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222278 · Mitteilungsvorlage

„Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften“ und „Tor zum Mittelrhein“

Nummer
222278
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
19.12.2022
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 17.01.2023 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 25.01.2023 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
222278
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
„Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften“ und
„Tor zum Mittelrhein“
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
17.01.2023 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften
Bereits mit der Stellungnahme zum Bürgerantrag Rheinauenpark Nord (DS-Nr.
221009) hat die Stadtverwaltung die besondere, aktuelle Bedeutung der
unbebauten Freiräume an den Rändern der Stadt Bonn im Übergang zu den
Nachbarkommunen beschrieben. Sowohl für den Lebensraumverbund
bedrohter Arten als auch den Erhalt wertvoller Böden zur regionalen
Nahrungsmittelproduktion, die Kalt- und Frischluftproduktion in Zeiten des
Klimawandels und die örtliche Naherholung für die wachsende
Stadtbevölkerung sind gerade diese interkommunalen Freiräume von ganz
entscheidender Bedeutung für die zukunftsfähige Entwicklung Bonns.
Als sich die Bundesstadt Bonn im Jahr 2004 zusammen mit fünf Kommunen
des Rhein-Sieg-Kreises auf den Weg machte, ein gemeinsames Freiraumbild
für die Wachstumsregion zu entwickeln, standen die Sicherung und
Verknüpfung der Freiräume über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg im
Vordergrund. Im Rahmen der Regionale 2010 war es seinerzeit gelungen,
erhebliche Fördermittel für das interkommunale Gemeinschaftsprojekt Grünes
C zu generieren, um in einer Wachstumsregion einen durchgehenden
Naherholungsraum langfristig zu sichern und für die Bevölkerung der Region
erlebbar zu machen. Das Projekt und die Art der Zusammenarbeit der Akteure
fand damals in der Fachwelt bundesweit große Anerkennung. Heute hat der
Projektraum Eingang in überregionale Planungen gefunden, z. B. im
Agglomerationskonzept oder dem „Masterplan Grün“ des Region Köln/Bonn
e.V. sowie als regionaler Grünzug bei der Neuaufstellung des Regionalplans.
Aber nicht nur in der Planung, sondern auch draußen vor Ort ist der Erfolg
erkennbar. Wie selbstverständlich werden die Wege und Einrichtungen von den
Menschen angenommen und genutzt.
In den zurückliegenden Jahren haben sich die bisherigen Anforderungen an die
Freiräume weiter verstärkt und neue Herausforderungen sind hinzugekommen:
- Verstärkte Nutzung sämtlicher Grünflächen durch die Bevölkerung
- Zunehmend dramatischer Verlust der ArtenvielfaltSeite 1 von 29
Seite 2
- Klimawandel mit deutlich spürbaren Konsequenzen vor Ort, d.h.
Hitzesommern und Starkregenereignissen
- Weltweite Lebensmittelknappheit
Diese veränderten Herausforderungen waren Anlass für die Fachämter der
beteiligten Kommunen, gemeinsam die Freiraumkulisse des Grünen C und
deren Bedeutung für Mensch und Natur neu zu betrachten und zu bewerten.
Mit den Naturparken als räumliche und inhaltliche Klammer können die
Landschaftsräume der Region ein „blau-grünes Gegengewicht“ zur grauen
Infrastruktur einer wachsenden Region sein.
Die jetzt vorgelegte Ausarbeitung der sechs beteiligten Kommunen und der
Naturparke Rheinland und Siebengebirge soll erneut den Blick schärfen für die
ungewöhnliche landschaftliche Vielfalt der Region, aber v. a. für ihre Potentiale:
- zu einer natur- und landschaftsverträglichen Freiraumnutzung im
Ballungsraum,
- zur Förderung der Artenvielfalt in vielen Ausprägungen,
- zur Verbesserung der Klimaresilienz,
- zur Erhaltung regionaler, nachhaltiger Lebensmittelproduktion und
- zur Entwicklung und dem Erhalt unserer Kulturlandschaft.
Die Ausarbeitung ist dabei keine konkrete Planung, die es unmittelbar
umzusetzen gilt. Sie ist vielmehr eine gemeinschaftliche Willensbekundung der
beteiligten Kommunen Bonn, Alfter, Bornheim, Niederkassel, Troisdorf und
Sankt Augustin, die Freiraumplanung in der Region interkommunal
weiterzuentwickeln. Wahrnehmung, Nutzung und Bedeutung der
Landschaftsräume enden nicht an den Gemarkungsgrenzen. Diese
Willensbekundung gibt Anstöße, den mit dem „Grünen C“ begonnenen
Freiraumverbund auch räumlich über dessen bisherige Abgrenzung hinaus zu
den „Rheinlandschaften“ zu entwickeln und weitere regionale Verflechtungen
zu suchen. Damit kann die Broschüre auch eine wesentliche Grundlage sein
zur Beantragung von Fördermitteln für aus dieser interkommunalen
Zusammenarbeit entstehende Projekte zur Sicherung und Entwicklung der
Freiräume der Region.
Im engen Zusammenhang damit hat sich die Stadt Bonn der Zukunftsaufgabe
der Schaffung einer nachhaltigen Zielperspektive für die Entwicklung der
Bonner Freiflächen mit der Erarbeitung des Bonner Freiraumplans (DS-Nr.
1313742NV13 und DS-Nr. 201928-38 AA) angenommen. Inhaltlich werden die
oben genannten neuen Herausforderungen an Freiräume wie die Folgen des
Klimawandels, Artensterben, Erholungsnutzung und regionale
Nahrungsmittelversorgung bezogen auf das Bonner Stadtgebiet und das
angrenzende Umland analysiert und freiraumplanerische Visionen, Ziele und
Lösungsansätze zur Weiterentwicklung aufgezeigt.
Ergänzend wird im Rahmen der Neukonzeption des „Aktionsprogramm
Biodiversität“ (DS-Nr. 211240) ein Handlungsrahmen für das
Biodiversitätsmanagement der Stadt entwickelt.
Übergeordnete Themen wie der Erhalt von Frischluftschneisen,
Kaltluftentstehungsgebieten, Biotopverbundsystemen und
Naherholungskonzepten enden nicht an der Stadtgrenze, sondern müssen im
Kontext mit den angrenzenden Räumen betrachtet werden.Seite 2 von 29
Seite 3
Der aktuell in der politischen Beratung befindliche Bürgerantrag zur „Errichtung
einer "Rheinaue-Nord" zum Zwecke des Klimaschutzes und als
Naherholungsgebiet“ (DS- Nr.221009) nimmt dabei den Landschaftsraum
zwischen Bonn Auerberg und dem angrenzenden Bornheimer Stadtteil Hersel
in den Fokus und fordert eine interkommunal abgestimmte Entwicklung des
Raumes.
Tor zum Mittelrhein
Die aktuellen gemeinsamen Bemühungen des Rhein-Sieg-Kreises mit der
Bundesstadt Bonn und den Kommunen Alfter, Bad Honnef, Bornheim,
Königswinter, Niederkassel, Wachtberg, Landkreis Neuwied sowie Landkreis
Ahrweiler um ein Gesamtkonzept „Tor zum Mittelrhein“ ergänzen die Inhalte der
vorgelegten Willensbekundung zur Entwicklung der Rheinlandschaften sehr
gut.
Im Rahmen eines „Letter of Intent“ haben die beteiligten Kommunen sich im
September 2022 für eine gemeinsame Entwicklung einer Konzeption
ausgesprochen. Die Federführung in der Bearbeitung liegt beim Rhein-Sieg-
Kreis in Zusammenarbeit mit dem Verschönerungsverein Siebengebirge e.V.
(VVS).
Anlage/n
1 Broschuere (öffentlich)Seite 3 von 29
1
Vom Grünen C zu den
RheinlandschaftenSeite 4 von 29
2
01. Präambel
Das Grüne C: ein Blick zurück
Knapp 62 Kilometer durchgehender Rad- und Fußweg, 39
Landschaftstore, drei Kilometer grüne Ortsränder, über
drei Kilometer Baumreihen, 18 Info- und Raststationen
sowie rund 13 Hektar Blühstreifen - diese bloßen Zahlen
geben nur bedingt wieder, was mit dem Grünen C in
vergangenen 10 Jahren entstanden ist: ein durchgehen-
der Naherholungsraum zwischen Alfter, Bonn, Bornheim,
Niederkassel, Troisdorf und Sankt Augustin direkt vor
der eigenen Haustür. Die Chance, den Rhein via Fähre zu
queren und interessante (alte und neue) Orte vorzufin-
den, sich sportlich zu betätigen oder einfach nur auf schö-
ne Landschaften zu schauen.
Parallel entstand eine öffentliche Aufmerksamkeit für das
Thema Freiraum: anfangs mitunter kontrovers diskutiert,
findet mittlerweile eine Abstimmung mit den Füßen (bzw.
mit dem Rad) im Grünen C statt.
