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211577 · Mitteilungsvorlage

Jahresbericht der Biologischen Station Bonn Rhein Erft 2020

Nummer
211577
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
04.09.2021
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 20.01.2022 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Naturschutzbeirates 05.10.2021 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
211577
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Jahresbericht der Biologischen Station Bonn Rhein
Erft 2020
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
25.11.2021 Kenntnisnahme
Naturschutzbeirat Kenntnisnahme
Mitteilung:
Im Rahmen der Beschlussfassung zum Beitritt der Bundesstadt Bonn zum
Verein Biologische Station Bonn / Rhein-Erft e.V. wurde die jährliche Vorlage
eines Tätigkeitsberichtes beschlossen.
Der Jahresbericht 2020 ist als Anlage beigefügt.
Der Leiter der Biologischen Station wird zum Tätigkeitsbericht in der Sitzung
vortragen und steht bei Bedarf zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung.
Folgende Hinweise zum aktuellen Jahresbericht:
Die Flächen im Bereich der Sauren Wiesen in Pützchen wurden inzwischen
eingezäunt und beschildert.
Die zur Zeit intensiv bewirtschaftete Fläche im Bereich des
Naturschutzgebietes Siegmündung wird künftig wieder im Rahmen des
Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet.
Inzwischen liegen die beantragten Fördermittel für die Umsetzung des PEPL
Lyngsberg – über 2 Jahre – vor. Derzeit läuft das Ausschreibungsverfahren. Im
Herbst 2021 kann voraussichtlich mit der Umsetzung der ersten Maßnahmen
begonnen werden.
Anlage/n
1 Biostation Jahresbericht_2020_final (öffentlich)Seite 1 von 81
Biologische Station
Bonn/Rhein-Erft e.V.
Jahresbericht 2020Seite 2 von 81
Biologische Station Bonn / Rhein-Erft Jahresbericht 2020
Bericht über die im Zeitraum 2020 bearbeiteten Projekte.............................................................. 1
Projekte im Stadtgebiet von Bonn (Projekte 1 bis 7) ...................................................................... 2
Projekt 1: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in
Schwerpunktgebieten ......................................................................................................................... 2
Projekt 2: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz außerhalb der
Schwerpunktgebiete ......................................................................................................................... 13
Projekt 3: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben ......................................................................... 15
Projekt 4: Vertragsnaturschutz in Bonn ......................................................................................... 15
Projekt 5: Artenschutz in Bonn ...................................................................................................... 16
Projekt 6: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben ................................................................ 21
Projekt 7: Naturschutzbildung und Öffentlichkeitsarbeit in der Stadt Bonn ................................. 21
Projekte im Rhein-Erft-Kreis (Projekte 8 bis 14) ........................................................................... 21
Projekt 8: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in
Schwerpunktgebieten ....................................................................................................................... 22
Projekt 9: Schutzgebietsbetreuung und Artenschutz außerhalb der Schwerpunktgebiete im
Rhein-Erft-Kreis ............................................................................................................................... 27
Projekt 10: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben im Rhein-Erft-Kreis.......................................... 30
Projekt 11: Vertragsnaturschutz im Rhein-Erft-Kreis ....................................................................... 30
Projekt 12: Artenschutz im Rhein-Erft-Kreis .................................................................................... 36
Projekt 13: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben ................................................................ 44
Projekt 14: Naturschutzbildung und Öffentlichkeitsarbeit im Rhein-Erft-Kreis .............................. 45
Drittmittel-Projekte.................................................................................................................... 47
Life+ Projekt: „Villewälder – Wald- und Wasserwelten“................................................................... 47
LEADER Projekt Na-Tür-lich Dorf – Naturschutz vor der Haustür ..................................................... 53
Maßnahmenkonzepte zur Pflege und Entwicklung von Naturschutzgebieten im Rhein-Erft-Kreis . 56
Zusatzprojekte für den Insektenschutz im Rhein-Erft-Kreis .............................................................. 67
LVR Projekt „Obstwiesen-Renaissance rund um die Ville“ ............................................................... 69
Weitere Zusatzprojekte im Jahr 2020 ............................................................................................... 72
Veröffentlichungen und Arbeiten von Mitarbeiter*innen sowie betreute Studienarbeiten ........... 74
Dank .......................................................................................................................................... 74
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ................................................................................................ 75Seite 3 von 81
1
Bericht über die im Zeitraum 2020 bearbeiteten Projekte
Der vorliegende Jahresbericht umfasst Projekte, die über die Förderrichtlinie Biologische Stationen
(FöBS) gefördert wurden und im Arbeits- und Maßnahmenplan AMP verankert sind, sowie Beispiele
von Projekten aus dem sonstigen Förderbereich und dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Da viele
Tätigkeiten in den einzelnen Gebieten sich jährlich wiederholende Daueraufgaben sind und in den
Vorjahresberichten bereits mehrfach beschrieben wurden, legen wir den Fokus auf abweichende
Besonderheiten.
Wie überall, hat auch in der Station der Beginn der Corona-Epidemie zu vielen Veränderungen und
unerwarteten Mehrarbeiten geführt. Es galt, die rechtlich vorgegebenen Vorschriften zu sichten, mit
allen 14 haupt- und mind. 5 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, 4 FÖJler*innen und über das Jahr
hinweg 15 Praktikant*innen in beiden Zweigstellen umzusetzen und darüber hinaus das Infektions-
risiko so weit wie möglich zu minimieren, was bisher auch gelungen ist! Dazu gehörten Besprechungen,
Bekanntmachung, Erstellung, Bekanntmachung und Durchführung von Hygienekonzepten, Redu-
zierung von Personen in Fahrzeugen und Räumen, Beschaffung von Desinfektionsmitteln, Masken,
Hinweisschildern etc. sowie die technische Aufrüstung für Videokonferenzen und Homeoffice (Dienst-
Laptops, Lautsprecher, Mikrophone, Head-Sets, weitere Bildschirme). In diesem Rahmen wurde die
Datenbank der Biostation in eine Cloud transferiert, so dass ein Zugriff von anderen Orten direkt auf
fast alle Daten möglich ist. Damit haben alle Büromitarbeiter*innen die Möglichkeit, von zuhause aus
zu arbeiten und damit die Anzahl Personen in den Büros deutlich zu verringern. dadurch
Über die Jahre, die wachsende Mitarbeiter*innen- und Projektzahl ist der Fundus an Fotos zur Arbeit
der Station enorm angestiegen. Mithilfe einer Bilddatenbank sollen seit 2020 Verfügbarkeit, Zugriff
und gezielte Suchen für einzelne Aufgaben strukturiert und erleichtert werden. Dafür wurde begon-
nen, die Fotos zu sichten und nach einheitlichen Kriterien zu benennen. Für die ausgewählte Daten-
bank wurde ein Schlagwortverzeichnis aufgebaut und begonnen, Fotos sukzessive zu verschlagworten.
Unter dem Motto
„Wat fott is is
fott“ widmeten
sich die Mitar-
beiter*innen der
Biologischen
Station (in ihrer
Freizeit) als
Schmetterlinge
verkleidet dem
Thema Insekten-
schutz im Februar
2020 beim Drans-
dorfer Straßen-
karneval.Seite 4 von 81
2
Eines der letzten sozialen Events im Team war die erstmalige Teilnahme am Dransdorfer
Karnevalszug, s. Foto. Das Wurfmaterial (Saatgut, Bio-Obst, Süßigkeiten) wurde teils privat
gespendet, die Vorbereitung und Mitwirkung fand für alle in ihrer Freizeit statt. Die Resonanz war
durchweg positiv und das Schlagwort „Insektensterben“ erfreulich vielen Zuschauer*innen bereits
bekannt.
Projekte im Stadtgebiet von Bonn (Projekte 1 bis 7)
Projekt 1: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in
Schwerpunktgebieten
Im NSG (Naturschutzgebiet) Ennert sollte das Thema Besucherlenkung mit zusätzlichen VE angegangen
werden. Hierzu kam es zu mehreren Treffen mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Bonn und
dem Landesbetrieb Wald & Holz NRW. Gemeinsam wurden erste Schritte beschlossen und eine
Pressemitteilung herausgegeben („Naturschutzgebiete im Freizeitstress“, vom 27.08.2020). Online-
Wanderportale, Youtuber*innen und andere Internetnutzer*innen, die offensichtlich gegen geltendes
Naturschutzrecht im Ennert oder in der Siegmündung verstoßen, wurden benachrichtigt und teilweise
Anzeigen bei der Polizei erhoben.
FFH-Gebiete Siegaue und Siegmündung
An zwei Aktionstagen im Februar wurden 13 der 65 insgesamt im FFH- und Naturschutzgebiet
stehenden Kopfweiden geschnitten. Weitere Altbäume waren umgekippt oder aufgrund der
Brüchigkeit nicht mehr schneidbar. Dank der Mitarbeit von 35 erwachsenen Helfer*innen und 16
Kindern konnten wir große Mengen des Schnittmaterials an über 55 Interessierte abgeben. Anfang
2020 wurden alle Kopfweiden neu digital aufgenommen und bewertet.
Der floristisch-vegetationskundlich wertvolle Sommerdeich wurde im August und Dezember an
insgesamt vier Tagen gepflegt. Im Mai war nach dem Hochwasser ein Entfernen von Treibgut erfor-
derlich. Das Management im Grünland auf den Vertragsnaturschutzflächen beschränkte sich weit-
gehend auf die Aussparung von Teilflächen bei der ersten Mahd, um Blühaspekte und Rückzugsbe-
reiche für die Fauna zu erhalten. Den ersten Aufwuchs der floristisch wertvollsten Fläche konnten wir
für eine Mahdgutübertragung ins Kölner Stadtgebiet nutzen.
Sonder-VE Wiesenaufwertung: Das für drei Jahre finanzierte Sonderprojekt konnte aufgrund von
Corona nur in ersten Ansätzen umgesetzt werden. Vorgesehen ist die Aufwertung floristisch verarmter
Wiesenbereiche im NSG, die sich im Eigentum der Stadt befinden. Hier soll nach Bestandsaufnahme
des Ausgangsbestands ein partieller streifenförmiger Umbruch erfolgen und auf diesen Streifen dann
Mahdgut von artenreichen Flächen aus dem NSG aufgebracht werden, unterstützt durch eine Einsaat
mit autochthonem Saatgut. Die entscheidende Planungsphase im Frühjahr fiel in den Beginn der
Pandemie, so dass die Abstimmung mit den Ansprechpartner*innen bei der Stadt nicht möglich war.
So wurde lediglich der Status der Empfängerfläche kartiert und erst im Herbst mit der Umsetzung der
Planung für 2021 begonnen. Kontakte mit dem derzeitigen Bewirtschafter verliefen wenig erfreulich,
so dass eine Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen erst nach einer Kündigung der Pachtflächen
umgesetzt werden kann. Dies bedeutet eine weitere Verzögerung im Projektverlauf.Seite 5 von 81
3
Bei der floristischen Erfassung einer Vertragsnaturschutzfläche im Osten des NSG als potentieller
Spenderfläche wurde ein erfreulich guter Gesamtzustand festgestellt. Die Fläche hat sich unter der
mittlerweile 15-jährigen Pflege im Vertragsnaturschutz von einer mäßig interessanten Fläche zu einer
blütenreichen, hochwertigen Flachland-Mähwiese (LRT-6510) in gutem, stellenweise sogar hervor-
ragendem Erhaltungszustand entwickelt. Leider hat der bisherige Bewirtschafter seinen Betrieb in
diesem Jahr eingestellt und die Fläche an einen anderen Bewirtschafter abgetreten, der sie zukünftig
in deutlich intensiverer Form bewirtschaften will und trotz nachdrücklicher Aufklärung und Werbung
nicht zu bewegen war, den Vertragsnaturschutz fortzuführen. Damit droht eine Verschlechterung des
erreichten guten Zustands, der naturschutzfachlich nicht hingenommen werden kann. Wir haben
daher bei der Stadt darum gebeten, dass auch dieser Pachtvertrag gekündigt wird, so dass die Fläche
ab 2022 wieder naturschutzkonform bewirtschaftet werden kann.
Sonder-VE Besucherlenkung: Im NSG Siegmündung sollte das Thema Besucherlenkung mit
zusätzlichen Verrechnungseinheiten (VE) angegangen werden. Bei mehreren Begehungen der Sieg-
mündung in den Sommermonaten wurden Badende und Badestellen sowie Trampelpfade kartiert.
Erfassung und
Digitalisierung der
illegalen Trampelpfade
und Badestellen
entlang der Bonner
Siegufer im Sommer
2020Seite 6 von 81
4
FFH-Gebiet, Siebengebirge/ Teilbereich Ennert
Im strukturreichen Ennert nimmt die Biologische Station zahlreiche Aufgaben im Zusammenhang mit
dem Vorkommen besonders stark gefährdeter Tierarten wahr.
Die Bestände des Dunklen Moorbläulings (Maculinea nausithous) brachen 2020 extrem ein, was
Kolleg*innen anderer Biostationen für ihre Flächen bestätigten und mit hoher Wahrscheinlichkeit an
der mehrjährigen Trockenheit mit Dürren liegt. Bei den drei regulären Terminen konnte nur eine Maxi-
malzahl von sieben (!) Tieren ermittelt werden, ergänzende Beobachtungen auch anderer
Expert*innen ergaben keine höheren Zahlen. Die Pflege im Vertragsnaturschutz findet seit Jahren in
ähnlicher Form statt und ist an die Lebensraumansprüche des Falters angepasst: 2020 mähte der
Landwirt die Wiesen im Juni und sparte die abgesteckten Flächen von 0,64 ha vertragsgemäß und
ordentlich aus. Die Wirtspflanze Großer Wiesenknopf hatte auch 2020 große Bestände auf den
Feuchtwiesen, war allerdings stark verpilzt und die Blütenbildung geringer als in anderen Jahren – auch
dies mit hoher Sicherheit eine Folge der Trockenheit. Corona-bedingt fand 2020 keine Schädigung der
Flächen durch die Parkplatznutzung beim Pützchens Markt statt und Kontrollen waren nicht erfor-
derlich. Die Gräben waren ordnungsgemäß gepflegt, könnten aber durch Rücknahme von Sträuchern
und Bäumen weiter für den Schutz des Moorbläulings entwickelt werden, zumal sie 2020 deutlich
feuchter und der Aufwuchs besser entwickelt war als auf dem Rest der Flächen.
Zählung des Dunklen Moorbläulings (Maculinea nausithous ) auf Pützchens Wiesen
2002 bis 2020Die dargestellte Grafik zeigt die extrem hohe Belastung des FFH-Gebiets durch die Freizeitnutzung.
