211234 · Mitteilungsvorlage
Abschluss des Förderprojektes „Zusammen im Quartier“ (ZiQ); Baustein 1 „Ein Kümmerer für Medinghoven“ Baustein 3 „Daten für Taten“
Kerndaten
- Nummer
- 211234
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 13.08.2021
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Gesundheit Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage öffentlich 211234 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 50 Amt für Soziales und Wohnen Dezernat: Dez. V Abschluss des Förderprojektes „Zusammen im Quartier“ (ZiQ); Baustein 1 „Ein Kümmerer für Medinghoven“ Baustein 3 „Daten für Taten“ Beratungsfolge Bezirksvertretung Hardtberg 31.08.2021 Kenntnisnahme Ausschuss für Soziales, Migration und Gesundheit 23.09.2021 Kenntnisnahme Mitteilung: Auf der Grundlage von Beschlüssen hat die Verwaltung 2018 einen Antrag auf Förderung nach dem Landesprogramm „Zusammen im Quartier – Kinder stärken, Zukunft sichern“ gestellt. Mit den gewährten Fördermitteln konnten über 2 Jahre die Stellen einer Sozialwissenschaftlerin und einer Sozialpädagogin finanziert werde. Das dem Antrag zugrundeliegende Konzept sah die Verknüpfung der Programmbausteine „Kümmerer“ und „Daten für Taten“ vor. Ziele des Projektes waren: - Quartiersentwicklungsprozesse am Beispiel von Medinghoven zu begleiten und zu unterstützen, - vorhandene Strukturen und Ressourcen zu qualifizieren und zu verstetigen, - neue Angebote zu schaffen, - partizipative Verfahren zu erproben, - Zugänge in die Hilfesysteme zu verbessern und - Grundlagen für eine kleinräumige Sozialberichterstattung zu schaffen, die - eine nachhaltige Fortschreibung von Kennzahlen und Berichten der Ämter und Dienststellen der Sozialverwaltung und die Einbindung vorhandener Teilplanungen organisiert und unterstützt, - die Vernetzung zwischen Ämtern und Dienststellen, strategischer und operativer Ebene fördern, - Akzeptanz, Nutzung, Auslastung und Wirkung der bestehenden Infrastruktur in den Fokus nimmt sowie - kommunale Steuerungsmöglichkeiten und deren Grenzen aufzeigt.Seite 1 von 128 Seite 2 Die Verwaltung legt nun die Abschlussberichte zum Projekt „Zusammen im Quartier“ (ZiQ) zu den Bausteinen 1 „Ein Kümmerer für Medinghoven“ und 3 „Daten für Taten“ vor und gibt (nach verwaltungsinterner Abstimmung) Empfehlungen zur weiteren Quartiersentwicklung und deren Umsetzung sowie für eine künftige kleinräumige Sozialplanung. Baustein 1 Die abschließende Bewertung der vorhandenen sozialen Infrastruktur und die Empfehlungen für eine weitere Umsetzung von Maßnahmen für das Quartier Medinghoven sind in den folgenden Kernaussagen zusammengefasst: Bei gleichbleibender Struktur des lokalen Wohnungsmarktes wird der Stadtteil auch künftig die Funktion eines „Ankommens-Stadtteils“ in der Stadt Bonn haben. Es wird daher empfohlen, das Thema „Wohnen“ im „Forum Wohnen“ vertieft zu behandeln, sobald die pandemische Lage dies zulässt. Ortsnahe Beratungsangebote für Menschen mit ökonomischen und integrativen Unterstützungsbedarfen sind dabei unverzichtbar und sollten gestärkt werden. Ein die Regeleinrichtung ergänzendes, ausdifferenziertes Förder- und Hilfeangebot ist im Stadtteil vorhanden. Empfohlen wird die personelle und sächliche Ausstattung der Sozial- und Schuldnerberatungsstelle laufend und entsprechend den jeweiligen Fallzahlen anzupassen. Problemlagen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien sind tief verwurzelt in den biographischen Erfahrungen der jungen Menschen. Es wird daher empfohlen, gewachsene personale Beziehungen als eine gute Basis für pädagogische Interventionen zu nutzen und eine auskömmliche und