212347-03 · Mitteilungsvorlage
Jahresabschluss 2022 der SWB GmbH und des SWB-Konzerns
Kerndaten
- Nummer
- 212347-03
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 10.07.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe Kenntnisnahme
- Sitzung des Rates Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage öffentlich 212347-03 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Geschäftsbereich OB-1: Dezernats- und Verwaltungssteue- rung Dezernat: Dez. OB Jahresabschluss 2022 der SWB GmbH und des SWB-Konzerns Beratungsfolge Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 16.08.2023 Kenntnisnahme Rat 22.08.2023 Kenntnisnahme Jahresabschluss 2022 SWB GmbH Der von der SWB GmbH aufgestellte Jahresabschluss 2022 ist von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO geprüft worden. Die Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt. Es wurde ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk erteilt. Der Aufsichtsrat der SWB GmbH hat am 24.05.2023 den Prüfungsbericht beraten und die Beschlüsse zur Feststellung des Jahresabschlusses 2022 in der vorgelegten Form, zur Ergebnisverwendung und zur Entlastung der Geschäftsführung gefasst. Die Vertreterin der Stadt Bonn in der Gesellschafterversammlung der SWB GmbH ist diesen Beschlüssen am 06.06.2023 gefolgt, hat den Bericht des Aufsichtsrates zur Kenntnis genommen, dem Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2022 Entlastung erteilt sowie den Bericht mit Entsprechenserklärung zum Public Corporate Governance Kodex der Stadt Bonn genehmigt. Im Einzelnen: Das Jahresergebnis liegt mit - 1.104 TEUR unter dem Ergebnis des Vorjahres (45 TEUR). Der Jahresfehlbetrag wird auf neue Rechnung vorgetragen. Die Lage der Gesellschaft ist wesentlich geprägt durch die Entwicklung bei der SWBB GmbH und den Tochtergesellschaften. Im Geschäftsjahr 2022 haben die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und die Energiekrise die wirtschaftliche Entwicklung aller Unternehmenstöchter maßgeblich mitbestimmt. Die prognostizierten Erträge aus Beteiligungen, welche im Wesentlichen aus der Gewinnausschüttung der SWBB sowie der Radio Bonn/Rhein-Sieg GmbH & Co. KG, Bonn und der Returo Entsorgungs GmbH, Leverkusen, (Returo) resultieren, betrugen laut Wirtschaftsplan 2022 rd. 16,8 Mio. EUR und wurdenSeite 1 von 145 Seite 2 mit rd. 21,7 Mio. EUR um rd. 4,9 Mio. EUR überschritten. Grund für die Abweichung im Vergleich zur Prognose ist eine um rd. 4,8 Mio. EUR höhere Ausschüttung der SWBB an die SWB. Für 2023 sind Erträge aus Beteiligungen iHv. rd. 19,3 Mio. EUR und ein Jahresverlust von rd. 29,5 Mio. EUR geplant. Auch die weiteren Jahresergebnisse werden voraussichtlich geprägt sein von den Auswirkungen des Ukraine-Krieges, der Inflation, der Energiekrise, der Störung von Lieferketten sowie einer deutlichen Ausweitung des Verkehrsangebotes. Zentrales Risiko für die SWBB GmbH und die SWB GmbH ist noch immer die Gefahr einer möglichen Änderung des Körperschaftssteuergesetzes und eines damit einhergehenden Wegfalls des steuerlichen Querverbundes. Risiken, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden, wurden nicht identifiziert. Konzernabschluss 2022 Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO hat einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt. Der Aufsichtsrat der SWB GmbH hat der Gesellschafterversammlung am 15.06.2023 empfohlen, den geprüften Konzernabschluss sowie den Konzernlagebericht 2022 in der vorliegenden Form zu billigen. Die Vertreterin der Stadt Bonn in der Gesellschafterversammlung der SWB GmbH hat den entsprechenden Beschluss am 16.06.2023 gebilligt. Im Einzelnen: Das Geschäftsjahr 2022 schließt mit einem Konzernjahresüberschuss von 14.120 TEUR (Vorjahr: 15.501 TEUR) ab und liegt damit um rd. 1.381 TEUR unter dem Ergebnis des Vorjahres. Dies wird im Wesentlichen auf ein um 2.912 TEUR schlechteres Betriebsergebnis, bedingt durch höhere Materialaufwendungen (123.904 TEUR), höhere sonstige betriebliche Aufwendungen (5.679 TEUR) sowie höhere Personalaufwendungen (1.474 TEUR) zurückgeführt. Der Personalaufwand ist aufgrund von Tariferhöhungen sowie eines Anstiegs der Mitarbeiterzahl auf 173.429 TEUR gestiegen (Vorjahr: 171.955 TEUR). Dem gegenüber steht die Verbesserung des Finanzergebnisses um 1.531 TEUR, das im Wesentlichen auf die um 817 TEUR niedrigeren Zinsen und ähnlichen Aufwendungen sowie die um 1.950 TEUR niedrigeren Abschreibungen aufSeite 2 von 145 Seite 3 Finanzanlagen zurückzuführen ist. Die Umsatzerlöse der EnW liegen mit 430 Mio. EUR insbesondere in den Sparten Strom, Gas und Fernwärme über der Prognose von 335 Mio. EUR. Ursächlich hierfür sind in der Stromsparte Preis- und Absatzsteigerungen, wohingegen die höheren Umsätze bei Erdgas und Wärme auf gestiegene Preise zurückzuführen sind. Bei der SWBV liegen die Umsatzerlöse aus dem Linienverkehr mit 78 Mio. EUR unter der Prognose von 82 Mio. EUR. Dies ist insbesondere auf Fahrgastausfälle während der Corona-Pandemie zurückzuführen. Die Tarifanpassung im VRS wurde ab 01.01.2022 von durchschnittlich 1,5% durchgeführt (Vorjahr 2,5%). Für das Jahr 2023 wird durch die Einführung des sog. Deutschlandtickets am 01.05.2023 ein deutlicher Fahrgastzuwachs erwartet. Im Einführungsjahr werden alle mit dem Ticket verbundenen Kosten übernommen. Bei der MVA liegt die Gesamtleistung aufgrund der wesentlich geringeren Anlieferung durch den Zweckverband REK unter der im Vorjahr getätigten Prognose. Insgesamt ist das Konzernjahresergebnis aufgrund der Corona-Pandemie sowie gestiegener Energiekosten gesunken. Als übergreifendes Risiko für den Konzern ist eine mögliche Änderung des Körperschaftsteuergesetzes zu nennen, wenn damit ein Wegfall des steuerlichen Querverbunds verbunden ist. Dieses Risiko ist in der SWBB abgebildet. Weitere Risken des Konzerns ergeben sich aus den einzelnen Risikoberichten der Konzerngesellschaften. Weiterhin hat der Ukraine-Krieg erhebliche Auswirkungen auf die Konzerngesellschaften durch deutlich gestiegene Energiekosten, deutlich gestiegene Inflationsraten sowie zusätzlicher Lieferkettenprobleme. Auch die Prognose der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland wird für das Jahr 2023 stark von der Entwicklung in Osteuropa und den klimapolitischen Maßnahmen geprägt sein. Risiken, die den Konzern insgesamt gefährden, wurden nicht identifiziert. Hinweis: Die Mitteilung über die Jahresabschlüsse der SWB GmbH sowie des Konzerns erfolgen im öffentlichen Teil, da die enthaltenen Informationen auch - wie gesetzlich vorgeschrieben - im elektronischen Bundesanzeiger einsehbar sind.Seite 3 von 145 Seite 4 Anlage/n 1 Veröffentlichung SWB GmbH JA 2022 (öffentlich) 2 Veröffentlichung SWB-Konzern 2022 (öffentlich)Seite 4 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 1 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2022 1 Grundlagen der Geschäftstätigkeit Geschäftsmodell der Stadtwerke Bonn GmbH (SWB) Auf der Grundlage ihrer strategischen Ausrichtung mit der Ausgliederung der Sparten Versorgung, Verwer- tung und Verkehr in Tochtergesellschaften besteht die Aufgabe der Stadtwerke Bonn GmbH, Bonn, (SWB), neben ihrer strategischen Management-Funktion im Wesentlichen darin, kaufmännische Kernaufgaben in der Konzernholding zu bündeln und diese Dienstleistungen geschäftsbesorgend für alle Tochterunterneh- men zu Marktpreisen anzubieten und abzuwickeln. Damit wird gewährleistet, dass kaufmännische Kernauf- gaben im Konzern nicht mehrfach angesiedelt sind und sich die Tochterunternehmen somit vollkommen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Die Tochterunternehmen in den einzelnen Sparten sind Ener- gie- und Wasserversorgung Bonn/Rhein-Sieg GmbH, Bonn, (EnW), Bonn-Netz GmbH, Bonn, (Bonn-Netz), SWB Regional Ver- und Entsorgung GmbH, Adenau, (SWB Regional) und die Gesellschaft für Energie- und Gebäudemanagement Bonn mbH, Bonn, (EGM) für die Versorgung. In der Sparte Verkehr befinden sich die Stadtwerke Bonn Verkehrs-GmbH, Bonn, (SWBV), die Fahrbetrieb Bonn GmbH, Bonn, (FBG), die Elektrische Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises-SSB-GmbH, Bonn, (SSB), die Regionalverkehr Köln GmbH, Köln, (RVK) und die Bonner City Parkraum GmbH, Bonn, (BCP). In der Sparte Verwertung befinden sich die MVA Müllverwertungsanlage Bonn GmbH, Bonn, (MVA), die refer GmbH, Leverkusen, (refer) und die Returo Entsorgungs GmbH, Leverkusen, (Returo). Neben diesen Sparten besteht seit 2017 die personal- lose Quartier.BonnWest GmbH, Bonn, (QBW) (vormals: Stadtwerke Bonn Bad GmbH, Bonn, (SWBBad)) sowie die nach Abspaltung des Geschäftsbetriebs in 2019 ebenso personallose Stadtwerke Bonn Dienstleistungs- GmbH, Bonn (SWBD). Neben der kaufmännischen Geschäftsbesorgung für ihre Tochtergesellschaften, der Gewährung von Ge- sellschafterdarlehen an Konzerntöchter sowie der Abwicklung des Cash-Managements im Rahmen des zentralen Finanzmanagements bestehen weitere operative Aufgaben der SWB in der Verpachtung des Bon- ner Hafenvermögens, der Verpachtung von Tiefgaragen, der Verpachtung von Teilen des Verkehrsvermö- gens an die Verkehrsgesellschaften. Die SWB fungiert als Makler für das Entsorgungsgeschäft mit der Returo. Zu diesem Zweck hat sich die SWB seit 2015 entsprechend der Entsorgungsfachbetriebsverordnung zertifizieren lassen und unterzieht sich seitdem jährlich einem Audit. Die SWB ist auch Dienstleister für die Bundesstadt Bonn im Bereich des Betriebs und der Unterhaltung der Straßenbeleuchtung. Für andere städtische Ämter und Unternehmen ist die SWB in den Bereichen Rechen- zentrum sowie im Finanz- und Rechnungswesen tätig. 2 Wirtschaftsbericht Mit dem Angriff russischer Truppen auf die Ukraine am 24. Februar 2022 erlebte Europa eine Zeitenwende, die weitreichende Wirkungen auf die globale wirtschaftliche Entwicklung auslöste. Der Krieg in der Ukraine stellt somit eine tiefgreifende Zäsur der weltweiten (Wirtschafts-) Ordnung einer ganzen Generation dar. Er führte somit auch zu stark gestiegenen Preisen für Energie in Europa sowie zu einem Szenario einerSeite 5 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 2 drohenden Gasmangellage. Dies sorgte für deutliche Verwerfungen auf den Energiemärkten und damit unter anderem für stark gestiegene Inflationsraten im zweistelligen Bereich. Die geopolitisch neue Konstellation sorgt überdies für gestörte bzw. unsichere Lieferketten, welche den steigenden Preisen weiteren Aufschub geben. 2.1 Branchenbezogene Rahmenbedingungen Die Entwicklung der Stadtwerkebranche wird durch die Entwicklungen in den Bereichen Energieversorgung, öffentlicher Personennahverkehr und Müllverwertung geprägt. Im letzten Jahr haben die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und die Energiekrise die wirtschaftliche Entwicklung aller Unternehmenstöchter maßgeb- lich mitbestimmt. Mit dem Krieg in der Ukraine ergeben sich deutliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die SWB spürt diese durch die massiven vorgelagerten Kostensteigerungen im Energiesektor und im Verkehrs- bereich, die Inflation ist zudem auf dem Abfallmarkt deutlich zu spüren. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die Energiekrise waren maßgebliche Treiber für die bis ins Jahr 2023 andauernde historisch hohe Inflationsrate von 7,9 % im Jahresdurchschnitt nach dem Verbrau- cherpreisindex gegenüber dem Vorjahr. Die dadurch bedingten steigenden Preise in jeglichen Wirtschafts- bereichen, traf die SWB sowie die weiteren Geschäftsfelder, insbesondere im Bereich der Energie, in hohem Maße. Ein Thema, welches die gesamte Stadtwerkebranche zudem immer stärker betrifft, ist die Digitalisierung. Dies bezieht sich auf die Verbesserung und Optimierung von Abläufen und Prozessen. Die digitale Trans- formation ist aus Stadtwerkesicht eines der wichtigsten Themen der nächsten Jahre, an dem in allen Ge- schäftsbereichen auch in Zusammenarbeit mit der konzerneigenen IT-Abteilung gearbeitet wird. Neben den internen Digitalisierungsprojekten, stehen zunehmend auch digitale Geschäftsmodelle im Fo- kus. 2.1.1 Energieversorgung Das Börsenpreisniveau war auch im Jahr 2022 einer der prägenden Einflüsse auf die Energiewirtschaft. Die Strompreise am EPEX (European Power Exchange) Spotmarkt stiegen von rund 100 € je Megawattstunde zu Jahresanfang ab dem zweiten Quartal mit zunehmender Geschwindigkeit auf Höchststände von 800 € im August/September, bevor sie sich bis Dezember etwas erholten und zwischen 200 und 400 € schlossen. Die Preise für Jahres-Strom Futures stiegen parallel zeitweise auf 900 € je Megawattstunde (Base) bzw. 1.200 € je Megawattstunde (Peak). Die Haushaltsstrompreise stiegen ebenfalls substanziell von rund 32 Ct./kWh in 2021 auf 37 Ct./kWh im 1. Halbjahr 2022 und trotz des Wegfalls der EEG-Umlage weiter auf 40 Ct./kWh im 2. Halbjahr 2022. Ursache waren im Wesentlichen die von rd. 8 Ct./kWh auf über 20 Ct./kWh gestiegenen Beschaffungskosten. Die Erdgaspreise für den Großhandel auf dem Terminmarkt für Jahresfuture 2023 lagen im Jahr 2022 bei durchschnittlich 118,71 € je Megawattstunde. Dies entspricht einer deutlichen Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, in welchem der Durchschnittpreis bei 34,04 € je Megawattstunde war. Zeitweise lag der Preis bei über 300 € je Megawattstunde.Seite 6 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 3 Im Jahr 2022 sank der Primärenergieverbrauch gegenüber dem Vorjahr um 162 TWh auf 3.286 TWh (- 4,7 %). Das resultierte aus einem starken Rückgang bei Erdgas und Kernenergie, während Erneuerbare, Kohle und Mineralöl leicht zulegten. Wesentliche Einflussfaktoren waren die über das Jahr gesehen milde Witterung sowie Einspareffekte in Folge des hohen Preisniveaus insbesondere bei fossilem Erdgas. Gegen- läufige verbrauchssteigernde Faktoren ergaben sich aus dem Wegfall von Einschränkungen aufgrund der Corona-Maßnahmen. Der Bruttostromverbrauch lag mit 550 TWh niedriger als 2021, in etwa wieder auf dem Niveau von 2020. