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220786 · Mitteilungsvorlage

Hitzeanpassung und –vorsorge – Hitzeaktionsplan und nachhaltiges Anpassungskonzept

Nummer
220786
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
16.05.2022
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Rates 13.06.2022 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 19.05.2022 Aktuelle Informationen der Verwaltung
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
220786
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Hitzeanpassung und –vorsorge – Hitzeaktionsplan
und nachhaltiges Anpassungskonzept
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
19.05.2022 Aktuelle
Informationen
der Verwaltung
Rat 09.06.2022 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Anlässlich des Beschlusses „Hitzeaktionsplan“ (DS 220226) vom
10.03.2022 informiert die Verwaltung über die aktuelle Situation der
Temperaturentwicklung in Bonn (Belastungssituation), den geplanten
systematischen Ausbau der Aktivitäten (nachhaltiges Anpassungskonzept,
Hitzeaktionsplan) und informiert wie im Beschluss gefordert über noch in
diesem Sommer umsetzbare Maßnahmen sowie Fördermöglichkeiten im
Zusammenhang mit einem Hitzeaktionsplan.
Temperaturentwicklung in Bonn (Belastungssituation)
Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Mitteltemperatur in Bonn im
Zeitraum 1881 bis 2021. Die Darstellung verdeutlicht den signifikanten linearen
Trend der Temperaturerhöhung sowie die Häufung der höchsten
Mitteltemperaturen insbesondere in der vergangenen Dekade. Mit der
gesamtstädtischen Klimaanalyse für Bonn aus dem Forschungsvorhaben
ZURES wurden darüber hinaus Wärmeinseleffekte (Temperaturabweichung im
Vergleich zu den die Stadt umgebenden Freiflächen) in Bonn von bis zu 8,5°C
in einigen stark verdichteten und versiegelten Innenstadtbereichen
nachgewiesen. Im Zuge von Nachverdichtungsmaßnahmen kann dieser
Wärmeinseleffekt weiter zunehmen.
Effektive Anpassungsmaßnahmen können hingegen dazu beitragen
die zusätzliche Wärmebelastung abzumildern. (siehe Anlage)
** Siehe Anlage: „Abbildung 1“ Quelle Deutscher Wetterdienst **
Parallel dazu führt der sich fortlaufend intensivierende Klimawandel
insgesamt zu einer weiteren Temperaturerhöhung und auch einer Häufung
von Extremereignissen thermischer Belastung. Der bisherige Höchstwert für
Bonn liegt bei 41,9°C – gemessen am 21.07.2019 gemessen in Bonn-
Endenich (Messstation im Garten des meteorologischen Instituts der Uni Bonn).
Neben einer Erhöhung der absoluten Temperaturen ist eine weitere Zunahme
der Häufigkeit von Hitzetagen (Temperatur übersteigt 30°C) undSeite 1 von 5
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Tropennächten (Temperatur sinkt nicht unter 20°C) wahrscheinlich. Für die
Klimaperiode 2071 - 2100 wird derzeit von einer Erhöhung der Häufigkeit dieser
Kenntage um den Faktor 3-5 im Vergleich zur aktuellen Situation ausgegangen
(Quelle: Erläuterungsbericht Stadtklimaanalyse; Geo-Net, 2019; siehe DS
200346).
Systematischer Ausbau der Anpassungsaktivitäten
Die Bedeutung einer konsequenten Hitzeanpassung der Stadt wird vor
diesem Hintergrund offensichtlich. Die Verwaltung beabsichtigt die bereits
laufenden Aktivitäten auszubauen und systematisch weiter zu ergänzen.
Eine zielgerichtete Weiterentwicklung setzt eine systematische Erfassung
und Analyse voraus, die für die Klimaanpassung in Bonn bislang nicht
vorliegt. Geplant ist daher die Erarbeitung eines „nachhaltigen
Anpassungskonzeptes“ (Förderung beantragt, siehe DS 220466) sowie die
Erstellung eines „Hitzeaktionsplans“ (siehe DS 210671; DS 220226-01 ST) für
Bonn.
