211828 · Beschlussvorlage
„Transformation Stadtmuseum Bonn“ – Konzept zum Mitwirkungsprozess
Kerndaten
- Nummer
- 211828
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 18.10.2021
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sondersitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Entscheidung federführend
- Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung Anregung
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Beschlussvorlage öffentlich 211828 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 41 Kulturamt Dezernat: Dez. IV „Transformation Stadtmuseum Bonn“ – Konzept zum Mitwirkungsprozess Beratungsfolge Beirat Bürgerbeteiligung 29.10.2021 Anregung Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 03.11.2021 Entscheidung Beschlussvorschlag Dem vorgelegten Beteiligungskonzept wird zugestimmt. Begründung Mit Stellungnahme der Verwaltung (201936-01 ST) vom 10. Dezember 2020 hat die Dezernentin für Sport und Kultur dem Rat der Bundesstadt Bonn und dem Kulturausschuss den Prozess für eine Neukonzeption des Stadtmuseums vorgestellt. In seiner Sitzung vom 28. Juni 2021 hat der Rat der Bundesstadt Bonn das weitere Vorgehen zur Umnutzung des Viktoriakarrees in einem Grundsatzbeschluss verabschiedet (210953-03 ST). Die Verwaltung wurde beauftragt, den politischen Gremien Vorschläge für einen neuen adäquaten dauerhaften Standort des Stadtmuseums zeitnah vorzulegen. Die Suche nach einem neuen dauerhaften Standort für das Institut wird durch die Kulturverwaltung mit Nachdruck betrieben und erste Ergebnisse sollen den Gremien zeitnah vorgestellt werden. Für das Stadtmuseum Bonn soll entsprechend der Stellungnahme vom 10.12.2020 eine Neukonzeption erarbeitet werden, mit der die Attraktivität des Museums erhöht wird und möglichst viele Menschen für lebendige Geschichtsarbeit begeistert werden, beispielsweise durch ein erweitertes Themenspektrum oder interaktive Angebote. Dazu gehört auch die grundlegende Neukonzeption der Dauerausstellung, die aktuell in ihrer Form auf die 1990er Jahre zurückgeht. Das Stadtmuseum 41-5 benennt hierzu eine Projektleitung und koordiniert die Bürgerbeteiligung. Das Thema der Beteiligung ist die Neugestaltung des Stadtmuseums Bonn als modernes kulturhistorisches Museum mit partizipativer Ausrichtung.Seite 1 von 31 Seite 2 Sammlungsschwerpunkte, inhaltliche Ausrichtung, Leitbild und Themensetzung der neuen Dauerausstellung sind Bestandteil des Beteiligungsprozesses. Dabei wird auch die gesellschaftliche Relevanz der Institution und ihre Aufgaben innerhalb der Stadtgesellschaft diskutiert. Das Stadtmuseum ist sich bei der Wahl seiner Themen und Präsentationen seines pluralistischen Publikums bewusst, denn es will als kommunale Einrichtung eine möglichst breite Öffentlichkeit ansprechen. Kinder und Jugendliche mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen sind eine besonders wichtige Zielgruppe des Museums. Partizipation, Integration und Inklusion sind Grundprinzipien des Stadtmuseums. Finanzielle Auswirkungen: Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.04 1.04.08 1.41.50.04.08.01 Sammlung Investive Kosten der Maßnahme Betrag Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Betrag Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 60.000 EUR 141500408 / 72.1000 2021 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich 60.000 EUR Anlage/n 1 Beteiligungskonzept Transformation Stadtmuseum Bonn (öffentlich)Seite 2 von 31 Seite 3 von 31 1Seite 4 von 31 2 Wir gestalten das Stadtmuseum Bonn neu! Mit einer tiefgreifenden Transformation möchten wir das Museum zu einem Ort von allen Bonner*innen für alle Bonner*innen machen, der im gleichberechtigten Dialog zeigt, wie Bonn war, ist und Raum dafür schafft, wie Bonn sein könnte. Entstehen soll ein offener Ort, der die Möglichkeit bietet, zusammenzukommen, in den Dialog über das Leben in Bonn zu treten und die Stadt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft neu zu entdecken. Die Bonner Bevölkerung ist eingeladen, „ihr“ Stadtmuseum aktiv im Sinne eines inklusiven und partizipativen Museums mitzugestalten. Dazu beschreiten wir zwei Wege des Dialoges: Zum einen die Suche nach dem StadtOrt, also nach der neuen Heimat des Museums. Weniger das konkrete Gebäude steht hier im Zentrum des Austauschs, sondern vielmehr die Bedürfnisse der Bonner*innen in Bezug auf Funktionen, Aufgaben und deren Gewichtung sind von Bedeutung. Im Laufe des Prozesses bewegen wir uns vom Allgemeinen zum Konkreten und nehmen schließlich auch die neue Heimat des Museums, also das konkrete Gebäude, in den Blick. Dieser Prozess findet ein Zwischenziel mit der Eröffnung des neuen Hauses, muss dann aber in längeren Intervallen zur Reflexion und Weiterentwicklung fortgeführt werden. Nur so können die Institution und ihr Ausstellungshaus mit dem Wandel der Stadt und ihrer Bevölkerung Schritt halten.Seite 5 von 31 3 Wir wollen die Reichweite des Museums und seines Bildungsauftrages erhöhen und möglichst viele Menschen für eine aktive Teilhabe und lebendige Geschichtsarbeit begeistern. Es soll ein Haus der Stadt des 21. Jahrhunderts entstehen. Das gelingt nur zusammen mit den Bonner*innen – denn wir zeigen ihre Geschichte und ihre Geschichten, ihre Objekte, ihre Stadt! Wir machen das Stadtmuseum Bonn zu einem Ort, an dem diskutiert wird, wie die Gesellschaft von heute und morgen aussehen soll. Die inhaltliche Ausrichtung gestalten wir zusammen im Dialog. Mit Allen für Alle. Die Fragen und die Antworten an Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Stadt kommen von Bonner*innen aus allen Generationen und möglichst vielen Einwohner*innen der Stadt, die zugezogen und eingewandert sind und insbesondere von Kindern und Jugendlichen. Wir laden Vereine, Initiativen, Schulen, Künstler*innenkollektive, Jugendclubs, etc. zu einer aktiven Mitarbeit ein! Dies umreißt den zweiten Dialog: Die Suche nach dem StadtBild, also die