222305-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
FDP-Große Anfrage: Zisternenbau und Waldbrandprävention, Umsetzung der DS 211387
Kerndaten
- Nummer
- 222305-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 28.02.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 222305-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III FDP-Große Anfrage: Zisternenbau und Waldbrandprävention, Umsetzung der DS 211387 Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 09.03.2023 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Zur großen Anfrage DS-Nr. 222305 nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung: Die Verwaltung ergreift verschiedene Maßnahmen, um künftig effektive Lösungen für den Umgang mit dem angesprochenen Extremwetter und insbesondere großer Hitzebelastung und Dürre zu finden. Der konzeptionelle Rahmen wird im Amt für Umwelt und Stadtgrün mit dem Konzept zur wassersensiblen Stadtentwicklung (vgl. DS-Nr. 211387) und verschiedenen Forschungs- und Förderprogrammen sowie Projekten zur Hitzeanpassung (vgl. DS-Nr. 221839) systematisch erarbeitet und darüber die Umsetzung von Maßnahmen in allen beteiligten Fachdienststellen vorbereitet. Das Wässern von Grünanlagen und Parks über in Zisternen gesammeltem Wasser ist technisch sehr aufwendig. Hierfür müsste zunächst die technische Ausstattung über mobile oder fest verbaute Beregnungsanlagen sowie geeignete Pumpen vorhanden sein. Der Aufwand für Anschaffung, Installation, Wartung und Betrieb der Anlagen wäre sehr erheblich. Das Bewässern von rund 100.000 Stadtbäumen über Zisternen und Schläuche ist mit einem sehr erheblichen technischen und personellen Aufwand verbunden. Selbst dann kann die von großen Bäumen an heißen Tagen verdunstete Wassermenge nicht durch Bewässerung an die Wurzeln der Bäume gebracht werden. Die Wurzeln älterer Bäume reichen tief in den Erdboden und breiten sich sehr weit aus. Der Wurzelbereich entspricht in etwa dem Kronendurchmesser der Bäume. In der Nähe der Stämme älterer Bäume befinden sich i.d.R. keine Feinwurzeln, die eine Wasseraufnahme in der erforderlichen Menge ermöglichen. Die Bäume nehmen ihr Wasser aus tiefen Erdschichten auf. Gießwasser erreicht in solchen Fällen kaum den Bereich, in dem es die Wurzeln des Baumes aufnehmen könnten. Zur besseren Versorgung der Baumstandorte mit Wasser müssen Möglichkeiten zur gezielten Zuführung von innerstädtisch anfallendem Regenwasser in von den Baumwurzeln erschlossenen Untergrund entwickelt werden. Diese Möglichkeit ist in allen zukünftigen Planungen zu prüfen. Zu den weiteren fachbereichsspezifischen Fragen:Seite 1 von 4 Seite 2 1. Existiert mittlerweile die Stabsstelle für Hochwasser- und Starkregenrisikomanagement im Tiefbauamt, vgl. die Stellungnahme zur Großen Anfrage der FDP Bad Godesberg aus dem Jahr 2020, DS 201385-2 ST? Welche konkreten Projekte zur versickerungsfreien Regenwasserzwischenspeicherung (Zisternen) hat diese in Planung bzw. inzwischen realisiert? Die Stabsstelle für Hochwasser- und Starkregenrisikomanagement im Tiefbauamt ist seit dem 01. November 2019 besetzt. Zisternen sind für die Zwischenspeicherung von üblichen Regenwassermengen geeignet, aber nicht, um Starkregenereignissen entgegenzuwirken. Die Förderung versickerungsfreier Regenwasserspeicherung ist daher nicht in Zuständigkeit des Starkregenmanagements, sondern vielmehr ein Baustein der wassersensiblen Stadtentwicklung. Hierzu sei auch auf die umfassende Stellungnahme Nr. 201385-2 ST verwiesen. Über die Möglichkeiten der nachhaltigen Nutzung von Niederschlagswasser im privaten Bereich informiert die Stadt Bonn online unter www.bonn.de/schwammstadt. Auch im Rahmen des Förderprogramms Begrünung werden die Bürgerinnen und Bürger über die Vorteile von Zisternen informiert, zudem kann ein finanzieller Zuschuss für Regentonnen oder Zisternen im Zusammenhang mit einer geförderten Begrünungsmaßnahme gewährt werden (www.bonn.de/begruenung). 