022 im Rahmen ei- nes partizipativ angelegten Prozesses erarbeitet. Beteiligt waren sowohl Vertreter*innen der Stadtverwaltung als auch zahlreiche Akteur*innen aus Politik und Tourismus. Über Fachgespräche, Workshops und eine virtuelle Beteiligungsplattform konnten die Mitwirkenden mehrfach ihre fach- lichen Einschätzungen einbringen und den aktuellen Entwicklungsstand des Leitbildes kommentie- ren. Soweit möglich und sinnvoll wurden diese dann für das vorliegende Leitbild berücksichtigt. Das Leitbild basiert auf einer einleitenden Kurzanalyse, die sowohl statistische Daten als auch vor- handene Studien über Bonn berücksichtigte. Ein Bestandteil war auch die Berechnung der wirt- schaftlichen Effekte des Tourismus für Bonn im Jahr 2019, um die Bedeutung dieses Wirtschafts- zweigs erstmals in Zahlen fassen zu können. Neun Kernaussagen bringen schließlich die wichtigs- ten Erkenntnisse der Analyse für unterschiedliche Themenfelder auf den Punkt. Im Rahmen des partizipativen Prozesses erarbeiteten die Beteiligten aufeinander aufbauend eine Tourismusvision für Bonn und definierten gemeinsam die bis 2030 zu erreichenden Ziele für die Weiterentwicklung des Tourismus, die hierfür zu bearbeitenden Handlungsfelder ebenso wie die zukünftigen Schwerpunktthemen und Zielgruppen. Vision 2030 für die Bundesstadt Bonn Die „Tourismusvision Bonn 2030“ beschreibt den aus Sicht der Beteiligten anzustrebenden Zu- stand im Jahr 2030. Es handelt sich um die Darstellung eines Zukunftsbildes, auf dessen Erreichung alle relevanten Beteiligten in Bonn hinarbeiten wollen. Inhaltlich geht sie auf den angestrebten qua- litätsorientierten Wachstumskurs ein, auf die zu erreichende Außenwirkung Bonns und den in das Alltagsgeschäft zu überführenden Fokus in der Produkt- und Angebotsentwicklung sowie im Mar- keting. Ebenso erfasst sind die Art und Weise der anvisierten Zusammenarbeit und wichtige inhalt- liche Schwerpunkte wie Nachhaltigkeit, Inklusion, Tourismusbewusstsein und Aufenthaltsqualität.Seite 7 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 6 Ziele und Handlungsfelder für die Tourismusentwicklung bis 2030 Um die zuvor beschriebene Tourismusvision für Bonn 2030 Realität werden zu lassen, wollen Stadtverwaltung und Tourismusbeteiligte die folgenden Hauptziele für die Weiterentwicklung des Tourismus in Bonn verfolgen: Übergeordnetes Ziel 1: Realisierung eines qualitätsorientierten Tourismuswachstums Ziel 2: Entfaltung einer reiseanlassstiftenden Produktentwicklung und eines themenorien- tierten Zielgruppenmarketings Ziel 3: Verbesserung der Strukturen und der Zusammenarbeit in Bonn und mit dem Rhein- Sieg-Kreis Ziel 4: Förderung eines nachhaltigen Tourismus und Stärkung des Tourismusbewusstseins Ziel 5: Sicherstellung einer bedarfs- und zielgruppengerechten Aufenthaltsqualität und The- menerlebbarkeit für Gäste Entsprechend der Ziele definiert und beschreibt das Leitbild vier zentrale Handlungsfelder, in de- nen umfangreiche Maßnahmen zur Realisierung der Ziele umgesetzt werden müssen. Zukünftige Schwerpunktthemen und Zielgruppen Bonn verfügt über eine Vielzahl von touristischen Angeboten und Themen, die sich jedoch in ganz unterschiedlichen Entwicklungszuständen befinden, und dadurch teilweise bedingt für eine touris- tische Vermarktung geeignet sind. Eine Fokussierung auf die erfolgsträchtigsten Themen und Ziel- gruppen ist wichtig. Die vielgerühmte Angebotsvielfalt ist kein Alleinstellungsmerkmal. Um Pro- duktentwicklung und Marketing stärker zu fokussieren und Angebote zu bündeln, wurden daher Schwerpunkt- und die Entwicklungsthemen sowohl für das Leisure1- als auch für das MICE2-Seg- ment definiert: Schwerpunktthemen im Leisure-Segment (Arbeitsbezeichnungen) Beethoven- und Kulturstadt Bonn mit den inhaltlichen Schwerpunkten (mit inhaltlichen An- passungen im Auslandsmarketing) Kulturelles und authentisches Bonn Beethovens Bonn Politisches Bonn & deutsche Nachkriegsgeschichte Bonn - Tor zum Romantischen Rhein Natur und Aktiv entlang des Rheins Märchenhaftes Siebengebirge & Drachenfels __________________________________________________________________________________________________ 1 Leisure: Tagestourismus sowie nationaler und internationaler Übernachtungstourismus (privatmotiviert). 2 MICE: steht für Meetings, Incentives, Konferenzen und Ausstellungen. Üblicherweise versteht man unter MICE vor allem geschäftli- che Veranstaltungen (www.cvent.com).Seite 8 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 7 Entwicklungsthemen im Leisure-Segment UN Stadt Bonn Weltkulturerbe Niedergermanischer Limes Schwerpunktthemen im MICE-Segment (Arbeitsbezeichnung) Kongress- und UN Stadt Bonn Fokussierung auf die werteorientierte Zielgruppe der „Postmateriellen“ (Sinus- Milieu) Die Formulierung von Themenschwerpunkten für das touristische Marketing allein reicht heute nicht mehr aus. Vielmehr ist ein themenorientiertes Zielgruppenmarketing notwendig, welches die Werteorientierung der möglichen Gäste berücksichtigt. Daher fokussiert sich das touristische Mar- keting für Bonn zukünftig vor allem auf das Postmaterielle Milieu3, da sich Bonn für dieses beson- ders gut eignet und diese Zielgruppe zugleich eine wichtige Scharnierfunktion für weitere Milieus erfüllt, so dass der Fokus nicht zu limitierend wirkt. Zudem folgt diese Fokussierung der Empfeh- lung der Landestourismusstrategie für Nordrhein-Westfalen. Perspektive Tourismus Bonn Mit dem vorliegenden Leitbild hat die Stadtverwaltung der Bundesstadt Bonn einen wichtigen Grundstein für eine zielgerichtete Weiterentwicklung des Tourismus in Bonn gelegt. Für die Ver- wirklichung des Leitbilds sind nun nicht nur die Stadtverwaltung und die Bonn Information gefor- dert, sondern auch die T&C und die weiteren Tourismusakteur*innen und Leistungsanbietenden in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Nur so kann dem Bonn-Tourismus die erforderliche Richtung gege- ben werden und der Tourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor weiter gestärkt werden. __________________________________________________________________________________________________ 3 Siehe Erläuterungen zum SINUS-Milieu der Postmateriellen auf S. 30 f.Seite 9 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 8 Im September 2022 starteten die Arbeiten zur Erstellung eines Leitbildes der Bundesstadt Bonn. Der Prozess war von Beginn an stark partizipativ angelegt. Verschiedene Instrumente und Veran- staltungsformate sicherten dabei eine möglichst breite Beteiligung und gemeinsame Meinungsbil- dung der Akteur*innen und Entscheidungstragenden in Bonn. Ergänzend zu den klassischen Daten- analysen, die teilweise eigens für dieses Leitbild beschafft wurden, wurden insgesamt fünf auf einen Leitfaden gestützte Fachgespräche geführt; darunter drei in Form von Gruppengesprächen, um möglichst viele Beteiligungsmöglichkeiten zu bieten. Insgesamt gaben 15 Teilnehmende4 aus Wirt- schaftsförderung, Presse, Tourismuspolitik (tourismuspolitische Sprecher*innen), Kultur und Gast- gewerbe ihre persönlichen Einschätzungen zur Situation des Bonn-Tourismus sowie zu dessen Zie- len und Entwicklungsrichtungen ab. Ergänzend erfolgte eine Berechnung der wirtschaftlichen Ef- fekte des Tourismus für das Jahr 2019 in Bonn als separate Studie. Die wichtigsten Erkenntnisse dieser Studie wurden ebenso in dieses Leitbild integriert. Aufbauend auf der Analyse wurden zwei Workshops durchgeführt, um möglichst viele Beteiligte einzubinden und ihre Erwartungen und Bedürfnisse anzuhören. Workshop I fand am 18. Oktober 2022 vor Ort mit 14 Teilnehmenden aus der Stadtverwaltung Bonn statt, Workshop II folgte am 16. November 2022 mit insgesamt 20 Akteur*innen aus Politik und Tourismus. Auf der Online-Be- teiligungsplattform Mural wurden zur Vorbereitung die jeweiligen Arbeitsstände bereitgestellt, die die Teilnehmenden über einen mehrtägigen Zeitraum hinweg kommentieren und modifizieren konnten. So konnte die Sicht der jeweiligen Agierendengruppe separat erfasst und wertvolle Er- kenntnisse für den weiteren Leitbildprozess gewonnen werden. Im Anschluss an den Workshop II erfolgte im Dezember eine abschließende Rückkopplung über Mural, bei der alle bislang Beteiligten nochmals den aktualisierten Entwicklungsstand kommentieren konnten. Relevante Aspekte wur- den schließlich in das vorliegende Leitbild integriert. Während des gesamten Projektzeitraums fand ein intensiver Austausch mit den Auftraggebenden über regelmäßige virtuelle Jour fixes statt, namentlich mit Frau Appelbe (Wirtschaftsförderung Bundesstadt Bonn) sowie Frau von Seht (Bonn-Information). Zeitweilig wurden weitere Teilneh- mer*innen der Stadtverwaltung in die Gespräche integriert. Das touristische Leitbild der Bundesstadt Bonn schärft das touristische Profil Bonns, indem es Ziele und Handlungsfelder vorgibt, auf die die Stadtverwaltung und touristische Akteur*innen gemeinsam hinarbeiten wollen. __________________________________________________________________________________________________ 4 Siehe auch Kapitel VII 2.Seite 10 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 9 Die Kernaussagen bringen die wichtigsten Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Kurzanalyse Bonns auf den Punkt. Abgesehen von der klassischen Auswertung von vorliegenden Materialien TOURISMUSANALYSE AUF EINEN BLICK Bonn blickt auf eine angebots- wie auch nachfrageseitig sehr positive Tourismusentwick- lung zurück. Dennoch gibt es Luft nach oben, insbesondere beim Thema Profilierung und Fokussierung. Hier konnten Konkurrent*innen deutlich stärkere Akzente setzen. Der Tourismus ist ein vielfach unterschätzter Wirtschaftsfaktor für Bonn. Er erzeugte 2019 einen Umsatz von fast 1,3 Milliarden Euro und sichert Einkommen und Arbeits- plätze. Von ihm profitieren nicht nur die touristischen Leistungstragenden selbst, son- dern auch die Menschen, die in der Bundesstadt leben. Bonn genießt durch seine Hauptstadtvergangenheit zwar unter deutschen Reisenden sehr hohe Bekanntheit, die allerdings nur unzureichend in Sympathie und Besuchsbereit- schaft überführt wird. Es fehlen Schaufensterprodukte bzw. konkrete Reiseanlässe. Der Zielgruppenfokus Bonns wirkt im Auftritt nach außen unklar. Diesen gilt es zu präzi- sieren und mit attraktiven passfähigen Produkten, Angeboten und Marketingaktivitäten zu unterlegen. Im (touristischen) Marketing werden diverse Themen bedient und Aktivitäten gestartet. Gleichzeitig verliert sich Bonn jedoch im Außenauftritt in seiner thematischen Vielfalt und wirkt in Text und Bildsprache eher neutral. Für die Zukunft sind eine stärkere Fokus- sierung und eine emotionalere Bildsprache und Storytelling erforderlich. Bonn punktet v. a. im Kultur-/Museumsbereich mit hochklassigen touristischen Angebo- ten. Bei den potenziell profilierenden Leitthemen mangelt es jedoch häufig an der kon- kreten Erlebbarkeit. Teilweise fehlen Besucher*inneneinrichtungen, die eine Magnetwir- kung ausüben (können). Stellenweise zu wünschen übrig lassen die infrastrukturelle Will- kommens- und Aufenthaltsqualität. Hier besteht Handlungsbedarf. Zu viele Akteur*innen und Organisationen kümmern sich in Bonn um den Tourismus – mit negativen Auswirkungen für Gäste und Partner*innen. Eine Bündelung der Aktivitä- ten und Ansprechpartner*innen ist erforderlich. Die Identifikation der Bevölkerung mit dem Tourismus ist noch zu wenig ausgeprägt und die Wertschätzung für die Branche als Wirtschaftsfaktor ist ambivalent. Die Einheimi- schen sind sich der Attraktivität ihrer Stadt zwar bewusst, transportieren diese Vorzüge aber noch zu wenig aktiv nach außen. Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Reisen für Alle sind im Rahmen des gesellschaftlichen Wandels im Tourismus nicht mehr wegzudenken. Gute Ansätze sind gemacht, weitere Schritte müssen folgen.Seite 11 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 10 und Daten wurden die Einschätzungen und Sichtweisen der Akteur*innen aus dem Bonn-Touris- mus intensiv in die Analyse einbezogen. Ein weiteres Untersuchungsergebnis stellt eine Stärken- Schwächen-Analyse dar (vergleiche Kapitel VII 1.): 1. Bonn blickt auf eine angebots- wie auch nachfrageseitig sehr positive Tourismusentwicklung zu- rück. Dennoch gibt es Luft nach oben, insbesondere bei der Profilierung und Fokussierung. Hier konnten Konkurrenten deutlich stärkere Akzente setzen. Die Tourismusentwicklung war in den letzten zehn Jahren von einer stetigen Aufwärtsentwicklung gekennzeichnet. Bonn verbuchte bis zum Beginn der Corona-Pandemie steigende Gäste- und Übernachtungszahlen – im Betrachtungszeitraum 2010 bis 2019 stieg die Zahl der Übernachtun- gen in gewerblichen Betrieben um 45 % auf insgesamt 1,7 Mio. (2019). Die negativen Auswirkun- gen der Pandemie waren auch in Bonn massiv zu spüren. Zwischen 2019 und 2020 musste die Bun- desstadt hohe Nachfrageverluste von -56 % hinnehmen und erzielte nur noch rd. 756.000 Über- nachtungen. Seit 2021 ist allerdings wieder eine leichte Erholung festzustellen (+11 %). Die Gäste Bonns kommen zum überwiegenden Teil aus Deutschland (rd. 79 %). Der Anteil ausländischer Gäste an den gesamten Übernachtungen ist in den vergangenen zehn Jahren bis 2019 vergleichs- weise konstant geblieben mit Werten zwischen 23 % und 21 %. Zahlreiche Meilensteine wie der Tag der Deutschen Einheit/NRW-Tag 2011, die UN-Klimakonfe- renz COP23 in 2017 oder das Jubiläumsjahr Beethoven 2020 wirkten sich positiv auf die Nach- frage bzw. das Image Bonns aus. Der Destination Monitor Deutschland5 macht deutlich, dass in Bonn geschäftlich motivierte Übernachtungsreisen (bezogen auf Reisende aus Deutschland) fast gleichauf mit privaten Übernachtungsreisen liegen (51 % vs. 23 %, Werte von 2012-2014). Auch wenn nur ein Teil des Geschäftsreisetourismus werblich beeinflussbar ist, hat dieser für die Bun- desstadt eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung. Auch angebotsseitig hat sich angesichts einer guten Entwicklung in der Hotellerie und eines insge- samt vielfältigen Beherbergungsangebotes einiges am Markt getan. Insgesamt gab es in den zehn Jahren bis zum Beginn der Corona-Pandemie laut amtlicher Statistik einen Zuwachs an Schlafgele- genheiten (Betten) in gewerblichen Betrieben von 18 % (neue Markenhotels kamen in die Stadt), gleichzeitig war eine leichte Steigerung der Betten pro Betrieb erkennbar. Unter dem Einfluss von Corona kam es 2020 zu einem drastischen Rückgang von 730 Betten innerhalb nur eines Jahres. Im Hotelsegment 2021 standen ca. 11 % weniger angebotene Hotelmarktbetten zur Verfügung als noch zwei Jahre zuvor6. Ein Gutachten des Unternehmens Schollen-Hotelberatung führt diese Ent- wicklung auf strukturelle Defizite in der Privathotellerie zurück, die durch die pandemiebedingte __________________________________________________________________________________________________ 5 Der GfK-Destination Monitor Deutschland hat zum Ziel, das Reiseverhalten der Deutschen in seiner Bedeutung für die einzelnen Destinationen transparenter zu machen und in regelmäßiger Berichterstattung seine Entwicklung zu beschreiben (https://www.ditf-fhw.de/aktuelles/detail/gfk-destination-monitor-deutschland). 6 Vgl. Schollen Hotelberatung: Hotelmarktreport NRW 2022, S. 11Seite 12 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 11 Krisensituation offengelegt wurden. Nach erfolgter Marktbereinigung wurden die Erholungspoten- ziale für die verbleibenden Betriebe jedoch als gut bewertet. Für die Stabilisierung des Erfolgskur- ses am Bonner Hotelmarkt wird es allerdings entscheidend sein, ein unterscheidbares Destinati- onsprofil zu entwickeln und sich auf ausgewählte Leitthemen zu fokussieren. Zu beachten ist, dass Branchenkonkurrenten in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren deutlich stärkere Akzente setzen konnten.Seite 13 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 12 Abb. 1: Übersicht wichtiger touristischer Kennzahlen zur Bundesstadt Bonn Quelle: dwif 2022 auf Basis Statistisches Landesamt NRW, Destination Brand 20 - FH Westküste/inspektour Tourismus- und Regionalentwicklung und eigenen BerechnungenSeite 14 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 13 2. Der Tourismus ist ein vielfach unterschätzter Wirtschaftsfaktor für Bonn. Er erzeugte 2019 ei- nen Umsatz von fast 1,3 Milliarden Euro und sichert viele Einkommen und Arbeitsplätze. Von ihm profitieren nicht nur die touristischen Leistungstragenden selbst, sondern auch die Men- schen, die in der Bundesstadt leben. Der Tourismus ist eine klassische Querschnittsbranche. Egal ob Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleistende oder Zuliefernde wie regional Produzierende und Handwerksbetriebe – es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiert. Investitionen von Kommunen und Unternehmen in die tourismusbezogene Infrastruktur, konkrete Produkte und die touristische Vermarktung lohnen sich daher. Umso wichtiger ist es, sich die Wirkung und Relevanz des Touris- mus für die Wirtschaft in Bonn bewusst zu machen. Laut aktuellen Berechnungen des dwif7 sind die wirtschaftlichen Effekte aus dem Übernachtungs- und Tagestourismus beachtlich: 1.276,1 Mio. Euro Umsatz brachten sie im Jahr 2019 zusammen in die Bundesstadt. 18.920 Personen können in diesem Wirtschaftszweig rechnerisch ihren Lebens- unterhalt verdienen. Da es im Tourismus besonders viele Teilzeit- (z. B. in der Gastronomie), Sai- son- (Sommer) und Nebenerwerbstätigkeiten gibt (z. B. durch die Vermietung von Zimmern und Ferienwohnungen), ist die Anzahl der Einwohner*innen, die zumindest einen Teil ihres Einkom- mens aus dem Tourismus erzielen, in Wirklichkeit noch deutlich größer. Darüber hinaus profitieren viele Branchen von den Ausgaben der Besucher*innen. 41,4 % aller Umsätze fließen in das Gastge- werbe (Beherbergung und Gastronomie), 36,4 % in den Bonner Einzelhandel und 22,2 % in die Dienstleistungen, d. h. Freizeit-, Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen. Allein aus Mehrwert- steuer und Einkommensteuer resultierten 2019 ca. 119,7 Mio. Euro Steuereinnahmen aus dem Tourismus, die jedoch als Gemeinschaftssteuer Bund, Ländern und Kommunen zukommt. 3. Bonn genießt durch seine Hauptstadtvergangenheit zwar eine sehr hohe Bekanntheit unter deutschen Reisenden, die allerdings nur unzureichend in Sympathie und Besuchsbereitschaft überführt wird. Es fehlen Schaufensterprodukte bzw. konkrete Reiseanlässe. Der Markenstudie Destination Brand (2020/21) zufolge genießt Bonn unter deutschen Reisenden zwar einen hohen Bekanntheitsgrad (76 % kennen Bonn als Reiseziel zumindest dem Namen nach), schafft es aber nicht, diese hohe Bekanntheit in Sympathie (nur 34 % aller Befragten schätzen Bonn grundsätzlich als sympathisches Reiseziel ein) und eine aktive Besuchsbereitschaft umzuwandeln (nur 18 % der Befragten ziehen in Erwägung in den kommenden drei Jahren eine Kurz-Übernach- tungsreise nach Bonn zu unternehmen; 13 % erwägen eine längere Übernachtungsreise). Im Ver- gleich zu anderen größeren Städten in Deutschland liegt die Bundesstadt bei den Untersuchungs- __________________________________________________________________________________________________ 7 Vgl. dwif-Consulting GmbH (2022): Wirtschaftsfaktor Tourismus für Bonn im Jahr 2019Seite 15 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 14 werten Sympathie und Reisebereitschaft lediglich im unteren Drittel der Skala. Die externe touristi- sche Sicht auf Bonn ist eher diffus. Zwar zeigen sich Besucher*innen Bonns grundsätzlich begeis- tert von der Stadt, wenn sie erst einmal vor Ort sind. Was für die Neukundengewinnung im privaten Individualtourismus bislang häufig noch fehlt, sind konkrete Reiseanlässe, die (potenzielle) Gäste zu einer Reise nach Bonn bewegen. 