221272 · Mitteilungsvorlage
Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn nach dem Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune
Kerndaten
- Nummer
- 221272
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 03.08.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage öffentlich 221272 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 02 Amt für Internationals und globale Nachhaltigkeit Dezernat: Dez. OB Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn nach dem Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 18.08.2022 Kenntnisnahme Ausschuss für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 06.09.2022 Kenntnisnahme Rat 22.09.2022 Kenntnisnahme Mitteilung: Mit dem vorliegenden „Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn nach dem Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune“ hat sich die Stadt Bonn an der Erprobung eines neuen Berichtsformats zur Nachhaltigkeit beteiligt, das vom Rat für Nachhaltige Entwicklung entwickelt wurde. Dieses neuartige Format verbindet erstmals quantitative und qualitative Aspekte in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Mit dem Bericht werden auch die Entwicklungen in den kommunalen Handlungsfeldern der Nachhaltigkeit seit Verabschiedung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie im Februar 2019 abgebildet. Aufbauend auf den Erfahrungen aus der Erarbeitung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie, der langjährigen Nachhaltigkeitsberichterstattung und der Veröffentlichung eines ersten Lokalberichts zu den nachhaltigen Entwicklungszielen im Jahr 2020 hat sich die Stadt Bonn an der dritten Phase des Projekts „Global Nachhaltige Kommune in Nordrhein-Westfalen“ beteiligt. Dabei haben zehn Kommunen aus NRW (darunter die Städte Dortmund, Düsseldorf, Köln und Münster) einen Nachhaltigkeitsbericht auf Basis des Berichtsrahmens Nachhaltige Kommune (BNK) erarbeitet. Der Berichtsrahmen nachhaltige Kommune (BNK) wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, dem Beratungsgremium der Bundesregierung für Nachhaltigkeitspolitik, entwickelt. Ziel des Berichtsrahmens ist es, die kommunale Nachhaltigkeitsberichterstattung zu vereinheitlichen. Dabei orientiert sich der Berichtsrahmen am Deutschen Nachhaltigkeitskodex, der sich seit 2011 als freiwilliges Instrument zur Nachhaltigkeitsberichterstattung im Unternehmenssektor etabliert hat. Der BNK-Bericht umfasst neun kommunale Handlungsfelder, die in ähnlicher Weise auch der Erarbeitung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie zugrunde lagen. Dabei verbindet der Bericht erstmals quantitative Daten mit qualitativenSeite 1 von 115 Seite 2 Daten. Die quantitativen Daten basieren zu einem Teil auf Daten aus dem öffentlich abrufbaren Webportal www.sdg-portal.de (s. eingebettete Indikatoren). Dieses wurde durch eine vom Deutschen Städtetag initiierte Arbeitsgruppe entwickelt und stellt seit 2018 SDG-Indikatoren für alle Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohner*innen zur Verfügung. Zusätzlich wurden kommunenspezifische Daten aus der Bonner Nachhaltigkeitsberichterstattung verwendet. Im Rahmen der qualitativen Analyse wurden alle Kernaktivitäten, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, zusammengetragen. Ziel war es, möglichst alle wesentlichen Strategien und Konzepte, Maßnahmen, Projekte und politischen Beschlüsse, die seit Verabschiedung der Nachhaltigkeitsstrategie im Februar 2019 angestoßen wurden, zu erfassen. Die Zusammenstellung wurde über die verwaltungsinterne Steuerungsgruppe zur Nachhaltigkeitsstrategie, die von Amt 02 koordiniert wird, verwaltungsübergreifend abgefragt. Dabei waren auch die Stadtwerke Bonn und bonnorange AöR beteiligt. Ziel bei der Erprobung des BNKs war es für Bonn auch, ein geeignetes Format für die Berichterstattung zur Nachhaltigkeitsstrategie zu identifizieren. Aktuell läuft ein moderierter Erfahrungsaustausch zwischen den Erprobungskommunen sowie dem Rat für Nachhaltige Entwicklung, um die Anwendbarkeit des BNK-Formats zu bewerten. Als sogenannter „Voluntary Local Review (VLR)“ soll der Bericht auch in einer leicht angepassten englischen Version erscheinen. Dieses Berichtsformat hat sich auf der internationalen Ebene als Format für Umsetzungsbericht der Städte zu den nachhaltigen Entwicklungszielen enorm etabliert. So hat auch der Bonner VLR von 2020 international sehr viel Aufmerksamkeit erhalten und konnte in vielen internationalen Foren (UN DESA, UN Habitat, OECD, ICLEI, Eurocities) vorgestellt werden. Der neue VLR wird voraussichtlich Mitte Juli vorliegen. Aktuell ist geplant, dass die Oberbürgermeisterin den neuen VLR 2022 beim anstehenden politischen Forum zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN (High Level Political Forum on Sustainable Development) am 14. Juli 2022 im Rahmen einer Online-Teilnahme bei einer Veranstaltung des Rates für nachhaltige Entwicklung vorstellt. Das Gesamtprojekt „Global Nachhaltige Kommune NRW“ wird von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG 21 NRW) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt. Anlage/n 1 BNK_Stadt Bonn (öffentlich)Seite 2 von 115 Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn nach dem Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune Agenda 2030 auf der lokalen Ebene 2022Seite 3 von 115 I M P R E S S U M www.bonn.de Herausgeber: Die Oberbürgermeisterin der Bundesstadt Bonn, Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit / Amt für Presse, Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit, Juli 2022, gedruckt auf 100% Recyclingpapier, zertifiziert mit dem Blauen Engel Mit Unterstützung von: Global Nachhaltige Kommune Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) Engagement Global gGmbH www.engagement-global.de und www.service-eine-welt.de Nach einer Vorlage und mit Unterstützung des: Rates für Nachhaltige Entwicklung c/o Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH www.nachhaltigkeitsrat.de In Kooperation mit: Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. www.lag21.de Umsetzung und Beratung Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. Layout und Gestaltung Bert Odenthal, Odenthal Design Stand: 2022 Dieser Bericht wurde mit Unterstützung der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und in Kooperation mit der LAG 21 NRW entwickelt. Im Rahmen einer Erprobungsphase des Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune (BNK) wurden bundesweit Kommunen bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten begleitet. Der Herausgeber ist für den Inhalt allein verantwortlich.Seite 4 von 115 INHALTE Vorwort.................................................................................................................................................................................. 4 Einführung .......................................................................................................................................................... 6 Kommunale Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune (BNK) ................................................................................................................................................ 9 KR ITERIE N 0 1 BI S 0 9 : S TEUER UN G ....................................................................... 10 01 STRATEGIE ........................................................................................................................................................ 10 02 SCHWERPUNKTE ............................................................................................................................................... 12 03 ZIELE UND EVALUATION ................................................................................................................................... 14 04 ÖFFENTLICHE BETEILIGUNG.............................................................................................................................. 16 05 VERANTWORTUNG ........................................................................................................................................... 19 06 NACHHALTIGE VERWALTUNG........................................................................................................................... 20 07 VERGABE UND BESCHAFFUNG ......................................................................................................................... 22 08 FINANZEN ......................................................................................................................................................... 23 09 INNOVATION FÜR NACHHALTIGKEIT ................................................................................................................ 27 KR ITERIE N 1 0 BI S 1 8 : H A NDL UN G SFE LDE R ............................................................ 33 10 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE............................................................................................................................ 33 11 RESSOURCENSCHUTZ UND KLIMAFOLGENANPASSUNG................................................................................... 40 12 NACHHALTIGE MOBILITÄT ................................................................................................................................ 51 13 LEBENSLANGES LERNEN ................................................................................................................................... 58 14 SOZIALE GERECHTIGKEIT UND ZUKUNFTSFÄHIGE GESELLSCHAFT ................................................................... 69 15 WOHNEN UND NACHHALTIGE QUARTIERE ...................................................................................................... 82 16 GUTE ARBEIT UND NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN ........................................................................................ 89 17 NACHHALTIGER KONSUM UND GESUNDES LEBEN ........................................................................................... 98 18 GLOBALE VERANTWORTUNG UND EINE WELT ............................................................................................... 108 Ausblick ............................................................................................................................................................ 113Seite 5 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 4 Vorwort Liebe Bonnerinnen und Bonner, liebe Leserinnen und Leser, dieser zweite Bonner Lokalbericht gibt Ihnen einen guten Überblick, wo wir in Bonn Anfang 2022 mit Blick auf nachhaltige Stadtentwicklung und die Umsetzung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen stehen. Erstmals kombiniert er quantitative Indikatoren mit qualitativen Aspekten. Mit diesem Bericht erproben wir gemeinsam mit zehn weiteren Kommunen in Nordrhein-Westfalen ein neues Format für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Es wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, der die Bundesregierung zu Nachhaltigkeitsthemen berät, speziell für Kommunen entwickelt. Gerne haben wir in dieser Pilotgruppe neue Wege beschritten, um Nachhaltigkeit in unserer Stadt und im internationalen Dialog weiter voranzubringen. Denn in Bonn wird Nachhaltigkeit großgeschrieben, von global bis lokal. In der deutschen UNO-Stadt haben die Vereinten Nationen ihre Arbeit für eine nachhaltige Zukunft weltweit konzentriert. Insgesamt 25 UN-Organisationen arbeiten von hier für die globale Umsetzung der Agenda 2030 und der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, kurz SDGs). Dazu kommen mehr als 150 Organisationen und Wissenschaftsinstitutionen, die globale Zukunftsfragen bearbeiten. Der Rat der Stadt Bonn hat sich bereits 2016 mit der Annahme der Musterresolution des Deutschen Städtetages zur Umsetzung der SDGs bekannt. Mit dem Beschluss der ersten Bonner Nachhaltigkeitsstrategie 2019 wurde nachhaltiges Handeln systematisch im kommunalen Handeln verankert. In den vier strategischen Schwerpunktthemen Klimaneutralität, Mobilitätswende, soziale Gerechtigkeit und digitale Transformation möchten wir die Ziele unserer Nachhaltigkeitsstrategie weiter voranbringen. Seit 2019 haben wir als Kommune gemeinsam mit weiteren Akteuren der Bonner Stadtgesellschaft viele weitere Maßnahmen für eine nachhaltige Stadt auf den Weg gebracht. Dank unserer Nachhaltigkeitsberichte wissen wir, wo wir jetzt konkret stehen. So können wir strategisch an der Umsetzung unserer Ziele arbeiten und die richtigen