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220018 · Mitteilungsvorlage

Positionspapier „Städte in der Welt – Impulsgeber internationaler Politik“ des Deutschen Städtetages

Nummer
220018
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
05.01.2022
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 25.01.2022 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
220018
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
02 Amt für Internationals und globale Nachhaltigkeit
Dezernat:
Dez. OB
Positionspapier „Städte in der Welt – Impulsgeber
internationaler Politik“ des Deutschen Städtetages
Beratungsfolge
Ausschuss für Europa, Internationales,
Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit
25.01.2022 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Das Präsidium des Deutschen Städtetags hat im September vergangenen Jahres ein
Positionspapier zur zunehmenden Bedeutung der internationalen Arbeit der Städte
beschlossen. Das Papier wurde vom Arbeitskreis „Internationale Kommunale
Kooperationen und globale Nachhaltigkeit“ (AK IKON) des Städtetages erarbeitet, in
dem die Stadt Bonn selbst mitwirkt. Mit der Publikation wird der immer wichtigeren
Rolle, die Städte in internationalen Zusammenhängen spielen, Rechnung getragen.
Immer stärker wirken sich globale Herausforderungen wie z. B. Klimawandel, Verlust
an Artenvielfalt, Migration und demographische Veränderungen auf lokaler Ebene aus.
Europäische und internationale Entwicklungen sind für die Städte daher von großer
Bedeutung. Städte wollen daher mitgestalten: sie praktizieren gelebte
Völkerverständigung und setzen sich ein für Demokratie, Nachhaltigkeit und globale
Gerechtigkeit im Rahmen kommunaler Entwicklungszusammenarbeit. All dies ist
Ausdruck städtischer Diplomatie und der Einbindung von Kommunen in globale
Debatten und Strategien.
Mit dem Positionspapier „Städte in der Welt – Impulsgeber internationaler Politik“ greift
der Deutsche Städtetag dies auf und zeigt den Gestaltungswillen und die
Gestaltungmöglichkeiten der Städte auf. Das Papier stellt die Vielfalt kommunalen
Engagements dar, verdeutlicht den Mehrwert, der durch ihr Handeln generiert wird und
stärkt dadurch die internationale Arbeit der Städte langfristig.
Das Positionspapier gliedert sich in elf Schwerpunktbereiche:
1. Globale nachhaltige Entwicklung: Die Städte und die Agenda 2030
2. Städtediplomatie
3. Städte- und Projektpartnerschaften
4. Internationaler FachaustauschSeite 1 von 36
Seite 2
5. Kommunale Entwicklungspolitik
6. Multilaterale Vernetzung und Interessenvertretung
7. Internationale Stadtgemeinschaft
8. Internationale Stadtverwaltung
9. Internationales Standortmarketing
10. Akquise von Fördermitteln und Unterstützungsangeboten
11. Protokoll und Repräsentation
Die Stadt Bonn ist in dem Positionspapier als Praxisbeispiel für die Umsetzung der
Agenda 2030 und deren Bedeutung als kommunaler Handlungsrahmen beispielhaft
dargestellt. Auch in vielen weiteren der in dem Positionspapier aufgezeigten
Themenbereiche (insbesondere in den Themenfeldern Städte- und
Projektpartnerschaften, Internationaler Fachaustausch, Kommunale
Entwicklungspolitik, Multilaterale Vernetzung und Interessenvertretung sowie bei der
Akquise von Fördermitteln und der Bereitstellung von Unterstützungsangeboten) ist die
Stadt Bonn bereits seit vielen Jahren besonders engagiert.
Anlage: Positionspapier „Städte in der Welt – Impulsgeber internationaler Politik“
Anlage/n
1 Anlage Positionspapier „Städte in der Welt – Impulsgeber internationaler
Politik“ (öffentlich)Seite 2 von 36
STAEDTETAG.DE
Städte in der Welt
Impulsgeber internationaler PolitikSeite 3 von 36
Deutscher Städtetag – Städte in der WeltISBN 978-3-88082-355-6
© Deutscher Städtetag Berlin und Köln, November 2021
Titelbild: © djahan – stock.adobe.com
Druck: Media Cologne Kommunikationsmedien GmbH
Printed in Germany Imprimé en Allemagne
Positionspapier des Deutschen Städtetages – beschlossen
vom Präsidium am 28. September 2021 in Heidelberg
Städte in der Welt
Impulsgeber internationaler PolitikSeite 4 von 36
2Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Vorwort
Außenpolitik ist Sache von Nationalstaaten. Dieser Satz ist überholt. Städte und Regionen
spielen heutzutage eine immer stärkere Rolle in internationalen Zusammenhängen. Der
Bund und die Europäische Union binden deutsche Städte vermehrt ein, wenn sie ihre inter-
nationalen Beziehungen weiterentwickeln. Dafür gibt es gute Gründe: Städte leisten einen
zentralen Beitrag zur Völkerverständigung und werben für ein freiheitlich demokratisches
Gesellschaftsmodell. Und im Rahmen kommunaler Entwicklungspolitik setzen sie sich für
das Ziel globaler Gerechtigkeit ein.
Das ist nicht alles. Städte in der Welt sind Orte der Vielfalt und des Austauschs. Sie ver-
netzen sich international und vertreten ihre Positionen gemeinsam gegenüber staatlichen
Regierungen und zwischenstaatlichen Organisationen. Städte entwickeln lokale Lösungs-
ansätze, um globalen Herausforderungen wie dem Klimaschutz, der Migration, einer fairen
Beschaffung und aktuell auch der Corona Pandemie zu begegnen. Sie stehen ein für die
Achtung der Menschenrechte und für eine globale nachhaltige Entwicklung im Sinne der
Agenda 2030.
Die Städte in der Welt profitieren von internationaler Arbeit. Sie erweitern ihre Kenntnisse
und ihren Erfahrungsschatz, sie nehmen international Einfluss und stärken ihr städtisches
Profil.
All diese Aspekte sind Ausdruck der Städtediplomatie. Die Städte in der Welt rücken enger
zusammen. Auch wir unterstützen diese Entwicklung und wissen, Städte brauchen einen
offenen Austausch und mutige Kooperationen. Mit dieser Publikation möchten wir dazu
einen Beitrag leisten.
Helmut Dedy
Hauptgeschäftsführer des Deutschen StädtetagsSeite 5 von 36
3Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
Zusammenfassung 4
Einleitung 5
Handlungsfelder der internationalen Arbeit der Städte 6
Globale Nachhaltige Entwicklung:
Die Städte und die Agenda 2030 6
Städtediplomatie 8
Städte- und Projektpartnerschaften 10
Internationaler Fachaustausch 12
Kommunale Entwicklungspolitik 14
Multilaterale Vernetzung und Interessenvertretung 16
Internationale Stadtgemeinschaft 18
Internationale Stadtverwaltung 20
Internationales Standortmarketing 22
Akquise von Fördermitteln und Unterstützungsangeboten 24
Protokoll und Repräsentation 26
Ansätze zur Stärkung internationaler städtischer Arbeit 28
Ausblick 29
Beschluss des Präsidiums des Deutschen Städtetages
zum vorliegenden Positionspapier 30Seite 6 von 36
4Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Städte übernehmen globale Verantwortung. Sie setzen sich für Völkerverständigung,
globale Gerechtigkeit, den Schutz und die Integration von Geflüchteten und die Einhaltung
von Menschenrechten ein. Sie werben für eine freiheitlich demokratische Grundordnung
und erarbeiten Lösungen für gemeinsame Herausforderungen. Städte sind Treiber einer
globalen nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 2030.
Die internationale Arbeit der Städte umfasst die folgenden Handlungsfelder:
1. globale nachhaltige Entwicklung: Die Städte und die Agenda 2030
2. Städtediplomatie
3. Städte- und Projektpartnerschaften
4. internationaler Fachaustausch
5. kommunale Entwicklungspolitik
6. multilaterale Vernetzung und Interessenvertretung
7. internationale Stadtgemeinschaft
8. internationale Stadtverwaltung
9. internationales Standortmarketing
10. Akquise von Fördermitteln und Unterstützungsangeboten
11. Protokoll und Repräsentation
Zusammenfassung
Die Handlungsfelder überschneiden sich und beeinflussen einander. Sie umfassen auch
Aktivitäten der kommunalen Europaarbeit. Als Querschnittsaufgaben betreffen sie alle
Dezernate, Ämter und Abteilungen. Die internationalen Abteilungen können die weltweiten
Aktivitäten der Stadt ordnen und unterstützen.
Um die internationale städtische Arbeit zu stärken, sind fünf Ansätze wesentlich:
Das vorliegende Papier zeigt die Mehrwerte der internationalen Arbeit der Städte auf und
bietet eine Unterstützung zu ihrer Ausrichtung. Es wendet sich daher vornehmlich an die
Politik und die Verwaltung in den Städten, soll aber auch Regierungen und Organisationen
als wertvolle Orientierung dienen.
1. zunehmende Anerkennung der Bedeutung internationaler städtischer Arbeit
2. Einbezug der Städte bei der Bewältigung globaler Herausforderungen
3. Umsetzung ressortübergreifender Kooperationen innerhalb der Stadtverwaltung
4. Entwicklung und Verabschiedung internationaler Gesamtstrategien in den Städten
5. Unterstützungsangebote und bürokratische Erleichterungen für die StädteSeite 7 von 36
5Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
1 Zur kommunalen Europaarbeit als eigenständiges Handlungsfeld wurde bereits umfassend publiziert
(s. z. B.: RGRE [2013] oder RGRE [2020]).
