← Vorlagen

220564 · Beschlussvorlage

LvBM 2026 - Mit Tradition in die Zukunft Musikschulkonzept der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn

Nummer
220564
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
22.03.2022
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Rates 05.05.2022 Entscheidung federführend
  2. Sitzung des Kulturausschusses 07.04.2022 Empfehlung
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 1,3 MB Öffnen ↗

Untergeordnet

  1. 220564-01 AA CDU-Änderungsantrag: LvBM 2026 - Mit Tradition in die Zukunft Musikschulkonzept der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn Antrag zur Vorlage 220564

Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.

Text anzeigen (58.738 Zeichen)
Beschlussvorlage
öffentlich
220564
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
41 Kulturamt
Dezernat:
Dez. IV
LvBM 2026 - Mit Tradition in die Zukunft
Musikschulkonzept der Ludwig-van-Beethoven-
Musikschule Bonn
Beratungsfolge
Kulturausschuss 07.04.2022 Empfehlung
Rat 05.05.2022 Entscheidung
Beschlussvorschlag
Der Rat der Stadt Bonn stimmt dem Musikschulkonzept der Ludwig-van-
Beethoven-Musikschule „LvBM 2026 - Mit Tradition in die Zukunft“ mit den
nachfolgenden Eckpunkten zu.
1. Die Ludwig-van-Beethoven-Musikschule (LvBM) setzt die erfolgreiche
Arbeit im Kernbereich und in der Begabtenförderung fort. Dies umfasst die
Unterrichtsangebote Elementare Musikerziehung, Instrumental- und
Vokalausbildung, Ensembleunterricht und Ergänzungs-fächer. Zudem wird
der Anteil des Gruppenunterrichts im Kernbereich erhöht.
2. Die bestehenden Kooperationen mit Grund- und weiterführenden Schulen,
insbesondere das NRW-Bildungsprogramm „JeKits – Jedem Kind
Instrument, Tanzen, Singen“ sowie den Kindertagesstätten wird fortgeführt
und ausgebaut.
3. Das Unterrichtsangebot der LvBM wird mit Blick auf die gesellschaftliche
und musikalisch-kulturelle Reichweite ausgeweitet. Dabei ist besonders die
musikalische Arbeit mit Menschen mit Behinderung, die Begegnung mit der
Musik anderer Kulturen und das Angebot in den Fächern Pop, Rock, Jazz
zu nennen. Zudem sollen vermehrt Unterrichtsformate in dem Bereich
Digitales Musizieren und Musikproduktion aufgebaut werden.
4. Die Personalpolitik der LvBM wird strategisch neu ausgerichtet: Um
qualifizierte und engagierte Lehrkräfte zu gewinnen, wird bei künftigen
Besetzungen auf attraktive Stellenumfänge geachtet.
5. Die LvBM wird ihr Erscheinungsbild modernisieren und die
Öffentlichkeitsarbeit intensivieren.Seite 1 von 22
Seite 2
Begründung
Die Ludwig-van-Beethoven-Musikschule der Stadt Bonn ist eine öffentlich
getragene Bildungseinrichtung, die sich mit ihrem Unterrichtsangebot an die
gesamte Stadtgesellschaft richtet. Derzeit nehmen etwa 4500 Schüler*innen
aller Altersstufen ein Unterrichtsangebot wahr.
Damit die Musikschule auch in Zukunft eine Relevanz im Leben der
Schüler*innen darstellt, und diese über mehrere Jahre an sich binden kann, ist
es erforderlich, dass sie ihr Unterrichtsangebot regelmäßig überprüft und sich
auf gesellschaftliche Veränderungen und neue Rahmenbedingungen einstellt.
Wichtige Einflussfaktoren sind zum Beispiel der zunehmende
Ganztagsunterricht an Schulen, die Alterung der Gesellschaft, die
Bestrebungen, Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben
teilhaben zu lassen, die zunehmende Diversifizierung der Stadtgesellschaft
durch Migration sowie Veränderungen bei Freizeitverhalten der Schüler*innen.
Unter anderem plant die Leitung der LvBM, das Unterrichtsangebot mit Blick
auf die gesellschaftliche und kulturell-musikalische Reichweite zu öffnen: Die
Stärkung der Schulkooperationen, neue Unterrichtsangebote für Menschen mit
Behinderung und die Begegnung mit Musik anderer Kulturen sowie der Aufbau
von Angeboten im Bereich Komposition und digitaler Musikproduktion stehen
dabei im Fokus. Zugleich wird die seit Jahren erfolgreiche Arbeit im
Kernbereich und bei der Förderung musikalisch begabter und hochbegabter
Schüler*innen fortgesetzt.
Das vorliegende Musikschulkonzept beschreibt die Ausrichtung der LvBM für
die kommenden fünf Jahre und ist als Orientierung bei der Umsetzung
erforderlich.
Die beschriebenen Maßnahmen für die pädagogische Arbeit sind innerhalb des
Rahmens der bereits bewilligten Haushaltsmittel geplant. Ein zusätzlicher
finanzieller Bedarf, für den entsprechend eine neue Vorlage notwendig würde,
ist Stand heute nicht geplant. Näheres zu den finanziellen Auswirkungen für die
zusätzlichen 10 VZÄ zur Verbesserung der Beschäftigungsverhältnisse an der
LvBM finden Sie im Musikschulkonzept unter 6.1. Musikschuletat und
Zuschussbedarf bis 2025 (S. 15).
Anlage/nSeite 2 von 22
Seite 3
1 LvBM Musikschulkonzept 2026 (öffentlich)Seite 3 von 22
1
LvBM 2026 in Kürze: Eine Musikschule für alle
Die Bonner Stadtgesellschaft wird vielfältiger und bunter. Menschen aus verschiedenen Kulturen
prägen das städtische Leben mit ihren Erfahrungen, ihrer Kultur und ihrer Musik. Biographien und
Rollenmodelle verändern sich ebenso wie Freizeitverhalten und Musikgeschmack. Bürgerlich
geprägte musikalische Traditionen verlieren ihre Verbindlichkeit und die Grenzen zwischen Stilen und
Genres verschwimmen. Gleichzeit ist der Wunsch nach dem Erleben von Musik ungebrochen und
kulturelle Bildung als Schlüssel zur soziokulturellen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen allgemein
anerkannt.
Als zentrale musikalische Bildungsinstitution der Stadt Bonn richtet sich das Unterrichtsangebot der
Ludwig-van-Beethoven-Musikschule (LvBM) an die gesamte Stadtgesellschaft. Damit unterstützt sie
vorrangig das Themenfeld „Gesellschaftliche Teilhabe und Gender“ der Nachhaltigkeitsstrategie der
Stadt Bonn mit dem Ziel, allen Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer
Zugehörigkeit, Religion, nationaler Herkunft, geistiger Verfassung oder sozialem Status am
gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen.
Daher ist es das vorrangige strategische Ziel der LvBM, ihr Profil und ihr Unterrichtsangebot
weiterzuentwickeln, im Zusammenklang mit den vielfältigen Stimmen der Stadtgesellschaft.
Basierend auf ihrer langjährigen erfolgreichen Arbeit in der musikalischen (Aus-)Bildung junger
Menschen wird sie Angebote für weitere Zielgruppen entwickeln, um damit zu einer gleich-
berechtigten gesellschaftlichen und politischen Teilhabe aller Bonnerinnen und Bonner beizutragen.
Auf diesem Weg orientiert sich die LvBM an folgenden Kernzielen:
Traditionen leben, Teilhabe ermöglichen
Im Einklang mit dem kulturellen Erbe der Stadt Bonn setzt die LvBM die erfolgreiche Arbeit im
Kernbereich und in der Begabtenförderung fort. Zudem fördert sie Beteiligung und Bildungs-
gerechtigkeit: Sie erhöht den Anteil des Gruppenunterrichts und ermöglicht somit mehr Kindern und
Jugendlichen den Zugang zu musikalischer Bildung. Die LvBM erweitert ihr Angebot für neue
Zielgruppen wie Menschen mit Behinderungen sowie Migrantinnen und Migranten.
Partner für kulturelle Bildung
Die LvBM baut die erfolgreichen Kooperationen mit Kindergärten und allgemeinbildenden Schulen
weiter aus und erreicht somit viele Kinder und Jugendliche, unabhängig vom finanziellen oder
kulturellen Hintergrund.
Blickfeld erweitern
Die Begegnung mit der Musik anderer Kulturen einer globalisierten Welt, die Erweiterung des
Bereichs Rock, Pop, Jazz sowie digitales Musizieren und Musikproduktion schaffen neue Perspektiven
und erreichen weitere Zielgruppen.