Stellschrauben für das lebenswerte und nachhaltige Bonn drehen, das wir uns für unsere Zukunft wünschen. Mit dem vorliegenden Bericht bauen wir auf unserer seit vielen Jahren bestehenden Nachhaltigkeitsberichterstattung auf. Die Zahlen aus dem Zeitraum bis 2018/2019 werden ergänzt durch die Betrachtung übergreifender Steuerungskriterien für nachhaltiges Handeln und die Darstellung von Aktivitäten in neun Handlungsfeldern der kommunalen Nachhaltigkeit. Damit wird sichtbar, was seit Verabschiedung der Nachhaltigkeitsstrategie getan wurde, um ihre Zielsetzungen zu erreichen.Seite 6 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 5 Dieser zweite Bonner Lokalbericht zu den SDGs zeigt auch, wie wichtig das Engagement der Städte für die Erreichung der SDGs ist. Als Oberbürgermeisterin engagiere ich mich daher in überregionalen und internationalen Städtenetzwerken für die Stärkung der Rolle der Städte in Nachhaltigkeitsprozessen, so zum Beispiel im Oberbürgermeister-Dialog „Nachhaltige Stadt“ des Deutschen Rates für Nachhaltige Entwicklung sowie als Vorständin für Klimaschutz bei ICLEI Städte für Nachhaltigkeit. Denn nur gemeinsam mit allen Akteuren der Stadtgesellschaft - mit Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik - und mithilfe internationaler Kooperationen kann eine nachhaltige Transformation unserer Städte gelingen. Mein herzlicher Dank an alle, die an diesem Bericht mitgewirkt haben, für ihre engagierte Unterstützung – insbesondere an die Fachämter der Stadtverwaltung und die städtischen Eigenbetriebe. Danken möchte ich auch der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die uns mit Unterstützung der LAG 21 NRW und des Deutschen Rates für Nachhaltige Entwicklung die Erarbeitung dieses Berichts ermöglicht hat. Und ich danke allen Bonnerinnen und Bonnern dafür, dass sie gemeinsam mit mir das nachhaltige und zukunftsfähige Bonn mitgestalten. Katja Dörner Oberbürgermeisterin der Stadt BonnSeite 7 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 6 Einführung A G E N D A 2 0 3 0 F Ü R N A C H H A L T I G E E N T W I C K L U N G Dieser Bericht stellt den Status Quo im Jahr 2022 mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung in der Bundesstadt Bonn dar. Ausgangspunkt des Berichts ist die Agenda 2030, die von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen im Jahr 2015 beschlossen wurde, um eine weltweite Transformation in Richtung Nachhaltigkeit anzustoßen. Diese enthält 17 global gültige Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, kurz SDGs, siehe Abbildung 1). Als universeller Bezugsrahmen ist die Agenda 2030 auch für Deutschland auf Ebene des Bundes, der Länder und der Kommunen handlungsleitend. Kommunen kommt bei der Umsetzung der SDGs eine zentrale Rolle zu, da sich auf der lokalen Umsetzungsebene vor Ort die Zielerreichung eines Großteils der insgesamt 169 Unterziele der Agenda 2030 entscheidet. Abbildung 1: Die 17 Globalen Nachhaltigkeitsziele / © United Nations G L O B A L N A C H H A L T I G E K O M M U N E N R W Der vorliegende Bericht wurde im Rahmen des Projekts „Global Nachhaltige Kommune in Nordrhein- Westfalen“ (GNK NRW) erarbeitet. Im Rahmen des Projekts entwickelten zehn Kommunen (die Städte Arnsberg, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Lemgo, Lüdenscheid und Soest, der Kreis Euskirchen und die Gemeinde Kalletal) einen Nachhaltigkeitsbericht auf Basis des Berichtsrahmens Nachhaltige Kommune (BNK). Bundesweit haben insgesamt mehr als 20 Kommunen den Berichtsrahmen in den Jahren 2021 und 2022 erstmals angewendet. So konnte ein Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen auf kommunaler Ebene sowie zur Vereinheitlichung der kommunalen Nachhaltigkeitsberichterstattung geleistet werden. Das Projekt GNK NRW wurde in den Jahren 2021 bis 2022 von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG 21 NRW) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.Seite 8 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 7 D E R B E R I C H T S R A H M E N N A C H H A L T I G E K O M M U N E ( B N K ) Der Berichtsrahmen nachhaltige Kommune (BNK) wurde im Jahr 2021 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) veröffentlicht (der RNE wurde 2001 erstmals von der Bundesregierung berufen, um diese im Bereich Nachhaltigkeitspolitik zu beraten). Vor dem Hintergrund eines fehlenden Berichtsstandards in der kommunalen Nachhaltigkeitsberichterstattung hat die RNE-Geschäftsstelle im Jahr 2020 einen „Multi-Stakeholder-Dialog“ mit Vertreter*innen aus kommunalen Spitzen- verbänden, Kommunen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft initiiert, um den BNK zu entwickeln. Die Grundlage hierfür bildete der Deutsche Nachhaltigkeitskodex, der sich seit 2011 als freiwilliges Instrument zur Darlegung unternehmerischer Nachhaltigkeitsleistungen etabliert hat. Übergeordnetes Ziel des BNK ist die Förderung einer einheitlicheren und transparenteren Nachhaltigkeits- berichterstattung in Kommunen. Der BNK kombiniert die Vorteile aus einheitlicher Struktur und Flexibilität und ist grundsätzlich für Kommunen aller Größenklassen geeignet. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird grundsätzlich als Prozess verstanden und folgt einem „Comply- or-explain-Prinzip“. Dies bedeutet, dass Informationen entweder offengelegt werden oder eine Begründung geliefert wird, warum diese (noch) nicht berichtet werden. So können Kommunen unabhängig vom momentanen Stand mit der Berichterstattung beginnen und daran arbeiten, in zukünftigen Fortschreibungen über zusätzliche Bereiche zu berichten. Die Berichterstattung kann dabei zum gesamten „Konzern Stadt“ unter Einbezug der Eigenbetriebe und Beteiligungsunternehmen erfolgen. Insgesamt steht das gegenseitige Lernen der Kommunen im Vordergrund. Der BNK setzt sich aus neun Steuerungskriterien und neun Handlungsfeldern zusammen (siehe Abbildung 2). Während die Steuerungskriterien strategische und organisatorische Ansätze sowie übergreifende Berichtsaspekte mit Blick auf Nachhaltigkeit umfassen, adressieren die Handlungsfelder spezifische Bereiche einer nachhaltigen Kommunalentwicklung. Um an Bestehendes anzuknüpfen, folgt die Struktur der Handlungsfelder den etablierten Themenfeldern im Projekt Global Nachhaltige Kommune NRW. Die Steuerungskriterien und Handlungsfelder gliedern sich in insgesamt 79 inhaltliche Aspekte, die im Sinne einer Checkliste beschreiben, welche Informationen offengelegt werden sollen. Ausgewählte Praxisbeispiele (vornehmlich zu den Handlungsfeldern) können dabei die Nachhaltigkeitsaktivitäten veranschaulichen. Die qualitative Berichterstattung über die Aspekte wird durch eine quantitative Berichterstattung über Indikatoren komplettiert. Diese Indikatoren setzen sich aus einem vorgegebenen Indikatoren-Set („SDG-Indikatoren für Kommunen“) sowie optional von der Kommune selbst gewählten, ergänzenden Indikatoren zusammen. Indikatoren werden dabei für alle Handlungsfelder und für einige Steuerungskriterien dargestellt. Abbildung 2: Struktur des Berichtsrahmens nachhaltige Kommune (BNK) / © Rat für Nachhaltige EntwicklungSeite 9 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 8 Das vorgegebene Indikatoren-Set wurde im Rahmen des Projekts „SDG-Indikatoren für Kommunen“ entwickelt. Das Projekt zielt darauf ab, geeignete Indikatoren zur Abbildung der SDG-Umsetzung auf kommunaler Ebene in Deutschland zu identifizieren. Über ein Online-Portal (SDG-Portal) werden für alle deutschen Kommunen mit mindestens 5.000 Einwohner*innen Daten bereitgestellt, die aus zentralen Quellen flächendeckend verfügbar sind. Insbesondere Bereiche mit mangelnder Datenverfügbarkeit können im BNK mit den von der Kommune selbstgewählten Indikatoren ergänzt werden - und so den kommunenspezifischen Kontext berücksichtigen. Die Daten werden dann von der Kommune selbst bereitgestellt. P R O Z E S S Z U R E R A R B E I T U N G D E S B E R I C H T S Für die Erarbeitung der Nachhaltigkeitsberichte im Projekt GNK NRW werden in den Kommunen Arbeitsgremien gebildet und eine umfassende Bestandsaufnahme durchgeführt, um die Informationen zu den vielfältigen Berichtsinhalten zu sammeln. Der Prozess umfasst zunächst die Bildung eines verwaltungsinternen Kernteams, das sich aus Vertreter*innen aller relevanten Abteilungen der Stadtverwaltung (z. B. Planung, Umwelt, Verkehr, Soziales, Gesundheit und Wirtschaftsförderung) zusammensetzt. Das Kernteam wird von ein bis zwei Koordinator*innen gesteuert, welche die Organisation des Prozesses vor Ort übernehmen. Mit Hilfe der Bereitstellung von Informationen der Kernteam-Mitglieder wird eine systematische Bestandsaufnahme vorgenommen, die qualitative und quantitative Bestandteile umfasst. Im Rahmen der qualitativen Analyse werden alle Kernaktivitäten in der Kommune, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, zusammengetragen. Dies umfasst handlungsleitende Strategien und Konzepte, Maßnahmen, Projekte, politische Beschlüsse, spezifische Ziele, Kooperationen und Netzwerke sowie Organisationsstrukturen. Darüber hinaus werden zentrale Erfolge und Ergebnisse der letzten Jahre in den verschiedenen Themenbereichen gesammelt. Ergänzt wird die Sammlung durch einen begleitenden Fragebogen, der durch die Koordinator*innen ausgefüllt wird und die benötigten Informationen für die Steuerungskriterien zusammenträgt. Im Rahmen der quantitativen Analyse werden zunächst die Daten zum feststehenden SDG-Indikatoren-Set für die Kommune ausgewertet. Daran anschließend werden kommunenspezifische Add-On-Indikatoren ausgewählt und analysiert. Schließlich werden die Berichtsinhalte im Kernteam umfassend abgestimmt. Insgesamt ermöglicht das Vorgehen, klassische Verwaltungsstrukturen zu überwinden und abteilungsübergreifende Informationen zusammenzutragen. Angesichts der thematischen Breite und Verflechtung der SDGs ist diese „horizontale Integration“ von entscheidender Bedeutung. S T R U K T U R D E S B E R I C H T S Die Darstellung der Inhalte in diesem Bericht folgt den neun Steuerungskriterien und neun Handlungsfeldern des BNK. Pro Kapitel werden zunächst jeweils die qualitativen Aspekte vorgestellt, die zusätzlich mit Praxisbeispielen veranschaulicht werden. Die gesammelten Aktivitäten werden im Text zur besseren Orientierung kursiv hervorgehoben. Anschließend werden einschlägige Indikatoren dargestellt, über den Zeitraum der letzten Dekade analysiert und dabei im Kontext eingebettet (z. B. im bundesdeutschen Vergleich, inklusive Zielsetzungen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie). Insgesamt werden zu den Berichtsinhalten an geeigneten Stellen die Kernbezüge zu den SDGs aufgeführt, um die Berichterstattung in den Kontext der Agenda 2030 zu setzen.Seite 10 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 9 Kommunale Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune (BNK) Bundesstadt Bonn Website www.bonn.de Anzahl Einwohner*innen 335.975 (Stand 01.01.2022) Jahr der Veröffentlichung 2022 Kontaktperson Verena Schwarte, Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit, Altes Rathaus, Markt, 53111 Bonn Mail: verena.schwarte@bonn.de Tel.: +49 228 - 77 67 31 Verwendung der Standard- oder Kompaktversion des BNK Standardversion Eigenbetriebe und Beteiligungsunternehmen, die in den Bericht einbezogen wurden, inkl. Verweis auf bestehende Nachhaltigkeitsberichte Stadtwerke Bonn GmbH (Nachhaltigkeitsreport 2020) bonnorange AöR Städtisches Gebäudemanagement In der deutschen UNO-Stadt Bonn, in der rund 25 Organisationen der Vereinten Nationen (wie zum Beispiel das UN-Klimasekretariat) sowie eine Vielzahl weiterer Nachhaltigkeitsinstitutionen und - initiativen angesiedelt sind, nimmt das Thema Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle ein. Die Bundesstadt engagiert sich in besonderem Maße für die lokale Umsetzung der 2015 von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beschlossenen Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDS) und fungiert als ein Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit, das über Bonn hinaus Wirkung entfaltet. 