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212391 · Mitteilungsvorlage

Klimaschutzbeirat: Aktuelle Empfehlung (Klimafolgenanpassung) und Protokolle des Klimaschutzbeirates

Nummer
212391
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
23.12.2021
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 20.01.2022 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
212391
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Klimaschutzbeirat: Aktuelle Empfehlung
(Klimafolgenanpassung) und Protokolle des
Klimaschutzbeirates
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
20.01.2022 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Die Geschäftsordnung des Klimaschutzbeirates sieht vor, dass die Ergebnisse
der Sitzungen dem Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda als
Mitteilung zur Kenntnis gegeben werden.
Der Klimaschutzbeirat hat in seiner Sitzung am 30. November 2021 eine
Empfehlung zur Klimafolgenanpassung verabschiedet, die hier als externes
Dokument angehängt ist.
Die Protokolle der Beiratssitzungen werden jeweils nach ihrer Verabschiedung
in der Folgesitzung hier zum Download bereitgestellt:
www.bonn.de/klimaschutzbeirat.
Das jüngste verfügbare Protokoll ist das der Sitzung am 24. August 2021.
Anlage/n
1 KSB Empfehlungspapier Klimaanpassung (öffentlich)Seite 1 von 4
1
Empfehlung des Klimaschutzbeirats zu Klimafolgenanpassungen
(verabschiedet am 30. November 2021)
Autor:innen KSB: Susanne Bauer-Jautz, Stephan Herpertz, Dietrich Kolk, Dr. Jonas Reuter, Dr. Sophie Schuppe, Dr. Anke Valentin
Bereits jetzt sind Klimaänderungen und ein deutlicher Temperaturanstieg gegenüber vorindustriellen
Zeiten feststellbar, der auch in Deutschland gravierende Auswirkungen hat. Darunter fallen
Starkregenereignisse wie im Ahrtal 2021 beobachtet, vermehrte Hitze- und Dürreperioden sowie
andere Extremwetterereignisse. Die internationale Gemeinschaft geht von einem weiteren
Temperaturanstieg aus.
Deshalb hält der Klimaschutzbeirat Anpassungen zur Bewältigung der Folgen dieses
Temperaturanstiegs für sinnvoll. Unter den vielen Folgen des Temperaturanstiegs hat der KSB das
Themenpaar Hitze und Trockenheit beispielhaft ausgewählt, um mit den fünf folgenden
Maßnahmenvorschlägen zur Klimafolgenanpassung zu beginnen. Maßnahmen zur Klimaanpassung
sollen mit Maßnahmen zum Klimaschutz kombiniert und abgestimmt werden.
Empfehlung 1: Freihalten von Kaltluftschneisen
Der Klimaschutzbeirat empfiehlt die Umsetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse aus dem
ZURES Projekt zu Kaltluftschneisen in einem Grundsatzbeschluss festzuschreiben und die
identifizierten Areale künftig von Bebauung freizuhalten. Das muss entsprechend für
Kaltluftentstehungsgebiete gelten.
Empfehlung 2: Erprobung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur
klimagerechten Gestaltung von öffentlichen Gebäuden und Plätzen
Viele Lösungsvorschläge zur Wahl von Farbe und Baumaterial, zur Ausrichtung der Gebäude, zur
Gebäudebegrünung etc. sind bereits wissenschaftlich erforscht, werden aber nicht umgesetzt. Das
kann aus Kostengründen sein, weil der tatsächliche Nutzen in der jeweiligen räumlichen Situation
nicht eindeutig ist oder weil Nutzungsansprüche divergieren.
Der KSB empfiehlt die Festsetzung von verbindlichen Standards zu Gebäudebegrünung1,
Verschattung2, Farbgebung und Materialwahl3 bei Neubau und Sanierung von öffentlichen Gebäuden
und Plätzen (Schulen, Verwaltungsgebäuden etc.). Dies sollte genutzt werden, um wissenschaftliche
Erkenntnisse zu erproben und auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen. Darüber hinaus sollten
wissenschaftliche Erkenntnisse bei kommunalen Gebäuden auf ihre Anwendbarkeit hin überprüft
werden.
Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können dann als Grundlage für Vorgaben gegenüber Dritten
im Neubau zum Beispiel in Bebauungsplänen oder weiteren Satzungen dienen. Zudem geht die Stadt
als leuchtendes Beispiel voran.
1 Inklusive PV Verpflichtung.
2 Dies kann gut durch Fassaden-PV Anlagen realisiert werden.
3 Dissertation H. M. Laue (2009): Gefühlte Landschaftsarchitektur Möglichkeiten der thermischen
Einflussnahme in städtischen Freiräumen (http://www.uni-kassel.de/upress/online/frei/978-3-89958-772-
