222006-35 ST · Stellungnahme der Verwaltung
ST zu AA 12: FDP-Änderungsantrag: Zielbeschluss Bonner Klimaplan; hier: Energieverbrauch Bonner Kläranlagen und Kompensationsmöglichkeiten
Kerndaten
- Nummer
- 222006-35 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 01.03.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sondersitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg Kenntnisnahme
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 222006-35 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung Dezernat: Dez. OB ST zu AA 12: FDP-Änderungsantrag: Zielbeschluss Bonner Klimaplan; hier: Energieverbrauch Bonner Kläranlagen und Kompensationsmöglichkeiten Beratungsfolge Bezirksvertretung Bad Godesberg 01.03.2023 Kenntnisnahme Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 09.03.2023 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Die Verwaltung beantwortet die Fragen wie folgt: Die Verwaltung ermittelt zur Integration in den Klimaplan die Energieverbräuche der Bonner Kläranlagen nebst ihrer durch den Betrieb entstehenden CO2- Emissionen und beschreibt Kompensationsmöglichkeiten hierfür. Die Energieverbräuche und CO2-Emissionspotentiale der 4 Bonner Kläranlagen sind u.a. im Geschäftsbericht des Tiefbauamts aufgeführt und in der als Anlage 1 beigefügten Tabelle zusammengefasst dargestellt. CO2-Einsparungen und -Verbräuche Die in der Tabelle dargestellten gesamten CO2-Emmissionen aus den Verbräuchen von Strom und Erdgas anhand der vorliegenden Daten betragen 9.845 t CO2 pro Jahr. Dem stehen Emissionen-Einsparungen für Strom und Wärme von 8.704 t CO2 pro Jahr gegenüber. Die negative CO2-Bilanz rührt im Wesentlichen von den Erdgasemissionen her. Für diese gibt es nach jetzigem Kenntnisstand allerdings z.Zt. keine wirtschaftlicheren Alternativen ohne massive, kostenintensive Änderungen an den technischen Anlagen. Der Strombezug von den SWB ist reiner Naturstrom, der zu 100% aus Strom aus erneuerbaren Energien, finanziert aus der EEG-Umlage, besteht. Zusätzlich werden durch die Eigenerzeugung von Strom und Nutzungen von Abwärme 808 t CO2 pro Jahr eingespart. Untersuchte bzw. realisierte Kompensationsmöglichkeiten werden im Folgenden aufgeführt.Seite 1 von 5 Seite 2 Das Tiefbauamt untersucht laufend bei jeder Erneuerung oder Veränderung in den Technischen Abwasseranlagen Kompensationsmöglichkeiten zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Die realisierbaren Kompensationsmaßnahmen sind sehr abhängig von der verfahrenstechnischen Konzeption einer Kläranlage bzw. der Vernetzung der 4 Kläranlagen in Bonn. Von daher ist die verfahrenstechnische Vernetzung hier kurz beschrieben. Die 4 Kläranlagen sind über den Klärschlammpfad miteinander verknüpft. Das Verfahrensschema der Kläranlagen ist im Geschäftsbericht dargestellt. Im Anschluss an den Abwasserweg verfügen die KA Salierweg und die KA Duisdorf über eine Schlammbehandlung und die KA Salierweg über die Klärschlammverbrennungsanlage (KVA). Der gesamte anfallende Klärschlamm der 4 Kläranlagen wird in der KVA am Standort Salierweg verbrannt. Kurze Beschreibungen der Kläranlagen sind im ABK 2018-2023 zu Bestand, Ausbau und Leistungsfähigkeit und hinsichtlich Abwasser, Klärschlamm, Energie und Standorten