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230056 · Beschlussvorlage

Spielflächenkonzept 2022

Nummer
230056
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
13.02.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 09.08.2023 Anregung
  2. Sitzung der Bezirksvertretung Beuel 15.03.2023 Anregung
  3. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 17.05.2023 Empfehlung
  4. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 25.05.2023 Empfehlung
  5. Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie 16.08.2023 Empfehlung
  6. Sitzung des Rates 22.08.2023 Entscheidung federführend
  7. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 18.04.2023 Anregung
  8. Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg 28.03.2023 Anregung
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Untergeordnet

  1. 230056-01 AA Spielflächenkonzept 2022 Antrag zur Vorlage
  2. 230056-02 AA Spielflächenkonzept 2022 Änderungsantrag zur Vorlage 230056

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Beschlussvorlage
öffentlich
230056
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
51 Amt für Kinder, Jugend und Familie
Dezernat:
Dez. V
Spielflächenkonzept 2022
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Hardtberg 28.02.2023 Anregung
Bezirksvertretung Bad Godesberg 01.03.2023 Anregung
Bezirksvertretung Bonn 07.03.2023 Anregung
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
09.03.2023 Empfehlung
Bezirksvertretung Beuel 15.03.2023 Anregung
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 15.03.2023 Empfehlung
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 15.03.2023 Empfehlung
Rat 23.03.2023 Entscheidung
Beschlussvorschlag
Dem Spielflächenkonzept Bonn 2022 wird zugestimmt.
Begründung
Öffentliche Spiel- und Freizeitflächenangebote übernehmen eine wichtige
Funktion im Bonner Stadtgebiet. Sie sind ein bedeutsamer Baustein der
sozialen Infrastruktur einer Stadt. Gerade im urbanen Raum mit steigendem
Wohnraumbedarf bekommen Spielflächen einen immer höheren Stellenwert.
Sie dienen nicht nur Kindern zum Spielen und gemeinsamen Erlernen, sondern
sind für alle Bewohnerinnen und Bewohnern ein wichtiger Aufenthaltsraum.
Darüber hinaus bieten naturnah gestaltete Spielflächen die Möglichkeit,
insbesondere in hochverdichteten Stadtteilen mit wenig Grün- und Freiflächen,
Grünflächenaspekte einzubeziehen.
Spielraumplanung in Bonn wird sich auch in Zukunft an dem Leitbild einer
inklusiven, kinder- und familienfreundlichen Bundesstadt orientieren. Die
Attraktivität der Bundesstadt Bonn als lebenswerte Stadt für Menschen aller
Altersgruppen hängt maßgeblich auch von einem ausreichenden
Spielflächenangebot ab. Dafür ist es unerlässlich, ein attraktives Spielangebot
für alle Altersgruppen bereitzustellen. Vor dem Hintergrund des für Bonn
prognostizierten Bevölkerungszuwachses – und insbesondere steigender
Kinderzahlen - muss der Umsetzung und Weiterentwicklung des Themenfeldes
‚Spielen‘ auch künftig eine hohe Priorität zukommen.
Veränderte Anforderungen an Spielflächen, ein sich wandelndes Stadtbild und
nicht zuletzt ein sich änderndes Verhalten der Nutzergruppen erfordert eineSeite 1 von 63
Seite 2
neue Akzentuierung. Das nunmehr vorliegende Spielflächenkonzept betrachtet
die wichtigsten Themenkomplexe und dient als Leitbild und
Orientierungsrahmen für die zukünftige Gestaltung der Spielflächen in Bonn. Im
Fokus stehen dabei die Anforderung an öffentliche Spiel- und Bolzplätze.
Darüber hinaus wird aber auch ein Ausblick auf eine mögliche zukünftige kind-
und familienfreundliche Gestaltung Bonner Freiflächen gegeben.
Im Spielflächenkonzept werden Ziele beschrieben, die verbindlich für alle
Bonner Spielflächen Anwendung finden sollen. Daneben werden
konzeptionelle, gestalterische, technische und organisatorische Aspekte zur
Weiterentwicklung der Spielflächen im öffentlichen Raum aufgezeigt. Das
Spielflächenkonzept dient damit als Grundlage für die
Spielplatzbedarfsplanung.
Anlage/n
1 230056 Spielflächenkonzept 2022_Original (öffentlich)Seite 2 von 63
Spielflächenkonzept Bonn 2022
Amt für Kinder, Jugend und Familie und Amt für Umwelt und StadtgrünSeite 3 von 63
Inhalt
1. Einleitung ................................................................................................................... 1
1.1 Anlass und Ziel des Spielflächenkonzepts ........................................................... 1
1.2 Rechtlicher Rahmen ............................................................................................ 3
2. Draußen Spielen –Spielangebote in Bonn.................................................................. 5
2.1 Bestand an öffentlichen Spielflächen................................................................... 5
2.1.1 Öffentliche, frei zugängliche Spielplätze ........................................................... 6
2.1.1.1 Bolzplätze ................................................................................................ 7
2.1.2 Öffentliche, beschränkt zugängliche Spielplätze............................................... 8
2.1.3 Betreute Spielangebote .................................................................................... 9
2.2 Potentiale ............................................................................................................ 9
2.2.1 Versorgung mit öffentlich frei zugänglichen Spielflächen .................................10
2.2.2 Bezug zur Natur stärken..................................................................................10
2.2.3 Besondere Spielangebote in Stadtzentren ......................................................11
3. Grüne Infrastruktur auf Spielflächen ..........................................................................11
3.1 Spielflächen im Freiraum-Netz der Grünen Infrastruktur.....................................12
3.2 Einzelfläche im gesamtstädtischen Kontext ........................................................13
3.3 Grüne Infrastruktur in der Spielplatzplanung ......................................................14
3.3.1 Planung der Grünstrukturen auf Spielflächen ..................................................15
3.3.2 Beschattung ....................................................................................................16
3.3.3. Regenwassermanagement..............................................................................17
3.3.4 Nachhaltige Planung .......................................................................................17
3.4. Verfahrensschritte zur Integration Grüner Infrastruktur in den Planungsprozess 18
3.4.1 Praktische Beispiele / Steckbriefe ...................................................................19
4. Gruppen von Nutzenden ...........................................................................................26
4.1 Kinder ................................................................................................................26
4.2 Jugendliche ........................................................................................................26
4.3 Erwachsene .......................................................................................................27
4.4 Akteure/Akteurinnen und Spielplatzpatenschaften .............................................27
4.5 Urban Gardening auf öffentlichen Spielflächen ..................................................28
4.6 Das Mit- und Nebeneinander..............................................................................29
5. Inklusion....................................................................................................................31
5.1 Erreichbarkeit, Erschließung, Aufenthaltsflächen und Ausstattung .....................32
5.2 Inklusive Spielangebote .....................................................................................33Seite 4 von 63
6. Spielplatzbedarfsplanung ..........................................................................................35
7. Spielleitplanung.........................................................................................................36
8. Planung von Spielflächen in Bonn .............................................................................37
8.1 Vorgehensweise und Planungsabläufe ..............................................................38
8.1.1 Themenspielplätze ..........................................................................................40
8.1.2 Naturnahe Spielplätze .....................................................................................41
8.1.3 Mehrgenerationenplätze..................................................................................43
8.1.4 Wasserspielplätze ...........................................................................................44
8.1.5 Trendsportanlagen ..........................................................................................46
8.1.6 Spielbereiche in autofreien Einkaufsstraßen ...................................................46
8.2 Partizipationsverfahren.......................................................................................47
8.3 Normative Vorgaben für Planungsprozesse .......................................................49
9. Service für Bürgerinnen und Bürger ..........................................................................50
9.1 Spielplätze im digitalen Stadtplan .......................................................................50
9.2 Informationshotline und Mailkontakt ...................................................................51
9.3 Veranstaltungen auf Spielplätzen .......................................................................51
10. Instandhaltung der Bonner Spiellandschaft ........................................................52
10.1 Kontrolle von Spielflächen ..................................................................................52
10.2 Instandhaltung von Spielflächen.........................................................................53
10.3 Akteurinnen/Akteure und Aufgaben der Verwaltung ...........................................54
10.3.1 Amt für Kinder, Jugend und Familie ................................................................54
10.3.2 Amt für Umwelt und Stadtgrün ........................................................................55
10.3.3 Beteiligte Fachämter .......................................................................................56
11. Personal- und Haushaltsmittelanforderung ...............................................................56
12. Fazit ..........................................................................................................................57Seite 5 von 63
Seite 1 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
1. Einleitung
Spielflächen haben für die Entwicklung von jungen Menschen einen hohen Stellenwert.
Sie sind wichtig für die motorische und kognitive Entwicklung und ein breites Angebot
an Spielmöglichkeiten verbessert die Entwicklungschancen und die Lebensqualität von
Kindern und Jugendlichen.
Die Notwendigkeit von Spiel und Bewegung für das Heranwachsen von Kindern ist
erwiesen. Spielen ist für Kinder ein elementarer Baustein für die
Persönlichkeitsentwicklung: im Spiel können Gemeinschaftsgefühl, Sozialkompetenz,
Selbstwertgefühl und die Fähigkeit mit Konflikten umzugehen erlernt werden.
Entsprechende Möglichkeiten und Freiräume müssen daher im Wohnumfeld von
Kindern und Jugendlichen vorhanden sein und erhalten werden.
Insbesondere in Städten und Ballungsräumen fehlen diese Freiräume häufig bzw. sind
aufgrund dichter Bebauung und hoher Verkehrsbelastung faktisch stark eingeschränkt.
Zunehmend weichen Freiflächen einer Bebauung, in der wenig unversiegelte Grün-
und Spielflächen vorhanden sind.
In der Stadt sind Spielplätze daher oft die einzigen Orte zum Austoben, gemeinsamen
Spielen im Freien, kreativen Experimentieren oder einfach nur zum Treffen und
Erholen. Ein vielfältiges und fantasievolles Angebot an öffentlichen Spielflächen leistet
einen entscheidenden Beitrag, Kinder in ihren Fähigkeiten ganzheitlich zu fördern.
Spielplätze sind Orte, an denen Kinder die Welt kindgerecht über ihren Körper, ihre
Sinne und ihr Tun wahrnehmen, begreifen und verstehen lernen.
Spielflächen nehmen insbesondere in stark verdichteten Wohngebieten mit vielen
Familien eine zentrale Rolle ein.
Es ist daher wichtig gesamtstädtische Vorgaben zu entwickeln, um die Bonner
Spiellandschaft quantitativ und qualitativ zu erhalten und weiter auszubauen. Dabei
sollte der Fokus nicht nur auf öffentliche Spielplätze gerichtet sein. Es ist notwendig,
die Stadtgestaltung insgesamt zu betrachten und kind- und familiengerechte
Lebensräume zu entwickeln.
1.1 Anlass und Ziel des Spielflächenkonzepts
Kinder- und familienfreundliche Stadtplanung hat eine hohe Bedeutung zur
Attraktivitätssteigerung einer wachsenden Kommune. Kinder- und
Familienfreundlichkeit ist eine Querschnittsaufgabe – Spielplätze und bespielbare
Flächen sind Elemente, die zu einem familien- und kindgerechten Wohnumfeld
maßgeblich beitragen und den Bewohnerinnen und Bewohnern
Erholungsmöglichkeiten bieten. Spielflächen sind ein wichtiger Standortfaktor für ein
gutes Lebensumfeld.
Das Amt für Kinder, Jugend und Familie hat 2007 eine umfangreiche
Spielplatzbedarfsplanung vorgelegt, die bis heute wesentliche Grundlage für die
Feststellung von Bedarfen und die Qualifizierung von Spielplätzen ist. 2015 hat das
Amt für Kinder, Jugend und Familie erstmals ämterübergreifend mit dem Amt fürSeite 6 von 63
Seite 2 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Stadtgrün ein Spielflächenkonzept erarbeitet, in dem das Rahmenkonzept der
Spielplatzbedarfsplanung, die Prioritätensetzung für notwendige Maßnahmen und die
Aufgabenbereiche Wartung, Pflege und Instandhaltung zusammengeführt worden
sind. Erste Zielvorgaben und eine Annäherung an den Themenkomplex gesamt-
städtische Spielleitplanung wurden formuliert.
Mit der Aktualisierung des Spielflächenkonzepts wird eine inhaltliche
Weiterentwicklung und Konkretisierung vorgenommen:
Das Spielflächenkonzept legt die Ziele für die Entwicklung der Bonner Spiellandschaft
fest. Mit ihm wird die konzeptionelle Herangehensweise für die einzelnen Aufgaben-
und Handlungsfelder dargestellt. Mit dem Spielflächenkonzept werden Qualitätsziele
entwickelt, die für weitere Planungen notwendig sind. Diese Ziele beziehen sich sowohl
auf pädagogische Aspekte als auch auf die Gestaltungsgrundzüge.
Mit dem Spielflächenkonzept werden die Kriterien für die Spielplatzbedarfsplanung, die
Standards für die Gestaltung neuer Plätze und Ziele für die Erarbeitung einer
umfassenden Spielleitplanung vereinbart.
Die Stadt als bespielbare Fläche bietet Infrastrukturen, in der sich die Bewohnerinnen
und Bewohner aller Altersklassen wohlfühlen. Spielen darf nicht nur auf festgelegten
offiziellen Spielplatzflächen möglich sein. Auch Plätze, öffentliche Grünanlagen,
nichtstädtische Freiflächen und Schulhöfe müssen als Spielareal erhalten bzw.
zurückgewonnen werden. Damit wird die Forderung einer umfassenden
Spielleitplanung für die Stadt Bonn impliziert.
Das Spielflächenkonzept ist somit ein Basisinstrument zur Verbesserung der
Infrastruktur für Kinder und Familien im gesamtstädtischen Kontext. Nicht nur die
Ansprüche von Erwachsenen, die Schaffung von Wohnraum, sondern eben auch die
Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen sind im Planungsprozess zu
berücksichtigen und Freiflächen vorzuhalten. Bei der Umsetzung des Ziels einerSeite 7 von 63
Seite 3 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
kinderfreundlichen Stadt ist die Zusammenarbeit der Ämter und der Kommunalpolitik
notwendig.
