221200 · Beschlussvorlage
Offenlagebeschluss Satzung für den Denkmalbereich Combahnviertel, Bonn-Beuel
Kerndaten
- Nummer
- 221200
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 10.08.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Unterausschusses Denkmalschutz Anhörung
- Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen Empfehlung
- Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung Empfehlung
- Sitzung der Bezirksvertretung Beuel Anhörung
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 221200 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III Offenlagebeschluss Satzung für den Denkmalbereich Combahnviertel, Bonn-Beuel Beratungsfolge Bezirksvertretung Beuel 31.08.2022 Anhörung Beirat Bürgerbeteiligung 09.09.2022 Empfehlung Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 29.09.2022 Empfehlung Rat 22.09.2022 Entscheidung Unterausschuss Denkmalschutz 20.10.2022 Anhörung Beschlussvorschlag Die Verwaltung wird beauftragt, zur Aufstellung der Denkmalbereichssatzung Combahnviertel für den Stadtbezirk Beuel eine Öffentlichkeits- und Eigentümerinformation auf Grundlage des als Anlage beiliegenden Satzungsentwurfs durchzuführen, insbesondere den Satzungsentwurf samt zugehöriger Unterlagen gemäß §10 Abs. 4 Denkmalschutzgesetz NW (DSchG NW) auszulegen. Anlass Mit dem Schreiben des LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) vom 25.11.2020 wurde die Stadt Bonn darüber unterrichtet, dass das Gebiet des Combahnviertels die „Voraussetzungen zur Ausweisung eines Denkmalbereiches“ erfüllt. Umfang und Bedeutung wurden in einem Gutachten, welches als externes Dokument der DS 210333 angefügt war, erläutert. Die Stadt Bonn wurde gebeten, ein Satzungsverfahren zur Unterschutzstellung des Denkmalbereiches nach § 10 DSchG NRW einzuleiten. Gemäß Ratsbeschluss vom 28.06.2021 (DS 210333) wurde die Untere Denkmalbehörde mit der Erarbeitung eines Satzungsentwurfes beauftragt. Dieser Satzungsentwurf liegt nun vor und ist als externes Dokument angefügt (s. Anlage 1). Das Denkmalschutzgesetz NRW legt in § 10 Absatz 4 fest, dass das Gutachten des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland, das die Begründung für die Festsetzung des Gebietes als Denkmalbereich darstellt, sowie der Satzungsentwurf für die Dauer eines Monats öffentlich auszulegen sind. ZielsetzungSeite 1 von 61 Seite 2 Das Combahnviertel in Bonn soll als Denkmalbereich gemäß § 10 DSchG NRW festgesetzt und unter Schutz gestellt werden. Um das historische Erscheinungsbild, die Struktur und die historische Bausubstanz des Combahnviertels zu schützen und zu erhalten, werden an bauliche Anlagen, Freianlagen und Verkehrsflächen besondere Anforderungen nach Maßgabe dieser Satzung gestellt. Sie dient der Durchsetzung der in § 3 der Satzung festgelegten Schutzgegenstände. Sie gilt unbeschadet bestehender Bebauungspläne, Flächen für Kompensationsmaßnahmen und anderer Satzungen. Die Unterschutzstellung als Denkmalbereich erfolgt, weil die in § 3 beschriebenen und durch die dort aufgeführten Merkmale charakterisierten Schutzgegenstände in Struktur, Substanz und Bild ein bedeutendes Dokument für die Geschichte des Menschen, die geschichtliche Entwicklung der Stadt Bonn, insbesondere des Stadtbezirks Beuel, und die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse darstellt. Aus wissenschaftlichen, insbesondere orts- und siedlungsgeschichtlichen sowie baugeschichtlichen Gründen besteht ein öffentliches Interesse an seiner Erhaltung. Trotz Veränderungen sind der Denkmalwert und die Kontinuität des Erscheinungsbildes, der Struktur und Gestalt, gewahrt und erlebbar. Räumlicher Geltungsbereich Das Combahnviertel wird begrenzt durch den Rhein im Westen mit Uferpromenade und anschließendem Gelände des früheren Endbahnhofs der Bröltaleisenbahn, durch die südlich angrenzende Auffahrt zur Kennedybrücke mit dem Konrad-Adenauer-Platz, der Sankt-Augustiner-Straße im Osten und nach Norden durch den Bröltalbahnweg, der heute als Radweg genutzt wird (s. Anlage 1.1). Historische Bedeutung Das Combahnviertel ist ein um 1900 am rechten Rheinufer, nördlich des Beueler Ortskerns planmäßig angelegtes Wohnviertel im ebenen Uferbereich. Bei der Anlage wurden vorhandene Wegeverbindungen in ein rasterförmiges Grundschema integriert. Als in der Zeit der Industrialisierung und auch mit der neuen Brückenverbindung nach Bonn von 1898 die Einwohnerzahl in Beuel sprunghaft anstieg, wurde die Ausweisung neuer Wohnbauflächen notwendig. Auf der Grundlage des Fluchtlinienplanes von Regierungsbaurat Huppertz (1847-1919) erstellte der Kölner Geheime Baurat und Stadtbaumeister Hermann Joseph Stübben (1845-1936) 1900/1901 einen Bebauungsplan für die damalige Stadt Beuel. Der Bebauungsplan von Stübben für ein städtisches Wohnviertel um 1900 für das gehobene Bürgertum diente auch in späteren Zeiten als Grundlage, auf der weitergebaut und ergänzt wurde. Kennzeichnend sind die Blockrandbebauung und zusammenhängenden Häuserzeilen mit grünen Innenblöcken, aber auch charakteristische Straßenräume, die teilweise mit Baumreihen und schmalen Vorgärten begrünt sind. Am westlichen Rand, am Rheinufer gegenüber von Bonn, lagen nördlichSeite 2 von 61 Seite 3 der Uferpromenade die Anlegestellen für die Verladestationen der Bröltaleisenbahn, deren Streckenverlauf das Viertel nach Norden abschließt, während im Süden die Brückenauffahrt die Grenze bildet. Auswirkungen Mit der Unterschutzstellung unterliegt der Denkmalbereich Combahnviertel den Vorschriften des Denkmalschutzgesetzes. Insbesondere ist bei Maßnahmen im Denkmalbereich die Erlaubnispflicht nach § 9, § 13 und § 15 DSchG NRW zu beachten. Eine Erlaubnis ist vor Beginn der Maßnahme in der vom DSchG NRW vorgesehenen Form bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Bonn zu beantragen. Bei baulichen Anlagen, die keine Denkmäler sind, gilt dies aber nur für Änderungen, die das äußere Erscheinungsbild betreffen. Im Rahmen des Erlaubnisverfahrens wird geprüft, inwieweit eine Maßnahme den Schutzzielen der Satzung zuwiderläuft, wobei eine Abwägung der Belange erfolgt. Die Festsetzungen dieser Satzung berühren nicht die Pflicht zur Berücksichtigung anderweitiger Rechtsvorschriften im räumlichen Satzungsbereich. Dies gilt insbesondere für die Pflicht zur Einholung einer im Einzelfall notwendigen Baugenehmigung. Verfahrensschritte Der nun vorliegende Satzungsentwurf wurde in enger Abstimmung mit dem LVR-ADR erarbeitet. Nach der verwaltungsinternen Beteiligung soll als nächster Schritt die Öffentlichkeitsbeteiligung mit Offenlage des Satzungsentwurfs und den zugehörigen Unterlagen (§ 10 Abs. 4 DschG NRW) erfolgen. Mit der Offenlage des Satzungsentwurfs werden zugleich weitere Träger öffentlicher Belange informiert. Der Entwurf der Denkmalbereichssatzung, die Begründung für die Festsetzung des Gebietes als Denkmalbereich sowie die dieser zugrundeliegenden entscheidungserheblichen Gutachten werden für die Dauer eines Monats öffentlich ausgelegt. Die Unterlagen liegen im Stadthaus aus und sind auch im Internet auf https://www.bonn-macht-mit.de/ einsehbar. Während der Offenlage werden Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten angeboten. Ort und Zeitraum der Informationsmöglichkeiten werden ortsüblich bekannt gemacht. Gleichzeitig wird der Aufstellungsbeschluss des Rates vom 28.06.2021 (Drucksache 210333) ortsüblich bekannt gemacht, um dem neugefassten, seit dem 01.06.2022 geltenden §10 Abs. 3 DSchG NW genüge zu tun. Mit der ortüblichen Bekanntmachung unterliegt der geplante Denkmalschutzbereich bereits vorläufig den Schutzvorschriften des DSchG NW (vorläufiger Schutz), §10 Abs. 3 S. 2 iVm. §4 Abs. 1 DSchG NW. Nach Abschluss der Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgt eine Erörterung der eingegangenen Einwendungen mit dem LVR-ADR (§ 10 Abs. 5 DschG NRW). Der gegebenenfalls geänderte Satzungsentwurf wird dem Rat der Stadt Bonn zur Beschlussfassung vorgelegt. Nach Beschlussfassung ist eine Genehmigung der Satzung durch die Bezirksregierung Köln erforderlich.Seite 3 von 61 Seite 4 Die Denkmalbereichssatzung tritt dann am Tag ihrer Veröffentlichung in Kraft. Als Grundlage für das folgende ordnungsbehördliche Handeln wird eine aktuelle umfassende fotografische Dokumentation des gesamten Geltungsbereiches erstellt, die dessen Zustand zu Beginn der Rechtsgültigkeit der Satzung festhält. Anlage/n 1 Anlage 1 Denkmalbereich Combahnviertel Satzungsentwurf (öffentlich) 2 Anlage 1.1 Denkmalbereich Combahnviertel Räumlicher Geltungsbereich (öffentlich)Seite 4 von 61 Denkmalbereichssatzung Combahnviertel denkmalberatungEntwurf 2022-05-23Seite 5 von 61 Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Präambel § 1 Ziel der Satzung § 2 Räumlicher Geltungsbereich § 3 Sachlicher Geltungsbereich § 4 Begründung der Unterschutzstellung § 5 Erlaubnispflicht § 6 Ordnungswidrigkeiten § 7 Bestandteile der Satzung § 8 Inkrafttreten Anlagen als Bestandteil der Satzung Anlage 1.1 Räumlicher Geltungsbereich der Satzung Anlage 1.2 Darstellung der denkmalwerten und erhaltenswerten Bausubstanz und erhaltenswerter Merkmale Anlage 1.3 Dokumentation wesentlicher Bauten, städtebaulicher Räume und Ansichten in Fotos Weitere Anlagen Anlage 2.1 Luftbildaufnahme von 2019 Anlage 2.2 Übersichtsplan Anlage 2.3 Gutachten des LVR- Amt für Denkmalpflege im Rheinland zur historischen Bedeutung des Viertels vom 25.11.2020 Impressum Inhalt 1 12 13 14 22 22 23 24 54Seite 6 von 61 1Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Denkmalbereichssatzung Combahnviertel‚ vom xx.xx.2022 Auf Grund von § 2 Absatz 3 und § 10 Absatz 1 des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen, Denkmalschutzgesetz – DSchG NRW vom 13. April 2022 (GV. NRW S. 662, SGV NW S. 224) in Verbindung mit § 7 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (GO NRW) in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Juli 1994 NRW, jeweils in der zum Zeitpunkt der Beschlussfassung geltenden Fassung, hat der Rat der Stadt Bonn in seiner Sitzung am . ...... folgende Satzung beschlossen: Präambel Das Combahnviertel ist ein um 1900 am rechten Rheinufer, nördlich des Beueler Ortskerns planmäßig angelegtes Wohnviertel im ebenen Uferbereich. Bei der Anlage wurden vorhandene Wegeverbindungen in ein rasterförmiges Grundschema integriert. Als im Zuge der Industrialisierung und auch mit der neuen Brückenverbindung nach Bonn von 1898 die Einwohnerzahl in Beuel sprunghaft anstieg, wurde die Ausweisung neuer Wohnbauflächen notwendig. Der Bebauungsplan von Stübben für ein städtisches Wohnviertel um 1900 für das gehobene Bürgertum diente auch in späteren Zeiten als Grundlage, auf der weitergebaut und ergänzt wurde. Kennzeichnend sind die Blockrandbebauung und zusammenhängende Häuserzeilen mit grünen Innenblöcken, aber auch charakteristische Straßenräume, die teilweise mit Baumreihen und schmalen Vorgärten begrünt sind. Am westlichen Rand, am Rheinufer gegenüber von Bonn, lagen nördlich der Uferpromenade die Anlegestellen für die Verladestationen der Bröltaleisenbahn, deren Streckenverlauf das Viertel nach Norden abschließt, während im Süden die Brückenauffahrt die Grenze bildet. Um das Ortsbild des Combahnviertels mit seiner denkmal- und erhaltenswerten Bausubstanz eines planmäßig angelegten Wohnviertels zu schützen und als bauliches Zeugnis der Ortsgeschichte zu erhalten, werden an die Gesamtanlage, bauliche Anlagen, Freiräume und Verkehrsflächen besondere Anforderungen nach Maßgabe der Satzung gestellt. Ein Denkmalbereich schützt unter anderem größere bauliche Zusammenhänge, Gebäudegruppierungen mit geschichtlichem Dokumentationswert und deren räumliche Einbindung. Nicht jedes Objekt in einem Denkmalbereich muss Denkmal sein, schutzwürdig ist vielmehr die historische Gesamtaussage des Ortes, die sich im Ortsgrundriss, in der aufgehenden Bausubstanz insgesamt, in Freiflächen, im Bewuchs, in der Silhouette und in spezifischen Sichtbezügen manifestiert. Die Denkmalbereichssatzung trifft keine Gestaltungsvorschriften, sondern ist ein Instrument, mit dessen Hilfe geplante Veränderungen in jedem einzelnen Fall an der historischen Gestalt und Struktur gemessen und mit den Zielen des Denkmalschutzes in Einklang gebracht werden. § 1 Ziel der