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch stieg gleichzeitig um rund 5 % von 234 TWh auf 255 TWh (46 %), vor allem zurückzuführen auf die sonnige und windreiche Witterung. Der Krieg in der Ukraine löste die Corona-Pandemie auch im Rahmen des Politikbarometers der For- schungsgruppe Wahlen im Jahr 2022 relativ ansatzlos als das wichtigste Thema ab. Ab Mitte des Jahres traten dann zunehmend Kosten/Löhne/Preise und Klima/Energiewende in den Vordergrund. Ukraine, Kos- ten und Energiewende waren auch zum Jahresende das dominante Thema. Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf Energieversorgung und Preise waren das beherrschende energiepolitische Thema des Jahres 2022. Noch Anfang 2022 deckten Importe aus Russland lt. BMWK etwa 35 % des Ölverbrauchs, 50 % des Steinkohleverbrauchs und 55 % des Erdgasverbrauchs. Kohle- und Ölim- porte aus Russland wurden mit Embargos belegt und bis Ende 2022 eingestellt. Zur Reduzierung der deut- lich schwieriger zu substituierenden Erdgasimporte aus Russland präsentierte die Europäische Kommission mit ihrem REPowerEU-Plan für europäische Energiesouveränität ein Maßnahmenpaket, das bereits zum Jah- resende 2022 einen deutlichen Rückgang ermöglichen sollte. Zur Kompensation fehlender Mengen wurde u. a. die Nutzung der heimischen Braunkohle ausgeweitet, einige Braun- und Steinkohleblöcke reaktiviert und geplante Abschaltungen verschoben, außerdem wurde die Laufzeit der drei verbleibenden deutschen Kernkraftwerke verlängert. Das LNG-Beschleunigungsgesetz forcierte den Bau von LNG-Terminals, das erste Terminal ging zum Jahresende bei Wilhelmshaven in Betrieb. Zudem wurden Gasspeicherbetreiber zum Füllen ihrer Gasspeicher verpflichtet und weitergehende Möglichkeiten zur Treuhandverwaltung und Ent- eignungen kritischer Energieinfrastruktur unter definierten Bedingungen geschaffen. Neben diesen infrastrukturellen Ansätzen und der fossilen Diversifizierung fokussierte die Bundesregierung auf Energiesparmaßnahmen und finanzielle Entlastungen. Verordnungen für kurz- und mittelfristig wirk- same Energiesparmaßnahmen schrieben unter anderem niedrigere Mindestraumtemperaturen, eine Ein- schränkung der Außenbeleuchtung sowie verpflichtende Heizungsoptimierungen für große Wohngebäude, Firmen und öffentliche Gebäude mit einer Gas-Zentralheizung fest. Im Laufe des Jahres beschloss die Re- gierung drei Entlastungspakete mit einem Volumen von insgesamt 95 Mrd. € sowie ein Sondervermögen in Höhe von 200 Mrd. € für einen „Abwehrschirm“ unter dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) gegen die Folgen des Krieges. Der Bund übernahm im Dezember zunächst die Kosten eines ungefähren Gas-Mo- natsbedarfes. Ab Januar 2023 greift für private Endkunden und KMUs eine Preisbegrenzung auf 12 Cent/kWh (Erdgas), auf 9,5 Cent/kWh (Fernwärme) und auf 40 Cent/kWh (Strom) für 80 % ihres Ver- brauchs, für Industriekunden auf 7 Cent/kWh (Erdgas), auf 7,5 Cent/kWh (Fernwärme) und auf 13 Cent/kWh (Strom) für 70 % ihres Verbrauchs. Diese Maßnahmen sollen aus dem WSF sowie der Abschöpfung von Zufallsgewinnen bei Stromerzeugern ab dem 1. Dezember 2022 finanziert werden.Seite 7 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 4 Neben den dargestellten Maßnahmen wurde auf europäischer Ebene die Arbeit am „Fit for 55“-Klimaschutz- paket fortgesetzt. Dazu zählen u.a. ein Zulassungs-Stopp für PKW und leichte Nutzfahrzeuge mit fossilem Verbrennungsmotor ab 2034, nochmalige Verschärfung der europäischen Klimaziele bezüglich der Treib- hausgasminderungen, oder Anpassung und Ausweitung des EU-Emissionshandelssystems um weitere Sek- toren und Emissionskategorien. In Deutschland wurden beispielsweise die Ausbauziele für erneuerbare Energien auf See und an Land deutlich angehoben und die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaf- fen, sowie das Effizienzhaus 55 als Standard für den Neubau verbindlich festgelegt. 2.1.2 Öffentlicher Personennahverkehr Die Fahrgastzahlen im Öffentlichen Nahverkehr haben sich Ende des Jahres 2022 durchschnittlich bei rund 90 % derer des Vor-Corona-Jahres 2019 eingependelt. Nach einer Auswertung des VDV lagen während der 9-Euro-Ticket-Zeit von Juni bis August 2022 die Fahr- gastzahlen durchschnittlich 10 % über den Monatswerten von 2019. Einzelne Verkehrsunternehmen ver- zeichneten im August 2022 sogar 71 % mehr Fahrgäste als im Vor-Corona-Sommer. Der positive Effekt des 9-Euro-Tickets zur Bekämpfung des Klimawandels ist nachweisbar. Die Menschen waren bereit, auf Bus und Bahn umzusteigen. Seit Verkaufsstart Ende Mai sind rd. 52 Mio. 9-Euro-Tickets verkauft worden. Hinzu kamen mehr als zehn Mio. Abonnentinnen und Abonnenten, die das vergünstigte Ticket jeweils monatlich über den Aktionszeitraum automatisch erhalten haben. 10 % der Fahrten mit dem Ticket haben eine Fahrt ersetzt, die sonst mit dem PKW unternommen worden wäre. Insgesamt liegt der Anteil der aus anderen Verkehrsmitteln verlagerte Fahrten bei 17 %. Die durchschnittliche Einsparung an Klimagasen (CO2-Äquivalenten) je Monat durch das Ticket beträgt rd. 600.000 Tonnen CO2. Insgesamt ist so viel CO2 eingespart worden wie durch ein Jahr Tempolimit. Die Einführung des Deutschlandtickets als Nachfolgelösung ist ein Meilenstein zur weiteren Attraktivierung des ÖPNV, denn das digitale Ticket ermöglicht eine deutschlandweite, einfache Nutzung des ÖPNV. Das Ticket für den ÖPNV ist zu einem Einführungspreis von 49 € pro Monat im monatlich kündbaren Abonne- ment ab 01. Mai 2023 vorgesehen. 2.1.3 Müllverwertung Nach Einschätzung der Geschäftsführung der MVA muss sich die thermische Abfallverwertung langfristig – d.h. mit Blick auf die kommenden 4 bis 5 Jahrzehnte – zu einer Übergangstechnologie entwickeln, die auf das Ziel einer abfallarmen Gesellschaft einzahlt und sich an der Erreichung dieses Ziels proaktiv beteiligt. Die Entwicklung des Siedlungsabfallaufkommens der letzten 10 Jahre im Allgemeinen und während der Corona-Pandemie im Besonderen zeigt leider, dass hier noch ganz erhebliche Veränderungen im Verhalten von Verbrauchern und Produzenten erforderlich sind und der o.g. Übergangszeitraum eher noch als opti- mistisch einzuschätzen ist. Das gewährleistet einerseits eine hohe Sicherheit für das aktuelle Geschäftsmo- dell, sollte aber dennoch zur intensiven Evaluierung weiterer bzw. alternativer Geschäftsfelder genutzt wer- den. Das bisherige zweite Geschäftsfeld der Energieversorgung gewinnt dabei zukünftig zunehmend an Bedeutung – wie sich bereits im Zuge der Ukraine-Krise mehr als deutlich gezeigt hat.Seite 8 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 5 2.2 Geschäftsverlauf Die für die Gesellschaft bedeutsamsten Leistungsindikatoren sind die Erträge aus Beteiligungen sowie das Jahresergebnis. Die prognostizierten Erträge aus Beteiligungen, welche im Wesentlichen aus der Gewinnausschüttung der SWBB sowie der Radio Bonn/Rhein-Sieg GmbH & Co. KG, Bonn und der Returo Entsorgungs GmbH, Lever- kusen, (Returo) resultieren, betrugen laut Wirtschaftsplan 2022 rd. 16,8 Mio. € und wurden mit rd. 21,7 Mio. € um rd. 4,9 Mio. € überschritten. Grund für die Abweichung im Vergleich zur Prognose ist eine um rd. 4,8 Mio. € höhere Ausschüttung der SWBB an die SWB . Das Jahresergebnis der SWB wurde mit rd. -18,5 Mio. € prognostiziert und mit einem Jahresfehlbetrag von 1,1 Mio. € um rd. 17,4 Mio. € überschritten. Dies resultiert aus einer um 9,6 Mio. € niedrigeren Ausgleichs- leistung im Rahmen der Marktorientierten Direktvergabe (MoD) an die SWBV und der um 4,8 Mio. € höhe- ren Ausschüttung an die SWB. Der Geschäftsverlauf der SWB wird im Wesentlichen davon geprägt, die kaufmännischen Kernaufgaben in der Konzernholding zu bündeln und diese Dienstleistungen geschäftsbesorgend für alle Tochterunterneh- men zu Marktpreisen anzubieten und abzuwickeln. Die Abrechnung dieser Tätigkeiten erfolgt im Rahmen von Geschäftsbesorgungsverträgen, deren Umfang jährlich an die Gegebenheiten angepasst wird. Sollten daneben weitere Aufgaben für Tochtergesellschaften übernommen werden, erfolgt deren Abrech- nung rein nach dem Aufwandsprinzip. Darüber hinaus wurde seit 2016 das Maklergeschäft von der MVA übernommen. Dementsprechend agiert die SWB erfolgreich als Makler für das Entsorgungsgeschäft mit der Returo. Im Jahr 2019 hat der Bonner Stadtrat den Klimanotstand ausgerufen und sich durch einen Beschluss zum Ziel gesetzt, bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen. Die SWB und ihre Konzerngesellschaften unterstützen diese Zielsetzung und haben durch eigene Beschlüsse entschieden, dass sich der SWB-Konzern bis 2035 zur CO2-Neutralität verpflichten wird. Die klimafreundliche Gestaltung der Geschäftstätigkeiten und die Einspa- rung von CO2-Emissionen sind für die Stadtwerke seit jeher ein großes Anliegen. Im Jahr 2020 wurde daher für das Jahr 2019 eine erste Treibhausgasbilanz erstellt. Diese wird seither jährlich fortgesetzt, um eine transparente Erfassung der Treibhausgas-Emissionen sicherzustellen. Die Treibhausgasbilanz für das Ge- schäftsjahr 2022 wird im Juni 2023 den Gremien vorgestellt. Perspektivisch sollen ein verbindlicher Maßnahmenkatalog und spartenspezifische Strategien die kontinu- ierliche Senkung der Treibhausgas-Emissionen bis 2035 absichern. Diese Maßnahmen und Strategien wer- den gemeinsam mit den SWB-Aufsichtsräten (AR) in einer Workshopreihe zur CO2-Neutralität entwickelt. Dazu haben im Jahr 2022, nach einem Auftaktworkshop im November 2021, vier Workshops zu den The- menfeldern Wärmewende, Elektrifizierung und Wasserstoff stattgefunden. Die Workshops verfolgen das Ziel, mit Beteiligung der Aufsichtsräte die einzelnen Themenfelder zu bearbeiten und Lösungsszenarien zu entwickeln. Für das Jahr 2023 sind zwei weitere AR-Workshops mit den Themenschwerpunkten CO2-Ab- scheidung, Optimierung Beteiligungsportfolio und CO2-Kompensation sowie Klimaschutzmaßnahmen vor- gesehen. Damit stellen diese AR-Dialoge eine wesentliche Grundlage für die Weiterentwicklung der Road- map zur CO2-Neutralität 2035 dar. Der Rat beauftragte im Mai 2020 die Verwaltung, die im Rahmen desSeite 9 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 6 Klimanotstands beschlossenen Einzelmaßnahmen in einem auf Klimaneutralität bis 2035 ausgerichteten Umsetzungsplan einzubetten, der sowohl die Operationalisierung als auch die Finanzierung beschreibt. Alle Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität 2035 sollen auf die mit ihnen erreichbare Emissionsmin- derung bewertet und priorisiert werden. Der Umsetzungsplan wird mit Zielkorridoren für die CO2-Minderung hinterlegt. Ein regelmäßiges Monito- ring soll die Maßnahmen begleiten. Beim Nichterreichen der Zwischenziele schlägt die Verwaltung Maß- nahmen vor, wie die Klimaneutralität bis 2035 erreicht werden kann. Als ein Bestandteil des Klimaplans wurde ein „Arbeitsprogramm Klimaschutz“ erarbeitet, welches die sog. Steckbriefe beinhaltet, die sortiert nach Handlungsfeldern und Handlungsschwerpunkten Aktivitäten vorschlagen. Der Stadtwerke Bonn Kon- zern ist von insgesamt 37 Steckbriefen (Haupthandlungsfelder: Energie und Mobilität) betroffen und über- nimmt bei vier Steckbriefen die Federführung. 