220652-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Große Anfrage CDU-Fraktion: Einsamkeit im Alter bekämpfen
Kerndaten
- Nummer
- 220652-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 03.05.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 220652-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 50 Amt für Soziales und Wohnen Dezernat: Dez. V Große Anfrage CDU-Fraktion: Einsamkeit im Alter bekämpfen Beratungsfolge Ausschuss für Soziales, Migration und Gesundheit 15.06.2022 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Einsamkeit im Alter hat viele Ursachen. Daher bedarf es unterschiedlicher Konzepte und Strategien bei der Bekämpfung von Alterseinsamkeit. Hierbei sind unter anderem die nachfolgend aufgeführten Aspekte von Bedeutung: Regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit: Über bestehende Angebote muss laufend und in geeigneter Form informiert werden. Hier sei verwiesen auf die von der Stadt Bonn aufgelegte Informationsschrift „Solidarität“ und die dazu gehörigen Flyer, welche einen Überblick über sämtliche Angebote (Pflege, Beratung, Begegnung für ältere Menschen) bieten. Auch in der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift der Stiftung Bonner Altenhilfe „Mitten im Leben – Mitten in Bonn“, die vom zuständigen Fachbereich federführend redaktionell erstellt wird, werden neue Impulse gegeben und Bonner Bürger*innen über Angebote, Institutionen und Projekte informiert. Anbindung von Freiwilligen sowie weiterer Leistungen: Gerade die Einrichtungen für ältere Menschen arbeiten regelmäßig mit Freiwilligen zusammen; z.T. ganz überwiegend oder aber bei der Gestaltung einzelner Angebote. Bei der Vermittlung interessierter Bürger*innen unterstützt die Stadt aktiv mit ihrer Freiwilligenagentur. Zudem finanziert die Stadt an fünf Standorten Beratungsangebote für die Zielgruppe der älteren Menschen, die sogenannten „SpOTS – Stützpunkte Offene Türen für Seniorinnen und Senioren“.Seite 1 von 8 Seite 2 Barrierefreiheit und Erreichbarkeit: Einrichtungen mit einer „Komm-Struktur“, wie beispielsweise Begegnungsstätten (BS) und Nachbarschaftszentren (NZ) müssen so gestaltet sein, dass sie von Menschen mit Einschränkungen (z. B. der Mobilität) genutzt werden können; zudem sollten sie verkehrsmäßig gut angebunden sein bzw. – sofern nötig- auch Bring- und Holdienste anbieten. Beim barrierefreien Ausbau (Rampen, Toiletten, Aufzüge) hat die Stadt in der Vergangenheit z.B. durch die Stiftung Bonner Altenhilfe unterstützt. Qualitätsentwicklung: Regelmäßige Vernetzung der Einrichtungen untereinander befördert die konzeptionelle Weiterentwicklung. Die Stadt koordiniert eine einrichtungsübergreifende Arbeitsgemeinschaft „Beratung, Bildung, Begegnung“ (AG BBB), die im November 2021 zuletzt getagt hat. Dort werden auch stadtweite Aktionen angestoßen, die Einrichtungen berichten aus dem laufenden Geschäft und werden über Kooperationsmöglichkeiten, Fördermittel und sonstige relevante Rahmenbedingungen unterrichtet. Außerdem werden alle Einrichtungen auch regelmäßig per E-Mail über solche Themen informiert Weitere Angebote der Teilhabe: In den Blick genommen müssen auch weitere in diesem Kontext relevante Einrichtungen und Angebote, die ebenfalls Teilhabe aktiv unterstützen und deren Nutzer*innen z. T. der benannten Zielgruppe „ältere Menschen“ zuzurechnen sind, so z. B. Begegnungsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen, Einrichtungen der Tagespflege, oder Seniorenassistenzdienstleistungen (Begleitdienste, Besuchsdienste, Fahrdienste). Auch in diesen Bereichen fördert die Stadt Träger, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und begleitet fachlich. Nutzung digitaler Formate für die Gestaltung der Freizeit: Nicht zuletzt wird darauf verwiesen, dass gerade die