← Vorlagen

212006 · Mitteilungsvorlage

„Bonn4Future – Wir fürs Klima“ – Bericht im Nachgang des ersten Klimaforums (Oktober 2021)

Nummer
212006
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
04.11.2021
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 01.12.2021 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 20.01.2022 Kenntnisnahme
  3. Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung 26.11.2021 Kenntnisnahme
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 1,7 MB Öffnen ↗

Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.

Text anzeigen (12.966 Zeichen)
Mitteilungsvorlage
öffentlich
212006
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
„Bonn4Future – Wir fürs Klima“ – Bericht im
Nachgang des ersten Klimaforums (Oktober 2021)
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
25.11.2021 Kenntnisnahme
Beirat Bürgerbeteiligung 26.11.2021 Kenntnisnahme
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger
01.12.2021 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ hat am
10. und 11. September 2021 das erste Bonn4Future-Klimaforum stattgefunden.
Als externes Dokument ist ein Bericht im Nachgang dieses Klimaforums
angehängt, verfasst von Bonn im Wandel e.V. in Abstimmung mit den
Kooperationspartnern in der Verwaltung.
Hintergrund:
Anfang 2020 haben „Bonn im Wandel“ und die „Klimawache Bonn“ einen
Bürgerantrag zur Beteiligung an der Zielerreichung der Klimaneutralität
eingereicht. Dieser wurde am 4. März 2020 beschlossen (DS 200292).
In der Folge wurde von den Initiatoren in Abstimmung mit der Stadtverwaltung
ein entsprechendes Mitwirkungskonzept erarbeitet (DS 201084). Dieses wurde
vom Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger beschlossen und
die Verwaltung vom Rat beauftragt, mit „Bonn im Wandel“ einen
Kooperationsvertrag zur Koordination und Umsetzung des zweijährigen
Verfahrens abzuschließen. Dafür werden bis Ende 2022 Mittel in Höhe von bis
zu 719.000€ bereitgestellt.
Der Kooperationsvertrag wurde am 27.11.2020 unterzeichnet und am 1.
Dezember 2020 ist das Mitwirkungsverfahren Bonn4Future – Wir fürs Klima“
gestartet.
Bisherige Berichte zum Verfahren: erster Sachstandsbericht (Februar 2021, DS
210174), zweiter Sachstandsbericht (Juli 2021, DS 211269).Seite 1 von 7
Seite 2
Anlage/n
1 Bonn4Future - Bericht im Nachgang des ersten Klimaforums (öffentlich)Seite 2 von 7
BONN4FUTURE - WIR FÜRS KLIMA
Mitteilungsvorlage im Nachgang des ersten Klimaforums
Mit dieser Vorlage möchten wir über den erfolgreichen Verlauf und die Ergebnisse des ersten
Bonn4Future-Klimaforums informieren. Stattgefunden hat es am 10. und 11. September 2021 im
Schauspielhaus Bad Godesberg und Seminarräumen des Zentrums für schulpraktische Lehreraus-
bildung.
Bonn4Future -Hintergrund
Nach dem Entschluss zur Klimaneutralität bis spätestens 2035 beantragte und konzipierte ein Bünd -
nis zivilgesellschaftlicher Initiativen unter Federführung des Vereins Bonn im Wandel e.V. das Mitwir-
kungsverfahren “Bonn4Future - Wir fürs Klima“ (DS 200292). Die Kernbestandteile sind vier Klimafo-
ren, zwei Klimatage, die Bonner Nachhaltigkeitsplattform und ein partizipatives Kommunikationskon-
zept. Im September 2020 beschloss die große Mehrheit der politischen Parteien die Förderung eines
zunächst zweijährigen Beteiligungsverfahrens in Höhe von 719.000 Euro (DS 201084). Bonn im Wandel
bringt im Laufe der Projektzeit mindestens 35.00 Euro Eigenmittel und Eigenleistungen ein. Weitere In-
