221305-03 · Beschlussvorlage
Gründung einer neuen städtischen Gesellschaft
Kerndaten
- Nummer
- 221305-03
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 22.01.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe Empfehlung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 221305-03 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Geschäftsbereich OB-1: Dezernats- und Verwaltungssteuerung Dezernat: Dez. OB Gründung einer neuen städtischen Gesellschaft Beratungsfolge Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 22.03.2023 Empfehlung Rat 23.03.2023 Entscheidung Beschlussvorschlag Der am 17.08.2022 beschlossene Bürgerantrag betr. die Gründung einer neuen städtischen Gesellschaft wird nicht weiter verfolgt und eine Neugründung einer Gesellschaft für den Aufbau einer Energiespeicherinfrastruktur für in Bonn erzeugten Strom abgelehnt. Begründung Am 06.07.2022 wurde ein Bürgerantrag mit dem Betreff "Gründung einer neuen städtischen Gesellschaft" eingereicht (siehe Anlage). Die Gesellschaft solle "kostenorientiert und nicht gewinnorientiert eine Energiespeicherinfrastruktur für in Bonn erzeugten Strom aufbauen". Eine mit den Stadtwerken Bonn abgestimmte Stellungnahme hierzu (siehe DS 221305-01 ST) sprach sich ua. aus technischen Gründen gegen eine Neugründung aus, da die im Bürgerantrag empfohlene Art des Energiespeichers nicht zu empfehlen sei. Dennoch wurde am 17.08.2022 im Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger dieser Bürgerantrag beschlossen. Da die technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen zurzeit noch nicht gegeben sind, halten die Stadtwerke Bonn die Gründung einer städtischen Gesellschaft zur Schaffung einer Energiespeicherinfrastruktur zum jetzigen Zeitpunkt für nicht zielführend. Dieser Auffassung schließt sich die Verwaltung an und schlägt daher vor, den beschlossenen Bürgerantrag aus folgenden Gründen nicht weiter zu verfolgen: Aspekt "Stromspeicher" Mit zunehmendem Ausbau der erneuerbaren Energien wird insbesondere derSeite 1 von 6 Seite 2 Anteil an Photovoltaik- und Windenergie im vorhandenen Strommix weiter steigen. Die Stromerzeugung unterliegt dabei wetterbedingten Schwankungen und deckt sich nicht zwangsläufig mit dem Energiebedarf. Je mehr erneuerbare Energien genutzt werden, desto flexibler muss also das Gesamtsystem werden. Stromspeicher sind hier eine wichtige Option. Überschüssige Strommengen können zwischengespeichert werden, um die zeitliche Verschiebung von Erzeugung und Verbrauch zu kompensieren. Vergleicht man die Eigenschaften verschiedener Stromspeicher bezüglich Wirkungsgrad, Speicherdauer und Speicherkapazität, so kommen im urbanen Raum vor allem Batteriespeicher in Frage, um dezentral erzeugte Strommengen kurz- bis mittelfristig zu speichern. Um die Eigenversorgungsquote zu erhöhen, werden schon heute viele Photovoltaikanlagen in Kombination mit Batteriespeichern errichtet. Dabei gilt die Lithium-Ionen-Technologie heutzutage praktisch als Standard. Es ist davon auszugehen, dass zukünftig auch Großspeicher eine immer wichtigere Rolle in unserem Energiesystem spielen werden. Sie werden Bestandteil einer Strategie zur Flexibilisierung unseres Energiesystems sein und damit wesentlich zur Netzstabilität beitragen. Derzeit wird sich vor allem in Studien und Pilotprojekten mit den Themen des Flexibilitätsmanagements beschäftigt. Die Stadtwerke Bonn sind Teil des Trianel Flexstore Netzwerks, welches Entwicklungen und potentielle Geschäftsmodelle im Bereich der Flexibilisierung, wie z. B. Smart Grid, Power to Heat, Power to Gas und die Batterietechnologie zur Stromspeicherung betrachtet [1]. Darüber hinaus könnten große Batteriespeicher im urbanen Raum auch als sogenannte „Quartiersspeicher“ Anwendung finden. Dabei handelt es sich um große Batteriespeicher, die in Siedlungen gemeinschaftlich genutzt werden, um einzelne Heimspeicher zu ersetzen. So sollen