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220064 · Beschlussvorlage

Forum Exilkultur Bonn

Nummer
220064
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
17.01.2022
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Rates 10.02.2022 Entscheidung federführend
  2. Sitzung des Kulturausschusses 01.02.2022 Empfehlung
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Untergeordnet

  1. 220064-01 AA Änderungsantrag FDP: Forum Exilkultur Bonn Antrag zur Vorlage 220064

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Beschlussvorlage
öffentlich
220064
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
Dezernat IV
Dezernat:
Dez. IV
Forum Exilkultur Bonn
Beratungsfolge
Kulturausschuss 01.02.2022 Empfehlung
Rat 10.02.2022 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Der Rat begrüßt die in der beigefügten Skizze dargestellte Projektidee eines
Forums Exilkultur Bonn im Windeckbunker.
2. Um über nächste Schritte für eine mögliche spätere Realisierung
entscheiden zu können, wird die Verwaltung beauftragt,
a) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, die unter
Berücksichtigung denkmalrechtlicher Erfordernisse die erforderlichen
baulichen Maßnahmen am Windeckbunker eruiert und eine erste Kosten-
und Zeitprognose erstellt,
b) auf der Grundlage der o.g. Projektskizze ein Konzept für die
Umwidmung des Windeckbunkers in einen öffentlichen Gedenk- und
Diskursort zu erarbeiten (inklusive Betriebs- und Finanzierungsplan) und
c) zu prüfen, ob und wie durch geeignete Betriebs-, Realisierungs- und
Finanzierungsmodelle die Belastungen für den städtischen Haushalt
möglichst geringgehalten werden können.
3. Die Ziffer 2. des Beschlusses des Ausschusses für Planung Verkehr und
Denkmalschutz vom 24.06.2020, DS-Nr. 200787 (Auftrag zur Vorbereitung
eines Investorenauswahlverfahrens für eine Nachnutzung des Bunkers unter
Berücksichtigung der in der Begründung beschriebenen Rahmenbedingungen
sowie der noch zu erarbeitenden wirtschaftlichen Aspekte) wird bis zu einer
endgültigen Entscheidung über die Realisierung dieses Projektes ausgesetzt.
Begründung
In den letzten 5 Jahren hat sich in Bonn eine Initiative formiert, die bereits mit
verschiedenen Projekten zum Thema Exilkunst/Exilkultur aktiv geworden ist,
und die sich um die Realisierung eines Ortes bemüht, an dem Werke von ab
1933 aus Deutschland ins Exil geflüchteten Künstler*innen der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden können.Seite 1 von 13
Seite 2
Im Rahmen verschiedener Themen und Projekte der Erinnerungskultur in Bonn
steht die Verwaltung im Austausch mit der Initiative.
Hierbei ist die Idee entstanden, im Windeckbunker das in der Anlage skizzierte
Forum Exilkultur Bonn zu errichten.
1. Ziel des Forum Exilkultur Bonn
In dem ehemaligen Luftschutzbunker soll anhand von Exilkunst aus der Zeit
des Nationalsozialismus‘ und der Werke von Künstler*innen, die heute in
Deutschland im Exil leben, auf die Lebenssituation vergangener und heutiger
Exilant*innen aufmerksam gemacht werden.
Die Exilerfahrungen im Gestern und im Heute bekommen einen festen Platz in
unserem Erinnern an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, genauso wie
in der Auseinandersetzung mit Emigration und Exil in der Gegenwart. Dieser
konzeptionelle Ansatz ist wegweisend für die Vermittlung von Exilerfahrungen.
Er ermöglicht einen Perspektivenwechsel, mit dem die Relevanz der
Vergangenheit für die Gegenwart sichtbar wird.
2. Weiterentwicklung der städtischen Erinnerungskultur
Erinnerungskultur besitzt eine zentrale, identifikationsstiftende Funktion in und
für die Gesellschaft und trägt zur Stärkung unserer Demokratie bei. Sie bildet
und manifestiert sich im individuellen und im gesamtgesellschaftlichen Umgang
mit Geschichte und ist einem ständigen Wandel unterworfen. Erinnerungskultur
zeichnet sich heute insbesondere durch vielfältige Themen und Zugänge sowie
diskursive Formate aus. Auf diese Entwicklung hat die Verwaltung reagiert. So
wurde zum 1. Januar 2021 die Gedenkstätte für die Opfer des
Nationalsozialismus in städtische Trägerschaft übernommen. Im Rahmen des
Projekts „Aktive Erinnerungskultur“ werden Stadtarchiv und Stadtmuseum
gemeinsam die erinnerungskulturelle Landschaft in Bonn wissenschaftlich
aufbereiten und - unter Einbindung von Menschen aus möglichst vielen
Generationen, Milieus und mit unterschiedlicher Flucht- oder
Einwanderungsgeschichte - einen konzeptionellen Vorschlag für den Umgang
mit dem Vorhandenen (z.B. Grabmäler, Denkmäler, Namen von Straßen,
Plätzen und Institutionen) und für neue Formen und Formate des Gedenkens
erarbeiten. Das Forum Exilkultur ist ein zentraler Baustein im Prozess der
Weiterentwicklung der städtischen Erinnerungskultur.
