220540 · Mitteilungsvorlage
Klimaschutzbeirat: Aktuelle Empfehlungen (Ernährung/Landwirtschaft sowie Seilbahn) und Protokolle
Kerndaten
- Nummer
- 220540
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 13.03.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
Dateien
- Sammeldokument öffentlich Öffnen ↗
Volltext
Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.
Text anzeigen (11.050 Zeichen)
Mitteilungsvorlage öffentlich 220540 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung Dezernat: Dez. OB Klimaschutzbeirat: Aktuelle Empfehlungen (Ernährung/Landwirtschaft sowie Seilbahn) und Protokolle Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Kenntnisnahme Mitteilung: Die Geschäftsordnung des Klimaschutzbeirates sieht vor, dass die Ergebnisse der Sitzungen dem Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda als Mitteilung zur Kenntnis gegeben werden. Der Klimaschutzbeirat hat in seiner Sitzung am 22. Februar 2022 zwei Empfehlungen verabschiedet, die hier als externe Dokumente angehängt sind: - Empfehlung zu Ernährung und Landwirtschaft - Empfehlung für eine urbane Seilbahn Die Protokolle der Beiratssitzungen werden jeweils nach ihrer Verabschiedung in der Folgesitzung hier zum Download bereitgestellt: www.bonn.de/klimaschutzbeirat. Das jüngste verfügbare Protokoll ist das der Sitzung am 30. November 2021. Anlage/n 1 KSB Empfehlungen Ernährung und Landwirtschaft (öffentlich) 2 KSB Empfehlung Seilbahn (öffentlich)Seite 1 von 7 Empfehlung des Klimaschutzbeirats zum Thema Ernährung und Landwirtschaft verabschiedet am 22.02.2022 Autor:innen der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft: Dr. Gesa Maschkowski (Vorstand Bonn im Wandel e.V.) Mathias Johnen (DEHOGA Nordrhein e.V.) Unter Mitarbeit externer Fachexpertinnen: Dipl. ing. agr. Dorle Gothe (Vorstand Regionalwert AG Rheinland) M. Sc. Charlotte Binder (Universität Bonn) Marion Guénard (ICLEI)Seite 2 von 7 1 I. Veränderung und Kooperation ermöglichen 1.1 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt die Etablierung eines Bonner Ernährungsrates als zentrale Drehscheibe für die Konzeption, die Koordination und Umsetzung sowie das Monitoring einer Bonner Ernährungsstrategie. Damit übernimmt die Stadt Bonn Verantwortung für die Sicherung einer Lebensmittelproduktion und -versorgung, die klimafreundlich, ressourcenschonend und gesundheitsförderlich gleichermaßen ist. Ein Ernährungsrat sollte sowohl von der Stadtverwaltung als auch von Hauptamtlichen Kräften in der Zivilgesellschaft getragen werden1. Basierend auf den Erfahrungen in anderen Städten empfehlen wir die Einrichtung von mindestens fünf Stellen2 sowohl in der Verwaltung als auch in der Zivilgesellschaft mit folgenden Handlungsfeldern: 1. “Task Force Ernährung” in der Verwaltung: Leitung und Koordination der ernährungsrelevanten Aktivitäten in der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft. Dazu gehört auch das Monitoring des Umsetzungsprozesses und - soweit möglich - ein Monitoring der direkten und indirekten Treibhausgasemissionen, die sich aus den Ernährungsaktivitäten in Bonn ergeben. 2. Koordinierungsstelle Biostadt: Ausbau der Aktivitäten zur Biostadt in den Handlungsfeldern städtische Landwirtschaft, Gemeinschaftsverpflegung, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit für die Biostadt. Insbesondere ist es notwendig, die Kapazitäten zu erhöhen für die Beratung von Bonner Betrieben der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie. 3. Wertschöpfungskettenmanager:in: Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten von der Erzeugung über die Verarbeitung, die Außer- Haus- Verpflegung und den Handel zur Stärkung der regionalen Produktion und des Absatzes. 4. Geschäftsstelle Ernährungsrat: Förderung, Einbindung und Weiterentwicklung der zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen im Ernährungsbereich in Zusammenarbeit mit der Verwaltung. 