220564 · Beschlussvorlage
LvBM 2026 - Mit Tradition in die Zukunft Musikschulkonzept der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 220564
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 22.03.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Kulturausschusses Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 220564 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 41 Kulturamt Dezernat: Dez. IV LvBM 2026 - Mit Tradition in die Zukunft Musikschulkonzept der Ludwig-van-Beethoven- Musikschule Bonn Beratungsfolge Kulturausschuss 07.04.2022 Empfehlung Rat 05.05.2022 Entscheidung Beschlussvorschlag Der Rat der Stadt Bonn stimmt dem Musikschulkonzept der Ludwig-van- Beethoven-Musikschule „LvBM 2026 - Mit Tradition in die Zukunft“ mit den nachfolgenden Eckpunkten zu. 1. Die Ludwig-van-Beethoven-Musikschule (LvBM) setzt die erfolgreiche Arbeit im Kernbereich und in der Begabtenförderung fort. Dies umfasst die Unterrichtsangebote Elementare Musikerziehung, Instrumental- und Vokalausbildung, Ensembleunterricht und Ergänzungs-fächer. Zudem wird der Anteil des Gruppenunterrichts im Kernbereich erhöht. 2. Die bestehenden Kooperationen mit Grund- und weiterführenden Schulen, insbesondere das NRW-Bildungsprogramm „JeKits – Jedem Kind Instrument, Tanzen, Singen“ sowie den Kindertagesstätten wird fortgeführt und ausgebaut. 3. Das Unterrichtsangebot der LvBM wird mit Blick auf die gesellschaftliche und musikalisch-kulturelle Reichweite ausgeweitet. Dabei ist besonders die musikalische Arbeit mit Menschen mit Behinderung, die Begegnung mit der Musik anderer Kulturen und das Angebot in den Fächern Pop, Rock, Jazz zu nennen. Zudem sollen vermehrt Unterrichtsformate in dem Bereich Digitales Musizieren und Musikproduktion aufgebaut werden. 4. Die Personalpolitik der LvBM wird strategisch neu ausgerichtet: Um qualifizierte und engagierte Lehrkräfte zu gewinnen, wird bei künftigen Besetzungen auf attraktive Stellenumfänge geachtet. 5. Die LvBM wird ihr Erscheinungsbild modernisieren und die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren.Seite 1 von 22 Seite 2 Begründung Die Ludwig-van-Beethoven-Musikschule der Stadt Bonn ist eine öffentlich getragene Bildungseinrichtung, die sich mit ihrem Unterrichtsangebot an die gesamte Stadtgesellschaft richtet. Derzeit nehmen etwa 4500 Schüler*innen aller Altersstufen ein Unterrichtsangebot wahr. Damit die Musikschule auch in Zukunft eine Relevanz im Leben der Schüler*innen darstellt, und diese über mehrere Jahre an sich binden kann, ist es erforderlich, dass sie ihr Unterrichtsangebot regelmäßig überprüft und sich auf gesellschaftliche Veränderungen und neue Rahmenbedingungen einstellt. Wichtige Einflussfaktoren sind zum Beispiel der zunehmende Ganztagsunterricht an Schulen, die Alterung der Gesellschaft, die Bestrebungen, Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, die zunehmende Diversifizierung der Stadtgesellschaft durch Migration sowie Veränderungen bei Freizeitverhalten der Schüler*innen. Unter anderem plant die Leitung der LvBM, das Unterrichtsangebot mit Blick auf die gesellschaftliche und kulturell-musikalische Reichweite zu öffnen: Die Stärkung der Schulkooperationen, neue Unterrichtsangebote für Menschen mit Behinderung und die Begegnung mit Musik anderer Kulturen sowie der Aufbau von Angeboten im Bereich Komposition und digitaler Musikproduktion stehen dabei im Fokus. Zugleich wird die seit Jahren erfolgreiche Arbeit im Kernbereich und bei der Förderung musikalisch begabter und hochbegabter Schüler*innen fortgesetzt. Das vorliegende Musikschulkonzept beschreibt die Ausrichtung der LvBM für die kommenden fünf Jahre und ist als Orientierung bei der Umsetzung erforderlich. Die beschriebenen Maßnahmen für die pädagogische Arbeit sind innerhalb des Rahmens der bereits bewilligten Haushaltsmittel geplant. Ein zusätzlicher finanzieller Bedarf, für den entsprechend eine neue Vorlage notwendig würde, ist Stand heute nicht geplant. Näheres zu den finanziellen Auswirkungen für die zusätzlichen 10 VZÄ zur Verbesserung der Beschäftigungsverhältnisse an der LvBM finden Sie im Musikschulkonzept unter 6.1. Musikschuletat und Zuschussbedarf bis 2025 (S. 15). Anlage/nSeite 2 von 22 Seite 3 1 LvBM Musikschulkonzept 2026 (öffentlich)Seite 3 von 22 1 LvBM 2026 in Kürze: Eine Musikschule für alle Die Bonner Stadtgesellschaft wird vielfältiger und bunter. Menschen aus verschiedenen Kulturen prägen das städtische Leben mit ihren Erfahrungen, ihrer Kultur und ihrer Musik. Biographien und Rollenmodelle verändern sich ebenso wie Freizeitverhalten und Musikgeschmack. Bürgerlich geprägte musikalische Traditionen verlieren ihre Verbindlichkeit und die Grenzen zwischen Stilen und Genres verschwimmen. Gleichzeit ist der Wunsch nach dem Erleben von Musik ungebrochen und kulturelle Bildung als Schlüssel zur soziokulturellen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen allgemein anerkannt. Als zentrale musikalische Bildungsinstitution der Stadt Bonn richtet sich das Unterrichtsangebot der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule (LvBM) an die gesamte Stadtgesellschaft. Damit unterstützt sie vorrangig das Themenfeld „Gesellschaftliche Teilhabe und Gender“ der Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Bonn mit dem Ziel, allen Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, nationaler Herkunft, geistiger Verfassung oder sozialem Status am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Daher ist es das vorrangige strategische Ziel der LvBM, ihr Profil und ihr Unterrichtsangebot weiterzuentwickeln, im Zusammenklang mit den vielfältigen Stimmen der Stadtgesellschaft. Basierend auf ihrer langjährigen erfolgreichen Arbeit in der musikalischen (Aus-)Bildung junger Menschen wird sie Angebote für weitere Zielgruppen entwickeln, um damit zu einer gleich- berechtigten gesellschaftlichen und politischen Teilhabe aller Bonnerinnen und Bonner beizutragen. Auf diesem Weg orientiert sich die LvBM an folgenden Kernzielen: Traditionen leben, Teilhabe ermöglichen Im Einklang mit dem kulturellen Erbe der Stadt Bonn setzt die LvBM die erfolgreiche Arbeit im Kernbereich und in der Begabtenförderung fort. Zudem fördert sie Beteiligung und Bildungs- gerechtigkeit: Sie erhöht den Anteil des Gruppenunterrichts und ermöglicht somit mehr Kindern und Jugendlichen den Zugang zu musikalischer Bildung. Die LvBM erweitert ihr Angebot für neue Zielgruppen wie Menschen mit Behinderungen sowie Migrantinnen und Migranten. Partner für kulturelle Bildung Die LvBM baut die erfolgreichen Kooperationen mit Kindergärten und allgemeinbildenden Schulen weiter aus und erreicht somit viele Kinder und Jugendliche, unabhängig vom finanziellen oder kulturellen Hintergrund. Blickfeld erweitern Die Begegnung mit der Musik anderer Kulturen einer globalisierten Welt, die Erweiterung des Bereichs Rock, Pop, Jazz sowie digitales Musizieren und Musikproduktion schaffen neue Perspektiven und erreichen weitere Zielgruppen. Perspektiven schaffen Die Personalpolitik der LvBM wird strategisch neu ausgerichtet, um didaktisch breit aufgestellte und engagierte Lehrkräfte zu gewinnen und zudem existenzsichernde und sozial nachhaltige Arbeits- verhältnisse zu schaffen – ganz im Sinne des Nachhaltigkeitszieles der Stadt Bonn „Gute und faire Arbeit ermöglichen“.Seite 4 von 