Mit dem Grünen C ergaben sich darüberhinaus neue
Formen der Zusammenarbeit: sowohl interkommunal als
auch in neuen Kooperationen, u.a. mit der Landwirtschaft
oder auch mit den Naturparken im Umfeld.
Im Rahmen der Regionale 2010 konnten durch das Grüne
C große Fortschritte bei der Sicherung des Freiraums in
einer stark wachsenden Region erzielt werden und damit
auch einen Beitrag zur Entwicklung einer lokalen und
regionalen Identität geleistet werden.
Ein erster Umsetzungsstand ist also erreicht. Die betei-
ligten Kommunen haben sich zudem u.a. auf gemeinsa-
me Pflegestandards verständigt, um den einheitlichen
Charakter des Freiraums auch in den nächsten Jahren
präsentieren zu können.
Neue Herausforderungen
Anlass für diese Broschüre sind veränderte Anforderun-
gen an eine nachhaltige Freiraumentwicklung im Sinne
eines zukunftsfähigen Freiraumkonzeptes über die kom-
munalen Grenzen hinaus.
Die Region zwischen Vorgebirgshang und Siegaue steht
in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vor großen He-
rausforderungen. Hoch aktuell sind die Einschränkungen
durch Corona, die unsere Art zu leben, zu arbeiten, mobil
zu sein und Freizeit zu verbringen, maßgeblich beeinflusst
hat. Gerade in diesem Zusammenhang haben die Freiräu-
me des Grünen C in den letzten Monaten noch einmal
einen starken Bedeutungszuwachs erfahren: Erholung
und Urlaub vor der eigenen Haustür standen und stehen
hoch im Kurs, die Landschaften vor der Haustür wurden
entweder wieder oder gänzlich neu entdeckt.
Die stetige Nachfrage nach Wohnbauland und anderen
Entwicklungsflächen schlägt sich u.a. in den ersten Ent-
würfen des Regionalplans nieder, die ein weiteres Sied-
lungsflächenwachstum beinhalten. Diese baulichen Ent-
wicklungen brauchen jedoch einen starken Gegenpart in
der Freiraumentwicklung, um den heutigen und künftigen
Bewohnern der Region qualitativ hochwertige Grünräume
in ausreichender Größe zur Verfügung zu stellen.
Zugleich ist eine Reaktion auf die Veränderungen von
Rahmenbedingungen für die Orts- und Regionalentwick-
lung erforderlich. Der demografische Wandel ist sichtbar,
in vielen Bereichen ist eine Ressourcenverknappung
erkennbar. Der (land-)wirtschaftliche Strukturwandel
steht in engem Zusammenhang mit Anforderungen an die
Klimaanpassung. Eine vorausschauende Freiraumplanung
kann (auch im Sinne einer Weiterentwicklung des Grünen
C) wesentliche Beiträge leisten, um auf diese Verände-
rungsprozesse angemessen reagieren zu können.
Der Blick nach vorn
Die neuen Herausforderungen erfordern eine Auseinan-
dersetzung mit der Freiraumsituation. Liefert das Grüne C
bereits die richtigen Antworten auf die Fragestellungen?
Sind Inhalte und Gebietskulisse richtig gewählt, um auf
heutige und künftige Herausforderungen angemessen
reagieren zu können? Bedarf es weiterer Kooperations-
partner wie etwa den Naturparken, um eine weitere
Konzeption und Umsetzung auf ein breiteres Fundament
zu stellen?
Eine gemeinsame Entwicklungsstrategie gibt den inter-
kommunalen Gesamtrahmen vor und ist zugleich Anreiz
für die Akteure vor Ort, weiterhin gemeinsam den Frei-
raum zwischen den 6 Kommunen (und darüber hinaus)
zu entwickeln. Das vorliegende Papier liefert einen ersten
Orientierungsrahmen für die inhaltliche, organisatorische
und mögliche räumliche Erweiterung des Grünen C hin
zu den Rheinlandschaften. Es formuliert eine interkom-
munale Perspektive, stimmt lokale Entwicklungsvorstel-
lungen mit externer Expertise ab und entwirft ein erstes
Strukturbild für die Rheinlandschaften. Es bildet zugleich
den Rahmen für künftige Projektideen.
Das Konzept ist weder inhaltlich noch räumlich oder orga-
nisatorisch ein starres Konstrukt. Die beteiligten Akteure
sind in diesem Sinne offen für neue Partner, die sich in die
künftige Freiraumentwicklung einbringen wollen.
Die Broschüre ist wie folgt aufgebaut:
01 Präambel
02 Eine Perspektive für das Grüne C
03 Freiräume im Grünen C: Rückblick, Bestand &
neue Aufgaben
04 Das Grüne C als Landschaftenpark
05 Vom Grünen C zu den RheinlandschaftenSeite 5 von 29
3
„Und insofern, glaube ich, hat das Grüne C die ganze
Landschaft für die Bürger erlebbarer gemacht.“1)
Die Städte Bonn, Bornheim, Niederkassel, Troisdorf, Sankt
Augustin und die Gemeinde Alfter haben im Rahmen der
Regionale 2010 das Grüne C gemeinsam konzipiert und
umgesetzt. Im Fokus standen die Erhaltung und Aufwer-
tung von Freiräumen in einem durch starkes Siedlungs-
wachstum geprägten Raum, eine durchgehende Verknüp-
fung dieser Räume und die Schaffung eines attraktiven
und gut erreichbaren Naherholungsangebots direkt vor
der Haustür.
Mittlerweile werden die Wege und weiteren Strukturen
des Grünen C von der Bevölkerung sehr gut angenom-
men. Es finden spannende, stets gut besuchte Veranstal-
tungen statt, aber auch in der alltäglichen Nutzung ist im
Grünen C immer Betrieb.
Das Grüne C ist darüber hinaus als gutes Praxisbeispiel für
interkommunale Grünzüge in Forschungsvorhaben ein-
gebunden und Gegenstand unterschiedlicher räumlicher
Planungen in der Region Köln Bonn, wie dem Agglomera-
tionskonzept oder der Neuaufstellung des Regionalplans.
Die Bedeutung des Freiraums steigt!
Im Sinne des Grünen C sind alle unbebauten Bereiche
„Freiraum“ - dazu zählen neben den klassischen Grünflä-
chen auch landwirtschaftliche Flächen und Wald. Gerade
in dicht bebauten Regionen übernimmt dieser Freiraum
vielfältige Funktionen: neben der Naherholung sind
dies zum Beispiel der Arten- und Biotopschutz oder die
Lebensmittelproduktion. Daraus erwächst die Notwen-
digkeit, diesen Freiraum für zukünftige Generationen zu
erhalten und vor Bebauung zu schützen. Daneben haben
sich in den letzten Jahren weitere Herausforderungen
ergeben, denen es zu begegnen gilt.
Die Folgen des Klimawandels sind in der Region ablesbar:
Ernteausfälle aufgrund von Trockenheit, Borkenkäferbe-
fall, gesundheitliche Probleme bei empfindlichen Bevöl-
kerungsgruppen in den Hitzesommern und katastophale
Überflutungen nach Starkregenereignissen. Die Klima-
wandelvorsorge ist mittlerweile ein elementarer Bestand-
teil städtebaulicher Planungen. Freiräume übernehmen
dabei wichtige Funktionen als natürliche Klimaanlage zur
Durchlüftung von Siedlungsbereichen sowie als Reten-
tionsraum und Wasserspeicher. Sie leisten damit einen
wesentlichen Beitrag zu gesunden Lebensbedingungen.
In den Zeiten der Corona-Pandemie und der damit ein-
hergehenden Kontakt- und Reisebeschränkungen wurde
der regionale Freiraum neu entdeckt und deutlich inten-
siver genutzt. Viele Aktivitäten der örtlichen Bevölkerung
fanden in den umgebenden Freiräumen statt, zugleich lag
der Urlaubsfokus stärker auf der Region vor der eigenen
Haustür. Insgesamt erfuhr das Grüne C damit eine neue
Wertschätzung und zugleich eine Nutzungsintensivierung.
Das Artensterben hält an. Das Bewusstsein dafür hat in
der Gesellschaft zugenommen. Immer mehr Kommunen
setzen sich für mehr Biodiversität im Stadtgrün ein. Heute
gilt es mehr denn je, schützenswerte Bereiche vor zu in-
tensiven Nutzungen zu bewahren und andere Freiräume
im Sinne des Arten- und Biotopschutzes aufzuwerten.