Nachstehend eine kurze Erläuterung der jeweiligen Kerninhalte:
 Nachhaltiges Anpassungskonzept: systematische Ermittlung von
Stärken und Schwächen der bisherigen Anpassungsaktivitäten
bezogen auf sämtliche relevante Folgen des Klimawandels
(Hitze, Dürre, Starkregen, Hochwasser, Stürme etc.); Erstellung
einer Vulnerabilitätsanalyse; Erarbeitung zielführender
Maßnahmen (kurz-, mittel-, langfristig) zur Weiterentwicklung in
allen Handlungsfeldern der Klimaanpassung; Durchführung einer
Bürgerbeteiligung; Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit;
Entwicklung eines Monitorings zur Klimaanpassung; Entwicklung
einer Dachstrategie zur Klimaanpassung;
 Hitzeaktionsplan: Alarmierungsplan der vor bzw. in akuten
Hitzephasen in Kraft tritt; Ziel ist es, vor allem mittels Verhaltens
und verhältnispräventiver (Risikoreduktion im Arbeitsumfeld)
Maßnahmen die Hitzeexposition zu reduzieren, um
hitzebedingten Erkrankungen und möglichen Todesfällen
vorzubeugen. Relevant sind hierbei insbesondere vulnerable
Bevölkerungsgruppen, aber auch Personen die sich z.B. bei
Veranstaltungen, beim Sport, in Ihrer Wohnung oder aufgrund
Ihrer Berufsausübung einer starken Hitzeexposition aussetzen
(müssen).
Fördermöglichkeiten / kurzfristig umsetzbare Maßnahmen
Erst seit kurzem steht nach längerer Lücke wieder eine Fördermöglichkeit
zur Erstellung von nachhaltigen Anpassungskonzepten durch das
Bundesumweltministerium im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie
zur Verfügung. Die Verwaltung Informierte darüber (siehe DS 220466), dass
ein entsprechender Förderantrag fristgerecht eingereicht wurde. Beantragt
wurde ein Projektstart zum 1.10.2022, bislang liegt vom zuständigen
Projektträger Zukunft-Umwelt-Gesellschaft (ZUG) jedoch noch keine
Rückmeldung zur Förderfähigkeit vor. Zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen
besteht weiterhin keine aktuelle Fördermöglichkeit. Wie in der DS 220226-01Seite 2 von 5
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ST erläutert, stehen innerhalb der Verwaltung derzeit keine ausreichenden
Kapazitäten und Finanzmittel zur Verfügung, um den Prozess zur Erstellung
und Umsetzung eines Hitzeaktionsplans mit vorhandenen Ressourcen zu
bearbeiten.
Die Verwaltung prüft fortlaufend, ob sich neue Fördermöglichkeiten
ergeben. Da die Erstellung eines Hitzeaktionsplans jedoch nicht weiter
aufgeschoben werden sollte, wurden auf Grundlage des Beschlusses vom
10.03.2022 (DS 220226) Finanzmittel und Personalbedarfe für den
Doppelhaushalt 23/24 und die zugehörige Stellenplanfortschreibung
angemeldet. Neben Finanzmitteln i.H.v. 100.000 € für eine externe
Beauftragung der Konzepterarbeitung, durchzuführende Beteiligungsprozesse
und flankierende Kommunikationsmaßnahmen, sieht die Verwaltung zudem
mindestens den Bedarf einer Personalstelle (Teilzeit 75 %) zur Koordination der
Erstellung und Etablierung, zur dauerhaften Fortschreibung und Evaluierung
des Hitzeaktionsplans. Daneben ist durch die Personalstelle eine Unterstützung
des Krisenmanagements im Bedarfsfall sicherzustellen. Der Personalbedarf
für Bonn wurde anhand von Erfahrungsaustauschen mit anderen Städten,
die bereits Hitzeaktionspläne entwickelt haben (z.B. Mannheim, Köln) sowie
mit Blick auf die Handlungsempfehlung für die Erstellung von
Hitzeaktionsplänen des Umweltbundesamtes kalkuliert.
Mit dem Beschluss DS 220226 (bzw. 02-AA) des Hauptausschusses
am 10.03.2022 wurde die Verwaltung neben der Erstellung eines
Hitzeaktionsplans auch mit einer kurzfristigen Zusammenstellung von
Maßnahmen beauftragt, die sich noch diesen Sommer aus vorhandenen
Haushaltsmitteln umsetzen lassen.
