221345 · Mitteilungsvorlage
Klimaschutzbeirat: Empfehlung zum Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor 2.0
Kerndaten
- Nummer
- 221345
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 19.07.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Kenntnisnahme
Dateien
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Mitteilungsvorlage öffentlich 221345 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung Dezernat: Dez. OB Klimaschutzbeirat: Empfehlung zum Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor 2.0 Beratungsfolge Ausschuss für Mobilität und Verkehr 31.08.2022 Kenntnisnahme Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 18.08.2022 Kenntnisnahme Mitteilung: Der Klimaschutzbeirat der Stadt Bonn hat per Umlaufverfahren am 3. Juli 2022 eine Empfehlung zu Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor verabschiedet, die hier als externes Dokumente angehängt ist. Ebenso angehängt ist die Dokumentation des Umlaufverfahrens. Weitere Information zum Klimaschutzbeirat sind auf www.bonn.de/klimaschutzbeirat abrufbar. Anlage/n 1 Klimaschutzbeirat_Empfehlungen_Verkehrssektor (öffentlich) 2 Klimaschutzbeirat_Dokumentation_Umlaufverfahren_Verkehr (öffentlich)Seite 1 von 5 1 Schiene, Straße, Schiff – Empfehlung des Klimaschutzbeirats zu Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor 2.0 (verabschiedet per Umlaufverfahren am 03.07.2022, die Abstimmung erfolgte Empfehlungs-weise) Autor:innen KSB: Ines Bresler, Dr. Jonas Reuter, Dr. Karl-Heinz Rochlitz (VCD). Externe Beratung: Christian Grohmann, Raphael Holland (ADFC, VCD), Martin Weißer (ADFC). Im September 2020 hatte der Klimaschutzbeirat bereits eine Empfehlung zum Themenbereich Verkehr mit Fokus auf den motorisierten Individualverkehr abgegeben. Diese wird nun im Frühjahr 2022 ergänzt durch eine Empfehlung, die explizit den Waren- und Güterverkehr zu Wasser und zu Land in den Blick nimmt. Sonstige Aspekte des allgemeinen Rad- und sonstigen Verkehrs und der Verkehrswende in Bonn werden hier deshalb ausgeklammert. Hier findet sich ein großer und zugleich weitgehend konsensfähiger Hebel zur Verringerung des Ausstoßes von CO2-Äquivalenten auf Bonner Stadtgebiet. Eine umfassende Verkehrswende auf allen Verwaltungsebenen ist unbestreitbar Voraussetzung für eine wissenschaftsorientierte, nachhaltige Klimapolitik. Für ihr Gelingen empfiehlt es sich zunächst, den Verkehr, wo möglich, zu reduzieren. Indem die Wirtschaft vor Ort gestärkt und regionale Lieferketten gefördert werden, können Transportwege deutlich verkürzt oder gar vermieden werden. Dort, wo Güterverkehr unumgänglich ist, empfiehlt sich die „trimodale“ Vernetzung der drei Verkehrsträger Schiene, Straße und Schiff. Analog zum Personenverkehr bedeutet das, den Umstieg möglichst niederschwellig zu gestalten. Dabei sollte klimafreundlichen Transportwegen stets Priorität eingeräumt und regionale sowie überregionale Zusammenarbeit anvisiert werden. Empfehlung 1: Verlagerung von Gütertransport auf “der letzten Meile” auf Lastenräder1 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt der Stadt Bonn die Einrichtung von kooperativ nutzbaren Mikro- Depots / Micro-Hubs zur Verlagerung des Lastentransportes vom klassischen Zustellfahrzeug auf Lastenräder, Mikromobile oder andere geeignete und klimafreundliche Gefährte. Es sollte geprüft werden, ob die Mikro-Hubs mit den ohnehin geplanten Mobilstationen in der Stadt verknüpft werden können. Dazu sollte ein Pilotprojekt entwickelt werden, welches sich auf ein hochverdichtetes Innenstadtquartier wie die Alt- oder Südstadt2 konzentriert. In diesem Bereich ist die verstärkte Einrichtung von Lastenradstellplätzen im öffentlichen Raum zu fördern. Die Durchführung sollte in Kooperation mit den großen Paketdienstleistern, den vorhandenen Bonner Lastenradtransportunternehmen sowie den Bonner Wirtschaftsverbänden erfolgen. Um die Kosten zu reduzieren, können Förderanträge für die Einrichtung der Mikro-Depots und die Anschaffung der Lastenräder gestellt werden. Für den Einsatz in Handwerksbetrieben sollten Lastenrädern, Mikromobilen und ähnlichen Mobilitätslösungen vorab getestet werden. Hier plant die HWK Köln zeitnah die Durchführung eines solchen Projektes in Absprache mit der Kommune. 