2016 hat sich Bonn als eine der ersten deutschen Städte der Musterresolution „2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten” des Deutschen Städtetages und des Rates der Gemeinden und Regionen Europas/Deutsche Sektion angeschlossen. Jedes Jahr organisiert die Stadt eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktionen zu den SDGs, wie zum Beispiel die „Bonner SDG-Tage“. Ebenfalls als eine der ersten Städte in Deutschland hat Bonn im Jahr 2020 einen an die Vereinten Nationen gerichteten „Voluntary Local Review“ (VLR) veröffentlicht, der aufzeigt, wie die SDGs vor Ort umgesetzt werden. Im Jahr 2022 aktualisierte zusätzlich ein noch umfassenderer VLR die internationale Berichterstattung zur Agenda 2030. Die eigene nachhaltige Entwicklung messbar macht Bonn bereits seit 2005 durch alle drei Jahre veröffentlichte Nachhaltigkeitsberichte. Im Jahr 2020 wurde der fünfte Nachhaltigkeitsbericht für den Zeitraum 2016 bis 2018 veröffentlicht, der mit 55 Indikatoren die Entwicklung in den vier Leitkategorien „Wohlbefinden“, „Soziale Gerechtigkeit“, „Umweltqualität und Ressourceneffizienz“ sowie „Wirtschaftliche Effizienz“ quantitativ abbildet. Als eine von weltweit neun Pilotstädten und -regionen beteiligte sich Bonn von 2018 bis 2020 ferner an einem Programm der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das Städte und Regionen bei der Umsetzung der SDGs unterstützt. In diesem Zusammenhang wurde der Bericht “A Territorial Approach to the Sustainable Development Goals in Bonn, Germany” veröffentlicht.Seite 11 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 0 K R I T E R I E N 0 1 B I S 0 9 : S T E U E R U N G K R I T E R I U M 0 1 S T R A T E G I E Die Kommune legt offen, ob sie eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt, und erläutert, welches ihre zentralen Handlungsfelder im Bereich Nachhaltigkeit sind. Aspekt 1.1: Kommunale Nachhaltigkeitsstrategie Im Jahr 2019 hat der Rat der Stadt Bonn eine integrierte kommunale Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen. Mit dieser werden die Globalen Nachhaltigkeitsziele in verschiedene kommunale Handlungsfelder übertragen und so bestehende Aktivitäten und Planungen zu einer systematischen Agenda zusammengeführt. Die Strategie wurde im Rahmen des Modellprojekts „Global Nachhaltige Kommune in NRW“ entwickelt, das von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW von 2016 bis 2018 in Nordrhein-Westfalen (NRW) umgesetzt wurde. In einem Prozess über zweieinhalb Jahre entwickelten Vertreter*innen aus allen Verwaltungsdezernaten in engem Austausch mit Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsame Leitlinien, strategische und operative Ziele sowie konkrete Maßnahmen. Daran schloss sich ein mehrmonatiger politischer Beratungsprozess an, in den zwölf Fachausschüsse involviert waren. Mit der Strategie verfügt Bonn insgesamt über ein umfassendes Handlungskonzept für eine nachhaltige Entwicklung, das kontinuierlich mit Blick auf den Umsetzungsfortschritt überprüft und weiterentwickelt wird. Aspekt 1.2: Zentrale Handlungsfelder Im Vorfeld der Erarbeitung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie wurde eine systematische Bestandsaufnahme vorgenommen. Hierzu wurden sowohl statistische Daten (quantitative Analyse) als auch bestehende sektorale Konzepte, Projekte, Städte- und Projektpartnerschaften sowie politische Beschlüsse (qualitative Analyse) ausgewertet. Dabei wurde das gesamte Handlungsspektrum vor Ort in verschiedene kommunale Themenfelder gegliedert und einer Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken- Analyse unterzogen. Auf dieser Grundlage wurden für die Nachhaltigkeitsstrategie die folgenden sechs prioritären Handlungsfelder ausgewählt: „Mobilität“, „Klima und Energie“, „Natürliche Ressourcen und Umwelt“, „Arbeit und Wirtschaft“, „Gesellschaftliche Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit“ sowie „Globale Verantwortung und Eine Welt“. Jedes Themenfeld nimmt dabei auf mehrere der Globalen Nachhaltigkeitsziele Bezug. Darauf aufbauend hat Oberbürgermeisterin Katja Dörner im Jahr 2020 vier zentrale strategische Schwerpunktthemen zur Weiterentwicklung der Stadt benannt: „Klimaneutrales Bonn“, „Verkehrs- und Mobilitätswende“, „Sozial gerechtes Bonn“ sowie „Digitale Transformation“.Seite 12 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 1 Aspekt 1.3: Nachhaltigkeit in Eigen- und Beteiligungsunternehmen Die städtischen Eigenbetriebe und Beteiligungsunternehmen agieren als zentrale Partner bei der Umsetzung der formulierten Nachhaltigkeitsziele der Stadt. Der Eigenbetrieb Städtisches Gebäudemanagement sowie die 100 %igen Beteiligungsunternehmen Stadtwerke Bonn GmbH und „bonnorange“ AöR sind als Schlüsselunternehmen in der verwaltungsinternen Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit (s.a. Aspekte 5.1 und 5.2) vertreten, sodass ein regelmäßiger Informationsfluss gesichert ist. Das Beteiligungsunternehmen Tourismus & Congress GmbH war in der Projektarbeitsgruppe der externen Akteure zur Erarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie vertreten und hat in diesem Rahmen Impulse für die Strategie eingebracht. Darüber hinaus sind die städtischen Eigenbetriebe sowie alle beherrschten Beteiligungsunternehmen (Beteiligungsquote über 50 %) insbesondere in die Programmstrukturen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2035 für den Konzern Stadt Bonn eng eingebunden, um entsprechende Maßnahmenpakete zu erarbeiten. Aspekt 1.4: Bezüge der kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie zu übergeordneten Nachhaltigkeitszielsetzungen Für die erfolgreiche Umsetzung der Globalen Nachhaltigkeitsziele müssen alle politischen Handlungsebenen - international, national, regional und kommunal - einbezogen werden. Vor diesem Hintergrund wurden die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie und die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen überarbeitet und in ihrer inhaltlichen Struktur an der Agenda 2030 ausgerichtet. Bei der Erarbeitung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie waren sowohl die Bezüge zu den Globalen Nachhaltigkeitszielen als auch zu den Nachhaltigkeitsstrategien auf Bundes- und Landesebene zentrale Elemente des Entwicklungsprozesses. Im Projekt „Global Nachhaltige Kommune in NRW“ wurden die Bezüge zu den 169 Unterzielen der Globalen Nachhaltigkeitsziele für jedes Themenfeld der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie auf Ebene der strategischen Ziele hergestellt. Die Darstellung der Bezüge zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie fand auf Ebene der Indikatorenbereiche und Nachhaltigkeits- postulate statt. Für die Nachhaltigkeitsstrategie NRW wurden die Bezüge auf Ebene der Handlungsfelder und Nachhaltigkeitspostulate beschrieben.Seite 13 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 2 K R I T E R I U M 0 2 S C H W E R P U N K T E Die Kommune beschreibt ihre individuellen Besonderheiten sowie die Chancen und Herausforderungen, die sich aus diesen Besonderheiten für die künftige Entwicklung der Kommune in Richtung Nachhaltigkeit ergeben. Aspekt 2.1: Kommunenspezifische Besonderheiten Mit einer Bevölkerungszahl von 334.000 (Stand 12/2020) hat Bonn heute mehr Einwohner*innen als noch zu Hauptstadtzeiten. Für die nächsten Jahrzehnte wird der Stadt laut Jahreswirtschaftsbericht 2021 weiterhin ein deutliches Bevölkerungswachstum prognostiziert (+12,1 % bis 2040). Dabei bleibt die Altersstruktur mit einem gleichbleibenden Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung stabil (siehe Bonner Nachhaltigkeitsbericht 2020). Auch wirtschaftlich ist Bonn durch einen langfristig positiven Wachstumstrend geprägt. So lag 2020 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei 179.903 und ist damit im langfristigen Trend deutlich stärker angewachsen (+34,1 % seit 1991) als die Zahl im landesweiten Durchschnitt (siehe Jahreswirtschaftsbericht 2021). Die Bonner Bevölkerung zeichnet sich zudem durch einen hohen Bildungsstand und ein vergleichsweise hohes Erwerbseinkommen aus. Nahezu ein Drittel aller Beschäftigten (32,0 %, Stand 2020) hat einen Hochschulabschluss; auch dieser Anteil liegt deutlich über dem NRW-weiten Durchschnitt. Landschaftlich ist die Stadt im südlichen Teil NRWs durch den Rhein als eine der wichtigsten Binnenwasserstraßen Deutschlands und einen hohen Anteil an geschützten Grünflächen im Stadtgebiet geprägt. Aspekt 2.2: Kommunenspezifische Transformationshebel und Herausforderungen Die Zukunft als Wachstumsstandort, sowohl demographisch als auch wirtschaftlich, stellt besondere Anforderungen an Organisation und Verteilung des städtischen Raums. Durch die steigende Bevölkerungszahl wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Hohe Mieten und begrenzter Wohnraum führen dazu, dass einkommensschwache Menschen nur schwer Wohnungen finden (siehe Bonner Nachhaltigkeitsbericht 2020). Mit dem Bestreben, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, steigt der Druck auf die vorhandenen Freiflächen. Zudem gibt es kaum zusätzliche Flächenreserven für das wachsende Gewerbe. Der Arbeitsmarkt ist in hohem Maße durch den Dienstleistungssektor (92,6 %) und einem hohen Akademiker*innenanteil geprägt (siehe Jahreswirtschaftsbericht 2021). Geringer qualifizierte Menschen haben es deshalb schwer, geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Damit einher ging in den letzten Jahren eine nahezu gleichbleibend hohe Quote im Bereich der Kinder- und Jugend- sowie Altersarmut, die über dem NRW-Durchschnitt liegt. Im Bereich Umweltqualität und Ressourceneffizienz stehen die Klimawende und damit eng verknüpft das Thema Mobilität besonders im Fokus. Ziel ist es, eine Trendwende bei der nach wie vor hohen Kraftfahrzeugdichte zu erreichenSeite 14 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 3 und die damit einhergehenden CO₂-Emissionen erheblich zu reduzieren, indem die Verkehrsmittel des Umweltverbunds stärker genutzt werden. Bei der Weiterentwicklung als zukunftsfähige Stadt kommt Bonn zugute, dass Nachhaltigkeitsthemen in der Stadt einen hohen Stellenwert haben. Die ehemalige Bundeshauptstadt hat sich in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten als die deutsche Stadt der Vereinten Nationen und internationale Dialogplattform für Themen der Nachhaltigkeit etabliert und fühlt sich der Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsagenda in besonderer Weise verpflichtet. Seit nahezu drei Jahrzehnten unterhält sie daher kommunale Partnerschaften und engagiert sich für kommunale Entwicklungspolitik. Dabei wird die Stadt von einer überaus engagierten Bürgerschaft unterstützt, die auch mit eigenen Impulsen eine nachhaltige Entwicklung in Bonn vorantreibt, wie z. B. durch die Initiierung des gemeinsamen Mitwirkungsverfahrens „Bonn4Future – Wir fürs Klima-“ (siehe Praxisbeispiel im Handlungsfeld Klimaschutz & Energie). Aspekt 2.3: Bezug zur Nachhaltigkeitsstrategie Im Rahmen der für die Erarbeitung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie durchgeführten systematischen Bestandsaufnahme wurden die beschriebenen stadtspezifischen Charakteristika über die Analyse statistischer Daten berücksichtigt. Bei den sechs zentralen Handlungsfeldern wurde daher ein besonderer Fokus auf die identifizierten Herausforderungen sowie auf mögliche Lösungsansätze gelegt. Bei der Auswahl der prioritären Handlungsfelder spielten folgende Kriterien eine zentrale Rolle: (1.) Wie hoch ist die aktuelle Relevanz des Themenfelds? (2.) Wie hoch sind die Einflussmöglichkeiten der Kommune im Handlungsfeld? (3.) Inwieweit trägt das Handlungsfeld zur Stärkung bestehender politischer Schwerpunkte in Bonn bei? (4.) Wie ist Bonn im Handlungsfeld aufgestellt? Anhand dieser Kriterien wählten die an der Erarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie beteiligten Arbeitsgremien die sechs Handlungsfelder aus insgesamt 12 Themenfeldern einer nachhaltigen Kommunalentwicklung aus. Auch die 2020 formulierten vier strategischen Schwerpunktthemen spiegeln die spezifischen Herausforderungen und Transformationshebel der Stadt Bonn wider. In dem aktuell vorliegenden Bericht wurden darüber hinaus weitere Handlungsfelder einbezogen, um ein umfassendes Bild von Nachhaltigkeit in Bonn zu erhalten.Seite 15 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 4 K R I T E R I U M 0 3 Z I E L E U N D E V A L U A T I O N Die Kommune legt offen, welche qualitativen und/oder quantitativen sowie zeitlich definierten Nachhaltigkeitsziele sie sich gesetzt hat. Sie zeigt auf, welche Informationen über die Weiterentwicklung der Kommune zur Nachhaltigkeit in der regelmäßigen internen Planung und Kontrolle genutzt werden und wie diese für politische Entscheidungen genutzt werden. Aspekt 3.1: Mittel- und langfristige Nachhaltigkeitsziele der Kommune In den sechs Handlungsfeldern der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie werden jeweils Leitlinien und strategische Ziele formuliert, die ein Szenario für das Jahr 2030 beschreiben. Im Handlungsfeld „Klima und Energie“ geht es insgesamt um die Reduktion von CO₂-Emissionen sowie um die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und die Förderung ressourcenschonender Lebensstile. 