Weltweit leben immer mehr Menschen in Städten. Die zentralen Herausforderungen
unserer Zeit wie der Klima- und Umweltschutz, die Corona-Pandemie, wirtschaftliche Pros-
perität oder Migration und Flucht sind globaler Art. Doch müssen diese Herausforderungen
immer auch lokal beantwortet werden. Abkommen oder rechtliche Vorgaben, die auf der
Ebene der Vereinten Nationen oder der EU getroffen werden, sind deshalb für die Städte
von großer Bedeutung. Die internationale Vernetzung und Interessenvertretung durch die
Städte gewinnen daher an Bedeutung. Um internationale Entwicklungen mitgestalten zu
können, müssen die Städte handlungsfähig sein – finanziell, administrativ und politisch.
Die vorliegende Publikation ist ein Angebot an die Politik und die Verwaltung in den Städten,
die eigene internationale Arbeit auszurichten und deren Mehrwert aufzuzeigen. Es richtet
sich sowohl an Städte, die sich bereits umfangreich international engagieren, als auch an
solche, deren internationale Arbeit noch weniger stark ausgeprägt ist. Das Papier ist im
Arbeitskreis internationale kommunale Kooperationen und globale Nachhaltigkeit (AK IKON)
des Deutschen Städtetages entstanden.
Internationale städtische Arbeit meint alle Mittel und Maßnahmen im In- und Ausland,
welche die jeweilige Stadt ergreift, um sich im Hinblick auf globale Verflechtungen aktiv
zu positionieren und sozial, wirtschaftlich und ökologisch zu steuern. Dies beinhaltet auch
Aktivitäten der kommunalen Europaarbeit. Diese wird nicht als ein separates Handlungsfeld
vorgestellt. Stattdessen wird an relevanten Stellen auf die Europäische Union und Europa
hingewiesen.1 Je nach Stadt ist die internationale Arbeit in Referaten, Ämtern, Fachabtei-
lungen oder direkt im Büro des Oberbürgermeisters angesiedelt. Der Einfachheit halber wird
in dem vorliegenden Papier von den Ressorts für Internationales gesprochen.
Die einzelnen Kapitel unterteilen sich in drei Abschnitte, die ein Handlungsfeld beschreiben
und veranschaulichen sowie Anregungen geben. In zwei gesonderten Abschnitten werden
die Mehrwerte des jeweiligen Handlungsfeldes benannt und zwei Praxisbeispiele aus der
unmittelbaren Mitgliedschaft des Deutschen Städtetages vorgestellt. Im vorletzten Kapitel
werden fünf Ansätze zur Stärkung der internationalen Arbeit der Städte beschrieben. Ein
Ausblick skizziert Möglichkeiten für die Weiterentwicklung internationaler städtischer Arbeit.
EinleitungSeite 8 von 36
6Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Als zentrales Rahmenwerk für nachhaltige Entwicklung definiert die Agenda 2030 17 Ziele für
nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals [SDGs]). Ob und wie die Nachhaltig-
keitsziele erreicht werden, entscheidet sich in den Städten. Denn eine nachhaltige Entwicklung
wird dort umgesetzt, wo die Menschen leben, wohnen und arbeiten. Da sich lokale Nachhaltig-
keitsmaßnahmen in einer Vielzahl von Fällen global auswirken, beispielsweise beim Klimaschutz
oder einer nachhaltigen Beschaffung, wird hier von einer globalen nachhaltigen Entwicklung
gesprochen.
Bereits jetzt lebt über die Hälfte der Menschen weltweit in Städten. Bis zum Jahr 2050 wird
sich dieser Anteil voraussichtlich auf rund 68 Prozent erhöhen.2 80 Prozent der Weltwirtschafts-
leistung wird in den Städten erbracht. Gleichzeitig werden in den Städten über 75 Prozent der
globalen Treibhausgase ausgestoßen und 66 Prozent der Energie weltweit verbraucht.3
Vor allem die Ziele 11 der Agenda 2030 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ und 17 „Globale
Partnerschaft“ verleihen der Bedeutung der Städte für eine nachhaltige Entwicklung Ausdruck.
Die Städte richten ihre Arbeit an der Agenda 2030 aus. Andere internationale
Rahmenabkommen, wie die Pariser Klimaziele, die Neue Urbane Agenda
(NUA) oder die Neue Leipzig Charta, knüpfen unmittelbar an die Agenda
2030 an. Bei der Prüfung einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort hilft das
vom Deutschen Städtetag initiierte Projekt „SDG-Indikatoren für Kommunen“4.
Ein Bekenntnis des Stadtrates zur Agenda 2030 – beispielsweise in Form der
Unterzeichnung der Musterresolution „2030-Agenda für Nachhaltige Ent-
wicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ des Deutschen
Städtetages und des Rates der Gemeinden und Regionen Europas/Deutsche
Sektion (RGRE)5 – dient als Grundlage für ein verstärktes Engagement im
Bereich globaler nachhaltiger Entwicklung.
Handlungsfelder der internationalen Arbeit
der Städte
Globale Nachhaltige Entwicklung:
Die Städte und die Agenda 2030
2 United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2018)
3 United Nations (2019): S. 84
4 www.staedtetag.de/themen/sdg-indikatoren-kommunen-nachhaltigkeitsmanagement
5 www.staedtetag.de/themen/nachhaltige-stadt/agenda-2030-musterresolution-staedte
● Städte reagieren ganzheitlich auf die Herausforderung
des 21. Jahrhunderts.
● Städte übernehmen lokale und globale Verantwortung.
● Städte haben umfassende Möglichkeiten, die eigene
Arbeit in einem international anerkannten Rahmen zu
prüfen und zu kommunizieren.Seite 9 von 36
7Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
6 https://skew.engagement-global.de/global-nachhaltige-kommune.html
7 www.eisenach.de/leben/klimaschutz-nachhaltigkeit#c26672
8 https://bit.ly/36jU25A
Global Denken – Lokal Handeln:
Die Stadt Eisenach und die Agenda 2030
Die Agenda 2030 als kommunaler
Handlungsrahmen am Beispiel der
Stadt Bonn
Mit Unterzeichnung der Musterresolution zur
Agenda 2030 des Deutschen Städtetages
und des Rates der Gemeinden und Regionen
Europas bekennt sich die Stadt Eisenach
öffentlich zu den 17 Zielen für nachhaltige
Entwicklung der Vereinten Nationen. Der
Stadtrat beschloss zudem die Entwicklung
einer Nachhaltigkeitsstrategie im Rahmen
des Projektes Global Nachhaltige Kommune
Thüringen (GNK).6 In einem breiten Beteili-
gungsprozess unter Einbindung der
Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung
und Zivilgesellschaft werden Themen-
felder ausgewählt und konkrete Maßnahmen
erarbeitet. Die Stadt hält beides in einem
Handlungsprogramm fest und schafft somit
die Voraussetzungen für die langfristige
Umsetzung einer globalen nachhaltigen
Entwicklung vor Ort.7
Mit der Unterzeichnung der Musterresolution
zur Agenda 2030 und der Erarbeitung einer
Nachhaltigkeitsstrategie hat die Stadt Bonn
wesentliche Grundlagen geschaffen, um die
Agenda 2030 systematisch im kommunalen
Handeln zu verankern. Im 2020 veröffent-
lichten freiwilligen Umsetzungsbericht
(Voluntary Local Review [VLR]) zu den SDGs
zieht die Stadt Bonn eine erste Zwischenbi-
lanz und macht ihre Beiträge zur Erreichung
der SDGs auch international sichtbar. Dabei
wurde das bisherige langjährig genutzte
Bonner Indikatorenset um elf zusätzliche
„SDG-Indikatoren für Kommunen“ erweitert.
Die Bürgerinnen und Bürger können sich im
Rahmen jährlich stattfindender SDG-Tage in
vielfältigen Veranstaltungen über die SDGs
informieren und lokale Initiativen für die
Umsetzung der SDGs kennenlernen.8
Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen
SDG-Glücksrad vor dem Rathaus der Stadt Bonn
(Foto: Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn)Seite 10 von 36
8Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Städtediplomatie meint die Pflege von Außenbeziehungen durch offizielle Vertreterinnen
und Vertreter der Städte insbesondere mit anderen Städten, Nationalstaaten, staatlichen
Organisationen, Nichtregierungsorganisationen oder Unternehmen. Diese Beziehungen
können bi- oder multilateraler Art sein und umfassen alle Handlungsfelder internationaler
städtischer Arbeit. Im Rahmen städtischer Diplomatie wirken die Städte bei der Bewältigung
globaler Herausforderungen mit. Sie bringen Expertenwissen, Bürgernähe und Handlungs-
spielräume ein.
Städte treten für eine freiheitlich demokratische Grundordnung ein und leisten einen
zentralen Beitrag zur Völkerverständigung. Sie sprechen Menschenrechtsverletzungen an
und positionieren sich zu internationalen Konflikten. Die gegenseitige Anerkennung und
Anteilnahme von Städten weltweit stärken deren Position als Pfeiler der Demokratie. Wenn
nationalstaatliche Spannungen zunehmen, kann der Austausch auf kommunaler Ebene
häufig weiterbestehen.
Bei der Pflege internationaler Beziehungen sind Fingerspitzengefühl und eine sachliche
Argumentation von entscheidender Bedeutung. Grundsätzlich können sich die Städte an
den Positionen und Einschätzungen des Auswärtigen Amtes (AA) orientieren. Die politische
Lage vor Ort kann den Kontakt zu einer Partnerstadt erschweren. Doch gerade dann ist es
wichtig, im Gespräch zu bleiben, um weiterhin als Brückenbauer fungieren zu können.
In jedem Fall lässt sich der Dialog zumindest über die Zivilgesellschaft fortführen. Die im AA
geschaffene Kontaktstelle für Kommunen – wie auch vom Deutschen Städtetag gefordert –
ist für dieses Spannungsfeld hilfreich. Darüber hinaus setzen sich Städte für den Schutz der
Menschenrechte, für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie im institutionalisierten Rahmen
des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarates (KGRE) ein.