3. Sammlung „Memoria“
Ausgangspunkt und Basis des Forums Exilkultur Bonn ist die einzigartige
Sammlung bildender Kunst von Exilant*innen des Kölner Sammlers und
Verlegers Thomas B. Schumann. Sie umfasst rd. 1.000 Kunstwerke von rd. 200
Exilkünstler*innen sowie über 50.000 Bücher von Exilautor*innen, die in der
Zeit der NS-Herrschaft 1933-1945 Deutschland verlassen mussten.
Teile der Sammlung waren 2019 im Rahmen der Ausstellung „Eingedenken:
Bildende Künstler im Exil 1933-1945“ im Dialograum Kreuzung an St. Helena
im Gedenken an die Bücherverbrennung 1933 in Bonn zu sehen.
Während die Exilliteratur natürlich nicht abschließend, aber weitgehend
erforscht ist und die Beschäftigung mit z.B. Musik, Komposition und Fotografie
in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, ist die Bildende Kunst aus dem
Exil bisher weder gezeigt, noch wissenschaftlich-historisch erforscht undSeite 2 von 13
Seite 3
diskutiert worden. Somit hat die Sammlung „Memoria“ in der Tat ein
Alleinstellungsmerkmal.
Bei Realisierung soll die Sammlung „Memoria“ dem Forum Exilkultur dauerhaft
zur Verfügung stehen.
Die Verwaltung wird hierzu im Laufe des Jahres die Rahmenbedingungen einer
Schenkung der Sammlung ermitteln und den zuständigen Ratsgremien
(Kulturausschuss und Ausschuss für Finanzen, Beteiligung und Vergabe) zu
gegebener Zeit einen entsprechenden Vorschlag zur Entscheidung vorlegen.
4. Kooperationen
Der beschriebene, konzeptionelle Ansatz und das damit verbundene Ziel des
Forums Exilkultur Bonn baut sowohl auf eine breite Vernetzung mit Akteuren
der Kultur und der Stadtgesellschaft als auch auf die Kooperation mit
internationalen bzw. international agierenden Partner*innen.
 Verein Exilkultur
Wichtigster Kooperationspartner wird der aus der o.g. Initiative zu
gründende Verein (Konstituierung im 1. Quartal 2022 geplant). Ein
Schwerpunkt seiner Arbeit wird die wissenschaftliche Arbeit mit der
Sammlung „Memoria“ sowie die Mitgestaltung des
Veranstaltungsprogrammes. Wie er konkret in ein künftiges
Betriebsmodell eingebunden werden kann, soll im kommenden Jahr
geklärt werden. Konkret wird der Verein Kontakte zur Universität, zur
Alanushochschule und zu Literaturbüros in NRW herstellen um die
Sammlung als solche, als auch eine Sammlung von Briefwechseln mit
Exilant*innen und deren Nachfahren zu bearbeiten und ggf. zu editieren.
Das Veranstaltungsprogramm wird auch auf Grundlage einer
Kooperation mit anderen Bonner Kultureinrichtungen erstellt.
 The Cosman Keller Art & Music Trust
Die Londoner Stiftung verwaltet den Nachlass der Künstlerin Milein
Cosman und des Musikers Hans Keller, die in den 30er Jahren ihre
deutsche bzw. österreichische Heimat verlassen mussten und in
England ins Exil gegangen sind.
Milein Cosman, die 1921 als Kind jüdischer Eltern in Gotha geboren
wurde und bis 1933 in Düsseldorf gelebt hat, arbeitete als Illustratorin
für Sach- und Kinderbücher, aber auch für verschiedene Magazine und
genoss eine hohe Reputation als eine der führenden Portraitistinnen
Englands. 1949 reiste sie im Auftrag des Magazins „Heute“ erstmalig
zurück nach Deutschland und porträtierte das erste Kabinett von
Adenauer in Bonn. Es entstanden über 60 Zeichnungen, die sie kurz vor
ihrem Tod der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages vermachte.
Über ihren Aufenthalt in Bonn schrieb Milein Cosman: „Der rheinische
Akzent ging mir nah, die Freude wurde noch erhöht, da mir zum ersten
Mal klar wurde, dass Beethoven so gesprochen haben muss.“
Mit Unterstützung des Cosman Keller Musik & Art Trusts soll ein
Gedenkraum eingerichtet werden, in dem mit ihrer Kunst und mit
biographischen Gegenständen ihre Lebensgeschichte erzählt und ihr
Bezug zu Bonn dargestellt wird.
Der Cosman Keller Musik & Art Trust hat in einem Letter of Intent sein
Interesse an einer Zusammenarbeit und seine Bereitschaft zurSeite 3 von 13
Seite 4
Schenkung weiterer Kunstwerke Milein Cosmans und zur finanziellen
Unterstützung der Aufbauphase des Forums Exilkultur Bonn erklärt.
 UNO-Flüchtlingshilfe
In Zusammenarbeit mit der UNO-Flüchtlingshilfe, der deutschen
Partnerin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR),
wird die inhaltlichen Brücke von den Exponaten der Sammlung
„Memoria“, der damaligen Situation der Exilant*innen, zur weltweiten
aktuellen Situation von über 82 Millionen Menschen auf der Flucht
geschlagen. Durch die Darstellung und Information zu Flucht,
Fluchtursachen und Fluchtschicksalen will die UNO-Flüchtlingshilfe hier
zur Bewusstseinsbildung der Besucher*innen beitragen und deutlich
machen, wie die Zivilgesellschaft die weltweiten, lebensrettenden
Einsätze des UNHCR aber auch Projekte für Geflüchtete unterstützen
kann. Dazu könnten Ausstellungsexponate, wie ein UNHCR-
Familienzelt, dessen Ausstattung mit Küchen-Kit, UNHCR-Decken etc
beitragen, die Wirklichkeit von Flüchtlingen darzustellen. Mit
Informationsveranstaltungen der UNO-Flüchtlingshilfe ist geplant, die
aktuellen Herausforderungen für die Geflüchteten oder auch die
Anforderungen der Aufnahmegesellschaften darzustellen.