inhaltlich- konzeptionelle Neuausrichtung des Museums und nach Schwerpunkten der späteren Präsentation. Dieser Prozess findet seinen Abschluss nicht mit der Eröffnung der neuen Ausstellung des Stadtmuseums, sondern wird dauerhaft fortgeführt. Nur so kann eine beständige gesellschaftliche Relevanz erreicht, eine Demokratisierung der Museumsaufgaben erzielt und immerwährende Dialoge zwischen den Bonner*innen über ihre Stadt und das gemeinschaftliche Leben in ihr gewährleistet werden. So kreieren wir gemeinsam ein Bild der Stadt, das wie ein Mosaik aus ganz individuellen Bildern, Erinnerungen und Objekten besteht. Ein Mosaik, das so individuell und bunt ist wie die Stadt Bonn und die Menschen, die hier leben. Ziel des dauerhaften Bürgerdialogs ist es, dieses Mosaik stetig weiterzuentwickeln und zu verdichten. So sollen die Inhalte des neuen Museums mit der Dynamik der Stadt in Einklang gehalten werden.Seite 6 von 31 4 Inhalt 1 Die Ausgangslage .......................................................................................................... 5 2 Zielsetzung des Gesamtprojekts..................................................................................... 6 2.1 Themen der Beteiligung .......................................................................................... 6 2.2 Ziel der Beteiligung.................................................................................................. 9 2.3 Erfassung und Berücksichtigung der Ideen, Anregungen und Vorschläge ..............11 2.4 Festigung der Akzeptanz ........................................................................................11 3 Rahmenbedingungen ....................................................................................................13 3.1 Einordnung in Bezug auf die Frühzeitigkeit und Ergebnisoffenheit .........................13 3.2 Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume ..........................................................13 3.3 Vorfestlegungen .....................................................................................................14 3.4 Konfliktlagen...........................................................................................................16 4 Festlegung Projektbeauftragter......................................................................................18 5 Auswahl und Ansprache der Beteiligenden....................................................................18 5.1 Beteiligende ...........................................................................................................18 5.2 Barrierefreiheit und Niederschwelligkeit..................................................................19 6 Prozessplanung .............................................................................................................20 7 Prozessgestaltung .........................................................................................................21 8 Umgang mit den Ergebnissen des Beteiligungsprozesses .............................................24 9 Dokumentation, Auswertung und Reflexion ...................................................................25 10 Zeitrahmen und Finanzierung ........................................................................................28Seite 7 von 31 5 Ausgangslage Das Stadtmuseum Bonn ist ein Museum mit kulturhistorischem Schwerpunkt. Die wichtigsten Sammlungsbestände entstammen dem 18. und 19. Jahrhundert. Die seit der Museumsgründung im Jahre 1989 stetig erweiterte, sehr heterogene Sammlung umfasst mittlerweile über 12.000 Exponate und vermittelt vielschichtige Einblicke in die 2000-jährige Stadtgeschichte. Für einzelne Epochen besitzt das Museum einzigartige und zum Teil herausragende, unverwechselbare Objekte. Das Ausstellungskonzept im ehemaligen Sauna- und Reinigungstrakt des stillgelegten Viktoriabades besteht seit Eröffnung 1998 unverändert fort. Das Ausscheiden der Museumsleitung im April 2021 und die Entscheidung über eine mittelfristige, alternative Nutzung der Ausstellungsräume im Viktoriakarree hat die Kulturverwaltung zum Anlass genommen, sich intensiv mit der Zukunft des Museums zu befassen und die Weichen für die Sicherung und Transformation dieser wichtigen Kultureinrichtung zu stellen. Die Museumsleitung ist seit dem 1. Juni 2021 mit Dr. Philipp Hoffmann neu besetzt. Mit Stellungnahme der Verwaltung (201936-01 ST) vom 10. Dezember 2020 hat die Dezernentin für Sport und Kultur dem Rat der Bundesstadt Bonn und dem Kulturausschuss den Prozess für eine Neukonzeption des Stadtmuseums vorgestellt. In seiner Sitzung vom 28. Juni 2021 hat der Rat der Bundesstadt Bonn das weitere Vorgehen zur Umnutzung des Viktoriakarrees in einem Grundsatzbeschluss verabschiedet (210953-03 ST). Die Verwaltung wurde beauftragt, den politischen Gremien Vorschläge für einen neuen adäquaten dauerhaften Standort des Stadtmuseums zeitnah vorzulegen. Die Suche nach einem neuen dauerhaften Standort für das Institut wird durch die Kulturverwaltung mit Nachdruck betrieben und erste Ergebnisse sollen den Gremien zeitnah vorgestellt werden.Seite 8 von 31 6 Zielsetzung des Gesamtprojekts 2.1 Themen der Beteiligung: StadtOrt und StadtBild Für die Bürger*innenbeteiligung sind zwei parallele Beteiligungsstränge identifiziert worden: Zum einen betrifft die Inhalte sowie die zukünftige Themensetzung des Museums in Sammlungs-, Vermittlungs- und Ausstellungsplanung. Wir nennen diesen Themenbereich StadtBild. Zukünftig möchte das Stadtmuseum Bonn Partizipation zu einem Leitmotiv der gesamten Museumsarbeit machen. Dieser Beteiligungsprozess ist damit auch nicht mit der Eröffnung der neuen Ausstellung abgeschlossen, sondern wird dauerhaft fortgeführt. o Welche Quellen der Sammlung sind für ein tieferes Verständnis der Stadt Bonn, meiner Rolle in der Stadt und das gesellschaftliche Zusammenleben notwendig? Was muss/kann hierzu neu erschlossen