221697-108 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Haushaltsantrag der Koalition zur Einrichtung eines Finanz-Controllings – Änderungsantrag zur Vorlage 221697-74 AA Einbringung der Haushaltssatzung für die Haushaltsjahre 2023/2024 und des Finanz- und Investitionsprogramms 2022 bis 2027
Kerndaten
- Nummer
- 221697-108 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 14.04.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sondersitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe Kenntnisnahme
- Sitzung des Rates Kenntnisnahme
Dateien
- Sammeldokument öffentlich Öffnen ↗
Verwandte Vorlagen
Übergeordnet
Volltext
Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.
Text anzeigen (12.905 Zeichen)
Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 221697-108 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 20 Stadtkämmerei Dezernat: Dez. II Haushaltsantrag der Koalition zur Einrichtung eines Finanz-Controllings – Änderungsantrag zur Vorlage 221697-74 AA Einbringung der Haushaltssatzung für die Haushaltsjahre 2023/2024 und des Finanz- und Investitionsprogramms 2022 bis 2027 Beratungsfolge Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 18.04.2023 Kenntnisnahme Rat 27.04.2023 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Die Verwaltung empfiehlt folgenden geänderten Beschlussvorschlag: 1. Der Rat unterstützt das dargestellte Vorgehen und fordert die Verwaltung zur Durchführung eines Konsolidierungsprozesses mit einer Aufgabenkritik und Effizienzsteigerungen auf. Der Rat und seine Ausschüsse sind fortlaufend zu beteiligen. 2. Für die Umsetzung der aufgabenkritischen Prüfung sind zusätzlich 2 VZÄ erforderlich und werden dem Rat in seiner Sitzung am 27.04.2023 zur Stellenplanfortschreibung zur Beschlussfassung empfohlen. Ausgangslage und vorhandene Strukturen In der Verwaltung gibt es eine Vielzahl von Controlling-Elementen, aber noch kein umfassend ausgeprägtes strategisches Controlling. Neben den Controlling-Berichten der Fachverwaltung (insbesondere Amt 50, Konferenzzentrum, Projektcontrolling SGB, Monitoringbericht Schulen) erstellt die Kämmerei quartalsweise die Berichte zur haushaltswirtschaftlichen Lage. Seit 2020 wird die Forecast-Berichterstattung über die interaktive Plattform der Firma Axians IKVS dahingehend erstellt, dass die Budgetverantwortlichen die Erwartungen/Prognosewerte zum 31.12. eines Jahres ermitteln und Abweichungen kommentieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten nach der Implementierung stellt die Kämmerei zunehmend fest, dass die Wichtigkeit dieser Aufgabe in den Fachverwaltungen erkannt wird und die erwartetenSeite 1 von 6 Seite 2 Aufwendungen und Erträge auf Zeilenebene genauer ermittelt und eingepflegt werden. Sukzessive werden weitere Funktionalitäten mit der webbasierten Anwendung Axians IKVS (Interkommunale Vergleichs-Systeme) umgesetzt. Basierend auf diesem Bericht, werden die Chancen und Risiken der Gesamtverwaltung in einer tabellarischen Darstellung zusammengefasst und die Plan/Ist-Abweichungen sowie die sich daraus ergebenden Begründungen umfassend erläutert (vgl. z.B. DS222168-01). Seit dem Beschluss der Einführung des wirkungsorientierten Haushalts werden für den Produkthaushalt gem. § 4 KomHVO NRW Ziele und Kennzahlen zur Messung der Zielerreichung beschrieben, die auf ein Leitbild und strategische Ziele und Wirkungen ausgerichtet werden. Zurzeit ist Gegenstand der Projektarbeit die Verknüpfung von Ressourcen (Ansätze