2.volltext.frei.pdf)Seite 2 von 4
Empfehlung des Klimaschutzbeirats zu Klimafolgenanpassungen
Autor:innen KSB: Susanne Bauer-Jautz, Stephan Herpertz, Dietrich Kolk, Dr. Jonas Reuter, Dr. Sophie Schuppe, Dr. Anke Valentin.
2
Empfehlung 3: Infokampagne für Bürger:innen
Auch Maßnahmen der Klimaanpassung sollten Teil einer zielgruppenbezogenen
Informationskampagne für Bürger:innen der Stadt Bonn werden.
Ob ein Versand eines Bürger:innenbriefs mit dem Grundsteuerbescheid Teil einer solchen Kampagne
sein kann, sollte im Zuge der Kampagnenkonzeption mit berücksichtigt werden.
Empfehlung 4: Mehr Bäume, Hecken, Wildkräuterfluren und Humusaufbau in
der Stadt
Bäume spenden Schatten, speichern Wasser und verbessern das Mikroklima. Darum empfiehlt der
KSB dringend die durch die Stürme, Trockenheit und Hitze der letzten Jahre leeren Baumscheiben
der Stadt mit neuen Bäumen zu bepflanzen sowie darüber hinaus neue Baumstandorte einzurichten.
Dabei sollte mit verschiedenen Baumarten experimentiert werden, um zum einen klimaresiliente
Bäume zu identifizieren und andererseits die biologische Vielfalt zu fördern.
Alle Möglichkeiten für Baumsetzungen sollten ausgeschöpft werden, mit dem Ziel, mehr Bäume oder
anderes Grün pflanzen zu können (auch in der Nähe von Versorgungsleitungen). Hierzu sollte die
Verwaltung den Austausch mit BonnNetz suchen und über die Ergebnisse auch im Klimaschutzbeirat
berichtet werden.
Da Bäume viel Platz benötigen und teilweise die Durchlüftung der Straßen behindern können,
empfiehlt der KSB weiterhin an Standorten, für die keine Bepflanzung mit Bäumen sinnvoll ist - auch
an Fassaden - eine Begrünung mit anderen Pflanzen. Durch eine konsequente Umsetzung der
Verkehrswende ist weniger Durchlüftung nötig, was eine stärkere Begrünung von Straßen erlaubt.
Dies führt im Sommer zu einer gebremsten Erwärmung der Straßen. Die Bepflanzung mit Büschen,
die Anlage von Wildkräuterfluren und Wildblumenwiesen sowie die Förderung des Humusaufbaus
muss mitgedacht und -gefördert werden, weil das durch eine bessere Wasseraufnahme Starkregen-
Abfluss-Spitzen verringert, durch Verbesserung der Wasserspeicherqualität zu mehr Grün in
Trockenperioden führt, CO2 bindet und dazuhin die Biodiversität und Resilienz fördert.
Empfehlung 5: Dezentrale Regenwasserbewirtschaftung
Zur Förderung dezentraler Regenwasserbewirtschaftung bei Bauvorhaben empfiehlt der KSB ein:e
zentrale Ansprechpartner:in für Dritte bei der Stadt zu etablieren. Sie/er soll grundsätzlich zu
baulichen Möglichkeiten, deren Nutzen und Förderung beraten können.
Desweiteren empfiehlt der KSB, Vorzeigeprojekte an kommunalen Gebäuden mit hohem
Wasserverbrauch zu verwirklichen. Dabei sollen Regenwassernutzung/ oberflächennahe
Versickerung und Verdunstung oder Regenwasserrückhalt als nachrangige Lösung in naturnaher
Gestaltung eingesetzt werden.
Nicht nur bei Neuplanung, sondern auch im Bestand muss die dezentrale, naturnahe
Regenwasserbewirtschaftung das Ziel sein. Das Bonner Förderprogramm zur Entsiegelung ist hier
ein guter erster Schritt. Dieses richtet sich aber nur an Eigentümer*innen von aktuell bereits
versiegelten Flächen. Neben der Zielgruppe der privaten Hausbesitzer:innen, die durch ein solches
Förderprogramm adressiert wird, sollten Modellvorhaben mit Wohnungsbaugesellschaften (z. B.Seite 3 von 4
Empfehlung des Klimaschutzbeirats zu Klimafolgenanpassungen
Autor:innen KSB: Susanne Bauer-Jautz, Stephan Herpertz, Dietrich Kolk, Dr. Jonas Reuter, Dr. Sophie Schuppe, Dr. Anke Valentin.
3
VEBOWAG) und anderen Eigentümern größerer Gebäudebestände angestoßen und kommunikativ
genutzt werden (z. B. BLB, BIMA).
Darüber hinaus ist aus Sicht des KSB die Vermeidung und Verminderung von Neuversiegelung
wichtig, z.B. sollten die Handlungsoptionen bei Größe und Beschaffenheit von Stellplätzen/
Parkplatzflächen genutzt werden (keine Vollversiegelung, Stapelnutzung von Flächen). Die Größe
von Tiefgaragen sollte nicht über die Ausdehnung des oberirdischen Baukörpers hinaus gehen.
Das Versiegelungsverbot von Vorgärten sollte konsequent umgesetzt werden.Seite 4 von 4

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Datenstand: 02.11.2026, 20:48 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de