220853 · Mitteilungsvorlage
Schutzmaßnahmen gegen Waldbrände
Kerndaten
- Nummer
- 220853
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 30.05.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
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Mitteilungsvorlage öffentlich 220853 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 37 Feuerwehr und Rettungsdienst Dezernat: Dez. I Schutzmaßnahmen gegen Waldbrände Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 18.08.2022 Kenntnisnahme Beirat zum ehrenamtlichen Bevölkerungs- und Katastrophenschutz 31.08.2022 Kenntnisnahme Mitteilung: Risikobeschreibung Zurzeit ist das Waldbrandrisiko in den Wäldern des Stadtgebietes Bonn als verhältnismäßig gering einzustufen, da es sich weitgehend um Mischwälder mit Laub- und Nadelbäumen handelt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Risiko klimabedingt in den kommenden Jahren zunehmen wird. Risikoherde bestehen vor allem dort, wo noch reine Nadelbaumbestände sind, welche durch Käferbefall absterben. Allerdings reagieren auch zunehmend einheimische Buchen- und Eichenwälder mit Symptomen von Trockenstress. Die in den vergangenen Jahren abgestorbenen Nadelholzbestände im Kottenforst sind weitestgehend verwertet, etwa 10 % bleiben aus Naturschutzgründen zurück. In städtischen Wäldern existieren keine reinen Nadelbaumbestände. Besondere Gefahren gehen lokal begrenzt auch von ausgedehntem Grasbewuchs (hier Calamagrostis) auf gerodeten Flächen aus, wobei die Gefahr mit der Zeit durch den Überwuchs von Brombeeren und anderen Gewächsen reduziert wird. Brände im Wald entstehen am häufigsten vom Menschen verursacht. Nach Auskunft des Landesbetriebs Wald und Holz NRW sind 50 % unbekannte Ursachen und bei den geklärten Ursachen stehen Fahrlässigkeit und Brandstiftung an erster Stelle. Grundsätzlich werden die Risiken vor allem beeinflusst durch die Art und die Trockenheit des Bewuchses (insbesondere Gräser im Frühjahr, solange der neue Austrieb noch nicht erfolgt ist), die Topografie und die Windstärke und und das Verhalten von Waldbesucher*innen. Neben dem Wald stellt auch niedrige Bodenvegetation an und in der Nähe von Gebäuden und technischer Infrastruktur ein Risiko dar. Brände von Hecken, beispielsweise aufgrund des Abflämmens von Unkraut, die dann auf Fahrzeuge, Carports oder Gebäude übergreifen oder Brände auf Stoppelfeldern, die landwirtschaftliche Maschinen zerstören oder angrenzende Gebäude gefährden, kommen in den Sommermonaten immer wieder vor.Seite 1 von 4 Seite 2 Durch den Brand von Bewuchs auf einem Bahndamm in Siegburg wurden vor einigen Jahren mehrere Gebäude zerstört. Die Risiken von Vegetationsbränden werden durch den Waldbrandgefahrenindex sowie den Graslandfeuerindex aktuell durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) dargestellt. Aus den Indizes sind Brandgefährdungen und auch - durch die Kombination mit aktuellen Wettervorhersagen - besondere Risiken erkennbar (z.B. durch starke Winde). Entsprechende Informations- und Warnmeldungen werden durch den DWD auch an die Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst sowie an die Regionalforstämter von Wald und Holz NRW übermittelt. Präventiv erfolgt auch von Seiten des Landesbetriebs Wald und Holz NRW bei erhöhten Risiken eine entsprechende Information über deren Öffentlichkeitsarbeit. Bei besonderen Situationen können ergänzende Maßnahmen zur Reduzierung des Brandentstehungsrisikos durch lokale Informations- und Warnmeldungen seitens der Stadt Bonn oder nötigenfalls auch durch „Nutzungsbeschränkungen“ besonders gefährdeter