220558 · Mitteilungsvorlage
Monitoringbericht der Biologischen Station Bonn Rhein Erft zur Geburtshelferkröte im Naturschutzgebiet Kottenforst
Kerndaten
- Nummer
- 220558
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 15.03.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Naturschutzbeirates Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage öffentlich 220558 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Monitoringbericht der Biologischen Station Bonn Rhein Erft zur Geburtshelferkröte im Naturschutzgebiet Kottenforst Beratungsfolge Naturschutzbeirat 05.04.2022 Kenntnisnahme Mitteilung: Im Rahmen des LIFE+-Projektes (L’Instrument Financier pour l’Environnement) "Villewälder, Wald- und Wasserwelten" wurde das kurz vor dem Erlöschen stehende, einzig verbliebene linksrheinische Vorkommen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) unterstützt. Die Art besitzt im Projektgebiet eines der sehr wenigen verbliebenen Flachlandvorkommen in NRW und liegt im Vernetzungsbereich isolierter Vorkommen im Rheinbacher Wald, der rheinland-pfälzischen Eifel und des Siebengebirges an der Grenze zwischen kontinentaler und atlantischer Region. Gerade aufgrund der vermittelnden Lage und der Trittsteinfunktion ist dieses Vorkommen am Rande des Verbreitungsgebietes besonders erhaltenswert. Zu Beginn des Projektes befand sich die verbliebene Restpopulation in einem sehr schlechten Erhaltungszustand. Das Gewässer wurde aufwendig freigestellt, große beschattende Bäume wurden entfernt und das Gewässer wurde ausgebaggert. Das organische und mineralische Material wurde zusammen mit Ast- und Stammabschnitt zu hohlraumreichen Wällen aufgeschichtet. Das gesamte Südufer des Gewässers wurde so gestaltet, dass Geburtshelferkröten ausreichend potentielle Rufplätze zur Verfügung standen. Zusätzlich zu den Gewässerrestitutionsmaßnahmen wurden in den Jahren 2019 und 2020 aus einer benachbarten Spenderpopulation im Umfeld des Kottenforst Larven und laichschnurtragende Männchen entnommen und ex situ aufgezogen. Insgesamt 584 Larven und Metamorphline wurden in zwei Jahren ausgebracht. 2021 erfolgte zudem noch die Aussetzung von zwei Tieren, die in der Biologischen Station überwintert hatten. Nach Abschluss des LIFE+-Projektes im Dezember 2020 wurde über den sog. After-Life geregelt, dass die Biologische Station das Monitoring der vom Aussterben bedrohten Art zunächst jährlich für die nächsten fünf Jahre durchführt und dann anschließend in ihr regelmäßig stattfindendes Amphibien-Seite 1 von 16 Seite 2 Monitoring innerhalb der Schutzgebietskulisse des Naturschutzgebietes Kottenforst integriert. Der 1. Monitoringbericht der Biologischen Station zu diesem Projekt liegt vor und wird in der Sitzung vorgestellt. Anlage/n 1 Monitoringbericht Geburtshelferkröte 2021 NSG Kottenforst (öffentlich)Seite 2 von 16 Monitoringbericht zur Geburtshelferkröte im NSG Kottenforst für das Jahr 2021 M. Sc. Peter Tröltzsch Biologische Station Bonn / Rhein-Erft Auf dem Dransdorfer Berg 76 53121 Bonn 14.01.2022Seite 3 von 16 2 Inhaltsverzeichnis Einführung ............................................................................................................................................... 3 Methodik ................................................................................................................................................. 4 Ergebnisse ............................................................................................................................................... 6 Diskussion .............................................................................................................................................. 