22 2 LvBM 2026 – Mit Tradition in die Zukunft Musikschulkonzept der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn 1. Einleitung 2. Pädagogisches Profil heute: LvBM – Stark im Kernbereich 3. Handlungsfeld 1: Weiterentwicklung des Unterrichtsangebots mit Blick auf gesellschaftliche und musikalisch-kulturelle Reichweite 3.1. Schulkooperationen 3.2. Starke Kinderstimmen 3.3. Kooperation mit Kindertagesstätten 3.4. Inklusion und Musizieren mit Menschen mit Behinderung 3.5. Musikalisch-kulturelle Vielfalt a. Pflege des Beethoven-Erbes b. Interkulturelles Musizieren c. Abteilung Jazz, Rock, Pop d. Digitales Musizieren und Musikproduktion e. Talentakademie 4. Handlungsfeld 2: Personalsituation an der LvBM 4.1. Ausgangssituation 4.2. TVöD-Anstellung mit hohem Deputat 4.3. Breit aufgestellt: didaktisch-stilistisches Spektrum 4.4. Aufgabenprofil und vertragliche Situation der Honorarkräfte 4.5. Erhöhung des Honorarsatzes 4.6. Finanzierung des Honorarsatzes 4.7. Einrichtung der erforderlichen Stellen zur Auflösung des Kontingents der Musikschullehrer*innen 5. Handlungsfeld 3: Infrastruktur 5.1. Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit 5.2. Digitale Infrastruktur 5.3. Musikschulgebäude 6. Finanzen 6.1. Musikschuletat und Zuschussbedarf bis 2025 6.2. MusikschulgebührenSeite 5 von 22 3 1. Einleitung Die Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn (LvBM) ist eine öffentliche Bildungseinrichtung mit gesellschaftlichem Auftrag. Sie fördert die musikalischen Fertigkeiten aber auch die Kreativität, Leistungsbereitschaft und Persönlichkeitsentwicklung der Schüler*innen. Ihr Angebot richtet sich an die gesamte Stadtgesellschaft. Traditionell gehören zu den Musikschüler*innen vorrangig Kinder und Jugendliche, die Musikschule öffnet sich aber vermehrt auch anderen Altersgruppen, von jungen Erwachsenen bis hin zu Senior*innen. Neben der Spitzenförderung hat sich die LvBM die Breitenförderung zur Aufgabe gemacht: Kooperationsangebote wie der Unterricht in den JeKits-Klassen und im Offenen Ganztag für mehr als 1.700 Kinder aus verschiedenen Stadtteilen gehören ebenso selbstverständlich zum Profil der Bonner Musikschule wie die jährliche erfolgreiche Teilnahme zahlreicher Schüler*innen am Schülerwettbewerb Jugend musiziert. Der Instrumental- und Vokalunterricht sowie die Angebote der elementaren Musikerziehung legen die Grundlage für die musikalische Ausbildung von gut 4.500 Schüler*innen aller Altersstufen. Prägende Erfahrungen liefert darüber hinaus das gemeinsame Musizieren in den zahlreichen Chören, Ensembles, Bands und Orchestern der Musikschule. Damit orientiert sich die LvBM am Strukturplan des Verband Deutscher Musikschulen und erfüllt die Kriterien des KGSt-Gutachten von 2012 sowie des geplanten Kulturgesetzbuches NRW, in dem Musikschulen als „Einrichtungen der Begegnung unterschiedlicher Kulturen und wichtiger Faktor in der kommunalen Bildungs- und Kulturlandschaft“ benannt werden. In der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens fällt der städtischen Musikschule eine besondere Rolle zu: Will man den Anspruch Bonns als Beethovenstadt auch in Zukunft gerecht werden, ist eine früh ansetzende, breite musikalische Bildung eine Grundvoraussetzung. Hier sieht sich die LvBM an erster Stelle und in der Pflicht, im Unterricht und in den Ensembles, aber auch in gemeinsamen Projekten mit den Kulturinstitutionen der Stadt den Schüler*innen der LvBM ein Bewusstsein für den Wert von Beethovens Musik zu wecken, das Schaffen Beethovens in Gestaltung und Rezeption immer wieder mit neuem Leben zu füllen und somit nachhaltig für die Zukunft zu sichern. Lange Wartelisten für die Fächer der elementaren Musikerziehung sowie für einige Instrumental- fächer, eine lebendige Ensemblelandschaft und eine sehr erfolgreiche Begabtenförderung belegen die seit vielen Jahren erfolgreiche Arbeit der Musikschule der Bundesstadt Bonn. Will die LvBM ihre gute Position erhalten, wird sie sich jedoch auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen und ihr Profil und Angebot teilweise neu ausrichten müssen. Dabei hat die Musikschulleitung gesellschaftliche Veränderungen etwa in Schulsystem, Demographie, Inklusion und Migration ebenso im Blick wie Veränderungen bei Freizeitverhalten und Musikgeschmack der Schüler*innen. Die Folgen der veränderten Rahmenbedingungen sind bereits heute spürbar. So sind die Unterrichtszeiten am frühen Nachmittag kaum noch zu vergeben; die Nachfrage nach Klavier und Gitarre steigt, während Anmeldungen für einige Orchesterinstrumente seit Jahren rückläufig sind; geeignetes Personal ist zunehmend schwer zu finden – um nur drei Beispiele für zunehmend wichtige Herausforderungen zu nennen. Der persönliche Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden sowie das gemeinsame Musizieren werden auch in Zukunft die zentralen Säulen der Musikschularbeit sein. Zugleich erkennen wir in der fortschreitenden Digitalisierung ein wichtiges Hilfsmittel für unsere Arbeit, von der Optimierung der Verwaltung über digital gestützten Unterricht und bis hin zu neuen Unterrichtsformaten. Konkrete Beispiele für die Ausgestaltung finden sich in den Kapiteln „Handlungsfelder“.Seite 6 von 22 4 Für die Weiterentwicklung der LvBM sind vorrangig drei Handlungsfelder zu berücksichtigen. Gemäß dem Motto „Mit Tradition in die Zukunft“ gilt es dabei, Bewährtes zu erhalten und zu verbessern, aber auch neue Wege einzuschlagen. Handlungsfeld 1: Weiterentwicklung des Unterrichtsangebots mit Blick auf gesellschaftliche und musikalisch-kulturelle Reichweite durch den Ausbau des Gruppenunterrichts, durch den weiteren Ausbau der Kooperationen mit Schulen, OGS und Kindergärten, durch den Aufbau musikalischer Angebote im Bereich interkulturelles Musizieren und Inklusion und durch engere Vernetzung mit der Kulturszene der Stadt. Handlungsfeld 2: Weiterentwicklung der Personalstruktur durch Gewinnung von Lehrkräften mit vielseitigem musikalisch-stilistischem Profil, durch Besetzung von Stellen mit hohem Unterrichtsdeputat sowie durch faire Beschäftigungsverhältnisse. Handlungsfeld 3: Entwicklung der Infrastruktur der Musikschule durch Investitionen in die digitale Infrastruktur der Musikschule und in die Musikschulgebäude, um diese in Zukunft möglichst nachhaltig nutzen zu können, sowie die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit. 2. Pädagogisches Profil heute: LvBM – Stark im Kernbereich Die LvBM ist im Kernbereich, also im Bereich Einzel-, Gruppen und Ensembleunterricht grundsätzlich gut aufgestellt. In allen Musikschulzweigstellen werden die üblichen Instrumental- und Vokalfächer angeboten. Ein umfangreiches Angebot an kleineren Ensembles, Bands, Orchestern und Chören bietet allen Schüler*innen der LvBM die Möglichkeit zum gemeinsamen Musizieren. Zudem werden Kinder ab 2½ Jahren in den Unterrichtsfächern der Elementaren Musikerziehung musikalisch gefördert. Darüber hinaus werden in bestimmten Zweigstellen weniger nachgefragte Fächer wie Harfe, Cembalo, Musik-Bewegung-Tanz sowie Musiktheorie angeboten. Besonders ist der Erfolg der Begabtenförderung an der LvBM zu nennen, die jedes Jahr Erfolge beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ verzeichnen kann, sowie hochbegabte Schüler*innen erfolgreich auf dem Weg zum Musikstudium begleitet. So ermöglicht die LvBM im Sinne