222173-03 · Mitteilungsvorlage
Bürgerantrag: Verpflichtung zur Biotonne in allen Bonner Haushalten
Kerndaten
- Nummer
- 222173-03
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 13.01.2024
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Kenntnisnahme
- Sitzung des Rates Kenntnisnahme
Dateien
- Sammeldokument öffentlich Öffnen ↗
Verwandte Vorlagen
Übergeordnet
Volltext
Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.
Text anzeigen (14.109 Zeichen)
Mitteilungsvorlage öffentlich 222173-03 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 66 Tiefbauamt Dezernat: Dez. III 29.10.2022 Bürgerantrag: Verpflichtung zur Biotonne in allen Bonner Haushalten Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 31.01.2024 Kenntnisnahme Rat 01.02.2024 Kenntnisnahme Mitteilung: Der Rat der Stadt Bonn hat in seiner Sitzung am 22.08.2023 unter TOP 5.19.die bonnorange AöR um Mitteilung gebeten, wie die Quote an gesammeltem Biomüll in Bonn gesteigert werden kann. Die bonnorange AöR teilt dazu Folgendes mit: Die Verwertung des Bioabfalls spielt für den Ressourcen- und Klimaschutz eine herausragende Rolle. Das Umweltbundesamt hat 2020 eine vergleichende Analyse von Siedlungsrestabfällen in Deutschland veröffentlicht, woraus hervorgeht, dass bundesweit durchschnittlich 39,3 Prozent des Hausmülls nativ-organische Abfälle sind. In Bonn liegt das Potenzial, das in demselben Jahr mithilfe einer Sortieranalyse ermittelt wurde, bei 42,6 Prozent. Entlang der Abfallhierarchie ist es der bonnorange AöR ein wichtiges Anliegen, die in den 42,6 Prozent enthaltenen verpackten Lebensmittel (das sind unter anderem solche, die das Haltbarkeitsdatum überschritten haben und deshalb in der Verpackung entsorgt werden; von ihrer Verpackung befreit, hätten diese über die Biotonne verwertet werden können) als Abfälle zu vermeiden, indem wir darüber aufklären, dass nicht alle Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, zwangsläufig in den Müll gehören und Einkäufe geplant stattfinden sollten, damit die Lebensmittel verbraucht werden, bevor ihre Haltbarkeit abläuft. Unvermeidbare Abfälle sind einem möglichst hochwertigen Recycling zuzuführen. Der Bonner Bioabfall wird dem REK überlassen und derzeit in einer Kompostierungsanlage verwertet. Mittelfristig ist hier die Ergänzung einer Vergärungsstufe geplant. Die Vergärung bzw. Kompostierung von Biogut ist der sonstigen (energetischen) Verwertung vorzuziehen. Damit Stoffe wieder als Rohstoffe in der Produktion eingesetzt werden können (Sekundärrohstoffe), müssen diese Wertstoffe möglichst sortenrein gesammelt werden. Die Erfahrungen der Bonner Abfallwirtschaft seit Beginn der 1990er Jahre ist, dass die Bioabfallqualität im Sinne der Sortenreinheit insbesondere in kleineren Wohnstrukturen (1-6- Familienhäusern) besonders gut ist. Bisher wurde auf den sogenannten Anschluss- und Benutzungszwang für die Biotonne verzichtet, weil in großen Wohnanlagen die Voraussetzungen für die sortenreine BioabfallsammlungSeite 1 von 7 Seite 2 ungünstig sind. Ein nur geringer Anteil der Bewohner*innen kann die Bioabfallqualität durch Unachtsamkeit derart negativ beeinflussen, dass sie den Anforderungen der Bioabfallverordnung (BioAbfV) nicht entspricht. So hat die Verwertungsanlage ein Rückweisungsrecht für Biogut bei mehr als 3 % Gesamtfremdstoffen in der Frischmasse und ab Mai 2025 gilt der verschärfte Kontrollwert für Kunststoffe von 1 % in der Frischmasse. Dennoch ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber Vorgaben machen wird, um die Quote des gesammelten Bioguts zu steigern. So wurde zunächst bei der 95. Umweltministerkonferenz festgehalten, dass es das Gremium für notwendig