Die Ressource Baugrund ist ein begrenztes Gut. Bauträger möchten gewinnorientiert
investieren, Wohnraum muss geschaffen werden. In Neubauvierteln ist es daher
schwierig, große Spielplätze und Freiräume durchzusetzen. Sie sind aber notwendig
für die Entwicklung der jungen Menschen. Sie dienen darüber hinaus als
Erholungsbereiche oder erfüllen ökologische Funktionen. Nutzungskonflikte können
nicht nur in Bezug auf die Bebauung der Flächen entstehen; auch notwendige Straßen
und Parkraum führen zu einer Verknappung von potentiellen Spielflächen. Aber auch
Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich oft durch den Lärm, den Kinder und
Jugendliche beim Spielen verursachen, gestört und manche versuchen in der Folge
Spielmöglichkeiten rechtlich einzuschränken.
Die Forderung mehr Spielflächen auszuweisen steht daher im Konflikt mit anderen
Nutzungsinteressen. Insofern ist es zwar notwendig - aber nicht immer leicht -
Spielflächen einen höheren Stellenwert in der Stadtplanung einzuräumen.
Ein Umdenken ist erforderlich. Durch eine klare Akzentuierung beim Abwägen
konkurrierender Interessen kann es gelingen zielorientiert im Sinne von Kindern,
Jugendlichen und Familien zu handeln. Nur so kann es gelingen, dass Bonn als kinder-
und familienfreundlich wahrgenommen und die Stellung von Kindern und Jugendlichen
in der Gesellschaft gestärkt wird.
1.2 Rechtlicher Rahmen
Die UN-Kinderrechtskonvention, das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, trat
am 2. September 1990 in Kraft. Über Artikel 31 wird das Recht des Kindes auf Spielen
und altersgemäße aktive Erholung bestimmt.
Das Recht der Kinder auf Spielen findet auch in nationalen Vorschriften und
Regelungen seine Entsprechung. Die zentrale Gesetzesgrundlage ist das
Sozialgesetzbuch VIII mit der programmatischen Forderung des §1, positive
Lebensbedingungen für junge Menschen sowie eine kinder- und familienfreundliche
Umwelt zu erhalten und zu schaffen. Geplant war auch Kinderrechte mit ins
Grundgesetz aufzunehmen. Diese Forderung wurde jedoch nicht umgesetzt.
Außerdem ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungen der
öffentlichen Jugendhilfe zu gewährleisten. Neben dieser richtungsweisenden
Rechtsnorm ergänzen entsprechende Gesetze, Erlasse und
Durchführungsverordnungen auf Bundes- und Landesebene die Rechtslage.
In der Bauleitplanung werden Spielflächen festgelegt. Im BauGB wird auf die
Notwendigkeit verwiesen, den Bedürfnissen von Familien in der Planung Rechnung zu
tragen. Bei der Aufstellung der Bauleitpläne sind die Bedürfnisse von Familien und
jungen Menschen zu berücksichtigen.
Mit § 8 der Bauordnung NRW erfolgt die Verpflichtung zur Anlage von Spielflächen bei
größeren Wohnbaumaßnahmen. Diese Norm wurde aufgegriffen und auf kommunaler
Ebene durch die Satzung der Stadt Bonn über die Beschaffenheit und Größe von
Spielplätzen für Kleinkinder konkretisiert. Bauherren, die Gebäude mit mehr als zwei
Wohneinheiten bauen, werden verpflichtet private Spielflächen zu errichten. Baut einSeite 8 von 63
Seite 4 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Bauträger auf mehreren, aber zusammenhängenden Grundstücken Wohnhäuser, so
hat er für diese Häuser Spielflächen auf dem Grundstück oder bei mehreren
Grundstücken ggf. eine Gesamtspielanlage in unmittelbarer Nähe zu errichten. Die
Größe der Spielplatzflächen richtet sich nach Art, Größe und Anzahl der Wohnungen
auf dem Baugrundstück. Bei diesen Spielflächen handelt es sich nicht um öffentliche
Spielplätze; der Nutzerkreis ist meist auf Kleinkinder der umliegenden Wohnungen
beschränkt. Diese Spielplätze sind daher nicht Gegenstand des Spielflächenkonzepts.
Die Festlegung und Kontrolle der Maßnahmenumsetzung obliegt der Bauaufsicht.
Über diese Satzung ist es jedoch möglich die Lebensqualität der Kinder in ihrem
unmittelbaren Wohnumfeld zu verbessern und damit Einfluss auf eine kindgerechte
Stadtentwicklung auch auf privaten Flächen zu nehmen. Ein Vergleich mit
Spielplatzsatzungen anderer Kommunen in NRW hat ergeben, dass in einigen Städten
sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht einem kindgerechten
Lebensumfeld mehr Gewicht eingeräumt wird. Eine Aktualisierung und eine
Erweiterung des Forderungskataloges der Bonner Spielplatzsatzung wird daher aus
Sicht des Amtes für Kinder, Jugend und Familie angeregt.
Für öffentliche Spielplätze werden im Runderlass „Bauleitplanung Hinweise für die
Planung von Spielflächen“ - RdErl d. Innenministers v. 31.7.1974; - V C 2 - 901.11 (am
01.01.2003: MSWKS) konkretere Vorgaben für die Planung beschrieben. Den
unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Altersstufen sollen entsprechend
verschiedene Spielbereiche geschaffen werden.
Spielbereiche werden aufgrund ihrer Art und Nutzung in drei Funktionsbereiche
unterteilt:
- Spielbereich A (zentrale Versorgungsfunktion für einen Ort oder Ortsteil)
- Spielbereich B (Versorgungsfunktion für einen Wohnbereich)
- Spielbereich C (Versorgungsfunktion für einen Wohnblock oder eine Hausgruppe).
Die Spielbereiche sollen so angeordnet werden, dass für Kinder keine unzumutbaren
Entfernungen zu den Wohnungen entstehen. Es ist anzustreben, sie in ein
Grünflächensystem einzubeziehen und untereinander weitgehend durch Fußwege zu
verbinden, so dass ein gefahrloses Überwechseln zu anderen Spielbereichen
ermöglicht wird.
Auch zu der Ausgestaltung der Spielplätze und zum Spielflächenbedarf liefert der
Runderlass Richtwerte. Der Spielflächenbedarf hängt insbesondere ab von
- der Lage, Größe und Struktur der Gemeinde,
- der Einwohnerdichte, sowie von der Bebauungs- und Erschließungsform,
- der gesamten Wohngeschossfläche und dem Freiflächenanteil,
- der Art des Spielflächensystems,
- anderen Möglichkeiten der Spielbetätigung.
Mit der Spielplatzbedarfsplanung werden diese Leitlinien aufgegriffen und auf das
Bonner Stadtgebiet transformiert.Seite 9 von 63
Seite 5 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
2. Draußen Spielen –Spielangebote in Bonn
Von besonderer Bedeutung für die Einwicklung von Kindern ist das Spielen im Freien.
Wer draußen spielt, entdeckt die Welt um sich herum, der Fantasie sind keine Grenzen
gesetzt. Die Bewegung an frischer Luft bei Sonne und Wind stärkt die Abwehrkräfte.
Draußen werden Bewegungsabläufe eingeübt und alle Sinne gefordert. Im Freien
werden Gleichgewichtsempfinden und Koordination trainiert, die Sozialkompetenz wird
gestärkt und Kontakte mit der Natur hergestellt. Kinder, die viel Zeit in der Natur
verbringen, bewegen sich sicherer, sind ausgeglichener und leben gesünder.
Spielplätze sind gerade in hochverdichteten städtischen Bereichen notwendig, da sie
oftmals die einzigen Flächen sind, auf denen Kinder ungefährdet draußen spielen
können. Aber auch auf Grünflächen, Plätzen und Straßen spielen Kinder. Natürlich
bieten auch private Flächen wie Gärten, Schrebergärten und Innenhöfe
Spielmöglichkeiten. Im Wald, auf Brachflächen und am Rheinufer können Kinder Natur
erleben und im kreativen Spiel ihre Umgebung erkunden.
Das Spielflächenkonzept bezieht sich auf Flächen, die das Spielen im Freien
ermöglichen und der Öffentlichkeit zugänglich sind.
2.1 Bestand an öffentlichen Spielflächen
In der Stadt Bonn gibt es aktuell 286 öffentliche Spiel- und Bolzplätze, darunter 29 auf
nicht städtischen Grundstücken. Eine Gesamtfläche von knapp 400.000 m² steht den
Kindern und Jugendlichen dieser Stadt offiziell als Spiel- bzw. Bolzplätze zur
Verfügung. Das sind bezogen auf die Anzahl der Kinder bis 14 Jahren am 31.12.2020
rund 8,5 m2 pro Kind.
Im Stadtgebiet liegen 34 Großspielplätze (ab. 3.000 m2), die teilweise sogar - wie zum
Beispiel die Waldau oder die Rheinaue - auch über die Bonner Stadtgrenze hinaus
bekannt sind. 110 Spielplätze sind über 1.000 m2 groß. Der Rest entfällt auf kleinere
Spielplätze zur Versorgung des direkten Wohnumfelds.
Die Kinder können klassische Spiel- und Bolzplätze, Themenspielplätze, teilweise mit
naturnahen Bestandteilen und in Bereichen barrierefrei, sowie Rasenflächen für freies
Bewegungsspiel nutzen. Die Spielplätze dieser Stadt sind unterschiedlich mit
Spielgeräten ausgestattet und sprechen je nach Ausstattung Kinder verschiedener
Altersklassen an. In der aktualisierten Spielplatzbedarfsplanung 2022 werden die
einzelnen öffentlichen Spielplätze systematisch untersucht und bewertet. Aus dieser
Betrachtung leiten sich ein Forderungskatalog und Handlungsbedarfe für die einzelnen
Spielplätze ab.
Freiflächen für Kinder schaffen und erhalten.Seite 10 von 63
Seite 6 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Neben den öffentlichen Spielplatz- und Bolzflächen gibt es über 100 Schulhofflächen,
die außerhalb des Schulbetriebes ebenfalls der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.
Spielflächen an den ca. 220 öffentlich geförderten Kindertagesstätten (davon 69 in
städtischer Unterhaltung) und an Freibädern sowie an einigen
Jugendfreizeiteinrichtungen erweitern das Angebot während der Öffnungszeiten. Auch
private Spielplätze werden genutzt, liegen jedoch auf Grundstücken von
Privatpersonen oder Wohnungsbaugesellschaften und sind in der Regel nur für die
Kinder aus den angrenzenden Wohngebäuden bestimmt.
Schulhöfe, Außengelände an Kindertagesstätten und Schwimmbad-Spielplätze fließen
im Kern nicht in die Betrachtung mit ein. Aufgrund unterschiedlicher
Nutzungsansprüche werden auf diesen Flächen andere Gestaltungskriterien in den
Fokus gerückt.
Auch private Spielplätze werden hier nicht weiter betrachtet, da weder die vorhandene
Datenlage ausreichend noch eine Beplanbarkeit der Flächen möglich ist.
Schwerpunkt dieses Spielflächenkonzeptes sind daher die öffentlichen Spiel- und
Bolzplätze, die für alle Kinder grundsätzlich jeder Zeit zugänglich sind. Für sie sollen
die mit diesem Konzept aufgezeigten Ziele und Kriterien vornehmlich verbindlich sein.
Darüber hinaus soll das Spielflächenkonzept aber auch Orientierungsziele für alle
bespielbaren Flächen aufzeigen.
2.1.1 Öffentliche, frei zugängliche Spielplätze
Öffentliche, frei zugängliche Spielplätze unterstützen die kindgerechte Entwicklung im
Wohnumfeld. Sie sind darüber hinaus Aufenthaltsraum für alle Bevölkerungsgruppen.
Damit fördern sie auch soziale Vernetzung, Integration und Inklusion. Neben dem
hauptsächlichen Spielangebot bieten Spielplätze auch Raum für Erholung. Als
Bestandteile der grünen Infrastruktur haben sie daneben stadtklimatische sowie
stadtökologische Bedeutung.
Die Gestaltung der Spielplatzflächen erfolgt in Abhängigkeit von Bedeutung, Stadtteil,
aus Erfahrungswerten erwarteter Nutzungsintensität sowie nach inklusiven,
ökologischen Gesichtspunkten. Die Ergebnisse aus den Partizipationsverfahren
werden bei der Gestaltung berücksichtigt. Auch werden nach Möglichkeit
Themenspielplätze als zentrale Identifikationspunkte in den Quartieren geschaffen. Ob
ein Spielplatz gut angenommen wird, hängt neben der Gestaltung mit Raumstrukturen
sowie der Vielfalt des Spiel- und Aufenthaltsangebots auch maßgeblich von
vorhandenen Grünstrukturen mit ihren kleinklimatischen und schattenspendenden
Auswirkungen ab (vergleiche Kap. 3).
Der Unterhaltungsaufwand sowie dessen Intervalle werden durch den Nutzungsdruck
in Verbindung mit den verwandten Materialien bestimmt.Seite 11 von 63
Seite 7 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
2.1.1.1 Bolzplätze
„Planlos, ohne System Fußball spielen“ ist die Bedeutung des Worts Bolzen.
Sogenannte Bolzplätze sind aber viel mehr, sie bieten den Kindern die Möglichkeit zum
freien Spielen, insbesondere zum Ballspielen jeglicher Art. Kinder können die Flächen
in ihrer Freizeit aufsuchen und sich austoben. Insbesondere auf Bolzplätzen findet
Mehrgenerationen-Spielen oftmals von ganz alleine statt. Hier spielen Eltern mit ihren
Kindern, Jugendliche mit ihren kleineren Geschwistern oder Großeltern mit ihren
Enkeln.
Im Gegensatz zu Sportplätzen, die teilweise auch über öffentlich zugängliche
Kleinspielfelder verfügen und für junge Menschen attraktiven Spielraum bieten, gibt es
auf Bolzplätzen keine durch den Vereinssport eingeschränkten Nutzungszeiten.
Bolzplätze können unterschiedlich gestaltet sein. In der Stadt Bonn gibt es 50
öffentliche Bolzplätze mit einer Fläche von fast 40.000 m2. Einige Bolzplätze sind
lediglich Rasenflächen von 200 bis 300 m2. Tore sind meist nur auf größeren Flächen
fest installiert. Durch das Aufstellen von Toren gewinnt die Fläche an Attraktivität für
den Fußball. Allerdings spielen Kinder auch auf Plätzen ohne Tore. Manchmal dient
dann z.B. einfach eine Jacke als Markierung. Es gibt aber auch Bolzplätze, die über
1.000 m2 groß sind. Mit fest eingebauten Toren können sich hier auch mehrere Kinder
im Teamspiel erproben. Bolzplätze übernehmen damit eine wichtige Funktion nicht nur
als Stätten, wo Kinder vereinsunabhängig in ihrer Freizeit Sport treiben können,
sondern auch als Platz zum Erlernen von Sozialverhalten.