Bei den Begehungen wurden Badende angesprochen und die Halter*innen von insg. zehn parkende
PKW unter der Brücke an der Siegfähre bei der Polizei angezeigt. Bei der Erstellung einer neuen
Infotafel für das NSG Siegmündung wurde Hilfestellung in Form von Bild- und Textmaterial an die
Untere Naturschutzbehörde (UNB) geleistet.Seite 7 von 81
5
Geburtshelferkröten-Monitoring im Ennert
Die Geburtshelferkröte ist eine streng geschützte Amphibienart, die in bisherigen Artenschutz-
projekten der Biologischen Station nur am Rande erfasst und mit Maßnahmen unterstützt wurde. Sie
hat im Stadtgebiet mehrere Vorkommen, davon einige in Siedlungen oder unmittelbarer Siedlungs-
nähe. Der Kenntnisstand über die Gesamtverbreitung und die jeweiligen Populationsgrößen ist
veraltet, während gleichzeitig die Gefährdung durch Siedlungsausbau, Sukzession und vor allem
Chytridiomykose stark zugenommen hat. In den Jahren 2020 bis 2023 wird die Geburtshelferkröte
daher im rechtsrheinischen Teil der Stadt Bonn erfasst, ferner werden Artenhilfsmaßnahmen
konzipiert und unter Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung umgesetzt. Im Jahr 2020 wurde der Ist-
Zustand der Populationen überprüft und zeigte deutlich den kritischen Erhaltungszustand der Art.
Geburtshelferkröten konnten nur an insgesamt fünf Standorten rufend nachgewiesen werden
(s. Karte). Fast im gesamten Bereich um Holzlar wurden keine Tiere mehr nachgewiesen. Die meisten
Vorkommen befinden sich am Ennerthang. Über die Postcode-Lotterie wurden erfolgreich Mittel
beantragt, um 2021 eine vorhandene Population am Ennerthang zu stärken. Weitere Maßnahmen zur
Artenschutzhilfe für die Geburtshelferkröte sind in den kommenden beiden Jahren geplant.
Geburtshelferkröten-Nachweise 2020
Bei den allgemeinen Zustands- und Erfolgskontrollen konnten wir den Zottigen Klappertopf erneut
nicht finden.Seite 8 von 81
6
Die bereits 2019 aufgefallene und gemeldete illegale Betretung der wertvollen Feuchtwiesen
insbesondere durch Hundehalter*innen mit meist nicht angeleinten Hunden und in geringerem Maße
Mitarbeiter*innen des Gewerbegebiets zur Mittagspause (inkl. Müll liegen lassen) hat sich –
vermutlich durch Corona – drastisch verschärft und führte 2020 zu einer deutlichen Entwertung. Selbst
wochentags vormittags waren Besucher*innen vorhanden und es haben sich viele gut sichtbare und
Trampelpfade gebildet. In Abstimmung mit der UNB und dem Pächter ist daher geplant, deutliche
Maßnahmen – Aufstellen sowohl offizieller als auch erläuternder Schilder und Einzäunung – zu
ergreifen.
Die Lebensräume der Gelbbauchunke im NSG mussten aufgrund der Trockenheit nur einmal Ende
März gepflegt werden.
Die langjährige Betreuung des Amphibienzaunes im FFH-Gebiet Siebengebirge entlang der Ober-
kasseler Straße wurde durch die Zusammenarbeit der Biostation mit ehrenamtlichen Helfer*innen
gewährleistet; letztere führten einen Großteil der Kontrollen durch. Etwa acht Kontrollen übernahm
die Biostation, entweder zur Einarbeitung der 2020 wieder erfreulich vielen neuen Helfer*innen oder
als Krankheits- oder sonstiges Vertretung. Der temporäre Zaun wurde recht früh am 14. Februar
aufgestellt, die Kontrollen erfolgten vom 16. Februar bis 30. März, also über 6,5 Wochen mit 46
Kontrolltagen. Die langjährige Entwicklung der Bestände am Zaun zeigt folgende Abbildung:
„Corona-Schäden“ in den Pützchens Wiesen, FFH -Gebiet Siebengebirge, im Juni 2020Seite 9 von 81
7
Fangzahlen am Amphibienzaun an der Oberkasseler Straße von 1993 bis 20 20 (im Jahr
1999 wurde keine Zählung durchgeführt).
Die Wanderung verlief 2020 recht zügig mit zwei Spitzen von 111 Tieren am 24. Februar und nochmals
88 Tieren am 11. März. Schon Mitte März war die Frühjahrsanwanderung beendet, so dass wir den
Zaun am 31. März abbauten. Die Wanderzahlen sind gegenüber den Vorjahren zurückgegangen und
liegen erstmals seit 2006 unter 600 Amphibien: Neben 526 Erdkröten wurden 23 Feuersalamander, 18
Grasfrösche und acht Molche durch den Schutzzaun aufgefangen, insgesamt also 575 Amphibien.
Berücksichtigt man, dass die am Zaun gefangenen und geretteten Tiere nur einen Teil der gesamten
Erdkrötenpopulation des Dornheckensees ausmachen, handelt es sich in jedem Falle um ein sehr
großes und damit in NRW überregional bedeutsames Vorkommen.
Seit dem Jahr 2016 wandern auch an der Pützchens Chaussee im FFH- und Naturschutzgebiet (wieder)
vermehrt Erdkröten über die stark befahrene Straße, so dass wir mit verstärkter ehrenamtlicher Hilfe
seit 2018 dort auch wieder einen Schutzzaun von etwa 300 m mit 25 Fangeimern aufstellen. Zur
genauen Historie dieses Schutzzauns findet sich unter www.biostation-bonn-Rheinerft.de im Archiv
ein Gutachten der Biostation von 2018. Im Jahr 2020 gingen auch hier die Zahlen gegenüber 2018 und
2019 zurück: In den Eimern fanden sich 336 Amphibien, davon 264 Erdkröten, 51 Grasfrösche, sechs
Molche und erneut ein Feuersalamander.Seite 10 von 81
8
Entwicklung der Anzahl wandernder Amphibien am Schutzzaun an der Pützchens
Chaussee 1984–1992 (Quellen: DBV-Naturschutzjugend Bonn, Praktikumsbericht
Laumann 1992) und 2018–2020 (eigene Daten).
Die Fläche „Alter Sportplatz“ wurde wie üblich zweimalig im Juli und September in Teilen gemäht.
Dieses Jahr wurde dabei erstmalig der neu eingesäte Hang einbezogen (siehe Foto). Wegen
Verwitterung und Vandalismus erneuerten wir nach elf Jahren die Infoschilder des 2009 erstellten LVR-
Naturerlebnispfades, inkl. Pressetermin am 15.7.2020 (siehe Foto).
Erstmalige Mahd der Hangkante des alten Sportplatzes im FFH-Gebiet SiebengebirgeSeite 11 von 81
9
Austausch der teilweise stark ausgebleichten Schilder am Naturerlebnispfad. Foto:
Rainer Schmidt, Generalanzeiger
Während der Baumaßnahmen zur Hangsicherung (2019) installierte der Landesbetrieb Straßen NRW
mehrere Gullys, direkt am Fuß des Hanges auf der Fläche „Alter Sportplatz“. Diese wurden von uns im
Rahmen eines Zusatzauftrages des Landesbetriebes mit Ausstiegshilfen (Metallband mit sog.
Krallmatten) für Reptilien versehen (siehe Foto).
Auch im Jahr 2020 erfasste Heinz Schumacher als ehrenamtlicher Mitarbeiter und ausgewiesener
Schmetterlingsexperte die Nachtfalter am Stingenberg, unserem „hotspot“ der Artenvielfalt,
insbesondere für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten, von denen einige ihre nördliche Arealgrenze
hier haben. Die Ergebnisse sollen 2021 veröffentlicht werden.
Gully mit Ausstiegshilfe
insbesondere für ReptilienSeite 12 von 81
10
Sonder-VE Besucherlenkung: Im Rahmen der Sonder-VE Besucherlenkung im Ennert wurden Trampel-
pfade kartiert (noch nicht abgeschlossen). Dieses ist v.a. im Bereich des Dornheckenparkplatzes sehr
schwierig, da GPS-Signale teils zu ungenau sind und das freie Einzeichnen in die Karte bei der enormen
Wegedichte schwer zu handhaben ist. Etliche Personen wurden auf Trampelpfaden angetroffen und
auch angesprochen. Es gab mehrere Ortstermine mit der UNB, dem Landesbetrieb Wald & Holz, dem
Projektteam von Chance7 und dem LVR am Stingenberg. Hierbei wurde sowohl erörtert, was mit dem
an falscher Stelle gegossenen Fundament passieren soll, als auch die Auswirkung des von Chance 7
geöffneten Zugangs zum Stingenberg beurteilt und diskutiert. Anfang Oktober wurde von Chance 7 ein
Weidezauntor an dem Eingang angebracht. Dieses wurde von der Biologischen Station mit zwei Din-A-
3 Postern zur Besucheraufklärung begleitet. Das Zulegen des Rebecca-Trails gemeinsam mit dem
Landesbetrieb W&H und die inhaltliche Konzeption zweier Infotafeln am Stingenberg und Nücker
Felsenweg gemeinsam mit der UNB (Umsetzung von beidem in 2021) wurden weitestgehend
vorbereitet.
FFH-Gebiet Waldreservat Kottenforst
Die Betreuung und Optimierung von Offenlandbiotopen und besonders wichtiger Zielarten wurden bis
Ende des Jahres durch das LIFE+ Projekt abgedeckt (s. Drittmittelprojekte). Die Arbeiten der Biostation
beschränken sich daher auf fachliche Begleitung des Projekts, Abstimmungen und Hilfe u.a. bei der
großen Abschlussveranstaltung. Die Ringelnatter-Lebensräume wurden einmalig Mitte Mai 2020
freigestellt, ein weiterer Durchgang war wegen der Trockenheit nicht nötig.
Seit 2016 werden im Kottenforst wieder Leuchtabende zur Erfassung der aktuellen Nachtfalterfauna
durch unseren ehrenamtlichen Helfer Rolf Mörtter durchgeführt. Im Jahresbericht 2019 ist die aktuelle
Situation näher dargestellt. Seit Anfang der 1980er Jahre wurden insgesamt 840 Arten nachgewiesen,
davon 768 Arten von 1982 bis 1986 und 465 seit 2016. In der Bilanz sind so einerseits 72 Arten
hinzugekommen, andererseits wurden 303 früher nachgewiesene Arten (noch) nicht wiedergefunden.
Die Untersuchungen sollen in den nächsten Jahren fortgesetzt werden, um die Veränderungen noch
besser zu dokumentieren, die Kenntnisse über die Kleinschmetterlinge zu ergänzen und in 2-3 Jahren
eine umfassendere Gesamtauswertung vorzunehmen (Mörtter schriftl. Mitt.).
Neuer Zaun von Chance7 mit Hinweisschildern am Eingang zum Stingenberg, sehr große
Barriere zum sog. Rebeccatrail.Seite 13 von 81
11
NSG Düne Tannenbusch
Die Wiesenpflege im Naturschutzgebiet wird in Kooperation mit der Stadtförsterei durchgeführt,
wobei die Biostation die Flächen mäht und das gemähte Material zusammenrecht und auflädt, die
Stadtförsterei Abtransport und Entsorgung des mit Hundekot zum Teil stark belasteten Schnittguts
übernimmt. Die zweimalige Pflege erfolgte in diesem Jahr Mitte Juni und Ende September. Beim
zweiten Durchgang wurden wir wieder an einem Tag durch einen Freiwilligen-Einsatz der DHL
unterstützt, wobei auch Müll gesammelt und Besenginster entfernt wurde. Darüber hinaus wurde
regelmäßig das aus Holzgeländern bestehende Besucherleitsystem kontrolliert und kleinere Repara-
turen durchgeführt.
Die Erfolgskontrolle Ende April Mai ergab eine leichte Erholung des Silbergrases (Corynephorus
canescens), während sich der Bestand der Platterbsenwicke (Vicia lathyroides) nahezu halbierte. Für
den Kleinen Vogelfuß (Ornithopus perpusillus) waren offensichtlich sehr günstige Keim- und Entwick-
lungsmöglichkeiten im Herbst 2019 gegeben, so dass sich sein Bestand bei einer Zunahme von fast
20.000 Exemplaren nahezu verfünffachte. Hier zeigt sich sehr anschaulich, dass sich die
außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse der letzten beiden Jahre auf dem Extremstandort Düne
sehr unterschiedlich auf das Vorkommen der wertgebenden Arten auswirken können. Von den
weiteren Rote-Liste-Arten wies die Kahle Gänsekresse (Arabis glabra) in diesem Jahr 78 Exemplare auf,
was dem Wert der letzten vier Jahre vergleichbar ist. Auch bei dem in NRW vom Aussterben bedrohten
Feld-Beifuß (Artemisia campestris) gab es mit 28 Exemplaren nur eine geringe Veränderung gegenüber
dem Vorjahr. Die meisten Individuen konnten 2020 trotz der extremen Sommerhitze und Trockenheit
fruchten, wie eine herbstliche Kontrollbegehung zeigte. Zur Förderung dieser besonders wichtigen Art
wird auch weiterhin das im Sicherungsbeet der Biostation gewonnene Saat- und Pflanzgut ergänzend
auf der Düne ausgebracht, um den Bestand weiter zu vergrößern.
Entwicklung der Vorkommen von Silbergras, Platterbsenwicke und Kleinem Vogelfuß auf
der Düne Tannenbusch 2002 bis 2020Seite 14 von 81
12
FFH-Gebiet Rodderberg
Die beiden Beweidungsgänge liefen 2020 wie gewohnt beanstandungsfrei und mit gutem Ergebnis.
Pflegearbeiten erfolgten an zwei Tagen im November, wobei vor allem die Tuffgrube freigestellt
wurde. In etwa sechswöchigem Abstand wurde das Besucherleitsystem auf Schäden kontrolliert und
im Dezember kleinere Vandalismus-Schäden an den Holzauflagen beseitigt. Eine gezielte Nachsuche
nach der Purpur-Sommerwurz (Orobanche purpurea) erbrachte leider wieder keinen Nachweis.
Möglicherweise hat sie die extremen Witterungsbedingungen der letzten Jahre nicht überstanden,
obwohl über das Beweidungsmanagement versucht wurde, die bekannten Standorte nur sehr extensiv
zu beweiden. Sie muss aktuell als verschollen gelten.
Der Schwerpunkt der Schutzgebietsbetreuung lag 2020 auf der Erstellung des vom LANUV für die EU-
Berichterstattung angefragten Maßnahmenkonzepts (MAKO). Die in den Vorjahren durchgeführten
Kartierungen der Biotoptypen wurden im GIS aufgearbeitet, um fehlende Details ergänzt und in der
gebotenen Kürze als Maßnahmenkonzept für die nächsten zehn Jahre ausformuliert. Während dies für
die Magerrasen und trockenen Wiesen und Weiden lediglich eine Übersetzung der langjährigen guten
Pflegepraxis bedeutete, war dies für die nicht von der Biostation betreuten Privatflächen im Krater-
inneren und die Waldflächen an den Hängen zum Rhein hin deutlich aufwändiger. Hier mussten
zunächst Entwicklungsziele definiert werden, um einzuleitende Maßnahmen zur Zielerreichung formu-
lieren zu können. Auch eine zeitliche Priorisierung für die Maßnahmen war nicht immer leicht zu
treffen. Da alle Eingaben in der vom LANUV vorgegebenen, komplexen und an vielen Stellen
umständlich und unbefriedigend zu handhabenden Datenfachschale OSIRIS einzugeben und zu
bearbeiten waren, kam es immer wieder zu technischen Schwierigkeiten bei der Datenübermittlung.