Perspektiven schaffen
Die Personalpolitik der LvBM wird strategisch neu ausgerichtet, um didaktisch breit aufgestellte und
engagierte Lehrkräfte zu gewinnen und zudem existenzsichernde und sozial nachhaltige Arbeits-
verhältnisse zu schaffen – ganz im Sinne des Nachhaltigkeitszieles der Stadt Bonn „Gute und faire
Arbeit ermöglichen“.Seite 4 von 22
2
LvBM 2026 – Mit Tradition in die Zukunft
Musikschulkonzept der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn
1. Einleitung
2. Pädagogisches Profil heute: LvBM – Stark im Kernbereich
3. Handlungsfeld 1: Weiterentwicklung des Unterrichtsangebots mit Blick auf gesellschaftliche
und musikalisch-kulturelle Reichweite
3.1. Schulkooperationen
3.2. Starke Kinderstimmen
3.3. Kooperation mit Kindertagesstätten
3.4. Inklusion und Musizieren mit Menschen mit Behinderung
3.5. Musikalisch-kulturelle Vielfalt
a. Pflege des Beethoven-Erbes
b. Interkulturelles Musizieren
c. Abteilung Jazz, Rock, Pop
d. Digitales Musizieren und Musikproduktion
e. Talentakademie
4. Handlungsfeld 2: Personalsituation an der LvBM
4.1. Ausgangssituation
4.2. TVöD-Anstellung mit hohem Deputat
4.3. Breit aufgestellt: didaktisch-stilistisches Spektrum
4.4. Aufgabenprofil und vertragliche Situation der Honorarkräfte
4.5. Erhöhung des Honorarsatzes
4.6. Finanzierung des Honorarsatzes
4.7. Einrichtung der erforderlichen Stellen zur Auflösung des Kontingents der
Musikschullehrer*innen
5. Handlungsfeld 3: Infrastruktur
5.1. Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
5.2. Digitale Infrastruktur
5.3. Musikschulgebäude
6. Finanzen
6.1. Musikschuletat und Zuschussbedarf bis 2025
6.2. MusikschulgebührenSeite 5 von 22
3
1. Einleitung
Die Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn (LvBM) ist eine öffentliche Bildungseinrichtung mit
gesellschaftlichem Auftrag. Sie fördert die musikalischen Fertigkeiten aber auch die Kreativität,
Leistungsbereitschaft und Persönlichkeitsentwicklung der Schüler*innen. Ihr Angebot richtet sich an
die gesamte Stadtgesellschaft. Traditionell gehören zu den Musikschüler*innen vorrangig Kinder und
Jugendliche, die Musikschule öffnet sich aber vermehrt auch anderen Altersgruppen, von jungen
Erwachsenen bis hin zu Senior*innen.
Neben der Spitzenförderung hat sich die LvBM die Breitenförderung zur Aufgabe gemacht:
Kooperationsangebote wie der Unterricht in den JeKits-Klassen und im Offenen Ganztag für mehr als
1.700 Kinder aus verschiedenen Stadtteilen gehören ebenso selbstverständlich zum Profil der Bonner
Musikschule wie die jährliche erfolgreiche Teilnahme zahlreicher Schüler*innen am
Schülerwettbewerb Jugend musiziert.
Der Instrumental- und Vokalunterricht sowie die Angebote der elementaren Musikerziehung legen
die Grundlage für die musikalische Ausbildung von gut 4.500 Schüler*innen aller Altersstufen.
Prägende Erfahrungen liefert darüber hinaus das gemeinsame Musizieren in den zahlreichen Chören,
Ensembles, Bands und Orchestern der Musikschule.
Damit orientiert sich die LvBM am Strukturplan des Verband Deutscher Musikschulen und erfüllt die
Kriterien des KGSt-Gutachten von 2012 sowie des geplanten Kulturgesetzbuches NRW, in dem
Musikschulen als „Einrichtungen der Begegnung unterschiedlicher Kulturen und wichtiger Faktor in
der kommunalen Bildungs- und Kulturlandschaft“ benannt werden.
In der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens fällt der städtischen Musikschule eine besondere Rolle
zu: Will man den Anspruch Bonns als Beethovenstadt auch in Zukunft gerecht werden, ist eine früh
ansetzende, breite musikalische Bildung eine Grundvoraussetzung. Hier sieht sich die LvBM an erster
Stelle und in der Pflicht, im Unterricht und in den Ensembles, aber auch in gemeinsamen Projekten
mit den Kulturinstitutionen der Stadt den Schüler*innen der LvBM ein Bewusstsein für den Wert von
Beethovens Musik zu wecken, das Schaffen Beethovens in Gestaltung und Rezeption immer wieder
mit neuem Leben zu füllen und somit nachhaltig für die Zukunft zu sichern.
Lange Wartelisten für die Fächer der elementaren Musikerziehung sowie für einige Instrumental-
fächer, eine lebendige Ensemblelandschaft und eine sehr erfolgreiche Begabtenförderung belegen
die seit vielen Jahren erfolgreiche Arbeit der Musikschule der Bundesstadt Bonn. Will die LvBM ihre
gute Position erhalten, wird sie sich jedoch auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen und ihr
Profil und Angebot teilweise neu ausrichten müssen. Dabei hat die Musikschulleitung
gesellschaftliche Veränderungen etwa in Schulsystem, Demographie, Inklusion und Migration ebenso
im Blick wie Veränderungen bei Freizeitverhalten und Musikgeschmack der Schüler*innen.
Die Folgen der veränderten Rahmenbedingungen sind bereits heute spürbar. So sind die
Unterrichtszeiten am frühen Nachmittag kaum noch zu vergeben; die Nachfrage nach Klavier und
Gitarre steigt, während Anmeldungen für einige Orchesterinstrumente seit Jahren rückläufig sind;
geeignetes Personal ist zunehmend schwer zu finden – um nur drei Beispiele für zunehmend wichtige
Herausforderungen zu nennen.
Der persönliche Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden sowie das gemeinsame Musizieren
werden auch in Zukunft die zentralen Säulen der Musikschularbeit sein. Zugleich erkennen wir in der
fortschreitenden Digitalisierung ein wichtiges Hilfsmittel für unsere Arbeit, von der Optimierung der
Verwaltung über digital gestützten Unterricht und bis hin zu neuen Unterrichtsformaten. Konkrete
Beispiele für die Ausgestaltung finden sich in den Kapiteln „Handlungsfelder“.Seite 6 von 22
4
Für die Weiterentwicklung der LvBM sind vorrangig drei Handlungsfelder zu berücksichtigen. Gemäß
dem Motto „Mit Tradition in die Zukunft“ gilt es dabei, Bewährtes zu erhalten und zu verbessern,
aber auch neue Wege einzuschlagen.
Handlungsfeld 1: Weiterentwicklung des Unterrichtsangebots mit Blick auf gesellschaftliche und
musikalisch-kulturelle Reichweite durch den Ausbau des Gruppenunterrichts, durch den weiteren
Ausbau der Kooperationen mit Schulen, OGS und Kindergärten, durch den Aufbau musikalischer
Angebote im Bereich interkulturelles Musizieren und Inklusion und durch engere Vernetzung mit der
Kulturszene der Stadt.
Handlungsfeld 2: Weiterentwicklung der Personalstruktur durch Gewinnung von Lehrkräften mit
vielseitigem musikalisch-stilistischem Profil, durch Besetzung von Stellen mit hohem
Unterrichtsdeputat sowie durch faire Beschäftigungsverhältnisse.
Handlungsfeld 3: Entwicklung der Infrastruktur der Musikschule durch Investitionen in die digitale
Infrastruktur der Musikschule und in die Musikschulgebäude, um diese in Zukunft möglichst
nachhaltig nutzen zu können, sowie die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit.
2. Pädagogisches Profil heute:
LvBM – Stark im Kernbereich
Die LvBM ist im Kernbereich, also im Bereich Einzel-, Gruppen und Ensembleunterricht grundsätzlich
gut aufgestellt. In allen Musikschulzweigstellen werden die üblichen Instrumental- und Vokalfächer
angeboten. Ein umfangreiches Angebot an kleineren Ensembles, Bands, Orchestern und Chören
bietet allen Schüler*innen der LvBM die Möglichkeit zum gemeinsamen Musizieren. Zudem werden
Kinder ab 2½ Jahren in den Unterrichtsfächern der Elementaren Musikerziehung musikalisch
gefördert. Darüber hinaus werden in bestimmten Zweigstellen weniger nachgefragte Fächer wie
Harfe, Cembalo, Musik-Bewegung-Tanz sowie Musiktheorie angeboten. Besonders ist der Erfolg der
Begabtenförderung an der LvBM zu nennen, die jedes Jahr Erfolge beim Wettbewerb „Jugend
musiziert“ verzeichnen kann, sowie hochbegabte Schüler*innen erfolgreich auf dem Weg zum
Musikstudium begleitet.
So ermöglicht die LvBM im Sinne der Durchgängigkeit musikalischer Bildungsverläufe einen nahtlosen
Übergang von der elementaren Musikerziehung über den Instrumental- und Vokalunterricht bis zum
Musikstudium.
