222278 · Mitteilungsvorlage
„Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften“ und „Tor zum Mittelrhein“
Kerndaten
- Nummer
- 222278
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 19.12.2022
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen Kenntnisnahme
Dateien
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Mitteilungsvorlage öffentlich 222278 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III „Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften“ und „Tor zum Mittelrhein“ Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 17.01.2023 Kenntnisnahme Mitteilung: Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften Bereits mit der Stellungnahme zum Bürgerantrag Rheinauenpark Nord (DS-Nr. 221009) hat die Stadtverwaltung die besondere, aktuelle Bedeutung der unbebauten Freiräume an den Rändern der Stadt Bonn im Übergang zu den Nachbarkommunen beschrieben. Sowohl für den Lebensraumverbund bedrohter Arten als auch den Erhalt wertvoller Böden zur regionalen Nahrungsmittelproduktion, die Kalt- und Frischluftproduktion in Zeiten des Klimawandels und die örtliche Naherholung für die wachsende Stadtbevölkerung sind gerade diese interkommunalen Freiräume von ganz entscheidender Bedeutung für die zukunftsfähige Entwicklung Bonns. Als sich die Bundesstadt Bonn im Jahr 2004 zusammen mit fünf Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises auf den Weg machte, ein gemeinsames Freiraumbild für die Wachstumsregion zu entwickeln, standen die Sicherung und Verknüpfung der Freiräume über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg im Vordergrund. Im Rahmen der Regionale 2010 war es seinerzeit gelungen, erhebliche Fördermittel für das interkommunale Gemeinschaftsprojekt Grünes C zu generieren, um in einer Wachstumsregion einen durchgehenden Naherholungsraum langfristig zu sichern und für die Bevölkerung der Region erlebbar zu machen. Das Projekt und die Art der Zusammenarbeit der Akteure fand damals in der Fachwelt bundesweit große Anerkennung. Heute hat der Projektraum Eingang in überregionale Planungen gefunden, z. B. im Agglomerationskonzept oder dem „Masterplan Grün“ des Region Köln/Bonn e.V. sowie als regionaler Grünzug bei der Neuaufstellung des Regionalplans. Aber nicht nur in der Planung, sondern auch draußen vor Ort ist der Erfolg erkennbar. Wie selbstverständlich werden die Wege und Einrichtungen von den Menschen angenommen und genutzt. In den zurückliegenden Jahren haben sich die bisherigen Anforderungen an die Freiräume weiter verstärkt und neue Herausforderungen sind hinzugekommen: - Verstärkte Nutzung sämtlicher Grünflächen durch die Bevölkerung - Zunehmend dramatischer Verlust der ArtenvielfaltSeite 1 von 29 Seite 2 - Klimawandel mit deutlich spürbaren Konsequenzen vor Ort, d.h. Hitzesommern und Starkregenereignissen - Weltweite Lebensmittelknappheit Diese veränderten Herausforderungen waren Anlass für die Fachämter der beteiligten Kommunen, gemeinsam die Freiraumkulisse des Grünen C und deren Bedeutung für Mensch und Natur neu zu betrachten und zu bewerten. Mit den Naturparken als räumliche und inhaltliche Klammer können die Landschaftsräume der Region ein „blau-grünes Gegengewicht“ zur grauen Infrastruktur einer wachsenden Region sein. Die jetzt vorgelegte Ausarbeitung der sechs beteiligten Kommunen und der Naturparke Rheinland und Siebengebirge soll erneut den Blick schärfen für die ungewöhnliche landschaftliche Vielfalt der Region, aber v. a. für ihre Potentiale: - zu einer natur- und landschaftsverträglichen Freiraumnutzung im Ballungsraum, - zur Förderung der Artenvielfalt in vielen Ausprägungen, - zur Verbesserung der Klimaresilienz, - zur Erhaltung regionaler, nachhaltiger Lebensmittelproduktion und - zur Entwicklung und dem Erhalt unserer Kulturlandschaft. Die Ausarbeitung ist dabei keine konkrete Planung, die es unmittelbar umzusetzen gilt. Sie ist vielmehr eine gemeinschaftliche Willensbekundung der beteiligten Kommunen Bonn, Alfter, Bornheim, Niederkassel, Troisdorf und Sankt Augustin, die Freiraumplanung in der Region interkommunal weiterzuentwickeln. Wahrnehmung, Nutzung und Bedeutung der Landschaftsräume enden nicht an den Gemarkungsgrenzen. Diese Willensbekundung gibt Anstöße, den mit dem „Grünen C“ begonnenen Freiraumverbund auch räumlich über dessen bisherige Abgrenzung hinaus zu den „Rheinlandschaften“ zu entwickeln und weitere regionale Verflechtungen zu suchen. Damit kann die Broschüre auch eine wesentliche Grundlage sein zur Beantragung von Fördermitteln für aus dieser interkommunalen Zusammenarbeit entstehende Projekte zur Sicherung und Entwicklung der Freiräume der Region. Im engen Zusammenhang damit hat sich die Stadt Bonn der Zukunftsaufgabe der Schaffung einer nachhaltigen Zielperspektive für die Entwicklung der Bonner Freiflächen mit der Erarbeitung des Bonner Freiraumplans (DS-Nr. 1313742NV13 und DS-Nr. 201928-38 AA) angenommen. Inhaltlich werden die oben genannten neuen Herausforderungen an Freiräume wie die Folgen des Klimawandels, Artensterben, Erholungsnutzung und regionale Nahrungsmittelversorgung bezogen auf das Bonner Stadtgebiet und das angrenzende Umland analysiert und freiraumplanerische Visionen, Ziele und Lösungsansätze zur Weiterentwicklung aufgezeigt. Ergänzend wird im Rahmen der Neukonzeption des „Aktionsprogramm Biodiversität“ (DS-Nr. 211240) ein Handlungsrahmen für das Biodiversitätsmanagement der Stadt entwickelt. Übergeordnete Themen wie der Erhalt von Frischluftschneisen, Kaltluftentstehungsgebieten, Biotopverbundsystemen und Naherholungskonzepten enden nicht an der Stadtgrenze, sondern müssen im Kontext mit den angrenzenden Räumen betrachtet werden.Seite 2 von 29 Seite 3 Der aktuell in der politischen Beratung befindliche Bürgerantrag zur „Errichtung einer "Rheinaue-Nord" zum Zwecke des Klimaschutzes und als Naherholungsgebiet“ (DS- Nr.221009) nimmt dabei den Landschaftsraum zwischen Bonn Auerberg und dem angrenzenden Bornheimer Stadtteil Hersel in den Fokus und fordert eine interkommunal abgestimmte Entwicklung des Raumes. Tor zum Mittelrhein Die aktuellen gemeinsamen Bemühungen des Rhein-Sieg-Kreises mit der Bundesstadt Bonn und den Kommunen Alfter, Bad Honnef, Bornheim, Königswinter, Niederkassel, Wachtberg, Landkreis Neuwied sowie Landkreis Ahrweiler um ein Gesamtkonzept „Tor zum Mittelrhein“ ergänzen die Inhalte der vorgelegten Willensbekundung zur Entwicklung der Rheinlandschaften sehr gut. Im Rahmen eines „Letter of Intent“ haben die beteiligten Kommunen sich im September 2022 für eine gemeinsame Entwicklung einer Konzeption ausgesprochen. Die Federführung in der Bearbeitung liegt beim Rhein-Sieg- Kreis in Zusammenarbeit mit dem Verschönerungsverein Siebengebirge e.V. (VVS). Anlage/n 1 Broschuere (öffentlich)Seite 3 von 29 1 Vom Grünen C zu den RheinlandschaftenSeite 4 von 29 2 01. Präambel Das Grüne C: ein Blick zurück Knapp 62 Kilometer durchgehender Rad- und Fußweg, 39 Landschaftstore, drei Kilometer grüne Ortsränder, über drei Kilometer Baumreihen, 18 Info- und Raststationen sowie rund 13 Hektar Blühstreifen - diese bloßen Zahlen geben nur bedingt wieder, was mit dem Grünen C in vergangenen 10 Jahren entstanden ist: ein durchgehen- der Naherholungsraum zwischen Alfter, Bonn, Bornheim, Niederkassel, Troisdorf und Sankt Augustin direkt vor der eigenen Haustür. Die Chance, den Rhein via Fähre zu queren und