Dadurch werden kleinere Nacharbeiten auch noch 2021 anfallen.
Im November erfolgte nach Abstimmung mit der UNB die erste Umsetzung unseres über Sondermittel
geförderten Annuellen-Experiments. Durch das Auffräsen der vorhandenen Magerrasenvegetation
wurden an mehreren Stellen Rohbodenstandorte geschaffen, um das gegebenenfalls noch vorhan-
dene Samenpotential seltener Arten zu reaktivieren. Unter anderem wurden zwei Standorte auf diese
Weise bearbeitet, an denen vor mehr als 15 Jahren Herr Dieter Korneck die letzten Exemplare der in
Deutschland vom Aussterben bedrohten Klebrigen Miere (Minuartia viscosa) gefunden hatte. Das
Sonderprojekt, welches auch Erfolgskontrollen beinhaltet, ist zunächst auf drei Jahre befristet.
Eines von vier
Fräsfeldern,
mit dem das
Samenpoten-
tial von
verschollenen
Rote-Liste-
Pflanzenarten
reaktiviert
werden soll.Seite 15 von 81
13
Projekt 2: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener
Artenschutz außerhalb der Schwerpunktgebiete
NSG Nasswiesen und Bruchwald Kohlkaul (Kohlkaulwiesen)
Erfassungen: Die regelmäßigen Zustandskontrollen ergaben keine besonderen Vorkommnisse,
Trampelpfade hielten sich in Grenzen und der Pflegezustand war insgesamt gut. Besorgnis erregend
waren die Zählungen der beiden Dactylorhiza-Arten als Indikatoren für den Zustand der
Feuchtwiesenbereiche: Vermutlich aufgrund der Trockenheit im mittlerweile dritten Jahr sind die
Bestände beider Knabenkräuter eingebrochen: Das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata)
erreichte 1.346, das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) nur 164 blühende Pflanzen.
Auch der eh schon kleine und lokal auf einen Standort sehr begrenzte Bestand Färberscharte
reduzierte sich von 80 auf 30 Exemplare.
Praktische Maßnahmen: Das an seltenen Pflanzenarten sehr reiche Naturschutzgebiet ist seit fast 15
Jahren im Vertragsnaturschutz und wurde dieses Jahr zweimal gemäht. Sensible Bereiche,
insbesondere die Pfeifengraswiesen, wurden hierbei ausgespart und durch die Biologische Station im
Herbst gepflegt. Weitere kleinere Pflegeeinsätze im Juni und Juli galten der Bekämpfung von Japan–
ischem Riesenknöterich (Reynoutria japonica) und Riesen-Bärenklau/Herkulesstaude (Heracleum
mantegazzianum). Beide Arten haben nur geringe Restbestände, die Herkulesstaude scheint
vollständig verschwunden zu sein. Ebenfalls aufgrund der Trockenheit waren vermehrt tote und
abgebrochene Bäume festzustellen, die wegen Bruchgefahr, zur allgemeinen Offenhaltung und
Gewährleistung der Mahd in mehreren, teils sehr spontanen Aktionen entfernt wurden. Schließlich
war aufgrund von Vandalismus der Austausch von Infoschildern und Einsammeln von Müll nötig.
Entwicklung von Vorkommen wertgebender Pflanzenarten im NSG Kohlkaul 2003 bis
2020. Die Kuckuckslichtnelke hat sich so stark ausgebreitet und vermehrt, dass sie seit
2013 nicht mehr gezählt wird.Seite 16 von 81
14
NSG Feuchte Grünlandbrachen und Mähweiden Kohlkaul (Kautex-Wiesen)
In den Kautex-Wiesen ist der Gesamtzustand aufgrund der intensiven Beweidung mit Pferden
anhaltend schlecht und entspricht nicht den Ansprüchen an ein Naturschutzgebiet. Eine sinnvolle
Betreuung durch die Station würde einen hohen zeitlichen Input erfordern, was derzeit aber aufgrund
nicht auskömmlicher Finanzierung unmöglich ist.
NSG Weiers Wiesen
Die einmalige Mahd der Feuchtwiesen im Naturschutzgebiet erfolgte durch einen von uns
beauftragten Landwirt; zwei auszusparende Flächen von insg. 400 qm wurden abgesteckt. Der
Pflegezustand war zufriedenstellend, Trockenheitsschäden weniger stark als in anderen Gebieten.
Nach wie vor ist der Gräseranteil aber hoch, und wertgebende Kräuter nur in geringer Zahl vorhanden
(Kuckuckslichtnelke, Wiesen-Platterbse, kleiner Bestand Sumpf-Schwertlilie, Großes Flohkraut, Großer
Wiesenknopf und Teufels-Abbiss).
NSG Lyngsberg
Da sich die Umsetzung der umfangreichen Aufwertungsmaßnahmen des Steinbruchareals durch die
Stadt verzögerte, wurde im Juli mit der Erstpflege der kleinen Wiesenfläche im Zentrum des Gebietes
begonnen. Die Zustandskontrolle zu diesem Zeitpunkt erbrachte für das NSG keine wesentlichen
Änderungen bei den wertgebenden Pflanzenarten gegenüber der Aufnahme vor einigen Jahren. Im
November wurde im Rahmen einer innerbetrieblichen Fortbildung zum Umgang mit der Motorsäge
das Wiesenareal durch die Entfernung der umliegenden jungen Bäume erheblich erweitert. Auf mehr
als der doppelten Fläche kann sich nun bei deutlich verbesserten Lichtverhältnissen wieder eine
artenreiche Wiese entwickeln.
Obstwiesen
Die von uns betreuten Bäume der Obstbaumallee auf dem Annaberger Feld wurden geschnitten und
die Äpfel geerntet. Verstärkte Aktivitäten zu Obstwiesen erfolgten im vom LVR finanzierten Projekt
„Obstwiesen-Renaissance“, s. Drittmittelprojekte.
Kopfweiden
Außerhalb des NSG Siegmündung wurden 2020 44
Kopfweiden zurückgeschnitten.
Kiesgruben
Die Pflegedurchgänge in den beiden von der Station
betreuten ehemaligen Kiesgruben (Alfterer Straße und
Stuch) verliefen wie geplant im Winter 2019. In der
Kiesgrube an der Alfterer Straße wurden dabei auch
erweiterte Hangbereiche als Lebensräume für
Wildbienen und Zauneidechse freigestellt. Durch einen
Ehrenamtstag von DHL am 22.10. konnten viele
arbeitsintensive Handarbeiten erledigt werden.
Frisch gepflegte Kiesgrube
„Stuch“ in Bonn-BeuelSeite 17 von 81
15
Hohlwege Mehlem
Seit 2017 untersuchen Heinz Schumacher und Rolf Mörtter ehrenamtlich die Nachtfalterfauna des
Hohlwegs, haben 2019 erste Ergebnisse veröffentlicht (s. Jahresbericht 2019), für 2021 ist eine größere
Veröffentlichung in Arbeit. Für 2020 wurde erneut eine Artenliste übergeben, die seit 1976 insg. 577
Schmetterlinge (Lepidoptera) auflistet, von denen aber sicher einige nicht mehr vorhanden sind.
Negativ fielen erneut die illegalen Ablagerungen von Grünabfällen und leider auch Bauschutt auf, was
besonders die wertvollen Hänge beeinträchtigt. Die Hinweise wurden an die UNB weitergeleitet.
Modellflächen in Bonn
Die mittlerweile seit vielen Jahren bestehenden Modellflächen für eine naturschutz-optimierte und
extensive Pflege von Grünflächen wurden nach Bedarf in Schuss gehalten und am CvO-Gymnasium
Stauden mehrere Arten aus eigener Anzucht nachgepflanzt (Wiesenflockenblumen, Herzgespann,
Kleine Wiesenraute, Büschelnelke, Tripmadam, Weißer und Gelber Mauerpfeffer).
Projekt 3: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben
Gemäß der Förder- und Berichtsstruktur fallen hierunter die Dokumentation, die GIS-Darstellung und
die Erstellung des vorliegenden Gesamtberichts. Die GIS-Darstellung erfolgt überwiegend mit
Quantum Gis, bei Projekten mit Datenaustausch mit dem LANUV in GISPAD.
Projekt 4: Vertragsnaturschutz in Bonn
Aufgrund der vereinfachten digitalen Weiterbeantragung der auslaufenden Verträge war der Aufwand
für Vertragsverlängerungen gering. Die Betreuung der bestehenden Verträge betraf daher weitgehend
Anfragen der Landwirte zu Bewirtschaftungsdetails und Problemen bei den zeitlichen
Bewirtschaftungseinschränkungen, die aber alle gelöst werden konnten. Mit einem Bewirtschafter im
Bereich des Meßdorfer Feldes konnte ein weiterer Landwirt für Vertragsnaturschutzmaßnahmen
gewonnen werden. Er legt kleine Blühflächen am Rand mehrerer Felder im Meßdorfer Feld und bei
Röttgen an, die ab 2021 mit einer Mischung gemäß der Rahmenmischung B eingesät werden. Es ist
erst der zweite Vertrag mit Ackermaßnahmen in Bonn.
Regiosaatgut-Kulturen an der Biostation in Bonn: Heilziest, Rundblättrige
Glockenblume, autochthoner Rotklee mit Netzschutz gegen KaninchenfraßSeite 18 von 81
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Wie in jedem Jahr wurden hochwertige blütenreiche Flächen in der Siegaue, den Kohlkaulwiesen und
dem Rodderberg markiert, um sie temporär von der Nutzung auszunehmen und als Rückzugsräume
für die Fauna zu sichern. Fast alle Vertragsflächen wurden mindestens einmal, die meisten mehrfach
während der Vegetationsperiode aufgesucht, um Zustand und Entwicklung zu kontrollieren. Verstöße
gegen die Vertragsauflagen stellten wir nicht fest.
Bei der Sammlung und Vermehrung von Kräuterarten regionaler Herkunft, die wir im Bonner Raum
seit 2004 betreiben, machte uns erneut die extreme Frühjahrs- und Sommerhitze zu schaffen. Durch
die technische Aufrüstung bei der Bewässerung kamen aber nahezu alle Kulturen gut zur Blüte und
brachten eine angemessene Samenernte. Weiterhin besteht eine hohe Nachfrage nach regional
angepasstem Saatgut, um kleinere und größere Flächen für die Insektenfauna aufzuwerten. Wir
konnten nicht alle Anfragen aus der Bonner Bevölkerung bedienen, und ein Ende des seit mehreren
Jahren zu beobachtenden Nachfrage-Booms ist nicht erkennbar. Auch der hohe zeitliche Aufwand für
Informationen und Beratungen für die Anlage von insektenfreundlichen Flächen mit Hilfe von
Einsaaten wird sich auf absehbare Zeit nicht reduzieren.
Projekt 5: Artenschutz in Bonn
Arten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
Das Projekt hat einen Schwerpunkt bei den praktischen Maßnahmen zum Erhalt der streng
geschützten Arten gemäß EU-Recht.
Die alljährlichen Pflegemaßnahmen zur Förderung der Mauereidechse an den Mauern in Oberkassel
fanden wie geplant statt. Das Monitoring ergab einen sehr guten Bestand mit weit über 100 Tieren,
die mittlerweile selbst auf den Wegen (leider auch zwei überfahrene Tiere) herumlaufen. Der Bestand
hat sich weiterhin ausgebreitet auf der anderen Straßenseite am Bahngelände, erstmals auf den
Steinvierecken unterhalb der Jupp-Gassen-Halle und auf der von der Stadt Bonn betreuten Sand-
Ausgleichfläche an der Bahn.
Mauereidechse an einem Stein-Viereck sowie überfahrenes Tier auf FahrradwegSeite 19 von 81
17
Für die Gelbbauchunke wurden am Rand, aber außerhalb des Schutzgebiets „Siebengebirge“
gelegenen Vorkommen an der Heckelsgasse, am Bleibtreuweg und im Härlepark betreut, d.h.
Gewässer gesäubert, freigestellt und Gehölze entfernt sowie neue Gewässer angelegt.
Die Verbreitung der Wechselkröte im Stadtgebiet von Bonn beschränkt sich seit mehreren Jahren auf
fünf Vorkommen in Bonn, wobei drei aktuell als verschollen angesehen werden müssen:
1. Ehemalige Spargel- und Erdbeeräcker an der Grootestraße, Dransdorf
2. Ausgleichsfläche für das Gewebegebiet am Saime-Genc-Ring, Dransdorf
3. Ausgleichsfläche am Georg-Elsen-Weg, Buschdorf
4. Ausgleichsfläche am Friedhof-Beuel
5. Ausgleichsfläche in der ehemaligen Kiesgrube an der Gerhardstraße in Beuel
Die Kreuzkröte ist lediglich an zwei Standorten vorhanden:
1. Ausgleichsfläche am Friedhof-Beuel
2. Ausgleichsfläche in der ehemaligen Kiesgrube an der Gerhardstraße in Beuel
Die Biologische Station Bonn / Rhein-Erft ist von Seiten des LANUV verpflichtet, alle zwei bis drei Jahre
die Flächen zu begutachten, da es sich teilwiese auch um Probenflächen für das FFH-Monitoring der
Wechselkröte handelt. Wir sind allerdings bemüht, uns jedes Jahr einen Überblick über die Entwicklung
der Vorkommen zu machen und an mindestens drei Terminen eine Begehung durchzuführen. Dies gilt
für die Gebiete 1 bis 4. Auf Gebiet 5 haben wir keinen Zugriff und daher auch keine Daten.
Generelles: Aufgrund der hohen Tagestemperaturen und der starken Trockenheit im Jahr 2020
herrschte in vielen Gewässern im Betreuungsgebiet starker Wassermangel. Aus diesem Grund fand
erfolgreiche Reproduktion der Wechselkröten nur an einem Termin Im zeitigen Frühjahr statt.
Ergebnisse 2020:
1. Ehemalige Spargel- und Erdbeeräcker an der Grootestraße, Dransdorf: Von April bis Juli
wurden an sieben Terminen Erfassungen durchgeführt, Näheres siehe unten.
2. Ausgleichsfläche für das Gewebegebiet am Saime-Genc-Ring, Dransdorf: Die von der
Biostation 2013 mit Folie ausgestattete Gewässermulde führte 2020 zu jeder Zeit ausreichend
Wasser und wäre auch für Wechselkröten geeignet gewesen. Dennoch konnten keine Tiere
nachgewiesen werden. Lediglich einige Grünfrösche (wahrscheinlich Teichfrosch und
Seefrosch) besiedelten die Anlage. Die Ausrüstung der drei übrigen Gewässer mit Teichfolie im
Winter 2020/2021 sollte die Fläche noch einmal attraktiver für Wechselkröten machen,
allerdings fehlt es noch an Versteckstrukturen.