Folgende Bereiche des Musikschulunterrichts sind in dem Zusammenhang besonders hervorzuheben:
Elementare Musikerziehung
Die Musikalische Ausbildung an der LvBM beginnt idealerweise mit der Teilnahme an einem
Unterrichtsangebot der elementaren Musikerziehung. Für Kinder ab 2½ Jahren besteht die
Möglichkeit, an Eltern-Kind-Kursen teilzunehmen. Für Kinder im Kindergartenalter bietet die LvBM
die Kurse Musikalische Früherziehung und Musikalische Grundausbildung an. Im Fachbereich
Elementare Musikerziehung wurde der Unterricht im Jahr 2020 von durchschnittlich 1327
Schüler*innen belegt - davon 703 im Rahmen einer Kooperation. (Siehe Anhang 1)
Einzel- und Gruppenunterricht
Den mit Abstand größten Anteil am Gesamtunterricht nehmen die Instrumental- und Vokalfächer
ein. Sie werden als Einzel- und Gruppenunterricht angeboten und finden weitgehend nachmittags
statt. Die Instrumental- und Vokalfächer des Kernbereichs wurden im Jahr 2020 von durchschnittlichSeite 7 von 22
5
2532 Schüler*innen belegt. Zudem haben 566 Schüler*innen ein instrumentales Unterrichtsangebot
im Rahmen einer Schulkooperation belegt. (Siehe Anhang 1)
Bislang wird meist Einzelunterricht eingeteilt: Zum einen ist es oft nicht möglich, nach Alter und
Fähigkeit homogene Gruppen zu bilden. Zum anderen erschweren die Zunahme an Nachmittags-
veranstaltungen der Schulen sowie zahlreiche private Termine im Nachmittagsbereich die Zuteilung
mehrerer Schüler*innen zu einem gemeinsamen Unterrichtstermin.
Dennoch möchte die Leitung der LvBM in den kommenden fünf Jahren verstärkt Gruppenunterrichte
einteilen. Damit sollen Wartelisten abgebaut und die Kostendeckung erhöht werden. Zugleich soll
den teilnehmenden Schüler*innen der Schulkooperationen der Übergang in den Kernbereich, also zu
einem eigentlichen Unterrichtsangebot der Musikschule in Form von Gruppen oder Einzelunterricht,
erleichtert werden.
Ergänzungsfächer
Das gemeinsame Musizieren in einem Ensemble ist für eine breite musikalische Ausbildung
besonders wichtig und für alle Schüler*innen der LvBM kostenfrei. Dies stellt einen Unterschied zu
vielen privaten Musikschulen dar. Das pädagogische Konzept der LvBM sieht daher neben dem
Besuch des Instrumental- und Vokalunterrichts auch die Teilnahme an einem Ergänzungsfach vor.
Dabei handelt es sich um das gesamte Ensembleangebot, also die Bands, Orchester, Chöre, der
Kammermusikunterricht, Musik-Bewegung-Tanz sowie die musiktheoretischen Unterrichtsfächer.
In unterschiedlichen Ensembles für verschiedene Altersgruppen und Spielfähigkeiten fördert die
LvBM das gemeinsame Musizieren von Anfang an. Darunter sind Streicher- und Bläserspielkreise,
Kinderchöre, diverse Instrumental- und Gesangsensembles, zahlreiche kleine Orchester in den
Kooperationen sowie verschiedene Bands und Big Bands bis zum Bonner Jugend Sinfonieorchester.
Im Jahr 2020 lag die durchschnittliche Schülerbelegung in den Ensemble- und Ergänzungsfächern der
LvBM bei 997. Davon haben durchschnittlich 458 Schüler*innen an einem Ensembleangebot im
Rahmen einer Schulkooperation teilgenommen. (Siehe Anhang 1)
3. Handlungsfeld 1: Weiterentwicklung des Unterrichtsangebots mit Blick auf musikalisch-
kulturelle Reichweite
Grundsätzlich entsteht ein besonders nachhaltiger gesellschaftlicher Effekt der Musikschularbeit
dort, wo die möglichst breite Teilhabe am Angebot der Musikschule für eine junge Zielgruppe
ermöglicht wird, die ihre musikalischen Fertigkeiten und Erfahrungen womöglich ihr Leben lang
weitergeben werden. Betrachtet man den Unterrichtsbetrieb der LvBM mit Blick auf gesellschaftliche
Reichweite und musikalisch-kulturelle Vielfalt, wird Handlungsbedarf deutlich: Das betrifft zum einen
die musikalische Arbeit in den Kooperationen mit Schulen und Kindertagesstätten sowie das
Unterrichtsangebot für Menschen mit Behinderung; zum anderen die musikalisch-kulturelle
Bandbreite, die sich an der LvBM bisher hauptsächlich auf die sogenannte klassische Musik und Jazz
konzentriert – Musik anderer Kulturen bleibt dabei weitgehend nicht berücksichtigt.
Die Leitung der LvBM plant daher in den kommenden fünf Jahren, das Spektrum deutlich zu
erweitern und das Angebot der LvBM sowohl mit Blick auf die Zielgruppen als auch stilistisch einem
breiteren Publikum zu öffnen. Im Einzelnen sind folgende Maßnahmen geplant:Seite 8 von 22
6
3.1. Schulkooperationen
Die LvBM kooperiert seit Jahren im Rahmen eines eigenen Kooperationsmodells mit den Offenen
Ganztagsschulen sowie im Rahmen des landesgeförderten Bildungsprogramm „JeKits“ mit einer
Vielzahl an verschiedenen Grundschulen. Hinzu kommen weitere Kooperationen mit
weiterführenden Schulen. Gut ein Drittel aller Schüler*innen der Musikschule werden von den
Lehrkräften der LvBM im Zusammenhang mit einer Grundschulkooperation unterrichtet.
Die gemeinsame Arbeit mit den Kooperationspartnern der Bonner Bildungslandschaft ist für die
LvBM in den vergangenen Jahren sehr wichtig geworden: Die zunehmende Nachmittagsbetreuung in
den Offenen Ganztagen, die schulische Entwicklung im Zuge von G8, der Ganztag in den
weiterführenden Schulen sowie die veränderte Lebensrealität der Familien erschweren, dass Kinder
regelmäßige Veranstaltungen im Kernbereich der Musikschule besuchen können. Über die
Zusammenarbeit mit den Schulen kann dem begegnet werden. Darüber hinaus werden im
Kooperationsunterricht Kinder und Jugendliche erreicht, die aufgrund ihres finanziellen, sozialen
oder kulturellen Hintergrunds nicht ohne weiteres ein Musikschulangebot wahrnehmen würden.
In den kommenden fünf Jahren plant die Leitung der LvBM, die bestehenden Kooperationen zu
stärken, das Unterrichtsangebot zu verbessern und die Zahl der Kooperationspartner zu erweitern.
Vor allem eine Ausweitung des Unterrichts im Zusammenhang mit dem NRW-Bildungsprogramm
JeKits wird in den kommenden Jahren konkret. Dafür sind folgende Maßnahmen erforderlich:
 Schaffung einer Stelle Fachbereichsleitung Kooperationen, finanziert durch das NRW-
Förderprogramm Musikschuloffensive
 Umstrukturierung der OGS-Kooperationen
 Erweiterung der Zahl der Kooperationspartner
 Schaffung weiterer personeller Kapazitäten für die geplante Ausweitung des NRW-
Bildungsprogramms JeKits von zwei auf vier Jahrgänge pro Grundschule im Rahmen der zur
Verfügung stehenden Stellen.
3.2. Starke Kinderstimmen
Im Zuge des Beethoven Jubiläumsjahres wurde das Projekt „Starke Kinderstimmen. Gut eingestimmt
fürs Leben“ ins Leben gerufen. Unter der Federführung der LvBM wurde von verschiedenen
Fördernden und Akteuren ein Kooperationsmodell entwickelt, in dessen Zentrum das Singen in
Grundschulklassen steht. So konnte im ersten Halbjahr 2020 mehr als 4.000 Schüler*innen an 23
Grundschulen ein musikalisches Angebot gemacht werden. Mit dem Beginn der Coronapandemie
musste das Projekt „Starke Kinderstimmen“ abgebrochen werden. Allerdings haben alle beteiligten
Akteure, Fördernde und Grundschulleitungen im Nachgang die Wichtigkeit und den Erfolg des
Programms betont, und sich eine Fortsetzung gewünscht, sobald es das Pandemiegeschehen wieder
zulässt.
Sobald das Singen im Klassenverband zuverlässig wieder möglich ist, plant die Leitung der LvBM eine
Wiederaufnahme des Projekts „Starke Kinderstimmen“ in reduziertem Umfang. Das Projekt war
durch Drittmittel finanziert, was auch die Voraussetzung für eine Wiederaufnahme des Projekts ist.