Städtediplomatie
● Städte setzen sich ein für eine freiheitlich, demokratische Grundordnung,
eine nachhaltige Entwicklung und den Schutz der Menschenrechte.
● Städte leisten einen zentralen Beitrag zur Völkerverständigung.
● Städte verfügen bei der Pflege von Außenbeziehungen über Experten-
wissen, Bürgernähe und Handlungsspielräume.Seite 11 von 36
9Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Städtediplomatie in Dortmund
Hannover:
Aktiv im Netzwerk der Mayors for
Peace für eine nuklearwaffenfreie Welt
Kommunale Außenbeziehungen sind für Dortmund Motor von Innovationen, Sicherung von
Wohlstand und Stärkung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Als erste Kommune in
Deutschland hat die Stadt Dortmund eine Stelle geschaffen, die sich explizit dem Thema
Städtediplomatie widmet. Der Koordinator für Globale Städtediplomatie steuert den Aus-
bau von internationalen, strategischen Partnerschaften und die Mitgliedschaft der Stadt
in internationalen Netzwerken und Gremien. Er koordiniert die Zusammenarbeit mit den
Vereinten Nationen und positioniert die Stadt auf globalen Konferenzen. Die Organisation
von Besuchen ausländischer Delegationen und von unter anderem Botschafterinnen und
Botschaftern fällt auch in seinen Aufgabenbereich. Aktuell stärkt zum Beispiel eine
trilaterale Klimakooperation zwischen Pittsburgh, Vancouver und Dortmund die von der
Bundesregierung ausgerufene „Transatlantische Klimabrücke“.9
Seit 1983 engagiert sich die Landeshauptstadt Hannover
im weltweiten Bündnis der Mayors for Peace – der Bürger-
meisterinnen und Bürgermeister für den Frieden. Ziel ist
eine Welt ohne Atomwaffen. Hannover nimmt die Rolle der
Vizepräsidentin, Exekutivstadt und Lead City für Deutsch-
land wahr. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit, Diskus-
sionsveranstaltungen zu sicherheitspolitischen Themen,
einem regelmäßigen Austausch mit dem Auswärtigen Amt,
internationalen Jugendbegegnungen, Teilnahme an inter-
nationalen Konferenzen und einer intensiven Vernetzung
im Rahmen des European Chapters der Mayors for Peace
betreibt Hannover Lobbyarbeit auf nationaler, europäischer
und internationaler Ebene. Über 700 Kommunen in Deutsch-
land leisten durch ihr Engagement in dem Netzwerk einen
wichtigen Beitrag zur Bewahrung des Friedens in der Welt.10
9 www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/internationales/buero_fuer_internationale_beziehungen/
dortmund_und_globale_staedte_diplomatie/index.html
10 www.mayorsforpeace.de
Weltkarte mit den Partnerstädten der Stadt Dortmund
(Bild: Stadt Dortmund)
Ansprache von Oberbürgermeister Belit Onay vor dem Neuen
Rathaus in Hannover anlässlich des Flaggentags 2021 der Mayors
for Peace (Foto: Landeshauptstadt Hannover)Seite 12 von 36
10Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Im Rahmen internationaler Städte- und Projektpartnerschaften sowie Städtefreundschaf-
ten11 organisieren Städte Reisen oder Austauschformate für Ratsvertreterinnen und Rats-
vertreter, Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler, Unternehmen und Verwal-
tungsangestellte. Die Städte arbeiten dabei auch mit der Zivilgesellschaft, mit Schulen, der
Wissenschaft oder der Wirtschaft innerhalb der eigenen Stadt zusammen. Nicht selten ent-
stehen Städtepartnerschaften auf Initiative der Zivilgesellschaft. Die Kooperationen stärken
auch den sozialen Zusammenhalt innerhalb der eigenen Stadt.
Einzelne Städte in Deutschland unterhalten bis zu 22 internationale Städtepartnerschaften.
In Summe pflegen allein die unmittelbaren Mitgliedsstädte des Deutschen Städtetages rund
1.400 internationale Städte- und Projektpartnerschaften sowie Städtefreundschaften.12
Viele deutsche Städte pflegen zusätzlich innerdeutsche Städtepartnerschaften.
Formelle Partnerschaften mit Ratsbeschluss lassen sich nutzen, um für die Umsetzung
gemeinsamer Aktivitäten zu werben. Städtepartnerschaften in beiden deutschen Staaten
nach dem Zweiten Weltkrieg haben entscheidend zur Aussöhnung mit Israel, Russland, in
allen Teilen Europas sowie mit den Vereinigten Staaten von Amerika beigetragen. Als Aus-
druck innerdeutscher Solidarität wurden im Speziellen auch Partnerschaften zwischen
Städten in Ost- und Westdeutschland geschlossen. Auch lassen sich Städtepartnerschaf-
ten zur Aufarbeitung historischer Themen, wie der kolonialen Vergangenheit Deutschlands,
nutzen.
Städte- und Projektpartnerschaften
11 Förmliche Städtepartnerschaften beruhen auf einer schriftlichen Vereinbarung und sind zeitlich unbegrenzt. Städtefreund-
schaften und Projektpartnerschaften beruhen auch auf einer förmlichen Vereinbarung, sind jedoch zeitlich begrenzt.
Projektpartnerschaften werden eingegangen, um ein gemeinsames Vorhaben umzusetzen (s. www.rgre.de/
partnerschaft/datenbank/).
12 Die Datenbank der kommunalen Partnerschaften des Rates der Gemeinden uvnd Regionen Europas/Deutsche Sektion
(RGRE) zählt rund 6.700 Partnerschaften und Freundschaften deutscher Kommunen weltweit.
● Städte bringen relevante Akteure zusammen und tragen zur Völkerver-
ständigung bei.
● Städte weltweit unterstützen und bereichern sich gegenseitig –
kulturell, sozial, ökologisch und wirtschaftlich.
● Städte greifen für die Umsetzung internationaler Kooperationen auf
formale und etablierte Strukturen zurück.Seite 13 von 36
11Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Die Städtepartnerschaft Bremen-Danzig
Klimapartnerschaft zwischen Greifswald
und Pomerode in Brasilien
1976 gegründet, war Bremen-Gdańsk die
erste Städtepartnerschaft zwischen Polen
und Westdeutschland. Sie war und ist ge-
prägt durch Solidarität und das gemeinsame
Engagement für Frieden, Demokratie und
Menschenrechte. So strandete 1981 mit
Ausrufung des Kriegsrechts eine Delega-
tion Danziger Hafenarbeiter beim Gewerk-
schaftsbesuch in Bremen. Ins Exil gezwun-
gen gründeten sie mit Bremer Unterstützung
das erste Auslandsbüro der Solidarność in
Bremen. Der Bremer Bürgermeister und die
Danziger Stadtpräsidentin pflegen heute
öffentliche Diskurse zu Themen wie Rechts-
staatlichkeit, Bürgerbeteiligung und Frauen-
rechten. Eine Partnerschaft zwischen dem
CSD-Verein in Bremen und der LGBTQ-
Gruppe „Tolerado“ ist die jüngste Initiative
zur Stärkung der liberalen Kräfte.13
Greifswald und Pomerode pflegen seit 2001
freundschaftliche Beziehungen. 2015 wurde
eine Klimapartnerschaft zwischen beiden
Städten begründet. Mit Unterstützung der
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt
(SKEW) stärken beide Städte das lokale Be-
wusstsein und die lokale Infrastruktur für eine
nachhaltige Mobilität. Hierzu tauschen sich
die städtischen Fachabteilungen aus. Unter
dem Motto „Vom Auto aufs Rad - Klimaschutz
kann jeder“ wird ein Vorhaben umgesetzt,
das klimabewusste Entscheidungen bei der
Wahl der Verkehrsmittel fördert. Pomerode
profitiert zusätzlich vom Ausbau der örtlichen
Radwege und Fahrradabstellanlagen. Die
spürbaren Auswirkungen des Klimawandels in
Pomerode verdeutlichen den Beteiligten die
Bedeutung des Klimaschutzes.14
13 www.rathaus.bremen.de/partnerstadt-danzig-2269
14 www.greifswald.de/de/verwaltung-politik/rathaus/staedtepartnerschaften-und-internationale-kontakte/
Staedtefreundschaften/Pomerode-/
Hans Koschnick, der frühere Bremer Oberbürgermeister,
Präsident des Bremer Senats und von 1971 bis 1977 Präsident
des Deutschen Städtetages, im Gespräch mit einem Ehepaar aus
Danzig. Der Herr rechts wurde 1909 als Sohn eines polnischen
Webers in Bremen geboren, 1919 übersiedelte die Familie wieder
zurück nach Polen (Foto: Landesbildstelle Bremen).
Ein Betriebsparkplatz in Pomerode, Brasilien. Die Förderung
des Radverkehrs ist Schwerpunktthema der Klimapartnerschaft
zwischen Pomerode und Greifswald (Foto: Stadt Greifswald).Seite 14 von 36
12Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Der internationale Fachaustausch meint den Erfahrungsaustausch von Fachabteilungen
aus Städten weltweit. In Anbetracht gemeinsamer Herausforderungen gewinnt dieser an
Bedeutung.
Als Kooperationsvorhaben zwischen dem Deutschen Städtetag, der Servicestelle Kom-
munen in der Einen Welt (SKEW) und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit
(GIZ) unterstützt „Connective Cities“ den Austausch zwischen Fachleuten aus deutschen
Städten und Kommunen weltweit. Seit 2014 haben sich bereits über 100 deutsche Kommu-
nen und über 50 kommunale Unternehmen bei „Connective Cities“ engagiert. Insgesamt
haben sich seither mehr als 500 Kommunen aus 66 Ländern beteiligt. Im Rahmen des Vor-
habens „Dialoge für Urbanen Wandel“ (D4uC) durch das Bundesministerium des Inneren, für
Bau und Heimat (BMI) tauschen sich Städte international zu einer sozialen und integrierten
Stadtentwicklung aus.