werden? Welche Fehlstellen gibt es? Welche Rolle spielt die Sammlungsgeschichte? o Welche Autorenschaft soll das Haus haben, damit ich auf Augenhöhe meine Stadt verstehen und durch Selbstreflexion meine Rolle in der Stadt erkennen kann? Wer spricht im neuen Museum zu wem, damit ich im Dialog mit anderen mehr über mich und meine Rolle in der Stadt Bonn lernen kann? o Mit welchen Themen möchte ich meine Stadt neu erkunden und o mit welchen Formaten begebe ich mich auf die Reise, um eine nachhaltige und verbindliche Auseinandersetzung mit mir selber, meiner Nachbarschaft und der gesamten Stadt zu erleben? Der zweite Beteiligungsstrang betrifft die Bedürfnisvergewisserung und -formulierung sowie schließlich die konkrete Ausgestaltung eines neuen Ausstellungshauses. Diesen Themenbereich nennen wir StadtOrt. Da eine Entscheidung über eine dauerhafte neue Heimat für das Stadtmuseum zu Beginn der Bürger*innenbeteiligung noch offen ist, bewegen wir uns thematisch vom Allgemeinen hin zum Konkreten. Wir beginnen den Dialog über Bedürfnisse, Funktionen und Angebote, ohne konkrete Gebäude dabei in den Blick zu nehmen. Die späteren Nutzer*innen und ihreSeite 9 von 31 7 Bedürfnisse stehen im Zentrum dieses Dialoges. Sobald eine neue dauerhafte Heimat für das Stadtmuseum gefunden ist, wird diese in die Prozesse der Bürger*innenbeteiligung integriert. Entscheidend für diesen Entwicklungsstrang ist die Definition der folgenden Segmente: o Alle Bonner*innen sollen durch das Haus angesprochen werden. Wie muss das Haus gestaltet sein, um wirklich alle anzusprechen und einzuladen, am Dialog teilzunehmen? o An welchen Orten ist das Museum zukünftig präsent? Wo ist mein Lebensmittelpunkt? Wo erreicht mich die Arbeit des Museums? Welche Funktionen sollen diese Orte erfüllen, damit ich sie gerne und immer wieder ohne Barrieren aufsuchen kann und mich den Dialogen öffne? Die beiden Beteiligungsstränge StadtBild und StadtOrt sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich wechselseitig. Die Ausgestaltung des StadtBildes hat unmittelbaren Einfluss auf die Form des StadtOrtes. Die Verbindung der beiden Beteiligungsstränge erfolgt durch einen Wechsel von quantitativen und qualitativen Formaten, die in iterativen Abläufen das StadtBild und den StadtOrt entwickeln. Das neue Museum soll nicht nur offener Dialogort und Plattform für die unterschiedlichen Facetten der Stadt Bonn sein, sondern auch ein Ort, an dem Geschichten, Merkmale und Objekte über Bonn und die Menschen der Stadt gesammelt werden. Das Sammeln soll aber nicht mehr allein durch die Mitarbeiter*innen des Museums erfolgen, sondern direkt durch dieSeite 10 von 31 8 Bonner*innen. Hierzu wurden verschiedene Segmente entwickelt – die Segmente können im Verlaufe des Beteiligungsprozesses modifiziert oder ergänzt werden und werden fortlaufend auf ihre Funktionstüchtigkeit hin reflektiert – und sollen in Beteiligungsformaten auch über die Eröffnung des neuen Hauses hinaus gefüllt werden: o Hier ist mein Bonn?! Bonner Orte o Das ist Bonn?! Bonner Objekte o Ich bin Bonn?! Bonner Menschen o So ist mein Bonn?! Bonner Merkmale o Das war mein Bonn?! Bonner Geschichten o So wird mein Bonn?! Bonner Wünsche Darüber hinaus sollen im Rahmen der Beteiligung Entscheidungen zur zukünftigen dauerhaften Bürger*innenbeteiligung getroffen werden. Welche Gremien zur Beteiligung können etabliert werden? Welche Mitsprache und welche aktive Mitarbeit soll das Museum zukünftig ermöglichen?Seite 11 von 31 9 2.2 Ziel der Beteiligung Die Ziele der Beteiligung sind die Ausarbeitung der Form (StadtOrt) und des Inhaltes (StadtBild) des neuen Stadtmuseums. Dabei bestimmt das StadtBild den späteren StadtOrt in seinen Funktionsbereichen und Schwerpunktsetzungen. Dieses Vorgehen wird als „Iterativer Leuchtturm“ bezeichnet. Inhalt und Form bauen auf einem Fundament auf, als welches wir das Leitbild des Museums verstehen. Auch dieses Leitbild wird im Prozess angepasst und hinterfragt. Während der Dialog um den StadtOrt ein erstes Teilziel mit der Eröffnung des neuen Hauses erfährt, ist die Bürger*innenbeteiligung um das StadtBild dauerhaft angelegt. Der nun startende Prozess ist damit der Anfang einer neuen Arbeitsweise des Museums und wird auch nach der Eröffnung des neuen Museums nicht abgeschlossen sein, sondern weitergeführt. Das Stadtmuseum soll ein Haus für alle Bonner*innen werden, in dem sie sich mit der Geschichte ihrer Heimatstadt auseinandersetzen, zu den aktuellen Fragen der Gegenwart Stellung beziehen und die Zukunft der Stadt denken und diskutieren können. Als modern gestaltetes Haus mit attraktiven Angeboten richtet es sich an alle Bonner*innen und macht die Vielfalt der Stadt erlebbar. Dies kann nur im engen und regelmäßigen Austausch mit allen Bonner*innen erfolgen. Das neue Stadtmuseum soll mit seinen Exponaten und Erinnerungen die Stadtgeschichte(n) Bonns erzählen. Kulturelle Teilhabe, Diskurs und Diversität stehen im Fokus. Der Beteiligungsprozess dient vor allem der Etablierung dauerhafter Strukturen für einen intensiven Dialog über alle inhaltlichen Zielsetzungen des Museums. Intention ist es, dauerhaft einen offenen Dialog mit der Stadtgeschichte aus der Gegenwartsperspektive aufzunehmen und möglichst viele Bonner*innen für das Stadtmuseum zu begeistern, indem sie von Anfang an zu Ko-Kreatoren gemacht werden.Seite 12 von 31 10 Die Sammlung ist aus der Stadtgesellschaft heraus entstanden. Aus diesem Grund ist es folgerichtig, die Stadtgesellschaft nun an der Neukonzeption und Arbeit des Museums zu beteiligen. Mit der Bürger*innenbeteiligung wird ein entscheidender Beitrag für die Verankerung des Stadtmuseums in der Bonner Kulturlandschaft angestrebt und die gesellschaftliche Teilhabe gestärkt. Die Ziele im Einzelnen: o Der Prozess öffnet die Sammlungsbestände des Museums und setzt diese in neue Kontexte und Erinnerungen. Dabei werden partizipative Strukturen der Museumsarbeit aufgebaut und die