3. Ausgleichsfläche am Georg-Elsen-Weg, Buschdorf: Die Fläche wurde im Herbst/Winter
2019/2020 komplett gerodet und mit einigen Foliengewässern neu gestaltet. Der Zustand im
Jahr 2020 war für die Wechselkröte gut und die Gewässer führten jederzeit ausreichend
Wasser. Leider wurde die Anlage 2020 nicht von Wechselkröten genutzt. Allerdings konnten
ca. 100 Teichmolche und ca. 10 Wasserfrösche nachgewiesen werden.Seite 20 von 81
18
4. Ausgleichsfläche am Friedhof-Beuel: Die Ausgleichsfläche am Friedhof in Beuel funktionierte
2020 immer noch gut. Obwohl zwei Foliengewässer wenig Wasser führten und im Juli ganz
austrockneten, konnten Wechsel- und Kreuzkröten im Frühjahr erfolgreich reproduzieren.
Maximal waren im April 17 Wechselkröten und 44 Kreuzkröten nachweisbar. Zusätzlich waren
etwa 100 Teichmolche vorhanden.
Die Situation der Wechselkröte in Bonn hat sich vor allem durch die starke Hitze und Trockenheit
weiter verschlechtert. Für 2020 muss das Vorkommen an der Grootestraße aufgrund des Wasser-
mangels als verschollen eingestuft werden (Näheres hierzu unter Artenschutzkonzept Bonn-West
unten). Die Maßnahme in Buschdorf konnte leider noch keine Verbesserung bewirken. Ein Aussterben
der Art ist weiterhin zu befürchten. Noch stärker gilt das für die Kreuzkröte, die auf Bonner Stadtgebiet
nur noch am Friedhof Beuel ein mittelstarkes Vorkommen besitzt. Aufgrund der Bebauung, die auch
in den letzten Jahren weiter fortgesetzt wurde, bestehen nahezu keine Möglichkeiten der Ausbreitung
und Vernetzung. Die Zukunftsaussichten für das isolierte Vorkommen sind daher weiterhin schlecht.
Dank der bewilligten Sonder-VE (Verrechnungseinheiten) zur Umsetzung des Artenschutzkonzepts
Bonn West konnten wir uns verstärkt um die bedrohten und streng geschützten Arten der Feldflur im
Bonner Nord-Westen kümmern.
Im Jahr 2020 durchgeführte Arbeiten und Ergebnisse waren:
• Intensives Monitoring der Wechselkröten-Vorkommen an sieben Terminen und in mehreren
Bereichen, Abstimmung mit Landnutzern und Behörden, eigene praktische Sofortmaßnahmen
wegen Trockenheit. Obwohl damit detaillierte Absprachen und Strategien zur Förderung der
Wechselkröte existierten, hat das trockene Frühjahr, die Insolvenz eines Betriebs und die
ungeklärte Situation auf den anderen Flächen dazu geführt, dass der Lebensraum für die
Zielart unzureichend war. Sämtliche geplante Maßnahmen sind durch die erneute
langanhaltende Trockenheit ins Leere gelaufen. Vor allem existierten fast keine Gewässer, die
wenigen fungierten nicht als Laichgewässer und das gesamte Gebiet war durchgängig bis Ende
Juli viel zu trocken. Die bestehenden Mulden waren ständig trocken und hätten über Monate
künstlich mit großen Mengen Wasser versorgt werden müssen. Die Schaffung von zwei
Foliengewässern als Notmaßnahme wurde von der Art nicht angenommen, eventuell weil
aufgrund der trockenen Landlebensräume die Aktivitäten der Tiere zu stark eingeschränkt
Ausgleichsfläche
Buschdorf am
14.5.2020Seite 21 von 81
19
waren. Ein großes Bauvorhaben und eine weitere Kompensationsmaßnahme verzögerten sich,
so dass keine Maßnahmen für Wechselkröten wie geplant durchgeführt wurden und
gleichzeitig Flächen nicht verfügbar waren. Aufgrund des Insolvenzverfahrens und rechtlicher
Schwierigkeiten eines großen Bewirtschafters wurden konkret vereinbarte Maßnahmen nicht
wie gemeinsam geplant umgesetzt. Nachweislich hat damit im Jahr 2020 mangels
Laichhabitate keine Reproduktion der Wechselkröte stattgefunden. Damit war es das
schlechteste Jahr seit Beginn der Erfassungen und das zweite mit nicht-bestandserhaltender
Fortpflanzung.
• Vogelkundliche Erfassung auf dem Meßdorfer Feld als Vorbereitung und Begleitung für VNS
und andere Schutzmaßnahmen (einmalige Maßnahme, Monitoring / Erfolgskontrolle in 2025)
Sie ergab Nachweise von Feldlerche, Dorngrasmücke, Bluthänfling, Nachtigall und Kuckuck als
bemerkenswerten Arten.
• Kontaktaufnahme, Vorbereitung und Aufsetzen von Vereinbarungen im Rahmen des
Vertragsnaturschutzes mit dem neuen Bewirtschafter: Mit 4,5 ha Blühflächen, davon 3 ha im
Meßdorfer Feld war das ein sehr guter Beginn mit Potenzial zum Ausbau.
• Förderung des in Deutschland stark gefährdeten und europaweit stark vom Rückgang
bedrohten Gartenschläfers und weitere Unterstützung des staatlich geförderten Arten-
schutzprojektes „Spurensuche Gartenschläfer“ des BUND NRW. Insgesamt hängen zwölf
Kästen auf dem Gelände der Biostation, von denen zwei genutzt wurden (Nr. 1: ab und zu
besetztes Moosnest; Nr. 2: Tierfund plus Nussreste). Die geringe Belegung deutet in
Kombination mit anderen Beobach-
tungen darauf hin, dass das Gelände
genug andere Strukturen bietet und
Kästen nicht benötigt werden.
• Vermehrung und Ausbringung des
Kichertragants (Astragalus cicer) zur
Bestandsstützung des letzten verblie-
benen Vorkommens im Meßdorfer
Feld, das seit 1960 bekannt ist. Der
Kichertragant ist in der Roten Liste NRW
Kategorie 1 = vom Aussterben bedroht
geführt und hat in Bonn sein einziges
Vorkommen in NRW.
• Erhalt und Optimierung von Lebens-
räumen für Zauneidechse und Wild-
bienen durch Vereinbarungen mit
Landwirten und eigene Pflegearbeiten
in den Bereichen Grootestraße und
Meßdorfer Feld
• Kontaktaufnahme und Termine mit
dem Landesbetrieb Straßen wegen
Maßnahmenabstimmung und mög-
licher Vernetzung von Schutzmaß-
nahmen für Wechselkröte und Feld-
vögel zur Vernetzung / Biotopverbund
(Vertrag und Durchführung im
wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb)
Anlage eines kleinen Foliengewässers
als Notmaßnahme für das Vorkommen
der Wechselkröte an der Grootestraße,
Bonn-Dransdorf.Seite 22 von 81
20
Sonstige Artenschutzmaßnahmen
Amphibienschutz an Straßen: Wie üblich wurde der etwa 150 m lange und mit zehn Fangeimern
bestückte Amphibienschutzzaun bei Oberholtorf nach Aufbau durch die Biologische Station am
14.2.20 von mehreren Familien aus dem Ort selbständig betreut. Die Biostation übernimmt dann
wieder bei der Auswertung und Dokumentation. Im Jahr 2020 brachen die Bestände nach drei Jahren
Aufstieg erneut ein, wie schon in früheren Jahren: Den Hauptteil machte auch hier die Erdkröte mit
255 Individuen aus, weiterhin konnten 16 Molche und 4 Grasfrösche gerettet werden, insgesamt also
275 Amphibien.
Entwicklung der Anzahl wandernder Amphibien am Schutzzaun Oberholtorf 2002–2020
Straßensperrung Heiderhof: Bei der einzigen Straßensperrung für Amphibien im Stadtgebiet Bonn am
Philosophenring auf dem Heiderhof werden neben den Beständen der besonders geschützten Erd-
kröte auch der nach Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützte Springfrosch bei der Wanderung
zum Laichgewässer vor dem Straßentod bewahrt. Der Biostation obliegt hier die fachliche Beratung,
insbesondere zum Zeitpunkt von Auf- und Abbau der Sperren sowie Umleitung eines Linienbusses. Des
Weiteren stellt die Biostation an mehreren Problemstellen im Stadtgebiet regelmäßig zur Wanderzeit
Amphibienschutzschilder auf, so im Melbtal am Nachtigallenweg, an der Holzlarer Straße und Villiper
Allee in Röttgen. Am Röttgener Tonweiher wurden auch 2020 mehrfach die Gullys an der Villiper Allee
auf gefangene Amphibien (besonders Erdkröten) hin kontrolliert.
Annaberger Feld: Zusammen mit der NABU-Hochschulgruppe Bonn wurden im Frühjahr zehn
Nistkästen für Gartenrotschwänze in der Obstbaumallee installiert, bisher aber nicht von Zielart
angenommen. Im LVR-Projekt Obstwiesenrenaissance wurden zwei Niströhren für Steinkäuze aufge-
hängt (mehr zum Projekt unten).Seite 23 von 81
21
Projekt 6: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben
Zentraler Bestandteil dieses Projektes ist der regelmäßige Austausch mit den Fachämtern der Stadt
(u. a. Quartalsgespräche mit der UNB) und den Projektpartnern beim Landesbetrieb Wald und Holz.
Neben Beratungen von MitarbeiterInnen weiterer Ämter bestimmen die Anfragen und
Beratungserwartungen von Bonner BürgerInnen und aus der Politik die Inhalte des Projektes.
Projekt 7: Naturschutzbildung und Öffentlichkeitsarbeit in der Stadt Bonn
Das zusammen mit Bonner Naturschutzvereinen halbjährlich erscheinende Veranstaltungsprogramm
wurde 2020 stark durch die Corona-Epidemie beeinträchtigt. Ab Mitte März mussten alle Präsenz-
Veranstaltungen ausfallen. Gleiches galt für die etablierten Infostände an größeren Veranstaltungen
wie dem Frühlingsmarkt Bonn, Tag der Artenvielfalt in den Botanischen Gärten etc. Da wir die Hefte
für das erste Halbjahr in großer Menge fortwerfen mussten, entschieden wir uns aufgrund der
Unsicherheiten im zweiten Halbjahr für ein rein digitales Programm. Das ebenfalls wieder rein digitale
Veranstaltungsprogramm für das erste Halbjahr 2021 wurde Anfang Dezember als „Weihnachtspost“
verschickt. Noch stattfinden konnten im Frühjahr 2020 zwei QGIS-Kurse: 17 Teilnehmer*innen nahmen
am öffentlichen, kostenpflichtigen Kurs und 14 Teilnehmer*innen am internen Kurs teil, den der
Dachverband der Biostationen finanziert. Zu weiteren Teilnehmer*innenzahlen, durchgeführten
Veranstaltungen und zur Pressearbeit sei auf die Pressemappe im Anhang verwiesen.
Die Biostation presste an drei Terminen in Bonn, Gymnich und Brauweiler rund 6 Tonnen Äpfel zu
3.750 Liter Saft. Die Äpfel kamen vom Annaberger Feld und verschiedenen Wiesen im Rhein-Erft-Kreis.
Die Aktion dient vor allem dazu, die Wertschätzung von Obstwiesen zu erhöhen. Der Saft wird seit
einigen Jahren mit steigendem Absatz im Bonner Weltladen in der Altstadt verkauft.
Beim Internetauftritt waren 2020 nur die üblichen Aktualisierungen nötig. Gut genutzt wurden sowohl
das Kontaktformular als auch die Möglichkeit, sich selbständig in den Newsletter der Station
einzutragen. Die Pressearbeit ist in einem eigenen Kapitel unten zusammengestellt.
Projekte im Rhein-Erft-Kreis (Projekte 8 bis 14)
Im Jahr 2020 konnte die Biologische Station ihr Team im Rhein-Erft-Kreis auf fünf Personen erweitern.
Zusätzlich eingestellt wurden Astrid Mittelstaedt, die das LEADER-Projekt „Natürlich Dorf“ betreut und
Christian Starkloff, der in 2020 schwerpunktmäßig die Managementpläne für verschiedene Natur-
schutzgebiete bearbeitet hat. Gerade noch rechtzeitig mit den Neueinstellungen wurde das zweite
Büro fertig. Den Großteil der Renovierungsarbeiten hat dankenswerterweise das Umweltnetzwerk
organisiert, Mitarbeiter*innen der Biostation unterstützten bei der Renovierung des Bodenbelags.
Obwohl das Team in den letzten Jahren gewachsen ist, müssen wir perspektivisch personell und
räumlich an eine Erweiterung der Kapazitäten denken, um die vielfältigen Arbeiten und Aufgaben im
Rhein-Erft-Kreis auch in Zukunft bewältigen zu können. Unsere fünf Mitarbeiterstellen bestehen aus
einer vollen Arbeitskraft und zwei halben Stellen, die sich im Wesentlichen um Aufgaben im Rahmen
der Förderrichtlinie Biologische Station FöBS kümmern. Hinzu kommen zwei Projektstellen, die zeitlich
befristet sind. Vor allem hier gilt es, zeitlich befristete Förderzusagen so schnell wie möglich zu
verstetigen. Zusätzlichen Bedarf sehen wir auch im Bereich der Landschaftspflege. Für 2021 erhofftenSeite 24 von 81
22
wir uns eine Förderzusage für das beantragte BPBV Projekt „Lebensnetz Börde“. Im Rahmen dieses
Projektes haben wir für den Rhein-Erft-Kreis neben einer vollen wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen-
stelle auch Stellenanteile für eine Landschaftspflege- sowie eine Verwaltungskraft beantragt. Für das
Jahr 2021 wurde das Projekt aber aufgrund der starken Nachfrage im Bundesprogramm nicht bewilligt.
Die Förderung ab 2022 wurde aber in Aussicht gestellt (Stand Ende März 2021).
Sehr geholfen hat uns bisher die finanzielle Förderung durch den Rhein-Erft-Kreis, der von 2020 bis
2023 erheblich Mittel für das Thema Insektenschutz zur Verfügung stellt (s.a. Kapitel Zusatzprojekte
für den Insektenschutz im Rhein-Erft-Kreis).
Auch im Rhein-Erft-Kreis wurde die Arbeit der Biologischen Station ab März 2020 durch die Corona-
Pandemie beeinträchtigt. Betroffen waren hiervon neben fast allen Öffentlichkeitsveranstaltungen (s.
Projekt 14) auch viele Beratungstermine vor Ort und Fachtreffen. Die Vertragsnaturschutzberatung
konnte in der Regel mit dem nötigen Abstand und meist als Außentermin durchgeführt werden. Viele
Besprechungen wurden als Telefon- oder Videokonferenz durchgeführt, was nicht in jedem Fall ein
Nachteil war.
Auf den folgenden Seiten werden die Projekte im Rhein-Erft-Kreis beschrieben. Der Schwerpunkt liegt
wie üblich auf der Darstellung der besonderen Ereignisse und der Mitteilung aktueller Untersuchungs-
ergebnisse. Auch in 2020 wurden wieder in großem Umfang Vertragsnaturschutzflächen (Projekt 11)
eingeworben und das Feldhamsterprojekt sehr erfolgreich fortgeführt. Wir erkennen beim
Feldvogelschutz im Rhein-Erft-Kreis zarte Pflänzchen des Erfolges (Projekt 11 und 12) und freuen uns
über eine insgesamt positive Entwicklung der Avifauna im NSG „Ehemaliges Munitionsdepot
Friesheimer Busch“ (Projekt 8), einem der wichtigsten Naturschutzgebiete im Rhein-Erft-Kreis.