2. Sind für große Dachflächen im Bestand der Kommune (Schulen, Konferenzhallenbauten), kommunaler Betriebe (u.a. SWB, bonnorange), des Landes (u.a. Universität), des Bundes (Bundesministerien sowie Bundesämter), der UN, großer Wohnungsbaugesellschaften sowie großer Unternehmen großvolumige Zisternen in Planung? Wenn ja, wo und mit welchem Fassungsvermögen und falls nein, warum nicht? Beim Bau städtischer Gebäude wurden bisher keine Zisternen eingeplant. Es werden seitens des Städtischen Gebäudemanagements inzwischen aber nutzerspezifisch Überlegungen angestellt, wie Zisternen in die Planungen von städtischen Gebäuden wirtschaftlich integriert werden können. Im Zusammenhang mit der Bearbeitung des Beschlusses „Städtische Liegenschaften auf dem Weg zur Klimaneutralität und Nachhaltigkeit“ (DS 212355) werden aktuell entsprechende Standards - auch zum Thema Regenwasserversickerung/-nutzung - definiert. Jeder Zisternenbau ist eine nutzerspezifische Einzelfallentscheidung. Zisternennutzung eignet sich nur für Wasser, welches direkt vor Ort als Brauchwasser für Toilettenspülung oder Gartenbewässerung verwendet werden kann. Hierfür bedarf es eines speziellen Konzeptes für die Verwendung des Regenwassers inklusive Hygienekonzept mit der jeweiligen Anpassung an die Verbrauchsdaten. Dieses muss natürlich auch unter wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten konzeptioniert werden. Unabhängig davon würden über Zisternen auf dem Gelände von städtischen Liegenschaften keine Parkflächen versorgt werden können, da dazu umfangreiche Leitungssysteme geschaffen werden müssten und die Wassermenge nicht ausreicht.Seite 2 von 4 Seite 3 Die bonnorange AöR teilt bezüglich ihrer Standorte Folgendes mit: Am Standort Weststraße wurden die Dachflächen an das 230m³ Regensammelbecken angeschlossen. Planmäßig wird das Wasser auf unseren eigenen Waschplätzen zur Einsparung von Trinkwasser genutzt. Am Standort Lievellingsweg werden wir im Zuge der Planung des (Ersatz- )Neubaus die Sammlung von Regenwasser von den Dachflächen prüfen und, wenn möglich, umsetzen. Die Stadtwerke Bonn Beteiligungs-GmbH (SWB) nimmt wie folgt Stellung: Bei der SWB-Verwertung erfolgt die Dachentwässerung des Anlagen- Gebäudes schon seit Inbetriebnahme in ein sogenanntes Brauchwasserbecken. Es hat ein Fassungsvermögen von maximal 500m³. Das gesammelte Wasser wird im Prozess der MVA und als Löschwasservorrat genutzt. Das Verwaltungsgebäude wird im Zuge der Umsetzung des Projekts „Innovationsdreieck“ voraussichtlich im Laufe des Jahres 2024 abgerissen. Davon ausgehend, dass das Regenwasser zwar auf den Dachflächen der SWB-Bestandsgebäude aufgefangen wird, dann aber in eine noch zu bauende unterirdische Zisterne geleitet wird, sehen wir die Umsetzung im Innenstadtbereich als schwierig an, z.B. weil in der Konzernzentrale in der Theaterstraße die Tiefgarage darunter liegt und um das Gebäude viele Leitungen verlegt sind. Zudem ist es in der Nähe der Konzernzentrale schwierig, weil auch die Hochwasserlage zu berücksichtigen ist. Um die Betriebshöfe der SWB