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222471 · Beschlussvorlage

Bürger*innenbeteiligung zum Parkraumkonzept Weststadt

Nummer
222471
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
07.01.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 31.01.2023 Entscheidung federführend
  2. Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr 26.01.2023 Empfehlung
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Beschlussvorlage
öffentlich
222471
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
61 Stadtplanungsamt
Dezernat:
Dez. III
Bürger*innenbeteiligung zum Parkraumkonzept
Weststadt
Beratungsfolge
Ausschuss für Mobilität und Verkehr 26.01.2023 Empfehlung
Bezirksvertretung Bonn 31.01.2023 Entscheidung
Beschlussvorschlag
Die Parkraumuntersuchung für das Untersuchungsgebiet „Weststadt“ des
Ingenieurbüros Runge IVP wird der Öffentlichkeit im Rahmen einer
Informationsveranstaltung mit sich anschließender Beteiligungsmöglichkeit
vorgestellt.
Begründung
Die Verwaltung wurde am 05.09.2017 von der Bezirksvertretung Bonn mit der
Vergabe eines Ingenieurauftrages zur Erstellung eines Parkraum- /
Mobilitätskonzeptes in der Stadt Bonn für ein Gebiet in der Weststadt /
Poppelsdorf beauftragt (sh. DS 1611378NV6, nicht öffentlich).
Die Verwaltung beauftragte daraufhin das Planungsbüro Runge IVP aus
Düsseldorf mit den erforderlichen Parkraumuntersuchungen.
Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich über die Bonner Stadtteile Weststadt
und Poppelsdorf und wird durch die Hein-Moeller-Straße, Jonas-Cahn-Straße
und Endenicher Straße im Nordwesten, die Bahntrasse im Nordosten, die
Poppelsdorfer Allee und den Botanischen Garten im Osten, die Kirschallee und
die Trierer Straße im Süden sowie die BAB 565 und die Sebastianstraße im
Westen abgegrenzt.
Das Untersuchungsgebiet wird am stärksten durch die zentral liegenden
Liegenschaften der Universität am Campus Poppelsdorf geprägt. Daneben
finden sich insbesondere im Ortsteilzentrum des Stadtteils Poppelsdorf viele
verschiedene Nutzungen, z.B. Gastronomie- und Einzelhandelsbetriebe.
Ansonsten wird das Untersuchungsgebiet überwiegend von Wohnnutzungen
geprägt.
Die ersten Parkstandserhebungen wurden im Sommer 2020 durchgeführt.
Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt bestehenden Einschränkungen durch die
Corona-Pandemie, die u.a. nur einen eingeschränkten bzw. digitalen Betrieb inSeite 1 von 169
Seite 2
der Universität zur Folge hatten, waren die Ergebnisse zu diesem Zeitpunkt nur
eingeschränkt aussagefähig. Daher wurde im Herbst 2021 eine Nacherhebung
durchgeführt, um die Daten abzugleichen und zu prüfen. Zu diesem Zeitpunkt
bestand an der Universität ein weitgehender Normalbetrieb.
Im Untersuchungsraum standen zum Erhebungszeitraum ca. 2.650 Parkstände
auf öffentlichen Verkehrsflächen zur Verfügung sowie 350 öffentlich
zugängliche Stellplätze. Überdies wurden ca. 3.500 private Stellplätze ermittelt.
Dem gegenüber stehen ca. 3.500 im Untersuchungsgebiet zugelassene
Fahrzeuge.
Zum Erhebungszeitpunkt waren ca. 70 % der vorhandenen, öffentlichen
Stellplätze nicht bewirtschaftet. Auf Basis der vorläufigen
Untersuchungsergebnisse wurde im Dezember 2020 eine vorgezogene
Parkraumbewirtschaftung inkl. Bewohnerparkregelung im Bereich zwischen
Endenicher Allee und Endenicher Straße eingeführt. Dadurch ist die Anzahl der
unbewirtschafteten Stellplätze inzwischen geringer.
Der Untersuchungsraum wurde in insgesamt 7 Teilbereiche untergliedert. In
allen Teilbereichen wurde zunächst die tatsächlich vorhandene Anzahl an
legalen Parkständen im öffentlichen Straßenraum erfasst. Die
Parkraumerhebungen fanden in der Nachtzeit zwischen 2:00 und 4:00 Uhr und
dann stündlich von 6:00 – 20:00 Uhr statt. Aufgrund der engmaschigen
Erfassung in den Straßenzügen kann das Parkverhalten (Parkdauer,
Umschlag, etc.) relativ gut nachvollzogen bzw. analysiert werden und mit Hilfe
der Standzeiten der Fahrzeuge und der jeweiligen An- und Abfahrtszeiten einer
bestimmten Nutzergruppe zugeordnet werden. Fahrzeuge, die über die
gesamte Nacht im Straßenraum stehen, können z.B. „Bewohner*innen“
zugeordnet werden. Fahrzeuge, die tagsüber den Straßenraum länger belegen
(z.B. zwischen 8:00 – 16:00 Uhr), deuten auf die Nutzergruppe „Beschäftigte“
hin. Fahrzeuge mit kürzeren Standzeiten – für rund ein bis drei Stunden –
können als „Besucher*innen“ eingestuft werden.
Innerhalb der Erhebungen wurden so in den jeweiligen Teilbereichen die
Gesamtauslastung zu den verschiedenen Uhrzeiten und der Anteil der
einzelnen Nutzergruppen (Bewohner*innen, Beschäftigte und Besucher*innen)
ermittelt.
Ziel der Parkraumbewirtschaftung ist jedoch nicht nur die Ordnung des
Verkehrs und die Reduzierung von Behinderungen und illegaler
Inanspruchnahme öffentlicher Flächen, sondern in einem integrierten
Parkraumkonzept erfolgt auch eine Beschränkung sowie räumliche und
zeitliche Zuordnung des Parkraumangebots nach Verkehrszwecken und
Nutzergruppen.
Ausgehend von den in der Analyse aufgezeigten Defiziten und den derzeitigen
Verhältnissen im ruhenden Verkehr im Untersuchungsgebiet Weststadt wurde
ein Parkraumkonzept mit einem veränderten Parkraumangebot sowie einer
konsequenten Bewirtschaftung im Untersuchungsgebiet erarbeitet. Die
wesentlichen Aspekte des Konzeptes sind:
- Vereinheitlichung der Parkregelungen,
- Sicherung des Bewohnerparkens durch die Einführung von
Bewohnerparkregelungen mit der Anwendung des Mischprinzips,Seite 2 von 169
Seite 3
- Verdrängung eines Großteils der Nutzergruppe der Beschäftigten auf
private (in der Regel vorhandene) Stellplatzanlagen,
- Wiedergewinnung von Verkehrsflächen für Fußgänger sowie von
Aufenthaltsflächen durch eine Reduktion des Parkraumangebotes
- Integration alternativer Mobilitätsangebote (Fahrradabstellanlagen, E-
Ladestationen, Carsharing, etc.)
- Erhöhung der Verkehrssicherheit
Die Bestandsaufnahme des derzeitigen Parkraumangebotes zeigt, dass
ein grundsätzlicher Mangel an Parkraum für die Anwohnenden besteht.
Vor allem in den gründerzeitlich geprägten Bereichen sind kaum Stellplätze
oder private Garagen vorhanden. Tiefgaragen sind meist nur bei Neubauten
vorhanden. Es zeigt sich, dass insbesondere die Nutzergruppe der
Beschäftigten in den Wohnquartieren um die größeren Arbeitsgeber wertvollen
Parkraum blockiert und es dadurch zu Konflikten zwischen Beschäftigten und
Anwohnenden kommt.
Daher wird eine Bewirtschaftung mit Bewohnerparkbevorrechtigung
empfohlen, um den Anwohnenden und ihren Besucher*innen den benötigten
Parkraum zur Verfügung stellen zu können und langzeitparkende Beschäftigte
auf vorhandene (Firmen-)Stellplätze zu verlagern.
Vorlaufend zum Gesamtkonzept wurde für ein Teilgebiet (das sog.
Musikerviertel, ein Quartier zwischen Endenicher Straße, BAB 565, Endenicher
Allee und Wittelsbacher Ring) zu Gunsten der Anwohner*innen bereits eine
Bewohnerparkbevorrechtigung eingeführt. Im Zuge der Umsetzung des
Gesamtkonzeptes sollen in diesem Bereich nur geringfügige Anpassungen
vorgenommen werden mit dem Ziel einer einheitlichen Regelung über das
gesamte Untersuchungsgebiet. Daraus folgend sollen die bestehenden
Parkscheibenregelungen durch eine Parkscheinregelung (Bewohner frei)
ersetzt werden.
Auf Basis der Untersuchungsergebnisse zur Parkraumerhebung in der
Weststadt soll eine digitale Informationsveranstaltung für alle interessierten
Bürgerinnen und Bürger stattfinden, in der die Ergebnisse sowie die
Planungsziele durch das Gutachterbüro und die Verwaltung präsentiert und
erläutert werden. Im Anschluss können die Teilnehmenden Fragen stellen und
Anregungen für die weitere Konzepterstellung geben. Darüber hinaus besteht
im Nachgang zur Informationsveranstaltung für 14 Tage die Möglichkeit
Anregungen über das städtische Beteiligungsportal „Bonn-macht-mit“
einzureichen, die im weiteren Planverfahren berücksichtigt werden können.
Die Informationsveranstaltung wird noch im 1. Quartal 2023 stattfinden.
Das geplante Verfahren hat sich bei diversen Projekten innerhalb der letzten 12
Monate, u.a. auch beim Parkraumkonzept Nordstadt bzw. beim
Masterplanprojekt Kölnstraße, bewährt.
Anlage/n
1 IVP_Parkraumuntersuchung Weststadt (öffentlich)Seite 3 von 169
Parkraumuntersuchung
Bonn-Weststadt
Juni 2022
Runge IVP
Ingenieurbüro für
integrierte VerkehrsplanungSeite 4 von 169
Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
Parkraumuntersuchung
Bonn-Weststadt
Juni 2022
Bearbeitung:
M. Sc. Julia Schallenberg
Dipl.-Ing. Hans-Rainer Runge
Runge IVP
Ingenieurbüro für
Integrierte Verkehrsplanung
Düsseldorfer Straße 132
D-40545 Düsseldorf
Tel. 0211-553350
Fax 0211-553558
Mail info@runge-ivp.de
www.runge-ivp.deSeite 5 von 169
Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
1 Allgemeines 1
2 Struktur des Untersuchungsgebietes 4
3 Parkraumangebot 6
3.2 Öffentliches Parkstandangebot 7
3.3 Privates Stellplatzangebot 10
4 Parkraumnachfrage 12
4.2 Parkraumnachfrageerhebung 3. und 5. 11.2020 12
4.4 Parkraumnachfrage am 09.11.2021 17
I N H A L T
1.1 Aufgabenstellung 1
1.2 Begriffe 3
1.3 Corona-Pandemie 3
5 Parkraumbilanzen 19
5.1 Parkverhalten der Nutzergruppen 19
5.2 Parkraumbilanz Gesamtgebiet 20
5.3 Parkraumbilanz für einzelne Bereiche 25
5.4 Parksuchverkehr 37
6 Elemente eines Parkraumkonzeptes 41
6.1 Ziele und Strategien 41
6.5 Parkraumüberwachung 46
6.6 Evaluierung 47
6.2 Überprüfung Parkraumangebot 42
6.3 Anpassung und Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung 43
6.4 Bewirtschaftungszeiten und Gebührenhöhe 45
3.1 Gesamtangebot an Parkständen und Stellplätzen 6
4.1 Vorgehensweise 12
4.3 Parkraumnachfrage im Tagesverlauf 14
5.5 Fazit der Parkraumuntersuchung 38
AnlagenSeite 6 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
1Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
1 Allgemeines
1.1 Aufgabenstellung
Für die Bonner Weststadt wurde im Herbst 2020 eine Parkraumuntersuchung
durchgeführt. Dabei wurde das Parkraumangebot der öffentlichen Parkstände
und der privaten Stellplätze nach Anzahl und Bewirtschaftungsform erhoben. Au-
ßerdem fanden am 3. und 5. November 2020 ganztägige Analysen der Park-
raumnachfrage statt. Neben der Belegung der Parkstände wurden dabei auch die
Nutzergruppen, die den Parkraum nachfragen, erfasst und in ihrem Parkverhal-
ten analysiert.
Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich über die Bonner Stadtteile Weststadt
und Poppelsdorf und wird durch die Hein-Moeller-Straße, Jonas-Cahn-Straße
und Endenicher Straße. im Nordwesten, die Bahntrasse im Nordosten, die Pop-
pelsdorfer Allee, den Botanischen Garten und die Kirschallee im Osten, die Trie-
rer Straße und die Sebastianstraße im Süden und die A 565 im Westen begrenzt
(siehe Bild 1). Das Gebiet besitzt eine Fläche von rund 1,4 km² groß, und das
Straßennetz umfasst eine Länge von rund 16 km.
Der Parkraum im Untersuchungsgebiet wird von Bewohnern, Beschäftigten, Stu-
dierenden und Besuchern / Kunden nachgefragt. In den vielfach engen Straßen-
räumen wird dicht an dicht geparkt, teilweise auch illegal, wodurch insbesondere
der Fußgängerverkehr, die Aufenthaltsqualität und die Barrierefreiheit beeinträch-
tigt werden. Durch einen Mangel an freien Parkständen entsteht Parksuchver-
kehr, der wiederum die Umwelt und die Wohnumfeldqualität in Form von Lärm–
und Abgasimmissionen belastet.
Bei der Umsetzung eines Parkraumkonzeptes sind mögliche Verlagerungen von
Parkern benachbarte Wohnquartiere, insbesondere in das Anschlussgebiet süd-
lich der BAB 565 (begrenzt durch Endenicher Straße, Frongasse, Alfred-
Bucherer-Straße) zu beachten, sodass für dieses Anschlussgebiet an die West-
stadt eine Auslastungserhebung der bestehenden Parkraumbelegung erfolgt.
Auf Grundlage der erstellen Parkraumbilanzen werden Empfehlungen zu einer
Überarbeitung der Parkraumbewirtschaftung erarbeitet.Seite 7 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
2Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Bild 1: Lage Untersuchungsgebiet Bonn Weststadt
Venusberg
Kessenich
Poppelsdorf
Lengsdorf
Ippendorf
Endenich
Weststadt
Südstadt
Bonn Hbf
AnschlussgebietSeite 8 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
3Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
1.2 Begriffe
Zum besseren Verständnis ist es erforderlich, die im Folgenden verwendeten Be-
griffe zu definieren:
Parkraum: Gesamtheit der öffentlichen Parkstände und privaten
Stellplätze.
Parkstand: Abstellmöglichkeit für Kfz im öffentlichen Bereich
(öffentlicher Straßenraum, öffentlich zugängliche
Parkierungsanlagen).