 Amt für Integration und Vielfalt / Bonner Initiativen
Neben aktuell Geflüchteten möchte die Verwaltung im Kontext dieses
Projektes die Menschen in den Blick nehmen, die aufgrund
von Vertreibung, religiöser oder politischer Verfolgung oder
unerträglicher Verhältnisse in ihrem Heimatland nach Bonn gekommen
sind und bereits mehrere Jahre oder Jahrzehnte hier leben. Verstehen
Sie sich als Exilant*innen? Können sie sich – z.B. als Künstler*innen –
frei entfalten? Ist Deutschland, ist Bonn ihre neue Heimat und fühlen sie
sich hier sicher?
Gemeinsam mit dem Amt für Integration und Vielfalt, weiteren Bonner
Akteuren und Initiativen und interessierten Exilant*innen sollen hierzu im
Rahmen der Konzepterarbeitung Ansätze bzw. Formate entwickeln
werden, wie bei uns im Exil lebende Künstler*innen im Forum Exilkultur
Bonn berücksichtigt bzw. eingebunden werden können.
 Städtische Kulturinstitute und Freie Szene
Das Thema ‚Exilkünste gestern-heute-morgen‘ bietet allen städtischen
Kulturinstituten inhaltliche Anknüpfungsmöglichkeiten. Für einige gehört
es zu den Kernaufgaben, für andere ist es seit einigen Jahren stärker in
den Fokus gerückt. Wie z.B. im Theater Bonn, das in der Oper –
gefördert durch das Land NRW –Werke zur Aufführung bringt, die nach
1933 oder ab 1945 aus den Spielplänen verschwanden oder in diesem
Zeitraum entstanden und erst danach überhaupt zur Uraufführung
gelangten, und diese mit eigenen Veranstaltungen und in Kooperation
mit der Universität Bonn wissenschaftlich begleitet.
In Zusammenarbeit mit den städtischen Kulturinstituten sollen im Zuge
der Konzeptentwicklung im kommenden Jahr u.a. Angebote/Formate
entwickelt werden, die das Thema inhaltlich aufgreifen und auf diese
Weise einer breiteren Wahrnehmung verhelfen.
Eine besondere Verbindung besteht – nicht nur räumlich – zum
benachbarten Haus der Bildung und damit zur Stadtbibliothek und zur
Volkshochschule, die beide regelmäßiger Lern- und Aufenthaltsort vonSeite 4 von 13
Seite 5
Geflüchteten sind. Der sogenannte Polizeiflügel des ehemaligen
Stadthauses war und ist über einen unterirdischen Verbindungsgang mit
dem ehemaligen Luftschutzbunker verbunden und über einen zweiten
Einschnitt in die linke Bunkerwand soll ein Zugang zum Hof des Hauses
der Bildung dessen Nutzung für gemeinsame Veranstaltungen
erleichtern. Die Möglichkeiten einer Kooperation von VHS und
Stadtbibliothek mit dem Forum Exilkultur Bonn und damit evtl.
verbundener Synergien werden im Rahmen der Konzeptentwicklung
herausgearbeitet.
Das Forum Exilkultur Bonn soll darüber hinaus auch
Kooperationspartner für Akteure aus der Freien Szene und aus anderen
Bereichen der Stadtgesellschaft sein, die sich inhaltlich mit dem Thema
auseinandersetzen.
Eine Vernetzung mit den städtischen Kulturinstituten ist dabei
ausdrücklich gewünscht.
 Casa Stefan Zweig
Interesse an einer Zusammenarbeit hat die CASA STEFAN ZWEIG
bekundet, ein privatrechtlicher gemeinnütziger Verein mit Sitz in
Petrópolis im Bundesstaat Rio de Janeiro, Brasilien, der im letzten
Wohnhaus des Schriftstellers und seiner Frau ein Museum betreibt, um
anhand von persönlichen Gegenständen, Büchern, Fotos, Dokumenten
und Filmen die Erinnerung an Stefan Zweig zu pflegen. Die CASA
STEFAN ZWEIG ist dabei auch eine Gedenkstätte des Exils für andere
Künstler*innen, Intellektuelle, Wissenschaftler*innen und andere
Europäer*innen, die während des Nationalsozialismus in Brasilien
Zuflucht suchten und dort ihren Beitrag zu Kultur, Kunst und
Wissenschaft leisteten.
 Zentrum für verfolgte Künste Solingen / Exilmuseum Berlin
In den vergangenen Jahren haben verschiedene Initiativen die
Auseinandersetzung mit der Gruppe der Exilant*innen, die bis heute
noch kein eigenes museales Memorial hat, aufgegriffen. Diese
Initiativen stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern in
konstruktivem Austausch.
