220525 · Mitteilungsvorlage
Tätigkeitsbericht der Leitstelle Klimaschutz zu Klimaschutz und Klimaanpassung 2021
Kerndaten
- Nummer
- 220525
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 25.03.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
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Mitteilungsvorlage öffentlich 220525 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Tätigkeitsbericht der Leitstelle Klimaschutz zu Klimaschutz und Klimaanpassung 2021 Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 19.05.2022 Kenntnisnahme Mitteilung: Die Leitstelle Klimaschutz informiert seit 2018 jährlich über ihre Tätigkeiten im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung. Der als externes Dokument beigefügte aktuelle Fortschrittsbericht umfasst den Berichtszeitraum 2021. Die vorangegangenen Berichte sind hier zu finden: Berichtsjahr 2020 (DS 210373) Berichtsjahr 2019 (DS 200267) Berichtsjahr 2018 (Boris alt: DS 1911015) Berichtsjahre 2011 - 2017: (Boris alt: DS 1811483) Anlage/n 1 Gesamtbericht Klimaschutz & Klimaanpassung 2021 (öffentlich)Seite 1 von 31 Tätigkeitsbericht der Leitstelle Klimaschutz zu Klimaschutz und Klimaanpassung Fortschreibung 2021 vorgelegt von der Leitstelle Klimaschutz im Amt für Umwelt und Stadtgrün der Stadt Bonn (Stand der Maßnahmen: 31.12.2021)Seite 2 von 31 Seite 2 Das Dokument ist für doppelseitigen Druck formatiert.Seite 3 von 31 Seite 3 Inhaltsverzeichnis 1 Einführung ................................................................................................................. 5 2 Organisation des Klimaschutzes in der Verwaltung ..................................................... 5 3 Klimaschutzziele ......................................................................................................... 6 4 Strategien, Konzepte .................................................................................................. 7 4.1 Genese und Hintergrund ................................................................................................. 7 4.2 Klimanotstand ................................................................................................................ 8 4.3 Klimaneutraler Konzern 2035 .......................................................................................... 8 4.4 Klimaplan 2035 ............................................................................................................. 10 5 Treibhausgas-Bilanz Bonn ........................................................................................ 10 6 Kooperationen ......................................................................................................... 11 7 Projekte und Maßnahmen im Bereich Klimaschutz.................................................... 12 7.1 Energieeffizienzstandard ............................................................................................... 12 7.2 Kommunale Gebäude, Anlagen...................................................................................... 12 7.2.1 Neubau und Sanierung ................................................................................................................... 12 7.2.2 Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden ............................................................................ 12 7.3 Versorgung, Erneuerbare Energien ................................................................................ 13 7.3.1 Solarverpflichtung (DS 201344) ...................................................................................................... 13 7.3.2 Förderprogramm Photovoltaik (DS 201342) .................................................................................. 13 7.3.3 Ausbauinitiative „Solares Bonn“ (DS 201399) ................................................................................ 14 7.3.4 Ausbau-Stand Photovoltaik, Solarthermie, Fernwärme ................................................................. 14Seite 4 von 31 Seite 4 7.4 Mobilität....................................................................................................................... 16 7.4.1 Ladeinfrastruktur ............................................................................................................................ 16 7.4.2 Emissionsfreie Innenstadt .............................................................................................................. 16 7.5 Interne Organisation ..................................................................................................... 17 7.5.1 Mitarbeitermobilität ....................................................................................................................... 17 7.5.2 Papieratlas ...................................................................................................................................... 18 7.5.3 Postversand mit GoGreen .............................................................................................................. 19 7.5.4 Fortbildungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter........................................................ 20 7.6 Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung .................................................. 21 7.6.1 Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ ................................................................ 21 7.6.2 Klimaschutzkampagne „Neu denken. Einfach handeln.“ ............................................................... 22 7.6.3 Bonner Energietage ........................................................................................................................ 23 7.6.4 Stadtradeln ..................................................................................................................................... 24 7.6.5 Klima-Fahrradtour .......................................................................................................................... 25 7.6.6 Climathon ....................................................................................................................................... 26 7.6.7 Kindermeilen .................................................................................................................................. 26 7.6.8 Netzwerk „Schule trifft Verwaltung“ .............................................................................................. 27 7.6.9 Weitere Vernetzungsaktivitäten..................................................................................................... 27 8 Projekte und Maßnahmen im Bereich Klimaanpassung............................................. 28 8.1 Überblick ...................................................................................................................... 28 8.2 Förderprogramm Begrünung ......................................................................................... 28 8.3 Förderprogramm Entsiegelung ...................................................................................... 29 8.4 Förderprojekt „MUTABOR“ ........................................................................................... 