Stellplatz: Abstellmöglichkeit für Pkw auf privaten Grund.
Parkraumnachfrage: Nachfrage nach Parkraum zum Zeitpunkt der Erhe-
bung unter den gegebenen Rahmenbedingungen
(Attraktivität des Gebietes; Parkraumverfügbarkeit).
Parkraumbilanz: Ergebnis der Gegenüberstellung von Parkrauman-
gebot und Parkraumbedarf aller Nutzergruppen.
Parkraumbedarf: Parkraumnachfrage, die in Abhängigkeit von plane-
rischen Zielvorstellungen und Randbedingungen
aus der Verkehrsinfrastruktur (z.B. ÖPNV-Erschlies-
sung) gedeckt werden soll und kann.
Parkraummanagement: Organisation des Parkierungsbetriebes so wie Fest-
legung von Parkstandarten und mengenmäßiger
Zusammensetzung.
1.3 Corona-Pandemie
Die Parkraumuntersuchungen fanden im Herbst 2020 während der Covid 19-
Pandemie statt. Von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen wurde am 28.
Oktober 2020 ein „Lockdown light“ beschlossen wurde, der an den Erhebungsta-
gen 3. und 5.11. Auswirkungen auf das Verkehrs– und Parkaufkommen hatte.
So war die Universität, trotz kurz zuvor erfolgtem Semesterstart, nahezu komplett
leer. Vorlesungen fanden zu einem Großteil nur online statt. Gearbeitet wurde
vielfach im Homeoffice. Dies hatte große Auswirkungen auf das Parkverhalten im
Umfeld der Universität.
Schulen und Kindertagesstätten waren weiterhin geöffnet. Gastronomiebetriebe
mussten schließen und lediglich die Lieferung und Abholung von Speisen waren
möglich. Der Einzelhandel war unter Hygieneauflagen und der Einhaltung einer
gleichzeitig anwesenden Kundenobergrenze weiterhin geöffnet. Die Bevölkerung
wurde aufgefordert, die privaten Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Es ist
davon auszugehen, dass die Anzahl an Besuchern und Kunden im Untersu-
chungsgebiet dadurch reduziert war.
Der Auftraggeber wünschte dennoch, die Erhebung im Herbst 2020 durchzufüh-
ren, mit der Begründung, dass das öffentliche Leben nicht komplett runtergefah-
ren wird und man zumindest eine Grundaussage zum Parkverhalten treffen kann.
Für den Universitätsbereich wurde im November 2021 deshalb eine Nacherhe-
bung im Universitätsbereich durchgeführt.Seite 9 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
4Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
2 Struktur des Untersuchungsgebietes
Die Weststadt liegt südlich der Bonner Innenstand und des Hauptbahnhofes und
damit sehr zentral. Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich über Teile der Bon-
ner Stadtteile Weststadt und Poppelsdorf. Wenn im Folgenden die „Weststadt“
genannt wird, ist damit das konkret beschriebene Untersuchungsgebiet und nicht
der Stadtteil gemeint.
Das Untersuchungsgebiet wird am stärksten durch die zentral liegende Universi-
tät mit dem Campus Poppelsdorf geprägt. Dort sind unter anderem die Lehrstüh-
le für Mathematik, Physik, Informatik, Tierwissenschaften und Geologie ansässig.
Im Westen des Universitätsgeländes liegt die Mensa.
Südöstlich des Universitätsgeländes verläuft die Clemens-August-Straße in Pop-
pelsdorf als Fortsetzung der Meckenheimer Allee, die durch viele Gastronomie-
betriebe und weitere Einzelhandelsgeschäfte geprägt ist.
Neben der Universität umfasst das Untersuchungsgebiet auch das Ernst-Moritz-
Arndt-Gymnasium (rund 900 Schülerinnen und Schüler), 3 Grundschulen, 5 Kin-
dergärten, 2 Kirchen und 2 Altenheime.
Als größerer Arbeitgeber, neben der Universität, ist das Finanzamt an der Bach-
straße festzustellen. Der Bereich zwischen Endenicher Straße, Wittelsbacherring,
Endenicher Allee und A 565 ist stark durch Wohnnutzungen geprägt. Im übrigen
Teil des Untersuchungsgebietes ist ebenfalls überwiegend Wohnnutzung vorzu-
finden, jedoch sind auch viele Arztpraxen oder anderweitige Dienstleistungsein-
richtungen im Erdgeschoss inkludiert. Bei den Häusern handelt es sich meistens
um Mehrfamilienhäuser, vielfach aus der Gründerzeit. Der hohen Baudichte ste-
hen stark durchgrünte Innenhöfe und Straßen mit Alleenbepflanzung gegenüber.
Von Norden nach Süden stellen die Poppelsdorfer Allee, die Meckenheimer Al-
lee, die Clemens-August-Straße, die Endenicher Allee und die Endenicher Stra-
ße die Hauptachsen für den Kfz-Verkehr dar. Von Westen nach Osten führen vor
allem die Kaufmannstraße, die Nußallee, der Wittelsbacherring und die Baum-
schulstraße durch das Gebiet.
Straßenbahnen verkehren im Untersuchungsgebiet nicht, dafür sind 16 Bushalte-
stellen vorhanden, an denen die Linien 601, 602, 603, 604, 605, 606, 607, 608,
609, 610, 611, 631 und 632 verkehren.
Das hier untersuchte Gebiet umfasst rund 11.100 Einwohner. Der private Kraft-
fahrzeugbestand in diesem Bereich liegt zwischen 190 und 339 Kfz/1.000 Ein-
wohner. Es sind in etwa 3.540 Kfz im Untersuchungsgebiet zugelassen.
Das Bild 2 auf der nachfolgenden Seite zeigt die Nutzungsverteilung im Untersu-
chungsgebiet der Bonner Weststadt.Seite 10 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
5Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Bild 2: Nutzungsstruktur Bonn WeststadtSeite 11 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
6Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
3 Parkraumangebot
3.1 Gesamtangebot an Parkständen und Stellplätzen
Das Angebot an öffentlichen Parkständen und privaten Stellplätzen wurde im Un-
tersuchungsgebiet durch Begehungen im Sommer 2020 erhoben. Nicht zugängli-
che private Bereiche wurden über Luftbilder ausgewertet oder abgeschätzt. Ne-
ben der Anzahl der Parkstände und Stellplätze wurde auch die Art der Bewirt-
schaftung (unbewirtschaftet, kostenpflichtig, Parkscheibe, Bewohnerparken) er-
hoben. Die privaten Stellplätze wurden getrennt nach ebenerdigen Stellplätzen
im Straßenraum, auf Parkplätzen oder in Hinterhöfen ermittelt. Die meisten Gara-
gen und Tiefgaragen konnten nicht eingesehen werden und konnten somit zah-
lenmäßig nur geschätzt werden.
Das Untersuchungsgebiet wurde entsprechend der Struktur und der örtlichen Zu-
sammenhänge in Verkehrszellen aufgeteilt. Bild 3 auf der folgenden Seite zeigt
die Aufteilung des Untersuchungsgebietes.
Wie bereits erwähnt, sind rund 3.540 private Kfz im Untersuchungsgebiet zuge-
lassen. Zum Erhebungszeitpunkt im Sommer 2020 wurden im Untersuchungsge-
biet 2.662 öffentliche Parkstände, 354 öffentlich zugängliche Stellplätze und
3.544 private Stellplätze ermittelt. Die Straßenrandstellplätze innerhalb des Uni-
versitätsbereichs sind der Bewirtschaftung durch die Universität unterworfen und
werden somit als private Stellplätze, jedoch öffentlich nutzbar, kategorisiert. Das
Parkraumangebot in den einzelnen Verkehrszellen zeigt die Tabelle 1.
Verkehrszelle Öffentliche
Parkstände
Öffentlich
zugängliche
Stellplätze
Private
Stellplätze Summe
1 Jonas-Cahn-Str. 230 0 288 518
2 Mozartstr. 290 7 353 650
3 Hauptbahnhof Süd 213 9 403 625
4 Richard-Wagner-Str. 721 0 789 1.510
5 Meckenheimer Allee 393 2 354 749
6 Universität 315 336 633 1.284
7 Zentrum Poppelsdorf 500 0 724 1.224
Summe 2.662 354 3.544 6.560
Anteil 41 % 5 % 54 % 100 %
Tabelle 1: Parkraumangebot Bonn WeststadtSeite 12 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
7Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Bild 3: Verkehrszellen Bonn Weststadt
3.2 Öffentliches Parkstandangebot
Das Bild 4 auf der übernächsten Seite zeigt die Anzahl, Verortung und Bewirt-
schaftungsform des ermittelten öffentlichen Parkraumangebotes zum Zeitraum
der Parkraumanalyse im Herbst 2020.
In der Anlagengruppe 1 enthalten die Tabellen 2 bis 5 das öffentliche Parkrau-
mangebot für die einzelnen Straßenabschnitte in den 7 Verkehrszellen. NebenSeite 13 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
8Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
dem Gesamtangebot der Parkstände werden Angaben zur Art der Bewirtschaf-
tung und der bestehenden Einschränkungen für das Parken gemacht. Die Park-
stände nordwestlich der Endenicher Allee (Verkehrszelle 4) waren zum Zeitpunkt
der Zustandsanalyse noch nicht bewirtschaftet. Die Einrichtung einer Bewohner-
parkregelung erfolgte im Dezember 2020.
Zum Zeitpunkt der Zustandsanalyse waren 1.859 der 2.662 öffentlichen Park-
stände (70 %) nicht bewirtschaftet. Die restlichen 30 % teilen sich wie folgt auf
die unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen auf:
 145 Parkstände (6 %) werden über eine Parkscheibenregelung bewirtschaf-
tet. Bei den meisten gilt eine maximale Parkdauer von 2h und die Bewirt-
schaftung wird auf die Zeit zwischen 8 / 9 und 18 / 19 Uhr begrenzt. In der
restlichen Zeit sind die Parkstände unbewirtschaftet. Teilweise ist die Park-
scheibenregelung für Bewohner ausgenommen. Der Großteil der Parkstände
mit Parkscheibenregelung sind auf der Dechenstraße, der Colmantstraße,
dem Kreuzbergweg, der Trierer Straße, der Poppelsdorfer Allee und der
Burggartenstraße zu finden. Meistens sind in der Nähe Einzelhandelseinrich-
tungen, Arztpraxen und ähnliche besucherintensiven Einrichtungen vorhan-
den.
 136 Parkstände (5 %) werden über einen kostenpflichtigen Parkschein bewirt-
schaftet. Diese sind auf dem Parkplatz am Rudolf-Stöcker-Weg, der Clemens
-August-Straße und auf Abschnitten der Sebastianstraße und der Meckenhei-
mer Allee zu finden.
 Im Musikerviertel (Verkehrszellen 2, 3 und 5) gilt bei 324 Parkständen Bewoh-
nerparken in den Abend- und Nachtstunden zwischen 16 - 9 Uhr. Für 198
Parkstände gilt ganztägiges Bewohnerparken. Dort kann in dieser Zeit nur mit
einem gültigen Bewohnerparkausweis geparkt werden. Zwischen 9 und 16
Uhr sind die 324 Parkstände mit der Abend– und Nachtregelung unbewirt-
schaftet. Einzelne Straßenabschnitte sind auch in den Abend– und Nacht-
stunden frei nutzbar Auf der nördlichen Meckenheimer Allee gilt eine Gebüh-
renpflicht.
 Für das Wohngebiet nordwestlich der Endenicher Allee (Verkehrszelle 4) wur-
de im Dezember 2020 eine Bewohnerparkregelung umgesetzt. Dabei kann
etwa auf der Hälfte der öffentlichen Parkstände nur mit einem Bewohnerpark-
ausweis geparkt werden. Auf der anderen Hälfte der Parkstände kann mon-
tags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr bis zu 2 Stunden lang mit Parkschei-
be geparkt werden. Diese Regelung galt zur Zustandsanalyse noch nicht.
 Es wurden 36 Behindertenparkstände festgestellt, davon 21 auf dem Univer-
sitätsgelände.
Einen Bewohnerparkausweis kann beantragt, wer in einem Bonner Bewohner-
parkgebiet mit Hauptwohnsitz gemeldet ist, dauernd ein auf sich als Halterin oder
Halter zugelassenes Fahrzeug besitzt und keine Garage oder sonstige Abstell-
möglichkeit hat. Die Kosten für einen Bewohnerparkausweis liegen zum Analyse-
zeitpunkt bei 15 € für 6 Monate, 30 € für 12 Monate und 55 € für 24 Monate.Seite 14 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
9Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Bild 4: Öffentliches ParkraumangebotSeite 15 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
10Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
3.3 Privates Stellplatzangebot
Das private Stellplatzangebot in den Verkehrszellen wurde bereits in Tabelle 1
vereinfacht dargestellt. Das Bild 5 der folgenden Seite schlüsselt auf, wie viele
private Stellplätze je Verkehrszelle im Straßenraum, in Garagen bzw. Hinterhö-
fen, auf ebenerdigen Parkplätzen oder in Parkhäusern und Tiefgaragen ermittelt
wurden. Hinzuweisen ist auf gewisse Ungenauigkeiten, da für die Erhebung nicht
immer eine Zugänglichkeit in beispielsweise Innenhöfe oder Garagen / Tiefgara-
gen bestand. Auch konnte nicht beurteilt werden, ob Garagenstellplätze tatsäch-
lich als Abstellort für ein Kfz genutzt wurden oder eine anderweitige Nutzung be-
stand. Neben den rein privaten Stellplätzen wurden auch öffentlich zugängliche
Stellplätze erhoben. Dazu zählen Mitarbeiter– und Kundenstellplätze, sowie bei-
spielsweise Stellplätze, die für Ärzte reserviert sind. Diese Stellplätze sind nur
unter bestimmten Voraussetzungen für Anwohner verfügbar. Beispielsweise kön-
nen die öffentlich zugänglichen Stellplätze der Universität durch das Ziehen eines
Automatentickets durch Anwohner genutzt werden. Aber auch Stellplätze in Park-
häusern, in denen sich Anwohner einmieten können, zählen zu den öffentlich zu-
gänglichen Stellplätzen.
Die folgende Tabelle 6 stellt das Stellplatz– und Parkstandangebot den Einwoh-
nerzahlen und der Anzahl der gemeldeten Kfz in den Verkehrszellen gegenüber.
Daraus ergibt sich, dass in etwa gleich viele private Stellplätze zur Verfügung ste-
hen wie Kfz im Untersuchungsgebiet zugelassen sind (jeweils rund 3.500). Unter
den privaten Stellplätzen sind allerdings auch solche, die ausschließlich Mitarbei-
tern wie z.B. der Universität oder dem Finanzamt oder Hotelgästen zur Verfü-
gung stehen. Diese Stellplätze werden auf eine Größenordnung von rund 600
geschätzt, sodass ein Parkraumdefizit in dieser Höhe im privaten Bereich vor-
liegt.