stabile Personalsituation in den vorhandenen Einrichtungen sicherzustellen. Ergänzend sollen auch zukünftig befristete Projekte (wie z.B. das Projekt „Champs – für Integration und Gleichberechtigung“) angeboten werden. In der Öffentlichkeit werden Jugendliche und junge Erwachsene wahrgenommen, die teilweise wegen des Endes ihrer Schulpflicht und der Überschreitung der Altersgrenze von 21 Jahren durch Schule und Einrichtungen der Jugendarbeit nicht mehr erreicht werden können. Vor Ort werden hier insbesondere präventive, ordnungsrechtliche und polizeiliche Maßnahmen eingesetzt. Empfohlen werden eine enge Kooperation von Jugendamt, Schule und Sozialamt sowie der Einsatz pädagogischer Fachkräfte des Bonner Eventsprinters und eigene Angebote für Mädchen und junge Frauen. In Medinghoven gibt es niederschwellige Zugänge für Frauen aus Zuwandererfamilien. Allgemeine Sozialberatung, Erziehungsberatung, Förderkurse Deutsch, Formularhilfe, Interkulturelle Frauengymnastik und Müttergruppen in Kitas und Familienzentren, im Stadtteilbüro und in weiteren Einrichtungen sind hier exemplarisch zu benennen.Seite 2 von 128 Seite 3 Um weitere Erkenntnisse darüber zu gewinnen unter welchen Bedingungen Integration am Beispiel des Quartiers Medinghoven gelingen kann, wird empfohlen, persönliche Migrationserfahrungen älterer Frauen im Rahmen eines der noch ausstehenden Partizipationsprojekte zu thematisieren und auszuwerten. Die Infrastruktur in und um Medinghoven bietet für ältere Menschen vielfältige Möglichkeiten der Teilhabe und Beratung. Empfohlen wird jedoch eine Verbesserung der Zugänge zu den lokalen Angeboten u.a. durch verstärkte Bewerbung und einen Ausbau der Kooperation zwischen den Einrichtungen. Der Stadtteil verfügt über gute Vernetzungsstrukturen für den Austausch mit Bürger/-innen und Einrichtungen vor Ort. Ein zusätzliches, permanent vor Ort präsentes Quartiersmanagement erscheint daher nicht erforderlich. Eine ämterübergreifende Nutzung des bestehenden Stadtteil-AKs für quartiersbezogene Planungen und Aktivitäten kann zu konzeptionellen Synergien bei der Quartiersentwicklung führen. Empfohlen wird, im Austausch mit dem örtlichen Träger zu prüfen, wie der Bereich der Gemeinwesenarbeit dauerhaft konkretisiert und gestärkt werden kann, und gemeinsame Tools zur Stärkung der vorhandenen Strukturen zu nutzen. Baustein 3: Lag der Fokus anfangs darauf, eine Übersicht über verschiedene demografische Daten und konkret benannte Sozialdaten auf Ebene der statistischen Bezirke der Stadt Bonn zu erstellen, verlagerte sich die Analyse von der Datensammlung und –sichtung (wie sie im Kontext der Analyse des Lupenbezirkes Medinghoven erfolgte) zunehmend hin zur Formulierung der strukturellen Vorbedingungen einer nachhaltigen Sozialberichterstattung und –planung. „Gelingensbedingungen“ für eine nachhaltige Sozialberichterstattung und -planung wurden identifiziert und zusammengefasst. Außerdem wurden Empfehlungen für das weitere Vorgehen erarbeitet und dargestellt. Empfohlen wird: - kurzfristig interdisziplinären Austausch zwischen der Sozialplanung und den weiteren Fachplanungen aller Ämter des Sozialdezernates (in enger Abstimmung mit Amt 61 und der Statistikstelle) zu etablieren, um abgestimmte Planungsprozesse zu erleichtern. - den amtsinternen und ämterübergreifenden fachlichen Austausch (Wissenstransfer) durch methodische (technische) und personelle Absicherung der Informationsweitergabe weiter zu qualifizieren. Anlage/nSeite 3 von 128 Seite 4 1 ZiQ-Abschlussbericht Baustein 1_Kümmerer (öffentlich) 2 ZiQ-Abschlussbericht Baustein 3_Sozialplanung (öffentlich) 2 ZiQ-Abschlussbericht