30Seite 5 von 31 Seite 5 1 Einführung Der Bericht zu Aktivitäten und Maßnahmen der Stadt Bonn zu Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel konzentriert sich auf den unmittelbaren Tätigkeitsbereich der Leitstelle Klimaschutz (LSK) und Kooperationszusammenhänge der LSK mit anderen Fachämtern und externen Organisationen. Er ergänzt damit andere Tätigkeits- oder Fachberichte wie z.B. der Bonner Energie Agentur, der Verbraucherzentrale oder von Ämtern der Stadtverwaltung. Der vorliegende Fortschreibungsbericht umfasst den Zeitraum von Januar bis Dezember 2021. Ergänzend sind verfügbar: Bericht vom 10. Juni 2021 = Berichtsjahr 2020 (ALLRIS DS 210373) Bericht vom 20. Mai 2020 = Berichtsjahr 2019 (ALLRIS DS 200276) Bericht vom 27. März 2019 = Berichtsjahr 2018 (BoRIS alt DS 1911015) Bericht vom 30. Mai 2018 = Berichtsjahre 2011 – 2017 (BoRIS alt DS 1811483) 2 Organisation des Klimaschutzes in der Verwaltung Die LSK koordiniert Aktivitäten innerhalb der Verwaltung und in Kooperation mit Dritten. Im Rahmen von Vorlagen für Ratsgremien, insbesondere in der Bauleitplanung, ist die LSK in Verbindung mit dem Amt für Umwelt und Stadtgrün gesondert zeichnungsberechtigt. Die LSK vertritt die Stadt Bonn in lokalen und regionalen Kooperationen zum Klimaschutz. Bei Besetzung aller Stellen entsprechen diese unter Berücksichtigung von Teilzeiten und partieller Mitarbeit in der LSK einem Äquivalent von 4,59 Vollzeitstellen. Hinzu kommen zwei halbe befristete Stellen im Rahmen des Förderprojektes „mutabor“ (s. Kapitel 8.4) bzw. des Kooperationsprojektes „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ (s. Kapitel 7.6.1). Von 2003 bis 2021 verwendete die Stadt Bonn das international anerkannte Klimaschutzmanagement und -zertifizierungssystem European Energy Award. Mit Hilfe von Bestandsanalysen wurden Arbeitsprogramme entwickelt und deren Umsetzung in internen Audits dokumentiert. In regelmäßigen Abständen wurden diese von externen Gutachtern überprüft und nach einem Punktesystem eine Auszeichnung vergeben. In fünf solcher externen Audits konnte die Stadt Bonn dreimal die Auszeichnung Gold erreichen. Zuletzt zeichneten sich Verschleißerscheinungen ab. Das Instrument entwickelte sich zu einem reinen Dokumentationswerkzeug, da Struktur und Organisation der Arbeitsprogramme und Maßnahmenpläne immer weniger mit der politischen Beschlusslage in Einklang zu bringen war. Mit Auslaufen der Landesförderung wurde das Projekt deshalb im März 2021 eingestellt. Der Klimaplan 2035, der 2021 beauftragt wurde und in 2022 erarbeitet werden soll, wird künftig Leitlinie und Arbeitsprogramm für die Klimaschutzaktivitäten der Stadt sein (siehe Kapitel 4). Koordiniert werden die Klimaschutzaktivitäten ab Frühjahr 2022 vom neu eingerichteten Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035 im Dezernat der Oberbürgermeisterin, welches diese Funktion von der zeitgleich aufgelösten LSK übernehmen und ausbauen wird. In der Abteilung Umweltvorsorge und -Planung des Amtes für Umwelt und Stadtgrün werdenSeite 6 von 31 Seite 6 zukünftig Lösungen für die Herausforderung der Klimawandelanpassung erarbeitet und umgesetzt. Durch die Einbettung in das Bau- und Umweltdezernat sowie das Amt besteht eine unmittelbare Verzahnung mit flächenrelevanten Planungen und der Bewirtschaftung der Bonner Freiräume. Klimaschutz und Klimaanpassung bedingen in der Regel einer gemeinsamen Betrachtung. Programmbüro und Amt für Umwelt und Stadtgrün werden deshalb eine enge und regelmäßige Zusammenarbeit pflegen. 3 Klimaschutzziele Bonn soll bis 2035 klimaneutral werden. Das hat der Stadtrat in seiner Sitzung am 7. November 2019 beschlossen (DS 190232). Um dieses Ziel zu erreichen, sieht der Ratsbeschluss verschiedene Maßnahmen vor, etwa eine Optimierung der Energiekonzepte städtischer Neubauten oder eine Reduzierung des Individualverkehrs verbunden mit einer Förderung des ÖPNV. Das Ziel der Klimaneutralität bezieht sich sowohl auf den Konzern Stadt Bonn (siehe Kapitel 4.3) als auch auf die Stadt als solche (siehe Kapitel 4.4). Das im Dezember 2019 beschlossene „Leitbild der Stadt Bonn zu Klimaschutz und Klimaanpassung“ (ALLRIS DS 190114) hat weiterhin Gültigkeit. Darin sind folgende Ziele verankert: Die Treibhausgasemissionen in Bonn werden bis zum Jahr 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 reduziert, verbunden mit einem zweijährlichen Monitoring. Die Stadt wird bis spätestens 2035 klimaneutral. Die Energieversorgung wird sukzessive bis 2035 nahezu vollständig auf regenerative Energien umgestellt. Die Stadt Bonn entwickelt sich kontinuierlich zur klimaresilienten Stadt weiter und trägt dazu bei, die Vulnerabilität zu reduzieren. Das Leitbild enthält außerdem acht Handlungsgrundsätze zur Erreichung dieser Ziele. Die im Leitbild genannte Zielsetzung „mindestens 40% bis 2030“ entspricht dem Ziel im Konvent der Bürgermeister für Klima und Energie (Covenant of Mayors for Climate and Energy). Die Stadt Bonn ist auf Beschluss des Rates diesem neuen Konvent beigetreten, nachdem der bisherige Ende 2020 ausgelaufen war, welcher mit einer Verpflichtung gegenüber der EU zur Senkung der CO2-Emissionen um mindestens 20% bis 2020 einherging. Im Rahmen der Klima-Bündnis-Mitgliedschaft der Stadt Bonn haben sich die Mitglieder einer Selbstverpflichtung unterworfen, ihre CO2-Emissionen bis 2030 zu halbieren. Langfristig sollen die Emissionen auf 2,5 Tonnen CO2-Äquivalente pro Einwohner/in und Jahr sinken. Im Integrierten Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept hatte die Stadt Bonn 2013 die Möglichkeiten einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 40% bis 2020 untersuchen lassen. Als Ergebnis wurde eine Reduzierung um 28% auf der Grundlage der Umsetzung eines umfassenden Maßnahmenkatalogs für möglich gehalten. Erforderlich dafür wäre ein städtisches Budget von 53 Millionen Euro gewesen. Eine Umsetzung wurde nicht beschlossen.Seite 7 von 31 Seite 7 Die jüngste Bonner Treibhausgas-Bilanz zeigt eine Reduzierung von 33% der pro Kopf- Treibhausgas-Emissionen von 1990 bis 2018 (siehe Kapitel 5). Der größere Anteil der noch notwendigen Reduzierung bis 2035 steht demnach in den kommenden Jahren noch aus. 4 Strategien, Konzepte 4.1 Genese und Hintergrund Im Jahr 2011 hat der Rat der Stadt Bonn vor dem Hintergrund der Nuklearkatastrophe in Fukushima den Masterplan „Energiewende und Klimaschutz in Bonn“ mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog beschlossen (BoRIS alt: DS1111026NV7). Über den Umsetzungsstand hat die Verwaltung den Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz in der Sitzung am 08.01.2013 (DS 1212611NV3) und am 05.04.2016 (DS 1111026NV12) unterrichtet. Ein Beschlusspunkt im Masterplan sah die Darstellung von Maßnahmen vor, mit denen das Ziel einer 40%-igen CO2-Reduktion bis 2020 erreicht werden könnte. Zu diesem Zweck hat die Verwaltung, gefördert durch die Nationale Klimaschutzinitiative, ein Integriertes Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept (IKSK) unter Beteiligung Externer erarbeiten lassen (Dezember 2013, DS 1111026NV10). Im Ergebnis zeigte es auf, dass bei der Umsetzung eines umfangreichen Maßnahmenkatalogs 28% weniger CO2-Emissionen allein durch städtisches Handeln bis 2020 zu erzielen wären. Dafür wären Investitionen bzw. Mittelbereitstellungen in Höhe von 53 Millionen Euro erforderlich. Eine Umsetzung des Konzeptes wurde nicht beschlossen. Aus dem IKSK hat die Verwaltung jedoch Anregungen zur Umsetzung nicht oder nur geringfügig investiver Maßnahmen aufgenommen. Andere Maßnahmen konnten bzw. können im Rahmen von Förderprojekten umgesetzt werden. Ein Teil der noch nicht umgesetzten Maßnahmen ist in den Maßnahmenkatalog zum Klimanotstand übergenommen worden (siehe Kapitel 4.2). Einen Teil des IKSK stellen auch Konzepte zur Anpassung an den Klimawandel dar. Im Ergebnis wurde insbesondere der dringende Bedarf nach qualifizierten Grundlagen als fundierte Planungs- und Abwägungsbasis verdeutlicht. Aus diesem Grund hatte sich die Stadt Bonn von September 2016 bis September 2019 am Forschungsvorhaben ZURES beteiligt, über welches sowohl eine aktuelle Stadtklimaanalyse als auch eine Planungshinweiskarte sowie Szenarien für die künftige Entwicklung erarbeitet worden sind. Aktuell läuft das Projekt „mutabor“ in Vorbereitung, welches an den ZURES-Ergebnissen anknüpft (siehe Kapitel 8.3). Im Rahmen des Klimanotstandskatalogs sind ebenfalls verschiedene Maßnahmen der Klimawandelanpassung vorgesehen, u.a. ein Förderprogramm für Gebäude- und Fassadenbegrünung (siehe Kapitel 8.2). Eine weitere im Masterplan von 2011 aufgeführte Einzelmaßnahme war die Gründung eines Klimaschutzbeirates, „der unter Beteiligung von Politik und Vertreterinnen und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen das Energiekonzept/Masterplan begleitet.