2.2.1 Energieversorgung Durch Neukundengewinne, insbesondere im Großkundensegment, konnte der Stromabsatz gegenüber 2021 gesteigert werden. Gleichzeitig war ein witterungsbedingter Rückgang des Gas- und Wärmeabsatzes zu verzeichnen, der insgesamt zu einem Rückgang des Energieabsatzes führte. Bereits früh im Jahr wurde aufgrund der befürchteten Gasmangellage im Herbst/Winter politisch und gesellschaftlich zu Einsparungen aufgerufen. Diesem Aufruf sind viele Kunden gefolgt, so dass der Wärmeabsatz auch deutlich durch den sparsameren Einsatz von Energie gesunken ist. Die Umsatzerlöse der EnW belaufen sich auf 456.978 T€ (Vorjahr 349.932 T€) und liegen damit um 107.046 T€ über dem Vorjahr und um 96.062 T€ über dem prognostizierten Umsatz für 2022. Verantwort- lich dafür sind im Strom Preis- und Absatzsteigerungen, während die höheren Umsätze bei Erdgas und Wärme auf gestiegene Preise zurückzuführen sind. Im Vergleich zum prognostizierten Jahresergebnis 2022 in Höhe von 48.646 T€ ist das Jahresergebnis mit 46.978 T€ um 1.668 T€ geringer ausgefallen. Wesentlich für das im Vergleich zur Prognose geringere Jah- resergebnis sind die gegenüber dem Plan um 98.274 T€ höheren Materialaufwendungen sowie die um 2.756 T€ gesunkenen Erträge aus Ergebnisabführung der Bonn-Netz. Gegenläufig sind die Umsatzerlöse um 96.062 T€ sowie die sonstigen betrieblichen Erträge um 2.377 T€ höher ausgefallen als geplant. 2.2.2 Öffentlicher Personennahverkehr Die Auswirkungen der anhaltenden Corona-Pandemie auf die Fahrgastzahlen und Einnahmen waren auch im Geschäftsjahr 2022 weiterhin bemerkbar. Um die Fahrgäste und das Personal bestmöglich zu schützen und die Ansteckungsgefahr in den Fahrzeugen, Stationen und in dem Unternehmen zu minimieren, sind die Sicherheitskonzepte und die damit einhergehenden erhöhten Reinigungs- und Belüftungsmaßnahmen weitergeführt worden. Des Weiteren wurde auch 2022 die Durchsetzung der Maskenpflicht im ÖPNV für Fahrgäste und die Kontrolle der Einhaltung dieser Pflicht fortgesetzt. Die Maskenpflicht im ÖPNV ist in Nordrhein-Westfalen Anfang Februar 2023 aufgehoben worden. Der von Bund und Ländern beschlossene ÖPNV-Rettungsschirm hat auch 2022 die Einnahmeausfälle der Verkehrsbetriebe aus dem Rückgang der Fahrgeldeinnahmen durch den Ausbruch von COVID-19 und derSeite 10 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 7 temporären Einführung des 9-Euro-Tickets in den Monaten Juni bis August 2022 kompensiert und somit vor dauerhaften wirtschaftlichen Schäden bewahrt. Im Berichtsjahr konnte eines der größten Infrastrukturprojekte von SWBV in Betrieb genommen werden. Nach 40 bis 50 Jahren hatte die alte Stellwerkstechnik ausgedient. Drei neue Stellwerke sind seit August in den Bereichen Bonn Hauptbahnhof, Bundesrechnungshof und Ramersdorf in Betrieb. Auf der Stadtbahn- strecke Bonn zwischen Hauptbahnhof und Ramersdorf sind seit dem Start des Projektes mehr als 200 Kilo- meter Kabel verlegt, 66 Weichen eingebaut und rd. 230 Signale installiert worden. Wo früher Glühlampen im Einsatz gewesen sind, melden jetzt mehr als 700 energiesparende LEDs, ob Streckenabschnitte freige- geben sind. Die im zukunftssicheren System integrierte Technik ist weniger störanfällig und bietet den höchsten Sicherheitsstandard, mehr als 99 % Verfügbarkeit und verbessert so den Service für die Fahrgäste. Durch die Installation von zusätzlichen Signalen verkürzt sich in einigen Teilabschnitten, in denen Bahnen aufeinander folgen können, die Fahrzeit. Der Verlust des Berichtsjahres beträgt 11.239 T€ nach einem Verlust von 5.877 T€ im Vorjahr, der aufgrund des Ergebnisabführungsvertrages von der Stadtwerke Bonn Beteiligungs-GmbH (SWBB) übernommen wird. Für 2022 hat die Gesellschaft einen Verlust in Höhe von 18.313 T€ im Lagebericht des Vorjahres prognosti- ziert. Ursächlich für den gegenüber Plan geringeren Verlust in Höhe von 7.074 T€ sind im Wesentlichen die um 20.826 T€ gegenüber Plan höheren sonstigen betrieblichen Erträge. Diese resultieren im Wesentlichen aus Billigkeitsleistungen aus dem Corona Rettungsschirm zum Ausgleich für entstandene Schäden im ÖPNV. Demgegenüber sind die Umsatzerlöse um 11.337 T€ geringer ausgefallen als prognostiziert. Des Weiteren resultieren die Veränderungen gegenüber der Prognose aus um 3.930 T€ höheren Materialauf- wendungen sowie um 2.255 T€ niedrigeren Abschreibungen. 2.2.3 Müllverwertung Um einen wirtschaftlichen Betrieb einer technisch anspruchsvollen Abfallverwertungsanlage gewährleisten zu können, ist eine gute Auslastung bei gleichzeitiger hoher technischer Verfügbarkeit der vorhandenen Kapazitäten unbedingte Voraussetzung. Die Zeitverfügbarkeit der MVA lag im Jahr 2022 bei 95,6 % und damit genau auf dem Vorjahrsniveau von 95,6 % und somit auch über dem Planwert von 95,3 %. Der Grund für die relativ hohe Verfügbarkeit liegt an der Einhaltung der Revisionszeiträume sowie keiner relevanten Ausfallzeiten. Aus der Verbrennung der Abfälle konnte im Jahr 2022 eine Dampfmenge von 426.883 MWh an das be- nachbarte Heizkraftwerk-Nord der EnW geliefert werden. Diese ebenfalls im SWB-Konzern angesiedelte Schwestergesellschaft der MVA nutzt den Dampf überwiegend in Kraft-Wärme-Kopplung zur Erzeugung von Strom und Fernwärme. Im Vergleich zum Vorjahr liegt das Jahresergebnis (vor Ergebnisübernahme und Ausgleichszahlung) im Be- richtsjahr mit -28 T€ um 999 T€ unter dem prognostizierten Ergebnis für 2022 in Höhe von 971 T€. Ursäch- lich hierfür sind im Wesentlichen die um 942 T€ gegenüber Plan gesunkenen Umsatzerlöse durch die redu- zierte Abfallanlieferung des REK. Zusätzlich sind aufwandseitig insbesondere die sonstigen betrieblichenSeite 11 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 8 Aufwendungen um 1.284 T€ gegenüber Plan gestiegen. Demgegenüber stehen reduzierte Aufwendungen im Bereich Materialaufwand in Höhe von 846 T€ (ermöglicht durch einen reduzierten Preis für die Schlacke – Gutschrift refer) sowie ein reduzierter Abschreibungsaufwand in Höhe von 460 T€. 2.3 Lage 2.3.1 Ertragslage Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Entwicklung der Ertragslage der SWB im Vergleich zum Vorjahr: 2022 in T€ 2021 in T€ Veränderung in T€ Veränderung in % Umsatzerlöse 57.144 55.338 1.806 3,3 Andere aktivierte Eigenleistungen 378 79 299 >100 Sonstige betriebliche Erträge 10.286 9.931 355 3,6 Gesamtleistung 67.807 65.348 2.459 3,8 Materialaufwand 12.294 12.155 139 1,1 Personalaufwand 27.452 28.170 -718 -2,5 Abschreibungen 3.434 3.801 -367 -9,7 Sonstige betriebliche Aufwendungen 45.197 49.477 -4.280 -8,7 Sonstige Steuern 166 167 -1 -0,3 Gesamtaufwand 88.544 93.770 -5.226 -5,6 Betriebsergebnis -20.736 -28.422 7.686 -27,0 Finanzergebnis 21.788 33.007 -11.219 -34,0 Ergebnis vor Steuern 1.052 4.585 -3.533 -77,1 Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 2.156 4.540 -2.384 >100 Ergebnis nach Steuern -1.104 45 -1.149 -2.554,4 Jahresfehlbetrag/-überschuss -1.104 45 -1.149 -2.554,4 Kennzahlen 2022 2021 Materialaufwandsquote in % 21,4 21,9 Personalaufwandsquote in % 40,5 43,1 Anzahl Mitarbeiter im Ø incl. Auszubildende 364 352 Personalaufwand pro Kopf (FTE) in T€ 87 89 Entgegen der handelsrechtlichen Regelung wurden die sonstigen Steuern vor dem Betriebsergebnis ge- zeigt. Die Gesamtleistung ist im Vergleich zum Vorjahr (65.348 T€) mit 67.807 T€ um 2.459 T€ gestiegen. Die Umsatzerlöse sind von 55.338 T€ um 1.806 T€ auf 57.144 T€ gestiegen. Der Anstieg resultiert im We- sentlichen aus gestiegenen Erlösen aus Müllverbrennung (795 T€).Seite 12 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 9 Die sonstigen betrieblichen Erträge in Höhe von 10.286 T€ (Vorjahr 9.931 T€) beinhalten im Wesentlichen von der Bundesstadt Bonn an die Gesellschaft geleistete ÖPNV-Zuwendungen für Angebotsverbesserungen zur Steigerung der ÖPNV-Nutzung der Bundesstadt Bonn in Höhe von 9.700 T€ (Vorjahr 8.614 T€). Der Materialaufwand ist um 139 T€ auf 12.294 T€ (Vorjahr 12.155 T€) gestiegen. Die auf die Gesamtleistung (abzgl. der sonstigen betrieblichen Erträge) bezogene Materialaufwandsquote beträgt 21,4 % (Vorjahr 21,9 %). Der Personalaufwand hat sich aufgrund von niedrigeren Aufwendungen für die Pensionsrückstellungen von 28.170 T€ um 718 T€ auf 27.452 T€ reduziert. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind von 49.477 T€ um 4.280 T€ auf 45.197 T€ gesunken. Der Rückgang ist im Wesentlichen auf die reduzierten MoD-Ausgleichszahlungen (- 4.847 T€) zurückzuführen. Der Rückgang des Finanzergebnisses im Vergleich zum Vorjahr (11.219 T€) resultiert im Wesentlichen aus einer niedrigen Ausschüttung der SWBB (13.171 T€) innerhalb der Erträge aus Beteiligungen. Demgegen- über hat es im Berichtsjahr nur geringfügige Aufwendungen aus Verlustübernahmen (Vorjahr-1.515 T€) gegeben. Die Steuern vom Einkommen und Ertrag sind von 4.540 T€ um 2.384 T€ auf 2.156 T€ gesunken. Der Rück- gang ist im Wesentlichen auf eine Anpassung der Steuern für Vorjahre zurückzuführen. Das Jahresergebnis liegt mit -1.104 T€ um 1.149 T€ unter dem Ergebnis des Vorjahres (45 T€). 2.3.2 Finanzlage Im Berichtsjahr ist der Finanzmittelfonds gegenüber dem Vorjahr (-22.290 T€) um 31 T€ gestiegen. Zum 31. Dezember 2022 besteht ein Saldo in Höhe von -22.259 T€. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr resultiert aus Zahlungsmittelabflüssen aus dem Cashflow der lau- fenden Geschäftstätigkeit in Höhe von -32.638 T€ (Vorjahr 16.313 T€) und aus der Finanzierungstätigkeit in Höhe von -5.797 T€ (Vorjahr -5.867 T€). Demgegenüber stehen Zahlungsmittelzuflüsse aus dem Cashflow aus der Investitionstätigkeit in Höhe von 38.466 T€ (Vorjahr 22.612 T€). Im Einzelnen ergibt sich folgendes Bild: 2022 in T€ 2021 in T€ Mittelabfluss (i. Vj. Mittelzufluss) aus der laufenden Geschäftstätigkeit -32.638 16.313 Mittelzufluss aus der Investitionstätigkeit 38.466 22.612 Mittelabfluss aus der Finanzierungstätigkeit -5.797 -5.867 Veränderung des Finanzmittelfonds 31 33.058 Finanzmittelfonds am Anfang der Periode -22.290 -55.348 Finanzmittelfonds am Ende der Periode -22.259 -22.290Seite 13 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 10 2.3.2.1 Kapitalstruktur Die SWB führt den konzernweiten Cash-Pool des Stadtwerke-Konzerns. Hierüber wird auch der eigene kurz- fristige Kapitalbedarf oder Kapitalüberschuss ausgeglichen. Die Gesellschaft weist eine Eigenkapitalquote von 55,9 % (Vorjahr 52,6 %) aus. Das Anlagevermögen ist zum Bilanzstichtag zu 106,1 % (Vorjahr 106,0 %) durch Eigenkapital und mittel- bzw. langfristiges Fremdkapital gedeckt und ist somit langfristig finanziert. Wesentliche Investitionsverpflichtungen bestehen zum Ab- schlussstichtag nicht. 2.3.2.2 Investitionen Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 2.666 T€ (Vorjahr 2.592 T€) in immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen sowie 2.147 T€ in die Finanzanlagen investiert. Die Zugänge bei den immateriellen Vermögensgegenständen betreffen im Wesentlichen die Einführung SAP S4/HANA (575 T€). Die Investitionen in die Sachanlagen beinhalten im Wesentlichen mit 569 T€ die Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie mit 356 T€ die Verteilungsanlagen. Die Investitionen in Finanzanlagen beinhalten im Wesentlichen die Anteile an der QBW in Höhe von 2.099 T€. 2.3.2.3 Liquidität Die Liquidität der SWB wird durch den Konzern-Cash-Pool jederzeit sichergestellt. Der insbesondere durch die gestiegenen Energiebezugskosten temporär erhöhte Liquiditätsbedarf in der Sparte Versorgung wird durch eine Kreditlinie (100 Mio. €) der Bundesstadt Bonn an die SWB als Cash-Pool Führerin gedeckt. 2.3.3 Vermögenslage 2022 in T€ 2021 in T€ Veränderung in T€ Veränderung in % Bilanzsumme 290.030 310.400 -20.370 -6,6 Anlagevermögen 200.308 207.151 -6.843 -3,3 Umlaufvermögen und RAP 89.723 103.249 -13.526 -13,1 Eigenkapital 162.265 163.369 -1.104 -0,7 Eigenkapitalquote in % 55,9 52,6 Rückstellungen 38.423 38.203 220 0,6 Verbindlichkeiten 89.342 108.828 -19.486 -17,9 Fremdkapitalquote in % 44,1 47,4 Anlagendeckungsgrad II in % 106,1 106,0 Die Bilanzsumme der SWB hat sich von 310.400 T€ im Vorjahr um 20.370 T€ auf 290.030 T€ reduziert. Dies liegt im Wesentlichen an dem Rückgang der Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (8.681 T€) sowie dem Rückgang der Verbindlichkeiten gegenüber verbundene Unternehmen (11.108 T€).Seite 14 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 11 Die Bilanz der Gesellschaft wird aufgrund ihrer Holdingfunktion stark geprägt von den Finanzanlagen und den Forderungen gegen verbundene Unternehmen sowie den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstitu- ten und verbundenen Unternehmen. Insgesamt belaufen sich die Finanzanlagen auf 147.131 T€ (Vorjahr 153.181 T€) und die Forderungen gegen verbundene Unternehmen auf 85.776 T€ (Vorjahr 92.709 T€). Die entsprechenden Verbindlichkeiten gegen- über verbundenen Unternehmen belaufen sich auf 31.477 T€ (Vorjahr 42.585 T€) und die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten auf 54.783 T€ (Vorjahr 63.464 T€). 