Bolzplätze sind damit wichtige Freiräume insbesondere für Kinder ab Grundschulalter.
Sie ergänzen das Angebot der Spielplätze und dienen als Flächen, die zur spielerisch-
sportlichen Betätigung für Kinder in allen Stadtteilen zur Verfügung stehen sollten.
Im Sportentwicklungsplan der Stadt Bonn wird auf die Bedeutung von Bolzplätzen
hingewiesen. Im Rahmen der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wurden auch
explizit Bolzplätze als wichtiges Element hervorgehoben (z.B. Bolzplatz an der
Margaretenstraße). Als Handlungsempfehlung soll eine Untersuchung erfolgen,
inwieweit sich die Nutzungsvielfalt von Bolzplätzen durch Ertüchtigung der
Bodenbeläge und Geräte erweitern lassen kann.
Umso qualifizierter diese „Ballspielplätze“ ausgebaut sind und über feste Ausstattung,
wie z. B. Tore, Streetball-Ständer und Ballfangzäune verfügen, desto höher ist die
Akzeptanz der Anlage. Dies kann zu dazu führen, dass sich Anwohnende gestört
fühlen.
Auch Jugendliche und junge Erwachsene nutzen die Flächen. Gelegentlich kommt es
dann zu Beschwerden aus der Nachbarschaft zum Beispiel wegen der
Lärmbelästigung und erhöhten Müllaufkommens. In diesem Spannungsfeld befinden
sich viele langjährig vorhandene Bolzplätze der Stadt Bonn. Nutzungskonflikte
aufgrund regelwidrigen Verhaltens sind leider nie gänzlich auszuschließen.
Der Begriff Bolzplatz ist rechtlich nicht definiert und für die Beurteilung der Zulässigkeit
der Lärmbelästigung bleibt die Frage: Wann wird ein Bolzplatz zu einer Sportanlage,
die nicht an jeder Stelle innerhalb einer Bebauung genehmigungsfähig ist? Was istSeite 12 von 63
Seite 8 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
ausschlaggebend: Abmessungen, Form, Ausstattung, Öffnungszeiten, die Gruppe der
Nutzenden? Rechtlich sind diese Fragen nicht eindeutig geklärt. Daher muss vor jeder
größeren Investition im Einzelfall geprüft werden, welche Nutzungen auf der Fläche
möglich sind, wobei auch die Nähe zur Wohnbebauung zu berücksichtigen ist. Um die
Akzeptanz der Anwohnenden zu fördern, kann möglicherweise ein Schließdienst für
die Anlage erforderlich werden, um Ruhezeiten sicherzustellen. Auch durch
lärmreduzierende Ballfangzäune und Tore können Konfliktpotentiale minimiert werden.
Ziel muss es sein, möglichst alle dieser Ballspielplätze auf Grund ihres großen Wertes
für die kindliche Entwicklung zu erhalten.
2.1.2 Öffentliche, beschränkt zugängliche Spielplätze
Über die in der Spielplatzbedarfsplanung enthaltenen Spiel- und Bolzplätze hinaus gibt
es Spielflächen, die nur beschränkt öffentlich zugänglich sind. Die Nutzbarkeit dieser
Flächen ist in der Regel nur zu bestimmten Zeiten möglich.
An erster Stelle sind hier die Schulhöfe der Stadt Bonn genannt, die erst nach Schul-
bzw. Betreuungsschluss von allen Kindern genutzt werden können. Immerhin rund
847.800 m2 Fläche stehen auf Schulhöfen zur Verfügung, wobei aber nur Teilbereiche
einen höheren Spielwert haben, d.h. mit Spielgeräten ausgestattet sind. Die restlichen
Flächen sind überwiegend befestigte, meist gepflasterte oder asphaltierte Bereiche.
Kleinspielfelder auf Schulhöfen stehen außerhalb der Schulbetriebszeiten aus
Lärmschutzgründen (Nachbarschaftsschutz) für eine außerschulische Nutzung oftmals
nicht zur Verfügung.
Häufig sind auch Jugendzentren unterschiedlich gut mit Außenspielbereichen
ausgestattet. Diese sind während der Öffnungszeiten und teilweise auch darüber
hinaus nutzbar.
Außerdem sind noch die sich an den öffentlichen Freibädern befindlichen
Spielbereiche zu nennen. Diese stehen lediglich in den Sommermonaten nach
Entrichtung des Eintrittspreises für Kinder zur Verfügung.
Der Planungsprozess und der Unterhaltungsaufwand entsprechen denen der
öffentlichen Spielplätze.
Auch die Kindertagestätten haben ein umfangreiches, altersgerechtes Spielangebot in
den Außenanlagen, das allerdings nur den dort betreuten Kindern während der
Öffnungszeiten zur Verfügung steht.
Möglichst viele Ballspielflächen / Bolzplätze
erhalten und ausbauen.Seite 13 von 63
Seite 9 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
2.1.3 Betreute Spielangebote
Spielhäuser, Spielmobile und betreute Spielplätze sind pädagogisch begleitete
Freizeitangebote für Kinder.
Die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bieten ein pädagogisch
begleitetes Angebot von Lern- und Gelegenheitsstrukturen im Rahmen eines
ganzheitlich verstandenen Bildungsbegriffes. Offene Jugendarbeit in der Stadt Bonn
richtet sich an alle jungen Menschen im Alter von 6 Jahren bis zur Vollendung des 21.
Lebensjahres (in begründeten Ausnahmefällen können auch junge Menschen bis
einschließlich 27 Jahren einbezogen werden). In den Einrichtungen können Kinder und
Jugendliche frei oder von Fachkräften angeleitet spielen und ihre Freizeit verbringen.
Ein Besuch muss nicht angemeldet werden und die Angebote stehen allen Kindern und
Jugendlichen offen. (vergleiche Freizeitstättenbedarfsplan Ds-Nr. 1513731).
Auf betreuten Spielplätzen steht die Erlebnispädagogik im Vordergrund. Hier wird den
Kindern und Jugendlichen ermöglicht, durch besondere Erlebnisse in der
Gemeinschaft und durch die Übernahme von Verantwortung, ihre Freizeit sinnvoll zu
gestalten. Im Mittelpunkt stehen der Umgang mit natürlichen Elementen und
Materialien wie Feuer, Wasser, Erde und Pflanzen und die Gestaltung der eigenen
Umwelt in spielerischer Art und Weise. Fast alle betreuten Spielplätze in Bonn verfügen
neben dem Außengelände auch über ein festes Gebäude. Hier stehen Kreativität und
Eigeninitiative an erster Stelle, die durch Werken, Basteln, freies Spiel, Rollen- und
Gesellschaftsspiele u.v.m. verwirklicht werden können.
2.2 Potentiale
Neben der Hauptfunktion von öffentlichen Spiel- und Bolzplätzen, nämlich Flächen zum
Spielen zu bieten, dienen diese Freiräume als Bereiche der städtischen
Kulturlandschaft, als Naherholungsräume und sind Teil der städtischen grünen
Infrastruktur mit klimatischen, hydrologischen und ökologischen Aufgaben.
Während es Vorgaben für die Größe und Ausstattung von Außenspielbereichen von
Kindertagesstätten, als auch für die Größe der Schulhöfe gibt, fehlen verbindliche
Vorgaben für die Zahl, Mindestflächen und Ausstattungsregelungen für öffentlich frei
zugängliche Spiel- und Bolzplätze. Auch für betreute Spielangebote gibt es nur wenige
Orientierungsrichtwerte (vgl. Freizeitstättenbedarfsplanung).
Hier gilt es die Potentiale und Synergieeffekte der einzelnen Funktionen unter
Berücksichtigung der Anzahl, Größe und Verteilung von Spielflächen innerhalb der
Stadtteile zu nutzen. Die Potentiale der jeweiligen Örtlichkeit sollen bei der Gestaltung
der Fläche mit Bezug auf das städtebauliche Umfeld berücksichtigt werden.
Bei der Ausstattung von neuen und bestehenden Spielflächen sollten die Bedarfe der
Nutzenden berücksichtigt und die Plätze entsprechend entwickelt oder ggf. verbessert
und erweitert werden.Seite 14 von 63
Seite 10 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Das bedeutet, dass sowohl Quantität als auch die Qualität in den Fokus der
Betrachtung rückt. Das Potential einer Spielfläche sollte ausgenutzt werden, um auf
jeder Fläche einen möglichst hohen Spiel- und Erlebniswert erreichen zu können.
Diesen Ansatz verfolgt auch die aktualisierte Spielplatzbedarfsplanung 2021 für die
öffentlichen Spiel- und Bolzplätze.
2.2.1 Versorgung mit öffentlich frei zugänglichen Spielflächen
Die Stadt Bonn verfügt insgesamt über relativ viele öffentliche Spielflächen. Während
in einigen Planungsräumen die Spielplatzversorgung sehr gut ist, gibt es aber auch
Quartiere, die deutlich unterversorgt sind. Für die jungen Bewohnerinnen und
Bewohner dieser Stadtteile fehlen Spielmöglichkeiten.
Bei den öffentlich frei zugänglichen Flächen, gibt es neben sehr gut gestalteten
Flächen auch etliche Spielplätze, die unzureichend ausgestattet sind. Eine Aufwertung
der Flächen ist erforderlich. Jeder Spielplatz sollte einen möglichst hohen Spiel- und
Erlebniswert für junge Menschen haben.
Die Spielplatzbedarfsplanung 2022 setzt sich mit der Qualität der einzelnen
öffentlichen Spielplatzflächen auseinander. Darüber hinaus wird die
Versorgungssituation der einzelnen Bezirke analysiert und es werden
Handlungsempfehlungen sowohl für die einzelnen Spielplätze als auch für die
Stadtteile gegeben und konkrete Verbesserungspotentiale aufgezeigt. Insofern wird im
Spielflächenkonzept nicht näher auf die einzelnen Spielplätze eingegangen, sondern
auf die Spielplatzbedarfsplanung 2022 verwiesen.
Eine klare Forderung kann allerdings formuliert werden: In allen Stadtteilen, die eine
geringe Versorgung haben und wo geeignete Flächen zur Verfügung stehen, sollte
geprüft werden, ob die Bonner Spiellandschaft ausgebaut werden kann.
2.2.2 Bezug zur Natur stärken
Besonders für Kinder und Jugendliche, die in dicht bebauten Innenstadtbereichen
leben, sind naturbelassene Spielflächen wichtig. In der Stadt fehlen
Naturerfahrungsräume und mit einer zunehmenden Urbanisierung wächst dieses
Defizit. Dies zeichnet sich auch in der Bundesstadt Bonn ab. Immerhin sind z. B. durch
den Kottenforst, Ennert und die Rheinauen für viele Kinder erreichbare Naturräume
vorhanden, die als Naturerlebnisbereiche dienen können. Die Anlage öffentlicher
Spielplätze im Außenbereich ist nur im Einklang mit Natur- und Landschaftsschutz
möglich.
Für zahlreiche Kinder und Jugendliche fehlen aber naturnahe Flächen, die sie
selbständig in der Nähe ihres Wohnortes aufsuchen können. Naturnahe Freiräume
sind ideale Spielbereiche. Auf einer Entdeckungsreise durch die Natur üben Kinder alle
motorischen Fertigkeiten, die sie im Leben brauchen. Sie lernen, neugierig zu sein.
Wenn nichts vorgegeben oder vorgefertigt ist, ist vieles spontan möglich. Dies
wiederum bringt Spannung und fördert Kreativität und persönliche Entwicklung.
Spielen in der Natur schärft die Sinne von Kindern. Naturnahe Spielflächen dienen
nicht nur der Umweltbildung, sondern beeinflussen das Stadtklima, und können alsSeite 15 von 63
Seite 11 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Rückzugsort für Tiere und als Versickerungsfläche für Regenwasser dienen (vergl.
Kapitel 3 Grüne Infrastruktur).
2.2.3 Besondere Spielangebote in Stadtzentren
Stadt- bzw. Stadtteilzentren werden von allen Personenkreisen besucht. Dabei dienen
insbesondere autofreie Einkaufsbereiche als Publikumsmagnete für Menschen, die die
Geschäfte und Gastronomiebetriebe besuchen, als Treffpunkt oder einfach nur als
Verbindungsweg. Auch Eltern mit ihren Kindern besuchen diese innerstädtischen
Bereiche. Es ist daher wichtig für Kinder Möglichkeiten zum spielerischen Erleben des
Stadtraumes zu schaffen und die Aufenthaltsqualität für Kinder und ihre
Begleitpersonen in Einkaufsstraßen zu verbessern.
Oftmals gibt es in autofreien Einkaufszonen lediglich einzelne Federgeräte, teilweise
auch ohne Sitzgelegenheiten. Diese Spielstandpunkte laden nur zum kurzen Verweilen
ein, der Spielwert ist gering. Ziel sollte es sein, Spielflächen in Fußgängerzonen mit
verschiedenen Spielgeräten auszustatten und attraktiv für die Zielgruppen zu
gestalten.
Grundsätzlich sollten in allen autofreien Einkaufszonen den Interessen von Kindern
mehr Gewicht gegeben werden und bei Umgestaltungsprozessen die Möglichkeit zur
Schaffung von innerstädtischen Spielplätzen mit hoher Aufenthaltsqualität für alle
Besuchenden geprüft werden.
3. Grüne Infrastruktur auf Spielflächen1
Trockenheit, Hitze, Starkregenereignisse, Überschwemmungen, Artenrückgang –
spätestens seit dem Sommer 2018 ist für viele offensichtlich, dass Klimawandel und
Verlust der Biodiversität einschneidende Auswirkungen haben.
Gerade Kinder sind auf eine ausreichende Anzahl und Qualität der Freiräume
angewiesen. Fehlt ausreichend Freiraum, kann es zu sozialen und sprachlichen
Entwicklungsstörungen kommen. Dies belegt die Kinderstudie „Raum für Kinderspiel!“
1 Kapitel 3 wurde in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekturbüro Martina Hoff, Essen erstellt.
Alle Grafiken dieses Kapitels Quelle: Landschaftsarchitekturbüro Hoff
Naturnahe Spielflächen schaffen
Attraktive Spielplätze in Stadtzentren errichtenSeite 16 von 63
Seite 12 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
des deutschen Kinderhilfswerks. Auch die Vulnerabilität von Kindern gegenüber
Hitzebelastungen ist hoch, genauso wie die von Senioren und Kranken. Nur ein Grund
mehr, Spielflächen als klimatische Ausgleichsräume und Teil der Grünen Infrastruktur
zu betrachten und entsprechend zu gestalten. Es sind vielfältige, unterschiedliche und
„mehrdimensionale“ Anforderungen der Grünen Infrastruktur zu berücksichtigen, die
sich mit sozialen und pädagogischen Anforderungen verbinden.
