212065-04 · Beschlussvorlage
Antrag auf Ächtung des N*-Wortes
Kerndaten
- Nummer
- 212065-04
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 17.03.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 212065-04 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 05 Amt für Integration und Vielfalt Dezernat: Dez. OB Antrag auf Ächtung des N*-Wortes Beratungsfolge Rat 17.03.2022 Entscheidung Beschlussvorschlag 1- Die Stadt Bonn setzt die Ziele der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft um und erkennt insbesondere, dass die Verwendung des N*Wortes rassistisch ist. 2- Die Stadt ergreift die notwendigen Sensibilisierungsmaßnahmen und Bildungsangebote, um rassistischen Stereotypen bezüglich Schwarzen Menschen entgegenzuwirken. Hier ist besonderes Gewicht auf Aufklärung und Sensibilisierung im schulischen Bereich zu legen. 3- Die Stadt Bonn setzt sich dafür ein, dass die Verwendung des N*Worts geächtet wird, um Schwarzen Menschen und PoC ein friedvolles und angenehmes Leben in Bonn zu ermöglichen. Dies betrifft explizit nicht Selbstbeschreibungen von Schwarzen Menschen. 4- Die Stadt Bonn spricht sich gegen Racial Profiling aus und kommuniziert dies in den entsprechenden Behörden. 5- Vor diesem Hintergrund lehnt der Rat der Bundesstadt Bonn jede Form von Extremismus, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und religiös motivierte Gewalttätigkeit ab. Wir setzen uns für Solidarität, Freiheit, gegenseitigen Respekt und friedliches Miteinander ein. Begründung Der o.a. Beschlussvorschlag geht zurück auf eine Anregung, die der Integrationsrat Bonn in seiner Sitzung am 15.02.2022 an den Bonner Stadtrat ausgesprochen hat, damit dieser in Anerkennung der aktuellen UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft und der aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskussion zu kolonialen Klischees und rassistischen Stereotypen in NRW die vorgenannten Punkte beschließen möge. Diese Anregung geht zurück auf einen Antrag der SPD-Liste, der um die Ziffern 4 und 5 ergänzt wurde. Die ergänzte Ziffer 4 geht auf einen mündlichen Antrag von Herrn Acharki ( DiverCityBonn) zurück. Die ergänzte Ziffer 5 geht auf den Änderungsantrag von Herrn ÖztürkerSeite 1 von 5 Seite 2 (Internationale Liste) zurück. Der geänderte Antrag wurde nach namentlicher Abstimmung gem. §50 (1) S. 3 GO NRW mit Mehrheit bei 8 Gegenstimmen beschlossen. Diesbezüglich stellte der Antragssteller (SPD-Liste) einen mündlichen Antrag gem. §27 (8) S. 3 GO NRW, dass der geändert beschlossene Antrag auf Ächtung des N*-Wortes in den Rat der Stadt Bonn eingebracht wird. Der Antrag auf Einbringung wurde mehrheitlich angenommen. - - - - - Der ursprüngliche Antrag der SPD-Liste lautete: Beschlussvorschlag: Der Integrationsrat Bonn bittet den Bonner Stadtrat, in Anerkennung der aktuellen UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft und der aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskussion zu kolonialen Klischees und rassistischen Stereotypen in NRW – siehe etwa (2) oder (3), Folgendes zu beschließen: 1- Die Stadt Bonn setzt die Ziele der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft um und erkennt insbesondere, dass die Verwendung des N*Wortes rassistisch ist. 2- Die Stadt ergreift die notwendigen Sensibilisierungsmaßnahmen und Bildungsangebote, um rassistischen Stereotypen bezüglich Schwarzen Menschen entgegenzuwirken. Hier ist besonderes Gewicht auf Aufklärung und Sensibilisierung im schulischen Bereich zu legen. 