Baustein 1_Anhang (öffentlich) 3 ZiQ-Abschlussbericht Baustein 3 _Anhang (öffentlich)Seite 4 von 128 1 Bericht zur Umsetzung des Projektes „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ (ZiQ) Baustein 1 „Aufbau eines nachhaltigen Unterstützungssystems/ einer nachhaltigen Quartiersentwicklung im Quartier Bonn – Medinghoven“Seite 5 von 128 2 1. Hintergrund der Bewerbung S. 3 1.1 Politische Beschlusslage 1.2 Potenziale des Förderprogrammes „ZIQ“ 1.3 Ziele 2. Prozessorganisation S. 6 2.1 Zeitlicher Ablauf 2.2 Recherche des Status Quo 2.3 Kommunikation mit lokalen Einrichtungen, Bürger/innen und Kommunalpolitik; Öffentlichkeitsarbeit 3. Das Quartier Medinghoven S. 11 3.1 „Ortsteilprofil“ 3.2 Sozialraumanalyse 3.3 Ergebnisse der Expert/-innenforen 4. Angestoßene Quartiersprojekte und -entwicklungsprozesse S. 12 4.1 Bürgerbeteiligungsprojekte für ausgewählte Zielgruppen 4.1.1 „Die Kinderreporter“ 4.1.2 Erzählcafés „(M)eine Heimat Medinghoven“ 4.1.3 Dokumentation „Buch für Medinghoven“ 4.2 Projekte zur Gestaltung des öffentlichen Raums 4.2.1 Revitalisierung der Ladenzeile 4.2.2 AG Grün und Gestaltung 4.2.3 Wegweiser-System 4.3 Projekte zur Unterstützung der Stadtteilorganisation und Vernetzung 4.3.1 Übersicht über vorhandene Angebote 4.3.2 Stadtteilkalender 4.3.3 Stadtteilfest 4.3.4 Corona-konforme Kleinveranstaltungen 4.3.5 Weitere Projekte (auch anlässlich Corona-bedingter Bedarfe) 5. Abschließende Bewertung der vorhandenen sozialen Infrastruktur S. 17 5.1 Lebenslagen im Stadtteil Medinghoven 5.2 Soziale Infrastruktur 5.2.1 Regelangebote für Kinder und Jugendliche 5.2.2 Sprechstunden, Förder- und Hilfeangebote für Kinder, Jugendliche und Familien 5.2.3 Beratungsangebote für Menschen in prekären Lebenslagen 5.2.4 Weitere kommunal finanzierte Angebote für die Zielgruppe „Kinder, Jugendliche“ (und deren Familien) 5.2.5 Angebote für besondere Zielgruppen 5.3 Vernetzungsstrukturen; Notwendigkeit eines Quartiersmanagements 6. Erkenntnisse zu planungsrelevanten Rahmenbedingungen S. 26 7. Zielerreichung S. 27 8. Anhang S. 28Seite 6 von 128 3 1. Hintergrund der Bewerbung 1.1 Politische Beschlusslage Die Entscheidung zur Bewerbung auf zwei Projektbausteine aus dem Förderprogramm „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW zur Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut in besonders benachteiligten Quartieren basierte auf unterschiedlichen politischen Beschlüssen der Bundesstadt Bonn, deren Umsetzung mit dem Förderprogramm Rechnung getragen werden sollte1. Sozialberichterstattung: Im März 2017 hat der Ausschuss für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen einen Beschluss zum Thema „Sozialdaten pro statistischem Bezirk“ gefasst (DS 1710761¸ Hauptausschuss: Mai 2017). Hiermit wurde die Verwaltung beauftragt, eine Übersicht über verschiedene demografische Daten und konkret benannte Sozialdaten auf Ebene der statistischen Bezirke der Stadt Bonn zu erstellen. Damit verbunden war die Erwartung, durch eine solche Berichterstattung Verwaltung, Politik und freie Träger in die Lage zu versetzen, zielgruppenspezifische Handlungsempfehlungen zur Stärkung der sozialen Situation in den Stadtteilen zu entwerfen, wie sie in einem weiteren Beschluss des Ausschusses für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen bereits 2015 (DS 1510323 NV3), wie folgt benannt wurde: Identifizierung von Vierteln mit besonderen Herausforderungen, Schaffung von Entscheidungsgrundlagen für Politik, Schaffung einer Basis für effektives, zielgerichtetes Handeln vor Ort. Systematische Quartiersentwicklung im Quartier Medinghoven: Aus Sicht der