Projekt 8: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener
Artenschutz in Schwerpunktgebieten
NSG Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch (BM-043)
Das Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ ist mit über 50 ha eines der
bedeutendsten Schutzgebiete im Rhein-Erft-Kreis. Sein Charakter wird geprägt durch ausgedehnte
Im Mai 2020 konnte
das Erftkreis-Team
der Biologischen
Station das zweite
Büro im Umwelt-
zentrum Friesheimer
Busch übernehmen.
Wir arbeiten nun mit
fünf Mitarbei-
ter*innen im Rhein-
Erft-Kreis.Seite 25 von 81
23
Grünlandflächen und die typischen Erdwälle aus der früheren Nutzung als Munitionsdepot. Die
Offenlandflächen sind kreisweit einzigartig und haben sich zu bedeutenden Magerrasen- und
Heidestandorten der südlichen Niederrheinischen Bucht entwickelt.
Das Gebiet wurde bis 1994 von den belgischen Streitkräften als Munitionsdepot genutzt. 2003
übernahm der NABU Rhein-Erft die Landschaftspflege auf rund 35 ha des Gebietes. Viele Flächen
werden dabei von einer Schaf- und Ziegenherde von der Verbuschung freigehalten. Die Biologische
Station Bonn /Rhein-Erft unterstützt den NABU Rhein-Erft bei landschaftspflegerischen Arbeiten und
beim Monitoring gefährdeter Tier- und Pflanzenarten.
Brutvogelkartierung: Als Offenlandlebensraum hat das Naturschutzgebiet eine besondere Bedeutung
für viele Vogelarten. Nach 2015 wurde in 2020 gemeinsam mit dem NABU wieder eine umfangreiche
Brutvogelkartierung durchgeführt. Von März bis Juli wurden an 15 Terminen entlang einer festgelegten
Begehungsstrecke Vögel mit Revier anzeigende Verhaltensmerkmale kartiert. Im Naturschutzgebiet,
den angrenzenden Waldrand- und Betriebsflächen des „Umweltzentrums Friesheimer Busch“ wurden
insgesamt 67 Vogelarten erfasst, darunter 44 Brutvögel (s. Tabelle). Hervorzuheben sind die
Vorkommen von Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola) [NRW: nicht gefährdet, Niederrheinische Bucht:
RL 3], Baumpieper (Anthus trivialis) (NRW: RL 2, Niederrheinische Bucht: RL 2), Neuntöter (Lanius
collurio) (NRW: RL V, Niederrheinische Bucht: RL V) und Feldschwirl (Locustella naevia) (NRW: RL 3,
Niederrheinische Bucht: RL 3). Die Bestände dieser wertgebenden Arten sind gegenüber 2015 stabil
geblieben oder sogar gestiegen. Das Schwarzkehlchen wurde 2020 wieder mit fünf Revieren erfasst,
der Feldschwirl wieder mit einem Revier. Beim Neuntöter wurden gegenüber 2015 (ein Revier) zwei
Brutreviere festgestellt. Dies deckt sich mit Beobachtungen aus den Jahren 2016 bis 2019, in denen
jährlich mindestens zwei Brutpaare im Gebiet beobachtet wurden. Auch beim Baumpieper wurde ein
Anstieg der Revierzahlen dokumentiert (2015: 2 Reviere, 2020: 3 Reviere).
Zu den weiteren bemerkenswerten Offenlandarten mit Brutvorkommen zählen Gelbspötter (Hippolais
icterina) (NRW: nicht gefährdet, Niederrheinische Bucht: RL 2), der Bluthänfling (Carduelis cannabina)
(NRW: RL 3, Niederrheinische Bucht: RL 2) und die Turteltaube (Streptopelia turtur) (NRW: RL 2,
Niederrheinische Bucht: RL 1). Die Nachtigall (NRW: RL 3, Niederrheinische Bucht: RL 1) brütet im
Gebiet mit fünf Brutpaaren sowohl in dichteren Feldgehölzen als auch am Waldrand. Gegenüber 2015
wurden Pirol (NRW: RL 1, Niederrheinische Bucht: RL 1), Kolkrabe (NRW: nicht gefährdet,
Niederrheinische Bucht: RL 3), Schwanzmeise (NRW: nicht gefährdet, Niederrheinische Bucht: nicht
gefährdet), Wachholderdrossel (NRW: RL V, Niederrheinische Bucht: RL 2) und Heidelerche (NRW:
nicht gefährdet, Niederrheinische Bucht: RL V) neu als Brutvogel im Gebiet festgestellt. Der
Brutnachweis letzterer Art ist interessant. Aufgrund der Habitatausstattung ist nicht auszuschließen,
dass sich die Heidelerche als Brutvogel etablieren kann. Die übrigen neu nachgewiesenen Arten sind
als Brutvögel weniger dem Offenlandbereich, sondern eher den westlich und östlich angrenzenden
Waldrändern oder Waldgebieten zuzuordnen.
Die Brutvogelkartierung bestätigt die große Bedeutung als Lebensraum für Vogelarten des
Offenlandes. Neben dem Erhalt als weitläufiger Offenlandlebensraum sollte die Förderung von Suk-
zessionsflächen mit lockerem Gehölzbestand im Übergangsbereich zum Wald ein Ziel der Pflege sein.Seite 26 von 81
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Tabelle: Ergebnisse der Brutvogelkartierung im NSG „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“,
BP = Brutpaare, DZ = Durchzügler, NG = Nahrungsgast
Deutscher Name 2020 2015 Deutscher Name 2020 2015
Amsel 18 BP 9 BP Misteldrossel 4 BP 3 BP
Bachstelze 3 BP 3 BP Mittelspecht 1 BP NG
Baumfalke NG - Mönchsgrasmücke 13 BP 10 BP
Baumpieper 3 BP 2 BP Nachtigall 5 BP 4 BP
Bekassine NG Neuntöter 2 BP 1 BP
Blaumeise 7 BP 6 BP Pirol 1 BP DZ
Bluthänfling 4 BP 5 BP Rabenkrähe 2 BP 1 BP
Buchfink 6 BP 5 BP Raubwürger - NG
Buntspecht 2 BP 4 BP Rauchschwalbe NG NG
Dohle NG - Ringeltaube 7 BP 2 BP
Dorngrasmücke 22 BP 13 BP Rohrweihe NG -
Eichelhäher 3 BP 2 BP Rotdrossel NG -
Elster 2 BP 1 BP Rotkehlchen 11 BP 6 BP
Feldlerche DZ - Rotmilan NG NG
Feldschwirl 1 BP 1 BP Schwanzmeise 1 BP NG
Fitis 7 BP 9 BP Schwarzkehlchen 5 BP 5 BP
Gartenbaumläufer 1 BP 2 BP Schwarzmilan NG -
Gartengrasmücke 8 BP 4 BP Schwarzstorch NG
Gartenrotschwanz - DZ Singdrossel 11 BP 6 BP
Gelbspötter 1 BP 1 BP Sommergoldhähnchen NG 1 BP
Gimpel NG NG Sperber NG -
Goldammer 19 BP 15 BP Star 2 BP 2 BP
Graureiher NG NG Stieglitz 2 BP 2 BP
Grauschnäpper 1 BP 1 BP Sumpfrohrsänger - 1 BP
Grünfink 1 BP 2 BP Teichrohrsänger NG -
Grünspecht 2 BP 1 BP Trauerschnäpper - DZ
Hausrotschwanz 1 BP 1 BP Turmfalke NG NG
Haussperling NG NG Turteltaube 4 BP 3 BP
Heckenbraunelle 10 BP 9 BP Uferschwalbe NG NG
Heidelerche 1 BP - Uhu NG NG
Jagdfasan - 1 BP Wacholderdrossel 2 BP NG
Klappergrasmücke - DZ Waldohreule - NG
Kleiber 1 BP 1 BP Waldschnepfe - DZ
Kleinspecht 1 BP NG Waldwasserläufer NG -
Kohlmeise 12 BP 7 BP Weidenmeise NG -
Kolkrabe NG - Wespenbussard NG -
Mauersegler NG NG Zaunkönig 12 BP 6 BP
Mäusebussard 1 BP 2 BP Zilpzalp 10 BP 17 BP
Mehlschwalbe NG NGSeite 27 von 81
25
Springfroschkartierung
Das Jahr 2020 war wie die Vorjahre auf Grund extrem geringer Niederschläge für die Fortpflanzung des
Springfrosches problematisch. In der Anwanderungsphase der Tiere Mitte Februar waren zwar alle
Gewässer ausreichend mit Wasser gefüllt (siehe Karte), die Wasserstände allerdings im Februar 2020
wesentlich geringer als in Normaljahren. Bereits bei der Begehung Anfang März waren zahlreiche
Gewässer trockengefallen, die im Februar erfasst wurden. Mitte März waren nur noch wenige
Gewässer mit Wasser gefüllt.
An den vier Erfassungsterminen (18.02, 04.03., 11.03., 27.03.2020) wurden insgesamt 205 Laichballen
gezählt, die sich auf zwölf Einzelgewässer verteilten. In einem flachen Gewässer im Nordwesten wurde
mit 27 Laichballen die höchste Zahl im Gebiet erfasst. In sechs Gewässern konnten Ende März Quappen
des Springfrosches beobachtet, allerdings nicht belegt werden, dass die Tiere bis zum Trockenfallen
der Gewässer ihre Metamorphose erfolgreich abschließen konnten.
Fundpunkte von Springfroschlaichballen und –kaulquappen sowie Kleiner Abendsegler im
NSG Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch im Frühjahr 2020.
Die Turteltaube – Vogel des Jahres
2020 und Rote-Liste-Art – hatte im
NSG Friesheimer Busch 2020 vier
Brutpaare.Seite 28 von 81
26
Stichtagerfassungen von Fledermäusen in den angrenzenden Waldgebieten
Erstmalig wurde 2020 durch Ehrenamtler*innen eine Fledermauserfassung in den westlich und östlich
an das ehemalige Munitionsdepot angrenzenden Waldgebieten durchgeführt. Im Rahmen dieser
Untersuchung wurde an vier Standorten in Nächten im April und Mai akustisch die Fledermausaktivität
in den Waldgebieten erfasst. Neben den häufigen Zwergfledermäusen (Pipistrellus pipstrellus) wurden
Langohrfledermäuse (Plecotus spec.), Bartfledermäuse und weiter nicht differenzierte Tiere der
Gattung Myotis sowie Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri) erfasst. Am 7.8.2020 konnten bei einem
Nachtfang im NSG Friesheimer Busch mit einem Fangnetz jeweils ein adultes Weibchen des Kleinen
Abendseglers (Nyctalus leisleri) und Braunen Langohrs (Plecotus auritus) gefangen werden. Das
Weibchen des Kleinen Abendseglers wurde besendert und über die Quartiertelemetrie in den
Folgetagen drei Quartierbestände/-bäume in den Waldbeständen am Friesheimer Busch festgestellt
(siehe Karte). Es ist davon auszugehen, dass der gesamte Waldbestand als Quartierwald genutzt wird.
Bei den einsehbaren Baumhöhlen handelt es sich um kleine Spechthöhlen. Der dritte Quartierbaum ist
eher untypisch für den Klein Abendsegler, denn es handelt sich um eine Spechthöhle in einer Pappel
jüngeren Alters. In der Pappelhöhle konnten mehrere Tiere akustisch vernommen werden. Auf Basis
dieser Erkenntnisse wird empfohlen, im kommenden Jahr eine umfangreichere nächtliche akustische
Erfassung im Friesheimer Busch sowie weitere Fänge zur Wochenstubenzeit durchzuführen.
Flora
Bei der jährlichen Zählung der Orchideen wurden alle vier Arten aus den Vorjahren erneut
nachgewiesen. Es handelte sich aber ausnahmslos um unterentwickelte Pflanzen. Die wenigen
Exemplare, die unter den extremen Witterungsbedingungen zumindest eine kümmerliche Blüte
hervorgebracht haben, gelangten erneut nicht bis zur Samenreife. Somit ist nunmehr im dritten Jahr
in Folge eine generative Fortpflanzung unterblieben. Auch die Individuenzahlen anderer, an feuchte
Standorte angepasster Pflanzen sind erkennbar kleiner geworden und die generative Fortpflanzung ist
auch bei Arten wie der Kümmelsilge, dem Teufelsabbiss und der Glockenheide trockenheitsbedingt
vollständig ausgeblieben.
Pflegemaßnahmen und Sammlung von Wildpflanzensamen
Wie in den Vorjahren haben wir den NABU Rhein-Erft vor allem im Winter 2020 bei den
arbeitsintensiven Entbuschungen unterstützt. An mehreren Tagen wurden Samen von Wildpflanzen
gesammelt: Es handelte sich vor allem um Arten, die besondere Bedeutung als sehr frühe oder späte
Trachtpflanzen haben oder Pflanzenarten mit besonderer Bedeutung für Nahrungsspezialisten unter
den blütenbesuchenden Insekten. Das gesammelte Saatgut dient entweder als Ausgangsmaterial für
den künftigen Anbau oder findet unmittelbare Verwendung in experimentellen Einsaaten, bei denen
bezüglich Pflanzenartenauswahl und Pflegeregime der Insektenschutz im Fokus ist.Seite 29 von 81
27
Projekt 9: Schutzgebietsbetreuung und Artenschutz außerhalb der
Schwerpunktgebiete im Rhein-Erft-Kreis
Im Rhein-Erft-Kreis wurden bislang 44 Naturschutzgebiete ausgewiesen (Stand 2019). Darüber hinaus
gibt es außerhalb der Schutzgebiete Flächen wie Obstwiesen oder aufgelassene Kiesgruben, die für
den Artenschutz von herausragender Bedeutung sind. Die Tätigkeiten in Projekt 9 verteilen sich auf
Naturschutzgebiete oder naturschutzfachlich interessante Gebiete, in denen keine systematischen
Kontrollen durchgeführt werden können. Einen Überblick über diese Gebiete mit Kurzdarstellung der
in 2020 durchgeführten Arbeiten gibt folgende Tabelle. Ausführlicher dargestellt werden die
Tätigkeiten im NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg. Die NSG Entenfang Wesseling, NSG Kernzone
Erftaue Gymnich, NSG Ehemalige Kiesgrube bei Türnich, NSG Kernzone Ommelstal sowie das NSG
Parrig (einschl. NSG Stadtwald Horrem) werden ausführlicher im Abschnitt Drittmittelprojekte,
Maßnahmenkonzepte zur Pflege und Entwicklung von Naturschutzgebieten im Rhein-Erft-Kreis
dargestellt.
Gebiet Tätigkeiten in 2020
FFH-Gebiet Kerpener Bruch und
Parrig (328 ha)
NSG Teil (der nördliche Teil des Gebietes) des Gebietes
Parrig: Intensive Bearbeitung im Rahmen der Manage-
mentkonzepte für den Rhein-Erft-Kreis (s. Kap.