10 Quellen .................................................................................................................................................. 14Seite 4 von 16 3 Einführung Im Rahmen des von der EU- und vom Land NRW geförderten LIFE-Projekt „Villewälder, Wald- und Wasserwelten“ wurde das kurz vor dem Erlöschen stehende, einzige verbliebene linksrheinische Vorkommen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) unterstützt. Die Art besitzt im Projektgebiet eines der sehr wenigen verbliebenen Flachlandvorkommen in Nordrhein-Westfalen (KRONSHAGE et al. 2011) und liegt im Vernetzungsbereich isolierter Vorkommen im Rheinbacher Wald, der rheinland-pfälzischen Eifel und des Siebengebirges an der Grenze zwischen kontinentaler und atlantischer Region. Gerade auf Grund der vermittelnden Lage und der Trittsteinfunktion ist dieses Vorkommen am Rande des Verbreitungsgebietes besonders erhaltenswert. Zu Beginn des LIFE- Projekts befand sich die verbliebene Restpopulation in einem sehr schlechten Erhaltungszustand. Es konnten nur noch 1-2 Rufer am Gewässer festgestellt werden. Dieses Gewässer wurde im Dezember 2018 aufwendig freigestellt. Große, beschattende Bäume wurden entfernt und das Gewässer ausgebaggert. Das organische und mineralische Material wurde zusammen mit Ast- und Stammabschnitt zu hohlraumreichen Wällen aufgeschichtet. Das gesamte Südufer des Gewässers wurde so gestaltet, dass Geburtshelferkröten ausreichend potentielle Rufplätze zur Verfügung standen. Zusätzlich zu den Gewässerrestitutionsmaßnahmen wurden in den Jahren 2019 und 2020 aus einer benachbarten Spenderpopulation im Umfeld des Kottenforst Larven und laichschnurtragende Männchen entnommen und ex situ aufgezogen. Insgesamt 584 Larven und Metamorphlinge wurden in zwei Jahren ausgebracht (Tabelle 1). 2021 erfolgte zudem noch die Aussetzung von zwei Tieren, die in der Biologischen Station überwintert hatten. Nach Abschluss des LIFE-Projekts im Dezember 2020 wurde über den sog. After-Life geregelt, dass die Biologische Station das Monitoring der vom Aussterben bedrohten Art zunächst jährlich für die nächsten fünf Jahre durchführt und dann anschließend in ihr regelmäßig stattfindendes Amphibien-Monitoring innerhalb der Schutzgebietskulisse des NSG Kottenforst integriert. Der folgende Bericht stellt die Ergebnisse des ersten Monitorings im Jahr 2021 dar. Tabelle 1: Übersicht über die ausgebrachten Tiere in den Gewässern zwischen 2019 und 2021 Gewässer 2019 2020 2021 Ausgesetzte Tiere gesamt Gewässer H 70 70 Gewässer K 112 112 Gewässer 18 102 29 131 Gewässer 13 a 85 85 Gewässer Koop1 60 60 Senker Kuhle 126 2 128 Gesamt 373 211 2 586Seite 5 von 16 4 Methodik Das Monitoring wurde in Anlehnung an die LANUV-Vorgaben durchgeführt (LANUV 2010). Erfasst wurden vor allem rufende Tiere an vier Gewässern in die 2019 Tiere gesetzt wurden. Das waren die Gewässer Senker Kuhle, Koop1, 18 und 13a (Abbildung 1). Da die Aussetzung zwei Jahre zuvor stattgefunden hatte, war hier mit ersten rufenden Tieren zu rechnen (UTHLEB 2021). Geburtshelferkrötenmännchen sind ab dem zweiten Jahr nach der Metamorphose geschlechtsreif. Die meisten dieser Tiere dürften sich im Jahr 2020 metamorphisiert haben. Daher waren sie im ersten Monitoringjahr als rufende Tiere zu erwarten. Weibliche Geburtshelferkröten sind normalerweise erst ab dem zweiten Jahr geschlechtsreif (UTHLEB 2021), so dass bei den drei Gewässern in die 2019 neu Tiere eingesetzt wurden noch keine Reproduktion zu erwarten war. Einzig am Ursprungsgewässer, der sog. Senker Kuhle kamen bereits