3.3. Kooperationen mit Kindertagesstätten
Die LvBM kooperiert seit Jahren bereits mit einigen Kindertagesstätten im Bonner Stadtgebiet.
Gemeinsam mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie geht die LvBM ab dem Schuljahr 21/22 neueSeite 9 von 22
7
Wege: In einem Kooperationsmodell wird die Zusammenarbeit zwischen der LvBM, den städtischen
Kitas und dem Amt 51-1 gestärkt. Kernpunkt des Kooperationsmodells ist, dass der Unterricht für die
teilnehmenden Kinder bzw. deren Familien kostenfrei ist. Damit soll sichergestellt werden, dass jedes
interessierte Kind unabhängig vom familiären finanziellen Hintergrund teilnehmen kann. Die
Finanzierung durch das Amt 51-1 aus KiBiz-Mitteln läuft zum Ende des Schuljahrs 21/22 aus.
Haushaltsmittel für das kommende Kita-Jahr sind vom Amt 51 angemeldet worden. Ansonsten kann
die Finanzierung derzeit nicht sichergestellt.
Mit Hilfe der geplanten Besetzung der Stelle der Fachbereichsleitung Elementare Musikerziehung
und Inklusion könnte die Betreuung der städtischen Kitas fortgesetzt werden. Insbesondere könnten
Kitas, die Kinder mit besonderen Bedarfen betreuen, einbezogen werden, wenn die
Anschlussfinanzierung geklärt ist. Für dieses Jahr steht der erfolgreiche Abschluss des gemeinsamen
Projektjahres mit dem Amt 51-1 und den teilnehmenden städtischen Kindertagesstätten an.
3.4. Inklusion und Musizieren mit Menschen mit Behinderung
Das Unterrichtsangebot der LvBM richtet sich an alle interessierten Bürger*innen der
Stadtgesellschaft. So haben im Schuljahr 20/21 auch 27 Schüler*innen mit Behinderung ein
Unterrichtsangebot der LvBM besucht.
Allerdings beschränkt sich das Angebot für Menschen mit Behinderung auf den reinen Instrumental-
und Gesangsunterricht. Ein inklusives Ensemble wird bisher nicht angeboten. Zudem bestehen auch
keine Kooperationen mit Förderschulen, integrativen Kitas oder sonstige Einrichtungen für Menschen
mit Behinderungen. Für eine moderne Musikschule, die sich an die gesamte Stadtgesellschaft richten
möchte, sollte es aber eine Selbstverständlichkeit sein, für Menschen mit Behinderung ein
angemessenes Unterrichts- und Musizierangebot vorzuhalten.
Die Beschaffenheit der Unterrichtsgebäude der LvBM stellen in Bezug auf Musizieren mit Menschen
mit Behinderung ein deutliches Hindernis dar: Die Gebäude der Zweigstellen Bad Godesberg, Beuel
und Bonn sind nur über Treppen erreichbar. Barrierefreie Eingänge oder Sanitäranlagen gibt es
bislang an keinem der fünf Musikschulgebäude. Allerdings wurde für das Gebäude der Zweigstelle
Hardtberg bereits ein Plattformlift und eine barrierefreie Sanitäranlage in Aussicht gestellt.
In den kommenden fünf Jahren plant die Leitung der LvBM das Angebot für Menschen mit
Behinderung deutlich auszuweiten. In einem ersten Schritt soll der Instrumental- und Vokalunterricht
für Menschen mit Behinderung zielgerichtet beworben werden. Inklusive Ensembles sollen das
Unterrichtsangebot ergänzen. Zudem möchte die Leitung der LvBM die Gruppe der
Kooperationspartner um Förderschulen und integrative Kitas, aber auch um Fördereinrichtungen für
Menschen mit Behinderung erweitern, und hält daher folgende Maßnahmen für wichtig:
 Gezieltes Bewerben des Unterrichtsangebots
 Besetzung der Fachbereichsleitung Elementare Musikerziehung und Inklusion
 Schulungen von interessierten Lehrkräften für den Unterricht und die Ensembleleitung mit
Menschen mit Behinderung, etwa über den berufsbegleitenden Lehrgang des VDM
 Ertüchtigung des Gebäudes des Musikschulbezirks Hardtberg als barrierefreies Unterrichts-
gebäude als ersten Schritt
 Entwicklung von digitalen Unterrichtsformaten für das Musizieren mit Menschen mit
Behinderung
 Erweiterung der Schul- und Kitakooperationen um Förderschulen und integrative KitasSeite 10 von 22
8
3.5. Musikalisch-kulturelle Vielfalt
Die musikalische Bandbreite an der LvBM umfasst überwiegend das das Feld der sogenannten
klassischen Musik. Darüber hinaus findet die Ausbildung junger Jazzmusiker*innen im Rahmen der
Jazzabteilung erfolgreich statt. Im Bereich des interkulturellen Musizierens oder in den Stilrichtungen
Rock und Pop hingegen finden sich kaum Unterrichtsangebote. Das wird den gesellschaftlichen und
kulturellen Entwicklungen nicht gerecht. Aus diesem Grund hat sich die Leitung der LvBM zum Ziel
gesetzt, in den kommenden fünf Jahren das Unterrichtsangebot in diese Richtung zu erweitern. Das
eröffnet auch die Chance, weitere Zielgruppen zu erreichen.
a) Pflege des Beethoven-Erbes
Es ist Auftrag der öffentlichen Musikschulen die musikalisch-kulturelle Vielfalt zu erhalten, ihren
Wert den Schüler*innen zu vermitteln und für die Zukunft zu sichern. Als Musikschule der
Geburtsstadt Ludwig van Beethovens fühlt sich die LvBM besonders dessen musikalischem Erbe
verpflichtet: Kompositionen Beethovens werden selbstverständlich im Unterricht vermittelt und
stehen regelmäßig auch auf dem Programm der Musikschulensembles, besonders im Bonner
Jugendsinfonieorchester, dem Sinfonieorchester der LvBM. Auch in den Ensembles der Unter- und
Mittelstufe sowie in den Musikschulbands finden Beethovens Kompositionen als Arrangements oder
Improvisationen häufig Anwendung und tragen dazu bei, das Schaffen Beethovens mit neuem Leben
zu füllen.
Um den Schüler*innen zudem einen Einblick in die einmalige Kulturszene der Stadt zu ermöglichen,
kooperiert die LvBM darüber hinaus in regelmäßigen Projekten mit den großen Musikinstitutionen
der Stadt wie dem Beethovenfest und der Oper Bonn. Besonders ist hier die Zusammenarbeit mit
dem Beethovenorchester Bonn (BOB) zu nennen: Das BOB ist Pate des Bonner Jugendsinfonie-
orchesters, Musiker des BOB übernehmen regelmäßig die Leitung der Gruppenproben. Aber auch
gemeinsame Projekte wie der für das Frühjahr 2022 geplante Kompositionsworkshop mit dem
Bonner Komponisten David Graham tragen dazu bei, den Wert klassischer Musik und der Musik
Beethovens der nächsten Generation erlebbar zu machen und nachhaltig zu sichern.
Für die Zukunft plant die Leitung der LvBM die Zusammenarbeit mit dem Beethovenorchester, dem
Beethovenfest, der Oper Bonn und weiteren Kulturinstitutionen der Stadt weiter zu intensivieren.
b) Interkulturelles Musizieren
Die Begegnung mit der Musik anderer Kulturen hat an öffentlichen Musikschulen in den vergangenen
Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Gerade für eine Stadt mit einer multikulturellen
Gesellschaft wie Bonn ist ein musikalisches Unterrichtsangebot, das sich in seinen verschiedenen
Facetten an die gesamte Stadtgesellschaft richtet, von besonderer Wichtigkeit.
Auch die LvBM wird in den nächsten Jahren ihr Profil um musikalische Unterrichtsangebote mit
Musik anderer Kulturen erweitern. Neben zielgerichteten Workshops und Projekten, ist geplant,
einzelne Instrumente anderer Kulturen, wie z.B. Baglama oder Oud ins ständige
Unterrichtsprogramm der LvBM aufzunehmen sowie ein Ensembleangebot aufzubauen, das gezielt
Musik anderer Kulturen aufgreift.
Gemeinsam mit Kooperationspartnern wie dem vom Bonner Institut für Migrationsforschung und
Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. getragenen „MIGRApolis – Haus der Vielfalt“ erhofft sich die
Leitung der LvBM, das Unterrichtsangebot um Musik anderer Kulturen zu erweitern und somit
weitere Zielgruppen zu erreichen.Seite 11 von 22
9
c) Abteilung Jazz, Rock, Pop
Die Jazzabteilung der LvBM führt seit Jahren begabte Schüler*innen an die Jazzmusik heran, und dies
mit großem Erfolg: Im Jahr 2017 gewann die Jazzabteilung der LvBM den WDR-Ehrenpreis für
besondere Nachwuchsförderung. Gleichzeitig aber stellen wir fest, dass das Interesse am Unterricht
in unserer Jazzabteilung abnimmt.