Der Regionalplan thematisiert in seinem aktuellen Ent-
wurf neue Siedlungserweiterungen. Neben der Bereit-
stellung notwendigen Wohnraums müssen aber Grüne
Infrastrukturen mitgedacht werden. Freiräume wie das
Grüne C haben dabei eine wesentliche Bedeutung, da
sie Siedlungen gliedern und zur (Grün-)Vernetzung in der
Region beitragen. Der Bevölkerung bieten sie Bewegungs-
und Erholungsraum und tragen durch Besucherlenkung
zum Schutz von sensiblen Bereichen bei. Sie sind zugleich
landwirtschaftlich nutzbar und bieten damit Potenziale
02. Eine Perspektive für das Grüne C
für urbane Landwirtschaft und regionale Nahrungsmittel-
produktion in unmittelbarer Wohnortnähe.
Eine neue Perspektive
Die beschriebenen Herausforderungen erfordern ein Han-
deln. Daher gilt es, das Grüne C strukturell, inhaltlich und
räumlich weiterzuentwickeln. Diese Broschüre zeigt eine
künftige gemeinsame Entwicklungsstrategie der beteilig-
ten Akteure auf. Sie bildet einen Gesamtrahmen für die
weitere Entwicklung der Freiräume. Zugleich ist sie Anreiz
für die zahlreichen Akteure vor Ort, gemeinsam mit den
Naturparken Rheinland und Siebengebirge den Freiraum
in den beteiligten Kommunen weiterzuentwickeln.
Folgende Schlüsselthemen wurden herausgearbeitet:
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion
* Natur- und Landschaftsschutz
* Stadtklima und Klimaanpassung
* Land- und Forstwirtschaft
* Siedlungsgliederung und Freiraumsicherung
* Information und Bildung
Anhand der Schlüsselthemen werden die Landschafts-
räume des Grünen C auf ihre Bedeutung und ihr Entwick-
lungspotenzial hin untersucht. Sie bilden den roten Faden
dieses Berichtes.
Der Planungsraum
Das bisherige Grüne C bietet eine gute Grundlage, um
alten und neuen Ansprüchen an den Freiraum planerisch
zu begegnen. Die bisherige Gebietskulisse enthält aber
auch Entwicklungspotenzial, etwa in der weiteren Qualifi-
zierung der Freiräume oder der räumlichen Öffnung und
Vernetzung mit weiteren Teilbereichen der Naturparke.
1) Dieses und weitere Zitate sind dem Evaluationsbericht „Grünes C“ entnommen.
Weitere Angaben enthält das Impressum.Seite 6 von 29
© Stadt Bonn
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03. Freiräume im Grünen C: Rückblick, Bestand und neue Aufgaben
„Ich glaube die Bevölkerung hat das auch angenom-
men. Ich glaube die Grundidee und die Infotafeln, das
eignet sich auch alles um zu sagen, komm wir fahren
mal zur Mondorfer Fähre, von Endenich über das Grüne
C und fahren dann weiter in die Stadt, und gehen da
etwas essen. Das bereichert schon irgendwo das Ange-
bot.“
Ein breites Spektrum an Grün- und Freiflächen trägt we-
sentlich zur Lebens- und Erholungsqualität von Städten
und Gemeinden bei. Miteinander vernetzte Freiflächen
dienen der Naherholung direkt vor der eigenen Haustür,
geben den Siedlungsbereichen eine Struktur und erfüllen
wichtige ökologische Funktionen. In die Siedlungsberei-
che hineinragende Grünstrukturen verknüpfen Siedlungs-
räume mit der umliegenden Landschaft und erzeugen
ein breites Netz an Natur- und Freiräumen. Dies fördert
nicht nur die Klimatisierung der bebauten Bereiche durch
Kalt- und Frischluftbahnen, sondern unterstützt auch die
wohnortnahe Erholung.
Neben innerstädtischen Freiflächen spielen vor allem
landschaftliche Freiräume eine zentrale Rolle für ein lang-
fristig tragfähiges Entwicklungskonzept. In der Region um
Bonn bilden die Rheinaue und die umliegenden Natur-
parke einen wesentlichen Aspekt für die Entwicklung von
Freiräumen.
Künftige Aufgabe wird es daher sein, das bestehende
Grün- und Freiflächensystem qualitativ und quantitativ zu
wahren und weiterzuentwickeln. Dabei sind die vielfälti-
gen ökologischen und sozialen Aufgaben des Freiraums
im SInne der Schlüsselthemen zu berücksichtigen.
Raum für Erholung, Begegnung und soziale
Interaktion
„[…] ‚Brückenschlag‘ – was wir auch wollten, dass der
Fluss nicht trennt, sondern ein attraktives Element ist.
„Wir fahren mit der Fähre“: das ist Urlaubsgefühl […].“
Das Grüne C hat die Quantität und Qualität der Naherho-
lungsflächen rundum Bonn, Alfter, Bornheim, Niederkas-
sel, Troisdorf und Sankt Augustin in den letzten Jahren in
einen verbindenden Rahmen gesetzt, erlebbar gemacht
und qualifiziert. Eine besondere Bedeutung für die Naher-
holung hat dabei das durchgängige, verkehrssichere und
über 60 km lange Wegenetz. Insbesondere die kommuna-
len Teilprojekte Mondorfer Fähre in Bonn und Niederkas-
sel, der Generationen-Parcours in Sankt Augustin und der
Siegauen-Wanderparkplatz in Troisdorf werden von der
Bevölkerung rege frequentiert.
Diese intensive Nutzung des Freiraums bringt Konflik-
te und Probleme mit sich. An sonnigen Wochenenden
kommt es an Wasserflächen wie etwa dem Siegufer zu
teils großen Besucheranstürmen mit den dazugehörigen
Auswirkungen auf Mobilität und Umwelt. Dies hat sich
in den Zeiten der Corona-Pandemie nochmals verstärkt.
In Naturschutzgebieten ist eine derart intensive Freizeit-
nutzung nicht mit dem ökologischen Schutzgedanken
vereinbar. Konflikte entstehen auch durch Freizeitnutzung
auf landwirtschaftlichen Wegen.
Durch eine gezielte Lenkung der Erholungssuchenden
und durch eine Zonierung entsprechender Angebote
können ökologisch wertvolle Flächen geschützt und
Konflikte zwischen konkurrierenden Nutzungen entzerrt
werden. Ziel ist die bewusste Be- und Entlastung einzel-
ner Regionen.
Das Schlüsselthema Erholung, Begegnung und soziale
Interaktion soll in Zukunft wie folgt programmatisch
weiterentwickelt werden:
* Weiterer Ausbau des Freiraumverbunds
* Schaffung weiterer Freizeitangebote zur Entzerrung
von Nutzungskonflikten
* Ausbau des Radwegenetzes, Ausbau der Anknüp-
fungspunkte an benachbarte Freiraumverbünde
Angebot von Infrastrukturen wie Radstationen etc.
* Ringschlüsse bestehender Wegeverbindungen: Fokus
„Feierabendrunde“Seite 7 von 29
© Ralf Schuhmann, Foto + Media
5
Natur- und Landschaftsschutz
Der dramatische Rückgang von Insekten wurde im Jahr
2016 erstmals publik und wird seitdem auch von einer
breiteren Öffentlichkeit diskutiert. Neben dieser öffentli-
chen Wahrnehmung ist jedoch auch ein aktives Handeln
vonnöten, um dem Insektensterben und dem Artenster-
ben insgesamt Einhalt zu gebieten.
Im Grünen C stand bereits zwischen 2010 und 2012
die Anlage von Blühstreifen im Fokus, die durch ihren
Blüten- und Strukturreichtum Lebensraum für zahlreiche
Insektenarten bieten. Die Pflanzung heimischer Bäume,
Hecken und Feldgehölze stärkt den Arten- und Biotop-
schutz und trägt zur Strukturierung der teils großflächigen
landwirtschaftlichen Flächen bei. Unter anderem in den
Teilprojekten Renaturierung des Rheidter Werth, der
Umsetzung des Grünen Randes südlich von Bergheim
oder der Anlage einer Streuobstwiese am Landschaftstor
Gartenland in der Gemeinde Alfter spielte der Arten- und
Naturschutz eine prägende Rolle. Seit 2014 besteht für
den Landschaftsraum Pleisbachtal zudem die Möglichkeit,
Flächen für den Naturschutz über das Naturschutzprojekt
chance7 zu sichern und zu entwickeln.
Perspektivisch gesehen spielt der Natur- und Artenschutz
eine immer bedeutendere Rolle, auch unter den Rahmen-
bedingungen des Klimawandels. Viele Kommunen haben
sich zum Ziel gesetzt, die Biodiversität sowohl in inner-
städtischen Bereichen als auch im baulichen Außenbe-
reich zu stärken.
Der fortschreitende Verlust der Biodiversität kann durch
die Ausweisung von Schutzgebieten aufgehalten werden.
Hierbei ist es wichtig, dass diese miteinander verknüpft
werden und so ein Austausch der Arten und Populationen
untereinander ermöglicht wird. Negative Beeinträchtigun-
gen und von außen einwirkende Stressfaktoren sollten
möglichst verhindert werden.