5. Koordinator:in öffentliche Lernorte: Entwicklung, Koordination und Umsetzung eines Bildungsprogramms für eine fröhliche öffentliche Ernährungskultur. 1.2 Für die Planung, Steuerung und das Monitoring der Ernährungstransformation empfiehlt der Klimaschutzbeirat des Weiteren die Entwicklung einer Bonner Ernährungsstrategie. Sie kann schrittweise entwickelt werden sollte die folgenden Handlungsfelder beinhalten: 1https://planning.baltimorecity.gov/baltimore-food-policy-initiative/food-policy-action-committee 2Für den zivilgesellschaftlichen Teil des Ernährungsrates in Köln arbeiten mittlerweile sieben Personen https://www.ernaehrungsrat-koeln.de/team/ Hinzu kommten Verantwortliche in der Stadtverwaltung.Seite 3 von 7 2 II. Handlungsfeld klimaneutrale und faire Landwirtschaft3 2.1 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt für das Handlungsfeld Landwirtschaft kurzfristig die Etablierung und Moderation eines runden Tisches für eine regionale, klimafreundliche Landwirtschaft, um die Akteur:innen niederschwellig in Kontakt zu bringen, Austausch, Lernen und Selbstorganisation zu unterstützen, regelmäßig ca. zweimal im Jahr.4 2.2 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt eine Potenzialanalyse für eine regionale, klimafreundliche Landwirtschaft, die ● untersucht, wie hoch aktuell das Potenzial zur Selbstversorgung ist, durch urbane und periurbane Landwirtschaft in Köln/Bonn5, ● analysiert welches Potenzial zur CO2-Bindung in der Region existiert, sei es durch Humus Zertifikate6, die Herstellung von Biokohle bzw. Terra Preta7 und die Förderung von Kompostierung in Gärten, Grünanlagen und Quartieren.8 ● Dazu gehört ein Konzept zur Sicherung möglicher Flächen sowie eine Strategie zur Nutzung und Ausweitung von landwirtschaftlichen Flächen z. B. für humusfördernde Agroforstbetriebe, Market Gardening, Urbane Landwirtschaft, solidarische Landwirtschaft, Aquaponik sowie zur Steigerung der privaten Selbstversorgung zum Beispiel durch Kleingärten und Selbsterntegärten. 2.3 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt die Prüfung eines Moratoriums zur Bebauung von landwirtschaftlichen Flächen gemeinsam mit Nachbarkommunen in Fortführung des Integrierten Handlungskonzeptes Grüne Infrastruktur (IHK GI). Die Lebensmittelproduktion muss priorisiert werden, noch vor der erneuerbaren Energieproduktion. Im Zweifelsfall ermöglicht zum Beispiel die Agri-Photovoltaik ein Nebeneinander von Landwirtschaft und erneuerbarer Stromproduktion. III. Handlungsfeld regionale Wertschöpfung9 3.1 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt für das Handlungsfeld regionale Wertschöpfung die Durchführung eine Machbarkeitsstudie zum Aufbau eines regionalen Wertschöpfungszentrums für die Ernährungsbranche. 3.2 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt die Entwicklung eines unabhängigen Regional-Labels für Köln/Bonn für Produzenten, Händler, Handwerk, Gastronomen und Handel nach dem Beispiel der Kampagne “Goodfood Oxford” oder “von hier”.10 3Mögliche Partner: Universitäten, Hochschulen, Stadt Köln, Umliegende Kommunen, Landwirtschaftskammern, Biostationen, Regionalwert AG Rheinland 4Beispiel: die Themenwerkstatt Landwirtschaft die einmal im Rahmen des Intergrierten Handlungskonzeptes Grüne Infrastruktur realisiert wurde 5hier kann es Synergien geben zu einer Studie die gerade durch den Kölner Klimaschutzrat erarbeitet wird, ggf zu Weiterentwicklung des Integrierten Handlungskonzept Grüne Infrastruktur (IHK GI). 