Um die Qualität dieses besonderen Unterrichtsangebots zu erhalten, aber auch die stilistische
Bandbreite zu erhöhen, plant die Leitung der LvBM, die Jazzabteilung in den kommenden Jahren mit
gezielten Neubesetzungen zu stärken und gleichzeitig das stilistische Spektrum um die Musik des
Pops und Rocks zu erweitern. Somit soll neben der Instrumental- und Vokalausbildung auch das
gemeinsame Musizieren in einer Jazz- oder Popband gefördert werden.
d) Digitales Musizieren und Musikproduktion
Im Prozess der strategischen Weiterentwicklung des Musikschulprofils kommt dem Einsatz digitaler
Technik eine Schlüsselrolle zu. Digitale Technik erweitert nicht nur die bestehenden Unterrichts-
formate, sondern eröffnet darüber hinaus neue didaktische Perspektiven, die vom Einsatz von Apps
im Musikunterricht bis zu neuen Unterrichtsangeboten reichen. Zudem bieten digitale Medien die
Chance, Kinder und Jugendliche in ihrer Lebenswirklichkeit „abzuholen“.
Digitale Unterrichtsformate
Die während der Coronapandemie erarbeiteten Unterrichtsformate des Online- und
Hybridunterrichts werden auch nach Abflauen der Pandemie zum Musikschulalltag gehören. Schon
jetzt wird seitens vieler Schüler*innen ein nahtloser Wechsel zwischen Online- und Präsenzunterricht
erwartet, zum Beispiel bei Erkrankungen, Auslandsaufenthalten oder Ereignissen höherer Gewalt.
Einsatz von Apps im musikalischen Unterricht
Der Einsatz digitaler Medien und Apps wie Stimmgeräte, Metronome, Aufnahme-Apps aber auch
digitale Noten- oder Musikdatenbanken bieten wichtige Möglichkeiten, das didaktische Profil des
bestehenden Unterrichts zu erweitern und zugleich an die digital geprägte Lebenswirklichkeit der
Schüler*innen anzuknüpfen.
Neues Unterrichtsspektrum digitales Musizieren
Mittels digitaler Medien ist es darüber hinaus möglich, Unterrichtsangebote zum Thema Video- und
Musikproduktion/Songwriting für verschiedenste Ziel- und Altersgruppen zu implementieren. Apps
bieten vielfältige Möglichkeiten, um selbst kreativ tätig zu werden und nicht nur bestehende Musik
zu interpretieren, sondern eigene Musik entstehen zu lassen. Dank des sehr breiten Spektrums an
Applikationen lassen sich zudem niederschwellige Unterrichtsformate entwickeln, z.B. barrierefreies
Musizieren mittels iPad für Menschen mit Behinderung.
In einem ersten Schritt konnte im Schuljahr 2020/2021 dank einmalig zur Verfügung gestellter
finanzieller Mittel der Stadt Bonn mit dem Aufbau der digitalen Infrastruktur begonnen werden. So
wurden mobile Endgeräte (iPads) angeschafft und – verwaltet über ein MDM-System – an einen Teil
der Lehrkräfte ausgegeben. Darauf aufbauend plant die LvBM fünf weitere Maßnahmen, die an allen
fünf Standorten umgesetzt werden und von denen möglichst viele Lehrkräfte profitieren sollen. Hier
ist die Ausstattung je eines Raums mit moderner Konferenztechnik zu nennen, die Erweiterung des
Pools an digitalen Endgeräten sowie der Aufbau von Studios für digitale Video- und Musikproduktion.
Zur Finanzierung dieser Vorhaben hat die LvBM im März 2022 über den Landesverband der
Musikschulen NRW e.V. Gelder aus der Digitalisierungsoffensive des Landes NRW beantragt.Seite 12 von 22
10
e) Talentakademie
Neben der Breitenförderung ist es auch Aufgabe einer öffentlich getragenen Musikschule,
Hochbegabungen zu erkennen und zu fördern. Die Förderung begabter und hochbegabter
Schüler*innen stellt an der LvBM seit Jahren einen besonderen Schwerpunkt dar: Zahlreiche
Schüler*innen der LvBM nehmen jedes Jahr erfolgreich beim Schülerwettbewerb „Jugend musiziert“
teil. Häufig zählen Schüler*innen der LvBM zu den Preisträgern*innen bei der bundesweiten
Endausscheidung. Zudem lassen sich einige Profimusiker*innen benennen, die an der LvBM ihre
Ausbildung erhalten haben.
Um die Förderung der hochbegabten Schüler*innen zu koordinieren, hat die LvBM eigens eine
Fachbereichsleitung eingerichtet. Neben zusätzlichen Unterricht bietet die LvBM diverse Förder-
möglichkeiten wie Korrepetition, Berufsberatung, gezielte Workshops und Konzerte bis zum
Tandemunterricht mit Musikhochschuldozent*innen.
Die Fördermöglichkeiten sind gewachsen und für Außenstehende auf den ersten Blick
unübersichtlich. Zudem steht die Finanzierung der zusätzlichen Fördermaßnahmen auf wackligen
Beinen: Immer wieder müssen finanzielle Einzelfalllösungen gefunden werden.
Um hochbegabte Schüler*innen besser fördern zu können, Eltern einen übersichtlichen Einblick zu
ermöglichen und verstärkt externe Partner als stabile Fördernde gewinnen zu können, plant die
Leitung der LvBM die Fördermaßnahmen unter dem Dach einer Talentakademie zusammenzufassen.
Dazu hält die Leitung der LvBM folgende Maßnahmen für erforderlich:
 Zusammenfassung des Fachbereichs Studienvorbereitende Ausbildung und
Begabtenförderung in einer Talentakademie
 Bündelung der bisherigen Fördermöglichkeiten unter dem Dach der Talentakademie
 Gute und strukturierte Zusammenarbeit mit externen Fördernden
 Gewinnung weiterer Fördernder
4. Personalsituation an der LvBM
Im Zuge der genannten Weiterentwicklung des Unterrichtsangebots werden sich die Anforderungen
an die Personalstruktur ebenso ändern, wie die Erwartungen an das musikalisch-didaktische Profil
der Lehrkräfte. Mehr noch als heute wird von den Lehrkräften eine große stilistische Bandbreite
erwartet werden sowie eine breite didaktische Erfahrung in verschiedensten Unterrichtsformen.
Dem gegenüber steht ein insgesamt rückläufiges Interesse am Beruf der Musikschullehrkraft, was in
den nächsten Jahren zu einem Fachkräftemangel führen wird. Eine weitere Herausforderung stellt
die Arbeit mit Honorarkräften dar, deren rechtliche und finanzielle Stellung sich erheblich von der
der TVöD-Kräfte unterscheidet und in den kommenden Jahren verbessert werden soll.
4.1. Ausgangssituation
An der LvBM unterrichteten im Jahr 2019 (vor Pandemiezeitraum) durchschnittlich 120 Lehrkräfte
mit TVöD-Vertrag. Bei einem Unterrichtsvolumen von insgesamt 2526 Jahreswochenstunden (JWS)
übernehmen die angestellten Lehrer*innen mit 1827 JWS einen Anteil am Gesamtunterricht von ca.
72,33%. Zudem waren neben den TVöD-Kräften im Jahr 2019 an der LVBM durchschnittlich 85
Honorarkräfte tätig, die mit 696 JWS einen Unterrichtsanteil von ca. 27,57 % am insgesamt
geleisteten Unterricht übernahmen.Seite 13 von 22
11
Um die Beschäftigungsverhältnisse an der LvBM zu verbessern, hat der Rat der Stadt Bonn in einem
ersten Schritt entschieden, zum 1.1.2022 zehn zusätzliche VZÄ-Stellen einzurichten. Damit erhöht
sich das von TVöD-Kräften geleistete Unterrichtsvolumen inklusive dem sogenannten Ferien-
überhang um 320 JWS. Orientiert am Jahr 2019 werden somit TVöD-Kräfte einen Anteil am
Gesamtunterricht von ca. 85% übernehmen.
4.2. TVöD-Anstellungen mit hohem Deputat
Das Unterrichtsvolumen der TVÖD-Kräfte im Jahr 2019 entspricht etwa 60 VZÄ-Stellen. Allerdings
unterrichten nur sehr wenige Lehrkräfte in Vollzeit. Die meisten sind Teilzeitbeschäftigte, manche
unterrichten mit sehr geringem Deputat. Daraus folgt, dass viele Lehrkräfte an mehreren
Musikschulen unterrichten, und sich an der LvBM nicht so einbringen können, wie es von einer
Vollzeitkraft oder einer Teilzeitkraft mit hohem Unterrichtsdeputat zu erwarten wäre. Daher ist es in
mehrerlei Hinsicht sinnvoll, zukünftige Stellen so zu besetzen, dass sich das Kollegium aus
Mitarbeitenden mit hohem Deputat zusammensetzt. Zugleich schafft die LvBM somit
existenzsichernde, sozial nachhaltige Arbeitsverhältnisse und entwickelt sich mit Blick auf einen zu
erwartenden Fachkräftemangel zu einem attraktiven Arbeitgeber.