interessante (alte und neue) Orte vorzufin- den, sich sportlich zu betätigen oder einfach nur auf schö- ne Landschaften zu schauen. Parallel entstand eine öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Freiraum: anfangs mitunter kontrovers diskutiert, findet mittlerweile eine Abstimmung mit den Füßen (bzw. mit dem Rad) im Grünen C statt. Mit dem Grünen C ergaben sich darüberhinaus neue Formen der Zusammenarbeit: sowohl interkommunal als auch in neuen Kooperationen, u.a. mit der Landwirtschaft oder auch mit den Naturparken im Umfeld. Im Rahmen der Regionale 2010 konnten durch das Grüne C große Fortschritte bei der Sicherung des Freiraums in einer stark wachsenden Region erzielt werden und damit auch einen Beitrag zur Entwicklung einer lokalen und regionalen Identität geleistet werden. Ein erster Umsetzungsstand ist also erreicht. Die betei- ligten Kommunen haben sich zudem u.a. auf gemeinsa- me Pflegestandards verständigt, um den einheitlichen Charakter des Freiraums auch in den nächsten Jahren präsentieren zu können. Neue Herausforderungen Anlass für diese Broschüre sind veränderte Anforderun- gen an eine nachhaltige Freiraumentwicklung im Sinne eines zukunftsfähigen Freiraumkonzeptes über die kom- munalen Grenzen hinaus. Die Region zwischen Vorgebirgshang und Siegaue steht in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vor großen He- rausforderungen. Hoch aktuell sind die Einschränkungen durch Corona, die unsere Art zu leben, zu arbeiten, mobil zu sein und Freizeit zu verbringen, maßgeblich beeinflusst hat. Gerade in diesem Zusammenhang haben die Freiräu- me des Grünen C in den letzten Monaten noch einmal einen starken Bedeutungszuwachs erfahren: Erholung und Urlaub vor der eigenen Haustür standen und stehen hoch im Kurs, die Landschaften vor der Haustür wurden entweder wieder oder gänzlich neu entdeckt. Die stetige Nachfrage nach Wohnbauland und anderen Entwicklungsflächen schlägt sich u.a. in den ersten Ent- würfen des Regionalplans nieder, die ein weiteres Sied- lungsflächenwachstum beinhalten. Diese baulichen Ent- wicklungen brauchen jedoch einen starken Gegenpart in der Freiraumentwicklung, um den heutigen und künftigen Bewohnern der Region qualitativ hochwertige Grünräume in ausreichender Größe zur Verfügung zu stellen. Zugleich ist eine Reaktion auf die Veränderungen von Rahmenbedingungen für die Orts- und Regionalentwick- lung erforderlich. Der demografische Wandel ist sichtbar, in vielen Bereichen ist eine Ressourcenverknappung erkennbar. Der (land-)wirtschaftliche Strukturwandel steht in engem Zusammenhang mit Anforderungen an die Klimaanpassung. Eine vorausschauende Freiraumplanung kann (auch im Sinne einer Weiterentwicklung des Grünen C) wesentliche Beiträge leisten, um auf diese Verände- rungsprozesse angemessen reagieren zu können. Der Blick nach vorn Die neuen Herausforderungen erfordern eine Auseinan- dersetzung mit der Freiraumsituation. Liefert das Grüne C bereits die richtigen Antworten auf die Fragestellungen? Sind Inhalte und Gebietskulisse richtig gewählt, um auf heutige und künftige Herausforderungen angemessen reagieren zu können? Bedarf es weiterer Kooperations- partner wie etwa den Naturparken, um eine weitere Konzeption und Umsetzung auf ein breiteres Fundament zu stellen? Eine gemeinsame Entwicklungsstrategie gibt den inter- kommunalen Gesamtrahmen vor und ist zugleich Anreiz für die Akteure vor Ort, weiterhin gemeinsam den Frei- raum zwischen den 6 Kommunen (und darüber hinaus) zu entwickeln. Das vorliegende Papier liefert einen ersten Orientierungsrahmen für die inhaltliche, organisatorische und mögliche räumliche Erweiterung des Grünen C hin zu den Rheinlandschaften. Es formuliert eine interkom- munale Perspektive, stimmt lokale Entwicklungsvorstel- lungen mit externer Expertise ab und entwirft ein erstes Strukturbild für die Rheinlandschaften. Es bildet zugleich den Rahmen für künftige Projektideen. Das Konzept ist weder inhaltlich noch räumlich oder orga- nisatorisch ein starres Konstrukt. Die beteiligten Akteure sind in diesem Sinne offen für neue Partner, die sich in die künftige Freiraumentwicklung einbringen wollen. Die Broschüre ist wie folgt aufgebaut: 01 Präambel 02 Eine Perspektive für das Grüne C 03 Freiräume im Grünen C: Rückblick, Bestand & neue Aufgaben 04 Das Grüne C als Landschaftenpark 05 Vom Grünen C zu den RheinlandschaftenSeite 5 von 29 3 „Und insofern, glaube ich, hat das Grüne C die ganze Landschaft für die Bürger erlebbarer gemacht.“1) Die Städte Bonn, Bornheim, Niederkassel, Troisdorf, Sankt Augustin und die Gemeinde Alfter haben im Rahmen der Regionale 2010 das Grüne C gemeinsam konzipiert und umgesetzt. Im Fokus standen die Erhaltung und Aufwer- tung von Freiräumen in einem durch starkes Siedlungs- wachstum geprägten Raum, eine durchgehende Verknüp- fung dieser Räume und die Schaffung eines attraktiven und gut erreichbaren Naherholungsangebots direkt vor der Haustür. Mittlerweile werden die Wege und weiteren Strukturen des Grünen C von der Bevölkerung sehr gut angenom- men. Es finden spannende, stets gut besuchte Veranstal- tungen statt, aber auch in der alltäglichen Nutzung ist im Grünen C immer Betrieb. Das Grüne C ist darüber hinaus als gutes Praxisbeispiel für interkommunale Grünzüge in Forschungsvorhaben ein- gebunden und Gegenstand unterschiedlicher räumlicher Planungen in der Region Köln Bonn, wie dem Agglomera- tionskonzept oder der Neuaufstellung des Regionalplans. Die Bedeutung des Freiraums steigt! Im Sinne des Grünen C sind alle unbebauten Bereiche „Freiraum“ - dazu zählen neben den klassischen Grünflä- chen auch landwirtschaftliche Flächen und Wald. Gerade in dicht bebauten Regionen übernimmt dieser Freiraum vielfältige Funktionen: neben der Naherholung sind dies zum Beispiel der Arten- und Biotopschutz oder die Lebensmittelproduktion. Daraus erwächst die Notwen- digkeit, diesen Freiraum für zukünftige Generationen zu erhalten und vor Bebauung zu schützen. Daneben haben sich in den letzten Jahren weitere Herausforderungen ergeben, denen es zu begegnen gilt. Die Folgen des Klimawandels sind in der Region ablesbar: Ernteausfälle aufgrund von Trockenheit, Borkenkäferbe- fall, gesundheitliche Probleme bei empfindlichen Bevöl- kerungsgruppen in den Hitzesommern und katastophale Überflutungen nach Starkregenereignissen. Die Klima- wandelvorsorge ist mittlerweile ein elementarer Bestand- teil städtebaulicher Planungen. Freiräume übernehmen dabei wichtige Funktionen als natürliche Klimaanlage zur Durchlüftung von Siedlungsbereichen sowie als Reten- tionsraum und Wasserspeicher. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zu gesunden Lebensbedingungen. In den Zeiten der Corona-Pandemie und der damit ein- hergehenden Kontakt- und Reisebeschränkungen wurde der regionale Freiraum neu entdeckt und deutlich inten- siver genutzt. Viele Aktivitäten der örtlichen Bevölkerung fanden in den umgebenden Freiräumen statt, zugleich lag der Urlaubsfokus stärker auf der Region vor der eigenen Haustür. Insgesamt erfuhr das Grüne C damit eine neue Wertschätzung und zugleich eine Nutzungsintensivierung. Das Artensterben hält an. Das Bewusstsein dafür hat in der Gesellschaft zugenommen. Immer mehr Kommunen setzen sich für mehr Biodiversität im Stadtgrün ein. Heute gilt es mehr denn je, schützenswerte Bereiche vor zu in- tensiven Nutzungen zu bewahren und andere Freiräume im Sinne des Arten- und Biotopschutzes aufzuwerten. Der Regionalplan thematisiert in seinem aktuellen Ent- wurf neue Siedlungserweiterungen. Neben der Bereit- stellung notwendigen Wohnraums müssen aber Grüne Infrastrukturen mitgedacht werden. Freiräume wie das Grüne C haben dabei eine wesentliche Bedeutung, da sie Siedlungen gliedern und zur (Grün-)Vernetzung in der Region beitragen. Der Bevölkerung bieten sie Bewegungs- und Erholungsraum und tragen durch Besucherlenkung zum Schutz von sensiblen Bereichen bei. Sie sind zugleich landwirtschaftlich nutzbar und bieten damit Potenziale 02. Eine Perspektive für das Grüne C für urbane Landwirtschaft und regionale Nahrungsmittel- produktion in unmittelbarer Wohnortnähe. Eine neue Perspektive Die beschriebenen Herausforderungen erfordern ein Han- deln. Daher gilt es, das Grüne C strukturell, inhaltlich und räumlich weiterzuentwickeln. Diese Broschüre zeigt eine künftige gemeinsame Entwicklungsstrategie der beteilig- ten Akteure auf. Sie bildet einen Gesamtrahmen für die weitere Entwicklung der Freiräume. Zugleich ist sie Anreiz für die zahlreichen Akteure vor Ort, gemeinsam mit den Naturparken Rheinland und Siebengebirge den Freiraum in den beteiligten Kommunen weiterzuentwickeln. Folgende Schlüsselthemen wurden herausgearbeitet: * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion * Natur- und Landschaftsschutz * Stadtklima und Klimaanpassung * Land- und Forstwirtschaft * Siedlungsgliederung und Freiraumsicherung * Information und Bildung Anhand der Schlüsselthemen werden die Landschafts- räume des Grünen C auf ihre Bedeutung und ihr Entwick- lungspotenzial hin untersucht. Sie bilden den roten Faden dieses Berichtes. Der Planungsraum Das bisherige Grüne C bietet eine gute Grundlage, um alten und neuen Ansprüchen an den Freiraum planerisch zu begegnen. Die bisherige Gebietskulisse enthält aber auch Entwicklungspotenzial, etwa in der weiteren Qualifi- zierung der Freiräume oder der räumlichen Öffnung und Vernetzung mit weiteren Teilbereichen der Naturparke. 1) Dieses und weitere Zitate sind dem Evaluationsbericht „Grünes C“ entnommen. Weitere Angaben enthält das Impressum.Seite 6 von 29 © Stadt Bonn 4 03. Freiräume im Grünen C: Rückblick, Bestand und neue Aufgaben „Ich glaube die Bevölkerung hat das auch angenom- men. Ich glaube die Grundidee und die Infotafeln, das eignet sich auch alles um zu sagen, komm wir fahren mal zur Mondorfer Fähre, von Endenich über das Grüne C und fahren dann weiter in die Stadt, und gehen da etwas essen. Das bereichert schon irgendwo das Ange- bot.“ Ein breites Spektrum an Grün- und Freiflächen trägt we- sentlich zur Lebens- und Erholungsqualität von Städten und Gemeinden bei. Miteinander vernetzte Freiflächen dienen der Naherholung direkt vor der eigenen Haustür, geben den Siedlungsbereichen eine Struktur und erfüllen wichtige ökologische Funktionen. In die Siedlungsberei- che hineinragende Grünstrukturen verknüpfen Siedlungs- räume mit der umliegenden Landschaft und erzeugen ein breites Netz an Natur- und Freiräumen. Dies fördert nicht nur die Klimatisierung der bebauten Bereiche durch Kalt- und Frischluftbahnen, sondern unterstützt auch die wohnortnahe Erholung. Neben innerstädtischen Freiflächen spielen vor allem landschaftliche Freiräume eine zentrale Rolle für ein lang- fristig tragfähiges Entwicklungskonzept. In der Region um Bonn bilden die Rheinaue und die umliegenden Natur- parke einen wesentlichen Aspekt für die Entwicklung von Freiräumen. Künftige Aufgabe wird es daher sein, das bestehende Grün- und Freiflächensystem qualitativ und quantitativ zu wahren und weiterzuentwickeln. Dabei sind die vielfälti- gen ökologischen und sozialen Aufgaben des Freiraums im SInne der Schlüsselthemen zu berücksichtigen. Raum für Erholung, Begegnung und soziale Interaktion „[…] ‚Brückenschlag‘ – was wir auch wollten, dass der Fluss nicht trennt, sondern ein attraktives Element ist. „Wir fahren mit der Fähre“: das ist Urlaubsgefühl […].“ Das Grüne C hat die Quantität und Qualität der Naherho- lungsflächen rundum Bonn, Alfter, Bornheim, Niederkas- sel, Troisdorf und Sankt Augustin in den letzten Jahren in einen verbindenden Rahmen gesetzt, erlebbar gemacht und qualifiziert. Eine besondere Bedeutung für die Naher- holung hat dabei das durchgängige, verkehrssichere und über 60 km lange Wegenetz. Insbesondere die kommuna- len Teilprojekte Mondorfer Fähre in Bonn und Niederkas- sel, der Generationen-Parcours in Sankt Augustin und der Siegauen-Wanderparkplatz in Troisdorf werden von der Bevölkerung rege frequentiert. Diese intensive Nutzung des Freiraums bringt Konflik- te und Probleme mit sich. An sonnigen Wochenenden kommt es an Wasserflächen wie etwa dem Siegufer zu teils großen Besucheranstürmen mit den dazugehörigen Auswirkungen auf Mobilität und Umwelt. Dies hat sich in den Zeiten der Corona-Pandemie nochmals verstärkt. In Naturschutzgebieten ist eine derart intensive Freizeit- nutzung nicht mit dem ökologischen Schutzgedanken vereinbar. Konflikte entstehen auch durch Freizeitnutzung auf landwirtschaftlichen Wegen. Durch eine gezielte Lenkung der Erholungssuchenden und durch eine Zonierung entsprechender Angebote können ökologisch wertvolle Flächen geschützt und Konflikte zwischen konkurrierenden Nutzungen entzerrt werden. Ziel ist die bewusste Be- und Entlastung einzel- ner Regionen. Das Schlüsselthema Erholung, Begegnung und soziale Interaktion soll in Zukunft wie folgt programmatisch weiterentwickelt werden: * Weiterer Ausbau des Freiraumverbunds * Schaffung weiterer Freizeitangebote zur Entzerrung von Nutzungskonflikten * Ausbau des Radwegenetzes, Ausbau der Anknüp- fungspunkte an benachbarte Freiraumverbünde Angebot von Infrastrukturen wie Radstationen etc. * Ringschlüsse bestehender Wegeverbindungen: Fokus „Feierabendrunde“Seite 7 von 29 © Ralf Schuhmann, Foto + Media 5 Natur- und Landschaftsschutz Der dramatische Rückgang von Insekten wurde im Jahr 2016 erstmals publik und wird seitdem auch von einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert. Neben dieser öffentli- chen Wahrnehmung ist jedoch auch ein aktives Handeln vonnöten, um dem Insektensterben und dem Artenster- ben insgesamt Einhalt zu gebieten. Im Grünen C stand bereits zwischen 2010 und 2012 die Anlage von Blühstreifen im Fokus, die durch ihren Blüten- und Strukturreichtum Lebensraum für zahlreiche Insektenarten bieten. Die Pflanzung heimischer Bäume, Hecken und Feldgehölze stärkt den Arten- und Biotop- schutz und trägt zur Strukturierung der teils großflächigen landwirtschaftlichen Flächen bei. Unter anderem in den Teilprojekten Renaturierung des Rheidter Werth, der Umsetzung des Grünen Randes südlich von Bergheim oder der Anlage einer Streuobstwiese am Landschaftstor Gartenland in der Gemeinde Alfter spielte der Arten- und Naturschutz eine prägende Rolle. Seit 2014 besteht für den Landschaftsraum Pleisbachtal zudem die Möglichkeit, Flächen für den Naturschutz über das Naturschutzprojekt chance7 zu sichern und zu entwickeln. Perspektivisch gesehen spielt der Natur- und Artenschutz eine immer bedeutendere Rolle, auch unter den Rahmen- bedingungen des Klimawandels. Viele Kommunen haben sich zum Ziel gesetzt, die Biodiversität sowohl in inner- städtischen Bereichen als auch im baulichen Außenbe- reich zu stärken. Der fortschreitende Verlust der Biodiversität