Satzung Das Combahnviertel in Bonn-Beuel ist Denkmalbereich gemäß §2 Absatz 3 DSchG NRW und wird nach § 10 Absatz 1 DSchG NRW unter besonderen Schutz gestellt. Um das historische Erscheinungsbild, die städtebauliche Struktur und die historische Bausubstanz des Combahnviertels zu schützen und zu erhalten, werden an bauliche Anlagen, Freianlagen und Verkehrsflächen, sowie an die Umgebung des Denkmalbereichs, soweit dessen ErscheinungsbildSeite 7 von 61 2Denkmalbereichssatzung Combahnviertel betroffen ist, besondere Anforderungen nach Maßgabe dieser Satzung gestellt. Sie dient der Durchsetzung der in § 3 dieser Satzung festgelegten Schutzgegenstände. Sie gilt unbeschadet bestehender Bebauungspläne und anderer Satzungen. § 2 Räumlicher Geltungsbereich Die Abgrenzung des räumlichen Geltungsbereiches zeigt sich auf der als Anlage 1.1 beigefügten Liegenschaftskarte im Maßstab 1:1.000, die Bestandteil dieser Satzung ist. Die Abgrenzung des Schutzbereichs erfolgt überwiegend parzellenscharf. Flurstücke mit einer sehr großen Tiefe, bei denen ein großer Teilbereich keine Bedeutung für den Denkmalbereich aufweist, werden nur teilweise dem Schutzbereich zugeordnet und durch eindeutig festgelegte Linien geteilt. § 3 Sachlicher Geltungsbereich Im Geltungsbereich dieser Satzung sind das Erscheinungsbild des historischen Combahnviertels, sein Grundriss, seine stadtbauliche Struktur, seine denkmal- und erhaltenswerte Bausubstanz als räumlicher Ortskörper geschützt. Der Ortskörper setzt sich zusammen aus dem örtlichen Grundriss (1), aus der Raumstruktur (2), aus der aufgehenden Bausubstanz und den charakteristischen Elementen der Bebauung (3), aus den historischen Freiräumen (4), aus dem ortsbildprägenden Baumbestand und Bewuchs (5) und aus den erhaltenswerten Sichtbeziehungen (6). Die Schutzgegenstände ergeben sich auch aus der Dokumentation wesentlicher Bauten, städtebaulicher Räume und Ansichten in Fotos, die als Anlage 1.3 Bestandteil dieser Satzung sind. Innerhalb des Denkmalbereichs befinden sich zahlreiche Baudenkmäler im Sinne des § 2 Abs. 1, 2 DSchG NRW. Die in der Denkmalliste eingetragenen Baudenkmäler und die erhaltenswerte Bausubsubstanz sind in dem Übersichtsplan Anlage 1.2 aufgeführt und sind Bestandteil der Satzung. Sie gelten zusammen mit der weiteren prägenden historischen baulichen Substanz als wesentlicher Maßstab für eine Beurteilung entsprechend § 5 dieser Satzung. (1) Örtlicher Grundriss Das Combahnviertel liegt am rechten Rheinufer, nördlich des Ortskerns von Beuel auf ebenem Ufergelände. Es wird begrenzt durch den Rhein im Westen mit Uferpromenade und anschließendem Gelände des früheren Endbahnhofs der Bröltaleisenbahn, durch die südlich angrenzende Auffahrt zur Kennedybrücke mit dem Konrad-Adenauer-Platz, die Sankt-Augustiner-Straße im Osten und nach Norden durch den Bröltalbahnweg, der heute als Radweg genutzt wird. Der örtliche Grundriss ist gekennzeichnet durch die geradlinige Straßenführung, die Parzellenteilung und die Verteilung von bebauter und unbebauter Fläche. Das planmäßige rasterförmige Grundmuster besteht aus fünf Längsstraßen (Rheinaustraße, Professor-Neu-Allee, Von- Sandt-Straße, Rheindorfer Straße und Rathausstraße) und zwei Querstraßen (Combahnstraße und Kaiser-Konrad- Straße). Die geradlinigen Straßenführungen weisen eine annähernd gleiche Straßenbreite auf, die sich aus Fahrbahn, seitlichen Bürgersteigen und größtenteils Baumreihen und in Teilbereichen schmalen Vorgärten zusammensetzt. Dabei ist die Professor-Neu-Allee die Verlängerung des Rheindamms. Prägend sind die durchlaufenden Fluchten der Bebauung. Die Parzellenzuschnitte weisen ähnliche Breiten auf und sind entsprechend der vorherrschenden Blockrandbebauung schmal und lang in die Tiefe gehend, nur an den Blockecken nahezu quadratisch ausgebildet. In den Innenblöcken liegen die jeweils den Häusern zugeordneten Gärten und Innenhöfe mit nur wenigen Nebenbauten.Seite 8 von 61 3Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Ab den 1960er Jahren wurde in den nördlichen Blöcken mit der Anlage von Stichstraßen eine zeitgemäße städtebauliche Weiterentwicklung in die Grundform eingepasst. Schutzziele • Erhalt des örtlichen Grundrisses in seiner Straßenführung und im Straßenprofil • Erhalt der Straßengliederung aus Fahrbahn, Bürgersteig, Baumbestand und Vorgärten • Erhalt der Maßstäblichkeit der Parzellenteilung • Erhalt der ehemaligen Bahntrasse als Wegeverbindung, heute Rad – und Fußweg • Erhalt der Freifläche des ehemaligen Bahngeländes • Erhalt der durchlaufenden Fluchten der Bebauung (2) Raumstruktur Das Combahnviertel wird geprägt durch eine fast vollständig geschlossene Blockrandbebauung aus mehrgeschossigen, mindestens zweigeschossigen Bauten in durchgehenden Fluchten. Mit durchlaufenden Dachflächen und Trauflinien über ganze Straßenabschnitte oder Hauszeilen hinweg bilden die Gebäude zusammengehörige Einheiten. Diese Einheiten fassen als Zeilen und Baugruppen die Straßenräume. Charakteristisch innerhalb des Viertels ist die einheitliche Höhenentwicklung der meist zwei- und dreigeschossigen Bauten auch über verschiedene Bauphasen hinweg. Während im Innern des Viertels reine Wohnstraßen vorherrschen, befindet sich an der südlichen und östlichen Straßenzeile von der Kennedybrücke bis zur Sankt Augustiner Straße hin meist der Haustyp des Wohn-und Geschäftshauses mit Ladenlokalen im Erdgeschoss. Die dort durchgehend geschlossene Bauweise, meist um mindestens ein Geschoss höher, schirmt das Viertel optisch und akustisch ab. Die rückwärtigen Innenblockbereiche werden durch die Bockrandbebauung und teilweise durch Hauszeilen aus ähnlichen und gleichwertigen Haustypen, ursprünglich hauptsächlich Einfamilienhäuser, später auch Mehrfamilienhäusern, vom öffentlichen Straßenraum abgeschirmt. Dort befinden sich die jeweils den Häusern zugeordneten Gärten und Innenhöfe. Die Gärten werden untereinander oft durch Mauern abgegrenzt. In den vorherrschenden rückwärtigen Grünbereichen stehen nur wenige, vorwiegend kleinteilige, in Volumen und Gestaltung den Wohnbauten untergeordnete, schlicht und zweckmäßig gestaltete Nebenanlagen und Gewerbebauten. Schmale Anbauten oder Balkonanlagen erweitern die Bauten in den Blockinnenbereich hinein. Einzelne Durchgänge, aber auch Tordurchfahrten, dienen der Erschließung der Blockinnenbereiche. Die in der Kaiser-Konrad-Straße und Rathausstraße vorhandenen Vorgärten werden teils durch historische Mauern und Einfriedungen vom Bürgersteig abgegrenzt. Im Westen am Rheinufer endet die Beueler Uferpromenade mit drei in der Höhe gestuften Maueranlagen an dem früheren Fähranleger. Hier steht, von der Ufermauer zurückgesetzt, ein Kriegerdenkmal von 1877 im begrünten Umfeld in einer teilweise gefassten Freifläche. Ab dort, in Höhe der Combahnstraße, erstreckt sich das ehemalige Bahngelände nach Norden. An seinem südlichen Ende liegt das Gebäude des ehemaligen Bröltalbahnhofs, heute mit gastronomischer Nutzung, als freistehender Bau in längsrechteckiger Form parallel zu Rheinufer und Rheinaustraße. Nördlich benachbart wurde das ehemalige Verwaltungsgebäude der Eisenbahn ebenfalls als freistehender Bau errichtet. Am früheren Endbahnhof der Bröltaleisenbahn befand sich der Schnittpunkt zwischen Bahntrasse und Verladestation zu den Lastschiffen. Das ehemalige Bahngelände mit den Hafenanlagen, Verladestationen und Anlegestellen der Lastschiffe erstreckte sich am Rheinufer weit nach Norden. In der Ausbildung des Rheinufers mit Vor- und Rücksprüngen, Rampen, Mauerzügen und Pflasterungen ist bis heute die ehemalige Hafennutzung ablesbar. Schutzziele • Beibehaltung der Verteilung von bebauter und unbebauter Fläche • Beibehaltung der Höhenentwicklung der Bauten • Beibehaltung durchlaufender Dachflächen und TrauflinienSeite 9 von 61 4Denkmalbereichssatzung Combahnviertel • Erhalt straßenräumlich wirksamer Einheiten • Erhalt der historischen Einfriedungen und Hauseingangstreppen • Erhalt der gestuften Ufermauern, der Einfassungen am Rhein • Erhalt der noch vorhandenen Reste des ehemaligen Bahngeländes und der Verladestationen, wie Mauern, Rampen, Pflasterungen (3) Aufgehende Bausubstanz und Elemente der Bebauung Die Blockrandbebauung der grundlegenden Entstehungszeit um 1900 setzte Maßstäbe für die spätere Entwicklung. Meist traufständige, zweigeschossige Wohnhäuser und wenige Wohn-Geschäftshäuser, oft drei- und selten vierge- schossig, in geschlossenen Zeilen in einer Flucht, teils mit schmalen Vorgärten, bilden die kennzeichnende Bebauung. Das Grundthema der Entstehungszeit eines Wohnviertels des gehobenen Standards ist auch in den nachfolgenden Bauepochen grundsätzlich berücksichtigt worden. Blockrandbebauung oder zusammenhängende Zeilen meist zwei- geschossiger Wohnbauten sind bis heute kennzeichnend. Nur die zeittypischen Gestaltungselemente wandelten sich. Die Gebäude bilden in einer Flucht als Reihung aus einzelnen Bauphasen häufig zusammenhängende städtische Ein- heiten, manchmal sogar einheitliche Blöcke. Sie bilden im Nebeneinander, in der Reihe und im Gegenüber ein archi- tektonisches, ein straßenräumliches und ein städtebauliches Miteinander. Aus benachbarten Bauten entstehen durch wiederholte Gestaltungselemente wie Erker, Zwerchhäuser, große Giebel oder Dachgauben und einheitlicher Fassa- dengliederung städtebaulich wirksame Einheiten. Auch betonen durchlaufende Dachflächen über mehrere Häuser einer Bauphase hinweg den Zusammenhang. Die Gestaltungsansätze eines ‚Wohnviertels um 1900‘ auf der Grundlage des Bebauungsplans von Stübben diente als Grundmuster. Jeweils nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde das Grundthema zeitgemäß interpretiert, ergänzte den Bestand und sorgte für eine kontinuierliche Fortentwicklung. Die Bauten bilden in ihrer gruppenweisen Verteilung städtische Muster und formen in ihrer rhythmischen Reihung der Häuserzeilen als Ganzes städtische Elemente und einheitliche Blöcke. Der städtische Außenraum ist charakterisiert durch beidseitig ähnliche Bebauung. Gereihte ähnliche Einzelbauten werden zu einer städtebaulichen Großform inner- halb des Viertels. Einen besonderen Charakter innerhalb des Viertels hat die Rheinaustraße, denn diese parallel zum Rhein führende Verbindungs- und Durchgangsstraße in Bahnhofsnähe war beidseitig schon vor 1900 unregelmäßig bebaut. Die schon bestehenden Bauten wurden in den neuen Bebauungsplan von Stübben, ohne sie zu überplanen, einbezogen. Dadurch ergeben sich zu den anderen Straßen unterschiedliche Maßstäblichkeiten, sowohl im Parzellenzuschnitt als auch in der Kubatur. a) Bauten um 1900 Bei der Blockrandbebauung der ersten Bauphase handelt sich zumeist um traufständige, oft dreiachsige Wohnhäuser und nur wenige Wohn-Geschäftshäuser über meist hohen Kellersockeln in geschlossenen Zeilen. Die Putzfassaden der Massivbauten sind vorrangig in hellen Farben, in Weiß-, Grau-, Blau- und Sandtönen, gestaltet. Die straßenseitigen Fassaden wurden in überregional zeittypischer Formensprache mit zahlreichen architektonischen Details und reicher Bauzier im Stil des Historismus oder Jugendstils versehen. Die stukkierten Schmuckfassaden wurden mit historisierenden Stilelementen, wie Erker, Risaliten mit Übergiebelungen, Ecktürmchen, Balkonen, Loggien geschmückt. Lisenen, Pilaster, Säulen, profilierte Gesimse, Tür- und Fenstergewände und profilierte Verdachungen gliedern die straßenseitigen Fassaden. Unterschiedliche Fensterformate mit Konstruktionen aus Holz und Flügel-und Scheibengliederung waren verbreitet. Als Dachformen sind Mansard- und Satteldächer vorrangig anzutreffen. Als Eindeckung dienten anthrazitfarbene Dachziegel oder grauer Schiefer. Teils sind die Dachgeschosse ausgebaut. Über kleine Gauben oder einzelne große Giebelhäuser oder Zwerchhäuser in den Hauptgliederungsachsen der Fassaden erfolgte die Belichtung. Einige Bauten schließen mit einem Mezzaningeschoss ab. Der Abschnitt der Combahnstraße zwischen Rathaus- und Rheindorfer Straße, Hausnummern 45-57 und gegenüber Hausnummern 39-48, zeigt fast vollständig Bauten der frühen Bauphase um 1900, die im Stil des Historismus gestaltet sind. Besonders aufwändig gestaltete Fassaden stehen in der Professor-Neu-Allee 43-47, 19-23 und 16-20. UnterSeite 10 von 61 5Denkmalbereichssatzung