Stadtbevölkerung zu Ko-Kuratoren ermündigt. o Alle Beteiligten erfahren, dass das neue Stadtmuseum nicht nur ein Museum für die Besucher*innen, sondern auch von den Besucher*innen sein kann. o Der Prozess lässt das Museum zu einem Attraktor werden, der seine eigene Gemeinschaft anzieht. Dabei wird Gemeinschaft nicht als Zielgruppe verstanden. Das Museum steht als Teil dieser Gemeinschaft mittendrin. Auf diese Weise soll eine intensive Nutzung des Museums schon vor der Eröffnung am neuen Ort sichergestellt werden. o Das Stadtmuseum erfährt durch die Einbeziehung der neu zu gewinnenden Gemeinschaft in die Programmgestaltung eine programmatische, institutionelle Veränderung, um eine veränderte Bevölkerung stärker zu repräsentieren. o Der Prozess hinterfragt die Entstehungsgeschichte und Gründungsidee des Stadtmuseums Bonn. Stadtmuseen repräsentierten bislang immer nur eine spezifisch bürgerliche Repräsentationsvorstellung der Stadt. Ziel muss es sein, jene Bilder und Narrative aufzuzeigen, die die Stadt bewohnen und mit Leben füllen, die mitgebracht wurden und die in ihr entwickelt werden. Außerdem die Sichtbarmachung der daran beteiligten Traditionen, Ideen und Akteure. Die Stadt wird als Raum von Bewegung und Begegnung verstanden, als Raum von Konflikten und Verständigungen. o Durch transparente Informationen und gegenseitigen Austausch erfährt die Museumsarbeit Verständnis und Akzeptanz.Seite 13 von 31 11 2.3 Erfassung und Berücksichtigung der Ideen, Anregungen und Vorschläge Die Ideen, Anregungen und Vorschläge werden in den folgenden Formaten erfasst: o Künstlerische Interventionen an Dritten Orten zur Reflexion von Geschichtsbildern, Erinnerungsräumen und der Institution Museum (digitales Teilprojekt „City Stories"). City Stories basiert auf einer digitalen Stadtkarte, auf der Orte markiert und mit Geschichten und Wissen der Bonner*innen erweitert werden. Künstler*innen mischen diese Geschichten zu neuen Erinnerungsbausteinen, die neue Perspektiven eröffnen. o Nutzung des Portals Bonn-macht-mit.de zur Information über die Beteiligungsmöglichkeiten und für den Dialog mit den Bürger*innen sowie zur Dokumentation und Abstimmung der Ergebnisse. Hierbei wird verstärkt die Möglichkeit der kartenbasierten Interaktion eingesetzt. o Aufbau des Online-Citizen-Science-Projektes Topothek Bonn. o Aufbau einer umfassenden Social-Media-Plattform zur Interaktion und Kommunikation. o In szenographisch und didaktisch aufwändigen, sich durch die Ideen, Anregungen und Vorschläge ständig verdichtenden Installationen im Ausstellungsraum studio_bnx. Der Ausstellungsraum lädt auch Spontanbesucher ein, Ideen, Anregungen und Vorschläge einzubringen und an den Teilergebnissen weiterzuarbeiten. o Im neuen Konzept des Stadtmuseums sowie der Sammlungsstrategie, des Vermittlungskonzeptes, dem Veranstaltungskonzept und schließlich der szenographisch-didaktischen Umsetzung des Ausstellungskonzeptes. 2.4 Festigung der Akzeptanz o Die Arbeit findet auf Augenhöhe statt (siehe Qualitätskriterien in den Leitlinien Bürger*innenbeteiligung). o Durch die Möglichkeit für Alle, am team_bnx oder dem teamkreis_bnx teilzunehmen (vgl. 7. Prozessgestaltung). o Transparenz der Ergebnisse durch eine aktive Kommunikation des Prozesses und der Ergebnisse sowie deren Präsentation im Ausstellungsraum studio_bnx.Seite 14 von 31 12 o Transparente Entscheidungen im team_bnx oder teamkreis_bnx. (vgl. 7. Prozessgestaltung). o Eine Akteur*innenanalyse und -ansprache sorgt für die gezielte Ausweitung des Beteiligtenkreises. Das Projektteam erstellt ein Diversitätsbarometer, welches im Prozess die Diversitäts-Lücken aufzeigt. Mit den beobachteten Diversitäts- Lücken werden in der Gegenbewegung Perspektiven von spezifischen Menschen eingesammelt. o Zudem sind ein Bewerbungsverfahren bzw. eine Einladung und ggf. Auswahl „per Zufall“ durch repräsentative Panels geplant. o Durch die zentrale Koordinationsstelle im Stadtmuseum, die ansprechbar ist und flexibel auf Anforderungen reagieren kann. o Systematische Iterationsschleifen zwischen qualitativen und quantitativen Formaten gewährleisten das immerwährende Mitspracherecht Aller durch die Rückfragen und Evaluation von Ergebnissen.Seite 15 von 31 13 Rahmenbedingungen 3.1 Einordnung in Bezug auf die Frühzeitigkeit und Ergebnisoffenheit Mit Stellungnahme der Verwaltung (201936-01 ST) vom 10. Dezember 2020 hat die Sport- und Kulturdezernentin dem Rat der Bundesstadt Bonn und dem Kulturausschuss den Prozess für eine Neukonzeption des Stadtmuseums auf Grundlage einer Bürger*innenbeteiligung vorgestellt. In seiner Sitzung vom 28. Juni 2021 hat der Rat der Bundesstadt Bonn das weitere Vorgehen zur Umnutzung des Viktoriakarrees in einem Grundsatzbeschluss verabschiedet (210953-03 ST). Die Kulturverwaltung rechnet damit, dass der Museumsbetrieb am jetzigen Standort bis in das Jahr 2023 möglich sein wird. Die Verwaltung wurde beauftragt, den politischen Gremien zeitnah Vorschläge für einen neuen adäquaten dauerhaften Standort des Stadtmuseums vorzulegen. Die Suche nach einem neuen dauerhaften Standort für das Institut wird zurzeit durch die Kulturverwaltung mit Nachdruck betrieben und erste Ergebnisse sollen den Gremien bald vorgestellt werden. Die Entscheidung über einen neuen Standort ist aufgrund der Komplexität und Sensibilität nicht Teil der Bürger*innenbeteiligung, wohl aber die Definition von Funktionsbereichen und Ausstellungsschwerpunkten (Dauerausstellungs- und Sonderausstellungsflächenanteile, Open-Space-Bereiche, offene Plattformen, Aufenthaltsbereiche, Barrierefreiheit, Niederschwelligkeit etc.). Anders als bei herkömmlichen Beteiligungsverfahren geht es in diesem Prozess nicht nur um eine zeitlich begrenzte Beteiligung, sondern um die aktive und dauerhafte Mitgestaltung des Stadtmuseums an seinem neuen Standort durch möglichst viele Akteur*innen und gesellschaftliche Gruppierungen. 