Erwähnt seien hier das Zentrum für verfolgte Künsteim Kunstmuseum
Solingen (https://kuenste-im-exil.de/) sowie die Stiftung Exilmuseum
in Berlin (https://stiftung-exilmuseum.berlin/de), die am Anhalter
Bahnhof Berlin das erste deutsche Exilmuseum realisieren will.
Die Verwaltung plant, Prof. Dr. Christoph Stölzl (Gründungsdirektor
Exilmuseum Berlin) und Jürgen Kaumkötter (Direktor des Zentrums für
verfolgte Künste, Solingen) über ein Kuratorium / einen Beirat mit ihrer
Expertise in das Projekt einzubinden.
5. Machbarkeitsstudie
Für das Forum Exilkultur Bonn soll der ehemalige Luftschutzbunker als
authentischer Ort (als Mahnmal der NS-Zeit) wahrnehmbar bleiben. Dazu
sollen u.a. die Raumstrukturen grundsätzlich beibehalten und die
Ausstellungsflächen puristisch gestaltet werden. Die Baumaßnahmen zur
Umwandlung des Windeckbunkers in einen öffentlichen Gedenk- und
Diskursort beschränken sich daher im Wesentlichen aufSeite 5 von 13
Seite 6
 die Herstellung der Barrierefreiheit
(ebenerdige Zugänge an beiden Seiten des Gebäudes im EG und
Einbau eines Aufzugs),
 den Einbau von Sanitäranlagen im Untergeschoss
 den Einbau / die Erneuerung der erforderlichen Gebäudetechnik
 die Prüfung einer energieeffzienten Nutzung mit dem Ziel der
Klimaneutralität unter Berücksichtigung von Beleuchtung, Lüftung und
ggf. Klimatisierung
 Bewachung der Exponate) sowie
 erforderliche Brandschutzmaßnahmen.
Die Verwaltung hat im Dezember 2021 das Fraunhofer-Institut für Bauphysik
beauftragt, die bauliche Ist-Situation des Windeckbunkers nach
konservatorischen und bauphysikalischen Aspekten zu analysieren, als
Grundlage für möglichst nachhaltige, Energie sparende Lösungen für die
erforderliche Gebäudetechnik. Das Gutachten wird voraussichtlich bis Ende
Februar vorliegen. Darauf aufbauend soll im ersten Quartal 2022 (durch Dez.
IV) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, um eine erste
baufachliche Einschätzung zu Umfang und Kosten der erforderlichen
Maßnahmen zu erhalten.
Im Rahmen dieser Machbarkeitsstudie soll zudem ermittelt werden, ob und mit
welchem Aufwand die Dachterrasse begrünt und im Rahmen der künftigen
Nutzung zugänglich gemacht werden kann.
Die Verwaltung wird unter Berücksichtigung der Personalsituation im
Städtischen Gebäudemanagement in diesem Zusammenhang prüfen, welche
Optionen für eine spätere Realisierung in Betracht kommen und hierzu einen
entsprechenden Entscheidungsvorschlag vorbereiten.
6. Kunst am Bau
Im Zuge der späteren Bauarbeiten soll ein Teil des Kunstwerks „Porträt eines
anonymen Menschen“ (1988) von Martin Noel an den Außenwänden des
Bunkers sichtbar gemacht werden.
Das Kunstwerk besteht aus einem großflächigen „Porträt eines Unbekannten“
an der Südseite – eine mit reiten, astähnlichen Strichen angerissene Silhouette
eines Kopfes – sowie den vier Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer auf
allen vier Gebäudeseiten, verdeutlicht durch alchimistische Zeichen. Die
Zeichnung ohne Gesicht ist zeitlos, die „Kopflinien“ können sich in der
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewegen. Die Konturen wurden nicht
aufgemalt, sondern mit Meißel und Betonbohrer etwa zwei Zentimeter tief in die
Betonwand geritzt („gestockt“ so der Fachausdruck). Alle Elemente des
Kunstwerks sind heute noch vorhanden, jedoch an den meisten Stellen durch
Efeu bedeckt.
Das Zeichen für Wasser an der Nordseite des Bunkers ist noch weitgehend von
Efeu unbedeckt und soll exemplarisch für das Kunstwerk sichtbar bleiben. Die
mögliche Freistellung und zukünftige Pflege des Fassadenbewuches, erfolgt in
enger Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde. Auf die von den
Pflanzen überwachsenen Teile des Kunstwerkes soll später in geeigneter Form
hingewiesen werden.
7. Schutzwürdiges BiotopSeite 6 von 13
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Der Windeckbunker mit seinem extensiven Bewuchs mit Efeu und wildem Wein
und das umgebende Areal ist vom Landesamt für Natur, Umwelt und
Verbraucherschutz NRW (LANUV) als schutzwürdiges Biotop erfasst.
Schutzwürdige Biotope stellen Lebensräume dar, die eine besondere
Bedeutung für wildlebenden Tier- und wildwachsenden Pflanzenarten und
damit für den Biotop- und Artenschutz besitzen. Der Windeckbunker mit seiner
Fassadenbegrünung bietet für Vögel und Insekten einen vielfältigen
Lebensraum, daher ist er auch eine Station des städtischen Lehrpfades
„Artenvielfalt in der Stadt“. Wegen seiner großen Bedeutung für den Biotop-
und Artenschutz wird während der gesamten Maßnahme der Schutz
wildlebender Tiere und Pflanzen beachtet.