Combahnviertel anderem bei diesen Bauten, deren Bauzeit bis in die frühen 1910er Jahre reicht, zeigt sich in der Gestaltung die Hinwendung zu Elementen des Jugendstils. b) Bauten der späteren Phasen Beim weiteren Ausbau des Combahnviertels wurde das städtebauliche Konzept fortgeführt und kontinuierlich wurde die Blockrandbebauung in schlichter, zeitgemäßer Architektur geschlossen. Die Bauten der späteren Bauphasen sind insgesamt schlichter und bescheidener gestaltet, wie Zweckbauten der 1920/30er Jahre und der 1950er Jahre, der Nachkriegszeit, zeigen. Als Blockrandbebauung oder als Zeilenabschnitte bilden sie wiederum städtebauliche Elemente mit einheitlicher Gestaltung und setzen damit die Grundidee in zeitgemäßer Formensprache fort. Auch diese Einheiten prägen den Gesamteindruck der jeweiligen Straßenräume und sind von städtebaulicher Bedeutung. Die Bauten der Zwischenkriegszeit sind als zweigeschossige Putzbauten mit glatten Lochfassaden ausgebildet. Farbig abgesetzte Putzfaschen an den Fenstern und gerahmte Eingangstüren mit auskragenden Betondächern dienen als Schmuck. Über einem durchlaufenden Traufgesims erheben sich mit anthrazitfarbenen Dachziegeln gedeckte Mansarddächer, die wiederum durch die Fenster gegliedert werden. Die Baugruppe Combahnstraße 30-36 / Rheindorfer Straße 25 / Von-Sandt-Straße 22 zeigt diese schlichte Einheitlichkeit sehr anschaulich. Die Bauten Kaiser-Konrad- Straße 68-74, diesmal wieder mit schmalen Vorgärten und historischen Einfassungsmauern und -gittern, sind ebenfalls kennzeichnend. Nach 1945 bis etwa 1960 entstanden durchgehende Zeilen mit schlichten zweigeschossigen Putzbauten, ebenfalls mit glatten Lochfassaden und meist mit traufständigen Satteldächern mit anthrazitfarbener Dachziegeldeckung. Teilweise erhielten sie schmale Vorgärten. Dafür stehen die Hauszeilen Kaiser-Konrad-Straße 19-33 oder Kaiser-Konrad-Straße 39-47. Die Gestaltungselemente wurden nun auch auf Mehrfamilienhäuser in Zeilenbauweise übertragen, wie in der Von-Sandt-Straße 14-20 mit schmalen Vorgärten und einem entsprechend gestaltetem Gegenüber ohne Vorgarten in der Von-Sandt-Straße 11-13. Bauten der 1960er und 1970er Jahre sind dann erhaltenswert, wenn sie die Merkmale des Wohnviertels aufnehmen und interpretieren oder einen aus der Zeit erklärbaren neuen thematischen Zusammenhang einführen (Ausrichtung nach Westen zum Rhein) und ihn zeitgemäß mit gehobenem Wohnstandard entsprechenden gereihten Architekturelementen ausbilden (Balkonen). Dafür stehen die Häuser Rheinaustraße 83, 91 und 93. Bei wenigen Bauten werden auch in nachfolgenden Zeiten die Merkmale und Qualitäten des Viertels neu interpretiert und sie fügen sich dadurch besonders ein. Das betrifft die Bauten Rheinaustraße 75-77. c) Charakteristische Elemente der Bebauung Über alle Zeitepochen hinweg sind im Combahnviertel vorwiegend Putzfassaden in hellen Farben anzutreffen. Dabei sind helle Pastelltöne, wie Weiß-, Grau-, Blau- und Sandtöne, mit manchmal abgesetzten Rahmungen oder Putzfaschen vorherrschend. Kennzeichnend ist, dass in allen Zeitepochen trotz unterschiedlicher Farbgebung der Gebäude weiße Fensterrahmen in jeweils bauzeitlichem Material ausgeführt wurden. Zier- und Gestaltungselemente, wie Erker, Balkone, Fensterrahmungen, Vordächer, sind nicht nur bei Einzelbauten, sondern rhythmisch wiederholend auch an Nachbargebäuden anzutreffen. Dadurch werden straßenräumlich wirksame Einheiten und Baugruppen gebildet. d) Dachlandschaft Neben den rhythmisch zusammenhängenden Straßenfronten bilden auch die zusammenhängenden Dachlandschaften Einheiten. Als Dachformen sind Mansard- und traufständige Satteldächer vorrangig und prägend anzutreffen. Jedoch sind vor allem an Kreuzungen oder Durchgängen in die Blockinnenbereiche auch Walmdächer errichtet worden. Die Dachflächen wirken in den Straßenraum und sind als Teil der Hausansicht wirksam. Weitgehend handelt es sich um geschlossene Flächen, die mit anthrazitfarbenen Dachziegeln oder mit grauem Schiefer gedeckt sind. Dachhäuser und Giebel, vor allem in der frühen Bauphase, gliedern die Dachlandschaft und wirken inSeite 11 von 61 6Denkmalbereichssatzung Combahnviertel der Hausansicht, aber auch zu dem Straßenraum. In späteren Bauphasen werden die zusammenhängenden, meist geschlossenen Dachflächen von kleinen Gauben oder Fenster gegliedert. Auffallend ist die durchlaufende Dachfläche und Trauflinie über ganze Straßenabschnitte und Hauszeilen hinweg, wodurch die Bauten zu Einheiten zusammengefasst werden. Schutzziele • Erhalt des Miteinanders der Bauten, ihres Verhältnisses zueinander • Erhalt der zusammenhängenden, einheitlichen Baugruppen und Zeilen • Erhalt der Maßstäblichkeit, auch der rückwärtigen Bebauung • Erhalt der gleichförmigen Reihung der Häuser in der Straßenflucht und im Straßenraum • Erhalt der Höhenentwicklung der überwiegend zwei- und dreigeschossigen Bauten • Erhalt der zusammenhängenden Dachlandschaft • Beibehaltung der vorherrschenden Putzfassaden in hellen Farben • Beibehaltung der vorherrschend weißen Farbe der Fenster und ihrer bauzeitlichen Materialität • Beibehaltung der sich rhythmisch wiederholenden Gestaltelemente über mehrere benachbarte Häuser hinweg • Beibehaltung der durchlaufenden Dachflächen und Trauflinien • Beibehaltung der kennzeichnenden Dachformen der traufständigen Sattel- oder Mansarddächer mit einer Eindeckung mit anthrazitfarbenen Dachziegeln oder grauem Schiefer • Erhalt der den Straßenraum gliedernden und auf historische Entwicklung verweisenden Details wie Mauern, Zäune, Einfriedungen und Treppen (4) Historische Freiräume Verschiedene Arten von Freiräumen historischen Ursprungs sind charakteristisch im Combahnviertel. Freiflächen gehören zum Raumprogramm des zugehörigen denkmalwerten oder erhaltenswerten Hauses. Im Blockinnenbereich bilden aneinanderstoßende Gärten und Höfe umschlossene begrünte, ruhige Freiräume mit städtischer Ausprägung mit einem Mehrwert für die Wohnhäuser. In einzelnen Straßenzügen bilden schmale Vorgärten bepflanzte Distanzstreifen zwischen Bürgersteig und Hauszeile. Sie sind Bestandteil der Architekturqualität und gliedern den Straßenraum im Viertel. Auch die ehemalige Verladezone des Bröltalbahnhofs bildet einen Freiraum historischen Ursprungs. Das gleiche gilt für den historischen Bereich der Rheinuferpromenade, die zeitgleich mit dem Combahnviertel geplant worden ist, und für die Fläche der ehemaligen Fähranlegestelle. Das Kriegerdenkmal war in einem gestalteten Freiraum mit Ausrichtung zum Rhein aufgestellt worden. Schutzziele • Erhaltung der Freiräume • Erhalt des Zusammenwirkens von stadträumlichem Grundriss und der aufgehenden Bausubstanz • Erhalt der Freiräume der ehemaligen Verladezone des Bröltalbahnhofs • Erhalt des Freiraums und gestalteten Grünbereichs am Kriegerdenkmal (5 ) Ortsbildprägender Baumbestand und Bewuchs In einzelnen Straßenzügen sind Baumreihen gestaltende Elemente des Straßenraums, wie in der Professor-Neu-Allee Japanische Kirschen oder in der Kaiser-Konrad-Straße Birken. Für die Professor-Neu-Allee waren von Anfang an Alleebäume und für die Kaiser-Konrad-Straße und Rathausstraße waren schon im Plan von 1900 begleitend zu den Bürgersteigen schmale Vorgärten vorgesehen. In Fortschreibung dieser Grundidee wurden auch Baumreihen in der Von-Sandt-Straße, abschnittsweise in derSeite 12 von 61 7Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Combahnstraße und Rheindorfer Straße angepflanzt. In der Rheinaustraße sind im Abschnitt des Bröltalbahnhofs und der ehemaligen Eisenbahnverwaltung einseitig Straßenbäume vorhanden. Das kleine städtebauliche Ensemble am Kriegerdenkmal ist durch Bepflanzung und umfassenden Baumbestand gefasst. Schutzziel • Erhalt des ortsbildprägenden Baumbestands und des Bewuchses im Zusammenhang mit bauli- chen Anlagen und mit dem städtischen Raum (6) Erhaltenswerte Sichtbezüge Charakteristische Sichtbezüge und Blicke auf markante Objekte lassen das Viertel als Einheit erleben, sorgen aber auch für eine Einbindung in das städtische Gesamtgefüge. So bilden Blickbezüge aus dem Viertel zu den Kirchtürmen der Umgebung für eine Verbindung zu den umliegenden Ortsteilen. Aus der Rheindorfer Straße fällt nach Norden der Blick auf den Kirchturm der Doppelkirche von Schwarzrheindorf, St. Maria und St. Clemens. Aus der Professor-Neu-Allee ist im Blick nach Süden die Beueler katholische Pfarrkirche St. Josef ein Fixpunkt. Aus dem Viertel nach Westen über den Rhein hinweg sind auf der linken Rheinseite die Doppeltürme der neugotischen Stiftskirche St. Johann Baptist und Petrus in der Bonner Nordstadt ein Blickfang. Aus der Combahnstraße heraus nach Westen dient das Kriegerdenkmal von 1877 als Fixpunkt. Von Westen, über die Kennedybrücke kommend, bildet das Eckgebäude mit Erkerturm an der Professor-Neu-Allee / Konrad-Adenauer-Platz einen Blickfang. Aber auch innerhalb des Quartiers gibt es charakteristische Blicke, häufig auf besonders ausgeprägt gestaltet Eckgebäude, oder anschließende Hausgruppen, wie auf die Ecke Combahnstraße / Rathausstraße, oder innerhalb der baumbestandenen Professor-Neu-Allee, der oberen Kaiser-Konrad-Straße oder der Rathausstraße mit den vielgliedrigen Hausfassaden. Die Standorte, Blickrichtungen und Blickwinkel zur Wahrnehmung der charakteristischen Sichtbezüge sind in Anlage 1.2 dargestellt. Schutzziel • Erhalt der charakteristischen Sichtbezüge innerhalb des Viertels • Erhalt der charakteristischen Sichtbezüge aus dem Viertel heraus § 4 Begründung der Unterschutzstellung Das Combahnviertel ist ein in sich geschlossenes bürgerliches Wohnquartier am Rhein und ergänzt ab 1900 planmäßig die anderen Ortsteile von Beuel: das Handwerker-, Wäscher- und Schifferviertel südlich der Rheinbrücke, das Gewerbe- und Industrieareal mit Arbeiter-Werkwohnen östlich der Staatsbahntrasse an Siegburger und Königswinterer Straße sowie das wachsende Zentrum zwischen Rheinbrücke und Staatsbahnhof mit Rathaus, Ladengeschäften, evangelischer Kirche, Synagoge etc. Die Unterschutzstellung als Denkmalbereich erfolgt, weil die in § 3 beschriebenen und durch die dort aufgeführten Merkmale charakterisierten Schutzgegenstände in Struktur, Substanz und Bild ein bedeutendes Dokument für die Geschichte des Menschen, die geschichtliche Entwicklung der Stadt Bonn, insbesondere des Stadtbezirks Beuel, und die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse darstellt und aus wissenschaftlichen, insbesondere orts- und siedlungsgeschichtlichen sowie baugeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse an seiner Erhaltung besteht.Seite 13 von 61 8Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Trotz Veränderungen sind der Denkmalwert und die Kontinuität des Erscheinungsbildes, der Struktur und Gestalt, gewahrt und erlebbar. Siedlungsentwicklung Der Name Combahn leitet sich von der seit dem Mittelalter bestehenden Ortschaft Combahn (mittelalterlich ‚Kumme‘) ab. Er nimmt Bezug auf die topografischen Ausprägungen, denn ‚Kumme‘ steht für eine Senke und ‚Ban‘ steht für Schneise, aber auch für einen aufgeschütteten Weg in einer Niederung. Combahn bezeichnete bis ins späte 19. Jahrhundert hinein ein Gebiet im ebenen Uferbereich. Dort gab es einen vom Flussufer abgerückten, befestigten Weg auf einem leicht erhöhten Damm wohl schon seit dem Mittelalter zwischen Vilich und Beuel, der heutigen Rheindorfer Straße. Im 19. Jahrhundert existierten neben dem heutigen Zentrum von Beuel um die Friedrich-Breuer-Straße noch Siedlungsschwerpunkte im Bereich der heutigen Rheindorfer Straße / Sankt Augustiner Straße und dichte Bebauung gab es auch an der Rheinaustraße, unmittelbar parallel zum Rheinufer. Dort, an der Fähre nach Bonn und später auch dem Bröltalbahnhof, entwickelte sich ein Schwerpunkt mit Gaststätten und Geschäften. Südlich der Auffahrt zur Kennedybrücke belegt das stattliche Haus des Brückenmeisters von 1785, Rheinaustraße 131, die wirtschaftliche Bedeutung der Fähre.1892 wurde Combahn, welches noch auf der Preußischen Uraufnahme von 1843 eingezeichnet ist, mit Beuel zu einer Gemeinde vereinigt. Beuel, Bonn gegenüber auf der rechten Rheinseite, wurde gegen Ende des 19. Jahrhundert zunehmend industrialisiert. Seit 1891 gab es den Endbahnhof der ‚Brölthal-Eisenbahn’ am Flussufer, die aus dem Landesinnern aus Richtung Niederpleis und Hangelar an den Rhein führte. Hier wurden Eisenerze, Basaltsteine und andere Güter auf Lastschiffe verladen. Die Bahnstrecke wurde 1967 stillgelegt. Ab 1898 verband eine Rheinbrücke an Stelle der alten Seilfähre Combahn mit Bonn. Ab 1902 gab es eine elektrische Straßenbahnverbindung über die Brücke von Bonn zum Beueler Bahnhof. Ab 1902 gab es eine elektrische Straßenbahnverbindung über die Brücke von Bonn zum Beueler Bahnhof. Nach Kriegszerstörung 1945 wurde diese 1948/49 durch eine neue Brücke ersetzt, die seit 1963 ‚Kennedybrücke‘ heißt. . Durch die enorme Zunahme der EinwohnerInnen um 1900 drängte die Ausweisung von neuen Wohnbauflächen. Auf der Grundlage des Fluchtlinienplanes von Regierungsbaurat Huppertz (1847-1919) erstellte der Kölner Geheime Baurat und Stadtbaumeister Hermann Joseph Stübben (1845-1936) 1900/1901 einen Bebauungsplan für die Stadt Beuel. Die Planungen umfassten den Ortskern um St. Josef und im nördlichen Teil den Bereich Combahn. Für die NeubürgerInnen von Beuel aus dem gehobenen Bürgertum, wie Rentiers, Kaufleute, Beamte und Ärzte, wurde dort die Anlage eines Wohnviertels mit Einfamilienhäusern in Rheinnähe geplant. Neben der neuen Uferpromenade am begradigten Rheinufer wurde, angelehnt an vorhandene Wege und unter Aufnahme bestehender Bauten, ein fast rechtwinkliges Straßennetz mit baumbestandene Grünachsen (Professor- Neu-Allee, vorher Kaiserstraße, und abschnittsweise Kaiser-Konrad-Straße und Rathausstraße) geplant. Mit fünf Längsstraßen und zwei Querstraßen entstanden 15 Baublöcke, von denen noch heute 13 historische Bausubstanz aus der Anlagezeit aufweisen. Südlich des Bröltalbahnhofs wurde das Kriegerdenkmal von 1877 mit einer Grünanlage gefasst, die in die mit drei Baumreihen bepflanzte Uferpromenade überleitete. Ein geplanter Kirchenbau mit daneben liegender Grünanlage an der Kaiser-Konrad-Straße / Von-Sandt-Straße wurde nie realisiert. Bei der Erschließung des neuen Viertels gingen örtliche Unternehmer in Vorleistung. Die Bebauung erfolgte block-, bzw. abschnittsweise, so dass bis 1918 rund 40 Prozent der Grundstücke bebaut waren. Weitere Ergänzungen, die die Blockränder schlossen, folgten in den 1930er und 1950er Jahren. In den nachfolgenden Zeiten, den 1960er und 1970er Jahren, wurden die nördlichen Blockinnenbereiche mit neuen städtebaulichen Elementen, mit Stich- und Wohnstraßen, erschlossen. In neueren Zeiten wird zunehmend die Ausrichtung nach Westen und zum Rhein als Wohnqualität bedeutsam und wirkt sich in der Anlage von Balkonen und Freisitzen mit Blick nach Westen aus.Seite 14 von 61 9Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Seit der Gebietsreform von 1969 gehören Beuel als Bezirk und damit auch das Combahnviertel zur Stadt Bonn. Bedeutungsgründe Das Combahnviertel ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen, für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse. Bedeutung für die Geschichte des Menschen Das Combahnviertel ist auf Grund der erhaltenen Substanz im Miteinander von Bauten, Freiflächen, Ortsgrundriss und dem Bezug zu den topografischen Gegebenheiten am Rheinufer in besonderem Maße geeignet, die geschichtliche Entwicklung und die Ortsgeschichte von Beuel und den umliegenden Ortslagen/ Dörfern, die zum heutigen Beuel zusammenwuchsen, und die sozialen und auch die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Zeit um 1900 einschließlich späterer Entwicklungen aufzuzeigen und zu erforschen. Mit der Neuanlage des Combahnviertels wurde Wohnraum für die zugezogenen Familien geschaffen. Es zeugt als Wohnviertel für die wohlhabende Mittelschicht - gut angebunden und in attraktiver Lage am Rhein, Bonn gegenüber - vom Anwachsen von Beuel, vom Anwachsen der Orte in der Nähe zu Bonn in der Zeit um 1900 und hat seine Bedeutung als bevorzugtes Wohnviertel in den nachfolgenden Jahrzehnten bewahrt und gefestigt. Die historische Substanz, die Verteilung von Bauten, die Zuordnung der Baukörper, die Bildung von Straßenräumen, die Lage der Gärten lassen die Plananlage, ihre Konstanz und die Weiterentwicklung, im Bestand und Gesamteindruck als stimmiges Wohnviertel und die Funktionstüchtigkeit als Stadtteil seit über 100 Jahren überzeugend nachvollziehen. Bedeutung für Städte und Siedlungen Das Combahnviertel ist im Hinblick auf Siedlungsgeschichte, Stadtbaugeschichte, Siedlungsstruktur, Siedlungstypologie, Architekturgeschichte und in spezifischer Ausprägung sowohl auf den historischen Entstehungsprozess als auch den Entwicklungsprozess von Beuel bezogen, ein gebautes Dokument, das als ein Ganzes als historisch aussagekräftiger Siedlungsschwerpunkt überzeugt: in seiner Lage zum Ortskern von Beuel, im Miteinander der Bauten in Reihen in überwiegend geschlossener Bauweise entlang der Bauflucht und im engen Zusammenwirken von Bauten und rückwärtigen Gärten und Höfen und der Straßen. Insgesamt ist das Viertel in seiner Anlage und in seinem historischen Entwicklungsprozess Teil der Stadtbaugeschichte vom heutigen Stadtbezirk Beuel, städtebaulich integriert, und als solches nicht nur bedeutend, sondern auch von besonderem Aussagewert für die Siedlungsbildung und die Siedlungsentwicklung. Auch weist das Viertel in der architektonischen Ausformung von Einzelbauten und in der Gruppe von Bauten in ihrer Gesamtaussage eine hohe Bedeutung für die Architekturgeschichte auf. Bedeutung für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse Im Zuge der Industrialisierung war mit dem Anstieg der Einwohnerzahl einerseits durch den Zuzug von Arbeitern und Arbeiterinnen, andererseits, bedingt durch den zunehmenden Wohlstand der Orte und das Anwerben von Neubürgern und Neubürgerinnen, auch in der Bürgermeisterei Beuel die Ausweisung neuer Wohngebiete unbedingt erforderlich. Als Wohnviertel für wohlhabende Bevölkerungskreise, für angeworbene Neubürger, zeugt das Viertel vom Anwachsen der Bürgermeisterei Beuel als einer Folge der Industrialisierung um 1900 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In seiner Beständigkeit und Funktionstüchtigkeit spiegelt es Nachfrage und gesellschaftliche Akzeptanz. Erhaltungswert Die Erhaltung und Nutzung liegt im öffentlichen Interesse, denn für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, insbesondere orts- und architekturgeschichtliche sowie städtebauliche Gründe vor: Wissenschaftliche Gründe Das Viertel ist in seiner historischen Gesamtaussage ein bedeutendes Geschichtsdokument, insbesondere im HinblickSeite 15 von 61 10Denkmalbereichssatzung Combahnviertel auf die Orts- und die Stadtbaugeschichte. Auf Grund der Bedeutung und der substantiellen Überlieferung als städtebauliche Planung der Kaiserzeit um 1900, in der Gesamtschau der Baukörper, Bau- und Haustypen bis in die heutige Zeit, eignet es sich zur weiteren Erforschung und Dokumentation der Stadtbaugeschichte, aber auch der Orts-, und der Architekturgeschichte. Zur Stadtbaugeschichte Das Combahnviertel ist eine Planung von Hermann Josef Stübben (1845-1936). Stübben gehörte nach der Reichsgründung im Jahr 1871 zu den Wegbereitern des modernen Städtebaus. Er war Stadtbaumeister von Aachen (1876-81) und Köln (1881-98) und hatte als Stadtplaner zahlreiche Wettbewerbe gewonnen. Seine Planungen fanden über die Landessgrenzen hinaus Beachtung und verschafften ihm europaweit hohe Anerkennung, so dass ihn viele Städte in Deutschland und im Ausland bei Stadterweiterungen zu Rate zogen. Auch verfasste er zahlreiche Schriften und theoretische Werke zum Städtebau und zur Architektur, die als Standardwerke in die Stadtbaugeschichte eingingen, im Jahr 1890 erschien „Der Städtebau“ als Teil des Handbuchs der Architektur, das erste umfassende Buch zum Städtebau. Unter seinen über 90 städtebaulichen Planungen lagen zahlreiche im Rheinland (so u.a. in Aachen, Düsseldorf- Oberkassel, Bad Godesberg, Koblenz). In Köln plante er die großen städtebaulichen Maßnahmen, die bis heute die Stadt prägen: die Umgestaltung des Kölner Rings und die Neustadt. Zusätzlich besteht städtebaulicher Forschungsbedarf beispielsweise gerade im Hinblick auf die Frage: Wie sieht in späteren baugeschichtlichen Phasen eine städtebaulich tragfähige Antwort auf ein gewichtiges städtebauliches Konzept aus? Zur Orts- und Architekturgeschichte Mit der Architektur im Combahnviertel sind ortsgeschichtlich interessante Aspekte verbunden, die bis nicht erforscht sind. So war Michael Nußbaum, der für die Planung der Häuser Professor-Neu-Allee 43 und 47 verantwortlich zeichnete, seit Beginn der 1920er Jahre Teilhaber und Geschäftsführer der Fa. Johann Nussbaum & Sohn. Der Betrieb wurde 1911/12 von dem Dachdeckermeister und Bauklempner Johann Nussbaum geleitet, der 1912 mit dem Gebäude Professor-Neu-Allee 45 sein eigenes Wohnhaus baute. Die Architektur der als Einfamilienhäuser errichteten Straßenrandbebauung orientierte sich an den Baustilen des beginnenden 20. Jahrhunderts, abgewandt von den historischen Vorgaben und auf der Suche nach neuen Formen (Jugendstil, Landhausstil etc.), im Gesamteindruck vielfältig und auch aus heutiger Sicht malerisch. Die späteren Bauphasen nehmen städtebaulich und architektonisch Bezug auf den gegebenen Bestand. Die späteren Bauten sind zum Teil ebenfalls von ortsansässigen Architekten errichtet. Auch hier - bezogen auf das jeweilige Werk der Architekten und auf die Umsetzungsprozesse - besteht Forschungsbedarf. Die Bauten sind im Zusammenhang in der Vielzahl und im Vergleich als Forschungsobjekt auch von besonderem Wert, sowohl für die Architekturgeschichte als auch die Ortsgeschichte. Städtebauliche Gründe Für die Erhaltung und Nutzung liegen außerdem städtebauliche Gründe im stadträumlichen Sinne vor. Durch Verteilung und Miteinander der Bauten entstehen charakteristische Straßenräume, durch die Blockrandbebauung entstehen im Kontrast dazu rückwärtig Blockinnenbereiche, durch das Miteinander der Gärten großzügige Gartenflächen mit der Qualität im Erscheinungsbild einer zusammenhängenden Grünanlage. Die nördlichen Blöcke sind im Innenbereich zur Wohnbebauung erschlossen. Kleinere Teilbereiche zwischen Bröltalbahntrasse und der Kaiser-Konrad-Straße gehören nicht unmittelbar zum erhaltenswerten historischen Bestand des Viertels, stützen aber aufgrund der ähnlichen Gebäudemassen und Dachformen sowie der Grundstücksgrößen und des -zuschnitts des Kernbereichs das Erscheinungsbild des Denkmalbereichs. Insgesamt entsteht ein städtebaulich aussagekräftiges und bedeutendes Dokument der Stadtbaugeschichte von Beuel.Seite 16 von 61 11Denkmalbereichssatzung Combahnviertel § 5 Erlaubnispflicht Mit der Unterschutzstellung unterliegt der Denkmalbereich Combahnviertel den Vorschriften des Denkmalschutzgesetzes. Insbesondere ist die Erlaubnispflicht nach § 9 DSchG NRW zu beachten. Bei baulichen Anlagen, die nicht unter § 2 (Absätze 1 und 2) DSchG NW fallen, gilt dies nur für Änderungen, die das äußere Erscheinungsbild betreffen. Die Erlaubnis ist vor Beginn der Maßnahme in der vom DSchG NRW vorgesehenen Form zu beantragen. Die Festsetzungen dieser Satzung berühren nicht die Pflicht zur Berücksichtigung anderweitiger Rechtsvorschriften im räumlichen Satzungsbereich. Dies gilt insbesondere für die Pflicht zur Einholung einer im Einzelfall notwendigen Baugenehmigung. § 6 Ordnungswidrigkeiten Ordnungswidrig im Sinne des § 41 DSchG NRW handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig eine Maßnahme, die nach § 5 dieser Satzung einer Erlaubnis bedarf, ohne die erforderliche Erlaubnis oder abweichend von ihr durchführt oder durchführen lässt. Ordnungswidrigkeiten können mit Geldbuße im durch das Denkmalschutzgesetz festgelegten Rahmen geahndet werden. § 7 Bestandteile der Satzung Folgende Anlagen sind Bestandteile der Satzung: • Plan des räumlichen Geltungsbereiches der Satzung (Anlage 1.1) • Darstellung der denkmalwerten und erhaltenswerten Bausubstanz und erhaltenswerter Merkmale (Anlage 1.2) • Dokumentation wesentlicher Bauten, städtebaulicher Räume und Ansichten in Fotos (Anlage1.3) Nachrichtlich sind der Satzung folgende Anlagen beigefügt: • Luftbild von 2019 (Anlage 2.1) • Übersichtsplan (Anlage 2.2), • Gutachten des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland zur historischen Bedeutung des Viertels vom 25.11.2020 (Anlage 2.3) § 8 Inkrafttreten Diese Satzung tritt am Tag ihrer Bekanntmachung in Kraft. Die vorstehende Satzung mit ihren Anlagen liegt in Kopie zur Einsichtnahme bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Bonn aus. .Seite 17 von 61 12Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Anlage 1.1 Räumlicher Geltungsbereich der Denkmalbereichssatzung Anlagen als Bestandteil der Satzung unmaßstäbliche WiedergabeSeite 18 von 61 13Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Anlage 1.2 Darstellung der denkmalwerten und erhaltenswerten Bausubstanz und erhaltenswerter Merkmale eingetragene Baudenkmäler historisch erhaltenswerte Bausubstanz prägendes Wegenetz historisch erhaltenswerte Grünräume prägende und erhaltenswerte Blickbezüge prägende und erhaltenswerte Blickbezüge Quelle: LVR, Gutachten ohne MaßstabSeite 19 von 61 14Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Anlage 1.3 Dokumentation wesentlicher Bauten, städtebaulicher Räume und Ansichten in Fotos Blick nach Westen auf die Silhouette der Stadt Bonn ehem. Bahnhof Beuel (Bröltalbahnhof)Seite 20 von 61 15Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Freifläche, ehemalige Verladezone der Eisenbahn Kaiser-Konrad-Straße 19-37 (= Blick nach Osten) Kaiser-Konrad-Straße 19-37 und 20-30 (= Blick nach Osten)Seite 21 von 61 16Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Kaiser-Konrad-Straße 36-46 (= Blick nach Osten) Rheindorfer Straße (= Blick nach Norden) Kaiser-Konrad-Straße 86-76 (= Blick nach Osten)Seite 22 von 61 17Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Rathausstraße 50-38 und 43- 35 (= Blick nach Süden) Rathausstraße 43-35 (= Blick nach Süden) Rathausstraße 38-50/ Combahnstraße 63-81Seite 23 von 61 18Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Combahnstraße 63-81 (= Blick nach Osten) Sankt Augustiner Straße 45/ Combahnstraße 81-63 (= Blick nach Westen) Combahnstraße 57-45 (= Blick nach Westen)Seite 24 von 61 19Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Combahnstraße 38-54 (= Blick nach Osten) Rheindorfer Straße 23-1 (= Blick nach Süden) Combahnstraße 43-33 (= Blick nach Westen)Seite 25 von 61 20Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Combahnstraße 30.36, 31-41 (= Blick nach Osten) Konrad-Adenauer-Platz 1-17/ Professor-Neu-Allee 2-14 Professor-Neu-Allee 4-20 (= Blick nach Norden)Seite 26 von 61 21Denkmalbereichssatzung Combahnviertel Professor-Neu-Allee 16-20Seite 27 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel22 Anlage 2.1 Luftbild von 2019 Weitere AnlagenSeite 28 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel23 Anlage 2.2 Übersichtsplan ohne MaßstabSeite 29 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel24 Anlage 2.3 Gutachten des LVR-Amt für Denkmalpflege im RheinlandSeite 30 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel25 LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland Postfach 21 40 ∙ 50250 Pulheim Datum und Zeichen bitte stets angeben 980-001-04.2019 Ihre Meinung ist uns wichtig! Die LVR-Geschäftsstelle für Anregungen und Beschwerden erreichen Sie hier: E-Mail: anregungen@lvr.de oder beschwerden@lvr.de, Telefon: 0221 809-2255 Besucheranschrift: Zahlungen nur an den LVR, Finanzbuchhaltung LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland 50663 Köln, auf eines der nachstehenden Konten 50259 Pulheim (Brauweiler), Ehrenfriedstraße 19, Bushaltestelle Abtei Brauweiler: Linien 949, 961, 962 und 980 Helaba Telefon Vermittlung: 02234 9854-0 IBAN: DE84300500000000060061, BIC: WELADEDDXXX Internet: www.denkmalpflege.lvr.de, E-Mail: info.denkmalpflege@lvr.de Postbank USt-IdNr.: DE 122 656 988, Steuer-Nr.: 214/5811/0027 IBAN: DE95370100500000564501, BIC: PBNKDEFF370 25.11.2020 92010-20-Ja Dr. Elke Janßen-Schnabel Tel 02234 9854-556 Fax 0221 8284-2267 Elke.Janssen-Schnabel@lvr.de Bonn, Combahnviertel, Denkmalbereich 92010 Gutachten gem. §22 (3) zur historischen Bedeutung als Denkmalbereich gem. §2 DSchG NW. Das Combahnviertel erfüllt die Voraussetzungen zur Ausweisung eines Denkmalbe- reiches gem. § 5 DSchG NW. Städtebauliche Planung: Hermann Joseph Stübben, Karl Huppertz, 1900/ 1901 Architekten der Entstehungszeit des Viertels: ortsansässige Architekten wie Michael Nussbaum, Peter Schumacher und Architekten aus der näheren Umgebung wie der Architekt und Bauunternehmer Peter Klein aus Vallendar, Zweigstelle in Beuel. Lage Das Combahnviertel ist ein planmäßig angelegtes Wohnviertel aus der Zeit um 1900. Es liegt rechtsrheinisch, Bonn gegenüber, im Norden vom historischen Ortskern von Beuel am Rhein auf der in Flussnähe hochwassergefährdeten Niederterrasse. Das Viertel schließt heute nördlich an die Brückenauffahrt der Kennedybrücke und liegt zwischen Konrad-Adenauer-Platz, St. Augustiner Straße (B56), dem Bröltaleisen- bahnweg und dem Rhein. Der Name leitet sich her von der seit dem Mittelalter bestehenden Ortschaft Combahn (mittelalterlich „kumban“) und nimmt Bezug auf die topografischen Ausprägungen, denn „Kumme“ steht für ein Gefäß, eine Schale oder auch eine Senke und Ban für eine Schneise oder auch einen aufgeschütteten Weg in einer Niederung. Beide Merk- male trafen auf die bearbeitete und genutzte Landschaft zu: Combahn bezeichnete bis ins späte 19. Jahrhundert einen größeren topografischen Ausschnitt im ebenen Uferbereich. Vom Flussufer abgerückt verband ein befestigter Weg auf einem leichtSeite 31 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel26 Seite 2 erhöhten Damm wohl schon seit dem Mittelalter Vilich mit Beuel (die heutige Rhein- dorfer Straße). An bestehenden Wegen hatten sich bauliche Verdichtungen heraus- gebildet. Siedlungsschwerpunkte lagen im Bereich der heutigen Rheindorfer Straße / St. Augustinerstraße, im heutigen Zentrum von Beuel um die Friedrich-Breuer-Straße und an der Oberen Wilhelmstraße, außerdem reihten sich Bauten eng beieinander an der unmittelbar parallel zum Ufer geführten heutigen Rheinaustraße. Hier entwickelte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts an der Fähre nach Bonn bis hin zum Bröltal- bahnhof ein Schwerpunkt mit Gaststätten und Geschäften. 1: Ausschnitt aus der Preußischen Uraufnahme 1843, Blatt Bonn, grüne Ellipse = Ortslage Combahn Geschichte 1343 wird erstmals ein Ort „kumban“ urkundlich erwähnt1. Combahn gehörte als Teil vom Vilicher Ländchen lange Zeit zur Herrlichkeit Vilich im Kurfürstentum Köln, Beuel dagegen zum bergischen Amt Löwenburg. Seit dem 17. Jahrhundert verband (etwas südlich des späteren Bröltalbahnhofs) eine Seilfähre (Gierponte, auch „fliegende Brü- cke“ genannt) die rechte Seite mit der kurfürstlichen Residenzstadt Bonn (Clausen 1987). Das Haus des Brückenmeisters Mehlem (das Mehlem‘sche Haus) aus dem Jahr 1785, Rheinaustraße 131, südlich der Kennedybrücke, zeugt in seiner stattlichen Aus- prägung von der wirtschaftlichen Bedeutung der Fähre. Noch ein Jahr zuvor, 1784, waren die Häuser unmittelbar am Ufer einem verheerenden Hochwasser zum Opfer gefallen. 1Bestand Vilich im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Urkunde vom 3. April 1343, zitiert nach Johannes Bücher: Alte und neue Straßennamen im Gebiet der ehemaligen Stadt Beuel. In: Stadt Bonn (Hrsg.): Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel. Band 22, Bonn 1980.Seite 32 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel27 Seite 3 2: Karte von Villich 1689, Ausschnitt, Norden = links, roter Kreis = Combahn Nach Zugehörigkeit 1803-1815 zum französischen Großherzogtum Berg war Com- bahn in preußischer Zeit Gemeinde in der Bürgermeisterei Vilich im Landkreis Bonn der Provinz Jülich-Kleve-Berg, später der Rheinprovinz. 1892 wurde Combahn mit Beuel als Gemeinde vereinigt. Beuel wurde gleichzeitig zum Hauptort der Bürgermeis- terei Vilich und 4 Jahre später auch Amtssitz. Während noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der rechten Rheinseite neben der Landwirtschaft, Weinanbau und Fischerei sich Wäscherei und Bleicherei zu wirtschaftlichen Schwerpunkten herausgebildet hatten - Bonn gegenüber und im Dienste der Bonner Textilfabriken -, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch der Beueler Raum zunehmend industrialisiert und führte zu einer stärkeren Verdich- tung in Beuel selbst. Zwischen 1891 bis 1916 stieg die Einwohnerzahl von etwas mehr als 9.000 auf knapp 17.000 so enorm an, dass die Ausweisung von Wohnbauflächen drängte. (Stadt Bonn, Karen Künstler-Brandtstädter, Objekt Rathausstr. 43, Gutach- ten zum Denkmalwert, 2007) Seit 1871 hatte Beuel einen eigenen Bahnhof an der Strecke Ehrenbreitstein-Köln- Deutz. Seit 1891 war der Endbahnhof der vom Landesinneren über Niederpleis und Hangelar kommenden Bröltalbahn („Brölthal-Eisenbahn“, BTE) am Flussufer im Nor- den von Combahn in Betrieb, um von hieraus Eisenerz, Basaltsteine und andere GüterSeite 33 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel28 Seite 4 auf Lastschiffe zu verladen. Die endgültige Stilllegung der Bahnstrecke erfolgte 1967. Erhalten sind das Empfangsgebäude, ein Fachwerkbau, 1906 um Warteraum und Bahnsteigüberdachung erweitert, nördlich ein stark umgebautes Verwaltungsgebäude von 1917 und die Fläche der Laderampen. Das Empfangsgebäude ist heute Gast- stätte; auf der Bahntrasse liegt ein Radweg. Seit 1900 bestand eine Bahnverbindung nach Großenbusch (zwischen Hangelar und St. Augustin) zur dortigen Bonner Verblendstein- und Thonwaarenfabrik. Ab 1898 verband eine Rheinbrücke Combahn mit Bonn, die, 1945 zerstört, 1948/ 1949 durch die neue Rheinbrücke ersetzt wurde. Die Brücke trägt seit 1963 den Na- men „Kennedybrücke“. 1902 fuhr die erste elektrische Straßenbahn über die Brücke zum Beueler Bahnhof. 3 Ausschnitt aus der Karte „Beuel und Combahn im Jahr 1891“, Stadtarchiv BonnSeite 34 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel29 Seite 5 4: 1895, Ausschnitt aus der Preußischen Neuaufnahme 5: Ausschnitt aus dem Bebauungsplan von Stübben 1900, Druck 1903, heutiges Combahnviertel(Stadtarchiv Bonn, Be 818)Seite 35 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel30 Seite 6 Kurz nach 1900 entstanden unter dem Vilicher Bürgermeister Friedrich Breuer in der Ortslage Combahn zwei neue Wohngebiete. Die Arbeiter und kleinen Angestellten sie- delten östlich jenseits der Bahn, auch in einer Werkssiedlung benachbart zu der ehe- maligen Jutespinnerei. Für die betuchteren Neubürger von Beuel aus dem gehobenen Bürgertum, zu denen damals Rentiers, Kaufleute, Beamte und Ärzte gehörten, er- folgte die Erschließung eines neuen Wohnviertels, des heutigen Combahnviertels, zwi- schen den bestehenden Siedlungsschwerpunkten von Combahn. Auf der Grundlage des Fluchtlinienplans von Regierungsbaurat Karl Huppertz (1847-1919), seit 1892 Professor für Baukunde und Meliorationswesen an der Königlich Preußischen Land- wirtschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf, erstellte der Kölner Geheime Baurat und Stadtbaumeister Hermann Joseph Stübben (1845-1936)1900/ 1901 einen Bebau- ungsplan (Karnau 1996, S. 330) für Beuel (Druck 1903). Der Plan umfasste den Orts- kern um St. Josef und betraf im nördlichen Teil den Bereich Combahn. Der Plan sah hier (Abb.5),– angelehnt an vorhandene Wege und unter Aufnahme der bestehenden Bauten -, die Anlage eines nahezu rechtwinkligen Straßennetzes mit baumbestande- nen Grünachsen (heute: Kaiser-Konrad-Straße, Combahnstraße und Professor-Neu- Allee) vor und südlich des Empfangsgebäudes des Bröhltal-Bahnhofseine Grünanlage um das Denkmal (von 1877), die in die sich nach Süden erstreckende, mit drei Baum- reihen gestaltete Rheinpromenade überging. Der Kirchenbau an der Kaiser-Konrad- Straße/ Ecke Von-Sandt-Straße und die westlich anschließende Grünfläche wurden nicht realisiert. Bei der Erschließung der Kaiser-Konrad-Straße, der Von-Sandt-Straße und der Pro- fessor-Neu-Allee traten örtliche Unternehmer in Vorleistung und verkauften anschlie- ßend die Straßen an die Gemeinde. 1912 warb die Bürgervereinigung Beuel-Rheindorf für den Fremdenzuzug nach Beuel mit dem niedrigen Steuersatz und mit allen anderen der Neuzeit entsprechenden Ein- richtungen (Remig 1996, S. 157).Seite 36 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel31 Seite 7 6: 1913 Ausschnitt aus der Topografischen Karte Bis 1918 waren 40% der Grundstücke bebaut, bis 1938 folgte der Block Von-Sandt-, Combahn-, Rheindorfer Straße. 