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220809 · Beschlussvorlage

Gewährung eines Zuschusses zum Projekt „Huckepack“ des Familienkreis e.V.

Nummer
220809
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
21.04.2022
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie 19.05.2022 Entscheidung federführend
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Beschlussvorlage
öffentlich
220809
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
51 Amt für Kinder, Jugend und Familie
Dezernat:
Dez. V
Gewährung eines Zuschusses zum Projekt
„Huckepack“ des Familienkreis e.V.
Beratungsfolge
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 19.05.2022 Entscheidung
Beschlussvorschlag
Der Familienkreis e.V. erhält für das Angebot „Huckepack – Hilfe, die stark
macht – Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern“. in den Jahren
2023 und 2024 einen finanziellen Zuschuss.
Der Zuschuss beträgt für das Jahr 2023 bis zu 103.905,95€ und für das Jahr
2024 bis zu 105.685,67€.
Der Beschluss erfolgt unter dem Vorbehalt der Bereitstellung der Mittel im
Haushaltsplan 2023/2024 durch den Rat sowie der Genehmigung des
städtischen Haushalts durch die Bezirksregierung Köln.
Begründung
Kurzbeschreibung und Verortung des Angebots
Das Patenangebot „Huckepack – Hilfe, die stark macht“ zielt darauf ab, mithilfe
von ausgewählten und geschulten freiwilligen Pat*innen, Kindern von psychisch
kranken Eltern einen kindgerechten Alltag sowie regelmäßige Kontakte zu
bieten und ihre Teilhabechancen zu verbessern. Die Kinder erleben
kompensierende Beziehungserfahrungen und eine Förderung ihrer
altersgerechten Entwicklung. Eltern werden entlastet und erleben aufgrund
dessen seltener gesundheitliche Krisen. Die Patenschaften sind langfristig
ausgerichtet, im Idealfall bis zur Volljährigkeit des Kindes und darüber hinaus.
Der Familienkreis e.V. hat „Huckepack“ bereits als Modellprojekt im Rahmen
einer dreijährigen Startförderung durch die Aktion Mensch, die Stiftung Familie
der Rhein Energie, die Kämpgen-Stiftung und die Software AG Stiftung seit
dem 01.06.2019 mit Erfolg erprobt. Die dreijährige Projektfinanzierung endet
am 31.05.2022. Der Zeitraum vom 01.06.-31.12.2022 wird mithilfe einer
vorübergehenden Verlängerung der Stiftungsmittel überbrückt werden.
Dem Angebot „Huckepack“ diente das erfolgreiche Modellprojekt des Vereins
„Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern - AMSOC e.V.“ (Berlin)
als Vorbild.Seite 1 von 4
Seite 2
Kinder von psychisch kranken Eltern sind aufgrund ihrer prekären Lebenslagen
eine höchst vulnerable Zielgruppe. Angebote, die gezielt die betroffenen Kinder
und ihre kindlichen Bedürfnisse in den Blick nehmen, liegen in Bonn in solch
intensiver Form, wie es „Huckepack“ vorsieht, nicht vor. Kinder, die in diesen
herausfordernden Lebenslagen aufwachsen, gilt es in besonderer Weise zu
stärken und zu schützen. „Huckepack“ bietet den Familien eine – vom Kind aus
gedachte - langfristige Unterstützung bis zum Ende des Jugendalters, welche
über das vorhandene Beratungs- und ehrenamtliche Unterstützungsangebot in
Bonn hinausgeht.
Detaillierte Angebotsbeschreibung
Die Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen/Suchterkrankungen sind
einem höheren gesundheitlichen Risiko und besonderen Belastungen
ausgesetzt. Aufgrund der schwierigen Lebenssituation können Kinder selbst
Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, die in Verbindung mit einer nicht selten
zeitweise eingeschränkten Beziehungs- und Erziehungskompetenz der
erkrankten Eltern eine Negativspirale entstehen lässt. Folgen dieser
Erkrankungen können z.B. auch die Trennung der Eltern, Stigmatisierung,
Armut, Isolation und eine geringe soziale Unterstützung sein.
Erstmalig wurde mit „Huckepack“ nun ein aufsuchendes Resilienz-förderndes,
präventives und langfristiges Angebot für Kinder psychisch erkrankter Eltern in
Bonn geschaffen. Dieses wirkt dem weit verbreiteten Problem, betroffene
Kinder erst in den Fokus zu nehmen, wenn diese selbst Störungsbilder
entwickelt haben, entgegen.
Eine sichere Bindung von Kindern an erwachsene Bezugspersonen und ein
altersangemessener offener Umgang mit der psychischen Erkrankung
innerhalb der Familie sind ausschlaggebende Schutzfaktoren, die zur Resilienz-
Förderung und Ressourcenaktivierung der Kinder maßgeblich beitragen.
„Huckepack“ setzt genau an diesen Punkten an und entlastet zudem die Eltern
– nicht nur in organisatorischer Hinsicht während die Pat*innen Zeit mit dem
Kind verbringen - sondern vor allem in emotionaler Hinsicht. Die Eltern und
Kinder können sich auf die Pat*innen verlassen.
Auf Seiten der Eltern ist eine Kooperationsbereitschaft, Freiwilligkeit und
Krankheitseinsicht Voraussetzung für die Installation einer Patenschaft.
Die Patenschaften sind auf Langfristigkeit, Beständigkeit und Verbindlichkeit
ausgelegt. Dies wird dem kindlichen Bedürfnis nach Sicherheit, Verlässlichkeit
und emotionaler Stabilität gerecht, welches bei Kindern in prekären
Lebenssituationen eine große Rolle spielt. Die Pat*innen verbringen 1x