Die Begrünung des Windeckbunkers wird weitgehend erhalten, die
Bepflanzung auf der Vorderseite (Ostseite) des Bunkers wird in die Planung zur
Umgestaltung der Budapester Straße integriert. Eine mögliche Begrünung des
Daches soll das Biotop sinnvoll erweitern, z.B. als Labor für Biodiversität in
Kooperation mit der Universität Bonn und dem zoologischen Forschungsinstitut
Alexander Koenig.
Im Forum Exilkultur Bonn sollen in geeigneter Weise die Zusammenhänge
lokalen Handelns – Bedeutung der Bunkerbegrünung für Klima und Artenschutz
in Bonn – und globaler Folgen – steigende Zahl von Klimaflüchtlingen als Folge
des Klimawandels – vermittelt werden.
8. Denkmalschutz
Aus Sicht des Denkmalschutzes wird das Nutzungskonzept, das die
Wahrnehmbarkeit als ehemaligen Luftschutzbunkers (ggf. durch Erhalt der
Etagenbeschilderung oder der Notfall-Schaltzentrale im Untergeschoss)
erhalten möchte und möglichst wenige Eingriffe vorsieht, grundsätzlich begrüßt.
Bei der Anordnung des neuen Haupteinganges an der rechten Bunkerseite soll
die Ablesbarkeit des Bastionsmauerverlaufes gewahrt bleiben.
Insgesamt ist im weiteren Planungsprozess eine enge Abstimmung mit der
Unteren Denkmalbehörde erforderlich und auch vorgesehen.
9. Umgestaltung der Grünfläche Budapester Straße (Masterplan Innere
Stadt)
Die Umgestaltung der Grünfläche im Rahmen des Masterplan Innere Stadt (s.
u.a. DS 200787) wird planmäßig Mitte 2022 abgeschlossen sein.
Im Zuge der Umgestaltung wird das Bodenniveau zur Bunkerseite leicht erhöht,
was der geplanten, ebenerdigen Erschließung des Bunkers entgegenkommt.
Die an der Nordseite des Bunkers stehenden (5) Bäume sind abgängig und
werden im Zuge der Umgestaltung entfernt. Hier werden zwei neue Bäume
gepflanzt, die restlichen Ersatzpflanzungen erfolgen innerhalb der Grünanlage
(s. DS 212012).
Nach der Umgestaltung der Grünfläche schließt sich die Entsiegelungs- bzw.
Umgestaltungsmaßnahme der Budapester Straße an, für die planmäßig ein
Zeitraum von 6 Monaten benötigt wird.
Da die der Budapester Straße zugewandte Seite des Windeckbunkers mit den
bisherigen Eingängen im ursprünglichen Zustand erhalten bleiben soll, hat eine
spätere Realisierung des Forum Exilkultur Bonn keine Auswirkungen auf die
geplante Umgestaltung der Budapester Straße.Seite 7 von 13
Seite 8
Während der Bauarbeiten am Windeckbunker ist später darauf zu achten, dass
die dann neu hergestellten Flächen in der Budapester Straße nicht beschädigt
werden bzw. bei Beschädigungen kostenfrei für die Bundesstadt Bonn ersetzt
werden.
10. Betrieb
Das Forum Exilkultur Bonn könnte als Dependance des Stadtmuseums geführt
und in dessen Organisationsstrukturen integriert werden. Andere städtische,
ggf. auch nichtstädtische Trägermodelle sind aber nicht ausgeschlossen und
werden parallel geprüft.
Die Strukturen sollen so schlank und damit die Betriebskosten so gering wie
möglich gehalten werden (s. Ziffer 10). Zum Beispiel soll die erforderliche
Bewachung der Exponate idealerweise weitgehend durch technische Lösungen
sichergestellt werden, so dass die Öffnung des Hauses mit möglichst geringem
Personaleinsatz möglich ist.
Geplant ist, den späteren Verein Forum Exilkultur institutionell in den Betrieb
des Forums – insbesondere in die wissenschaftliche Arbeit mit der Sammlung
„Memoria“ sowie die Mitgestaltung des Veranstaltungsprogrammes –
einzubinden. Dies hat u.a. auch Vorteile bei der Drittmittelakquise.
Bis über die Frage der Realisierung des Projektes endgültig entschieden ist,
muss der in Beschlussziffer 3 genannte Beschluss zur Vorbereitung eines
Investorenauswahlverfahrens für eine Nachnutzung des Bunkers ausgesetzt
werden.
11. Kosten/Finanzierung
Für die Umsetzung der nächsten Schritte (Beschlussziffer 2) werden keine
zusätzlichen Haushaltsmittel benötigt. Die bauphysikalische Voruntersuchung
und die Machbarkeitsstudie werden aus dem Budget des SGB finanziert.
Wie ausgeführt, sollen die Kosten konzeptionell und strukturell möglichst
geringgehalten werden. Zur Ermittlung einer ersten Kostenprognose ist aber
eine Machbarkeitsstudie und ein Konzept (inkl. Betriebsmodell und Kosten- und
Finanzierungsplan) erforderlich. Dabei sollen insbesondere Modelle geprüft und
gefunden werden, die den städtischen Haushalt möglichst wenig belasten, z.B.
durch Kooperationen, die Einbindung von Partnern oder nichtstädtische
Trägermodelle.