Verwaltung bot es sich an, diesen gesamtstädtischen Auftrag zu spezifizieren und exemplarisch im Bonner Stadtteil Medinghoven umzusetzen und damit einem weiteren Ratsbeschluss (DS 1810331NV3) Rechnung zu tragen: Die Stadt Bonn fördert mit ausschließlich kommunalen Mitteln das sog. „Systematische Quartiersmanagement“. Diese sollen zunächst in bis zu acht besonders belasteten Quartieren für eine nachhaltige Quartiersentwicklung eingesetzt werden (DS 1212599NV4). Allerdings stehen in diesem Budget nur begrenzte Mittel zur Verfügung. - Daher wurde die Verwaltung beauftragt, die Förderlandschaft auf geeignete Förderprogramme für eine Anschubfinanzierung des Quartiers „Medinghoven“ zu prüfen. Auch inhaltlich gab es für den Quartiersentwicklungsprozess in Medinghoven Vorgaben der Politik. So sollte die Erneuerungsstrategie partizipativ mit unterschiedlichen Akteuren vor Ort erarbeitet und von der Verwaltung - ggf. mit externer Unterstützung - aktiv begleitet werden. Der politische Auftrag hebt in einigen Zielen die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen in Medinghoven, dem „jüngsten“ von insgesamt 62 Bonner statistischen Bezirken hervor– bezieht aber ausdrücklich auch andere Bevölkerungsgruppen (ältere Menschen, schwer erreichbare Zielgruppen) mit ein. Daneben werden Aspekte der Stadtentwicklung (z.B. Leerstände) durch den Auftrag angesprochen. 1 Projektsteckbriefe: s. Anlage 1)Seite 7 von 128 4 Fortschreibung des Integrierten Entwicklungskonzeptes Hardtberg: Neben den o.g. pol. Beschlüssen sollte auch eine enge Verknüpfung mit der durch das Stadtplanungsamt zu erarbeitenden Fortschreibung des integrierten Entwicklungskonzeptes („IEK“) für den Stadtbezirk Bonn-Hardtberg (zu welchem der Stadtteil Medinghoven gehört) sichergestellt werden. (DS-Nr.1610742 und 1711709NV3). 1.2 Potenziale des Förderprogrammes „Zusammen im Quartier“ Die oben beschriebenen, miteinander verwobenen komplexen Aufträge erforderten nach Einschätzung der Verwaltung den Einsatz zusätzlicher personeller Ressourcen. Zudem erschien eine Einbindung der hierfür eingesetzten Fachkräfte in die zuständige Organisationseinheit der Stadt Bonn („Sozialplanung und Quartierentwicklung“) sinnvoll, da sie neben ihrer fachlichen Qualifikation auch über Kenntnisse der örtlichen Strukturen und Akteure sowie von Verwaltungsabläufen verfügen sollten. Im Prozess müssen sowohl „operative“ Methoden (der sozialen Arbeit vor Ort im Quartier) als auch „strategische“ Methoden (der Sozialwissenschaft) eingesetzt werden. Dazu gehören…: die Aufbereitung unterschiedlicher Datenquellen (Bestands- und Nutzungsanalyse, Presserecherche, Berichte der Träger zu ihren Angeboten/Maßnahmen); die Koordination einer prozessbegleitenden Abstimmung mit den lokalen, aber auch an anderen Stellen (Verwaltung, Kommunalpolitik) tätigen Akteur/innen (Einrichtung bzw. Nutzung von vorhandenen Arbeitsgremien, Fertigen von Beschlussvorlagen, Öffentlichkeitsarbeit): die Konzeptionierung, Durchführung und Auswertung verschiedener themenbezogener Expert/-innenforen; die Konzeptionierung, Durchführung und Auswertung von Bürgerbeteiligungsverfahren für unterschiedliche Zielgruppen; die Entwicklung lokaler pädagogischer, sozialer und anderer gemeinschaftlicher Projekte in Kooperation mit den örtlichen Einrichtungen. Die Bausteine 1 und 3 des Förderprogramms „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW zur Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut in besonders benachteiligten Quartieren boten in ihrer Verknüpfung nach Einschätzung der Stadt Bonn gute Voraussetzungen, dieser Ausgangslage Rechnung zu tragen, da hier