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211321 · Mitteilungsvorlage

Arbeitsstand Verkehrsmodell

Nummer
211321
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
08.08.2021
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr 30.09.2021 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
211321
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
61 Stadtplanungsamt
Dezernat:
Dez. III
Arbeitsstand Verkehrsmodell
Beratungsfolge
Ausschuss für Mobilität und Verkehr 30.09.2021 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Die Stadt Bonn hat ihr Verkehrsmodell seit geraumer Zeit durch einen externen
Dienstleister fortschreiben lassen. Durch ständige Fortschreibungen hat sich im
letzten Jahr gezeigt, dass das Verkehrsmodell seine Aktualität verloren und
auch nicht mehr prognosefähig ist. Um gezielte Aussagen über zukünftige
Verkehrsänderungen treffen zu können, muss das Modell komplett neu
aufgestellt werden. Dies ist umso wichtiger, da durch das Bonner
Verkehrsmodell (VM-BN) wichtige Grundlagen für zukünftige
Infrastrukturprojekte und weitere raum- und verkehrspolitische Entscheidungen
geliefert werden.
Da grundlegende Komponenten des VM-BN (z.B. Netzstruktur) nicht mehr in
der bisherigen Form Verwendung finden können, das Modell viele alte
Strukturen beinhaltet und durch die gegenwärtige Modellstruktur mehrere
Szenarien nicht abbildet (z. B. tatsächliche Reaktionen auf Veränderungen im
Besitz von ÖV-Dauerkarten), ist die angestrebte Neuerstellung ebenfalls
notwendig. Zudem sind auch die zeitlichen, räumlichen und
nachfragetheoretischen Segmentierungen dem aktuellen Stand der
Verkehrsangebots- und Verkehrsnachfragemodellierung anzupassen. Mit der
anstehenden Aktualisierung soll das VM-BN auch den zukünftigen
Herausforderungen und Ansprüchen gerecht werden.
Verkehrsnachfragemodelle haben die Aufgabe, bestehende Zustände zu
untersuchen und die Wirkungen von geplanten Maßnahmen, aber auch von
externen Entwicklungen (z. B. Bevölkerungsentwicklung, Kostenentwicklung
etc.), zu ermitteln. Zur Lösung dieser Aufgabe stehen grundsätzlich die
empirische Erhebung (Zählungen bzw. Befragungen) sowie die modellbasierte
Berechnung zur Verfügung. In Zusammenhang mit diesen Daten werden
Modelle entwickelt, die eine realitätsnahe, logische Abbildung der Abläufe und
Wirkungszusammenhänge ermöglichen. Verkehrsmodelle stellen somit, wie
alle Modelle, eine zweckbezogene Abstraktion der realen Welt dar.
Für Verkehrsplanungen sind Verkehrsangebots- und
Verkehrsnachfragemodelle oftmals entscheidende Werkzeuge. Der
Planungshorizont kann sich dabei auf unterschiedliche Zeitpunkte beziehen. So
können bei der Planung großer Infrastrukturmaßnahmen die Prognosehorizonte
der mittleren Wirkungen mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte in der ZukunftSeite 1 von 3
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liegen. Bei operativen Modellen (z. B. Verkehrsteuerung von Ampelanlagen)
interessiert im Gegensatz dazu kein mittlerer Zustand. Hier sollen – im
Gegensatz zum VM-BN – verschiedene Abweichungen vom Mittelwert
modelliert und prognostiziert werden, deren Zeitpunkt oft nur wenige Tage,
Stunden oder Minuten entfernt liegt.
Bei der Betrachtung des Aggregationsgrades eines Verkehrsangebots- und
Verkehrsnachfragemodells wird zudem sehr oft das Begriffspaar
makroskopisch und mikroskopisch genutzt. Makroskopische Modelle
verwenden aggregierte Objekte, die Objekte der „realen Welt“
zusammenfassen und vereinheitlichen. Mikroskopische Nachfragemodelle
modellieren die Entscheidungsprozesse einzelner Individuen. Bei
makroskopischen Nachfragemodellen hingegen haben alle Personen eines
Nachfragesegments gleiche Verhaltensparameter für das Mobilitätsverhalten.
Mit diesen Parametern wird für jede Alternative eine mittlere
Wahlwahrscheinlichkeit bestimmt.