3.2 Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume Die Kulturverwaltung ist davon überzeugt, dass ein Stadtmuseum wichtiger Bestandteil der kulturellen Bildung sowie des Gedächtnisses der Stadt ist. Daher wird als Vorentscheidung auch das Fortbestehen der Institution definiert. Offen sind jedoch die inhaltliche Ausrichtung der Institution sowie die konkrete räumliche Neukonzeption. Zudem soll sich das künftige Stadtmuseum als Forum für den Diskurs über Geschichte, Gegenwart und Zukunft Bonns verstehen.Seite 16 von 31 14 3.3 Vorfestlegungen Nach aktuell gültiger Definition der ICOM, dem Internationalen Museumsrat, ist ein Museum wie folgt definiert: „Ein Museum ist eine dauerhafte Einrichtung, die keinen Gewinn erzielen will, öffentlich zugänglich ist und im Dienst der Gesellschaft und deren Entwicklung steht. Sie erwirbt, bewahrt, beforscht, präsentiert und vermittelt das materielle und immaterielle Erbe der Menschheit und deren Umwelt zum Zweck von Studien, der Bildung und des Genusses.“ Damit haben Museen und ihre Träger die Aufgabe, das materielle und immaterielle Natur- und Kulturerbe zu schützen und für die Gesellschaft dauerhaft zugänglich zu machen. Große Teile der Sammlung wurden dem Museum durch Stiftungen und Schenkungen vermacht. Insbesondere die Kernsammlung, die auf die 1886 initiierte Sammlung des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins zurückgeht, wurde der Stadt 1956 zur dauerhaften Bewahrung und Präsentation übereignet. Laut Geschäftsverteilungsplan übernimmt das Stadtmuseum zurzeit die folgenden Aufgaben: - Museale Präsentation der Stadtgeschichte - Erfassung, Inventarisierung und Katalogisierung des Museumsbestandes - Unterhaltung und Ausbau des Museumsbestandes - Objektdokumentation von Leihgaben und Dauerleihgaben im Stadtmuseum Bonn - Vorbereitung/Überarbeitung, Durchführung und Begleitung von Dauer- und Wechselausstellungen sowie Veranstaltungen in den Räumen des Museums - Wissenschaftliche Erforschung und Darstellung von Themen zur Stadtgeschichte und zur Kulturgeschichte des Bonner Raumes - Museumspädagogische Angebote, Bildungs- und Vermittlungsformate mit und ohne Ausstellungskontext Für den Start der Bürger*innenbeteiligung hat das Projektteam ein Visions- und ein Missionsstatement erarbeitet. Diese dienen als unsere interne Philosophie und unser Leitbild für die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen. Im laufenden Beteiligungsprozess sollen Vision und Mission angepasst und hinterfragt werden:Seite 17 von 31 15 „Unsere Vision ist es, offene Orte gemeinsam mit diversen Menschen auf Augenhöhe zu schaffen, die die Möglichkeit bieten, zusammenzukommen, in den Dialog über das Leben in Bonn zu treten, lustvoll das Stadtbild in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft neu zu entdecken. Diese Orte wollen wir stetig weiterentwickeln.“ „Wir entwickeln Stadt-Orte und Stadt-Bilder, die menschlich und selbstkritisch sind, gleichberechtigt mit und für alle. Wir wollen zeigen, wie Bonn war und ist, und Raum für Visionen schaffen, wie Bonn sein kann. Wir wollen, dass Bonn ein durch den Dialog von Visionen und Menschlichkeit getragener Ort wird, weil wir daran glauben, dass Bonn eine Stadt mit interessanten Menschen und bewegenden und wertvollen Geschichten, sowie unausgeschöpften Potenzialen ist.“Seite 18 von 31 16 3.4 Konfliktlagen Die bestehende Dauerausstellung ist sowohl räumlich als auch inhaltlich stark überarbeitungsbedürftig. Eine Abkehr des stark vergangenheitsorientierten und kulturhistorischen Profils des Museums hin zu einer Weitererzählung der Geschichte Bonns mit Bezug zur transformatorischen Gegenwart wurde nicht unternommen. Die Besucherzahlen sind in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Über die Zukunft des Viktoriakarrees wird seit 2010 intensiv diskutiert und in diesem Zusammenhang auch über eine neue dauerhafte Unterbringung des Museums. Gerade um den Jahreswechsel 2021 und in den ersten Monaten des Jahres 2021 führte das Ausscheiden der langjährigen Museumsleitung zu zahlreichen Medienberichten und Anfragen aus der Politik zur Zukunft des Museums. Auch verschiedene Vereine und Initiativen meldeten sich mit eigenen Zukunftskonzepten in der Diskussion zu Wort. Die öffentlichen Reaktionen zeigen eine deutliche Sensibilität der Bonner*innen im Hinblick auf die Zukunft des Stadtmuseums. Konflikte können sich demnach aus einer unzureichenden Einbindung der Meinungsführer*innen in dieser Diskussion in den Bürger*innenbeteiligungen ergeben. Konfliktlagen stellen auch die weiterhin ungewisse Zukunft der räumlichen Unterbringung des Stadtmuseums dar, da diese noch offene Variable von großer Bedeutung für die Realisierbarkeit der Ergebnisse des Dialogprozesses angesehen wird. Mit dem Transformationsprozess stellt sich das Stadtmuseum Bonn in seiner Präsentation, Kommunikation und allen internen Prozessen neu auf. Dabei spielt auch die Frage nach einer Wiedergewinnung gesellschaftlicher Relevanz eine entscheidende Rolle. Damit bricht das Stadtmuseum Bonn mit dem tradierten Bild eines Stadtmuseums und auch seiner eigenen bisherigen Ausrichtung deutlich. Die Zeiten der Selbstreferenzialität werden in der internationalen Museumslandschaft immer stärker hinterfragt. Diesem Prozess schließt sich das Stadtmuseum Bonn an und nimmt die damit verbundenen Konflikte auf, um diese im engen Dialog gemeinschaftlich zu lösen. Das Museum soll als Lern- und Gemeinschaftsort eine Verbindung zwischen den aktuellen Themen der Stadt und der musealen Arbeit aufbauen. Um diese stadtgesellschaftlichen Themen abzubilden, braucht die Institution Wissen über individuelle Bonner Lebensgeschichten. Dafür geben wir unsere tradierte Deutungshoheit zugunsten multiperspektivischer Darstellungen auf.Seite 19 von 31 17 Wir geben den Menschen eine eigene Stimme. Das geschieht weniger über rein wissenschaftliche Objektpräsentationen als über die Verknüpfung mit dem eigenen Umfeld. Zukünftig definieren