221069 · Beschlussvorlage
Gesamtstädtische Quartiersentwicklungsstrategie
Kerndaten
- Nummer
- 221069
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 17.05.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Gesundheit Empfehlung
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 221069 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 50 Amt für Soziales und Wohnen Dezernat: Dez. V Gesamtstädtische Quartiersentwicklungsstrategie Beratungsfolge Ausschuss für Soziales, Migration und Gesundheit 15.06.2022 Empfehlung Rat 25.08.2022 Entscheidung Beschlussvorschlag Die gesamtstädtische soziale Quartiersentwicklung wird im von der Verwaltung beschriebenen Prüfverfahren und unter Nutzung der dort beschriebenen Instrumente fortan wie folgt umgesetzt: 1. Die Installierung, Weiterentwicklung und konzeptionelle Ausrichtung von Quartiersmanagements und anderen Instrumenten einer teilhabeorientierten Quartiersentwicklung erfolgt in einem standardisierten Prüfverfahren, welches neben soziodemografischen Indikatoren für soziale Lagen bereits bestehende Strukturen, Angebote und Ressourcen berücksichtigt. 2. Als eine Grundlage dieses Prüfprozesses entwickelt die Verwaltung unter Beteiligung aller relevanter Fachbereiche ein standardisiertes Raster für fortschreibungsfähige kleinräumige Sozialraumanalysen. 3. Neben den sogenannten „Quartiersmanagements“ können auch weitere Instrumente der Quartiersentwicklung hierfür eingesetzt werden (siehe konkrete Aufzählung in der Begründung). Begründung Während der letzten Jahre war eine deutliche Zunahme von Anfragen an die Stadtverwaltung aus Politik und Bürgerschaft zum Thema Quartiersmanagement, Begegnungsmöglichkeiten und ähnlichen Themen zu verzeichnen. Es zeigt sich in der täglichen Verwaltungspraxis, dass die Anfragenden (Verbände, Politik, Bürgerschaft), aber auch die Fachämter der Verwaltung mit dem Instrument „Quartiersmanagement“ unterschiedliche Methoden, FormateSeite 1 von 6 Seite 2 und auch Wirkungen verbinden. Dabei sind die Erwartungen an ein „Quartiersmanagement“ vielfältig: Bei der Begleitung stark wachsender Quartiere (Buschdorf; Auerberg) sollen Quartiersmanagements vor Ort aktiv die Verwaltungskoordination unterstützen. Ähnlich angelegt sind Quartiermanagements im Kontext von Stadtteilerneuerungsprogrammen (Soziale Stadt Tannenbusch; Stadtteilerneuerungsprogramm Dransdorf). In älteren Quartieren mit brennpunktartigen Strukturen, in denen eher Sanierungs- denn Neubauvorhaben eine Rolle spielen, werden Quartiermanagements hingegen überwiegend als Initiatoren/ Organisatoren sozialer Angebote und Beteiligungsprozesse für konkrete Zielgruppen (häufig mit eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten) verstanden (Pennenfeld, Lannesdorf, Mackeviertel, Medinghoven). Selbst für ausgesprochene City-Lagen mit ausgedehnten Fußgängerzonen wird ein „Quartiersmanagement“ gewünscht (Bad Godesberg, Duisdorf Citybereich). Nicht zuletzt: Immer wieder entstehen - auf Initiative einzelner Träger und finanziert aus befristeten Fördermitteln - „Quartiersmanagements“ im Umfeld bestehender sozialer Einrichtungen (meist Einrichtungen der Alten- oder Eingliederungshilfe; Beispiele: Dransdorf, Kessenich, Vilich). Die Gemeinsamkeit all dieser Anliegen von Politik, Bürgerschaft und Verwaltung liegen in der Unterstützung einer förderlichen Quartiersentwicklung. Deren Ziele sind: Verbesserung der allgemeinen Lebensverhältnisse (Soziale und andere öffentliche Infrastruktur, Wohnen, Nahversorgung, Mobilität, Klima) Verbesserung der Zugänge in Hilfesysteme Verbesserung des gesellschaftlichen Miteinanders,Seite 2 von 6 Seite 3 Identifikation der Bewohnerschaft mit ihrem Stadtteil/ Imageverbesserung Beteiligung der Bürgerschaft. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass Quartiersmanagement kein geschützter Begriff ist. Infolgedessen, wird die Methode „Quartiersmanagement“ von unterschiedlichen Akteur*innen jeweils unterschiedlich interpretiert und bewertet. Dies führt in der Folge zu falschen Erwartungen gegenüber der Wirkung von extern vergebenen Quartiersmanagements sowie zu Abgrenzungsproblemen gegenüber anderen Instrumenten der sozialen Arbeit und der kommunalen Verwaltung (z.B. Gemeinwesenarbeit, Ortsteilplanung, Bürgerbeteiligung, Begegnungsangebote, Förderung von freiwilligem Engagement oder Beratungsangebote). Gesamtstädtische strategische Quartiersentwicklung Die Verwaltung hat in den letzten Jahren ein Verfahren für die Auswahl der für eine aktive Quartiersentwicklung geeigneten Methoden entwickelt. Es wurde im Rahmen des 2-jährigen Förderprojektes „ZiQ“ sowohl im „Lupenbezirk“ Medinghoven als auch im Stadtteil Auerberg („Machbarkeitsstudie“) erprobt und auch im Kontext eines aus dem Leitbildprozess Bad Godesberg erwachsenen Prüfauftrags zur Errichtung eines Begegnungszentrums in der Godesberger City genutzt. Zurzeit werden weitere Quartiere (Godesberg-Nord und Alt-Tannenbusch) ähnlichen Prüfverfahren unterzogen. Dabei geht die Verwaltung in drei Schritten vor: Verfahrensschritt 1: Erstellung Sozialraumprofil (Soziodemografische Daten+ Infrastrukturanalyse) Verfahrensschritt 2: Identifizierung von Handlungsschwerpunkten anhand von Prüffragen (s.u.) Verfahrensschritt 3: Auswahl einer geeigneten Methode der Quartiersentwicklung Dabei folgt die Einschätzung und Bewertung folgenden Prüffragen:Seite 3 von 6 Seite 4 - Welche sozialen Herausforderungen ergeben sich aus der spezifischen Struktur der lokalen Wohnbevölkerung? - Welchen Veränderungen wird das Quartier unterworfen sein – ist es ein eher „dynamisches“ oder ein eher „statisches“ Einzugsgebiet? - Wie wird die „Binnenversorgung“ mit sozialen Einrichtungen bewertet? - Wie ist die allgemeine Versorgung des Einzugsgebietes zu bewerten (Nahversorgung, Mobilität)? - Gibt es strukturelle Ressourcen – z.B. Räume, Einrichtungen/Träger; Netzwerke; Vereine und Initiativen; aktive Einzelpersonen? - Wie zugänglich sind soziale Angebote in benachbarten Quartieren? (Aspekte: Mobilität; Barrierefreiheit) Abschließend erfolgt die Benennung von Handlungsschwerpunkten und des jeweils geeigneten Instrumentes. Sofern bei der Analyse deutlich wird, dass im Quartier überwiegend soziale Bedarfe bestehen, stehen folgende Instrumente für eine förderliche Quartiersentwicklung zur Verfügung: Option 1 „Installation eines langfristig angelegten Quartiersmanagements“, sofern keine Steuerung durch eine lokale Institution (z.B.: Begegnungszentrum, Stadtteilladen, Nachbarschaftszentrum) und wenig strukturelle Unterstützung (z.B. durch Einbindung in den lokalen Stadtteil-AKs oder der Arbeitsgemeinschaft der dezentralen Begegnungs-, Beratungs- und Bildungseinrichtungen in der Stadt Bonn (AG „BBB“)) gegeben ist; Option 2 „Installation eines befristeten „Impuls-QMs“, sofern Ressourcen (Einrichtungen, Strukturen) vorhanden sind, deren Weiterentwicklung/ Verstetigung jedoch einer temporären Unterstützung bedarf; Option 3 „Stärkung einer vorhandenen Einrichtung der Gemeinwesenarbeit/ Multifunktions-Einrichtung“, sofern ein Akteur bereits regelmäßig über seine Einrichtung hinausreichende Vernetzungs- und Koordinationsaktivitäten für das Quartier vorhält, wachsenden Bedarfen jedoch Rechnung getragen werden soll.Seite 4 von 6 Seite 5 Option 4 „Installierung konkreter sozialer Unterstützungs- u. Förderangebote für definierte Zielgruppen“, sofern eher ein Bedarf an einem konkreten sozialen Angebot für eine bestimmte Zielgruppe gegeben ist (wie etwa der Beratung, der Begegnung oder der Förderung für eine bestimmte Zielgruppe), jedoch keine darüberhinausgehenden, allgemeinen Quartiersmanagement-Aufgaben vonnöten sind. Option 5 „Erteilung der Geschäftsführung des Quartiersfonds“, sofern ergänzend zu bestehenden institutionellen Angeboten ein Bedarf an niederschwelligen, kostengünstigen, nachbarschaftlichen Angeboten für verschiedene Zielgruppen gegeben ist, bzw. die Vernetzung (neu entstehender) Nachbarschaften erreicht werden soll. Option 6 „Anschubfinanzierung für bürgerschaftliche Quartiers-Initiativen und zur baulichen Ertüchtigung vorhandener Eirichtungen“: (siehe auch Beschlussvorlage „Anschubfinanzierung für bürgerschaftliche Quartiers-Initiativen und zur baulichen Qualifizierung vorhandener Eirichtungen“ in Sitzung des ASMG vom 15.06.2022/DS 221070) Hierbei werden die strategischen Ziele und fachlichen Überlegungen der beteiligten Ämter des Sozialdezernates sowie weiterer kooperierender Ämter eingebunden. Berücksichtigt werden z.B. folgende Aspekte: Konkrete Zielvorgaben für die Weiterentwicklung bestimmter Angebote Strategische Grundausrichtung- z.B. betreffend die Frage, ob und wann Angebote dezentral bzw. zentral vorgehalten werden (können, müssen). Wie sind „Versorgungsräume“ in den verschiedenen Fachämtern definiert? Fazit Mit Blick auf die wachsenden Erwartungen an eine intensivere Begleitung lokaler Prozesse der (sozialen) Stadtentwicklung erscheint es angesichts begrenzter Ressourcen sinnvoll, bereits langjährig an vielen Stellen in Bonn erprobte Verfahren/Einrichtungen und Angebote der sozialen Arbeit stärker zu berücksichtigen und ggf. deren Portfolio um zusätzliche Leistungen zu erweitern, so dass von dort „Management“-Aufgaben übernommen werden können. So können Synergien erzielt und kommunale Mittel flexibel und gezielt eingesetzt werden. Zu diesen bereits vorhandenen Ressourcen zählen (exemplarisch):Seite 5 von 6 Seite 6 bestehende Begegnungs- und Beratungseinrichtungen für verschiedene Zielgruppen die sozialraumorientierten Verfahren der Jugendhilfe vorhandene Stadtteil-Gremien, die in Bonn z.T. auf eine lange Tradition zurückblicken können gesamtstädtisch organisierte Angebote, die auf lokaler Ebene (in Form von Sprechstunden, Projekten) angeboten werden können. Damit stehen insgesamt deutlich mehr Instrumente für eine in der Fläche, also gesamtstädtisch angelegte förderliche Quartiersentwicklung zur Verfügung, als dies bislang über den Haushaltsansatz des „systematischen Quartiersmanagements“ der Fall ist. Anlage/n KeineSeite 6 von 6
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 10:10 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de