kann durch die Ausweisung von Schutzgebieten aufgehalten werden. Hierbei ist es wichtig, dass diese miteinander verknüpft werden und so ein Austausch der Arten und Populationen untereinander ermöglicht wird. Negative Beeinträchtigun- gen und von außen einwirkende Stressfaktoren sollten möglichst verhindert werden. Der Natur- und Artenschutzgedanke sollte jedoch nicht nur auf die Schutzgebiete beschränkt werden. Bei land- wirtschaftlich genutzten Flächen sollte eine Übernutzung vermieden werden. Die heute zum Teil im Grünen C vor- handenen intensiven Freizeitnutzungen sind nicht überall mit dem Schutz der dort heimischen Tierwelt vereinbar und sollen durch Maßnahmen zur Besucherlenkung abge- mildert werden. Das Schlüsselthema Natur- und Landschaftsschutz soll in Zukunft wie folgt programmatisch weiterentwickelt werden: * Zonierung zur Entlastung von Schutzgebieten (Besu- cherlenkung) * Ausbau der Kooperation mit der Landwirtschaft * Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität im landwirtschaftlichen Raum, z.B. Anlage von Acker- randstreifen und Feldgehölzen, Aufwertung von Stillgewässern * Ergänzungen des Biotopverbundsystems, Flächen- schutz (Ausweisung von Schutzgebieten) * Renaturierung von Gewässern und intensiv genutzten FlächenSeite 8 von 29 © Stadt Bonn © Gemeinde Alfter 6 Stadtklima und Klimaanpassung Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits in der Region angekommen und werden in den nächsten Jahren noch deutlich spürbarer. Mit dem Siedlungswachstum wird die thermische Belas- tung insbesondere in den bebauten Siedlungsbereichen deutlich ansteigen. Der Wärmeinseleffekt wird zuneh- men. Damit steigt die Zahl gesundheitlicher Risiken und Einschränkungen in der Lebensqualität der Menschen. Vor allem Kinder, ältere und kranke Menschen sind be- troffen. Die Freiräume des Grünen C wirken bereits heute wie eine Klimaanlage. Ihre Bedeutung als Kalt- und Frischluft- entstehungsgebiete wird zunehmen. Damit Kaltluftströme in lufthygienisch belastete und überhitzte Siedlungslagen gelangen können, müssen bestehende Leitbahnen von Bebauung freigehalten werden. Von hoher Bedeutung ist der Erhalt von Freiflächen in den Siedlungsbereichen. Fließ- und Stillgewässer wirken ebenfalls als Kalt- und Frischluftentstehungsgebiete und -leitbahnen. Gleichzeitig stellen diese besonders klimatisch relevante Lebensräu- me dar, auf die viele vom Klimawandel bedrohte Arten mit engen Toleranzen in Bezug auf Temperatur und Was- serhaushalt angewiesen sind. Auch die Freiraumbereiche, die landwirtschaftlichen Flächen und Waldgebiete sind durch den fortschreitenden Klimawandel zunehmend einem Trockenstress ausgesetzt. Zugleich erhöhen sich durch den Klimawandel die Gefah- ren durch Hochwasser- und Starkregenereignisse, insbe- sondere innerhalb der Siedlungsbereiche. Die Folgen von lokalen Starkregenereignissen sind in der Region über- deutlich sichtbar geworden. Naturnahe Retentionsflächen entlang von Gewässern können schädliche Auswirkungen von Hochwassern mindern. Durch eine Sicherung unversiegelter Freiflächen im Freiraum wird die natürliche Regulierung des Wasser- haushalts gefördert, Grundwasservorkommen können regeneriert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Bode- nerosion von ungeschützten Offenböden in einer inten- siven Landwirtschaft. Ackerrandstreifen und Feldgehölze können den Bodenabtrag minimieren. Auch angepasste und bodenschonende Bewirtschaftungsformen und Bear- beitungsverfahren können einen Beitrag dazu leisten. Nach Abschluss des Grünen C ist in einem Teil der mit- wirkenden Kommunen der Klimanotstand ausgerufen worden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund rückt das Thema Klimaschutz stärker in den Fokus. Mit den folgenden Zielen und anknüpfenden Maßnah- men soll durch das Grüne C das Schlüsselthema Stadt- klima und Klimaanpassung programmatisch weiterent- wickelt werden: * Fokus auf Umwelt- und Generationengerechtigkeit * gezielter Schutz von Kaltluftschneisen und Kaltluftent- stehungsgebieten * stärkere Verzahnung mit dem Siedlungsraum (Ent- wicklung von Baumalleen, die in den Siedlungsraum hineinreichen) * Baumpflanzungen, Alleenbildung, Pflanzung von He- cken und Feldgehölzen * Implementierung der Prinzipien der Schwammstadt (bspw. Nutzung der Ränder für Retentions- und Versi- ckerungsflächen) * Entsiegelungen ‚grauer‘ Freiraumpotenziale * Fokus auf das Thema Gewässerrenaturierung * Fokus auf das Thema WaldumbauSeite 9 von 29 7 Land- und Forstwirtschaft Der Landwirtschaft kommt eine wichtige Bedeutung für den Erhalt von Freiraum sowie zur Bewahrung und Ent- wicklung der Kulturlandschaften zu. Gleichzeitig ist sie ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor für die Region. Aufgrund der fruchtbaren Böden und des milden Klimas im Rheintal ist die landwirtschaftliche Nutzung im Grünen C besonders ertragreich und vielfältig. Der überwiegende Teil des Freiraums des Grünen C ist Anbaugebiet für Obst und Gemüse, Ackerfläche oder Weideland. Der regelmäßige Austausch mit der Landwirt- schaftskammer und - über Küchentischgespräche - mit einzelnen Landwirten wurde bereits bei der Umsetzung des Grünen C von allen Beteiligten sehr geschätzt. In einer umweltbewusster werdenden (Stadt-)Bevölke- rung gewinnen die Themen urbane Landwirtschaft, urban gardening, regionale Produkte, nachhaltige Landwirt- schaft immer mehr an Bedeutung. Land- und forstwirt- schaftliche Flächen bieten nicht nur Erholungsraum, sondern auch die Möglichkeit, alternative Anbau- und Bewirtschaftungsformen im Vergleich zu einer konventio- nellen Landwirtschaft kennenzulernen. Perspektivisch sollten die Grundlagen für die Zusam- menarbeit zwischen konventionellen und alternativen Bewirtschaftungsformen weiter ausgebaut werden, um nachhaltige Konzepte wie urbane Landwirtschaft oder partizipative Lebensmittelproduktion zu etablieren. Neue Bewirtschaftungsformen sind dabei behilflich, den Stel- lenwert von Freiflächen im Bewusstsein der Bevölkerung zu erhöhen. Bei der Entwicklung landwirtschaftlicher Räume sollte im Vordergrund stehen, die prägenden Elemente der Kulturlandschaft zu erhalten, nachhaltig weiterzuentwi- ckeln und langfristig zu sichern. Die Rolle von ökologisch nachhaltigen und urbanen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Nutzungen sollte zukünftig gestärkt werden. Zusammen mit neuen Produktions- und Ver- marktungsformen werden diese in Zukunft eine wichtige Bedeutung für eine nachhaltige, regionale Nahrungsmit- telversorgung einnehmen. Nachhaltige Landbewirtschaf- tungen, die Extensivierung von Grünland oder die Anlage von Streuobstwiesen tragen zudem dazu bei, Freiraum vor einer Flächeninanspruchnahme und Versiegelung zu schützen und die Artenvielfalt zu erhöhen. In der Forstwirtschaft werden die Themen Natur- und Artenschutz, Waldumbau und Wasserhaushalt an Bedeu- tung gewinnen. Mit den folgenden Zielen soll das Grüne C im Schlüs- selthema Land- und Forstwirtschaft programmatisch weiterentwickelt werden: * Förderung nachhaltiger Land- und Forstbewirtschaf- tung * Förderung des Vertragsnaturschutzes und Extensivie- rung von Grünland * Kooperationen mit Landwirten zur Steigerung der Biodiversität (bspw. Blühstreifen) * klimawandelgerechter Waldumbau © Ralf Schuhmann, Foto + MediaSeite 10 von 29 8 Siedlungsgliederung und Freiraumsicherung „Man lebt nicht nur von Wohn- und Gewerbegebieten und Landwirtschaft alleine. Die Naherholung, der land- schaftliche Charakter in seiner Wohnumgebung spielt für jeden eine erhebliche Rolle.