4.3. Breit aufgestellt: didaktisch-stilistisches Spektrum
Um die zunehmende Zusammenarbeit mit den verschiedensten Kooperationspartnern bedienen zu
können, und auch um die Musikschule mit Blick auf musikalisch-kulturelle Reichweite
weiterentwickeln zu können, wird bei künftigen Neubesetzungen das Aufgabenprofil der TVöD-Kräfte
grundsätzlich weiter gefasst werden: Ein breites stilistisches und didaktisches Können ermöglicht der
Lehrkraft neben dem traditionellen Einzel- und Gruppenunterricht in den Instrumental- und
Vokalfächern ein qualitativ anspruchsvolles Unterrichten in den Projekten und Kooperationen.
4.4. Aufgabenprofil und vertragliche Situation der Honorarkräfte
Honorarkräfte werden an der LvBM in sämtlichen Unterrichtsbereichen eingesetzt. Sie arbeiten in
den Kernbereichen des Instrumental- und Vokalunterrichts ebenso wie in Kooperationen mit den
allgemeinbildenden Schulen, dem Offenen Ganztag und den Kitas. Darüber hinaus können sie für
befristete Aufgaben gewonnen werden und übernehmen Elternzeitvertretungen, Vertretungen im
Krankheitsfall oder bei Frühverrentungen. Die Musikschulleitung kann mit dem Einsatz von
Honorarkräften schwankende Anmeldezahlen und sich verändernde Vorlieben der Schüler*innen für
bestimmte Fächer abfangen.
Honorarkräfte sind grundsätzlich frei in der Wahl ihrer Methode sowie des Orts und Zeitpunkts ihres
Unterrichts. Auch unterliegen Honorarkräfte nicht der Weisung der Musikschulleitung.
Zusammenhangstätigkeiten, wie oben für die TVöD-Kräfte benannt, sind in ihrem Aufgabenprofil
nicht vorgesehen.
Für ihren Unterricht werden die Honorarkräfte der LvBM pro geleistete Unterrichtseinheit (45 Min.)
bisher mit 25,- € honoriert. Für kürzere oder längere Unterrichtseinheiten passt sich das Honorar
entsprechend an; der Unterricht in den Großgruppen wie der Musikalischen Früherziehung oder in
den OGS-Kooperationen wird mit 30,- € je Schulstunde und der Unterricht in den JeKits-Klassen nach
einem vom Land NRW vorgegebenen Satz von 37,84 € je Schulstunde honoriert. Bezahlt wird nur der
geleistete Unterricht. Die Vorbereitungszeit wird nicht extra honoriert. Schulferien oder Feiertage
werden nicht durch bezahlt. Es besteht kein Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.Seite 14 von 22
12
4.5. Einrichtung von 10 VZÄ-Stellen für die Honorarkräfte
Im Juni 2021 hat der Rat der Stadt Bonn beschlossen, 10 weitere VZÄ-Stellen ab dem Haushaltsjahr
2022 einzurichten, die ausschließlich den langjährig beschäftigten Honorarkräften der LvBM
vorbehalten sind. Mit dieser Entscheidung setzt die Stadt Bonn für die LvBM und ihre Lehrkräfte ein
wichtiges Signal. Die berufliche Situation für einen Teil der Honorarkräfte verbessert sich deutlich,
gleichzeitig reduziert sich der Anteil der durch Honorarkräfte geleisteten Stunden am gesamten
Unterrichtsdeputat der LvBM.
4.6. Erhöhung des Honorarsatzes auf ein Niveau vergleichbar dem Bruttolohn des TVöD
Die Honorarkräfte der LvBM weisen im Vergleich zu den angestellten TVöD-Lehrkräften die gleiche
Ausbildung und Unterrichtserfahrung vor. In Bezug auf die Unterrichtsqualität besteht zu den TVöD-
Lehrkräften kein Unterschied.
Die aktuelle Vergütung der Honorarkräfte liegt mit 25,- € pro gegebene Unterrichtseinheit dennoch
deutlich unter der Vergütung der TVöD-Kräfte und ist nach Einschätzung der Musikschulleitung der
Ausbildung und der Leistung der an der LvBM tätigen Honorarkräfte nicht angemessen. Im Sinne der
Gleichbehandlung der an der LvBM tätigen Lehrkräfte wäre mittelfristig eine schrittweise Anhebung
des Honorarsatzes bis zu einer Zielgröße von ca. 38,- € pro Unterrichtseinheit wünschenswert. Dieser
Betrag orientiert sich am Bruttolohn einer an der LvBM tätigen TVöD-Lehrkraft und entspricht auch
der Vergütung, welche im Kontext des Landesprogramms JeKits als Honorar gezahlt wird.
Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die Finanzierung einer solchen Honorarerhöhung durch den
Haushalt nicht gedeckt ist. Eine Erhöhung des Honorarsatzes müsste im vollen Umfang durch eine
moderate Erhöhung der Unterrichtsgebühren gegenfinanziert werden. Hier wären allerdings die
Schritte und der Zeitrahmen genau zu prüfen, da eine Gebührenerhöhung nach Einschätzung der
Musikschulleitung in der Regel mit einer Verringerung der Schülerzahlen einhergeht.
4.7. Einrichtung der erforderlichen Stellen zur Auflösung des Kontingents der Musik-
schullehrer*innen
Aktuell werden über 60 Lehrkräfte im Stellenplan nicht namentlich aufgeführt, sondern unter einem
Stundenkontingent geführt. Diese Darstellung soll im Zuge der Umstellung auf den SAP-basierten
Stellenplan verändert werden. Das Musikschulkonzept soll zum Anlass genommen werden, das
Kontingent der Musiklehrer*innen aufzulösen und dafür die erforderlichen Stellen in der
Fortschreibung 2023/2024 einzurichten. Der Bedarf von mindestens 40,43 VZÄ ist hierfür
vorgesehen. Durch die Schaffung der neuen 41 Stellen entstehen keine zusätzlichen Kosten.
5. Handlungsfeld 3: Infrastruktur
5.1. Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Gute Musikschularbeit lebt von der hohen Qualität des Unterrichts sowie von dem hohen fachlichen
Können des Lehrerkollegiums. Wie bereits dargestellt, kann die LvBM mit der erfolgreichen Arbeit
besonders im Instrumental- und Gesangsunterricht punkten. Allerdings ist es für den langfristigen
Erhalt der LvBM nicht ausreichend „nur“ guten Unterricht anzubieten. Nach dem Motto „Tue Gutes
und rede darüber“ verspricht sich die Leitung der LvBM mittels eines klaren Kommunikations-
konzepts und funktionierenden wie ansprechenden Präsentationen, die Reichweite der Musikschule
zu erhöhen, die umfangreiche und qualitativ hochwertige Arbeit der Musikschule in dieSeite 15 von 22
13
Stadtgesellschaft zu transportieren und somit langfristig das Interesse der Bürger*innen zu erhalten
und idealerweise weitere Fürsprecher*innen für die LvBM zu gewinnen.
Daher hat sich die neue Leitung der LvBM zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die
gesamte Außendarstellung der LvBM neu aufzustellen. Bereits im ersten Halbjahr 2021 konnten erste
Vorhaben umgesetzt werden:
 Der Newsletter LvBM-Kompakt wurde im Juni 2021 erstmals versendet. Mit der Unterstützung
des Marketingservice der Stadt Bonn soll vierteljährlich ein Newsletter erscheinen, der aktuelle
Musikschulthemen aufgreift.
 Seit Anfang 2021 besteht ein musikschuleigener YouTube-Kanal, der als Präsentationsfläche für
erfolgreiche Schüler*innen und Ensembles der LvBM dient. Zudem konnte der YouTube-Kanal in
der Zeit des zweiten Lockdowns genutzt werden, um auf das Angebot der LvBM aufmerksam zu
machen.
 Die Facebook-Seite der LvBM wurde wiederbelebt und wird aktuell gehalten. Die Zahl der
Follower hat sich im vergangenen Halbjahr deutlich erhöht.
Für die weitere Öffentlichkeitsarbeit plant die Leitung der LvBM folgende Maßnahmen:
 Die LvBM hat bereits ein eignes Logo. Darüber hinaus fehlt es aber an einer Gestaltungslinie, die
die Außendarstellung der Musikschule durchzieht. Gemeinsam mit dem Amt für Presse,
Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit soll ein gemeinsames Corporate Design entwickelt werden,
dass künftig die Darstellung aller Informations- und Werbeformate durchzieht.