Bereiche erfolgen. Auch die verstärkte Präsenz von Forst- und Ordnungsbehörden in besonders gefährdeten Bereichen kann dazu beitragen, das Gefahrenbewusstsein der Waldbesucher*innen zu schärfen und somit das Brandentstehungsrisiko zu senken. Im Rahmen der Prävention sollen im engen Austausch zwischen den Ämtern Feuerwehr und Rettungsdienst (37) und Umwelt und Stadtgrün (67) sowie dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW die Bereiche mit besonderen Risiken sowie besonders gefährdete Objekte identifiziert und mögliche präventive Maßnahmen zur Risikominderung betrachtet werden. Dabei steht das Universitätsklinikum besonders im Fokus. Im Brandschutz- und Entwicklungsplan des Universitätsklinikums ist die Betrachtung von Waldbrandszenarien und die Identifizierung von möglichen Schutzmaßnahmen ebenfalls aufgenommen. Prävention Die Rahmenbedingungen für zielgerichtete und wirksame Prävention durch die Zusammenarbeit des Landesbetriebs Wald und Holz NRW sowie der Feuerwehr ist im gemeinsamen Runderlass (ZFK 2020) des Innen- und Umweltministeriums NRW geregelt. Neben der Zusammenarbeit der vorgenannten Akteure sind forstliche Aspekte der Überwachung und mögliche Vorsorgemaßnahmen wie z.B. durch waldbauliche, arbeitswirtschaftliche und betriebstechnische Maßnahmen oder auch durch die Walderschließung ausführlich dargestellt. Nach ZFK 2020 halten die Forstämter bei akuten Waldbrand-Gefahrenlagen eine telefonische Rufbereitschaft auch außerhalb der regulären Dienstzeiten vor. Darüber hinaus wird auf Landesebene derzeit ein Konzept zur Waldbrandvorbeugung und Waldbrandbekämpfung in Nordrhein-Westfalen erstellt. Zwischen den zuständigen Fachbereichen der Stadtverwaltung und dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW ist angedacht, die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren und durch regelmäßige Übungen, Begehungen und Besprechungen sowohl präventive als auch Abwehrmaßnahmen weiter zu optimieren.Seite 2 von 4 Seite 3 Für die Bekämpfung von Vegetationsbränden betreibt die Feuerwehr Bonn gemeinsam mit Königswinter und Leverkusen seit 2019 eine Einheit im Rahmen des Katastrophenschutzverfahrens der Europäischen Union. Dies ist bundesweit nach wie vor die einzige derartige Einheit. Neben der konzeptionellen Vorbereitung beinhaltet dies auch umfangreiche Ausbildung für die Vegetationsbrandbekämpfung für Teile der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Berufsfeuerwehr. Die Ausbildung und Übungen für die Vegetationsbrandbekämpfung sollen weiter intensiviert werden. Durch einen Einsatz im Jahr 2020 bei Waldbränden in Griechenland konnten wertvolle Erfahrungen gewonnen werden. Konkrete Maßnahmen Für die effektive Bekämpfung von Waldbränden ist eine möglichst frühzeitige Erkennung und Lokalisierung des Ereignisses sowie die Erreichbarkeit der Brandfläche mit geeigneten Löschmitteln erforderlich. Für die Lokalisierungen und Orientierung dienen zum einen die ausgewiesenen Waldrettungspunkte, zum andere verfügt mittlerweile nahezu jedes Mobilfunkgerät über Ortungsmöglichkeiten zur Positionsbestimmung. Für die örtliche Erkundung hält die Feuerwehr Bonn zwei Drohnen vor. Der schnellen Ortsbestimmung kommt bei einem Waldbrand besondere Bedeutung zu. Hier soll weiter nach geeigneten technischen Systemen gesucht werden. Ein in nördlichen und östlichen Bundesländern etabliertes System soll in NRW am Niederrhein getestet werden. Dies dient jedoch vorrangig der automatischen Entdeckung von Bränden in sehr großen Waldflächen. Es ist bisher unter anderem aufgrund von hohen Kosten nur bedingt für