“ Grüne Siedlungsränder betonen den Übergang zwischen Siedlungsfläche und freier Landschaft. Sie grenzen dabei die Siedlung zur Natur hin ab und bieten gleichzeitig das Potenzial, das Landschaftsbild im Übergang zur bebauten Siedlung abzurunden. Gut entwickelte Ränder schützen die Freiräume vor dem anhaltenden Druck durch Flä- cheninanspruchnahme für Siedlungen, Gewerbe und Verkehr. Die Siedlungsgliederung und der Schutz der Freiräume bei gleichzeitigem fortschreitendem Siedlungswachstum war von Beginn an das prägende Schlüsselthema des Grü- nen C. Die Anlage von Grünen Rändern und der Schutz von bereits entstandenen oder drohenden Engstellen im Freiraumverbund wurden mit großem Aufwand vorange- trieben. Im Zuge der Umsetzung des Grünen C konnten insgesamt 3,0 km gestalteter Siedlungsrand in unter- schiedlichen Ausprägungen baurechtlich gesichert, herge- stellt und bereits vorhandene Engstellen vor der bauli- chen Inanspruchnahme geschützt werden. Neben den baulichen bzw. freiraumplanerischen Elementen spielte die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Bedeutung des Freiraums von Beginn an eine besondere Rolle. Das Schlüsselthema Siedlungsgliederung hat im Rheintal um Köln und Bonn nach wie vor eine besondere Relevanz. Der Siedlungsdruck ist ungebrochen. Das Agglomerati- onskonzept und der Entwurf des Regionalplans zeigen, dass perspektivisch der Druck zur Inanspruchnahme der Freiräume anhalten wird und die Flächen des Grünen C in Zukunft immer mehr in Gefahr geraten werden. Die Definition und der Schutz der Siedlungsränder wer- den daher weiter an Bedeutung gewinnen. Das Schlüsselthema Siedlungsgliederung und Freiraum- sicherung soll in Zukunft wie folgt programmatisch weiterentwickelt werden: * Gestaltung und Sicherung weiterer Ränder, insbeson- dere an den Engstellen der Siedlungsentwicklung * Nutzung weiterer Sicherungsmaßnahmen: Baupla- nungsrecht (Ausweisung von Grünflächen, Ausgleichs- flächen), Ausweisung von Schutzgebieten, Grund- stückserwerb, Zweckbindungen * Belegung der Siedlungsränder mit weiteren Funkti- onen, die einer baulichen Inanspruchnahme entge- genstehen, wie bspw. Retentions- und Versickerungs- flächen, Ausgleichsmaßnahmen, Artenschutzflächen, Spiel-, Sport- und Erholungsangebote, Selbsternteflä- chen usw. © Ralf Schuhmann, Foto + MediaSeite 11 von 29 9 Information und Bildung Ein wesentlicher Beitrag für den Erhalt der Freiräume liegt darin, das Bewusstsein für Natur und Umwelt so- wie für den Stellenwert des Freiraums bei der Bevölke- rung zu schärfen. Vor allem Kinder und Jugendliche können die Ziele des Natur- und Landschaftsschutzes schon früh durch eine angepasste Bildung nähergebracht werden. Dabei ist es wichtig die Zusammenhänge zwischen den landschafts- prägenden Elementen von Natur und Landschaft sowie der Landwirtschaft aufzuzeigen und für die Menschen vor Ort anschaulich erfahrbar zu machen. Die Akzeptanz für naturschutzfachliche Aspekte in Land- und Forstwirtschaft kann dadurch gefördert und durch eine frühe Bewusst- seinsbildung für die Zusammenhänge in Ökosystemen das Interesse für regionale Nahrungsprodukte geweckt werden. Zudem lohnt es sich, die hohe Wertigkeit von natürlichen Ressourcen der Region und von regionalen Naturschutzgebieten öffentlichkeitswirksam ins Bewusst- sein zu rufen. Die Sensibilisierung der Bevölkerung für diese Themen war von Beginn an ein wesentliches Standbein des Grü- nen C: das Wegenetz im Grünen C ist gleichzeitig Informa- tionsmedium. Die vielen Informationstafeln und Stationen vermitteln dem Nutzer historische Zusammenhänge, Hin- tergründe zu besonderen Orten, Informationen über die Landschaft, Sehenswürdigkeiten, querende touristische Routen und angrenzende Siedlungsräume und lenken die Aufmerksamkeit auf diese. Auf diese Weise erfolgt eine Stärkung der Identifikation der Bürger mit der Landschaft, die sie umgibt. Mehr als 90 Info- und Sonderhinweistafeln wurden im Grünen C an den Raststationen und Toren errichtet. Information und Bildung ist ein Querschnittsthema, sodass in den bereits beschriebenen Schlüsselthemen korrespondierende Bildungsangebote bereits genannt wurden. Zusätzlich zu diesen Bausteinen soll über folgende Ziele und Maßnahmen das Schlüsselthema Information und Bildung programmatisch weiterentwickelt werden: * Ausbau von Kooperationen mit regionalen und lokalen Hochschul- und Forschungseinrichtungen * Ausbau des Wegenetzes mit weiteren Info-Tafeln zu spezifischen Orten und Hintergrundinformationen mit Bezug zu den programmatischen Schlüsselthemen * Etablierung von weiteren pädagogischen Angeboten, außerschulischen Lernorten, Lehrpfaden mit Bezug zu den programmatischen Schlüsselthemen * Weiterführung des Angebotes an Touren, Wanderun- gen und anderen Veranstaltungen im Grünen C © Ralf Schuhmann, Foto + Media© Ralf Schuhmann, Foto + MediaSeite 12 von 29 10 04. Das Grüne C als Landschaftenpark „... man kann jetzt hier Land- schaftsräume präsentieren und kann zeigen, was die Landschaft rundum eigentlich hergibt. Das ist etwas, was wir zum ersten Mal hier gemacht haben. Und dass man die Landschaft in ihrer Vielfalt präsen- tieren kann, ist eine gute Sache.“ Ein von Beginn an wichtiger Bestand- teil des Grünen C waren neun an den jeweiligen Örtlichkeiten orientierten Landschaftsräume, welche in ihrer Gesamtheit als Landschaftenpark fungieren. Als Landschaftsräume wurden größere zusammenhängen- de Natur- und Kulturräume wie z.B. das Messdorfer Feld, das Pleisbachtal oder der Vorgebirgshang definiert. Insgesamt liegt die Gebietskulisse des Grünen C eingebettet in den Übergang von der Waldville im Wes- ten über den Vorgebirgshang in die Köln-Bonner Rheinebene hin zu den Bergischen Heideterrassen und dem Siebengebirge im Osten. Aufgabe der nächsten Jahre ist es, die Landschaftsräume in ihren Eigen- arten zu entwickeln, die Verknüpfun- gen zwischen den einzelnen Räumen zu stärken und das Grüne C in Gänze inhaltlich weiter zu entwickeln. Die verfolgten Ziele für die weiteren Entwicklungen der neun Landschafts- räume werden im Folgenden anhand der Schlüsselthemen formuliert.Seite 13 von 29 © Gemeinde Alfter 11 Gartenland Alfter, Bonn, Bornheim Die vielfältige, in den Ebenen großstrukturierte Felder- landschaft für Obst- und Gemüseanbau zählt zu den ertragreichsten und ältesten Garten- und Obstanbauge- bieten in ganz Deutschland. Zahlreiche Höfe und Gärtne- reien prägen neben der Felderlandschaft das Raumbild. Es herrscht ein intensiver jahreszeitlicher Wechsel des Landschaftsbildes. Ziele * Natur- und Landschaftsschutz: Sicherung der bestehenden Nutzung, Erhalt des landschaftsraumtypischen Charakters, gleichzeitig Identifizierung und Förderung/Weiterentwicklung von weiteren Potenzialflächen, Förderung der Zwischen- räume zu anderen Landschaftsräumen * Siedlungsgliederung und Freiraumsicherung: Einbindung der Ortsrandlagen in die Landschaft durch Eingrünung der Siedlungsränder, insbesondere bei Neuanlage von Siedlungs- und Gewerbeflächen * Stadtklima und Klimaanpassung: Sicherung des Freiraums als Kaltluftentstehungsort sowie Freihalten der Frischluftschneisen von den Vorgebirgshängen * Land- und Forstwirtschaft: Landwirtschaft im Klimawandel, Sicherung der nachhaltigen