2.4 Gesamtaussage zum Geschäftsverlauf und zur wirtschaftlichen Lage Die Geschäftsführung ist mit dem Geschäftsverlauf und der wirtschaftlichen Entwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr unter Berücksichtigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie des Ukraine-Krieges zufrieden. 3 Prognose-, Chancen- und Risikobericht 3.1 Prognosebericht 3.1.1 Branchenentwicklung Da die Lage der Gesellschaft wesentlich durch die Entwicklung bei der SWBB und ihren Tochtergesellschaf- ten geprägt wird, ist die SWB maßgeblich von den Geschäftsentwicklungen der Tochtergesellschaften ab- hängig. 3.1.2 Unternehmensentwicklung Insgesamt ist die Kundenfluktuation bei der EnW durch die aktuellen Bedingungen schwer planbar. Durch die hohe Volatilität an den Handelsplätzen sowie die unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Versor- gungsunternehmen, sind auch die Wettbewerbspreise sehr volatil. Sind die Preise der EnW im Wettbewerb temporär sehr attraktiv, kann das zu einem deutlichen Kundengewinn führen. Bei Preisen oberhalb des Wettbewerbs kann der gegenteilige Effekt eintreten. Aus beiden Szenarien entwickeln sich Chancen und Risiken. Bei einem ungeplanten Kundengewinn (z.B. in der Grund- und Ersatzversorgung durch Insolvenzen weiterer Energieversorger) muss gegebenenfalls Energie zum dann aktuellen höheren oder niedrigeren Preis nachgekauft werden. Gleiches gilt für den Verkauf von Energie bei einem Kundenverlust. Der Vertrieb von Produkten in neuen Absatzmärkten und die Positionierung der EnW als Energiedienstleis- ter soll das Ergebnis in den nächsten Jahren zunehmend stabilisieren und steigern. Hierzu zählen z. B. das Angebot von Regionalstrom, Mieterstrom, Wärme-Contracting und Autostrom (spezielle Tarife für das E-Auto). Weiterhin wird das Ziel verfolgt, die EnW als „den“ regionalen Versorger zu positionieren, der aus der Region kommt und für die Region da ist. Diese Zielsetzung wird schon heute durch zahlreiche lokale Kooperationen - wie z. B. mit dem Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein, der Kreishandwerkerschaft usw. - ver- folgt.Seite 15 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 12 Um eine nachhaltige Stärkung der Marktposition zu gewährleisten, wird die Suche nach Kooperationsmög- lichkeiten weiter fortgesetzt. Hier ist die Zusammenarbeit mit der Trianel-Gruppe zu erwähnen, an der eine Vielzahl deutscher Stadtwerke beteiligt ist, aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Energieversorgern in der Region, wie der RheinEnergie AG und anderen Partnern, wie z.B. der BREKO (Bundesverband Breit- bandkommunikation e.V.) im Geschäftsfeld Lichtwellenleiter. Die Anforderungen durch die Energiewirtschaft stellen besondere Herausforderungen dar, denen sich die EnW gut positioniert stellen wird. Der Wettbewerb um Sondervertrags- und Bündelkunden sowie das er- forderliche Know-how in wettbewerbsrelevanten Bereichen, wie dem Energieeinkauf, dem Energiehandel und dem Aufbau von Vertriebssystemen, werden die Entwicklung der folgenden Jahre maßgeblich beein- flussen. Eine besondere Herausforderung stellt die Umsetzung der Digitalisierung der Energiewirtschaft dar. Die Anforderungen der Kunden hinsichtlich eines vollumfänglich digitalen Service müssen erfüllt werden. Zu- sätzlich verlangt der Markt- und Wettbewerbsdruck schlanke, digitale Prozesse. Dabei hat die Datensicher- heit eine hohe Priorität. In Bezug auf das Geschäftsfeld Verkehr bleibt es vor dem Hintergrund der Fortführung der Betrauung das Ziel der SWBV, die in der Betrauung festgelegten Soll-Kosten zur Erlangung und Erhaltung der Wettbe- werbsfähigkeit im ÖPNV zu erreichen. Die Ergebnisprognose im Wirtschaftsplan 2023 und der darauffolgenden Jahre ist in Abhängigkeit vom Eintritt der unterstellten Planungsprämissen sowie der in der Planung berücksichtigten Aufwandsentwick- lung zu sehen. Im Rahmen der Kostenplanung schlagen sich die massiven Preissteigerungen infolge des Ukraine-Krieges in nahezu allen Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung nieder. Dieser Krieg hat die ohnehin ange- spannte Lage auf den Energiemärkten drastisch verschärft. Die Energiekosten und die damit verbundenen Kostenstrukturen in der Branche nachhaltig verändert. Dies betrifft auch Transportkosten für alle bezogenen Lieferungen und Leistungen sowie die gesamten Lieferketten. Die Landesregierung will den ÖPNV in Nordrhein-Westfalen finanziell weiter unterstützen, um die Folgen der durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelösten Energiekrise abzufedern. Dafür hat das Kabinett ein erstes Maßnahmenpaket für die Krisenbewältigung auf dem Weg gebracht, das rd. 200 Mio. € als Kompensation für die Energiekostensteigerungen vorsieht und vom Landtag im Dezember 2022 be- schlossen wurde. Das entsprechende Gesetz trat am 01. Januar 2023 in Kraft. In Bezug auf das Geschäftsfeld Verwertung geht die Geschäftsführung der MVA aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie der Ukraine-Krise auf die Wirtschaft, mittelfristig von leicht bis stark rückläufi- gen Gewerbeabfallmengen und -preisen aus. Im Jahr 2023 wird jedoch noch nicht mit einer Unterauslastung der MVA gerechnet. Ein Problem könnte die reduzierte Verfügbarkeit von notwendigen Betriebsstoffen (u.a. zur Rauchgasreinigung) darstellen. Als Auswirkungen wären Kostensteigerungen und Einschränkungen der Anlageneinsetzbarkeit zu erwarten.Seite 16 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 13 Darüber hinaus führt die SWB den konzernweiten Cash-Pool des Stadtwerke-Konzerns. Um möglichen ne- gativen Auswirkungen auf die Liquidität des Stadtwerke-Konzerns entgegenzuwirken, werden aktuell mög- liche Handlungsoptionen durch die Cash-Pool Führerin geprüft. Im Wirtschaftsplan 2023 sind – vorbehaltlich der Auswirkungen aus dem Ukraine-Krieg – Erträge aus Betei- ligungen in Höhe von rd. 19,3 Mio. € geplant. Als Jahresergebnis für 2023 ist ein Verlust von rd. 29,5 Mio. € geplant. Die Jahresergebnisse der nächsten Jahre sind voraussichtlich geprägt durch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges, der Inflation, Energiekrise und der Störung von Lieferketten sowie einer deutlichen Ausweitung des Verkehrsangebotes. 3.2 Risikobericht 3.2.1 Risikomanagementsystem Im SWB-Konzern bzw. den konsolidierten Gesellschaften ist ein umfassendes Risikomanagementsystem zur Umsetzung der Anforderungen nach dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) aufgebaut. Ziel ist das frühzeitige Erkennen von Entwicklungen, die das Potenzial haben, den Fortbestand einzelner Gesellschaften zu gefährden, sowie die Erarbeitung von notwendigen Steuerungs- maßnahmen. Es wurden mehrere Risikobeauftragte benannt, die mit Unterstützung des zentralen Risikomanagers des Konzerns kontinuierlich mögliche Risiken erfassen, bewerten und Steuerungsmaßnahmen dokumentieren. Identifizierte Risiken werden in den Dimensionen Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit klassifiziert. Die zur Steuerung ergriffenen Maßnahmen werden in Risikoerfassungsbögen dokumentiert. Über Risiken mit einer Schadenshöhe, die größer als eine definierte Relevanzgrenze sind, wird quartalsweise Bericht er- stattet. Adressaten sind Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafter. In regelmäßigen Abständen werden bereits identifizierte Risiken auf Veränderungen hin überprüft sowie Bewertungen und Steuerungsmaßnahmen bei Bedarf angepasst. Mit allen vorhandenen internen und ex- ternen Informationsquellen wird geprüft, ob neue Risiken hinzugekommen sind. Die Ablauf- und Aufbauorganisation ist im konzernübergreifenden Risikomanagementhandbuch darge- stellt. Dieses dient als Leitfaden für alle wesentlichen Aufgaben sowie zur Sicherstellung der dauerhaften und personenunabhängigen Funktionsfähigkeit des Risikomanagementprozesses. Die Prüfung des Risiko- managementprozesses obliegt der Konzernrevision. Der Prozess wird mit einer Datenbank unterstützt. 3.2.2 Risiken Die SWB übernimmt im SWB-Konzern Holdingfunktionen. Die Hauptrisiken für den SWB-Konzern liegen auf Grund ihrer verschiedenen Tätigkeitsfelder deshalb in den jeweiligen Tochtergesellschaften und sind dort abgebildet. Sie werden jeweils unternehmensindividuell bewertet und durch geeignete Steuerungs- maßnahmen begrenzt. Die Hauptrisiken der SWB resultieren aus möglichen Steuernachforderungen aufgrund einer steuerlichen Betriebsprüfung sowie in den potenziellen Bedrohungen im IT-Bereich. Diese können u. a. in der ZerstörungSeite 17 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 14 des Rechenzentrums liegen oder auch im Verlust von Daten durch z. B. Schadsoftware oder auch unerlaub- ten Fremdzugriffen auf interne Daten. Ein Risiko stellen die politischen Beschlüsse in Bezug auf die Finanzierung der beauftragten Dienstleistun- gen im Verkehr dar. Zur Finanzierung der Verkehrsleistungsausweitung unterstützt die Bundesstadt Bonn die SWBV mit einem ÖPNV-Zuschuss. Eine Absichtserklärung der Bundesstadt Bonn zu möglichen verursa- chungsgerechten Ausgleichen der Verkehrsverluste befindet sich derzeit in Abstimmung. Eine mögliche Nichtgewährung oder eine Gewährung des geplanten Zuschusses in geringerer Höhe ist in der SWB GmbH ergebniswirksam. Zentrales Risiko für SWBB und SWB ist nach wie vor die Gefahr, dass durch eine Änderung im Körperschaft- steuergesetz der steuerliche Querverbund wegfällt. Aufgrund der Wirkung der DSGVO und des EuGH-Urteils "Schrems II" könnte es durch unbeabsichtigte Datenschutzverstöße zu hohen Bußgeldern kommen. Durch vielfältige Maßnahmen organisatorischer wie operativer Natur im gesamten Konzern wird dem entgegengewirkt. Weitere Einzelrisiken, die sich durch größere Schadenshöhen oder hohe Erwartungswerte hervorheben, liegen unter anderem in einer drohen- den Rückzahlung der Hafenförderung, sofern die Auflagen des Zuwendungsbescheids nicht erfüllt werden. Weiterhin zu nennen sind mögliche zukünftige Beteiligungsverluste an der Trianel GmbH und der Trianel Gaskraftwerk Hamm GmbH & Co. KG, die mögliche Inanspruchnahme des Trianel-Kreditrisikopools und eine mögliche Bürgschaftsinanspruchnahme durch die Kommunale Zusatzversorgung Westfalen-Lippe (KZVW). Auf die prognostizierten Energiebedarfe zahlen Kunden monatliche, gleichmäßige Abschläge. Mit den Ener- giepreissteigerungen tritt ein zunehmender Zwischenfinanzierungsbedarf in den Wintermonaten auf, der die Liquidität im Konzern beeinflusst. Durch verschiedene erfolgte Steuerungsmaßnahmen ist jedoch bei anfallenden Zwischenfinanzierungsbedarfen eine anhaltende Sicherheit der Liquidität gewährleistet. Das Risiko mit der größten Schadenshöhe ergibt sich aus der gesamtschuldnerischen Haftung im Rahmen des Konzern-Cash-Managements. Die maximale Schadenshöhe ist analog zur aktuellen Kreditlinie. Der Ri- sikoeintritt wird aufgrund der Liquiditätssituation im Konzern sowie der ergriffenen Steuerungsmaßnahme als sehr unwahrscheinlich eingeschätzt. Alle Maßnahmen im Zuge der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. März 2020 weltweit ausgerufenen Corona-Pandemie sind am 07. April 2023 ausgelaufen. Die Infektionslage war auch während des abgelaufenen Geschäftsjahres 2022 stabil, skizzierte Risiken bzgl. des flächendeckenden, krankheitsbe- dingten Ausfalls von Mitarbeitern sind nicht eingetreten. Der am 24. Februar 2022 initiierte Angriff russischer Truppen auf die Ukraine hatte deutliche Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft und drastische Auswirkungen auf den europäischen Energiesektor. Ebenso sind seitdem Lieferketten unterschiedlichster Güter zusätzlich zu den Auswirkungen aus der Corona-Pan- demie gestört. Risiken, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden, wurden nicht identifiziert.Seite 18 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 15 3.3 Chancenbericht Zu Beginn der Corona-Pandemie musste ein Großteil der kaufmännischen Tätigkeiten ins Homeoffice ver- lagert werden. Durch eine im Januar 2021 beschlossene Pflicht, Mitarbeitende, sofern möglich, aus dem Homeoffice arbeiten zu lassen, wurde die IT-Infrastruktur für das mobile Arbeiten von einer ursprünglich vorübergehenden hin zu einer beständigen, belastbaren und dauerhaften Lösung weiterentwickelt. Der Ausbau der IT-Infrastruktur hat schon jetzt nachhaltige Auswirkungen gezeigt. Trotz Wegfalls der in der Corona-Arbeitsschutzverordnung verankerten Homeoffice-Pflicht kann so einem Großteil der Mitarbeiten- den, bei denen die Tätigkeiten dies zulassen, weiterhin mobil arbeiten. In welchem Umfang diese