die reine Ortsidentifikation geeignet. Mit dem städtischen Kartensystem sowie auf waldinfo.nrw stehen zwei Datenplattformen zur Verfügung, über welche zahlreiche wichtige Informationen (Wegenetz, Bewuchsarten, Hydrantennetz, …) zur Brandbekämpfung und -prävention abgerufen werden können. Hier soll geprüft werden, inwieweit kommunale Daten in das Geoinformationssystem waldinfo.nrw übertragen werden können, um auf eine gemeinsame Datenbasis zurückgreifen zu können. Das Wegenetz in den Bonner Waldgebieten ist relativ engmaschig ausgebaut und überwiegend auch mit Großfahrzeugen befahrbar. Insbesondere mit geländegängigen Fahrzeugen lassen sich Brandstellen so bis auf wenige hundert Meter erreichen, sodass davon ausgegangen wird, dass Brandereignisse grundsätzlich mit Wasser durch die Vornahme von Schlauchleitungen bekämpft werden können, soweit geeignete Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Vor einigen Jahren ist ein alter geländegängiger LKW zu einem Waldbrandlöschfahrzeug umgebaut und bei der Freiwilligen Feuerwehr stationiert worden. Perspektivisch ist die Beschaffung von zwei neuen Waldbrandlöschfahrzeugen vorgesehen. Hierzu wird auch im Zwischenbericht zum Brandschutzbedarfsplan berichtet werden. Je nach Größe des Ereignisses können weitere Ressourcen auch im Rahmen der überörtlichen Hilfe aus anderen Gebietskörperschaften sowie den Fliegerstaffeln der Polizeien und der Bundeswehr angefordert werden. Für die Löschwasserversorgung stehen sowohl das Hydrantennetz des bebauten Stadtgebietes sowie einzelne offene Wasserentnahmestellen (Dornheckensee nach Ertüchtigung der Erreichbarkeit sowie der Rhein) zur Verfügung. An der Waldau ist außerdem ein unterirdischer Löschwasserbehälter vorhanden. Die Löschwasserversorgung kann durch Pendelverkehr mit entsprechenden Fahrzeugen erfolgen. Weiterhin hat die Feuerwehr Bonn ergänzend zur vorhanden Landesausstattung im vergangenenSeite 3 von 4 Seite 4 Jahr mobile Faltbehälter mit Volumen von fünf- und zehntausend Liter beschafft, welche bei Brandereignissen zur Löschwasserzwischenspeicherung in relativer Nähe zum Ereignisort eingesetzt werden können. Fazit Für die Bonner Waldgebiete kann derzeit von einem moderaten Brandrisiko ausgegangen werden, welches künftig aber voraussichtlich aufgrund klimatischer Entwicklungen ansteigen wird. In den vergangenen Jahren wurden bei Feuerwehr und Rettungsdienst daher bereits erste Anpassungen von Ausstattung und Ausbildung vorgenommen, die sich bei kleineren Brandereignissen bereits bewährt haben. In den kommenden Jahren soll die Zusammenarbeit zwischen den Ämtern 37 und 67 sowie den Landesbetrieb Wald und Holz NRW in den Bereichen Risikoanalyse, Prävention und Einsatzvorbereitung weiter intensiviert werden. Waldbrandübungen werden zu Beginn eines jeden Jahres mit dem Regionalforstamt und der Stadtverwaltung Bonn einschließlich der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Für notwendige Ertüchtigungen von Wasserentnahmestellen werden frühzeitig landschafts- und wasserrechtliche Genehmigungen eingeholt. Vegetationsbrände werden dabei einen Schwerpunkt bei der geplanten Neuorganisation im Bereich Katastrophenschutz darstellen. Bereits jetzt erkennbarer Anpassungsbedarf bei der Vorhaltung geeigneter Fahrzeuge und Schutzausrüstung ist aktuell Gegenstand von Haushaltsplanung und Beschaffungsmaßnahmen. Diese Mitteilungsvorlage wurde mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW abgestimmt. Anlage/n KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:41 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de