2019 hat der Rat der Stadt Bonn hierzu konkret beschlossen, dass Bonn bis 2035 klimaneutral werden soll. Bis 2030 sollen die CO₂-Emissionen um mindestens 40 Prozent gesenkt werden, die Energieversorgung soll bis 2035 nahezu vollständig auf regenerative Energien umgestellt werden. Im Bereich „Mobilität“ schreibt die Nachhaltigkeitsstrategie die Förderung emissionsarmer Mobilität, die attraktive und umweltschonende Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), den Ausbau des Fahrradverkehrs sowie die Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftsverkehrs fest. Für das Themenfeld „Natürliche Ressourcen und Umwelt“ wird eine nachhaltige integrierte Stadtentwicklung, die Steigerung der Lebensqualität durch gut entwickelte blau-grüne Infrastruktur und Biodiversität, die Verringerung gesundheitlicher Belastungen durch Lärm und Luftverschmutzung sowie die Förderung von ökologischer Erzeugung und nachhaltigem Konsum adressiert. Im Bereich „Arbeit und Wirtschaft“ sollen nachhaltige Innovationen gefördert, die Grundlagen für flexible und lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle geschaffen, das Selbstverständnis für nachhaltiges Wirtschaften gestärkt sowie gute und faire Arbeit ermöglicht werden. Mit Blick auf die „Gesellschaftliche Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit“ zielt die Strategie auf die Förderung einer wirkungsvollen Beteiligungskultur, Bildungsgerechtigkeit und Selbstbestimmung, Gerechtigkeit im Arbeitsleben sowie die Sicherung der Daseinsvorsorge für alle Bürger*innen ab. Schließlich soll im Handlungsfeld „Globale Verantwortung und Eine Welt“ das entsprechende Bewusstsein der Bevölkerung gestärkt, öffentliche Beschaffung und Finanzanlagen nachhaltig gestaltet sowie Partnerschaften für globale Gerechtigkeit und ein nachhaltiges Leben ausgebaut werden. Aspekt 3.2: Nachhaltigkeitsziele in den Zielvereinbarungen mit Eigen- und Beteiligungsunternehmen Als gemeinsames Ziel wurde für den gesamten Konzern Stadt Bonn das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 vereinbart. Dies betrifft die Stadtverwaltung, das städtische Gebäudemanagement, die Stadtwerke sowie die Stadtreinigung und Abfallwirtschaft „bonnorange“ (s.a. Aspekt 10.2). Übergreifend hat der Rat der Stadt im Jahr 2019 die Einführung des sogenannten „Public Corporate Governance Kodex“ (Regeln zur guten Unternehmensführung) bei allen von der Stadt beherrschtenSeite 16 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 5 Beteiligungsunternehmen beschlossen. Damit bekennt sich die Stadt dazu, bei ihren Beteiligungsunternehmen eine verantwortungsvolle Unternehmensführung und -kontrolle sicherzustellen, die sich in erster Linie am Gemeinwohl und dem Daseinsvorsorgeauftrag für die Bürger*innen orientiert. Dies beinhaltet insbesondere auch soziale, ökologische und ökonomische Kriterien. Zum Stichtag Ende 2021 wurde der Kodex in nahezu allen städtischen Unternehmen eingeführt. Mit Einführung dieses Regelwerks verbunden sind auch diverse Berichtspflichten, insbesondere auch zur gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung („Corporate Social Responsibility“). Diese sollen auf ein erhöhtes Maß an Transparenz einzahlen, was die unternehmerischen Aktivitäten zur sozialen, ökonomischen und ökologischen Verantwortung betrifft. Aspekt 3.3: Nachhaltigkeitsmonitoring Für die Weiterentwicklung der vier strategischen Schwerpunktthemen der Stadt wurde im Dezernat der Oberbürgermeisterin der Geschäftsbereich „Strategische Programmsteuerung“ mit entsprechenden Programmbüros eingerichtet (s.a. Aspekt 5.2). Diese steuern den gesamtstädtischen Prozess und entwickeln ein entsprechendes Monitoring. Relevant für die Weiterentwicklung von Nachhaltigkeit im weiteren Sinne sind u.a. die nachfolgend genannten regelmäßigen Berichte (grundsätzlich werden alle hier genannten Informationen den politischen Gremien zur Verfügung gestellt, um diese als Basis für zukünftige Entscheidungen zu nutzen): (1.) Seit 2004 wird ein indikatorenbasierter Nachhaltigkeitsbericht verfasst, der in der Regel drei Jahre umfasst. Der fünfte und vorerst letzte Bericht wurde im Jahr 2020 veröffentlicht und beschreibt die Entwicklung in den Jahren 2016 bis 2018. Er geht jeweils an alle relevanten Ausschüsse und den Rat. (2.) Zur Nachhaltigkeitsstrategie insgesamt wird gemäß Ratsbeschluss regelmäßig (ca. alle zwei Jahre) zur Umsetzung an die politischen Gremien berichtet. Aktuell wird erprobt, inwiefern der „Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune“ dafür genutzt werden kann. (3.) Seit 1999 wird alle zwei Jahre eine Energie- und Treibhausgasbilanzierung veröffentlicht, die aktuelle Fortschreibung für die Jahre 2017/2018 wurde 2021 vorgelegt. (4.) Zu weiteren Einzelaspekten der Nachhaltigkeit werden regelmäßige Berichte vorgelegt, die die Gesamtsituation in einem Themenfeld darstellen (wie beispielsweise der Jahreswirtschaftsbericht) oder über Umsetzungsfortschritte informieren (z. B. Behindertenpolitischer Teilhabeplan, geförderte Integrationsprojekte sowie durchgeführte Projekte zur lokalen Agenda). Aspekt 3.4: Steuerungsmechanismen bei Zielverfehlungen Weiterführende Beschlüsse und nächste Schritte werden entsprechend der in der Gemeindeordnung definierten Zuständigkeiten im Zusammenspiel von Verwaltung und Politik erarbeitet und beschlossen.Seite 17 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 6 K R I T E R I U M 0 4 Ö F F E N T L I C H E B E T E I L I G U N G Die Kommune legt offen, wie die Bandbreite der kommunalen Anspruchsgruppen in den Prozess der Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie und in die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen einbezogen wird. Aspekt 4.1: Dialogprozesse zu Nachhaltigkeit Bei der Erarbeitung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie waren verschiedene Stakeholdergruppen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik von Anfang an eng in den Prozess eingebunden und durch Vertreter*innen aktiv an der Projektarbeitsgruppe beteiligt. Spezifisch zum Thema Klimaschutz wird seit Dezember 2020 das Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future - Wir fürs Klima“ durchgeführt. Als Expertengremium gibt der Klimaschutzbeirat Empfehlungen an Politik und Verwaltung. Insbesondere mit der Zivilgesellschaft gibt es weitere regelmäßige Austauschrunden, die von der Stadt organisiert werden oder an denen sie sich beteiligt. Dies sind z. B. die Treffen des Bonner Netzwerks für Entwicklung mit ca. 60 entwicklungspolitischen Organisationen, des Forums Zukunft mit lokalen Initiativen zur lokalen Agenda und der Steuerungsgruppe Fair Trade Town sowie Treffen der AG und Veranstaltungen im Rahmen der Bio-Stadt Bonn. Über das Portal für Bürger*innenbeteiligung „Bonn macht mit“ werden alle Angebote zur Beteiligung der Bevölkerung gebündelt. Hier werden laufende Beteiligungsverfahren vorgestellt, aktuelle Planungen der Stadt präsentiert und über die Instrumente zur Einbringung von Vorschlägen - wie z. B. Anträge an den Bürgerausschuss und Bürgerbegehren informiert. Über das Portal können alle Bürger*innen Vorschläge machen und Fragen bzw. Kommentare einbringen. Im Rahmen des Bürger*innendialogs zum Haushalt 2021/2022 war die Bevölkerung ferner dazu aufgerufen, Vorschläge für konkrete Projekte in den Stadtbezirken einzureichen und über die Vorschläge abzustimmen (Beispiele für ausgewählte Projekte sind die Info-Kampagne für regionale und saisonale Lebensmittel oder die „Leihbar - Bibliothek der Dinge“). Aspekt 4.2: Zentrale Beiträge und Forderungen lokaler Stakeholder Ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung von Nachhaltigkeit in Bonn sind die zivilgesellschaftlichen Initiativen für eine klimaneutrale Stadt. Wesentliche Elemente des aktuell laufenden Prozesses wurden durch Bürgeranträge angestoßen. So haben im Juli 2019 die Organisationen „Parents for Future Bonn“, „Fridays for Future Bonn“ und Klimawache Bonn einen Bürgerantrag zur Ausrufung des Klimanotstands gestellt, den der Stadtrat in der Folge beschlossen hat. Nach dem Ratsbeschluss für ein klimaneutrales Bonn bis 2035 im November 2019 haben Bonn im Wandel e.V. und die Klimawache im Rahmen eines Bürgerantrags das Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ initiiert. Der Bürgerantrag wurde von einem rund 50 Initiativen umfassenden Unterstützerkreis ideell unterstützt. Mit Annahme des Bürgerantrages durch den Rat wurde eines der bislang umfangreichsten Mitwirkungsverfahren in der Stadt gestartet.Seite 18 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 7 Aspekt 4.3: Unterstützung von und Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren Seit 2010 stellt die Stadt aufgrund eines Ratsbeschlusses interessierten Initiativen und kleineren Organisationen jährliche Fördermittel für entwicklungspolitische Bildungsarbeit, die Stärkung der Bonner Projektpartnerschaften sowie für die Umsetzung der Agenda 2030 zur Verfügung. Weitere Beispiele der Unterstützung der Zivilgesellschaft durch die Stadt sind die Bereitstellung von städtischen Flächen für „Urban Gardening“ Projekte oder die Bereitstellung von Materialien für Bildungsarbeit (z. B. „Fußspuren“ zur Darstellung des ökologischen Fußabdrucks). Zudem arbeitet die Stadt mit zahlreichen Akteur*innen, die sich in Bonn für die Förderung von Nachhaltigkeit engagieren, zusammen. Sie fördert die Gründung und kontinuierliche Zusammenarbeit mit Netzwerken wie dem Bonner Netzwerk für Entwicklung, einem Zusammenschluss großer und kleiner entwicklungspolitischer Organisationen und Initiativen, oder dem „Forum Zukunft – Lokale Agenda Bonn“, das lokalen Initiativen, Organisationen und Vereinen, die sich mit den Themen der lokalen Agenda beschäftigen, ein Forum bietet (s.a. Aspekt 18.1). Die Zugehörigkeiten zu den Netzwerken sind fließend und gemeinsame Auftritte werden städtischerseits gefördert, wie z. B. 2019 beim Abschlussfest zum „Urban Art Projekt Weltbaustelle Bonn“. Bei dem zu diesem Anlass organisierten „Markt der Möglichkeiten“ stellten Bonner „Agenda-Gruppen“ ebenso wie Gruppen aus dem Bonner Netzwerk für Entwicklung ihre Arbeit vor. Das Bonner Netzwerk für Entwicklung war 2019 und 2021 zivilgesellschaftlicher Partner der „Bonner SDG-Tage“. Mit den Bonner SDG-Tagen (siehe Praxisbeispiel im Handlungsfeld Globale Verantwortung & Eine Welt) bietet die Stadt Bonn allen interessierten Gruppen, Initiativen und Institutionen eine Plattform, um Aktivitäten oder Veranstaltungen zu den Globalen Nachhaltigkeitszielen zu präsentieren und unterstützt bei einzelnen Programmpunkten. Auch in der Fair Trade Town Steuerungsgruppe (s.a. Aspekt 18.3) und in dem seit 2019 formierten Netzwerk der Bio-Stadt Bonn (s.a. Aspekt 17.1) nimmt die Stadt eine stark unterstützende und/oder koordinierende Rolle wahr z.B. durch das Nachhaltigkeitsfestival „Bonn- Rundum nachhaltig“. Auch die Zusammenarbeit mit Bonner Wissenschaftsinstitutionen spielt eine wichtige Rolle bei kommunalen Nachhaltigkeitsaktivitäten. So arbeitet das Amt für Stadtgrün und Umwelt im Bereich Biodiversität regelmäßig mit den Botanischen Gärten der Universität Bonn zusammen, weitere Kooperationen mit der Uni Bonn gibt es z.B. im Rahmen der VHS-Reihe „Uni im Rathaus“.Seite 19 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 8 I N D I K A T O R E N S E L B S T G E W Ä H L T E R Z U S Ä T Z L I C H E R I N D I K A T O R I n f o r m e l l e B ü r g e r * i n n e n b e t e i l i g u n g Jahr 2016 2017 2018 Anzahl 0,055 0,082 0,099 Anzahl der informellen Beteiligungsverfahren pro 1.000 Einwohner*innen Das „Gemeinschaftswerk“ einer nachhaltigen Entwicklung lässt sich nur erreichen, wenn Bürger*innen dies mittragen. Nachhaltigkeit braucht den Dialog, auch um die Akzeptanz des Leitbildes bei allen Beteiligten zu erhöhen. Mit eigenen Impulsen können Bürger*innen Nachhaltigkeit in ihrer Stadt entscheidend voranbringen. Vor diesem Hintergrund wurde der Indikator „Informelle Bürger*innenbeteiligung“ im Bonner Nachhaltigkeitsbericht 2016-2018 erstmals systematisch erfasst. Es ist davon auszugehen, dass der Indikator - wie in den letzten Jahren - weiterhin eine positive Tendenz zeigt. Entsprechend der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie soll bis 2030 der Dialog mit den Bürger*innen weiter ausgebaut und eine wirkungsvolle Beteiligungskultur in der Stadt