der Durchgängigkeit musikalischer Bildungsverläufe einen nahtlosen Übergang von der elementaren Musikerziehung über den Instrumental- und Vokalunterricht bis zum Musikstudium. Folgende Bereiche des Musikschulunterrichts sind in dem Zusammenhang besonders hervorzuheben: Elementare Musikerziehung Die Musikalische Ausbildung an der LvBM beginnt idealerweise mit der Teilnahme an einem Unterrichtsangebot der elementaren Musikerziehung. Für Kinder ab 2½ Jahren besteht die Möglichkeit, an Eltern-Kind-Kursen teilzunehmen. Für Kinder im Kindergartenalter bietet die LvBM die Kurse Musikalische Früherziehung und Musikalische Grundausbildung an. Im Fachbereich Elementare Musikerziehung wurde der Unterricht im Jahr 2020 von durchschnittlich 1327 Schüler*innen belegt - davon 703 im Rahmen einer Kooperation. (Siehe Anhang 1) Einzel- und Gruppenunterricht Den mit Abstand größten Anteil am Gesamtunterricht nehmen die Instrumental- und Vokalfächer ein. Sie werden als Einzel- und Gruppenunterricht angeboten und finden weitgehend nachmittags statt. Die Instrumental- und Vokalfächer des Kernbereichs wurden im Jahr 2020 von durchschnittlichSeite 7 von 22 5 2532 Schüler*innen belegt. Zudem haben 566 Schüler*innen ein instrumentales Unterrichtsangebot im Rahmen einer Schulkooperation belegt. (Siehe Anhang 1) Bislang wird meist Einzelunterricht eingeteilt: Zum einen ist es oft nicht möglich, nach Alter und Fähigkeit homogene Gruppen zu bilden. Zum anderen erschweren die Zunahme an Nachmittags- veranstaltungen der Schulen sowie zahlreiche private Termine im Nachmittagsbereich die Zuteilung mehrerer Schüler*innen zu einem gemeinsamen Unterrichtstermin. Dennoch möchte die Leitung der LvBM in den kommenden fünf Jahren verstärkt Gruppenunterrichte einteilen. Damit sollen Wartelisten abgebaut und die Kostendeckung erhöht werden. Zugleich soll den teilnehmenden Schüler*innen der Schulkooperationen der Übergang in den Kernbereich, also zu einem eigentlichen Unterrichtsangebot der Musikschule in Form von Gruppen oder Einzelunterricht, erleichtert werden. Ergänzungsfächer Das gemeinsame Musizieren in einem Ensemble ist für eine breite musikalische Ausbildung besonders wichtig und für alle Schüler*innen der LvBM kostenfrei. Dies stellt einen Unterschied zu vielen privaten Musikschulen dar. Das pädagogische Konzept der LvBM sieht daher neben dem Besuch des Instrumental- und Vokalunterrichts auch die Teilnahme an einem Ergänzungsfach vor. Dabei handelt es sich um das gesamte Ensembleangebot, also die Bands, Orchester, Chöre, der Kammermusikunterricht, Musik-Bewegung-Tanz sowie die musiktheoretischen Unterrichtsfächer. In unterschiedlichen Ensembles für verschiedene Altersgruppen und Spielfähigkeiten fördert die LvBM das gemeinsame Musizieren von Anfang an. Darunter sind Streicher- und Bläserspielkreise, Kinderchöre, diverse Instrumental- und Gesangsensembles, zahlreiche kleine Orchester in den Kooperationen sowie verschiedene Bands und Big Bands bis zum Bonner Jugend Sinfonieorchester. Im Jahr 2020 lag die durchschnittliche Schülerbelegung in den Ensemble- und Ergänzungsfächern der LvBM bei 997. Davon haben durchschnittlich 458 Schüler*innen an einem Ensembleangebot im Rahmen einer Schulkooperation teilgenommen. (Siehe Anhang 1) 3. Handlungsfeld 1: Weiterentwicklung des Unterrichtsangebots mit Blick auf musikalisch- kulturelle Reichweite Grundsätzlich entsteht ein besonders nachhaltiger gesellschaftlicher Effekt der Musikschularbeit dort, wo die möglichst breite Teilhabe am Angebot der Musikschule für eine junge Zielgruppe ermöglicht wird, die ihre musikalischen Fertigkeiten und Erfahrungen womöglich ihr Leben lang weitergeben werden. Betrachtet man den Unterrichtsbetrieb der LvBM mit Blick auf gesellschaftliche Reichweite und musikalisch-kulturelle Vielfalt, wird Handlungsbedarf deutlich: Das betrifft zum einen die musikalische Arbeit in den Kooperationen mit Schulen und Kindertagesstätten sowie das Unterrichtsangebot für Menschen mit Behinderung; zum anderen die musikalisch-kulturelle Bandbreite, die sich an der LvBM bisher hauptsächlich auf die sogenannte klassische Musik und Jazz konzentriert – Musik anderer Kulturen bleibt dabei weitgehend nicht berücksichtigt. Die Leitung der LvBM plant daher in den kommenden fünf Jahren, das Spektrum deutlich zu erweitern und das Angebot der LvBM sowohl mit Blick auf die Zielgruppen als auch stilistisch einem breiteren Publikum zu öffnen. Im Einzelnen sind folgende Maßnahmen geplant:Seite 8 von 22 6 3.1. Schulkooperationen Die LvBM kooperiert seit Jahren im Rahmen eines eigenen Kooperationsmodells mit den Offenen Ganztagsschulen sowie im Rahmen des landesgeförderten Bildungsprogramm „JeKits“ mit einer Vielzahl an verschiedenen Grundschulen. Hinzu kommen weitere Kooperationen mit weiterführenden Schulen. Gut ein Drittel aller Schüler*innen der Musikschule werden von den Lehrkräften der LvBM im Zusammenhang mit einer Grundschulkooperation unterrichtet. Die gemeinsame Arbeit mit den Kooperationspartnern der Bonner Bildungslandschaft ist für die LvBM in den vergangenen Jahren sehr wichtig geworden: Die zunehmende Nachmittagsbetreuung in den Offenen Ganztagen, die schulische Entwicklung im Zuge von G8, der Ganztag in den weiterführenden Schulen sowie die veränderte Lebensrealität der Familien erschweren, dass Kinder regelmäßige Veranstaltungen im Kernbereich der Musikschule besuchen können. Über die Zusammenarbeit mit den Schulen kann dem begegnet werden. Darüber hinaus werden im Kooperationsunterricht Kinder und Jugendliche erreicht, die aufgrund ihres finanziellen, sozialen oder kulturellen Hintergrunds nicht ohne weiteres ein Musikschulangebot wahrnehmen würden. In den kommenden fünf Jahren plant die Leitung der LvBM, die bestehenden Kooperationen zu stärken, das Unterrichtsangebot zu verbessern und die Zahl der Kooperationspartner zu erweitern. Vor allem eine Ausweitung des Unterrichts im Zusammenhang mit dem NRW-Bildungsprogramm JeKits wird in den kommenden Jahren konkret. Dafür sind folgende Maßnahmen erforderlich: Schaffung einer Stelle Fachbereichsleitung Kooperationen, finanziert durch das NRW- Förderprogramm Musikschuloffensive Umstrukturierung der OGS-Kooperationen Erweiterung der Zahl der Kooperationspartner Schaffung weiterer personeller Kapazitäten für die geplante Ausweitung des NRW- Bildungsprogramms JeKits von zwei auf vier Jahrgänge pro Grundschule im Rahmen der zur Verfügung stehenden Stellen. 