4. Der Zielgruppenfokus Bonns wirkt im Auftritt nach außen unklar. Diesen gilt es zu präzisieren und mit attraktiven passfähigen Produkten, Angeboten und Marketingaktivitäten zu unterle- gen. Bonn ist in der Wahrnehmung vor Ort bislang vor allem Ziel von kulturaffinen, politikinteressierten, gutsituierten Best Agern, die oft individuell und in Kleingruppen anreisen. Hinzu kommen Gruppen- reisende, die mit Flusskreuzfahrtschiffen oder Reisebussen in die Stadt kommen. Darüber hinaus haben Geschäftsreisende und Tagungs- und Kongressteilnehmer*innen großes Gewicht. Sie alle genießen das kulturelle Angebot und die attraktive Lage der Stadt am Rhein und in der Nähe des Siebengebirges und verbinden den Aufenthalt auch gerne mit Naturerlebnissen und Aktivangebo- ten im Umfeld. Die Tourismuspartner*innen vor Ort sehen für die Zukunft Potenzial bei jüngeren, „nachwachsenden“ Zielgruppen wie z. B. jungen Paaren, aber auch Familien mit Kindern. Insgesamt ist dennoch im Außenauftritt kein klarer Zielgruppenfokus erkennbar. In den meisten Fällen sind die Informationen und Angebote nur wenig auf die individuellen Bedürfnisse der Reisenden zuge- spitzt und es fehlen passende Produkte (idealerweise in Verbindung mit Events und Gastgeber*in- nen). Ein großer Erfolg der Stadt war ihr gutes Abschneiden im weltweiten Ranking von Städtereisen des renommierten Verlags „Lonely Planet“. Der Herausgeber von Reiseführern wählte Bonn für das Jahr 2020 auf Platz fünf der attraktivsten Destinationen, lediglich übertroffen von Salzburg, Washington, Kairo und Galway. Insbesondere die Bonner Museumslandschaft, die bedeutende po- litische Geschichte, die Lage am Rhein sowie das Beethoven-Jubiläum anlässlich des 250. Geburts- tags von Ludwig van Beethoven waren ausschlaggebend für die Wahl8. 5. Im (touristischen) Marketing werden diverse Themen bedient und Aktivitäten gestartet. Gleich- zeitig verliert sich Bonn jedoch im Außenauftritt in seiner thematischen Vielfalt und wirkt in Text und Bildsprache eher neutral. Für die Zukunft sind eine stärkere Fokussierung und eine emotionalere Bildsprache und Storytelling erforderlich. Bonn wartet mit zahlreichen Aktivitäten, Projekten und Marketingaktionen auf, so u. a. das Beethoven Jubiläumsjahr 2020, Bonn als Stadt der Vereinten Nationen (Klimasekretariat) oder das __________________________________________________________________________________________________ 8 siehe u.a. www.bonn.de/pressemitteilungen/2019/oktober/bonn-auf-platz-fuenf-der-staedtereiseziele-weltweit.phpSeite 16 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 15 politische Bonn. Diese vielen Themen führen dazu, dass sich die Stadt zum Teil in der Vielfalt an Markenbotschaften verliert und keinen echten Fokus setzt. Viele Veranstaltungen laufen parallel und unkoordiniert nebeneinander. Bonn fehlt eine touristische Markenstrategie, die ihr Spezifik verleiht. In Zukunft wird es wichtig sein, nach dem Motto „weniger ist mehr“ zu agieren, indem man ein klares Selbstverständnis entwickelt und sich auf wenige sog. Schaufensterprodukte und „reise- anlassstiftende“ Angebote beschränkt. 6. Bonn punktet v. a. im Kultur-/Museumsbereich mit hochklassigen touristischen Angeboten. Bei den potenziell profilierenden Leitthemen mangelt es jedoch häufig an der konkreten Erlebbar- keit. Teilweise fehlen Besucher*inneneinrichtungen, die eine Magnetwirkung ausüben (können). Stellenweise zu wünschen übrig lässt die infrastrukturelle Willkommens- und Aufenthaltsquali- tät. Hier besteht Handlungsbedarf. Das kulturelle Angebot Bonns besticht mit Beethoven, der Museumsmeile mit fünf bedeutenden Museen und den politisch-historischen Orten aus der Bundeshauptstadtvergangenheit. Die attrak- tive Lage am Rhein und in unmittelbarer Nähe des Siebengebirges rundet das Angebot ab, ebenso die Vielfalt an Unterkünften für unterschiedliche Ansprüche. Bei verschiedenen Themen (z. B. De- mokratie/Politik, Vereinte Nationen, Klimawandel/Nachhaltigkeit, Weltkulturerbe Limes) ist die tatsächliche Erlebbarkeit für Tourist*innen vor Ort jedoch begrenzt. Es fehlen hochwertige Besu- chereinrichtungen, die eine Magnetwirkung ausüben (können). Problematisch ist zudem die ver- besserungsbedürftige Willkommens- und Aufenthaltsqualität an ausgewählten Orten Bonns. Es geht um Aspekte wie Sicherheit, Sauberkeit, Informationsmöglichkeiten oder saubere öffentliche Toiletten. Diese Schwächen zeigen sich an vielen Stellen im Stadtbild, insbesondere im Hauptbahn- hofsbereich, am Rheinufer, aber auch in der Innenstadt. Um eine angenehme Atmosphäre für Gäste und Einheimische zu schaffen, sind entsprechende infrastrukturelle Maßnahmen dringend erfor- derlich. 7. Zu viele Akteur*innen und Organisationen kümmern sich in Bonn um den Tourismus – mit nega- tiven Auswirkungen für Gäste und Partner*innen. Eine Bündelung der Aktivitäten und Ansprech- partner*innen ist erforderlich. Eine Vielzahl von Akteur*innen und Organisationen in Bonn beschäftigen sich mit Tourismus und Tourismusmarketing: Das Spektrum der Ansprechpartner*innen reicht von der Bonn-Information beim Amt für Wirtschaftsförderung, dem Marketingservice im Amt für Presse, Protokoll und Öf- fentlichkeitsarbeit, weiteren Bereichen der Verwaltung, der Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (T&C) bis hin zu weiteren Institutionen wie dem Citymarketing Bonn e. V. und den Agierenden im benachbarten Rhein-Sieg-Kreis. Dies macht Gästen und Partner*innenSeite 17 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 16 gleichermaßen den „Informationszugang“ zu Bonn schwer und führt im Marketing zu Streuverlus- ten. Eine stärkere Bündelung, Koordinierung und Abstimmung der (Marketing-)Aktivitäten sind er- forderlich. Zudem ist das überregionale Destinationsmarketing für Bonn und Region ausbaufähig. Zukünftig muss es strategischer ausgerichtet und schlagkräftiger ausgestattet werden, wenn man im Markt erfolgreich bestehen will. Dazu muss auch geklärt werden, wie und wo dies in Zukunft geschieht. 8. Die Identifikation der Bevölkerung mit dem Tourismus ist noch zu wenig ausgeprägt und die Wertschätzung für die Branche als Wirtschaftsfaktor ist ambivalent. Die Einheimischen sind sich der Attraktivität ihrer Stadt zwar bewusst, transportieren diese Vorzüge aber noch zu wenig ak- tiv nach außen. Tourismus hat für Bonn eine große Bedeutung, ist „gelernt“ durch die langjährige Funktion als ehe- malige Bundeshauptstadt und wird gelebt in Form zahlreicher (Kultur-)Angebote und Veranstal- tungen. Als wichtiger Wirtschaftsfaktor anerkannt ist er jedoch nur teilweise. Die Bevölkerung liebt ihre Stadt, weiß um ihre Attraktivität, die Lage, ihren hohen Freizeitwert und ihr Potenzial. Sie über- nimmt auf der anderen Seite jedoch noch zu wenig die Rolle als aktiver „Botschafter“ nach außen. Es braucht mehr aktive Ansprache und Einbeziehen der Bevölkerung zur Förderung des Touris- musbewusstseins und zur Identitätsbildung. 9. Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Reisen für Alle sind im Rahmen des gesellschaftlichen Wan- dels im Tourismus nicht mehr wegzudenken. Gute Ansätze sind gemacht, weitere Schritte müs- sen folgen. In puncto Nachhaltigkeit ist Bonn durch viele eigene städtische Aktivitäten, durch das Klimasekre- tariat (UNFCCC) und die vielen weiteren in diesem Themenfeld tätigen Nichtregierungsorganisati- onen bereits auf einem sehr guten Weg. Auch im Tourismus werden von der Bonn-Information und der T&C Nachhaltigkeitsaktivitäten verfolgt und richten sich an sowohl an Individualtourist*innen als auch an Geschäftsreisende. Im MICE-Bereich müsste Nachhaltigkeit wieder stärker in den Fo- kus gerückt und aktiver vorangetrieben werden, ebenso ist das Thema in den touristischen Betrie- ben durchaus ausbaufähig. Dasselbe gilt beim Thema Reisen für Alle, bei dem die Bonn-Information mit gutem Beispiel vorangeht und eine „Reisen für Alle“-Zertifizierung erhalten hat. Die Digitalisie- rung hat zwar auch im Tourismus Corona-bedingt einen großen Schub erfahren. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit in diesem Bereich ist in Bonn erkennbar und es sind einige gute Ansätze für digitale Produkte vorhanden, u. a. die neue App „City Stories“ des Stadtmuseums oder die Mitwir- kung am Projekt Data Hub NRW zur Bündelung digitaler Daten und zur Verbesserung der digitalen Sichtbarkeit. Dennoch gibt es auch in diesem Feld noch viel zu tun.Seite 18 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 17 Die Vision für das touristische Leitbild beschreibt den aus Sicht der Beteiligten angestrebten Zustand des Tourismus in Bonn im Jahr 2030. Es handelt sich um die Beschreibung eines Zukunftsbildes oder eines Wunschzustandes, auf dessen Erreichung alle relevanten Beteiligten in Bonn hinarbeiten wollen. Inhaltlich geht die Vision auf den angestrebten Wachstumskurs ein, auf die im Jahr 2030 idealer- weise zu erreichende Außenwirkung Bonns und den in das Alltagsgeschäft zu überführenden Fokus in der Produkt- und Angebotsentwicklung sowie im Marketing. Ebenso erfasst sind die Art und Weise der anvisierten Zusammenarbeit und wichtige inhaltliche Schwerpunkte wie Nachhaltigkeit, Inklusion, Tourismusbewusstsein und Aufenthaltsqualität. Dieser Zustand soll 2030 in Bonn erreicht werden: Tourismuswachstum mit Fokus auf Wertschöpfung und Qualität Die Stadt Bonn setzt bei der Tourismusentwicklung den Schwerpunkt auf die Unterstützung eines qualitativen und wertschöpfungsorientierten Wachstums sowohl im Leisure9- als auch im MICE10-Segment. Profil, Zielgruppen, Produkte und Vermarktung Bonn hat ein klares und unverkennbares Profil und Image als städtisches Reiseziel und prä- sentiert sich im In- und Ausland modern, sympathisch und authentisch. Produktentwicklung und aktivierendes Tourismusmarketing für den Leisure-Tourismus konzentrieren sich auf das Sinus-Milieu der Postmateriellen und fokussieren die aus Nachfragesicht erfolgsträchtigsten profilgebenden Schwerpunktthemen. (vgl. Abbildung 4) Es werden immer wieder neue Reiseanlässe in den Schwerpunktthemen über das ganze Jahr hinweg geschaffen. Das Marketing für Übernachtungsgäste aus Deutschland und dem benachbarten Ausland in Bonn zeichnet sich dadurch aus, dass die Schaufensterprodukte aus dem Kultur- und Muse- umsbereich sowie aus den weiteren Themenfeldern mutig nach vorne gestellt werden. Insbe- sondere bei den Themen „Natur“ und „Aktiv“ wird eine enge Kooperation mit den Akteur*in- nen im Rhein-Sieg-Kreis gelebt. Weiter entfernte internationale Quellmärkte (Asien, USA) werden gezielt über das Thema Beethoven angesprochen. __________________________________________________________________________________________________ 9 Leisure: Tagestourismus sowie nationaler und internationaler Übernachtungstourismus (privatmotiviert). 