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220741 · Mitteilungsvorlage

Sanierung des Rheinauensees – Sachstand

Nummer
220741
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
12.05.2022
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 19.05.2022 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Naturschutzbeirates 07.06.2022 Kenntnisnahme
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  1. 220741-01 Sanierung des Rheinauensees – Sachstand

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Mitteilungsvorlage
öffentlich
220741
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Sanierung des Rheinauensees – Sachstand
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
19.05.2022 Kenntnisnahme
Naturschutzbeirat 07.06.2022 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Die Verwaltung informiert in regelmäßigen Abständen zur Sanierung des
Rheinauensees.
Im Rheinauensee kam es im Jahr 2018 zu Fisch- und Vogelsterben. Über eine
erhöhte Frischwasserzufuhr sowie Einsätze von Feuerwehr und THW wurde
eine schnelle Anreicherung von Sauerstoff im See erreicht, wodurch das
Problem zunächst eingedämmt wurde. Zusätzlich war die Bootsnutzung durch
ein massives Algenwachstum beeinträchtigt. Zur kurzfristigen Bekämpfung
wurde ein Mähboot eingesetzt.
Zur gründlichen Analyse der Probleme des Gewässers wurde 2018 das
Fachbüro Lanaplan beauftragt, Maßnahmen vorzuschlagen, welche kurzfristig
umgesetzt werden können, sowie eine Empfehlung zur nachhaltigen
Seesanierung zu geben. (vgl. DS.Nr. 1812002)
Ergebnis des Gutachtens war, dass es auf Grund von hohen Phosphatwerten
zu massivem Algenwuchs gekommen ist. Algen verbrauchen vor allem nachts
hohe Mengen an Sauerstoff. Neben dem Phosphateintrag über den Zulauf sind
insbesondere zwei weitere Phosphatquellen festgestellt worden: Der Schlamm
sowie der Eintrag über den Kot der unnatürlich hohen Wasservogelpopulation,
welche auf das unerlaubte Füttern der Wildtiere zurückzuführen ist.
Ein Baustein der nachhaltigen Seesanierung ist die Entschlammung des Sees.
Die Einleitung des Vergabeverfahrens zur nachhaltigen Seesanierung mit
Entschlammung wurde am 28.06.2021 beschlossen. (vgl. DS 200531) Die
Ausschreibung der Maßnahme erfolgte im Herbst 2021, sodass eine
Auftragserteilung zwischenzeitlich erfolgt ist und mit den Arbeiten begonnen
wurde.
Ursprünglich war geplant, den See mittels Schwimmsaugbagger zu
entschlammen und den Sand per Spülboot einzubringen. Da der am tiefsten
sitzende der fünf Schieber, über die das Wasser im See abgelassen werden
kann, defekt ist und nur bei vollständigem Ablassen des Wassers ausgetauscht
werden kann, wurde in Zusammenarbeit mit dem beauftragten UnternehmenSeite 1 von 4
Seite 2
Kurstjens eine alternative und kostenneutrale Arbeitsweise erarbeitet:
Ende der ersten Kalenderwoche dieses Jahres wurde der Wasserstand des
Sees um ca. 80 cm abgesenkt. Durch eine vorhandene Überhöhung der
Seesohle unter der Konrad-Adenauer-Brücke war es im Anschluss möglich, die
östliche Seehälfte in der zweiten Kalenderwoche abzulassen. Beim Ablassen
wurde festgestellt, dass die Schieber alle defekt sind und ausgetauscht werden
müssen. Da diese so konstruiert waren, dass sie die ganze Zeit im Wasser
standen, konnte dies nicht früher bemerkt werden. Bei der Erneuerung der
Schieber wird darauf Wert gelegt, dass diese nicht mehr im Wasser stehen und
somit ständig gewartet werden können.