“ Der Beirat wurde Anfang 2013 gegründet und hat die Erstellung des IKSK begleitet. Auf der Grundlage des IKSKSeite 8 von 31 Seite 8 diskutieren die Mitglieder seitdem Klimaschutzmaßnahmen und können Empfehlungen an den Umweltausschuss aussprechen. In 2021 hat der Beirat drei Empfehlungen zu den Themen Gebäude, Energie und Klimafolgenanpassung erarbeitet. Alle Protokolle und Empfehlungen werden dem Umweltausschuss als Mitteilungsvorlage zugeleitet. Informationen zum Klimaschutzbeirat sind auch auf der Website der Stadt eingestellt: www.bonn.de/klimaschutzbeirat. 2017 bis 2018 hat sich die Stadt Bonn am Pilotprojekt „Global Nachhaltige Kommune in NRW“ beteiligt. Als Ergebnis wurde eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie für Bonn erarbeitet, die im Februar 2019 vom Rat der Stadt beschlossen wurde (Bo-RIS alt: DS 1812770). Mit ihr soll das kommunale Verwaltungshandeln in Bonn systematisch mit Blick auf nachhaltige Entwicklung und die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele dargestellt und mit ersten Schritten daran ausgerichtet werden. Die Nachhaltigkeitsstrategie bildet insofern einen weiteren Handlungsrahmen für die Aktivitäten der LSK. 4.2 Klimanotstand Der Bonner Stadtrat hatte im Juli 2019 nach zwei Bürgeranträgen beschlossen, eine Resolution zur Ausrufung des Klimanotstandes zu unterstützen (BoRIS alt DS 1911216). Damit hat sich Bonn anderen Kommunen angeschlossen und bekräftigt, dass Klimaschutz im kommunalen Handeln höchste Priorität haben muss. In der Folge wurde eine Steuerungsgruppe unter Leitung der LSK eingesetzt, die unter Beteiligung aller Dezernate Maßnahmenvorschläge zur Reaktion auf den Klimanotstand sammelte, abstimmte und schließlich in einem Katalog von rund 150 Einzelmaßnahmen festhielt. Es handelt sich damit weniger um ein systematisch und langfristig erarbeitetes Konzept, als vielmehr um eine auf zeitnahe Umsetzung hin orientierte Maßnahmensammlung. Die Vorlage der Verwaltung „Klimanotstand und Umsetzung Klimamaßnahmen“ wurde am 7. Mai 2020 vom Rat beschlossen (200016-3 AA). In der Folge wurden 2020 zahlreiche Maßnahmen ausgearbeitet, beschlossen und in die Umsetzung gebracht, wobei die Umsetzung oft erst nach Freigabe des Haushaltes im September 2021 starten konnte. Diese Maßnahmen betrafen zum Beispiel den Ausbau der Erneuerbaren Energien (Ausbauinitiative Solares Bonn, Solarverpflichtung im Neubau, Förderprogramm Photovoltaik, siehe Kapitel 7.3.1 bis 7.3.3) und Förderprogramme zur Gebäudebegrünung und zur Entsiegelung (siehe Kapitel 8.2 und 8.3). Zahlreiche weitere Maßnahmen wurden nicht von der LSK begleitet, sondern werden in den zuständigen Fachämtern in eigener Verantwortung umgesetzt. Ein Stand der Umsetzung zum Klimanotstandskatalog wurde zuletzt am 1. Juni 2021 im Umweltausschuss eingebracht (DS 210671). 4.3 Klimaneutraler Konzern 2035 Als eine weiterqualifizierte Maßnahme des Beschlusses „Klimanotstand und Umsetzung Klimamaßnahmen“ (DS200016) hatte der Rat der Stadt Bonn am 1. September 2020 den Beschluss „Klimaneutrale Stadtverwaltung 2035“ (DS201373) gefasst. Der Beschluss bezog sich neben der sogenannten Kernverwaltung auch auf die Beteiligungsgesellschaften mitSeite 9 von 31 Seite 9 Mehrheitsbeteiligung. Neben der Stadtverwaltung sind dies im Einzelnen mit Angabe der Beteiligung: Stadtwerke Bonn 100 % bonnorange 100 % Städtisches Gebäudemanagement 100 % Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG 92,34 % Bonn Conference Center Management GmbH 100 % Theater der Bundesstadt Bonn 100 % Seniorenzentren der Bundesstadt Bonn 100 % Internationale Beethovenfeste Bonn gGmbH 66,67 % Für diesen im weiteren Verlauf als Konzern bezeichneten Organisationskonstrukt wurde zunächst eine Bestandsaufnahme der Treibhausgas-Emissionen nach dem Greenhouse Gas Protocol in Auftrag gegeben, um darauf aufbauend einen Maßnahmen-Fahrplan zur Erreichung des Ziels Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 erstellen zu lassen. Das Greenhouse Gas Protocol ist ein international anerkannter Standard, nach dem Unternehmen ihre Treibhausgas-Emissionen darstellen und Maßnahmen zur Reduzierung entwickeln können. Im Gegensatz zur Bilanzierung nach IPCC, nach deren Vorgaben auch die kommunalen Bilanzen erstellt werden, nach denen aber ausschließlich die Emissionen auf dem Territorium bilanziert werden, stellt das Greenhouse Gas Protocol auch die Bilanzierung von indirekten Emissionen aus der Geschäftstätigkeit frei, die in der Regel nicht im Unternehmen selbst, sondern an anderen Stellen freigesetzt werden. Diese entstehen beispielsweise durch dienstliche Reisen, bei der Beschaffung und im weitesten Sinne auch bei der Nutzung von verkauften Produkten. Die Einbeziehung dieser indirekten Emissionen, im Greenhouse Gas Protocol unter Scope 3 aufgeführt, vergrößert Verantwortung und Einflussbereich der Maßnahmen. Die quantitative Erfassung der Emissionen stößt jedoch schnell an Grenzen. Zudem sind Doppelzählungen nicht auszuschließen. Für den klimaneutralen Konzern Stadt Bonn entschied man sich neben der obligatorischen Erfassung der durch den direkten Energieverbrauch verursachten Emissionen (Scope 1 und 2) auf die unter Scope 3 aufgeführten brennstoff- und energiebezogenen Emissionen aus dem Energieverkauf der Stadtwerke Bonn sowie die Emissionen der vermieteten Wohnungen der VeBoWAG. Ebenfalls werden im Scope 3 ebenso wie in der städtischen Bilanz die Emissionen der Vorkette für die Energieumwandlung und -bereitstellung berücksichtigt. Insbesondere die Einbeziehung der aus den Energielieferungen der Stadtwerke verursachten Emissionen führt dazu, dass sich mit dem Instrument fast 40% der gesamtstädtischen Emissionen (der städtischen Treibhausgasbilanz) erfassen lassen. In der Summe ergab die Bilanz nach Greenhouse Gas Protocol für das Jahr 2019 Emissionen von 868.303 tCO2eq, wobei 500.329 tCO2eq dem Bereich Scope 3 zugerechnet werden (DS 211602). Eine Verringerung dieser Emissionen wird sich unmittelbar auch in der gesamtstädtischen Bilanzierung wiederfinden. Für das Jahr 2022 ist die Beauftragung des Maßnahmenfahrplanes vorgesehen.Seite 10 von 31 Seite 10 4.4 Klimaplan 2035 Für den Konzern Stadt Bonn wurde ein unmittelbar zu beeinflussendes Potential zur Treibhausgasreduzierung von 22% ermittelt. Nimmt man die Energielieferungen hinzu – auf die die Stadt Bonn über ihren Energieversorger aber nur mittelbaren Einfluss hat und für deren Umstellung auf erneuerbare Energien eine Marktabhängigkeit besteht - kommt man theoretisch auf 42%. Der verbleibende Teil der Reduzierung ist demnach nicht vom Konzern selbst, sondern von der gesamten Stadtgesellschaft zu erbringen (wobei es einen Anteil geben wird, der gar nicht von der kommunalen Ebene aus zu beeinflussen ist). Um einen konkreten Pfad Richtung Klimaneutralität aufzeigen zu können, wurde im Dezember 2021 die Erarbeitung eines „Klimaplan 2035“ beauftragt. Dieser soll u.a. Szenarien, Handlungsspielräume und Einsparziele in einzelnen Sektoren abbilden sowie einen konkreten Aktivitätenplan für zunächst drei Jahre ab 2023 enthalten. Bei der Aufstellung des Klimaplan werden die schon in Umsetzung befindlichen Maßnahmen berücksichtigt. Und es werden die noch offenen Maßnahmen aus bisherigen Konzepten integriert, insbesondere offene Maßnahmen aus dem Integrierten Klimaschutzkonzept und dem Klimanotstandskatalog. Auf diese Weise soll ein einheitliches und zentrales Referenzdokument für die Klimaschutzarbeit der kommenden Jahre zur Verfügung stehen. Die Entwicklung des Klimaplanes ist eng gekoppelt mit dem Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“, welches seit Dezember 2020 läuft. Bürger*innen erarbeiten in diesem Verfahren Ideen und Vorschläge dafür, wie die Transformation zu einer klimaneutralen, lebenswerten Stadt Bonn gelingen kann (siehe Kapitel 7.6.1). 