Möglich- keit genutzt wird, variiert innerhalb des Unternehmens und wird individuell im Rahmen der Betriebsverein- barungen „Telearbeit“ und „Mobiles Arbeiten“ zwischen Fachbereich, Mitarbeitenden und Betriebsrat ent- schieden. Das Konzept des Mobilen Arbeitens und eines modernen Arbeitsumfeldes gilt es weiter zu ver- folgen, um bedarfsgerechte Lösungen zu finden, die sowohl für die Mitarbeitenden als auch für das Unter- nehmen einen hohen Nutzen bringen können. Neben der digitalen Transformation bietet die Sektorenkopplung für den SWB-Konzern eine der zukunfts- weisendsten Chancen. Die Sektorenkopplung verbindet dabei die Sektoren der Energieversorgung, der Mo- bilität und der Abfallverwertung und bildet eine der Schlüsseltechnologien der Energie-, Wärme- und Mo- bilitätswende auf dem Weg zur CO2-Neutralität. Darüber hinaus bietet die Sektorenkopplung die Möglich- keit der Entwicklung vernetzter Produkte und Dienstleistungen, wodurch neue Zielgruppen auf dem Markt erschlossen werden können. Die Sektorenkopplung bietet somit die Möglichkeit der Entwicklung eines Al- leinstellungsmerkmals gegenüber anderen Wettbewerbern. Seit 2021 sind die Stadtwerke Bonn Teil der Stadtwerke-Initiative Klimaschutz. Diese, von der ASEW koor- diniert, unterstützt die Stadtwerkewelt dabei, gemeinsam den Weg hin zu einer treibhausgasneutralen Wirt- schaft zu beschreiten. Dabei soll die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Stadtwerken gestärkt wer- den, um generationengerechte Ziele vor Ort verwirklichen zu können und die regionale Wertschöpfung zu steigern. Die Stadtwerke haben für das Jahr 2022 alle vier Prüfkriterien erfüllt und durch die ASEW einen positiven Prüfbescheid erhalten. Ende des Jahres 2022 begann darüber hinaus ein konzernweiter Strategieentwicklungsprozess unter Mo- deration der SWB. Dieser wird im Jahr 2023 fortgeführt und soll in den Folgejahren in einen kontinuierlichen Monitoring- und Anpassungsprozess übergehen. Der Strategieentwicklungsprozess berücksichtigt neben Anforderungen von Eigentümerin, Kunden sowie Stakeholdern auch die Analyse der eigenen Kernkompe- tenzen und Geschäftsmodelle, um strategische Positionierungen und Zielsetzungen zur nachhaltigen und wirtschaftlichen Sicherung der Stadtwerke Bonn entwickeln zu können. 3.3.1 Energieversorgung Die EnW legt weiterhin großen Wert auf die Aktivitäten hinsichtlich Kundenbindung und Kundenrückge- winnung. Ziel ist hier, auch im klassischen Energiegeschäft mindestens den aktuellen Marktanteil zu halten oder zur Ertragssteigerung auszubauen. Im Jahr 2022 hat der Kundenservice stark an Bedeutung gewonnen. Seit Beginn der Energiekrise ist über alle Kontaktkanäle ein starker Anstieg des Kontaktvolumens zu verzeichnen. Kunden wenden sich mit großerSeite 19 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 16 Verunsicherung an den Service, da ihnen umzusetzende gesetzliche Maßnahmen oft unverständlich sind. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, wurde der Schulungsaufwand deutlich erhöht. Um die Kundenbindung weiter auszubauen, ist es erforderlich, weiterhin sehr guten Kundenservice sowie wettbewerbsfähige Preise anzubieten und ein hohes Engagement vor Ort zu zeigen. Um diese gesteckten Ziele zu erreichen, wird die Qualität sowohl der eigenen Mitarbeiter als auch der externen Dienstleister kontinuierlich erhöht. Zudem überprüfte und zertifizierte der TÜV SÜD erneut die Service-Qualität des Kun- den-Service der EnW. Zur Unterstützung des klassischen Energiegeschäfts bieten sich wertschöpfungssteigernde Energiedienst- leistungen an. Der Ausbau dieses Geschäftsfeldes kann mittelfristig zu Ergebnissteigerungen, insbesondere aber zu einer höheren Kundenbindung führen. In diversen Projekten werden aktuell Produkte auf ihre Um- setzungs- und Wettbewerbsfähigkeit geprüft. Ziel ist es hier, neue Produkte zu entwickeln, die mittel- bis langfristig die zurückgehenden Erträge im klassischen Energievertrieb kompensieren bzw. neue Möglich- keiten bieten, die Unternehmensergebnisse zu steigern. Am Standort des HKW-Nord hat der Ausbau der Strom und Wärmeerzeugung mit einer neuen Gasturbine, weiterhin in Kraftwärmekopplung, begonnen. Die modernisierten, hocheffizienten und umweltschonenden Anlagenkomponenten inklusive der notwendigen Umbauten sollen nach ersten Inbetriebsetzungsarbeiten in 2023 im Jahr 2024 in den Betrieb überführt werden und anschließend eine maximale erneute KWK-För- derung nach KWK-G ermöglichen. Angesichts der dynamischen energiepolitischen Situation in Europa wird allgemein damit gerechnet, dass der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft stärker forciert wird, um die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu senken. Die Stadtwerke Bonn beschäftigen sich weiterhin konkret mit dem Thema regionale Wasserstoff- wirtschaft in einer weiteren Machbarkeitsstudie. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Erzeugung von Wasserstoff durch Wasserelektrolyse am HKW-Nord und dem Geschäftsfeld H2-Tankstelle. Ebenfalls konnte die Prüfung der Eignung des Bonner Hafens als Infrastrukturknotenpunkt im Sommer 2022 erfolgreich beendet und auf dem Gremienworkshop vorgestellt werden. In einem weiteren Schritt wird geprüft inwiefern eine 10 MW Wasserelektrolyse am HKW Nord mit einem Wasserstoffspeicher in den Erzeugungsstandort integriert und unter welchen Rahmenbe- dingungen sich ein H2-Tankstellenkonzept erfolgreich umsetzen lässt. Die sich hieraus ergebenden Er- kenntnisse finden Eingang in die konzernweiten Strategieüberlegungen. Die zunehmende Digitalisierung des Energiegeschäftes bietet der EnW die Chance, die Kundenbindung zu erhöhen, Prozesskosten zu senken, bestehende Produkte mit Mehrwerten zu versehen und komplett neue Produkte außerhalb des klassischen Energievertriebs anzubieten. Als Grundlage dient die digitale Strate- gie, die zusammen mit allen Gesellschaften des SWB-Konzerns entwickelt wird. Aus der fortlaufenden Op- timierung des Internetportals und der Online-Services verspricht sich die EnW zudem weitere Kundenge- winne und eine höhere Kundenbindung. Großes Potenzial sieht die EnW im Aufbau der Infrastruktur zur Elektromobilität. Ziel ist es, die Vorausset- zungen zu schaffen, schnell auf die Veränderung der politischen Rahmenbedingungen und das veränderte Kaufverhalten der Kunden reagieren zu können. Die EnW passt hierzu ihre Ausbaustrategie der tatsächli- chen Entwicklung laufend an.Seite 20 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 17 3.3.2 Öffentlicher Personennahverkehr Mit der anhaltenden positiven Bevölkerungsentwicklung im Verkehrsgebiet von SWBV/SSB und der Erschließung neuer Wohn- und Gewerbegebiete sowie deren Anbindung an den ÖPNV bieten sich mittel- fristig Chancen, insbesondere aus den Themen Netzausbau, veränderte Mobilitätskultur und neue flexible Mobilitätsangebote, wie z. B. Fahrradvermietsystem, E-Lasten-Bikes, E-Scooter und E-Roller, Mobilstationen, Sharing-, On-Demand- oder Ride-Pooling-Systeme. Der Bau des Verknüpfungsbahnsteiges der S 13 in Bonn-Vilich sowie die geplante Umsetzung des Seilbahnprojekts zum Uniklinikum schaffen auch künftig die Voraussetzung, um durch geeignete attraktivitätssteigernde Maßnahmen in den Bereichen Marketing und Kommunikation, Fahrplanangebot und Service weitere Fahrgäste zu gewinnen, bestehende zu binden und die Einnahmesituation nachhaltig zu verbessern. Veränderte Mobilitäts- und Wertvorstellungen der jüngeren Generation, unterstützt durch das allgemein wachsende Umweltbewusstsein in der Bevölkerung, bieten für die Zukunft neue Chancen und Perspektiven für einen grünen, wirtschaftlichen Aufschwung und eine nachhaltigere und saubere Mobilität im Sinne des „Green Deals“ der EU (Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor um 90 % bis 2050 gegenüber 1990). Innovationen wie intelligente Verkehrssteuerung, datenbasierte Prozessoptimierung und digitaler Kundenservice, machen den ÖPNV noch umweltverträglicher und attraktiver. Für das Gelingen der Verkehrswende sind SWBV und SSB in der Bundesstadt Bonn und in den mitbedienten Gebietskörperschaften ein wesentlicher Faktor. Beide Verkehrsunternehmen werden in den Folgejahren das Angebot durch den Ausbau und die Modernisierung der Nahverkehrsinfrastruktur sowie durch Vernetzung von digital übergreifenden ÖPNV-/Mobilitätsinformationen verbessern, um die verkehrlichen und ökologi- schen Vorteile des ÖPNV im Wettbewerb zum Individualverkehr für die SWBV und SSB zu nutzen. Das be- inhaltet auch einen Ausbau von Werkstätten und Betriebshöfen für die Instandhaltung eines wachsenden Fahrzeugparks. Barrierefreie Mobilität zu gestalten und zu verbessern, bietet ebenfalls die Chance für steigende Fahrgastzahlen im ÖPNV. Neben den Fahrgeldeinnahmen werden die öffentlichen Mittel von Bund, Ländern und/oder der Kommunen zur Finanzierung des ÖPNV und seiner Infrastruktur langfristig unverzichtbar sein. Ein kunden- orientierter, zukunftsfähiger und klimafreundlicher ÖPNV braucht eine dauerhaft auskömmliche Finanzie- rung. Bund und Länder haben die Mittel für den Nahverkehr bereits deutlich erhöht. Ab dem Jahr 2021 wurden die bisher zur Verfügung stehenden GVFG-Mittel auf eine Mrd. € pro Jahr erhöht. Ab dem Jahr 2025 ist eine Verdopplung auf zwei Mrd. € einschließlich Dynamisierung um 1,8 % in den Folgejahren vorgesehen. Die Regionalisierungsmittel werden jährlich ebenfalls ab 2022 um drei % erhöht. Aus Sicht des Bundes sollten die Länder ihre jährlichen Beiträge in entsprechender Höhe steigern. Für weitere Angebots- und Infrastrukturverbesserungen, die vor allem mit Blick auf die Mobilitätswende nötig sind, müssen neue Finanzierungsmodelle entwickelt werden, die eine Verkehrsverlagerung zu Gunsten des ÖPNV unterstützen können. Zur Erreichung einer signifikanten Verlagerung soll das politisch gewollte ÖPNV-Angebot der Zukunft in Nordrhein-Westfalen um 60 % bis 2030 ausgebaut werden. Auch neue Finanzierungsansätze werden nach der NRW-Koalitionsvereinbarung angestrebt. Dazu gehören die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung in den Städten, (z. B. höhere Parkgebühren, Kurzzeitparken, weniger freie Parkplätze), die Einführung einer City-Maut oder eine Finanzierung durch Abgaben. Beispiele wären ein von allen solidarisch finanziertesSeite 21 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 18 Bürgerticket oder die sogenannte Nutzerfinanzierung durch Handel, Arbeitgeber oder Immobilienbesitzer, die von der vorhandenen Infrastruktur profitieren. Solche Instrumente erfordern allerdings einen entspre- chenden rechtlichen Rahmen und den politischen Willen, diesen zu gestalten. Wie sich letztlich der ÖPNV-Anteil im Bedienungsgebiet weiterentwickelt, hängt neben den beschriebenen demografischen Veränderungen wesentlich von den finanziellen Rahmenbedingungen ab, aber u. a. auch davon, ob die steigenden Anforderungen der Fahrgäste an Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Informations- technik mit wachsender Vernetzung erfüllt werden können. Zielstellung der SWBV/SSB ist es, der Mobilitätsdienstleister in Bonn mit einem qualitativ hohen Angebot in der Region in den nächsten Jahren zu sein und den ÖPNV in Bonn und in der Region weiter voran zu bringen. Die Entwicklung und der Einsatz neuer Technologien eröffnen dem öffentlichen Nahverkehr die große Chance auf eine effiziente, klimafreundliche und kundenorientierte Weiterentwicklung der vorhan- denen Angebote sowie die Einführung eines breit gefächerten Mobilitätsportfolios und neuer flexibler An- gebotsformen. Für die Fahrgäste will SWBV/SSB ein zuverlässiger Partner für die Verkehrswende hin zu einem modernen, leistungsstarken und nachhaltigen ÖPNV sein. Erstmalig in Deutschland könnte in Bonn eine Seilbahn in den ÖPNV integriert werden. Seilbahnen bieten den Fahrgästen viel Komfort und sind im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln zuverlässiger, lärm- und emissionsärmer, zudem verbrauchen sie weniger Energie und sind verhältnismäßig preiswert im Bau. Die Seilbahn soll nach derzeitigem Stand rechtsrheinisch über den Rhein bis zum linksrheinischen, auf dem Venusberg gelegenen Universitätsklinikum, verlaufen. Davon würde neben dem Venusberg der gesamt strukturstarke Raum südlich des Zentrums mit tausenden Arbeitsplätzen profitieren. Die Seilbahn würde eine wichtige Querverbindung herstellen, links- und rechtsrheinisch verknüpft mit dem städtischen Bus- und Schienennetz sowie die Anbindungen an das DB-Netz. Auf Basis des positiven Ergebnisses der standardisierten Bewertung wurde die Förderung der Maßnahme für den ÖPNV-Bedarfsplan NRW angemeldet. Der Verkehrsausschuss des Landtages Nordrhein-Westfalen