10 MICE: steht für Meetings, Incentives, Konferenzen und Ausstellungen. Üblicherweise versteht man unter MICE vor allem geschäftli- che Veranstaltungen (www.cvent.com).Seite 19 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 18 Tagesgäste werden durch ihre Ausflüge nach Bonn motiviert, Folgeaufenthalte mit Über- nachtung in Bonn und Region durchzuführen. Als Standort für nationale/internationale Kongresse, Tagungen, Seminare und Events defi- niert sich die UN Stadt Bonn über ihre politische Tradition, Internationalität und Nachhaltig- keitskompetenz und überzeugt durch ihre moderne Kongressinfrastruktur. Strukturen und Zusammenarbeit Innerhalb der Stadtverwaltung wurden die vorhandenen Strukturen auf ihre Effektivität hin geprüft und angepasst und die Kräfte gebündelt. Seither arbeiten alle Bereiche mit gemeinsa- men Zielen und einer klar abgegrenzten Aufgabenteilung effektiv zusammen. Bonn zeichnet sich nach innen durch ein lebendiges Netzwerk aus, in dem alle relevanten Kultur- und Tourismusakteur*innen in Bonn und in der Region mit einem gemeinsamen Tou- rismusverständnis und dem Willen zur Ausschöpfung von Synergien an einem Strang ziehen. Für die Vermarktung setzt Bonn auf eine starke zentrale Organisationseinheit, in der die Be- teiligten wertschätzend mit ihren Partner*innen im Rhein-Sieg-Kreis und im weiteren Um- land zusammenarbeiten. Nachhaltigkeit und Tourismusbewusstsein Nachhaltigkeit und Inklusion sind selbstverständliche Grundprinzipien, die entlang der ge- samten Customer Journey sichtbar sind. Insbesondere die Planung und Durchführung von ressourcenschonenden und klimaneutralen Kongressen, Tagungen, Seminaren und Events ist untrennbarer Bestandteil des Bonner MICE-Profils. Stadtverwaltung, Politik und Bevölkerung sind sich der Bedeutung des nationalen und inter- nationalen Tourismus in Bonn als bedeutender Wirtschafts- und Standortfaktor und als Bei- trag für eine hohe Lebensqualität für Einwohnende bewusst und unterstützen die Verbesse- rung der Rahmenbedingungen für eine professionelle Tourismusarbeit.Seite 20 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 19 1. Ziele für die Tourismusentwicklung Bonns bis 2030 Um die zuvor beschriebene Tourismusvision für Bonn 2030 Realität werden zu lassen, verfolgen Stadtverwaltung und Tourismusbeteiligte ab dem Zeitpunkt des Leitbild-Beschlusses die formulier- ten Ziele für die Weiterentwicklung des Tourismus in Bonn. Insgesamt wurden ein übergeordnetes Ziel und handlungsfeldbezogene Hauptziele mit weiteren Teilzielen definiert. Die Teilziele konkre- tisieren bzw. vertiefen die Erreichung der Hauptziele. Übergeordnetes Ziel 1: Realisierung eines qualitätsorientierten Tourismuswachstums Teilziele: Moderate Steigerung der Übernachtungszahlen aus dem In- und Ausland sowohl im Leisure- als auch MICE-Segment Erhöhung der touristischen Einnahmen durch Aktivierung wertschöpfungsstarker Zielgrup- pen im Leisure-Bereich Die Verantwortlichen möchten hiermit das Signal setzen, dass der Tourismus von Bonn weiterhin möglichst auf dem Wachstumskurs bleiben soll – so wie es schon vor der Corona-Pandemie der Fall gewesen ist. Dabei geht es vor allem um ein bewusstes und verträgliches Wachstum, bei dem die wirtschaftliche Wertschöpfung, ein qualitativ hochwertiges Angebot sowie erfolgsträchtige Ziel- gruppen im Leisure- wie auch MICE-Segment im Vordergrund stehen. Abb. 2: Ziele und Handlungsfelder des touristischen Leitbilds der Bundesstadt Bonn Quelle: dwif 2022Seite 21 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 20 Ziel 2: Entfaltung einer reiseanlassstiftenden Produktentwicklung und eines the- menorientierten Zielgruppenmarketings Teilziele: Stärkung vorhandener und Entwicklung neuer Reiseanlässe für die Zielgruppe der Postmate- riellen (Sinus Milieu) in den definierten Schwerpunkt- und Entwicklungsthemen Impulsgebung und Unterstützung einer zur Zielgruppe der Postmateriellen und den Schwer- punktthemen passenden Angebots- und Produktentwicklung durch die Bonn-Information, die T&C und die Bonner Leistungsanbietenden; dabei auch – soweit passende Schaufenster- produkte vorhanden sind – Verbindung des Bonner Tourismusangebots mit Angeboten im Rhein-Sieg-Kreis in den Bereichen Kultur sowie Natur und Aktiv Fokussierung des aktivierenden Marketings auf die Zielgruppe der Postmateriellen (Sinus Milieu). Beim Auslandsmarketing Schwerpunktsetzung v. a. auf das Thema „Kulturelles und authentisches Bonn“ und mit zunehmender Entfernung der Zielmärkte (z. B. Asien, USA) ver- stärkt auf das Thema „Beethoven“ in Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen Verbesserung der generellen digitalen Sichtbarkeit und Buchbarkeit des Bonner Touris- musangebots (Informierendes Marketing) Weiterentwicklung des MICE-Tourismus für in- und ausländische Zielgruppen unter geziel- ter Ausnutzung des Alleinstellungsmerkmals Bonns als UN Stadt mit hoher Angebotsqualität und Kompetenz im Bereich Internationalität und Nachhaltigkeit Grundsätzlich soll erreicht werden, potenzielle Gäste auf Basis ihrer Wertvorstellungen und nicht aufgrund von ausschließlich soziodemografischen Merkmalen anzusprechen, da das Marketing sonst zu große Streuverluste erleidet. In Zeiten knapper Ressourcen sollten die Maßnahmen zur Aktivierung von Besuchen möglichst gezielt ausgerichtet werden. Dies bedeutet jedoch ausdrück- lich nicht, dass andere Zielgruppen nicht willkommen sind oder für sie passende Informationen nicht bereitgehalten werden sollen, bzw. einzelne Leistungsanbietende oder Institutionen andere Zielgruppen nicht aktiv ansprechen dürfen. Der Fokus auf das Milieu der Postmateriellen greift die Empfehlungen des Tourismus NRW e. V. auf und ist als Orientierung und Hilfestellung zur Verbes- serung der Effizienz zu verstehen. Ziel 3: Verbesserung der Strukturen und der Zusammenarbeit in Bonn und mit dem Rhein-Sieg-Kreis Teilziele: Prüfung und ggf. Neujustierung der Aufgabenzuschnitte innerhalb der Stadtverwaltung in Bezug auf den Tourismus im Allgemeinen und das Tourismusmarketing im Besonderen mit dem Ziel, der Verbesserung der Zusammenarbeit und Abstimmung von Aktivitäten sowie der Anpassung von Ressourcen.Seite 22 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 21 Benennung bzw. Schaffung einer zentralen Anlauf- und Koordinierungsstelle für den Touris- mus in der Stadtverwaltung, die auch für die weiteren Tourismusakteur*innen in Bonn an- sprechbar ist. Aufbau und Pflege eines Netzwerks von Vertreter*innen der Stadtverwaltung und der Bonn- Information, der T&C sowie weiteren Tourismusakteur*innen und Leistungsanbietenden aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zur Verbesserung der Zielorientierung und gegenseitigen Abstimmung der Aktivitäten. Prüfung, Neujustierung bzw. Neustrukturierung und Stärkung des Destinationsmanage- ments von Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, einschließlich Klärung der Rolle der T&C, mit dem Ziel der Verbesserung der Wirksamkeit des nationalen und internationalen Tourismus- marketings und des Tourismusmanagements. Der Beteiligungsprozess für das Leitbild hat deutlich gezeigt, dass insbesondere im Bereich der Strukturen und der Zusammenarbeit zwischen allen am Tourismusgeschehen beteiligten Ak- teur*innen (einschließlich Stadtverwaltung) großer Handlungsbedarf besteht. Dies betrifft sowohl die Strukturen innerhalb der Stadtverwaltung als auch die generelle Vernetzung und das Destinati- onsmanagement für Bonn und die Region. Hierfür müssen im weiteren Verlauf Lösungen und ggf. neue Strukturen mit den verbundenen Ressourcen erarbeitet werden. Ziel 4: Förderung eines nachhaltigen Tourismus und Stärkung des Tourismusbe- wusstseins Teilziele: Stärkung von Aspekten der Nachhaltigkeit und der Inklusion entlang der gesamten Customer Journey sowohl im Leisure-Segment als auch im Geschäftsreise- und MICE-Tourismus Stärkung der Vernetzung Bonns mit dem Rhein-Sieg-Kreis in allen Bereichen einer nachhalti- gen Mobilität (z. B. Rad, Wandern, ÖPNV, Schiff, Wasser) Realisierung von Kommunikationsmaßnahmen gerichtet an Politik, Bevölkerung und Unter- nehmen zur Schärfung des Tourismusbewusstseins und des Selbstverständnisses vom Tou- rismus als Mitgestalter der Lebensqualität in Bonn und Umgebung Nachhaltigkeit soll in all ihren Facetten (ökologische, ökonomische und soziale Dimension) in mög- lichst vielen Handlungsfeldern und Gliedern der Servicekette bedacht und gelebt werden. Daher sind auch die Bedürfnisse benachteiligter Zielgruppen zu berücksichtigen. Ebenso gilt es, eine nach- haltige Mobilität zu gestalten, die nicht nur Gästen, sondern ebenso der eigenen Bevölkerung zu- gutekommt. Um dies zu erreichen, bedarf es auch der Verbesserung des Tourismusbewusstseins auf der Ebene der Verwaltung, Politik wie auch der Bevölkerung.Seite 23 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 22 Ziel 5: Sicherstellung einer bedarfs- und zielgruppengerechten Aufenthaltsquali- tät und Themenerlebbarkeit für Gäste Teilziele: Kontinuierliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität in Bonn für Gäste und Einwohnende u. a. an den Orten des Ankommens und in wichtigen touristischen Schwerpunktzonen Gewährleistung der konkreten Vor-Ort-Erlebbarkeit der wichtigsten und profilgebenden touristischen Themen Bonns (z. B. Politisches Bonn, UN Stadt Bonn, Weltkulturerbe Nieder- germanischer Limes) Nicht nur Produktentwicklung, Marketing oder die Formen der Zusammenarbeit sind neu auszu- richten. Auch die gebaute Infrastruktur ist mit besonderem Blick auf die Gästebedürfnisse aufzu- werten und weiterzuentwickeln. Bei verschiedenen Themen muss es zudem darum gehen, über- haupt eine grundsätzliche Erlebbarkeit für Gäste zu schaffen. 