In diesem Zusammenhang wird noch einmal auf den Cosman Keller Art &
Music Trust verwiesen, der im Fall einer Realisierung eine Förderabsicht in der
Aufbauphase bereits erklärt hat.
12. Fördermittelakquise:
Mit dem Forum für Exilkultur Bonn im Windeckbunker wird die Stadt Bonn auf
innovative Weise in den Bereichen Demokratie, Erinnerungskultur und
Integration aktiv, führt den denkmalgeschützten Bunker einer kulturellen
Nutzung zu und macht ihn der Öffentlichkeit zugänglich. Mit der Fokussierung
des Themas Exilkünste gestern-heute-morgen und der geplanten Kooperation
mit der UNO-Flüchtlingshilfe ist ein Alleinstellungsmerkmal gegeben, mit demSeite 8 von 13
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Bonn auch international eine hohe Reputation erwerben kann.
In Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen aus der vorgesehenen
Machbarkeitsstudie und der inhaltlichen und konzeptionellen Ausgestaltung,
könnten in verschiedenen Förderlandschaften Fördermittel beantragt werden.
Für die verschiedenen Aspekte dieser Maßnahme kommen Fördermittel für
Kultureinrichtungen, Barrierefreiheit und Inklusion, Demokratieförderung,
Erinnerungskultur, Integration, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Klimaresilienz
und energetische Sanierung in Frage. Vor diesem Hintergrund gibt es aktuell
für das Forum Exilkultur Bonn u.a. folgende Förderprogramme:
 Das neue Programm "Citizens, Equality, Rights and Values" (CERV) der
Europäischen Union fördert Projekte zum Thema Unionswerte,
Gleichstellung, Teilhabe und Gewaltprävention – mit einem Etat von
rund 1,55 Mrd. Euro.
 Erasmus – Key Action 2 (Bildung und Austausch auf europäischer
Ebene)
 Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus -
Projektaufruf 2023. Gefördert werden investive sowie konzeptionelle
Projekte mit besonderer nationaler bzw. internationaler
Wahrnehmbarkeit, mit sehr hoher fachlicher Qualität, mit
überdurchschnittlichem Investitionsvolumen
 „Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Deutschland“ (INK),
50.000 Euro bis 1.500.000 Euro, hier muss eine „erhebliches
bundesinteresse“ nachgewiesen werden. (Jährliche Frist ist der 15.
November, gültig bis zum 31.12.2023)
 Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen für Maßnahmen
gemäß § 96 des Gesetzes über die Angelegenheiten der Vertriebenen
und Flüchtlinge (Bundesvertriebenengesetz -BVFG) durch das Land
Nordrhein-Westfalen. (tritt am 31. März 2022 außer Kraft, danach ggf.
nachfolge Richtlinie)
 Förderrichtlinie „Demokratie leben!“ (Projektförderung bis 200.000 Euro,
in Kraft bis Ende 2024)
 KFW Kredite im Rahmen der Richtlinie „barrierearme Stadt“
 Heimatzeugnis (Projektvolumen ab 100.000 Euro, 80% Förderung,
Programmlaufzeit bis Ende 2022)
 Heimat-Fonds (Mindestens 5.000 Euro und weniger als 80.000 Euro
förderfähige Gesamtausgaben, Förderung Maximal 40.000 Euro,
Programmlaufzeit bis Ende 2022)
13. Zeitplan / Weitere Beschlüsse
Angestrebt ist eine Fertigstellung des Objekts im Jahr 2024, eine konkretere
Einschätzung hierzu ist allerdings erst nach Vorliegen der Machbarkeitsstudie
möglich. Die Verwaltung geht hierbei davon aus, dass die vorgesehene
bauliche Entwicklung und Nutzung des Bunkers kein Verfahren zur Änderung
des geltenden Bebauungsplans erforderlich macht.
Die Verwaltung wird voraussichtlich im 3. oder 4. Quartal 2022 auf der
Grundlage der Machbarkeitsstudie und des Konzeptes einen Vorschlag zum
weiteren Vorgehen vorlegen.
Bis dahin wird die Verwaltung die Gremien über wesentliche EntwicklungenSeite 9 von 13
Seite 10
zum Projekt informieren. In einem ersten Schritt wird diese Beschlussvorlage
dem Integrationsrat (15.02.2022), dem Ausschuss für Soziales, Migration und
Gesundheit (16.02.2022), dem Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen
(23.02.2022), dem Unterausschuss Denkmalschutz (09.03.2022) und der
Bezirksvertretung Bonn (15.03.2022) nachlaufend als Mitteilung zu Kenntnis
gebracht.
Anlage/n
1 Forum Exilkultur Bonn - Projektskizze - Stand Januar 2022 (öffentlich)Seite 10 von 13
Sport- und Kulturdezernat
der Bundesstadt Bonn
„Forum Exilkultur Bonn“
- Projektskizze -
1
Stand: Januar 2022
Das Projektziel
Das im denkmalgeschützten Windeckbunker verortete Forum Exilkultur Bonn ist ein wichtiger
Bestandteil der Erinnerungskultur der Bundesstadt Bonn. Mit dem Forum Exilkultur Bonn setzt
die Stadt als `Geburtsort‘ des Grundgesetzes und Sitz der UNO-Flüchtlingshilfe, der deutschen
Partnerin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) ein starkes Zeichen für
Demokratie und Menschenrechte und schafft eine bundesweit einmalige Form des Erinnerns,
die auch stark in die Zukunft wirkt.