wöchentlich Zeit mit dem Kind sowie zusätzlich punktuell am Wochenende
(mindestens 1x monatlich). Zudem wird nicht jede häusliche Krise zur
existenziellen Katastrophe für die Kinder, da die Pat*innen insbesondere in
solchen Zeiten eine hohe Präsenz zeigen und die Situation, gegebenenfalls mit
Unterstützung auffangen können. Die Pat*innen werden durch eine
professionelle Freiwilligenkoordination ausgewählt, intensiv qualifiziert
ausgebildet und angeleitet. Pädagogische, psychologische und therapeutische
Fachkräfte begleiten den Prozess der Patenvermittlung in den ersten zwei
Jahren sehr intensiv und im späteren Verlauf regelhaft. Es finden regelmäßige
Aktivitäten zur Entstigmatisierung des Themas „Psychisch erkrankte Eltern“Seite 2 von 4
Seite 3
sowie Freizeitaktivitäten für Pat*innen, Patenkinder, aber auch nicht vermittelte
betroffene Eltern und Kinder statt. So wird unter anderem ein niedrigschwelliger
Zugang für weitere Adressat*innen ermöglicht. Auch eine flankierende intensive
Beratung der Eltern durch die vorhandenen Fachkräfte ist Teil des Angebots.
Der Familienkreis e.V. weist durch seine langjährige Erfahrung und fachliche
Qualifizierung eine hohe Expertise in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen
auf. Die Schulung und Begleitung der Pat*innen bilden den Grundstein für eine
erfolgreiche Beziehungsarbeit mit der Familie, vordergründig dem Kind sowie
seiner bedürfnisorientierten Entwicklungsförderung.
Netzwerkarbeit bildet das Fundament für eine erfolgreiche Patenarbeit.
„Huckepack“ ist in den Netzwerken „JuPs – Gemeinsam stark für Kinder
psychisch-/suchtkranker Eltern in Bonn“ sowie den „Frühen Hilfen“ etabliert und
die Fachkräfte vor Ort stehen im regelmäßigen Austausch mit einer Vielzahl an
Kooperationspartnern.
Der Familienkreis e.V. hat die konzeptionellen Grundlagen und Strukturen im
Rahmen der Projektförderung mit zwei Fachkräften aufgebaut. Ein
vergleichbares Angebot liegt in Bonn und den angrenzenden Kommunen nicht
vor.
Trotz der pandemischen Bedingungen konnten in der bisherigen Projektlaufzeit
28 Familien erreicht, kennengelernt und intensiv beraten werden. Das erste
Jahr der Pilotphase wurde zum Strukturaufbau und zur Schulung der ersten
Freiwilligen genutzt. Aufgrund der pandemischen Lage konnten erst im zweiten
Jahr Patenschaften vermittelt werden. Insgesamt konnten 16 Pat*innen
ausgebildet und neun von ihnen vermittelt werden. Bislang wurde keine einzige
Patenschaft abgebrochen. Sechs weitere Patenschaften befinden sich zurzeit
im Vermittlungsprozess. Jährlich könnten so 8-10 langfristige Patenschaften
vermittelt werden. Aktuell und insbesondere als Folge der Corona-Pandemie ist
zudem von einem steigenden Bedarf eines solchen Angebotes auszugehen.
Die Projektphase machte deutlich, dass der Vermittlungsprozess, das
Kennenlernen und die Zeit des Beziehungsaufbaus aufwändig sind. Der
Zugang zu psychisch erkrankten Eltern muss sensibel gestaltet werden, der
Vertrauensaufbau benötigt viel Zeit und die Ansprache durch die
Koordinatorinnen wird intensiver benötigt als bei nicht erkrankten Eltern. Es hat
sich bestätigt, dass eine Integration in eines der bestehenden Angebote nicht
möglich ist, sondern ein auf die Erfordernisse der Zielgruppe abgestimmtes
Angebot benötigt wird.
Auch der Auswahlprozess der Freiwilligen wird intensiver gestaltet. So wurde
ein eigener Bewerbungsprozess entwickelt, der unter anderem aus
Kinderschutzgründen mehrstufig und sensibel gestaltet ist. Die Freiwilligen
werden intensiv für ihre Patenschaft qualifiziert und fortgebildet und im weiteren
Verlauf stetig begleitet.
Das Angebot wird stetig partizipativ bedarfsorientiert und qualitativ
fortentwickelt. So trägt „Huckepack“ zur Verringerung der Versorgungslücke
zwischen Jugendhilfe und psychiatrischer Unterstützungsleistung bei.Seite 3 von 4
Seite 4
Eine Weiterführung des Projektes ist ohne kommunale Förderung nicht
möglich; andere Finanzierungsmöglichkeiten stehen nicht mehr zur Verfügung
bzw. sind ausgeschöpft.
Der Förderbetrag umfasst insbesondere die Personalkosten für die
Projektkoordination sowie Sach- und Verwaltungskosten.
Die hierfür erforderlichen Haushaltsmittel wurden im Rahmen der
Haushaltsplanaufstellung angemeldet.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeich
nung
Produkt Produktbezeichnung
1.06.05 Sonst. Leistungen zur
Förd. junger Menschen
und Familien
1.51.30.06.05.01 Allg. Förd. der Erziehung in der
Familie
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten (2023)
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
103.905,05 € 151000605/
731000
2023
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
103.905,05 €
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten (2024)
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
105.685,67 € 151000605/
731000
2024
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
105.685,67 €
Anlage/n
KeineSeite 4 von 4

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Datenstand: 02.11.2026, 19:12 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de