Durch Fachaustausche entstehen mittel- bis langfristige Kooperationsprojekte wie Projekt-
oder Städtepartnerschaften. In den Projekten wirken oft Fachleute aus der Zivilgesellschaft,
der Wissenschaft und der Wirtschaft mit. Auch initiieren Städte Fachaustausche im Rahmen
bestehender Partnerschaften und fachlicher Arbeitsgruppen. Entsprechende Arbeits-
gruppen bestehen beispielsweise in internationalen Städtenetzwerken und Verbänden wie
Eurocities, Platforma, dem Klimabündnis, ICLEI oder United Cities and Local Governments
(UCLG).
Internationaler Fachaustausch
● Städte bündeln international Wissen und Ressourcen.
● Städte entwickeln gemeinsam Lösungsansätze zur Bewältigung lokaler
und globaler Herausforderungen.
● Städte fördern sprachliche und interkulturelle Kompetenzen sowie Länder-
kenntnisse, auch zur Personalentwicklung und -bindung.Seite 15 von 36
13Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Internationaler Fachaustausch zu
Digitalisierungsstrategien mit der
Stadt Nürnberg
Im Oktober 2018 veranstaltete die Stadt
Nürnberg gemeinsam mit Connective Cities
die Dialogveranstaltung „Strategien für die digitale Stadt – Chancen und Herausforderun-
gen“. Vertreterinnen und Vertreter aus 11 Städten in sechs Ländern tauschten Praxisbeispiele
und Herausforderungen in den Bereichen Digitalisierungsstrategien, digitale städtische
Mobilität und digitale Dienstleistungen aus. Der internationale Fachaustausch zeigte eine
Vielzahl unterschiedlicher Ansätze von einem formalisierten Strategieprozess in Nürnberg
bis hin zu einer iterativeren Smart City Entwicklung in Taipeh. Die Stadt Nürnberg und ihr
palästinensischer Projektpartner Nablus vertieften den Austausch zur digitalen Transforma-
tion der Verwaltung in einer von Connective Cities unterstützten Expertenentsendung im
Dezember 2019 nach Nablus.16
Wolfsburg und Jendouba arbeiten im
Rahmen einer Entwicklungspartner-
schaft zusammen. Das erste Projekt
beinhaltete die partizipative Gestal-
tung eines Stadtteilparks in Jendou-
ba. Beidseitig erfolgten Fachaus-
tausche und offizielle Begegnungen.
Im Ergebnis konnte der Stadtteilpark
im Januar 2020 fertiggestellt und
eine Städtepartnerschaft besiegelt
werden.
Im Folgeprojekt sollen die jeweiligen
kommunalen Strukturen vertiefend
kennengelernt und gemeinsam Lö-
sungen im Bereich Abfallmanage-
ment erarbeitet werden. Das Projekt
wird im Rahmen des Programms
„Kommunaler Wissenstransfer
Maghreb-Deutschland“ von der
Servicestelle Kommunen in der Einen
Welt (SKEW), von Engagement Global
und der Deutschen Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
unterstützt.15
15 www.nuernberg.de/internet/hochbauamt/digitalcity.html
16 www.wolfsburg.de/entwicklungspolitik
Kommunaler Wissenstransfer:
Partnerstädte Wolfsburg und Jendouba, Tunesien
Fachexperten der Städte Wolfsburg und Jendouba bei der Planung für einen
Stadtteilpark in Jendouba, Tunesien (Foto: Stadt Wolfsburg).
ONNECTIVE
I T I E SCSeite 16 von 36
14Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Als „Kommunale Entwicklungspolitik“ (KEPol) werden alle Mittel und Maßnahmen der
Kommunen verstanden, die die global nachhaltige Entwicklung in der eigenen sowie in Part-
nerkommunen im Globalen Süden fördern.17 18 Diese Förderung kann direkter (zum Beispiel
faire Beschaffung) oder indirekter (zum Beispiel entwicklungspolitische Bildungsarbeit) Art
sein. Teil der KEPol ist die „Kommunale Entwicklungszusammenarbeit“ (KEZ). Diese umfasst
Projekte, die Nord- und Südkommunen gemeinsam umsetzen, um die nachhaltige Ent-
wicklung in der Südkommune zu fördern. Beispiele sind Klimapartnerschaften, gemeinsame
Projekte zur Verbesserung der lokalen Daseinsvorsorge oder die Förderung von Schul-
bauprojekten. Letzteres unterstützen Kommunen unter anderem im Rahmen der Gemein-
schaftsinitiative „1000 Schulen für unsere Welt“ des Deutschen Städtetages, des Deutschen
Landkreistages und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.
Die KEPol hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. In Deutschland engagieren
sich bereits über 1.000 Kommunen. KEPol zeichnet sich durch Fachwissen und Bürgernähe
aus. Sie ist nicht an nationalstaatliche Interessen und Vorgaben gebunden und kann Hilfe
leisten, wo diese am dringendsten benötigt wird. Als zentrale Akteure stärken Städte
entwicklungspolitisches Engagement auch über die eigene Kommune hinaus.
Eine nachhaltige KEPol leistet Hilfe zur Selbsthilfe und setzt Kooperationen auf Augen-
höhe um. Hierzu gehören Respekt und Gleichberechtigung. Die Schaffung oder Verstärkung
bestehender Abhängigkeiten muss vermieden werden. Trotz unterschiedlicher Rahmen-
bedingungen verfügen Städte im Globalen Süden über wertvolle Erfahrungen, zum Beispiel
bei Klimafolgeanpassungsprojekten oder in der Anwendung digitaler Technologien. Im
Rahmen KEZ reflektieren Städte zudem die eigene Arbeit. Die Servicestelle Kommunen
in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global hat sich in der KEPol als verlässliche
Partnerin etabliert. Der weltweit größte Geldgeber im Bereich KEZ ist die Europäische Union.
Kommunale Entwicklungspolitik
17 Vgl. Beschluss des Bund-Länder-Ausschusses Entwicklungszusammenarbeit vom 7. Juni 2010 zur Umsetzung des
Beschlusses der Ministerpräsidenten der Länder vom 24. Oktober 2008 zur KEPol.
18 KEPol sollte nachhaltig ausgerichtet sein. Andersherum weisen jedoch nicht alle Nachhaltigkeitsmaßnahmen einen
Wirkungsbezug zum Globalen Süden auf. Sie sind somit nicht automatisch der KEPol hinzuzuzählen.
● Städte leisten einen Beitrag zu globaler Solidarität und Gerechtigkeit, zur
Bekämpfung von Not und Armut weltweit und damit auch zur Bekämpfung
von Fluchtursachen.
● Kommunalen Entwicklungspolitik ist nicht an nationalstaatliche Interessen
und Vorgaben gebunden. Sie kann Hilfe leisten, wo diese am dringendsten
benötigt wird.
● Städte leisten Hilfe zur Selbsthilfe und setzen Kooperationen auf
Augenhöhe um.
● Städte fördern Lernprozesse bei allen Beteiligten.Seite 17 von 36
15Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Auf Initiative engagierter Bürgerinnen und Bürger und mit
Unterstützung des Kaufbeurer Oberbürgermeisters Stefan
Bosse schloss sich die Stadt Kaufbeuren der Gemeinschafts-
initiative der kommunalen Spitzenverbände „1000 Schulen
für unsere Welt“ an. Per Ratsbeschluss warb die Stadt für
Spenden zur Renovierung und Erweiterung der Samaki
Primary School in Sanya Juu, Tansania. Durch den gemein-
samen Einsatz der Bürgerinnen und Bürger, der Wirtschaft
und der evangelischen Kirchengemeinde kamen die benötig-
ten Spenden innerhalb weniger Monate zusammen. Die Reno-
vierung und Erweiterung der Schule für ca. 200 Schülerinnen
und Schüler wurde im Juli 2021 fertiggestellt.19
1000 Schulen für unsere Welt: Kaufbeuren für ein
Schulbauprojekt in Tansania
19 www.1000schulenfuerunserewelt.de/
20 www.stadt-muenster.de/ratsservice/politik-und-verwaltung/beirat-fuer-kommunale-
entwicklungszusammenarbeit/kampagne-fairtrade-stadt.html
Seit 2011 ist Münster Fairtrade-Stadt. Seitdem hat die
Stadt unter Federführung einer Steuerungsgruppe eine
Vielzahl an Veranstaltungen durchgeführt. Mit Vertreterin-
nen und Vertreter aus unter anderem der Politik, Verwal-
tung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft setzt sie sich dafür
ein, die Bevölkerung, aber auch die öffentliche Hand für
globale Zusammenhänge zu sensibilisieren. Denn was und
wie viel wir konsumieren hat globalen Einfluss. 2020 führte
die Stadt Münster den Fachtag „Ökofaire Beschaffung –
ja klar! Aber wie klappt’s?“ durch. Der intensive Austausch
und die Vernetzung zeigten erneut, dass das Thema Fair-
trade ein wesentlicher Baustein für eine gute Zukunft ist.20
Ökofaire Beschaffungstagung der Stadt
Münster
1000 Schulen
für unsere WelT
Eine Initiative der kommunalen Spitzenverbände
1000 Schulen
für unsere WelT
Im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative „1000
Schulen für unsere Welt“ rufen Kommunen zu
Spenden für Schulbauprojekte in Ländern des
Globalen Südens auf.
Dokumentation der ökofairen Beschaffungstagung der
Stadt Münster (Bild: Stadt Münster)
Exkurs: Länder des Globalen Südens
Über 200 der rund 1400 internationalen Städte- und Projektpartnerschaften sowie Städtefreundschaf-
ten in der unmittelbaren Mitgliedschaft des Deutschen Städtetages bestehen mit Ländern des Globa-
len Südens. Die Bezeichnung „Länder des Globalen Südens“ meint Länder, die nach den Berechnungen
des Development Assistance Committee (DAC) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) Partner staatlicher Entwicklungszusammenarbeit sind.