 Die derzeitige Website der LvBM soll durch eine Microsite innerhalb der städtischen Website
ersetzt werden.
 Werbeprodukte wie Flyer und Handzettel sollen gezielt auf das Angebot der LvBM hinweisen,
Infomaterialien wie einheitliche und ansprechende Plakate, Roll-Ups und Banner, etc. sollen
künftig die Veranstaltungen der LvBM flankieren.
5.2. Digitale Infrastruktur
Die Leitung der LvBM hat sich zum Ziel gesetzt, das Musikschulprofil neu zu strukturieren und
zeitgemäß aufzustellen. Dabei berücksichtigt sie gesellschaftliche Entwicklungen und Trends, wie
auch die Möglichkeiten der Digitalisierung. Gerade in Folge der Coronapandemie wird von
Schüler*innen wie den Eltern zunehmend der Einsatz digitaler Technik und smarter Software im
Unterricht erwartet. Digital gestützter Unterricht wird zukünftig ebenso zum Unterrichtsprofil der
LvBM gehören, wie ergänzende digitale Unterrichtsangebote. Zudem bieten neue Softwarelösungen
die Möglichkeit, Verwaltungsabläufe abzukürzen und effizienter zu gestalten.
Was die digitale Infrastruktur anbelangt, ist die LvBM nicht ausreichend ausgestattet.
Dennoch konnten erste Maßnahmen im vergangenen Jahr bereits umgesetzt werden:
 Die Verwaltungssoftware iMikel konnte um eine leistungsstarke App erweitert werden. Der
Einsatz dieser App wird den Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren und vereinfacht die
datenschutzkonforme interne Kommunikation.
 Über 80 iPads wurden für das Kollegium der LvBM angeschafft.
 Im Musikschulgebäude Hardtberg konnte bereits erfolgreich W-LAN installiert werden; im
Gebäude Kurfürstenallee befindet sich das W-LAN derzeit in einer Testphase.
Um den Musikschulunterricht zeitgemäß aufzustellen, bedarf es allerdings weiterer Investitionen in
die digitale Infrastruktur der LvBMSeite 16 von 22
14
 Installation eines W-LAN-Netzes in allen Gebäuden der LvBM
 Anschaffung von passgenauen Apps für die Dienst-iPads der Lehrkräfte.
(Drittmittelfinanziert)
5.3. Gebäude
Der Unterrichtsbetrieb der LvBM ist dezentral organisiert: Ein zentrales Musikschulgebäude gibt es
nicht, dafür verteilt sich der Unterrichtsbetrieb weitegehend gleichmäßig auf die fünf Zweigstellen in
den jeweiligen Stadtbezirken Bad Godesberg, Bonn, Beuel, Hardtberg und Dransdorf. Die einzelnen
Zweigstellen bilden somit in sich eigenständige Musikschulen.
Raumangebot
Alle Zweigstellen sind in historisch wertvollen und denkmalgeschützt Gebäuden untergebracht, die in
ihrer Grundanlage schöne und große Unterrichtsräume bieten und für musikalischen Unterricht gut
geeignet sind. Alle Gebäude verfügen zudem über einen kleinen bis mittelgroßen Saal, der sich für
interne Veranstaltungen wie Klassenvorspiele und Workshops gut eignet. Zusätzlich steht am
Standort Hardtberg ein Saal zur Verfügung, der sich für größere Konzerte und sonstige
Veranstaltungen eignet, an allen anderen Standorten muss die LvBM auf externe Räumlichkeiten in
der näheren Umgebung ausweichen. Ziel der LvBM muss sein, dass dieser Gebäudebestand in einen
Zustand versetzt wird, der eine breite und nachhaltige Nutzung in der Zukunft ermöglicht und sichert.
Zustand der Gebäude
An allen Musikschulgebäuden, darunter insbesondere an den Gebäuden Schieffelingsweg 2,
Kirschallee 23 sowie Kurfürstenallee 8 und 9, macht sich ein offenbar mehrere Jahre oder Jahrzehnte
langer Renovierungsstau bemerkbar.
Im Sinne des Brandschutzes mussten hier in den vergangenen Jahren regelmäßig Baumaßnahmen an
den Gebäuden vorgenommen werden. Angesichts dieser regelmäßig erforderlichen Maßnahmen
sowie hoher städtischer Ausgaben insgesamt konnten zahlreiche Bau- und Renovierungs-
maßnahmen, die aus Sicht der Musikschulleitung erforderlich wären, nicht vorgenommen werden,
darunter der Einbau doppelt verglaster Fenster, neue Verdunklungen, Heizungssanierung,
Innenausbau (Wände, Fußboden, Lüftung, etc.).
Die Baumaßnahmen sind angesichts der langen und nicht hinreichend dokumentierten
Baugeschichte schwer planbar, da sich der genaue Zustand der Gebäude oft erst während der
Bauzeit offenbart und dann neue Maßnahmen erforderlich macht. Eine Sondersituation herrscht seit
dem Schuljahr 2020/2021 am Standort Bad Godesberg vor: Seit April 2021 wird im Kellergeschoss des
Gebäudes Kurfürstenallee 8 eine neue Lüftungsanlage eingebaut, deren Fertigstellung sich derzeit
leider ebenfalls auf unbestimmte Zeit verzögert hat. Außerdem muss die Decke in Raum 1 und Raum
12 in der Kurfürstenallee 9 saniert werden. Bis dahin bleiben beide Räume unbenutzbar.
Konsequenzen für den Unterricht
Nach dem eingeschränkten Unterricht in den Jahren der Pandemie, findet derzeit an der LvBM
nahezu vollumfänglich Präsenzunterricht statt, auch größere Ensembles proben unter
Berücksichtigung der aktuell geltenden Vorschriften wieder regelmäßig. Vor dem Hintergrund
werden vor allem im Zeitraum von 15:30 bis 18:30 alle Unterrichtsräume gebraucht. Derzeit ist am
Standort Bad Godesberg an manchen Tagen der Unterrichtsbetrieb nur durch temporär zur
Verfügung gestellte Räume im Bezirksrathaus Bad Godesberg möglich. Aufgrund fehlender
Renovierungen bieten nicht alle Gebäude bzw. Unterrichtsräume den Lehrkräften und Schüler*innen
ein funktionierendes und angenehmes Umfeld für den musikalischen Unterricht.Seite 17 von 22
15
Sofern es die baulichen Voraussetzungen und die Gesamtplanungen des SGB zulassen, wäre hier eine
langfristigere und verlässlichere Planung wünschenswert. Zudem empfiehlt die Musikschulleitung,
eine Teilsanierung, u. U. auch Kernsanierung der Gebäude zu prüfen und in das langfristige
Sanierungskonzept der Stadt Bonn einzubinden. Dies würde nicht nur das Arbeitsumfeld erheblich
verbessern, sondern auch die Gebäude in ihrer Substanz langfristig erhalten und eine nachhaltige
Nutzung sicherstellen.
6. Finanzen
6.1. Musikschuletat und Zuschussbedarf bis 2025
Musikschuletat und Zuschussbedarf 2017 bis 2020
Die Finanzierung der LvBM steht auf zwei Säulen: Zum einen finanziert sich die LvBM aus den
Erträgen aus Unterrichts- und Kursgebühren sowie den städtischen Aufwendungen. Diese
Aufwendungen, die insbesondere für Personal- und Versorgung anfallen, sind im Zeitraum 2017 bis
2020 gegenüber den Gesamterträgen kontinuierlich angestiegen. Während 2017 die städtischen
Aufwendungen ohne interne Leistungsverrechnungen noch mit ca. 2,55 Mio. EUR bei ca. 48 % des
finanziellen Gesamtbedarfs lagen, hatten die städtischen Aufwendungen im Jahr 2020 mit ca. 2,92
Mio. EUR bereits einen Anteil von ca. 52 %. Grund dafür sind, wie aus der untenstehenden Tabelle
hervorgeht, vor allem steigende Personalkosten.
Aufstellung Ist 2017-2020
Erträge und Aufwendungen ohne interne Leistungsverrechnungen
Ist 2017 Ist 2018 Ist 2019 Ist 2020
Erträge Gesamt -2.743.382,20 € -2.690.856,00 € -2.977.204,05 € -2.738.314,66 €
Personal- und Versorgungsaufwand 4.535.034,73 € 4.718.041,56 € 4.892.962,53 € 4.849.812,69 €
Aufwand für Honorarkräfte 627.947,14 € 654.201,92 € 724.314,76 € 705.894,57 €
Aufw. Sach- & Dienstleistungen, sonst. Aufw. 132.671,83 € 101.019,46 € 106.163,23 € 103.045,64 €
Gesamtbedarf ohne Interne Verrechnungen 5.295.653,70 € 5.473.262,94 € 5.723.440,52 € 5.658.752,90 €
Städtische Aufw. ohne Interne Verrechnungen 2.552.271,50 € 2.782.406,94 € 2.746.236,47 € 2.920.438,24 €
Städtische Aufw. ohne Int. Verr. in Prozent 48,20% 50,84% 47,98% 51,61%
Zusätzliche 10 VZÄ für die Honorarkräfte der LvBM
Der Rat der Stadt Bonn hat im Sommer 2021 entschieden, die Beschäftigungsverhältnisse an der
LvBM mit der Einrichtung zehn zusätzlicher VZÄ-Stellen zu verbessern. Das Kontingent an Stunden für
die Honorarkräfte verringert sich entsprechend. Die damit verbundene Erhöhung des Personal-
aufwands wird im Jahr 2022 mit einer einmaligen Erhöhung des Honoraretats um 400.000 €
kompensiert. Der Personalaufwand der 10 VZÄ beträgt ab 2023 ca. 711.600 € jährlich und wurde im
Haushaltsplan 2021/2022 ff entsprechend berücksichtigt (DS 201928-69 AA).