5 Treibhausgas-Bilanz Bonn Die Leitstelle Klimaschutz erstellt seit 2008 zweijährliche CO2-/Treibhausgas-Bilanzen für die Stadt Bonn. Erstmals erfolgt die aktuelle Fortschreibung bis zum Jahr 2018 nach einem neuen im Auftrag des Umweltbundesamtes entwickelten bundeseinheitlichen Standard für kommunale Bilanzierungen (BISKO). Wesentliche Änderungen sind die Berücksichtigung auch der weiteren Treibhausgase nach Kyoto-Protokoll, die streng gebietsbezogene Betrachtungsweise auch im Verkehrsbereich sowie einheitliche Vorgaben bei der Bilanzierung des Strommixes. Durch Rückrechnung sind die Zeitreihen zwar in sich konsistent, die absoluten Werte der einzelnen Jahre sind aber mit denen der Bilanzierungen vergangener Jahre nicht in jedem Fall vergleichbar. Im Ergebnis sind die THG-Emissionen 2018 pro Kopf – bezogen auf das Referenzjahr 1990 – um 33 Prozent gesunken, seit der letzten Fortschreibung von 2016 bis 2018 um 5 Prozent. Für den Verkehrsbereich zeigt sich für die in dieser Fortschreibung erstmalig angewendete gebietsbezogene Betrachtungsweise trotz weiter zunehmender Verkehrsleistung ein leichter Rückgang der Emissionen. Dies dürfte auf die mit der Verwendung neuer Verkehrsdaten gegebene Verfügbarkeit aktueller Verbrauchs- und Emissionsfaktoren zurückzuführen sein.Seite 11 von 31 Seite 11 Die komplette aktuelle Bilanzierung ist unter DS 211368 im ALLRIS eingestellt Der zeitliche Rückstand bis zur Fertigstellung einer jeweiligen Bilanz resultiert daraus, dass zur Berechnung erforderliche Daten zum Teil erst mit mehrjähriger Verzögerung zur Verfügung stehen. Entwicklung der THG-Emissionen pro Kopf 1990-2018 6 Kooperationen Die im Klimaschutzbericht 2011 bis 2017 genannten Kooperationen der Stadt Bonn im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung bestehen auch in 2021 weiter fort: Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder: www.klimabuendnis.org Covenant of Mayors for Climate and Energy: www.konventderbuergermeister.eu Region Köln-Bonn e.V., www.region-koeln-bonn.de BürgerEnergie Rhein-Sieg eG: http://www.be-rhein-sieg.de Bonner Energie Agentur: www.bonner-energie-agentur.de Energieberatung Verbraucherzentrale Bonn: https://www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/bonn-energieberatungSeite 12 von 31 Seite 12 7 Projekte und Maßnahmen im Bereich Klimaschutz 7.1 Energieeffizienzstandard Auf der Grundlage des Ratsbeschlusses „Energieeffizienzstandards im Neubau“ vom 22. Oktober 2015 wird mindestens der KfW-Effizienzhaus55-Standard für Wohn- und Nichtwohngebäude verpflichtend festgeschrieben (DS 1512547). Dieser Standard gilt beim Verkauf städtischer Grundstücke, bei vorhabenbezogenen Bebauungsplänen sowie bei Wettbewerben und Ausschreibungen. Für einzelne Verfahren hat die Politik darüber hinaus bereits den KfW-Effizienzhaus40-Standard beschlossen. 2021 war die LSK in rund 55 Bebauungsplanverfahren, Stadtentwicklungskonzepte, Wettbewerbe und Ausschreibungen eingebunden. Die LSK stimmt die Energiekonzepte frühzeitig in den Verfahren mit Vorhabenträgern, Investoren und Projektentwicklern ab. 7.2 Kommunale Gebäude, Anlagen Der Anteil städtischer Gebäude an der gesamtstädtischen Treibausgas-Bilanz beträgt zwar nur drei Prozent, jedoch sollte die Stadt als Gebäudeeigentümerin Vorbild für klimafreundliches Handeln sein. Die Stadt Bonn legt seit 2007 Standards für Neubauten und Sanierungen fest, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. 7.2.1 Neubau und Sanierung Das SGB arbeitet derzeit an der Aktualisierung des „Planungsleitfaden für Modernisierungs-, Neubau-, Umbau-, Erweiterungsbau und Bauunterhaltungsmaßnahmen“. Die energetischen Anforderungen werden mit der LSK abgestimmt. Für Neubauten galt bis Mitte 2021 noch der Standard des KfW-Effizienzgebäudes55 unter der Verwendung von Passivhauskomponenten. Sanierungen entsprachen dem Neubaustandard nach EnEV, bzw. GEG. Am 23.06.2021 wurde für Neubauten der Effizienzgebäudestandard40 beschlossen. Im Rahmen von Sanierungen ist dieser Standard einzuhalten, soweit wirtschaftliche und technische Voraussetzungen deren Durchführung unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes dies zulassen (DS 211039). Die LSK ist bei entsprechenden Vorlagen des SGB zeichnungsberechtigt. 7.2.2 Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden Zum 31. Dezember 2021 waren 62 Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden mit einer Gesamtleistung von ca. 1.250 kWp in Betrieb. Die Stadtwerke Bonn haben in 2021 sechs neue Photovoltaikanlagen mit insgesamt ca. 190 kWp auf städtischen Gebäuden in Betrieb genommen. Darüber hinaus sollen im ersten Halbjahr 2022 zwölf weitere PV-Anlagen mit insgesamt ca. 550 kWp in Betrieb genommen werden. Weitere Projekte sind bereits in Planung.Seite 13 von 31 Seite 13 7.3 Versorgung, Erneuerbare Energien Im September 2020 waren mehrere Vorlagen der Verwaltung von der Politik beschlossen worden, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Bonn zum Ziel haben. Sie waren im Rahmen des Klimanotstands-Kataloges vorgeschlagen und nach politischem Auftrag weiter ausdifferenziert worden. In 2021 startete deren Umsetzung. 7.3.1 Solarverpflichtung (DS 201344) Bereits seit 1. Januar 2021 ist die Installation von Photovoltaikanlagen bei bestimmten Neubauvorhaben verpflichtend. Und zwar immer dann, wenn städtische Grundstücke verkauft werden. Seit dem 16. September 2021 gilt nach Klärung rechtlicher Fragen auch eine Verpflichtung im Rahmen städtebaulicher Verträge. Die Solarverpflichtung entfällt, wenn die wirtschaftliche Betriebsweise einer Photovoltaikanlage auf dem Objekt nicht möglich ist. Die Ermittlung der Parameter für die Abschätzung der Wirtschaftlichkeit erfolgt in Absprache mit der Stadt Bonn. Weil PV-Anlagen nicht in Konkurrenz zu Dachbegrünungen und zur Solarthermie stehen sollen, entfällt die Verpflichtung zudem, wenn eine entsprechende alternative Nutzung des Daches geplant ist. Eine Kombination von Photovoltaik und Dachbegrünung ist anzustreben und wird im Einzelfall geprüft. 7.3.2 Förderprogramm Photovoltaik (DS 201342) Weil die Möglichkeiten der Stadt, über eine Solarverpflichtung Einfluss zu nehmen, auf Neubauten beschränkt ist, soll ein Förderprogramm zusätzlichen Anreiz bieten, damit sich mehr Eigentümerinnen und Eigentümer von Bestandsgebäuden für die Installation einer PV- Anlage entscheiden. Auch auf denkmalgeschützten Gebäuden ist die Installation einer Photovoltaikanlage nicht grundsätzlich ausgeschlossen, bedarf aber einer Absprache und Prüfung durch die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bonn. Die Untere Denkmalbehörde hat in Zusammenarbeit mit der LSK einen Leitfaden entwickelt, der die denkmalrechtliche Beurteilung von Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden regelt. Das Förderprogramm startete im September 2021 nach Genehmigung des städtischen Haushalts. Gefördert werden neue PV-Anlagen, die nicht ohnehin aufgrund der Solarverpflichtung errichtet werden müssen mit einem Zuschuss zu den Investitionskosten. Die Höhe des Zuschusses wird nach einem degressiven Schlüssel in Abhängigkeit von der Anlagengröße ermittelt. Im Schnitt werden so etwa 10 bis 15% der Anlagenkosten erstattet. Bis Ende des Jahres waren bereits über 250 Anträge mit einer Gesamtsumme von 400.000 Euro bewilligt worden.Seite 14 von 31 Seite 14 7.3.3 Ausbauinitiative „Solares Bonn“ (DS 201399) Die „Ausbauinitiative Solares Bonn“ hat zum Ziel, zur weiteren Erschließung des Solarpotentials der Stadt beizutragen. In Bonn könnte bei einer Nutzung aller geeigneten Dachflächen die Hälfte des aktuellen Strombedarfs durch Photovoltaikanlagen regenerativ gedeckt werden. Derzeit werden nur rund 2% des Potenzials genutzt. „Solares Bonn“ ergänzt das Förderprogramm Photovoltaik um best-practise-Beispiele, Öffentlichkeitsarbeit und Beratung. Für die zunächst auf drei Jahre befristete Ausbauinitiative werden insgesamt Mittel in Höhe von 2.678.000 Euro bereitgestellt, davon im Doppelhaushalt 2021/2022 zunächst 2.340.000 Euro. Die Stellenbesetzung konnte erst nach Verabschiedung des Haushaltes 2021/2022 auf den Weg gebracht werden, so dass das Projekt erst im Jahr 2022 nach Besetzung der Stelle starten wird. 7.3.4 Ausbau-Stand Photovoltaik, Solarthermie, Fernwärme 7.3.4.1 Photovoltaik Der starke Zubautrend im Photovoltaikbereich hielt auch im Jahr 2021 an. 304 Anlagen mit einer gesamten Leistung von 3.270 kW(peak) sind im letzten Jahr ans Netz gegangen. Diese Entwicklung ist auch bundesweit zu beobachten. Das erst im September gestartete städtische Förderprogramm dürfte auf diese Zahlen noch keinen großen Einfluss haben. Allerdings wurde im Rahmen des Förderprogramms in den letzten drei Monaten für fast 300 Anlagen eine Förderung zugesagt. Installiert werden diese Anlagen aber größtenteils erst im Jahr 2022. Der starke Zubau zeigt aber auch schon seine Schattenseiten. Die starke Auslastung der Installationsbetriebe führt inzwischen zu steigenden Angebotspreisen und zu langen Wartezeiten bei der Auftragsvergabe. Entwicklung des Photovoltaikzubaus in Bonn 1990-2021Seite 15 von 31 Seite 15 Insgesamt waren in Bonn am 31. Dezember 2021 2.133 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 24.060 kW (peak) installiert. Damit werden jährlich rund 20.000 Megawattstunden Photovoltaikstrom auf Bonner Stadtgebiet erzeugt. 