Der Begriff „Globaler Süden“ soll die wertenden Bezeichnungen „Schwellen- und Entwicklungsländer“
ablösen, aber dennoch zum Ausdruck bringen, dass einzelne Länder innerhalb unserer globalisierten
Welt benachteiligt sind. Der Begriff ist somit politisch und nicht geographisch zu verstehen.Seite 18 von 36
16Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Multilaterale Vernetzung im Sinne der Städte meint deren Austausch, Abstimmung und
Einsatz über mehrere Ländergrenzen hinweg. Dies kann auf politischer und/oder fach-
licher Ebene und unter Einbindung nicht-staatlicher Akteure, wie der Zivilgesellschaft, der
Wissenschaft oder der Wirtschaft, erfolgen. Während multilaterale Kooperationen auf der
Ebene der Nationalstaaten immer wieder aufgrund von geopolitischen Rivalitäten scheitern,
kooperieren die Städte flexibel und zielorientiert. Um der Bedeutung subnationaler Akteure
im Rahmen multilateraler Zusammenarbeit Rechnung zu tragen, wird auch der Ausdruck
„Mikro-Multilateralismus“21 verwendet.
Städte vernetzen sich multilateral, um gegenüber der EU oder den Vereinten Nationen (VN)
eine gemeinsame Position zu vertreten und Lösungsansätze für globale Herausforderungen
zu erarbeiten. Sie fordern staatliche Regierungen und Organisationen auf, ihren Einsatz und
ihre Unterstützung im Bereich globaler nachhaltiger Entwicklung zu intensivieren. Im Rah-
men des Mehrebenen-Ansatzes (Multi-Level-Governance) gestalten Städte Abkommen auf
der inter- bzw. supranationalen Ebene mit und setzen diese lokal um. Bei Gesetzgebungs-
verfahren der Europäischen Union ist die lokale und regionale Ebene über den Ausschuss
der Regionen (AdR) institutionell eingebunden. Eine vergleichbare Einbindung auf der Ebene
der Vereinten Nationen fehlt noch.
Auf nationaler Ebene vernetzen sich die Städte in Deutschland insbesondere über den
Deutschen Städtetag. Er vertritt seine Mitglieder wiederum in den kommunalen Dachver-
bänden Council of European Municipalities and Regions (CEMR) und United Cities and Local
Governments (UCLG). Über die Global Task Force of Local and Regional Governments von
UCLG vertreten (Ober-)Bürgermeisterinnen und (Ober-)Bürgermeister aus mehreren Län-
dern die Interessen lokaler und regionaler Regierungen im Vorfeld der UN-Klimakonferenzen,
im Rahmen von UN-Habitat und gegenüber dem Hochrangigen Politischen Forum für Nach-
haltige Entwicklung der Vereinten Nationen (High-Level Political Forum [HLPF]). Der Deut-
sche Städtetag setzt sich auch im Rahmen europäischer und internationaler Netzwerke
dafür ein, dass die Europäische Union und die Vereinten Nationen die Städte als vollwertige
Partner anerkennen.
Multilaterale Vernetzung und Interessenvertretung
21 S. z. B. Ashbrook, C.C. & D. Haarhuis (2019)
● Städte nehmen international Einfluss und gestalten Gesetze bzw.
Abkommen auf der europäischen und internationalen Ebene mit.
● Gemeinsam stärken Städte ihre Stimme gegenüber staatlichen und
zwischenstaatlichen Organisationen.
● Städte profitieren von der Unterschiedlichkeit der Stärken, die Partner
in einer multilateralen Vernetzung einbringen.Seite 19 von 36
Deutscher Städtetag – Städte in der WeltDie Stadt Leipzig engagiert sich aktiv im europäischen Großstädtenetzwerk EUROCITIES.22
Das Netzwerk bündelt als länderübergreifende politische Einheit die Interessen der Städte
und ihrer Bürgerschaft gegenüber europäischen Institutionen. Es ist insbesondere aufgrund
der aktiven Gestaltung der Europapolitik, des fachlichen Erfahrungsaustauschs und konkre-
ter Projektkooperationen von besonderer Bedeutung. Leipzig bringt sich insbesondere im
Bereich der inklusiven, sozial gerechten Stadtentwicklung, bei Umwelt- und Klimathemen,
der Erarbeitung von zukunftsweisenden Mobilitätsstrategien und der Entwicklung kulturel-
ler Projekte ein.23
Das Jahr 2020 markierte das 75. Jahr der Gründung der Vereinten
Nationen (VN). Vor diesem Hintergrund lud die Stadt Mannheim
all ihre Partnerstädte ein, um über die Rolle der Städte für die
Zukunft des Multilateralismus zu beraten. Verabschiedet wurde
eine gemeinsame Erklärung, in der eine institutionelle Reform der
VN gefordert wird, die im Ergebnis zu einer formalisierten Beteili-
gung der Städte führen muss. Die deutsche Bundeskanzlerin, der
die Erklärung übergeben wurde, nahm in ihrer Rede bei der VN
Generalversammlung Bezug auf die Bedeutung des internationa-
len Engagements der Städte für die Lösung globaler Herausforde-
rungen und der VN Generalsekretär sprach sich darüber hinaus für
ein inklusiveres VN-System aus.24
Die Stadt Leipzig im Städtenetzwerk EUROCITIES
Stadt Mannheim: Virtueller Gipfel von
Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern
22 Neben Leipzig engagieren sich 21 weitere deutsche Städte (Berlin, Bochum, Bonn, Bremen, Chemnitz, Köln, Dortmund,
Dresden, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hagen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Kiel, Mannheim, München, Münster, Nürnberg,
Stuttgart) aktiv im Städtenetzwerk EUROCITIES.
23 www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/internationales/eurocities/
24 www.mannheim.de/de/stadt-gestalten/europa-und-internationales/partner-und-freundesstaedte/
virtueller-buergermeisterinnen-gipfel
Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung zusammen mit den Teams des Leipziger Referats Internationale Zusammenarbeit und des Europa-Hauses Leipzig vor der
EU-Präsidentschaftsflagge (Bild: Stadt Leipzig/Thomas Rötting)
Die Partnerstädte der Stadt Mannheim (Foto: Stadt Mannheim)
17Seite 20 von 36
18Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Städte sind Orte nationaler, kultureller, religiöser und gesellschaftlicher Vielfalt. Diese Viel-
falt prägt den öffentlichen Raum und das Zusammenleben in den Städten. Sie ist Ausdruck
von Geschichte sowie internationaler Beziehungen und Verflechtungen. Die Vielfalt in den
Städten ist gleichermaßen Stärke und Herausforderung. Sie ist Gegenstand von Identitäts-
debatten sowie eine Bereicherung für die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Entwick-
lung.
Die Bedeutung internationaler Verflechtungen vor Ort zeigt sich deutlich bei Migrationsbe-
wegungen. In Deutschland leben über 21 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund und
über elf Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Dabei nimmt die Zahl
derer, die zum Studieren und Arbeiten nach Deutschland kommen, zu25. Lokale und interna-
tionale Entwicklungen stehen in unmittelbarer Wechselwirkung zueinander. So hatte sich im
Zuge des Syrienkrieges der Anteil der syrischen Bevölkerung in Deutschland zwischen 2010
und 2019 deutlich erhöht.26
Internationale Konflikte können sich in der Stadtgemeinschaft widerspiegeln. Städte sind
mitunter aufgefordert, sich zu politischen Anfragen von Konsulaten oder der Zivilgesell-
schaft zu positionieren. Sie setzen sich aktiv ein, für die Einhaltung von Menschenrechten,
wie das Recht auf Asyl sowie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Eine interkulturelle
Kommunikation und Angebote für Migrantinnen und Migranten stärken die Integration und
ein globales Bewusstsein. Zusammen mit migrantischen Organisationen verfügen die
Ressorts für Internationales in diesem Kontext über wertvolle Kompetenzen, Kenntnisse und
Netzwerke. Sie unterstützen bei der Integration Hinzugezogener oder der Frage nach dem
richtigen Umgang mit dem kolonialen Erbe in den Städten.
Internationale Stadtgemeinschaft
25 BMI (2020)
26 Vgl.: Statistisches Bundesamt (2021)
● Städte fördern Vielfalt und ein globales Bewusstsein.
● Städte fördern interkulturelle Kompetenzen zur Bewältigung gesellschaft-
licher Herausforderungen.Seite 21 von 36
19Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
27 www.internationalesreferat.frankfurt.de
28 www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/internationales/der-8-mai-1945-gedenken-zum-kriegsende-der-
blick-auf-afrika-im-zweiten-weltkrieg
„8. Mai 1945. Unsere Geschichte zählt“:
Perspektivwechsel mit der afrikanischen
Community Kölns
Zum 75-jährigen Gedenken an das Ende des Zweiten
Weltkrieges hat die Stadt Köln im Jahr 2020 mehrere
Veranstaltungen durchgeführt. Die Kriegsopfer und
Beteiligten aus Ländern des Globalen Südens werden
in diesem Kontext viel zu oft ignoriert. Vor diesem
Hintergrund hat das Büro für Internationale Angele-
genheiten der Stadt Köln ein Gedenken gemeinsam
mit Vertreterinnen und Vertretern der afrikanischen
Community Kölns und weiteren zivilgesellschaftlichen
Akteurinnen und Akteuren geplant und durchgeführt.
So entstand eine künstlerische Filmcollage von Marie
Köhler und Lionel Somé, die den Blick auf die Betrof-
fenheit Afrikas lenkt. Im Anschluss an die Film-Pre-
miere fand eine Online-Diskussion unter Beteiligung
der Künstlerin und des Künstlers statt.28
Frankfurt am Main lebt seit jeher vom
Austausch mit anderen Ländern und
Kulturen. Heute prägen rund 180
Nationalitäten die Stadt. Diese Vielfalt
spiegelt sich in rund 13.000 auslän-
dische Unternehmen und rund 100
konsularischen Vertretungen wider.