ansieht, die Mengen der derzeit noch im Restmüll befindlichen Bioabfälle bundesdurchschnittlich bis zum Jahr 2025 mindestens um ein Drittel zu reduzieren und bis 2030 mindestens zu halbieren. Die bonnorange AöR hat bereits im Abfallwirtschaftskonzept für die Bundesstadt Bonn (AWIKO) ihre Bestrebungen dargelegt, die noch im Restabfall befindlichen Bioabfälle der getrennten Bioabfallsammlung zuzuführen. Hierzu wurde zum 01.01.2023 die Änderung der Abfallsatzung beschlossen, sodass auch Speisereste für die Bioabfallbehälter zugelassen sind. Ferner soll mit verschiedenen Kampagnen der Öffentlichkeitsarbeit eine Akzeptanz- und Imagesteigerung herbeigeführt werden. So wird bereits auf Fahrzeugen von bonnorange mit einem Einblick in den Laderaum eines Abfallsammelfahrzeugs darauf aufmerksam gemacht, dass in der Grauen Tonne zu viele kompostierbare Abfälle landen und für die kostenlose Biotonne geworben (s. Anlage Bild 1). Daneben hat die bonnorange AöR im Juli 2023 ein Pilotprojekt mit Biofilterdeckel gestartet. Die Erfahrungen aus dem Kontakt mit Bürger*innen und die repräsentative Kundenzufriedenheitsbefragung, die im Jahr 2023 durchgeführt wurde, haben gezeigt, dass insbesondere befürchtete unangenehme Gerüche zu Vorbehalten führen. Das Pilotgebiet umfasst rund 2.000 Grundstücke in Duisdorf, Tannenbusch, Heiderhof und Muffendorf, die mit Biotonnen an die Abfallsammlung angeschlossen sind. Dort hat bonnorange die Biotonnen mit 120 Litern Volumen kostenlos durch neue Biotonnen mit Biofilterdeckel ausgetauscht. Großbehälter an Wohnanlagen sind nicht Bestandteil des Piloten. Der neue Deckel schließt Tonnen dank einer Dichtung geruchsdicht ab, sodass Fliegen auch nicht mehr in den Behälter eindringen können. Das Material des integrierten Biofilters enthält Mikroorganismen, die mit Hilfe von Enzymen Schad- und Geruchsstoffe in Kohlenstoffdioxid und Wasser zerlegen. Gerüche sollen neutralisiert werden. Die Erprobung ist auf eine Laufzeit von 2 Jahren angelegt. Bei Erfolg soll die Übertragbarkeit auf das gesamte Stadtgebiet analysiert werden. Des Weiteren wird im Pilotgebiet ein Störstoffdetektionssystem getestet. Sogenannte biologisch abbaubare Plastiktüten oder auch Beutel aus biobasierten Kunststoffen gehören nicht in die Biotonne. Denn in den Kompostierungs- und Vergärungsanlagen ist eine Unterscheidung, ob ein Plastikbeutel aus fossilen, biobasierten oder abbaubaren Rohstoffen hergestellt wurde, nicht möglich: Darum werden sie größtenteils bereits in der Abfallaufbereitung (z.B. Siebung) gemeinsam mit anderen Störstoffen aussortiert und als Restmüll entsorgt, was für die Anlagenbetreiber mit großem Aufwand verbunden ist. Kunststoffe, die hier nicht aussortiert wurden, verbleiben als Mikroplastik im Kompost. Wird dieser dann als Dünger in der Landwirtschaft genutzt, landet das Mikroplastik wieder in der Lebensmittelproduktion. Angeblich biologisch abbaubare Plastiktüten oder Beutel aus biobasierten Kunststoffen bringen also eine Menge Nachteile fürSeite 2 von 7 Seite 3 unseren Bioabfall mit sich. Sie benötigen oft einen deutlich längeren Zeitraum, um abgebaut zu werden. Dafür sind Kompostwerke nicht ausgelegt. Und selbst, wenn biologisch abbaubare Plastiktüten tatsächlich abgebaut werden, verunreinigen sie bis dahin Teile des Komposts. Mithilfe des Störstoffdetektionssystems sollen Verunreinigungen erkannt werden, um die Qualität des gesammelten Bioguts zu steigern und die Tonnen mit Verunreinigungen zu identifizieren. Ebenfalls um Kunststoffe aus der Biotonne fernzuhalten, hat die bonnorange AöR in Kooperation mit der RSAG AöR 2023 die Biotüte aus 100 Prozent recyceltem, ungebleichtem, nassfestem und kompostierbarem