wir unsere Arbeit über Antworten auf Fragen, die unsere eigene Existenz hinterfragen: Was würde passieren, wenn man das Stadtmuseum Bonn schließen würde? Wer würde es vermissen und warum? Und was wären die Alternativen für die Sammlung und die Stadt Bonn? Dazu trennen wir uns von unserer eigenen Vergangenheit und von historischen Kontexten als Hauptbetrachtungsgegenstand. Für uns dienen diese als Werkzeug, um gesellschaftliche Verhältnisse zu reflektieren und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Relevanz definieren wir als Strategie der Freiräume und Perspektivwechsel.Seite 20 von 31 18 Festlegung Projektbeauftragter Für die Startphase des Prozesses: Dr. Philipp Hoffmann, Leitung Stadtmuseum Bonn. Für die Durchführungsphase: Die Stelle der Projektleitung mit einem Stellenanteil von 100 % ist zum 15. Oktober 2021 neu besetzt worden. Die Projektleitung koordiniert die internen Abläufe und die Zusammenarbeit mit den externen Büros in enger Abstimmung mit der Museumsleitung. Zudem ist die Projektleitung erste Ansprechpartnerin für die Bürger*innen. Auswahl und Ansprache der Beteiligenden 5.1 Beteiligende Der Anspruch an den Prozess ist die Entwicklung eines Museums von allen Bonner*innen für alle Bonner*innen. Aus einer intersektionalen Perspektive verbieten sich daher konkrete Zielgruppenbeschreibungen, denn sie erzeugen bereits die Ausgrenzung aus Sicht der Erstellenden. Deswegen muss es unbedingt Ziel sein, im Prozess mit Kommunikationsformaten und Evaluationstools größtmögliche Diversität und größtmögliche Perspektivenvielfalt abzubilden. Abgeschlossene Orte wie Museen, Theater oder Rathäuser erzeugen Barrieren. Deswegen soll mit Outreach-Formaten1 eine aufsuchende Beteiligungsarbeit erfolgen. Nach dem Prinzip „Vom Allgemeinen zum Speziellen“ wird im ersten Schritt eine allgemeine Gruppe von Menschen an allgemeinen, öffentlichen Orten mit allgemeinen, niederschwelligen Fragen angesprochen. Dabei wird auch eine Mitwirkung auf Quartiersebene berücksichtigt. Hier sollen die bestehenden, lokalen Quartiersmanagements einbezogen werden. Um transparent zu machen, wie divers die Gruppe der Beitragenden ist, füllen die Beteiligten einfache, anonymisierte Steckbriefe aus. Mit diesen Daten wird ein Diversitätsbarometer erstellt, welches im Prozess die Diversitäts-Lücken aufzeigt. Mit den beobachteten Diversitäts-Lücken werden in der Gegenbewegung an spezifischen 1 „Outreach ist ein systematischer Prozess, bei dem die Kulturinstitution strategische Maßnahmen abteilungsübergreifend plant, durchführt und evaluiert, um Gesellschaftsgruppen einzubeziehen, die das Kulturangebot aus unterschiedlichen Gründen nicht eigeninitiativ wahrnehmen. Dieser Prozess bewirkt eine Veränderung in der Haltung der Institution, der Diversität des Personals, ihrer Programmgestaltung und Kommunikation. Ziel ist eine diversere, die Gesellschaft widerspiegelnde Besucherschaft“, Scharf/Wunderlich/Heisig: Museen und Outreach, 2018.Seite 21 von 31 19 Orten zu spezifischen, ergänzenden Fragen Perspektiven von spezifischen Menschen eingesammelt. In einem iterativen Prozess verdichtet sich so das Bild. 5.2 Barrierefreiheit und Niederschwelligkeit Auch Barrierefreiheit und Niederschwelligkeit sind im gesamten Prozess immanent inbegriffen. Neben dem Aufsuchen der Menschen sowie dem aktiven Einladen – hier soll eine Auswahl „per Zufall“ durch repräsentative Panels erfolgen – soll auch die Qualität der Formate selbst vor allem verständlich, aktivierend und erlebnis- bzw. handlungsorientiert sein. Barrieren werden weitestgehend proaktiv abgebaut; konkret sollen im Rahmen von Förderungen und Übersetzungsleistungen über verschiedenste Dimensionen hinweg ermöglicht werden. In allen Einladungen und Veröffentlichungen soll das Angebot gemacht werden, barriereabbauende Maßnahmen, wie zum Beispiel bei Veranstaltungen Dolmetschen in DGS oder Schriftdolmetschen, zu ergreifen, um eine möglichst diverse Beteiligung zu ermöglichen. Gleichzeitig werden alle Beteiligten in Veranstaltungen und Schriftkommunikation immer wieder aufgefordert, aktiv Barrieren wahrzunehmen und an deren Auflösung mitzuwirken. Zum Beispiel werden bei Veranstaltungen Sprecher*innen angehalten, für Sehbehinderte die Situationen, Bilder oder Gegenstände beim Sprechen aktiv zu beschreiben oder für Menschen mit Lernbehinderungen alle Aussagen möglichst einfach zu formulieren. Für digitale Kommunikation gilt die weitreichendste Auslegung der Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV). Das Projektteam strebt für die gesamte Bürger*innenbeteiligung eine enge Zusammenarbeit mit der Behinderten- Gemeinschaft Bonn e. V. und anderen Vereinen, Verbänden und Initiativen an. Insgesamt tritt das Projektteam mit dem offen kommunizierten Bewusstsein für Barrieren an und bietet allen Menschen die ehrliche Bereitschaft, im direkten Kontakt Barrieren mit allgemeinen und spezifischen Lösungen zu reduzieren.Seite 22 von 31 20 Prozessplanung Ausgehend von unserer Haltung „Von Allen für Alle“ wollen wir dem hohen Anspruch an einen inklusiven Prozess durch konsequent gelebte Offenheit, Transparenz, Ehrlichkeit und Gemeinschaft gerecht werden. Dabei ist dem Team bewusst, dass die Ansprache Aller ein affirmativer und nie endender Prozess ist. Zu dieser Haltung ist uns Kohärenz in der Gestaltung und Planung aller Formate maßgeblich. Gründend auf der Annahme, dass das Endprodukt den Prozess widerspiegelt, muss der Prozess offen, agil und gemeinschaftlich gestaltet werden, damit am Ende das Ergebnis, als ein „ein Ort für Alle“ unsere Grundwerte von Offenheit, Transparenz, Ehrlichkeit und Gemeinschaft wiedergeben kann. Kurz: Das Ergebnis kann nur das sein, wie sein Prozess es formt. Ziel ist es möglichst diverse Geschichten und Identitäten aufzudecken, um von Anfang bis zum Ende diverses Denken abzubilden und zu fördern. Der iterative Prozess besteht aus zwei Beteiligungssträngen; StadtBild und StadtOrt. In