Die Stadt unterstützt die Konsulate
bei vielfältigen Anliegen wie der In-
formation zu Kitaplätzen oder bei der
Durchführung von Wahlen. Für alle
Zugezogenen bietet die Stadt zahl-
reiche Angebote der Vernetzung und
Information, wie den „International
Stammtisch“, Empfänge für Neu-
bürgerinnen und Neubürger und das
„Newcomers Festival“. Das bundes-
weit erste Fachamt für Fragen der
Diversität, Integration, Migration und
Antidiskriminierung fördert den inter-
kulturellen Zusammenhalt bereits seit
1989.27
Frankfurt –
internationales Powerhouse am Main
Impression vom jährlichen Frankfurter Newcomers Festival
(Foto: RELATIONING GmbH)
Der Film „8. Mai 1945. Unsere Geschichte zählt“
lädt dazu ein, den Zweiten Weltkrieg aus
unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten
(Bild: Lionel Somé / Marie Köhler)Seite 22 von 36
20Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Internationale Entwicklungen und Vereinbarungen sind für alle städtischen Bereiche von
Bedeutung. Sie bedingen Herausforderungen und Chancen. Die Fachabteilungen profitieren
vom internationalen Fachaustausch sowie internationalen Fachkräften. Die Ressorts für
Internationales unterstützen, indem sie informieren, Kontakte herstellen und Treffen planen
sowie sprachliche oder kulturelle Barrieren zwischen und in den Städten überwinden.
Zudem sind die Ressorts für Internationales in mehreren Städten für die Bedeutung einer
globalen nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 zuständig. Während die
jeweiligen Fachabteilungen Nachhaltigkeitsmaßnahmen vor Ort konkret umsetzen, sind
die Ressorts für Internationales eng in die Einordnung solcher Maßnahmen in eine Gesamt-
strategie sowie deren Kommunikation eingebunden. Sie präsentieren auf internationaler
Ebene Nachhaltigkeitsberichte, beispielsweise gegenüber den Vereinten Nationen in der
Form freiwilliger Berichte zur lokalen Umsetzung der Agenda 2030 (Voluntary Local
Reviews).
Eine europafähige Verwaltung ist in der Lage, Themen und Angebote mit Bezug zu Europa
und der EU einordnen, nutzen und im besten Fall mitgestalten zu können.29 Eine internatio-
nale Verwaltung greift zusätzlich Themen mit außereuropäischem Bezug auf. Sie fördert
sprachliche und interkulturelle Kompetenzen innerhalb der Verwaltung, um international
kommunizieren und mitgestalten zu können, vor allem aber auch, um auf die gesellschaftli-
che Vielfalt innerhalb der eigenen Stadt zu reagieren. Die Erfahrungen und das Wissen von
Menschen mit Migrationshintergrund lassen sich gewinnbringend berücksichtigen.
Internationale Stadtverwaltung
29 Vgl.: RGRE (2013): S. 10
● Städte erhöhen ihre Attraktivität als Arbeitgeberin durch eine internationale
und interkulturelle Ausrichtung der Verwaltung.
● Städte fördern und nutzen interkulturelle Kompetenzen, um auf die
gesellschaftliche Vielfalt zu reagieren und international mitzugestalten.
● Städte arbeiten ressortübergreifend zu internationalen Themen.Seite 23 von 36
21Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Städtebotschafterinnen und
-botschafter zwischen Osnabrück
und ihren Partnerstädten
Die Stadt Osnabrück tauscht mit fünf Partnerstädten
Städtebotschafterinnen und -botschafter aus.
Junge Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren
leben und arbeiten für ein Jahr in der Stadtverwal-
tung der jeweils anderen Stadt. Sie nehmen dabei die
gesamte Bandbreite der städtepartnerschaftlichen
Aufgaben wahr: Kontaktpflege, Vorbereitung und
Durchführung von Austauschprogrammen, Begeg-
nungsabenden, Projekttagen, Kunst- und Kulturbe-
gegnungen, interkulturellen Lesungen, Bürgerreisen
und Partnerschaftstagen sowie die Vermittlung von
Praktikantenplätzen, Stadtführungen, Öffentlich-
keitsarbeit und vieles mehr. Die Städte stellen dafür
jeweils die finanziellen und materiellen Ressourcen
zur Verfügung.31
Auszubildende und Ausbildende der Landeshaupt-
stadt Düsseldorf können seit 2019 an dem durch
ERASMUS+ geförderten Programm „EU-Zubis – Auf
nach Europa“ teilnehmen. Das Programm unter-
stützt die Teilnahme an Praktika im europäischen
Ausland. Seit 2021 sind im begrenzten Umfang auch
Praktika außerhalb Europas förderfähig. Ziel ist es,
das Arbeiten in einer ausländischen Verwaltung ken-
nenzulernen und sich sprachlich, fachlich und inter-
kulturell weiterzubilden. Zusätzlich soll der Aufbau
eines Netzwerks von international erfahrenen und
interkulturell kompetenten Kolleginnen und Kolle-
gen gefördert werden. Auslandsaufenthalte können
wenige Tage oder mehrere Wochen dauern. Das
Programm stärkt die Internationalisierungsbestre-
bungen der Landeshauptstadt und die grenzüber-
greifende Vernetzung.30
30 www.duesseldorf.de/die-stadt-als-arbeitgeberin/ausbildung-studium-weiterqualifizierungen-
praktika-freiwillligendienste/eu-zubi-auslandspraktikum.html
31 www.osnabrueck.de/rat/staedtepartnerschaften/das-etwas-andere-diplomatische-korps
Die Landeshauptstadt Düsseldorf im
EU-Zubi Programm
Ein Plakat der Stadt Düsseldorf wirbt für Praktika-
Einsätze im Rahmen des EU-Zubi Programms
(Bild: iStock/franckreporter)
Städtebotschafterinnen und Städtebotschafter aus
Haarlem, Twer, Çanakkale, Derby, und Angers vor der
Ratshaustür der Stadt Osnabrück
(Foto: Stadt Osnabrück, Jens Koopmann)Seite 24 von 36
22Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Weltweit stehen Städte zunehmend im Wettbewerb um internationale Investitionen,
Ansiedlungen von Unternehmen, Touristen und Fachkräfte. Das internationale Stadt-
marketing kann die Aktivitäten der auf internationale Märkte ausgerichteten Wirtschafts-
förderung flankieren. Neben der internationalen Vermarktung von harten Standortfaktoren
wie Flächenbereitstellung und Verkehr spielen auch weiche Standortfaktoren eine zuneh-
mend wichtige Rolle. Diese umfassen unter anderem die Lebensqualität vor Ort, das inter-
nationale Image und Kulturangebot sowie die internationale Serviceorientierung der Städte.
In einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) gaben 66 Prozent der Befragten
an, dass die Toleranz/Weltoffenheit in den Kommunen ein wichtiger Standortfaktor sei.32
Städtische Willkommensagenturen unterstützen internationale Arbeitskräfte bei der
beruflichen und gesellschaftlichen Integration vor Ort. Mittels internationaler Delegations-
reisen, Korrespondenz und Videobotschaften werben sie für die eigene Stadt als Wirt-
schaftsstandort oder als Austragungsort von Veranstaltungen. Lokale Unternehmen und
Wirtschaftsförderung sind in diese Netzwerkarbeit eingebunden. Politische Positionier-
ungen der Städte können Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Beziehungen der Städte
haben.
Eine zunehmende Anzahl von Städten kooperiert miteinander, um sich international als
Region bzw. Metropol- oder Megaregion zu vermarkten. In einzelnen Städten existieren im
Bereich Standortmarketing ressortübergreifende Koordinierungskreise. Diese umfassen
beispielsweise die lokale Wirtschaftsförderung, städtische Unternehmen, das Ressort für
Internationales und das Büro der Verwaltungsspitze.
Internationales Standortmarketing
32 Difu (2020): S. 30
● Städten nutzen ihr internationales Netzwerk in dem Wettbewerb um
internationale Investitionen und Ansiedlungen.
● Städte fördern weiche Standortfaktoren wie zum Beispiel Kulturangebote.
Hiervon profitieren Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger.
● Städte stärken die lokale Wirtschaft beispielsweise durch die Unterstützung
internationaler Wissenstransfers.
● Städte steigern die Attraktivität ihres Standorts, indem sie sich
international als Region beziehungsweise Metropol- oder Megaregion
vermarkten.Seite 25 von 36
23Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
33 www.kiel.de/de/kiel_zukunft/kiel_international/index.php
34 www.essen.de/dasistessen/international/internationales_interkommunale_beziehungen.de.html
Synergien im Essener Standortmarketing
Für das internationale Standortmarketing der Stadt
Essen sind die Essener Wirtschaftsförderungsgesell-
schaft und die Essen Marketing Gesellschaft maßgeb-
lich. Das Büro des Oberbürgermeisters koordiniert de-
ren Zusammenarbeit mit städtischen Fachbereichen
und weiteren international tätigen Beteiligungsge-
sellschaften wie der Messe Essen oder den Stadtwer-
ken Essen. Gemeinsam adressieren die städtischen
Akteure gezielt Länder und Branchen. Die vertrauens-
volle Zusammenarbeit mit den Essener Partnerstäd-
ten und in internationalen Städtenetzwerken spielen
hier ebenso wie thematische Projektpartnerschaften
und City-to-City-Vereinbarungen eine Rolle. Im bes-
ten Fall werden entsprechende Kooperationen über
Drittstaatenprogramme der Europäischen Union, wie
aktuell International Urban and Regional Cooperation
(IURC), gefördert und transportiert.34
Seit 2017 sind San Francisco und Kiel Städtepartnerinnen und haben seitdem die Verbin-
dungen in den „Bay Areas“ intensiviert. Neben Kooperationsfeldern wie Sport, Kultur oder
Nachhaltigkeit gibt es großes Interesse aus Wirtschaft und Wissenschaft am Austausch mit
dem Tech- und Innovationsstandort San Francisco. Kiel ist daher unter anderem gemein-
sam mit den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen seit 2018 Mitglied
des Northern Germany Innovation Office (NGIO) – dem Verbindungsbüro Norddeutschlands
in San Francisco. Das NGIO bietet lokalen Unternehmen, Start-ups und Institutionen Netz-
werke und Zugang zu einem der weltweit innovativsten Standorte. Gleichzeitig profitiert Kiel
durch internationale Sichtbarkeit und nutzt diese verstärkt für eigenes Marketing als Wirt-
schafts- und Wissenschaftsstandort.33
Kommunale Präsenz im Silicon Valley:
Kiel als Mitglied im Northern Germany Innovation Office, San Francisco
Ein Strandkorb
macht Kiel.Sailing.City.
in San Francisco
erlebbar
(Foto: Kiel Marketing).