Spezialpapier in den Handel gebracht. Sie hilft dabei, die feuchten Küchenabfälle und Essensreste zu sammeln und sicher zu transportieren. Zudem passt sie in viele gängigen Vorsortierer für Bioabfälle. Um ihre Bekanntheit zu steigern arbeitet die bonnorange AöR mit einer Agentur an einer optimierten Präsentation am Point of sale. Bezogen auf die ausgegebenen Restabfallbehälter liegt der Anschlussgrad an die Biotonne in der Stadt Bonn bei circa 75 Prozent. Der hohe Anschlussgrad korrespondiert mit dem hohen Anteil an Einfamilienhäusern und Zweifamilienhäusern (circa 67 Prozent). In Bonn leben 72,3 Prozent der Bevölkerung in drei und mehr Parteienhäusern (Zensus 2011), sodass davon auszugehen ist, dass zwar die Mehrheit der Objekte die freiwillige Biotonne nutzen, aber nur eine Minderheit der Gesamtbevölkerung Zugang zur Bioabfallsammlung im Holsystem hat. Bonner*innen, die zum Beispiel als Mieter*innen keinen Zugang zu einer eigenen Biotonne an ihrem Wohnort haben, können seit Frühjahr 2023 an den beiden Wertstoffhöfen und den qualifizierten Grünannahmestellen Ückesdorf und Mehlem in den dort aufgestellten Grünen Tonnen ganzjährig während der Öffnungszeiten kostenlos Bioabfälle abgeben. Das „Bringsystem“ wird zunächst getestet und könnte bei entsprechender Akzeptanz ab 01.01.25 in die Abfallsatzung aufgenommen werden. Als ein mögliches Handlungsfeld wurde das Aufstellen von Biotonnen an Schulen und Kindergärten identifiziert, um einerseits Kinder schon frühzeitig mit Mülltrennung vertraut zu machen und sie idealerweise als Botschafter*innen für die Biotonne im Elternhaus zu gewinnen. Eine Anfrage einer Schule liegt bereits vor. Hier soll ein Termin angeboten werden, sobald die Stelle „Umweltbildung“ nachbesetzt ist, und die Möglichkeit zur Ausweitung analysiert werden. Die nachhaltige Umsetzung einer erfolgreichen Getrenntsammlung von Abfällen- und Wertstoffen im Bereich von Großwohnanlagen stellt eine der größten Herausforderungen der kommunalen Abfallwirtschaft dar. Der aktuelle Endbericht zur wissenschaftlichen Begleitung bei der Planung und Durchführung eines Pilotprojekts im Bereich von Großwohnanlagen zur Verbesserung der Qualität der erfassten Bioabfälle und zur Reduzierung des Kunststoffanteils im Auftrag des hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz durchgeführt vom Institut für Abfall, Abwasser und Infrastrukturmanagement GmbH (INFA) zeigt, dass die dort umgesetzten Maßnahmen insbesondere im Hinblick auf eine qualitative Verbesserung des Bioabfalls im Bereich der Großwohnanlagen nur bedingt gewirkt haben. Die Qualität der Bioabfälle verblieb auch durch die umfangreichen Maßnahmen auf einem unverändert niedrigen Niveau. Für eine nachhaltige Veränderung geht die bonnorange AöR von einem deutlich langwierigeren Prozess aus, der insbesondere durch Umweltbildung und die Biotonne an Schulen (siehe oben) angestoßen werden soll. Denn in der StudieSeite 3 von 7 Seite 4 von INFA wird insbesondere die Ansprache und Einbindung von Kindern empfohlen: „Da Kinder vielen Themen aus Neugierde zunächst immer offen gegenüberstehen, sind sie der ideale Multiplikator, da sie vielfach aus Eigenantrieb die Informationen an alle Familienmitglieder weitertragen.