aufgeführt. Bereits im Jahr 2011ff hat das Tiefbauamt für die KA Salierweg im Rahmen eines Förderprogrammes des Bundes ein Klimaschutzteilkonzept aufgestellt und mögliche CO2-Einsparungen und mögliche Maßnahmen untersucht. Es wurden Sofortmaßnahmen sowie kurz- bzw. mittelfristige und abhängige Maßnahmen geprüft und einige Maßnahmen umgesetzt. In Anlehnung daran wurden in den Folgejahren auch die anderen 3 Kläranlagen auf mögliche Maßnahmen zur CO2-Einsparung betrachtet. Der überwiegende Teil des Klärgases aus der KA Salierweg wird der KVA als Stützfeuerung zugeführt und damit eigengenutzt. Ein Teil des Klärgases aus der Schlammfaulung in der KA Salierweg und KA Duisdorf wird in Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme umgesetzt. Der Strom wird selbst genutzt, die erzeugte Wärme dient der Gebäudebeheizung. Ebenso wird ein Teil der Abwärme der KVA für die Gebäudeheizung genutzt. Ein weiterer Teil wird in einer Absorptionskältemaschine in Kälte umgewandelt und dient insbesondere im Sommer zur Kühlung der hitzeempfindlichen elektrischen Schaltschränke und Schalträume. Auf allen Kläranlagen wurden die bisher wirtschaftlich und organisatorisch vertretbaren Solarnutzungen zur Stromerzeugung (PV-Anlagen) oder Warmwasserbereitung (Thermische Solaranlagen) realisiert. Im Energiebericht im Geschäftsbericht 2021 sind Maßnahmen (BHKW- Anlagen, PV-Anlagen, Thermische Solaranlage) und deren CO2-Einsparung in einer Tabelle aufgeführt. Weitere umgesetzte Maßnahmen waren und sind: Austausch von älteren Elektromotoren durch neue Elektromotoren mit höherer Effizienzklasse und Stromeinsparungen. Ersatz der Beleuchtung (außen Anlagenbeleuchtung, innen Gebäudebeleuchtung) auf LED-Standard mit Stromeinsparungen.Seite 2 von 5 Seite 3 Einige Maßnahmen zur CO2-Reduzierung wurden im Klimaschutzteilkonzept 2013 (Endbericht) für die KA Salierweg untersucht und als nicht realisierbar und wirtschaftlich eingestuft: Gasaufbereitung und Einspeisung in das Erdgasnetz Die Biomethanerzeugung aus Faulgas auf der Kläranlage Salierweg ist derzeit nicht zu empfehlen, da die BHKW Faulgasnutzung mit Abwärmenutzung für die Kläranlage Salierweg derzeit wirtschaftlich und technisch vorteilhafter ist. Wasserstofferzeugung aus Faulgas und durch Elektrolyse Die Wasserstofferzeugung aus Faulgas auf der Kläranlage Salierweg ist derzeit nicht zu empfehlen, da die BHKW-Faulgasnutzung derzeit für die Kläranlage Salierweg wirtschaftlich vorteilhafter ist. Wasserkraft Aufgrund der örtlichen baulichen Gegebenheiten besteht nach Auffassung von SWB und Tiefbauamt keine Realisierungsmöglichkeit für eine Wasserkraftnutzung am Ablauf der Filtration. Große Windkraftanlage Der Bau einer großen Windkraftanlage mit horizontaler Welle mit 2 MW Leistung oder mehr ist auf dem Kläranlagengelände aus genehmigungsrechtlichen Gründen wegen der Nähe zur Wohnbebauung nicht möglich. Windkraft, kleine Vertikalwindräder Denkbar wäre die Installation von mehreren kleinen Windkraftanlagen mit vertikaler Welle, weil dabei kein Schattenwurf auftritt. Die Berechnungen 2013 ergaben, dass Jahreskosten von rund 60.000 €/a einem möglichen Stromertrag von 23.500 €/a (100 % Eigennutzung, 15,6 Ct/kWh) gegenüberstehen. Das Kosten-/Nutzenverhältnis ist ungünstig und