2. Handlungsfelder Die aufgeführten Ziele werden vier zentralen Handlungsfeldern zugeordnet, in welchen weitere Maßnahmen zur Zielerreichung definiert werden. Handlungsfeld: Reiseanlassstiftende Produktentwicklung und themenorientier- tes Zielgruppenmarketing Ausgehend von den Zielen ist es wichtig, im Leisure-Segment (Individualtourismus) Anlässe zu schaffen, die eine Reise im wortwörtlichen Sinne auslösen. Zweifellos verfügt Bonn über eine um- fangreiche Auswahl möglicher Aktivitäten, die während eines Aufenthalts in der Stadt als Gast in Anspruch genommen werden können. Das Angebot von „echten“ Reiseanlässen ist dennoch be- grenzt. Daher muss die Produktentwicklung stärker auf das anlassstiftende Moment ausgerichtet und überdies regelmäßig neue Anreize für Reisen nach Bonn entwickelt werden. Die Zusammenar- beit der verschiedenen Leistungsanbietenden ist hierfür ein wichtiger Erfolgsfaktor. Darüber hin- aus ist es wichtig, das Angebot zu strukturieren und auszuarbeiten und die Schaufensterprodukte in den Vordergrund zu stellen. Gerne wird dies angebotsseitig kritisiert, weil dadurch bestimmte Produkte in den Vordergrund gerückt werden und sich andere Angebote vermeintlich in den Hin- tergrund gedrängt sehen. Dabei beabsichtigt der hier vertretene „Schaufensterproduktansatz“, möglichst vielen Gästen ein Motiv für eine Reise nach Bonn zu geben, damit dann vor Ort auch die weiteren Angebote in Anspruch genommen werden, die jedoch für sich selbst genommen keinen ausreichenden Reiseauslöser darstellen. Je stärker diese weiteren Angebote als sog. Kompetenz- beweise wiederum inhaltlich auf die Schaufensterprodukte einzahlen oder Verbindungen schaffen, desto erfolgreicher werden die Synergieeffekte für alle Angebote sein.Seite 24 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 23 Der potenzielle Gast sollte nicht aus einer undifferenzierten Menge von Angeboten wählen müs- sen. Jeder, der auf sein eigenes Reiseverhalten blickt, wird feststellen, dass es nicht die undifferen- zierte „Vielfalt“ von Angeboten es ist, die eine Reise auslöst, sondern die Erwartung an besondere Angebote oder bestimmte Erlebnisse. Diese gilt es auch für Bonn herauszuarbeiten. Der Fokus auf die Zielgruppe der Postmateriellen (Sinus Milieu; vergleiche hierzu auch Kapitel V 3.) soll helfen, die Angebote entsprechend der Schwerpunktthemen zielgruppengerecht zu gestalten. Die in diesem Handlungsfeld erforderlichen Maßnahmen sind im weiteren Verlauf zu definieren. Inhaltlich muss es einerseits darum gehen, die Beteiligten mit finanziellen Mitteln, Marktforschungsdaten (z. B. über das Mediennutzungsverhalten des Sinus Milieus der Postmateriellen) und notwendiges Hand- werkszeug (z. B. Design Thinking und Produktentwicklungsmethoden) zu befähigen, diese Ziele er- reichen zu können. Neben dem Leisure-Segment ist auch das MICE-Segment zu stärken, da sich Bonn hier in einer her- vorragenden Ausgangssituation befindet. Diese Stärke muss sowohl bei der Angebots- und Service- gestaltung als auch in der Bewerbung weiter ausgebaut werden. Die Berücksichtigung von Nach- haltigkeitsaspekten ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Handlungsfeld: Strukturen und Zusammenarbeit Um die ehrgeizigen Ziele erreichen zu können, müssen die hierfür erforderlichen Strukturen und Netzwerke als Erfolgsvoraussetzung geschaffen werden. Hierzu ist es einerseits erforderlich, so- wohl die verwaltungsinternen Strukturen der Stadt Bonn auf den Prüfstand zu stellen und ggf. Auf- gabenzuschnitte anzupassen als auch Netzwerke auf der Ebene Bonns und mit dem Rhein-Sieg- Kreis zu schaffen und diese aktiv zu pflegen. Auch die Struktur und Form des zukünftigen Destinati- onsmanagements gilt es entsprechend anzupassen. Handlungsfeld: Nachhaltigkeit im Tourismus und Tourismusbewusstsein Es geht in diesem Handlungsfeld nicht in erster Linie darum, nachhaltige Reiseangebote als buchba- res Produkt oder Verkaufsargument zu entwickeln. Nachhaltigkeit im Tourismus ist vielmehr als wichtige Grundlage zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Tourismus, der Erfüllung der Erwar- tungshaltung eines hierfür zunehmend anspruchsvoller werdenden Gastes und zur Berücksichti- gung der Bedürfnisse aller vom Tourismus direkt oder indirekt betroffenen Agierenden zu verste- hen. Daher ist Nachhaltigkeit heute vielmehr als Transformationstreiberin zu betrachten, die in all ihren Facetten und möglichst vielen Handlungsfeldern zu berücksichtigen ist. Dies bezieht ebenso die Bedürfnisse körperlich oder geistig benachteiligter Menschen mit ein als auch die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung, die z. B. ebenso von der Tourismusentwicklung profitieren und in ihrer Lebensqualität gestärkt werden sollen. Daher sind in diesem Handlungsfeld Maßnahmen zu konzi- pieren und umzusetzen, die in den genannten Themenbereichen (z. B. Nachhaltigkeit in der ge- samte Servicekette und im eigenen Handeln als Unternehmen, Inklusion, Mobilität, Tourismusbe- wusstsein) Nachhaltigkeit sicherstellen oder Verbesserungen erzielen.Seite 25 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 24 Handlungsfeld: Gästeorientierte Aufenthaltsqualität & Themenerlebbarkeit Zusätzlich zu Produktentwicklung, Marketing, Kooperation und Nachhaltigkeit stellt die Sicherstel- lung einer bedarfsgerechten Aufenthaltsqualität und Erlebbarkeit der tourismusrelevanten The- men Bonns ein weiteres wichtiges Handlungsfeld dar. In der Analyse sind hinsichtlich der derzeitigen Aufenthaltsqualität in Bonn zahlreiche Handlungs- bedarfe festgestellt worden, die schrittweise anzugehen sind, um den Aufenthalt für Gäste und da- mit zugleich auch für die eigene Bevölkerung angenehm zu gestalten. Genannt wurden von Pro- zessbeteiligten ausdrücklich die Fußgängerfreundlichkeit, die Grüngestaltung und das Sicherheits- empfinden im öffentlichen Raum. Als touristische Schwerpunkträume oder Orte mit Handlungsbe- darf benannten zahlreiche Beteiligte insbesondere das Bahnhofsumfeld, den Zentralen Omnibus- bahnhof, die Innenstadt, das Rheinufer sowie die Beschilderung oder Zugänglichkeit öffentlicher WC-Standorte. Darüber hinaus sind die Themen, die Bonn in touristischer Hinsicht ein unverwechselbares Profil geben oder geben können, derzeit in ihrer konkreten Vor-Ort-Erlebbarkeit ganz unterschiedlich aufgestellt. Einige, wie z. B. das Thema Beethoven, verfügen bereits über Schaufensterangebote und zahlreiche weitere Kompetenzbeweise. Andere Themen, wie die UN- und Klimastadt Bonn so- wie das Weltkulturerbe Niedergermanischer Limes sind entweder nur eingeschränkt oder kaum vor Ort besuchbar und damit für den Gast auch nicht wirklich erlebbar. Bei diesen Themen muss daher noch Entwicklungsarbeit geleistet werden, damit diese Entwicklungsthemen perspektivisch für Bonn erfolgreich in Szene gesetzt werden können. (vergleiche hierzu auch Kapitel V. 2.)Seite 26 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 25 1. Eignung der Themenvielfalts Bonns für die touristische Vermarktung Bonn verfügt über eine Vielzahl von touristischen Angeboten und Themen. Diese befinden sich je- doch nicht alle auf dem gleichen Entwicklungsniveau und eignen sich daher im jetzigen Zustand nur bedingt für eine touristische Vermarktung. Um hier die Bewusstseinsbildung zu unterstützen, hat das dwif eine Auswahl dieser Themen aus subjektiver Sicht hinsichtlich ihrer Eignung für die touris- tische Vermarktung und anhand von drei ausgewählten Aspekten bewertet. Dies erfolgte, um auf eine Diskussionsgrundlage für die Festlegung der zukünftigen Themenschwerpunkte zurückgrei- fen zu können: Konkrete Erlebbarkeit und Zugänglichkeit des Themas vor Ort: Ist das Thema vor Ort konk- ret erlebbar? Gibt es Besuchereinrichtungen, die Besucher*innen das Thema nahebringen? Wie gestaltet sich die Angebotsqualität? Können entsprechende Einrichtungen regelmäßig besucht werden? Gibt es dazu passende Veranstaltungen? Wie gut sind die Angebote bereits miteinander vernetzt? Eignung als mögliches Alleinstellungsmerkmal: Hat das Thema das Potenzial eines Alleinstel- lungsmerkmals, welches Bonn von anderen Städtereisezielen unterscheidet? Gibt es in die- sem Themenfeld Wettbewerber oder konzentriert sich das Angebot auf Bonn? Entwicklungsbedarf für eine touristische Inwertsetzung: Wie stark muss das Thema zunächst noch hinsichtlich konkreter Angebote und Erlebnismöglichkeiten weiterentwickelt werden, bevor es touristisch vermarktet werden kann?Seite 27 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 26 2. Zukünftige Schwerpunkt- und Entwicklungsthemen Bonns 2.1 Themen im Leisure-Segment Um Produktentwicklung und Marketing stärker zu fokussieren und Angebote zu bündeln, wurden in Abstimmung mit den Tourismusakteur*innen in Bonn die zukünftigen Schwerpunkt- und die Ent- wicklungsthemen definiert: Abb. 3: Eignung der Themenvielfalt Bonns für die touristische Vermarktung Kulturstadt Bonn Beethovenstadt Politisches Bonn & deutsche Nachkriegsge- schichte Erlebbarkeit vor Ort Eignung als Allein- stellungsmerkmal (national) Entwicklungsbedarf Schaufenster- produkte Museumsmeile/ Bundeskunsthalle Beethovenhaus Beethovenfest Beethovenorchester Haus der Geschichte Plenarsaal Museum Koenig Petersberg Natur & Aktiv in Bonn & Region Weltkulturerbe Niedergermanischer Limes UN Stadt Bonn (für das Leisure-Segment) Erlebbarkeit vor Ort Eignung als Allein- stellungsmerkmal (national) Entwicklungsbedarf Schaufenster- produkte Kirschblüte Rheinschifffahrt Rheinradweg Rheinsteig Drachenfels Romantischer Rhein derzeit keines vorhanden derzeit keines vorhanden Skala: sehr gut bzw. sehr hoch sehr gering bzw. sehr niedrig Quelle: dwif 2022Seite 28 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 27 Schwerpunktthemen zeichnen sich bereits durch einen guten bis sehr guten Entwicklungs- stand aus, der sich an dem Profilierungspotenzial, vorhandenen Schaufensterprodukten und Kompetenzbeweisen sowie der Angebotsqualität festmachen lässt. Damit ist die Vermarkt- barkeit dieses Themas gewährleistet. Diese Themen stehen nach außen im Vordergrund, wo- bei der Fokus des aktivierenden Marketings auf die Zielgruppe der Postmateriellen zu setzen ist. Die hier aufgezeigten Entwicklungsthemen zeichnen sie sich durch ein erhebliches Alleinstel- lungspotenzial für Bonn aus, sind jedoch in ihrem