Verkehrszelle Einwoh-
ner
Zugelas-
sene Kfz
Priv.
Stellplät-
ze
Öffentl.
zugängl.
Stell-
plätze
Öffentli-
che Park-
stände
Summe
1 Jonas-Cahn-
Str. 750 143 288 0 230 368
2 Mozartstr. 1.021 346 353 7 290 440
3 Hauptbahn-
hof Süd 1.079 366 403 9 213 599
4 Richard-
Wagner-Str. 2.666 904 789 0 721 1.358
5 Meckenhei-
mer Allee 1.957 663 354 2 393 747
6 Universität 818 249 633 336 315 712
7 Zentrum
Poppelsdorf 2.850 869 724 0 500 1.164
Summe 11.141 3.540 3.544 354 2.662 5.388
Tabelle 6: Parkraumangebot Bonn WeststadtSeite 16 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
11Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Durch weitere 2.662 öffentliche Parkstände werden den Anwohnern zusätzliche
Parkkapazitäten zur Verfügung gestellt. Auf den ersten Blick scheinen vor allem
die Gründerzeitviertel im Norden des Untersuchungsgebiet und das Zentrum
Poppelsdorf im Süden ein Stellplatzdefizit aufzuweisen, da dort aufgrund der Art
der Bebauung nicht viele private Garagen zur Verfügung stehen.
Die weiteren Analysen in den kommenden Kapitel werden Aufschluss darüber
geben, welche Straßenabschnitte wann wie stark aus– bzw. überlastet sind.
Bild 5: Privates Stellplatzangebot Bonn WeststadtSeite 17 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
12Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
4 Parkraumnachfrage
4.1 Vorgehensweise
Die Parkraumnachfrage im öffentlichen Bereich wurde flächendeckend am Diens-
tag den 03.11. und Donnerstag den 05.11.2020 für je eine Hälfte das Untersu-
chungsgebietes erhoben. Dabei wurden stündlich zwischen 06:00 und 20:00 Uhr
Begehungen der Straßenräume durchgeführt, bei denen die Kennzeichen der
parkenden Kfz festgehalten wurden. In der Nachtzeit zwischen 2:00 und 4:00 Uhr
fand eine zusätzliche Erhebung statt, um das maximale Anwohnerparkbedürfnis
festzustellen. Neben der Auslastung des Parkraums in der Bonner Weststadt las-
sen sich über die Verhaltensweisen (nächtliches Parken, Ankunfts– und Abfahrts-
zeiten, Parkdauer) Rückschlüsse auf die Nutzer der Parkstände (Anwohner, Be-
schäftigter oder Besucher) ziehen. Weiterhin wurde eine Auslastungserhebung
im südlichen Anschlussgebiet in der Nacht, zwischen 11 und 12 Uhr und zwi-
schen 15 und 16 Uhr durchgeführt. Dabei wurden die parkenden Kfz zahlenmä-
ßig, ohne Feststellung des Kfz-Kennzeichens, erfasst.
4.2 Parkraumnachfrage am 3. und 5.11.2020
An den beiden Erhebungstagen standen 2.662 öffentliche Parkstände und 354
öffentlich zugängliche Stellplätze (Großteil auf den Privatflächen der Universität)
zur Verfügung. Die Parkraumauslastung zu unterschiedlichen Tageszeiten in den
einzelnen Straßenabschnitten ist der Anlagengruppe 2 dargestellt. Die detaillier-
te Auslastung der Straßenabschnitte durch die einzelnen Nutzergruppen wird in
der Anlagengruppe 3 gezeigt. Die durchschnittliche Parkraumauslastung für das
gesamte Untersuchungsgebiet zeigt das nachfolgende Bild 6.
Bild 6: Parkraumauslastung Weststadt am 03. und 05.11.2020
0
20
40
60
80
100
3 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
AUSLASTUNG [%]
UHRZEITSeite 18 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
13Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Über das gesamte Untersuchungsgebiet gesehen, stehen noch freie Parkraum-
kapazitäten zur Verfügung. Die durchschnittliche Auslastung steigt im Gesamtge-
biet nie über 91 % und liegt in der Nacht nur bei 84 %. Es gilt jedoch zu erklären,
dass dies nicht dem tatsächlichen Parkraumbedürfnis im Untersuchungsgebiet
am Tage entspricht, da das Gesamtbild durch die pandemiebedingt weitestge-
hend leerstehenden Kapazitäten der Universität verzerrt war. Der Großteil an
freien Parkraumkapazitäten befand sich auf den öffentlich zugänglichen Stellplät-
zen des Universitätsviertels und wurde zum Erhebungszeitpunkt nur sehr spärlich
genutzt. So bilden 170 freie Stellplätze zum Zeitpunkt der maximalen Parkraum-
nachfrage einen Anteil von 5 % des Gesamtparkraumangebotes in der West-
stadt.
Aus diesem Grund erfolgen die nachfolgende Betrachtungen für das Untersu-
chungsgebiet ohne Berücksichtigung der öffentlich zugänglichen Stellplätze der
Universität. Die durchschnittliche Auslastung liegt dann maximal bei 96 % und in
der Nacht bei 94 %. In der Nacht wurden 2.510 parkende Kfz ermittelt (2.680 le-
gale Parkstände stehen zur Verfügung). Bis 8 Uhr bleibt die Auslastung annä-
hernd konstant, da sich der ausfahrende Berufsverkehr durch Anwohner und der
einfahrende Berufsverkehr durch Beschäftigte ausgleicht. Zwischen 8 und 10 Uhr
steigt die Anzahl der Beschäftigten– und Besucherparker stärker an, als dass
Anwohner das Untersuchungsgebiet verlassen, wodurch die Auslastung auf
96 % steigt. Anschließend sinkt die Auslastung stetig bis zum Abend hin (19 Uhr)
auf 90 % ab, da die Anzahl an Beschäftigten- und Besucherparkern stärker ab-
nimmt, als dass Anwohner wieder in das Untersuchungsgebiet zurückkehren. Um
19 Uhr war noch eine Differenz von knapp 100 parkenden Kfz im Vergleich zur
Vornacht festzustellen.
Insgesamt wurden während der Parkraumerhebung 6.204 Parkvorgänge erfasst.
Auch hier bleiben die öffentlich zugänglichen Stellplätze der Universität unbe-
rücksichtigt, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Unbeachtet bleiben Kurzzeit-
parkvorgänge mit einer Parkdauer unter einer Stunde, die mit Ankunfts– und Ab-
fahrtszeit außerhalb der stündlichen Erhebungsintervalle lagen. Erfahrungsge-
mäß kann die Anzahl der Kurzzeitparkvorgänge um rund 10 % erhöht werden,
um die Gesamtzahl korrekt zu beschreiben. Bei einer angenommenen Anzahl an
Parkvorgängen von 6.400 Kfz, ergibt sich ein mittlerer Umschlag je Parkstand
von etwa 2,4 Kfz. Erfasst wurde ein mittlerer Umschlag je Parkstand von 2,3 Kfz.
Zum Vergleich lag dieser Wert in der Südstadt bei 2,5 Kfz, in Plittersdorf und
Hochkreuz bei 2,0 Kfz, in der Nordstadt Ost bei 3,0 Kfz, in der Nordstadt West
bei 2,3 Kfz und am Venusberg bei 2,15 Kfz je Parkstand.
Immerhin 1.150 parkende Kfz wurden während des ganzen Untersuchungstages
nicht beweget. Auf 38 % der angebotenen Parkstände und öffentlich zugängli-
chen Stellplätze fand somit kein Wechsel statt. Nur in der Südstadt war der Anteil
der Dauerparker mit 40 % leicht höher. Viele Bewohner der Weststadt nutzen für
ihre täglichen Wege nicht das Auto, sondern sind zu Fuß, mit dem Fahrrad oder
öffentlichen Verkehrsmitteln mobil.Seite 19 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
14Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Parkraumnachfrage im Anschlussgebiet
Das Anschlussgebiet, südwestlich der A 565, verfügte zum Zeitpunkt der Erhe-
bungen über 315 öffentliche Parkstände. Baustellen auf der Endenicher Allee
und der Theodor-Brinkmann-Straße reduzierten das Parkraumangebot.
In der Nacht wurden dort 367 parkende Kfz ermittelt. Rund 25 Kfz parkten nachts
auf der Endenicher Allee bzw. der Theodor-Brinkmann-Straße im Bereich der
Baustelle, die zu diesem Zeitpunkt nicht besetzt war. Des Weiteren wurden auf
der Brahmstraße und dem Wiesenweg zur Nachtzeit deutlich mehr parkende Kfz
festgestellt, als das Parkraumangebot vermuten lässt. Um 11 Uhr wurden noch
345 und um 15 Uhr 331 belegte Parkstände festgestellt. Auch zu diesen Uhrzei-
ten waren 15 bis 20 Kfz im Bereich der Baustellen abgestellt.
Die Auslastungserhebung zeigt, dass der Parkraum im Anschlussgebiet sowohl
in der Nacht als auch am Tag stark ausgelastet ist. Es besteht ein erheblicher
Parkdruck. Durch die vielen Baustellen kam es unweigerlich zu Verlagerungen im
Parkraum, die im Rahmen dieser Untersuchung nicht weiter untersucht wurden.
Es ist festzuhalten, dass in diesem Gebiet keine Parkraumreserven vorliegen, um
den Parkdruck aus dem Untersuchungsgebiet der Weststadt aufzunehmen.
4.3 Parkraumnachfrage im Tagesverlauf
Uhrzeit: 03:00 Uhr - Nachtzeitraum
Das Bild 7 auf der nächsten Seite zeigt die nächtliche Auslastung des Parkraums
im Untersuchungsgebiet. Es lag eine durchschnittliche Auslastung von 94 % vor
(ohne die öffentlich zugänglichen Stellplätze der Universität). In den reinen
Wohngebieten zeigte sich eine Auslastung von meist über 90 %, in weiten Teilen
sogar über 100 % der Kapazitäten.
Freie Parkstände lagen im Bereich des Hauptbahnhofes. Dort wurden Auslastun-
gen zwischen 50 % und 90 % festgestellt. Dies liegt vermutlich daran, dass viele
Parkstände ab 8 Uhr morgens bewirtschaftet werden und somit für Anwohner
nicht besonders attraktiv sind. Gleiches gilt für die Clemens-August-Straße, die
Karlrobert-Kreiten-Straße und den Parkplatz am Rudolf-Stöcker-Weg. Das Inter-
cityHotel am Hauptbahnhof verfügt über eine private Garage, welche sie ihren
Gästen zur Verfügung stellen kann.
Im Bereich der Hein-Möller-Straße (nördliche Grenze des Untersuchungsgebie-
tes) war ebenfalls eine sehr geringe nächtliche Parkraumauslastung festzustel-
len. Dies ist dadurch zu erklären, dass es sich um ein eher gewerblich genutztes
Areal handelt, in dem nicht viele Anwohner ein nächtliches Parkbedürfnis haben.
Allerdings befindet sich an der angrenzenden Immenburgstraße ein Rotlichtmi-
lieu, welches zum Zeitpunkt der Erhebung aufgrund des Corona-Lockdowns ge-
schlossen war. An einem repräsentativen Werktag ist hier vermehrt mit nächtli-
chen Kundenparkern zu rechnen.Seite 20 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
15Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Uhrzeit: 10:00 Uhr
Das Bild 8 auf der nächsten Seite zeigt die höchste am Erhebungstag festge-
stellte Auslastung, welche um 10:00 Uhr mit durchschnittlich 96 % ermittelt wur-
de (ohne die öffentlich zugänglichen Stellplätze der Universität). Es wurden
2.575 parkende Kfz erhoben.
Der kostenpflichtige Parkplatz am Rudolf-Stöcker-Weg ist kaum ausgelastet. Es
ist zu vermuten, dass Kunden der dort ansässigen Geschäfte einen freien unbe-
Bild 7: Parkraumauslastung 11/2020, NachtzeitraumSeite 21 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
16Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
wirtschafteten Parkstand in den umliegenden Straßen finden. Dort herrscht eine
überwiegende Auslastung von 75 % bis 89 %.
Der überwiegende Teil des Untersuchungsgebietes weist zur frühen Mittagszeit
eine Auslastung von über 75 % auf. Besonders starke durchschnittliche Auslas-
tungen sind in den Gründerzeitvierteln in den Verkehrszellen 2 (Mozartstraße), 3
(Hauptbahnhof Süd) und 5 (Meckenheimer Allee) festzustellen. Bewohner bele-
gen hier einen Großteil des Parkraumes. Anders sieht dies beispielsweise in den
Bild 8: Parkraumauslastung 11/2020, zwischen 10 und 11 UhrSeite 22 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
17Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Wohngebieten in der Verkehrszelle 4 (Richard-Wagner-Straße) aus. Die Park-
stände sind hier tendenziell geringer ausgelastet, da Anwohner aufgrund der Be-
bauung eher über private Stellplätze verfügen.
Da sich die Auslastung über den gesamten Tag auf einem sehr hohen Niveau
befindet, wird an dieser Stelle darauf verzichtet, jede Zeitscheibe zwischen 3 und
19 Uhr zu beschreiben.
In der Anlagengruppe 2 sind die Auslastungszeitscheiben exemplarisch für 3,
7, 9, 11, 13, 15, 17 und 19 Uhr abgebildet.
4.4 Parkraumnachfrage am 09.11.2021
Da in der Bonner Universität im Herbst 2020 kein Präsenzbetrieb stattfand und
auch viele Mitarbeitende im Homeoffice arbeiteten, fand am Dienstag, den
09.11.2021 eine ergänzende Parkraumnachfrageerhebung statt. Dabei wurde zu
drei Tageszeiten (11, 13 und 15 Uhr) jeweils die Anzahl der parkenden Kfz in
den Straßenräumen und auf den Plätzen des Universitätsbereiches erhoben.
Kennzeichenerfassungen und Auswertungen zu den Parkdauern fanden nicht
statt. Insgesamt wurde die Ausnutzung auf 824 Parkständen überwacht.
Die Ergebnisse der Auslastungserhebung finden sich in der Anlage 4 und sind
auf der folgenden Seite in den Bildern 9 bis 11 dargestellt. Es lassen sich fol-
gende Aussagen treffen:
 Die Anzahl der Parker war im November 2021 zu den drei Tageszeiten um
jeweils rund 60 Kfz höher als im November 2020.
 Die durchschnittliche Auslastung im Universitätsbereich stieg beispielsweise
um 11 Uhr von 79 % auf 86 %.
 Dies hat insbesondere mit vermehrt auftretenden Parkern auf den bewirt-
schafteten Parkständen der Universitätsstraßen zu tun. Um 11 Uhr wurden
255 Pkw (2020: 190 Pkw) und um 15 Uhr 203 Pkw (2020: 142 Pkw) auf den
Universitätsparkständen gezählt.