Eine Abfrage bei den unterschiedlichen relevanten Fachämtern ergab, dass
im Falle akuter Hitzesituation einige Maßnahmen spontan ergriffen wurden
bzw. werden. Zu nennen sind hier insbesondere Anpassungen im Programm
der Offenen Jugendarbeit (Aktionen in kühleren Innenräumen, Vermeiden
von Aktionen in der Sonne, weniger Sport, Aktionen mit Wasser,
kostenfreie Getränke & Obst), das Anbringen von Sonnensegeln bzw.
weiteren Verschattungselementen an städtischen Gebäuden, das Bereitstellen
von Wasserspendern im Haus der Bonner Altenhilfe oder die Beschattung
von Außenanlagen in den Seniorenbegegnungsstätten. Für
darüberhinausgehende Maßnahmen im Sinne eines Hitzeaktionsplans stehen
im laufenden Haushalt keine Mittel zur Verfügung.
Das Amt für Umwelt und Stadtgrün (Amt 67) ist bei extremen Wetterlagen
und langanhaltenden Dürreperioden, die sich in den letzten Jahren gehäuft in
Bonn darstellten, für die städtischen Bäume im Einsatz. Insbesondere die
jungen Pflanzungen sind besonders gefährdet durch Trockenstress Schaden
zu nehmen. Im Rahmen der Fertigstellungs- und Entwicklungspflege im
Anschluss an die Pflanzung, ist eine regelmäßige Versorgung mit Wasser
durch Fremdvergabe sichergestellt. Anschließend werden Neupflanzungen
durch die städtischen Gartenmeisterbezirke bis etwa zum siebten oder achten
Jahr nach der Pflanzung systematisch gewässert. Die Wasseraufnahme von
Bäumen findet ausschließlich über Feinwurzeln statt, die sich bei frisch
gepflanzten Bäumen in unmittelbarer Stammnähe befinden. Darum muss bei
Neupflanzungen die Wässerung dort erfolgen. Bei alten Bäumen befinden sich
in Stammnähe fast nur noch statisch wirksame Wurzeln, die kaum noch
Wasser aufnehmen können. Eine Wässerung alter Bäume ist daher kaumSeite 3 von 5
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möglich, insbesondere wenn berücksichtigt wird, dass die
Wassermenge, die ein großer, alter Baum am Tag verdunstet, ohnehin
nicht über eine Bewässerung zugeführt werden kann. Zu berücksichtigen ist
zudem, dass eine Bewässerung mit Trinkwasser erfolgen müsste, welches
ein zunehmend kostbares Gut sein wird, mit dem sorgsam umgegangen
werden muss. Zur besseren Versorgung der Baumstandorte mit Wasser
müssen Möglichkeiten zur gezielten Zuführung von innerstädtisch
anfallendem Regenwasser entwickelt werden. Eine Nutzung der Niederschläge
für Baumstandorte erzeugt im Wesentlichen eine Verbesserung
stadtökologischer und stadtklimatischer Aspekte. Es kann in Ausnahmefällen
auch zu einer Entlastung des städtischen Kanalnetzes beitragen. Das Zuführen
von Niederschlägen an Baumbeeten verhindert nicht die Folgen
von Starkregenereignissen und Überflutungen.
Voraussetzung ist allerdings, dass das eingeleitete Wasser
keine Salzbelastung durch den Winterdienst aufweist. Diese Maßnahmen
können
nicht kurzfristig erfolgen. Die Verwaltung arbeitet aber bereits an Lösungen.
Ergänzend wird in diesem Zusammenhang auch auf die bereits
gestartete Erstellung des Bonner Freiraumplans (DS 211743), eines
Baumkonzeptes (DS 211239-01 ST), das laufende Forschungsprojekt
„mutabor“ (DS 202261) sowie auf die in der zweiten Jahreshälfte geplante
Ausschreibung für ein Konzept zur wassersensitiven Stadtentwicklung für Bonn
in Orientierung am Prinzip der Schwammstadt hingewiesen.
Anlage/n
1 Abbildung 1 Entwicklung der Mitteltemperatur in Bonn im Zeitraum 1881 bis
2021 (öffentlich)Seite 4 von 5
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Datenstand: 02.11.2026, 21:52 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de