vor Beginn der Aussetzung Tiere vor. Dieses Gewässer wurde daher auf Larven bzw. laichschnurtragende Männchen abgesucht. Bisweilen wurde eine Klangattrappe eingesetzt um Geburtshelferkröten zum Rufen zu animieren. Der Erfolg des Animierens hängt vom Zeitpunkt der Fortpflanzungsphase ab. Wenn die Männchen bereits Laichschnüre aufgenommen haben, bleiben sie zumeist stumm. Die beiden Gewässer in die 2020 Larven neu eingesetzt wurden, wurden im Monitoringzeitraum lediglich ausgeleuchtet um einen Hinweis auf überwinternde Larven zu erhalten. Da hier noch nicht mit rufenden Tieren zu rechnen war, wurde auf den Einsatz einer Klangattrappe verzichtet. Außerdem wurde Gewässer J intensiver ausgeleuchtet, da es hier einen Hinweis auf Geburtshelferkrötenlarven gab (s. Diskussion). Abbildung 1: Bearbeitete Gewässer im LIFE-Projekt im Kottenforst. Weiß eingekreist sind die vier Gewässer an denen bereits 2021 mit rufenden Tieren zu rechnen war.Seite 6 von 16 5 Die Erfassungen fanden zwischen Ende April und Mitte Juli bei windstillen, ausreichend warmen, feuchten oder auch nassen Bedingungen statt. Die Temperaturen betrugen zu Beginn der Erfassungen immer mindestens 12°C. Kartiert wurden rufende Tiere und überwinternde Larven in völliger Dunkelheit. Die Rufaktivität von Geburtshelferkröten beginnt in der Regel nach Sonnenuntergang und kann je nach Witterung bis nach Mitternacht andauern (UTHLEB 2012). Die höchste Rufaktivität liegt allerdings in den ersten Nachtstunden nach Sonnenuntergang, wenn die Temperaturen noch über 10°C liegen. Im Kottenforst beginnt die Geburtshelferkrötensaison traditionell eher spät, so dass der Schwerpunkt der ersten Erfassung vornehmlich auf dem Nachweis der überwinternden Larven lag. Im Folgenden werden die Ergebnisse des Monitorings protokollarisch dargestellt. Tabelle 2: Erfassungstermine für die Geburtshelferkröte (nach LANUV). Der gelb markierte Bereich entspricht dem Kernzeitraum in dem die Tiere am besten zu erfassen sind. Februar März April Mai Juni Juli August Sept. A M E A M E A M E A M E A M E A M E A M E A M E Tabelle 3: Übersicht über Erfassungstermine im Jahr 2021 Datum Zeitraum Witterung Kartierungsform 28.04.2021 21:00-23:00 15-10°C, bewölkt bis sternenklar, windstill Rufkontrolle/ Ausleuchten 14.05.2021 21:30-00:00 13-6°C, bewölkt bis sternenklar, windstill Rufkontrolle/ Ausleuchten 19.05.2021 21:30-00:00 12-8°C, bewölkt, trocken, windstill Rufkontrolle/ Ausleuchten 28.05.2021 21:30-00:00 15-11°C, bewölkt bis sternenklar, windstill Rufkontrolle/ Ausleuchten 29.06.2021 21:30-01:00 21-18°C, bewölkt, schwacher Regen, windstill Rufkontrolle/ Ausleuchten 13.07.2021 08:30-12:00 15-20°C, bewölkt, windstill ReusenkontrolleSeite 7 von 16 6 Ergebnisse Beim ersten Erfassungstermin lag der Schwerpunkt auf den Nachweis von überwinternden Larven, die 2020 ausgebracht wurden. Die Tage vorher waren trocken und vergleichsweise warm, die Nächte jedoch noch sehr kalt. Die vier festgestellten Larven waren wohlgenährt, sehr groß (ca. 8 cm) und hatten bereits Hinterbeine. Beim zweiten Erfassungstermin Mitte Mai konnte auch auf Grund der nächtlichen Wärmephase mit temporären Niederschlagsereignissen mit rufenden Tieren gerechnet werden. An der Senker Kuhle, dem Gewässer der vor dem LIFE-Projekt noch existierenden Restpopulation, konnten alleine vier rufende Tiere ermittelt werden. Auch die Suche nach Tieren war erfolgreich. Es konnten zwei Männchen und auch ein Weibchen festgestellt werden. Laichschnurtragende Männchen oder überwinternde Larven konnten nicht erfasst werden. Überwinternde Larven waren an diesem Gewässer durchaus denkbar, da verbliebene