3.2. Starke Kinderstimmen Im Zuge des Beethoven Jubiläumsjahres wurde das Projekt „Starke Kinderstimmen. Gut eingestimmt fürs Leben“ ins Leben gerufen. Unter der Federführung der LvBM wurde von verschiedenen Fördernden und Akteuren ein Kooperationsmodell entwickelt, in dessen Zentrum das Singen in Grundschulklassen steht. So konnte im ersten Halbjahr 2020 mehr als 4.000 Schüler*innen an 23 Grundschulen ein musikalisches Angebot gemacht werden. Mit dem Beginn der Coronapandemie musste das Projekt „Starke Kinderstimmen“ abgebrochen werden. Allerdings haben alle beteiligten Akteure, Fördernde und Grundschulleitungen im Nachgang die Wichtigkeit und den Erfolg des Programms betont, und sich eine Fortsetzung gewünscht, sobald es das Pandemiegeschehen wieder zulässt. Sobald das Singen im Klassenverband zuverlässig wieder möglich ist, plant die Leitung der LvBM eine Wiederaufnahme des Projekts „Starke Kinderstimmen“ in reduziertem Umfang. Das Projekt war durch Drittmittel finanziert, was auch die Voraussetzung für eine Wiederaufnahme des Projekts ist. 3.3. Kooperationen mit Kindertagesstätten Die LvBM kooperiert seit Jahren bereits mit einigen Kindertagesstätten im Bonner Stadtgebiet. Gemeinsam mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie geht die LvBM ab dem Schuljahr 21/22 neueSeite 9 von 22 7 Wege: In einem Kooperationsmodell wird die Zusammenarbeit zwischen der LvBM, den städtischen Kitas und dem Amt 51-1 gestärkt. Kernpunkt des Kooperationsmodells ist, dass der Unterricht für die teilnehmenden Kinder bzw. deren Familien kostenfrei ist. Damit soll sichergestellt werden, dass jedes interessierte Kind unabhängig vom familiären finanziellen Hintergrund teilnehmen kann. Die Finanzierung durch das Amt 51-1 aus KiBiz-Mitteln läuft zum Ende des Schuljahrs 21/22 aus. Haushaltsmittel für das kommende Kita-Jahr sind vom Amt 51 angemeldet worden. Ansonsten kann die Finanzierung derzeit nicht sichergestellt. Mit Hilfe der geplanten Besetzung der Stelle der Fachbereichsleitung Elementare Musikerziehung und Inklusion könnte die Betreuung der städtischen Kitas fortgesetzt werden. Insbesondere könnten Kitas, die Kinder mit besonderen Bedarfen betreuen, einbezogen werden, wenn die Anschlussfinanzierung geklärt ist. Für dieses Jahr steht der erfolgreiche Abschluss des gemeinsamen Projektjahres mit dem Amt 51-1 und den teilnehmenden städtischen Kindertagesstätten an. 3.4. Inklusion und Musizieren mit Menschen mit Behinderung Das Unterrichtsangebot der LvBM richtet sich an alle interessierten Bürger*innen der Stadtgesellschaft. So haben im Schuljahr 20/21 auch 27 Schüler*innen mit Behinderung ein Unterrichtsangebot der LvBM besucht. Allerdings beschränkt sich das Angebot für Menschen mit Behinderung auf den reinen Instrumental- und Gesangsunterricht. Ein inklusives Ensemble wird bisher nicht angeboten. Zudem bestehen auch keine Kooperationen mit Förderschulen, integrativen Kitas oder sonstige Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Für eine moderne Musikschule, die sich an die gesamte Stadtgesellschaft richten möchte, sollte es aber eine Selbstverständlichkeit sein, für Menschen mit Behinderung ein angemessenes Unterrichts- und Musizierangebot vorzuhalten. Die Beschaffenheit der Unterrichtsgebäude der LvBM stellen in Bezug auf Musizieren mit Menschen mit Behinderung ein deutliches Hindernis dar: Die Gebäude der Zweigstellen Bad Godesberg, Beuel und Bonn sind nur über Treppen erreichbar. Barrierefreie Eingänge oder Sanitäranlagen gibt es bislang an keinem der fünf Musikschulgebäude. Allerdings wurde für das Gebäude der Zweigstelle Hardtberg bereits ein Plattformlift und eine barrierefreie Sanitäranlage in Aussicht gestellt. In den kommenden fünf Jahren plant die Leitung der LvBM das Angebot für Menschen mit Behinderung deutlich auszuweiten. In einem ersten Schritt soll der Instrumental- und Vokalunterricht für Menschen mit Behinderung zielgerichtet beworben werden. Inklusive Ensembles sollen das Unterrichtsangebot ergänzen. Zudem möchte die Leitung der LvBM die Gruppe der Kooperationspartner um Förderschulen und integrative Kitas, aber auch um Fördereinrichtungen für Menschen mit Behinderung erweitern, und hält daher folgende Maßnahmen für wichtig: Gezieltes Bewerben des Unterrichtsangebots Besetzung der Fachbereichsleitung Elementare Musikerziehung und Inklusion Schulungen von interessierten Lehrkräften für den Unterricht und die Ensembleleitung mit Menschen mit Behinderung, etwa über den berufsbegleitenden Lehrgang des VDM Ertüchtigung des Gebäudes des Musikschulbezirks Hardtberg als barrierefreies Unterrichts- gebäude als ersten Schritt Entwicklung von digitalen Unterrichtsformaten für das Musizieren mit Menschen mit Behinderung Erweiterung der Schul- und Kitakooperationen um Förderschulen und integrative KitasSeite 10 von 22 8 3.5. Musikalisch-kulturelle Vielfalt Die musikalische Bandbreite an der LvBM umfasst überwiegend das das Feld der sogenannten klassischen Musik. Darüber hinaus findet die Ausbildung junger Jazzmusiker*innen im Rahmen der Jazzabteilung erfolgreich statt. Im Bereich des interkulturellen Musizierens oder in den Stilrichtungen Rock und Pop hingegen finden sich kaum Unterrichtsangebote. Das wird den gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen nicht gerecht. Aus diesem Grund hat sich die Leitung der LvBM zum Ziel gesetzt, in den kommenden fünf Jahren das Unterrichtsangebot in diese Richtung zu erweitern. Das eröffnet auch die Chance, weitere Zielgruppen zu erreichen. a) Pflege des Beethoven-Erbes Es ist Auftrag der öffentlichen Musikschulen die musikalisch-kulturelle Vielfalt zu erhalten, ihren Wert den Schüler*innen zu vermitteln und für die Zukunft zu sichern. Als Musikschule der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens fühlt sich die LvBM besonders dessen musikalischem Erbe verpflichtet: Kompositionen Beethovens werden selbstverständlich im Unterricht vermittelt und stehen regelmäßig auch auf dem Programm der Musikschulensembles, besonders im Bonner Jugendsinfonieorchester, dem Sinfonieorchester der LvBM. Auch in den Ensembles der Unter- und Mittelstufe sowie in den Musikschulbands finden Beethovens Kompositionen als Arrangements oder Improvisationen häufig Anwendung und tragen dazu bei, das Schaffen Beethovens mit neuem Leben zu füllen. Um den Schüler*innen zudem einen Einblick in die einmalige Kulturszene der Stadt zu ermöglichen, kooperiert die LvBM darüber hinaus in regelmäßigen Projekten mit den großen Musikinstitutionen der Stadt wie dem Beethovenfest und der Oper Bonn. Besonders ist hier die Zusammenarbeit mit dem Beethovenorchester Bonn (BOB) zu nennen: Das BOB ist Pate des Bonner Jugendsinfonie- orchesters, Musiker des BOB übernehmen regelmäßig die Leitung der Gruppenproben. Aber auch gemeinsame Projekte wie der für das Frühjahr 2022 geplante Kompositionsworkshop mit dem Bonner Komponisten David Graham tragen dazu bei, den Wert klassischer Musik und der Musik Beethovens der nächsten Generation erlebbar zu machen und nachhaltig zu sichern. Für die Zukunft plant die Leitung der LvBM die Zusammenarbeit mit dem Beethovenorchester, dem Beethovenfest, der Oper Bonn und weiteren Kulturinstitutionen der Stadt weiter zu intensivieren. b) Interkulturelles Musizieren Die Begegnung mit der Musik anderer Kulturen hat an öffentlichen Musikschulen in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Gerade für eine Stadt mit einer multikulturellen Gesellschaft wie Bonn ist ein musikalisches Unterrichtsangebot, das sich in seinen verschiedenen Facetten an die gesamte Stadtgesellschaft richtet, von besonderer Wichtigkeit. Auch die LvBM wird in den nächsten Jahren ihr Profil um musikalische Unterrichtsangebote mit Musik anderer Kulturen erweitern. Neben zielgerichteten Workshops und Projekten, ist geplant, einzelne Instrumente anderer Kulturen, wie z.B. Baglama oder Oud ins ständige Unterrichtsprogramm der LvBM aufzunehmen sowie ein Ensembleangebot aufzubauen, das gezielt Musik anderer Kulturen aufgreift. Gemeinsam mit Kooperationspartnern wie dem vom Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. getragenen „MIGRApolis – Haus der Vielfalt“ erhofft sich die Leitung der LvBM, das Unterrichtsangebot um Musik