etabliert und gelebt werden, die aus vielfältigen Partizipationsformaten besteht. So soll ein wachsendes Netzwerk mit gesellschaftlichen Akteur*innen sowie Multiplikator*innen der Stadtgesellschaft aufgebaut und regelmäßig über Beteiligungsmöglichkeiten informiert werden.Seite 20 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 1 9 K R I T E R I U M 0 5 V E R A N T W O R T U N G Die Kommune legt die Verantwortlichkeiten für Nachhaltigkeit sowohl auf politischer Ebene als auch auf Verwaltungsebene offen. Aspekt 5.1: Relevante Gremien zur Umsetzung von nachhaltigkeitsbezogenen Maßnahmen Die verwaltungsinterne Steuerungsgruppe, die zur Erarbeitung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie einberufen wurde, ist weiterhin das zentrale Gremium für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsziele der Stadt Bonn. In der Steuerungsgruppe sind alle Dezernate sowie die zentralen Eigenbetriebe für Nachhaltigkeitsmaßnahmen (die Stadtwerke Bonn, das Abfallwirtschafts- unternehmen „bonnorange“ und das städtische Gebäudemanagement) vertreten. Die Steuerungs- gruppe wird gemeinsam vom Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit und dem Amt für Umwelt und Stadtgrün koordiniert. Aspekt 5.2: Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung Übergeordnete Nachhaltigkeitsthemen werden in der Steuerungsgruppe erörtert. Diese hat insbesondere die Aufgabe, Themen zu bündeln und zusammenzuführen. Die operative Umsetzung erfolgt durch die jeweiligen Fachämter, die auch für die erforderliche Einbindung der jeweiligen Leitungsebene zuständig sind. Themen von zentraler Bedeutung werden dem Verwaltungsvorstand zur Entscheidung vorgelegt. Mit Blick auf die vier im Jahr 2020 formulierten strategischen Schwerpunktthemen zur Weiterentwicklung der Stadt Bonn (s.a. Aspekt 1.2), wurden entsprechende Programmbüros im Dezernat der Oberbürgermeisterin bzw. auf Dezernatsebene eingerichtet, welche die Schwerpunktfelder operativ umsetzen („Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035“, „Programmbüro Mobilitätswende“, „Programmbüro Soziale Gerechtigkeit“ sowie „Programmbüro Digitale Transformation“). Damit soll die Transparenz und Steuerbarkeit der strategischen Schwerpunkte erhöht werden.Seite 21 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 0 K R I T E R I U M 0 6 N A C H H A L T I G E V E R W A L T U N G Die Kommune legt offen, wie das Thema Nachhaltigkeit in das Verwaltungshandeln und die Personalentwicklung integriert wird. Aspekt 6.1: Nachhaltigkeit im Verwaltungshandeln durch Regeln, Prozesse und Instrumente Die Stadtverwaltung fungiert bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit als Vorbild. Vor dem Hintergrund der städtischen Klimaschutzziele soll die Verwaltung bis 2035 klimaneutral werden (s.a. Aspekt 10.2). In einem ersten Schritt wurde die Erfassung der Treibhausgasemissionen nach dem „Greenhouse Gas Protocol“ für das Bezugsjahr 2019 abgeschlossen. In einem nächsten Schritt ist die Erstellung eines Maßnahmenplanes mit Zeitschiene vorgesehen. Auch im Bereich Mobilität trägt die Stadtverwaltung, u.a. mit dem betrieblichen Mobilitätsmanagement zu den städtischen Gesamtzielen bei. Verschiedene Maßnahmen der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie zielen ferner auf eine direkte Implementierung in der Stadtverwaltung ab. Ein Beispiel ist der Bereich Geschlechtergerechtigkeit (Umsetzung des Gleichstellungsplans und Einrichtung flexibler Arbeitszeitkonzepte, die gleichberechtigte Karrieremöglichkeiten eröffnen). Auch mit Blick auf eine nachhaltige Beschaffung und Vergabe sind in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen im Verwaltungshandeln integriert worden (s.a. Aspekte 7.1 und 7.2). Aspekt 6.2: Nachhaltigkeit in der Personalentwicklung In der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie ist das Ziel festgeschrieben, dass für Mitarbeiter*innen und Auszubildende der Stadt Bonn Fortbildungsmodule und Informationsveranstaltungen zur Umsetzung der Strategie angeboten werden sollen. Vor diesem Hintergrund wurden verschiedene Formate für Mitarbeiter*innen und Auszubildende entwickelt, um sie mit unterschiedlichsten Nachhaltigkeitsaspekten, die für das kommunale Handeln relevant sind, vertraut zu machen. Die allen Mitarbeitenden offen stehende Fortbildungsreihe „Wir und die 17 Ziele“ (Info-Lunch) wird seit 2019 kontinuierlich durchgeführt. Konzipiert wird das Angebot durch die Koordination kommunaler Entwicklungspolitik und das Klimaschutzmanagement in Abstimmung mit dem Personalamt. Auf der monatlich stattfindenden Veranstaltung präsentieren und diskutieren Kolleg*innen der verschiedenen Fachbereiche ihre jeweiligen Beiträge zu den verschiedenen Handlungsfeldern der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie. Die Teilnehmenden erhalten so die Möglichkeit zu einem ämterübergreifenden Austausch und Einblick in viele verschiedene Bausteine der Nachhaltigkeitsstrategie. Das Jahresprogramm und die Veranstaltungen werden innerhalb der Stadtverwaltung über verschiedene Kommunikationskanäle, wie Vor- und Nachberichte im Intranet oder Poster, bekannt gemacht. Für neue Auszubildende wurde 2020 im Rahmen der Einführungswoche eine Infoveranstaltung zur Agenda 2030 integriert; zudem wurde für diese Zielgruppe 2021 eine interaktive Workshopreihe zum Thema Klimaschutz im Alltag als Pilotprojekt konzipiert und gestartet.Seite 22 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 1 Aspekt 6.3: Personelle und finanzielle Kapazitäten für Nachhaltigkeit Mit der dezernatsübergreifenden Steuerungsgruppe und den koordinierenden Einheiten Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit sowie Amt für Umwelt und Stadtgrün verfügt die Stadt über entsprechende personelle Kapazitäten zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie. Die neu eingerichteten Programmbüros im Dezernat der Oberbürgermeisterin (Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035, Programmbüro Mobilitätswende, Programmbüro Soziale Gerechtigkeit sowie Programmbüro Digitale Transformation) begleiten auf strategischer und koordinierender Ebene Maßnahmen der ausgewählten strategischen Schwerpunktthemen zur Weiterentwicklung der Stadt. Im Rahmen der Haushaltsberatungen 2021 diskutierten Politik und Verwaltung, wie sich die Schwerpunktthemen in Stellenplan und Haushalt mit neuen Stellen widerspiegeln sollen. Entsprechend wurden zahlreiche neue Stellen in den Bereichen Klima-, Umwelt- und Naturschutz, Stadtplanung und Verkehr, Digitalisierung, zur Verstärkung des Jobcenters, des Familiendienstes, der Jugendgerichtshilfe, der Bearbeitung der Kindergartenbeiträge und der Schulsekretariate sowie zur Förderung von Langzeitarbeitslosen geschaffen. Das Gesamtbudget für Personal liegt bei ca. 355 Mio. Euro und ist nach dem Sozialetat die zweitgrößte Aufwandsart der Stadtverwaltung. Für die vom Rat der Stadt beschlossenen Maßnahmen zur Förderung von Nachhaltigkeit werden entsprechende Mittel im Doppelhaushalt bereitgestellt. So wurden z. B. für die Umsetzung der Maßnahmen des Klimaschutz- Pakets der Verwaltung als Antwort auf den Klimanotstand im Doppelhaushalt 2021/2022 fünf Millionen Euro als Anschubfinanzierung berücksichtigt. Aspekt 6.4: Nachhaltigkeit im Personalmanagement Die Schwerpunktthemen „Klimaneutrales Bonn“, „Verkehrs- und Mobilitätswende“, „Sozial gerechtes Bonn“ sowie „Digitale Transformation“ zur Weiterentwicklung der Stadt werden im Personal- management insgesamt und bei der Einrichtung neuer Stellen entsprechend berücksichtigt.Seite 23 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 2 K R I T E R I U M 0 7 V E R G A B E U N D B E S C H A F F U N G Die Kommune legt offen, wie Nachhaltigkeitsaspekte in der Beschaffung und in der Vergabe von Aufträgen berücksichtigt werden. Aspekt 7.1: Nachhaltigkeit in der Beschaffung Die Bonner Nachhaltigkeitsstrategie ruft das Ziel aus, dass bis zum Jahr 2030 alle verfügbaren Produkte nach produktspezifischen Nachhaltigkeitskriterien beschafft werden sollen. Hierzu soll die Beschaffung um zusätzliche nachhaltige Produktgruppen erweitert, Informationsveranstaltungen zu Kriterien der Nachhaltigkeit organisiert sowie vor jedem Produkteinkauf eine Prüfung zu Anforderungen und Einhaltung der Kriterien durchgeführt werden. Entsprechende Regeln zur nachhaltigen Beschaffung sind seit einigen Jahren in die Vergabedienstanweisung integriert („Richtlinien zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeit, Sozialstandards und Umweltschutzkriterien bei der Beschaffung von Gütern, Bauleistungen und Dienstleistungen“). Zusätzlich wurde eine eigene Dienstanweisung für nachhaltige Beschaffung erarbeitet, die die Vergabedienstanweisung ergänzt. Im Rahmen des Projekts „Gute Arbeit fairbindet“ beschafft die Stadt Bonn nachhaltige Dienst- und Schutzkleidung. Gemeinsam mit der Organisation Femnet hat die Stadt 2017 diesbezüglich die Broschüre „Schritt für Schritt - Ihr Weg zur fairen öffentlichen Beschaffung von Dienst- und Schutzkleidung“ veröffentlicht. Auch der Einsatz von Recyclingpapier ist in der Verwaltung bereits seit vielen Jahren etabliert (s.a. Aspekt 11.5). Im Jahr 2021 war Bonn mit 33 anderen Kommunen außerdem Erstunterzeichner der deutschlandweiten Resolution zu einem starken Lieferkettengesetz. Mit der Resolution transportieren Kommunen ihre Forderung für eine verantwortliche Beschaffung durch den Beschluss eines wirkungsvollen Lieferkettengesetzes. Aspekt 7.2: Nachhaltigkeit in der Auftragsvergabe Im Jahr 2020 wurde auf Initiative der Stadt Bonn im Rahmen von „Kompass Nachhaltigkeit“, einem Kooperationsprojekt der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt und der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, ein neues digitales Vergabetool für nachhaltige Beschaffung veröffentlicht. Dieses Tool wurde mit dem Referat Vergabedienste der Stadt Bonn, der Organisation FEMNET sowie einem Vergabejuristen entwickelt. Das Tool führt Beschaffer*innen durch wichtige Fragestellungen für eine nachhaltige Vergabe und gibt Empfehlungen, wie soziale und ökologische Kriterien im Vergabeprozess implementiert werden können. So erhalten Beschaffer*innen erstmalig die Möglichkeit, eine individualisierte digitale Hilfestellung zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im Vergabeverfahren in Anspruch zu nehmen. Im Rahmen der Vergabedienstanweisung der Bundesstadt Bonn ist die Berücksichtigung von Sozialstandards- und Umweltschutzkriterien bei der Vergabe von Aufträgen grundsätzlich integriert. Die Stadtverwaltung nutzt die vergaberechtlichen Instrumente zur Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsaspekte (Bietereignung/Leistungsbeschreibung/Wertungskriterien). Dabei wird der rechtliche Rahmen durch das Vergabereferat gestaltet, die Verantwortung für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im Vergabeverfahren liegt bei den jeweiligen Fachämtern.Seite 24 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 3 K R I T E R I U M 0 8 F I N A N Z E N Die Kommune berichtet über ihre finanzielle Selbstständigkeit und legt Kennzahlen zu ihrer Liquidität offen. Weiterhin wird sowohl über die Einbindung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Finanzanlage als auch in der Finanzierung berichtet. Aspekt 8.1: Nachhaltigkeitsziele in der Haushaltsplanung Knappe Finanzressourcen werden häufig als zentraler Hinderungsgrund für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung seitens der kommunalen Verwaltung und Politik angeführt. Gleichzeitig erfordert eine ernstzunehmende Umsetzung von ambitionierten Nachhaltigkeitszielen einen grundlegenden Wandel jedweder kommunalen Tätigkeit. Nachhaltigkeit muss also sektorübergreifend in die kommunalen Standardverfahren integriert werden. Sobald Nachhaltigkeit nicht mehr als Zusatz, sondern als Grundprinzip für das kommunale Kerngeschäft verstanden wird, wird auch die Notwendigkeit zur Verknüpfung mit dem kommunalen Haushalt deutlich. Nur im Rahmen der Haushaltsplanung kann eine hinreichende Zuteilung von Personal- und Finanzressourcen sichergestellt und eine wirkungsorientierte Nachhaltigkeitssteuerung etabliert werden. Vor diesem Hintergrund nahm die Stadt Bonn von 2020 bis 2021 am Modellprojekt "Kommunaler Nachhaltigkeitshaushalt" der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW teil. Ziel des Projekts ist es, Nachhaltigkeitszielsetzungen in den kommunalen Haushalt zu integrieren und die Haushaltsbereiche einzelner Ämter modellhaft mit kommunalen Nachhaltigkeitszielsetzungen zu verknüpfen, sodass Nachhaltigkeit