formationen finden Sie im 1. Sachstandsbericht (DS 210174) und 2. Sachstandsbericht (DS 211269),
eine Kurzpräsentation können Sie hier einsehen https://bonnimwandel.de/warum-es-bonn4future-
gibt-und-was-wir-machen.
Worum ging es? Wer war dabei?
Die menschliche Fähigkeit, in Gedanken eine positive Zukunft vorwegzunehmen, nutzt man seit Jah-
ren in Stadtentwicklungsprozessen. Denn sie hat eine große Veränderungskraft. Und wenn wir ge-
meinsam Vorstellungen entwickeln, wo es lang gehen soll, dann lässt sich im hier und jetzt viel leich-
ter klären, was wir dafür tun können.
Im ersten Klimaforum wurden daher Zukunftsbilder entwickelt: Wie sieht unsere Stadt aus, wenn sie
2035 klimaneutral ist? Denn das ist das Ziel, das mit dem Ratsbeschluss zur Klimaneutralität vom 7.
November 2019 festgelegt wurde.
Diese Frage haben sich zufällig ausgewählte
Bürger:innen und Vertreter:innen von Bonner Organi-
sationen gestellt. Letztere wurden über ein Interes-
senbekundungsverfahren nach festgelegten Kriterien
ausgewählt. Hinzu kamen Mitarbeiter:innen der
Stadtverwaltung, von BonnOrange und der Müllver-
wertungsanlage. Insgesamt sind rund 115 Teilneh-
mende erschienen. Hinzu kamen rein beobachtende
Gäste aus dem Bonn4Future-Prozessbeirat und den Fraktionen des Stadtrates.
Stand 27.10.2021Seite 3 von 7
2
In den Folgeforen am 4. und 5. März 2022 und am 10. und 11. Juni 2022 werden wir ausgehend von
den Zukunftsbildern rückwärts planen: Was muss sich verändern in unsere Stadt, was muss mehr
und was weniger werden? Im Sommer 2022 dann: Wer muss was tun, damit unsere Stadt klimaneu-
tral wird? Und wer muss bis wann was umsetzen?
Was sind die Ergebnisse?
Im Klimaforum wurden in kleinen Gruppen 26 Zukunftsbilder erarbeitet. Dies sind einige Leitthemen,
die sich immer wieder in den Zukunftsbildern fanden:
• Es gibt ein großes Bedürfnis nach guter Nachbarschaft, gutem Wohnen und Leben im Quar-
tier und zwar für alle sozialen Schichten. Im Bonn der Zukunft gibt es Platz, Ruhe, Raum für Be-
gegnung und Naturerfahrung.
• Das Gemeinwohl sollte über allem stehen, es sollte das Ziel der Stadtentwicklung sein, aber
auch der Wirtschaft. Recycling, Upcycling, Kreislaufwirtschaft, all das ist im Bonn der Zukunft
Realität.
• Verkehr – bequem, sicher und inklusiv: In vielen Zukunftsbildern war die autofreie Stadt
selbstverständlich. Fahrradwege sollen sicher und komfortabel sein, ÖPNV sozial gerecht und
für alle einfach zugänglich.
• Die Herausforderungen sind so groß - das können die Bürger:innen allein nicht schaffen. Das
war auch den Teilnehmenden klar. Sie wünschen sich daher neue Standards: Ein klimaneu-
trales Leben muss einfach werden und für alle möglich. Dazu
gehört ein lokales Ernährungssystem das gutes und nach-
haltiges Essen für alle Menschen ermöglicht. Bonn soll Vorrei-
ter sein, wünschen sich die Bürger:innen, es braucht einen
Aufbruch, Umdenken. Klimaschutz muss cool werden. Dazu
gehört natürlich Bildung für alle. Es braucht Transformations-
zentren, in denen Menschen zusammenkommen können und
damit beginnen, ihr Quartier umzugestalten.Seite 4 von 7
3
Bemerkenswert war die starke Betonung der sozialen Aspekte. In der Debatte um die Klimaneutrali-
tät zeigte sich auch die Sehnsucht nach einer lebenswerten, bestenfalls sogar lebenswerteren Stadt
für alle Menschen. Darin sehen sie die Voraussetzung dafür, dass wir als Stadtgesellschaft den Wan-