 Auf der Nußallee (127 Parkstände) stieg beispielsweise die Auslastung um
11 Uhr von 48 % (2020) auf 77 % (2021) an. Um 15 Uhr betrog sie noch 56 %
(2022) gegenüber 38 % (2020). Im Herbst 2021 waren somit immer noch aus-
reichende Parkraumkapazitäten für potenzielle Universitätsbesucher vorhan-
den, die einen Parkschein an den Parkscheinautomaten hätten lösen müssen.
 Auf den Straßen rund um den Universitätsbereich wurde im Herbst 2021 kein
größerer Parkdruck als 2020 wahrgenommen. Auf vielen Straßen waren die
Kapazitäten sowohl im Herbst 2020 als auch im Herbst 2021 in hohem Maße
erschöpft.
 Eine leichte Entspannung des Parkdrucks konnte auf der Endenicher Allee
festgestellt werden. Hier wurde zum Jahreswechsel 2020/21 eine Bewohner-
parkregelung eingeführt. Die Auslastung sank teilweise von 123 % auf 100 %,
war somit also immer noch sehr hoch. Auch auf der Beethovenstraße und auf
der Beringstraße waren weniger Parker zu verzeichnen.Seite 23 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
18Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Parkraumauslastung Bonn Weststadt
Bild 9: Parkraumauslastung
11/2021, 11 Uhr
Bild 10: Parkraumauslastung
11/2021, 13 Uhr
Bild 11: Parkraumauslastung
11/2021, 15 UhrSeite 24 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
19Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
5 Parkraumbilanzen
5.1 Parkverhalten der Nutzergruppen
In der Parkraumbilanzierung werden grundsätzlich drei Nutzergruppen unter-
schieden:
 Anwohner,
 Beschäftigte,
 Besucher und Kunden.
Diese Nutzergruppen haben unterschiedliche Ansprüche an das Parken, welche
aufgrund des beschränkten Parkraums in der Weststadt nicht umfassend erfüllt
werden können. Das Parkverhalten und die Ansprüche der einzelnen Nutzergrup-
pen können wie folgt beschrieben werden:
 Anwohner
Anwohner sind Langzeitparker und benötigen den gesamten Tag über Parkraum.
Die höchste Nachfrage findet allerdings in den Nachmittags-, Abend– und Nacht-
stunden, also zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn am nächsten Tag statt.
Dabei fragen Anwohner Parkstände nach, die möglichst nah zu ihrer Wohnung
stehen. Umso weniger verdichtet das Stadtgebiet ist, desto geringer ist die Ak-
zeptanz von Fußentfernungen zum Parkstand. Die Kostenakzeptanz der Anwoh-
ner ist gering.
Bei der Parkraumnachfrageerhebung wurden alle nächtlichen Parker in den Stra-
ßenräumen der Nutzergruppe Anwohner zugeordnet, unabhängig vom Ortskenn-
zeichen des Kfz. Weiterhin ist das Anwohnerparkverhalten durch die Ankunft am
Nachmittag und eine Parkraumbelegung bis in den Abend zu kennzeichnen.
Durch ein bereits nachts oder morgens erfasstes Kennzeichen, das bereits einem
Anwohner zugeordnet wurde, können zusätzlich kürzere Parkvorgänge im Laufe
des Tages dieser Nutzergruppe zugeordnet werden.
 Beschäftigte
Diese Nutzergruppe beansprucht den Parkraum hauptsächlich tagsüber. Dabei
werden die Parkstände meist in den Morgenstunden (zwischen 5 und 9 Uhr) zu
Arbeitsbeginn angefahren, über einen langen Zeitraum (etwa 5 bis 11 Stunden)
belegt und erst zum Feierabend am Nachmittag bzw. Abend wieder verlassen.
Die Mindestparkdauer zur Klassifizierung der Beschäftigtenparker beträgt 4 Stun-
den.
Die Kostenakzeptanz ist bei Beschäftigten gering. Deswegen werden bei kosten-
freien Parkmöglichkeiten auch lange Fußwege akzeptiert.
 Besucher und Kunden
Zu der Nutzergruppe der Besucher zählen sowohl die Besucher der Anwohner
als auch die Kunden der Geschäfte und Dienstleistungseinrichtungen und Studie-
rende der Universität im Untersuchungsgebiet.Seite 25 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
20Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Besucherverkehr kann bereits relativ früh in den Morgenstunden (in der Regel ab
8 Uhr) auftreten. Der Kundenverkehr beschränkt sich auf die jeweiligen Öffnungs-
zeiten der Einrichtungen. In der Auswertung der Parkraumerhebungen werden
Kurzzeitparkvorgänge unterhalb einer Parkdauer von 4 Stunden als Besucher-
parker identifiziert.
Die Ansprüche an den Parkraum sind bei den einzelnen Besuchergruppen sehr
unterschiedlich ausgeprägt. Privatbesucher von Anwohnern beanspruchen in der
Regel einen Kfz-Parkstand in direkter Nähe ihres Zieles. Auch Kunden haben bei
Kurzzeitparkvorgängen nur eine geringe Entfernungsakzeptanz. Studierende der
Universität werden auch größere Entfernungen zu Fuß in Kauf nehmen, wenn
dadurch Parkgebühren auf dem Universitätsgelände vermieden werden können.
Im Folgenden erfolgt eine Bilanzierung gemäß den einzelnen Nutzergruppen.
Dabei werden auch festgestellte Mängel und Probleme aufgezeigt.
5.2 Parkraumbilanz Gesamtgebiet
An den Erhebungstagen, Anfang November 2020, konnten im Untersuchungsge-
biet Weststadt rund 6.500 Parkvorgänge im öffentlichen Straßenraum festgestellt
werden. Daraus resultiert ein Kfz-Verkehrsaufkommen in Höhe von rund 13.000
Kfz-Fahrten. Da sich die Stadt Bonn in einem „Lockdown light“ befand und die
Universität kaum besetzt war, sind die Werte an einem typischen Werktag höher
zu erwarten.
Aus den rund 3.500 privaten Stellplätzen kann ein zusätzliches Verkehrsaufkom-
men von 10.500 Kfz-Fahrten abgeleitet werden, sodass für das Untersuchungs-
gebiet Weststadt ein Gesamtverkehrsaufkommen von rund 23.500 Kfz-Fahrten
am Erhebungstag festzustellen war.
Die Parkvorgänge im öffentlichen Raum teilen sich wie folgt auf die einzelnen
Nutzergruppen auf:
 ca. 3.900 Parkvorgänge durch Anwohner (60 %). Darunter befinden sich rund
1.100 Kfz die über den Tag nicht bewegt wurden.
 ca. 700 Parkvorgänge durch Beschäftigte (11 %).
 ca. 1.900 Parkvorgänge durch Besucher und Kunden (29 %).
Werden alle Parkvorgänge überlagert, ist zu erkennen, dass der Parkraum im
öffentlichen Bereich der Weststadt nie voll ausgelastet ist (siehe Bild 12 auf der
nächsten Seite). Der mittlere Umschlag je Parkstand liegt bei 2,2 Parkvorgängen
am Tag und die mittlere Parkdauer beträgt 5 Stunden und 3 Minuten. Wenn die
öffentlich zugänglichen Stellplätze der Universität nicht mit in die Betrachtung ein-
bezogen werden, ist der Parkraum im Durchschnitt trotzdem zu keinem Zeitpunkt
überlastet (siehe Bild 13 auf der nächsten Seite). Der mittlere Umschlag je Park-
stand steigt leicht auf 2,3 Parkvorgänge an und die mittlere Parkdauer verlängert
sich im Durchschnitt um 2 Minuten.Seite 26 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
21Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Bild 12: Parkraumnachfrage der Nutzergruppen Weststadt
Anwohner Beschäftigte Besucher
Uhrzeit
03:00
06:00
07:00
08:00
09:00
10:00
11:00
12:00
13:00
14:00
15:00
16:00
17:00
18:00
19:00
Bild 13: Parkraumnachfrage der Nutzergruppen Weststadt, ohne öffentlich
zugängliche Stellplätze der Universität
Anwohner Beschäftigte Besucher
Uhrzeit
03:00
06:00
07:00
08:00
09:00
10:00
11:00
12:00
13:00
14:00
15:00
16:00
17:00
18:00
19:00
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130
Auslastung der Parkstände in %
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130
Auslastung der Parkstände in %Seite 27 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
22Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
 Anwohner
Die Tagesganglinie für die Belegung der Parkstände durch Anwohner zeigt das
Bild 14. Am Erhebungstag wurden knapp 3.900 Anwohnerparkvorgänge festge-
stellt, die 5.600 Kfz-Fahrten erzeugten (1.100 Kfz wurden nicht bewegt). Die mitt-
lere Parkdauer aller Anwohnerfahrzeuge betrug knapp 7 Stunden im Untersu-
chungszeitraum von 14 Stunden (6 bis 20 Uhr).
Die maximale Parkraumbelegung trat, wie zu erwarten, in der Nacht auf und um-
fasste 2.525 Anwohner-Kfz. Dadurch wurden durchschnittlich 84 % des Parkrau-
mes belegt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass den Anwohnern noch viele freie
Parkmöglichkeiten zur Verfügung gestanden hätten, da freie Kapazitäten vor al-
lem im Bereich der öffentlich zugänglichen Stellplätze der Universität ausfindig
gemacht wurden. Lässt man diese Bereiche aus der Betrachtung heraus, war in
der Nacht durchschnittlich 94 % des Parkraumes belegt (2510 abgestellte Kfz).
Die Wohngebiete wiesen nachts teilweise eine starke Überlastung des Parkrau-
mes auf.
Im Untersuchungsgebiet sind rund 3.500 Kfz zugelassen. Die nicht festgestellten
rund 1.000 zugelassenen Kfz in diesem Bereich sind auf den privaten Stellplät-
zen zu vermuten. Diese wurden mit einer Anzahl von rund 3.500 ermittelt, jedoch
waren die meisten Garagen und Hinterhöfe, wie bereits in Kapitel 3 erläutert,
nicht einsehbar und es mussten Abschätzungen getroffen werden. Außerdem
konnte keine Aussage darüber getroffen werden, ob die privaten Stellplätze tat-
sächlich als Kfz-Abstellort genutzt wurden.
Betrachtet man die einzelnen Straßenabschnitte, sind vor allem die folgenden
Straßen zumindest in Teilen betroffen: Brucknerstraße, Zülpicher Straße, Schu-
bertstraße, Kaufmannstraße, Jonas-Cahn-Straße, Nideggerstraße, Haydnstraße,
Händelstraße, Endenicher Allee, Rottenburgstraße, Endenicher Straße, Mozart-
straße, Herwarthstraße, Bachstraße, Beethovenplatz, Colmantstraße, Baum-
Bild 14: Parkraumnachfrage Anwohner - Weststadt - ohne öffentlich zugängliche
Stellplätze der Universität
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
19
18
17
16
15
14
13
12
11
10
9
8
7
6
3
Auslastung [%]
UhrzeitSeite 28 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
23Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
schulallee, Agrippinenstraße, Kreuzbergweg, Neefestraße, Meckenheimer Allee,
Wegelerstraße, Carl-Troll-Straße, Sebastianstraße, Wielstraße, Wielsgäßchen,
Kirschallee, Burggartenstraße, Nachtigallenweg und Wallfahrtsweg.
Die stärksten Überlastungen (mehr als 120 % Auslastung) wurden auf der Burg-
gartenstraße (121 %), der Endenicher Allee (123 %), der Haydnstraße (130 %),
der Kaufmannstraße (138 %) und dem Nachtigallenweg (200 %) festgestellt. Auf
dem Letztgenannten wurden neben 6 legal abgestellten Kfz noch 6 weitere illegal
parkende Kfz festgestellt.
Am Mittag, zwischen 11 und 13 Uhr wurden am wenigsten Parkstände durch An-
wohner belegt. Es wurden rund 1.800 Anwohner-Kfz festgestellt. Dies entspricht
einer prozentualen durchschnittlichen Gesamtauslastung von knapp 70 %.
 Beschäftigte
Dem Bild 15 ist die Tagesganglinie für die Parkraumauslastung durch die Nutzer-
gruppe der Beschäftigten zu entnehmen. Am Erhebungstag traten rund 700
Parkvorgänge durch Beschäftigte im Untersuchungsgebiet der Weststadt auf.
Dies entspricht einem Verkehrsaufkommen von 1.400 Kfz-Fahrten. Die durch-
schnittliche Parkdauer der Beschäftigten betrug 6 Stunden und 18 Minuten.
Die Beschäftigten fuhren zu einem Großteil zwischen 6 und 10 Uhr in das Unter-
suchungsgebiet ein. Ab 10 Uhr waren, bis in den frühen Nachmittag hinein, im-
mer durchschnittlich 16 bis 18 % der Parkstände durch Beschäftigtenparker be-
legt. Der größte Arbeitgeber im Untersuchungsgebiet ist die Universität. Aufgrund
der Corona-Pandemie waren die öffentlich zugänglichen Stellplätze der Universi-
tät jedoch weitestgehend unbesetzt und somit fand auch keine Verlagerung von
z.B. Studierenden-Kfz in die umliegenden Wohngebiete statt.
Bild 15: Parkraumnachfrage Beschäftigte - Weststadt gesamt
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
19
18
17
16
15
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13
12
11
10
9
8
7
6
3
Auslastung [%]
UhrzeitSeite 29 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
24Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Ein weiterer bedeutender Arbeitgeber ist das Finanzamt an der Bachstraße. Dort
stehen rund 110 private Stellplätze für die Mitarbeiter zur Verfügung. Das Ange-
bot scheint ausreichend zu sein, da die unbewirtschafteten Parkstände auf den
umliegenden Straßen keine Überlastung aufweisen. Es ist nicht zu erkennen,
dass Mitarbeiter in größerer Anzahl Parkstände in der Umgebung bzw. in den
angrenzenden Wohngebieten beanspruchen.
Viele Beschäftigtenparker konnten im Gewerbegebiet rund um die Jonas-Cahn-
Straße und die Hein-Möller-Straße festgestellt werden. Dort sind die Bürokomple-
xe der Firmen Eaton und iSATT ansässig. Kleinere Häufungen von Beschäftigten
-Kfz fanden sich auch auf der nordwestlichen Haydnstraße (Bürogebäude und
Radiologiezentrum im Josef-Haydn-Haus), Rheinbacher Straße (Grundschule
Michaelschule), Poppelsdorfer Allee (viele Büros, Institute und Kanzleien) und
auf allen Straßen rund um das Campusgelände (Sobottaweg, Wolfgang-Paul-
Allee, Nußallee, Katzenburgweg, Carl-Troll-Straße, Karlrobert-Kreiten-Straße und
Kekuléstraße). Abschließend können die Parker auf den umliegenden Straßen
nicht mit Sicherheit der einen oder anderen Einrichtung zugeordnet werden.