7: 1926/ 1933 Ausschnitt aus der Topografischen KarteSeite 37 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel32 Seite 8 8: 1959 Ausschnitt aus der Topografischen Karte Während nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren weitere Ergänzungen erfolgten, die die Blockränder schlossen, 9: 1966 roter Kreis = neue Erschließung, Ausschnitt aus der Topografischen KarteSeite 38 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel33 Seite 9 wurden in der nachfolgenden Zeit die Blockinnenbereiche mit neuen städtebaulichen Elementen (mit Stich-, Wohnstraßen/ Wohnwegen) erschlossen. (s. Abb.9, 10, 11). Seit der Gebietsreform von 1969 gehört Combahn mit Beuel zusammen zu Bonn. 10: 1972 roter Kreis = neue Erschließung, Ausschnitt aus der Topografischen Karte Charakteristik- die städtebaulichen Aspekte Das Combahnviertel ist ein nahezu reines städtisches Wohnviertel (mit wenigen Ge- werbebetrieben und ehemals einzelnen Geschäften innerhalb des Viertels, heute am Rand des Viertels) in Blockrandbebauung, wesentlich geprägt durch untereinander ähnliche und gleichwertige Haustypen, Einfamilienhäuser, aus der Zeit kurz nach 1900. Es ergänzte damit die Vielfalt der Ortsstruktur von Beuel, die sich zu dieser Zeit aus dem Beueler Ortszentrum, dem südlich angrenzenden Handwerkerviertel (Schiff- fahrt, Wäschereien) zwischen Hermannstraße und Rhein sowie den Gewerbe- und In- dustriebereich im Osten jenseits der Staatsbahn zusammensetzte. Zwischen dem Rhein im Westen und der Rheinbrücke im Süden in die dreieckige Flä- che eingepasst, liegt dem Viertel ein planmäßig gerastertes Grundmuster aus fünf Längsstraßen und zwei Querstraßen zugrunde, die bestehende Wegeverläufe aufneh- men und in die vorhandene Struktur eingepasst ist. Von Norden nach Süden verlaufen in etwa gleichem Abstand längs fünf Straßen parallel: am Rhein die Rheinaustraße (der bestehende Rheinuferweg), im Osten die Rheindorfer Straße als Verbindungs- straße der Ortskerne von Vilich-Rheindorf und Beuel auf der ersten Terrassenstufe,Seite 39 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel34 Seite 10 die Professor-Neu-Straße als südliche Verlängerung des Rheindamms parallel zur Rheinaustraße, parallel dazu die Von-Sandt-Straße und östlich der Rheindorfer Straße als 5. Straße die Rathausstraße. Quer gliedern zwischen Bröltalbahn und Kennedy- brücke die beiden parallelen Straßen Kaiser-Konrad- Straße und Combahnstraße das Viertel im Inneren. Durch diesen Plan entstehen 15 Blöcke, von denen 13 historische Bausubstanz der Anlagezeit aufweisen und im Miteinander der Straßenzüge als histo- rischer Kern des Combahnviertels den städtebaulichen Zusammenhang begründen. Im städtischen Außenraum entstehen durch die beidseitig ähnliche Bebauung, durch die mittige anfangs gepflasterte, heute geteerte Fahrbahn, die Trottoirs und einer jeder Straße eigene Gestalt jeweils typische Straßenräume. Einzelne Straßenzüge sind beidseitig mit Baumreihen bepflanzt (wie die Professor-Neu-Allee mit Japani- schen Kirschen; die Kaiser-Konrad-Straße mit Birken). Einzelne Straßenzüge weisen durchgehend Vorgärten auf, eingefriedet mit niedrigen Mauern und Pfeilern und ur- sprünglich Latten-, heute Gitterzäunen (Kaiser-Konrad-Straße, Rathausstraße). 11: Rathaus-/ Combahnstraße,um 1920; Blick nach Nordosten 12: Rathaus-/ Combahnstraße, 2020; Blick nach NordostenSeite 40 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel35 Seite 11 Die die Einheit stiftenden Elemente im Inneren des Viertels sind die Häuserblöcke insbesondere der Zeit um 1900 in ihrer Struktur (geschlossene Reihen in den Fluch- ten, rückwärtig aneinanderstoßende Gärten in der Gesamtheit) und die straßenseiti- gen Fronten in der Abwicklung der Zeilen und im Gegenüber mit der Schaffung von Straßenräumen, die rückwärtig im Blockinneren die Welt der Gärten und Innenhöfe nach außen abgrenzen. 13: Professor-Neu-Allee, Blick nach Süden, 2020 14: Kaiser-Konrad-Straße, Blick nach Osten, 2020 15: Combahnstr. 57, 55, 53,…., 2020 Doch die bauliche Entwicklung gliedert sich in weitere Phasen: Die Zwischenkriegszeit und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der 1950er Jahre haben das städtebauliche Konzept fortgeführt und kontinuierlich in schlichter, die Blockrandbe- bauung in zeitgemäßer Architektur geschlossen und so den Wert des Viertels städte- baulich als Stadtteil in seinen Merkmalen gestärkt. Seit den 1960er Jahren erfolgte mit der Anlage von Stichstraßen innerhalb der nördlichen Blöcke städtebaulich die Umsetzung einer neuen Wohnform. Gleichzeitig gewinnt die nach Westen gerichtete Seite des Viertels an Bedeutung: soweit die Grundstücke es ermöglichen, öffnen sich die Bauten mit Balkonen und Freisitzen mit Blick nach Westen auf den Rhein undSeite 41 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel36 Seite 12 führen das städtebauliche Konzept fort, indem sie jeweils zeitgemäß und in der Zu- sammenschau das Thema „Wohnen am Rand von Beuel in Rheinnähe“ neu umsetzen und ausgestalten. Im Norden ist die Trasse der Bröltalbahn eine historisch begründete Grenze. Am öst- lichen Ende der Combahnstraße, jenseits der St. Augustiner Straße, liegt der 1888 angelegte Pfarrfriedhof der katholischen Gemeinde St. Josef in Beuel, eingefasst mit einer Ziegelmauer/ Grauwacke-Bruchsteinmauer. Vor der Friedhofskapelle St. Michael steht an der Außenwand zur St. Augustiner Straße eine Christophorus-Plastik aus Basaltlava. Christophorus ist u.a. der Patron der Fährleute und Schiffer und symboli- siert ein Stück der mit dem Rhein verbundenen Ortsgeschichte von Beuel und auch vom Combahnviertel. Doch die ausgebaute und stark befahrene St. Augustiner Straße ist städtebaulich eine solche Zäsur nach Osten und Süden, dass der jenseits liegende Friedhof als ein eigenes historisches Dokument gewertet und nicht in die Geltungsflä- che des Denkmalbereichs einbezogen wird. In der westlichen Verlängerung der Combahnstraße am Rhein beginnt an der Stelle des früheren Fähranlegers nach Süden, rechtwinklig gefasst von 3 parallelen, in der Höhe gestuften Basaltmauern, die Beueler Rheinuferpromenade mit Blick auf die Bon- ner Stadtsilhouette. Nach Norden schließt heute der Promenadenweg im Verlauf der Bröltalbahn mit dem Bahnhof an. Die rechtwinkligen Versprünge zum Rheinufer lassen die ehemaligen Anlegerampen der Schiffe erkennen. In der Höhe der Combahnstraße, am Übergang von Promenade und Bahntrasse, erinnert eine von der Gemeinde Com- bahn 1877 errichtete Siegessäule des Bonner Bildhauers Johann Josef Olzem (1827- 1890) an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. An dieser Schnittstelle bil- den Bahnhof, Kriegerdenkmal mit der teilweise gefassten Freifläche und das mit ver- schiedenen Bäumen bepflanzte Umfeld (Lindenreihe an der Rheinaustraße bis zum Bahnhof) ein kleines städtebauliches Ensemble. 16. + 17. Empfangsgebäude Brölbahnhof, Kriegerdenkmal um 1906 (Schneider 2000, S.32) und vor 1914 (Höroldt 1989, S.332) 18. Empfangsgebäude Brölbahnhof, Kriegerdenkmal, 2020Seite 42 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel37 Seite 13 Der Denkmalbereich Ein Denkmalbereich ist nach dem Denkmalschutzgesetz NW über eine entsprechende Satzung ein Instrument zum Schutz von städtebaulichen Qualitäten, die sich nicht durchgehend in einheitlich dichter denkmalwerter Substanz, sondern sich auch im Zusammenwirken von Struktur und Substanz und in der Konzentration von ortsge- schichtlich bedeutsamen Themen in jeweils zeittypischer und beispielhafter Bausub- stanz ausdrücken können. Das Combahnviertel erfüllt diese Kriterien. Es ist in seiner historischen Substanz nicht vollständig homogen dicht geschlossen, vielmehr wurde es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angelegt, weitergebaut und ergänzt, wobei das führende Thema das „Wohnviertel um 1900“ auf der Grundlage des Bebau- ungsplans von Stübben und Huppertz ist. Der städtebauliche Entwurf nimmt beste- hende Wege auf, integriert bestehende Bauten und gibt den neuen Straßen und Ob- jekten ein schematisches Grundmuster vor; auf dieser Grundlage bilden die Häuser zusammenhängende Häuserzeilen und im Gegenüber Straßenräume. Die späteren Zeitschichten nehmen das Thema auf, interpretieren Wohnen in einem bevorzugten Wohnviertel zeitgemäß, ergänzen den Bestand und sorgen somit für eine kontinuier- liche Fortentwicklung. Die bauliche Entwicklung lässt sich in einzelne anschaulich erlebbaren Phasen glie- dern: vor dem Ersten Weltkrieg; Zwischenkriegszeit; unmittelbare Nachkriegszeit; 1960er/ 70er und 80er Jahre. Das Viertel ist im Zusammenwirken von Grundriss (aus Straßen, Gärten, Höfen) und Bauten und in der substantiellen Verdichtung histori- scher Schichten insgesamt sowohl städtebaulich als auch ortsgeschichtlich ein aussa- gekräftiges und erhaltenswertes Dokument, so dass die in der Substanz ablesbare Gesamtentwicklung die Ausweisung des Denkmalbereiches begründet. Die Besonderheiten des Viertels schlagen sich in konkreten Schutzgegenständen des Denkmalbereiches nieder: im örtlichen Grundriss, in der aufgehenden Bausubstanz, in historischen Freiflächen, im Baumbestand und Bewuchs und in charakteristischen Blickbezügen. Der örtliche Grundriss Der örtliche Grundriss setzt sich zusammen aus Straßenführung, Parzellenteilung und aus der Verteilung von bebauter und unbebauter Flächen. Die Straßenführung ist ge- radlinig und rasterförmig, die untereinander etwa gleichbreiten Straßenräume beste- hen seit der Trassierung aus Fahrbahn, seitlichen Bürgersteigen und größtenteils beidseitigen Baumreihen. Für einzelne Straßenzüge (Kaiser-Konrad-Straße, Rathaus- straße) sah der Plan von 1900 begleitend zu den Bürgersteigen durchgehende schmale Streifen von Vorgärten vor. Diese wurden umgesetzt, sind heute erhalten und zeichnen im Zusammenwirken mit den Baureihen diese Straßenräume aus. Die Parzellenzuschnitte sind, – der Blockbebauung entsprechend –, in den geraden Ab- schnitten lang und schmal, an den Ecken annähernd quadratisch. Schutzziel ist die Erhaltung des Grundrisses in seiner Struktur. Der örtliche Grundriss sollte in der Straßenführung, im Straßenprofil, in der Gliederung (Fahrbahn, Bürgers- teig, Baumbestand) erhalten bleiben, sowie in der Maßstäblichkeit der Parzellentei- lung und in der Verteilung von bebauter und unbebauter Fläche.Seite 43 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel38 Seite 14 Die aufgehende Bausubstanz Die Bauten um 1900 Die Blockrandbebauung der ersten und für das Viertel grundlegenden Bauphase be- steht aus meist über hohen Kellersockeln traufständigen, dreiachsigen Wohnhäusern und wenigen Wohn- und Geschäftsbauten in geschlossenen Zeilen in einer Flucht drei- geschossige, zum Teil zweigeschossige Zeilen, abschnittsweise mit schmalen Vorgär- ten. Die Bauten sind hell (in Weiß-, Grau-, Blau- und Gelbtönen) verputzte Massiv- bauten. Sie zeichnen sich durch eine vielgliedrige Gestaltung der straßenseitigen Fas- saden in für die Zeit kurz nach 1900 überregional üblicher Formensprache mit zahl- reichen architektonischen Details und reicher Bauzier im Stil des Klassizismus, Ne- oklassizismus, Historismus oder auch Jugendstils gestaltet. Architektonische Gliede- rungselemente sind Erker, Risalite mit Übergiebelungen, Ecktürmchen, Balkone, Log- gien, unterschiedliche Fensterformate (Fensterkonstruktionen aus Holz, Flügel- und Scheibengliederung) und stukkierte Schmuckfassaden mit ornamentalen Motiven. Lisenen, Pilastern, Säulen, profilierten Gesimskanten, Tür- und Gewänderahmungen, profilierte Verdachungen gliedern die straßenseitigen Fassaden, die zusätzlich ge- schmückt sind mit Stuckornamenten. Die Dächer sind in Mansard- oder Satteldach- form ausgebildet, mit Schiefer oder Ziegelpfannen gedeckt. Zum Teil sind die Dach- geschosse ausgebaut, weisen kleine Gauben und einzelne große Giebelhäuser/ Zwerchhäuser in der Hauptgliederungsachse der Fassaden auf, zum Teil schließen die Bauten mit Mezzaningeschossen ab. Besonders aufwändige Gebäude stehen in der Professor-Neu-Allee, der früheren Kai- serstraße. Ursprünglich waren in den Eckgebäuden