des Haushaltsplanes 2023/2024) mit gebildeten operativen Zielen der Piloten unter Nutzung der Stammdaten- und Verrechnungsstrukturen der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR). Ziel ist es, zur Steuerung des Haushalts, Haushaltsvolumina auf operativer Zielebene auszuweisen. Die Bundestadt Bonn wurde zudem – auch vor dem Hintergrund der Umsetzung des Wirkungsorientierten Haushalts - als Modellkommune zur Umsetzung eines kommunalen Nachhaltigkeitshaushalt ausgewählt. Grundidee und Ziel des Modellprojektes "Kommunaler Nachhaltigkeitshaushalt" der LAG 21 NRW ist es, Nachhaltigkeitszielsetzungen flächendeckend in den kommunalen Haushalt zu integrieren, dadurch einen zielgerichteten Mitteleinsatz und daraus resultierend eine langfristige und wirkungsorientierte Nachhaltigkeitssteuerung zu ermöglichen. Die Auftaktveranstaltung zum Projekt ist Anfang dieses Jahres erfolgt und wird im Rahmen von Workshops verwaltungsweit erarbeitet. Die Projektphase endet voraussichtlich im August 2024. Im Entwurf des Erläuterungsbandes 2023/2024 ist der Bezug der Produktgruppe zum wirkungsorientierten Nachhaltigkeitshaushalt in der Produktgruppenbeschreibung im zweiten Baustein „Bezug zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesstadt Bonn und zu weiteren handlungsleitenden Beschlüssen zur Hinwirkung auf Nachhaltigkeit in der Produktgruppe" dokumentiert. Mit der flächendeckenden Einführung des Wirkungsorientierten Haushalts ist eine erste Grundlage geschaffen, wirkungsorientiert die Leistung der Kommune effektiver und effizienter zu gestalten. Dieses Instrument ist entsprechend gemeinsam mit der Politik weiterzuentwickeln. Daneben kann auf weitere vorhandene Strukturen aufgebaut werden:Seite 2 von 6 Seite 3 - Tätigkeiten im Personalcontrolling - Bestehende Controllingtätigkeiten in den Fachämtern, z.B. Budgetabgleiche, Vormerkungen / Mittelbindung, statistische Kennzahlen etc. - Bindungsgrade - Festlegung von Prämissen, Rahmendaten / Prognosen in der Kämmerei für die Planerstellung - KGSt-Vergleichsringe - Verankerung des Ziels eines gendergerechten Haushaltes im Rahmen des bestehenden Projektes zum Nachhaltigkeitshaushalt. - Aufbau eines Portfoliomanagements durch OB-21 Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) ist im Sachgebiet 20-12 in der Kämmerei verortet und wird durch 3,5 VZÄ bearbeitet. Dieses Sachgebiet ist aber nicht mit Controllingaufgaben beschäftigt, sondern sind vielmehr Instrumentenspezialisten im Bereich der Datenzusammenstellung und Verrechnung der Plan- und Ist-Daten auf die Produkte des städtischen Haushaltes und unterstützen damit maßgeblich die Einführung des Wirkungsorientierten Haushalts. Die Projektleitung des Wirkungsorientierten Haushalts liegt mit 1 VZÄ (in der o.g. Projektphase bis 8/2024 +0,5 VZÄ) ebenfalls bei der Stadtkämmerei. Konzeptionelle Überlegungen Anforderungen an ein eigenständiges Strategisches Controlling in der Stadtverwaltung: Die in dem Antrag formulierte Zielsetzung beinhaltet die Zusammenführung der verschiedenen Controlling-Elemente zu einem gesamthaften strategischen Controlling, das eine Steuerung der Gesamtorganisation ermöglicht. Die größte Lücke besteht aktuell darin, dass es keinen Mechanismus für eine ständige Aufgabenkritik gibt. Außerdem fehlen in der Kämmerei ausreichend personelle Kapazitäten, vorhandenen Positionen aus einer externen – nicht fachlichen – Perspektive kritisch zu hinterfragen. Kurzfristiges Vorgehen Der Bonner Haushalt leidet – wie viele kommunale Haushalte – unter einem strukturellen Defizit. Bedauerlicherweise ist in den nächsten Jahren nicht damit zu rechnen, dass sich an der unzureichenden Finanzausstattung durch Land und Bund etwas substanziell ändert. Ein umfassender gesamtstädtischer Konsolidierungsprozess ist daher unumgänglich.Seite 3 von 6 Seite 4 Aus Sicht der Verwaltung wäre der Schwerpunkt des Controllings daher in einem ersten Schritt auf die städtische Strategie zu legen und im Stab der Stadtspitze und im Finanzdezernat anzusiedeln. Hauptziel dabei sollte die Ableitung von Konsolidierungsoptionen für Haushalt und Stellenplan zum Beschluss des nächsten Doppelhaushalts sein. Es gilt, die Aufgabenfelder und Strukturen der Stadtverwaltung (des Konzerns) umfassend zu analysieren, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und ergebnisoffen mit den Führungsverantwortlichen zu diskutieren. Dies bedeutet, dass die Verwaltung innerhalb der Aufgabenfelder aber auch gesamtstädtisch Prioritäten setzen muss. Insbesondere in Zeiten knapper finanzieller Ressourcen in den Kommunen kommt es darauf an, die finanziell verfügbaren Mittel dort einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden und die größte Wirkung entfalten, wobei auf effiziente Strukturen zu achten ist. Vor dem Hintergrund der vielen geänderten Anforderungen, die sich durch die digitale Transformation, der Mobilitätswende, dem Schutz des Klimas, den sozialen Anforderungen, der Generationengerechtigkeit vor dem Hintergrund der demografisch zu erwartenden Personalsituation in Stadtverwaltungen ergeben, sind erreichbare Ziele zu definieren, zu gewichten und regelmäßig entscheidungsreif vorzubereiten. Im Bereich der Kämmerei, soll aufbauend auf den vorhandenen Instrumenten zur Beurteilung der haushaltswirtschaftlichen Lage, gemeinsam mit den Fachdezernaten und -ämtern das Reporting und tiefergehende Analysen und Hintergründe für Plan-Ist-Abweichungen implementiert werden. Gemeinsam mit der Verwaltungsspitze sollen dann Lösungsansätze und entscheidungsreife Gegensteuerungsmaßnahmen erarbeitet und im Rahmen von Beschlüssen des Verwaltungsvorstandes aber auch der Politik vorgelegt werden. In den bestehenden Strukturen erfolgt diese Erhebung derzeit quartalsweise. Um die Zielgenauigkeit zu erhöhen, soll der Berichtszeitraum deutlich reduziert werden (Monatsberichte). Kurzfristig auftretende Haushaltsveränderungen sollen zudem im laufenden Betrieb an die Kämmerei gemeldet werden und so die Reaktionszeit deutlich verkürzt werden. Die derzeit eingesetzte Software (SAP-FI; SAP-CO und IKVS) wird hierfür als ausreichend angesehen, so dass zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgegangen wird, dass zusätzliche Sachmittel für Software, Hardware und Lizenzen nicht anfallen werden. Die Einrichtung einer zweiten Stelle soll kurzfristig ermöglichen, in einem ersten Schritt ein dezernatsübergreifendes Projekt zur Aufgabenkritik inhaltlich und konzeptionell zu betreuen. Hierzu zählen beispielsweise die Projektplanung, die Information von und Abstimmung mit Politik, Verwaltungsführung, Führungskräften, Personalrat und Beschäftigten, die Sammlung, Erarbeitung, Auswertung und Zusammenstellung von Konsolidierungsvorschlägen und Stellungnahmen, die Erarbeitung von Informations- und Entscheidungsvorlagen für Verwaltungsleitung und Politik. Bei diesem dezernatsübergreifenden ProjektSeite 4 von 6 Seite 5 ist eine enge Anbindung an die Oberbürgermeisterin, die