7.3.4.2 Solarthermieanlagen Zum Zeitpunkt der Berichterstellung lagen aktuelle Zahlen zu installierten Solarthermieanlagen noch nicht vor. Laut Untersuchungen des Umweltbundesamtes ist die Zahl neu installierter Anlagen aber bundesweit weiterhin rückläufig. Für die Nutzung zu Heizzwecken ist die Technik zu aufwendig, um damit einen nur geringen Teil des Heizwärmebedarfs decken zu können. Hinzu kommt die jahreszeitliche Diskrepanz zwischen Wärmeerzeugung und -bedarf. Unschlagbar ist eine Solarthermieanlage aber immer noch zur zentralen Warmwasserbereitung in den Sommermonaten. Bei richtiger Auslegung kann sie in diesem Zeitraum als alleiniger Wärmeerzeuger dienen. Der Anteil solarthermischer Energieerzeugung am gesamten Wärmebedarf beträgt in Bonn nur etwa 0,2 %. Ausbauzahlen für 2021 lagen zum Zeitpunkt der Berichterstellung nicht vor. Entwicklung thermischer Solaranlagen in Bonn 1988-2020 7.3.4.3 Fernwärme Vor dem Hintergrund der Ausbau-Initiative der SWB Energie und Wasser treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der Stadtwerke und der Stadtverwaltung in der Regel halbjährlich zum Austausch über den Fortschritt des Ausbaus sowie die geplanten Bautätigkeiten, auf die die Stadt Bonn Einfluss hat oder in die sie eingebunden ist. Bisher haben vierzehn Fachgespräche dieser Art, organisiert durch die LSK, stattgefunden. Weitere Informationen zur Fernwärme in Bonn sind hier zu finden: https://www.stadtwerke- bonn.de/fuer-zuhause/produkte/fernwaerme/Seite 16 von 31 Seite 16 7.4 Mobilität 7.4.1 Ladeinfrastruktur Die Stadt Bonn und die SWB EnW arbeiten eng zusammen, um den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur auf Bonner Stadtgebiet voranzutreiben. SWB EnW betreibt im Bonner Stadtgebiet derzeit an 80 Standorten insgesamt 100 öffentlich und halböffentlich zugängliche E-Ladestationen (insgesamt 180 Ladepunkte), die mit BonnNatur-Strom versorgt werden. 2021 hat SWB EnW fünf weitere Schnellladestationen mit einer Ladeleistung von bis zu 150 kW im öffentlichen Raum in Betrieb genommen. Eine aktuelle Übersicht der SWB EnW Ladepunkte sowie aller Ladepunkte des TankE-Netzwerks sind auf der Website der Stadtwerke Bonn zu finden: https://www.stadtwerke-bonn.de/fuer- zuhause/produkte/e-mobility/elektrotankstellen/ Des Weiteren werden bei Bonner Unternehmen 274 gewerbliche Ladepunkte durch die SWB EnW betrieben, das sind 104 mehr als im Vorjahr. 7.4.2 Emissionsfreie Innenstadt Planung und Maßnahmen im Mobilitätsbereich werden zwar nicht von der LSK koordiniert, sondern liegen im Verantwortungsbereich des Planungsamtes. Da Mobilität einen wichtigen Beitrag zum städtischen Klimaschutz leisten kann, sei hier dennoch beispielhaft das Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“ genannt, ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Bonn zusammen mit den Stadtwerken Bonn. Im Rahmen des Projekts, das über das Programm „KommunalerKlimaschutz.NRW“ gefördert wird, entwickelte Bonn ein Konzept zur Stärkung der emissionsfreien Mobilität im Stadtgebiet (Umsetzung bis Ende 2022). Der Fokus liegt zum einen auf einer besseren Verzahnung der Verkehrsträger, was durch die Errichtung von 36 Mobilstationen im Stadtgebiet mit unterschiedlichen Serviceangeboten unterstützt wird. Zum anderen soll der Radverkehr weiter gefördert werden. Diesbezüglich wurden in den letzten Jahren bereits diverse Maßnahmen umgesetzt, die auch durch das 2019 von der Bezirksvertretung Bonn beschlossene Entwicklungskonzept Radverkehr unterstützt werden. Hierzu gehören insbesondere der Ausbau verschiedener Radwege in der Stadt und von Radschnellrouten, die Ausweisung von Fahrradstraßen, die Einrichtung von gesicherten Radfahrstreifen und baulich abgetrennten Fahrrad-Schutzstreifen oder die Installation von Grünpfeilen an Ampeln für Radfahrende. Die weitere Beschaffung von E-Fahrzeugen für den städtischen Fuhrpark ist ebenfalls Teil des Förderprojektes.Seite 17 von 31 Seite 17 7.5 Interne Organisation 7.5.1 Mitarbeitermobilität Die Stadt Bonn ist als große öffentliche Arbeitgeberin im besonderen Maße verpflichtet, auch im Bereich Mobilität eine Vorbildfunktion einzunehmen. Dazu gehört unter anderem auch, die Sensibilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für mobilitätsbewusstes Verhalten sowohl für die Wege zum Dienst als auch bei dienstlich notwendigen Fahrten zu fördern. So wurde u.a. das vom Stadtplanungsamt koordinierte Mobilitätsprogramm „Jobwärts“ in 2021 fortgesetzt. Ebenso werden im Fuhrparkmanagement die Anschaffung von Elektro-PKW, -LKW sowie Pedelecs weiter vorangetrieben, so dass Dienstfahrten klimafreundlich absolviert werden können. Nicht vermeidbare dienstliche Flugreisen werden seit 2010 mittels Zahlungen an die gemeinnützige GmbH „atmosfair“ kompensiert (www.atmosfair.de). Die Gelder werden nach dem CDM Gold Standard in Projekte zur CO2-Einsparung in Entwicklungsländern investiert. In der Tabelle sind die jährlich geleisteten Kompensationsbeiträge der Stadtverwaltung Bonn dargestellt. Durch die pandemiebedingten Einschränkungen wurden ab März 2020 so gut wie keine Flugreisen mehr durchgeführt. 2021 wurden keine Kompensationszahlungen geleistet. Jahr Anzahl Flüge Zahlung Euro CO2 kg 2010/2011 118 1.876,00 73.170 2012 63 962,00 35.240 2013 16 622,00 21.935 2014 53 1.371,00 53.690 2015 36 1.169,00 45.440 2016 75 1.652,00 63.814 2017 85 1.272,00 44.032 2018 58 1.409.00 54.924 2019 49 1.274,00 53.132 2020 3 101,00 4.244 2021 ----- ----- ----- Übersicht der CO2-Kompensation mit atmosfair 2010-2021Seite 18 von 31 Seite 18 7.5.2 Papieratlas Die Stadt Bonn verwendet für ihren Bedarf an Büro- und Kopierpapier in der Verwaltung und in der Hausdruckerei zu 100 Prozent Recyclingpapier mit dem Blauen Engel, einem Güte- und Prüfsiegel für Papiere, die vollständig aus Altpapier hergestellt werden. Im Rahmen des „Papieratlas“-Wettbewerbs ist Bonn 2021 bereits zum 12. Mal in Folge für den Einsatz von Recyclingpapier mit dem Blauen Engel als eine der „Recyclingpapierfreundlichsten Städte Deutschlands“ ausgezeichnet worden. Die Herstellung von Recyclingpapier spart im Vergleich zu Frischfaserpapier rund 70 Prozent Wasser und 60 Prozent Energie. In Bonn wurden so in den vergangenen zwölf Jahren über 67 Millionen Liter Wasser und fast 14 Millionen Kilowattstunden Energie eingespart. Die Einsparungen entsprechen dem täglichen Wasserbedarf von mehr als 554.000 Bundesbürger*innen und dem jährlichen Energieverbrauch von rund 3.950 Drei-Personen- Haushalten in Deutschland. Die Höhe des Papierverbrauchs selbst geht in die Wertung für den Papieratlas nicht ein, wird jedoch von der Stadt ebenfalls erfasst (zum Redaktionsschluss lagen Zahlen bis 2020 vor). Papierverbrauch (Bonner Stadtverwaltung, Schulen, Hausdruckerei) 2010-2020 Der Papierverbrauch ist im Pandemie-Jahr 2020 insgesamt um rund ein Drittel zurückgegangen. Dies dürfte auf Schulschließungen, vermehrtes Arbeiten im Home office sowie geringeren Bedarf an Werbematerialien für Veranstaltungen zurückzuführen sein. Zum Verbrauch in den Schulen ist anzumerken, dass diese zum Teil noch dezentral Papier beschaffen. Diese Mengen tauchen in den oben dargestellten Zahlen naturgemäß nicht auf.Seite 19 von 31 Seite 19 Der im Diagramm ablesbare Aufwärts-Trend zwischen 2013 und 2018 ist nicht notwendigerweise mit einem steigenden Verbrauch gleichzusetzen, sondern zeigt vielmehr an, dass zunehmend auf die von der Stadt favorisierte zentrale Beschaffung über den Rahmenvertrag der Stadt zurückgegriffen wird. 7.5.3 Postversand mit GoGreen Wie bereits seit 2009, nahm die Stadt Bonn auch 2021 als Partnerin am „GoGreen“-Programm der Deutschen Post DHL teil, mittels dem die CO2- Emissionen, die durch die Transport-Logistik beim Brief- und Paketversand entstehen, finanziell ausgeglichen werden. Die Investitionen der Kompensationsbeiträge erfolgt in internationale Klimaschutzprojekte nach dem im Kyoto-Protokoll verankerten Clean Development Mechanism nach dem zertifizierten Gold Standard. 