3.1 Spielflächen im Freiraum-Netz der Grünen Infrastruktur
Grüne Infrastruktur bedeutet an dieser Stelle, die Alltagsanforderungen an Spielflächen
um weitere Funktionen und Aspekte wie die Berücksichtigung von Klima und
Regenwasser, Biodiversität, Identifikation und Gemeinschaft sowie die Bedeutung als
lebenswerter Freiraum zu ergänzen. Werden Spielflächen als Bestandteile einer
gesamtstädtischen grünen Infrastruktur betrachtet, wird ihre Bedeutung als Freifläche
über die Spielflächenplanung hinaus als Element einer klimaresilienten Freiraum- und
Stadtentwicklung wahrgenommen. Kommt es dazu, dass eine Spielfläche in der
Spielplatzbedarfsplanung als nicht mehr notwendig angesehen und aufgegeben wird,
übernimmt die Fläche auch weiterhin wichtige Funktionen, die zu einem
lebenswerteren Umfeld im vernetzten Freiraumsystem mit sozialer, klimatischer und
ökologischer Bedeutung beiträgt, sofern sie weiterhin dahingehend gestaltet, gepflegt
und nicht überbaut wird.
Die Stadt Bonn verfügt über zahlreiche gesamtstädtische Planungen und Konzepte,
die konkrete Aussagen zur Bedeutung von einzelnen Flächen innerhalb des
Themenfeldes Grüne Infrastruktur ermöglichen. Gleichzeitig gibt es in der
Planungspraxis vielfältige gestalterisch-technische Ansätze, Grüne Infrastruktur in die
Einzelflächen zu integrieren. Ziel ist es, diese konzeptionellen und inhaltlich-
gestalterischen Aspekte in anstehende Planungen zu integrieren und auch die
Planungsabläufe darauf abzustimmen.Seite 17 von 63
Seite 13 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
3.2 Einzelfläche im gesamtstädtischen Kontext
Die Europäische Union hat 2011 eine Strategie verabschiedet, die darauf ausgerichtet
ist, bis 2020 Ökosysteme und ihre Dienstleistungen durch Grüne Infrastruktur zu
erhalten und zu verbessern und mindestens 15% der bereits geschädigten
Ökosysteme wiederherzustellen. Die eher sparrigen Begriffe Grüne Infrastruktur und
Multicodierung werden seither – nicht nur aufgrund entsprechender Förderprogramme
- zunehmend mit Leben gefüllt. Grün in der Stadt ist ein Thema und das Weißbuch
Stadtgrün des Bundes definiert 10 Handlungsfelder für Städte und Gemeinden. Auch
Spielflächen sind Teil der Grünen Infrastruktur und ihre Gestaltung steht damit vor
neuen Herausforderungen.
Gerade die Folgen des Klimawandels werden zunehmend für Alle im Alltag spürbar.
Spielräume können eine wichtige Funktion im Rahmen der Klimaanpassung
übernehmen. Sie sind kühle Räume, die über kurze Wege im Quartier erreichbar sind
und dadurch für alle Bewohnerinnen und Bewohner an Bedeutung gewinnen. Bereits
Einzelflächen mit mindestens 3ha wirken nachhaltig kühlend im Quartier - abhängig
von Größe und Struktur – bis mindestens 200m in die Bebauung hinein. Auch wenn
Spielflächen von 500 bis über 10.000m² diese Größe nicht erreichen, sind kühlende
Effekte kleinerer Flächen dennoch in den Wärmebildern von Klimaanpas-
sungskonzepten ablesbar.
Klima ist nur ein Aspekt der Grünen Infrastruktur. Regenwasserabkopplung,
Starkregenmanagement, Biodiversität, Gesundheit und Soziales sind einige weitere
Aspekte. Bestehende Grundlagen oder Planwerke erlauben eine Sichtung und
Einordnung der Spielflächen entsprechend ihrer Funktion sowie eine Ableitung von
Planungshinweisen.
Die Stadt Bonn verfügt auf der stadteigenen Plattform Stadtplan Bonn (Geodaten)
beispielsweise über eine Klimaanalyse, die flächenscharfe Aussagen zu Einzelflächen
im Kontext des Stadteilzusammenhangs ermöglicht. Die Starkregenanalyse lässt
Rückschlüsse zu, ob eine Fläche von derartigen Ereignissen betroffen ist bzw. ob sie
für die Umgebung ggf. eine Entlastungsfunktion übernehmen könnte. Darüber hinaus
engagiert sich die Stadt Bonn als Hauptstadt der Biodiversität und kann
Naturspielflächen entwickeln. Entsprechende Planwerke und Zuständigkeiten in der
Verwaltung sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst. Die Liste ist jederzeit
ergänzbar und nicht abschließend.
Grundlagen/
Informationen
Zuständiges Amt/
Ansprechpartner Abrufbar unter:
Spielplatzbedarfsplanung,
Beteiligung und Patenschaften
Schulen und Kitastandorte
Spielflächenkonzept
Datenblätter zu allen
Spielflächen
Amt für Kinder, Jugend & Familie
Schulamt, Amt für Kinder, Jugend und
Familie
Amt für Kinder, Jugend & Familie
Amt für Umwelt & Stadtgrün
www.bonn.de
Datenblätter Spielplätze unter
Stadtplan Bonn (Geodaten)
abrufbar > Gesellschaft
Schulen und Kitastandorte unter
Stadtplan Bonn (Geodaten)
abrufbar >GesellschaftSeite 18 von 63
Seite 14 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Stadtbäume Amt für Umwelt & Stadtgrün
Sachgebiet Unterhaltung Städtischer
Bäume
Liste mit Erfahrung zu
klimaangepassten Gehölzen
Baumberatung
Klimaplanungshinweise Amt für Umwelt & Stadtgrün
Abteilung Umweltvorsorge und -planung
Klimaplanungshinweise:
https://www.bonn.de/themen-
entdecken/umwelt-natur/projekte-
zur-klimaanpassung.php
Und Informationen bei Stadtplan
Bonn
Starkregengefahr
Hochwasser
Tiefbauamt
Hochwasser- und
Starkregenmanagement
Karten abrufbar unter Stadtplan
Bonn
>Umweltschutz >Wasser
>Hochwasser
Referenzprojekte wie
Überflutungsschutz „Am
Sonnenberg“
Hinweise zur Spielplatzplanung,
-entwicklung und -unterhaltung
Integriertes Freiraumsystem
Bonn
Amt für Umwelt & Stadtgrün
Abteilung Neubau, Planung und Forst
Stadtplan Bonn enthält
Informationen aus dem IFS 2012
(IFS muss als Suchbegriff
eingegeben werden)
Naturschutzinformationen
(Schutzgebiete, Schutzwürdige
Biotope, Alleenkataster,
Oberflächengewässer)
Amt für Umwelt & Stadtgrün
Untere Naturschutzbehörde
Informationen abrufbar unter
Stadtplan Bonn > Umweltschutz >
Natur & Landschaft
Weiterführende Informationen zu
schutzwürdigen Biotopen NRW
http://bk.naturschutzinformationen.
nrw.de/bk/de/karten/bk
Nahmobilität Stadtplanungsamt
Mobilität und Verkehr –
Gesamtstädtische Verkehrsplanung und
ÖPNV
Verkehrsentwicklungsplan Bonn
2020
https://www.bonn.de/themen-
entdecken/verkehr-
mobilitaet/verkehrsentwicklungspla
n-2020.php
3.3 Grüne Infrastruktur in der Spielplatzplanung
Damit Spielflächen ihre wichtige Funktion im Rahmen der Klimaanpassung sowie zur
Verbesserung der innerstädtischen Biodiversität übernehmen können, muss innerhalb
des Planungsprozesses ein besonderes Augenmerk auf die Bepflanzung, das
Regenwassermanagement sowie die Nachhaltigkeit gelegt werden. Die Vorgaben für
Pflanzungen und Naturerleben der DIN 18034 (Spielplätze und Freiräume zum
Spielen) berühren Aspekte der Grünen Infrastruktur. Es sollen standortgerechte,
gebietseigne, regenerationsfähige und rasch wachsende Gehölze in großer
Artenvielfalt gewählt werden. Spielwert und Naturerlebnis können mit genießbaren
Früchten erweitert werden,Seite 19 von 63
Seite 15 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
die auch heimischen Tieren als Nahrungsstätten dienen können. Anpflanzungen
sollen Wind- und Sonnenschutz bieten. Bereiche zum Naturerleben müssen Pflanzen-
und Tierlebensräume berücksichtigen. Biodiversität und Klima als Aspekte der Grünen
Infrastruktur werden damit indirekt angesprochen.
Bei großen Spielräumen ist die geschickte Wegeplanung und Zuordnung der
Funktionsbereiche eine Basis für einen hohen Anteil lebendiger Vegetationsflächen mit
unterschiedlichen Spieleigenschaften und Klimafunktionen. Wird die Einzelfläche in ein
Netzwerk von grünen Wegen, Spiel- und Aufenthaltsorten im Quartier und darüber
hinaus eingebunden, stärkt dies nachweislich Gesundheit und Lebensqualität sowie
die nachhaltige Nahmobilität.
3.3.1 Planung der Grünstrukturen auf Spielflächen
Bei der klimagerechten Planung von Spielflächen soll mit einem nachhaltigen
Pflanzkonzept erreicht werden, dass Feinstaubreduzierung und Abkühlungseffekte für
die Fläche, das Umfeld und im gesamtstädtischen Kontext verbessert werden. Dabei
sind auch vorhandene Luftströmungen zu berücksichtigen, so dass die
Frischluftversorgung der Stadtzentren gefördert wird.
Integration von Baumbestand und Gebüschen ist selbstverständlich bei der Gestaltung
der Spielflächen und sichert unter anderem Vögeln, Fledermäusen und Insekten
Lebensräume. Nur in Ausnahmefällen kann es dazu kommen, dass Gehölzbestand
aus Gründen der Kriminalprävention oder Standsicherheit gerodet werden muss.
Naturnahe Bepflanzungen und artenreiche Einsaaten auf Spielplätzen bieten ein
Nahrungsangebot für Insekten. Auf ausgewählten ausreichend großen Standorten sind
auch Kooperationen mit Stadtimkern denkbar.
Die Erfordernisse einer klimaangepassten Pflanzenauswahl werfen neue
Fragestellungen auf. Schon jetzt sind Baumpflanzungen vorzunehmen, die mittel- und
langfristig die Funktionen der bestehenden Bäume übernehmen: Beschattung undSeite 20 von 63
Seite 16 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Kühlung. Bei der Artenauswahl stehen Biodiversität und Klimaanforderungen oft in
Widerspruch. Die verschiedenen Aspekte der Grünen Infrastruktur erfordern an dieser
Stelle eine Abwägung. Zum Einsatz kommen hier klimaresiliente Bäume und Sträucher
mit einer guten Wüchsig- und Regenerationsfähigkeit, um relativ schnell einen mess-
und spürbaren Effekt auch in Hinblick auf den Schutz vor Sonne und Wind zu erzielen.
Die Anzahl dieser Gehölze ist sowohl abhängig von der Größe der Fläche als auch von
der Größe der zum Spielen benötigten offenen Freiflächen. Ergänzt werden können
die Gehölzpflanzungen durch (Wild-) Stauden und gebietsheimisch Einsaaten im Sinne
des Labels „StadtGrün – naturnah“.
Unter der Voraussetzung, dass die Gesamtfläche ausreichend groß ist, können auch
Beete und Pflanzungen des Urban Gardening Bestandteil der Grünen Infrastruktur
sein. Diese werden von Initiativen, auf Basis eines speziellen Nutzungsvertrags
bewirtschaftet.
3.3.2 Beschattung
Während die ersten und letzten Sonnenstrahlen im Frühling und Herbst des Jahres
besonders genossen werden, werden im Hochsommer vermehrt Schattenplätze
aufgesucht. Vor dem Hintergrund der zunehmend heißen und strahlungsintensiven
Sommer, wird der Wunsch nach beschatteten Spiel- und Aufenthaltsbereichen immer
wichtiger. Deshalb ist der Integration des vorhandenen Baumbestandes in die Planung
von besonderer Bedeutung.
Rutschen werde aus dem strahlungsintensiven Bereich heraus nach Norden
ausgerichtet und in der DIN 18034 wird darauf hingewiesen, dass Teilbereiche von
Sand- und Matschspielanlagen schattig bzw. windgeschützt sein müssen. Konkrete
Aussagen dazu wann (ab dem Zeitpunkt nach Eröffnung eines Spielplatzes), zu
welcher Jahres- und Tageszeit und wie groß der Schattenanteil sein muss, gibt es aber
nicht.
Während ausreichend Schatten auf Spielplätzen mit altem Baumbestand vorhanden
ist, fehlt ausreichend Beschattung bei einigen Spielplätzen z. B. in Neubaugebieten
oder wenn alte Bäume gefällt werden müssen. Bis gut wüchsige Jungbäume über eine
größere Schattenwirkung verfügen, vergehen im Mittel je nach Baumart ca. 5-10 Jahre.
Auch Rankpflanzen, z. B. Knöterich oder Wein, brauchen bis zum Zeitpunkt einer
annehmbaren Schattenwirkung mindestens 3 Jahre. Sie erfordern ein Rankgerüst, sind
trittempfindlich und pflegeaufwendig. Somit sind sie als Schattenspender auch für die
Übergangszeit bis Bäume eine ausreichende Größe erreicht haben, nicht geeignet.
Andere bauliche Übergangslösungen, wie z. B. Unterstände oder Sonnenschutz aus
Holz, Metall oder Kunststoff, sind in Hinblick auf die Sicherheitsanforderungen auf
Spielplätzen (DIN 1176) bautechnisch aufwendig und sehr kostenintensiv.