3- Die Stadt Bonn setzt sich dafür ein, dass die Verwendung des N*Worts geächtet wird, um Schwarzen Menschen und PoC ein friedvolles und angenehmes Leben in Bonn zu ermöglichen. Dies betrifft explizit nicht Selbstbeschreibungen von Schwarzen Menschen. Begründung: Das N*Wort wird von vielen schwarzen Menschen und PoC mit Leid, Diskriminierung, Gewalt, Ungleichheit und Entmenschlichung verbunden. Mit dem N*Wort sind eine Vielzahl von rassistischen Stereotypen verbunden. Diese Stereotypen umfassen Sexualrepression, wie Triebhaftigkeit und Naturhaftigkeit, Kulturlosigkeit, Viktimisierung, Infantilisierung sowie Entfremdung (Othering) und führen zu Ohnmachtserfahrungen und psychischen Folgen. Als europäisches Konstrukt der Kolonialzeit, wurde es verwendet, um eine rassistische Unterscheidung herzustellen, Machtverhältnisse zu untermauern und unterdrückende Strukturen zu festigen. Diese Erfahrungen sind auch weiterhin im Bewusstsein verankert. Auch wenn in der jüngeren Zeit vermehrt das N*Wort in satirischen oder komödiantischen Kontexten auftaucht, darf dies nicht über die Verletzungen hinwegtäuschen, die damit einhergehen. Seit 2015 haben die Vereinten Nationen die Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft ausgerufen. Damit erkennt die internationale Gemeinschaft an, dass Menschen afrikanischer Herkunft eine eigenständige Gruppe darstellen, deren Menschenrechte gefördert und geschützt werden müssen. Insbesondere Menschen, die außerhalb von Afrika leben, sollen inSeite 2 von 5 Seite 3 dieser Dekade in den Vordergrund gestellt werden. Ziele der UN-Dekade sind: 1- die Förderung der Achtung, des Schutzes und der Einhaltung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten, 2-die Förderung einer besseren Kenntnis und Achtung des vielfältigen Erbes, der Kultur und des Beitrags von Menschen afrikanischer Herkunft zu Entwicklung von Gesellschaften 3- der Schutz vor Rassismus und Diskriminierung. Bis 2024 sollen alle Staaten sich diesen Zielen verschreiben. (1) Mit N*Wort wird der rassistische Begriff ‚Neger‘ und seine englische Form ‚Nigger‘ (ebenso die Varianten ‚Nigga’ und ‚Negro‘) umschrieben (2) Essay auf der Seite der Bundeszentrale für Politische Bildung: https://www.bpb.de/themen/migration-integration/afrikanische- diaspora/59448/das-n-wort/ (3) Beispiel Köln, Bericht im KStA am 14.2.2020: https://www.ksta.de/koeln/rassismus-debatte-koelner-konditorei-verkauft- schwarzes-gebaeck-mit-knochen-im-haar-36242224 und am 17.02.2020: https://www.ksta.de/koeln/kann-gebaeck-rassistisch-sein-- das-problem-mit-den-koelner--mohrenkoepfen-- 36247964?cb=1635947276156& - - - - - Der Änderungsantrag von Herrn Öztürker (Internationale Liste) lautete: Beschlussvorschlag: Der Rat der Bundesstadt Bonn beschließt folgenden Antrag gegen Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und auf Ächtung des N*Wortes: Die Bundesstadt Bonn ist eine weltoffene, vielfältige, tolerante und internationale Stadt, die mehrere internationale Einrichtungen beherbergt. Hier leben jahrzehntelang mehr als 182 Nationen in Frieden zusammen. Für den Rat der Stadt Bonn ist es wichtig, mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck zu bringen, dass weder Rassismus, Antisemitismus noch Islamfeindlichkeit und Diskriminierung hier einen Platz haben. Wir Bonnerinnen und Bonner sind fest entschlossen, auch in Zukunft gemeinsam friedlich zusammenzuleben und niemals zuzulassen, dass unsere Freiheit durch rechten Terror in Gefahr gebracht wird. Wir sind alle Bonnerinnen und Bonner, egal, wo wir herkommen und welche Hautfarbe sowie Religion wir haben. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Dazu sind wir verpflichtet, denn in Bonn wurde der erste stabile deutsche, freiheitliche, demokratische und soziale Rechtsstaat geschaffen. Daher sind wir sehr wachsam, wenn Faschisten und Rassisten wieder für die Demokratie und das Menschenleben aus rassistischen Gründen eine Gefahr darstellen. Die Ermordung des Regierungspräsidenten von Kassel, Walter Lübcke, im Juni und der im Oktober 2019 verübte Anschlag auf die jüdische Synagoge in Halle sowie der Anschlag im Februar 2020 hat uns vor Augen geführt, wie brutal und gefährlich der Rechtsextremismus ist. Der Rat der Stadt Bonn sieht diese Ereignisse mit großer Besorgnis.Seite 3 von 5 Seite 4 1) Vor diesem Hintergrund lehnt der Rat der Bundesstadt Bonn jede Form von Extremismus, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und religiös motivierte Gewalttätigkeit ab. Wir setzen uns für Solidarität, Freiheit, gegenseitigen Respekt und friedliches Miteinander ein. 2) Als Mitglied der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus und ethnische Diskriminierung seit 2015 setzt sich der Rat der Bundesstadt Bonn dafür ein, dass jegliche Verwendung des N*Wortes in der Stadt Bonn geächtet wird, um schwarzen Menschen und PoC ein friedvolles und angenehmes Leben in Bonn zu ermöglichen. 3) Die Stadt ergreift die entsprechenden bildungssozialen und kulturellen Angebote, um gemäß der Bonner Erklärung gegen Rassismus vom 2009 rassistischen Stereotypen entgegenzuwirken. Begründung: Seit den 1990er-Jahren sind ca. 220 Menschen Opfer des rechten Terrors geworden. Bei dem Brandanschlag im Jahr 1992 in Mölln und im Mai 1993 in Solingen haben 7 Personen ihr Leben verloren. Danach wurden 10 Menschen durch die NSU systematisch ermordet. Die Ereignisse im Jahre 2016 in München, bei denen 9 Menschen von einem 18-Jährigen ermordet wurden, die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walther Lübcke im Juni und der Anschlag auf jüdische Synagoge in Halle 2019 am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, haben die ganze Republik erschüttert. Der Attentäter wollte Massenmord an Juden begehen. Die Holztür hat zum Glück standgehalten. Zuletzt hat der Attentäter von Hanau 10 Menschen ermordet, was uns alle noch einmal erschrocken hat. All diese Morde und Anschläge gehen auf das Konto der Rechtsextremisten, deren Opfer alle Migrantinnen und Migranten waren. Deren Hass und rassistischen Handeln muss gestoppt werden, indem sich die schweigende Mehrheit zu Wort meldet und Haltung zeigt. Daher appellieren wir an alle Bonnerinnen und Bonner, dem Rassismus die Rote Karte zu zeigen und ihn zu stoppen! Das N*Wort wird von vielen schwarzen Menschen und PoC mit Leid, Diskriminierung, Gewalt, Ungleichheit und Entmenschlichung verbunden. Mit dem N*Wort sind eine Vielzahl von rassistischen Stereotypen verbunden. Diese Stereotypen umfassen Sexualrepression wie Triebhaftigkeit und Naturheftigkeit, Kulturlosigkeit, Viktimisierung, Infantilisierung sowie Entfremdung (Osthering) und führen zu Ohnmachtserfahrungen und psychischen Folgen. Als europäisches Konstrukt der Kolonialzeit wurde es verwendet, um eine rassistische Unterscheidung herzustellen, Machtverhältnisse zu untermauern und unterdrückende Strukturen zu festigen. Diese Erfahrungen sind auch weiterhin im Bewusstsein verankert. Auch wenn in der jüngeren Zeit vermehrt das N*Wort in satirischen oder komödiantischen Kontexten auftaucht, darf dies nicht über die Verletzungen hinwegtäuschen, die damit einhergehen. Seit 2015 haben die Vereinten Nationen die Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft ausgerufen. Damit erkennt die internationale Gemeinschaft an, dass Menschen afrikanischer Herkunft eine eigenständige Gruppe darstellen, deren Menschenrechte gefördert und geschützt werden müssen. Insbesondere Menschen, die außerhalb von Afrika leben, sollen inSeite 4 von 5 Seite 5 dieser Dekade in den Vordergrund gestellt werden. Bis 2024 sollen alle Staaten sich diesen Zielen verschreiben. Anlage/n KeineSeite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 05:11 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de