des Viertels kleine Läden zur täg- lichen Versorgung wie Metzgereien oder Bäckereien. Die Bauten bilden in gleichmäßiger Verteilung städtische Muster und machen in rhyth- mischer Reihung die Häuserzeilen als Ganzes zu städtischen Elementen und auch zu einheitlichen Blöcken. Rückwärtig sind die Gebäude um schmale Anbauten in die Blo- ckinnenbereiche verlängert, die Gartenfassaden durch Loggien und vorgelagerte Treppen gegliedert, die Höfe vereinzelt über Tordurchfahrten erschlossen. In den Blo- ckinnenbereichen stehen vorwiegend kleinteilige im Volumen und in der Gestaltung den Wohnhäusern nachgeordneten schlicht und zweckmäßig gestalteten Nebenge- bäuden in Massivbauweise. Die Gärten sind oft durch Mauern voneinander getrennt. Während im Inneren des Viertels reine Wohnstraßen liegen, sind die äußeren Stra- ßenzeilen (an der St. Augustiner Straße) historisch um ein Geschoss höher. Es sind vom Haustyp Wohn- und Geschäftshäuser mit Ladenräumen im Erdgeschoss. In ge- schlossener Bauweise schirmen sie das Viertel optisch und akustisch zu der heute stark befahrenen Ausfallstraße ab.Seite 44 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel39 Seite 15 19: Combahnstraße 20: Professor Neu Allee, 2020 städtebauliche Merkmale der Gesamtheit: rhythmische Gliederung der Straßenfront durch ähnliche Ele- mente Die Bauten der späteren Phasen sind bescheidener und schmucklos gestaltet. Es sind stilistisch Zweckbauten der 20er/30er und der 50er Jahre, der Zwischen- und der Nachkriegszeit. Sie bilden als Blockränder und Zeilenabschnitte ebenfalls städtebau- liche Elemente, die dem angelegten System folgen und die in ihrer schlichten einheit- lichen Gestalt die jeweiligen Straßenräume im Gesamteindruck prägen: Kaiser-Kon- rad-Str.19-33, 39-49, 68-72, Combahnstr.30-36/ Rheindorfer Straße 25. Sie sind im Nebeneinander von städtebaulicher Bedeutung; wie Kaiser-Konrad-Straße 19-33: von der Straße zurückgesetzt eine durchgehende Zeile aus schlichten zweigeschossigen, zweiachsigen, traufständigen hellen Putzbauten mit glatten Lochfassaden und mit dunklen Ziegeln gedeckten Satteldächern mit straßenseitig wenigen kleinen Schleppgauben. Die Bauten Kaiser-Konrad-Straße 39-49 bilden ein zusammenhän- gendes städtebauliches Element: Es sind in der Straßenflucht in geschlossener Bau- weise schlichte zweigeschossige, traufständige Putzbauten mit glatten Lochfassaden und mit dunklen Ziegeln gedeckten Satteldächern, durchgehender Traufkante. In der Combahnstraße steht in der Straßenflucht eine durchgehende Zeile aus schlichten zweigeschossigen, zweiachsigen, traufständigen hellen Putzbauten mit glatten Loch- fassaden und mit dunklen Ziegeln gedeckten Mansarddächer und durchgehenden pro- filierten Traufkanten. Horizontal auskragende Wetterschutzkonstruktionen aus Beton betonen die Eingänge. Die Bauten der unmittelbaren Nachkriegszeit nehmen die Stel- lung der älteren Gebäude zur Straße, die Geschossigkeit und die geputzten Oberflä- chen auf, sind in der architektonischen Gestalt zweckmäßig schlicht und gestalterisch unauffällig. Eine auf den Charakter des Viertels bezogene besondere Stellung nimmt die Rhein- austraße ein. Die parallel zum Rhein geführte Straße war Ende des 19. Jahrhunderts als Verbindungs- und Durchgangsstraße in Bahnhofsnähe beidseitig unregelmäßig be- baut. Der von Huppertz und Stübben erstellte Bebauungsplan bezog die bestehenden Bauten ein, ohne den Bestand zu überplanen, so dass diese älteren Bauten in derSeite 45 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel40 Seite 16 Formensprache späteren Ersatzbauten andere Maßstäbe vorgaben und Voraussetzun- gen boten, die sich von dem inneren Viertel in Kubaturen und architektonischen Aus- prägungen unterscheiden. Hier, im westlichen und rheinnahen Teil des Viertels lässt sich an einzelnen Bauten der 1960er Jahre ablesen, wie auf der Grundlage der städ- tebaulichen Besonderheiten die Wohnungen über nach Westen, zum Licht, zur Sonne und zum Rhein gerichtete große Fenster und Balkone zusätzliche Merkmale aufweisen und damit an Wohnqualität gewinnen (Professor-neu-Allee 35, Rheinaustraße 83, 91, 93). Das Doppelhaus Rheinaustraße 75,77, ein späterer Bau (wohl aus den 1980er Jahren), wird als Antwort auf die architektonischen und städtebaulichen Vorgaben des Viertels und als Schließung der Blockrandbebauung und der Zeit entsprechender Bau- form gewertet. Insofern ist zwar die Planungszeit die tragende Schicht, aber der Denkmalbereich umfasst in der Bausubstanz inhaltlich die fortgeführte Entwicklung und zeigt damit Werte auf, die von architektonischen und städtebaulichen Entwick- lungen jüngerer Zeitschichten zeugen. Trotz der Anlage und Entwicklung des Viertels über einen relativ langen Zeitraum ergibt sich ein weitgehend geschlossenes inneres Bild der Straßenräume und des Vier- tels. Denkmäler und historisch erhaltenswerte Bausubstanz Einzelne Häuser sind als denkmalwert in die Denkmalliste der Stadt Bonn eingetragen (s. Abb. 28: rot = Denkmal). Zahlreiche Bauten sind auf Grund von Veränderungen der Originalsubstanz nicht denkmalwert, tragen jedoch zu dem führenden Charakter der Entstehungszeit des Viertels und in Abschnitten einheitlichen Gesamteindruck des Viertels bei. Diese Bauten sind innerhalb des Denkmalbereiches in ihrer nach außen wirksamen Erscheinung erhaltenswert (s. Abb. 28: pinkfarben = historisch erhaltens- werte Bausubstanz). Erhaltenswerte Bausubstanz im Sinne des § 25 DSchG NW (Denkmalpflegeplan) ist aus geschichtlichen Gründen erhaltenswert (aus wissenschaftlichen, ortsgeschichtli- chen, städtebaulichen) und weist historische Substanz auf. Erhaltenswerte Bausub- stanz umfasst Gebäude/bauliche Anlagen (wie Mauern, Treppen, Terrassen), die - aufgrund baulicher Veränderungen oder geringer historischer Bedeutung - nicht denk- malwert sind, die jedoch zur Anschauung und Erlebbarkeit eines historischen Gesamt- zusammenhangs beitragen: in einem Ort, Stadtteil, Straßenzug. Ein Verlust der er- haltenswerten Bausubstanz schmälert den historischen Aussagewert des betrachteten Ganzen. Nach dem äußeren Erscheinungsbild wird zahlreichen Objekten Erhaltungswert zuge- sprochen, die historische Substanz aufweisen und denen sowohl ein architektonischer als auch ein städtebaulicher Wert zugesprochen wird, indem sie die Blockränder schließen und so als Einzelbauten oder gereiht zu einer städtebaulichen Großform innerhalb des Viertels beitragen. Alle übrigen Objekte unterliegen in Kubatur, Bau- körperstellung und Architektur den allgemeinen Bestimmungen der Denkmalbereichs- satzung.Seite 46 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel41 Seite 17 Konkret werden aus historischen Gründen erhaltenswert solche Objekte gewertet, die auf Grund baulicher Veränderung / Purifizierung/ straßenseitiger Verkleidung die Kri- terien eines Denkmals nicht erfüllen, deren Substanz in Konstruktion und Architek- turformen jedoch wesentlich erhalten ist und die somit den Gesamteindruck der Bau- zeile, des Straßenraums und des Viertels stärken. Das trifft auf einzelne Bauten der ersten Bauphase zu. Beispiele sind Professor-Neu-Allee 2, 4, 7 oder auch Nr. 9. 21: Professor-Neu-Allee 7-13, 2020 Bauten der 1930er/40er und 50er Jahre sind dann erhaltenswert, wenn sie in ihrer Substanz die Blockrandbebauung einer Zeitstellung schließen und damit städtebaulich ein zusammenhängendes Element bilden. Beispiele sind Combahnstraße 30-36. 22: Combahnstraße 30-36, 2020 Bauten der 1960er und 70er Jahre sind dann erhaltenswert, wenn sie die Merkmale des Wohnviertels aufnehmen und zeitgemäß interpretieren oder einen aus der ZeitSeite 47 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel42 Seite 18 erklärbaren neuen thematischen Zusammenhang einführen und damit die grundle- genden Merkmale des Wohnviertels als bevorzugte Wohnlage mit neuen Anforderun- gen (wie Ausrichtung nach Westen zum Licht, zur Sonne, mit Blick auf den Rhein) füllen und der Zeit entsprechend mit gereihten Architekturelementen wie Balkonen ausbilden. Beispiele an der Rheinaustraße, alten Verbindungsstraße parallel zum Rhein, sind Nr. 83, 91 oder auch 93. Wenigen Bauten späterer Jahrzehnte gelingt es, die Merkmale und Qualitäten des Viertels aufzunehmen, zurückhaltend neu zu be- stimmen und sich einzufügen. Dazu zählen die Bauten Rheinaustraße 75,77 in anklin- gender postmoderner Formensprache. 23: Rheinaustr.83 24: Rheinaustraße 75,77. 2020 Der Umgang mit historisch erhaltenswerter Bausubstanz Eine Denkmalbereichssatzung, die das Wesen eines Stadtteils, den definierten inne- ren Zusammenhang schützt, schützt inhaltlich, sie erhält nicht das Abbild, sondern sie erhält die bauliche Substanz, so dass aus historischen Gründen erhaltenswerte Bauten innerhalb des Satzungsgebietes in der nach außentretenden Substanz ge- schützt sind. Doch die Ausweisung von Einzeldenkmälern und die Benennung von erhaltenswerten Objekten alleine treffen immer noch keine umfassende Aussage zu dem Stadtteil als Gesamtheit und werden seinem einheitlichen Erscheinungsbild noch nicht gerecht. Auch straßenräumliche Details wie Hauseingangstreppen, Vorgärten mit Mauern, Zäu- nen, Bewuchs, auch Straßenbäume gestalten das Innere des Viertels und sind aus historischen Gründen im städtebaulichen Zusammenhang erhaltenswert. Die gestuf- ten Einfassungen am Rhein, die Ufermauern, und die Gliederungen der ehemaligen Bahnhof-Verladezone sind ebenfalls erhaltenswert.Seite 48 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel43 Seite 19 Der dichteste Bestand insgesamt findet sich in Abschnitten von Combahnstraße, Kai- ser-Konrad-, Professor-Neu-, und Rathausstraße. Hier weist die historische Substanz städtische Merkmale mit eigenem Wert auf: Häuserzeilen, Straßenräume, Blöcke, stimmige Blockausschnitte und erlebbare Ausschnitte der Dachlandschaft. Die Dachlandschaft, Dachansichten Diese Bauten bilden nicht nur rhythmische Straßenfronten sondern auch eine zusam- menhängende Dachlandschaft. Zusammenhängende Teilstücke wirken in die Straßen- räume und sind als Teil der Hausansichten sichtbar. Die Dächer der ersten Bauphase setzen sich zusammen aus untereinander ähnlichen Flächen. Sie sind größtenteils in Mansard- und Sattelform ausgebildet, als weitgehend kleinstrukturiert geschlossene Flächen mit Schiefer, Pfannen oder mit Ziegeln gedeckt. Die historischen Dachauf- bauten sind - der Nutzung entsprechend - Teil der jeweiligen Architektur. Insbeson- dere die Dachhäuser und Giebel gliedern die Dachlandschaft, Hausansichten und wir- ken zu den Straßen. (Abb. 25) 25: Professor-Neu-Allee, 2020, Dachlandschaft Die späteren Bauphasen bilden durchgehende zusammenhängende, weitgehend ge- schlossene, von regelmäßig gesetzten kleinen Gauben/ Fenstern gegliederte und kleinstrukturierte Dachflächen. (Abb. 22) Die Schauseite Die Qualität des Viertels liegt vor allem in der Wirkung im Inneren des Viertels. Zum Rhein hin zeigt sich das Viertel mit dem durch Mauern gestalteten und mit Bäumen begrünten Uferbereich und der hier endenden Beueler Promenade. Nördlich schließt parallel zur Trasse der Brölbahn ein Sandstrand und ein in Grünflächen übergehender Uferbereich an. Die Bautenreihe zum Ufer ist sehr heterogen, so dass eine städtebau- lich-architektonische Zwiesprache in Form einer Schauseite zum Rhein und zur ge- genüberliegenden Uferseite oder einer prägnanten Silhouette heute nicht ausgebildet ist.Seite 49 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel44 Seite 20 26. Ansicht von Combahn zum Rhein, 1894, Postkarte (Ausschnitt), Stadtarchiv, DA02 15538 Zusammenfassend begründet die bauliche Substanz der Zeit um 1900 den histori- schen Wert des Viertels. Sie besteht größtenteils aus untereinander gleichwertigen Bauten. Die Objekte bilden im Nebeneinander, in der Reihe und im Gegenüber ein architektonisches, ein straßenräumliches und in der Summe der Straßen und Plätze ein städtebauliches Miteinander, ein städtisches Gefüge, das die Anlage dokumentiert. Die späteren Bauphasen entwickeln sich städtebaulich aus den Gegebenheiten des Viertels. Der Denkmalbereich lässt insbesondere mit den Bauten der 1960er bis 1980er Jahre neue Themen anklingen und positioniert sich so als städtebauliches In- strument zur Dokumentation der kontinuierlichen