anderer Kulturen zu erweitern und somit weitere Zielgruppen zu erreichen.Seite 11 von 22 9 c) Abteilung Jazz, Rock, Pop Die Jazzabteilung der LvBM führt seit Jahren begabte Schüler*innen an die Jazzmusik heran, und dies mit großem Erfolg: Im Jahr 2017 gewann die Jazzabteilung der LvBM den WDR-Ehrenpreis für besondere Nachwuchsförderung. Gleichzeitig aber stellen wir fest, dass das Interesse am Unterricht in unserer Jazzabteilung abnimmt. Um die Qualität dieses besonderen Unterrichtsangebots zu erhalten, aber auch die stilistische Bandbreite zu erhöhen, plant die Leitung der LvBM, die Jazzabteilung in den kommenden Jahren mit gezielten Neubesetzungen zu stärken und gleichzeitig das stilistische Spektrum um die Musik des Pops und Rocks zu erweitern. Somit soll neben der Instrumental- und Vokalausbildung auch das gemeinsame Musizieren in einer Jazz- oder Popband gefördert werden. d) Digitales Musizieren und Musikproduktion Im Prozess der strategischen Weiterentwicklung des Musikschulprofils kommt dem Einsatz digitaler Technik eine Schlüsselrolle zu. Digitale Technik erweitert nicht nur die bestehenden Unterrichts- formate, sondern eröffnet darüber hinaus neue didaktische Perspektiven, die vom Einsatz von Apps im Musikunterricht bis zu neuen Unterrichtsangeboten reichen. Zudem bieten digitale Medien die Chance, Kinder und Jugendliche in ihrer Lebenswirklichkeit „abzuholen“. Digitale Unterrichtsformate Die während der Coronapandemie erarbeiteten Unterrichtsformate des Online- und Hybridunterrichts werden auch nach Abflauen der Pandemie zum Musikschulalltag gehören. Schon jetzt wird seitens vieler Schüler*innen ein nahtloser Wechsel zwischen Online- und Präsenzunterricht erwartet, zum Beispiel bei Erkrankungen, Auslandsaufenthalten oder Ereignissen höherer Gewalt. Einsatz von Apps im musikalischen Unterricht Der Einsatz digitaler Medien und Apps wie Stimmgeräte, Metronome, Aufnahme-Apps aber auch digitale Noten- oder Musikdatenbanken bieten wichtige Möglichkeiten, das didaktische Profil des bestehenden Unterrichts zu erweitern und zugleich an die digital geprägte Lebenswirklichkeit der Schüler*innen anzuknüpfen. Neues Unterrichtsspektrum digitales Musizieren Mittels digitaler Medien ist es darüber hinaus möglich, Unterrichtsangebote zum Thema Video- und Musikproduktion/Songwriting für verschiedenste Ziel- und Altersgruppen zu implementieren. Apps bieten vielfältige Möglichkeiten, um selbst kreativ tätig zu werden und nicht nur bestehende Musik zu interpretieren, sondern eigene Musik entstehen zu lassen. Dank des sehr breiten Spektrums an Applikationen lassen sich zudem niederschwellige Unterrichtsformate entwickeln, z.B. barrierefreies Musizieren mittels iPad für Menschen mit Behinderung. In einem ersten Schritt konnte im Schuljahr 2020/2021 dank einmalig zur Verfügung gestellter finanzieller Mittel der Stadt Bonn mit dem Aufbau der digitalen Infrastruktur begonnen werden. So wurden mobile Endgeräte (iPads) angeschafft und – verwaltet über ein MDM-System – an einen Teil der Lehrkräfte ausgegeben. Darauf aufbauend plant die LvBM fünf weitere Maßnahmen, die an allen fünf Standorten umgesetzt werden und von denen möglichst viele Lehrkräfte profitieren sollen. Hier ist die Ausstattung je eines Raums mit moderner Konferenztechnik zu nennen, die Erweiterung des Pools an digitalen Endgeräten sowie der Aufbau von Studios für digitale Video- und Musikproduktion. Zur Finanzierung dieser Vorhaben hat die LvBM im März 2022 über den Landesverband der Musikschulen NRW e.V. Gelder aus der Digitalisierungsoffensive des Landes NRW beantragt.Seite 12 von 22 10 e) Talentakademie Neben der Breitenförderung ist es auch Aufgabe einer öffentlich getragenen Musikschule, Hochbegabungen zu erkennen und zu fördern. Die Förderung begabter und hochbegabter Schüler*innen stellt an der LvBM seit Jahren einen besonderen Schwerpunkt dar: Zahlreiche Schüler*innen der LvBM nehmen jedes Jahr erfolgreich beim Schülerwettbewerb „Jugend musiziert“ teil. Häufig zählen Schüler*innen der LvBM zu den Preisträgern*innen bei der bundesweiten Endausscheidung. Zudem lassen sich einige Profimusiker*innen benennen, die an der LvBM ihre Ausbildung erhalten haben. Um die Förderung der hochbegabten Schüler*innen zu koordinieren, hat die LvBM eigens eine Fachbereichsleitung eingerichtet. Neben zusätzlichen Unterricht bietet die LvBM diverse Förder- möglichkeiten wie Korrepetition, Berufsberatung, gezielte Workshops und Konzerte bis zum Tandemunterricht mit Musikhochschuldozent*innen. Die Fördermöglichkeiten sind gewachsen und für Außenstehende auf den ersten Blick unübersichtlich. Zudem steht die Finanzierung der zusätzlichen Fördermaßnahmen auf wackligen Beinen: Immer wieder müssen finanzielle Einzelfalllösungen gefunden werden. Um hochbegabte Schüler*innen besser fördern zu können, Eltern einen übersichtlichen Einblick zu ermöglichen und verstärkt externe Partner als stabile Fördernde gewinnen zu können, plant die Leitung der LvBM die Fördermaßnahmen unter dem Dach einer Talentakademie zusammenzufassen. Dazu hält die Leitung der LvBM folgende Maßnahmen für erforderlich: Zusammenfassung des Fachbereichs Studienvorbereitende Ausbildung und Begabtenförderung in einer Talentakademie Bündelung der bisherigen Fördermöglichkeiten unter dem Dach der Talentakademie Gute und strukturierte Zusammenarbeit mit externen Fördernden Gewinnung weiterer Fördernder 4. Personalsituation an der LvBM Im Zuge der genannten Weiterentwicklung des Unterrichtsangebots werden sich die Anforderungen an die Personalstruktur ebenso ändern, wie die Erwartungen an das musikalisch-didaktische Profil der Lehrkräfte. Mehr noch als heute wird von den Lehrkräften eine große stilistische Bandbreite erwartet werden sowie eine breite didaktische Erfahrung in verschiedensten Unterrichtsformen. Dem gegenüber steht ein insgesamt rückläufiges Interesse am Beruf der Musikschullehrkraft, was in den nächsten Jahren zu einem Fachkräftemangel führen wird. Eine weitere Herausforderung stellt die Arbeit mit Honorarkräften dar, deren rechtliche und finanzielle Stellung sich erheblich von der der TVöD-Kräfte unterscheidet und in den kommenden Jahren verbessert werden soll. 4.1. Ausgangssituation An der LvBM unterrichteten im Jahr 2019 (vor Pandemiezeitraum) durchschnittlich 120 Lehrkräfte mit TVöD-Vertrag. Bei einem Unterrichtsvolumen von insgesamt 2526 Jahreswochenstunden (JWS) übernehmen die angestellten Lehrer*innen mit 1827 JWS einen Anteil am Gesamtunterricht von ca. 72,33%. Zudem waren neben den TVöD-Kräften im Jahr 2019 an der LVBM durchschnittlich 85 Honorarkräfte tätig, die mit 696 JWS einen Unterrichtsanteil von ca. 27,57 % am insgesamt geleisteten Unterricht übernahmen.Seite 13 von 22 11 Um die Beschäftigungsverhältnisse an der LvBM zu verbessern, hat der Rat der Stadt Bonn in einem ersten Schritt entschieden, zum 1.1.2022 zehn zusätzliche VZÄ-Stellen einzurichten. Damit erhöht sich das von TVöD-Kräften geleistete Unterrichtsvolumen inklusive dem sogenannten Ferien- überhang um 320 JWS. Orientiert am Jahr 2019 werden somit TVöD-Kräfte einen Anteil am Gesamtunterricht von ca. 85% übernehmen. 