1 Beschlossen bei einer Gegenstimme (Ehmke). 2 Möglicherweise in Verbindung mit den Bönnschen Vierteln.Seite 2 von 5 Schiene, Straße, Schiff – Empfehlung des Klimaschutzbeirats zu Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor 2.0 Autor:innen KSB: Ines Bresler, Dr. Jonas Reuter, Dr. Karl-Heinz Rochlitz (VCD). Externe Beratung: Christian Grohmann, Raphael Holland (ADFC, VCD), Martin Weißer (ADFC). 2 Um dem Lastenradtransport insgesamt zu fördern, sollten Bonner Behörden und öffentliche Unternehmen Transportfahrten nach Möglichkeit vermehrt als Lasten-/Fahrradfahrten ausschreiben. Empfehlung 2: Schienenwegeausbau anstelle des Autobahnausbaus vorantreiben Empfehlung 2a3 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt der Stadt Bonn, beim Bundesverkehrswegeausbau offensiv auf Bund, Land und Nahverkehr Rheinland (NVR) einzuwirken, bevorzugt und deutlich beschleunigt die linksrheinische Bahnstrecke und die rechtsrheinische Rheinuferbahn auszubauen. Empfehlung 2b4 Bezüglich des weiteren Autobahnausbaus sollte die Stadt Bonn offensiv mit Bund und Land verhandeln, um den im Stadtrat beschlossenen Kompromiss zur A 565 („Tausendfüßler“, Beschluss 201923, 20.12.2020) umzusetzen. Gleichzeitig sollte die Stadt Bonn dafür sorgen, dass auf den weiteren Ausbau der A 59 verzichtet wird. Empfehlung 2c5 Aus Klimaschutzgründen ist der Schienenausbau vordringlicher als der Ausbau der Autobahnen. Der Klimaschutzbeirat empfiehlt der Stadt Bonn deshalb bei von ihr selbst durchgeführten Ausbauten die Prioritäten daher zugunsten der Schiene zu setzen und auf Landes- und Bundesebene sich dafür einzusetzen, dass die Prioritäten vom Straßen- auf den Schienenausbau verschoben werden. Empfehlung 3: Binnenschiffahrt Empfehlung 3a Anreizsystem zur Schadstoffreduzierung in der Binnenschifffahrt6 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt, die Tarifordnung7 der Bonner Hafenbetriebe GmbH um Ermäßigungen für Schiffe mit „Green Award“ nach internationalem Vorbild zu ergänzen. Es eignet sich zum Beispiel die Einführung einer (gestaffelten) Ermäßigung für das Ufergeld (Umschlaggeld) unterhalb von Punkt B) 2. Alternativ sollte die Einführung eines gestaffelten Hafengelds unterhalb von Punkt C) 2. geprüft werden. Die Stadt Bonn ist über die SWB zu 49 Prozent an der Bonner Hafenbetriebe GmbH beteiligt. Auch die Einrichtung einer Staffelung von Liegegeldern für Flusskreuzfahrtschiffe an den Anlegestellen auf Bonner Stadtgebiet (Erzberger Ufer, Brassertufer, Stresemannufer, Bonner Bogen) sollten geprüft und ggf. mit den Betreibern verhandelt werden. 3 Beschlossen bei einer Gegenstimme (Fester) 4 Beschlossen bei vier Gegenstimmen (Ehmke, Fesser, Fester, Johnen) 5 Beschlossen bei vier Gegenstimmen (Ehmke, Fesser, Fester, Johnen) 6 Einstimmig beschlossen 7 BHB, 2017: https://hafen-bonn.de/BHB_Hafentarif-Stand-Januar_2017.pdfSeite 3 von 5 Schiene, Straße, Schiff – Empfehlung des Klimaschutzbeirats zu Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor 2.0 Autor:innen KSB: Ines Bresler, Dr. Jonas Reuter, Dr. Karl-Heinz Rochlitz (VCD). Externe Beratung: Christian Grohmann, Raphael Holland (ADFC, VCD), Martin Weißer (ADFC). 3 Empfehlung 3b Landstrom-Infrastruktur für Flusskreuzfahrtschiffe8 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt, eine Landstrom-Infrastruktur („Energieterminals“ o.