Sonnensegel sind im öffentlichen, frei zugänglichen Raum äußerst
vandalismusanfällig, was sich dann auch in einem deutlich erhöhten finanziellen und
personellen Unterhaltungsaufwand widerspiegelt. Die Anschaffung und Aufstellung
eines Sonnensegels kostet je nach Größe so viel wie ein kleines bis mittelgroßes
Kombinationsspielgerät mit Anbauteilen.Seite 21 von 63
Seite 17 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Ziel der Pflanzplanung auf Spielplätzen ist, die Beschattung von Teilen der
Sandspielflächen sicherzustellen. Wo die Beschattung (noch) unzureichend ist, sollte
es möglich sein sich für eine Pause in andere beschattete Bereiche des Spielplatzes
zurückzuziehen.
3.3.3. Regenwassermanagement
Je kleiner Spielräume sind, desto höher ist der unvermeidbare Anteil befestigter
Flächen - allein aufgrund des Nutzungsdrucks. Befestigte Flächen können trotzdem
sickerfähig sein oder müssen bei geeigneten Bodenverhältnissen nicht an die
Kanalisation angeschlossen werden.
Auf Grund des Klimawandels kommt es häufiger zu Starkregenereignissen und die
Straßenkanäle sind überlastet. Seit dem Jahr 2016 ist deshalb das Führen eines
Überflutungsnachweises (DIN 1986) bei Grundstücken mit einer abflusswirksamen
Fläche von über 800 m2 Pflicht.
Ziel dieses Überflutungsnachweises ist es zu belegen, dass das auf dem Grundstück
anfallende Niederschlagswasser auf dem Grundstück verbleibt und dort versickern
kann. Die Einleitung in einen öffentlichen Kanal ist dabei in den meisten Fällen
unzulässig, das Niederschlagswasser soll auf dem Grundstück möglichst flächig über
belebte Bodenzonen versickern.
Bei der Planung eines Spielplatzes ist es daher besonders wichtig – in Abhängigkeit
vom Nutzungsdruck – möglichst wenig Flächen zu versiegeln. Unterirdische Entwäs-
serungseinrichtungen, wie z. B. Rigolen, auch Baumrigolen und oberirdische
Regenwasseranlagen, wie flache Mulden oder größere abgesenkte Areale mit
Bepflanzung, können gefahrlos in Spielflächen geplant werden.
Ein weiterer Vorteil dieser Regenwassernutzung ist der Kühlungseffekt durch die
Verdunstungsleistung.
Regenwasser, in unterirdischen Zisternen gesammelt, kann zur Bewässerung genutzt
werden und damit zur Einsparung dieser wichtigen Ressource beitragen.
Bei der Spielflächenplanung stellen gerade Mulden, Hügel und sonstige
Geländestrukturen auch mit Erosionsrinnen für Kinder abwechslungsreiche naturnahe
Spielbereiche dar, die insbesondere die Entwicklung von Motorik, Gleichgewicht und
Fantasie unterstützen.
3.3.4 Nachhaltige Planung
Nachhaltigkeit bei Gestaltung und Auswahl der Materialien ist schon seit langem ein
Gebot der knappen Kassen und unter ökologischen Gesichtspunkten wichtig. Gerade
die frühzeitige Einbeziehung der Aspekte von Pflege und Unterhaltung in die Planung,
am besten in der direkten Abstimmung mit den zuständigen Akteuren mit ihrem
Beschattungssituation auf Spielplätzen durch
nachhaltige Pflanzenkonzepte schaffen und
verbessern.Seite 22 von 63
Seite 18 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Erfahrungswissen, trägt nachhaltig und langfristig zur Schonung der Ressourcen bei.
Die Zusammenlegung von Gehölz,- Wiesen- und Spielflächen zu größeren Einheiten
vereinfacht die Pflege. Konsensgetragene Planungen mit Bürgerbeteiligung und
vielfältig nutzbaren Raumstrukturen unter Berücksichtigung o. g. Aspekte bilden auch
ohne Geräteausstattung eine wichtige Basis für nachhaltige Spielflächen. Beteiligung
und Nutzungsvielfalt sind die Basis für soziale Kontrolle, die möglichem Vandalismus
entgegenwirkt und die in Bonn durch Partizipationsverfahren und die Gewinnung von
Paten bereits gestärkt wird.
Es ist schwer, sich im Dschungel der unterschiedlichen Umweltsiegel zu orientieren.
Vor allem bekannte Siegel wie der Blaue Umweltengel greifen für Baustoffe kaum.
Unbekanntere Siegel wie das eco-INSTITUT-label oder das natureplus-Zeichen
betreffen überwiegend Wohn- und Hochbauprodukte. Im Bereich des Garten- und
Landschaftsbaus gibt zurzeit die EPD Umwelt-Produktdeklaration in Einzelfällen
Orientierung. Eine EPD beschreibt Baustoffe mit ihren funktionalen und technischen
Eigenschaften sowie ihren Umweltwirkungen auf Basis von Ökobilanzen. Diese
Informationen beziehen sich auf den gesamten Lebenszyklus des Bauprodukts. EPDs
geben keine Bewertung, die Planerinnen und Planer sind bei der nicht einfachen
Aufgabe gefragt die Informationen zu bewerten. In der EPD Datenbank des Instituts
Bauen und Umwelt e. V. (IBU) finden sich Informationen zu Pflasterbelägen,
Rohrleitungen oder Holz. Nachhaltige und klimaneutrale Produktwahl bleibt in der
Landschaftsarchitektur also schwierig.
Bei der Verwendung von Holz ist grundsätzlich auf Tropenholz zu verzichten und mit
FSC-zertifiziertem Holz zu bauen. Dies gilt sowohl für Spielgeräte, sonstige
Ausstattungselemente und -konstruktionen, als auch für Einfassungen oder
Palisadenwände. Auf den Einsatz von umweltschädlichen Holzschutzmitteln wird
verzichtet. Durch den konstruktiven Holzschutz wird die Lebenserwartung des Bauteils
deutlich verlängert ohne die Umwelt zu belasten.
3.4. Verfahrensschritte zur Integration Grüner Infrastruktur in den Planungsprozess
Sowohl bei Planungen zum Neubau als auch zu größeren Umbaumaßnahmen von und
auf Spielplatzflächen sind die Aspekte der Grünen Infrastruktur zu berücksichtigen und
als Standard in den Planungsprozess zu integrieren.
Das betrifft in erster Linie die Grundlagenermittlung als erste Planungsphase nach der
HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). In dieser Phase wird die
Örtlichkeit in Abhängigkeit von der Aufgabenstellung aufgenommen, analysiert und
bewertet. Die Aspekte der Grünen Infrastruktur sind dabei besonders sorgfältig
festzustellen und mit Hilfe von anderen Fachämtern, dem Integrierten Freiraumkonzept
(IFK) als nachhaltiges Planungsinstrument und weiteren ergänzenden Hinweisen aus
dem städtischen Geoinformationssystem (Geodaten) zu recherchieren (vgl. Kap. 3.2).
Die Ergebnisse dieser Analyse konkretisieren und vervollständigen die
Aufgabenstellung.
Auch im weiteren Planungsprozess ist es wichtig interdisziplinär mit den
entsprechenden Fachämtern zusammenzuarbeiten, um bestmögliche Lösungen
abzuwägen, zu diskutieren und festzulegen.Seite 23 von 63
Seite 19 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Damit die Grüne Infrastruktur in der Praxis von den Bürgerinnen und Bürgern wert-
geschätzt wird und Akzeptanz findet, ist eine diesbezügliche umfassende Information
im Rahmen von Partizipationsverfahren erforderlich. Bei allen größeren Sanierungen
sowie Neuplanungen von öffentlichen Spielflächen ist dies bereits fest im
Planungsprozess verankert.
Was die Integration der Grünen Infrastruktur für die Einzelflächen bedeutet, zeigen
exemplarisch die drei nachfolgenden Steckbriefe. Deutlich wird daran, dass sich
Planungsziele ableiten lassen, aber nach wie vor viel Gestaltungsspielraum für die
konkrete Umgestaltung bleibt. Am Beispiel der Unterhaltungsmaßnahme Spielplatz
Morseweg wird deutlich, dass Grundlagenrecherche ggf. zu komplett neuen
Lösungsansätzen führen kann.
3.4.1 Praktische Beispiele / Steckbriefe
Auf den folgenden Seiten werden exemplarisch unterschiedliche Spielflächen
untersucht:Seite 24 von 63
Seite 25 von 63
Seite 21 - Spielflächenkonzept Bonn 2022Seite 26 von 63
Seite 22 - Spielflächenkonzept Bonn 2022Seite 27 von 63
Seite 23 - Spielflächenkonzept Bonn 2022Seite 28 von 63
Seite 24 - Spielflächenkonzept Bonn 2022Seite 29 von 63
Seite 25 - Spielflächenkonzept Bonn 2022Seite 30 von 63
4. Gruppen von Nutzenden
Spielplätze dienen nicht nur Kindern als Flächen, auf denen sie toben und zusammen
spielen können. Sie sind wichtige Aufenthalts- und Erholungsräume und übernehmen
damit verschiedene Funktionen in der Stadt.
4.1 Kinder
Der Kreis der Nutzenden öffentliche Spielflächen hat sich erheblich erweitert. Bereits
Kleinkinder besuchen Spielplätze. Dabei sind sie nicht nur in Begleitung der Eltern oder
älteren Geschwister, sondern verstärkt nutzen auch Kindertagespflegepersonen mit
ihren unter dreijährigen Tageskindern Spielplätze als Treffpunkte. Kleinkinder erfahren
ihren eigenen Körper beim Krabbeln, Schaukeln, Wippen, Rutschen, Springen und
Laufen.
Kindergartenkinder benötigen Angebote zur Entwicklung motorischer Fähigkeiten, des
Gleichgewichtssinnes, räumlicher Körperorientierung und des Selbstvertrauens.
Kinder ab dem Grundschulalter suchen weitere Herausforderungen. Sie benötigen
Angebote, die sowohl körperliche als auch soziale Kompetenzen beanspruchen, aber
auch Fantasie und Einfallsreichtum fördern. Grundschulkinder benötigen eine
Spiellandschaft, an der sie ihre körperlichen Fähigkeiten erproben und ihre Grenzen
austesten können.
Kinder wünschen sich, wie aus den durchgeführten Beteiligungsverfahren bekannt,
hauptsächlich Rutschen, Schaukeln, Seilbahnen, herausfordernde
Kombinationsklettergeräte, Spielhäuser und Ballspielflächen. Bei diesen Zielgruppen
ist eine fantasievolle Gesamtgestaltung gefragt.
Nach § 22 Bundes-Immissionsschutzgesetz handelt es sich bei Geräuscheinwirkungen
von Kindern auf Kinderspiel- sowie Ballspielplätzen nicht um schädlichen Lärm:
Geräuscheinwirkungen, die von Kindertageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und
ähnlichen Einrichtungen wie beispielsweise Ballspielplätzen durch Kinder
hervorgerufen werden, sind im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung. Bei der
Beurteilung der Geräuscheinwirkungen werden daher Immissionsgrenz- und -
richtwerte nicht herangezogen. Auf die Problematik Bolzplätze wurde bereits unter
2.1.1.1 eingegangen.
4.2 Jugendliche
Obwohl nach der Kinderrechtskonvention Kinder erst mit 18 Jahren die Bezeichnung
Kind verlieren und obwohl es rechtlich keine festgelegte Altersgrenze für Kinder gibt,
spricht man allgemein üblich bei ab 15-Jährigen von Jugendlichen.
Die Ansprüche von Jugendlichen unterscheiden sich erheblich von denen der Kinder.Seite 31 von 63
Seite 27 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Um so älter Kinder sind und zu Jugendlichen werden, desto höher wird das Interesse
für sportliche Ball- und Teamspiele. Die Nutzung von Skateranlagen, Basketballfeldern,
gut ausgestatteten Bolzplätzen und Bike Parcours erfolgt überwiegend durch
Jugendliche, um sich körperlich zu messen, auszuprobieren und darzustellen. Darüber
hinaus nutzen sie den öffentlichen Raum als Treffpunkt und als Begegnungsort. Sie
wollen sehen und gesehen werden, suchen aber auch Rückzugsmöglichkeiten zur
Pflege ihrer sozialen Kontakte.
Für Jugendliche ist es schwer, im städtischen Raum ihre Nische zu finden. Oftmals
sind sie unerwünscht. Die Aufsicht, die z. B. in Sportvereinen oder auf Schulhöfen
stattfindet, fehlt auf Spiel- und Bolzplätzen. Aber das ist auch oftmals von Jugendlichen
gewünscht. Sie suchen einen Raum ohne die Aufsicht der Erwachsenen. Hinsichtlich
des von Jugendlichen verursachten Lärms urteilt der BGH mittlerweile, dass dieser
nicht grenzenlos zulässig ist. Es geht auch um ein rücksichtsvolles Miteinander, was
für Jugendliche als zumutbar eingeschätzt wird. Als Heranwachsende stellen
Jugendliche auch eine Zielgruppe auf Spielplätzen dar.
Bei regelwidrigem Verhalten können Jugendpflege, Jugendeinrichtungen, Vereine,
Sozialarbeiter sowie die Kontaktpersonen bei der Polizei vermitteln.
4.3 Erwachsene
Besuchten Eltern in der Vergangenheit Spielplätze nahezu ausschließlich als
Begleitung von Kindern, werden Spielplätze auch von Erwachsenen ohne Kinder als
Aufenthaltsort genutzt. Sie suchen in Parks und auf Spielplätzen Erholung, nutzen
diese als Treffpunkte und für kleine Spaziergänge.
Daraus resultiert dann vereinzelt und mittlerweile vermehrt der Wunsch nach der
Aufstellung von Fitnessgeräten und der Integration z.B. von Bouleplätzen oder Urban
Gardening Bereichen in bzw. an Spielplatzflächen. Die Anwesenheit von Erwachsenen
auf Spielplätzen fördert das soziale Miteinander und sorgt gleichzeitig für eine
Sozialkontrolle. Erwachsene sind auf Spielplätzen willkommen, gehören aber nicht zur
Hauptzielgruppe, so dass die o. g. Ausstattungswünsche in der Regel nicht, nur
reduziert oder nur in Einzelfällen bei ausreichend zur Verfügung stehender Fläche
Berücksichtigung finden können. Spielplätze sind vornehmlich Flächen für junge
Menschen. Es muss daher immer im Einzelfall abgewägt werden, ob eine
multifunktionale Nutzung auf Spielplätzen möglich und gewünscht ist.