Landwirtschaft und fruchtbarer Böden, Boden- und Erosionsschutz, produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen (PIK), Vertragsnatur- schutz, vielgliedrige Fruchtfolgen, Förderung der Ko- operationen sowie örtlichen und regionalen Vermark- tung, wissenschaftliche Kooperationen integrierter Arten- und Biotopschutz in der Landwirt- schaft, Biotopvernetzung durch Erhalt und Förderung von landschaftsgliedernden Elementen/Strukturen als Wanderkorridore in der Agrarlandschaft (Blühstreifen, Brachen, Solitärgehölze), Erhalt der kulturhistorischen Landschaftselemente wie Streuobstbestände, ergän- zende klimaangepasste Maßnahmen z.B. Gehölznach- pflanzungen, Schutz wertvoller Böden * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: Schutz und Entlastung empfindlicher Lebensräume durch Besucherlenkung, gleichzeitig Anreicherung der Landschaft als Erlebnisraum zur Erholung, Schaffung einer naturverträglichen Verbindung von den Orts- teilen der Gemeinde Alfter nach Swisttal über die Ville-WaldgebieteSeite 14 von 29 12 Vorgebirgshang Bornheim Während in der Ebene überwiegend großstrukturierte, gartenbaulich genutzte Felder vorzufinden sind, ist die Felderlandschaft in den Hanglagen deutlich kleinstruktu- rierter. Die naturräumlichen Gegebenheiten begünstigen eine in- tensive gartenbauliche und landwirtschaftliche Nutzung. Zudem findet sich in den Hangbereichen eine extreme „Grünraumverdichtung“, die eine sehr hohe Vielfalt an Flora und Fauna begünstigt. Ziele * Natur- und Landschaftsschutz: Stärkung des südlichen Ortsrands Bornheims und Herausstellung landschaftlicher Besonderheiten (Sandabbau) * Klimaanpassung und Landwirtschaft: Obstanbau im Klimawandel * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: Verbindung zum RegioGrün und zum Naturpark Rheinland * Information und Bildung: Sand-Lab / Quarzgrube: Weiterentwicklung der stillge- legten und ökologisch hochwertigen Sandlandschaft, Standort für einen außerschulischen Lernort © Ralf Schuhmann, Foto + MediaSeite 15 von 29 13 Meßdorfer Feld Bonn Die siedlungsnahe, landwirtschaftlich genutzte Felder- landschaft erfährt durch Hecken und Baumreihen geringe Strukturierung. Das ca. 150 ha große Gebiet bildet die größte siedlungsnahe Freifläche Bonns und ist beliebte Kulisse für die wohnortnahe Freizeitnutzung. Ziele * Siedlungsgliederung und Freiraumsicherung: Einbindung der Ortsrandlagen in die Landschaft durch Eingrünung der Siedlungsränder, insbesondere bei Neuanlage von Siedlungs- und Gewerbeflächen * Stadtklima und Klimaanpassung: Sicherung des Kaltluftentstehungsgebiets und der Frischluftschneise für die Stadt Bonn * Land- und Forstwirtschaft: Förderung der lokalen und regionalen Lebensmittel- produktion und -vermarktung Integrierter Arten- und Biotopschutz in der Landwirt- schaft, Biotopvernetzung durch Erhalt und Förderung von landschaftsgliedernden Elementen/Strukturen als Wanderkorridore in der Agrarlandschaft (Gehölz- strukturen, Blühstreifen, Brachen, Solitärgehölze), Erhalt der kulturhistorischen Landschaftselemente wie Streuobstbestände, ergänzende klimaangepasste Maßnahmen z.B. Gehölznachpflanzungen, Schutz wertvoller Böden * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: Attraktivierung für Kinder und Familien, Optimierung von WegeverbindungenSeite 16 von 29 © Irmgard Mohr 14 Kieslandschaft Bornheim Der Landschaftsraum beinhaltet zahlreiche stillgelegte und renaturierte (wassergefüllte) oder noch in Betrieb befindliche Kies- und Sandabgrabungen. Die rekultivierten Gruben (wie der Herseler See) bilden neue Lebensräume für Flora und Fauna. Daneben sind landwirtschaftlich ge- nutzte Flächen typisches Merkmal des Landschaftsbildes. Ziele * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: nördliche Verbindung zum RegioGrün * Natur- und Landschaftsschutz: Rekultivierung als Chance für den Artenschutz * Information und Bildung: Kies- Wasser-Lab: integrierte Nachnutzungsplanung für den Kiesabbau, Fokus auf das Biotop Kiesgrube, Standort für außerschulischen LernortSeite 17 von 29 15 Rheinaue Niederkassel, Bornheim, Bonn Außerhalb der bebauten Bereiche der Städte befinden sich beidseitig des Rheins teils ökologisch hochwertige naturnahe Auenbestände (Weichholzaue), die bei Hoch- wasser bis zu den Deichen überflutet werden und die Städte vor den Gefahren und Schäden eines Hochwasse- rereignisses bewahren. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre seichten Ufer sowie Gehölze und Wiesen bis an die Deiche aus. Durch den Wechsel der Standortbedingungen entsteht ein vielfältiges Ökosystem. Ziele * Natur- und Landschaftsschutz: Erhalt und Entwicklung naturnaher Flusslandschaften * Stadtklima und Klimaanpassung: Erhalt von Retentionsräumen, Schutz vor Hochwasser, Sicherung und Entwicklung von Frischluftschneisen * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: Schutz und Entwicklung hochwertiger Biotopflächen durch BesucherlenkungSeite 18 von 29 16 Sieg-Aue Troisdorf, Bonn, Sankt Augustin Entlang des naturnahen Flusslaufs befinden sich Auen- waldbestände, Überschwemmungsgrünland und Deiche. Auch die Altarme der Sieg sowie Weidenbestände tragen zum Landschaftsbild bei. Der besonders fruchtbare Boden zwischen den Deichen der Sieg kann ertragreich beackert werden und führt zu starker landwirtschaftlicher Nutzung. Der hohe Landschaftswert der Flussauenlandschaft für Natur und Erholung bedingt einen starken Nutzungsdruck durch Erholungssuchende. Ziele * Natur- und Landschaftsschutz: Erhalt und Entwicklung naturnaher Flusslandschaften * Stadtklima und Klimaanpassung: Erhalt von Retentionsräumen, Schutz vor Hochwasser, Sicherung und Entwicklung von Frischluftschneisen * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: Schutz und Entwicklung hochwertiger Biotopflächen durch BesucherlenkungSeite 19 von 29 © Ralf Schuhmann, Foto + Media 17 Hangelarer Heide Sankt Augustin Die weiträumige Heidelandschaft bietet wertvollen Lebensräumen für Flora und Fauna und zugleich hohen Erholungswert. Das offene Landschaftsbild ist durch eine Flora geprägt, die charakteristisch für die vorhandenen mageren Flugsandböden ist. Daneben besteht eine Viel- zahl von Kies-Abgrabungsflächen sowie ein Mosaik aus landwirtschaftlich genutzten Flächen. Frühere Abbauge- biete ließen Feuchtgebiete entstehen. Um den Bewuchs der Heide niedrig zu halten und einer Verbuschung vorzubeugen, wird die Hangelarer Heide mit schottischen Hochlandrindern und zeitweise auch mit Schafherden beweidet. Die Grünflächen des ältesten, noch im Betrieb befindlichen Flugplatzes Deutschlands werden ebenfalls noch zur Heide gezählt. Ziele * Natur- und Landschaftsschutz: Förderung der Biotopvernetzung: z.B. Anbindung der Biotope in der Grünen Mitte Sankt Augustin, Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des städtischen Ökokontos * Land- und Forstwirtschaft: Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft in Ko- operation mit den hier tätigen Landwirten, Vertrags- naturschutz, Förderung der regionalen Nahversorgung * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: bessere Anbindung angrenzender Stadtteile (z.B. Hangelar)Seite 20 von 29 © Birgit Dannefelser 18 Birlinghovener Wald Sankt Augustin Der artenreiche Laubwald mit verschiedensten trockenen bis feuchten Standorten bietet mit seiner bewegten To- pografie eine abwechslungsreiche Kulisse für die Naher- holung und