hat am 09. März 2022 die Aufnahme des Projektes in den ÖPNV-Bedarfsplan NRW sowie den ÖPNV-Infra- strukturfinanzierungsplan NRW beschlossen. Damit sind alle formalen Voraussetzungen für eine Fördermit- telbeantragung gemäß § 13 ÖPNVG NRW erfüllt. Um das bedeutende Nahverkehrsprojekt zügig voranzutreiben, sind folgende Schritte notwendig: • Überarbeitung der bestehenden technischen Planung • Vorabstimmung u.a. mit Behörden und maßgeblichen Trägern öffentlicher Belange • Erstellung von Vorgutachten für die Ausschreibung • Durchführung von Ausschreibung und Planfeststellungsverfahren. Neben der Bundesstadt Bonn empfiehlt auch die Geschäftsführung von SWBV, dass der Betrieb der Seilbahn als Bestandteil des Bonner ÖPNV-Netzes durch SWBV übernommen wird.Seite 22 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 19 3.3.3 Müllverwertung In den letzten Jahren befanden sich eine ganze Reihe von Gesetzen und Verordnungen mit direkten Aus- wirkungen auf die MVA in der Beratung oder Beschlussfassung. Zu nennen sind hier vorrangig das Wert- stoffgesetz, die Gewerbeabfallverordnung, das Verpackungsgesetz, das Kreislaufwirtschafts- und Abfallge- setz, die Industrie-Emissionen-Richtlinie, die Ersatzbaustoff-Verordnung, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) sowie der Leitfaden der Kommission für Anlagensicher- heit, ebenso die Überarbeitung des Teilplans Siedlungsabfälle für das Land Nordrhein-Westfalen durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW. Die meisten genannten Regelwerke sind inzwischen umgesetzt oder stehen kurz vor der Verabschiedung. Die aus den Regelwerksänderungen abzuleitenden Konsequenzen für die MVA sind weitestgehend über- schaubar und befinden sich in der Umsetzung bzw. der Umsetzungsplanung, werden allerdings zu Kosten- steigerungen führen, vor allem das BEHG. Ob Schlacken aus Müllverwertungsanlagen zukünftig noch als Ersatzbaustoff zugelassen werden, ist weiterhin fraglich (Ersatzbaustoffverordnung). In der Praxis ist der Einsatz im Grunde nicht mehr möglich und es bleibt nur der Weg auf die Deponie. Die Bundesstadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis haben zwecks Ausbaus der kommunalen Kooperation in der Abfallwirtschaft 2008 den Abfallentsorgungszweckverband REK gegründet und Anfang 2015 um die Landkreise Neuwied und Rhein-Lahn-Kreis sowie zum 1. Januar 2018 um den Kreis Ahrweiler erweitert. Somit umfasst der Verband inzwischen rund 1,35 Mio. Einwohner. Ziel ist die wechselseitige Auslastung der verschiedenen kommunalen Abfallbehandlungs- und -entsorgungsanlagen. Nach Auslaufen der Entsorgungsverträge in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis Ende 2015 haben beide Zweck- verbandsmitglieder die Entsorgung ihrer Siedlungsabfälle auf die REK übertragen. Der Landkreis Ahrweiler ist diesem Beispiel Ende 2017 gefolgt. Die REK wiederum hat die MVA im direkten In-House-Auftrag mit der Verwertung der Abfälle betraut. Im Sinne des Abfallwirtschaftsplans NRW und der dort verankerten Grundsätze der regionalen Entsorgungsautarkie und –nähe wird eine Behandlung der Siedlungsabfälle in der Nähe des Entstehungsortes nicht nur angestrebt, sondern durch die mit der REK gefundene Gesamt- konstruktion erfüllt. Gleichzeitig ist die Auslastung der MVA (und der anderen Entsorgungsanlagen der REK- Mitglieder) stark überwiegend mit kommunalen Abfällen langfristig gesichert. 4 Erklärung zur Unternehmensführung nach § 289f HGB In Anwendung des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungsposi- tionen (FüPoG II) wird für den Zeitraum vom 1. Dezember 2021 bis 30. November 2026 die Zielgröße des Frauenanteils in der SWB für die Ebene Geschäftsführung auf 50 % (1 von 2), für die Ebene Bereichsleitung auf 43 % (3 von 7) und bei der Ebene der Fachbereichsleitung auf 50 % (16 von 32) festgelegt. Darüber hinaus wird, bezogen auf das Landesgleichstellungsgesetz Nordrhein-Westfalen i. d. F. von De- zember 2016, dem entsendenden Rat der Bundesstadt Bonn und den Arbeitnehmervertretern im SWB- Konzern empfohlen, - jeweils getrennt für die jeweiligen Wahlverfahren - bei Wiederbesetzung der Auf- sichtsräte im SWB-Konzern die Vorgaben des § 12 Abs. 3 Landesgleichstellungsgesetz mit einem Frauen- anteil von mindestens 40 % zu beachten.Seite 23 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 20 5 Entsprechenserklärung gemäß Public Corporate Governance Kodex (PCGK) der Bundesstadt Bonn Die Entsprechenserklärung wurde von der Geschäftsführung und dem Aufsichtsratsvorsitzendem am 05. Januar 2023 mit folgendem Wortlaut unterschrieben: "Geschäftsführung und Aufsichtsrat der SWB erklären hiermit gemeinsam, dass dem Public Corporate Governance Kodex der Bundesstadt Bonn vom 28. März 2019 im Geschäftsjahr 2022 mit den folgend aufgeführten Abweichungen entsprochen wurde und wird." 1. Abweichend von Punkt 3.1.3* wurden Handlungsvollmachten gemäß § 54 HGB ohne zeitliche Be- fristung erteilt. Neue Handlungsvollmachten werden seit dem 01. Januar 2022 nur noch mit einer zeitlichen Befristung von zwei Jahren vergeben. Die Handlungsbevollmächtigten unterstützen die Geschäftsführung bei der Sicherstellung eines reibungslosen Betriebes. Die Handlungsvollmachten werden durch Zeichnungsbefugnisse eingeschränkt. 2. Eine konzernweite Compliancemanagement-Richtlinie gemäß Punkt 3.2.12* befindet sich derzeit im Aufbau. Verbindliche Regelungen zur Vermeidung von Korruption (z. B. Beschaffung, Vier-Au- gen-Prinzip) wurden konzernweit festgelegt. 3. Eine konzernweite Compliancemanagement-Richtlinie gemäß Punkt 3.4.2* befindet sich derzeit im Aufbau. Verbindliche Regelungen im Umgang mit Zuwendungen und Vorteilen bestehen bereits in dem Leitfaden "Geschäftsethik und Compliance". 4. In der D&O Versicherung für die Geschäftsführung wurde abweichend von Punkt 3.5.1* gemäß Entscheidung des Aufsichtsrates der SWB GmbH kein der Vergütung angemessener Selbstbehalt vereinbart. Bei neuen Vertragsabschlüssen für haupt- und nebenamtliche Geschäftsführungen wird seit dem 01. Oktober 2022 ein Selbstbehalt festgelegt. Die Änderung soll - vorbehaltlich einer an- derweitigen Entscheidung der maßgeblichen Gremien – auch bei neuen Verträgen nach Wiederbe- stellungen gelten. *Die Punkte beziehen sich auf die Numerierung aus dem Public Corporate Governance Kodex der Bun- desstadt Bonn. Die Gesellschafterversammlung hat mit Umlaufbeschluss vom 30. März 2021 beschlossen, die Regelungen des PCGK der Bundesstadt Bonn anzuwenden. Der Bericht über die Anwendung des Public Corporate Governance Kodex mit Entsprechenserklärung wurde von der Geschäftsführung und dem Aufsichtsratsvorsitzenden am 05. Januar 2023 unterschrieben. 6 Öffentliche Zwecksetzung und -erreichung gem. § 108 Abs. 3 Nr. 2 der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen 6.1 Einhaltung der öffentlichen Zwecksetzung Die SWB ist eine 100%ige Gesellschaft der Bundesstadt Bonn. Gemäß § 3 Abs. 1 des Gesellschaftsvertrages ist Gegenstand des UnternehmensSeite 24 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 21 (a) die sichere, wirtschaftliche sowie umwelt- und ressourcenschonende Versorgung der Bevölkerung mit Energie (Strom, Gas, Fern- und Nahwärme) und Wasser als öffentliche Daseinsvorsorge sowie alle dazuge- hörigen versorgungs- und energiewirtschaftlichen Aufgaben und Dienstleistungen; (b) der öffentliche Personennahverkehr sowie alle dazugehörigen verkehrsbezogenen Aufgaben und Dienstleistungen; (c) der Betrieb des Rheinhafens sowie aller dazugehörigen hafenbezogenen Aufgaben und Dienstleistun- gen; (d) Betriebsführungen für kommunale Unternehmen und Beteiligungsgesellschaften; (e) die wirtschaftlich optimale Nutzung/Gestaltung von Abfallentsorgungskapazitäten der Gesellschaft, der mit der Gesellschaft verbundenen Konzerngesellschaften und des Gesellschafters. Neben der Geschäftsbesorgung für ihre Tochterunternehmen und den Handelsaktivitäten im Entsorgungs- geschäft als operatives Eigengeschäft der SWB sind alle wesentlichen Aktivitäten auf die Organisation und Koordination der Tochterunternehmen ausgerichtet. Daher leitet sich die öffentliche Zwecksetzung aus den mittelbaren Mehrheitsbeteiligungen an der SWBV, der EnW und der MVA ab. Diese wiederum dienen so- wohl im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs als auch im Bereich der Energie- und Wasserversor- gung sowie der Abfallentsorgung der Daseinsvorsorge in der Bundesstadt Bonn und der Region. 6.2 Einhaltung der öffentlichen Zweckerreichung Die SWB trägt aufgrund ihrer Konzeption als Holding dazu bei, dass über den steuerlichen Querverbund innerhalb des SWB-Konzerns insbesondere das Leistungsangebot im öffentlichen Personennahverkehr kos- tengünstig für den Aufgabenträger, die Bundesstadt Bonn, erbracht werden kann. Der öffentliche Zweck wurde damit in 2022 erfüllt. Bonn, den 05. Mai 2023 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB) Dipl.-Ökonom Dipl.-Volkswirt Olaf Hermes Marco Westphal Geschäftsführer GeschäftsführerSeite 25 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 1 Lagebericht für das Geschäftsjahr 2022 1 Grundlagen der Geschäftstätigkeit Geschäftsmodell der Stadtwerke Bonn GmbH (SWB) Auf der Grundlage ihrer strategischen Ausrichtung mit der Ausgliederung der Sparten Versorgung, Verwer- tung und Verkehr in Tochtergesellschaften besteht die Aufgabe der Stadtwerke Bonn GmbH, Bonn, (SWB), neben ihrer strategischen Management-Funktion im Wesentlichen darin, kaufmännische Kernaufgaben in der Konzernholding zu bündeln und diese Dienstleistungen geschäftsbesorgend für alle Tochterunterneh- men zu Marktpreisen anzubieten und abzuwickeln. Damit wird gewährleistet, dass kaufmännische Kernauf- gaben im Konzern nicht mehrfach angesiedelt sind und sich die Tochterunternehmen somit vollkommen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Die Tochterunternehmen in den einzelnen Sparten sind Ener- gie- und Wasserversorgung Bonn/Rhein-Sieg GmbH, Bonn, (EnW), Bonn-Netz GmbH, Bonn, (Bonn-Netz), SWB Regional Ver- und Entsorgung GmbH, Adenau, (SWB Regional) und die Gesellschaft für Energie- und Gebäudemanagement Bonn mbH, Bonn, (EGM) für die Versorgung. In der Sparte Verkehr befinden sich die Stadtwerke Bonn Verkehrs-GmbH, Bonn, (SWBV), die Fahrbetrieb Bonn GmbH, Bonn, (FBG), die Elektrische Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises-SSB-GmbH, Bonn, (SSB), die Regionalverkehr Köln GmbH, Köln, (RVK) und die Bonner City Parkraum GmbH, Bonn, (BCP). In der Sparte Verwertung befinden sich die MVA Müllverwertungsanlage Bonn GmbH, Bonn, (MVA), die refer GmbH, Leverkusen, (refer) und die Returo Entsorgungs GmbH, Leverkusen, (Returo). Neben diesen Sparten besteht seit 2017 die personal- lose Quartier.BonnWest GmbH, Bonn, (QBW) (vormals: Stadtwerke Bonn Bad GmbH, Bonn, (SWBBad)) sowie die nach Abspaltung des Geschäftsbetriebs in 2019 ebenso personallose Stadtwerke Bonn Dienstleistungs- GmbH, Bonn (SWBD). Neben der kaufmännischen Geschäftsbesorgung für ihre Tochtergesellschaften, der Gewährung von Ge- sellschafterdarlehen an Konzerntöchter sowie der Abwicklung des Cash-Managements im Rahmen des zentralen Finanzmanagements bestehen weitere operative Aufgaben der SWB in der Verpachtung des Bon- ner Hafenvermögens, der Verpachtung von Tiefgaragen, der Verpachtung von Teilen des Verkehrsvermö- gens an die Verkehrsgesellschaften. Die SWB fungiert als Makler für das Entsorgungsgeschäft mit der Returo. Zu diesem Zweck hat sich die SWB seit 2015 entsprechend der Entsorgungsfachbetriebsverordnung zertifizieren lassen und unterzieht sich seitdem jährlich einem Audit. Die SWB ist auch Dienstleister für die Bundesstadt Bonn im Bereich des Betriebs und der Unterhaltung der Straßenbeleuchtung. Für andere städtische Ämter und Unternehmen ist die SWB in den Bereichen Rechen- zentrum sowie im Finanz- und Rechnungswesen tätig. 2 Wirtschaftsbericht Mit dem Angriff russischer Truppen auf die Ukraine am 24. Februar 2022 erlebte Europa eine Zeitenwende, die weitreichende Wirkungen auf die globale wirtschaftliche Entwicklung auslöste. Der Krieg in der Ukraine stellt somit eine tiefgreifende Zäsur der weltweiten (Wirtschafts-) Ordnung einer ganzen Generation dar. Er führte somit auch zu stark gestiegenen Preisen für Energie in Europa sowie zu einem Szenario einerSeite 26 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 2 drohenden Gasmangellage. Dies sorgte für deutliche Verwerfungen auf den Energiemärkten und damit unter anderem für stark gestiegene Inflationsraten im zweistelligen Bereich. Die geopolitisch neue Konstellation sorgt überdies für gestörte bzw. unsichere Lieferketten, welche den steigenden Preisen weiteren Aufschub geben. 