2020 wurden 108,38t CO2 kompensiert. Das Zertifikat für 2021 lag zum Zeitpunkt der Berichtserstellung noch nicht vor. www.dpdhl.de/gogreen-projekte GoGreen-Zertifikat 2020Seite 20 von 31 Seite 20 7.5.4 Fortbildungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 7.5.4.1 Info-Lunch Die 2019 ins Leben gerufene „Info-Lunch“- Fortbildungsreihe „Wir und die 17 Ziele“ wurde auch 2021 fortgesetzt. Rund einmal im Monat informieren Kolleginnen und Kollegen einander in einstündigen Veranstaltungen zur Mittagszeit über ihre Arbeitsbereiche mit Bezug zur Bonner Nachhaltigkeitsstrategie. Die LSK konzipiert und realisiert diese Reihe gemeinsam mit der SDG-Koordinatorin im Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit. Bei der Organisation unterstützt das Personal- und Organisationsamt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Reihe in 2021 in Form von Videokonferenzen durchgeführt und fand mit rund 270 Teilnahmen aus 55 verschiedenen Abteilungen/Fachbereichen gute Resonanz. Auszug aus dem Info-Lunch-Flyer 2021 7.5.4.2 Klimaschutz-Workshop für Azubis Die LSK hat zusammen mit dem Personal- und Organisationsamt eine Workshop-Reihe „Praxiswissen Klimaschutz im Alltag“ konzipiert. Sie soll städtischen Auszubildenden Informationen vermitteln und praktische Erfahrungen in den Handlungsfeldern Energie und Wohnen, Mobilität, Konsum und Freizeit ermöglichen. Es ist zunächst eine Pilotphase mit einer Gruppe von Auszubildenden des gleichen Ausbildungsganges im ersten Lehrjahr geplant, die im Anschluss evaluiert wird. Das Konzept liegt vor, eine erste Einführungsveranstaltung hat im Herbst stattgefunden. Aufgrund der Pandemie war eine Durchführung der in Präsenz vorgesehen Workshops bisher nicht möglich. Sie ist nun für 2022 vorgesehen.Seite 21 von 31 Seite 21 7.6 Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung Auch 2021 fanden corona-bedingt weniger Veranstaltungen statt bzw. konnten nur digital durchgeführt werden. Insgesamt fanden die Angebote dennoch gute Resonanz. 7.6.1 Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ Seit Dezember 2020 läuft das zweijährige Bürgerbeteiligungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“, das von Bonn im Wandel e.V. in Kooperation mit der Stadt durchgeführt wird. Das Verfahren begleitet den Ratsbeschluss, dass Bonn bis 2035 klimaneutral werden soll. Den Anstoß zu Bonn4Future hatte ein entsprechender Bürgerantrag gegeben. Im Rahmen des Verfahrens werden in verschiedenen Veranstaltungen und auf bonn-macht-mit.de Ideen für den Weg zur Klimaneutralität 2035 entwickelt. In 2021 gab es zwei große Veranstaltungen: einen Klimaaktionstag zur Vernetzung mit rund 150 Personen aus 50 Initiativen und Institutionen sowie das erste Klimaforum mit zufällig ausgewählten Bürger*innen und weiteren Akteur*innen. Beim Forum entstanden Zukunftsbilder für ein klimaneutrales Bonn. Sie bilden die Grundlage für die weitere Arbeit in den kommenden Klimaforen. Deren Ergebnissen werden bei der Erarbeitung des Klimaplan 2035 (siehe Kapitel 4.4) berücksichtigt. Eine digitale Nachhaltigkeitsplattform macht Initiativen und Organisationen sichtbar, die sich für eine lebenswerte und faire Stadt einsetzen und das Ziel der Klimaneutralität sowie die Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele unterstützen. Im Jahr 2021 standen Konzeption, Tests und ein Soft-Launch mit Initiativen im Fokus. Aktuell sind rund 70 Organisationen auf der Plattform vertreten. In einer Steuerungsgruppe mit Vertreter*innen aus Stadtverwaltung und Bonn im Wandel e.V. wird regelmäßig über die nächsten Schritte beraten. So ist der offizielle Launch für Frühjahr 2022 vorgesehen, im Sommer sollen auch Unternehmen sich auf der Plattform eintragen können. Die städtische Beteiligungsplattform „Bonn-macht-mit.de“ wird während des Verfahrens eingebunden. 2021 wurde in zwei Online-Dialogen danach gefragt, wie mehr Menschen erreicht werden können. 2022 folgen weitere Dialoge zu konkreten Themen. Im Rahmen der Kommunikationsakademie als weiterem Projektbestandteil haben 2021 drei Workshops zu wirkungsvoller Klimakommunikation stattgefunden. Der Prozess-Beirat mit 27 Mitgliedern aller gesellschaftlicher Gruppen wurde 2021 berufen und tagte vier Mal. Der engagierte Beirat gab wertvolle Empfehlungen u.a. zu Konzept und Methodik der Klimaforen, zur Gewinnung der Teilnehmenden und deren Diversität. Die wissenschaftliche Evaluation wird von der Universität Bonn und promediare durchgeführt. Ein erster Zwischenbericht wurde im Herbst vorgelegt. Der Bericht fällt insgesamt positiv aus; unter anderem im Bereich der städtischen Kommunikation zu städtischen Klimathemen gibt es einer nicht-repräsentativen Umfrage zufolge jedoch noch Nachholbedarf. In den bisherigen Sachstandsberichten zum Verfahren im Bonner Ratsinformationssystem Allris wird detailliert über den Projektfortschritt berichtet:Seite 22 von 31 Seite 22 210174 Sachstandsbericht Bonn4Future – Wir fürs Klima (Februar 2021) 211269 Bonn4Future – Wir fürs Klima. Sachstand (Juli 2021) 212006 Bonn4Future. Bericht im Nachgang des ersten Klimaforums (Oktober 2021) Weitere Informationen und Impressionen aus dem Verfahren sind auf www.bonn4future de zu finden. Teilnehmende des 1. Bonn4Future-Klimaforums 2021 (© Bonn im Wandel e.V./Andir) 7.6.2 Klimaschutzkampagne „Neu denken. Einfach handeln.“ Die städtische Klimaschutzkampagne steht unter dem Slogan „Neu denken. Einfach handeln. Gemeinsam fürs Klima.“ Die Kampagne, die sich an die Bonner Stadtgesellschaft richtet, hat zum Ziel, für den Klimaschutz vor Ort und im Alltag zu sensibilisieren und zu motivieren. Dabei will sie auch den persönlichen und gesellschaftlichen Mehrwert von lokalem Klimaschutz aufzeigen und auf diese Weise zum Mitmachen motivieren. In 2021 wurden Neuauflagen der bestehenden Themenmotive gezeigt, da nach der Haushaltsfreigabe im Herbst keine neuen Motive mehr realisiert werden konnten. Aktionstage wie der Tag der Artenvielfalt, das Museumsmeilenfest oder der Radaktionstag (an denen sich die LSK in den letzten Jahren mit einem Stand beteiligte) fanden 2021 nicht statt. Die Förderprogramme für Photovoltaik und Gebäudebegrünung wurden unter dem kommunikativen Dach der Klimakampagne beworben (s. 7.3.2 und s. 8.2) und im Rahmen der SDG-Tage im September auch vor Ort in der Bonner Innenstadt bekannt gemacht. www.bonn.de/klimaschutzSeite 23 von 31 Seite 23 7.6.3 Bonner Energietage Die Bonner Energietage werden in Kooperation zwischen Bonner Energie Agentur, LSK, Verbraucherzentrale NRW sowie SWB Energie und Wasser durchgeführt. Auch 2021 konnten die Tage corona-bedingt nicht in der eigentlich konzipierten Form durchgeführt werden. Die große Infoveranstaltung auf dem Münsterplatz musste entfallen. Alle sonstigen Programmpunkte fanden als Online-Veranstaltungen vom 25. Mai bis 2. Juni statt. Es wurden Vorträge über Dämmung, Fensterbau, Heizungstausch und Photovoltaik angeboten und in Kurzfilmen wurden Bonner Sanierungsbeispiele gezeigt. Mit mehr als 280 Teilnehmenden waren diese Online-Angebote gut besucht. In der sich anschließenden Woche gab es ein verstärktes Beratungsangebot bei der Bonner Energie Agentur, der Verbraucherzentrale und den Stadtwerken Bonn. https://www.bonner-energietage.de Logo der Bonner EnergietageSeite 24 von 31 Seite 24 7.6.4 Stadtradeln Bonn nimmt seit 2012 an der Kampagne STADTRADELN des Klima-Bündnis teil. Ziel der Kampagne ist, dass möglichst viele Bürger und Bürgerinnen in Teams um die Wette radeln und Radkilometer für den Klimaschutz sammeln. Die Auswertung durch das Klima-Bündnis erfolgt bundesweit. Die LSK übernimmt die Projektkoordination vor Ort. 2021 fand das Stadtradeln im September zum 10. Mal statt. Zum Jubiläum wurden neue Rekorde erzielt: 3.921 Aktive beteiligten sich und erradelten 774.392 km. So konnten von 165 Teams knapp 114 Tonnen CO2 eingespart werden. Am eigens für das Bonner STADTRADELN ausgerufenen Schulwettbewerb nahmen 20 Schulen teil. Die Schulen starteten z.T. als ein großes Schulteam mit Schüler*innen, Kollegium und Eltern. 