Das Forum für Exilkultur in Bonn
Der Windeckbunker als historischer Ort erfährt seine Transformation in einen Ort für Demo-
kratie - gegen Rassismus und für Humanität. Die Begegnung mit Exilkünstler*innen und
künstlerische Teilhabemöglichkeiten geflüchteter Menschen können helfen, Radikalisierung
und Extremismus entgegenzuwirken und gegen das Vergessen zu arbeiten.
Die Exilerfahrungen im Gestern und im Heute bekommen einen festen Platz in unserem Erin-
nern an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, genauso wie in der Auseinandersetzung
mit Emigration und Exil in der Gegenwart. Dieser konzeptionelle Ansatz ist wegweisend für die
Vermittlung von Exilerfahrungen. Er ermöglicht einen Perspektivenwechsel, mit dem die Rele-
vanz der Vergangenheit für die Gegenwart sichtbar wird.
Als Bundespräsident Roman Herzog am 12. Januar 1996 in Bonn den 27. Januar zum
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärte, sagte er, dass es wichtig sei, „eine
Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt“. Der künftige Bunker für Demokratie
ist ein Beispiel dafür, wie so etwas gelingen kann.
Basis ist die „Sammlung Memoria“ des Kölner Sammlers Thomas B. Schumann mit über
50.000 Büchern von Exilautor*innen und rund 1.000 Bildwerken von exilierten Künst-
ler*innen, die in der Zeit der NS-Herrschaft 1933-1945 Deutschland verlassen mussten. Mit
dieser in ihrer Fokussierung einzigartigen Sammlung will Thomas B. Schumann „durch
Sammeln retten vor dem endgültigen Vergessen“.
Eine besondere Rolle kommt der Künstlerin Milein Cosman zu, die 1921 als Kind jüdischer
Eltern in Gotha und Düsseldorf lebte, 1933 in die Schweiz und 1939 nach England ging, wo sie
bis zu ihrem Tod 2017 lebte. Milein Cosman arbeitete als Illustratorin und genoss eine hohe
Reputation als eine der führenden Portraitistinnen Englands. 1949 porträtierte sie im Auftrag
des Magazins „Heute“ das erste Kabinett von Adenauer in Bonn.
Es ist geplant, einen Raum einzurichten, in dem ihre Kunst und anhand von biographischen
Gegenständen ihre Lebensgeschichte erzählt wird. Der Cosman Keller Musik & Art Trust hat
sein Interesse an einer Zusammenarbeit und seine Bereitschaft zur Schenkung weiterer
Kunstwerke Milein Cosmans und zur finanziellen Unterstützung der Aufbauphase des Forums
Exilkultur Bonn erklärt.
Wechselnde Ausstellungen von Künstler*innen, die heute in Deutschland im Exil leben und
arbeiten spannen einen Bogen in die Gegenwart und veranschaulichen, dass das Thema Exil
kein historisch abgeschlossenes, sondern ein aktuelles und allgegenwärtiges ist. Geflüchtete
Menschen sollen aktiv in die Arbeit des Hauses eingebunden werden und die Möglichkeit
bekommen, sich künstlerisch und kreativ zu entfalten und zu präsentieren. Hierzu ist eine
Zusammenarbeit mit der UNO-Flüchtlingshilfe geplant.Seite 11 von 13
2
Angebote der Vermittlung und der kulturellen Bildung in Kooperation mit den städtischen
Kulturinstituten und vielen weiteren Partner*innen in Bonn schaffen die Grundlage für eine
tiefe Vernetzung in die Stadtgesellschaft aber auch zu nationalen bzw. internationalen
Partner*innen, wie z.B. der CASA STEFAN ZWEIG in Petrópolis, Brasilien. Das Forum Exilkultur
Bonn versteht sich als Ort der Geschichte, Gegenwart und Zukunft, der den Diskurs anregt und
sich aktiv mit dem Thema Menschenrechte und Menschenrechtsbildung auseinandersetzt. Ein
besonderer Fokus soll auf der historischen-politischen Bildung und der Arbeit mit Schulen
liegen.
Das Gebäude
Der Purismus des Bunkers eignet sich hervorragend für die dauerhafte Platzierung der
Exilkunstwerke, fördert die eindeutige Identifikation mit der Thematik Exil im Gebäude und
macht keine größeren baulichen Eingriffe erforderlich. Beim Umbau müssen allerdings die
Sicherheitsanforderungen den neuesten Vorschriften eines öffentlichen Gebäudes ent-
sprechend berücksichtigt werden (z.B. Herstellung von Barrierefreiheit).
Ersten Überlegungen nach richtet sich der geplante Haupteingang zum neugestalteten Park
und stellt eine Blickrichtung her. Der Bunker liegt auf gleicher Höhe der Parkanlage. Ein
barrierefreier Zugang wäre somit möglich. Zusätzlich soll ein Eingang/Ausgang Richtung Haus
der Bildung hergestellt werden – nicht zuletzt mit Blick auf die gemeinschaftliche Nutzung des
Außenareals. Zwingend ist der Einbau einer Aufzugsanlage über alle Ebenen. Auf dem Dach
(Aussichtsplattform mit Begrünung) wäre – abhängig von der Aufzugsanlage - ein sichtbarer
Aufbau erforderlich.
