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221565 · Mitteilungsvorlage

Sachstand des Chance 7 Naturschutzprojektes

Nummer
221565
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
22.08.2022
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 27.09.2022 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
221565
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Sachstand des Chance 7 Naturschutzprojektes
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
27.09.2022 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Das Naturschutzgroßprojekt Chance7 ist Bestandteil des
Bundesförderprogramms „chance.natur“ des Bundesamtes für Naturschutz. Im
November 2011 entschied der Hauptausschuss der Bundesstadt Bonn die
Teilnahme am Förderprogramm chance.natur „Natur- und Kulturlandschaft
zwischen Siebengebirge und Sieg“ (DS-Nr. 1112932EB4) und die Bewilligung
des Chance 7-Förderantrags durch die Bezirksregierung Köln erfolgte im April
2015 (vgl. DS-Nr. 1413147). In der Bundesstadt Bonn wird damit seit 2015 bis
voraussichtlich 2025 innerhalb der insgesamt ca. 11.300 Hektar großen
Förderkulisse zwischen dem Siebengebirge und der Oberen Sieg vor allem
extensiv genutztes artenreiches Grünland, Weinbergsbrachen, Obstwiesen
sowie die natürliche Waldentwicklung gefördert. Der überregionale Charakter
des Naturschutzprojekt-Biotopverbundsystems wird durch die Bonner Flächen
weiter gestärkt. Ziel des Projektes ist es, nahtlos an die Biotopverbundsysteme
im Rhein-Sieg-Kreis anzuknüpfen und so Lebensräume für bundesweit
bedeutsame Arten zu erhalten und zu optimieren.
Kerngebiet Kohlkaul
Bereits in den DS-Nr. 1812226 und 1911012 wurde über die
Grunderwerbsabsichten innerhalb der Entwicklungsräume des
Naturschutzprojektes Chance 7 berichtet. Seit 2018 übernimmt das im Rhein-
Sieg-Kreis ansässige Projektbüro Chance 7 die Grundstücksverhandlungen für
die Stadt Bonn.
Bisher wurden insgesamt 2,37 ha Grunderwerb im Stadtgebiet Bonn im
Rahmen des Naturschutzgroßprojekts getätigt.
In 2019 erwarb die Stadt Bonn ca. 0,7 ha im Naturschutzgebiet Kohlkaul,
Bereich Nasswiesen und Bruchwald, in Holzlar. Als Maßnahmen werden hier
lebensraumtypische Gehölze gefördert sowie Horst- und Höhlenbäume und Alt-
und Totholz erhalten. In 2021 wurde ebenfalls im Naturschutzgebiet Kohlkaul,
Bereich Nasswiesen und Bruchwald, eine ca. 1,66 ha große Fläche mit
Waldbestand und Grünland erworben sowie ein Waldgutachten erstellt. Als
Maßnahmen werden hier lebensraumtypische Baumarten gefördert, Horst- und
Höhlenbäume erhalten und gesichert sowie Alt- und Totholz erhalten und nicht
lebensraumtypische Gehölze geringelt.Seite 1 von 3
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Im Bereich Pützchen - Saure Wiesen wird auf einem Großteil der
Bestandsflächen bereits Vertragsnaturschutz (Entwicklung von extensivem
artenreichem Grünland) umgesetzt.
Ende April 2020 wurde eine städtische Fläche am Teufelsbach in Pützchen als
eigenfinanzierte Maßnahme durch eine zusätzliche Anpflanzung von 200 m²
Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) aus der Nachzucht von
Naturraumsaatgut der Biologischen Station Bonn aufgewertet.
Derzeit wird der Kauf einer Fläche (ca. 650 m²) in den Sauren Wiesen
abgewickelt, welcher zu 90% über Fördermittel von Chance 7 und zu 10% über
den Eigenanteil der Stadt Bonn finanziert wird. Das Projektbüro befindet sich
zurzeit in Kaufverhandlungen mit weiteren Eigentümern landwirtschaftlicher
Flächen in diesem Gebiet Für die Umsetzung der Projektziele in den Sauren
Wiesen, insbesondere zur Entwicklung von Feuchtwiesen als Lebensraum von
Ameisenbläulingen, Sumpfschrecke und Wiesenbrütern, ist eine gemeinsame
differenzierte Bewirtschaftung der bislang zersplitterten Flächen unabdingbar.
Weiterer Grunderwerb würde hierzu die Voraussetzungen schaffen. Im näheren
Umfeld besitzt die Stadt Bonn bereits einige Grundstücke und kann mit dem
Erwerb den eigenen Grundbesitz im Naturschutzgebiet arrondieren. Bei
positivem Verlauf der Verhandlungen wären, je nach Kaufpreishöhe, ggf.
Beschlüsse der politischen Gremien für den Ankauf der Flächen einzuholen.
Kerngebiet Ennert
Im Ortsteil Beuel in den Bereichen Rauchlochweg, Kuckstein und Rabenlay
wurden bereits wiederholt Gehölzmaßnahmen (Ringelung und Fällungen von