Tiere des Restbestands bereits in den Vorjahren gefunden wurden. Am Gewässer 18 wurde im gegenüberliegenden Graben ein rufendes Tier verortet. Dieses Tier stammt mit sehr großer Sicherheit von den ausgesetzten Tieren aus dem Jahre 2019. Das Gewässer der verbliebenen Restpopulation ist über 1.600 m entfernt und das Gewässer existiert in dieser Form erst seit dem Frühjahr 2018. An den anderen beiden Gewässern 13a und Koop1 konnten keine rufenden Tiere erfasst werden. Allerdings ergab das Ausleuchten des erst 2019 angelegten Gewässer insgesamt sieben sehr große Larven, die 2020 dort eingesetzt wurden. 1. Termin: 28.04.2021 Untersuchte Gewässer: Senker Kuhle, Koop 1, 18, 13A, J, K, H Erfassungstyp: akustische und optische Erfassung Witterung: 15°C-10°C, trocken. Temperatur schnell fallend. Tage zuvor sehr trocken aber kalt Ergebnisse: Keine Rufer, 4 Larven von 2020 an Gewässer K 2. Termin: 14.05.2021 Untersuchte Gewässer: Senker Kuhle, Koop1, 18, 13a, J, H Erfassungstyp: akustische und optische Erfassung Witterung: 13°-6°C, feucht-nass, vorher stärkere Niederschlagsereignisse nach warmen Wochenverlauf. Ergebnisse: 4 rufende Tiere an der Senker Kuhle + Sichtbeobachtung eines Weibchens, 1 rufendes Tier an Gewässer 18, definitiv eines aus dem Jahre 2020. 7 Larven von 2020 an Gewässer H. Bemerkungen: 1 rufendes Tier Gewässer 18 aus gegenüberliegendem Graben.Seite 8 von 16 7 Beim dritten Termin konnten neben der Senker Kuhle auch an dem Gewässer 18 zwei rufende Tiere erfasst werden. Auch am dritten Gewässer (Koop 1) konnte ein Rufer ermittelt werden. Bei letztem Gewässer ist es zumindest denkbar, dass Tiere der Restpopulation dorthin gewandert sind. Allerdings beträgt die Distanz über 350 m. Geburtshelferkröten sind dafür bekannt, dass sie in Gebieten mit hoher Walddichte und hohem Raumwiderstand jährlich weniger als 100 m Wanderstrecke zurücklegen und überwiegend direkt am Gewässer verbleiben (UTHLEB 2012, LANUV 2020). Jüngere Tiere haben zwar eine höhere Mobilität, jedoch kann mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem rufenden Tier um eines der 2019 ausgesetzten Tiere handeln dürfte. 2020 konnten an diesem Gewässer einige sehr große Larven festgestellt werden, die dort überwintert haben. Der vierte Erfassungstermin ergab keine wesentlich neuen Erkenntnisse. An Gewässer 18 konnte 1 rufendes Tier an nahezu derselben Stelle im Graben bestätigt werden. Drei weitentwickelte Larven fanden sich in Gewässer K. 3. Termin: 19.05.2021 Untersuchte Gewässer: Senker Kuhle, Koop 1, 18, 13a Erfassungstyp: akustische Erfassung Witterung: 12°C-8°C, feucht, vorher kleinere Niederschlagsereignisse. Ergebnisse: 2 rufende Tiere Senker Kuhle, 2 rufende Tiere 18. 1 Rufer Koop 1. Bemerkungen: rufende Tiere Gewässer 18 im Graben bzw. aus dem angrenzenden Waldbestand 4. Termin: 28.05.2021 Untersuchte Gewässer: 18, 13a, J, H Erfassungstyp: akustische und optische Erfassung Witterung: 15-11°C, bewölkt bis sternenklar, windstill. Feucht, insgesamt aber sehr warm. Ergebnisse: 2 rufende Tiere Senker Kuhle, 1 rufendes Tiere 18. 3 Larven Gewässer K Bemerkungen: rufendes Tier Gewässer 18 wieder im Graben bzw. aus dem angrenzenden WaldbestandSeite 9 von 16 8 Bei der letzten optischen bzw. akustischen Erfassung konnte an Gewässer 13a erstmals der Nachweis eines rufenden Tieres erbracht werden. Das Tier wurde nach kurzer Suche ca. 30 m entfernt vom Gewässer auf der anderen Seite des Professorenwegs sogar gefunden. Es handelte sich um ein Männchen. Dieses stammt mit hoher Sicherheit aus der Aussetzung von 2019. Alle anderen Gewässer mit potentiell voll-entwickelten Tieren sind zu weit