Parallel zum Ablassen der ersten Seehälfte erfolgte die professionelle
Abfischung und Umsetzung der höheren Tiere durch Biologen und Limnologen
in die westliche Seehälfte. Hierbei wurden Karpfen, welche die geplante
Bepflanzung zerstören würden, abgefangen und in andere Gewässer verbracht.
Invasive Arten, wie der EU unionsgelistete Sonnenbarsch, wurden nach
Vorgabe der EU-Richtlinie zur Bekämpfung invasiver Arten aus dem Gewässer
entnommen. Umgesetzt wurden u.a. Aale, Hechte, Rotfedern, Schleien und
Flussbarsche.
Beim Ablassen des Gewässers wurden die Ablässe mit Gitter-Netz-
Konstruktionen mit Kantenlängen von 2-2,5 m nicht nur vor dem Verstopfen
geschützt. Sie sind dazu geeignet, den im Gewässer lebenden Tierbestand vor
einem Absaugen zu schützen.
Nach dem Abfangen und Umsetzen der rund 1.000 Tiere, von denen einige
Karpfen ein Gewicht von ca. 40 kg auf die Waage gebracht haben, wird aktuell
der Schlamm maschinell zusammengeschoben und über verschiedene Siebe in
seine Korngrößen getrennt entsorgt. Um die hohen Entsorgungskosten zu
minimieren, werden die Feinstoffe über Zentrifugen entwässert. So müssen
deutlich geringere Massen abgefahren und entsorgt werden. Die Massen
werden zur Wiederaufbereitung verbracht und gelangen im Anschluss wieder in
den Stoffkreislauf. So wird z.B. der Sand gereinigt und kann im Anschluss z.B.
als Pflastersand wiederverwendet werden. Damit ist dieses Vorgehen als
ausgesprochen nachhaltig zu bewerten.
So wurden bisher 1.130 to der ausgeschriebenen 1.650 to entwässerten
Schlamms abtransportiert. Da dies die erste Seehälfte betrifft, ist nach einer
ersten Hochrechnung eine Massensteigerung von ca. 800 to zu erwarten. Die
Abweichung war so nicht vorherzusehen, da im Vorfeld eine Rastermessung
der Schlammmächtigkeit stattgefunden hatte. Die externen Experten vermuten
auf Grund der enormen Menge an gründelnden Fischen wie Karpfen und
Brassen, dass ein Teil des Schlammes aufgewirbelt war und somit nicht erfasst
werden konnte. Dies wird dann erst mit dem Ablassen des Wassers, wenn
auch die Schwebstoffe sich absetzen, sichtbar. Weiterhin hat das Herbstlaub
von 2021 auch einen Anteil.
Ähnlich verhält es sich mit dem auszubauenden Kies. Hier wurde anhand der
alten Ausführungspläne ein Volumen von 5.775 to errechnet, von denen bisher
bereits 2.400 to abgefahren wurden. Aktuell geht die Verwaltung davon aus,
dass sich die Summe um ca. 2.225 to erhöhen wird. Da der See eine sehr
amorphe Form sowie Sohlausformung besitzt und die Ausführung in einigen
Punkten von der damaligen Ausführungsplanung abweicht, sind diese
Hochrechnungen nur bedingt belastbar.
Der drastische Anstieg der Kraftstoffpreise hat auch gravierende Auswirkungen
auf die notwendigen Transportleistungen, deren Kosten erheblich die PreiseSeite 2 von 4
Seite 3
erhöht haben. Einige Unternehmen mussten den Betrieb vollständig einstellen.
Daher kann aktuell nur die Hälfte der geplanten Materialtransporte zeitgleich
ausgeführt werden und diese müssen über einen längeren Zeitraum gestreckt
werden. Somit wird sich die Ausführungsfrist verlängern. Sollte die aktuelle
Lage konstant bleiben, ist mit einer Fertigstellung im August 2022 zu rechnen.
Um die Ausführungszeit und die damit verbundenen Kosten so gering wie
möglich zu halten, wurde in der 13. KW eine zusätzliche Zentrifuge zur
Schlammentwässerung aufgestellt. Damit kann die Entschlammungsleistung
nahezu verdoppelt werden.
