221425-02 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Kein Radverkehr mehr auf der Friedrichstraße und der Sterntorbrücke zu Geschäftszeiten
Kerndaten
- Nummer
- 221425-02 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 25.10.2022
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Kenntnisnahme
Dateien
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 221425-02 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 33 Bürgerdienste Dezernat: Dez. I Kein Radverkehr mehr auf der Friedrichstraße und der Sterntorbrücke zu Geschäftszeiten Beratungsfolge Bezirksvertretung Bonn 25.10.2022 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Die Verwaltung hat die Sachlage geprüft und dabei verschiedene Fachbereiche wie die Wirtschaftsförderung, Verkehrsplanung und Straßenwidmung sowie die Immobilien- und Standortgemeinschaft Friedrichstraße und die Polizei beteiligt. Die verschiedenen zu berücksichtigenden Argumente werden im Folgenden kurz dargestellt, bevor auf dieser Basis eine Empfehlung der Verwaltung abgegeben wird. Auf der Friedrichstraße sowie auf der Straße „Sterntorbrücke“ ist der Radfahrverkehr aufgrund entsprechender straßenrechtlicher Verfügungen uneingeschränkt zugelassen. Ein Ausschluss des Radfahrverkehrs für die Zeit von 09.00 Uhr bis 21.00 Uhr würde gemäß § 7 Straßen- und Wegegesetz NRW eine Teileinziehung voraussetzen. Bei Annahme des Antrages wird das entsprechende Teileinziehungsverfahren durchgeführt. Zur Bewertung eines solchen Vorgehens sind aus Sicht der Verwaltung verschiedene Argumente abzuwägen: Die Friedrichstraße hat sich in den letzten 20 Jahren erheblich verändert: Sie war zunächst die einzige noch mit dem PKW befahrbare Straße innerhalb des City-Rings, hatte gleichzeitig aber auch im Vergleich zu den übrigen Straßen der Fußgängerzone eher einen Hinterhofcharakter. Nach den Arbeiten am Kanal und an den Gasleitungen hat sie ihr Gesicht völlig geändert: Sie wurde einen Teil der Fußgängerzone, der sich vor allem durch einen anderen Straßenlampentyp und durch säulenartige Kirschbäume von den anderen Straßen optisch abhebt. Es gründete sich die Immobilien- und Standortgemeinschaft Friedrichstraße, die sehr erfolgreich die Öffentlichkeitsarbeit für die Friedrichstraße betreibt und zahlreiche Veranstaltungen durchführt. In der Friedrichstraße befinden sich fast ausschließlich inhabergeführte kleine und mittlere Handels- und Gastronomieunternehmen. Während der Corona-Pandemie wurde den Gastronomie-Unternehmen die Möglichkeit gegeben, aus Gründen des Infektionsschutzes ihre Außengastronomieflächen zu vergrößern. Dies wurde auch in der Friedrichstraße sehr gut angenommen. Die Sterntorbrücke ist beidseitig bereits seit langem eine beliebte Gastronomie-Seite 1 von 3 Seite 2 Zone. Es verbleibt für den Rad- und den Fußverkehr ein schmaler Bereich in der Mitte der Straße. Durch den aus Kleinpflaster bestehenden Untergrund ist dieser vor allem für Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, nur unkomfortabel zu nutzen. Eine stichprobenartige Befragung der ansässigen Gewerbe- und Gastronomiebetreiber*innen hat folgendes Bild ergeben: “Die Begriffe „Fußgängerzone, Fahrrad frei“ und „der Situation angepasstes Fahren“ scheinen nicht allen Radfahrer*innen klar zu sein. Immer wieder werde über Radfahrende geklagt, die mit hoher Geschwindigkeit im Zickzack-Kurs durch die Friedrichstraße fahren, zwischen der Außengastronomie und den Hauswänden, zum Teil sogar durch die Außengastronomieflächen selbst fahren. Beinahe-Unfälle seien an der Tagesordnung, gerade ältere Fußgänger*innen seien auf Grund des Radverkehrs stark verunsichert. Seit mehr E-Bikes auf dem Markt sind, haben sich die gefahrenen Geschwindigkeiten erhöht. Auch scheint vielen Radfahrenden nicht klar zu sein, dass die Ausnahme zur Benutzung der Friedrichstraße durch Fahrräder in den Querstraßen Bonngasse und Wenzelgasse nicht mehr gelte”, so die Erfahrungen und das Stimmungsbild der Geschäftsleute der Friedrichstraße. Neben den „privaten“ Radfahrenden gibt es vermehrt auch Lieferdienste in der Gastronomie und im Einzelhandel, deren Fahrer*innen auch die Friedrichstraße nutzen. Vor einigen Jahren hat sich ein Lebensmittel-Lieferservice in der Friedrichstraße angesiedelt, der seine Waren mit E-Bikes innerhalb kurzer Zeit zu den Kund*innen bringt. Dadurch hat sich die Gesamtzahl der Radfahrenden in der Friedrichstraße erhöht. Grundsätzlich ist ein Fahrrad-Lieferservice innerhalb einer Fußgängerzone ein Widerspruch in sich. Sowohl die ISG als auch die Verwaltung hatten bereits Kontakt zu dem Unternehmen, die Anzahl der diesbezüglichen Beschwerden scheint sich seitdem reduziert zu haben. Auf Bitte um Stellungnahme zum vorliegenden Antrag teilt die Polizei mit, dass sie die Freigabe für den Radverkehr in Fußgängerbereichen grundsätzlich sehr kritisch bewertet und nicht befürwortet, weil es zu Konfliktsituationen zwischen Fußgänger*innen und Radfahrer*innen kommt. In der Friedrichstraße gibt es kein polizeilich bekanntes, höheres Unfallaufkommen und keine Unfallhäufungsstelle zwischen Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Es ist lediglich ein Unfall einer Radfahrerin in der Friedrichstraße registriert, der aber nicht auf eine Konfliktsituation mit Fußgänger*innen zurückzuführen ist. Hier kam es beim Absteigen zu einem Sturz ohne Fremdbeteiligung. Eine Unfallhäufungsstelle befindet sich dagegen am Einmündungsbereich der Friedrichstraße in den Belderberg. In diesem Bereich sind für die Jahre 2019 bis 2022 vier Unfälle registriert, bei denen es Kollisionen zwischen Radfahrer*innen mit Kraftfahrzeugen gab, die vom Bertha-von-Suttner-Platz in den Belderberg abbogen. Vor dem Hintergrund eines durchgängigen Radwegenetzes ist die ganztägige Freigabe der Friedrichstraße für den Radverkehr derzeit als wichtig zu erachten. Diese Achse dient einerseits als Alternative zur Achse Bertha-von- Suttner-Platz und Oxfordstraße und andererseits als Anbindung für den Radverkehr an die Innenstadt. Durch die fahrradgerechte Umgestaltung der Oxfordstraße ist ein großer erster Schritt getan, den Durchgangsverkehr aus der Friedrichstraße herauszunehmen. Hierzu sei aber erwähnt, dass die AchseSeite 2 von 3 Seite 3 noch nicht komplettiert ist, da die Radverkehrsführung auf dem Bertha-von- Suttner-Platz noch keine Verbesserung erfahren hat. Es ist davon auszugehen, dass sich, sobald die gesamte Achse umgestaltet ist, ein bedeutender Anteil des Radverkehrs mittelfristig von der Friedrichstraße auf die Oxfordstraße verlagert und dort zu einer Verringerung des Radverkehrsaufkommens führt. Die Freigabe der Fußgängerzone sollte aber zur Erreichbarkeit der Geschäfte in der Innenstadt erhalten bleiben. Fazit: Insgesamt gibt es sowohl Gründe dafür aber auch dagegen, den Radverkehr in der Friedrichstraße und Sterntorbrücke weiterhin zuzulassen. Die Verwaltung schlägt vor, die aktuelle Verkehrsführung beizubehalten. Zunächst sollte die Ost-West-Achse auch über den Bertha-von-Suttner-Platz hinaus eine sichere und attraktive Führung des Radverkehrs erhalten haben. Danach sollte eine ganzheitliche Beurteilung erfolgen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich dann mehr Radverkehr aus dem Fußgängerbereich heraus verlagert, das Konfliktpotential abnimmt und der Vorteil der Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Fahrrad uneingeschränkt Bestand haben kann. Anlage/n KeineSeite 3 von 3
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