4.2. TVöD-Anstellungen mit hohem Deputat Das Unterrichtsvolumen der TVÖD-Kräfte im Jahr 2019 entspricht etwa 60 VZÄ-Stellen. Allerdings unterrichten nur sehr wenige Lehrkräfte in Vollzeit. Die meisten sind Teilzeitbeschäftigte, manche unterrichten mit sehr geringem Deputat. Daraus folgt, dass viele Lehrkräfte an mehreren Musikschulen unterrichten, und sich an der LvBM nicht so einbringen können, wie es von einer Vollzeitkraft oder einer Teilzeitkraft mit hohem Unterrichtsdeputat zu erwarten wäre. Daher ist es in mehrerlei Hinsicht sinnvoll, zukünftige Stellen so zu besetzen, dass sich das Kollegium aus Mitarbeitenden mit hohem Deputat zusammensetzt. Zugleich schafft die LvBM somit existenzsichernde, sozial nachhaltige Arbeitsverhältnisse und entwickelt sich mit Blick auf einen zu erwartenden Fachkräftemangel zu einem attraktiven Arbeitgeber. 4.3. Breit aufgestellt: didaktisch-stilistisches Spektrum Um die zunehmende Zusammenarbeit mit den verschiedensten Kooperationspartnern bedienen zu können, und auch um die Musikschule mit Blick auf musikalisch-kulturelle Reichweite weiterentwickeln zu können, wird bei künftigen Neubesetzungen das Aufgabenprofil der TVöD-Kräfte grundsätzlich weiter gefasst werden: Ein breites stilistisches und didaktisches Können ermöglicht der Lehrkraft neben dem traditionellen Einzel- und Gruppenunterricht in den Instrumental- und Vokalfächern ein qualitativ anspruchsvolles Unterrichten in den Projekten und Kooperationen. 4.4. Aufgabenprofil und vertragliche Situation der Honorarkräfte Honorarkräfte werden an der LvBM in sämtlichen Unterrichtsbereichen eingesetzt. Sie arbeiten in den Kernbereichen des Instrumental- und Vokalunterrichts ebenso wie in Kooperationen mit den allgemeinbildenden Schulen, dem Offenen Ganztag und den Kitas. Darüber hinaus können sie für befristete Aufgaben gewonnen werden und übernehmen Elternzeitvertretungen, Vertretungen im Krankheitsfall oder bei Frühverrentungen. Die Musikschulleitung kann mit dem Einsatz von Honorarkräften schwankende Anmeldezahlen und sich verändernde Vorlieben der Schüler*innen für bestimmte Fächer abfangen. Honorarkräfte sind grundsätzlich frei in der Wahl ihrer Methode sowie des Orts und Zeitpunkts ihres Unterrichts. Auch unterliegen Honorarkräfte nicht der Weisung der Musikschulleitung. Zusammenhangstätigkeiten, wie oben für die TVöD-Kräfte benannt, sind in ihrem Aufgabenprofil nicht vorgesehen. Für ihren Unterricht werden die Honorarkräfte der LvBM pro geleistete Unterrichtseinheit (45 Min.) bisher mit 25,- € honoriert. Für kürzere oder längere Unterrichtseinheiten passt sich das Honorar entsprechend an; der Unterricht in den Großgruppen wie der Musikalischen Früherziehung oder in den OGS-Kooperationen wird mit 30,- € je Schulstunde und der Unterricht in den JeKits-Klassen nach einem vom Land NRW vorgegebenen Satz von 37,84 € je Schulstunde honoriert. Bezahlt wird nur der geleistete Unterricht. Die Vorbereitungszeit wird nicht extra honoriert. Schulferien oder Feiertage werden nicht durch bezahlt. Es besteht kein Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.Seite 14 von 22 12 4.5. Einrichtung von 10 VZÄ-Stellen für die Honorarkräfte Im Juni 2021 hat der Rat der Stadt Bonn beschlossen, 10 weitere VZÄ-Stellen ab dem Haushaltsjahr 2022 einzurichten, die ausschließlich den langjährig beschäftigten Honorarkräften der LvBM vorbehalten sind. Mit dieser Entscheidung setzt die Stadt Bonn für die LvBM und ihre Lehrkräfte ein wichtiges Signal. Die berufliche Situation für einen Teil der Honorarkräfte verbessert sich deutlich, gleichzeitig reduziert sich der Anteil der durch Honorarkräfte geleisteten Stunden am gesamten Unterrichtsdeputat der LvBM. 4.6. Erhöhung des Honorarsatzes auf ein Niveau vergleichbar dem Bruttolohn des TVöD Die Honorarkräfte der LvBM weisen im Vergleich zu den angestellten TVöD-Lehrkräften die gleiche Ausbildung und Unterrichtserfahrung vor. In Bezug auf die Unterrichtsqualität besteht zu den TVöD- Lehrkräften kein Unterschied. Die aktuelle Vergütung der Honorarkräfte liegt mit 25,- € pro gegebene Unterrichtseinheit dennoch deutlich unter der Vergütung der TVöD-Kräfte und ist nach Einschätzung der Musikschulleitung der Ausbildung und der Leistung der an der LvBM tätigen Honorarkräfte nicht angemessen. Im Sinne der Gleichbehandlung der an der LvBM tätigen Lehrkräfte wäre mittelfristig eine schrittweise Anhebung des Honorarsatzes bis zu einer Zielgröße von ca. 38,- € pro Unterrichtseinheit wünschenswert. Dieser Betrag orientiert sich am Bruttolohn einer an der LvBM tätigen TVöD-Lehrkraft und entspricht auch der Vergütung, welche im Kontext des Landesprogramms JeKits als Honorar gezahlt wird. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die Finanzierung einer solchen Honorarerhöhung durch den Haushalt nicht gedeckt ist. Eine Erhöhung des Honorarsatzes müsste im vollen Umfang durch eine moderate Erhöhung der Unterrichtsgebühren gegenfinanziert werden. Hier wären allerdings die Schritte und der Zeitrahmen genau zu prüfen, da eine Gebührenerhöhung nach Einschätzung der Musikschulleitung in der Regel mit einer Verringerung der Schülerzahlen einhergeht. 4.7. Einrichtung der erforderlichen Stellen zur Auflösung des Kontingents der Musik- schullehrer*innen Aktuell werden über 60 Lehrkräfte im Stellenplan nicht namentlich aufgeführt, sondern unter einem Stundenkontingent geführt. Diese Darstellung soll im Zuge der Umstellung auf den SAP-basierten Stellenplan verändert werden. Das Musikschulkonzept soll zum Anlass genommen werden, das Kontingent der Musiklehrer*innen aufzulösen und dafür die erforderlichen Stellen in der Fortschreibung 2023/2024 einzurichten. Der Bedarf von mindestens 40,43 VZÄ ist hierfür vorgesehen. Durch die Schaffung der neuen 41 Stellen entstehen keine zusätzlichen Kosten. 5. Handlungsfeld 3: Infrastruktur 5.1. Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Gute Musikschularbeit lebt von der hohen Qualität des Unterrichts sowie von dem hohen fachlichen Können des Lehrerkollegiums. Wie bereits dargestellt, kann die LvBM mit der erfolgreichen Arbeit besonders im Instrumental- und Gesangsunterricht punkten. Allerdings ist es für den langfristigen Erhalt der LvBM nicht ausreichend „nur“ guten Unterricht anzubieten. Nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ verspricht sich die Leitung der LvBM mittels eines klaren Kommunikations- konzepts und funktionierenden wie ansprechenden Präsentationen, die Reichweite der Musikschule zu erhöhen, die umfangreiche und qualitativ hochwertige Arbeit der Musikschule in dieSeite 15 von 22 13 Stadtgesellschaft zu transportieren und somit langfristig das Interesse der Bürger*innen zu erhalten und idealerweise weitere Fürsprecher*innen für die LvBM zu gewinnen. Daher hat sich die neue Leitung der LvBM zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die gesamte Außendarstellung der LvBM neu aufzustellen. Bereits im ersten Halbjahr 2021 konnten erste Vorhaben umgesetzt werden: Der Newsletter LvBM-Kompakt wurde im Juni 2021 erstmals versendet. Mit der Unterstützung des Marketingservice der Stadt Bonn soll vierteljährlich ein Newsletter erscheinen, der aktuelle Musikschulthemen aufgreift. Seit Anfang 2021 besteht ein musikschuleigener YouTube-Kanal, der als Präsentationsfläche für erfolgreiche Schüler*innen und Ensembles der LvBM dient. Zudem konnte der YouTube-Kanal in der Zeit des zweiten Lockdowns genutzt werden, um auf das Angebot der LvBM aufmerksam zu machen. Die Facebook-Seite der LvBM wurde wiederbelebt und wird aktuell gehalten. Die Zahl der Follower hat sich im vergangenen Halbjahr deutlich erhöht. Für die weitere Öffentlichkeitsarbeit plant die Leitung der LvBM folgende Maßnahmen: Die LvBM hat bereits ein eignes Logo. Darüber hinaus fehlt es aber an einer Gestaltungslinie, die die Außendarstellung der Musikschule durchzieht. Gemeinsam mit dem Amt für Presse, Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit soll ein gemeinsames Corporate Design entwickelt werden, dass künftig die Darstellung aller Informations- und Werbeformate durchzieht. Die derzeitige Website der LvBM soll durch eine Microsite innerhalb der städtischen Website ersetzt werden. Werbeprodukte wie Flyer und Handzettel sollen gezielt auf das Angebot der LvBM hinweisen, Infomaterialien wie einheitliche und ansprechende Plakate, Roll-Ups und Banner, etc. sollen künftig die Veranstaltungen der LvBM flankieren. 