“ Die bonnorange AöR plant die gezielte Abfallberatung zunächst bei mittelgroßen Mehrfamilienhäusern zu intensivieren. Auch hierfür wird die bonnorange AöR gemäß dem aktuellen AWIKO ihre digitalen Angebote für die Abfallvermeidung und Wiederverwendung ausbauen und die Kapazitäten der Abfallberatung in Bonn an den Durchschnittswert der kreisfreien Städte aus dem Abfallwirtschaftsplan von Nordrhein-Westfalen angleichen, sodass 5,4 Stellen zur Verfügung stehen sollten, um sich den wachsenden Herausforderungen stellen zu können. Neue Aufkleber für Abfallgefäße, die nun darstellen, was in die jeweilige Tonne hineingehört und was nicht sowie QR- Codes, die auf eigens dafür angelegte Unterseiten führen, auf denen die Entsorgung der Abfälle kurz und knapp erklärt wird und zudem dank der Integration von künstlicher Intelligenz in 12 Sprachen übersetzt werden kann, soll auch Sprachbarrieren bei der korrekten Abfalltrennung abbauen (s. Anlage Bild 2). In einer aktuellen Studie des NABU zur Biotonne in Deutschland wird ein kritischer Blick auf die Eigenkompostierung geworfen, die häufig nicht sachgemäß durchgeführt wird bzw. „Gebührenbetrug“ betrieben wird, weil es keine Kontrollen gibt. Darum beabsichtigt die bonnorange AöR ein Anschreiben an alle Eigenkompostierer*innen (aktuell 4 %), um den Status der Eigenkompostierung abzufragen und auf die kostenlose Biotonne hinzuweisen. In anderen Kommunen wird die Eigenkompostierung an die bereitstehende Gartenfläche gekoppelt und zum Bioabfallaufkommen entsprechend der am Objekt gemeldeten Bewohner*innen ins Verhältnis gesetzt, um Überdüngung zu vermeiden. Aus den Handlungsempfehlungen im Hinblick auf die Entwicklung kommunaler Abfallvermeidungspolitiken aus dem Forschungsprojekt Circular Cities NRW geht hervor, dass stärker über verursachergerechte Abfallgebühren nachgedacht werden sollte. Zudem könnte durch „Nudging“ (bekannt aus der Verhaltensökonomie) mit einer Förderung ohne Verbote durch die Wahl der Verhaltensweise (Alternativen, Transparenz, Freiwilligkeit) eine Verhaltensänderung mithilfe des Prinzips „Default“ erreicht werden, indem die „Standardeinstellung“ dem gewünschten Verhalten entspricht und davon durch eine bewusste Entscheidung und ein Handeln abgewichen werden müsste. Das könnte für Bonn bedeuten, dass die Bio-Tonne zur Standardausstattung werden könnte, wobei die Abfall- und Gebührensatzungen entsprechend geändert werden müssten. Denn ein Gebührenmodell mit Lenkungswirkung, in dem die Bio-Tonne zur Standardausstattung gehört, könnte ein Anreiz zur Steigerung der Quote der Biogut-Sammlung sein. Hierüber sollte nachgedacht werden, wobei eine Einführung erst dann anvisiert werden sollte, wenn die bereits laufenden und geplanten Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen. Es ist geplant die Hausmüllanalyse 2025 erneut und dann in regelmäßigen Abständen durchzuführen. So kann überprüft werden, ob der Anteil organischer Abfälle im Hausmüll reduziert werden konnte. Die spezifische Bioabfallmenge lag bereits 2011 bei knapp 51 kg/(E*a) und schwankt seitdem zwischen 45 und 52 kg/(E*a). Die Prognosemengen im AWIKO wurden unter Berücksichtigung der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung auf Basis der durchschnittlichen einwohnerspezifischen Abfallmengen und Wertstoffmengen aus den JahrenSeite 4 von 7 Seite 5 2018 bis 2020 ermittelt. So wird angenommen, dass aufgrund der Satzungsänderung hinsichtlich der Zulassung von Speiseresten im Bioabfallbehälter die Hausmüllmenge um 5 kg/(E*a) sinkt und gleichzeitig die Bioabfallmenge um 5 kg/(E*a) bis 2025 steigt. In der Stärkung der Abfallberatung in Form der geplanten Imagekampagne sowie der Umsetzung von weiteren Maßnahmen aus dem geplanten Pilotprojekt wird ein Potenzial von weiteren 3 kg/(E*a) gesehen, das sich bis 2035 vom Restabfall in die Biotonne verlagern könnte. Auch diese Entwicklung könnte mithilfe einer Hausmüllanalyse überprüft werden. Anlage/n 1 Bild 1 (öffentlich) 2 Bild 2 (öffentlich)Seite 5 von 7 Seite 6 von 7 Seite 7 von 7
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:38 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de