entfernt. Damit konnten an allen vier Gewässern, in die 2019 Larven bzw. Metamorphlinge eingesetzt wurden, rufende Geburtshelferkröten nachgewiesen werden. Zwei rufende Tiere konnten an Gewässer 18 bestätigt werden. An Gewässer H konnten insgesamt 12 sehr weit entwickelte Larven festgestellt werden, die kurz vor dem Landgang waren. Um zumindest am Gewässer des Restvorkommens den Reproduktionserfolg im fortgeschrittenen Jahr prüfen zu können, wurde einmalig am 12.07. das Ufer mit insgesamt 40 Orthmann-Reusen bestückt. Im Vorjahr war mit dem Einsatz von Orthmannreusen an den Gewässern 18, 13a und Koop1 der Nachweis geglückt. Da dies an der Senker Kuhle nicht der Fall war und überwinternde Larven nur über das Ausleuchten des Gewässers möglich war, wurde die Anzahl der Reusen deutlich erhöht. Die Erfassung blieb erfolglos. Es ist weiterhin unklar, ob es zu Reproduktion gekommen ist. Da das Gewässer relativ tief und vor allem groß ist, muss die Erfassungsmethodik im kommenden Jahr angepasst werden. Bislang konnten Larven am besten durch Ausleuchten des Gewässers nachgewiesen werden. Das Wasser der Senker Kuhle ist jedoch sehr huminstoffreich und damit dunkel, sodass in den meisten Jahreszeiten ein Ausleuchten erschwert wird. 5. Termin: 29.06.2021 Untersuchte Gewässer: 18, 13a, Koop 1, J, H Erfassungstyp: akustische und optische Erfassung Witterung: 21-18°C, sehr warm, bewölkt, schwacher Regen, windstill Ergebnisse: 2 rufende Tiere 18. 1 rufendes Tier Gewässer 13a, 12 Larven Gewässer H Bemerkungen: rufende Tiere Gewässer 18 wieder im Graben bzw. aus dem angrenzenden Waldbestand 6. Termin: 13.07.2021 Untersuchte Gewässer: Senker Kuhle Erfassungstyp: Reuseneinsatz Witterung: 15-20°C, bewölkt, windstill Ergebnisse: kein Nachweis von Geburtshelferkröten-Larven Bemerkungen: Einsatz von 40 Orthmannreusen 5. Termin: 29.06.2021 Untersuchte Gewässer: 18, 13a, Koop 1, J, H Erfassungstyp: akustische und optische Erfassung Witterung: 21-18°C, sehr warm, bewölkt, schwacher Regen, windstill Ergebnisse: 2 rufende Tiere 18. 1 rufendes Tier Gewässer 13a, 12 Larven Gewässer H Bemerkungen: rufende Tiere Gewässer 18 wieder im Graben bzw. aus dem angrenzenden WaldbestandSeite 10 von 16 9 An allen Gewässern in die 2019 Larven eingesetzt wurden, konnte der Nachweis von rufenden Tieren erbracht werden. Auch an zwei Gewässern, in die 2020 Larven eingesetzt wurden, konnten überwinternde, sehr weit entwickelte Larven festgestellt werden, die vermutlich im Juni/ Juli 2021 die Gewässer verlassen haben dürften. Daher ist auch an diesen beiden Gewässern im Monitoringjahr 2022 mit rufenden Tieren zu rechnen. Bislang konnte jedoch an der Senker Kuhle kein Nachweis auf Reproduktion erbracht werden. Es konnten weder laichschnurtragende Männchen noch Larven gefunden werden. Daher wird gerade das Monitoringjahr 2022 interessant werden, da dann die Wahrscheinlichkeit deutlich höher ist, dass auch an denjenigen Gewässern in die 2019 neu Geburtshelferkröten eingesetzt wurden, Reproduktion stattfindet (vgl. UTHLEB 2012). Abbildung 2: Von links oben nach rechts unten: Geburtshelferkröte an der Senker Kuhle (14.05.2021), Geburtshelferkröte am Gewässer 13a (29.06.2021), Metamorphling in Gewässer H (29.06.2021), Reusenkontrolle Senker Kuhle (13.07.2021)Seite 11 von 16 10 Diskussion Betrachtet man die Gesamtzahl der rufenden Tiere und Sichtbeobachtungen innerhalb einer Erfassungsnacht, zählt man insgesamt sechs Tiere (Tabelle 4). Jedoch ist es auf Grund der recht großen Distanzen zwischen den Gewässern legitim, die Höchstzahl aller rufenden Tiere/ Sichtbeobachtungen pro Gewässer aufzusummieren. Somit ist für alle