Die Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft
(EWG) nahm 2020 an der Energiefachmesse
„Renewable Energy Industrial Fair (REIF)“ in der
Essener Kooperationsstadt Koriyama-City in
Japan teil (Foto: Stadt Koriyama).Seite 26 von 36
24Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Auch wenn sich der Mehrwert internationaler Arbeit klar aufzeigen lässt, stehen nicht
immer ausreichend Mittel für die Umsetzung anspruchsvoller Projekte zur Verfügung.
Jedoch existieren im Bereich internationaler städtischer Arbeit und auf internationaler
Ebene eine Vielzahl an Förderinstrumenten. Was einerseits Chancen bietet, erweist sich
anderseits als Herausforderung. Die Fülle an Förderangeboten auf der Ebene des Landes,
Bundes und der Europäischen Union (EU) macht es schwierig, passgenaue Förderangebote
zu identifizieren. Eine übersichtlich gestaltete und flexibel nutzbare Förderlandschaft
fördert jedoch deren Nutzung durch die Städte. Der Deutsche Städtetag wird sich für
Erleichterungen einsetzen.
Die Beantragung und Umsetzung von Förderprogrammen bedingen einen zusätzlichen
Verwaltungsaufwand. Dies gilt umso mehr, wenn es zu einem Einsatz der Finanzmittel in
Partnerstädten im Ausland kommt, die Abwicklung jedoch über die deutsche Kommune
erfolgt. Innerhalb der Verwaltung verfügen die internationalen Abteilungen oftmals über die
nötigen Erfahrungen, über Förderangebote zu informieren und bei deren Erschließung zu
unterstützen. Die Akquise von Fördermitteln lässt sich jedoch nicht nebenbei erledigen.
Einen Überblick an Förderprogrammen der Länder, des Bundes und der EU im Allgemeinen
bietet die Förderdatenbank der Bundesregierung: www.foerderdatenbank.de. Das „EU-Fun-
ding and Tenders Portal“ listet alle Förderprogramme der EU auf: https://ec.europa.eu/info/
funding-tenders/opportunities/portal/. Mittelgeber bzw. deren Umsetzungsorganisatio-
nen wie die EU, die Bundesregierung oder Servicestelle Kommune in der Einen Welt (SKEW)
unterstützten beim Beantragen und Durchführen ihrer Förderprogramm in der Form spe-
zieller Schulungen.
Akquise von Fördermitteln und
Unterstützungsangeboten
● Städte erweitern ihr internationales Engagement durch Fördermittel und
Unterstützungsangebote.
● Städte profitieren bei Förderprogrammen auch durch Beratung und
Vernetzung.
● Städte fördern eine ressortübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der
Verwaltung.Seite 27 von 36
Deutscher Städtetag – Städte in der Welt35 www.chemnitz.de/chemnitz/de/unsere-stadt/stadtentwicklung/eu-foerderung/urbact/index.html
36 https://iuc.eu/india-hi/city-pairings/?c=search&pairing_id=68p9ybd7
EU-Förderung der Zusammenarbeit
zwischen Karlsruhe und Indien
Seit Langem bestehen enge Kontakte
zwischen Karlsruhe/Baden-Württem-
berg und der indischen Region Pune/
Maharashtra, um das Markt- und
Wachstumspotenzial der Regionen
gemeinsam zu nutzen. Seit 2018 wird
die Zusammenarbeit auch von der
EU gefördert: Das IU(R)C-Programm
(International Urban (and Regional)
Cooperation) unterstützte ein „City-
Pairing“ zwischen Karlsruhe und der
Smart City Stadt Nagpur zum Thema
Mobilitätsplanung und Fahrradver-
leihsysteme. Eine weitere Koopera-
tion zur Planung eines nachhaltigen
Industrieparks mit Pune startet 2021.
Der Erfahrungsaustausch legt den
Schwerpunkt auf Kreislaufwirtschaft
und leistet so einen Beitrag zu den
Nachhaltigkeitszielen.36
Die Agentur StadtWohnen Chemnitz unterstützt dabei, leer-
stehende unsanierte Altbauten einer Nutzung zuzuführen.
Hierfür wurde sie 2017 als URBACT Good Practice ausge-
zeichnet. In dem europäischen Transfernetzwerk ALT/BAU
wird das Chemnitzer Modell auf andere Städte übertragen.
Von den EU-Projektfördermitteln in Höhe von rund
490.000 Euro entfallen über die Hälfte auf die Stadt
Chemnitz als Lead Partner. Chemnitz konnte durch die Mittel
das Altbaumanagement strategisch neu ausrichten. Die
Stadt gewann an Renommee in Europa. Der Bekanntheits-
grad des städtischen Projektes wuchs vor Ort. Interessierte
Akteure konnten gewonnen werden, auch nach Ende des
Netzwerkes an dem Thema gemeinsam weiterzuarbeiten.35
Die Stadt Chemnitz als Lead-City im
EU-Förderprogramm URBACT
Ein Banner an einem Altbau bewirbt Chemnitz als
Lead-City im EU-Förderprogramm URBACT
(Foto: StadtWohnen Chemnitz);
Eine Delegation aus Karlsruhe in Nagpur im Februar 2020
(Foto: Pflieger)
25Seite 28 von 36
26Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Protokoll und Repräsentation meint die Ausgestaltung repräsentativer Akte und Ver-
anstaltungen einer Stadt. Hierfür ist ein abgestimmtes öffentliches Auftreten vorgesehen.
Symbolische Handlungen wie Gesten, besondere Orte oder Geschenke sind für die Pflege
von Beziehungen von großer Bedeutung. Dies gilt insbesondere für internationale und
interkulturelle Ereignisse. Kommunikation allein über Worte stößt hier häufig an Grenzen.
Die Globalisierung stellt den traditionellen gesellschaftlichen Zusammenhalt infrage.
Die Teilnahme der Stadtspitze am öffentlichen Leben der Bürgerinnen und Bürger
gewinnt vor diesem Hintergrund zusätzlich an Bedeutung. Interkulturelle Aspekte und
internationale Entwicklungen spielen eine wichtige Rolle. Dies gilt für internationale
Empfänge, gemeinsame Veranstaltungen mit religiösen oder migrantischen Gemeinschaf-
ten aber auch für öffentliche Ansprachen im Allgemeinen. Das Protokoll trägt zur inter-
nationalen Wahrnehmung der Städte bei und wirkt sich somit auf deren politische und
wirtschaftliche Beziehungen aus.
Protokoll und Repräsentation
37 www.stuttgart.de/leben/internationale-beziehungen/
Die Landeshauptstadt Stuttgart lässt in einer sozialen
Nähwerkstatt in der Partnerstadt Mumbai fair gefertigte
Gastgeschenke herstellen. Die Produkte vermitteln greifbar
das Engagement der LHS bei der kommunalen Umsetzung
der globalen Entwicklungsziele und sorgen mit dafür, dass
die beschäftigten Frauen nach teils traumatischen Lebens-
erfahrungen nun psychologische Betreuung und Schul-
unterricht erhalten sowie für ihre Arbeit fair bezahlt werden.
Möglich wurde diese Initiative der Abteilung Außenbeziehun-
gen über eine enge Kooperation mit einem Stuttgarter
Mode-Label und der städtischen Protokoll-Abteilung.
Geschenke auf nationalem wie internationalem Parkett
werden mit Bedacht gewählt und nehmen Bezug sowohl
auf den kulturellen wie fachlichen Hintergrund der Gäste.
Damit sind sie ein wichtiger Bestandteil der interkulturellen
Verständigung wie der städtediplomatischen Beziehungen.37
Stuttgarter Gastgeschenke vermitteln
Solidarität und Engagement
Eine in Mumbai fair gefertigte Stofftasche mit dem Emblem
von Stuttgarts zehn Partnerstädten (Foto: Kaarina Bauer)
● Städte stärken internationale und interkulturelle Beziehungen, auch da,
wo Kommunikation allein über Worte an Grenzen stößt.
● Städte stärken ihre internationale Wahrnehmung.Seite 29 von 36
27Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
38 https://bit.ly/2VA3Syu
Heidelberg-Montpellier:
eine Partnerschaft mit
Häusern als Botschaften und
Türöffner
Seit 60 Jahren verbindet die Städte Heidelberg und
Montpellier eine enge und lebendige Partnerschaft.