integraler Bestandteil aller kommunalen Tätigkeiten wird. Bonn fungiert ebenfalls als Projektpartner in der Gemeinschaftsstudie „Nachhaltigkeitshaushalt und ‚Nachhaltigkeitsrendite‘ – Strategische Orientierung im kommunalen Haushalt“, die das Deutsche Institut für Urbanistik im Verbund mit acht Städten in NRW und der NRW.Bank bis Ende 2022 durchführt. Aspekt 8.2: Nachhaltigkeitsziele im wirkungsorientierten Haushalt Der Rat der Stadt Bonn hat die Einführung eines wirkungsorientierten Haushalts im Jahr 2010 beschlossen. Danach sollen für den Produkthaushalt Ziele und Kennzahlen zur Messung der Zielerreichung beschrieben werden, die auf ein Leitbild und strategische Ziele und Wirkungen auszurichten sind. Im Rahmen der Aufstellung des Haushaltsplanes 2021/2022 sind die Produktgruppenbeschreibungen zum wirkungsorientierten Haushalt um einen weiteren Baustein „Bezug der Produktgruppe zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesstadt Bonn“ ergänzt worden. Hier wird dem Produktgruppenverantwortlichen die Möglichkeit gegeben, die Ausrichtung der Produktgruppe auf die sechs Themenfelder der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie zu erläutern. Durch die Integration von Nachhaltigkeitszielen in den kommunalen Haushalt soll ein zielgerichteter Mitteleinsatz und so eine langfristige und wirkungsorientierte Nachhaltigkeitssteuerung ermöglicht werden. Insofern impliziert die Einführung eines wirkungsorientierten Haushalts auch eine „Personalentwicklungsmaßnahme“, die mit der Projektarbeit bei der Umstellung der einzelnen Produktgruppen einhergeht.Seite 25 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 4 Aspekt 8.3: Maßnahmen gegen Verschuldung Die Bezirksregierung Köln als Aufsichtsbehörde hat den Doppelhaushalt 2021/2022 einschließlich der mittelfristigen Finanzplanung 2020 - 2025 der Bundesstadt Bonn und die dritte Fortschreibung des Haushaltssicherungskonzeptes bis 2024 ohne Änderungen genehmigt. Der verabschiedete Haushalt weist von fünf Planungsjahren drei Jahre mit Überschüssen aus. Der von der Kommunalaufsicht geforderte echte Haushaltsausgleich gelingt im Jahr 2021 (4,0 Millionen Euro), im Jahr 2023 (5,2 Millionen Euro) und im Jahr 2024 (1,2 Millionen Euro). In den Jahren 2022 (- 33,9 Millionen Euro) und 2025 (-9,0 Millionen Euro) ergeben sich geplante Jahresfehlbeträge. Grundsätzlich ist für eine nachhaltige Finanzpolitik eine angemessene Finanzausstattung notwendig sowie die Voraussetzung, dass die Aufsichtsbehörden die Kommunen zu einem verantwortungsvollen Finanzverhalten anleiten. Hierzu bedarf es einer starken Aufsicht, die mit den entsprechenden rechtlichen Instrumenten ausgestattet ist, um die Kommunen zu einem ausgeglichenen Haushalt zu verpflichten. Seit Einführung der Doppik wurden verschiede Regelungen getroffen (5 % des Eigenkapitals dürfen eingesetzt werden, Verlängerung des Zeitraums zum ausgeglichenen Haushalt von 3 auf 10 Jahre, Globaler Minderaufwand). Kernproblem der meisten Kommunen in NRW ist, dass hohe Belastungen im Bereich der Sozial- und Jugendhilfe nicht im hinreichenden Maß durch Steuern und Zuweisungen gegenfinanziert werden, sodass trotz aller Einsparbemühungen eine strukturelle Lücke verbleibt. Damit wird ein Haushaltsausgleich lediglich dadurch ermöglicht, dass Investitionen unterbleiben sowie hohe Steuersätze bei der Grund- und Gewerbesteuer festgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist es nicht realistisch, dass Überschüsse zur Tilgung von Kassenkrediten erwirtschaftet werden, sodass der Abbau alter Schulden bzw. der Aufbau neuer Schulden nur durch Unterstützungsmaßnahmen des Bundes und des Landes (z. B. Altenschuldenübernahme) möglich ist. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Maßnahmen zum Klimawandel zwingend umzusetzen sind. Aspekt 8.4: Nachhaltigkeitsorientierte Anlagestrategien bei Finanzanlagen Die Frage, wie städtische Gelder investiert und angelegt werden sollen, ist ein zentrales Nachhaltigkeitsthema. Der Rat der Stadt Bonn hat im Jahr 2015 beschlossen, dass bei städtischen Finanzanlagen ethische, soziale und ökologische Grundsätze einzuhalten sind. 97 Millionen Euro, das sind nahezu 100 Prozent der langfristigen Anlagen, sind mittlerweile nachhaltig angelegt. Bonn berücksichtigt dabei einen mehrdimensionalen Ansatz. Dabei geht es nicht nur darum, heikle Branchen auszuschließen, sondern auch um den Einbezug der Frage, wie die Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen herstellen und anbieten. Über die Berücksichtigung von ESG-Kriterien („Environment - Social - Governance“), wird gewährleistet, dass die Aspekte Umwelt, Soziales und Unternehmensführung berücksichtigt werden. Der ESG-Filter gibt vor, dass im Portfolio ein bestimmter ESG-Punktwert erreicht werden muss, sodass eine aktive Entscheidung für Unternehmen mit hohen Punktwerten getroffen wird. Die Einhaltung der Kriterien wird kontinuierlich durch die Vermögensverwalter*innen bestätigt und es erfolgt eine regelmäßige Weiterentwicklung. Im Jahr 2020 hat Bonn einen zusätzlichen Filter eingeführt, um sicherzustellen, dass die Finanzanlagen einen direkten Beitrag zur Erreichung der Globalen Nachhaltigkeitsziele leisten. Dieser SDG-Filter identifiziert Unternehmen, die tatsächlich gesellschaftliche oder ökologische Probleme positiv beeinflussen. Zur Verbreitung nachhaltiger Finanzanlagen beteiligt sich Bonn außerdem als eine der Vorreiterstädte aktiv am Austausch mit anderen Städten und engagiert sich in verschiedenen Formaten. So hat die Stadt am Leitfaden „Nachhaltige kommunale Finanzen“ mitgearbeitet, der 2020 vom BeratungsinstitutSeite 26 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 5 adelphi veröffentlicht wurde. Auch bei verschiedenen Veranstaltungen (z. B. Regionalkonferenz in Bonn zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie oder Konferenz des Umweltministeriums in Rheinland- Pfalz im Jahr 2020) sowie im Rahmen des durch die Nationale Klimaschutzinitiative der Bundesregierung geförderten Projekts „Kommunales Divestment und Re-Investment“ übernahm Bonn eine Multiplikatoren-Rolle. Im Rahmen des Projekts führte die Stadt 2019 gemeinsam mit dem Forum für nachhaltige Geldanlagen und dem Klima-Bündnis den Bürgerdialog „Geld und Klima!“ durch, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Aspekt 8.5: Nachhaltige Finanzierungsinstrumente Aktuell werden in der Stadt Bonn keine nachhaltigen Finanzierungsinstrumente, wie z. B. Green Bonds (Anleihen, deren Erlöse ausschließlich für nachhaltige Projekte eingesetzt werden), genutzt.Seite 27 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 6 I N D I K A T O R E N E I N G E B E T T E T E I N D I K A T O R E N F i n a n z m i t t e l s a l d o Jahr 2010 2015 2019 Euro -344 221 133 Haushaltsüberschuss bzw. -defizit je Einwohner*in Der Finanzmittelsaldo gibt Aufschluss über die finanzielle Leistungsfähigkeit einer Kommune, mit der die ökonomischen, sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen vor Ort autonom gestaltet werden können. In der Stadt Bonn weist der Indikator tendenziell eine positive Entwicklung auf. Lag der Finanzmittelsaldo im Jahr 2010 noch bei -344,00 € je Einwohner*in, was einer Verschuldung entspricht, konnte die Stadt Bonn sowohl im Jahr 2015 als auch im Jahr 2019 einen Haushaltsüberschuss verzeichnen. Diese Entwicklung lässt sich auch dem bundesweiten Vergleich entnehmen und kann u.a. in Zusammenhang mit der Einführung der Schuldenbremse im Jahr 2009 gebracht werden. Langfristig trägt diese Entwicklung auch dazu bei, das Ziel der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, 8.2.c „Schuldenstandsquote max. 60 % des BIP - Beibehaltung bis 2030“, zu erreichen. S t e u e r e i n n a h m e n Jahr 2010 2015 2019 Euro 1.029 1.421 1.771 Steuereinnahmen je Einwohner*in Die Steuerkraft bestimmt maßgeblich den finanziellen Handlungsspielraum einer Kommune und gibt Auskunft über ihre Wirtschaftsstärke bzw. Strukturschwäche. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Steuereinnahmen keine weiteren Einnahmen, wie z. B. aus Gebühren, Abgaben, Investitionszuweisungen von Bund und Ländern sowie allgemeinen Schlüsselzuweisungen im Rahmen der kommunalen Finanzausgleichssysteme berücksichtigen. In der Stadt Bonn ist im Zeitverlauf eine durchweg positive Entwicklung der Steuereinnahmen je Einwohner*in zu verzeichnen - so ist die Einnahmekraft von 1.029 € je Einwohner*in im Jahr 2010 auf 1.771 € je Einwohner*in im Jahr 2019 angestiegen. Die Entwicklung der Steuereinnahmen in Bonn liegt deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt. In den Nachhaltigkeitsstrategien auf Bundes- und NRW-Landesebene sind keine konkreten Zielsetzungen zur Entwicklung der Steuereinnahmen definiert. L i q u i d i t ä t s k r e d i t e ( B e r e i t s t e l l u n g S t a d t B o n n ) Jahr 2010 2015 2018 Euro 1.588 2.163 1.945 Kommunale konsumtive Schulden in Euro und pro Einwohner*in Kurzfristige Liquiditätskredite, oder auch Kassenkredite im Kernhaushalt, weisen auf Finanzierungsengpässe der Kommunen hin, die durch eine Überziehung der Konten („Überziehungskredite“) überbrückt werden. Hohe und langfristige Liquiditätskredite deuten auf eine grundlegende Schieflage in der Haushaltstruktur einer Kommunen hin, welche im Sinne der Generationengerechtigkeit problematisch ist. In der Stadt Bonn haben sich die Liquiditätskredite je Einwohner*in im Zeitverlauf tendenziell erhöht. Zur Finanzierung der laufenden Kosten musste die Stadt im Jahr 2010 Liquiditätskredite in Höhe von 1.588 € je Einwoner*in verzeichnen und diese bis zum Jahr 2019 auf 1.945 € je Einwohner*in erhöhen. Diese Zahlen liegen im Zeitverlauf deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Die Stadt Bonn hat den Doppelhaushalt 2019/2020 inkl. Finanzplanung nebst Haushaltssicherungskonzept bis 2024 beschlossen, darin wurde für das Jahr 2021 ein in Ertrag und Aufwand ausgeglichener Haushalt verabschiedet, unter anderem mit der indirekten Zielsetzung einer „Nettoneuverschuldung < Null“ sowie der Reduzierung der Liquiditätskredite. In den Nachhaltigkeitsstrategien auf Bundes- und NRW Landesebene sind keine konkreten Zielsetzungen zu Liquiditätskrediten definiert.Seite 28 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 7 K R I T E R I U M 0 9 I N N O V A T I O N F Ü R N A C H H A L T I G K E I T Die Kommune beschreibt die Zusammenarbeit mit Eigenbetrieben und Beteiligungsunternehmen, um innovative Nachhaltigkeitslösungen zu entwickeln und umzusetzen. Sie erläutert, wie sie Treiber von Innovation (z. B. Möglichkeiten der Digitalisierung) zur Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele nutzt. Aspekt 9.1: Förderung von Innovation in der kommunalen Verwaltung Mit der Strategie zur Entwicklung der digitalen Verwaltung fokussiert die Stadtverwaltung Bonn ihren bereits eingeleiteten Digitalisierungsprozess. So werden die Angebote im Rahmen des Serviceportals für Onlinedienste sukzessive ausgeweitet, um die Dienstleistungen für Bürger*innen und Unternehmen komplett digital zugänglich machen. Im Digitalranking der deutschen Großstädte Smart- City Index 2021 (Bitkom Research) belegt Bonn im Themenfeld Verwaltung den fünften Platz. Alle vorgesehenen Maßnahmen zur digitalen Verwaltung werden im Rahmen des „Strategiepapiers Digitale Verwaltung“ zusammengefasst, das in die übergeordnete „Smart City“ Strategie eingebettet ist. Die Maßnahmen bündeln sich in die drei Handlungsfelder „Menschen - Prozesse - Organisation“, „Daten - Software - Service“ sowie „Hardware - Netze - Architektur“. Im Rahmen der Smart-City Strategie wurde 2019 ebenfalls ein neues Ratsinformationssystem (BoRIS 2.0) eingeführt, eines von verschiedenen Fokusprojekten der Stadt zur weiteren Digitalisierung. Damit werden alle Einladungen über das neue System erstellt; die öffentlichen Einladungen sind für Verwaltung, Ausschussmitglieder, Mandatsträger und die Bürgerschaft digital einzusehen. Recherchierbar sind ebenfalls alle Ratsgremien und Fraktionen mit Mitgliedern, Sitzungen, Vorlagenübersicht und Sitzungsunterlagen. Als eine von 20 Städten hat die Landesregierung NRW die Stadt Bonn im Jahr 2021 ferner als Modellkommune für die Erprobung digitaler Gremiensitzungen ausgewählt. Im Rahmen des Projekts zielt Bonn darauf ab, virtuelle und hybride Sitzungen weiter zu professionalisieren. Ziel ist es, aus allen Sitzungsräumen eine digitale Übertragung zu ermöglichen und zum Beispiel Mitarbeitende der Verwaltung zu einzelnen Tagungspunkten digital zuschalten zu können. Über die „Open-Data- Plattform“ (inklusive „Open Data