 Besucher / Kunden
Die Tagesganglinie für die Besucherparker ist dem Bild 16 zu entnehmen. Im
Rahmen der Parkraumerhebung wurden rund 1.900 Besucherparker mit einer
mittleren Parkdauer von 1 Stunde und 14 Minuten festgestellt. Unter Berücksich-
tigung von Kurzzeitparkvorgängen, die außerhalb der stündlichen Erhebungsrun-
den des Zählpersonals stattfanden, kann von rund 2.100 Besucherparkern aus-
gegangen werden, die 4.200 Kfz-Fahrten im Untersuchungsgebiet erzeugen.
Die Nutzergruppe der Besucher und Kunden belegt im Tagesverlauf rund 10 %
der Parkstände. Eher wenige Kurzzeitparker sind in den Wohngebieten zu finden
und auch im Bereich der Universität waren aufgrund der Corona-Pandemie kaum
Studierende anzutreffen. Vor allem bewirtschaftete Parkstände (Parkscheibe
Bild 16: Parkraumnachfrage Besucher - Weststadt gesamt
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
19
18
17
16
15
14
13
12
11
10
9
8
7
6
3
Auslastung [%]
UhrzeitSeite 30 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
25Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
oder Parkschein) wie auf dem Parkplatz am Rudolf-Stöcker-Weg, der Clemens-
August-Straße oder auf den Straßen rund um den Hauptbahnhof werden durch
Kurzzeitparker nachgefragt. Auch auf Straßen mit vielen Kleinstbetrieben, wie der
Poppelsdorfer Allee, der Endenicher Straße, der Baumschulallee, der Colmant-
straße und der Meckenheimer Allee waren gehäuft Kurzzeitparker festzustellen.
Die maximale Anzahl von abgestellten Besucher-Kfz wurde um 10 Uhr mit 340
Kfz festgestellt. Dadurch wurden 11 % des Parkraumes belegt. Über den Tag
verteilt waren meist zwischen 260 und 330 Besucher-Kfz im Untersuchungsge-
biet abgestellt.
5.3 Parkraumbilanz für einzelne Bereiche
 Verkehrszelle 1, Jonas-Cahn-Straße
Die Verkehrszelle 1 wird durch die Hein-Möller-Straße, die Nordseite der Endeni-
cher Straße und die Ostseite der Karlstraße begrenzt. In diesem Bereich liegen
neben den Bürokomplexen der Firmen Eaton und iSATT, dem Fachmarktzentrum
„Bushalle“ (u. a. Edeka, dm, Conrad) auch Wohnbebauung und ein kleineres Stu-
dentenwohnheim. Es überwiegt eine gewerbliche Bebauung. Dieses Areal ver-
fügt über 230 Parkstände, welche allesamt unbewirtschaftet sind. Nicht bei der
Parkraumerhebung erfasst wurden die öffentlich zugänglichen Stellplätze des
Fachmarktzentrums, welche mit einer Parkdauerbeschränkung von 2h bewirt-
schaftet werden.
In der nächtlichen Erhebung wurden 177 parkende Kfz und somit eine Auslas-
tung des Parkraums von 77 % festgestellt (siehe Bild 17). Durch die größeren
Gewerbebetriebe sind hier nachts noch ausreichend Parkapazitäten vorhanden.
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130
Auslastung der Parkstände in %
Anwohner Beschäftigte Besucher
Uhrzeit
03:00
06:00
07:00
08:00
09:00
10:00
11:00
12:00
13:00
14:00
15:00
16:00
17:00
18:00
19:00
Bild 17: Parkraumnachfrage Verkehrszelle 1Seite 31 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
26Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Ab 6 Uhr pendeln zunehmend Beschäftigte in dieses Gebiet ein und fragen freie
Parkstände nach. Zur Mittagszeit sind rund 30 % der Parkstände durch Beschäf-
tigte besetzt. Die maximal festgestellte Auslastung liegt mit 94 % um 10 Uhr vor.
Die Beschäftigten sind zu diesem Zeitpunkt weitestgehend angekommen, aber
noch nicht alle Anwohner haben ihre Wohnung für z.B. Einkäufe und Erledigun-
gen verlassen. Viele Besucher bzw. Kunden gibt es in diesem Bereich nicht (rund
10 % zur Mittagszeit und am Abend), da der Kundenparkplatz des Fachmarkt-
zentrums nicht überlastet ist. Freie Kapazitäten gibt es insbesondere im nördli-
chen Teil der Verkehrszelle (desolate städtebauliche Situation mit Rotlichtmilieu).
In der Verkehrszelle 1 gibt es im Mittel nur relativ geringe, örtlich festzumachende
Probleme in der Parkraumbelegung. Hohe Auslastungen konnten auf folgenden
Straßenabschnitten festgestellt werden:
Jonas-Cahn-Straße Süd
Durch unerlaubtes Parken auf dem Gehweg kommt es hier über den gesamten
Tag zu Überschreitungen der Parkraumkapazität. Im Maximum um 8 Uhr mit 7
illegal abgestellten Kfz (133 % Auslastung). Der Parkraum wird größtenteils
durch Anwohner nachgefragt, wodurch die einpendelnden Beschäftigten und die
wenigen Besucher / Kunden den Parkraum überlasten (siehe Anlage 3.1-1).
Nideggerstraße West
In der Nacht und bis Mittags kommt es auf diesem Straßenabschnitt zu Über-
schreitungen der Parkraumkapazität. Viele Beschäftigte der benachbarten Ge-
werbenutzungen fragen die Parkstände nach. Ab 14 Uhr geht die Auslastung
stark zurück (siehe Anlage 3.1-5).
 Verkehrszelle 2, Mozartstraße
Die Verkehrszelle 2 wird durch die Endenicher Straße, die Herwarthstraße, die
Bachstraße und den Wittelsbacherring begrenzt. Dieser Bereich wird durch die
gründerzeitlichen Wohngebäude geprägt. Daneben existieren das Finanzamt
„Bonn Außenstadt“, das Seniorenheim „Perthes Heim“, ein Kindergarten und eini-
ge Gastronomie– und Kleinstbetriebe. Dieses Areal verfügt über 290 Parkstände,
wovon 107 unbewirtschaftet, 18 mit Parkscheibenregelung und 158 Anwohner-
parkstände (davon 110 nur zwischen 16 und 9 Uhr) sind. Des Weiteren existieren
7 öffentlich zugängliche Stellplätze.
Das festgestellte Parkverhalten ist typisch für ein Mischgebiet aus Wohnnutzung
und Kleinstgewerbebetrieben. Die höchste Auslastung wurde in der Nacht mit
287 Kfz (97 % Auslastung) festgestellt (siehe Bild 18). Über den Tag verlassen
viele Anwohner ihr Wohngebiet und ein paar Beschäftigte und Besucher fragen
einen Parkstand nach. Zu jeder Tageszeit werden durch Anwohner mindestens
69 % des Parkraumes beansprucht. Durch Beschäftigte und Besucher liegt die
Auslastung in den Tagesstunden immer knapp unter der Vollauslastung. Ab 13
Uhr kommen die ersten Anwohner zurück und Beschäftigte verlassen allmählich
das Untersuchungsgebiet. Für Anwohner und Besucher ist es schwierig in den
nachmittäglichen Stunden einen freien Parkstand zu finden.Seite 32 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
27Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Der mittlere Umschlag je Parkstand beträgt rund 2,1 Pkw und die mittlere Park-
dauer im Zeitraum von 6 bis 19 Uhr liegt bei 5:46 h. Hierbei handelt es sich um
die längste festgestellte Parkdauer im Untersuchungsgebiet Weststadt, in Kombi-
nation mit einem geringen Umschlagswert je Parkstand. Dies spricht für die domi-
nierende Wohnnutzung in diesem Bereich.
Nennenswerte Auslastungen konnten vor allem auf dem Straßenabschnitt Ende-
nicher Straße (Wittelsbacherring - Herwarthstraße) festgestellt werden. Hier
kommt es vor allem am Nachmittag häufig zu kurzzeitigen Parkvorgängen in
zweiter Reihe, sodass maximal um 16 Uhr 6 illegal abgestellte Kfz dokumentiert
wurden. Dies mag an den Gastronomiebetrieben liegen, die kurzzeitig zum Abho-
len von Speisen aufgesucht werden.
Die geschlossene Randbebauung lässt eine Zugänglichkeit der Innenhöfe an we-
nigen Stellen zu. Ablesbar ist an der städtebaulichen Situation das Fehlen von
privaten Stellplatzanlagen.
Auf der Mozartstraße, der Bachstraße und der westlichen Herwarthstraße wur-
den nächtliche Parkraumüberlastungen von 4 % bis 6 % festgestellt, was ein bis
vier illegal abgestellten Kfz entspricht. Ein Grund für die nur geringe Überlastung
ist, dass die Gestaltung des Straßenraumes häufig kaum illegale Parkvorgänge
zulässt. Der öffentliche Straßenraum ist vollständig beparkt. Der Straßenraum
der Mozartstraße ist eng und wird von einer Baumallee begleitet. Zusätzlich gibt
es kaum Garageneinfahrten, welche andernorts häufig durch illegale Kfz zuge-
parkt werden. Ein Parken in der 2. Reihe kommt nicht in Frage, da dadurch die
gesamte Fahrbahn blockiert werden würde.
Bild 18: Parkraumnachfrage Verkehrszelle 2
Anwohner Beschäftigte Besucher
Uhrzeit
03:00
06:00
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Auslastung der Parkstände in %Seite 33 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
28Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
 Verkehrszelle 3, Hauptbahnhof Süd
Die Verkehrszelle 3 wird durch die Bahntrasse, die Poppelsdorfer Allee, die
Baumschulallee und die Südseite der Bachstraße begrenzt. Dieser Bereich wird,
typisch für ein bahnhofnahes Gebiet, durch Wohnnutzung (in vorwiegend Grün-
derzeitbebauung) und zahlreiche Kleinstbetriebe, Gastronomie- und Einzelhan-
delsgeschäfte in den Erdgeschossen geprägt. Außerdem ist das LVR-Landes-
museum hier ansässig.
Die Verkehrszelle 3 verfügt über 213 Parkstände, wovon 25 unbewirtschaftet, 55
mit Parkscheibenregelung, 53 kostenpflichtig und 80 Anwohnerparkstände
(davon 51 nur zwischen 16 und 9 Uhr) sind. Außerdem konnten 9 öffentlich zu-
gängliche Stellplätze vor Praxen festgestellt werden.
Das festgestellte Parkverhalten ist typisch für ein Gebiet mit wenigen unbewirt-
schafteten Parkständen. In der Nacht wurde die geringste Auslastung mit 82 %
festgestellt, da die Parkstände mit einer Bewirtschaftung ab 8 Uhr für viele An-
wohner nicht attraktiv sind (siehe Bild 19). Trotz der Bewirtschaftung werden
über den gesamten Tag mindestens 61 % der Parkstände durch Anwohner be-
legt. Ab 6 Uhr nehmen Beschäftigte und Besucher zu, die einen Parkstand in
Bahnhofsnähe nachfragen. Zu Parkraumüberlastungen kommt es kaum, jedoch
wird die Kapazitätsgrenze zwischen 9 und 16 Uhr häufig erreicht. Für Anwohner
ist es schwierig nach Feierabend einen wohnungsnahen Parkstand zu finden.
Die unbewirtschafteten Parkstände auf der Quantiusstraße (unmittelbar südlich
des Hauptbahnhofes) werden vermehrt von Kurzzeitparkern nachgefragt.
Bild 19: Parkraumnachfrage Verkehrszelle 3
Anwohner Beschäftigte Besucher
Uhrzeit
03:00
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Auslastung der Parkstände in %Seite 34 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
29Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Der mittlere Umschlag je Parkstand beträgt 2,91 Pkw und die mittlere Parkdauer
im Zeitraum von 6 bis 19 Uhr liegt bei 4:04 h. Hierbei handelt es sich um den
höchsten festgestellten Parkstandumschlag in Kombination mit der kürzesten
Parkdauer in der Weststadt. Dies ist typisch für ein Gebiet, in dem kaum unbe-
wirtschaftete Parkstände zur Verfügung stehen und viele Kleinstbetriebe, Gastro-
nomie– und Einzelhandelsgeschäfte ansässig sind. Eher wenige Kfz werden hier
über den gesamten Tag abgestellt. Parkstände werden eher für einen kurzen La-
denbesuch nachgefragt.
Punktuelle Überlastungen treten über das gesamte Gebiet immer mal wieder auf
und werden durch Besucher / Kunden verursacht. Die Parkstände auf der Baum-
schulallee werden vor allem am Nachmittag durch Kurzzeitparker überlastet, auf
der Quantiusstraße eher am Vormittag. Die Colmantstraße und Teile der Me-
ckenheimer Allee weisen annähernd über den gesamten Tag eine Überlastung
von 2 bis 15 % auf.
 Verkehrszelle 4, Richard-Wagner-Straße
Die Verkehrszelle 4 wird durch die Endenicher Straße, die Westseite des Wittels-
bacherring, die Nordseite der Endenicher Allee und die A565 begrenzt. Dieser
Bereich wird hauptsächlich durch Wohnnutzung geprägt. Daneben befinden sich
hier das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, zwei Grundschulen, ein Ärztehaus
und sehr vereinzelt kleinere Dienstleistungseinrichtungen und Kleinstbetriebe.
Zum Zeitpunkt der Erhebung im November 2020 verfügte dieses Areal über 721
Parkstände, die allesamt unbewirtschaftet waren. Es bestand jedoch bereits eine
Planung zur Einrichtung von ganztägigem Bewohnerparken (50 % der öffentli-
Anwohner Beschäftigte Besucher
Uhrzeit
03:00
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Auslastung der Parkstände in %
Bild 20: Parkraumnachfrage Verkehrszelle 4Seite 35 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
30Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
chen Parkstände) und einer Parkscheibenregelung (50 % der Parkstände) die im
Dezember 2020 in einem Gebiet umgesetzt werden sollte, welches mit Ausnah-
me der Brucknerstraße der hier beschriebenen Verkehrszelle 4 entspricht. Diese
Planung basierte auf zahlreichen Anregungen durch Bewohner, welche seit Jah-
ren über Parkdruck in diesem Gebiet klagen. Dieser sei durch die kostenpflichti-
gen Parkstände der Universität in den letzten Jahren noch verschärft worden.
Es ist erneut darauf hinzuweisen, dass die nachfolgende Auswertung zu einem
Zeitpunkt stattfand, zu dem die Universität pandemiebedingt weitestgehend ge-
schlossen war und kaum Studierende oder Universitätsbeschäftigte den Park-
raum zusätzlich belasteten.