den Beteiligungssträngen wird im Wechsel zwischen befragenden, kreativen und evaluativen Formaten in iterativen Abläufen die Identitäten der Stadt Bonn in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufgedeckt und der StadtOrt gestaltet. Eine Iterationsschleife kann hierbei folgendermaßen aussehen: o Startend mit dem Beteiligungsstrang StadtBild, werden in qualitativen Umfrageformaten Geschichten und Identitäten ermittelt. Sie dienen als Inspirationsquelle (Bausteine) für den weiteren Kreativprozess. (Beispiele für qualitative Formate sind das Interviewprojekt „Stimmen der Straße“ oder aber die Nachhaltigkeitskonferenz „Building on…“ in Zusammenarbeit mit dem UND Institut Wuppertal) o In Workshopformaten wird auf der Grundlage der Bausteine des StadtBildes die Gestaltung des StadtOrtes im Designthinkingprozess in einem interdisziplinären Team ausSeite 23 von 31 21 diversen Bürger*innen und professionellen Museumsmitarbeiter*innen in Zusammenarbeit gestaltet. o Die Ergebnisse der Workshops werden zum einen öffentlich diskutiert wie auch in quantitativen Abstimmungsformaten in und von der Öffentlichkeit evaluiert. In der etappenhaften Planung leitet dabei der Grundsatz „Vom Allgemeinen zum Speziellen“ durch den Prozess. Dies bedeutet, dass von den anfänglichen Inspirationen des allgemeinen Publikums in aufsuchenden Formaten ausgehend hin zu einladenden Workshopformaten Lösungen für spezifische Fragen zum StadtOrt verdichtend ermittelt werden. Das immerwährende Mitspracherecht Aller durch Rückfragen und Evaluation von Ergebnissen ist dabei ein zentrales Element. So kommt die Inspiration, aber auch die Entscheidung von Allen. Hierbei werden die Formate iterativ Menschen- und situationsbezogen entwickelt. Die unter „7. Prozessgestaltung“ beschriebenen Formate basieren deshalb auf Szenarios und beschreiben viel mehr ein antizipiertes Handeln als eine konkretisierte Planung. Diese würde die zu entwickelnden Ergebnisse einschränken und unserer Haltung der Offenheit widersprechen. Prozessgestaltung Langfristiges Ziel ist es, alle Teilnehmenden einzuladen, Teil eines großen Kreises team_bnx zu werden und den StadtOrt zu nutzen sowie das StadtBild fortlaufend mitzugestalten. Jede/r Bonner*in kann jederzeit – speziell, wenn die gestellten Fragen relevant sind – im team_bnx mitmachen.Seite 24 von 31 22 Aus diesem sehr offenen, unverbindlichen Kreis können komplexe Fragen im teamkreis_bnx weiter beraten werden, wobei die Entscheidungen im größeren team_bnx mit diversem Feedback vorbereitet werden. Der Gesamtprozess und auch die später entstehende Nachfolgeinstitution des Museums werden darüber hinaus begleitet von einem informellen fachkreis_bnx, bestehend aus professionellen Berater*innen (aus Museen, Verwaltung, Politik, Beteiligungs- und Kommunikationsperspektiven). Sollten im Prozess komplexere Fragestellungen bzw. Entscheidungen notwendig werden, wird zu einem Entscheidungskreis (ähnlich einem Bürgerrat) offen eingeladen. Mitglieder des Entscheidungskreises können die Mitglieder von teamkreis_bnx und fachkreis_bnx sein. Formatebene 1 Frage: Was ist Bonn? Projektphase: Start/Vorlauf Beteiligte: Allgemeinheit, aufsuchend Beteiligungsort: z. B. Straßenbahn, Markt, Park, Portal bonn-macht-mit.de Kommunikationsformat: z. B. Umfragen, Abstimmungen, Interviews, 1–3 Minuten Zweck: Perspektiven für StadtBild & StadtOrt Formatebene 2 Frage: Was könnte der StadtOrt sein? Projektphase: Auftakt Beteiligte: spezifisch, eingeladen (+ Allgemeinheit) Beteiligungsort: Ladengeschäft studio_bnxSeite 25 von 31 23 Kommunikationsformat: Pop-up-Ausstellung + Feedback, Workshops, Worldcafé, Erzählcafé Zweck: Entwicklung von Ansätzen für StadtOrt; konkrete Ergänzung Perspektiven für StadtBild & StadtOrt Um erste Ideen für den StadtOrt zu vermitteln hat dieses Format Eventcharakter. Von einer Pop-up-Ausstellung über die Geschichten der Stadtbewohner*innen inspiriert, treten die Workshopteilnehmer*innen in den Austausch über die Stadt durch eine auf Augenhöhe geführte Diskussion über das Leben und Bonns Identitäten ein. In der zweiten Phase des Workshops kann gemeinsam durch Designthinking- Prozesse erste Überlegungen zum StadtOrt und seiner Ausgestaltung erfolgen. Formatebene 3 Frage: Welche Ideen gefallen Euch? Projektphase: Vorbereitung Ergebnis Beteiligte: Allgemeinheit, aufsuchend & einladend Beteiligungsort: Stadtraum + digital Kommunikationsformat: Entscheidungsfragen bzw. Abstimmung mit (Kaugummi-) Automaten, Instagram-Voting, bonn-macht-mit.de, „Wahlurnen“ Zweck: partizipative Rückkopplung von Ansätzen Formatebene 4 Frage: Wer fehlt? Projektphase: Vorbereitung Ergebnis Beteiligte: spezifisch, aufsuchend Beteiligungsort: spezielle Orte (z. B. Kindergarten, Tattoo-Studio) Kommunikationsformat: Erzählcafés, qualitative Interviews Zweck: fokussierte Rückkopplung von Ansätzen mit Schwerpunkt DiversitätSeite 26 von 31 24 Mit Blick auf die Lücken im Diversitätsbarometer suchen wir Menschen an speziellen Ort auf. Formatebene 5 Frage: Wer entscheidet das? Projektphase: Abschluss Ergebnis Beteiligte: Spezifisch, einladend Beteiligungsort: Ladenlokal studio_bnx Kommunikationsformat: bei Bedarf basisdemokratische Abstimmung durch gemischten, offenen Entscheidungsrat team_bnx aus einem Bürger*innen-Rat teamkreis_bnx und einem Fach-Rat fachkreis_bnx Zweck: fokussierte Entscheidung in Anlehnung an vorbereitete Ansätze und Konzeptionen o Das Stadtmuseum Bonn ist projektverantwortlich und koordiniert die Bürgerbeteiligung intern in Zusammenarbeit mit verschiedenen externen Partnern, die für die einzelnen Formate beauftragt werden. o Die Koordinierungsstelle Bürgerbeteiligung ist in die Planung und Durchführung der Beteiligungen eingebunden. o Der Beirat Bürgerbeteiligung wird kontinuierlich über den Prozess informiert. o Der Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda sowie der Kulturausschuss werden bedarfsweise über Mitteilungsvorlagen