del vollbringen. Es zeigt sich, dass ein Bürgerbeteiligungsverfahren zu diesen Fragen einen Beitrag
leisten kann.
Alle Zukunftsbilder im Detail finden Sie unter www.bonn4future.de/klimaforum.
Dort finden sich auch die Fachvorträge von Prof. Dr. Antje Boetius (Alfred-Wegener-Institut), Dr. Sa-
scha Samadi (Wuppertal-Institut), Joachim Helbig (Leitstelle Klimaschutz), Dr. Gesa Maschkowski
(Bonn im Wandel e.V.) die auch für Sie sicher einige spannende Erkenntnisse beinhalten.
Genauso wertvoll wie die Zukunftsbilder dürfte für die politischen Entscheidungsträger:innen ein Er-
gebnis sein, das im Prozess entstanden ist: Nach den Fachvorträgen hatten alle Teilnehmenden Zeit
ihre Eindrücke zu teilen und auch schriftlich Fragen zu stellen. Fast 80 Fragen kamen zusammen. Die
Themenbereiche waren Energieverbrauch/-speicherung, Gebäudesanierung, CO2-Senken/-Spei-
cherung, Klimaschutz und Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Transformation und
gute Beispiele. Der größte Fragenblock bezog sich auf die konkrete Situation in Bonn und die Maß -
nahmen der Stadtverwaltung.
Alle Fragen wurden noch am selben Abend von der Stadtverwaltung, Wissenschaftler:innen von den
Scientists4Future und von den Klima- und Energieexpert:innen Steffen Krenzer und Barbara Fricke
beantwortet. Für die Bürger:innen und unsere Weiterarbeit sind die Antworten auf die Fragen ein
echter Wissensschatz. Sie werden in Kürze ebenfalls auf www.bonn4future.de/klimaforum abrufbar
sein.
Für politische Entscheidungen sind die Fragen ebenso spannend wie die Antworten. Denn sie zeigen,
was die Bonner:innen bewegt und welches Wissen in der Stadtgesellschaft noch gebraucht wird.
Und sie helfen dabei, die Kommunikation der Situation in Bonn besser, an den Empfänger:innen zu
orientieren.
Auch einige Fragen waren dabei, die sich explizit an "die Politik" richten und noch auf eine Antwort
warten:
• Was braucht es, damit die Politik das Wissen der Wis-
senschaft aufgreift und umsetzt?
• Macht es Sinn nach wie vor über bekannte Probleme zu
sprechen? Warum handelt die Kommunalpolitik (hier)
nicht längst?
• Was ist nötig um den ÖPNV kostenlos für alle zu ma-
chen? Oder wenigstens für alle Bonner Bürger:innen?
• Wieso brauchen wir für alles so lange?Seite 5 von 7
4
Was sagt die Evaluation?
Das Klimaforum wurde, wie auch das gesamte Verfahren Bonn4Future, evaluiert durch ein Team
bestehend aus Michael Lobeck (Promediare), Prof. Dr. Kathrin Hörschelmann und Geographie-Stu-
dierende der Universität Bonn. Die Evaluator:innen nahmen beobachtend am gesamten Klimaforum
und allen Kleingruppen teil. Im Nachgang haben die Bürger:innen außerdem einen Online-Evaluati-
onsbogen gefüllt. Aktuell laufen noch Interviews mit den über das Interessenbekundungsverfahren
hinzu gekommenen Bonner Akteur:innen.
Durch die Beobachter:innen wurde allgemein festgestellt, dass
... viele sehr engagiert waren,
... viele sich auf das Forum und die Methodik eingelassen haben und
... viele begeistert vom Verlauf und den Ergebnissen sind.
Gleichzeitig wurde das Gesamtverfahren nicht von allen verstanden - wie sie als Teilnehmende aus-
gewählt wurden, vor allem aber, wie Bonn4Future im Verhältnis zu Verwaltung und Politik steht und
wie mit den Ergebnissen im Nachgang umgegangen wird. Das sollte zukünftig noch besser ge- und
erklärt werden.
Die Wissenschaftler:innen befragten die Teilnehmenden im Nachgang und verglichen die Antworten