2.1 Branchenbezogene Rahmenbedingungen Die Entwicklung der Stadtwerkebranche wird durch die Entwicklungen in den Bereichen Energieversorgung, öffentlicher Personennahverkehr und Müllverwertung geprägt. Im letzten Jahr haben die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und die Energiekrise die wirtschaftliche Entwicklung aller Unternehmenstöchter maßgeb- lich mitbestimmt. Mit dem Krieg in der Ukraine ergeben sich deutliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die SWB spürt diese durch die massiven vorgelagerten Kostensteigerungen im Energiesektor und im Verkehrs- bereich, die Inflation ist zudem auf dem Abfallmarkt deutlich zu spüren. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die Energiekrise waren maßgebliche Treiber für die bis ins Jahr 2023 andauernde historisch hohe Inflationsrate von 7,9 % im Jahresdurchschnitt nach dem Verbrau- cherpreisindex gegenüber dem Vorjahr. Die dadurch bedingten steigenden Preise in jeglichen Wirtschafts- bereichen, traf die SWB sowie die weiteren Geschäftsfelder, insbesondere im Bereich der Energie, in hohem Maße. Ein Thema, welches die gesamte Stadtwerkebranche zudem immer stärker betrifft, ist die Digitalisierung. Dies bezieht sich auf die Verbesserung und Optimierung von Abläufen und Prozessen. Die digitale Trans- formation ist aus Stadtwerkesicht eines der wichtigsten Themen der nächsten Jahre, an dem in allen Ge- schäftsbereichen auch in Zusammenarbeit mit der konzerneigenen IT-Abteilung gearbeitet wird. Neben den internen Digitalisierungsprojekten, stehen zunehmend auch digitale Geschäftsmodelle im Fo- kus. 2.1.1 Energieversorgung Das Börsenpreisniveau war auch im Jahr 2022 einer der prägenden Einflüsse auf die Energiewirtschaft. Die Strompreise am EPEX (European Power Exchange) Spotmarkt stiegen von rund 100 € je Megawattstunde zu Jahresanfang ab dem zweiten Quartal mit zunehmender Geschwindigkeit auf Höchststände von 800 € im August/September, bevor sie sich bis Dezember etwas erholten und zwischen 200 und 400 € schlossen. Die Preise für Jahres-Strom Futures stiegen parallel zeitweise auf 900 € je Megawattstunde (Base) bzw. 1.200 € je Megawattstunde (Peak). Die Haushaltsstrompreise stiegen ebenfalls substanziell von rund 32 Ct./kWh in 2021 auf 37 Ct./kWh im 1. Halbjahr 2022 und trotz des Wegfalls der EEG-Umlage weiter auf 40 Ct./kWh im 2. Halbjahr 2022. Ursache waren im Wesentlichen die von rd. 8 Ct./kWh auf über 20 Ct./kWh gestiegenen Beschaffungskosten. Die Erdgaspreise für den Großhandel auf dem Terminmarkt für Jahresfuture 2023 lagen im Jahr 2022 bei durchschnittlich 118,71 € je Megawattstunde. Dies entspricht einer deutlichen Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, in welchem der Durchschnittpreis bei 34,04 € je Megawattstunde war. Zeitweise lag der Preis bei über 300 € je Megawattstunde.Seite 27 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 3 Im Jahr 2022 sank der Primärenergieverbrauch gegenüber dem Vorjahr um 162 TWh auf 3.286 TWh (- 4,7 %). Das resultierte aus einem starken Rückgang bei Erdgas und Kernenergie, während Erneuerbare, Kohle und Mineralöl leicht zulegten. Wesentliche Einflussfaktoren waren die über das Jahr gesehen milde Witterung sowie Einspareffekte in Folge des hohen Preisniveaus insbesondere bei fossilem Erdgas. Gegen- läufige verbrauchssteigernde Faktoren ergaben sich aus dem Wegfall von Einschränkungen aufgrund der Corona-Maßnahmen. Der Bruttostromverbrauch lag mit 550 TWh niedriger als 2021, in etwa wieder auf dem Niveau von 2020. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch stieg gleichzeitig um rund 5 % von 234 TWh auf 255 TWh (46 %), vor allem zurückzuführen auf die sonnige und windreiche Witterung. Der Krieg in der Ukraine löste die Corona-Pandemie auch im Rahmen des Politikbarometers der For- schungsgruppe Wahlen im Jahr 2022 relativ ansatzlos als das wichtigste Thema ab. Ab Mitte des Jahres traten dann zunehmend Kosten/Löhne/Preise und Klima/Energiewende in den Vordergrund. Ukraine, Kos- ten und Energiewende waren auch zum Jahresende das dominante Thema. Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf Energieversorgung und Preise waren das beherrschende energiepolitische Thema des Jahres 2022. Noch Anfang 2022 deckten Importe aus Russland lt. BMWK etwa 35 % des Ölverbrauchs, 50 % des Steinkohleverbrauchs und 55 % des Erdgasverbrauchs. Kohle- und Ölim- porte aus Russland wurden mit Embargos belegt und bis Ende 2022 eingestellt. Zur Reduzierung der deut- lich schwieriger zu substituierenden Erdgasimporte aus Russland präsentierte die Europäische Kommission mit ihrem REPowerEU-Plan für europäische Energiesouveränität ein Maßnahmenpaket, das bereits zum Jah- resende 2022 einen deutlichen Rückgang ermöglichen sollte. Zur Kompensation fehlender Mengen wurde u. a. die Nutzung der heimischen Braunkohle ausgeweitet, einige Braun- und Steinkohleblöcke reaktiviert und geplante Abschaltungen verschoben, außerdem wurde die Laufzeit der drei verbleibenden deutschen Kernkraftwerke verlängert. Das LNG-Beschleunigungsgesetz forcierte den Bau von LNG-Terminals, das erste Terminal ging zum Jahresende bei Wilhelmshaven in Betrieb. Zudem wurden Gasspeicherbetreiber zum Füllen ihrer Gasspeicher verpflichtet und weitergehende Möglichkeiten zur Treuhandverwaltung und Ent- eignungen kritischer Energieinfrastruktur unter definierten Bedingungen geschaffen. Neben diesen infrastrukturellen Ansätzen und der fossilen Diversifizierung fokussierte die Bundesregierung auf Energiesparmaßnahmen und finanzielle Entlastungen. Verordnungen für kurz- und mittelfristig wirk- same Energiesparmaßnahmen schrieben unter anderem niedrigere Mindestraumtemperaturen, eine Ein- schränkung der Außenbeleuchtung sowie verpflichtende Heizungsoptimierungen für große Wohngebäude, Firmen und öffentliche Gebäude mit einer Gas-Zentralheizung fest. Im Laufe des Jahres beschloss die Re- gierung drei Entlastungspakete mit einem Volumen von insgesamt 95 Mrd. € sowie ein Sondervermögen in Höhe von 200 Mrd. € für einen „Abwehrschirm“ unter dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) gegen die Folgen des Krieges. Der Bund übernahm im Dezember zunächst die Kosten eines ungefähren Gas-Mo- natsbedarfes. Ab Januar 2023 greift für private Endkunden und KMUs eine Preisbegrenzung auf 12 Cent/kWh (Erdgas), auf 9,5 Cent/kWh (Fernwärme) und auf 40 Cent/kWh (Strom) für 80 % ihres Ver- brauchs, für Industriekunden auf 7 Cent/kWh (Erdgas), auf 7,5 Cent/kWh (Fernwärme) und auf 13 Cent/kWh (Strom) für 70 % ihres Verbrauchs. Diese Maßnahmen sollen aus dem WSF sowie der Abschöpfung von Zufallsgewinnen bei Stromerzeugern ab dem 1. Dezember 2022 finanziert werden.Seite 28 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 4 Neben den dargestellten Maßnahmen wurde auf europäischer Ebene die Arbeit am „Fit for 55“-Klimaschutz- paket fortgesetzt. Dazu zählen u.a. ein Zulassungs-Stopp für PKW und leichte Nutzfahrzeuge mit fossilem Verbrennungsmotor ab 2034, nochmalige Verschärfung der europäischen Klimaziele bezüglich der Treib- hausgasminderungen, oder Anpassung und Ausweitung des EU-Emissionshandelssystems um weitere Sek- toren und Emissionskategorien. In Deutschland wurden beispielsweise die Ausbauziele für erneuerbare Energien auf See und an Land deutlich angehoben und die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaf- fen, sowie das Effizienzhaus 55 als Standard für den Neubau verbindlich festgelegt. 2.1.2 Öffentlicher Personennahverkehr Die Fahrgastzahlen im Öffentlichen Nahverkehr haben sich Ende des Jahres 2022 durchschnittlich bei rund 90 % derer des Vor-Corona-Jahres 2019 eingependelt. Nach einer Auswertung des VDV lagen während der 9-Euro-Ticket-Zeit von Juni bis August 2022 die Fahr- gastzahlen durchschnittlich 10 % über den Monatswerten von 2019. Einzelne Verkehrsunternehmen ver- zeichneten im August 2022 sogar 71 % mehr Fahrgäste als im Vor-Corona-Sommer. Der positive Effekt des 9-Euro-Tickets zur Bekämpfung des Klimawandels ist nachweisbar. Die Menschen waren bereit, auf Bus und Bahn umzusteigen. Seit Verkaufsstart Ende Mai sind rd. 52 Mio. 9-Euro-Tickets verkauft worden. Hinzu kamen mehr als zehn Mio. Abonnentinnen und Abonnenten, die das vergünstigte Ticket jeweils monatlich über den Aktionszeitraum automatisch erhalten haben. 10 % der Fahrten mit dem Ticket haben eine Fahrt ersetzt, die sonst mit dem PKW unternommen worden wäre. Insgesamt liegt der Anteil der aus anderen Verkehrsmitteln verlagerte Fahrten bei 17 %. Die durchschnittliche Einsparung an Klimagasen (CO2-Äquivalenten) je Monat durch das Ticket beträgt rd. 600.000 Tonnen CO2. Insgesamt ist so viel CO2 eingespart worden wie durch ein Jahr Tempolimit. Die Einführung des Deutschlandtickets als Nachfolgelösung ist ein Meilenstein zur weiteren Attraktivierung des ÖPNV, denn das digitale Ticket ermöglicht eine deutschlandweite, einfache Nutzung des ÖPNV. Das Ticket für den ÖPNV ist zu einem Einführungspreis von 49 € pro Monat im monatlich kündbaren Abonne- ment ab 01. Mai 2023 vorgesehen. 2.1.3 Müllverwertung Nach Einschätzung der Geschäftsführung der MVA muss sich die thermische Abfallverwertung langfristig – d.h. mit Blick auf die kommenden 4 bis 5 Jahrzehnte – zu einer Übergangstechnologie entwickeln, die auf das Ziel einer abfallarmen Gesellschaft einzahlt und sich an der Erreichung dieses Ziels proaktiv beteiligt. Die Entwicklung des Siedlungsabfallaufkommens der letzten 10 Jahre im Allgemeinen und während der Corona-Pandemie im Besonderen zeigt leider, dass hier noch ganz erhebliche Veränderungen im Verhalten von Verbrauchern und Produzenten erforderlich sind und der o.g. Übergangszeitraum eher noch als opti- mistisch einzuschätzen ist. Das gewährleistet einerseits eine hohe Sicherheit für das aktuelle Geschäftsmo- dell, sollte aber dennoch zur intensiven Evaluierung weiterer bzw. alternativer Geschäftsfelder genutzt wer- den. Das bisherige zweite Geschäftsfeld der Energieversorgung gewinnt dabei zukünftig zunehmend an Bedeutung – wie sich bereits im Zuge der Ukraine-Krise mehr als deutlich gezeigt hat.Seite 29 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 5 2.2 Geschäftsverlauf Die für die Gesellschaft bedeutsamsten Leistungsindikatoren sind die Erträge aus Beteiligungen sowie das Jahresergebnis. Die prognostizierten Erträge aus Beteiligungen, welche im Wesentlichen aus der Gewinnausschüttung der SWBB sowie der Radio Bonn/Rhein-Sieg GmbH & Co. KG, Bonn und der Returo Entsorgungs GmbH, Lever- kusen, (Returo) resultieren, betrugen laut Wirtschaftsplan 2022 rd. 16,8 Mio. € und wurden mit rd. 21,7 Mio. € um rd. 4,9 Mio. € überschritten. Grund für die Abweichung im Vergleich zur Prognose ist eine um rd. 4,8 Mio. € höhere Ausschüttung der SWBB an die SWB . Das Jahresergebnis der SWB wurde mit rd. -18,5 Mio. € prognostiziert und mit einem Jahresfehlbetrag von 1,1 Mio. € um rd. 17,4 Mio. € überschritten. Dies resultiert aus einer um 9,6 Mio. € niedrigeren Ausgleichs- leistung im Rahmen der Marktorientierten Direktvergabe (MoD) an die SWBV und der um 4,8 Mio. € höhe- ren Ausschüttung an die SWB. Der Geschäftsverlauf der SWB wird im Wesentlichen davon geprägt, die kaufmännischen Kernaufgaben in der Konzernholding zu bündeln und diese Dienstleistungen geschäftsbesorgend für alle Tochterunterneh- men zu Marktpreisen anzubieten und abzuwickeln. Die Abrechnung dieser Tätigkeiten erfolgt im Rahmen von Geschäftsbesorgungsverträgen, deren Umfang jährlich an die Gegebenheiten angepasst wird. Sollten daneben weitere Aufgaben für Tochtergesellschaften übernommen werden, erfolgt deren Abrech- nung rein nach dem Aufwandsprinzip. Darüber hinaus wurde seit 2016 das Maklergeschäft von der MVA übernommen. Dementsprechend agiert die SWB erfolgreich als Makler für das Entsorgungsgeschäft mit der Returo. Im Jahr 2019 hat der Bonner Stadtrat den Klimanotstand ausgerufen und sich durch einen Beschluss zum Ziel gesetzt, bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen. Die SWB und ihre Konzerngesellschaften unterstützen diese Zielsetzung und haben durch eigene Beschlüsse entschieden, dass sich der SWB-Konzern bis 2035 zur CO2-Neutralität verpflichten wird. Die klimafreundliche Gestaltung der Geschäftstätigkeiten und die Einspa- rung von CO2-Emissionen sind für die Stadtwerke seit jeher ein großes Anliegen. Im Jahr 2020 wurde daher für das Jahr 2019 eine erste Treibhausgasbilanz erstellt. Diese wird seither jährlich fortgesetzt, um eine transparente Erfassung der Treibhausgas-Emissionen sicherzustellen. Die Treibhausgasbilanz für das Ge- schäftsjahr 2022 wird im Juni 2023 den Gremien vorgestellt. Perspektivisch sollen ein verbindlicher Maßnahmenkatalog und spartenspezifische