Monitoring“) werden seit 2014 außerdem die Datenbestände der Stadtverwaltung und von Bonner Institutionen zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt. Aspekt 9.2: Zusammenarbeit mit Dritten für innovative Nachhaltigkeitslösungen Um kommunale Herausforderungen wie die Energiewende oder Verkehrswende lösen zu können, bedarf es der Verknüpfung von Innovation und Nachhaltigkeit. Hierbei können beispielweise Produkt- oder Prozessinnovationen zu einer höheren Ressourceneffizienz führen. Darüber hinaus bieten neue Technologien die Möglichkeit, bisherige z. B. klimaschädliche Technologien in Frage zu stellen und neue Lösungen im Sinne der Nachhaltigkeit zu entwickeln. Ein Beispiel in Bonn ist die Etablierung des leistungsstarken LoRaWAN-Funknetzes (LoRaWAN-Initiative „The Things Network“), das das Senden von Daten über lange Strecken ermöglicht und dabei deutlich weniger Energie verbraucht als andere Technologien. Die Stadtwerke haben sich gemeinsam mit der Stadt Bonn und der Hochschule Bonn-Seite 29 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 8 Rhein-Sieg im Jahr 2021 der globalen Initiative angeschlossen. An drei Standorten im Bonner Stadtgebiet wurden „LoRaWAN-Gateways“ in Betrieb genommen. Ein weiteres Beispiel ist der von der Landesregierung NRW geförderte Digital Hub Region Bonn - ein seit 2017 etabliertes Start-up-Zentrum, welches Innovationen im Bereich der Wirtschaft unterstützt (s.a. Aspekt 16.5). Aspekt 9.3: Förderung von Treibern der Innovation Digitale Lösungen sind ein wichtiger Baustein für nachhaltige Städte der Zukunft. Die Stadt Bonn stellt sich der Herausforderung der digitalen Transformation und gestaltet die Digitalisierung aktiv. Im Rahmen der Strategie zur Entwicklung der Digitalen Stadt („Smart City Strategie“) verfolgt Bonn das übergeordnete Ziel, eine ökologische und sozial nachhaltige sowie partizipative Stadtentwicklung unter Einsatz digitaler Technologien und Anwendungen zu etablieren. Im Jahr 2021 wurde diesbezüglich ein „Strategiepapier digitale Stadt“ erarbeitet und erste Umsetzungsmaßnahmen hierzu gestartet. So hat das Team “Digitale Stadt” der Stadt Bonn zum Beispiel drei „Design-Thinking Workshops“ zur Lösung von komplexen Problemen durchgeführt. Teams aus Studierenden erarbeiteten jeweils Ideen und Prototypen in den Themengebieten „Nachhaltige Mobilität“ und „Attraktive Innenstadt“ - ein Ergebnis ist z. B. die App „Eye Guide You“ für Sehbehinderte. Die Workshopreihe verdeutlicht den Ansatz der Stadt Bonn, im Prozess zur Smart City insbesondere die Stadtgesellschaft mit einzubeziehen. Als weitere Projekte im Jahr 2022 stehen mit Blick auf die Strategieumsetzung „Digitale Stadt“ der Breitbandausbau, das Veranstaltungsformat Denkfabrik sowie die Digitalisierung touristischer Informationen im Fokus.Seite 30 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 2 9 I N D I K A T O R E N E I N G E B E T T E T E I N D I K A T O R E N E x i s t e n z g r ü n d u n g e n ( B e r e i t s t e l l u n g S t a d t B o n n ) Jahr 2010 2015 2018 Anzahl 117,5 107,2 100,2 Anzahl der neu angemeldeten Gewerbe pro 100 abgemeldeter Gewerbe Start-ups und junge Unternehmen beleben den wirtschaftlichen Strukturwandel und tragen dazu bei, die ökonomische Zukunft zu sichern. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen ist in Bonn seit einigen Jahren rückläufig, bei der Selbstständigenquote hat Bonn also Aufholbedarf. Dieser rückläufige Trend in der Zahl der Gewerbeanmeldungen ist kein Bonner Phänomen, sondern trifft für ganz Nordrhein-Westfalen zu. Demgegenüber zählt die Gründungsintensität in der Bonner Region im Bereich der freien Berufe aber zu den höchsten in Deutschland, wie Studien des Instituts für Mittelstandsforschung regelmäßig belegen. Existenzgründungen spielen bei der Stärkung des Wirtschaftsstandortes Bonn eine nicht unwesentliche Rolle, denn sie bedeuten neben der Förderung von Unternehmertum und Mittelstand gleichzeitig den Strukturwandel aus eigener Kraft. B r e i t b a n d v e r s o r g u n g ( B e r e i t s t e l l u n g S t a d t B o n n ) Jahr 2010 2015 2018 Prozent 94,3 97,4 98,1 Anteil der Haushalte mit Breitbandversorgung ≥ 50mbit/s Die flächendeckende Breitbandversorgung privater Haushalte hat einen indirekten Nachhaltigkeitsbezug, da der Zugang zu Informationen und elektronischen Diensten (z. B. e-Medizin, e-Government) oder das Arbeiten im „mobile office“ private Haushalte durch zeitliche und monetäre Einsparungen entlasten kann. Die digitale Zugangsmöglichkeit zu vielfältigen Bildungs- und Informationsangeboten trägt zudem zur Generationengerechtigkeit bei. In der Stadt Bonn zeigt sich eine positive Entwicklung. Zuletzt lag der Anteil der privaten Haushalte, die eine Bandbreite von 50 Mbit/s nutzen können, bei 98,1 % und somit über dem NRW-Durschnitt von 93,2 % (aufgrund fehlender Daten ist hier kein deutschlandweiter Vergleich möglich). Die Versorgung mit kupferdrahtigem Internet ≥ 50 mbit/s (DSL) wird bei 99 % als abgeschlossen gelten. Die Versorgung mit Glasfaser sollte die kommenden Jahre stetig steigen. Damit trägt die Stadt Bonn zum Erreichen des Ziels 9.1.b „Flächendeckender Aufbau von Gigabitnetzen bis 2025“ der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie bei.Seite 31 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 0 S E L B S T G E W Ä H L T E R Z U S Ä T Z L I C H E R I N D I K A T O R I n n o v a t i o n s k r a f t Jahr 2012 2015 2018 Prozent 37,0 38,3 38,4 Anteil der Beschäftigten im Bereich wissensorientierte Dienstleistungen an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten am Arbeitsort in Prozent Wissensintensive Dienstleistungen leisten im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen einen hohen Wachstumsbeitrag. Beispielsweise steigern sie die regionale Innovationskraft und tragen zur erhöhten Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Ökonomie bei. Die Expansion wissensintensiver Dienstleistungen bedeutet einen steigenden Bedarf an höher qualifiziertem Personal. Im regionalen Vergleich verfügt Bonn mit 38,4 % im Jahr 2018 über einen sehr ausgeprägten Anteil an Beschäftigten in diesen Branchen. Zwischen 2012 und 2018 ist der Anteil um 1,4-Prozentpunkte gewachsen, insgesamt ist die Entwicklung relativ stabil und auf hohem Niveau. Es kann von einer weiterhin hohen Bedeutung wissensintensiver Dienstleistungen in Bonn ausgegangen werden. Die wesentliche Aufgabe der Wirtschaftsförderung ist es, den Ausbau und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes zu fördern. Dabei werden auch gezielt innovative Zukunftsbranchen und wissensorientierte Dienstleistungen unterstützt.Seite 32 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 1 Ü B E R S I C H T D E R B E I T R Ä G E - S T E U E R U N G S K R I T E R I E N Strategische und organisatorische Verankerung von Nachhaltigkeit • Nachhaltigkeitsstrategie 2019 • Nachhaltigkeitsberichterstattung (5. Bericht im Jahr 2020 veröffentlicht) • „Voluntary Local Review“ / Lokalbericht zur Umsetzung der Agenda 2030 2020 • Unterstützung der Musterresolution „2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten” • Pilotstadt: “A Territorial Approach to the Sustainable Development Goals in Bonn, Germany” • Verwaltungsinterne Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit • Programmbüros: Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035, Programmbüro Mobilitätswende, Programmbüro Soziale Gerechtigkeit sowie Programmbüro Digitale Transformation Öffentliche Beteiligung • Bonner SDG-Tage • Nachhaltigkeitsfestival “Bonn-Rundum nachhaltig” • Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future - Wir fürs Klima“ • Austauschrunden: Bonner Netzwerk für Entwicklung / Forum Zukunft / Steuerungsgruppe Fair Trade Town / AG Bio-Stadt und entsprechende Veranstaltungen • Online-Portal „Bonn macht mit“ • Bürger*innendialog zum Haushalt 2021/2022 • Fördermittel für entwicklungspolitische Bildungsarbeit, die Stärkung der Bonner Projektpartnerschaften sowie für die Umsetzung der Agenda 2030 Nachhaltige Verwaltung, Vergabe und Beschaffung • Klimaneutralität 2035 Konzern Stadt • Vergabedienstanweisung / Dienstanweisung für nachhaltige Beschaffung • Projekt „Gute Arbeit fairbindet“ • Unterstützung der Resolution zu einem starken Lieferkettengesetz • Digitales Vergabetool für nachhaltige Beschaffung • „Fortbildungsreihe „Wir und die 17 Ziele“ (Info-Lunch) / Für Auszubildende: Infoveranstaltung zur Agenda 2030 integriert; interaktiver Klima-Workshop Finanzen • Modellprojekt "Kommunaler Nachhaltigkeitshaushalt" / Wirkungsorientierter Haushalt - Baustein „Bezug der Produktgruppe zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesstadt Bonn“ • Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei Finanzanlagen der Stadt • Leitfaden „Nachhaltige kommunale Finanzen“ / Projekt „Kommunales Divestment und Re-Investment“ / Bürgerdialog „Geld und Klima!“Seite 33 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 2 Innovation • Smart City Strategie / „Strategiepapier digitale Stadt“ / „Design-Thinking Workshops“ • Strategie zur Entwicklung der digitalen Verwaltung • Serviceportal für Onlinedienste • Smart-City Index 2021 • Ratsinformationssystem (BoRIS 2.0) • Modellkommune für die Erprobung digitaler Gremiensitzungen • „Open-Data-Plattform“ • LoRaWAN-Initiative „The Things Network“Seite 34 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 3 K R I T E R I E N 1 0 B I S 1 8 : H A N D L U N G S F E L D E R H A N D L U N G S F E L D 1 0 K L I M A S C H U T Z U N D E N E R G I E Die Kommune legt offen, wie sie sich für den Klimaschutz einsetzt, und berichtet über ihre Leistungen zum Gelingen der Energiewende. Sie berichtet über ihr Klimaschutzkonzept und über die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren. Aspekt 10.1: Kommunaler Klimaschutz Die Bundesstadt Bonn bekennt sich zu den auf der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 vereinbarten Klimaschutzzielen und hat dies mit ihrem Beschluss zum Klimanotstand 2019 nochmals bekräftigt. In dessen Folge steht das vom Rat beschlossene Ziel für Jahr Bonn bis 2035 klimaneutral zu werden. Ein „Klimaplan“ zur Erreichung dieses Ziels wird im Jahr 2022 erarbeitet. Dem Ziel der Klimaneutralität sind weitere Teilziele untergeordnet, die im Rahmen der Mitgliedschaft im Konvent der Bürgermeister für Klima und Energie und dem Klima- Bündnis formuliert wurden (Reduktion der CO₂-Emissionen um mindestens 40 % bis 2030 sowie Reduktion des jährlichen Pro-Kopf Ausstoßes auf 2,5 Tonnen CO₂-Äquivalente unter dem Gesichtspunkt der Klimagerechtigkeit). Mit dem Leitbild Klimaschutz und Klimaanpassung aus dem Jahr 2019 hat die Stadt Bonn hierzu Grundsätze zur Umsetzung beschlossen. Im Rahmen des CO₂- Monitorings, das die Stadt auf Basis eines bundeseinheitlichen Standards (Bilanzierungsstandard Kommunal) durchführt, wird die Entwicklung der Emissionen kontinuierlich bilanziert. Als zentrale Koordinierungsstelle fungierte seit 2012 die Leitstelle Klimaschutz; ab Frühjahr 2022 wird dies vom Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035 übernommen. Um die Emissionen zu reduzieren, gilt es unter anderem den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben. Das größte Potenzial in Bonn bietet diesbezüglich die Solarenergie, wie das Solardachkataster verdeutlicht (demnach sind rund zwei Drittel aller Dachflächen für die solare Energiegewinnung geeignet). Deshalb hat die Stadt 2021 das Förderprogramm Photovoltaik gestartet, das zusätzliche Anreize für private und gewerbliche Eigentümer*innen zur Installation von Photovoltaik-Anlagen schafft. Auch die beschlossene „Ausbauinitiative Solares Bonn“ soll Privatleute sowie Unternehmen motivieren, sich am Ausbau der Solarenergie zu beteiligen. Um das besondere Reduktionspotenzial im Gebäudebereich zu erschließen (40 % der gesamten Emissionen sind diesem Bereich zuzuordnen), hat die Stadt 2012 gemeinsam mit 20 Organisationen die Bonner Energie Agentur gegründet. Schwerpunkt des Vereins ist die Initiierung und Unterstützung von Maßnahmen zum energiesparenden Bauen und Sanieren. Vor dem Hintergrund der Klimaschutzaktivitäten wurde Bonn 2020 zum fünften Mal mit dem „European Energy Award“ ausgezeichnet (davon dreimal in Gold). Als erste deutsche Stadt ist Bonn 2021 außerdem der globalen Initiative für einen Nichtverbreitungsvertrag für fossile Energien beigetreten. Um die Bevölkerung für den Klimaschutz zu sensibilisieren und aktiv daran zu beteiligen, werden schließlich verschiedene Formate durchgeführt, wie das Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“, die