Das festgestellte Parkverhalten ist typisch für ein Gebiet, das fast ausschließlich
durch Wohnnutzung geprägt ist. Die höchste Auslastung wurde in der Nacht mit
739 Kfz (102 % Auslastung) festgestellt (siehe Bild 20). Über den Tag verlassen
viele Anwohner ihr Wohngebiet und ein paar Beschäftigte und Besucher fragen
einen Parkstand im Untersuchungsgebiet nach, sodass die Auslastung am Tag
durchschnittlich um die 95 % liegt. Zu jeder Tageszeit werden durch Anwohner
mindestens 75 % des Parkraumes beansprucht. Um 15 Uhr wurde das Maximum
von 44 freien Parkständen festgestellt. Diese sind jedoch auf einer Fläche von
rund 26 Hektar zu finden, sodass es für Anwohner und Besucher äußerst schwie-
rig ist, freie Parkstände in Wohnungsnähe zu finden. Die Parkplatzsuche gestal-
tet sich somit auch ohne den Universitätsbetrieb sehr schwierig.
Der mittlere Umschlag je Parkstand beträgt 2,18 Pkw und die mittlere Parkdauer
im Zeitraum von 6 bis 19 Uhr liegt bei 5:42 h. Der Parkstandumschlag ist relativ
gering und deutet darauf hin, dass es sich um ein Wohngebiet handelt, indem
viele Parkstände über den Tag durch Anwohner dauerbelegt sind und die Kfz
nicht täglich bewegt werden.
Am stärksten überlastet ist im Untersuchungsgebiet die Kaufmannstraße. Sowohl
tagsüber als auch nachts werden hier konsequent Garageneinfahrten zugeparkt,
sodass auf dem Abschnitt zwischen Endenicher Straße und Schubertstraße
nachts rund 10 illegal abgestellte Kfz festgestellt wurden. Auch der südliche Ab-
schnitt der Haydnstraße und die Händelstraße waren über den gesamten Tag
überlastet. Des Weiteren wiesen die Zülpicher Straße, die Haydnstraße und die
Händelstraße nächtliche Überlastungen von 8 bis 18 % auf. Die Haydnstraße war
auf dem Abschnitt zwischen Endenicher Straße und Richard-Wagner-Straße laut
Parkraumerhebung stark überlastet. Allerdings war dort zu diesem Zeitpunkt eine
Baustelle eingerichtet, wodurch die Anzahl legaler Parkstände stark reduziert
war, jedoch haben Kfz dort trotzdem geparkt. Es ist zu vermuten, dass die Park-
stände trotz Halteverbot bei ruhender Baustelle belegt werden. Auf den Straßen
der Verkehrszelle 4 parken fast ausschließlich Anwohner. Beschäftigten- und Be-
sucherparker sind eher eine Ausnahme; nur auf der Wesendonckstraße, der
Haydnstraße, der Rheinbacher Straße und der Rottenburgstraße konnten diese
gehäuft festgestellt werden.Seite 36 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
31Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
 Verkehrszelle 5, Meckenheimer Allee
Die Verkehrszelle 5 wird durch die Südseite der Baumschulallee im Norden, die
Poppelsdorfer Allee, die Beringstraße, den Kreuzbergweg, die Beethovenstraße
und den Beethovenplatz begrenzt. Dieser Bereich wird hauptsächlich durch
Wohnnutzung geprägt. Daneben existieren zwei Kindergärten und eine Apothe-
ke. Die vielen freien Parkstände in der Nacht an der Poppelsdorfer Allee zeigen,
dass in der vorwiegend gründerzeitlichen Bebauung viele Praxen, Kanzleien und
Büros ansässig sind.
Die Verkehrszelle 5 verfügt über 393 Parkstände, wovon 84 unbewirtschaftet, 37
mit Parkscheibenregelung und 272 Anwohnerparkstände (davon 163 nur zwi-
schen 16 und 9 Uhr) sind. Außerdem konnten 2 öffentlich zugängliche Stellplätze
am Beethovenplatz festgestellt werden.
Das festgestellte Parkverhalten ist typisch für ein Wohngebiet mit integrierter Ge-
werbenutzung. Die höchste Auslastung wurde in der Nacht mit 389 Kfz (98 %
Auslastung) festgestellt (siehe Bild 21). Über den Tag verlassen einige Anwoh-
ner ihr Wohngebiet und Beschäftigte und Besucher fragen Parkstände nach. Zu
jeder Tageszeit werden durch Anwohner mindestens 68 % des Parkraumes be-
ansprucht. Durch die hinzu kommenden Beschäftigten- und Besucherfahrzeuge
liegt die Auslastung in den Tagesstunden zwischen 89 % und 97 %. Vor allem
gegen Nachtmittag konnte noch rund 10 % freie Parkraumkapazität festgestellt
werden. Für Anwohner stehen somit nach Feierabend noch freie Parkstände zur
Verfügung. Diese befinden sich jedoch nicht unbedingt in Wohnungsnähe,
wodurch der Parkdruck von Anwohnern als hoch wahrgenommen wird.
Anwohner Beschäftigte Besucher
Uhrzeit
03:00
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Auslastung der Parkstände in %
Bild 21: Parkraumnachfrage Verkehrszelle 5Seite 37 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
32Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Der mittlere Umschlag je Parkstand beträgt 2,4 Pkw und die mittlere Parkdauer
im Zeitraum von 6 bis 19 Uhr liegt bei 4:58 h in der Untersuchungszeit von 14 h.
Im Untersuchungsgebiet liegen teilweise Probleme mit der Parkraumauslastung
vor. Am Beethovenplatz und auf der Meckenheimer Allee (Poppelsdorfer Allee -
Beethovenstraße) kommt es in der Nacht und bis in den Vormittag hinein zu
Überlastungen des Parkraumes von 3 bis 16 %. Auf der Agrippinenstraße, dem
Kreuzbergweg und der Neefestraße kommt es nachts und in den Abendstunden
zu leichten Überlastungen, wenn die Anwohner einen Großteil des Parkraumes
beanspruchen. Außer auf der Poppelsdorfer Allee werden die Parkstände in der
gesamten Verkehrszelle 5 fast ausschließlich von Anwohnern nachgefragt.
Poppelsdorfer Allee
Die Poppelsdorfer Allee weist Besonderheiten im Parkverhalten auf und soll hier
gesondert ausgewertet werden. Die Nutzungen in der Gründerzeitbebauung sind
vielfältig. Neben Wohnbevölkerung sind hier Institute, Architekturbüros, Rechts-
anwaltskanzleien, ein Waldorf-Kindergarten und viele andere Nutzer ansässig.
39 Straßenrandparkplätze stehen von 16 bis 9 Uhr nur den Bewohnern zur Verfü-
gung. 13 weitere Parkstände sind über eine Parkscheibenregelung bewirtschaf-
tet. Am Tag der Erhebung im November 2020 wurde eine niedrige Auslastung
festgestellt. Offensichtlich zeigte der pandemiebedingte Lockdown nicht nur Aus-
wirkungen bei den Universitätsangestellten und Studierenden, sondern auch bei
den Mitarbeitern der an der Poppelsdorfer Allee ansässigen Institute und Büros
(Homeoffice). Zu keinem Zeitpunkt konnte hier ein ausgelasteter Straßenraum
festgestellt werden.
 Verkehrszelle 6, Universität
Die Verkehrszelle 6 wird durch die Endenicher Allee, die Wegelerstraße, die
Wolfgang-Paul-Allee, die Meckenheimer Allee, die Nordseite der Kekuléstraße,
die Carl-Troll-Straße, die Nordseite der Sebastianstraße und die A565 begrenzt.
Dieser Bereich wird in erster Linie durch die Gebäude der Universität (Campus
Poppelsdorf) geprägt. Neben wenigen Wohngebäuden, umfasst das Gebiet auch
das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium.
Die Verkehrszelle ist dahingehend besonders, dass sie neben Parkständen im
öffentlichen Straßenraum auch die öffentlich zugänglichen kostenpflichtigen pri-
vaten Stellplätze auf den universitätseigenen Straßen umfasst. Im Folgenden soll
die Verkehrszelle 6 nach diesen beiden Bereichen getrennt ausgewertet werden.
Öffentlich zugängliches Privatgelände der Universität
Das Privatgelände der Universität, welches Fremdparkern kostenpflichtige Park-
stände zur Verfügung stellt, umfasst die Nußallee, den Sobottaweg, die Wolfgang
-Paul-Allee, die abgesetzten Parkplätze an der Wegelerstraße und der Carl-Troll-
Straße, einen Teil der Campusallee (bis zur Schranke) und den nördlichen Teil
des Katzenburgweges. In Summe stehen hier 336 kostenpflichtige ParkständeSeite 38 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
33Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
zur Verfügung. Darin sind nicht die privaten Stellplätze der Universität berück-
sichtigt, welche sich beispielsweise hinter Schrankenanlagen befinden.
Genutzt werden können diese Parkstände mit einem Dauerparkausweis, einem
Tagesparkausweis oder einem gebührenpflichtigen Automatenticket. Für die Nut-
zung eines Dauerparkausweis sind folgende Personen berechtigt:
 Hochschullehrer,
 Lehrbeauftragte,
 immatrikulierte Studierende und registrierte bzw. immatrikulierte Doktoranden,
 Beschäftigte der Universität angegliederten Fremdinstituten sowie Personen
die regelmäßig Arbeitsleistungen für die Universität erbringen. Die Kosten be-
laufen sich auf 18 € pro Monat.
Personen, die zur Beantragung eines Dauerparkausweises berechtigt sind, sowie
Gäste von Hochschuleinrichtungen und –veranstaltungen können auch einen Ta-
gesparkausweis für 1,20 € beantragen.
Die öffentlich zugänglichen Stellplätze der Universität können des Weiteren durch
die Allgemeinheit mittels eines Automatentickets genutzt werden. Die Kosten be-
laufen sich auf 1 €/h, jedoch auf maximal 7 € pro Tag. Zusätzlich gibt es einen
Sondertarif (gelbe Taste) für die Nacht bzw. das Wochenende, wodurch Anwoh-
ner die Möglichkeit haben, über Nacht oder am Wochenende für 1,20 € einen
Parkstand zu nutzen. Diese Konditionen gelten Mo - Do zwischen 18:30 und 7
Uhr, Freitags zwischen 17 und 7 Uhr sowie am Wochenende von 7 bis 7 Uhr des
Folgetages.
Das Bild 22 zeigt die Auslastung auf den öffentlich zugänglichen Stellplätzen der
Universität am Untersuchungstag im November 2020. Das Parkverhalten zeigt
deutlich, dass die Stellplätze, vermutlich bedingt durch die Pandemie, nicht stark
ausgelastet waren (maximal 54 % um 10 Uhr). Es parkten, wie zu erwarten, über-
wiegend Beschäftigte und nur wenige Kurzzeitparker wie z.B. Studierende in die-
sem Bereich. Der mittlere Umschlag je Stellplatz lag bei 0,91 was deutlich zeigt,
dass zum Zeitpunkt der Erhebung kein Parkdruck herrschte. Insgesamt wurden
306 Parkvorgänge festgestellt die im Mittel eine Parkdauer von 4:29 h aufwiesen.
Die Beschäftigten stellten ihr Kfz im Durchschnitt für knapp 7 h ab.
Im November 2021, ein Jahr später, bestand an der Universität ein weitgehender
Normalbetrieb. Insbesondere in den Vormittagsstunden war die Auslastung deut-
lich höher als 2020, ohne dass eine allgemeine Überlastung bestand. Die Park-
stände in der Nußallee waren zu 77 % belegt (2020: 48%). In der Wolfgang-Paul-
Allee wurde die Auslastung mit 85 % festgestellt (2020: 54 %). Auch in den Mit-
tags– und Nachmittagsstunden war die Parkraumnachfrage nur so hoch, dass
durchschnittlich 20 % bis 30 % der bewirtschafteten Kapazitäten unbelegt blie-
ben. Besucher der Universität konnten zu jeder Tageszeit einen freien
(bewirtschafteten) Parkstand finden.Seite 39 von 169
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34Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Anwohner Beschäftigte Besucher
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Bild 22: Parkraumnachfrage Verkehrszelle 6 - Öffentlich zugängliches Privatge-
lände der Universität
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Auslastung der Parkstände in %
Anwohner Beschäftigte Besucher
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Bild 23: Parkraumnachfrage Verkehrszelle 6 - Öffentlicher Straßenraum
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Auslastung der Parkstände in %Seite 40 von 169
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35Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Öffentlicher Straßenraum
Der öffentliche Straßenraum der Verkehrszelle 6 umfasst die universitätsnahen
Straßen Endenicher Allee, Wegelerstraße, den südlichen Teil des Katzenburg-
weges, den Wiesenweg, die Carl-Troll-Straße und die Karlrobert-Kreiten-
Straße. In Summe stehen hier 315 öffentliche Parkstände zur Verfügung, wovon
288 unbewirtschaftet sind. Neben 5 Bewohnerparkständen existieren noch 22
kostenpflichtige Parkstände, die jedoch nicht durch die Universität bewirtschaf-
tet werden.
Dem Bild 23 ist zu entnehmen, dass der Großteil des Parkraumes (2020) durch
Bewohner belegt wird, im Durchschnitt zu jeder Tageszeit zu mindestens 62 %.
Auch Beschäftigten und Besucher-Kfz sind hier in geringer Menge zu finden.
Auffällig ist die eher geringe durchschnittliche nächtliche Auslastung von 86 %.
Dies ist bedingt durch die nicht angewohnten Straßenabschnitte des Katzen-
burgweges und der Carl-Troll-Straße. Die dortigen Parkstände werden eher we-
niger von Anwohnern nachgefragt, da sie unmittelbar vor den Universitätsge-
bäuden liegen. Die restlichen, durch Wohnnutzung geprägten Straßen
(Wegelerstraße, Endenicher Allee, südliche Carl-Troll-Straße und Wiesenweg),
zeigen starke Auslastungen und teilweise Überlastungen in der Parkraumnach-
frage auf.
Der durchschnittliche Umschlag je Parkstand lag im November 2020 bei 2,03
Kfz und im Mittel werden die Kfz für 5:35 h abgestellt. Der geringe Umschlag je
Parkstand zeigt, dass die Anwohner Kfz kaum bewegt werden, was wiederrum
ein Indikator dafür sein kann, dass aufgrund der guten Infrastruktur viele Wege
zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV erledigt werden.