die spezifischen Kosten des Speichers gesenkt und Ressourcen für Komponenten wie z.B. Wechselrichter eingespart werden. Quartiersspeicher sind zurzeit vor allem Bestandteil von Forschungsprojekten. So beschäftigen sich beispielsweise aktuelle Studien der technischen Hochschule Köln mit dem Einsatz von Quartiersspeichern [2]. Demnach kann die Nutzung eines gemeinschaftlichen Quartiersspeichers zu einer Steigerung der Autarkie führen, da sich unterschiedliche Nutzerverhalten ergänzen. In der Praxis finden Quartiersspeicher bisher keine Anwendung, da es derzeit keine umsetzbaren Modelle für den Betrieb gemeinschaftlicher Speicher gibt. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Frage, wie ein „gerechter“ Betrieb eines gemeinschaftlich genutzten Speichers aussehen muss, damit alle Teilnehmer von dem Speicher profitieren können. Beispielsweise wäre ein Modell denkbar, bei welchem überschüssiger Strom gegen ein Entgelt eingespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder entnommen werden kann. Um sicherzustellen, dass jeder Teilnehmer von dem Speicher profitieren und bei Bedarf Strom ein- uns ausspeisen kann, muss für jeden Nutzer eine gewisse Kapazität des Speichers reserviert und eine Art „Stromkonto“ geführt werden. Das ganze Modell setzt für den technischen Betrieb den Einsatz von echtzeitfähigen Strom- oder Leistungssensoren sowie eine entsprechende Datenverbindungs-Infrastruktur voraus. Der Speicher muss beispielsweise erkennen, dass ein Haushalt überschüssigen PV-Strom ins Netz einspeist und rechtzeitig den Ladeprozess beginnen. Die Abrechnung und die dazuSeite 2 von 6 Seite 3 notwendige Mess- und Regeltechnik sind unter den genannten Randbedingungen extrem aufwändig und kostenintensiv. Unabhängig von den technischen Herausforderungen, die der Betrieb des Speichers mit sich bringt, ergeben sich auch bezogen auf die eigentliche Messeinrichtung beim Verbraucher komplexe Problemstellungen. Entsprechende Zähler messen den Strombezug und die Einspeisung am Netzverknüpfungspunkt. Diese Werte werden anschließend genutzt, um den Stromverbrauch mit dem Energieversorger bzw. die Einspeisevergütung mit dem Netzbetreiber abzurechnen. Es ist nicht möglich, die über diese Zähler gemessenen Verbrauchs- und Einspeisemengen um die zwischengespeicherten Mengen im Quartiersspeicher zu bereinigen. Da bei der Zwischenspeicherung von Strom im Quartierspeicher das öffentliche Netz genutzt wird, fallen neben den Netzentgelten aktuell auch die KWK- Umlage, Offshore-Umlage, die §19-Umlage und die Konzessionsabgabe an. Damit ist zumindest fraglich, ob Quartiersspeicher unter den aktuellen Rahmenbedingungen wirtschaftlich – bzw. wirtschaftlicher als Heimspeicher – betrieben werden können. Vielversprechender ist daher die gemeinschaftliche Nutzung und Speicherung von PV-Strom, wenn der Strom nicht über das öffentliche Netz ausgetauscht wird. In diesem Fall müssen für den vor Ort erzeugten und verbrauchten Strom keine netzseitigen Umlagen und Steuern entrichtet werden. Die Stadtwerke Bonn befinden sich zurzeit in der Pilotierung von Mieterstromprojekten. Dabei wird vor Ort erzeugter Strom, ohne Durchleitung durch das öffentliche Netz, an Verbraucher in einem Mehrfamilienhaus oder Quartier vor Ort geliefert. In einem zweiten Schritt soll das Konzept um Speicher-, Mobilitäts- und Wärmelösungen erweitert werden. Im Wissen um die Bedeutung von Speichern für die erfolgreiche Integration von erneuerbaren Energien in unser Energiesystem, werden die Themen rund um Speicher-, Flexibilitätslösungen und Sektorenkopplung bereits vorangetrieben. Aufgrund der Regularien und den damit einhergehenden technischen Anforderungen ist die Anwendung von Quartiersspeichern derzeit allerdings noch nicht möglich. "Aspekt" Wärmespeicher Allein die Errichtung von in Bonn verteilten Großwärmespeichern ist für sich erstmal kein wesentlicher Beitrag für das Gelingen