Der Natur- und Artenschutzgedanke sollte jedoch nicht
nur auf die Schutzgebiete beschränkt werden. Bei land-
wirtschaftlich genutzten Flächen sollte eine Übernutzung
vermieden werden. Die heute zum Teil im Grünen C vor-
handenen intensiven Freizeitnutzungen sind nicht überall
mit dem Schutz der dort heimischen Tierwelt vereinbar
und sollen durch Maßnahmen zur Besucherlenkung abge-
mildert werden.
Das Schlüsselthema Natur- und Landschaftsschutz soll
in Zukunft wie folgt programmatisch weiterentwickelt
werden:
* Zonierung zur Entlastung von Schutzgebieten (Besu-
cherlenkung)
* Ausbau der Kooperation mit der Landwirtschaft
* Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität im
landwirtschaftlichen Raum, z.B. Anlage von Acker-
randstreifen und Feldgehölzen, Aufwertung von
Stillgewässern
* Ergänzungen des Biotopverbundsystems, Flächen-
schutz (Ausweisung von Schutzgebieten)
* Renaturierung von Gewässern und intensiv genutzten
FlächenSeite 8 von 29
© Stadt Bonn
© Gemeinde Alfter
6
Stadtklima und Klimaanpassung
Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits in
der Region angekommen und werden in den nächsten
Jahren noch deutlich spürbarer.
Mit dem Siedlungswachstum wird die thermische Belas-
tung insbesondere in den bebauten Siedlungsbereichen
deutlich ansteigen. Der Wärmeinseleffekt wird zuneh-
men. Damit steigt die Zahl gesundheitlicher Risiken und
Einschränkungen in der Lebensqualität der Menschen.
Vor allem Kinder, ältere und kranke Menschen sind be-
troffen.
Die Freiräume des Grünen C wirken bereits heute wie
eine Klimaanlage. Ihre Bedeutung als Kalt- und Frischluft-
entstehungsgebiete wird zunehmen. Damit Kaltluftströme
in lufthygienisch belastete und überhitzte Siedlungslagen
gelangen können, müssen bestehende Leitbahnen von
Bebauung freigehalten werden. Von hoher Bedeutung ist
der Erhalt von Freiflächen in den Siedlungsbereichen.
Fließ- und Stillgewässer wirken ebenfalls als Kalt- und
Frischluftentstehungsgebiete und -leitbahnen. Gleichzeitig
stellen diese besonders klimatisch relevante Lebensräu-
me dar, auf die viele vom Klimawandel bedrohte Arten
mit engen Toleranzen in Bezug auf Temperatur und Was-
serhaushalt angewiesen sind. Auch die Freiraumbereiche,
die landwirtschaftlichen Flächen und Waldgebiete sind
durch den fortschreitenden Klimawandel zunehmend
einem Trockenstress ausgesetzt.
Zugleich erhöhen sich durch den Klimawandel die Gefah-
ren durch Hochwasser- und Starkregenereignisse, insbe-
sondere innerhalb der Siedlungsbereiche. Die Folgen von
lokalen Starkregenereignissen sind in der Region über-
deutlich sichtbar geworden. Naturnahe Retentionsflächen
entlang von Gewässern können schädliche Auswirkungen
von Hochwassern mindern.
Durch eine Sicherung unversiegelter Freiflächen im
Freiraum wird die natürliche Regulierung des Wasser-
haushalts gefördert, Grundwasservorkommen können
regeneriert werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Bode-
nerosion von ungeschützten Offenböden in einer inten-
siven Landwirtschaft. Ackerrandstreifen und Feldgehölze
können den Bodenabtrag minimieren. Auch angepasste
und bodenschonende Bewirtschaftungsformen und Bear-
beitungsverfahren können einen Beitrag dazu leisten.
Nach Abschluss des Grünen C ist in einem Teil der mit-
wirkenden Kommunen der Klimanotstand ausgerufen
worden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund rückt das
Thema Klimaschutz stärker in den Fokus.
Mit den folgenden Zielen und anknüpfenden Maßnah-
men soll durch das Grüne C das Schlüsselthema Stadt-
klima und Klimaanpassung programmatisch weiterent-
wickelt werden:
* Fokus auf Umwelt- und Generationengerechtigkeit
* gezielter Schutz von Kaltluftschneisen und Kaltluftent-
stehungsgebieten
* stärkere Verzahnung mit dem Siedlungsraum (Ent-
wicklung von Baumalleen, die in den Siedlungsraum
hineinreichen)
* Baumpflanzungen, Alleenbildung, Pflanzung von He-
cken und Feldgehölzen
* Implementierung der Prinzipien der Schwammstadt
(bspw. Nutzung der Ränder für Retentions- und Versi-
ckerungsflächen)
* Entsiegelungen ‚grauer‘ Freiraumpotenziale
* Fokus auf das Thema Gewässerrenaturierung
* Fokus auf das Thema WaldumbauSeite 9 von 29
7
Land- und Forstwirtschaft
Der Landwirtschaft kommt eine wichtige Bedeutung für
den Erhalt von Freiraum sowie zur Bewahrung und Ent-
wicklung der Kulturlandschaften zu. Gleichzeitig ist sie
ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor für die Region.
Aufgrund der fruchtbaren Böden und des milden Klimas
im Rheintal ist die landwirtschaftliche Nutzung im Grünen
C besonders ertragreich und vielfältig.
Der überwiegende Teil des Freiraums des Grünen C ist
Anbaugebiet für Obst und Gemüse, Ackerfläche oder
Weideland. Der regelmäßige Austausch mit der Landwirt-
schaftskammer und - über Küchentischgespräche - mit
einzelnen Landwirten wurde bereits bei der Umsetzung
des Grünen C von allen Beteiligten sehr geschätzt.
In einer umweltbewusster werdenden (Stadt-)Bevölke-
rung gewinnen die Themen urbane Landwirtschaft, urban
gardening, regionale Produkte, nachhaltige Landwirt-
schaft immer mehr an Bedeutung. Land- und forstwirt-
schaftliche Flächen bieten nicht nur Erholungsraum,
sondern auch die Möglichkeit, alternative Anbau- und
Bewirtschaftungsformen im Vergleich zu einer konventio-
nellen Landwirtschaft kennenzulernen.
Perspektivisch sollten die Grundlagen für die Zusam-
menarbeit zwischen konventionellen und alternativen
Bewirtschaftungsformen weiter ausgebaut werden, um
nachhaltige Konzepte wie urbane Landwirtschaft oder
partizipative Lebensmittelproduktion zu etablieren. Neue
Bewirtschaftungsformen sind dabei behilflich, den Stel-
lenwert von Freiflächen im Bewusstsein der Bevölkerung
zu erhöhen.
Bei der Entwicklung landwirtschaftlicher Räume sollte
im Vordergrund stehen, die prägenden Elemente der
Kulturlandschaft zu erhalten, nachhaltig weiterzuentwi-
ckeln und langfristig zu sichern. Die Rolle von ökologisch
nachhaltigen und urbanen landwirtschaftlichen und
gartenbaulichen Nutzungen sollte zukünftig gestärkt
werden. Zusammen mit neuen Produktions- und Ver-
marktungsformen werden diese in Zukunft eine wichtige
Bedeutung für eine nachhaltige, regionale Nahrungsmit-
telversorgung einnehmen. Nachhaltige Landbewirtschaf-
tungen, die Extensivierung von Grünland oder die Anlage
von Streuobstwiesen tragen zudem dazu bei, Freiraum
vor einer Flächeninanspruchnahme und Versiegelung zu
schützen und die Artenvielfalt zu erhöhen.
In der Forstwirtschaft werden die Themen Natur- und
Artenschutz, Waldumbau und Wasserhaushalt an Bedeu-
tung gewinnen.
Mit den folgenden Zielen soll das Grüne C im Schlüs-
selthema Land- und Forstwirtschaft programmatisch
weiterentwickelt werden:
* Förderung nachhaltiger Land- und Forstbewirtschaf-
tung
* Förderung des Vertragsnaturschutzes und Extensivie-
rung von Grünland
* Kooperationen mit Landwirten zur Steigerung der
Biodiversität (bspw. Blühstreifen)
* klimawandelgerechter Waldumbau
© Ralf Schuhmann, Foto + MediaSeite 10 von 29
8
Siedlungsgliederung und Freiraumsicherung
„Man lebt nicht nur von Wohn- und Gewerbegebieten
und Landwirtschaft alleine. Die Naherholung, der land-
schaftliche Charakter in seiner Wohnumgebung spielt
für jeden eine erhebliche Rolle.“
Grüne Siedlungsränder betonen den Übergang zwischen
Siedlungsfläche und freier Landschaft. Sie grenzen dabei
die Siedlung zur Natur hin ab und bieten gleichzeitig das
Potenzial, das Landschaftsbild im Übergang zur bebauten
Siedlung abzurunden. Gut entwickelte Ränder schützen
die Freiräume vor dem anhaltenden Druck durch Flä-
cheninanspruchnahme für Siedlungen, Gewerbe und
Verkehr.
