221775-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Umgang mit Alt- und Totholz in Wäldern
Kerndaten
- Nummer
- 221775-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 18.10.2022
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 221775-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Umgang mit Alt- und Totholz in Wäldern Beratungsfolge Beirat zum ehrenamtlichen Bevölkerungs- und Katastrophenschutz 19.10.2022 Kenntnisnahme Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 03.11.2022 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: 1. Wie beurteilt die Stadtverwaltung die Waldbrandgefahren, die durch trockenes Alt- und Totholz in unseren regionalen, naturnahen Wäldern verursacht werden? Um die Waldbrandgefahren durch trockenes Alt- und Totholz beurteilen zu können, müssen mehrere Faktoren betrachtet werden. Hauptursachen für Waldbrände: 548 Waldbrände auf einer Fläche von 148 Hektar gab es 2021 in Deutschland. Im Gegensatz zum Vorjahr sind sowohl die Anzahl als auch die Fläche der Waldbrände deutlich gesunken (2020: 812 Brände auf 368 Hektar; Statistik BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft)). Das menschliche Verhalten bzw. die menschliche Lebensweise ist eine der Hauptursachen für Waldbrände. Nicht nur eine achtlos weggeworfene Zigarette, sondern auch Glasflaschen, Funkenflug an Bahngleisen und Metallteile können zu einem Waldbrand führen. Hinzu kommen noch illegale Feuer, die außerhalb befestigter Grillplätze entzündet werden. Lagerfeuer und andere Zündquellen müssen zudem zuverlässig gelöscht werden, um keine Gefahr darzustellen. Betrachtet man die Zahlen der fortlaufenden Waldbrandstatistik, wird darüber hinaus ersichtlich, dass unbekannte Ursachen rein zahlenmäßig der größte Faktor für Waldbrände sind. Unbekannte Ursachen sind solche, bei denen kein eindeutiges Ergebnis über die Brandursache ermittelt werden konnte. 2021 war die Hälfte der Waldbrände hiervon betroffen. Es ist trotzdem davon auszugehen, dass es sich dabei um Freizeitaktivitäten, Lagerfeuer, Rauchen oder auch Brandstiftung handelt. Die Zahl der Waldbrände, die durch land- und forstwirtschaftliche oder industrielle Maßnahmen entstehen, ist relativ gering und diese können in den meisten Fällen auch nachgewiesen werden. Natürliche Ereignisse wie Blitzeinschläge lösen in Deutschland nur selten Waldbrände aus. Ein weiterer Grund für Waldbrände ist der Waldbau bzw. die Art und Weise, wieSeite 1 von 4 Seite 2 früher Forstwirtschaft betrieben wurde. Es wurden viele reine Nadelholzbestände begründet und gepflegt, um die stetig wachsende Nachfrage an Bauholz zu erfüllen. Dieses rein wirtschaftliche Handeln führte allerdings dazu, dass sich viel schnell brennendes und schnell entzündliches Material (ätherische Öle, trockene Nadeln und trockene Zweige) auf engstem Raum angesammelt haben. Heute wird Bauholz zwar immer noch benötigt, aber auch aus Gründen der Biodiversität und des Klimawandels nimmt man von reinen Nadelholzbeständen Abstand. Was ist Alt- und Totholz: Es handelt sich hierbei um eine große Vielfalt an Strukturen. Diese sind von Faktoren wie Baumart, liegend oder stehend, Stärke, Zersetzungsgrad, beschattet oder besonnt abhängig. So können an einem Baum verschiedene Mikrohabitate, beispielsweise Höhlen, Rindentaschen oder Mulm entstehen. Je nach Stärke des Holzes nimmt das Vorkommen der Arten zu und unterschiedliche ökologische Nischen werden besetzt. Wann spielt Totholz eine Rolle bei Waldbränden: Totholz spielt dann eine Rolle, wenn es sich beispielsweise in der Nähe von Bahnlinien und Straßen befindet. Hier kann es schnell durch Funkenflug oder eine weggeworfene Zigarette zu einem Waldbrand kommen. Das Gleiche gilt für lichtere Waldbestände, die meist hohe Grasbestände und ähnliche Vegetation aufweisen. Hier kommt auch die Gefahr durch den Lupeneffekt von weggeworfenen Glasflaschen zum Tragen. Trockenes Totholz begünstigt auf diesen Flächen das Ausbrechen von Waldbränden. Allerdings ist auch hier das menschliche Wirken der Auslöser. Positive Wirkung von Totholz: Alt- und Totholz haben allerdings auch positive Auswirkungen in unseren Waldbeständen. Diese Strukturelemente stellen Lebensraum, Nahrungsquellen und Überwinterungsquartiere für viele seltene und bedrohte Arten (z.B. Hirschkäfer, Schwarzspecht, Großes Mausohr, Hornissen, Feuersalamander und viele Pilzarten) dar. In Mitteleuropa leben ca. 1.350 Insektenarten und ca. 1.500 Großpilzarten in und am Totholz. Zudem ist in diesem Holz immer noch das CO2 gespeichert, welches der Baum beim Wachstum aufgenommen hat. Im Zuge der Zersetzung wird dieses CO2 allerdings wieder an die Umwelt abgegeben. Ein weiterer positiver Effekt von Totholz ist, dass es je nach Zersetzungsgrad auch viel Wasser speichern kann. Durch die Zersetzung des organischen Materials wird die Wasserspeicherfähigkeit des Waldbodens verbessert, wodurch