Drittmittelprojekte).
FFH-Gebiet Dickbusch, Loersfelder
Busch, Steinheide (448 ha)
Dickbusch, Lörsfelder Busch: Begehungen im Rahmen des
Gelbbauchunken- und Springfrosch-Monitorings.
FFH-Gebiet Königsdorfer Forst (329
ha)
Begehungen mit Kontrolle von Amphibiengewässern und
Biotopholzbäumen.
NSG Quellgebiet Glessener Bach (19
ha)
Begehung mit Kontrolle des Mispelbestands und erster
Sichtung von Biotopholzbäumen
NSG Rübenbusch (3 ha) Begehung mit allgemeiner Kontrolle des Zustands des
Gebietes, Kontrolle der Geophytenbestände und erster
Sichtung von Biotopholzbäumen
NSG Teilfläche des Nordhangs im
Restfeld Vereinigte Ville (2,4 ha)
Der vom Rhein-Erft-Kreis jährlich einberufene Termin zur
Umsetzung des Pflegevertrags und Koordinierung der
Pflegemaßnahmen mit den Vertragspartnern ist 2020
ausgefallen.
NSG Ehemalige Kiesgrube bei
Türnich (15 ha)
s. Maßnahmenkonzept, Kap. Drittmittelprojekte unten
NSG Kiesgrube "Am Buchenhof" (4,5
ha)
2020 wurden keine Kontrollen durchgeführt.
NSG Brühler Schlosspark (48 ha) 2020 wurden keine Kontrollen durchgeführt.
NSG Entenfang Wesseling (16 ha) Intensive Bearbeitung im Rahmen der
Maßnahmenkonzepte für den Rhein-Erft-Kreis (s. Kap.
Drittmittelprojekte unten).
NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg
(26 ha)
Monatliche Kontrollen mit Dokumentation des
Wasserstandes, Zustandskontrollen und Anleitung von
Pflegemaßnahmen. Weitere Erläuterungen s.u..Seite 30 von 81
28
Gebiet Tätigkeiten in 2020
NSG Kernzone Erftaue Gymnich
(136 ha)
Intensive Bearbeitung im Rahmen der
Managementkonzepte für den Rhein-Erft-Kreis (s. Kap.
Drittmittelprojekte unten). Außerdem wurden
Pflegemaßnahmen im Bereich der Amphibiengewässer
durchgeführt.
NSG Kernzone Ommelstal (14 ha) Intensive Bearbeitung im Rahmen der
Managementkonzepte für den Rhein-Erft-Kreis (s. Kap.
Drittmittelprojekte unten).
GLB Bliesheimer Hang 2020 wurden keine Pflegemaßnahmen und Kontrollen
durchgeführt.
Kiesgruben außerhalb von Schutz-
gebieten
Mehrere Kontrollen in der Kiesgrube Niederberg mit
Schwerpunkt Avifauna (Zielarten Turteltaube, Neuntöter)
und Amphibien (Kreuzkröte). Anleitung und Durchführung
von Pflegemaßnahmen (Entfernung Besenginster,
Wurzelaustrieb Balsampappel, Robinien).
Obstwiesen Wiederaufnahme/Fortführung der Schnittpflege und
Ersatzpflanzungen auf Streuobstwiesen mit Pflegedefizit.
NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg (BM-040)
Im Jahr 2018 erstellte die Biologische Station ein Maßnahmenkonzept für die Bedburger Klärteiche.
Schwerpunktaufgaben sollen neben der Beseitigung unerwünschter Gehölze die Besucherlenkung und
vor allem die Regulierung der Wasserstände in den Klärteichen sein. Die vorgeschlagenen Maßnahmen
wurden bislang mit Ausnahme bestimmter Pflegemaßnahmen nicht umgesetzt.
In 2020 wurden erneut Gehölze in den trockengefallenen Teichen und auf den Dämmen entfernt. Die
Zaunanlagen wurden abgelaufen, um Schad- und Fehlstellen zu erfassen. Das drängendste Problem
sind weiterhin die unzureichenden Wasserstände in den Teichen, wobei der Kreis seit zwei Jahren
intensiv an einer gemeinsamen Lösung mit dem Erftverband sucht. Angestrebt wird nach wie vor eine
Befüllung von Norden her durch Einleitung von Erftwasser in Gewässer 1. Als Ad-hoc-Maßnahme
wurden im Herbst 2020 nochmals rund 18.000 m³ Wasser mit der Pumpe im Süden des Gewässers in
Gewässer 4 eingeleitet. Die Wassermenge hat zu einem ausreichenden Anstieg der Wasserstände in
den Gewässern 3 und 4 geführt.Seite 31 von 81
29
Nach den extrem niederschlagsarmen Jahren 2018 und 2019 trocknete auch 2020 das
Gewässer 2 der Bedburger Klärteiche komplett aus.
Sonstige Betreuungsgebiete
Streuobstwiesen: In Landschaftsschutzgebieten des Rhein-Erft-Kreises sind vor allem in den Auen
verschiedener Fließgewässer in der Vergangenheit auch Streuobstwiesen, oft auf kreiseigenen
Flächen, angelegt worden. Die meisten dieser Bestände weisen Defizite hinsichtlich der Schnittpflege
auf und nicht selten sind vergleichsweise junge Bäume bereits abgängig. Soweit unsere beschränkten
Arbeitszeitkapazitäten es zuließen, haben wir in den letzten Jahren mit der sukzessiven Instandsetzung
einzelner Flächen begonnen (Pflegeschnitts Ersatzpflanzungen, Verbissschutz auf beweideten
Flächen). Auf den Streuobstwiesen werden zudem jedes Jahr die Grünlandbestände und der Baum-
bestand kontrolliert (vor allem auf behandlungsbedürftige Pilz- und Bakterieninfektionen). Ebenso
gehören die Beerntung der Apfelbäume und die öffentlichen Obstpressaktionen zu den jährlich
wiederkehrenden Arbeiten der Biostation im Rhein-Erft-Kreis. Eine intensivere Betreuung der
Streuobstwiesen konnte 2020 letztmalig im Rahmen des LVR Projektes Streuobstwiesenrenaissance
durchgeführt werden (genauere Angaben hierzu im Kapitel Drittmittelprojekte).Seite 32 von 81
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Projekt 10: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben im Rhein-Erft-Kreis
Gemäß der Förder- und Berichtsstruktur fallen hierunter die Dokumentation, die GIS-Darstellung und
die Erstellung des vorliegenden Gesamtberichts. Die GIS-Darstellung erfolgt bei Daten, die an das
LANUV übermittelt werden, in GISPAD-. Im Rahmen anderer Projekte werden GIS-Darstellungen
inzwischen ausschließlich mit der freien Software QGIS erstellt und bearbeitet.
Projekt 11: Vertragsnaturschutz im Rhein-Erft-Kreis
Entwicklung des Vertragsnaturschutzes im Rhein-Erft-Kreis
Die Biologische Station berät Landwirt*innen bei der Auswahl geeigneter Vertragsnaturschutz-
maßnahmen, begleitet die Antragsstellung bei der UNB und steht für fachliche Fragen bei der
praktischen Umsetzung zur Verfügung.
Im Jahr 2020 berieten wir in der Antragstellungsphase mehr als 50 Landwirt*Innen und bereiteten 40
Verträge (inkl. Verträge zur Förderung des Feldhamsters) vor. So konnten insgesamt rund 6 ha neue
Grünlandverträge und 97 ha neue Ackerverträge (s.u.) eingeworben werden. Über die zusätzlich
eingeworbenen Flächen für den Feldhamster (rund 234 ha) wird in Projekt 12 berichtet.
Wie schon in den letzten Jahren konnten wir in den Grauammer-Schwerpunktgebieten bei
Gymnich/Nörvenich und Erp/Niederberg weitere Landwirt*innen für den Vertragsnaturschutz
gewinnen. Die Steigerung der Vertragsnaturschutzflächen in diesen Gebieten ist ein wichtiger Beitrag
zur Stabilisierung der Grauammer-Populationen (s.u.). Große Flächenzuwächse im Kerpener Raum
resultieren auch aus der Neuverpachtung städtischer Flächen, die eine Glyphosat freie
Bewirtschaftung oder eine Teilnahme am Vertragsnaturschutz voraussetzte. Erfreulich war auch
wieder die Einwerbung einzelner Flächen im Nordkreis, wo bisher verhältnismäßig wenig Flächen im
Rahmen des Vertragsnaturschutzprogrammes bewirtschaftet werden.
Mit Ende der Förderperiode 2016–2020 konnten in diesem Jahr lediglich Verträge mit einer
zweijährigen Laufzeit abgeschlossen werden, deren Finanzierung bis Ende des Jahres unklar war –
umso erfreulicher, dass es dennoch gelingen konnte, im großen Umfang Verträge einzuwerben.
Gleichzeitig verlängerten nahezu alle Landwirt*innen auslaufende Verträge aus dem Jahr 2015, was
darauf hindeutet, dass die Maßnahmen im betrieblichen Ablauf der Landwirte ein geeignetes und
akzeptiertes Instrument sind.
Um den Landwirt*innen in der Phase der Zwischenförderung Sicherheit für die Finanzierung geben
und besonders wichtige Flächen für den Artenschutz sichern zu können, wurde bei der Deutschen
Postcode Lotterie das Projekt „Schnupperverträge für mehr Artenvielfalt“ beantragt und bewilligt. Das
einjährige Projekt soll zudem als „Werbeprojekt“ Neulandwirt*innen den Zugang zum Vertrags-
naturschutz erleichtern und öffentlichkeitswirksam für die Umsetzung von Insektenschutz bei der
Bevölkerung werben.
Auch im Jahr 2020 wurden wir wieder von der Landwirtschaftskammer im Rahmen des DBU Projektes
„Stabilisierung der Populationen wertgebender Arten in der Zülpicher Börde“ bei der Kontakt-
aufnahme mit Landwirt*innen engagiert unterstützt und sind sehr erfreut, dass diese Kooperation
auch nach Auslaufen des Projektes fortgeführt werden kann.Seite 33 von 81
31
Die Versuche zum Einsatz einer erweiterten Rahmenmischung C bei einjährigen Einsaatbrachen
wurden 2017 begonnen und auch 2020 weitergeführt. Am 3.6. wurden mit Vertreter*innen des LANUV
und Kolleg*innen der Biologischen Stationen Euskirchen und Düren Versuchsflächen im Rhein-Erft-
Kreis und weitere Vertragsflächen in den benachbarten Kreisen besichtigt. Begutachtet und diskutiert
wurde vor allem die Entwicklung von Einsaatmischungen, um ggf. Anpassungen der Pakete und
Saatgutmischungen im Hinblick auf die nächste Förderperiode vorzunehmen.
Feldbegehung von Vertreter*innen des LANUV und Kolleg*innen der Biologischen
Stationen Euskirchen und Düren im Juni 2020
Antragsvolumen der 2020 eingereichten Neuverträge im Vertragsnaturschutz266
644
1
329
7
60
36
2
0
100
200
300
400
500
600
Flächenumfang in ha
Alte Förderperiode Neue Förderperiode 2016 - 2021Seite 34 von 81
32
Im Rhein-Erft-Kreis konnten der Flächenumfang von Vertragsnaturschutzmaßnahmen in den Jahren
2016 bis 2020 deutlich gesteigert werden. Insbesondere die Förderpakete mit Einsaaten von
Blühstreifen und Blühflächen sowie Ernteverzichtsstreifen stießen auf großes Interesse.
Infotreffen und Öffentlichkeitsarbeit: Am 17.1. wurde auf Einladung des Rhein-Erft-Kreises von
Mitarbeiter*innen der Kreisverwaltung und der Biostation zum dritten Mal das Neujahrstreffen für
Vertragsnaturschutz-Landwirt*innen in der Gymnicher Mühle organisiert. In netter Atmosphäre
tauschten sich rund 50 Landwirt*innen und die Organisatoren in gemütlicher Runde über die
Erfahrungen des vergangenen Jahres. Das Treffen bot vor allem „Neulandwirt*innen“ im Vertrags-
naturschutz die Möglichkeit des Kennenlernens und des Austauschs
Auch der Vertragsnaturschutz hat unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu leiden. Neben der
erschwerten Beratungstätigkeit unter Einhaltung der Hygienevorschriften und erschwerten Erreich-
barkeit der Akteure mussten im Jahr 2020 Infotreffen und die Öffentlichkeitsarbeit zum
Vertragsnaturschutz weitgehend ausfallen. Weiter intensiviert werden konnte dennoch das Engage-
ment in der fachlichen Begleitung beim Austausch der Bürgerinitiative „Pestizidfreies Erftstadt“ und
der Landwirt*innen in der Gemeinde Erftstadt.
Im Juni 2020 konnte im Rahmen des vom Rhein-Erft-Kreis organisierten Runden Tisches „Förderung
der Biodiversität in der Ackerlandschaft des Rhein-Erft-Kreises“ ein Fachaustausch in der Feldflur
inklusive Flächenbesichtigung stattfinden. Teilnehmer waren neben den Mitarbeiter*innen der
Unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Erft-Kreis und der Biostation Vertreter*innen der
Landwirtschaftskammer, des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes und der Kreislandwirt. Der
Schwerpunkt lag in diesem Jahr in der Umsetzung der Feldhamsteraussiedlung und dessen
gemeinsame Fortführung im Jahr 2021. Weitere Treffen des Runden Tisches mussten
pandemiebedingt auf das Jahr 2021 verschoben werden.
Treffen des Runden Tisches „Förderung der Biodiversität in der Ackerlandschaft des
Rhein-Erft-Kreises“ im Juni 2020Seite 35 von 81
33
Fördermaßnahmen für den Feldhamster
Der bereits 2019 berichtete sehr erfreuliche Zuwachs der Feldhamster-Vertragsflächen bei Pulheim
setzte sich 2020 im Umfeld der bereits eingeworbenen Vertragsflächen fort. Nicht zuletzt durch die
positive öffentliche Resonanz zur Feldhamsteraussetzung und Mund-zu-Mund-Propaganda der teil-
nehmenden Landwirt*innen meldeten sich zahlreiche Flächenbewirtschafter*innen in Eigeninitiative,
um das Programm zu unterstützen.
In ähnlichem Umfang wie letztes Jahr konnten 2020 wieder über 230 ha Vertragsflächen eingeworben
werden. Sechs neue Landwirte stiegen mit Ihren Flächen in die hamsterfreundliche Bewirtschaftung
ein. Schwerpunktmäßig wurden neue Flächen zum „Lückenschluss“ der Aussetzungsgebiete Geyen
(2019) und Ingendorf (2021) eingeworben und beantragt (s. Karte). Damit wurde die von Expert*innen
populationsökologisch geforderte Fläche mit günstigen Bedingungen auf 600 ha, die für eine dauerhaft
minimal überlebensfähige Population (MVP) des Feldhamsters erforderlich ist, bereits erreicht und
beste Voraussetzungen für die weitere gute Entwicklung des Stützungsansiedlungsprojektes
geschaffen. Es ist geplant, die Wiederansiedlung des Feldhamsters 2021 auf neuen Aussetzungsflächen
bei Ingendorf fortzusetzen.