ä.) für Flusskreuzfahrtschiffe aufzubauen, für die eine verpflichtende Nutzung während der Liegezeit gilt, um die lokalen Emissionen dieses Tourismuszweiges auf dem Stadtgebiet zu verringern. Ein Förderprogramm der Bundesregierung für Landstromanschlüsse für See- und Binnenhäfen läuft bis 2023.9 Empfehlung 3c Erneuerung/Ersatz der Fähren „Christophorus“ und „Konrad Adenauer“10 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt den Eigentümern, bei notwendiger Erneuerung oder notwendigem Ersatz der Fähren „Christophorus“ und „Konrad Adenauer“ den Einsatz von Elektro-, Hybrid- oder Segel-Zusatzantrieb zu prüfen, um die lokale Kohlendioxid- und Luftschadstoff-Emissionen sowie die laufenden Kraftstoffkosten zu senken. Die Stadt (Wirtschaftsförderung) sollte beratend zur Seite stehen, um mögliche Förderprogramme erschließen zu können. Zusätzlich sollten Synergien mit anderen Projekten in diesem Bereich genutzt werden (z. B. Klärschlammtransport). Empfehlung 4: Langfristige Reaktivierung des Bonner Güterbahnhofs und Einbindung in die Citylogistik11 Die Infrastruktur des Bonner Güterbahnhofs nördlich des Hauptbahnhofs ist noch vorhanden, wird allerdings nicht mehr genutzt. Der Klimaschutzbeirat empfiehlt der Stadt, den Güterbahnhof langfristig zu reaktivieren und dafür seine Flächen in Gesprächen mit der DB zu sichern. Ein erster Schritt dazu wäre die Entwicklung eines Konzeptes zur Citylogistik, das unter anderem auch den Hafen (Empfehlung 3) und die Endverteilung über Lastenräder (Empfehlung 1) beinhaltet. 8 Einstimmig beschlossen 9 BMWI: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2020/11/20201105-bundesregierung-setzt- deutsche-haefen-unter-landstrom.html 10 Einstimmig beschlossen bei einer Enthaltung 11 Beschlossen bei einer Gegenstimme (Ehmke)Seite 4 von 5 Seite 1 von 1 Empfehlung des Klimaschutzbeirats zu Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor 2.0 – Dokumentation des Umlaufverfahrens In der Sitzung vom 12. Mai 2022 hatte der Klimaschutzbeirat den Entwurf des Empfehlungspapiers zum Verkehrssektor bereits diskutiert. Ein Beschluss erfolgte nicht, da nach der Diskussion noch Überarbeitungen am Papier notwendig waren und der Beirat zudem aufgrund der Teilnehmer-Zahl nicht beschlussfähig war. Bis 12. Juni 2022 hatten alle Mitglieder Gelegenheit, Kommentare und Änderungswünsche zum Papier schriftlich einzubringen. Dazu standen den Mitgliedern auch Hintergrund-Informationen zur Verfügung, die von den Autor*innen des Empfehlungspapieres zusammengestellt worden waren, die jedoch nicht Teil der Abstimmung waren. Die Abstimmung zum Papier erfolgte schließlich auf dem Wege des Umlaufverfahrens im Abstimmungszeitraum 12. Juni bis 3. Juli 2022. Das Papier wurde nicht als Ganzes, sondern empfehlungsweise abgestimmt. An der Abstimmung beteiligten sich 16 der 19 Beiratsmitglieder. Wo gewünscht, ist im Papier namentlich kenntlich gemacht, welche Person wie abgestimmt hat. Einige Mitglieder wünschten zu Teilen ihrer Abstimmung eine kurze Begründung zu Protokoll zu geben: Herr Ehmke: Empfehlung 1: Ablehnung; Hintergrund: Wir können zustimmen, wenn es um eine anteilige Verlagerung des Gütertransports auf der „letzten Meile“ geht. Dies muss aber deutlicher in der Empfehlung aufscheinen. In der vorliegenden Fassung der Formulierung müssen wir die Empfehlung leider ablehnen, da diese auch so verstanden werden könnte, dass eine vollständige Verlagerung gefordert wird. Dies können wir nicht mittragen. Empfehlung 2c: Ablehnung; Hintergrund: Es sollte keine Priorisierung vorgenommen werden. Empfehlung 4: Ablehnung; Hintergrund Da die vorgesehene Fläche bereits Teil des „Innovationsdreiecks“ ist und nicht mehr zur Verfügung steht, lehnen wir ab. Frau Walter: Empfehlung 2c: Zustimmung; Ergänzung: Gemäß den Zielen der Parents for Future zum höchst dringlichen Klimaschutz - auch und gerade durch eine Verkehrswende - spreche ich mich eigentlich für eine noch deutlich weitergehende klare Absage an jeglichen Autobahn- und Straßenneubau aus - auch in Bonn und Umland. Ziel und absolut vorrangig muss die Reparatur und Stärkung des Schienennetzes und der Ausbau des Bahnverkehrs sein; bei der Straßeninfrastruktur sollte die Reparatur von Brücken und Straßen (möglichst mit Radinfrastruktur, Regenrückhaltesystemen und gekoppelt mit PV und Windkraftanlagen), nicht aber deren Neubau klare Maßgabe sein. Das verabschiedete Empfehlungspapier wird zusammen mit der Verfahrensdokumentation in den nächstmöglichen Umweltausschuss eingebracht. 8. Juli 2022 / M. Wilde (OB-23)Seite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 02:09 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de