Gruppe derjenigen älteren Menschen, die über gute Ressourcen der Selbstorganisation verfügen (z. B. Medienkompetenz, wenig oder nicht eigeschränkte Mobilität) heute zunehmend auch privat oder gewerblich organisierte Freizeitangebote nutzen. Diese sind einerseits noch „klassisch“ in Form von Vereinen organisiert, zunehmend aber auch - privat oder aber gewerblich – digital; dies z. T. auf Ebene von Quartieren (Nachbarschaften) oder aber stadtweit bzw. überregional. Diese Form zeitgemäßer Teilhabe kann an dieser Stelle nicht weiter beleuchtet werden; allerdings ist davon auszugehen, dass sie sich erheblich auf die Organisation des gesellschaftlichen Miteinanders auswirkt.Seite 2 von 8 Seite 3 Welche Maßnahmen zur Reduktion von Einsamkeit im Alter hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren gefördert? Die Förderung von Angeboten der Teilhabe für ältere Menschen erfolgt aus verschiedenen Haushaltsansätzen. Insgesamt stehen in Bonn 24 Einrichtungen zur Verfügung, die sich entweder überwiegend oder aber mit einem Teil ihrer Angebote an die Zielgruppe der älteren Menschen richten: Geförderte Einrichtungen für die Zielgruppe „Ältere Menschen“ 4 Einrichtungen AWO (Nachbarschaftszentrum Friesdorf, Nachbarschaftszentrum Beuel-Mitte, Begegnungsstätte Duisdorf, Begegnungsstätte Lotte Lemke) 3 Einrichtungen DRK (Begegnungsstätte Oberkassel, Begegnungsstätte Auerberg, Begegnungsstätte Duisdorf) 1 Einrichtung Caritas (Begegnungsstätte Thomas Morus) 1 Einrichtung Offene Tür Dürenstraße (Begegnungsstätte Offene Tür Dürenstraße) 2 Einrichtungen des „Service-Wohnen“ (Begegnungsstätte Tenten-Haus, Begegnungsstätte Margarete-Grundmann-Haus) Finanzielles Gesamtvolumen: - im Jahr 2020: 348.448 EURO - im Jahr 2021: 354.310 EURO Zudem betreibt die Stadt in Vollfinanzierung drei eigene Begegnungsstätten (Begegnungsstätte Endenich, Begegnungsstätte Mehlem, Begegnungsstätte Breite Straße) und hat die Trägerschaft der ehrenamtlich betriebenen Begegnungsstätte Blumenhof inne, die auf Grundlage eines Kooperationsvertrages bezuschusst wird. Einrichtungen mit generationenübergreifendem Angebot 2 x Nachbarschaftszentrum (Stadtteilverein Dransdorf, Nachbarschaftszentrum Brüser Berg) 1 x Interkulturelles Zentrum (Haus Vielinbusch) 5 x Quartiersmanagements (Auerberg, Tannenbusch, Mackeviertel, Pennenfeld, Lannesdorf)Seite 3 von 8 Seite 4 Finanzielles Gesamtvolumen: - im Jahr 2020: 1.335.745 EURO - im Jahr 2021: 1.425.692 EURO Einrichtungen für Menschen in besonderen Lebenslagen 1 x VfG Begegnungsangebot für Menschen mit einer Suchterkrankung in Mehlem Finanzielles Gesamtvolumen: - im Jahr 2020: 159.100 EURO - im Jahr 2021: 186.700 EURO Die letzte Auswertung zu Umfang, Qualität und Nutzung der Angebote der vorgenannten Einrichtungen wurde 2019 erstellt. Wegen der Corona-bedingten (Teil-)Schließung vieler Einrichtungen wurde die Fortschreibung für das Berichtsjahr 2020 ausgesetzt; die Förderung wurde uneingeschränkt weiter gewährt (DS 200552) Der zuständige Fachbereich ist derzeit mit der Auswertung der Erhebungsbögen des Berichtsjahrs 2021 befasst; der Bericht wird nach der Sommerpause 2022 vorgelegt. Die eingangs benannten Aspekte (s. „Vorbemerkung“) werden bei der Auswertung und im Gespräch mit den Trägern besonders im Fokus stehen. Ergänzende Anmerkung: Im Kontext dieser Frage sind auch Projekte zu erwähnen, welche die Stadt nicht durch unmittelbaren Finanzzufluss jedoch mit teilweise erheblichem personellen Einsatz und entsprechender Öffentlichkeitsarbeit gefördert hat, z. B. das Tierarztmobil des Europäischen Tier- und Naturschutz e.V., in dem Haustiere bedürftiger Seniorinnen und Senioren kostenlos behandelt werden (nachgewiesenermaßen wirkt die Haltung von Haustieren Einsamkeit entgegen und fördert, z. B. beim Ausführen des Hundes soziale