Im November 2021 wurde in den unbewirtschafteten Straßenräumen nahe der
Universität eine deutlich höhere Parkraumauslastung festgestellt. Die Parkstän-
de in der Wegelerstaße waren überfüllt (104 %), ebenso in der Karlrobert-
Kreiten-Straße (102 %). In diesen und anderen Straßenräumen wurde jedoch
auch 2020 bereits eine hohe Auslastung (insbesondere durch die Anwohnerpar-
ker) festgestellt. Für die Überlastungserscheinungen 2021 sind somit die Stu-
denten und Universitätsmitarbeiter verantwortlich.Seite 41 von 169
Anwohner Beschäftigte Besucher
Uhrzeit
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Auslastung der Parkstände in %
Bild 24: Parkraumnachfrage Verkehrszelle 7
 Verkehrszelle 7, Zentrum Poppelsdorf
Die südlichste Verkehrszelle 7 wird durch die Straßen Am Botanischen Garten,
Kirschallee, Rehfuesstraße, Burggartenstraße, Trierer Straße, Servitenweg, Se-
bastianstraße, die Ostseite der Carl-Troll-Straße, Kekuléstraße und Clemens-
August-Straße begrenzt. Bei diesem Bereich handelt es sich um ein Mischgebiet,
welches neben Wohnbebauung auch ein Pflegeheim, einen Kindergarten, eine
Grundschule und zahlreiche Dienstleistungs–, Gastronomie- und Einzelhandels-
einrichtungen umfasst. Am Poppelsdorfer Platz liegt durch sein vielfältiges und
dichtes Angebot an Dienstleistungs– und Versorgungseinrichtungen gekenn-
zeichnete Nebenzentrum
In diesem Bereich stehen einige Stellplätze für Kunden der Einzelhandelseinrich-
tungen zur Verfügung. Neben 15 Parkständen, welche mit einer Parkscheibenre-
gelung bewirtschaftet werden (Sternenburgstraße und Burggartenstraße), existie-
ren noch der kostenpflichtige Parkplatz am Rudolf-Stöcker-Weg mit 31 Parkstän-
den und 5 weitere kostenpflichtige Parkstände am östlichen Ende der Sebastian-
straße. Insgesamt verfügt Verkehrszelle 7 über 500 Parkstände, wovon 404 un-
bewirtschaftet, 35 mit einer Parkscheibenregelung und 61 kostenpflichtig sind.
Anwohnerparkstände existieren hier nicht.
Der Parkraum ist über den gesamten Tag zwischen 87 % und 97 % ausgelastet
(siehe Bild 24). Die nächtliche Auslastung von durchschnittlich 93 % lässt darauf
schließen, dass das Anwohnerparkbedürfnis weitestgehend erfüllt wird. Tagsüber
verlassen viele Anwohner das Untersuchungsgebiet, belegen aber durchgehend
mindestens 64 % des Parkraumes. Der Rest wird in etwa zu gleichen Teilen von
Beschäftigten und Kunden/Besuchern belegt.Seite 42 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
37Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Der mittlere Umschlag je Parkstand wurde mit 2,67 Pkw und die mittlere Park-
dauer im Zeitraum von 6 bis 19 Uhr mit 4:19 h festgestellt. Beide Werte lassen
darauf schließen, dass es sich um ein Gebiet handelt, indem viele Kunden einen
Parkstand für die kurze Zeit einer Erledigung nachfragen. Parkstände werden
hier häufiger gewechselt als in einem reinen Wohngebiet.
Auch wenn die Verkehrszelle 7 im Durchschnitt nicht überlastet ist, kommt es auf
bestimmten Straßenabschnitten zu leichten bis stärkeren Überlastungen des
Parkraumes. Die Sebastianstraße wird im Westen von sehr vielen Anwohnern
nachgefragt und weist nachts eine Überlastung von 13 % auf, am Nachmittag
sogar von 17 %. Auch die kostenpflichtigen Parkstände am östlichen Ende sind
in den morgendlichen und vormittäglichen Stunden leicht überlastet. Die Kekulé-
straße, die Kirschallee, die Wielstraße, Wallfahrtsweg und die Burggartenstraße
sind nachts bzw. tagsüber immer mal wieder leicht überlastet.
Besonders stark überlastet ist der Nachtigallenweg. Neben 6 besetzten legalen
Parkständen konnten dort zu jeder Tageszeit 2 bis 6 illegal abgestellte Fahrzeu-
ge festgestellt werden. Zu Beginn der Sackgasse steht ein absolutes Haltever-
botszeichen. Die Parkregelung, dass das Halteverbotszeichen in Sackgassen auf
beiden Seiten gilt, ist kaum jemandem bekannt. So kommt es, dass auf der, in
die Sackgasse blickend, linken Fahrbahnseite konsequent auf der Fahrbahn ge-
parkt wird.
5.4 Parksuchverkehr
Parksucherverkehr entsteht vor allem in den Morgenstunden durch Beschäftigte,
die bereit sind für einen unbewirtschafteten Parkstand einen längeren Fußweg in
Kauf zu nehmen und am Nachmittag durch Anwohner, die einen Parkstand in
Wohnungsnähe nachfragen. Anwohner sind empfindlich, wenn es um die Entfer-
nung des Parkstandes zur Wohnung geht. Wie die Analysen gezeigt haben, wird
der Pkw in den Wohngebieten eher illegal abstellt, anstatt weiter entfernt nach
einem freien Parkstand zu suchen. Vor allem wenn die Besitzer am nächsten
Morgen wieder früh zur Arbeit aufbrechen, wird das Risiko für einen Strafzettel
meist als sehr gering eingeschätzt und eingegangen.
Die Parkstände der Verkehrszelle 1 werden besonders viel durch Beschäftigte
nachgefragt. Da jedoch ausreichende Möglichkeiten zur Verfügung stehen, ist
hier nicht mit viel Parksuchverkehr zu rechnen. Dieser entsteht eher dort, wo oh-
nehin durch viele Anwohnerparker Parkdruck herrscht. Anhäufungen von Be-
schäftigenparkern konnten auf den Straße rund um die Universität, auf dem Wit-
telsbacherring (Endenicher Straße - Rottenburgstraße), der Baumschulallee
(Meckenheimer Allee - Poppelsdorfer Allee), der Meckenheimer Allee
(Bachstraße - Colmantstraße), der Rheinbacher Straße, der Haydnstraße
(Richard-Wagner-Str. - Endenicher Straße), der Poppelsdorfer Allee und auf dem
Nachtigallenweg erkannt werden.
In den Wohnstraßen stehen viele unbewirtschaftete Parkstände zur Verfügung
und durch abfahrende Anwohner-Kfz am Morgen entstehen hier freie Parkraum-Seite 43 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
38Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
kapazitäten die vermehrt durch Beschäftigte genutzt werden. Wo diese beschäf-
tigt sind, war durch die Parkraumerhebung nicht zu ermitteln.
Widererwartens haben die Analysen auch ergeben, dass die kostenpflichtigen
Parkstände entlang der nördlichen Meckenheimer Allee verstärkt durch Beschäf-
tigte genutzt werden. Dies ist ungewöhnlich, da die Beschäftigten dort im Mittel
6:37 h parken und dadurch, vor allem bei täglichem Gebrauch, hohe Parkkosten
zusammen kommen. Es kann nur vermutet werden, dass durch die umliegenden
Arbeitgeber keine ausreichende Anzahl an Beschäftigtenstellplätzen zur Verfü-
gung gestellt werden und die Beschäftigten aus Mangel an Alternativen dort par-
ken. Ob es eventuell Absprachen mit dem jeweiligen Arbeitgeber zur Übernahme
der Parkkosten gibt ist nicht bekannt. Auch muss vermutet werden, dass keine
ausreichenden Kontrollen stattfinden, die dieses Langzeitparken verhindern.
5.5 Fazit der Parkraumanalyse
Das Untersuchungsgebiet der Bonner Weststadt ist in großen Teilen durch seine
dichte Wohnnutzung geprägt. Nördlich des Straßenzuges Wittelsbacherring -
Beethovenplatz - Beethovenstraße liegt vornehmlich eine gründerzeitliche und
somit engere Bebauung vor. Im Bereich des Hauptbahnhofes und der Clemens-
August-Straße liegen mehrfach Einzelhandelsgeschäfte, Gastronomiebetriebe
und Gewerbebetriebe vor. Entlang der Endenicher Straße und am Poppelsdorfer
Platz stehen die wichtigsten Nahversorgungseinrichtungen zur Verfügung. Als
wesentliche und prägende Sondernutzung wirkt der Campus Poppelsdorf der
Bonner Universität. Dieser ist städtebaulich prägend, durch seine Nutzung mit
einer Vielzahl von Beschäftigten und Studenten aber auch in Bezug auf die ent-
stehende Mobilität von großem Einfluss auf den Verkehr in der Bonner West-
stadt.
Der öffentliche Parkraum im Untersuchungsgebiet verfügt über 2.662 Parkstän-
de. Hinzu kommen 354 öffentlich zugängliche Stellplätze, die größtenteils auf den
Privatflächen der Universität zu finden sind. Die öffentlichen Parkstände werden
zu einem großen Teil von Bewohnern nachgefragt. Über den Tag verteilt, waren
am Erhebungstag immer mindestens durchschnittlich 67 % (rund 1.800 Kfz) der
Parkstände durch Bewohner belegt (Betrachtung ohne öffentlich zugängliche
Stellplätze der Universität). Rund 1.100 Kfz wurden über den gesamten Tag nicht
bewegt, was dazu führte, dass rund 41 % des öffentlichen Parkraumes der Allge-
meinheit zu keinem Zeitpunkt zur Verfügung stand.
Die Parkraumnachfrageerhebung hat ergeben, dass zur Tageszeit, zwischen 8
und 19 Uhr, durchschnittlich knapp 10 % (250 - 300) der Parkstände theoretisch
frei standen. Durch das individuelle Parkverhalten, (enges Parken bzw. große
Lücken zwischen den Kfz) kann diese Anzahl, vor allem in der Wahrnehmung
eines Parkstandsuchenden, stark variieren. Auch ist es fraglich, ob in einem gro-
ßen Gebiet diese Parkstände durch Suchende gefunden werden, bzw. der Park-
stand sich in der Nähe des Zielortes befindet. Vor allem am Nachmittag, wenn
Bewohner vermehrt nach Hause zurückkehren, kommt es zu Konfliktsituationen
mit den über den Tag eingetroffenen Beschäftigten– und Besucherparkern.Seite 44 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
39Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
In der Nacht konnte eine durchschnittliche Auslastung des öffentlichen Parkrau-
mes von 94 % festgestellt werden. Im Bereich des Hauptbahnhofes, der Clemens
-August-Straße und der Hein-Möller-Straße, also dort wo viele Gewerbebetriebe
und Einzelhändler ansässig sind, liegen nachts die größten freien Parkraumkapa-
zitäten vor. Umgekehrt ist der nächtliche Parkraum in allen durch dichte Wohn-
nutzung geprägten Straßen nahezu vollkommen ausgelastet bzw. sogar überlas-
tet, sodass auf nicht zum Parken freigegebenen Flächen geparkt wird.
Die Analyse der privaten Stellplätze und der zugelassenen Kfz im Untersu-
chungsgebiet hat ergeben, dass in etwa gleich viele private Stellplätze wie zuge-
lassene Kfz existieren (jeweils rund 3.500). Unter den privaten Stellplätzen sind
allerdings auch solche, die ausschließlich Mitarbeitern wie z.B. der Universität
oder dem Finanzamt oder Hotelgästen zur Verfügung stehen. Diese Stellplätze
werden auf eine Größenordnung von rund 600 Stück geschätzt und stehen den
Anwohnern in der Nacht nicht zur Verfügung. Es ergibt sich ein Parkraumdefizit
im privaten Bereich von rund 600 Stellplätzen. Die nächtliche Parkraumerhebung
hat rund 2.500 parkende Kfz im öffentlichen Raum erfasst. Da im Untersuchungs-
gebiet rund 3.500 Kfz zugelassen sind, dürften bei Vollauslastung der privaten
Stellplätze nur 600 Kfz im öffentlichen Parkraum festzustellen sein. Da jedoch mit
2.500 Kfz mehr als viermal so viele Kfz in der Nacht im öffentlichen Raum festge-
stellt wurden, scheint hier ein erhebliches Verlagerungspotential vorzuliegen. An-
zumerken ist, dass die Anzahl der privaten Stellplätze meistens nicht einsehbar
war und über Luftbilder abgeschätzt wurde.
Für die Bewohner des Untersuchungsgebietes ist festzustellen, dass trotz ver-
mutlicher Reserven im privaten Bereich ein grundsätzlicher Mangel an Parkraum
besteht. Durch die gründerzeitliche Bebauung aus der Jahrhundertwende vom
19. zum 20. Jahrhundert sind kaum Stellplätze oder Garagen in den Innenhöfen
vorhanden, da dies damals keine Rolle spielte. Tiefgaragen sind meist nur bei
Neubauten zu finden. Es sind keine größeren Parkplatzanlagen vorhanden. So-
mit sind die Bewohner auf den Parkraum des öffentlichen Straßenraumes ange-
wiesen, wenn sie ein Fahrzeug halten bzw. nutzen möchten.
Dabei sind die Voraussetzungen zum Verzicht auf das eigene Auto in der Bonner
Weststadt sehr gut. Die funktionierenden Nebenzentren an der Endenicher Stra-
ße und dem Poppelsdorfer Platz bieten ein gutes Nahversorgungsangebot in
zentraler Lage und sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut erreichbar. Auch meh-
rere Kindergärten, zwei Grundschulen und ein Gymnasium sind im Untersu-
chungsgebiet vorhanden.
Zahlreiche Buslinien bieten Verbindungen u.a. zum Hauptbahnhof und in die
Bonner Innenstadt. Mit dem Fahrrad ist man schnell am Hauptbahnhof und es
lassen sich wesentliche Bereiche des Stadtgebietes erreichen. Auch die Regio-
nalverbindungen sind ohne eigenes Auto leistbar. Prinzipiell kann für viele Fahrt-
zwecke auf ein eigenes Auto verzichtet werden und für die seltene Erfordernis
gibt es in der Bundesstadt Bonn Sharing-Angebote.Seite 45 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
40Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Dennoch gibt es Erfordernisse oder auch private bzw. berufliche Zwänge über
ein eigenes Auto zu verfügen, nur eben nicht ausreichend Parkraum in der Bon-
ner Weststadt. Die große Anzahl der Fahrzeuge, die an den Erhebungstagen
nicht bewegt worden sind (1.100 Pkw) zeigt, dass die Bewohner durchaus bereit
sind, alternative Verkehrsmittel auf ihren täglichen Wegen nutzen. Der Autobesitz
und das Langzeitparken im öffentlichen Raum führt jedoch dazu, dass 41 % des
Parkraums durch diese Fahrzeuge belegt ist. Quartiersgaragen, in denen Privat-
fahrzeuge auch über längere Zeiten eingestellt werden können, sind in der West-
stadt bis auf die Wesendonck-Garagen, nicht vorhanden.