jetzigen Zustand noch nicht für eine Ver- marktung geeignet und müssen zunächst hinsichtlich Erlebbarkeit und Angebotsqualität wei- terentwickelt werden. Hierzu ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen allen relevanten Tourismusbeteiligten erforderlich. Wichtig: Die in Text und Schaubild verwendeten Begrifflichkeiten sind lediglich Arbeitsbezeichnun- gen, die nicht in dieser wortwörtlichen Form für den Einsatz im Marketing gedacht sind. Sie dienen ausschließlich dem besseren Verständnis und müssen noch inhaltlich angepasst werden. Abb. 4: Zukünftige Schwerpunkt- und Entwicklungsthemen für Bonn (die verwendeten Begrifflichkeiten sind Arbeitsbezeichnungen) Quelle: dwif 2022Seite 29 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 28 Schwerpunktthema „Beethoven- und Kulturstadt Bonn“ Dieses Schwerpunktthema fasst die kulturellen Angebote Bonns für den deutschen Markt in drei Segmenten zusammen: Kulturelles und authentisches Bonn In diesem Bereich werden die Highlights des Bonner Kultur- und Museumsangebots (inkl. Kunsthalle/Museumsmeile und Angebote der freien Szene) zusammengefasst. Wo es sich in- haltlich anbietet und hochwertige Angebote vorliegen, können hier auch Querverbindungen zum Kulturangebot im Rhein-Sieg-Kreis hergestellt werden. Beethovens Bonn Das vorhandene Angebot zum Thema Beethoven verdient eine eigene Schwerpunktsetzung, weil es für Bonn Alleinstellung schafft und Schaufensterprodukte bietet. Für den deutschen Markt sind jedoch Verbindungen mit dem weiteren Kulturangebot im Sinne einer Angebots- erweiterung herzustellen, um gegenseitige Synergieeffekte zu erzeugen. Politisches Bonn & deutsche Nachkriegsgeschichte Hier werden die Stätten der Bonner Vergangenheit als (ehemalige) Hauptstadt der Bundes- republik und weitere Kulturstätten und -angebote zusammengefasst, die die deutsche Nach- kriegsgeschichte thematisieren. Ausgewählte Angebote des „Kulturellen Bonns“ eignen sich auch für eine Vermarktung im benach- barten Ausland. Je weiter entfernt die Zielmärkte sind (d. h. USA, Asien), desto erfolgsträchtiger ist die Konzentration auf das Thema Beethoven als Reiseauslöser. Aus diesem Grund werden die Ziel- märkte benachbartes Ausland und Asien, USA in der Abbildung 4 differenziert. Schwerpunktthema: Bonn - Tor zum Romantischen Rhein Dieses Schwerpunktthema ergänzt das Bonner Kulturangebot um Naturerlebnisse und Aktivange- bote, die sich insbesondere in Verbindung mit seinem regionalen Umfeld erleben lassen. Mit der Bezeichnung Tor zum Romantischen Rhein werden eine Region und ein Begriff aufgegriffen, die sich in Deutschland einer hohen Bekanntheit und Beliebtheit erfreuen. Gleichzeitig sollen Zielgrup- pen angesprochen werden, die ihren Urlaub auf Fernrad- und Wanderwegen verbringen und einen Aufenthalt in Bonn einlegen könnten. Bonn kann sich hier als Etappe oder Ausgangsbasis etablie- ren: Natur und Aktiv entlang des Rheins Der Rhein ist in Bonn und von Bonn aus unmittelbar erlebbar – zu Fuß über den Rheinsteig oder mit dem Fahrrad auf dem Rheinradweg. Gleichzeitig sorgt die Flussniederung für beson- dere klimatische Verhältnisse, die die bekannte Kirschblüte überhaupt erst erlebbar machen. So lässt sich die Brücke schlagen zwischen dem Naturerlebnis in der Stadt und entlang des Rheins.Seite 30 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 29 Märchenhaftes Siebengebirge & Drachenfels Über dieses Thema sollen Schaufensterprodukte und Aktivangebote gebündelt werden, die Bonn mit dem bekannten Siebengebirge verbinden. Wichtig sind hierfür auch attraktive und nachhaltige Mobilitätsangebote, die städtisches Kulturerlebnis und Naturerlebnis im Sieben- gebirge miteinander verbinden. Entwicklungsthema: UN Stadt Bonn Durch den Status als einzige UN Stadt Deutschlands kommt Bonn imagetechnisch eine besondere Bedeutung zu. Viele Institutionen, die sich seither hier angesiedelt haben, beschäftigen sich mit dem Klimawandel und der Nachhaltigkeit, was unsere Gesellschaft als Ganzes betrifft. Zudem könnten Querverbindungen zu den eigenen Aktivitäten der Stadt Bonn hergestellt werden. Aller- dings ist dieses Themenfeld für das Leisure-Segment aktuell kaum erlebbar und damit auch noch nicht verwertbar. Bevor dieses also für den Tourismus und die Steigerung der Anziehungskraft Bonns eingesetzt werden kann, müssen geeignete Produkte entwickelt werden. Hierfür ist eine Zu- sammenarbeit mit den führenden Akteur*innen und Einrichtungen in diesem Themenfeld erforder- lich. Entwicklungsthema: Weltkulturerbe Niedergermanischer Limes Ähnlich zum Entwicklungsthema UN Stadt Bonn verhält es sich auch mit dem Weltkulturerbe Nie- dergermanischer Limes. Die Einordnung als Weltkulturerbe verschafft den Zeugen dieser Vergan- genheit einen besonderen Rang, erzeugt so Aufmerksamkeit und steigert die Attraktivität. Aber auch hier sind die Erlebnismöglichkeiten zu diesem Thema in der Bundesstadt noch sehr über- schaubar. Allerdings sind entsprechende Maßnahmen zu ihrer Inwertsetzung geplant, so dass sich eine bewusste Entwicklung und Inszenierung dieses Themenfelds für Bonn touristisch lohnen kann. 2.2 Schwerpunktthema: Kongress- und UN Stadt Bonn Die Tourismusarbeit darf sich nicht nur auf das Leisure-Segment konzentrieren. Eine hohe Bedeu- tung für die Auslastung der Bonner Hotellerie stellt insbesondere auch der Geschäftsreisetouris- mus dar, zu dem u. a. Messen, Kongresse, Seminare und Events gehören. Bonn verfügt bereits über eine hohe Angebotsqualität im Bereich der Kongress- und Tagungsinfrastruktur. Die Konzentra- tion von mehreren DAX-Unternehmen und international tätigen Organisationen und Institutionen schafft gute Voraussetzungen für einen nationalen und internationalen Tagungs- und Kongress- Tourismus. Diesen gilt es, im Rahmen der Möglichkeiten als Stadtverwaltung und in Zusammenar- beit mit der T&C zu fördern.Seite 31 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 30 3. Hauptzielgruppe für Bonn: Das Sinus-Milieu der Postmateriellen Notwendigkeit der Fokussierung auf werteorientierte Zielgruppen In einer Zeit allgegenwärtiger Informationen und einer starken Individualisierung von Reisebedürf- nissen reicht die Formulierung von Themenschwerpunkten für das touristische Marketing allein nicht mehr aus. Vielmehr wird ein themenorientiertes Zielgruppenmarketing notwendig. Auf Lan- desebene fokussiert Tourismus NRW11 insgesamt vier Zielgruppen, darunter speziell für Kultur- städte wie die Bundesstadt Bonn das SINUS-Milieu12 der „Postmateriellen“. Diese Empfehlung wird auch hier übernommen. Das touristische Marketing für Bonn soll sich zukünftig vor allem auf das Postmaterielle Milieu fokussieren. Mit dem Ansatz eines Marketings auf Basis eines werteorientierten Zielgruppenmilieus ist es mög- lich, individuelle Bedürfnisse besser und zielgruppengerechter zu beschreiben als mit einem rein soziodemographischen Ansatz. Darüber hinaus bietet diese Herangehensweise bei der künftigen Produkt-/Angebotsentwicklung eine klare Perspektive. Beim Milieu der Postmateriellen handelt es sich um die engagiert-souveräne Bildungselite, denen das Leitmotiv „The best things in life aren't things“ zugeordnet wird. Sie gehören zu einem der Mili- eus mit gleichbleibendem Anteil in der deutschen Gesellschaft, haben einen sehr hohen Bildungs- grad und legen Wert auf Selbstbestimmung und Selbstentfaltung. Die folgende Übersicht fasst kurz und prägnant Motive, Aktivitäten, Ansprüche und Wünsche die- ses Milieus zusammen. Sie macht deutlich, welche Themen die Angehörigen der Postmateriellen im Blick haben, welche Verhaltens- bzw. Konsummuster sie zeigen und auf welche Aspekte künftig bei der Produktentwicklung und Zielgruppenansprache gelegt werden sollte. Kennzeichen des Milieus der Postmateriellen13 Reisen gerne als Paar oder Familie mit Kindern bis 17 Jahren nach NRW Wohnen v. a. in der Nähe von Großstädten Zeigen eine sehr hohe Reiseintensität (inkl. hohe Kurzreiseintensität nach Nordrhein- Westfalen) Zeichnen sich aus durch hohe Krisenresilienz, liberale Grundhaltung, Selbstbestimmung und Selbstentfaltung, Kunst- und Kulturaffinität, sehr hohen Bildungsgrad und sehr hohes Haushaltsnettoeinkommen, einen überdurchschnittlichen Anteil an Selbstständigen und Beschäftigten im Öffentlichen Dienst __________________________________________________________________________________________________ 11 Vgl. tourismusverband.nrw/strategie/zielgruppen 12 www.sinus-institut.de 13 Basierend auf Quellen: SINUS-Institut Heidelberg, dwif 2019, Datenbasis: Landesweite Gästebefragung in NRW, respondi Panelbe- fragung, © TourismusNRW e.V.Seite 32 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 31 Nutzen bei ihrer Reiseentscheidung gerne Empfehlungen von Freunden, Berichte in Rei- semagazinen, Kultur- und Reisereportagen im Fernsehen (öffentlich-rechtliche Pro- gramme), redaktionelle Beiträge in regionalen und überregionalen Zeitschriften, Reise- Posts von Freunden auf Social Media (facebook, instagram, youtube, vimeo) Präferieren bei der Wahl ihrer Unterkunft Hotels, Ferienanlagen/-wohnungen/-häuser und legen dabei Wert auf Nachhaltigkeit, Authentizität, Weltoffenheit und Kunst Bevorzugen nachhaltige (regional, bio/fair trade, vertrauensvoll) und anspruchsvolle Gastronomie (gesund, ausgewogen, ohne Zusatzstoffe) Bei den Aktivitäten stehen Städtetrips mit Shopping, Bummeln und kulinarischem Genuss auf dem Programm, ebenso der Besuch von Museen, Ausstellungen und Veranstaltungen sowie der Familienurlaub mit gemeinsamen Ausflügen Reisemotive sind v. a. Stadt, Familien, Genuss und Kultur Stellen bei Produkten einen hohen Anspruch an Authentizität und (Weiter-)Bildung Legen in der Ansprache und Kommunikation Wert auf anspruchsvolle Fotos, Texte und Videos, die verschiedene Blickwinkel und Meinungen widerspiegeln, geistreich und poin- tiert sind, fundiert und mit hohem Niveau Bei der Information vor Ort liegt der Fokus klar auf dem Austausch mit den Menschen, z. B. in der Touristinformation und bei Gesprächen mit Gastgeber*innen, aber auch Reise Apps werden genutzt für die Reiseplanung, für Outdooraktivitäten und