Kontakte) das Projekt „Miteinander-Füreinander: Malteser Hausbesuche“, in dem Ehrenamtliche für einen aufsuchenden Informationsdienst bei interessierten Senior*innen geschult werden. Ziel dieses im Stadtteil Hardtberg gestarteten und in enger Anbindung an das Haus der Bonner Altenhilfe als kommunale Fachstelle Alter und Pflege durchgeführten Projektes ist es, Informationen über Hilfs-/ Unterstützungs-, insbesondere aber auch Begegnungs- und Mitmachangebote im eigenen Quartier zu vermitteln undSeite 4 von 8 Seite 5 ggf. Kontakte herzustellen. Längerfristig sollen die Malteser Hausbesuche für das gesamte Stadtgebiet aufgebaut werden. Unterstützung beim Aufbau des Projektes „Obstkäppchen“ in Bonn (monatliche kostenlose Lieferung einer mit gesunden Lebensmitteln gefüllten Tüte, verbunden mit dem Angebot, bei Auslieferung Zeit miteinander zu verbringen) Welche Maßnahmen sind im Zeitraum von 2019 bis 2022 reduziert angeboten worden? Wie wird zum jetzigen Zeitpunkt eine Reaktivierung reduzierter Angebote möglich sein? Die Fragen 2-3 sind derzeit nicht abschließend für die Gesamtheit der Träger/Einrichtungen zu beantworten, sie werden jedoch im Rahmen der laufenden Auswertung der für das Jahr 2021 wieder eingeholten Erhebungsbögen behandelt (s. dazu Ausführungen oben). Der Verwaltung ist bekannt, dass sich die Träger - in unterschiedlichem Umfang - in den vergangenen Monaten bei der Gestaltung ihrer Angebote auf die Krisen-bedingten Herausforderungen eingestellt haben und Impfkampagnen unterstützt, alternative Formate (telefonisch, digital, open air) entwickelt und sich an anderen stadtweiten Aktionen (Lebensmittel-Verteil-Aktionen, Verteilen von Lernmitteln für Familien; Organisation von Kleiderspenden usw.) beteiligt haben. Zudem waren viele der in Frage 1 gelisteten Einrichtungen Kooperationspartner im Rahmen der 2020 von der Fachstelle Alter und Pflege und der Freiwilligenagentur aufgebauten Corona-Nachbarschaftshilfe. Das aktuelle Programm wird auf den Träger-eigenen Homepages veröffentlicht. Wie haben sich die Bedarfe in den letzten Jahren vor und während der Pandemie verändert und sind die in Bonn vorgehaltenen Angebote noch zeitgemäß? Hier wird auf die Erläuterungen zu den Fragen 2-3 verwiesen. Ergänzend kann jedoch an dieser Stelle berichtet werden, dass im Rahmen der Evaluation der städtischen Begegnungsstätten von den dortigen Gästen vorrangig die Bedarfe „Geselligkeit/ Begegnung (auch verbunden mit Essensangeboten), Kurse, Beratung“ benannt wurden. Im Ergebnis hat sich der Fachbereich über die Feststellung gefreut, dass das grundlegende Leistungsangebot der städtischen Begegnungsstätten (auch vor dem Hintergrund räumlicher Beschränkungen innerhalb der einzelnen, sehrSeite 5 von 8 Seite 6 unterschiedlich aufgestellten Einrichtungen) gut und richtig platziert ist – dieses jedoch auf adäquate konzeptionelle Grundlagen gestellt und insbesondere in der Präsentation/Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Veranstaltungskalender, Internetauftritt usw.) modernisiert werden muss. Zudem ist der Sanierungs- und Renovierungsstau in den Einrichtungen zu beheben. Pandemiebedingt ist insbesondere der Aspekt „Geselligkeit und Begegnung“ nochmal verstärkt in den Fokus gerückt. Sowohl aus den eigenen Begegnungsstätten als auch im Austausch mit anderen Trägern / Einrichtungen wurde von einem anhaltenden, außergewöhnlich hohen Bedarf an Gesprächen und Austausch miteinander berichtet. Werden zusätzliche Mittel und Personalressourcen zur Umsetzung neuer Konzeptionen gebraucht? Der zuständige Fachbereich Alter und Pflege wurde bisher weder strukturell noch personell ertüchtigt, den Herausforderungen des sozialen und demografischen Wandels zeitgemäß und konzeptionell zu begegnen. Aufgrund der sowohl qualitativ wie quantitativ enorm gestiegenen Anforderungen (beispielsweise die erhebliche Zunahme Älterer mit psychiatrischen Erkrankungen wie wahnhafte Veränderungen, Depressionen, Suchterkrankungen und in diesem Kontext zunehmende Verwahrlosung) fehlen für systematische konzeptionelle Arbeit, Profilschärfung und Umstrukturierung, visionäres Denken und vor allem Handeln aktuell (noch) die personellen Kapazitäten. Hier steht das Amt für Soziales und Wohnen jedoch seit längerem in diesbezüglichem Austausch mit dem Personal- und Organisationsamt und hat entsprechende Bedarfe auch im Rahmen der Stellenplanfortschreibung formuliert. Im Rahmen der weiteren Zusammenarbeit gilt es derzeit, aktuelle Stelleninhalte zu prüfen, ggf. veraltete Eingruppierungen und sonstige strukturellen Missstände aufzudecken und - in Anbetracht der Tatsache, dass im Jahr 2040 ausweislich der aktuellen Bevölkerungsstatistik, Stand 31.12.2021, 22,8 % der Bonner Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein werden – die Fachstelle Alter und Pflege zukunftsfähig um- und auszubauen. Welchen konkreten Handlungsbedarf sieht die Gesundheitsverwaltung angesichts des Einflusses von erlebter Einsamkeit in Bezug auf gesundheitliche Folgen wie Erkrankungen, Depressionen oder Bluthochdruck? „Im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz wurde 2016 ein Bonner Impuls zum Thema „Gesundes Altern“ erarbeitet und veröffentlicht (s. Anlage).Seite 6 von 8 Seite 7 Der Impuls formuliert in 7 Thesen, welche individuellen Verhaltensweisen zu einer gesunden Zukunft beitragen. Der Arbeitskreis „Geriatrie“ der Kommunalen Gesundheitskonferenz tagt – mit Ausnahme des Pandemiejahrs 2020 - regelmäßig. Ziel des Arbeitskreises ist die Förderung der Kooperation der Institutionen, die die medizinische, sozialmedizinische und pflegerische Betreuung älterer Menschen in Bonn leisten, um die Versorgung älterer Menschen und die Unterstützung der Angehörigen zu verbessern und damit der Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken. Der Sozialpsychiatrische Dienst im Gesundheitsamt konnte seit Beginn der Pandemie keine signifikante Erhöhung der Fallzahlen/Meldungen von psychisch kranken Menschen feststellen, auch wenn einige Studien, die das Thema der Situation psychisch kranker Menschen während der Pandemie allgemein aufgreifen, eine Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit bestätigt sehen. Dennoch sollte der Pandemie bedingten Isolation insbesondere der älteren Menschen so schnell wie möglich unter der Berücksichtigung der aktuellen pandemischen Lage entgegengewirkt werden, um Depressionen oder anderen gesundheitlichen Folgen der Pandemie entgegenzuwirken, z. B. durch Wiederaufnahme städtischer Angebote, die während der Pandemie eingeschränkt werden mussten.“ Anlage/n 1 Bonner Impuls Gesundes Altern (öffentlich)Seite 7 von 8 ´ Herausgeber: Der Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn, Gesundheitsamt/Presseamt, Juni 2016, gedruckt auf 100% Recyclingpapier, zertifiziert mit dem Blauen Engel Bonner Impuls „Gesundes Altern“ Sieben Thesen für eine gesunde Zukunft Gesundes Altern basiert auf: ● Bewegung als Teil des täglichen Lebens – sei aktiv, ● Neugier und Freude am Lernen – ein Leben lang, ● bewusster Ernährung – mach dir klar, was du isst, ● Wertschätzung und Respekt füreinander – geh mit anderen um, wie du selbst behandelt werden möchtest, ● lebendiger Nachbarschaft auch mit neuen Wohnformen – gestalte mit, ● sozialen Kontakten und Kommunikation – aufeinander zugehen, miteinander sprechen, ● vorausschauender Gestaltung des Älterwerdens – informiere dich, nutze die Möglichkeiten. Es ist nie zu spät, Verantwortung zu übernehmen!Seite 8 von 8
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 21:16 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de