In den bereits gesäuberten Teilen erfolgt jetzt das Einbringen von ca. 15 cm
Sand. Damit dieser im Bereich der Überläufe und Ablässe nicht fortgespült
wird, wird hier ein Sandvlies anstelle des Sandes eingebracht. Parallel hierzu
findet die Instandsetzung der defekten Schieber statt. Weiterhin wird die
Ufermauer saniert. Hierbei werden auch Ausstiegshilfen für die Tiere im
gleichen Stein wie die Ufermauer gebaut. Die Sanierung der Uferbereiche wird
über die Zuwendungen des Landes NRW - Denkmalförderprogramm 2021 - mit
rund 175.000,- € gefördert.
Ist die östliche Seehälfte saniert, ist geplant, diese wieder mit Wasser zu
befüllen. Ein Teil des benötigten Wassers wird zur Übertragung notwendiger
Mikroorganismen von der westlichen Seehälfte entnommen. Gleichzeitig findet
das Ablassen und Abfischen sowie Umsetzen der Fische und höheren Tiere
nach zuvor beschriebenem Muster in den sanierten Seebereich statt. Im
Anschluss erfolgt die Sanierung der westlichen Seehälfte auf gleiche Art.
Auf diese Weise ist sichergestellt, dass für die am und im Wasser lebenden
Tiere stets Rückzugsraum besteht und dieser so wenig, wie möglich
eingeschränkt wird. Die Maßnahme wird zusätzlich über eine ökologische
Baubegleitung des Büros lanaplan sowie durch die Untere Naturschutzbehörde
überwacht, um das Tierwohl sicherzustellen. Weiterhin wurde das Vorgehen
den unterschiedlichen Tierschutzorganisationen vorgestellt.
Es ist geplant, dass die Befüllung des ersten Seeteils Anfang Mai
abgeschlossen ist, sodass im Mai die erste Bepflanzung mit Makroalgen nach
dem Vorbild des Phönixsees in Dortmund erfolgen kann. Eine Nachpflanzung
sowie die Erstbepflanzung weiterer fertiggestellter Seeteile ist für Juni/August
2022 geplant. Die Bepflanzung dauert je drei Tage. Makroalgen sind dazu
geeignet, Phosphat zu binden und damit den Wuchs anderer unerwünschter
Algen zu minimieren.
Wie andere Wasserpflanzen werden auch diese Makroalgen durch Nutria
verbissen. Da diese auch zu einem massiven Rückgang der im See lebenden
geschützten Großmuscheln geführt haben, treibt die Verwaltung aktuell die
Erarbeitung eines Konzeptes zur Bestandsregulierung auf Grundlage der EU-
Rahmenrichtlinie zur Bekämpfung invasiver Arten voran. Dieses soll mit den
Naturschutzverbänden abgestimmt werden und wird dem Ausschuss gesondert
vorgestellt.
Die Gesamtmaßnahme der nachhaltigen Seesanierung wurde mit 4,8 Mio. €
geschätzt. (vgl. 200531-04). Die Massenmehrung, aber vor allem die exorbitant
gestiegenen Energiepreiskrise, sorgen für eine Kostensteigerung vonSeite 3 von 4
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voraussichtlich ca. 775.000,- €.
Die Deckung der Mehrkosten ist in der Verwaltung zwischen den beteiligten
Fachämtern sichergestellt.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.13.01 Öffentliches Grün 13.01.01 Grün- und Parkanlagen
Investive Kosten der Maßnahme
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen 4.800.000,00 €
775.000,00 €
5680713013010
/ 78.5200
2022 775.000,00 € 5610012079000 /
78.5200
Einzahlungen 750.000,00 € 5680713013010
/ 68.1100
2022
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
Anlage/n
KeineSeite 4 von 4

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Datenstand: 02.11.2026, 22:09 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de