6https://www.oekoregion-kaindorf.at/ 7https://terraboga.de/ 8https://www.nuernberg.de/internet/abfallwirtschaft/kompostierung.html 9 Mögliche Partner: Umliegende Kommunen, Hochschulen, Landwirtschaftskammern, Regionalwert AG Rheinland 10https://www.vonhier.com/oder auch Bergisch Pur https://www.bergischpur.de/bzwhttps://goodfoodoxford.org/Seite 4 von 7 3 IV. Handlungsfeld Außer-Haus-Verpflegung 4.1 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt für das Handlungsfeld Außer-Haus-Verpflegung kurzfristig die Einrichtung und Moderation eines runden Tisches für eine nachhaltige und klimafreundliche öffentliche Ernährungsversorgung, um Akteur:innen und auch Zulieferer aus dem Bereich Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie niederschwellig in Kontakt zu bringen, regelmäßig, ca. zweimal im Jahr.11 4.2 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt die Konzeption und Ausschreibung eines Kompetenzzentrum für Gemeinschaftsverpflegung (House of Food) nach dem Modell der Kantine Zukunft in Berlin. V. Faire und nachhaltige Ernährungsumfelder 5.1 Zur Verbesserung der Nahversorgung im Quartier empfiehlt der Klimaschutzbeirat zu prüfen, wie sich erst in Modellquartieren und später stadtweit, die Nahversorgung mit bio-regio Produkten verbessern lässt u.a. durch die Einrichtung von Erzeugermärkten, Feierabendmärkten, PopUp-Märkten, Bio-Regio-Läden, SoLaWi-Abholstellen, Quartiersgärten und -kompostieranlagen. 5.2 Des Weiteren empfiehlt der Klimaschutzbeirat der Stadt Bonn zu prüfen, ob sie darauf hinwirken kann, dass · das Produktangebot von Supermärkten, Tankstellen, Kiosken und Restaurants im fußläufigen Umfeld von Schulen und Kitas verbessert wird durch Lebensmittel, die nach objektiven Kriterien eine bessere Klimabilanz und einen höheren Gesundheitswert nach der Planetary Health Diet haben, zum Beispiel durch einen hohen Anteil an Gemüse, Obst oder Hülsenfrüchten. ● sie diese Angebote zum Beispiel durch ein unabhängiges Bonner Label unterstützen und mitbewerben kann (Beispiel Peas Please12). VI. Bildung und Begeisterung für ein fröhliche öffentliche Ernährungskultur 6 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt die Entwicklung und Umsetzung einer Bildungsstrategie für erfahrungs- und kompetenzorientiertes Lernen über klimafreundliche Landwirtschaft und Ernährung für Bonn. Ein wichtiger Baustein ist die Etablierung öffentlicher Lernorte, zum Beispiel ein Bonner Schulbauernhof, Schulgärten, Gemeinschaftsgärten und -Küchen etc. in Kooperation mit der Stadt Bonn. 11Beispiel: die Themenwerkstatt Landwirtschaft die einmal im Rahmen des Intergrierten Handlungskonzeptes Grüne Infrastruktur realisiert wurde 12https://foodfoundation.org.uk/initiatives/peas-pleaseSeite 5 von 7 4 VII. Reduktion von Lebensmittelabfällen 7.1 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt für das Handlungsfeld Lebensmittelreste kurzfristig die Einrichtung und Moderation eines runden Tisches, um Akteur:innen, die Lebensmittel herstellen und verarbeiten, eine Gelegenheit zum Austausch zu geben, wie Lebensmittelreste reduziert und verwertet werden können. 7.2 Der Klimaschutzbeirat empfiehlt die Durchführung einer Studie zu den Reduktionspotentialen und geeigneten Maßnahmen zur Nutzung von Lebensmittelabfällen unter Berücksichtigung der Handlungsempfehlungen zum circulären Lebensmittelsystem von ICLEI (2021), ggf. auch in Zusammenarbeit mit der neuen Abteilung für Service Learning der Uni Bonn.13 13https://www.service-learning.uni-bonn.de/deSeite 6 von 7 1 Empfehlung des Klimaschutzbeirats für eine urbane Seilbahn (verabschiedet am 22.02.2022) Der Klimaschutzbeirat der Stadt Bonn als breit aufgestelltes Expertengremium empfiehlt allen beteiligten Akteuren und insbesondere der Bonner Stadtgesellschaft, bei der voraussichtlich am 15. Mai anstehenden Entscheidung für die Fortsetzung des Seilbahnprojektes Ramersdorf – UN Campus – Venusberg zu stimmen und so den Weg freizumachen für die weitere Detailplanung sowie das durchzuführende Planfeststellungsverfahren. Die Seilbahn ist eine wichtige und vergleichsweise kostengünstige Säule für ein verbessertes ÖPNV-Netz in Bonn. Die Seilbahn wird durch klimaneutral erzeugten Strom emissionsfrei betrieben und unterstützt damit eine Verkehrswende in Bonn sowie die Reduktion von Feinstaub und Lärm.Seite 7 von 7
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 18:24 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de