Robinien sowie Entbuschungen) durchgeführt. In den freigestellten Bereichen
wurde artenreiches Grünland eingesät und gepflegt (Mahd). Zudem wurden in
den o.g. Bereichen naturschutzfachlich bedeutsame Pflanzenarten Berg-
Steinkraut (RL NRW 2), Goldaster (RL NRW 1) und Wald-Bergminze (RL NRW
1) wiederangesiedelt. Im Bereich nördlich des Rauchlochweges wurde in
Kooperation mit Strassen.NRW ein Steinriegel als Trittsteinhabitat für
Mauereidechsen angelegt. An der Zuwegung zum Stingenberg-Steinbruch
wurde zudem ein Tor errichtet um den Besucherverkehr einzuschränken und
Störungen im Brutgebiet des Uhus zu minimieren.
Für die dauerhafte und nachhaltige Offenhaltung der freigestellten Bereiche ist
vorgesehen am Steinbruch Stingenberg und entlang des Rauchlochweges eine
Ziegenbeweidung zu etablieren. Derzeit führt das Projektbüro Gespräche mit
lokalen Ziegenhaltern und Zaunbauern, um Lösungsansätze zu eruieren, wie
die vorhandene Vandalismusproblematik an Zäunen und Wildwechseltoren
verhindert werden kann, um die Ausschreibung dahingehend anzupassen. Um
die ermittelten Gegenmaßnahmen in der Praxis zu erproben, wurde bereits ein
Pilotprojekt zur Ziegenbeweidung am Korfer Berg gestartet. Nachdem die
Maßnahme der Ziegenbeweidung vom Fördermittelgeber genehmigt wird, muss
diese noch durch den Rat beschlossen werden. Wenn die Ziegenbeweidung
zukünftig etabliert ist und funktioniert, ist vorgesehen die Fortführung über die
Chance7 - Projektlaufzeit hinaus über das KUPRO zu finanzieren.
Das Ziel der o.g. Maßnahmen ist die Herstellung und Optimierung derSeite 2 von 3
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Lebensräume für wärmeliebende Arten der (halb-) offenen Landschaften wie für
Reptilien (u.a. Mauereidechse), Vögel (u.a. Zippammer) und Insekten (u.a.
Südliche Felsflur-Erdeule). Darüber hinaus ist als Ziel auch die Vernetzung
dieser extrem seltenen Lebensräume und Populationen mit denen im südlichen
Siebengebirge von entscheidender Bedeutung. Der Biotopverbundkorridor
entlang der Süd- bis Südwest exponierten Rheinhänge soll somit im nördlichen
Teilbereich seine Fortsetzung finden, so dass diese Arten an die südlicheren
Vorkommen angeschlossen werden können und somit wieder ein genetischer
Austausch zwischen den einzelnen Vorkommen ermöglicht wird.
Herausforderung
In der Gebietskulisse Bonn sind fast ausschließlich große, zusammenhängende
Flächen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen
des Pflege- und Entwicklungsplans und somit der Erreichung der Projektziele
von Chance7. Wie oben erwähnt ist beispielsweise im Kerngebiet Kohlkaul zur
Entwicklung von Feuchtwiesen als Lebensraum von Ameisenbläulingen,
Sumpfschrecke und Wiesenbrütern, eine gemeinsame Bewirtschaftung der
bislang zersplitterten Flächen unabdingbar. Die Gebietskulisse besteht
dagegen aus vielen kleinparzellierten Flächen.
Voraussetzung für die Maßnahmenumsetzung ist stets, dass eine langfristige
Flächenverfügbarkeit besteht. Dies kann entweder über Grunderwerb, über
eine dauerhafte Pachtung oder durch Abschließen von Duldungsverträgen mit
Dritten geschehen. Voraussetzung für eine Förderung (90% Bezuschussung
durch Bundes- und Landesmittel) ist hierbei immer eine dingliche Sicherung –
Eintragung einer Grunddienstbarkeit ins Grundbuch - der jeweiligen Fläche
über 30 Jahre. Nur so kann gewährleisten werden, dass die geförderte
Naturschutzmaßnahme dauerhaft, d.h. zumindest über den Zeitraum von 30
Jahren, erhalten bleibt.
Unter dieser Voraussetzung haben sich bisher keine privaten
Flächeneigentümer auf eine dauerhafte Verpachtung eingelassen.
Das wurde u.a. mit der langen Laufzeit der Verträge, der Bindungswirkung über
deren Ablauf hinaus sowie die oftmals zu geringe Entschädigungszahlung
begründet. Die überwiegende Zahl der Verkaufsinteressenten sprach sich
deshalb für eine Veräußerung von Flächen oder einen gleichwertigen
Flächentausch aus. Somit ist der Grunderwerb die einzige erfolgversprechende
Lösung für die Zielerreichung des Projekts. Trotz der Kaufangebote scheiterte
der Grunderwerb bisher u.a. am Mangel von passenden Tauschflächen.
Anlage/n
KeineSeite 3 von 3

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Datenstand: 02.11.2026, 19:36 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de