Eine Besonderheit bilden dabei die in der jeweiligen
Partnerstadt bestehenden und von den Kommu-
nen mitgetragenen Häuser „Montpellier-Haus“ und
„Maison de Heidelberg“. Diese fungieren nicht nur als
Kultureinrichtungen, sondern verstehen sich auch als
offizielle „Botschaften“ beider Städte. Beide Häuser
sind daher eng in die Planungen und Aktivitäten im
Rahmen von Delegationsbesuchen und Partner-
schaftsjubiläen eingebunden. Zudem unterstützen
beide Häuser die Vorbereitung und Organisation von
gemeinsamen Veranstaltungen sowie die Überwin-
dung bürokratischer oder sprachlicher Barrieren beim
Austausch mit der Partnerstadt.38
Empfang anlässlich 35 Jahre Montpellier-Haus, Heidelberg am 4. September
2021 (Foto: Tobias Dittmer/Stadt Heidelberg)
Das Montpellier-Haus in Heidelberg stellt eine Säule der
Partnerschaft zwischen den beiden Städten dar.Seite 30 von 36
28Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Internationale städtische Arbeit bringt viele Mehrwerte. Gleichzeitig erfordert sie Zeit,
Fingerspitzengefühl und eine ausreichende Finanzierung. Die finanzielle Unterstützung
durch staatliche und nichtstaatliche Organisationen ermöglicht vielen Städten, diese Arbeit
deutlich zu intensivieren. Zu ihrer Stärkung lassen sich fünf wesentliche Ansätze benennen:
1. Die Bedeutung internationaler städtischer Arbeit muss verstärkt anerkannt
werden. Teile der Kommunalpolitik stehen der kommunalen Entwicklungspolitik noch
skeptisch gegenüber. Das Verständnis für die außenpolitischen Belange der Städte
muss weiter gestärkt werden. Im Bereich Nachhaltigkeit erkennt die Bundesregierung
die entscheidende Rolle und Expertise der Städte bereits an.39
2. Die Städte sind bei der Bewältigung globaler Herausforderungen verstärkt ein-
zubeziehen. Dies gilt für die Erarbeitung und Umsetzung konkreter Maßnahmen sowie
für die Verabschiedung internationaler Abkommen. Vom regelmäßigen und kurzfristigen
Austausch zwischen Städten und Bundesregierung können beide Seiten profitieren.
Wird die Stimme der Städte bei relevanten Verhandlungen der Vereinten Nationen for-
mell anerkannt, stärkt das die internationale Zusammenarbeit.
3. Ressortübergreifende Kooperationen innerhalb der Stadtverwaltung stärken die
internationale Arbeit der Städte. Die internationale Arbeit der Städte ist für alle
Dezernate, Ämter und Fachabteilungen relevant. Für ressortübergreifende Koopera-
tionen bedarf es einer engen Abstimmung der beteiligten Akteure. Die internationalen
Abteilungen können Aktivitäten ordnen und mit ihren Fachkompetenzen unterstützen –
entscheidend aber bleibt stets das Engagement der Stadtspitze.
4. Das Bekenntnis der Politik und Verwaltung zur internationalen Arbeit beruht im
Idealfall auf einer mit Ratsbeschluss verankerte Gesamtstrategie. Die Einbindung
der Zivilgesellschaft stärkt den örtlichen Zusammenhalt und den politischen Rückhalt
für internationale Projekte. Die Zivilgesellschaft verfügt zudem über wertvolles Fach-
wissen und kann die Verwaltung entlasten.
5. Die Umsetzung internationaler Projekte und Kooperationen durch die Städte
bedarf zusätzlicher Unterstützung und bürokratischer Erleichterungen. Um die
Fülle an Aufgaben internationaler städtischer Arbeit zu bewältigen, ist unter anderem
eine Personalverstärkung erforderlich. Dazu braucht es verstärkt finanzielle Förderung
seitens des Bundes, der Länder und anderer Organisationen. Damit Förderprogramme
einen möglichst großen Mehrwert entfalten, müssen Verwaltungsaufwand und inhalt-
liche Vorgaben reduziert werden.
Ansätze zur Stärkung internationaler
städtischer Arbeit
39 S. z. B. Bundesregierung (2020): S. 116 f. oder Bundesregierung (2021)Seite 31 von 36
29Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Die Nähe der Städte zu lokalen Akteuren ist Anknüpfungspunkt für umfassende
internationale Kooperationen und Maßnahmen. Die Zusammenarbeit von Städten,
Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft eignet sich, um neue Maßnahmen zur
Förderung einer globalen nachhaltigen Entwicklung aktiv und innovativ umzusetzen.
Regionale Kooperationen als Metropol- oder Megaregionen erhöhen die wirtschaftliche
Bedeutung und Sichtbarkeit der beteiligten Städte, Unternehmen und Länder. Das Fach-
wissen der Städte und lokaler Unternehmen lässt sich bei der Gestaltung internationaler
Arbeitsmobilität und -migration berücksichtigen.
Die Bedeutung der lokalen Ebene im Kontext von Entwicklungspolitik wird weiter
zunehmen. Bei Themen, wie Menschenrechten, Demokratie, interkultureller Dialog, Außen-
wirtschaft, Flucht und Migration oder Urbanisierung, leisten die Städte einen zentralen
Beitrag. Dezentralisierungsprozesse in Ländern des Globalen Südens scheitern oft daran,
dass es auf der lokalen Ebene vor Ort an notwendigen Erfahrungen und Kompetenzen
mangelt.40 Die deutschen Städte können hier auf der politischen und fachlichen Ebene
unterstützen. Die deutschen Städte selbst würden verstärkt für globale Zusammenhänge
sensibilisiert. Zur Bündelung von Ressourcen können die Städte multilaterale Partnerschaf-
ten umsetzen. In Anbetracht des entwicklungspolitischen Engagements autokratischer
Staaten, gewinnt die kommunale Entwicklungszusammenarbeit zusätzlich an Bedeutung.
In dem internationalen Wettbewerb unterschiedlicher politischer Systeme, Werte
und Gesellschaftsmodelle verfügen die deutschen Städte über zentrale Stärken.
Kommunale Kernkompetenzen wie Bürgernähe und Partizipation sind wichtig, um inter-
national für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu werben. Mit Blick auf globale Heraus-
forderungen ist es sinnvoll, Akteure unterschiedlicher politischen Systeme grundsätzlich
in die internationale Zusammenarbeit einzubeziehen. Als dezentrale Akteure nehmen die
Städte hier eine bedeutende Rolle ein.
Im Bereich der Außenpolitik sind perspektivisch stärkere Formen der Zusammen-
arbeit zwischen den Städten und staatlichen Regierungen denkbar. Eine Verstetigung
des gegenseitigen Austauschs zwischen den Städten und dem Auswärtigem Amt (AA)
würde die Städte im Umgang mit internationalen Konflikten unterstützen. Nach dem Vor-
bild der Ausbildung ausländischer Diplomaten durch das AA könnten Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter des AA und deren Konsulare für die internationale Bedeutung der Städte
sensibilisiert werden. Die Teilnahme der Städte an offiziellen Delegationen der Bundes-
regierung kann die Erfahrung und den Beitrag der Städte sichtbar machen.
Die Forderungen der Städte nach einem inklusiveren Multilateralismus finden zuneh-
mend Gehör. Zum 75. Jahrestag der VN betonte der Generalsekretär der Vereinten Nationen
(VN) Antonio Guterres die Rolle der Städte als wichtige Partner für die Zukunft des Multilate-
ralismus. Wird der internationale Beitrag der Städte formell und institutionell anerkannt, er-
möglicht dies den Städten, ihre Expertise bei der Bewältigung globaler Herausforderungen
verstärkt einzubringen – mit Gewinn für alle Beteiligten.
Ausblick
40 Z. B. Platforma (2021): S. 32Seite 32 von 36
30Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
1. Das Präsidium des Deutschen Städtetags begrüßt das vielfältige internationale
Engagement der Städte. Es betont den Mehrwert internationaler Arbeit sowie den
Willen der Städte, internationale Entwicklungen im Sinne einer Multilevel-Governance
mitzugestalten. Dazu bedarf es der Anerkennung sowie einer verstärkten Unterstützung
durch staatliche und nichtstaatliche Akteure. Das Präsidium ersucht die Bundesregie-
rung, einen institutionalisierten Austausch zwischen den Städten und der Bundesebene
einzurichten.
2. Das Präsidium nimmt das Papier „Städte in der Welt – Impulsgeber internationaler
Politik“ zur internationalen Arbeit der Städte zustimmend zur Kenntnis.
Beschluss des Präsidiums des Deutschen Städtetages
zum vorliegenden Positionspapier
Beschluss vom 28. September 2021 in HeidelbergSeite 33 von 36
31Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
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www.rgre.de/service/publikationen/arbeitshilfe-kommunale-europaarbeit
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Quellen- und LiteraturverzeichnisSeite 34 von 36
32Deutscher Städtetag – Städte in der Welt
Herausgeber
Deutscher Städtetag
Für den Inhalt dieser Publikation ist allein der Deutsche Städtetag
verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den
Standpunkt von Engagement Global oder des Bundesministeriums
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wieder.
Autor/Autorin
● Lina Furch, Leiterin der Abteilung Europa und Internationales
● Lucas Milbert, Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik
In enger Zusammenarbeit mit dem
Arbeitskreis für internationale kommunale Kooperationen und
Globale Nachhaltigkeit (AK IKON) des Deutschen Städtetages
Kontakt in der Hauptgeschäftsstelle
Lina Furch, Leiterin der Abteilung Europa und Internationales
E-Mail: lina.furch@staedtetag.deSeite 35 von 36
Hauptgeschäftsstelle Berlin
Hausvogteiplatz 1
10117 Berlin
Telefon: 030 37711-0
Hauptgeschäftsstelle Köln
Gereonstraße 18 - 32
50670 Köln
Telefon 0221 3771-0
E-Mail: post@staedtetag.de
Internet: www.staedtetag.de
Twitter: www.twitter.com/staedtetagSeite 36 von 36

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Datenstand: 03.11.2026, 10:40 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de