Die Siedlungsgliederung und der Schutz der Freiräume
bei gleichzeitigem fortschreitendem Siedlungswachstum
war von Beginn an das prägende Schlüsselthema des Grü-
nen C. Die Anlage von Grünen Rändern und der Schutz
von bereits entstandenen oder drohenden Engstellen im
Freiraumverbund wurden mit großem Aufwand vorange-
trieben. Im Zuge der Umsetzung des Grünen C konnten
insgesamt 3,0 km gestalteter Siedlungsrand in unter-
schiedlichen Ausprägungen baurechtlich gesichert, herge-
stellt und bereits vorhandene Engstellen vor der bauli-
chen Inanspruchnahme geschützt werden. Neben den
baulichen bzw. freiraumplanerischen Elementen spielte
die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Bedeutung
des Freiraums von Beginn an eine besondere Rolle.
Das Schlüsselthema Siedlungsgliederung hat im Rheintal
um Köln und Bonn nach wie vor eine besondere Relevanz.
Der Siedlungsdruck ist ungebrochen. Das Agglomerati-
onskonzept und der Entwurf des Regionalplans zeigen,
dass perspektivisch der Druck zur Inanspruchnahme der
Freiräume anhalten wird und die Flächen des Grünen C in
Zukunft immer mehr in Gefahr geraten werden.
Die Definition und der Schutz der Siedlungsränder wer-
den daher weiter an Bedeutung gewinnen.
Das Schlüsselthema Siedlungsgliederung und Freiraum-
sicherung soll in Zukunft wie folgt programmatisch
weiterentwickelt werden:
* Gestaltung und Sicherung weiterer Ränder, insbeson-
dere an den Engstellen der Siedlungsentwicklung
* Nutzung weiterer Sicherungsmaßnahmen: Baupla-
nungsrecht (Ausweisung von Grünflächen, Ausgleichs-
flächen), Ausweisung von Schutzgebieten, Grund-
stückserwerb, Zweckbindungen
* Belegung der Siedlungsränder mit weiteren Funkti-
onen, die einer baulichen Inanspruchnahme entge-
genstehen, wie bspw. Retentions- und Versickerungs-
flächen, Ausgleichsmaßnahmen, Artenschutzflächen,
Spiel-, Sport- und Erholungsangebote, Selbsternteflä-
chen usw.
© Ralf Schuhmann, Foto + MediaSeite 11 von 29
9
Information und Bildung
Ein wesentlicher Beitrag für den Erhalt der Freiräume
liegt darin, das Bewusstsein für Natur und Umwelt so-
wie für den Stellenwert des Freiraums bei der Bevölke-
rung zu schärfen.
Vor allem Kinder und Jugendliche können die Ziele des
Natur- und Landschaftsschutzes schon früh durch eine
angepasste Bildung nähergebracht werden. Dabei ist es
wichtig die Zusammenhänge zwischen den landschafts-
prägenden Elementen von Natur und Landschaft sowie
der Landwirtschaft aufzuzeigen und für die Menschen vor
Ort anschaulich erfahrbar zu machen. Die Akzeptanz für
naturschutzfachliche Aspekte in Land- und Forstwirtschaft
kann dadurch gefördert und durch eine frühe Bewusst-
seinsbildung für die Zusammenhänge in Ökosystemen
das Interesse für regionale Nahrungsprodukte geweckt
werden. Zudem lohnt es sich, die hohe Wertigkeit von
natürlichen Ressourcen der Region und von regionalen
Naturschutzgebieten öffentlichkeitswirksam ins Bewusst-
sein zu rufen.
Die Sensibilisierung der Bevölkerung für diese Themen
war von Beginn an ein wesentliches Standbein des Grü-
nen C: das Wegenetz im Grünen C ist gleichzeitig Informa-
tionsmedium. Die vielen Informationstafeln und Stationen
vermitteln dem Nutzer historische Zusammenhänge, Hin-
tergründe zu besonderen Orten, Informationen über die
Landschaft, Sehenswürdigkeiten, querende touristische
Routen und angrenzende Siedlungsräume und lenken die
Aufmerksamkeit auf diese. Auf diese Weise erfolgt eine
Stärkung der Identifikation der Bürger mit der Landschaft,
die sie umgibt. Mehr als 90 Info- und Sonderhinweistafeln
wurden im Grünen C an den Raststationen und Toren
errichtet.
Information und Bildung ist ein Querschnittsthema,
sodass in den bereits beschriebenen Schlüsselthemen
korrespondierende Bildungsangebote bereits genannt
wurden.
Zusätzlich zu diesen Bausteinen soll über folgende Ziele
und Maßnahmen das Schlüsselthema Information und
Bildung programmatisch weiterentwickelt werden:
* Ausbau von Kooperationen mit regionalen und lokalen
Hochschul- und Forschungseinrichtungen
* Ausbau des Wegenetzes mit weiteren Info-Tafeln zu
spezifischen Orten und Hintergrundinformationen mit
Bezug zu den programmatischen Schlüsselthemen
* Etablierung von weiteren pädagogischen Angeboten,
außerschulischen Lernorten, Lehrpfaden mit Bezug zu
den programmatischen Schlüsselthemen
* Weiterführung des Angebotes an Touren, Wanderun-
gen und anderen Veranstaltungen im Grünen C
© Ralf Schuhmann, Foto + Media© Ralf Schuhmann, Foto + MediaSeite 12 von 29
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04. Das Grüne C als Landschaftenpark
„... man kann jetzt hier Land-
schaftsräume präsentieren und
kann zeigen, was die Landschaft
rundum eigentlich hergibt. Das ist
etwas, was wir zum ersten Mal hier
gemacht haben. Und dass man die
Landschaft in ihrer Vielfalt präsen-
tieren kann, ist eine gute Sache.“
Ein von Beginn an wichtiger Bestand-
teil des Grünen C waren neun an den
jeweiligen Örtlichkeiten orientierten
Landschaftsräume, welche in ihrer
Gesamtheit als Landschaftenpark
fungieren. Als Landschaftsräume
wurden größere zusammenhängen-
de Natur- und Kulturräume wie z.B.
das Messdorfer Feld, das Pleisbachtal
oder der Vorgebirgshang definiert.
Insgesamt liegt die Gebietskulisse
des Grünen C eingebettet in den
Übergang von der Waldville im Wes-
ten über den Vorgebirgshang in die
Köln-Bonner Rheinebene hin zu den
Bergischen Heideterrassen und dem
Siebengebirge im Osten.
Aufgabe der nächsten Jahre ist es,
die Landschaftsräume in ihren Eigen-
arten zu entwickeln, die Verknüpfun-
gen zwischen den einzelnen Räumen
zu stärken und das Grüne C in Gänze
inhaltlich weiter zu entwickeln.
Die verfolgten Ziele für die weiteren
Entwicklungen der neun Landschafts-
räume werden im Folgenden anhand
der Schlüsselthemen formuliert.Seite 13 von 29
© Gemeinde Alfter
11
Gartenland
Alfter, Bonn, Bornheim
Die vielfältige, in den Ebenen großstrukturierte Felder-
landschaft für Obst- und Gemüseanbau zählt zu den
ertragreichsten und ältesten Garten- und Obstanbauge-
bieten in ganz Deutschland. Zahlreiche Höfe und Gärtne-
reien prägen neben der Felderlandschaft das Raumbild.
Es herrscht ein intensiver jahreszeitlicher Wechsel des
Landschaftsbildes.
Ziele
* Natur- und Landschaftsschutz:
Sicherung der bestehenden Nutzung, Erhalt des
landschaftsraumtypischen Charakters, gleichzeitig
Identifizierung und Förderung/Weiterentwicklung von
weiteren Potenzialflächen, Förderung der Zwischen-
räume zu anderen Landschaftsräumen
* Siedlungsgliederung und Freiraumsicherung:
Einbindung der Ortsrandlagen in die Landschaft durch
Eingrünung der Siedlungsränder, insbesondere bei
Neuanlage von Siedlungs- und Gewerbeflächen
* Stadtklima und Klimaanpassung:
Sicherung des Freiraums als Kaltluftentstehungsort
sowie Freihalten der Frischluftschneisen von den
Vorgebirgshängen
* Land- und Forstwirtschaft:
Landwirtschaft im Klimawandel, Sicherung der
nachhaltigen Landwirtschaft und fruchtbarer Böden,
Boden- und Erosionsschutz, produktionsintegrierte
Kompensationsmaßnahmen (PIK), Vertragsnatur-
schutz, vielgliedrige Fruchtfolgen, Förderung der Ko-
operationen sowie örtlichen und regionalen Vermark-
tung, wissenschaftliche Kooperationen
integrierter Arten- und Biotopschutz in der Landwirt-
schaft, Biotopvernetzung durch Erhalt und Förderung
von landschaftsgliedernden Elementen/Strukturen als
Wanderkorridore in der Agrarlandschaft (Blühstreifen,
Brachen, Solitärgehölze), Erhalt der kulturhistorischen
Landschaftselemente wie Streuobstbestände, ergän-
zende klimaangepasste Maßnahmen z.B. Gehölznach-
pflanzungen, Schutz wertvoller Böden
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
Schutz und Entlastung empfindlicher Lebensräume
durch Besucherlenkung, gleichzeitig Anreicherung der
Landschaft als Erlebnisraum zur Erholung, Schaffung
einer naturverträglichen Verbindung von den Orts-
teilen der Gemeinde Alfter nach Swisttal über die
Ville-WaldgebieteSeite 14 von 29
12
Vorgebirgshang
Bornheim
Während in der Ebene überwiegend großstrukturierte,
gartenbaulich genutzte Felder vorzufinden sind, ist die
Felderlandschaft in den Hanglagen deutlich kleinstruktu-
rierter.