4.4 Akteure/Akteurinnen und Spielplatzpatenschaften
Die Bonner Spiellandschaft ist ein Teil unseres Stadtbildes und wird mitgestaltet und
unterstützt durch das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger.
Kinder und Jugendliche wirken an der Gestaltung im Rahmen des partizipativen
Prozesses mit. Viele Erwachsene und Institutionen unterstützen durch ihr aktives
Mitwirken die Entwicklung und den Erhalt der Bonner Spielangebote.Seite 32 von 63
Seite 28 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Ehrenamtliches Engagement in Spielplatzinitiativen und Spielplatzvereinen sollte
zunehmend an Bedeutung gewinnen und aktiv gefördert werden. Ein Beispiel sind
Spielplatzpatinnen und Spielplatzpaten, das heißt Personen, die sich um einen
Spielplatz kümmern. Sie engagieren sich in vielfältiger Art und Weise und stehen im
engen Kontakt mit der Verwaltung. Sie melden u. a. Verunreinigungen und zeigen
Verbesserungspotentiale auf. Einige Spielplatzpaten übernehmen aber auch
Schließdienste wie z.B. an Bolzplätzen. Zurzeit werden über 30 Spielplätze von
Spielplatzpatinnen und Spielplatzpaten betreut. Die Patinnen und Paten pflegen den
Kontakt zur Verwaltung und sind Ansprechpartner für Kinder, Eltern und Nachbarn.
Manche organisieren Spielplatzfeste.
4.5 Urban Gardening auf öffentlichen Spielflächen
Urban Gardening, urbane Landwirtschaft oder urbanes Gärtnern sind Begriffe, die
oftmals synonym verwendet werden. Gemeint sind damit Initiativen, die jenseits von
Hausgärten, Schrebergärten oder Grabeland Parzellen oder Hochbeete
bewirtschaften. Dabei handelt es sich vor allem um Gemeinschaftsgärten und/oder
Selbsterntegärten. Typisch für diese Gärten ist, dass sie in Großstädten wie Bonn in
verdichteten städtebaulichen Strukturen anzutreffen sind. In der Pionierphase der
Neugründung dieser Gärten handelte es sich bei den Grundstücken oftmals um
städtebauliche Brachen, die von Interessierten einer vorübergehenden gärtnerischen
Nutzung zugeführt wurden. Nur in Ausnahmefällen lässt sich Spielplatznutzung und
Urban Gardening auf einer Fläche in Einklang bringen und trägt damit zur inklusiven
Nutzbarkeit der Gesamtanlage für Generationen bei.
Urban Gardening ist nur auf sehr großen Spielplätzen grundsätzlich möglich, da durch
die gärtnerische Nutzung die Spielplatzfläche eingeschränkt wird. Darüber hinaus sind
z.B. Wasseranschlüsse ohne hohen finanziellen Aufwand nicht realisierbar. Auch die
Pflanzenkontrolle muss sichergestellt werden.
Die Zielgruppen dieser neuen Gärten sind je nach Anlass, Ziel und Zweck der Initiative
ausgesprochen heterogen. Alle Bevölkerungsgruppen werden angesprochen und
können sich aktiv beteiligen.
Auch die Ausgestaltung und Organisation dieser Gärten ist ausgesprochen vielfältig.
Inhaltlich werden im Zuge des Gärtnerns z.B. Ziele wie Integration, Bildung und/oder
Unterstützung von Nachbarschaft, Umweltbildung, Weiterbildung u.a., verfolgt. Von
den Medien werden diese Gärten z.T. mit großer Aufmerksamkeit bedacht.
Gemeinsam ist den Neuen Gärten, dass der Anbau von Nahrung, vor allem Gemüse,
zumeist inbegriffen oder sogar zentrales Motiv ist.
Förderung und Ausbau des ehrenamtlichen
EngagementsSeite 33 von 63
Seite 29 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Die Nutzung freiwerdender aufzulösender Spielflächen, in Ausnahmefällen die
Bereitstellung abgegrenzter Bereiche aktiver Spielplätze für Urban Gardening ist aus
fachlicher Sicht möglich. So gibt es in Bonn bereits praktische Beispiele zur Nutzung
von aktiven bzw. vorübergehend aus der Nutzung genommener Spielflächen (z.B.
Hochbeete auf der ehemaligen Spielplatzfläche Am Nesselroder Hof oder am
Spielplatz Maxstraße). Klare Vertragsgrundlagen zwischen Stadtverwaltung und einer
entsprechenden Initiative sind dabei entscheidende Erfolgsgaranten. Hierbei ist die
eindeutige Klärung der Zuständigkeiten für Pflege, Verkehrssicherheit oder auch
Abfallentsorgung und ggf. Rückbau nach Beendigung der Zusammenarbeit wichtig.
Der Gartenspielplatz Maxstraße eröffnet die Möglichkeit, Urban Gardening und Spielen miteinander zu kombinieren
4.6 Das Mit- und Nebeneinander
Die Nutzung der Spielplatzflächen durch unterschiedliche Nutzende kann sowohl
untereinander als auch mit den Anliegerinnen und Anliegern zu Spannungsfeldern
führen. Unter anderem handelt es sich dabei um folgende Problemstellungen:
Vermüllung insbesondere der Sandspielbereiche, Gruppenbildung, verbunden mit
Inbesitznahme einzelner Bereiche auf Spielplätzen, Lärmimmission und auch kommt
es z. B vor, dass sich ältere Kinder durch die Anwesenheit kleinerer Kinder gestört
fühlen. Vor allem bei Skateranlagen wurde aus der Bevölkerung wiederholt der
Wunsch geäußert, diese Bereiche für kleinere Kinder zu sperren. Auch der KonsumSeite 34 von 63
Seite 30 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
und Handel von Drogen kann zu Problemen im Umfeld von Spielplätzen führen.
Insbesondere in Innenstadtbereichen kommt es immer wieder zu diesbezüglichen
Beschwerden.
Diese Nutzungskonflikte werden durch ein ungünstiges Verhältnis zwischen der Anzahl
der Nutzenden und der zur Verfügung stehenden Fläche deutlich verstärkt. Neben
einem verständnisvollen Miteinander, wird auch Platz / Fläche für ein friedliches
Nebeneinander benötigt.
Öffentliche Spielplätze eigenen sich nur selten für eine multifunktionale Nutzung.
Allerdings kann eine Vereinbarkeit von Spielplätzen und anderen Nutzungsarten in
größeren Grünanlagen erfolgen. Zum Beispiel liegt in der Rheinaue eine Calisthenics-
Anlage unmittelbar neben dem Spielplatz und in Buschdorf konnte eine Bouleanlage
auf einem großen Spielplatz realisiert werden.
Für Mehrgenerationenplätze, auf denen bewusst Angebote für alle Altersgruppen
geschaffen werden, ist eine besonders große Fläche (> 10.000 m2, vgl. DIN 18034)
erforderlich. Auf dieser Fläche können Einzelbereiche für die verschiedenen
Nutzenden geschaffen werden. Es handelt sich dann nicht um einen reinen Spielplatz,
sondern um eine Kombination von Spiel- und Sportbereichen, verbunden mit
Aufenthaltsflächen und ggf. Naturerlebniselementen.
Auch wenn sich Spielplätze überwiegend an die Nutzergruppe Kinder bis 14 Jahre
richten, sind auch ältere Kinder und Erwachsene generell willkommen. Grundsätzlich
wird in Bonn auf eine Altersbeschränkung auf Spielplätzen verzichtet, da
generationsübergreifend Spielen ermöglicht werden soll und die Flächen für alle
Menschen im Wohnumfeld zur Verfügung stehen.
Spiel- bzw. Bolzplätze werden daher nur in begründeten Ausnahmefällen mit
Altersangaben und Öffnungszeiten beschildert, dies zum Beispiel in dichten
Baugebieten mit mehrgeschossiger Bauweise und unmittelbarer Nähe zu den
Gebäuden. Darüber hinaus hat die Erfahrung gezeigt, dass eine Beschilderung oft
nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Nutzungsbeschränkungen – wenn überhaupt
erforderlich - sind auch nur dann sinnvoll, wenn eine regelmäßige Kontrolle möglich ist.
Bei kleineren Spielplätzen muss die Spielplatzfunktion für Kinder im Vordergrund
stehen, der sich die Bedarfe anderer Nutzergruppen unterordnen müssen. Die
Unterbringung von z. B. Fitnessgeräten auf kleineren Spielplätzen ist deshalb meistens
nicht möglich.
Grundsätzlich stehen Spielplätze Personen aller
Altersgruppen zur Verfügung.Seite 35 von 63
Seite 31 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
5. Inklusion
Ziel der Inklusion auf einem Spielplatz ist die Förderung des gemeinsamen Spiels von
allen Kindern ob mit oder ohne Handicap, unabhängig von sozialen Hintergründen, der
Herkunft, Sprachkenntnissen und geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Für Kinder
mit unterschiedlichen motorischen, geistigen und sensorischen Entwicklungsständen
soll Spielen ermöglicht werden.
Teilhaben heißt, dabei zu sein, anerkannt zu werden, Wertschätzung zu erfahren,
mitwirken, mitgestalten und mitentscheiden zu können sowie gegenseitig voneinander
zu profitieren. Die Gestaltung von Kinderspielplätzen bietet in besonderer Weise
Chancen, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Das Augenmerk ist dabei auf
die Umsetzungsmöglichkeiten eines inklusiven Gemeinwesens vor Ort zu richten. Auch
aus diesem Grund ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Spielen in Bonn so
bedeutend. Das Spielflächenkonzept knüpft an diesem Gedanken an.
In einem Grundsatzbeschluss vom 08.07.2010 hat der Rat der Stadt Bonn sein
Inklusionsverständnis als Leitorientierung für die Ausrichtung kommunaler Politik
formuliert. Dieses Grundverständnis bezieht sich ausdrücklich auf alle Menschen, die
in der Stadtgesellschaft leben. Berücksichtigt sind daher nicht nur Menschen mit
Einschränkungen, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen in
Armut oder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, Kinder und Jugendliche
unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft und anderes mehr.
Jeder Mensch in seiner Einmaligkeit, Verschiedenheit und Vielfalt an ganz
unterschiedlichen Kompetenzen, Bedarfen und Stärken wird anerkannt. Allen ist die
Teilhabe an der Gemeinschaft zu ermöglichen. Barrieren sind abzubauen.
Dies spiegelt sich auch in § 8 Bauordnung NRW wider. Hierin wird festgelegt, dass
private Spielplätze barrierefrei erreichbar sein müssen. Gleiches gilt natürlich für
öffentliche Spielflächen.
Der Inklusionsgedanke als Selbstverständnis ist als fortschreitender Prozess zu
verstehen. So verschieden die Menschen sind, so vielfältig sind die Möglichkeiten,
einen Spielplatz inklusiv auszustatten. Dabei geht es nicht nur um Spielgeräte für
Kinder mit Einschränkungen im Bewegungsapparat. Auch über Pflanzungen,
Oberflächengestaltung etc. können Spielanreize geboten werden.
Nicht auf jeder Spielplatzfläche kann eine barrierefreie und inklusive Gestaltung
umgesetzt werden. Gerade auf kleinen oder besonders steilen Flächen fällt es schwer
einen Erlebnisraum zu schaffen, der alle Personengruppen anspricht.
Die Belange von Kindern mit Einschränkungen werden in der Stadt Bonn durch die
Behinderten-Gemeinschaft Bonn e.V. vertreten. Bei Neuplanungen und größeren
Umgestaltungen von Spielplätzen im Bonner Stadtgebiet wird die Behinderten-
Gemeinschaft Bonn e.V. immer eingebunden. Bereits im Rahmen der Vorplanungen
findet ein Austausch zwischen der Gemeinschaft, den Planungsbüros und derSeite 36 von 63
Seite 32 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Verwaltung statt, der auch die Auswahl der Spielgeräte einbezieht. Die barrierearme
Gesamtgestaltung der Spielanlage ist dabei von zentraler Bedeutung. Die
Spielgeräteausstattung ist von Platz zu Platz verschieden und wird an die
Gegebenheiten und die Wünsche aller Kinder – ob mit oder ohne Einschränkungen -
angepasst.
Lebendige, abwechslungsreiche Spielplätze sollen wohnortnah für alle Kinder nutzbar
sein und zu einem gemeinsamen Spiel anregen.
5.1 Erreichbarkeit, Erschließung, Aufenthaltsflächen und Ausstattung
Barrierefreiheit ist eine Grundvoraussetzung für inklusive Spielplätze. Dazu gehört
bereits, die barrierefreie Erreichbarkeit der Spielplätze im Wohnumfeld sowie bei
Großspielplätzen mit entsprechend größerem Einzugsgebiet die gute Anbindung mit
öffentlichen Verkehrsmitteln.
Da die Wege der inneren Erschließung des Spielplatzes teilweise auch schon
Spielfunktionen aufweisen können, sind die Normen zum barrierefreien Bauen von
öffentlichen Freiräumen (DIN 18040-3, 32984) nur bedingt anwendbar, dienen aber als
orientierende Grundlage. So sollte das innere Wegenetz frei von Treppenanlagen sein
und durch Rampen zur Überwindung von Höhenunterschieden ergänzt werden sowie
mit ausreichend Handläufen versehen sein. Eine kontrastreiche Gestaltung mit taktilen
Elementen wird den sehbehinderten Mitmenschen gerecht und erleichtert die
Orientierung.
Bei der Planung sollen ausreichend Aufenthaltsflächen für betreuende Personen und
sonstige Nutzergruppen geschaffen werden. Diese sollten vor dem inklusiven
Hintergrund je nach Platzverfügbarkeit mit unterfahrbaren Tischen, Bänken mit und
ohne Armlehnen, Abstellplätzen für Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren sowie
Anlehnmöglichkeiten oder sogenannte Lümmelbänken in ausreichender Anzahl
ausgestattet sein.
Da Spielplätze in der Regel nur für eine Nutzung über den Tag vorgesehen sind, ist
eine Beleuchtung nicht erforderlich und aus artenschutzrechtlichen Aspekten wie etwa
dem Schutz nachtaktiver Arten auch nicht gewünscht. Daher werden Spielplätze nur in
Ausnahmefällen künstlich beleuchtet. Im Wohnumfeld können beleuchtete Spielplätze
aber positive kriminalpräventive Auswirkungen haben.