der Wärmewende. Wie aber richtig erkannt, werden Nah- und Fernwärmenetze in unserer Wärmeversorgung weiter an Bedeutung gewinnen. Sie ermöglichen es, in großem Stil erneuerbare Energien (z.B. über Großwärmepumpen) oder sonstige nachhaltige Wärmepotentiale (z.B. Abwärme Kanalisation) für unsere Wärmeversorgung nutzbar zu machen und anschließend zu verteilen. Der Einsatz von Wärmespeichern wird bei der Konzeptionierung des Wärmenetzes sicherlich Berücksichtigung finden – und tut es in vielen Fällen heute schon – sofern er einen sinnvollen Beitrag im Gesamtkonzept leistet. Das erklärte Ziel muss also sein, mehr ganzheitlich gedachte Wärmenetze zu errichten. Um die Wärmewende in Bonn systematisch voranzutreiben, führt die StadtSeite 3 von 6 Seite 4 Bonn gemeinsam mit den Stadtwerken Bonn eine Wärmeleitplanung durch. Dabei wird die Strategie für die Transformation zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung in Bonn erarbeitet. Themen wie Wärmenetze, Speicherlösungen und Sektorenkopplung spielen dabei eine wesentliche Rolle. [1] Wissen zu flexiblen Energiesystemen aufbauen (trianel.com) [2] Forschungsprojekt Quartiersspeicher - TH Köln (th-koeln.de) Anlage/n 1 Bürgerantrag (öffentlich) 2 Bürgerantrag komplett (nichtöffentlich) 3 Ergänzung Bürgerantrag (öffentlich)Seite 4 von 6 Bürgerantrag Online Datum 06.07.2022 Anrede Frau Herr ohne Anrede Vorname Nachname Straße Hausnummer Postleitzahl Ort Telefon E-Mail Betreff Gründung einer neuen städtischen Gesellschaft Ihr Antrag Hiermit beantrage ich die Gründung einer städtischen Gesellschaft, die kostenorientiert und nicht gewinnorientiert eine Energiespeicherinfrastruktur für in Bonn erzeugten Strom aufbaut. Sie soll vorhandene Speicher miteinander vernetzen und neue Speicher errichten. Hierbei sind mechanische Großspeicher, wegen der Umweltverträglichkeit zu bevorzugen. Sie soll den Bonner Bürgern und Bonner Firmen die Möglichkeit bieten, den in Bonn produzierten Strom gegen Entgelt zu speichern und wieder abzugeben. Mit einer einer solchen Möglichkeit würden die unsinnigen Installationen von Kleinspeichern in Häusern, die weder ökologisch noch ökonomisch für den einzelnen sinnvoll sind eine Alternative erhalten. Auch würde sich die Installation stromerzeugender Anlagen (Solar- , Wasser- , Wärme- und Windanlagen) auch bei Eigenentnahme von Strom wieder rechnen. Da der Strom nicht verkauft oder abgegeben werden muss, entfallen für den Produzenten viele steuerliche und energiepolitische Hürden, bei der Installation von Anlagen. Für die Speicherung kann die neue Gesellschaft einen Speichercent erheben und innerhalb Bonns würde lediglich ein Netzentgelt an den örtlichen Netzbetreiber für die Durchleitung von und zum Energiespeicher fällig. Eine solche Gesellschaft würde einen Schub für die Klimawende in Bonn, gerade im Hinblick auf die Bürger und kleinere Firmen bedeuten. Die Solarförderung der Stadt Bonn könnte sofort eingestellt werden, da sich die Anlagen rechnen. Dies würde für die Anlagenbesitzer eine dauerhaft stabile Preisstruktur zumindest im Strombereich ergeben. Begründung des Antrags Klimaneutrales Bonn und stabile Strompreise in Bonn Hiermit bestätige ich, dass ich seit mindestens drei Monaten in Bonn wohne. Seite 1 von2 PDF erstellt mit: www.form-solutions.de Artikel-Nr.: KFAS_01_002 ID=KFAS_0011_000022 88DaeCXjD 0066..0077..2222 1111::1122Seite 5 von 6 Guten Tag, ich möchte den Bürgerantrag erweitern: Die Neu zu gründende Gesellschaft soll ebenfalls Wärmespeicher im Gebiet der Stadt Bonn betreiben, um jedem die Möglichkeit zu geben, sich an ein Wärmenetz anzuschliessen. Die nötige Energie für die Wärmegewinnung kann aus den eingespeistem Strom, eigenen Stom- Anlagen bzw. aus eigenen Panels erzeugt werden. Mit freundlichen Grüßen 26.07.2022Seite 6 von 6
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:23 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de