14 Schulen meldeten Klassenteams, die im Wettstreit um die meisten gefahrenen km pro Klassenmitglied gegeneinander antraten. Diese Teams erradelten 130.313 km. Die drei erfolgreichsten Teams gewannen Preise für die Klassenkassen. Im Rahmen einer Abschlussveranstaltung im Alten Rathaus wurden die erfolgreichsten Teams und Einzelteilnehmer*innen ausgezeichnet. www.bonn.de/stadtradeln STADTRADELN – Siegerehrung 2021 (© Bundesstadt Bonn/Sascha Engst)Seite 25 von 31 Seite 25 7.6.5 Klima-Fahrradtour Die LSK bietet seit 2017 in Kooperation mit dem ADFC Fahrradtouren zu wechselnden Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsprojekten in Bonn an. Die LSK wählt die Ziele aus und stellt Kontakte her, der ADFC plant die Streckenführung, überwiegend abseits der Hauptstraßen, und begleitet die Gruppen. In 2021 konnte corona-bedingt nur eine Tour angeboten werden. Am 28. August waren 20 Radler*innen im Stadtbezirk Bad Godesberg unterwegs. Ein Mitarbeiter des Amtes für Umwelt und Stadtgrün informierte am Südfriedhof unter anderem über die Umgestaltung des Friedhofsgeländes, die Anlage von Blühwiesen und Nistkästen für Insekten und Vögel und über den teils sehr alten Baumbestand. An der Friesdorfer Straße in Godesberg hat der Nachbarschaftsverein „Wir unter der Godesburg“ mit Hilfe von vielen Initiator*innen den Go-Schrank auf einer von der Stadt Bonn zur Verfügung gestellten Fläche aufgestellt. In den Schrank können Gegenstände aller Art, außer Lebensmittel, als Spende hineingelegt und von Interessierten weiter genutzt werden. Die dritte Station war der Draitschbrunnen, aus dem heute noch Heilwasser gewonnen wird. Als regionales Produkt ist es nicht nur gesundheitsfördernd, sondern führt auch zu kürzeren Transportwegen und weniger Abfall. Weiter ging es am Godesberger Bach entlang zum Marienforster Gut, wo die Teilnehmenden das Angebot des Selbstbedienungskühlschranks kennen lernten. Die letzte Station war der umgestaltete Bahnhofsvorplatz in Godesberg. Hier gibt es inzwischen zahlreiche Fahrradständer, an die die Räder sicher angekettet werden können. Impression der Klima-Fahrradtour 2021 (© C. Walter/ Bundesstadt Bonn)Seite 26 von 31 Seite 26 7.6.6 Climathon Vom 3. bis 5. September veranstalteten das Centre for Social Entrepreneurship Bonn (CESEB) und Unity Effect das Online-Format „Climathon“, ein 48-Stunden-Innovations- Marathon für den Klimaschutz in Bonn. Dabei sollten konkrete Herausforderungen für eine nachhaltige und klimaneutrale Zukunft Bonns bearbeitet werden. In deutsch- und englischsprachigen Teams wurden Konzepte zur Lösung verschiedener Challenges erarbeitet. Die LSK beteiligte sich neben weiteren Challenge-Gebern mit zwei Challenges zur Klimaanpassung und war auch Teil der Jury. Drei Preisträger-Teams des Climathons wurden vom CESEB mit Preisgeldern oder temporären Arbeitsplätzen zur Weiterverfolgung ihrer Ideen unterstützt. 7.6.7 Kindermeilen Seit 2017 beteiligt sich Bonn an der Kampagne „Kindermeilen“, die das Klima-Bündnis seit 2002 durchführt. Die Kampagne will zeigen, wie „kinderleicht“ es sein kann, Klimaschutz zu praktizieren. Kinder aus ganz Europa machen sich dabei auf eine symbolische Reise, auf der sie sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel und Mobilität sowie regionalen Lebensmitteln und Energiesparen befassen. Für jeden klimaschonend absolvierten Kilometer erhalten die Kinder grüne Klimameilen, für Energiesparmaßnahmen blaue und für regionale Lebensmittel rote Meilen. Mit allen drei Meilenarten entlasten sie die Umwelt. Die Meilen aller Kinder in Europa werden zusammengezählt und jeweils am Jahresende den Teilnehmenden der UN- Klimakonferenz übergeben. Die Stadt Bonn bewirbt die Kampagne jährlich bei allen Bonner Kindertagesstätten und Grundschulen und übernimmt die Kosten für die Arbeitsmaterialien. In 2021 waren die Teilnahmezahlen nicht so hoch wie erhofft. Während der Pandemie war es den Einrichtungen kaum möglich, Aktionen zu planen und durchzuführen. Trotz dieser widrigen Umstände haben sieben Bonner Einrichtungen teilgenommen. Logo KindermeilenSeite 27 von 31 Seite 27 7.6.8 Netzwerk „Schule trifft Verwaltung“ Die von der LSK organisierten Netzwerktreffen „Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit – Schule trifft Verwaltung“ wurden 2021 digital durchgeführt. Die zweimal jährlich stattfindenden Veranstaltungen richten sich an Schulleitungen und Lehrkräfte aller Schulformen in Bonn, die sich mit den Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Fairer Handel, Ernährung oder Biodiversität beschäftigen oder dies planen. Ziel der Veranstaltung ist es, den gegenseitigen Austausch zu verstetigen und Angebote, Ideen und Wünsche abzugleichen. Im Mai und November 2021 wurden unter anderem Angebote und Projekte der Biostadt Bonn, des Hauses der Natur und des Kulturamtes vorgestellt, an denen sich Schulen beteiligen können. Auch Projektpartner der Stadt waren zu Gast. So stellten Vertreterinnen der Fair Trade Town- Steuerungsgruppe ihr Projekt „Recycling Challenge“ vor. 7.6.9 Weitere Vernetzungsaktivitäten Zwecks Austausch und Vernetzung nehmen Mitarbeitende der LSK regelmäßig bei Veranstaltungen teil, folgen Einladungen für Diskussionen oder Vorträge und organisieren diese auch selbst. 2021 fanden diese ganz überwiegend in digitaler Form statt: Gemeinsam für Stadtnatur, Wissenschaftsladen Bonn (online, 20.1.) Europa klimasicher, Vertretung des Landes NRW bei der EU (online 17.3.) Mikroklima bei Wohngebäuden und Quartieren, ABGnova (online, 23.3.) Connective Cities Virtual Dialogue (online, 26./27./29.4.) Ergebnispräsentation Projekt Stadtgrün 2021, Deutscher Wetterdienst (online, 26.5.) Fokusgespräch Umsetzung Masterplan Stadtnatur, Difu (online, 14.6.) Klima.Werkstatt „Klimafolgen und Klimaanpassung in NRW“, Klimadiskurs NRW (online, 15.6.) Städtedialog Gebäudegrün, Bundesverband Gebäudegrün, (online, 16.6.) Seminar „Städte im Klimawandel“, Universität Bonn (online, 28.6.): Vortrag Nachhaltigkeitscamp, Engagement Global (Bonn, 24.9.) Interkommunale Hochwasservorsorge, Stadt Rheinbach, (Rheinbach, 22.10.) Gewerbegespräch Beuel-Ost, Wirtschaftsförderung (Bonn, 4.11.): Vortrag Erfahrungsaustausch THG-Bilanzierung, EnergieAgentur NRW (Wuppertal, 4.11.) Kommunale Klimakonferenz Fachforen, difu (online, 5./9.11.) Vernetzungstreffen der Deutschen Anpassungsstrategie, BMUB (online 9.&10.11.) Erfahrungsaustausch Klimaneutralität Tübingen/Konstanz/Münster/Bonn (online, 25.11.) Partnertag BEA – Der Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand, Bonner Energie Agentur (online, 01.12.) Regionales Fachforum Klimawandelanpassung, Region Köln Bonn e.V. (online, 3.12.) Grüne Dächer, Grüne Wände, VHS (online, 6.12.): VortragSeite 28 von 31 Seite 28 8 Projekte und Maßnahmen im Bereich Klimaanpassung 8.1 Überblick Mit dem Forschungsvorhaben ZURES wurden zum Projektende im Jahr 2019 gesamtstädtische Hitze- und Planungshinweiskarten fertiggestellt. Diese visualisieren wo sich Ausgleichsräume (Freiflächen mit hoher bioklimatischer Bedeutung) und Belastungsräume (Siedlungsbereiche mit hoher Wärmebelastung) befinden. 