Die Ausstattung eines Spielplatzes mit einer öffentlichen Toilette einschließlich
Wickelraum ist auch zur Versorgung der Menschen mit Förderbedarf ein besonders
wichtiger Aspekt. Allerdings kann eine Umsetzung aufgrund der hohen damit
verbundenen Kosten (Anschaffung, Unterhaltung) meist nicht erfolgen. Lediglich im
Barrieren abbauen
Spiellandschaften für alle Kinder schaffen
Vielseitiges Spielangebot für alle NutzendenSeite 37 von 63
Seite 33 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Zusammenhang mit öffentlich genutzten Gebäuden in unmittelbarer Spielplatznähe
(Waldau, Haus der Natur) können Sanitäranlagen zur Verfügung gestellt werden.
5.2 Inklusive Spielangebote
Bei inklusiven Spielangeboten handelt es sich um Gegenstände, die das gemeinsame
Spiel begünstigen und fördern sollen. Insofern sind auch „normale“
Kombinationsspielgeräte sowie verschiedene Arten von Wasserspielanlagen als
inklusiv zu bezeichnen. Dabei geht es immer darum etwas zusammen mit mehreren
zu erleben, wie. z. B. bei Vogelnestschaukeln, Partnerschaukeln mit Doppelsitz,
breiteren Rutschen oder Sandspiel- und Matschanlagen mit unterfahrbaren
Backtischen. Darüber hinaus gibt es Spielgeräte, die die Belange der körperlich
Beeinträchtigten berücksichtigen. Speziell für Rollstuhlfahrer gibt es Schaukeln und
Karussells, die man mit dem Rollstuhl anfahren kann, die im öffentlichen Raum
allerdings nicht unterhalten werden können
Niedrige Spielgeräte, die keinen Fallschutz benötigen, kann man durch geeignete
Konstruktionen, wie z. B. Stege, barrierefrei zugänglich machen.
Beispiel für einen unterfahrbaren Sandbachtisch mit
Steganbindung
Auch Geräte, die die Sinneswahrnehmung ansprechen, können eingesetzt werden:
Spiegelwände, Gucklochspiele, Memorys und Tastspiele, Rohrtelefone, Summsteine
und vieles mehr.Seite 38 von 63
Seite 34 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Beispiel für einen Sinnespfad, hier mit Puzzlestehle und Summstein; Drehscheibe und Brücke im Hintergrund
Ebenso können Balancierparcours mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden als
inklusive Spielgeräte verwendet werden.
Für die Kombination von inklusiven Spielelementen und dem Naturerlebnis sind
natürliche Gegenstände, wie z. B. Steine unterschiedlicher Formen und Größen,
Baumstämme, Äste und andere Holzprodukte, Erdhügel, Pfützen und kleine Bachläufe
sowie Sand und sonstige natürliche oder naturnahe Untergründe als besonders
geeignet hervorzuheben. Ein Hang kann als Rutsche dienen oder einfach nur
erkrabbelt werden. Oberflächen können ertastet werden.
Darüber hinaus gibt es mittlerweile viele digitale Möglichkeiten, die zunehmend von
Spielgeräteherstellern eingesetzt werden und die eine moderne Form des
gemeinsamen Spiels ermöglichen. Hierzu zählen u. a. insbesondere Handyspiele und
an verschiedensten Gegenständen befindliche Barcodes, die erklären, Geschichten
erzählen, Aufgaben und Rätsel stellen oder einfach nur in Form eines Suchspiels zu
finden sind.
Grundsätzlich wird es nie möglich sein, dass alle Kinder jedes Spielgerät bespielen
können oder möchten. Aber für alle Nutzenden soll es Herausforderungen
insbesondere auf einem inklusiven Spielplatz geben und für alle sollte ein Angebot
vorhanden sein.Seite 39 von 63
Seite 35 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
6. Spielplatzbedarfsplanung
Die Spielplatzbedarfsplanung fokussiert sich auf die öffentlichen Bonner Spiel- und
Bolzplätze und stellt die Bedarfssituation an Spielplätzen im Sozialraum dar. Es werden
Handlungsbedarfe für die einzelnen Spielplätze aufgezeigt und die Notwendigkeit von
Erweiterungen und Neuplanungen von Spielplätzen dargestellt.
2006 wurde die Rahmenplanung zur Spielplatzbedarfsplanung vom Rat beschlossen.
Für Bonn wurde als Mindestspielplatzfläche ein Richtwert ermittelt, der die Grundlage
für die Bedarfsanalyse dargestellt. Auf Planungsebene wurde für Bonn eine Bandbreite
von 6 – 11 m² Spielplatzfläche je Kind unter 15 Jahren als notwendig festgelegt. In der
Spielplatzbedarfsplanung 2022 wurde dieser Richtwert beibehalten. Dabei werden alle
öffentlichen Spiel- und Bolzplätze betrachtet, nicht jedoch die privaten
Kleinkindspielplätze, Schul- und Kitaspielflächen.
Die Spielplatzbedarfsplanung ist ein wesentliches Element, das eine kindgerechte und
familienfreundliche Stadtgestaltung unterstreicht. Allerdings betrachtet die
Spielplatzbedarfsplanung nur die öffentlichen Spiel- und Bolzplätze. Eine
familienfreundlich gestaltete Stadtplanung beinhaltet darüber hinaus auch
Gestaltungs- und Nutzungskriterien von Grünflächen und verfügbaren Freiräumen. Die
Spielplatzbedarfsplanung ist ein Baustein der Spielleitplanung, die die gesamte Fläche
in Bezug auf ihre Aufenthaltsqualität für Kinder und Familien untersucht.
Spielplätze deren Flächen zurzeit nicht als solche genutzt werden oder bestehende
Spielplätze, die nicht mehr gebraucht werden, sind als Grün- und Freiflächen mit
vielfältigen Funktionen zu erhalten und ggf. einer temporären Nutzung (z.B. Urban
Gardening) zuzuführen. Eine Veräußerung der Flächen sollte unterbleiben bzw. nur
nach Prüfung in begründeten Einzelfällen erfolgen. Vielmehr dienen diese Grünflächen
als „Reserve“ sollte sich die Bedarfssituation im Umfeld ändern und ein breiteres
Spielplatzangebot im Bezirk notwendig werden.
Die Spielplatzbedarfsplanung ist als ein kontinuierlicher Prozess zu verstehen. Ziel ist
eine fortwährende und umweltgerechte Entwicklungsplanung, die einen besonderen
Fokus auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen legt und nachhaltig zur
wohnortnahe Versorgung sichern
mindestens 6 m2 öffentliche Spielfläche pro Kind
unter 15 Jahren im Bezirk
keine Veräußerung von zurzeit nicht genutzten
SpielplätzenSeite 40 von 63
Seite 36 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Erhaltung und Verbesserung des Lebens- und Wohnumfeldes von jungen Menschen
beiträgt.
Mit der Spielplatzbedarfsplanung 2022 wurde der Bestand und die Qualität der
öffentlichen Bonner Spiel- und Bolzplätze untersucht und mit den aktuellen
Rahmenbedingungen abgeglichen. Daraus werden Handlungsbedarfe für den
Sozialraum und die einzelnen Spiel- und Bolzplätze abgeleitet.
7. Spielleitplanung
Die Erstellung einer Spielleitplanung für ganz Bonn unter Berücksichtigung der
Zielvorgaben für ein kind- und familiengerechtes Umfeld stellt die Bedürfnisse und
Interessen von Kindern und Jugendlichen systematisch in den Vordergrund der
Stadtplanung. Dabei bezieht sich eine umfassende Spielleitplanung nicht nur auf
Spielplätze im eigentlichen Sinne. Spielleitplanung betrachtet den Sozialraum und die
Nutzungspotentiale in ihm.
Spielleitplanung geht daher weit über die Spielplatzbedarfsplanung hinaus. Mit ihr
können Potentiale aufgezeigt werden, die zu einer kindgerechteren Wohnumgebung
führen. Auch Flächen, die nicht explizit als Spielplätze ausgewiesen sind, dienen
Kindern und Jugendlichen als Aufenthalts- und Spielorte. Dabei kann es sich um
Grünflächen, Plätze oder Wege handeln. Aber auch Sportanlagen, Straßen, Schulhöfe
und private Flächen können in die Betrachtung mit einfließen. Kinder und Jugendliche
erkunden ihren Sozialraum in Streifzügen und bewerten die vorgefundene
Ausgangslage. Gefahrloses, eigenständiges Fortbewegen im Sozialraum spielt eine
bedeutende Rolle in der Spielleitplanung.
Mit einer stadtweiten Spielleitplanung sollen Nutzungsmöglichkeiten unter besonderer
Berücksichtigung einer kind- und jugendgerechten Stadt aufgezeigt und planerisch
umgesetzt werden. Bis dahin ist es ein weiter Weg und die Erstellung einer
Spielleitplanung für die gesamte Stadt ist ein Prozess, der die Beteiligung
verschiedener Akteurinnen und Akteure, einen hohen Personaleinsatz und eine
längere Zeitschiene erfordert.
Ein erster Schritt dahin ist die Konkretisierung und Verfolgung der Ziele aus diesem
Spielflächenkonzept. Für die Erstellung der Spielleitplanung für Bonn ist die
Entwicklung eines Leitbildes die Berücksichtigung aller bespielbaren Flächen im
öffentlichen Raum und die Weiterentwicklung des partizipativen Prozesses notwendig.
Aspekte einer multifunktionalen Nutzung von Flächen (z.B. Spielstraßen,
Mehrgenerationsplätze, Urban Gardening, Sport im öffentlichen Raum usw.) aber auch
die Einbindung sonstiger Planungen (Freiraumplanung, Entwicklung der
Schulhofgestaltung, Sportentwicklungsplanung etc.) sollen in eine umfassende
Spielleitplanung mit einfließen. In diesem Zusammenhang soll der Inklusionsbegriff in
allen Planungen, die sich mit Freiräumen für Kinder- und Jugendliche befassen,
berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich bei konsequenter Umsetzung ein
stadtplanerisches Leitbild einer familienfreundlichen Gestaltung.Seite 41 von 63
Seite 37 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Bisher wurde exemplarisch für den Stadtteil Tannenbusch eine Spielleitplanung
erstellt. Für Auerberg musste die Erarbeitung einer Spielleitplanung pandemiebedingt
verschoben werden. Mittlerweile wurde die Spielleitplanung durchgeführt und die
Ergebnisse werden nach Fertigstellung des Berichts den politischen Gremien zur
Beratung vorgelegt. Aus der Umsetzung dieser Maßnahmen können neue Ideen
entstehen und Herangehensweisen entwickelt werden, die richtungsweisend für eine
gesamtstädtische Spielleitplanung sein können.
8. Planung von Spielflächen in Bonn
Die Stadt Bonn verfügt seit 2014 über ein Freiraum-Monitoring. Hier wird in
regelmäßigen Abständen der Ist-Zustand aller Grün- und Freiflächen aufgenommen,
um u. a. Aussagen zur Verfügbarkeit der Freiraumversorgung aller Bonner Bürgerinnen
und Bürger treffen zu können. Eine Freiraumkategorie beinhaltet hierbei auch
Spielplätze und bespielbare Flächen, die nicht nur zum Spielen und zur Erholung
dienen, sondern auch als Frischluftkorridor, Retentionsfläche und Lebensraum
wichtige Funktionen übernehmen. Davon ausgenommen sind aber alle Freiflächen,
denen eine anderweitige, meist naturschutzrechtliche Funktion, auferlegt ist.
Das Monitoring wurde im Rahmen des Integrierten Freiraumsystems der Stadt Bonn
(IFS 2012) entwickelt. Das IFS gibt Planungshinweise und Entwicklungsziele
verschiedener Freiraumkategorien vor und dient somit als ein themenübergreifendes
Planungs- und Steuerungsinstrument zur Sicherung und nachhaltigen Entwicklung der
Freiflächen im Stadtgebiet. Wenngleich es sich hierbei nicht um ein rechtskräftiges
Planungsinstrument handelt, wurde 2014 mit Beschluss des Planungsausschusses
festgesetzt, dass die Hinweise des IFS bei allen flächenrelevanten Planungen
berücksichtigt werden müssen.
Somit unterstreicht das IFS den Nutzen von Spielflächen / -plätzen als Freiraumstruktur
innerhalb der Stadt und ist bei stadtplanerischen Entscheidungen zu berücksichtigen.
Neuplanungen von Spielplätzen können sich entweder auf bereits bestehende
öffentliche Spielplätze beziehen als auch auf Areale, die z. B. in Neubaugebieten neu
dazugekommen sind. Komplette Umplanungen von Spielplätzen erfolgen oft an stark
frequentierten, größeren Plätzen.
Ziel der Planung ist es, mit vielfältigen, abwechslungsreichen Nutzungsmöglichkeiten
sowie einer attraktiven, einladenden Gestaltung die Versorgungssituation zu
verbessern sowie den Spiel-, Erlebnis- und Erholungswert zu erhöhen. (vgl. DIN
18034).
Wie bei jeder Spielplatzplanung sind das Zwei-Wege-Prinzip zur Erschließung von
Nutzungsbereichen und -gegenständen sowie das Zwei-Sinne Prinzip (das
gleichzeitige Ansprechen von mindestens zwei Sinnen) zu berücksichtigen.Seite 42 von 63
Seite 38 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Bei der Bundesstadt Bonn werden Planungen von Spiel- und Bolzplätzen sowie
Schulhöfen vom Fachpersonal (Landschaftsarchitektinnen und Landschafts-
architekten) teilweise selbst durchgeführt oder die Planungsaufträge werden an
Landschaftsarchitekturbüros vergeben, die fachlich betreut werden. Dabei werden in
der Regel größere, komplexere und langfristigere Projekte extern vergeben und
kleinere Projekte in Abhängigkeit von den Personalkapazitäten eigenständig
bearbeitet.
8.1 Vorgehensweise und Planungsabläufe
Der Ablauf der Planung von Spielflächen orientiert sich in Bonn - wie in anderen
Städten auch - an der klassischen Freiraumplanung. Hierzu bieten die
Leistungsphasen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) einen
guten Orientierungsrahmen.
Die Jugendhilfeplanung ermittelt den Bedarf bzw. den Erhalt von Spielflächen. Bei
Neuanlagen wird ein politischer Beschluss eingeholt. Der Prozess, der bis zur
Fertigstellung eines neuen Spielplatzes erfolgt, ist in der folgenden Grafik dargestellt.