Bus und Bahn findet sich eine ausgedehnte Infrastruktur wie u. a. Gleisanlagen, die einen nachträglichen Einbau schwer realisierbar gestalten. Bei der BonnNetz ist der nachträgliche Einbau von Zisternen sehr schwierig bis unmöglich, da es sich überwiegend um technische Gebäude handelt, die von umfangreicher unterirdischer Infrastruktur (Kabel und Rohrleitungen) umgeben sind. Das führt dazu, dass für den Einbau von Zisternen meistens kein Platz im näheren Umfeld vorhanden ist. Ferner sind die Anlagen (Ortsnetzstationen und Gasdruckregelanlagen) meistens sehr klein, zudem stehen diese auf Grundstücken, die zumeist nicht größer als die Anlage selbst sind, sodass der Einbau von Zisternen im urbanen Raum nicht realisierbar und sinnvoll ist. Aus den zuvor genannten Gründen ist die nachträgliche Installation von Zisternen bei den Liegenschaften der BonnNetz nicht realisierbar. Für die HKW-Flächen der SWB Energie und Wasser gelten auf engstem Raum mit Strom-, Fernwärme, Kessel- sowie Maschinenhäuser, Wasseraufbereitungs- sowie vielseitigen Erzeugungskomponenten / Anlagen und technischen Gebäuden ähnliche Rahmenbedingungen wie bei BonnNetz. Auf der HKW-Fläche gibt es seit Beginn der Eigenerzeugung unterkellerte Erzeugungsanlagen mit sehr in Verbindung stehenden umfangreichen unterirdischen Medien, Rohren, Leitungen und Kabeltrassen. Mit dem jetzigen GuD-Erweiterungs-/Neubau sind die Flächen mehr als ausgefüllt. Daher besteht keine HKW-Freifläche mehr, die einen solchen größeren Zisternenbau vorsehen könnte und ist somit nachträglich für das HKW am Flächenstandort nicht möglich.Seite 3 von 4 Seite 4 Die VEBOWAG nimmt wie folgt Stellung: Bei dem Immobilienbestand der VEBOWAG ist der nachträgliche Einbau von Zisternen sehr schwierig bis unmöglich. Vorrangig ist die Reduzierung der CO²- Emissionen. Bei Neubauvorhaben wird im Rahmen der Bauplanung die Möglichkeit des Zisternenbaus berücksichtigt. 3. Werden konkret im Zusammenhang mit den Renovierungsprojekten Beethovenhalle und Stadthalle Zisternenbauten mit geplant? Das Städtische Gebäudemanagement hat bei den Sanierungsprojekten keine Zisternenbauten vorgesehen. 4. Welche zügig realisierbaren Übergangslösungen sind denkbar, wie z.B. mittels oberirdisch aufgestellter Sammeltanks? Bezugnehmend auf die einleitend genannten Projekte und Planungen wird die Verwaltung die Realisierung von auch kurzfristigen Lösungen prüfen. 5. Sind im Falle eines Flächenbrandes innerhalb des Stadtgebietes sowie innerhalb der kommunalen Waldflächen genügend Löschwasserentnahmestellen vorhanden oder müssten hierfür nicht, ähnlich wie in Südfrankreich, präventiv Löschwassertanks im Waldgebiet abgestellt werden? Innerhalb des Stadtgebietes wird die Löschwasserversorgung i.d.R. durch das öffentliche Trinkwassernetz sichergestellt, wenn die Wasserreserven auf den Löschfahrzeugen zur Neige gehen. Die Waldgebiete sind durch asphaltierte Straßen und geschotterte Wege vergleichsweise gut erschlossen, um Brandherde auch mit Löschfahrzeugen zu erreichen. Dort werden dann üblicherweise Einsatzkräfte mit entsprechender Ausrüstung und Spezialfahrzeuge eingesetzt, die sich schon im Fahrzeugbestand der Feuerwehr Bonn befinden bzw. Bestandteil der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes sind. Fahrzeuge mit großen Wassertransportkapazitäten versorgen die Fahrzeuge an der Brandstelle mit Löschwasser. Anlage/n KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 02:47 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de