Die Erhebung im November 2020 hat gezeigt, dass bereits ohne den Unibetrieb
ein Parkraumdefizit in der Weststadt vorliegt. Bürgerbeiträgen, welche die Stadt
Bonn erreicht haben, ist zu entnehmen, dass die Ansiedlung des Campus Pop-
pelsdorf und die 2018 erfolgte Bewirtschaftung der universitätseigenen Stellplät-
ze, den Parkdruck noch erhöht hat. Die Nacherhebung im November 2021 konn-
te diesen höheren Parkdruck grundsätzlich nachweisen. Die Bewirtschaftung der
Universitätsparkplätze war mit dem Ziel verbunden, das Mobilitätsverhalten der
Mitarbeitende und Studierenden zu beeinflussen und den motorisierten Individu-
alverkehr auf den Flächen der Universität zu reduzieren. Dies ist sicherlich gelun-
gen und hat zur Folge, dass Besucher und Gäste der Universität nunmehr prob-
lemlos freie (bewirtschaftete) Parkplätze finden. Allerdings hat sich der Parkdruck
in den umliegenden Wohngebieten durch Verdrängungseffekte auch verstärkt.
Die Konflikte zwischen Bewohnern und Beschäftigten bzw. Studierenden der Uni-
versität sind in Zukunft zu mindern. Entsprechend ist auch der öffentliche Park-
raum in den Straßen im Umfeld des Campus Poppelsdorf zu bewirtschaften und
mit einer Bewohnerparkbevorrechtigung auszustatten.
Für die Besucher der Bewohner bzw. Kunden der Geschäfte sind bewirtschafte-
te, gebührenpflichtige Parkstände für das Kurzzeitparken anzustreben. Eventuell
sind für die Besucher Tagestickets anzubieten, um unter anderem längere Besu-
che der Bewohner zu ermöglichen. Eventuell sind für die Besucher auch Tagesti-
ckets anzubieten, um längere Besuche der Bewohner zu ermöglichen.
Im Untersuchungsgebiet konnte kein Mangel an Stellplätzen für Beschäftigte
festgestellt werden. Im Gegenteil: Langzeitparkende Beschäftigte belegen wert-
vollen Parkraum, der Kurzzeitparkern zur Verfügung gestellt werden könnte. Für
langzeitparkende Beschäftigte, sollte es im öffentlichen Straßenraum der Wohn-
gebiete der Weststadt grundsätzlich keinen Parkraum geben. Der Parkraumbe-
darf von Beschäftigten muss in Wohnquartieren grundsätzlich auf Firmenstellplät-
zen oder auf angemieteten Stellplätzen gedeckt werden. Durch betriebliches Mo-
bilitätsmanagement können Unternehmen den durch ihren Betrieb verursachten
Verkehr minimieren. Für Beschäftigte kommt am ehesten ein Weshsel auf andere
Verkehrsmittel (Pedelec, E-Bike) oder den öffentlichen Personennahverkehr
(ÖPNV) in Frage.Seite 46 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
41Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
6 Elemente eines Parkraumkonzeptes
6.1 Ziele und Strategien
Steigende Kfz-Zulassungszahlen und größere Fahrzeugtypen führen dazu, dass
in den verdichteten Stadtquartieren die Parkprobleme immer größer werden. Dies
gilt auch für die Bonner Weststadt, die noch eine vergleichsweise geringe Pkw-
Dichte aufweist, allerdings aufgrund der Bebauungsstruktur auch nur ein ver-
gleichsweise niedriges privates Stellplatzangebot besitzt. Mit Hilfe der vorliegen-
den Parkraumuntersuchung kann für den überwiegenden Teil der Bonner West-
stadt ein bestehender Parkdruck nachgewiesen werden, der die zwingende Vo-
raussetzung für die Einführung einer Bewirtschaftung von öffentlichen Parkstän-
den in Form von Bewohnerparken ist.
Das Oberziel eines Parkraumkonzeptes liegt darin, die Lebensqualität in den
Quartieren zu erhöhen. Dazu zählen:
 Reduzierung des Parkdrucks und des damit zusammenhängenden Parksuch-
verkehrs,
 Sicherung von öffentlichem Parkraum für das Bewohnerparken gegenüber
dem Fremdparken, insbesondere langzeitparkenden Beschäftigten (und Stu-
denten),
 Sicherung von Gehwegen und Überquerungsstellen für die Nutzbarkeit durch
Passanten, insbesondere auch mobilitätseingeschränkten Personengruppen
(z.B. Rollatorenbenutzer) und Familien (Kinderwagen) und Verhinderung des
Parkens an diesen empfindlichen Stellen,
 Wiedergewinnung von Freiräumen für den Aufenthalt, Gastronomieflächen
und das Kinderspiel in den Straßenräumen,
 Schaffung von Potentialflächen für das Fahrradparken sowie für Car-Sharing
und Mobilstationen und somit Alternativen zum individuellen Kfz,
 Beeinflussung des Mobilitätsverhaltens im Stadtverkehr, insbesondere im Be-
schäftigten– und Ausbildungsverkehr.
Die dann zu verfolgende Strategie des Parkraummanagements berücksichtigt die
folgenden Elemente:
 Priorität für Bewohner durch Bewohnerparkquartiere,
 Sicherung des Liefer– und Wirtschaftsverkehrs,
 Sicherung des Besucherparkens,
 aber: Keine vollständige Abdeckung des theoretischen Parkraumbedarfs.
 Verhinderung des gebietsfremden Langzeitparkens.Seite 47 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
42Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Die Steuerung des ruhenden Verkehrs erfolgt über 5 Stellschrauben:
 Durch die Steuerung des Parkraumangebotes in Hinblick auf die Menge,
Zugänglichkeit und Kosten können das Parkverhalten, der Parksuchverkehr
sowie die Verkehrsnachfrage und das Verkehrsverhalten beeinflusst werden.
 Das Konzept wird insbesondere auf die Nutzergruppe der Bewohner abge-
stellt, die bevorzugt behandelt werden.
 Über die Beschränkung der Parkdauer lassen sich Langzeitparkplätze in
Kurzzeitparkplätze umwandeln und das Beschäftigtenparken weitgehend aus-
schließen.
 Mit Hilfe von Parkgebühren, wird auch das Besucherparken weitgehend auf
den qualifizierten Bedarf des Wohnquartiers beschränkt.
 Eine effektive Überwachung des Parkraummanagements ist notwendig,
genauso wie die konsequente Ahndung von Verstößen, um die Parkregelun-
gen durchzusetzen.
6.2 Überprüfung Parkraumangebot
Grundsätzlich ist vor der Umsetzung eines Parkraummanagementkonzeptes die
Größe des zukünftigen Parkraumangebotes zu überprüfen. Dabei ist insbesonde-
re festzulegen, in welchen Bereichen das (teilweise) Beparken von Gehwegen
noch zugelassen werden kann. Die richtlinienkonforme Gehwegbreite beträgt
2,50 m (Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen, RASt 06). Das absolute Min-
destmaß, das den Fußgängern zur Verfügung zwingend zur Verfügung stehen
muss ist eine nutzbare Breite von 1,50 m. Diese Mindestbreite ist für das Begeg-
nen zweier Personen erforderlich. Das Führen von Kindern, Rollatoren und Kin-
derwagen sowie Rollstühlen erfordert größere Breiten. Eine Richtungsänderung
mit einem Rollstuhl benötigt eine Breite von 1,50 m.
Angelehnt an die verkehrstechnischen Richtlinien hat die Stadt Bonn Mindest-
gehwegbreiten definiert. Diese gelten insbesondere bei hohem Parkdruck, wenn
auch das Gehwegparken zugelassen wird. Vor der Zulassung des Parkens auf
den Gehwegen sind die Belange der Fußgänger zu prüfen. Grundsätzlich ist in
der Stadt Bonn eine Mindestgehwegbreite von 1,50 m sicherzustellen. In beson-
ders stark frequentierten Bereichen wird ein Mindestmaß von 1,80 m angesetzt.
Vor der Anpassung der Parkraumbewirtschaftung sind die Straßenräume in Hin-
blick auf die nutzbaren Gehwegbreiten zu prüfen. Auch Eckausrundungen und
sonstige Querungsstellen für Fußgänger sind vom ruhenden Verkehr freizuhal-
ten. In der vorliegenden Untersuchung konnte dieser Arbeitsschritt nicht durchge-
führt werden.
Entsprechend dem erforderlichen Mindestmaß von 1,50 m ist festzulegen, in wel-
chen Bereichen das Gehwegparken zwingend entfallen muss und wo durch Mar-
kierungs– oder Beschilderungsmaßnahmen eine geänderte Parkordnung, die die
Ansprüche der zu Fuß gehenden berücksichtigt, erreicht werden kann. Nach die-Seite 48 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
43Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
ser Überprüfung, die eine erneute intensive Ortsbegehung voraussetzt und etwai-
gen anderen parkraumreduzierenden Maßnahmen zur Erhöhung der Aufenthalts-
qualität (z.B. Schaffung von Spielpunkten für Kinder) oder Maßnahmen, die für
die Einleitung einer Mobilitätswende erforderlich sind (z.B. Anlage von Fahr-
radabstellanlagen, Einrichtung von Carsharing-Stellplätzen) kann das zukünftige
Parkraumangebot eines Quartiers definiert werden.
Selbstverständlich ist bei diesem vorbereitenden Arbeitsschritt zu überprüfen, ob
Alternativen zum Straßenrandparken angeboten werden können: Aktivierung von
brachliegenden oder untergenutzten Flächen, Einrichtung von Quartiersgaragen,
Absprachen zum nächtlichen Parken auf Privatstellplätzen von Firmen etc.
6.3 Anpassung und Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung
Das öffentliche Parkraumangebot mit der Parkraumbewirtschaftung zum Zeit-
punkt der Parkraumnachfrageerhebung ist dem Bild 4 auf der Seite 9 zu entneh-
men. Allgemein lässt sich sagen, dass die Bewirtschaftung in weiten Teilen der
Weststadt viel zu kleinteilig und für den Laien kaum nachvollziehbar ist. Hier ist
eine Vereinfachung durch Vereinheitlichung der Parkraumbewirtschaftung anzu-
streben. Bei zu vielen Bewirtschaftungswechseln entlang eines Straßenabschnit-
tes kommt es zu Missverständnissen und Verwirrungen unter den Parkstandsu-
chenden und auch der Parksuchverkehr wird dadurch begünstigt.
Auf der Grundlage des zukünftigen Parkraumangebots (vgl. Kapitel 6.2) ist eine
Vereinheitlichung der Parkregelungen zu empfehlen. Bei den Ausnahmeregelun-
gen für das Bewohnerparken ist eindeutig das Mischprinzip gegenüber dem
Trennprinzip zu bevorzugen. Auch in der Bonner Weststadt gibt es Straßenab-
schnitte, die nur von Fahrzeugen der Bewohner mit Bewohnerparkausweis be-
parkt werden dürfen (mit unterschiedlichen zeitlichen Regelungen) und benach-
barte Abschnitte, die für das Parken anderer Nutzergruppen frei gegeben sind
(Trennprinzip). Eindeutiger und leichter merkbarer ist das Mischprinzip, bei dem
die Fahrzeuge der Bewohner mit Bewohnerparkausweis von restriktiven Maß-
nahmen (Parkgebühren, Höchstparkdauerbeschränkung) freigestellt sind.
Das Gebiet nördlich der Endenicher Straße, rund um die Jonas-Cahn-Straße
(Verkehrszelle 1) sollte zunächst unbewirtschaftet bleiben. Dort konnte kein un-
gewöhnlicher Parkdruck festgestellt werden. Der Parkraum wird hier stark durch
Beschäftigte der ansässigen Betriebe nachgefragt und es handelt sich nicht um
ein reines Wohngebiet. Eine Bewirtschaftung ist hier nicht zielführend.
In dem Gebiet zwischen Endenicher Straße, Endenicher Allee, Wittelsbacherring
und A565 waren zum Zeitpunkt der Nachfrageerhebung (November 2020) alle
Parkstände unbewirtschaftet. Mittlerweile wurde dort eine Bewirtschaftung nach
dem Trennprinzip mit einem Mix aus ganztägigem Bewohnerparken und einer
werktägigen Parkscheibenregelung umgesetzt. Empfohlen wird hier eine flächen-
deckende kostenpflichtige Parkraumbewirtschaftung von welcher die Bewohner
befreit sind (Mischprinzip).Seite 49 von 169
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44Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Bild 25: Parkraumbewirtschaftungskonzept WeststadtSeite 50 von 169
Runge IVP, Ingenieurbüro für integrierte Verkehrsplanung
45Parkraumuntersuchung Bonn-Weststadt
Der Kundenparkplatz am Rudolf-Stöcker-Weg soll weiterhin kostenpflichtig blei-
ben und auch Anwohner sollten nicht davon befreit werden, um den Kunden des
Einzelhandels am Poppelsdorfer Platz während der Öffnungszeiten einen freien
Parkstand zu ermöglichen.
Ziel der Parkraumbewirtschaftung ist nicht nur die Ordnung des Verkehrs und die
Reduzierung von Behinderungen illegaler Inanspruchnahme öffentlicher Flächen,
sondern in einem integrierten Parkraumkonzept erfolgt auch eine Beschränkung
sowie räumliche und zeitliche Zuordnung des Parkraumangebotes nach Ver-
kehrszwecken und Nutzergruppen.
In die Parkraumbewirtschaftung aufzunehmen sind sämtliche Straßen im Umfeld
der Universität und somit (bis auf die Ausnahme der Verkerhszelle 1) die gesam-
te Weststadt. Konkret lauten die Ziele:
 Den Parkdruck in den Wohnquartieren und die Konflikte mit Studierenden re-
duzieren.
 Langzeitparkende Beschäftigte in den Wohnquartieren verhindern.
 Vereinheitlichung des gesamten Bewirtschaftungskonzeptes zur besseren
Verständlichkeit.
Die Parkstände auf der Clemens-August-Straße, der Quantiusstraße (benachbart
zum Bonner Hauptbahnhof) und dem Parkplatz am Rudolf-Stöcker-Weg
(Nebenzentrum Poppelsdorf) sollen gebührenpflichtig bewirtschaftet werden, wo-
von auch Bewohner nicht ausgenommen werden sollen. Hier handelt es sich um
Bereiche in denen die Parkstände eher durch Kurzzeitparker nachgefragt werden
und aufgrund der vorhandenen Nutzung sollten diese auch den Kunden zur Ver-
fügung gestellt werden.
Das Bild 25 zeigt schematisch die oben beschriebene mögliche zukünftige Park-
raumbewirtschaftung in der Bonner Weststadt. Grundsätzlich stehen die mit dem
Mischprinzio bewirtschafteten Gebiete allen Nutzern frei. Die Gebührenpflicht be-
wirkt vor allem. Das gebietsfremde Langzeitparker (wie Berufspend

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Datenstand: 02.11.2026, 21:57 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de