Bedauerlicherweise konnten alle Vertragsabschlüsse lediglich für zwei Jahre statt der üblichen fünf
Vertragsjahre bis zum Beginn der neuen Förderperiode 2023 abgeschlossen werden. Bleibt zu hoffen,
dass die positive Resonanz und attraktive Fördersätze auch mit Blick auf die neue Förderperiode
erhalten bleiben und die Landwirte nach den Erfahrungen der ersten beiden Vertragsjahre auch
langfristig im Hamstervertragsnaturschutz mitwirken. Schwerpunkt für die Abschlüsse der neuen
Verträge 2021 wird nun sein, weitere Lücken zwischen den bisherigen Vertragsflächen zu schließen
und den Verbund der neuen Aussetzungsflächen bei Ingendorf zu den Aussetzungsflächen im Rhein-
Kreis Neuss voran zu bringen.
Lage der Vertragsnaturschutzflächen im Raum Pulheim (gelb
und grün= bisherige VNS-Flächen, blau = Neuflächen ab 2021.Seite 36 von 81
34
Feldvogelschutz durch Vertragsnaturschutz
Für Erfolge im Feldvogelschutz im Rhein-Erft-Kreis sind eine gute Zusammenarbeit mit Landwirt*innen
und geeignete Förderinstrumente wie der Vertragsnaturschutz eine wichtige Voraussetzung. Bei vielen
Landwirt*innen stellen fehlende Informationen und der relativ hohe bürokratische Aufwand bei der
Beantragung von Fördermaßnahmen eine hohe Hürde dar. In den letzten fünf Jahren hat sich gezeigt,
dass insbesondere durch eine intensive Beratung von Landwirt*innen die Bereitschaft für die
Teilnahme am Vertragsnaturschutz deutlich gesteigert werden kann. Wie schon oben berichtet,
konnte durch die intensive Beratungstätigkeit der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft in Kooperation
mit Kolleg*innen der Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer eine deutliche Zunahme bei
den Vertragsnaturschutzflächen erreicht werden.
Licht und Schatten bei der Entwicklung der Feldvogelbestände: Die Feldvogelbestände im Rhein-Erft-
Kreis werden seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit zahlreichen ehrenamtlichen Ornithologen
kartiert. Ziel ist es insbesondere, die Revierzahlen von Feldlerche, Grauammer, Kiebitz und Rebhuhn
zu erfassen. im Kreisgebiet Neuntöter, Schwarzkehlchen, Steinkauz, Wiesenpieper und Wiesenweihe
sind weitere Arten, für deren Vorkommen das Kreisgebiet überregional eine große Rolle spielt. Für den
südwestlichen Rhein-Erft-Kreis und damit auch das Projektgebiet des DBU Projektes (s.o.) liegen
inzwischen sehr detaillierte Kartierungsdaten für Feldvogelbestände vor.
Bei der Entwicklung der Rebhuhnbestände im südwestlichen Rhein -Erft-Kreis beobachten
wir seit 2018 in vielen Gebieten einen positiven Trend. Dies wird auf den deutlich
gestiegenen Anteil an Vertragsnaturschutz flächen und die milden Winter zurückgeführt
[Foto: Marvin Fehn].Seite 37 von 81
35
Nachdem sich die Rebhuhnbestände im Projektgebiet lange Zeit auf einem besorgniserregenden
niedrigen Niveau bewegt haben, ist seit zwei Jahren ein leichter Aufwärtstrend zu beobachten. Die
Kartierung von rufenden Männchen mit Klangattrappen hat in den letzten beiden Jahren gezeigt, dass
die Revierzahlen im südwestlichen Rhein-Erft-Kreis zunehmen. Diese Ergebnisse werden durch
wiederholte Winterbeobachtungen von Rebhuhnketten mit mehr als 15 Tieren gestützt. Der positive
Bestandstrend ist insbesondere auf die milden Winter der letzten drei Jahre sowie die Verbesserung
der Lebensräume durch einen höheren Anteil an Artenschutzmaßnahmen in der Feldflur
zurückzuführen. Das Rebhuhn profitiert unter anderem von Maßnahmen, die große Ackerschläge
untergliedern und das Nahrungsangebot im Winter und während der Fortpflanzungsphase verbessern.
Die positive Nachricht beim Grauammerschutz ist, dass die Bestände im Rhein-Erft-Kreis in den letzten
fünf Jahren weitgehend stabil geblieben sind. Nicht erreichen konnten wir bislang eine
Wiederbesetzung von Räumen, in denen die Grauammer ehemals verbreitet war. Auch die Besetzung
neuer Reviere im Umfeld bestehender Verbreitungscluster erfolgte trotz der Präsenz geeigneter
Artenschutzflächen bislang nur in geringem Umfang. Unser Ziel ist, in den nächsten Jahren die
Bedingungen für die Grauammer in den bestehenden Clustern weiter zu verbessern und den Anteil
flächiger Maßnahmen im Umfeld der Verbreitungsclustern zu steigern.
Die Kiebitzbestände sind im Rhein-Erft-Kreis in den letzten Jahren stark zurückgegangen.
Beim Gelegeschutz besteht eine gute Zusammenarbeit zwischen den Biostationen,
Landwirt*innen und Biodiversitätsberater*innen der Landwirtschaftskammer.
Eines der Sorgenkinder bei den Feldvögeln im Rhein-Erft-Kreis bleibt der Kiebitz. Die letzte Kolonie mit
mehreren Brutpaaren wurde in den letzten Jahren nördlich von Kerpen im Umfeld des Wiebachteiches
beobachtet. Einzelne Brutpaare traten unter anderem auf Flächen mit Körnerleguminosen, Zucker-
rüben und Feldgemüse auf. Sehr positiv hat sich die Zusammenarbeit mit den Landwirt*innen beim
Gelegeschutz entwickelt. Auch hier zeigt sich, dass für den Feldvogelschutz die Zusammenarbeit von
Landwirt*innen, Biologischen Stationen und den Biodiversitätsberater*innen der Landwirtschafts-
kammer von großer Bedeutung ist.Seite 38 von 81
36
Projekt 12: Artenschutz im Rhein-Erft-Kreis
In diesem Kapitel werden Aktivitäten bei der Betreuung von Vorkommen der FFH-Anhangsarten,
bestimmter Rote-Liste-Arten sowie sonstiger Artenschutzaktivitäten außerhalb von Schutzgebieten
dargestellt.
Feldvogelkartierung im Rhein-Erft-Kreis
Die Feldvogelkartierung im Rhein-Erft-Kreis wird seit fast zehn Jahren zusammen mit ehrenamtlichen
Ornitholog*innen organisiert. Unser Arbeitskreis trifft sich zweimal im Jahr im Dezember und Februar,
um die Ergebnisse auszuwerten und die Kartiermethoden abzustimmen. 2020 konnte das Winter-
treffen Corona-bedingt nur als Videokonferenz durchgeführt werden. Durch die inzwischen große
Teilnehmer*innenzahl können wir als Arbeitskreis in immer mehr Gebieten Feldvogeldaten erheben.
Diese Ergebnisse helfen uns, Bestandstrends zu beobachten und wichtige Bereiche für die Einwerbung
von Vertragsnaturschutzmaßnahmen abzugrenzen. Darüber hinaus stehen uns für Anfragen zu
Eingriffen durch Bauvorhaben aktuelle Daten über die Verbreitung planungsrelevanter Arten zur
Verfügung.
Die Biostation versucht, durch die Einwerbung von Vertragsnaturschutzflächen in den
Verbreitungsgebieten der Grauammer die Bestände im Rhein -Erft-Kreis zu stützen. Da
sie als windkraftsensibel gilt, erreichen die Station zunehmend Anfragen zu Vorkommen
und zum Artenschutz bei Planungsverfahren.Seite 39 von 81
37
Ein Schwerpunktthema seit der Gründung des Arbeitskreises ist die Erhebung von Daten zur
Verbreitung der Grauammer. Sie ist in NRW vom Aussterben bedroht und zählt zu den Verant-
wortungsarten im Rhein-Erft-Kreis. Im Kreisgebiet gibt es noch Vorkommen im Raum Friesheim/Borr-
Scheuren/Erp, im Raum Gymnich/Nörvenich sowie in der Rekultivierung Garzweiler. Darüber hinaus
werden regelmäßig einzelne Brutzeitbeobachtungen aus der Feldflur bei Lechenich und aus Kerpen/
Buir gemeldet. Vorkommen in den älteren Rekultivierungsgebieten der Tagebaue bei Bergheim sind
inzwischen vermutlich erloschen. Auf der Basis der Kartierungsergebnisse der letzten Jahre und den
vorläufigen Ergebnissen der Masterarbeit von Marvin Fehn (s.u.) gehen wir aktuell von einem
Brutbestand von rund 50 Paaren im Rhein-Erft-Kreis aus. Fels et al. (20141) schätzen das gesamte
Grauammervorkommen in NRW auf 150 bis 200 Brutpaare.
Karte: Verbreitung der Grauammer im Rhein -Erft-Kreis. Gelbe Felder: Abgrenzung der
aktuellen Vorkommen auf Basis der Kartierungsdaten des Arbeitskreises Feldvogelschutz
im Rhein-Erft-Kreis.
Im Winter 2019/2020 wurde eine Bachelorarbeit über die Winterverbreitung von Feldvögeln auf
Ackerflächen zwischen Ahrem und Borr/Scheuren durchgeführt. Hierbei wurden ackerbaulich genutzte
Flächen und verschiedene Vertragsnaturschutzmaßnahmen verglichen. Diese Kartierung wurde im
Winter 2020/2021 fortgesetzt und soll auch in den nächsten Jahren ein fester Bestandteil des
Feldvogelmonitorings bleiben. Im Jahr 2020 wurde eine Masterarbeit über die Raumnutzung der
Grauammer in den Verbreitungszentren im südwestlichen Rhein-Erft-Kreis durchgeführt.
1 Fels, B. R. Joest, M. Jöbges & P. Herkenrath (2014): Die Grauammer Emberiza calandra in Nordrhein-Westfalen
– bald nur noch eine Erinnerung? Charadrius, 50(1): 61-74.Seite 40 von 81
38
Erfassung streng geschützter Arten in Kiesgruben
Nach der Übersichtskartierung von Kreuz- und Wechselkröten in 13 verschiedenen Kiesgruben Rhein-
Erft-Kreis in den Jahren 2018 und 2019 standen recht aktuelle Daten zur Verfügung. Daher wurden
2020 nur wenige Kartierungen durchgeführt; stattdessen wurde das Projekt „Unterstützung der
Amphibien in der Rohstoffgewinnung NRWs“ vorangetrieben.
Im zeitigen Frühjahr bemühten wir uns mit dem NABU NRW um einen gemeinsamen Termin mit der
Umweltministerin NRWs zur Verleihung der Plakette „Amphibienfreundlicher Abbau“, der für
teilnehmenden Unternehmen vorgesehen ist, die sich seit mindestens zwei Jahren erfolgreich für den
Amphibienschutz auf ihrem Werksgelände einsetzen. Die Verleihung an folgende Firmen sollte im
Sommer 2020 stattfinden: Quarzwerke Frechen, Kiesgrube Fischer Vernich, Franz Limbach GmbH.
Leider machte die aufkommende Corona-Pandemie den schon fest fixierten Pressetermin im April
zunichte, so dass zusammen mit dem Umweltministerium „nur“ eine Pressemitteilung erstellt und die
lokalen Pressetermine nur reduziert stattfanden – trotz des zu der Zeit alles beherrschenden Beginns
der Pandemie mit gutem Presseecho.
Die Biostation Bonn / Rhein-Erft erstellte auf der Basis eines Designvorschlags der Quarzwerke
druckfähige Dateien, regelte die Abstimmung mit den verschiedenen Teilnehmer*innen, dem
Ministerium und der Druckerei. Der Druck wurde von uns bei einer Druckerei in Frechen in Auftrag
gegeben und von VERO bezahlt. Darüber hinaus wurde die Internetpräsenz des Projektes neugestaltet
und online gestellt. Sie ist erreichbar unter: https://www.abgrabungsamphibien.de/Seite 41 von 81
39
Im Juni 2020 wurden den drei oben genannten Unternehmen die Plaketten in jedem Werk vor Ort bei
einem individuellen Pressetermin ausgehändigt. Die Corona-Pandemie erschwerte leider auch in Folge
die Projekt- und Öffentlichkeitsarbeit, sodass wir für 2020 keine neuen Teilnehmer*innen gewinnen
konnten.
2020 untersuchte Flächen und nachgewiesene Arten:
Ort Wechsel-
kröte
Kreuz-
kröte
Ufer-
schwalbe
Sonstige
Amphibien
Sonstige
Arten
Quarzwerke Frechen x x x Erdkröte
Wasserfrösche Uhu
NSG Ehemalige
Kiesgrube bei Türnich - - - - -
NSG Erftaue bei
Gymnich (Folienteiche) - x -
Erdkröte,
Grasfrosch,
Wasserfrösche
-
Kiesgrube Rhiem und
Sohn Erp X X
Erdkröte,
Grasfrosch,
Wasserfrösche
-
Vergabe der Plakette „Amphibienfreundlicher Abbau“ an die Quarzwerke
Frechen am 18.5.2020 in der Sandgrube.Seite 42 von 81
40
Ausgleichsfläche Lörsfelder Busch:
Auch 2020 wurde die an das FFH-Gebiet Lörsfelder Busch/ Dickbusch angrenzende Ausgleichsfläche
mit Gelbbauchunken- und Kreuzkrötenvorkommen an mehreren Terminen kontrolliert. Trotz der
Trockenheit im Frühjahr/ Sommer gehen wir noch von einem mäßigen bis guten Reproduktionserfolg
der beiden Arten aus. Vor allem die Niederschläge im Hochsommer, die zumindest zu einer
ausreichenden Befüllung der Foliengewässer und Betonwannen geführt haben, trugen hierzu bei. Die
Nachweisbarkeit adulter und subadulter Tiere war wegen der Trockenheit wieder erschwert. Vor allem
im August und September konnten wir in verschiedenen Gewässermulden und Betonwannen Laich
oder Kaulquappen sowie im März 2020 in mehreren Foliengewässern Springfrosch- und
Grasfroschlaich nachweisen. Im Dezember 2020 wurde die Durchführung der jährlichen Pflege-
maßnahmen von Straßen NRW begleitet.
Im Frühjahr 2020 war die Wassersituation auf der Ausgleichsfläche bis Anfang Mai noch
zufriedenstellend. Danach trockneten die Gewässermulden schnell aus. In
Foliengewässern und Betongewässern konnten sich Kaulquappen von Kreuzkröte und
Gelbbauchunken aus der ersten Ablaichphase erfolgreich entwickeln.