Die naturräumlichen Gegebenheiten begünstigen eine in-
tensive gartenbauliche und landwirtschaftliche Nutzung.
Zudem findet sich in den Hangbereichen eine extreme
„Grünraumverdichtung“, die eine sehr hohe Vielfalt an
Flora und Fauna begünstigt.
Ziele
* Natur- und Landschaftsschutz:
Stärkung des südlichen Ortsrands Bornheims und
Herausstellung landschaftlicher Besonderheiten
(Sandabbau)
* Klimaanpassung und Landwirtschaft:
Obstanbau im Klimawandel
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
Verbindung zum RegioGrün und zum Naturpark
Rheinland
* Information und Bildung:
Sand-Lab / Quarzgrube: Weiterentwicklung der stillge-
legten und ökologisch hochwertigen Sandlandschaft,
Standort für einen außerschulischen Lernort
© Ralf Schuhmann, Foto + MediaSeite 15 von 29
13
Meßdorfer Feld
Bonn
Die siedlungsnahe, landwirtschaftlich genutzte Felder-
landschaft erfährt durch Hecken und Baumreihen geringe
Strukturierung. Das ca. 150 ha große Gebiet bildet die
größte siedlungsnahe Freifläche Bonns und ist beliebte
Kulisse für die wohnortnahe Freizeitnutzung.
Ziele
* Siedlungsgliederung und Freiraumsicherung:
Einbindung der Ortsrandlagen in die Landschaft durch
Eingrünung der Siedlungsränder, insbesondere bei
Neuanlage von Siedlungs- und Gewerbeflächen
* Stadtklima und Klimaanpassung:
Sicherung des Kaltluftentstehungsgebiets und der
Frischluftschneise für die Stadt Bonn
* Land- und Forstwirtschaft:
Förderung der lokalen und regionalen Lebensmittel-
produktion und -vermarktung
Integrierter Arten- und Biotopschutz in der Landwirt-
schaft, Biotopvernetzung durch Erhalt und Förderung
von landschaftsgliedernden Elementen/Strukturen
als Wanderkorridore in der Agrarlandschaft (Gehölz-
strukturen, Blühstreifen, Brachen, Solitärgehölze),
Erhalt der kulturhistorischen Landschaftselemente
wie Streuobstbestände, ergänzende klimaangepasste
Maßnahmen z.B. Gehölznachpflanzungen, Schutz
wertvoller Böden
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
Attraktivierung für Kinder und Familien, Optimierung
von WegeverbindungenSeite 16 von 29
© Irmgard Mohr
14
Kieslandschaft
Bornheim
Der Landschaftsraum beinhaltet zahlreiche stillgelegte
und renaturierte (wassergefüllte) oder noch in Betrieb
befindliche Kies- und Sandabgrabungen. Die rekultivierten
Gruben (wie der Herseler See) bilden neue Lebensräume
für Flora und Fauna. Daneben sind landwirtschaftlich ge-
nutzte Flächen typisches Merkmal des Landschaftsbildes.
Ziele
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
nördliche Verbindung zum RegioGrün
* Natur- und Landschaftsschutz:
Rekultivierung als Chance für den Artenschutz
* Information und Bildung:
Kies- Wasser-Lab: integrierte Nachnutzungsplanung
für den Kiesabbau, Fokus auf das Biotop Kiesgrube,
Standort für außerschulischen LernortSeite 17 von 29
15
Rheinaue
Niederkassel, Bornheim, Bonn
Außerhalb der bebauten Bereiche der Städte befinden
sich beidseitig des Rheins teils ökologisch hochwertige
naturnahe Auenbestände (Weichholzaue), die bei Hoch-
wasser bis zu den Deichen überflutet werden und die
Städte vor den Gefahren und Schäden eines Hochwasse-
rereignisses bewahren. Sie zeichnen sich vor allem durch
ihre seichten Ufer sowie Gehölze und Wiesen bis an die
Deiche aus. Durch den Wechsel der Standortbedingungen
entsteht ein vielfältiges Ökosystem.
Ziele
* Natur- und Landschaftsschutz:
Erhalt und Entwicklung naturnaher Flusslandschaften
* Stadtklima und Klimaanpassung:
Erhalt von Retentionsräumen, Schutz vor Hochwasser,
Sicherung und Entwicklung von Frischluftschneisen
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
Schutz und Entwicklung hochwertiger Biotopflächen
durch BesucherlenkungSeite 18 von 29
16
Sieg-Aue
Troisdorf, Bonn, Sankt Augustin
Entlang des naturnahen Flusslaufs befinden sich Auen-
waldbestände, Überschwemmungsgrünland und Deiche.
Auch die Altarme der Sieg sowie Weidenbestände tragen
zum Landschaftsbild bei. Der besonders fruchtbare Boden
zwischen den Deichen der Sieg kann ertragreich beackert
werden und führt zu starker landwirtschaftlicher Nutzung.
Der hohe Landschaftswert der Flussauenlandschaft für
Natur und Erholung bedingt einen starken Nutzungsdruck
durch Erholungssuchende.
Ziele
* Natur- und Landschaftsschutz:
Erhalt und Entwicklung naturnaher Flusslandschaften
* Stadtklima und Klimaanpassung:
Erhalt von Retentionsräumen, Schutz vor Hochwasser,
Sicherung und Entwicklung von Frischluftschneisen
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
Schutz und Entwicklung hochwertiger Biotopflächen
durch BesucherlenkungSeite 19 von 29
© Ralf Schuhmann, Foto + Media
17
Hangelarer Heide
Sankt Augustin
Die weiträumige Heidelandschaft bietet wertvollen
Lebensräumen für Flora und Fauna und zugleich hohen
Erholungswert. Das offene Landschaftsbild ist durch eine
Flora geprägt, die charakteristisch für die vorhandenen
mageren Flugsandböden ist. Daneben besteht eine Viel-
zahl von Kies-Abgrabungsflächen sowie ein Mosaik aus
landwirtschaftlich genutzten Flächen. Frühere Abbauge-
biete ließen Feuchtgebiete entstehen. Um den Bewuchs
der Heide niedrig zu halten und einer Verbuschung
vorzubeugen, wird die Hangelarer Heide mit schottischen
Hochlandrindern und zeitweise auch mit Schafherden
beweidet. Die Grünflächen des ältesten, noch im Betrieb
befindlichen Flugplatzes Deutschlands werden ebenfalls
noch zur Heide gezählt.
Ziele
* Natur- und Landschaftsschutz:
Förderung der Biotopvernetzung: z.B. Anbindung
der Biotope in der Grünen Mitte Sankt Augustin,
Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des städtischen
Ökokontos
* Land- und Forstwirtschaft:
Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft in Ko-
operation mit den hier tätigen Landwirten, Vertrags-
naturschutz, Förderung der regionalen Nahversorgung
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
bessere Anbindung angrenzender Stadtteile (z.B.
Hangelar)Seite 20 von 29
© Birgit Dannefelser
18
Birlinghovener Wald
Sankt Augustin
Der artenreiche Laubwald mit verschiedensten trockenen
bis feuchten Standorten bietet mit seiner bewegten To-
pografie eine abwechslungsreiche Kulisse für die Naher-
holung und erstreckt sich in südlicher Richtung bis zum
Siebengebirge.