informiert. Umgang mit den Ergebnissen des Beteiligungsprozesses Entscheidend für eine Realisierung des neuen Stadtmuseums wird die Einbringung der erarbeiteten Vorschläge, Ideen und Empfehlungen in die politische Diskussion. Damit die Impulse und Ideen der Bonner*innen bei der politischen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden können, sind die folgenden Maßnahmen geplant:Seite 27 von 31 25 o Das Konzept zur Neukonzeption des Stadtmuseums wurde frühzeitig durch das Dezernat für Sport und Kultur in die politischen Gremien eingebracht und diskutiert. Regelmäßige Mitteilungen der Kulturverwaltung bzw. des Stadtmuseums informieren fortlaufend über den Sachstand der Neukonzeption sowie der Bürger*innenbeteiligung. o Der kontinuierliche Austausch mit allen Parteien soll eine dauerhafte Transparenz und einen kontinuierlichen Informationsfluss gewährleisten. o Bei den Veranstaltungen der Bürger*innenbeteiligung ist die Politik zur aktiven Mitarbeit eingeladen. Schon im Vorfeld waren kulturpolitische Sprecher*innen aktiv in den Vorbereitungsworkshops vertreten. o Die Ergebnisse werden für die politische Entscheidungsfindung aufbereitet. o Die Wiederholungen der Veranstaltungen sowie die Präsentation der Ergebnisse im Ausstellungsraum studio_bnx ermöglichen einen fortlaufenden “Umsetzungscheck”. Das Kommunikationsteam begleitet alle Veranstaltungen und kommuniziert die Ergebnisse an die Öffentlichkeit und relevante Akteursgruppen. Bonn-macht-mit.de ist die zentrale Online-Ressource für die Dokumentation des Prozesses im engeren Sinne. Eigene Social-Media-Kanäle und die Museumshomepage bündeln stadtweite Aktivitäten. Dokumentation, Auswertung und Reflexion Die etappenhaften Planung mit dem Grundsatz „Vom Allgemeinen zum Speziellen“ ermöglicht eine schrittweise Erarbeitung der Ideen und Anregungen. Die iterative Prozessgestaltung ermöglicht es, dass Lösungen verdichtend ermittelt werden. Die prozessbegleitende Dokumentation findet durch die Projektleitung der Neukonzeption in enger Zusammenarbeit mit der Museumsleitung statt. Die Dokumentation und Auswertung erfolgt über die Homepage des Museums, das Portal Bonn-macht-mit.de, die Social-Media-Kanäle sowie den öffentlich und barrierefrei zugänglichen Ausstellungsraum studio_bnx. Ergebnisse werden sukzessive in den laufenden Prozess rückgekoppelt. Gemäß der Leitlinien Bürgerbeteiligung wird der Beirat für Bürgerbeteiligung zu Rate gezogen, um Auswertungskriterien und Indikatoren zu definieren, die Wirksamkeit und Erfolg des Prozesses sichtbar machen.Seite 28 von 31 26 Das Stadtmuseum Bonn entwickelt seine Planung im Rahmen eines Qualitätsmanagementsystems, das auf den Richtlinien und Werten der nationalen und internationalen Fachverbände Deutscher Museumsbund (DMB) und International Council of Museums (ICOM) basiert. Zur Evaluation von Prozessen und Ergebnissen arbeitet das Stadtmuseum Bonn mit dem Institut für Archäologie und Kulturanthropologie der Universität Bonn zusammen. Es besteht ein Kooperationsvertrag für die Zeit der Bürgerbeteiligung. Die interdisziplinäre „AG Stadtmuseum“ begleitet den partizipativen Prozess wissenschaftlich. In Lehrforschungsprojekten werden urbane Kulturen und alltagsweltliche Entwicklungen erforscht und ins Stadtgedächtnis transferiert (Lehrforschungsprojekte). Zudem entsteht am Lehrstuhl für Kulturanthropologie eine Masterarbeit zu Wirksamkeit und Durchführung der Bürger*innenbeteiligung. Zudem adaptiert das Projektteam das Prinzip des „Generic Learning Outcomes“ (GLO), ein Raster zur Identifizierung von Lernergebnissen. Neben Wissen und Verständnis (knowledge & understanding) sind dies: o Handlungskompetenzen, soziale, körperliche und kommunikative Kompetenzen (skills), o Einstellungen und Werte (attitudes & values), o Freude, Inspiration und Kreativität (enjoyment, inspiration, creativity), o Aktivität, Verhaltensweisen, Entwicklung (activity, behaviour & progression). generic learning outcomes knowledge & understanding skills atittudes & calues enjoyment, inspiration, creativity activity, behaviour, progessionSeite 29 von 31 27 Ergebnis der Bürger*innenbeteiligung soll ein in offenen und transparenten Entscheidungsprozessen abgestimmtes Konzept für ein Raumprogramm und inhaltlich-programmatische Neuausrichtung des Stadtmuseums Bonn als Entscheidungsgrundlage für den Rat der Stadt Bonn sein.Seite 30 von 31 28 Zeitrahmen und Finanzierung Der Beteiligungsprozess startet im dritten Quartal 2021 und wird voraussichtlich bis in die erste Jahreshälfte 2023 laufen. Die Ergebnissicherung und die anschließende Erarbeitung der Neukonzeption werden voraussichtlich im 2. Quartal 2023 abgeschlossen sein. Für den zweijährigen, partizipativen Transformationsprozess (2021/2022) wurden Fördermittel beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) beantragt und in Höhe von 68.300,00 Euro bewilligt. Zusätzlich bringt das Stadtmuseum zweckgebundene Eigenmittel von 10.000 Euro in den Prozess ein. Zusätzlich sind für die Bürger*innenbeteiligung im Haushalt des Stadtmuseums 60.000 Euro reserviert. Somit stehen für den Gesamtprozess 138.300,00 EUR zur Verfügung. Weitere zusätzliche Mittel sind bei der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des Förderprogramms „dive in. Programm für digitale Interaktionen“ beantragt und sollen zur Realisierung des digitalen Projektes „City Stories“ verwendet werden. Zusätzlich ist eine Förderung zur Digitalisierung der Sammlungsbestände und Kontextualisierung derselben als Citizen Science-Projekt über das NRW-Förderprogramm „Digitalisierung von Forschungsmuseen“ beantragt. Die entsprechenden Eigenanteile deckt das Stadtmuseum aus seinem laufenden Budget. Ebenso wird die Herrichtung des Ladengeschäftes in der Franziskanerstraße aus dem allgemeinen Museumsbudget gedeckt.Seite 31 von 31
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 19:23 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de