und historisch bedeutsamen Ent- wicklung des Viertels bis in die jüngste Zeit. Schutzziel zur Wahrung des geschlossenen Gesamteindrucks - bezogen auf die Bau- substanz im Combahnviertel - ist die Erhaltung des Miteinanders der Bauten, ihres Verhältnisses zueinander: der Maßstäblichkeit, auch der rückwärtigen Bebauung, der gleichförmigen Reihung im Rhythmus der Häuser in der Straßenflucht und im Stra- ßenraum. Einen eigenen Gesamteindruck der Straßenräume vermitteln die Straßen- züge mit den Vorgärten. Schutzziel ist außerdem die Erhaltung der den Straßenraum gliedernden und auf his- torische Entwicklung verweisenden Details wie Treppen, Mauern, Zäune. Die historischen Freiflächen: Es können verschiedene Arten von Freiflächen historischen Ursprungs unterschieden werden, die bis heute den Gesamteindruck wesentlich prägen: Jede Freifläche ist Teil des Raumprogramms des zugehörigen Hauses und damit bei denkmalwerten und historisch erhaltenswerten Bauten ebenfalls erhaltenswert. Üb- rige Freiflächen sind erhaltenswert, wenn sich im Blockinnenbereich Gesamtflächen ergeben. Denn in den Blockinnenbereichen bilden die aneinanderstoßenden Gärten und Höfe von Bauten umschlossene begrünte, ruhige oder auch gewerblich genutzte Freiflächen/ Freiräume mit eigener städtischer Ausprägung. Durch das Miteinander der Gärten entsteht jeweils eine zusammenhängende Grünfläche, ein eigenes städti- sches Element mit einem Mehrwert für die Wohnhäuser. In einzelnen Straßenzügen bilden die Vorgärten schmale abwechslungsreich be- pflanzte Distanzstreifen zwischen Bürgersteig und Hauszeile, sind Teil der Architek- turqualität, gliedern den Straßenraum und vermitteln einen eigenen Raumeindruck. Schutzziel ist die Bewahrung des Stadtteilcharakters durch Erhaltung der Freiflächen und des Zusammenwirkens mit dem Grundriss und der aufgehenden Bausubstanz. Auch die Freifläche der ehemaligen Verladezone des Bröltalbahnhofs ist erhaltens- wert.Seite 50 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel45 Seite 21 Der Baumbestand und der Bewuchs In einzelnen Straßenzügen sind Baumreihen (wie Japanische Kirschen, Birken, Lin- den) Teil des Straßenraums. Ein Schutzziel des Denkmalbereiches ist die Erhaltung der Bäume im Zusammenhang mit baulichen Anlagen und mit dem städtischen Raum. 27: Kaiser-Konrad-Straße, Blick nach Westen, 2020 Die charakteristischen Sichtbezüge Blicke und Blickwinkel auf markante Objekte (besonders ausgeprägte Eckbauten oder auch Bauten/ bauliche Anlagen mit spezifischer Funktion) zeichnen das Viertel aus. Durch diese Sichtverbindungen entsteht ein optisches Netz, das das Viertel als Einheit erleben lässt und über das das Viertel in das übrige städtische Gefüge eingebunden ist. So verankern einzelne Blickbeziehungen das Viertel an den Kirchtürmen der umlie- genden historischen Ortskerne: aus der Rheindorfer Straße ist im Blick nach Norden der Kirchturm von St. Maria und St. Clemens, der Doppelkirche in Schwarzrheindorf, Blickpunkt. Aus der Professor-Neu-Allee ist im Blick nach Süden der spitze Helm der Beueler katholischen Pfarrkirche St. Josef als städtebauliche Dominante ein optischer Fixpunkt, und aus dem Quartier nach außen über den Rhein sind die Doppeltürme der neugotischen Stiftskirche St. Johann Baptist und Petrus in der Bonner Altstadt Blick- fang. In der Blickachse der Combahnstraße nach Westen ist die Siegessäule am Rand des Viertels vor dem Rheinufer ein wichtiger Festpunkt. Außerdem übermitteln einzelne Blicke innerhalb des Ortes charakteristische Eindrücke vom Inneren des Viertels. Besonders reizvolle Blicke in das Viertel ergeben sich von Süden, aus der Hermann- straße auf das Eckhaus mit rundem Erkerturm an der Professor-Neu-Allee / Konrad- Adenauer-Platz, innerhalb der baumbestandenen Professor-Neu-Allee, in der Com- bahnstraße, in oberen Kaiser-Konrad-Straße und der Rathausstraße auf die gründer- zeitlichen Häuserreihen, mit malerischen Hausfassaden, zum Teil mit Vorgärten, ge- fasst von niedrigen Mauern oder auch noch schmiedeeisernen Zäunen. Die prägenden und erhaltenswerten Sichtbezüge sind in den Abbildungen 28 und 29 kartiert.Seite 51 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel46 Seite 22 28: Karte zur Erläuterung des Denkmalbereichs „Combahnviertel“ rot = Denkmal, pink = historisch erhaltenswerte Bausubstanz, gelb = prägendes Wegenetz, grün = historisch erhaltenswerte Freiflächen, die mit den historischen Bauten eine Einheit bilden, blau: prägende und erhaltenswerte Blickbezüge 29: Blicke auf die Kirchtürme der umliegenden Orte: auf St. Josef in Beuel im Süden, auf die Doppelkirche von Schwarzrheindorf im Norden und auf die beiden Türme der Bonner Stiftskirche im Westen = optische Verankerung des Viertels im städtischen RaumSeite 52 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel47 Seite 23 Bewertung Das Combahnviertel ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen, für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsver- hältnisse. Bedeutung für die Geschichte des Menschen Bedeutend für die Geschichte des Menschen ist ein Bereich, wenn es einen Aussage- wert für das Leben bestimmter Zeitepochen sowie für die politischen, kulturellen oder sozialen Verhältnisse und Geschehensabläufe seiner Zeit hat. Es muss historische Er- eignisse oder Entwicklungen heute und für zukünftige Generationen anschaulich ma- chen. Das Combahnviertel ist auf Grund der erhaltenen Substanz im Miteinander von Bau- ten, Freiflächen, Ortsgrundriss und dem Bezug zu den topografischen Gegebenheiten am Rheinufer in besonderem Maße geeignet, die geschichtliche Entwicklung und die Ortsgeschichte von Beuel und den umliegenden Ortslagen/ Dörfern, die zum heutigen Beuel zusammenwuchsen, und die sozialen und auch die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Zeit um 1900 einschließlich späterer Entwicklungen aufzuzeigen und zu erfor- schen. Mit der Neuanlage des Combahnviertels wurde Wohnraum für die zugezogenen Fami- lien geschaffen. Es zeugt als Wohnviertel für die wohlhabende Mittelschicht, - gut angebunden und in attraktiver Lage am Rhein, Bonn gegenüber, - vom Anwachsen von Beuel vom Anwachsen der Orte in der Nähe zu Bonn in der Zeit um 1900 und hat seine Bedeutung als bevorzugtes Wohnviertel in den nachfolgenden Jahrzehnten be- wahrt und gefestigt. Die historische Substanz, die Verteilung von Bauten, die Zuordnung der Baukörper, die Bildung von Straßenräumen, die Lage der Gärten lassen die Plananlage, ihre Kon- stanz und die Weiterentwicklung, im Bestand und Gesamteindruck als stimmiges Wohnviertel und die Funktionstüchtigkeit als Stadtteil seit über 100 Jahren überzeu- gend nachvollziehen. Bedeutung für Städte und Siedlungen Bedeutend für Städte und Siedlungen ist ein Bereich, wenn er einen besonderen Aus- sagewert für die Baugeschichte (Architekturgeschichte) einer Stadt oder Siedlung, aber auch einer Region hat, etwa weil es charakteristisch ist für Häuser einer be- stimmten Schicht und Zeit. Bedeutend für Städte und Siedlungen ist darüber hinaus ein Bereich, der den historischen Entstehungsprozess einer Stadt oder Siedlung be- zeugt, etwa indem er durch seine Anordnung und Lage in der Örtlichkeit, durch seine Gestaltung für sich allein oder in Verbindung mit anderen Anlagen den historischen Entwicklungsprozess einer Stadt oder Siedlung in nicht unerheblicher Weise doku- mentiert. Das Combahnviertel ist im Hinblick auf Siedlungsgeschichte, Stadtbaugeschichte, Siedlungsstruktur, Siedlungstypologie, Architekturgeschichte und in spezifischer Aus- prägung sowohl auf den historischen Entstehungsprozess als auch den Entwicklungs- prozess von Beuel bezogen, ein gebautes Dokument, das als ein Ganzes als historisch aussagekräftiger Siedlungsschwerpunkt überzeugt: in seiner Lage zum Ortskern von Beuel, im Miteinander der Bauten in Reihen in überwiegend geschlossener BauweiseSeite 53 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel48 Seite 24 entlang der Bauflucht und im engen Zusammenwirken von Bauten und rückwärtigen Gärten und Höfen und der Straßen. Insgesamt ist das Viertel in seiner Anlage und in seinem historischen Entwicklungs- prozess Teil der Stadtbaugeschichte von Beuel, städtebaulich integriert, und als sol- ches nicht nur bedeutend, sondern auch von besonderem Aussagewert für die Sied- lungsbildung und die Siedlungsentwicklung. Auch weist das Viertel in der architekto- nischen Ausformung von Einzelbauten und in der Gruppe von Bauten in ihrer Gesamt- aussage auch eine hohe Bedeutung für die Architekturgeschichte auf. Bedeutung für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse Bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist ein Be- reich, wenn ihr aus historischer Sicht ein besonderer Zeugniswert für die Entwicklung der landwirtschaftlichen, handwerklichen, gewerblichen oder industriellen Prozesse einer Region beigemessen werden kann. Im Zuge der Industrialisierung war mit dem Anstieg der Einwohnerzahl einerseits durch den Zuzug von Arbeitern, andererseits, bedingt durch den zunehmenden Wohl- stand der Orte und das Anwerben von Neubürgern, auch in der Bürgermeisterei Beuel die Ausweisung neuer Wohngebiete unbedingt erforderlich. Als Wohnviertel für be- tuchtere Bevölkerungskreise, für angeworbene Neubürger, zeugt das Viertel vom An- wachsen der Bürgermeisterei Beuel als eine Folge der Industrialisierung um 1900 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In seiner Beständigkeit und Funktionstüchtigkeit spiegelt es Nachfrage und gesellschaftlich Akzeptanz. 2. Erhaltungswert Die Erhaltung und Nutzung liegt im öffentlichen Interesse, denn für die Er- haltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, insbesondere orts- und archi- tekturgeschichtliche, und städtebauliche Gründe vor: Die wissenschaftlichen Gründe Wissenschaftliche Gründe für die Erhaltung und Nutzung eines Bereiches setzen vo- raus, dass diese für die Wissenschaft oder einen Wissenschaftszweig von Bedeutung sind, was der Fall sein kann, wenn ein Bereich die Entwicklung der Wissenschaft do- kumentiert oder selbst als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung in Betracht kommt. Das Viertel ist in seiner historischen Gesamtaussage ein bedeutendes Geschichtsdo- kument, insbesondere im Hinblick auf die Orts- und die Stadtbaugeschichte. Auf Grund der Bedeutung und der substantiellen Überlieferung als städtebauliche Planung der Kaiserzeit um 1900, in der Gesamtschau der Baukörper, Bau- und Haustypen, eignet es sich zur weiteren Erforschung und Dokumentation der Stadtbaugeschichte, aber auch der Orts-, und der Architekturgeschichte.Seite 54 von 61 denkmalberatung • Dipl.-Ing. Heike Kussinger-Stankovic • Lütticher Str. 7 • 52064 Aachen • tel. 0241-5903365 • info@denkmal-beratung.de Denkmalbereichssatzung Combahnviertel49 Seite 25 Zur Stadtbaugeschichte Das Combahnviertel ist eine Planung von Hermann Josef Stübben (1845-1936). Stüb- ben gehörte nach der Reichsgründung im Jahr 1871 zu den Wegbereitern des moder- nen Städtebaus. Er war Stadtbaumeister von Aachen (1876-81) und Köln (1881-98) und hatte als Stadtplaner zahlreiche Wettbewerbe gewonnen. Seine Planungen fanden über die Reichsgrenzen hinaus Beachtung und verschafften ihm europaweit hohe Anerkennung, so dass ihn viele Städten in Deutschland und im Ausland bei Stadterweiterungen zu Rate zogen. Auch verfasste er zahlreiche Schriften und theoretische Werke zum Städtebau und zur Architektur, die als Standardwerke in die Stadtbaugeschichte eingingen, 1890 erschien „Der Städtebau“ als Teil des Hand- buchs der Architektur, das erste umfassende Buch zum Städtebau. Unter seinen über 90 städtebaulichen Planungen lagen zahlreiche im Rheinland (so u.a. in Aachen, Düsseldorf-Oberkassel, Bad Godesberg, Koblenz). In Köln plante er die großen städtebaulichen Maßnahmen, die bis heute die Stadt prägen: die Umge- staltung des Kölner Rings und die Neustadt. Zusätzlich besteht städtebaulicher For- schungsbedarf beispielsweise gerade im Hinblick auf die Frage: Wie sieht in späteren baugeschichtlichen Phasen eine städtebaulich tragfähige Antwort auf ein gewichtiges städtebauliches Konzept aus? Zur Orts- und Architekturgeschichte Michael Nussbaum, der für di
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