5.2. Digitale Infrastruktur Die Leitung der LvBM hat sich zum Ziel gesetzt, das Musikschulprofil neu zu strukturieren und zeitgemäß aufzustellen. Dabei berücksichtigt sie gesellschaftliche Entwicklungen und Trends, wie auch die Möglichkeiten der Digitalisierung. Gerade in Folge der Coronapandemie wird von Schüler*innen wie den Eltern zunehmend der Einsatz digitaler Technik und smarter Software im Unterricht erwartet. Digital gestützter Unterricht wird zukünftig ebenso zum Unterrichtsprofil der LvBM gehören, wie ergänzende digitale Unterrichtsangebote. Zudem bieten neue Softwarelösungen die Möglichkeit, Verwaltungsabläufe abzukürzen und effizienter zu gestalten. Was die digitale Infrastruktur anbelangt, ist die LvBM nicht ausreichend ausgestattet. Dennoch konnten erste Maßnahmen im vergangenen Jahr bereits umgesetzt werden: Die Verwaltungssoftware iMikel konnte um eine leistungsstarke App erweitert werden. Der Einsatz dieser App wird den Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren und vereinfacht die datenschutzkonforme interne Kommunikation. Über 80 iPads wurden für das Kollegium der LvBM angeschafft. Im Musikschulgebäude Hardtberg konnte bereits erfolgreich W-LAN installiert werden; im Gebäude Kurfürstenallee befindet sich das W-LAN derzeit in einer Testphase. Um den Musikschulunterricht zeitgemäß aufzustellen, bedarf es allerdings weiterer Investitionen in die digitale Infrastruktur der LvBMSeite 16 von 22 14 Installation eines W-LAN-Netzes in allen Gebäuden der LvBM Anschaffung von passgenauen Apps für die Dienst-iPads der Lehrkräfte. (Drittmittelfinanziert) 5.3. Gebäude Der Unterrichtsbetrieb der LvBM ist dezentral organisiert: Ein zentrales Musikschulgebäude gibt es nicht, dafür verteilt sich der Unterrichtsbetrieb weitegehend gleichmäßig auf die fünf Zweigstellen in den jeweiligen Stadtbezirken Bad Godesberg, Bonn, Beuel, Hardtberg und Dransdorf. Die einzelnen Zweigstellen bilden somit in sich eigenständige Musikschulen. Raumangebot Alle Zweigstellen sind in historisch wertvollen und denkmalgeschützt Gebäuden untergebracht, die in ihrer Grundanlage schöne und große Unterrichtsräume bieten und für musikalischen Unterricht gut geeignet sind. Alle Gebäude verfügen zudem über einen kleinen bis mittelgroßen Saal, der sich für interne Veranstaltungen wie Klassenvorspiele und Workshops gut eignet. Zusätzlich steht am Standort Hardtberg ein Saal zur Verfügung, der sich für größere Konzerte und sonstige Veranstaltungen eignet, an allen anderen Standorten muss die LvBM auf externe Räumlichkeiten in der näheren Umgebung ausweichen. Ziel der LvBM muss sein, dass dieser Gebäudebestand in einen Zustand versetzt wird, der eine breite und nachhaltige Nutzung in der Zukunft ermöglicht und sichert. Zustand der Gebäude An allen Musikschulgebäuden, darunter insbesondere an den Gebäuden Schieffelingsweg 2, Kirschallee 23 sowie Kurfürstenallee 8 und 9, macht sich ein offenbar mehrere Jahre oder Jahrzehnte langer Renovierungsstau bemerkbar. Im Sinne des Brandschutzes mussten hier in den vergangenen Jahren regelmäßig Baumaßnahmen an den Gebäuden vorgenommen werden. Angesichts dieser regelmäßig erforderlichen Maßnahmen sowie hoher städtischer Ausgaben insgesamt konnten zahlreiche Bau- und Renovierungs- maßnahmen, die aus Sicht der Musikschulleitung erforderlich wären, nicht vorgenommen werden, darunter der Einbau doppelt verglaster Fenster, neue Verdunklungen, Heizungssanierung, Innenausbau (Wände, Fußboden, Lüftung, etc.). Die Baumaßnahmen sind angesichts der langen und nicht hinreichend dokumentierten Baugeschichte schwer planbar, da sich der genaue Zustand der Gebäude oft erst während der Bauzeit offenbart und dann neue Maßnahmen erforderlich macht. Eine Sondersituation herrscht seit dem Schuljahr 2020/2021 am Standort Bad Godesberg vor: Seit April 2021 wird im Kellergeschoss des Gebäudes Kurfürstenallee 8 eine neue Lüftungsanlage eingebaut, deren Fertigstellung sich derzeit leider ebenfalls auf unbestimmte Zeit verzögert hat. Außerdem muss die Decke in Raum 1 und Raum 12 in der Kurfürstenallee 9 saniert werden. Bis dahin bleiben beide Räume unbenutzbar. Konsequenzen für den Unterricht Nach dem eingeschränkten Unterricht in den Jahren der Pandemie, findet derzeit an der LvBM nahezu vollumfänglich Präsenzunterricht statt, auch größere Ensembles proben unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Vorschriften wieder regelmäßig. Vor dem Hintergrund werden vor allem im Zeitraum von 15:30 bis 18:30 alle Unterrichtsräume gebraucht. Derzeit ist am Standort Bad Godesberg an manchen Tagen der Unterrichtsbetrieb nur durch temporär zur Verfügung gestellte Räume im Bezirksrathaus Bad Godesberg möglich. Aufgrund fehlender Renovierungen bieten nicht alle Gebäude bzw. Unterrichtsräume den Lehrkräften und Schüler*innen ein funktionierendes und angenehmes Umfeld für den musikalischen Unterricht.Seite 17 von 22 15 Sofern es die baulichen Voraussetzungen und die Gesamtplanungen des SGB zulassen, wäre hier eine langfristigere und verlässlichere Planung wünschenswert. Zudem empfiehlt die Musikschulleitung, eine Teilsanierung, u. U. auch Kernsanierung der Gebäude zu prüfen und in das langfristige Sanierungskonzept der Stadt Bonn einzubinden. Dies würde nicht nur das Arbeitsumfeld erheblich verbessern, sondern auch die Gebäude in ihrer Substanz langfristig erhalten und eine nachhaltige Nutzung sicherstellen. 