mit einer Befragung Bonner Bürger:innen die im Vorfeld statt gefunden hatte. Sie zeigen, dass sich
durch die Teilnahme an dem Klimaforum das Verständnis und die Selbstwirksamkeit der Bürger:in-
nen deutlich erhöht hat, verglichen mit Bürger:innen die nicht teilgenommen haben.
Zentrale Erkenntnisse aus dem Online-Evaluationsbogen sind:
• 89% der Befragten stimmen vollkommen / eher diesem Statement zu:
“Ich bin über die Fakten der Klimakrise gut informiert.“ (Bevölkerungsumfrage: 88%)
68% der Befragten stimmten auch diesem Statement vollkommen / eher zu:
“Durch das Klimaforum habe ich neue Informationen zur Klimakrise bekommen.“
• 75% stimmen vollkommen / eher zu:
“Ich denke, dass ich meine Ideen in ein Konzept für eine klimaneutrale Stadt Bonn gut ein-
bringen kann.“ (Bevölkerungsumfrage: 24%)
80% stimmten vollkommen /eher zu:
“Das Klimaforum hat mich ermutigt, gemeinsam neue Wege zu gehen für ein nachhaltiges
und wertschätzendes Leben in Bonn.“
• 15% stimmen vollkommen / eher zu:
“Ich fühle mich von der Stadt Bonn über bisherige und geplante Maßnahmen zum Klima-
schutz gut informiert.“ (Bevölkerungsumfrage: 23%)Seite 6 von 7
5
61% stimmten vollkommen / eher zu:
“Durch das Klimaforum habe ich neue Informationen zu den Maßnahmen der Stadt Bonn
bekommen.“
• 39% der Befragten stimmen vollkommen / eher zu
“Ich traue der Bonner Politik und Verwaltung zu, tragfähige Maßnahmen zu entwickeln, mit
denen Bonn klimaneutral werden kann.“ (Bevölkerungsumfrage: 23%)
Die Evaluation zeigte auch, dass trotz Zufallsauswahl bestimmte Bevölkerungsgruppen in den Klima-
foren noch unterrepräsentiert waren: ältere Menschen, Wähler von konservativen Parteien, Personen
mit niedrigem Bildungsabschluss und auch Menschen mit Wohnsitz in Tannenbusch. Unter den Ak-
teur:innen gab es trotz gezielter Ansprache im Vorfeld verhältnismäßig wenige Vertreter:innen der
Wirtschaft.
Da eine gewisse Selbstselektion der Teilnehmenden bei der Zufallsauswahl nicht zu vermeiden ist,
arbeitet das Projektteam gemeinsam mit dem Bonn4Future-Beirat und der Koordinierungsstelle
Bürgerbeteiligung an alternativen Wegen der Ansprache um die Diversität noch zu erhöhen.
Ein Dank
An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal bei unseren Kooperationspartner:innen bedan-
ken! Denn das Klimaforum hat gezeigt: Ohne die Bereitschaft, sich über das normale Maß hinaus zu
engagieren, hätte es dieses nicht gegeben. Das ist das Team vom Theater Bonn und dem Zentrum
für schulpraktische Lehrerausbildung, die uns ihre Räume zur Verfügung gestellt haben; unsere wis-
senschaftlichen Fachreferent:innen, die zugunsten unseres Projektes auf ihre Honorare verzichtet
haben; das ehrenamtliche Expert:innen-Team und auch unsere Kolleg:innen in der Leitstelle Klima-
schutz, die über Nacht knapp 80 Fragen kompetent beantwortet haben; und nicht zuletzt die vielen
freiwilligen Helfer:innen die sich im Hintergrund um Logistik, Catering und Co. gekümmert und den
Mehraufwand durch die Covid-19-Pandemie aufgefangen haben. Alle taten dies in der Hoffnung ei-
nen Beitrag dazu leisten zu können, dass wir unser gemeinsames Ziel erreichen: Bonn bis 2035 kli-
maneutral zu machen.
Autor:innen:
Robert Janßen-Morof und Gesa Maschkowski
Bonn im Wandel e.V.Seite 7 von 7

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

bonn.social/@biz ↗
Im ALLRIS öffnen ↗

Datenstand: 02.11.2026, 17:30 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de