Strategien die kontinu- ierliche Senkung der Treibhausgas-Emissionen bis 2035 absichern. Diese Maßnahmen und Strategien wer- den gemeinsam mit den SWB-Aufsichtsräten (AR) in einer Workshopreihe zur CO2-Neutralität entwickelt. Dazu haben im Jahr 2022, nach einem Auftaktworkshop im November 2021, vier Workshops zu den The- menfeldern Wärmewende, Elektrifizierung und Wasserstoff stattgefunden. Die Workshops verfolgen das Ziel, mit Beteiligung der Aufsichtsräte die einzelnen Themenfelder zu bearbeiten und Lösungsszenarien zu entwickeln. Für das Jahr 2023 sind zwei weitere AR-Workshops mit den Themenschwerpunkten CO2-Ab- scheidung, Optimierung Beteiligungsportfolio und CO2-Kompensation sowie Klimaschutzmaßnahmen vor- gesehen. Damit stellen diese AR-Dialoge eine wesentliche Grundlage für die Weiterentwicklung der Road- map zur CO2-Neutralität 2035 dar. Der Rat beauftragte im Mai 2020 die Verwaltung, die im Rahmen desSeite 30 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 6 Klimanotstands beschlossenen Einzelmaßnahmen in einem auf Klimaneutralität bis 2035 ausgerichteten Umsetzungsplan einzubetten, der sowohl die Operationalisierung als auch die Finanzierung beschreibt. Alle Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität 2035 sollen auf die mit ihnen erreichbare Emissionsmin- derung bewertet und priorisiert werden. Der Umsetzungsplan wird mit Zielkorridoren für die CO2-Minderung hinterlegt. Ein regelmäßiges Monito- ring soll die Maßnahmen begleiten. Beim Nichterreichen der Zwischenziele schlägt die Verwaltung Maß- nahmen vor, wie die Klimaneutralität bis 2035 erreicht werden kann. Als ein Bestandteil des Klimaplans wurde ein „Arbeitsprogramm Klimaschutz“ erarbeitet, welches die sog. Steckbriefe beinhaltet, die sortiert nach Handlungsfeldern und Handlungsschwerpunkten Aktivitäten vorschlagen. Der Stadtwerke Bonn Kon- zern ist von insgesamt 37 Steckbriefen (Haupthandlungsfelder: Energie und Mobilität) betroffen und über- nimmt bei vier Steckbriefen die Federführung. 2.2.1 Energieversorgung Durch Neukundengewinne, insbesondere im Großkundensegment, konnte der Stromabsatz gegenüber 2021 gesteigert werden. Gleichzeitig war ein witterungsbedingter Rückgang des Gas- und Wärmeabsatzes zu verzeichnen, der insgesamt zu einem Rückgang des Energieabsatzes führte. Bereits früh im Jahr wurde aufgrund der befürchteten Gasmangellage im Herbst/Winter politisch und gesellschaftlich zu Einsparungen aufgerufen. Diesem Aufruf sind viele Kunden gefolgt, so dass der Wärmeabsatz auch deutlich durch den sparsameren Einsatz von Energie gesunken ist. Die Umsatzerlöse der EnW belaufen sich auf 456.978 T€ (Vorjahr 349.932 T€) und liegen damit um 107.046 T€ über dem Vorjahr und um 96.062 T€ über dem prognostizierten Umsatz für 2022. Verantwort- lich dafür sind im Strom Preis- und Absatzsteigerungen, während die höheren Umsätze bei Erdgas und Wärme auf gestiegene Preise zurückzuführen sind. Im Vergleich zum prognostizierten Jahresergebnis 2022 in Höhe von 48.646 T€ ist das Jahresergebnis mit 46.978 T€ um 1.668 T€ geringer ausgefallen. Wesentlich für das im Vergleich zur Prognose geringere Jah- resergebnis sind die gegenüber dem Plan um 98.274 T€ höheren Materialaufwendungen sowie die um 2.756 T€ gesunkenen Erträge aus Ergebnisabführung der Bonn-Netz. Gegenläufig sind die Umsatzerlöse um 96.062 T€ sowie die sonstigen betrieblichen Erträge um 2.377 T€ höher ausgefallen als geplant. 2.2.2 Öffentlicher Personennahverkehr Die Auswirkungen der anhaltenden Corona-Pandemie auf die Fahrgastzahlen und Einnahmen waren auch im Geschäftsjahr 2022 weiterhin bemerkbar. Um die Fahrgäste und das Personal bestmöglich zu schützen und die Ansteckungsgefahr in den Fahrzeugen, Stationen und in dem Unternehmen zu minimieren, sind die Sicherheitskonzepte und die damit einhergehenden erhöhten Reinigungs- und Belüftungsmaßnahmen weitergeführt worden. Des Weiteren wurde auch 2022 die Durchsetzung der Maskenpflicht im ÖPNV für Fahrgäste und die Kontrolle der Einhaltung dieser Pflicht fortgesetzt. Die Maskenpflicht im ÖPNV ist in Nordrhein-Westfalen Anfang Februar 2023 aufgehoben worden. Der von Bund und Ländern beschlossene ÖPNV-Rettungsschirm hat auch 2022 die Einnahmeausfälle der Verkehrsbetriebe aus dem Rückgang der Fahrgeldeinnahmen durch den Ausbruch von COVID-19 und derSeite 31 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 7 temporären Einführung des 9-Euro-Tickets in den Monaten Juni bis August 2022 kompensiert und somit vor dauerhaften wirtschaftlichen Schäden bewahrt. Im Berichtsjahr konnte eines der größten Infrastrukturprojekte von SWBV in Betrieb genommen werden. Nach 40 bis 50 Jahren hatte die alte Stellwerkstechnik ausgedient. Drei neue Stellwerke sind seit August in den Bereichen Bonn Hauptbahnhof, Bundesrechnungshof und Ramersdorf in Betrieb. Auf der Stadtbahn- strecke Bonn zwischen Hauptbahnhof und Ramersdorf sind seit dem Start des Projektes mehr als 200 Kilo- meter Kabel verlegt, 66 Weichen eingebaut und rd. 230 Signale installiert worden. Wo früher Glühlampen im Einsatz gewesen sind, melden jetzt mehr als 700 energiesparende LEDs, ob Streckenabschnitte freige- geben sind. Die im zukunftssicheren System integrierte Technik ist weniger störanfällig und bietet den höchsten Sicherheitsstandard, mehr als 99 % Verfügbarkeit und verbessert so den Service für die Fahrgäste. Durch die Installation von zusätzlichen Signalen verkürzt sich in einigen Teilabschnitten, in denen Bahnen aufeinander folgen können, die Fahrzeit. Der Verlust des Berichtsjahres beträgt 11.239 T€ nach einem Verlust von 5.877 T€ im Vorjahr, der aufgrund des Ergebnisabführungsvertrages von der Stadtwerke Bonn Beteiligungs-GmbH (SWBB) übernommen wird. Für 2022 hat die Gesellschaft einen Verlust in Höhe von 18.313 T€ im Lagebericht des Vorjahres prognosti- ziert. Ursächlich für den gegenüber Plan geringeren Verlust in Höhe von 7.074 T€ sind im Wesentlichen die um 20.826 T€ gegenüber Plan höheren sonstigen betrieblichen Erträge. Diese resultieren im Wesentlichen aus Billigkeitsleistungen aus dem Corona Rettungsschirm zum Ausgleich für entstandene Schäden im ÖPNV. Demgegenüber sind die Umsatzerlöse um 11.337 T€ geringer ausgefallen als prognostiziert. Des Weiteren resultieren die Veränderungen gegenüber der Prognose aus um 3.930 T€ höheren Materialauf- wendungen sowie um 2.255 T€ niedrigeren Abschreibungen. 2.2.3 Müllverwertung Um einen wirtschaftlichen Betrieb einer technisch anspruchsvollen Abfallverwertungsanlage gewährleisten zu können, ist eine gute Auslastung bei gleichzeitiger hoher technischer Verfügbarkeit der vorhandenen Kapazitäten unbedingte Voraussetzung. Die Zeitverfügbarkeit der MVA lag im Jahr 2022 bei 95,6 % und damit genau auf dem Vorjahrsniveau von 95,6 % und somit auch über dem Planwert von 95,3 %. Der Grund für die relativ hohe Verfügbarkeit liegt an der Einhaltung der Revisionszeiträume sowie keiner relevanten Ausfallzeiten. Aus der Verbrennung der Abfälle konnte im Jahr 2022 eine Dampfmenge von 426.883 MWh an das be- nachbarte Heizkraftwerk-Nord der EnW geliefert werden. Diese ebenfalls im SWB-Konzern angesiedelte Schwestergesellschaft der MVA nutzt den Dampf überwiegend in Kraft-Wärme-Kopplung zur Erzeugung von Strom und Fernwärme. Im Vergleich zum Vorjahr liegt das Jahresergebnis (vor Ergebnisübernahme und Ausgleichszahlung) im Be- richtsjahr mit -28 T€ um 999 T€ unter dem prognostizierten Ergebnis für 2022 in Höhe von 971 T€. Ursäch- lich hierfür sind im Wesentlichen die um 942 T€ gegenüber Plan gesunkenen Umsatzerlöse durch die redu- zierte Abfallanlieferung des REK. Zusätzlich sind aufwandseitig insbesondere die sonstigen betrieblichenSeite 32 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 8 Aufwendungen um 1.284 T€ gegenüber Plan gestiegen. Demgegenüber stehen reduzierte Aufwendungen im Bereich Materialaufwand in Höhe von 846 T€ (ermöglicht durch einen reduzierten Preis für die Schlacke – Gutschrift refer) sowie ein reduzierter Abschreibungsaufwand in Höhe von 460 T€. 2.3 Lage 2.3.1 Ertragslage Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Entwicklung der Ertragslage der SWB im Vergleich zum Vorjahr: 2022 in T€ 2021 in T€ Veränderung in T€ Veränderung in % Umsatzerlöse 57.144 55.338 1.806 3,3 Andere aktivierte Eigenleistungen 378 79 299 >100 Sonstige betriebliche Erträge 10.286 9.931 355 3,6 Gesamtleistung 67.807 65.348 2.459 3,8 Materialaufwand 12.294 12.155 139 1,1 Personalaufwand 27.452 28.170 -718 -2,5 Abschreibungen 3.434 3.801 -367 -9,7 Sonstige betriebliche Aufwendungen 45.197 49.477 -4.280 -8,7 Sonstige Steuern 166 167 -1 -0,3 Gesamtaufwand 88.544 93.770 -5.226 -5,6 Betriebsergebnis -20.736 -28.422 7.686 -27,0 Finanzergebnis 21.788 33.007 -11.219 -34,0 Ergebnis vor Steuern 1.052 4.585 -3.533 -77,1 Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 2.156 4.540 -2.384 >100 Ergebnis nach Steuern -1.104 45 -1.149 -2.554,4 Jahresfehlbetrag/-überschuss -1.104 45 -1.149 -2.554,4 Kennzahlen 2022 2021 Materialaufwandsquote in % 21,4 21,9 Personalaufwandsquote in % 40,5 43,1 Anzahl Mitarbeiter im Ø incl. Auszubildende 364 352 Personalaufwand pro Kopf (FTE) in T€ 87 89 Entgegen der handelsrechtlichen Regelung wurden die sonstigen Steuern vor dem Betriebsergebnis ge- zeigt. Die Gesamtleistung ist im Vergleich zum Vorjahr (65.348 T€) mit 67.807 T€ um 2.459 T€ gestiegen. Die Umsatzerlöse sind von 55.338 T€ um 1.806 T€ auf 57.144 T€ gestiegen. Der Anstieg resultiert im We- sentlichen aus gestiegenen Erlösen aus Müllverbrennung (795 T€).Seite 33 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 9 Die sonstigen betrieblichen Erträge in Höhe von 10.286 T€ (Vorjahr 9.931 T€) beinhalten im Wesentlichen von der Bundesstadt Bonn an die Gesellschaft geleistete ÖPNV-Zuwendungen für Angebotsverbesserungen zur Steigerung der ÖPNV-Nutzung der Bundesstadt Bonn in Höhe von 9.700 T€ (Vorjahr 8.614 T€). Der Materialaufwand ist um 139 T€ auf 12.294 T€ (Vorjahr 12.155 T€) gestiegen. Die auf die Gesamtleistung (abzgl. der sonstigen betrieblichen Erträge) bezogene Materialaufwandsquote beträgt 21,4 % (Vorjahr 21,9 %). Der Personalaufwand hat sich aufgrund von niedrigeren Aufwendungen für die Pensionsrückstellungen von 28.170 T€ um 718 T€ auf 27.452 T€ reduziert. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind von 49.477 T€ um 4.280 T€ auf 45.197 T€ gesunken. Der Rückgang ist im Wesentlichen auf die reduzierten MoD-Ausgleichszahlungen (- 4.847 T€) zurückzuführen. Der Rückgang des Finanzergebnisses im Vergleich zum Vorjahr (11.219 T€) resultiert im Wesentlichen aus einer niedrigen Ausschüttung der SWBB (13.171 T€) innerhalb der Erträge aus Beteiligungen. Demgegen- über hat es im Berichtsjahr nur geringfügige Aufwendungen aus Verlustübernahmen (Vorjahr-1.515 T€) gegeben. Die Steuern vom Einkommen und Ertrag sind von 4.540 T€ um 2.384 T€ auf 2.156 T€ gesunken. Der Rück- gang ist im Wesentlichen auf eine Anpassung der Steuern für Vorjahre zurückzuführen. Das Jahresergebnis liegt mit -1.104 T€ um 1.149 T€ unter dem Ergebnis des Vorjahres (45 T€). 2.3.2 Finanzlage Im Berichtsjahr ist der Finanzmittelfonds gegenüber dem Vorjahr (-22.290 T€) um 31 T€ gestiegen. Zum 31. Dezember 2022 besteht ein Saldo in Höhe von -22.259 T€. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr resultiert aus Zahlungsmittelabflüssen aus dem Cashflow der lau- fenden Geschäftstätigkeit in Höhe von -32.638 T€ (Vorjahr 16.313 T€) und aus der Finanzierungstätigkeit in Höhe von -5.797 T€ (Vorjahr -5.867 T€). Demgegenüber stehen Zahlungsmittelzuflüsse aus dem Cashflow aus der Investitionstätigkeit in Höhe von 38.466 T€ (Vorjahr 22.612 T€). Im Einzelnen ergibt sich folgendes Bild: 2022 in T€ 2021 in T€ Mittelabfluss (i. Vj. Mittelzufluss) aus der laufenden Geschäftstätigkeit -32.638 16.313 Mittelzufluss aus der Investitionstätigkeit 38.466 22.612 Mittelabfluss aus der Finanzierungstätigkeit -5.797 -5.867 Veränderung des Finanzmittelfonds 31 33.058 Finanzmittelfonds am Anfang der Periode -22.290 -55.348 Finanzmittelfonds am Ende der Periode -22.259 -22.290Seite 34 von 145 Stadtwerke Bonn GmbH (SWB), Bonn Anlage III Seite 10 2.3.2.1 Kapitalstruktur Die SWB führt den konzernweiten Cash-Pool des Stadtwerke-Konzerns. Hierüber wird auch der eigene kurz- fristige Kapitalbedarf oder Kapitalüberschuss ausgeglichen. Die Gesellschaft weist eine Eigenkapitalquote von 55,9 % (Vorjahr 52,6 %) aus. Das Anlagevermögen ist zum Bilanzstichtag zu 106,1 % (Vorjahr 106,0 %) durch Eigenkapital und mittel- bzw. langfristiges Fremdkapital gedeckt und ist somit lang
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 10:03 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de