bei Starkregenereignissen mehr Wasser aufgenommen werden kann. Dies ist gerade in Zeiten des Klimawandels wichtig. Zudem sind im Bastbereich und der Rinde viele Nährstoffe gespeichert, die bei der Zersetzung des Holzes wieder in den natürlichen Kreislauf des Waldes übergehen und die Bodenfruchtbarkeit verbessern. Fazit: Alt- und Totholz sind wichtige Strukturelemente, die wir in unseren Wäldern benötigen und begrüßen. Auch wenn sich Totholz im Hinblick auf Waldbrände negativ auswirken kann, kann es im Großen und Ganzen nicht aus der Fläche entfernt werden. Aus Sicht der Naturlandzertifizierung ist die Stadtverwaltung sogar dazu verpflichtet, Totholz im Stadtwald zu belassen und auch anzureichern. Die strengen Naturland-Richtlinien sorgen für eine ökologische und nachhaltige Waldnutzung. Solange die Bereiche der Arbeits- undSeite 2 von 4 Seite 3 Verkehrssicherung nicht gefährdet sind, wird das Alt- und Totholz im Stadtwald angereichert. Zudem gibt es kaum Bestände, die rein mit Nadelholz bestockt sind. Es ist wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren, um die Gefahr des Ausbruchs eines Waldbrands zu verhindern. Nach Empfehlung der Feuerwehr wäre es allerdings ratsam, totholzfreie Schutzstreifen neben Fahrwegen einzurichten. Dies gilt natürlich nicht für die Stämme, die aus dem Wald erwirtschaftet und in Fahrwegnähe für den weiteren Transport gelagert werden. Allerdings sind diese Baumstämme bereits entastet, womit sie keine schnell entzündliche Brandlast darstellen. Die Stadtverwaltung beurteilt die von trockenem Alt- und Totholz ausgehenden Waldbrandgefahren als gering. 2. Wie beurteilt die Stadtverwaltung die Gefahren, die durch Alt- und Totholz bei Starkregenereignissen verursacht werden? Starkregenereignisse können in Waldbeständen mit Alt- und Totholz zum Umfallen ganzer Bäume führen oder einzelne Äste abbrechen. Dies sind die Gefahren, die bei jedem Sturmereignis eintreten können. Auch gesunden lebenden Bäume kann ein solches Ereignis stark zusetzen. Im Hangbereich kann es durch Starkregen, wenn nicht genügend andere Strukturen oder Bäume auf der Fläche vorhanden sind, zum Abrutschen des liegenden Totholzes und zur Erosion kommen. Bei größeren Wassermengen kann zudem eine Destabilisierung eintreten, wenn stehendes Totholz auch im Wurzelbereich unterspült wird. Dies kann zum Umkippen der Bäume führen. Zudem kann es im Uferbereich dazu kommen, dass Totholz in das Gewässer gespült wird. Dies kann dann zu Durchflussbehinderungen und Schäden bei Verkeilung an Brücken und Durchlässen führen. Nach Einschätzung der Feuerwehr ist es hilfreich, wenn die Uferböschungen „aufgeräumt“ sind, da so weniger Probleme bei einem Starkregenszenario entstehen. Die Stadtverwaltung schätzt das Gefahrenpotenzial durch Alt- und Totholz bei Starkregenereignissen als gering ein. 3. Gibt es Überlegungen, angesichts der aktuellen Energieschwierigkeiten, das Alt- und Totholz an Bonner Bürgerinnen und Bürger abzugeben? Zur Zeit gibt es diese Überlegungen nicht. Wie bereits in Frage 1 beschrieben, ist der Bonner Stadtwald Naturland zertifiziert. Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig, Alt- und Totholz auf der Fläche zu belassen und anzureichern. Auch aus Gründen des Natur- und Artenschutzes wird das Alt- und Totholz im Wald verbleiben. Im Rahmen der Verkehrssicherung und durch Durchforstungen wird im Bonner Stadtwald Brennholz gewonnen. Die Anfrage nach Brennholz war in den letzten Monaten sehr hoch. Momentan ist noch Brennholz vorhanden und Brennholzkund*innen können dieses weiterhin erwerben. 4. Erwartet die Stadtverwaltung, aufgrund der gestiegenen Preise, eine Zunahme des illegalen Holzeinschlages und wie gedenkt sie diesemSeite 3 von 4 Seite 4 zu begegnen? Die Möglichkeit des illegalen Holzeinschlages besteht zwar, ist bis jetzt aber im Stadtwald noch nicht vorgekommen. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings höher, dass bereits eingeschlagenes Holz entwendet wird. Die Stadtförsterei begegnet dieser Problematik, indem mehr Kontrollen durchführt werden. Wenn beispielsweise ein Brennholzkunde meldet, dass er den Holzpolter nicht finden kann, wird ein Mitarbeiter der Stadtförsterei zur Kontrolle ausgesandt, um zu überprüfen, ob das Holz illegal entwendet wurde oder ob es nur nicht aufgefunden wurde. Sollte es vermehrt zum Holzdiebstahl kommen, bestünde noch die Möglichkeit der örtlichen Kontrollen durch das Ordnungsamt an sensiblen Stellen. Von den Staatsforsten werden in Stammholzpoltern z.T. GPS-Tracker versteckt, um Holzdieben auf die Spur zu kommen. Diese Möglichkeit würde sich je nach Poltergröße ebenfalls anbieten. Durch Informationen im Rahmen der Pressearbeit wird die Öffentlichkeit zu allen oben genannten Themen sensibilisiert. Anlage/n KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 10:15 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de