Kämmerei, das Personal- und Organisationsamt und die Dezernatsleitungen essentiell. Perspektivisch soll die Stelle auf Grundlage dieser Ergebnisse und Erkenntnisse beim Aufbau eines strategischen Controllings mitwirken, um eine kontinuierliche Aufgabenkritik, stärkere Priorisierung, Systematisierung von zielorientierter Steuerung und strategische Planung der finanziellen Entwicklung des städtischen Haushaltes zu ermöglichen. Neben der vorstehend beschriebenen Aufgabenkritik, die sich auf eine Zweckkritik fokussieren soll, wird auch eine Vollzugskritik, also die Optimierung der Arbeitsabläufe gestartet. Begonnen wurde bereits mit dem Aufbau eines systematischen und verwaltungsweiten Prozessmanagements. In einem ersten Schritt wird derzeit ein gesamtstädtisches Prozessregister unter Beteiligung aller Dienststellen und mit externer Begleitung durch die Firma PICTURE vorgenommen. Nach Auswertung der so zusammengestellten Prozesse sollen diese nach mehreren Kriterien wie beispielsweise Digitalisierungs- und Automatisierungspotential, Fallzahl, Bindungsgrad, Risikoorientierung, etc. priorisiert und anschließend sukzessive erhoben und modelliert werden. Ziel ist es, Prozess für Prozess eine Optimierung und – wo möglich – Digitalisierung und (Teil-)Automatisierung der Prozesse vorzunehmen, um auf diese Weise Effizienzgewinne zu heben und die Prozesse zu beschleunigen. Dies schließt sowohl Leistungserstellungsprozesse, als auch Stützprozesse ein. Für diese Maßnahme wurden in der Stellenplanfortschreibung bereits zwei zusätzliche Stellen im Bereich der Organisationsentwicklung zur Neueinrichtung angemeldet. Dies stellt vor dem Hintergrund der Verantwortung für den städtischen Haushalt das Minimum des Vertretbaren dar, um ein solches Vorgehen zu beginnen. Bei einer Ausweitung des Ressourcen- Einsatzes könnte der auf mehrere Jahre angelegte Prozess deutlich beschleunigt werden, weshalb die Verwaltung derzeit interne Aufgabenumverteilungen und Priorisierungen vornimmt, um mehr Personalkapazität in das Prozessmanagement investieren zu können. Die Aktivitäten des Prozessmanagements sollen eng mit dem Aufbau eines gesamtstädtischen Controllings und einer Aufgabenkritik verzahnt und aufeinander abgestimmt werden. Neben der kurzfristigen Perspektive liegt aber insbesondere auch der langfristige Nutzen darin, dass mit modellierten Prozessen auch bei späteren Veränderungen, wie beispielsweise Software- Neubeschaffungen, Gesetzesänderungen etc. sehr schnell reagiert und zu erwartende Auswirkungen in Entscheidungsprozesse eingebunden werden können. Darüber hinaus unterstützen visualisierte Prozesse die parallelen und verzahnt ablaufenden Bemühungen zum Aufbau eines Verwaltungsweiten Internen Kontrollsystems (IKS) und eines verwaltungsweiten Wissensmanagementsystems. Das IKS soll risikogewichtete Prozesse identifizieren und präventive Maßnahmen vereinfachen. Das Wissensmanagementsystem auf Basis definierter und modellierter Prozesse soll neben dem Erhalt und der Weitergabe von Wissen, das in Zeiten demografischer und arbeitsmarktpolitischer Veränderungen immer mehr zu einer unternehmenskritischen Ressource geworden ist, auch einSeite 5 von 6 Seite 6 professionelles Onboarding und gute Einarbeitungsprozesse ermöglichen, die wiederum die Attraktivität der Stadt Bonn als Arbeitgeberin positiv beeinflussen. Anlage/n KeineSeite 6 von 6
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:49 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de