Ziele
* Stadtklima und Klimaanpassung:
Vorrang des Waldnaturschutzes mit dem Fokus „Wald
im Klimawandel“, Sicherung Kaltlufteinzugsgebiet- und
leitbahnen, Verwendung klimawandelangepasster
Baumarten
* Land- und Forstwirtschaft:
klimaangepasster Waldumbau
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
Schaffung einer Verbindung zum Naturpark Siebenge-
birge
* Information und Bildung:
Forest LabSeite 21 von 29
© Ralf Schuhmann, Foto + Media
19
Pleisbachtal
Sankt Augustin
Das Pleisbachtal entlang des namensgebenden Pleis-
baches ist ein von Wiesen und Auenwäldern geprägter
Landschaftsraum. Der renaturierte und nun naturnahe
Pleisbach verläuft durch das Tal entlang des Fußes des
Siebengebirges und mündet in die Sieg. Der hohe Erho-
lungswert wird durch ein gut ausgebautes Wanderwege-
netz inklusive verschiedener Brücken erlebbar gemacht.
Ziele
* Natur- und Landschaftsschutz:
Umsetzung der Maßnahmen aus dem Projekt „chan-
ce7 - wir fördern Heimat“ und der EU Wasserrahmen-
richtlinie, Kooperation mit regionalem Wiesen- und
Weidenzentrum des BUND
* Stadtklima und Klimaanpassung:
Erhaltung der wichtigen Frischluftschneise und Kalt-
luftentstehungsgebiete ebenso wie die Retentionsflä-
chen rund um den Pleisbach
* Land- und Forstwirtschaft:
Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft in
Kooperation mit den hier tätigen Landwirten, Ent-
wicklung landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteter
Flächen zu artenreichen Wiesen und Weiden
* Erholung, Begegnung, soziale Interaktion:
Verbindung des Pleisbachtals über das Pleiser
Hügelland zum Naturpark Siebengebirge und Rhein-
land: natur- und landschaftsverträglicher Ausbau des
Wegenetzes,
Aufwertung des Pleisbachabschnittes von Burg Nie-
derpleis bis zur Mündung in die Sieg
* Information und Bildung:
Vermittlung des hohen Wertes bunter Wiesen und
strukturreicher, artenreicher extensiver Weiden für
Ökologie und (Heimat-) Identität.
Informationen zu kulturhistorischen Besonderheiten
des RaumesSeite 22 von 29
20
05. Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften
Das Grüne C zeichnet sich durch seine Vielfalt unter-
schiedlichster Landschaften auf engem Raum aus, in
unmittelbarer Nähe zum dichten Siedlungsgefüge. Diese
Landschaftsräume wurden in Verbindung zueinander
gesetzt und in ihrer Wahrnehmbarkeit, Erreichbarkeit und
Erlebbarkeit gestärkt.
Geht der Blick nur ein wenig über das Grüne C hinaus,
schließen dort unmittelbar weitere vielfältige Land-
schaftsräume herausragender Qualität an, mit Eigen-
schaften, die im Grünen C in diesen Ausprägungen nicht
vorzufinden sind: große und alte Waldgebiete, vulkanisch
geformte oder auch vom Rhein geprägte Landschaften.
Durch eine räumliche Erweiterung des Grünen C bietet
sich die Chance, diese Vielzahl bestehender Qualitäten
miteinander in Verbindung zu setzen und im bisherigen
Sinne weiter auszubauen: Vom Grünen C zu den Rhein-
landschaften.
Die Naturparke als Klammer
Das Grüne C bindet an drei der insgesamt 12 nord-
rhein-westfälischen Naturparke an. Diese zeichnen
sich durch großräumige Landschaften mit besonderen
Eigenarten aus, die überwiegend aus Landschafts- und
Naturschutzgebieten bestehen.
Die Ville mit ihren zahlreichen Seen, das Vorgebirge,
die Rheinebene, die Bördelandschaften und die Kotten-
forst-Wälder zählen ebenso zum Naturpark Rheinland
wie das Drachenfelser Ländchen. Für die Naherho-
lungssuchenden des Ballungsraumes ist der Naturpark
Siebengebirge wichtiges Erholungsgebiet. Den Naturpark
Bergisches Land charakterisiert eine typische Mittelge-
birgslandschaft. Er wird aktuell durch das Strukturför-
derprogramm REGIONALE 2025 qualifiziert und in der
Weiterentwicklung des Grünen C zunächst nicht berück-
sichtigt.Seite 23 von 29
21
Zu den Aufgaben der Naturparke gehören die Förderung
einer nachhaltigen Regional- und Tourismusentwicklung,
die Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung von
Natur- und Kulturlandschaften und ihrer Arten- und
Biotopvielfalt, Naturerlebnis- und Erholungsangebote
sowie Aufgaben der Umweltbildung. Damit stehen die
Naturparke vor ähnlichen Herausforderungen wie die
Landschaftsräume im Grünen C, die definierten Schlüs-
selthemen finden sich in den Naturparken als Zukunfts-
aufgabe wieder. Somit gibt es sowohl inhaltliche als auch
räumliche Gemeinsamkeiten, die durch eine verstärkte
zukünftige Zusammenarbeit ein gemeinsames Raumbild
für die Region beschreiben.
Das bisherige Grüne C stellt ein räumliches Bindeglied vor
allem zwischen den Naturparken Rheinland und Sieben-
gebirge dar. Beide Naturparke wirken räumlich wie eine
grüne Klammer und bieten mit ihrer übergeordneten
Verknüpfungs- und Vernetzungsfunktion Chancen und
Möglichkeiten, das bisherige Grüne C weiterzuentwickeln.
Die räumliche Kulisse bietet Ansatzpunkte, die bisher
fehlende Verbindung zwischen beiden Naturparken zu
schließen und einen weiteren „Sprung über den Rhein“
herzustellen.
Weitere regionale Verflechtungen
Weitere regionale Projekte und Planungen verfolgen die
Entwicklung von Siedlungsflächen oder fokussieren auf
den Erhalt, die Erlebbarkeit und die Entwicklung von
Freiräumen und grüner Infrastrukturen.
Diese bieten das Potenzial, an Vorhandenes anzuknüpfen
und Synergieeffekte zu erzielen, um Freiraumschutz und
Freiraumentwicklung über kommunale Grenzen hinweg
zu denken.
Anknüpfungen an das RegioGrün
Der strategische Ansatz des Projektes RegioGrün liegt in
der Weiterführung des Kölner Grünsystems. Verschiedene
Wander- und Radwegerouten verbinden Frei- und Land-
schaftsräume. Für das Grüne C bietet sich die Chance, im
Bereich Bornheim und Niederkassel Schnittstellen zu den
Strukturen des RegioGrüns herzustellen.
Kooperation Köln & rechtsrheinische Nachbarn
Im Rahmen der „Raumperspektive 2035“ verfolgt die Ko-
operation Köln & rechtsrheinische Nachbarn u.a. ein inte-
griertes Siedlungs-, Mobilitäts- und Freiraumkonzept. Ein
Impulsprojekt ist das „Integrierte Entwicklungskonzept
Produktive Stadtlandschaft Südraum“. Dieses legt den
Fokus auf die nachhaltige Entwicklung von Stadt-Land-
schaften und betrachtet dabei die Siedlungsränder.
Inhaltlich und räumlich bieten sich Anknüpfungspunkte
und Synergieeffekte für die Weiterentwicklung des Grü-
nen C, vor allem im Bereich Troisdorf und Niederkassel.
Anbindung an die Wahner Heide
Nördlich von Troisdorf und Siegburg und westlich von
Niederkassel befindet sich die Wahner Heide. Ein gut er-
schlossenes Wegenetz dient der Naherholung, Verknüp-
fungen mit dem Grünen C bieten sich an.Seite 24 von 29
22
Integration „neuer“ Landschaftsräume
Die Naturparke bilden künftig eine starke organisatori-
sche und räumliche Klammer und zugleich Ansatzpunkte
für einen zweiten Sprung über den Rhein. Diese Struktur
denkend, ergeben sich innerhalb der Naturparke Korrido-
re, die unterschiedliche Landschaftsräume einbinden und
diese miteinander verbinden.
Diese Landschaftsräume übernehmen aufgrund ihrer
Lage und naturräumlichen Ausstattung wiederum unter-
schiedliche Funktionen: sie sind Lebensraum für Flora
und Fauna, dienen der Produktion von Nahrungsmitteln
oder übernehmen klimatische Funktionen. Sie können
aber auch als Naherholungsräume genutzt werden und
die heutige Kulisse des Grünen C ergänzen.
In diesen Räumen soll weniger das Neugestalten, sondern
stärker das Präsentieren und das Verknüpfen der quali-
tätsvollen Landschaftsräume im Fokus stehen. Nachfol-
gend sind einige diese Landschaftsräume beispielhaft
aufgeführt, die Darstellung ist nicht abschließend.
Waldville
Bornheim, Swisttal, Alfter
südlicher Teil der Ville mit geschützten Eichen-Hainbu-
chenwäldern, Stillgewässern und typischer Tier- und
Pflanzenwelt.