Landesgeförderte VZÄ-Stelle
Im Rahmen des NRW-Förderprogramms Musikschuloffensive wurde zum 1.1.2022 die Förderung
einer VZÄ-Stelle bewilligt und die Besetzung soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt stattfinden. Die
Refinanzierung durch das Land beträgt ca. 95 Prozent. Mit Besetzung im Stellenwert E9b TVöD VKA
ist auch eine zusätzliche Erhöhung des Personalaufwands verbunden. Die Kosten der zunächst bis
zum 31.7.2024 befristeten Stelle werden in 2022 durch freie Stundenkontingente überplanmäßig
gedeckt und in der Stellenplanfortschreibung 2023/2024 mit k.W. Vermerk eingerichtet.Seite 18 von 22
16
Möglicherweise verlängert sich der vorliegende Vertrag bis zum 31.7.2026, sofern nicht eine der
Vertragsparteien bis zum 30.09.2023 schriftlich die Kündigung erklärt. Ab dem 1.8.2026 könnte sich
der vorliegende Vertrag unter den gleichen Voraussetzungen um jeweils ein Jahr verlängern.
Musikschuletat und Zuschussbedarf bis 2025
Unter Berücksichtigung der steigenden Personalkosten und der zusätzlichen 10 VZÄ, aber auch einer
eher konservativen Schätzung der Unterrichtsgebühren ist bis zum Jahr 2025 mit einer deutlichen
Steigerung der städtischen Aufwendungen zu rechen. Ohne die internen Leistungsverrechnungen
lägen die städtischen Aufwendungen mit ca. 3,93 Mio. EUR dann bei ca. 62,8% des finanziellen
Gesamtbedarfs, sofern nicht mit einer Erhöhung der Gebühren gegengesteuert wird.
Aufstellung Ist 2021-2025, Plan 2022-2025
Erträge und Aufwendungen ohne interne Leistungsverrechnungen
Vorl. Ergeb.
2021 Plan 2022 Plan 2023 Plan 2024 Plan 2025
Erträge -2.597.949,12 € -2.327.472,72 € -2.327.403,00 € -2.326.995,45 € -2.325.990,52 €
PK-Zuschuss Landesstelle -65.100,00 € -65.100,00 € -38.000,00 €
Erträge Gesamt -2.597.949,12 € -2.392.572,72 € -2.392.503,00 € -2.364.995,45 € -2.325.990,52 €
Personal- und Versorgungsaufw. 4.522.907,99 € 4.860.143,00 € 5.620.379,73 € 5.676.583,53 € 5.733.349,36 €
PK Landesstelle 68.700,00 € 69.500,00 € 40.900,00 €
Aufwand für Honorarkräfte 658.257,78 € 1.091.000,00 € 400.000,00 € 400.000,00 € 400.000,00 € *
Aufw. Sach-/Dienstleist., sonst. Aufw. 197.127,96 € 122.007,71 € 121.728,86 € 121.001,88 € 121.475,35 €
Gesamtbedarf ohne Interne Verr. 5.378.293,73 € 6.141.850,71 € 6.211.608,59 € 6.238.485,41 € 6.254.824,71 €
Städtische Aufw. ohne Interne Verr. 2.780.344,61 € 3.749.277,99 € 3.819.105,59 € 3.873.489,96 € 3.928.834,19 €
Städtische Aufw. ohne Intern in Prozent 51,70% 61,04% 61,48% 62,09% 62,81%
*Der Aufwand Honorarkräfte wird ab 2023 entsprechend der geschaffenen 10 VZÄ reduziert.
6.2. Musikschulgebühren
Die Musikschulgebühren wurden zuletzt in den Jahren 2016 und 2019 erhöht. Eine
Gebührenerhöhung in regelmäßigen Abständen ist sinnvoll, um zur Haushaltskonsolidierung
beizutragen und steigende Personalkosten und Inflation auszugleichen. Bliebe man in dem Turnus
von 3 Jahren stünde zum 1.8.2022 die nächste Gebührenerhöhung an. Bei einer Erhöhung um
beispielsweise 5% wäre im Folgejahr mit einer Mehreinnahme von ca. 100.000 € zu rechnen.
Demnach würden sich die Musikschulgebühren wie folgt entwickeln:
Mögliche Gebührenerhöhung
Erhöhung 5% Erhöhung 5%
Vorl. Ergebnis Plan Plan Plan Plan
2021 2022 2023 2024 2025
2.234.646,10 € 2.304.020,80 € 2.369.850,00 € 2.369.850,00 € 2.488.342,50 €
In dem Zusammenhang weist die Leitung der LvBM aber darauf hin, dass sich Gebührenerhöhungen
immer auch auf die Anmelde- und Abmeldezahlen auswirken. Gerade mit Blick auf die noch
andauernde Coronapandemie sind Zeitpunkt und Umfang einer Gebührenerhöhung genau zu prüfen.Seite 19 von 22
17
Musikschulkonzept 2026
Anlage 1
Angaben zu den Schülerbelegungen im Kernbereich und in den Kooperationen
Durchschnittliche Anzahl der Schülerbelegungen im Jahr 2020
Grundfächer
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Eltern-Kind-Gruppen
(Unter 4 Jahren) 34,75
Musikalische Früherziehung
(4-6 Jahre) 725 184,42
Musikalische Grundausbildung
(6-8 Jahre) 567,33 518,42
Summe 1327,08 702,84
Streichinstrumente
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Violine 439,33 104,5
Viola 63,08 24,08
Violoncello 181,58 56,83
Kontrabass 20,83 2,42
Summe 704,82 187,83
Zupfinstrumente
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Gitarre 445,5 199,83
E-Gitarre 9,58
E-Bass 2,67
Harfe 16,25
Summe 474 199,83
Holzblasinstrumente
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Blockflöte 113,25
Querflöte 157,83 15,83
Oboe 22,17
Klarinette 113,92 13,33
Fagott 23,83Seite 20 von 22
18
Saxophon 85,92 33,75
Sonstige 10,58
Summe 527,5 62,91
Blechblasinstrumente
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Horn 31,92 4,33
Trompete 106,42 23,42
Posaune 27,67 2,08
Tenorhorn/Bariton/Euphonium 5,75 3,08
Tuba 0,17 0,17
Sonstige 0,17
Summe 172,1 33,08
Schlaginstrumente
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Drumset 147,42
Summe 147,42
Tasteninstrumente
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Klavier 859,25 4,25
Cembalo 6,92
Akkordeon 49,33 24,17
Keyboard 54,33 54,33
Summe 969,83 82,75
Vokalfächer
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Gesang 102,92
Summe 102,92Seite 21 von 22
19
Ensemblefächer
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Chöre, Vokalensemble 56,92
Spielkreise 216,75 216,75
Streicherensemble 175,92 105,08
Sinfonieorchester 56,08 46,92
Zupfensemble 9,42 5,25
Bläserensemble 132,92 44,83
Kammermusik 59,83
Jazzensemble 39,67
Big Band 22,33
Salonorchester 23,25
Percussion Ensemble 5,75
Sonstige 17,92
Summe 816,76 418,83
Ergänzungsfächer
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Musiklehre/Hörerziehung 62
Komposition 1,75
Musik & Bewegung/Tanz 112,58 38,67
Sonstiges 4
Summe 180,33 38,67
Sonstige Unterrichtsformen
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Sonstige 74,33 2,5
Summe 74,33 2,5
Summe
Schüler und Belegungen Davon in Kooperation
Fach Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Durchschnittliche
Anzahl der Belegungen
Grundfächer 1327,08 702,84
Instrumental- & Vokalfächer 3098,59 566,4
Ensemblefächer 816,76 418,83
Ergänzungsfächer 180,33 38,67
Sonstige Unterrichtsformen 74,33 2,5
Summe 5497,09 1726,74Seite 22 von 22

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

bonn.social/@biz ↗
Im ALLRIS öffnen ↗

Datenstand: 02.11.2026, 17:54 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de