Das VM-BN soll grundsätzlich der Erarbeitung der Bonner Verkehrsprognosen
(bspw. VEP, NVP, FNP, Grundlage zur Standardisierten Bewertung (Bsp.:
Westbahn, etc.) dienen. Dazu müssen die Modi motorisierte Individualverkehr
(MIV), öffentlicher Verkehr (ÖV), Radverkehr (Rad), Fußverkehr (Fuß) und
Wirtschaftsverkehr (WV) alle Modellzustände des durchschnittlichen
Werktagverkehrs (DTVw5), der Spitzenstunden am Morgen (MSP) vorgehalten
werden. Das VM-BN sollte dementsprechend ein strategisches Verkehrsmodell
bleiben, welches auf der städtischen Ebene differenzierte und soweit sinnvoll
feingliedrige Aussagen zur Verkehrsentwicklung zulässt. Es liefert außerdem
Ergebnisse bzw. Eingangsdaten für andere Modelle und Planungen. Es zielt
nicht auf einen Einsatz in der operativen Modellierung (z.B. Steuerung des
aktuellen Verkehrsaufkommens). Hierzu sind Möglichkeiten der Verknüpfung
mit mikroskopischen Simulationsprogrammen zu schaffen.
In einem ersten Schritt hat die Stadt Bonn ein renommiertes Beratungsbüro mit
der Erstellung einer Ausschreibung für das eigentliche Verkehrsmodell
beauftragt. Mit einer noch im Herbst 2021 stattfindenden Ausschreibung soll ein
modernes und auf dem Stand der Technik befindliches Verkehrsangebots- und
Verkehrsnachfragemodell erstellt werden. Es soll ein Langfristprognosemodell
aufgebaut werden, welches komplett selbstständig von der Stadt gepflegt,
bedient und berechnet werden kann. Durch die Datenverfügbarkeit ist das zu
Grunde liegende Analysejahr auf das Jahr 2018 festgelegt. Ebenso wird das
VM-BN alle Modi in wechselseitiger Einflussnahme modellieren, d.h.
Maßnahmen mit Wirkung auf den Modal Split zwischen den Verkehrsträgern
können analysiert werden. Auf der Seite der Verkehrsnachfragemodelle
entsteht eine detaillierte Modellierung der Zusammenhänge zwischen Siedlung
und Verkehr. Mit diesem Modell sind dann detailliertere Verkehrsanalysen
möglich. Dazu zählen:
Berechnung der Auswirkungen von unterschiedlichen
Raumstrukturprognosen
alle Facetten teilräumlicher, gesamtstädtischer und regionaler
Untersuchung
Berechnung von unterschiedlichen Infrastruktur- und Netzfällen
Möglichkeit der Abstimmung der Maßnahmen (M)IV und ÖVSeite 2 von 3
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Linien- und trassenfeine Abbildung der ÖV-Verkehrsströme
Grundlagen zur Standardisierten Bewertung von
Infrastrukturmaßnahmen
Aussagen zu Verkehrsströmen aller Modi für den DTVw5 sowie
abgeleitet für den DTV und die Spitzenstunden
Wirkungen der Binnen-, Quell-, Ziel- und Durchgangsverkehre in Bezug
auf den Modellraum Bonn
Verkehrsströme des Wirtschaftsverkehrs
Bei der Bearbeitungszeit des analytischen Verkehrsangebots- und
Verkehrsnachfragemodells Bonn ist ein Zeitraum von 24 Monaten als
realistisch anzusehen. Nach Freigabe des Haushalts für die Jahre 2021/2022,
mit den für das VM-BN enthaltenen Mitteln, soll möglichst unmittelbar eine
Ausschreibung zur Erstellung laufen. Dabei werden regelmäßige Prüfungen
und Absprachen mit dem Auftraggeber notwendig sein. Nach Erstellung des
Analysemodells wird in einem weiteren Schritt das deutlich weniger
arbeitsintensive Prognosemodell werden. Das Jahr 2030 soll dabei als
Prognosehorizont dienen. Eine Fortschreibung des Analysemodells nach
erweiterter Datenaufnahme im Jahr 2023 ist zu empfehlen.
Anlage/n
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Datenstand: 02.11.2026, 17:57 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de