Anlaufpunkte & Eigenarten: Reste alter römischer Was-
serleitungen, historische Wegenetze, Waldalleen, Einzel-
höfe, Aussichtsmöglichkeiten in die Rheinebene
Kottenforst
Alfter, Bonn, Wachtberg
ca. 4.000 ha großes historisches Waldgebiet auf der
Hauptterrasse des Rheins, mit aus dem 18. Jahrhundert
stammendem sternförmigem Alleensystem
Anlaufpunkte & Eigenarten: Campus Kottenforst, histo-
rische Wegekreuze und Gedenksteine, Überreste römi-
scher Übungslager, Bahnhof Kottenforst, Kopfbuchensteg,
Weg der Artenvielfalt, Haus der Natur, Jägerhäuschen
Drachenfelser Ländchen
Bonn, Meckenheim, Remagen (RPF), Wachtberg
abwechslungsreiche und reliefierte Landschaft, geprägt
durch Rheinterrassen und Vulkanismus. Neben landwirt-
schaftlichen Nutzflächen und Wäldern prägen vulkanische
Silhouetten sowie historische Ortschaften das Land-
schaftsbild.
Anlaufpunkte & Eigenarten: Fernblicke auf die Eifel und
das benachbarte Siebengebirge; Rodderberg (Heinrichs-
blick); Burgen, Töpferdorf Adendorf
Siebengebirge
Bad Honnef, Bonn, Königswinter
geprägt insbesondere durch markante vulkanische
Kuppen. Der vielfältige Kulturlandschaftsbereich ist ein
viel frequentiertes Naherholungsgebiet im Köln-Bonner
Ballungsraum.
Anlaufpunkte & Eigenarten: u.a. Drachenfels und Wol-
kenburg mit Burgruine, Zahnradbahn von Königswinter,
Weinberglagen bis Rhöndorf, Steinbrüche am Nord- und
Südosthang, Petersberg, Löwenburg, Kloster Heisterbach,
Margarethenhöhe, Ölberg
Pleiser Ländchen & Pleiser Hügelland
Bad Honnef, Bonn, Hennef (Sieg), Königswinter, Sankt
Augustin
landwirtschaftlich geprägte und seit Jahrhunderten
besiedelte Kulturlandschaft mit teils markanten Kastentä-
lern des Pleis- und Hanfbachs mit Wiesen, Weiden und
Ackerflächen. Die teils historischen Ortslagen werden von
Baumschulen, Gärtnereien und Obstplantagen umgeben.
Anlaufpunkte & Eigenarten: zahlreiche, zumeist histori-
sche Ortskerne sowie Bauern- und Gutshöfe, Fernblicke
auf Siebengebirge, Bergisches Land und Kölner Dom
Katzenlochbachtal
Bonn
geprägt durch den Lengsdorfer Bach sowie durch ein
kleinteiliges Nutzungsmosaik. Lebensraum für viele, teils
geschützte Tier- und Pflanzenarten.
Anlaufpunkte & Eigenarten: Lengsdorfer Bach
Venusberg / Waldau
Bonn
waldbewachsenes Hochplateau im Übergang zwischen
Siedlung und Wald im Süden Bonns, ehemaliges Hoch-
moorgebiet, das namensgebend ist (Venn/Hochmoor).
Waldau am Südhang des Venusbergs als Teil des Bonner
Stadtwaldes und nördlichster Bereich des Kottenforsts.
Anlaufpunkte & Eigenarten: Weg der Artenvielfalt,
Schwarz- und Rotwild-Tiergehege, Haus der Natur, Kopf-
buchenpfad, Quellgebiet Engels- und Gieveningsbach,
archäologische Funde jungsteinzeitlicher Wallanlage
Rheinaue / Rheinauenpark
Bonn
entstanden zur Bundesgartenschau 1979 als Naherho-
lungsgebiet und verbindende Grünfläche für Bonn, Bad
Godesberg, Beuel sowie Oberkassel.
Anlaufpunkte & Eigenarten: Rheinauensee mit Kaskade,
Blindengarten, Rosengarten, Japanischer Garten, Lehr-
pfad der Jahresbäume, Löffelwald, Römerstraße, Bienen-
haus, TotempfahlSeite 25 von 29
23
Ein perspektivisches Raumbild
„Ich wünsche mir, dass man weiter an und mit diesem
Projekt arbeitet, dass man einen dynamischen Prozess
entwickelt, um auch die Bürger mitzunehmen, damit
das Schöne und Interessante an diesem Projekt an die
Öffentlichkeit gebracht wird, damit man sich damit
identifizieren kann.“
Mit dem Grünen C ist bisher ein facettenreicher Naher-
holungsraum entstanden, der die kommunalen Freiräume
miteinander verknüpft und zahlreiche Freiraumfunktio-
nen übernimmt.
Die Entwicklung eines solchen Projektes ist jedoch nie
ganz abgeschlossen. Im „Alltagsgeschäft“ sind bspw.
Pflege- und Unterhaltungsstandards festzulegen und zur
Richtschnur aller beteiligten Kommunen zu machen. Da-
mit kann der im Rahmen der Regionale 2010 umgesetzte
Stand des Grünen C mindestens für die an die Förderung
gebundene Zweckbindungsfrist aufrecht erhalten werden.
Wichtig ist jedoch auch eine inhaltlich-programmatische
Weiterführung im Hinblick auf die aktuellen Herausforde-
rungen (Schlüsselthemen) innerhalb der heutigen Raum-
kulisse, eine Verknüpfung mit angrenzenden Räumen und
Projekten sowie auch eine räumliche Weiterentwicklung
des Grünen C.
Die folgenden Abbildungen zeigen dafür mögliche Pers-
pektiven und Umsetzungshorizonte auf.
Schritt 1: Verstetigung und Weiterentwicklung der heutigen Kulisse
* weitergehende Sicherung der neun Kultur- und Naturlandschaftsräume innerhalb der
heutigen Kulisse des Grünen C, bspw. durch Entwicklung der „Ränder“
* Bearbeitung der Engstellen, auch zur Verknüpfung der neun Kultur- und Naturland-
schaftsräume untereinander
* inhaltliche Weiterentwicklung der Landschaftsräume in den benannten Schlüsselthe-
men
Umsetzungsperspektive: kurzfristigSeite 26 von 29
24
Schritt 2: Verankerung des Grünen C im regionalen Umfeld, Naturparke als starke
Klammer
* räumliche und organisatorische Einbindung der Naturparke
* Stärkung der regionalen Verflechtung des Grünen C
* Gestaltung der Übergänge zu den Raumkulissen der angrenzenden regionalen Projek-
te („Übergabestellen“, Wegeverbindungen)
Umsetzungsperspektive: kurz- bis mittelfristig
Schritt 3: Optionen einer räumlichen Weiterentwicklung
* Erweiterung der Raumkulisse des Grünen C: Einbindung weiterer Landschaftsräume,
zweiter Sprung über den Rhein
* Abgleich zwischen Schutz und Entwicklung der einzelnen Landschaftsräume, Entlas-
tung empfindlicher Räume
Umsetzungsperspektive: mittel- bis langfristigSeite 27 von 29
Die Rheinlandschaften stellen mittel- bis langfristig einen
Verbund von Freiräumen bzw. Kultur- und Naturland-
schaften dar
* der von kommunalen und regionalen Partnern getra-
gen und gemeinsam entwickelt wird
* als durchgehender Naherholungsraum vor der eige-
nen Haustür
* als Kulisse für den Arten- und Biotopschutz
* als Teil einer „Klimaanlage“, die der Anpassung an die
Folgen des Klimawandels dient
* als Produktionsraum hochwertiger Lebensmittel, die
auf kurzem Weg zum Verbraucher gelangen können
* als „blau-grünes“ Gegengewicht zur Entwicklung
„grauer Infrastrukturen“ in einer stark wachsenden
Region
* zur Vermittlung von Heimatwissen und zur regionalen
Bewusstseinsbildung
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26
Impressum
Auftraggeber:
Bundesstadt Bonn
Amt für Umwelt und Stadtgrün
Berliner Platz 2 | 53111 Bonn
In Vertretung für die Partnerkommunen des Grünen C
Alfter, Bornheim, Bonn, Niederkassel, Sankt Augustin und
Troisdorf
Kontakt:
umweltundstadtgruen@bonn.de
0228 / 77 4499
Bearbeitung:
BKR Aachen Noky & Simon
Karl Hamacher | Christoph Küpper |
Lasse Panfil | André Simon
in Kooperation und Abstimmung mit den Kommunen
des Grünen C
Fotos und Abbildungen - soweit nicht anders gekenn-
zeichnet: BKR Aachen Noky & Simon
Die in der Broschüre enthaltenen Zitate sind dem
Evaluationsbericht „Grünes C“ entnommen, der nach
Abschluss der Projektphase im Rahmen der Regionale
2010 entstanden ist (BKR Aachen & Lieber Planung 2015:
Grünes C - Evaluation des Projektes).
Aachen, März 2022Seite 29 von 29

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

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Datenstand: 02.11.2026, 19:38 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de