Feldhamster:
Die Stützungsansiedlung von Feldhamstern in Pulheim, ein Gemeinschaftsprojekt von Biostation und
Kreis mit dem LANUV und dem MULNV hat sich 2020 erfreulich positiv weiterentwickelt. Der
Ausgangsbestand im Herbst 2019 wurde auf ca. 150 bis 170 eingewinterte Tiere geschätzt. Es folgte
ein ausgesprochen milder Winter, der im südlichen Rheinland nahezu ohne Frost und ohne einen
einzigen Eistag verlief. Ob nun bedingt durch die nahezu durchgehend milde Witterung oder andere
Faktoren, bereits Ende Februar konnten auf der Aussetzungsfläche bei einer flüchtigen Begehung erste
offene Hamsterbaue in Form von gut ausgeprägten Fallröhren gefunden werden. Dank der
Unterstützung von Eva Walzel durch ihre Bachelor-Arbeit an der Universität Bonn war eine
kontinuierliche Datenerhebung im Zehn-Tage-Abstand bis weit in den Sommer möglich. Auch erfolgte
eine vollständige Ersterfassung bereits am 25. März. Zu diesem Termin waren bereits 79 Baue geöffnet,
was sich bis Mitte April auf 135 Baue steigerte. Lediglich acht Baue befanden sich zum Zeitpunkt der
Frühjahrsbauerfassung außerhalb der Aussetzungsflächen. Legt man die vorsichtig geschätzte AnzahlSeite 43 von 81
41
eingewinterter Tiere von 170 zugrunde, so liegt die Überlebensrate des ersten Winters bei fast 80 %,
was im Vergleich zu den Literaturwerten, vor allem aus den Niederlanden ein sehr hoher Wert ist.
Die große Aussetzungsfläche wies damit bereits im zeitigen Frühjahr eine sehr hohe Besiedlungsdichte
auf, was ein weiteres Aussetzen von gezüchteten Tieren in 2020 ausschloss. Anders die westliche,
deutlich kleinere Aussetzungsfläche, die nach dem Winter bis auf zwei Baue nahezu verwaist
aufgefunden wurde. Hier war im zeitigen Frühjahr die gesamte Fläche mit Luzerne im Schlitzverfahren
eingesät worden. Aufgrund der langanhaltenden Trockenheit ab Mitte März war der Aufwuchs aber
erst Mitte Juni so hoch, dass eine ergänzende Aussetzung erfolgen konnte. Nach gleichem
Aussetzungsschema und-dichte wie im Vorjahr wurden am 18.06.2020 17 Tiere ausgewildert. Diese
zeigten von Anfang an ein deutlich aktiveres Verhalten als die Vorjahrestiere, erweiterten die
vorgebohrten Röhren zu größeren aktiven Bauen und hatten bis zum Herbst eine sehr gute
Überlebensrate, wie die kontinuierliche Besetzung von 15 der 17 Baue bis in den Herbst hinein zeigte.
Zwischen Mitte und Ende August wurden außer den beiden Aussetzungsflächen ca. 40 ha der
angrenzenden Vertragsnaturschutzflächen mit Getreideanbau untersucht, um die Ausbreitung der
Feldhamster dokumentieren zu können. Zu den Auflagen im Vertragsnaturschutz gehört auch der
streifenförmige Ernteverzicht zwischen 5 und 10 % der Fläche, so dass insgesamt 10 Streifen von
mindestens 6 m Breite vorhanden waren.
Aufgrund der Erfahrungen des Vorjahres erfolgte erneut eine Nacherfassung dieser Ernteverzichts-
streifen m 27. September. Dabei zeigte sich, dass die Ende August noch weitgehend unbesiedelten
Ernteverzichtstreifen zwischenzeitlich stark von anscheinend abwandernden Tieren besiedelt worden
waren. Die Ergebnisse veranschaulicht folgende Abbildung:
Ergebnis der Sommerbauerfassung 2020 (inkl. Nachkartierung im September):
grün = belaufener Bau; gelb = unsicher, ob belaufen; rot = nicht belaufener BauSeite 44 von 81
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In Zahlen bedeutet dies:
Bei der herbstlichen Nacherfassung wurden die beiden Aussetzungsflächen und eine ca. 1,3 ha große
Ernteverzichtsfläche im Nordwesten nicht erneut erfasst. Dadurch wurden mit hoher Wahrschein-
lichkeit viele zwischenzeitlich entstandene Baue nicht aufgenommen. Die Anzahl sich einwinternder
Tiere lässt sich dadurch nicht leicht abschätzen. Sie dürfte aufgrund der offensichtlich guten
Reproduktion des zweiten Wurfes deutlich höher liegen als die Zahl der belaufenen Baue bei der
Sommerbauerfassung. Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2020 die Zahl sich einwinternder Tiere
mindestens doppelt so hoch war wie noch ein Jahr zuvor und im Bereich von bis zu 400 Tieren gelegen
haben dürfte.
Mit der Vorbereitung einer zweiten Aussetzungsfläche wurde im Herbst 2020 ebenfalls begonnen. Sie
ist ca. 11 ha groß, liegt nördlich der Ortschaft Ingendorf und damit ziemlich mittig zwischen der
Aussetzungsfläche in Geyen und der in Rommerskirchen in Betreuung der Biologischen Station im
Rheinkreis Neuss. Sie wurde im Herbst in ähnlicher Weise angelegt wie die in Geyen. Umgeben von
einem ca. 27 m breiten Streifen von Luzerne liegen neun je 27 m breite Streifen mit fünf
unterschiedlichen Kulturen. Hier können 2021 bis zu 144 Feldhamster aus der Metelener Nachzucht
ausgesetzt werden.
Knoblauchkröte: Seit 2013 erfolgt das Monitoring des Vorkommens in Erftstadt-Scheuren mit Hilfe
eines Amphibienzauns am Drieschhof-Weiher und am Waschmaar. Die Ergebnisse in diesem Jahr
bestätigen leider den stark rückläufigen Trend der letzten Jahre. So hat sich der Gesamtbestand
gegenüber dem Vorjahr halbiert. Lediglich sechs Tiere (zwei Männchen und vier Weibchen) konnten
gefangen werden. Damit war erneut zu beobachten, dass deutlich weniger Männchen vorhanden
waren als Weibchen. Zwar dürften die zurückliegenden beiden klimatischen Extremjahre 2018 und
2019 ebenfalls zu der schlechten Situation beigetragen haben, weiterhin dürfte aber der Hauptfaktor
in der unzureichenden Qualität des Landlebensraums liegen. Seit 2016 der gegenüberliegende, über
mehr als vierzig Jahre biologische bewirtschaftete Acker in konventionelle Bewirtschaftung überge-
gangen ist, hat sich der Rückgang stark beschleunigt. Offensichtlich reicht der ca. halbe Hektar große
Teilschlag mit artenreicher Blühmischung im Vertragsnaturschutz nicht aus, um die Gesamtverschlech-
terung durch die Umstellung in der Bewirtschaftung zu kompensieren. Wenn nicht innerhalb des
nächsten Jahres eine deutliche Verbesserung der Lebensraumbedingungen erreicht werden kann, ist
zu befürchten, dass die Knoblauchkröte im Rhein-Erft-Kreis innerhalb weniger Jahre vollständig
ausstirbt. Ohne die seit 2013 erfolgende Nachzucht gäbe es mit hoher Wahrscheinlichkeit schon jetzt
kein Vorkommen in Scheuren und damit im Rhein-Erft-Kreis mehr.Gesamt belaufen unsicher unbelaufen ohne Angaben
2019 300 124 49 121 6
2020 453 329 58 66
Veränderung
zum Vorjahr plus 51% plus 165% plus 18% minus 45%
Sommerbau-Erfassungen 2019 und 2020
inkl. Nach-Kartierung am 25.09.2020Seite 45 von 81
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Was aber kann noch getan werden, wenn der südlich benachbart wirtschaftende Landwirt sich seit
Jahren strikt weigert, an Fördermaßnahmen für die Knoblauchkröte im Vertragsnaturschutz
teilzunehmen? Wenn nicht rasch umfassende Verbesserungen des Landlebensraums bewirkt werden,
wird die Art kaum noch zu halten sein, erst recht, da 2020 das dritte Jahr in Folge sehr ungünstige
Witterungsbedingungen geherrscht haben. Zwar konnten mit den nur noch sechs gefangenen Tieren
in diesem Jahr immerhin vier Laichschnüre gewonnen werden. Allerdings gab es aufgrund der großen
Hitze eine starke Algenblüte in den beiden Zuchtbecken, die sich negativ auf das Gedeihen der
Kaulquappen auswirkte. Trotz eines mehrfachen Wasserwechsels konnten aber letztlich nur 2.100
Kaulquappen ausgesetzt werden. Diese wurden ausschließlich in den Drieschhofweiher gesetzt, da der
Wasserstand im Waschmaar für eine Aussetzung zu niedrig war und das Gewässer bereits Anfang
August trotz Einbringung von zwei Kubikmetern Wasser als Notbefüllung vollständig austrocknete. Ob
unter den gegebenen Bedingungen das mittlerweile auf Kleinstpopulationsniveau geschrumpfte
Vorkommen noch erhalten werden kann ist fraglich.
Biber: Vom ehemaligen Bibervorkommen am Rotbach bei Niederberg gibt es keine neuen Sichtungen
zu melden. Auch Fraßspuren oder andere Anzeichen auf eine Präsenz des Bibers konnten in 2020
weder hier noch an einer anderen Stelle im Rhein-Erft-Kreis erbracht werden.Seite 46 von 81
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Projekt 13: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben
Zu diesem Projekt zählen Anfragen von Bürger*innen, die Beratung von Behörden, fachnahen
Institutionen und von Planungsbüros in Naturschutzfragen und der regelmäßige Austausch mit Ver-
treter*innen des Amtes für Umweltschutz und Kreisplanung. Schwerpunkte der Beratung waren 2020:
• Anfragen zum Vorkommen planungsrelevanter Arten
(Amphibien, Reptilien, Fledermäuse und Vögel). Die Anfragen
wurden von Planungsbüros und Behörden an uns gerichtet
und betrafen alle Kommunen im Rhein-Erft-Kreis. Die Anzahl
der Anfragen hat 2020 stark zugenommen.
• Es gab Gesprächs- und Ortstermine mit Vertretern von
Behörden, Planungsbüros und zum Beispiel dem Erftverband
zur Planung, Umsetzung und Optimierung von
Naturschutzmaßnahmen im Rhein-Erft-Kreis.
• Beratung zum Thema Insektenschutz: Geplante
Beratungsgespräche, Veranstaltungen und Infostände zur
Umsetzung insektenfördernder Maßnahmen konnten
Corona-bedingt nur in eingeschränktem Umfang durchge-
führt werden. Es wurde ein Rollup für Infostände erstellt.
• Wespenberatung: 2020 war wieder ein eher durchschnitt-
liches Wespenjahr, obwohl sich im Sommer viele
Bürger*innen aufgrund der Aktivität von Wespen im häus-
lichen Umfeld bei uns meldeten.
• Anfragen zum Thema Insektenschutz von Kommunen im
Rhein-Erft-Kreis: Hier bestand weiterhin ein großes Interesse.
Bei mehreren Ortsterminen wurden Vertreter*innen der
Kommunen Praxisbeispiele demonstriert und Tipps für die
Umsetzung der Maßnahmen gegeben.
• Weiterhin bestand ein großer Beratungsbedarf zum Thema
Obstwiesen, Streuobstwiesen und Obstbaumpflege. Die
Beratung erfolgte am Telefon, per Mail und teilweise vor Ort.
• Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten: 2020 wurden
verschiedene Studierende der Universität Bonn im Rahmen
von Praktika oder anderen Studienmodulen betreut. Außer-
dem betreuten wir eine Bachelorarbeit zum Thema
Feldhamster (Vertragsnaturschutz), eine Masterarbeit zum
Thema Grauammer (Vertragsnaturschutz), eine Masterarbeit
zum Thema Hummeln in Grünlandbeständen (Insekten-
schutz), eine Bachelorarbeit zum Thema Kleiner Abendsegler
(Life+ Projekt) sowie zwei Masterarbeiten zum Thema
Libellen (Life+ Projekt).
• Schaffung artenreicher Grünflächen, Wiesenflächen oder Säume: Es gab es wieder zahlreiche
Fragen bezüglich Bodenvorbereitung, Aussaattechnik/ Aussaatzeitpunkt und zur späteren Pflege
der Flächen. Städte, Gemeinden, Landwirt*innen und Bürger*innen wurden auch 2020 in großem
Umfang zu dieser Thematik beraten.
Neu erstelltes Rollup für die
Öffentlichkeitsarbeit zum
Thema Insektenschutz im
Rhein-Erft-KreisSeite 47 von 81
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Projekt 14: Naturschutzbildung und Öffentlichkeitsarbeit im Rhein-Erft-Kreis
Auch im Jahr 2020 wurde im Rhein-Erft-Kreis ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm mit
zahlreichen Exkursionen und Vorträge angeboten. Leider konnten zwischen März und August sowie
zwischen Oktober und Dezember 2020 viele Veranstaltungen Corona-bedingt nicht durchgeführt
werden. Als Alternative zu Präsenzveranstaltungen fand im Dezember erstmalig eine Videokonferenz
statt.
• 14.02., Natur- und Artenschutz im Rhein-Erft-Kreis (Vortrag im Kloster Brauweiler)
• 07.02., Vortrag zur Insektenvielfalt in Gärten (Blühbotschafter*innen Projekt)
• 05.03., Feldvogelmonitoring im Rhein-Erft-Kreis (Infoveranstaltung im Umweltzentrum
Friesheimer Busch)
Die nachfolgenden Veranstaltungen mussten Corona-bedingt abgesagt werden:
• 07.03., Spechte in der Waldville - Gefiederte Spezialisten an alten Eichen (Exkursion in der
Waldville).
• 21.03., Höhlenerbauer und Altbausanierer: Spechte und andere Höhlenbrüter im
Königsdorfer Forst (Exkursion bei Frechen)
• 02.04., Amphibien im Königsdorfer Forst (Exkursion bei Frechen)
• 03.04., Frühjahrsblüher im Schlosspark Brühl (Exkursion in Brühl)
• 25.04., Frühlingserwachen bei den Wildbienen (Exkursion im NSG Kernzone Erftaue
Gymnich)
• 02.05., Wildbienen im Klosterpark Brauweiler (Exkursion)
• 08.05., Mit Fernglas und Becherlupe durch das NSG Kernzone Erftaue Gymnich
• 09.05., Exkursion durch das Naturschutzgebiet "Ehemalige Klärteiche Bedburg"
• 16.05., Becherlupenexkursion am Entenfang für die ganze Familie
• 29.05., Wenn es Nacht wird in der Quarzsandgrube Frechen …! (Exkursion durch die
Quarzsandgrube Frechen)
• 06.06., Wildbienen und andere Brummer in der Rekultivierung Garzweiler (Gemeinsame
Exkursion mit der Forschungsstelle Rekultivierung)
• 27.06., Insektenseminar im Friesheimer Busch (Exkursion und Bestimmungsübungen)
Die nachfolgenden Veranstaltungen konnten nur mit einem Hygienekonzept oder als Videokonferenz
durchgeführt werden:
• 08.08., Wildbienen: nützliche Insekten, faszinierende Lebensformen (eintägiges NUA-
Seminar im Umweltzentrum Friesheimer Busch)
• 14.08., Fledermäuse - unsere nachta

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Datenstand: 02.11.2026, 21:00 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de