städtische Klimaschutzkampagne „Neu denken. Einfach handeln. Gemeinsam fürs Klima“ oder die Aktion STADTRADELN des Klima-Bündnisses.Seite 35 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 4 Aspekt 10.2: Klimaschutz in Verwaltung, Eigen- und Beteiligungsunternehmen Die Verwaltung und die Eigen- und Beteiligungsunternehmen fungieren vor dem Hintergrund der Bonner Klimaschutzziele als Vorbild. Bis zum Jahr 2035 soll der Konzern Stadt Bonn klimaneutral werden; dies betrifft die Stadtverwaltung und alle Beteiligungsunternehmen mit Mehrheitsbeteiligung, unter anderem das städtische Gebäudemanagement, die Stadtwerke Bonn, die Vereinigte Bonner Wohnungsbaugesellschaft VEBOWAG sowie die Stadtreinigung und Abfallwirtschaft „bonnorange“. Um dieses Ziel zu erreichen, soll auch externe Kompetenz genutzt werden, 2020 fand hierzu ein erstes Treffen mit dem UNO- Klimasekretariat und dem internationalen Städtenetzwerk ICLEI statt. Angesichts des Solarenergie- Potentials in Bonn hat die Stadt beschlossen, alle geeigneten städtischen Gebäude mit Photovoltaik Anlagen auszustatten. Für städtische Neubauten legt die Stadt außerdem Energieeffizienz-Standards fest, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen (seit 2021 Effizienzgebäudestandard 40). In einem gemeinsamen Projekt des städtischen Gebäudemanagements und der Gesellschaft für Energie- und Gebäudemanagement Bonn werden in den nächsten Jahren alte Heizzentralen saniert (Wärmeliefercontracting), zusätzlich rüsten die Stadtwerke Bonn für das städtische Gebäudemanagement verstärkt Gebäude auf Fernwärme um. Die Stadtwerke Bonn tragen mit diversen Klimaschutzaktivitäten (z. B. Ausbau des Fernwärmenetzes, Pilotanlage zur Methanolgewinnung, Modernisierung zum Einsatz von grünem Wasserstoff, Energieaudits und Treibhausgasbilanzen, Umstellung auf Ökostrom, Errichtung von PV-Anlagen und Beteiligung an Wind- und Solarparks sowie Baumpflanzaktionen) ebenfalls zur Minderung der CO₂-Emissionen bei. Der Stromverbrauch der Stadtverwaltung wird bereits seit vielen Jahren ausschließlich mit zertifiziertem Strom aus regenerativen Quellen gedeckt. Zum Erreichen der beschlossenen Klimaschutzziele werden darüber hinaus im Projekt „Klimaneutraler Konzern“ weitere Maßnahmen, auch für die Beteiligungsunternehmen, entwickelt. Aspekt 10.3: Einbettung von Klimaschutz in die räumliche Planung und Entwicklung Klimaschutz ist in der Stadt Bonn integraler Bestandteil der Bauleitplanung. Bereits vor den formalen Schritten der Bauleitplanung werden Anforderungen mit Blick auf Klimaschutz und Klimaanpassung in städtebaulichen Wettbewerben und bei Konzeptvergaben formuliert. Als erste Stadt in NRW und eine der wenigen Städte in Deutschland machte Bonn im Jahr 2021 die Installation von PV-Anlagen bei Neubauvorhaben, auf die sie planungsrechtlich unmittelbar Einfluss nehmen kann, zur Pflicht. Die Solarpflicht gilt für alle Vorhaben, bei denen die Stadt städtebauliche Verträge mit Investor*innen und Eigentümer*innen abschließt. Die Regelung gilt sowohl für alle neuen Vorhaben als auch für alle laufenden Verfahren, bei denen die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes noch nicht beschlossen wurde. Auch bei städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen greift die Solarpflicht. Die PV-Anlagen sollen laut Beschluss nach Möglichkeit mit Dachbegrünungen kombiniert werden. Bestandteile eines jeden städtebaulichen Vertrags sind ferner Standards zur Energieeffizienz. So wird beim Verkauf städtischer Grundstücke und in Verträgen mit Investor*innen derzeit mindestens der Effizienzhausstandard 55 verbindlich und überprüfbar vereinbart. Bei größeren Bauvorhaben werden mit den Investor*innen abgestimmte Energiekonzepte unter Berücksichtigung erneuerbarer Energien integriert.Seite 36 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 5 P R A X I S B E I S P I E L „Mitwirkungsverfahren Bonn4Future - Wir für’s Klima“ Im Jahr 2020 haben die Bundesstadt Bonn und der Verein Bonn im Wandel e.V. einen Kooperationsvertrag zur Umsetzung des zweijährigen Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ unterzeichnet. Im Rahmen des durch einen Bürgerantrag angestoßenen Mitwirkungsverfahrens arbeiten Bonner Bürger*innen und Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in einem innovativen Prozess an gemeinsamen Ideen, wie Bonn bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden kann. Das Verfahren besteht aus verschiedenen Formaten und Bausteinen: (1.) einer digitalen Nachhaltigkeitsplattform, die Initiativen und Aktivitäten sichtbar macht und Bürger*innen dazu anregt, selber aktiv zu werden, (2.) den Klimaaktionstagen zur Vernetzung von Initiativen und Aktiven, (3.) den Klimaforen, auf denen zufällig ausgewählte Bürger*innen zusammen mit Akteur*innen Vorschläge für den Weg zur Klimaneutralität 2035 erarbeiten sowie (4.) einem aktivierenden Kommunikationsnetzwerk, das sukzessive aufgebaut wird. Ergebnisse und Ideen aus den Foren werden in die Verwaltung und in die Politik gespiegelt und dienen der Weiterentwicklung der vorhandenen Klimaschutz- Maßnahmenkataloge. Ein Beirat mit Mitgliedern zahlreicher gesellschaftlicher Gruppen sowie eine begleitende wissenschaftliche Evaluation sorgen für eine hohe Qualität des Mitwirkungsverfahrens.Seite 37 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 6 Ü B E R S I C H T D E R B E I T R Ä G E – K L I M A S C H U T Z U N D E N E R G I E Kommunaler Klimaschutz • Klimaschutzziele: • Ratsbeschluss zur Klimaneutralität 2035 • Weitere Teilziele im Rahmen des Konvents der Bürgermeister für Klima und Energie und dem Klima- Bündnis • Beschluss zum Klimanotstand • Leitbild zu Klimaschutz und Klimaanpassung • Nichtverbreitungsvertrag für fossile Energien • CO₂-Monitoring • Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035 • Solardachkataster • Förderprogramm Photovoltaik • „Ausbauinitiative Solares Bonn“ • Bonner Energie Agentur • Auszeichnungen „European Energy Award“ • Sensibilisierung / Teilhabe der Bevölkerung: • Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ • Klimaschutzkampagne „Neu denken. Einfach handeln. Gemeinsam fürs Klima“ • Aktion Stadtradeln Klimaschutz in Verwaltung, Eigen- und Beteiligungsunternehmen • Ratsbeschluss: Klimaneutralität des gesamten Konzern Stadt Bonn bis 2035 • Ausstattung aller städtischen Gebäude mit Photovoltaik Anlagen • Energieeffizienz-Standards für städtische Neubauten • Städtisches Gebäudemanagement: Wärmeliefercontracting / Fernwärme • Klimaschutzaktivitäten der Stadtwerke Bonn Einbettung von Klimaschutz in die räumliche Planung und Entwicklung • Klimaschutz als integraler Bestandteil der Bauleitplanung / Klimaschutzanforderungen in städtebaulichen Wettbewerben und bei Konzeptvergaben • Verpflichtung der Installation von PV-Anlagen bei Neubauvorhaben • Standards zur Energieeffizienz bei städtebaulichen VerträgenSeite 38 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 7 I N D I K A T O R E N E I N G E B E T T E T E I N D I K A T O R E N 1 S E L B S T G E W Ä H L T E Z U S Ä T Z L I C H E I N D I K A T O R E N 1 Der eingebettete Indikator „Strom aus Windkraft“ wird an dieser Stelle nicht aufgeführt, da das nutzbare Windenergiepotenzial in Bonn aufgrund der geografischen Lage und der urbanen Struktur sehr gering ist. W o h n g e b ä u d e m i t e r n e u e r b a r e r H e i z e n e r g i e Jahr 2010 2015 2019 Prozent 17,9 23,8 36,7 Anteil fertiggestellter Wohngebäude mit erneuerbarer Heizenergie Der Einsatz erneuerbarer Heizenergie im Gebäudesektor kann erheblich dazu beitragen, die CO₂-Emissionen zu reduzieren. Darüber hinaus hat der Einsatz erneuerbarer Heizenergie positive ökonomische Effekte auf die energetischen Fixkosten (z. B. geringere Anlagekosten oder Wegfall der CO₂-Bepreisung) in den privaten Haushalten. In der Stadt Bonn ist der Anteil fertiggestellter Wohngebäude mit erneuerbarer Heizenergie in den letzten Jahren stetig angestiegen und lag zuletzt (2019) bei 36,7 %. Dieser Anteil liegt jedoch unter dem NRW-Wert (46,6 %). Auf Bundesebene betrug der Anteil fertiggestellter Wohngebäude mit erneuerbarer Heizenergie im Jahr 2019 47,8 %. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt grundsätzlich das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Endenergieverbrauch auf 30 % bis 2030, auf 45 % bis 2040 und auf 60 % bis 2050 zu steigern (Ziel 7.2.a). Die Stadt Bonn kann durch ihre Aktivitäten im Wohngebäudesektor indirekt dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. T r e i b h a u s g a s - E m i s s i o n e n 2010 2014 2018 Private Haushalte 2,75 2,27 2,22 Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen 3,29 2,81 2,41 Verkehr 1,8 1,8 1,71 Total 7,83 6,87 6,41 Treibhausgas-Ausstoß (Private Haushalte/Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen/Verkehr) in Tonnen pro Kopf Treibhausgas-Emissionen tragen erheblich zur Erwärmung der Erde bei. Möglichst vollständig auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zu verzichten und damit den Treibhausgas-Ausstoß zu senken, ist eines der wichtigsten Ziele auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die absoluten Treibhausgas-Emissionen in Bonn haben sich von rund 2,9 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 2,1 in 2018 um 27 % verringert. Rund 35 % der Emissionen im Jahr 2018 wurden dabei jeweils durch die Privathaushalte und die Wirtschaft, 27 % durch den Verkehr verursacht. Die Treibhausgas-Emissionen pro Kopf sind insgesamt um circa 33 % gesunken (von 9,58 Tonnen pro Kopf im Jahr 1990 auf 6,41 Tonnen pro Kopf im Jahr 2018). Für das Jahr 2030 wird in Bonn diesbezüglich ein Wert von 5,57 angestrebt. Um das in Bonn beschlossene Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 zu erreichen, bedarf es noch zusätzlicher Anstrengungen.Seite 39 von 115 N A C H H A L T I G K E I T S B E R I C H T S T A D T B O N N 2 0 2 2 S E I T E 3 8 S o l a r e E n e r g i e p r o d u k t i o n Jahr 2011 2015 2019 Photovoltaik 0,13 0,23 0,31 Solarthermie 0,10 0,12 0,13 Energieproduktion von Photovoltaik und solarthermischen Anlagen im Stadtgebiet in Prozent des Gesamtenergieverbrauchs Die Umwandlung erneuerbarer Energieformen in Wärme oder Strom erfolgt in der Regel dezentral, wodurch Verluste bei der Übertragung minimiert werden. Für Bonn bedeutet dies, dass aufgrund seiner geografischen Lage und urbanen Struktur lediglich für die Sonnenenergie ein nennenswertes nutzbares Potenzial vorhanden ist. Der Indikator betrachtet die solare Energieproduktion im Stadtgebiet, sowohl für die Strom- als auch für die Wärmegewinnung im Verhältnis zum gesamten Energieverbrauch. Im Zeitverlauf ist der Anteil an solarer Energieproduktion u. a. durch städtische Förderprogramme gestiegen. Das im Solardachkataster der Stadt Bonn aufgezeigte Potenzial wird jedoch bisher nur zu einem sehr geringen Teil genutzt. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt in den letzten Jahren diverse Maßnahmen eingeleitet, um die solare Energieproduktion im Stadtgebiet zu steigern. E r n e u e r b a r e E n e r g i e n - S t r o m m i x d e r S t a d t w e r k e B o n n Jahr 2011 2015 2020 Prozent 47,5 69,3 81,8 Anteil erneuerbarer Energien im Strommix der Stadtwerke Bonn in Prozent Eine nachhaltige Energiewirtschaft setzt vor allem auf erneuerbare Energieträger. Eine besondere Bedeutung bei der Energiewende in der Bundesstadt Bonn kommt als wichtigstem Ver- und Entsorger den Stadtwerken Bonn zu. Bei den Stadtwerken stieg der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix seit 2002 kontinuierlich und betrug im Jahr 2018 über 81 Prozent. Die Steigerung ist auf die Entscheidung der Stadtwerke zurückzuführen, den Anteil der konventionellen Energien zu verringern - der weitere Ausbau der Erneuerbaren, insbesondere im Bereich Photovoltaik, ist erklärtes Ziel der Stadtwerke. Es ist daher zu erwarten, dass sich die bestehende Entwicklung fortsetzt. E n e r g i e e i n s a t z i n k o m m u n a l e n L i e g e n s c h a f t e n Jahr 2011 2015 2019 Strom 141 140 141 Heiz- energie 371 397 362 Energieverbrauch in den kommunalen Liegenschaften in Kilowattstunden pro Einwohner*in Die Reduzierung des Energieverbrauchs ist ein wichtiges Ziel für die kommunalen Liegenschaften in Bonn. Der Heizenergieverbrauch konnte seit 2002 reduziert werden, allerdings verlangsamt sich dieser Trend seit 2010. Der Stromverbrauch hingegen zeigt seit 2014 wieder eine leicht steigend
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:32 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de