(Neu-) Planung von öffentlichen Spielplätzen, um
wohnortnahe Versorgung zu sichern und qualitativ
zu verbessern.Seite 43 von 63
Seite 39 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Grundsätzlich ist die Planung von Spielplätzen ein komplexes Feld. Entscheidend für
die erfolgreiche Umsetzung in der Stadt Bonn ist der Einsatz von Fachpersonal in
Vorbereitung, Planung und Maßnahmenrealisierung aufbauend auf den Ideen,
Wünschen und Anregungen der Nutzerinnen und Nutzer. Da Spielplatzplanung immer
einen besonderen Interessensausgleich zwischen den zahlreichen Beteiligten
voraussetzt, sind die federführenden Ingenieurinnen und Ingenieure auf mehreren
Ebenen gefordert. Zum einen in klassisch technischen, rechtlichen Fragestellungen
zum anderen im Verständnis für die späteren Nutzenden. Planungswerkstätten oder
auch einfachere Beteiligungsverfahren im Vorfeld einer detaillierten Planung sind
deshalb ein besonders wichtiges Arbeitswerkzeug.
Eine enge Abstimmung zwischen den Ämtern ist sichergestellt und in allen Phasen des
Planungsablaufs gewährleistet.
Bei der Spielgeräteauswahl wird auf das breite Spektrum der etablierten Hersteller
zurückgegriffen. Dieses reicht von Stahlkonstruktionen über Kunststoff bis zu
naturgewachsenen Baumstämmen. Häufig werden auch Materialkombinationen
eingesetzt. Dabei wird im Wesentlichen zwischen individuell gestalteten Spielgeräten
(meistens aus Holz) und Spielgeräten in modularer Bauweise unterschieden.Seite 44 von 63
Seite 40 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
8.1.1 Themenspielplätze
Es wird grundsätzlich großer Wert auf die Individualität und Vielseitigkeit eines
Spielplatzes gelegt, dies spiegelt sich u.a. auch in Themenspielplätzen wider. Wunsch
und Ziel ist es, Spielplätze als Identifikationspunkt im Quartier zu schaffen, zu erhalten
oder weiterzuentwickeln sowie Fantasie anzuregen und Bewegung zu fördern. So
wurde die Neugestaltung der Spielplätze in Neu-Tannenbusch im Rahmen des Bund-
Länderförderprogrammes „Soziale Stadt“ mit einer eigenen Spielleitplanung unter das
Thema „Reisen und Träumen um die Welt“ gestellt. Dieses Leitthema ermöglicht es,
die Vielfalt des Stadtteils aufzugreifen und sichtbar zu machen. Kinder und Jugendliche
wurden im Rahmen eines umfangreichen Verfahrens beteiligt.
Sie erhielten die Möglichkeit, unter dem Oberthema für ihren Platz individuell und
kreativ eigene Themen wie Eisenbahn, Tor zur Welt, Bäume ferner Länder zu
entwickeln und umzusetzen.
Derzeit wird für den Stadtteil Bonn-Auerberg im Rahmen des Integrierten
Handlungskonzepts eine vergleichbare Spielleitplanung aufgestellt.
Auch in anderen Stadtteilen wurden bereits Themenspielplätze auf der Grundlage von
Beteiligungsprojekten realisiert, z. B.:
o „Stadtgärtnern“ (Vor dem Sterntor, Maxstraße)
o „Siedlungsvogel“ (Beuel-Ost, Von-Pfingsten-Str.)
o „Rübengarten“ (Geislar, Im Rübengarten)
o „Bewegung zwischen Stadt und Wald“ (Dottendorf, Loki-Schmidt-Platz,
ehemals Hindenburgplatz)
o „Maulwurfshügel“ (Neu-Endenich, Auf dem Hügel)
o „Kurfürstenspielplatz“ (Röttgen, Am Hölder)
o „Bienenstadt“ (Ippendorf, Am Kümpel)
„Bewegung zwischen Stadt und Wald“ (Bonn-Dottendorf, Loki-Schmidt-Platz, ehemals Hindenburgplatz)Seite 45 von 63
Seite 41 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Planung des neuen Spielplatzes Am Kümpel
8.1.2 Naturnahe Spielplätze
Jede innerstädtische „naturbelassene“ Fläche bzw. Brache oder Ruderalfläche bietet
bereits die Möglichkeit in der „Natur“ zu spielen. Stöcke und Steine werden als
Baumaterial, Bäume zum Klettern und Balancieren sowie Hügel zum Rutschen
verwendet. Sträucher und Bäume dienen als Verstecke.
Bei der Planung naturnaher Spielplätze bzw. Spielbereiche werden die natürlichen
Potentiale der Örtlichkeit genutzt und ergänzt, um möglichst viele unterschiedliche
Spielangebote für Körper-, Sinnes- und Gemeinschaftserfahrungen zu schaffen.
Ob eine Fläche zum naturnahen Spiel geeignet ist, ist stark von der prognostizierten
Nutzungsintensität und der zur Verfügung stehenden Flächengröße abhängig. Nur
wenn dieses Verhältnis ausgewogen ist und die Bepflanzung durch geeignete
Pflanzenauswahl ausreichend regenerationsfähig ist, kann eine naturnahe Spielfläche
langfristig funktionieren.
Aus kriminalpräventiver Sicht ist es gleichzeitig wichtig, eine gute Einsehbarkeit durch
freie Blickachsen zu schaffen, um eine öffentliche und soziale Kontrolle zu
ermöglichen.Seite 46 von 63
Seite 42 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Natürliche Elemente sind keine Spielgeräte im Sinne der DIN EN 1176. Es ist daher
kein Fallschutz notwendig. Der Hügel dient als Erd-Rutsche und Pfützen sowie flache
Bachläufe sind auf den Flächen erwünscht. Zum Beispiel dient ein umgefallener großer
Baum als ein Erlebnisraum für Kinder unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher
Fähigkeiten. Der Baum kann einerseits nach Belieben bespielt werden und
andererseits auch einfach nur als Sitzgelegenheit dienen. Um ihn herum gibt es aber
keinen Fallschutzbereich aus Sand oder stoßdämpfenden Materialien. Dies wird
bewusst in Kauf genommen und sollte von den Eltern, Politik und Nutzenden
Akzeptanz finden.
Zum naturnahen Spiel gehören auch Bereiche, die sich die Kinder frei gestalten
können. Das bedeutet, sie können zum Beispiel mit Stämmen und größeren Ästen
temporäre Brücken, Hütten und Dächer bauen. Ein Verschrauben oder Vernageln von
natürlichen Gegenständen oder sogar Brettern und Paletten ist hierbei nicht zulässig,
weil sowohl die handwerkliche Erstellung als auch das fertige Produkt bei der Nutzung
für Kinder unkalkulierbare Risiken bergen. Für gewünschte derartige Bauaktionen gibt
es Abenteuerspielplätze (z.B. Jugendfarm) sowie betreute Ferienaktionen.
Zur Ergänzung des naturnahen Spielangebotes kann es sinnvoll sein, klassische
Spielgeräte wie z. B. Schaukeln oder Spielhäuschen mit zu verwenden, weil diese
unter Berücksichtigung der erforderlichen Sicherheitsaspekte (vgl. DIN 1176) mit dem
Fallschutzraum, das Spielangebot sinnvoll und attraktiv erweitern können.
Bei Neuplanungen und Umgestaltungen von bestehenden großen Spielplätzen sind
nach Möglichkeit immer Naturerlebnisbereiche zu berücksichtigen. Dies erfolgt derzeit
mit dem neuen Spielplatz Haberstraße und der Umplanung des Spielplatzes Honnefer
Straße.
Im Rahmen aller Spielraumplanungen in Bonn werden die räumlichen
Rahmenbedingungen analysiert, um möglichst naturnahe Bereiche auf den
Spielplätzen zu realisieren. Im urbanen Raum deutscher Großstädte ist die
Verwirklichung dieses Anspruchs eine große Herausforderung. Nicht nur rechtliche
Rahmenbedingen - wie die entsprechenden Spielplatznormen - sondern insbesondere
begrenzte Flächengrößen mit vielfältigen Nutzungsansprüchen machen eine
naturnahe Gestaltung schwierig. Genau vor diesen Hintergründen ist nicht nur eine
besonders intensive Projektbeteiligung erforderlich, sondern auch die Gewinnung von
Spielplatzpaten (vgl. Kapitel 4.4) um das notwendige Verständnis der Anwohnerinnen
und Anwohner auch für naturnahe Bereiche auf Spielplätzen zu erzielen.
Mehr Spielflächen naturnah gestalten, vorhandene
naturnahe Bereiche erhalten.Seite 47 von 63
Seite 43 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
8.1.3 Mehrgenerationenplätze
Passend zu diesem Themenkomplex schreibt Dirk Schellhorn, ein im Spielplatzbau
erfahrener Landschaftsarchitekt aus Frankfurt am Main: „Generationenspielen ist nicht,
wenn zusätzliche Spielgeräte für Ältere hingestellt werden, sondern wenn
Generationen miteinander spielen“.
Mehrgenerationenplätze zeichnen sich dadurch aus, dass sie Spiel- und
Bewegungsangebote für alle Altersgruppen beinhalten. Neben Spiel- und Sportgeräten
können Schachspiele, Boule oder Spieltische mögliche Ausstattungselemente sein.
Derzeit sind überwiegend Fitnessgeräte oder Boulebahnen realisiert. Hier können
Chancen für neue Begegnungs- und Kommunikationsmöglichkeiten entstehen.
Entsprechend ausgestattete Plätze leisten zudem einen Beitrag zur besseren
Verständigung der Generationen untereinander. In Buschdorf entstand unter
Beteiligung der Buschdorfer Bürgerinnen und Bürger eine Boulebahn auf dem großen
Spielplatz an der Friedlandstraße. Außerdem wurde gleichzeitig mit dem Bau des
multifunktionalen Spielfeldes in Buschdorf ein hochwertiges Angebot mit
Fitnessgeräten erstellt.
Oftmals ist es aufgrund des beschränkten Flächenangebots nicht möglich, öffentliche
Spielplätze als Mehrgenerationenplätze umzugestalten. Favorisiert werden sollten
allerdings Standorte für Mehrgenerationenangebote nach Möglichkeit in der Nähe zu
Spielplätzen. Nichts desto trotz muss eine klare Trennung vorhanden sein.
Im Stadtgebiet Bonn wurden bisher und werden nach genauer Abwägung möglicher
Standorte Mehrgenerationenangebote mit Fitnessgeräten geschaffen, was auch ein
Bestandteil des 2019 beschlossenen Sportflächenentwicklungskonzepts ist. So
befinden sich bereits seit 2013 beispielweise parallel zur Pascalstraße am Brüser Berg
mehrere Fitnessangebote, die den oft für Individualsport genutzten Grünzug ideal
ergänzen. Im Juli 2021 wurde die Sanierung des Bolzplatzes in Kombination mit der
Aufstellung von Fitnessgeräten im Grünzug Nord in Tannenbusch abgeschlossen.
Darüber hinaus ist derzeit ein neuer weiterer Standort für Fitnessgeräte in einer
Grünanlage am Heiderhof unter Beteiligung des dortigen Bürgervereins vorgesehen.
Zum Thema Mehrgenerationenplatz bzw. Multifunktionsplatz in Bonn ist das Projekt
„Reuterpark“ ganz besonders hervorzuheben. Diese Fläche mit dem Haus der Jugend
an der Kreuzung Reuter- / Hausdorffstraße ist aufgrund ihrer Größe von rund 22.000
m2, der Nähe zum Stadtzentrum, zur Museumsmeile, der Lage inmitten eines
innerstädtischen Wohn- und Geschäftsviertels mit großen Schulen sowie sehr guter
Verkehrsanbindung besonders gut für diese multifunktionale Nutzung geeignet. Auf
Grundlage einer umfangreichen Bürgerbeteiligung sollen hier Angebote für Kinder,
Jugendliche und Erwachsene in einer Parkanlage mit Spielplatz, Skate- und
Pumptrackanlage, Kleinspielfeld, Bouleplatz, Fitnessbereich sowie Liegewiese und
Hundeauslaufbereich entstehen. Damit entwickelt sich hier ein vielseitiges, inklusives
Angebot für die Bonner Bürgerinnen und Bürger aller Altersklassen.Seite 48 von 63
Seite 44 - Spielflächenkonzept Bonn 2022
Bei der Planung von derart großen multifunktionalen Freizeitanlagen ist es einerseits
wichtig, die Fläche als eine zusammenhängende Gesamtanlage ansprechend zu
gestalten und andererseits die Fläche dabei in unterschiedliche Nutzungsbereiche zu
unterteilen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass sich die einzelnen Nutzungen
nicht gegenseitig behindern dürfen und anderseits die Bereiche unterschiedlichen
Sicherheitsanforderungen unterliegen. Hierbei passen z. B. Kleinkinderspielbereiche in
unmittelbarer Benachbarung mit einer Pumptrackanlage nicht zusammen. Die
Jugendlichen würden von auf der Pumptrackanlage herumlaufenden kleinen Kindern
beim Radfahren behindert und die Kleinkinder würden durch die schnell radfahrenden
Jugendlichen gefährdet. An diesen Stellen müssen die Funktionen sinnvoll angeordnet
und mit kreativen, trennenden Elementen gestaltet werden. Darüber hinaus sind bei
der Planung die Themen Lärmschutz, Kriminalprävention, Barrierefreiheit sowie
Beleuchtung in besonderer Weise zu berücksichtigen.
Unabhängig einer Ausstattung mit speziellen Sportgeräten und Elementen für
Erwachsene funktionieren bereits zahlreiche Spielanlagen als Treff- und Aktionspunkt
aller Generationen. Hierzu trägt auch eine möglichst barrierearme Gestaltung
insbesondere der Haupterschließungswege und der Sitzangebote bei. Neu gestaltete
Anlagen bieten gerade in eng bebauten Bereichen, z. B. der Bonner Altstadt oder auch
in Bonn-Tannenbusch, einige der wenigen öffentlichen Bereiche, in welchen alle
Generationen miteinander spielen können. Auch die Rheinaue mit den verschiedenen
Spielangeboten und die Waldau werden von Personen aller Altersklassen genutzt.
8.1.4 Wasserspielplätze
Wasserspielplätze sind insbesondere in den Sommermonaten ein attraktiver
Erlebnisort für Kinder. Wasserspiele wie z. B. Pumpen, Schrauben und Schöpfkellen
lassen die Kind

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

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Datenstand: 02.11.2026, 18:06 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de