Navigation Zu beachten ist, dass das Milieu der Postmateriellen auch eine Scharnierfunktion in die umliegen- den Milieus erfüllt. So bestehen Schnittmengen zum Adaptiv-pragmatischen Milieu, welches sich durch dieselbe Grundorientierung (Modernisierung & Individualisierung) auszeichnet wie die Post- materiellen. Darüber hinaus gibt es Verbindungen zum Konservativ-gehobenen Milieu oder dem Milieu der Performer. Damit wirkt die Fokussierung auf das postmaterielle Milieu nicht zu limitie- rend. Ausführliche Informationen zur Zielgruppe des Milieus der Postmateriellen finden sich als Steck- brief und Erklärvideo auf den Internetseiten von Tourismus NRW e. V. Darüber hinaus sind dort Leitfäden für die Formulierung von Texten und für die Produkt- und Angebotsentwicklung sowie ein Überblick zum Medienverhalten dieser Zielgruppe bereitgestellt.Seite 33 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 32 Mit dem vorliegenden Leitbild hat die Stadtverwaltung der Bundesstadt Bonn einen wichtigen Grundstein für eine zielgerichtete Weiterentwicklung des Tourismus in Bonn gelegt. Es stellt die Weichen für die zukünftige Produktentwicklung und das Tourismusmarketing, bietet Argumentati- onsgrundlagen für die erforderliche Fokussierung und zeigt den Handlungsbedarf hinsichtlich zu- künftiger Strukturen und Formen der Zusammenarbeit auf. Es erklärt Nachhaltigkeit, Inklusion und Tourismusbewusstsein zu wichtigen Zukunftsthemen und zeigt die Notwendigkeiten in den Berei- chen Aufenthaltsqualität und Themenerlebbarkeit aus Sicht des Gastes auf. Die Inhalte wurden im intensiven Austausch mit Vertreter*innen der Stadtverwaltung und mit wichtigen Tourismusakteur*innen Bonns erarbeitet. Auch wenn möglicherweise nicht alle Vorstel- lungen in diesem Leitbild aufgegriffen werden konnten, so ist die Stadtverwaltung zuversichtlich, wichtige Sichtweisen und Erwartungen berücksichtigt zu haben. In jedem Fall war der Austausch in dem Partizipationsverfahren stets konstruktiv und zukunftsgerichtet. Allen Beteiligten gebührt hierfür besonderer Dank für die geleistete Unterstützung. Daher soll der fruchtbare Austausch auch in der Zukunft unbedingt fortgesetzt werden. Für die Verwirklichung des Leitbilds sind nun nicht nur die Stadtverwaltung und die Bonn Informa- tion gefordert, sondern auch die T&C und die weiteren Tourismusakteur*innen und Leistungsan- bietenden in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Die verschiedenen Ziele bedürfen einer Konkretisie- rung in Form von Maßnahmen, die schließlich auch konsequent umgesetzt werden müssen. Hierfür bedarf es eines wohlwollenden zielgerichteten Zusammenwirkens aller Beteiligten. Nur so kann dem Bonn-Tourismus die erforderliche Richtung gegeben werden und der Tourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor für Bonn weiter gestärkt werden.Seite 34 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 33 1. Stärken-Schwächen-Analyse zum Tourismus in Bonn Als Basis für die Einschätzung der Stärken und Schwächenanalyse dienen die Aussagen aus den Fachgesprächen/-runden mit Akteur*innen und Entscheidungstragenden aus Bonn, Auswertungen von statistischen Daten und Konzepten sowie Online-Recherchen und eigene Einschätzungen des dwif. STÄRKEN SCHWÄCHEN Tourismusbewusstsein/Identität Bonner*innen lieben ihre Stadt, wissen um ihre Attraktivität, die Lage, ihren hohen Freizeitwert und ihr Potenzial Bevölkerung Bonns wirbt z. T. bereits für ihre Stadt, z. B. im Rahmen des sog. Sofatourismus14 (Besuche von Verwandten/Freunden/Bekann- ten (VFR)) Bevölkerung Bonns fungiert noch zu wenig als aktive Botschafterin für (potenzielle) Gäste Bislang zu wenig aktive Ansprache der Stadt- verwaltung und Einbeziehen der Bevölkerung zur Förderung des Tourismusbewusstseins und der Identitätsbildung Nachfrage & Zielgruppen Stetig steigende Übernachtungszahlen im lang- fristigen Vergleich: von 2010 bis 2019 Anstieg auf rund 1,7 Mio. in 2019; auch nach größeren Veranstaltungen (z. B. COP23) keine Rückgänge in der Nachfrage Besucher*innen zeigen sich i. d. R. begeistert und positiv überrascht, wenn sie Bonn erst ein- mal besucht haben Verschiedene touristisch bedeutsame Meilen- steine sorgten für zusätzliche Nachfrage und besseres Image, u. a. Tag der Dt. Einheit/NRW- Tag (2011), COP23 (2017), DTV-Tag (2018), Beethoven-Jubiläum (2020) Bonn profitiert von der Verbindungsmöglichkeit des Aufenthalts mit dem umgebenden Natur- und Aktivangebot (Siebengebirge, Ahrtal) Großer Anteil an internationalen Gästen (NL, BENELUX, Asien) Aktivierung von Erstbesucher*innen (insb. Übernachtungsgäste) ist noch ausbaufähig Potenzial für jüngere Zielgruppen sowie Kurzreisen derzeit noch nicht ausreichend beworben und ausgeschöpft Fehlender Zielgruppenfokus (pauschale An- sprache aller Gästegruppen) __________________________________________________________________________________________________ 14 Einladung von Freunden, Bekannten, Verwandten nach HauseSeite 35 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 34 STÄRKEN SCHWÄCHEN Image, Marke & Marketing Sehr hoher Bekanntheitsgrad der Stadt in der deutschen Bevölkerung (mehr als 70 % der deutschen Reisenden kennen Bonn) Internationalität und Weltoffenheit zeigt sich in unterschiedlichster Weise im Alltag der Stadt Bonn in den TOP 5 des Reiseführers Lonely Pla- net (Ausgabe 2020) im Zusammenhang mit Beethoven-Jubiläum Reaktivierung des beliebten „Bonner Kussmun- des“ als Imageträger für Marketingzwecke (Ab- sicherung von Nutzungsrechten bereits erfolgt) Mitgliedschaft bei den Historic Highlights of Germany e. V. zur aktiven Bearbeitung der Überseemärkte (USA, China, Japan, etc.) Bekanntheit der Stadt wird nicht in Sympa- thie und Besuchsbereitschaft (Reiseanlass) überführt Das Fremdbild bzw. die Wahrnehmung von der Stadt ist unklar/diffus/neutral, Assoziatio- nen tendieren von „langweilig“ bis „nichts los“; fehlendes Profil Möglichkeiten für eigenes überregionales, (inter-)nationales Marketing aufgrund be- schränkter Ressourcen stark begrenzt Reibungsverluste durch doppelte Aufgaben- bearbeitung von Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (T&C), Amt für Presse, Standortmarketing und Bonn Information Ansätze zur Profilierung Bonns als internatio- nale, weltoffene Stadt (UN, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort) wurden durch Corona-Pandemie ausgebremst Starker Fokus auf Beethoven im Marketing – andere Themen fehlen bzw. existieren kaum in der Außendarstellung Lage & Mobilität/Erreichbarkeit Attraktive Lage am Rhein und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Siebengebirge Tor zum Romantischen Rhein – Lage an der Öff- nung des Mittelrheintals zur Köln-Bonner Bucht Gute fußläufige Erreichbarkeit der (touristi- schen) Highlights und Standorte in der Stadt („walkable city“) Lage am Rhein wird nicht ausreichend ausge- spielt bzw. in Szene gesetzt (Lebens- und Auf- enthaltsqualität, Gastronomieangebot, Er- reichbarkeit/Wege) Erreichbarkeit im Fernverkehr noch nicht op- timal (DB, fehlende Fernbus-Haltestelle, …) Verbesserungsbedürftige Qualität der Ver- kehrsinfrastruktur (Radwege, Zufahrten für Autos, Steuerung von Baustellen) Umfangreiche Verkehrsprobleme, u. a. be- dingt auch durch Topographie Bonns und Funktion als PendlerstadtSeite 36 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 35 STÄRKEN SCHWÄCHEN Kulturtourismus/Veranstaltungen Hohe Dichte an Kulturangeboten mit herausra- gendem Portfolio: Museumsmeile als ein Leuchtturmangebot mit Bundeskunsthalle, Haus der Geschichte, Kunstmuseum, Museum König, Deutsches Museum Beethoven als touristischer Leuchtturm der Stadt mit diversen Kompetenzbeweisen (u. a. mit Nucleus Beethoven-Haus, Beethoven- Denkmal, Beethoven-Wanderweg, Beethoven- Fest, Rundgang); Beethoven-Jubiläum BTHVN2020 als wegweisender Impuls für eine innovative Weiterentwicklung des Themas Bonner Bundeshauptstadtgeschichte: politi- sches Bonn sichtbar an authentischen, noch be- suchbaren Standorten: Weg der Demokratie, ehemaliger Plenarsaal, Villa Hammerschmidt, Palais Schaumburg, Kanzlerbungalow u.v.a.m. Etablierte Veranstaltungen mit hohem Maß an Authentizität/Lokal-/Regionalkolorit, z. B. Beethovenfest, Pützchens Markt Bonn mit Anteil am Weltkulturerbe „Niederger- manischer Limes“: Grenzeinrichtung mit Verlauf über Bonner Stadtgebiet Naturereignis Kirschblüte (cherry blossom) als saisonale Attraktion mit hoher medialer, auch internationaler Aufmerksamkeit Große Anzahl an Kinos (u. a. Arthouse-Kinos) mit hoher Strahlkraft bis in benachbarte Städte „Rhein in Flammen“ als überregional bekannte Traditionsveranstaltung mit besonderem Cha- rakter (Land-Wasser-Veranstaltung) Viele kleine Veranstaltungen; häufig parallel- laufendes, unkoordiniertes Angebot Zahlreiche Veranstaltungen mit bislang nur regionaler Strahlkraft und Bekanntheit; (in- ter-)nationale Bekanntheit und Marketingak- tivitäten ausbaufähig Veranstaltungen mit Alleinstellungsmerkmal (USP) fehlen noch Beethoven als Reiseanlass jenseits des Beethoven-Festes noch nicht ausreichend in Szene gesetzt; Koordination/Bündelungs- funktion zum Thema Beethoven fehlt auf kommunaler Ebene noch Zugänglichkeit zahlreicher Besuchereinrich- tungen aus den Themenfeldern Politisches Bonn und UN Stadt Bonn sind stark begrenzt Geschäftsreise- und MICE-Tourismus Langjährige Tradition als Tagungs- und Kon- gressstadt mit etablierten Tagungs- und Veran- staltungsangeboten durch frühere Funktion als Bundeshauptstadt und Standort zahlreicher großer (DAX-)Unternehmen World Conference Center Bonn (WCCB) bietet vielseitige Nutzungsmöglichkeiten Angebote für Bleisure (Business & Leisure), u. a. als Aufenthaltsverlängerung und für mit- reisende Familien kaum vorhanden; Profil- schärfung notwendig Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten im MICE-Tourismus hat in den letzten Jahren an Bedeutung und Dynamik verlorenSeite 37 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 36 Rahmenprogramme zu Kongressen und Tagun- gen können aufgrund der räumlichen Nähe von Tagungsort und zu besuchender Einrichtung (z. B. alter Plenarsaal, Schifffahrt auf dem