6. Finanzen 6.1. Musikschuletat und Zuschussbedarf bis 2025 Musikschuletat und Zuschussbedarf 2017 bis 2020 Die Finanzierung der LvBM steht auf zwei Säulen: Zum einen finanziert sich die LvBM aus den Erträgen aus Unterrichts- und Kursgebühren sowie den städtischen Aufwendungen. Diese Aufwendungen, die insbesondere für Personal- und Versorgung anfallen, sind im Zeitraum 2017 bis 2020 gegenüber den Gesamterträgen kontinuierlich angestiegen. Während 2017 die städtischen Aufwendungen ohne interne Leistungsverrechnungen noch mit ca. 2,55 Mio. EUR bei ca. 48 % des finanziellen Gesamtbedarfs lagen, hatten die städtischen Aufwendungen im Jahr 2020 mit ca. 2,92 Mio. EUR bereits einen Anteil von ca. 52 %. Grund dafür sind, wie aus der untenstehenden Tabelle hervorgeht, vor allem steigende Personalkosten. Aufstellung Ist 2017-2020 Erträge und Aufwendungen ohne interne Leistungsverrechnungen Ist 2017 Ist 2018 Ist 2019 Ist 2020 Erträge Gesamt -2.743.382,20 € -2.690.856,00 € -2.977.204,05 € -2.738.314,66 € Personal- und Versorgungsaufwand 4.535.034,73 € 4.718.041,56 € 4.892.962,53 € 4.849.812,69 € Aufwand für Honorarkräfte 627.947,14 € 654.201,92 € 724.314,76 € 705.894,57 € Aufw. Sach- & Dienstleistungen, sonst. Aufw. 132.671,83 € 101.019,46 € 106.163,23 € 103.045,64 € Gesamtbedarf ohne Interne Verrechnungen 5.295.653,70 € 5.473.262,94 € 5.723.440,52 € 5.658.752,90 € Städtische Aufw. ohne Interne Verrechnungen 2.552.271,50 € 2.782.406,94 € 2.746.236,47 € 2.920.438,24 € Städtische Aufw. ohne Int. Verr. in Prozent 48,20% 50,84% 47,98% 51,61% Zusätzliche 10 VZÄ für die Honorarkräfte der LvBM Der Rat der Stadt Bonn hat im Sommer 2021 entschieden, die Beschäftigungsverhältnisse an der LvBM mit der Einrichtung zehn zusätzlicher VZÄ-Stellen zu verbessern. Das Kontingent an Stunden für die Honorarkräfte verringert sich entsprechend. Die damit verbundene Erhöhung des Personal- aufwands wird im Jahr 2022 mit einer einmaligen Erhöhung des Honoraretats um 400.000 € kompensiert. Der Personalaufwand der 10 VZÄ beträgt ab 2023 ca. 711.600 € jährlich und wurde im Haushaltsplan 2021/2022 ff entsprechend berücksichtigt (DS 201928-69 AA). Landesgeförderte VZÄ-Stelle Im Rahmen des NRW-Förderprogramms Musikschuloffensive wurde zum 1.1.2022 die Förderung einer VZÄ-Stelle bewilligt und die Besetzung soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt stattfinden. Die Refinanzierung durch das Land beträgt ca. 95 Prozent. Mit Besetzung im Stellenwert E9b TVöD VKA ist auch eine zusätzliche Erhöhung des Personalaufwands verbunden. Die Kosten der zunächst bis zum 31.7.2024 befristeten Stelle werden in 2022 durch freie Stundenkontingente überplanmäßig gedeckt und in der Stellenplanfortschreibung 2023/2024 mit k.W. Vermerk eingerichtet.Seite 18 von 22 16 Möglicherweise verlängert sich der vorliegende Vertrag bis zum 31.7.2026, sofern nicht eine der Vertragsparteien bis zum 30.09.2023 schriftlich die Kündigung erklärt. Ab dem 1.8.2026 könnte sich der vorliegende Vertrag unter den gleichen Voraussetzungen um jeweils ein Jahr verlängern. Musikschuletat und Zuschussbedarf bis 2025 Unter Berücksichtigung der steigenden Personalkosten und der zusätzlichen 10 VZÄ, aber auch einer eher konservativen Schätzung der Unterrichtsgebühren ist bis zum Jahr 2025 mit einer deutlichen Steigerung der städtischen Aufwendungen zu rechen. Ohne die internen Leistungsverrechnungen lägen die städtischen Aufwendungen mit ca. 3,93 Mio. EUR dann bei ca. 62,8% des finanziellen Gesamtbedarfs, sofern nicht mit einer Erhöhung der Gebühren gegengesteuert wird. Aufstellung Ist 2021-2025, Plan 2022-2025 Erträge und Aufwendungen ohne interne Leistungsverrechnungen Vorl. Ergeb. 2021 Plan 2022 Plan 2023 Plan 2024 Plan 2025 Erträge -2.597.949,12 € -2.327.472,72 € -2.327.403,00 € -2.326.995,45 € -2.325.990,52 € PK-Zuschuss Landesstelle -65.100,00 € -65.100,00 € -38.000,00 € Erträge Gesamt -2.597.949,12 € -2.392.572,72 € -2.392.503,00 € -2.364.995,45 € -2.325.990,52 € Personal- und Versorgungsaufw. 4.522.907,99 € 4.860.143,00 € 5.620.379,73 € 5.676.583,53 € 5.733.349,36 € PK Landesstelle 68.700,00 € 69.500,00 € 40.900,00 € Aufwand für Honorarkräfte 658.257,78 € 1.091.000,00 € 400.000,00 € 400.000,00 € 400.000,00 € * Aufw. Sach-/Dienstleist., sonst. Aufw. 197.127,96 € 122.007,71 € 121.728,86 € 121.001,88 € 121.475,35 € Gesamtbedarf ohne Interne Verr. 5.378.293,73 € 6.141.850,71 € 6.211.608,59 € 6.238.485,41 € 6.254.824,71 € Städtische Aufw. ohne Interne Verr. 2.780.344,61 € 3.749.277,99 € 3.819.105,59 € 3.873.489,96 € 3.928.834,19 € Städtische Aufw. ohne Intern in Prozent 51,70% 61,04% 61,48% 62,09% 62,81% *Der Aufwand Honorarkräfte wird ab 2023 entsprechend der geschaffenen 10 VZÄ reduziert. 6.2. Musikschulgebühren Die Musikschulgebühren wurden zuletzt in den Jahren 2016 und 2019 erhöht. Eine Gebührenerhöhung in regelmäßigen Abständen ist sinnvoll, um zur Haushaltskonsolidierung beizutragen und steigende Personalkosten und Inflation auszugleichen. Bliebe man in dem Turnus von 3 Jahren stünde zum 1.8.2022 die nächste Gebührenerhöhung an. Bei einer Erhöhung um beispielsweise 5% wäre im Folgejahr mit einer Mehreinnahme von ca. 100.000 € zu rechnen. Demnach würden sich die Musikschulgebühren wie folgt entwickeln: Mögliche Gebührenerhöhung Erhöhung 5% Erhöhung 5% Vorl. Ergebnis Plan Plan Plan Plan 2021 2022 2023 2024 2025 2.234.646,10 € 2.304.020,80 € 2.369.850,00 € 2.369.850,00 € 2.488.342,50 € In dem Zusammenhang weist die Leitung der LvBM aber darauf hin, dass sich Gebührenerhöhungen immer auch auf die Anmelde- und Abmeldezahlen auswirken. Gerade mit Blick auf die noch andauernde Coronapandemie sind Zeitpunkt und Umfang einer Gebührenerhöhung genau zu prüfen.Seite 19 von 22 17 Musikschulkonzept 2026 Anlage 1 Angaben zu den Schülerbelegungen im Kernbereich und in den Kooperationen Durchschnittliche Anzahl der Schülerbelegungen im Jahr 2020 Grundfächer Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Eltern-Kind-Gruppen (Unter 4 Jahren) 34,75 Musikalische Früherziehung (4-6 Jahre) 725 184,42 Musikalische Grundausbildung (6-8 Jahre) 567,33 518,42 Summe 1327,08 702,84 Streichinstrumente Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Violine 439,33 104,5 Viola 63,08 24,08 Violoncello 181,58 56,83 Kontrabass 20,83 2,42 Summe 704,82 187,83 Zupfinstrumente Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Gitarre 445,5 199,83 E-Gitarre 9,58 E-Bass 2,67 Harfe 16,25 Summe 474 199,83 Holzblasinstrumente Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Blockflöte 113,25 Querflöte 157,83 15,83 Oboe 22,17 Klarinette 113,92 13,33 Fagott 23,83Seite 20 von 22 18 Saxophon 85,92 33,75 Sonstige 10,58 Summe 527,5 62,91 Blechblasinstrumente Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Horn 31,92 4,33 Trompete 106,42 23,42 Posaune 27,67 2,08 Tenorhorn/Bariton/Euphonium 5,75 3,08 Tuba 0,17 0,17 Sonstige 0,17 Summe 172,1 33,08 Schlaginstrumente Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Drumset 147,42 Summe 147,42 Tasteninstrumente Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Klavier 859,25 4,25 Cembalo 6,92 Akkordeon 49,33 24,17 Keyboard 54,33 54,33 Summe 969,83 82,75 Vokalfächer Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Gesang 102,92 Summe 102,92Seite 21 von 22 19 Ensemblefächer Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Chöre, Vokalensemble 56,92 Spielkreise 216,75 216,75 Streicherensemble 175,92 105,08 Sinfonieorchester 56,08 46,92 Zupfensemble 9,42 5,25 Bläserensemble 132,92 44,83 Kammermusik 59,83 Jazzensemble 39,67 Big Band 22,33 Salonorchester 23,25 Percussion Ensemble 5,75 Sonstige 17,92 Summe 816,76 418,83 Ergänzungsfächer Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Musiklehre/Hörerziehung 62 Komposition 1,75 Musik & Bewegung/Tanz 112,58 38,67 Sonstiges 4 Summe 180,33 38,67 Sonstige Unterrichtsformen Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Sonstige 74,33 2,5 Summe 74,33 2,5 Summe Schüler und Belegungen Davon in Kooperation Fach Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Durchschnittliche Anzahl der Belegungen Grundfächer 1327,08 702,84 Instrumental- & Vokalfächer 3098,59 566,4 Ensemblefächer 816,76 418,83 Ergänzungsfächer 180,33 38,67 Sonstige Unterrichtsformen 74,33 2,5 Summe 5497,09 1726,74Seite 22 von 22
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 17:54 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de