2021 konnte nach einer mehrjährigen Phase der Antragstellung das an diese Erkenntnislage anknüpfende und im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie geförderte kommunale Leuchtturmprojekt „MUTABOR“ starten. In diesem Projekt geht es darum, die Wirkung von Anpassungsmaßnahmen in unterschiedlichen Zukunftsszenarien zu modellieren. Auf Basis dieser Ergebnisse ist zudem die Erarbeitung einer Strategie zur verstärkten Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Hitzereduktion geplant. Ebenfalls im Jahr 2021 konnten das Förderprogramm Gebäudebegrünung und das Förderprogramm Entsiegelung gestartet werden. Zudem wurden vorbereitende Maßnahmen getroffen, um ab dem Jahr 2022 das Thema der wassersensitiven Stadtentwicklung nach dem Prinzip der Schwammstadt verstärkt zu verfolgen. 8.2 Förderprogramm Begrünung Der von der Verwaltung zum Jahresende 2020 eingereichte Förderantrag im Rahmen des Sonderprogramms „Klimaresilienz in Kommunen“ zur Förderung von Dach- und Fassadenbegrünungen bei privaten und gewerblich genutzten Gebäuden wurde bewilligt. Nach der Beschlussfassung der entwickelten Förderrichtlinie (DS 211589) konnte das Förderprogramm Gebäudebegrünung zum 7. Mai 2021 starten. Gefördert werden bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten einer Maßnahme, höchstens jedoch 30€/m² bei extensiven Dachbegrünungen sowie 50€/m² bei intensiven Dachbegrünungen und Fassadenbegrünungen. Anträge können von Eigentümern privat oder gewerblich genutzter Grundstücke gestellt werden. Die Bearbeitung und Bewerbung des Förderprogramms musste im Jahr 2021 durch vorhandene Mitarbeitende der Leitstelle Klimaschutz geleistet werden, da die für diesen Zweck angemeldete Personalstelle (Teilzeit 50%) erst ab April 2022 besetzt werden wird. Da die zunächst formulierte Maßgabe einer Mindestsubstratstärke von 12cm bei extensiver Dachbegrünung aus statischen Gründen bei einigen Bestandsgebäuden nicht realisierbar war,Seite 29 von 31 Seite 29 wurde die Förderrichtlinie überarbeitet, sodass nun Maßnahmen auch bereits ab einer Substratdicke von 5cm förderfähig sind (DS 211391). Vom Beginn des Förderprogramms im Mai 2021 bis zum Jahresende 2021 wurden insgesamt 22 Förderanträge zur Gebäudebegrünung positiv beschieden, darunter eine intensive Dachbegrünung, zwei Fassadenbegrünungen und 19 extensive Dachbegrünungen. Die zu begrünende Fläche der einzelnen geförderten Vorhaben schwankt dabei zwischen 13 und 290 m². Insgesamt konnte eine Fläche von knapp 1.900m² über geförderte Projekte begrünt werden. Hierfür wurden gut 38.000€ Fördermittel aufgewendet, die eine Gesamtinvestitionssumme von 104.000€ zur Begrünung von Gebäuden ausgelöst hat. Die Verwaltung ist mit Blick auf die aktuell nur sehr begrenzten Ressourcen zur Bewerbung und Bearbeitung des Förderprogramms zufrieden mit der bisherigen Resonanz auf das Förderprogramm. Es ist zu erwarten, dass die Resonanz mit Besetzung der Personalstelle im 2. Quartal 2022, der dann entsprechend verstärkten Bewerbung sowie mit der Schaffung eines Beratungsangebotes zur Gebäudebegrünung deutlich zunehmen wird. 8.3 Förderprogramm Entsiegelung Nach Freigabe des Doppelhaushaltes 2021/22 sowie der Beschlussfassung zur Förderrichtlinie startete am 29. Oktober 2021 das Förderprogramm „Entsiegelung und Begrünung“ in Ergänzung zum Förderprogramm Gebäudebegrünung. Gefördert werden Maßnahmen, bei denen versiegelte Flächen ohne Begrünung (z.B. Pflaster, Beton und Asphalt) zurückgebaut und dauerhaft mit Anschluss an den natürlichen Boden begrünt werden. Förderfähig sind ebenfalls Teilentsiegelungen, bei denen mind. 50 Prozent der Fläche unversiegelt und max. 50 Prozent der Fläche teilversiegelt (z.B. mit Rasengittersteinen belegt) werden. Anträge können von Eigentümern privat oder gewerblich genutzter Grundstücke gestellt werden. Gefördert werden bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten einer Maßnahme, höchstens jedoch 50€/m². Insgesamt stehen 100.000€ im Rahmen des Förderprogramms zur Verfügung. Auch die Bearbeitung und Bewerbung dieses Förderprogramms musste im Jahr 2021 durch vorhandene Mitarbeitende der Leitstelle Klimaschutz geleistet werden, die unter 8.2 bereits erwähnte Personalstelle (Teilzeit 50%) wird auch für dieses Programm zuständig sein. Im November und Dezember 2021 wurden insgesamt vier Anträge zur Entsiegelung und Begrünung positiv beschieden. Die zu begrünende Fläche der einzelnen geförderten Vorhaben schwankt dabei zwischen 19 und 90 m². Insgesamt konnte eine Fläche von knapp 200m² über geförderte Projekte begrünt werden. Hierfür wurden gut 11.850€ Fördermittel aufgewendet, die eine Gesamtinvestitionssumme von 34.000€ ausgelöst hat.Seite 30 von 31 Seite 30 8.4 Förderprojekt „MUTABOR“ Im Kontext der Deutschen Anpassungsstrategie fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Die LSK hat sich um Fördermittel zur Durchführung des Projektes „MUTABOR“ („Mikroskalige Untersuchung und Aktivierung der technischen und planerischen Anpassungskapazität der Stadt Bonn zur Reduzierung des Hitzestresses“) beworben. Nach Einreichung der Projektskizze (Oktober 2018) sowie des Vollantrags (Juni 2019) wurde der Antrag im Dezember 2020 durch den Projektträger ZUG (Zukunft-Gesellschaft-Umwelt) bewilligt. In Anknüpfung an das Projekt ZURES („Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und Risikoanalyse als Instrument zur Stärkung der Resilienz von Städten und urbanen Infrastrukturen“) soll MUTABOR ergänzend zur lokalspezifischen Handlungspriorität die tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Eine möglichst genaue Ermittlung der lokalen Maßnahmenpotenziale soll dazu beitragen, Planungsempfehlungen konkretisieren zu können. Hierfür wurden vier Szenarien definiert, die unterschiedlich differenzierte Maßnahmenpotenziale zur Reduktion von Hitze beinhalten. Dies geht über ein „Technisch machbar- Szenario“ zu dem Schwerpunkt „Belastung verhindern- Szenario“ und zu einem „Weiter wie bisher- Szenario“. Um diese drei unterschiedlichen Szenarien in den Kontext ohne Ausschöpfung von Maßnahmenpotenzialen setzen zu können, wird zusätzlich ein „Referenz-Szenario“ modelliert. Die vier Szenarien wurden am 21. Juli 2021 bei einer Auftaktveranstaltung unter Teilnahme verschiedener Fachämter vorgestellt. Des Weiteren wurden Maßnahmen im Bereich der Hitzeanpassung erläutert und diskutiert. Anschließend wurden die Ergebnisse der Diskussion in einen ersten Entwurf eines gesamtstädtischen Maßnahmenkatalogs integriert. Im Verlauf der Potenzialermittlung wurde in einem zweiten Workshop am 29. November 2021 die Maßnahme der Transformation von Siedlungsbestand aus Sicht der Hitzeanpassung diskutiert. Für 2022 sind weitere verwaltungsinterne Abstimmungen zur Potenzialermittlung geplant. Sobald die Potenzialermittlung abgeschlossen ist, werden in einem nächsten Schritt vier gesamtstädtische mikroskalige Modellierungen des möglichen Kühleffekts bei Realisierung der identifizierten Maßnahmenpotenziale erfolgen. Basierend auf den Ergebnissen der Modellierungen soll abschließend eine handlungsorientierte Strategie zur Erschließung der Potenziale entwickelt werden. Das Projekt wird unter Leitung der LSK und unter Beteiligung der Projektpartner GEO-NET Umweltconsulting und berchtoldkrass space & options durchgeführt. Für die Stadt Bonn wurde eine auf die Laufzeit des Projektes befristete Personalstelle in Teilzeit (50%) mit dem Projektantrag bewilligt. Für das Projekt ist eine Laufzeit von insgesamt zwei Jahren vorgesehen. Gemäß Bewilligungsbescheid startete das Projekt offiziell am 01. Februar 2021. Das Projekt konnte jedoch erst am 01. Juni 2021 mit Besetzung der Personalstelle beginnen. Die Projektlaufzeit von 24 Monaten wird daher kostenneutral verlängert.Seite 31 von 31
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