Rhein, usw.) im Bundesviertel besonders attraktiv ge- staltet und angeboten werden Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (T&C) als etablier- ter Veranstaltungsplaner für Bonn und Rhein- Sieg-Kreis STÄRKEN SCHWÄCHEN Nachhaltigkeit / Klimawandel Entwicklung Bonns als Welthauptstadt für Nachhaltigkeit und Klimaschutz in den vergan- genen 20 Jahren: einzige deutsche UN Stadt mit 20 UN-Sekretariaten für globale Zukunftsthe- men und mehr als 150 internationalen Organi- sationen und damit verbundenen Veranstaltun- gen Bonner Aktionstage zur Nachhaltigkeit: Unter dem kommunikativen Dach „Bonner Aktions- tage Nachhaltigkeit“ finden in Bonn im zentralen Aktionszeitraum für Nachhaltigkeit im Sinne der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der UN (Sustainable Development Goals, kurz: SDGs) zahlreiche Veranstaltungen und Formate statt Impulse für mehr Nachhaltigkeit bei Angeboten der Bonn-Information, z. B. Verkauf von nach- haltigkeitsgeprüften Souvenirs; Kooperation mit der UN Bonn beim Souvenirvertrieb, Aufgabe alter Stadtrundfahrtenbus aufgrund Nichterfül- lung Abgasnorm Projekt der T&C (Sustainable Bonn) im Rahmen eines EFRE-Projektes (Laufzeit bis 2018) Nachhaltigkeit und Umsetzung z. B. in (touris- tischen) Betrieben noch ausbaufähig Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten im MICE-Tourismus hat in den letzten Jahren an Bedeutung und Dynamik verloren. (siehe auch Geschäftsreise- und MICE-Tourismus)Seite 38 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 37 STÄRKEN SCHWÄCHEN Gastgewerbe & Leistungsanbietende Positive Entwicklung der Hotellerie, u. a. durch pandemiebedingte Marktbereinigung Vielfältige, diversifizierte Angebotsstruktur: kleine, charmante Betriebe und größere Hotels unterschiedlicher Kategorie (Motel one, Ka- meha Grand, Maritim, Marriott mit GOP-Vari- eté-Theater) Hotellerie befasst sich zunehmend mit dem Thema Digitalisierung (Apps, QR-Codes) Besondere individuelle Angebote/Stadtrund- gänge mit u. a. den „Bonn Greeters“ Teilnahmebereitschaft bzw. Bedeutung von Qualitätsinitiativen, Zertifizierungen, Labels (z. B. Service-Q, DEHOGA-Hotelklassifizie- rung, Green Sign, TOP-Tagungshotels, Bett+Bike) schwach ausgeprägt Onlinebuchbarkeit der Betriebe nicht durch- gängig gegeben Fehlende Wohnmobilstellplätze, z. B. in at- traktiver Lage am Rhein Fehlende Vielfalt und Qualität der Gastrono- mie (Authentizität, Regionalität); insb. im in- ternationalen Vergleich Angebotslücken in der Gastronomie, insb. am Rhein (Ausflugslokale, Cafés, (Strand-)Bars, Terrassenrestaurant, Szenelokale mit Cool- nessfaktor u. ä.) -> dadurch kaum Nachtleben, keine lebendige Szene Starker Fachkräftemangel in der Gastrono- mie (10 % Rückgang) STÄRKEN SCHWÄCHEN Aufenthaltsqualität Bestehende Planungen und Finanzierung zur Gestaltung der Rheinuferpromenade als poten- zieller Anziehungspunkt für Besucher*innen streben Erhöhung der Aufenthaltsqualität an. Fehlende touristische Infrastruktur und Zu- gang zur Rheinuferpromenade Fehlende öffentliche Toiletten in der Innen- stadt/im Stadtgebiet schmälern die Aufent- haltsqualität von Einheimischen und Gästen Sicherheits- und Sauberkeitsdefizite, insb. am Bahnhof/Bahnhofsvorplatz, Rheinufer, aber auch in der Innenstadt mit negativer Wirkung auf Willkommens- und Aufenthaltsqualität Fehlende internationale Beschilderung; mit Ausnahme Hauptbahnhof und Stadthaus keine mehrsprachigen Schilder/Info-Tafeln in der Stadt, ebenso Fehlen mehrsprachiger An- sagen im ÖPNVSeite 39 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 38 STÄRKEN SCHWÄCHEN Inklusion/Barrierefreiheit Bonn-Information hat „Reisen für Alle“-Zertifi- zierung (Service, Umgang mit Gästen, Stadt- rundfahrtenbus) Kooperation/Schulterschluss der Bonn-Infor- mation mit der Behindertengemeinschaft Bonn e. V. Entwickeltes Bewusstsein für barrierefreie An- gebote/“Reisen für Alle“ bei (touristischen) Ak- teur*innen vorhanden Tipps für barrierefreie Veranstaltungen auf der kommunalen Website www.bonn.de mit Hinwei- sen zur barrierefreien Gestaltung und Bewer- bung, Informationen und Checklisten sowie kon- kreten Empfehlungen zur Erreichbarkeit des Veranstaltungsortes, Gastronomie sowie wün- schenswerten Serviceleistungen Planungen zur Platzierung barrierefreier touris- tischer Informationen auf Website www.bonn.de (leichte Sprache, Stadtrundfahr- ten in einfacher Sprache, rollstuhlgerechte Gäs- teführertouren) Nach wie vor Defizite im Hinblick auf ein um- fassendes barrierefreies Angebot der Stadt (on- und offline) Keine barrierefreien (Wander-)Wege in der Stadt Derzeit kein barrierefreier Zugang zum Rheinufer (Zugang im Rahmen der Arbeiten zur Gestaltung der Rheinuferpromenade) STÄRKEN SCHWÄCHEN Digitalisierung Bewusstsein für allg. fortschreitende Entwick- lung und Notwendigkeit im Bereich Digitalisie- rung, v. a. durch den Einfluss der Corona-Pande- mie, in Bonn erkennbar und entwickelt Ansätze für digitale Produkte vorhanden, z. B. Beethoven-Rundgang als App für Smart- phones, neue App „City Stories“ des Stadtmuse- ums Bonn in Zusammenarbeit mit Bonner Fringe Ensemble mit individuellen Stadtge- schichten der Bonner*innen Projekt der T&C und der Bonn-Information in Kooperation mit Tourismus NRW und Köln Tou- rismus (Open Data Hub: Informationen in Ho- tels zu Sehenswürdigkeiten, aktuellen Besu- cherzahlen an POIs (Besuchermanagement) Digitale Informationsangebote und direkte Buchbarkeit von Angeboten fehlen weitge- hend, z. B. Abrufbarkeit von Informationen über die Website www.bonn.de noch ausbau- bedürftigSeite 40 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 39 2. Beteiligte im Leitbildprozess Beteiligte in den Fachgesprächen der Analysephase Akteur*innengruppe und Gesprächsdatum Gesprächsbeteiligte Betriebe/IHK Bonn/Rhein- Sieg/DEHOGA (28.9.22) Frau Winterwerp-van den Elzen Politiker*innen-Runde (Tou- rismuspolitische Sprecher*in- nen AEIWWA) (29.9.22) Herr Déus (CDU; AEI- WWA-Vorsitzender) Herr Freitag (Bündnis 90 / DIE GRÜNEN) Herr Saß (SPD) Herr Schaumburg (CDU) Frau Willnauer (DIE LINKE) Stadtverwaltung (30.9.22) Amt für Wirtschaftsförde- rung: Frau Appelbe Frau von Seht Amt für Presse, Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit: Frau Hilt Vertreter*innen der Museumsmeile (5.10.22) Herr Hoffmann (Haus der Geschichte) Herr Thiele (Bundes- kunsthalle) Frau Thrien-Pelleter (Kunstmuseum Bonn) Frau Heine (Museum Koenig) Frau Kratzsch-Lange (Deutsches Museum Bonn) Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/ Rhein- Sieg/Ahrweiler (11.10.22) Herr Schäfer (Geschäftsführer)Seite 41 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 40 Workshop I: Teilnehmende Stadtverwaltung am 18.10.2022 im Stadthaus Bonn Name, Vorname Einrichtung/Institution/Amt Appelbe, Victoria Amt für Wirtschaftsförderung Birkner, Ralf Bezirksverwaltungsstelle Beuel Hilt, Silke Amt für Presse, Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit Marketingservice Krumbach, Kathrin Bürgerdienste Veranstaltungskoordination Langhoff, Anna-Lisa Kulturamt Müller, Bettina Stadtplanungsamt Palm, Elke Sport- und Bäderamt Raupach, Barbara Bezirksverwaltungsstelle Bonn Schäfer, Christian Bezirksverwaltungsstelle Bad Godesberg von Seht, Melanie Amt für Wirtschaftsförderung Bonn-Information Wagner, Stefan Amt für Internationales und globale Nachhaltigkeit Wilde, Marion Strategische Programmsteuerung Programmbüro klimaneutrales Bonn 2035 Möller, Andrea (Moderation) dwif-Consulting GmbH Seibold, Markus (Moderation) dwif-Consulting GmbHSeite 42 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 41 Workshop II: Tourismusakteur*innen Bonn am 16.11.2022 im Rathaus in Bonn-Beuel Name Einrichtung/Institution/Amt Althaus, Christian Amt für Protokoll, Presse und Öffentlichkeitsarbeit Marketingservice Appelbe, Victoria Amt für Wirtschaftsförderung, Wirtschaftsförderin der Stadt Bonn Becker, Christoph DEHOGA Nordrhein e. V. Boecker, Malte Beethovenhaus Bonn, Direktor Déus, Guido CDU, Fraktionsvorsitzender und Vorsitz AEIWWA Deutrich, Cora Sprecherin Erfahrungsaustauschrunde Bonner Hotellerie ERFA II Dreesen, Fritz Tourismus Förderverein Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler e. V. Hoffmann, Peter Museumsmeile Bonn Kapper, Ute VOLT Kronenberg, Jochen Bonn Conference Center Management GmbH Leskien, Torben CDU Schäfer, Udo Tourismus & Congress GmbH Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler, Geschäftsführer Erfahrungsaustauschrunde Bonner Hotellerie ERFA I Schlösser, Michael DEHOGA Nordrhein e. V. Reg-Bez. Köln; Inhaber und Betreiber des BaseCamps und weiterer Hotels in Bonn Schmauder, Michael (Prof.) LVR-LandesMuseum Bonn, Rheinisches LandesMuseum Bonn für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte von Petersdorff, Ricarda Stadtmarketing Bad Godesberg von Seht, Melanie Amt für Wirtschaftsförderung, Leitung Bonn-Information Willnauer, Karin DIE LINKE Wimmers, Stephan (Prof.) IHK Bonn/ Rhein Sieg, Geschäftsführer/Abteilungsleiter In- dustrie, Handel, Verkehr, Tourismus, Kultur Winterwerp-van den Elzen, Ruth Maria Direktorin und Prokuristin Hotel Collegium Leoninum in der Nova Vita Residenz Bonn GmbH; Vizepräsidentin IHK-Indust- rie- und Handelskammer Bonn/ Rhein-Sieg e. V. Möller, Andrea (Moderation) dwif-Consulting GmbH Seibold, Markus (Moderation) dwif-Consulting GmbHSeite 43 von 45 Touristisches Leitbild der Bundesstadt Bonn Seite 42 Inhaltliche Bearbeitung dwif-Consulting GmbH Sonnenstraße 27 80331 München www.dwif.de Januar 2023 Bildnachweis: Bundesstadt Bonn bzw. dwif-Consulting GmbH Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikro- film oder in irgendeinem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers re- produziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbrei- tet werden.Seite 44 von 45 Impressum: Die Oberbürgermeisterin der Bundesstadt Bonn, Amt für Wirtschaftsförderung, Amt für Presse, Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit, Fotos: © Bundesstadt Bonn bzw. dwif-Consulting GmbHSeite 45 von 45
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 19:36 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de