vier Gewässer von einer Mindestzahl von neun adulten Geburtshelferkröten auszugehen und von einer Ruferzahl von acht Tieren. Im Antrag des LIFE-Projekt war als Zielgröße eine Ruferzahl von 20 formuliert. Allerdings wurde sich hierbei nicht auf einen konkreten Zeitpunkt festgelegt, wann dieses Ziel erreicht sein könnte. Im Jahr 2020 konnte beispielsweise nur ein einziges rufendes Tier an der Senker Kuhle ermittelt werden. In den kommenden fünf Jahren des Monitorings ist eine deutliche Steigerung der Ruferzahlen zu erwarten, wenn viele der ausgesetzten Tiere auch in den Gewässern H und K ab 2022 geschlechtsreif werden. Durch das sehr stark verdichtete Gewässernetz ist dann mittelfristig durchaus mit einer Ausbreitung der Tiere zu rechnen. Aktuell haben die Gewässer nach LANUV-Bewertung (LANUV 2010) was die Lebensraumqualität betrifft gute bis hervorragende Bedingungen. Da die neuen Gewässer noch dazu auf großen Offenflächen angelegt wurden, war die Beschattung der Landlebensräume in Gewässernähe unerheblich (Abbildung 3). Auf Grund des im Vergleich zu den Vorjahren sehr große Niederschlagsangebotes und dem damit zusammenhängenden Aufwuchs vieler Gehölze an den Ufern, sollten jedoch im Winter 2022/ 2023 erstmals wieder Gehölze an den Ufern entnommen werden. Es könnte hierbei auch u.U. empfehlenswert sein, zumindest an einigen Gewässern auch einen Minibagger zum Einsatz kommen zu lassen, um partiell Offenboden zu erhalten und die Verdämmung durch aufwachsende Gehölze zu verhindern. Welche Gewässer hier in Frage kommen, wird in Anschluss des Monitorings im Jahr 2022 festgelegt. Im After-LIFE-Plan ist eine Priorisierungsliste hinterlegt. Hier ist festgelegt, dass alle Gewässer die für Geburtshelferkröten angelegt bzw. überarbeitet wurden, spätestens 3 Jahre nach Ende des Projektzeitraums freigestellt werden müssen. Tabelle 4: Übersicht Erfassungstermine und Funde Datum Senker Kuhle Koop 1 18 13a J K H 28.04.2021 - - - - - 4 Larven - 14.05.2021 4 Rufer, 1 Weib. - 1 Rufer - - n.ü. 7 Larven 19.05.2021 2 Rufer 1 Rufer 2 Rufer - n.ü. n.ü. n.ü. 28.05.2021 2 Rufer n.ü. 1 Rufer - - 3 Larven - 29.06.2021 - - 2 Rufer 1 Rufer - n.ü. 12 Larven 13.07.2021 - n.ü. n.ü. n.ü. n.ü. n.ü. n.ü.Seite 12 von 16 11 Abbildung 3: Angelegte und wiederhergestellte Gewässer in die Geburtshelferkröte eingesetzt wurden. Von Oben links nach unten rechts: Gewässer H, Gewässer K, Gewässer Koop1, Gewässer 18, Gewässer 13a, Senker Kuhle.Seite 13 von 16 12 Die Entwicklung der Senker Kuhle wird weiter intensiv zu beobachten sein. Hier ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass Reproduktion stattfindet, da sowohl Alttiere der vormaligen Population als auch neue, zugesetzte Tiere am Fortpflanzungsgeschehen teilnehmen dürften. Dennoch ist die Senker Kuhle strukturell nicht das beste Gewässer für die Etablierung eines Geburtshelferkröten-Vorkommen. Strukturell sind viele der neuen Gewässer und deren Landlebensräume deutlich besser geeignet. Das gilt überdies auch für einige Gewässer, in die bislang keine Larven eingesetzt wurden. Ziel muss es sein eine Population im zentralen Teil des östlichen Kottenforst zu etablieren und so zu unterstützen, dass sich Tiere auch in die umliegenden Gewässer ausbreitet (Abbildung 4). Insgesamt ist es notwendig den eingeschlagenen Weg der ex situ-Vermehrung weiter zu verfolgen und in den nächsten fünf Jahren ein Folgeprojekt zu initiieren, um noch weitere Tiere auszubringen. Ein mögliches Ziel könnte die Einrichtung einer Zuchtgruppe sein, um pro Jahr eine größere Anzahl (400-600) an Tieren zu produzieren, bei denen sichergestellt werden kann, dass sie keine