Sinnvolle und notwendige Öffnungen der Innenwände müssten ebenfalls bei der Planung
berücksichtigt werden – Entrée, Sanitäre Anlagen, Brandschutz, Lüftung, evtl. Klimaanlage etc.
Sämtliche Eingriffe in bestehende Substanz sind mit Denkmalpflege und mit Tragwerksplanern
abzustimmen. Für weitergehende Aussagen ist im nächsten Schritt eine Machbarkeitsstudie
erforderlich.
Der Windeckbunker ist aufgrund eines extensiven Bewuchs mit Efeu und wildem Wein
Zentrum eines schutzwürdigen Biotops inmitten der Bonner Innenstadt und Station des
städtischen Lehrpfades für Artenvielfalt. Das Forum Exilkultur Bonn soll daher auch inhaltlich
einen Bogen von der Bedeutung der Bunkerbegrünung für Klima und Artenschutz in Bonn zu
der steigenden Zahl von Klimaflüchtlingen als Folge des globalen Klimawandels spannen.
Exilmuseen: Solingen. Berlin. Bonn
Alleinstellungsmerkmal des Bonner Projekts ist die Anknüpfung an die einzigartige Sammlung
bildender Kunst von Exilant*innen von Thomas B. Schumann, da bildende Kunst aus dem Exil
als solche bisher weder gezeigt noch wissenschaftlich-historisch diskutiert worden ist. Hinzu
kommt die Einbettung in das kommunale Gesamtkonzept „Aktive Erinnerungskultur“ und die
Partnerschaft mit der „UNO-Flüchtlingshilfe – Deutschland für den UNHCR“. Mit der
Kooperation mit der UNO-Flüchtlingshilfe wir die Brücke zur Gegenwart geschlagen und die
historischen Erfahrungen der deutschen Exilant*innen mit gegenwärtigen Fluchterfahrungen
in Beziehung gesetzt.
Im Forum für Exilkultur Bonn entsteht ein Galeriebereich (Exil -Galerie, Exil Gallery) und ein
Museum mit Originalobjekten und der Aura des Authentischen.Seite 12 von 13
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In Solingen widmet sich das Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum seit 2015 Künst-
ler*innen, deren Entfaltungsmöglichkeiten durch Terror und Gewalt blockiert, verhindert oder
vernichtet wurden. (kuenste-im-exil.de).
In Berlin plant eine private Initiative das erste deutsche Exilmuseum. Die Stiftung Exilmuseum
hat einen internationalen Architekturwettbewerb für einen Museumsneubau am Anhalter
Bahnhof ausgelobt. Den ersten Platz belegte 2020 die dänische Architektin Dorte Mantrup.
Schirmherrin des Berliner Projekts ist Herta Müller. (stiftung-exilmuseum.berlin)
Die Gruppe der Exilant*innen ist bis heute die letzte Verfolgtengruppe der Nationalsozialismus
ohne eigenes museales Memorial. Dass diese über Jahrzehnte „unerledigte Aufgabe der
deutschen Kulturpolitik“ (Jürgen Faube, FAZ) in jüngerer Zeit durch verschiedene Initiativen
aufgegriffen wird, ist eine positive Entwicklung. Diese Initiativen stehen nicht in Konkurrenz
zueinander, sondern in konstruktivem Austausch.
Geplant ist, Prof. Dr. Christoph Stölzl (Gründungsdirektor Exilmuseum Berlin) und Jürgen
Kaumkötter (Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, Solingen) über ein Kuratorium /
einen Beirat mit ihrer Expertise in das Projekt einzubinden.
Organisation, Betrieb und Finanzierung
Das Forum Exilkultur Bonn könnte als Dependance des Stadtmuseums geführt werden, andere
städtische, ggf. auch nichtstädtische Trägermodelle sind aber nicht ausgeschlossen. Zentraler
Partner ist der Verein Forum Exilkultur Bonn e.V., der sich voraussichtlich Anfang 2022
gründen wird.
Sowohl für die erforderlichen Baumaßnahmen als auch für den Betrieb des Forum Exilkultur
Bonn sollen Drittmittel eingeworben werden (EU, Bund, Land, Stiftungen).
Im nächsten Schritt müssen das Konzept und ein Betriebsmodell erarbeitet und auf dieser
Grundlage ein Kosten- und Finanzierungsplan erstellt werden.
Weitere Schritte (idealerweise)
2022 Beauftragung Rat (Machbarkeitsstudie Bunker, Konzept, Betriebsmodell, Kosten- und
Finanzierungsplan) auf der Grundlage dieser Konzeptidee
2022 Erarbeitung Konzept und Betriebsmodell (unter Einbindung von Partnern),
Beauftragung Machbarkeitsstudie
2022 Grundsatzbeschluss im Rahmen der Haushaltsberatungen 2023/2024,
Fördermittelakquise
2023 Beginn erforderlicher Baumaßnahmen, wissenschaftliche Erfassung und Bearbeitung
Sammlung Memoria, Erarbeitung und Umsetzung Präsentationskonzeption (inkl.
Raum Milein Cosman), Vorbereitung Betrieb
2024 Fertigstellung
Fundierte Aussagen zum möglichen zeitlichen Ablauf der erforderlichen Baumaßnahmen
können erst im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ermittelt werden.Seite 13 von 13

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Datenstand: 02.11.2026, 22:06 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de