derartige Kleinwindanlagen sind derzeit (noch) unwirtschaftlich. Allerdings kann sich die Wirtschaftlichkeitsgrenze zukünftig durch Strompreissteigerung und günstigere Windkraftanlagenpreise verschieben. Der Strompreis lt. Vertrag liegt für 2022 bei 19,4 ct/kWh und für 2023 bei 39,2 ct/kWh. Inwieweit derartige Windkraft- Anlagen heute wirtschaftlich sind, bedarf einer aktuellen Berechnung. Maßnahmen zur Schlammtrocknung und OptimierungSeite 3 von 5 Seite 4 Schlammverbrennungsanlage Durch das Erreichen einer selbstgängigen Verbrennung (neue (Solar-) Trocknungsanlage) wären erhebliche Faulgasmengen für die Nutzung in einem neuen großen BHKW möglich. Mit einer Machbarkeitsstudie zur zukünftigen Klärschlammverbrennung wurden bis 2019 das Verfahrenskonzept und die Wirtschaftlichkeit einer neuen und optimierten KVA am Standort Salierweg und 2 Alternativen genauer betrachtet. Der Neubau mit den Kooperationspartnern der KLAR am Standort Köln- Merkenich ist letztlich vorgezogen worden und befindet sich im laufenden Verfahren zur Realisierung. Die eigene KVA erhält nur noch die erforderlichen Ersatz- und Instandhaltungsmaßnahmen, um den Betrieb bis ca. 2029 sicherzustellen. Weitere Maßnahmen sind auch abhängig davon, wie die Empfehlungen und Ergebnisse in der Machbarkeitsstudie „Zusammenlegung der Bonner Kläranlagen“ bzgl. der verfahrenstechnischen, wirtschaftlichen, zeitlichen und organisatorischen Komponenten ausfallen werden. Die Endfassung der Studie ist nach dem neuesten Terminplan für Ende April 2023 vereinbart. Anlage/n 1 Tabelle (öffentlich)Seite 4 von 5 Anlage 01 zu ST zu AA 12: FDP-Änderungsantrag: Zielbeschluss Bonner Klimaplan; hier: Energieverbrauch Bonner Kläranlagen und Kompensationsmöglichkeiten Antrag zur Vorlage KAS Salierweg KAG Bad Godesberg KAB Beuel KAD Duisdorf Summe Auslegungsgröße EW 307.000 110.000, ab 2023 121.000 80.000 36.250 533.250 Angeschlossene E+EW 281.000 108.000 74.000 32.000 495.000 Stromverbrauch in kWh/a 14.100.000 2.300.000 1.800.00 1.700.00 19.900.000 Strombezug in kWh/a (Strompreis 0,21€/kWh) 13.400.000 2.300.000 1.800.00 1.300.00 18.800.000 Energiebezug Wärme, Erdgas/Heizöl/Dieselöl in Mio. kWh/a (Mittlerer Erdgaspreis 0,09 €/kWh) 169.000 379.000 293.000 651.000 1.492.000 Eigenerzeugung BHKW-Anlagen, PV-Anlagen, Solarthermie-Anlagen, AKM (Absorptionskältemaschine) In Kwh/a 914.000 70.000 5.000 441.000 1.925.000 CO2-Emmisionen Strom in kg CO2/a 5.922.000 966.000 756.000 714.000 8.353.000 CO2-Emissionen Erdgas in kg CO2/a 169.000 379.000 293.000 651.000 1.492.000 Gesamte CO2-Emissionen in kg/a 9.845.000 CO2-Einsparung durch Ökostrom Bezug in kg CO2/a 7.896.000 CO2-Einsparung durch Eigenerzeugung in kg CO2/a 808.000 Gesamte CO2-Einsparung in kg CO2/a 8.704.000 (Anmerkungen: Zahlen 2021. Zahlen in der Tabelle sind gerundet. CO2-Emissionen Strom 0,42 kg CO2/kWh, Erdgasheizung 0,2 kg CO2/Kwh, Therm. Solaranlage 340 kWh/m2/a, Aufgrund fehlender Zählerdaten am BHKW sind die CO2-Reduktion ohne Berücksichtigung der Wärmeleistung aus dem BHKW bei der Eigenerzeugung, diese wäre demnach noch höher als angegeben, Aktueller Strompreis 2023, 39,2 ct/Kwh)Seite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 22:48 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de