Überträger der Chytridpilze Batrachochytrium dendrobatidis bzw. Batrachochytrium salamandrivorans sind. Gleichzeitig könnte man die Spendertiere aus einem größeren genetischen Pool des Umlands auswählen um einen Flaschenhalseffekt vorzubeugen. Somit wird die bekannte, letzte große Spenderpopulation im Umland nicht durch eine ständige Entnahme von Tieren permanent geschwächt. Ferner sollten auch Geburtshelferkröten auf der Westseite des Kottenforst angesiedelt werden. Bis in die 1990er Jahre kam die Geburtshelferkröte auch hier vor. Die Bedingungen die Art dort anzusiedeln sind momentan optimal. Abbildung 4: Trittsteingewässer mit Geburtshelferkröten und potentielle Ausbreitungsgewässer im UmfeldSeite 14 von 16 13 Im März 2021 wurde die Biologische Station darüber informiert, dass im Gewässer J am Professorenweg im östlichen Kottenforst (Abbildung 1) im November 2020 Geburtshelferkröten- larven beobachtet werden konnten (BÖHME 2021/ KOPPETSCH 2021). Erstaunlicherweise handelt es sich hierbei um ein neu angelegtes Gewässer, in das weder 2019 noch 2020 Larven eingesetzt wurden. Allerdings gab es dort bis Anfang der 1980er Jahre auf dem damaligen Fichtenkahlschlag eine Geburtshelferkrötenpopulation (BLAB 1986). Das Gewässer wurde damals zugeschüttet, die Ruferpopulation blieb aber zumindest noch einige Zeit an eben dieser Stelle bestehen. Ob allerdings noch regelmäßige Reproduktion stattgefunden hat, darf bezweifelt werden. Das reproduzierfähige Tiere aus dem Aussetzungsjahr 2019 an das Gewässer angewandert sind, kann als sicher ausgeschlossen werden. Das nächste Gewässer, in das 2019 Larven eingesetzt wurde, liegt ca. 1.500 m entfernt. Dort gab es aber erst seit dem Frühjahr 2018 ein Gewässer. Abgesehen davon ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Tiere, die vermutlich überwiegend 2020 an Land gegangen sind eine derart weite Strecke zurücklegen und dann noch im selben Jahr reproduzieren (UTHLEB 2012). Das heißt, dass es sich entweder um ein bislang unbekanntes Vorkommen handelt oder es sich bei der Beobachtung um eine Verwechslung der Gewässer gehandelt hat. Im westlich gelegenen Gewässer K wurden im September 2020 112 Larven ausgebracht, die im selben Jahr sicher nicht mehr metamorphisiert haben. Eher unwahrscheinlich, aber dennoch denkbar ist das illegale Einsetzen von Larven. Das Gewässer wurde im Zuge des Monitorings sowohl nach rufenden Tieren als auch nach Larven abgesucht, die Suche blieb jedoch erfolglos.Seite 15 von 16 14 Quellen BLAB, J. (1986): Biologie, Ökologie und Schutz von Amphibien. In: Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie (Hrsg.). Bonn: Kilda (=Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 18). BÖHME, W. (2021): Information zu Geburtshelferkrötenlarven im Kottenforst im Jahr 2020. E-Mail vom 15.03.2021. KOPPETSCH, T. (2021): Information zu Geburtshelferkrötenlarven in Gewässer J. E-Mail vom 16.03.2021. LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ (LANUV) (2020): Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen. In: https://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/de/arten/gruppe/amph_rept/list e (letzter Aufruf 14.01.2022). LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ NORDRHEIN-WESTFALEN (LANUV) (2010): ABC- Bewertung Geburtshelferkröte NRW In: http://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/web/babel/media/102323.pdf (letzter Aufruf am 14.01.2022). UTHLEB, H. (2012): Die Geburtshelferkröte. Brutpflege ist männlich. Beiheft der Zeitschrift für Feldherpetologie 14. Bielefeld. Laurenti.Seite 16 von 16
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