erstreckt sich in südlicher Richtung bis zum Siebengebirge. Ziele * Stadtklima und Klimaanpassung: Vorrang des Waldnaturschutzes mit dem Fokus „Wald im Klimawandel“, Sicherung Kaltlufteinzugsgebiet- und leitbahnen, Verwendung klimawandelangepasster Baumarten * Land- und Forstwirtschaft: klimaangepasster Waldumbau * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: Schaffung einer Verbindung zum Naturpark Siebenge- birge * Information und Bildung: Forest LabSeite 21 von 29 © Ralf Schuhmann, Foto + Media 19 Pleisbachtal Sankt Augustin Das Pleisbachtal entlang des namensgebenden Pleis- baches ist ein von Wiesen und Auenwäldern geprägter Landschaftsraum. Der renaturierte und nun naturnahe Pleisbach verläuft durch das Tal entlang des Fußes des Siebengebirges und mündet in die Sieg. Der hohe Erho- lungswert wird durch ein gut ausgebautes Wanderwege- netz inklusive verschiedener Brücken erlebbar gemacht. Ziele * Natur- und Landschaftsschutz: Umsetzung der Maßnahmen aus dem Projekt „chan- ce7 - wir fördern Heimat“ und der EU Wasserrahmen- richtlinie, Kooperation mit regionalem Wiesen- und Weidenzentrum des BUND * Stadtklima und Klimaanpassung: Erhaltung der wichtigen Frischluftschneise und Kalt- luftentstehungsgebiete ebenso wie die Retentionsflä- chen rund um den Pleisbach * Land- und Forstwirtschaft: Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft in Kooperation mit den hier tätigen Landwirten, Ent- wicklung landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteter Flächen zu artenreichen Wiesen und Weiden * Erholung, Begegnung, soziale Interaktion: Verbindung des Pleisbachtals über das Pleiser Hügelland zum Naturpark Siebengebirge und Rhein- land: natur- und landschaftsverträglicher Ausbau des Wegenetzes, Aufwertung des Pleisbachabschnittes von Burg Nie- derpleis bis zur Mündung in die Sieg * Information und Bildung: Vermittlung des hohen Wertes bunter Wiesen und strukturreicher, artenreicher extensiver Weiden für Ökologie und (Heimat-) Identität. Informationen zu kulturhistorischen Besonderheiten des RaumesSeite 22 von 29 20 05. Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften Das Grüne C zeichnet sich durch seine Vielfalt unter- schiedlichster Landschaften auf engem Raum aus, in unmittelbarer Nähe zum dichten Siedlungsgefüge. Diese Landschaftsräume wurden in Verbindung zueinander gesetzt und in ihrer Wahrnehmbarkeit, Erreichbarkeit und Erlebbarkeit gestärkt. Geht der Blick nur ein wenig über das Grüne C hinaus, schließen dort unmittelbar weitere vielfältige Land- schaftsräume herausragender Qualität an, mit Eigen- schaften, die im Grünen C in diesen Ausprägungen nicht vorzufinden sind: große und alte Waldgebiete, vulkanisch geformte oder auch vom Rhein geprägte Landschaften. Durch eine räumliche Erweiterung des Grünen C bietet sich die Chance, diese Vielzahl bestehender Qualitäten miteinander in Verbindung zu setzen und im bisherigen Sinne weiter auszubauen: Vom Grünen C zu den Rhein- landschaften. Die Naturparke als Klammer Das Grüne C bindet an drei der insgesamt 12 nord- rhein-westfälischen Naturparke an. Diese zeichnen sich durch großräumige Landschaften mit besonderen Eigenarten aus, die überwiegend aus Landschafts- und Naturschutzgebieten bestehen. Die Ville mit ihren zahlreichen Seen, das Vorgebirge, die Rheinebene, die Bördelandschaften und die Kotten- forst-Wälder zählen ebenso zum Naturpark Rheinland wie das Drachenfelser Ländchen. Für die Naherho- lungssuchenden des Ballungsraumes ist der Naturpark Siebengebirge wichtiges Erholungsgebiet. Den Naturpark Bergisches Land charakterisiert eine typische Mittelge- birgslandschaft. Er wird aktuell durch das Strukturför- derprogramm REGIONALE 2025 qualifiziert und in der Weiterentwicklung des Grünen C zunächst nicht berück- sichtigt.Seite 23 von 29 21 Zu den Aufgaben der Naturparke gehören die Förderung einer nachhaltigen Regional- und Tourismusentwicklung, die Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung von Natur- und Kulturlandschaften und ihrer Arten- und Biotopvielfalt, Naturerlebnis- und Erholungsangebote sowie Aufgaben der Umweltbildung. Damit stehen die Naturparke vor ähnlichen Herausforderungen wie die Landschaftsräume im Grünen C, die definierten Schlüs- selthemen finden sich in den Naturparken als Zukunfts- aufgabe wieder. Somit gibt es sowohl inhaltliche als auch räumliche Gemeinsamkeiten, die durch eine verstärkte zukünftige Zusammenarbeit ein gemeinsames Raumbild für die Region beschreiben. Das bisherige Grüne C stellt ein räumliches Bindeglied vor allem zwischen den Naturparken Rheinland und Sieben- gebirge dar. Beide Naturparke wirken räumlich wie eine grüne Klammer und bieten mit ihrer übergeordneten Verknüpfungs- und Vernetzungsfunktion Chancen und Möglichkeiten, das bisherige Grüne C weiterzuentwickeln. Die räumliche Kulisse bietet Ansatzpunkte, die bisher fehlende Verbindung zwischen beiden Naturparken zu schließen und einen weiteren „Sprung über den Rhein“ herzustellen. Weitere regionale Verflechtungen Weitere regionale Projekte und Planungen verfolgen die Entwicklung von Siedlungsflächen oder fokussieren auf den Erhalt, die Erlebbarkeit und die Entwicklung von Freiräumen und grüner Infrastrukturen. Diese bieten das Potenzial, an Vorhandenes anzuknüpfen und Synergieeffekte zu erzielen, um Freiraumschutz und Freiraumentwicklung über kommunale Grenzen hinweg zu denken. Anknüpfungen an das RegioGrün Der strategische Ansatz des Projektes RegioGrün liegt in der Weiterführung des Kölner Grünsystems. Verschiedene Wander- und Radwegerouten verbinden Frei- und Land- schaftsräume. Für das Grüne C bietet sich die Chance, im Bereich Bornheim und Niederkassel Schnittstellen zu den Strukturen des RegioGrüns herzustellen. Kooperation Köln & rechtsrheinische Nachbarn Im Rahmen der „Raumperspektive 2035“ verfolgt die Ko- operation Köln & rechtsrheinische Nachbarn u.a. ein inte- griertes Siedlungs-, Mobilitäts- und Freiraumkonzept. Ein Impulsprojekt ist das „Integrierte Entwicklungskonzept Produktive Stadtlandschaft Südraum“. Dieses legt den Fokus auf die nachhaltige Entwicklung von Stadt-Land- schaften und betrachtet dabei die Siedlungsränder. Inhaltlich und räumlich bieten sich Anknüpfungspunkte und Synergieeffekte für die Weiterentwicklung des Grü- nen C, vor allem im Bereich Troisdorf und Niederkassel. Anbindung an die Wahner Heide Nördlich von Troisdorf und Siegburg und westlich von Niederkassel befindet sich die Wahner Heide. Ein gut er- schlossenes Wegenetz dient der Naherholung, Verknüp- fungen mit dem Grünen C bieten sich an.Seite 24 von 29 22 Integration „neuer“ Landschaftsräume Die Naturparke bilden künftig eine starke organisatori- sche und räumliche Klammer und zugleich Ansatzpunkte für einen zweiten Sprung über den Rhein. Diese Struktur denkend, ergeben sich innerhalb der Naturparke Korrido- re, die unterschiedliche Landschaftsräume einbinden und diese miteinander verbinden. Diese Landschaftsräume übernehmen aufgrund ihrer Lage und naturräumlichen Ausstattung wiederum unter- schiedliche Funktionen: sie sind Lebensraum für Flora und Fauna, dienen der Produktion von Nahrungsmitteln oder übernehmen klimatische Funktionen. Sie können aber auch als Naherholungsräume genutzt werden und die heutige Kulisse des Grünen C ergänzen. In diesen Räumen soll weniger das Neugestalten, sondern stärker das Präsentieren und das Verknüpfen der quali- tätsvollen Landschaftsräume im Fokus stehen. Nachfol- gend sind einige diese Landschaftsräume beispielhaft aufgeführt, die Darstellung ist nicht abschließend. Waldville Bornheim, Swisttal, Alfter südlicher Teil der Ville mit geschützten Eichen-Hainbu- chenwäldern, Stillgewässern und typischer Tier- und Pflanzenwelt. Anlaufpunkte & Eigenarten: Reste alter römischer Was- serleitungen, historische Wegenetze, Waldalleen, Einzel- höfe, Aussichtsmöglichkeiten in die Rheinebene Kottenforst Alfter, Bonn, Wachtberg ca. 4.000 ha großes historisches Waldgebiet auf der Hauptterrasse des Rheins, mit aus dem 18. Jahrhundert stammendem sternförmigem Alleensystem Anlaufpunkte & Eigenarten: Campus Kottenforst, histo- rische Wegekreuze und Gedenksteine, Überreste römi- scher Übungslager, Bahnhof Kottenforst, Kopfbuchensteg, Weg der Artenvielfalt, Haus der Natur, Jägerhäuschen Drachenfelser Ländchen Bonn, Meckenheim, Remagen (RPF), Wachtberg abwechslungsreiche und reliefierte Landschaft, geprägt durch Rheinterrassen und Vulkanismus. Neben landwirt- schaftlichen Nutzflächen und Wäldern prägen vulkanische Silhouetten sowie historische Ortschaften das Land- schaftsbild. Anlaufpunkte & Eigenarten: Fernblicke auf die Eifel und das benachbarte Siebengebirge; Rodderberg (Heinrichs- blick); Burgen, Töpferdorf Adendorf Siebengebirge Bad Honnef, Bonn, Königswinter geprägt insbesondere durch markante vulkanische Kuppen. Der vielfältige Kulturlandschaftsbereich ist ein viel frequentiertes Naherholungsgebiet im Köln-Bonner Ballungsraum. Anlaufpunkte & Eigenarten: u.a. Drachenfels und Wol- kenburg mit Burgruine, Zahnradbahn von Königswinter, Weinberglagen bis Rhöndorf, Steinbrüche am Nord- und Südosthang, Petersberg, Löwenburg, Kloster Heisterbach, Margarethenhöhe, Ölberg Pleiser Ländchen & Pleiser Hügelland Bad Honnef, Bonn, Hennef (Sieg), Königswinter, Sankt Augustin landwirtschaftlich geprägte und seit Jahrhunderten besiedelte Kulturlandschaft mit teils markanten Kastentä- lern des Pleis- und Hanfbachs mit Wiesen, Weiden und Ackerflächen. Die teils historischen Ortslagen werden von Baumschulen, Gärtnereien und Obstplantagen umgeben. Anlaufpunkte & Eigenarten: zahlreiche, zumeist histori- sche Ortskerne sowie Bauern- und Gutshöfe, Fernblicke auf Siebengebirge, Bergisches Land und Kölner Dom Katzenlochbachtal Bonn geprägt durch den Lengsdorfer Bach sowie durch ein kleinteiliges Nutzungsmosaik. Lebensraum für viele, teils geschützte Tier- und Pflanzenarten. Anlaufpunkte & Eigenarten: Lengsdorfer Bach Venusberg / Waldau Bonn waldbewachsenes Hochplateau im Übergang zwischen Siedlung und Wald im Süden Bonns, ehemaliges Hoch- moorgebiet, das namensgebend ist (Venn/Hochmoor). Waldau am Südhang des Venusbergs als Teil des Bonner Stadtwaldes und nördlichster Bereich des Kottenforsts. Anlaufpunkte & Eigenarten: Weg der Artenvielfalt, Schwarz- und Rotwild-Tiergehege, Haus der Natur, Kopf- buchenpfad, Quellgebiet Engels- und Gieveningsbach, archäologische Funde jungsteinzeitlicher Wallanlage Rheinaue / Rheinauenpark Bonn entstanden zur Bundesgartenschau 1979 als Naherho- lungsgebiet und verbindende Grünfläche für Bonn, Bad Godesberg, Beuel sowie Oberkassel. Anlaufpunkte & Eigenarten: Rheinauensee mit Kaskade, Blindengarten, Rosengarten, Japanischer Garten, Lehr- pfad der Jahresbäume, Löffelwald, Römerstraße, Bienen- haus, TotempfahlSeite 25 von 29 23 Ein perspektivisches Raumbild „Ich wünsche mir, dass man weiter an und mit diesem Projekt arbeitet, dass man einen dynamischen Prozess entwickelt, um auch die Bürger mitzunehmen, damit das Schöne und Interessante an diesem Projekt an die Öffentlichkeit gebracht wird, damit man sich damit identifizieren kann.“ Mit dem Grünen C ist bisher ein facettenreicher Naher- holungsraum entstanden, der die kommunalen Freiräume miteinander verknüpft und zahlreiche Freiraumfunktio- nen übernimmt. Die Entwicklung eines solchen Projektes ist jedoch nie ganz abgeschlossen. Im „Alltagsgeschäft“ sind bspw. Pflege- und Unterhaltungsstandards festzulegen und zur Richtschnur aller beteiligten Kommunen zu machen. Da- mit kann der im Rahmen der Regionale 2010 umgesetzte Stand des Grünen C mindestens für die an die Förderung gebundene Zweckbindungsfrist aufrecht erhalten werden. Wichtig ist jedoch auch eine inhaltlich-programmatische Weiterführung im Hinblick auf die aktuellen Herausforde- rungen (Schlüsselthemen) innerhalb der heutigen Raum- kulisse, eine Verknüpfung mit angrenzenden Räumen und Projekten sowie auch eine räumliche Weiterentwicklung des Grünen C. Die folgenden Abbildungen zeigen dafür mögliche Pers- pektiven und Umsetzungshorizonte auf. Schritt 1: Verstetigung und Weiterentwicklung der heutigen Kulisse * weitergehende Sicherung der neun Kultur- und Naturlandschaftsräume innerhalb der heutigen Kulisse des Grünen C, bspw. durch Entwicklung der „Ränder“ * Bearbeitung der Engstellen, auch zur Verknüpfung der neun Kultur- und Naturland- schaftsräume untereinander * inhaltliche Weiterentwicklung der Landschaftsräume in den benannten Schlüsselthe- men Umsetzungsperspektive: kurzfristigSeite 26 von 29 24 Schritt 2: Verankerung des Grünen C im regionalen Umfeld, Naturparke als starke Klammer * räumliche und organisatorische Einbindung der Naturparke * Stärkung der regionalen Verflechtung des Grünen C * Gestaltung der Übergänge zu den Raumkulissen der angrenzenden regionalen Projek- te („Übergabestellen“, Wegeverbindungen) Umsetzungsperspektive: kurz- bis mittelfristig Schritt 3: Optionen einer räumlichen Weiterentwicklung * Erweiterung der Raumkulisse des Grünen C: Einbindung weiterer Landschaftsräume, zweiter Sprung über den Rhein * Abgleich zwischen Schutz und Entwicklung der einzelnen Landschaftsräume, Entlas- tung empfindlicher Räume Umsetzungsperspektive: mittel- bis langfristigSeite 27 von 29 Die Rheinlandschaften stellen mittel- bis langfristig einen Verbund von Freiräumen bzw. Kultur- und Naturland- schaften dar * der von kommunalen und regionalen Partnern getra- gen und gemeinsam entwickelt wird * als durchgehender Naherholungsraum vor der eige- nen Haustür * als Kulisse für den Arten- und Biotopschutz * als Teil einer „Klimaanlage“, die der Anpassung an die Folgen des Klimawandels dient * als Produktionsraum hochwertiger Lebensmittel, die auf kurzem Weg zum Verbraucher gelangen können * als „blau-grünes“ Gegengewicht zur Entwicklung „grauer Infrastrukturen“ in einer stark wachsenden Region * zur Vermittlung von Heimatwissen und zur regionalen Bewusstseinsbildung 25Seite 28 von 29 26 Impressum Auftraggeber: Bundesstadt Bonn Amt für Umwelt und Stadtgrün Berliner Platz 2 | 53111 Bonn In Vertretung für die Partnerkommunen des Grünen C Alfter, Bornheim, Bonn, Niederkassel, Sankt Augustin und Troisdorf Kontakt: umweltundstadtgruen@bonn.de 0228 / 77 4499 Bearbeitung: BKR Aachen Noky & Simon Karl Hamacher | Christoph Küpper | Lasse Panfil | André Simon in Kooperation und Abstimmung mit den Kommunen des Grünen C Fotos und Abbildungen - soweit nicht anders gekenn- zeichnet: BKR Aachen Noky & Simon Die in der Broschüre enthaltenen Zitate sind dem Evaluationsbericht „Grünes C“ entnommen, der nach Abschluss der Projektphase im Rahmen der Regionale 2010 entstanden ist (BKR Aachen & Lieber Planung 2015: Grünes C - Evaluation des Projektes). Aachen, März 2022Seite 29 von 29
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