die Möglichkeit bestand, sowohl operativ mit den Methoden der sozialen Arbeit („Kümmern“) auf Ebene des „Lupenbezirkes“ Medinghoven als auch strategisch- gesamtstädtisch agieren zu können (s. dazu auch 1.3). Mit Hilfe der über das Förderprogramm eingestellten sozialpädagogischen Fachkraft wurden Lücken im Angebot (insbesondere für Kinder und deren Familien) identifiziert, die Zugänglichkeit in die Hilfesysteme vor Ort verbessert sowie vorhandene Strukturen qualifiziert, ergänzt und verstetigt. Es wurden Synergien zwischen unterschiedlichen Systemen, wie Schule, Jugendhilfe, Gesundheitshilfe und dem sonstigen sozialen Angebot in Medinghoven geschaffen. Mit Hilfe der über das Förderprogramm eingestellten sozialwissenschaftlichen Fachkraft wurden Empfehlungen für eine kleinräumige integrierte kommunale Sozialberichterstattung für die Stadt Bonn erarbeitet. Ziel ist die systematische Fortschreibung von Kennzahlen und Einbindung entsprechender Berichte städtischer Ämter und Dienststellen, um so regelmäßig eine umfassende und differenzierte Entscheidungsgrundlage für unterschiedliche kommunale Planungsprozesse bereit stellen zu können.Seite 8 von 128 5 1.3 Ziele Der hier vorgelegte Bericht dokumentiert die Vorbereitung, Umsetzung und abschließende Bewertung des lokalen Quartiersentwicklungsprozesses im Stadtteil Bonn-Medinghoven (Baustein 1 des Förderprojektes „Quartierskümmerer“). Dieser Quartiersentwicklungsprozess basiert auf einer umfassenden Analyse und Bewertung des Status quo im Stadtteil (Bedarfe u. Defizite- Bestand u. Ressourcen). Alle Projektaktivitäten im Quartier Medinghoven orientieren sich an folgenden Zielen: Identifizierung und Nutzung kommunaler Steuerungsmöglichkeiten, insbesondere in der Unterstützung von Quartiersentwicklungsprozessen; ressourcenorientierte Nutzung ggf. Qualifizierung/Verstetigung bestehender Strukturen/Ressourcen; ggf. Schaffung neuer Angebote/Maßnahmen/Strukturen Verbesserung der Zugänge in die Hilfesysteme Um über den Projektzeitraum und die lokalen Aktivitäten hinaus nachhaltige Effekte für Quartiersentwicklungsprozesse im Allgemeinen zu erzielen, waren weitere gesamtstädtische Ziele leitend bei allen Planungen: Systematisierung des Prozesses und Entwicklung einer universell auch auf andere Quartiersentwicklungsprozesse anwendbaren Methodik; Erprobung verschiedener partizipativer Verfahren (Beteiligung von Bürger/-innen, sowie von lokalen und anderen Expertinnen und Experten und, nicht zuletzt, der Kommunalpolitik). Einbeziehung stadtplanerischer Aspekte (allgemeine stadtgesellschaftliche Entwicklungen) Erzielen von Synergien zwischen Sozialem, Schule, Jugendhilfe, Gesundheitshilfe, Stadtplanung u.a. Der Bericht zum Baustein 3 „Daten für Taten/Aufbau einer kleinräumigen Sozialberichterstattung“ wird sich vertieft mit diesen grundsätzlichen Aspekten einer integrierten, kleinräumigen und nachhaltigen Sozialberichterstattung und -planung und deren Voraussetzungen befassen und wird im 2.Quartal 2021 vorgelegt.Seite 9 von 128 6 2. Prozessorganisation 2.1 Zeitlicher Ablauf Vorbereitung der Bewerbung Bereits im Bewerbungsprozess (2018) wurden die zu beteiligenden städtischen Akteur/-innen (Gesundheitsamt, Stabsstelle Integration, Jugendamt, Schulamt, verschiedene Abteilungen des Amtes für Soziales und Wohnen; Stadtplanung, Statistikstelle) über die Bewerbung auf zwei Projektbausteine des Programmes „Zusammen im Quartier“ informiert. Die Bewerbung wurde positiv beschieden; mit Zusage des Fördergebers begannen projektvorbereitende Arbeitstreffen mit den von dort benannten Vertreter/-innen der Fachbereiche, um zunächst zu recherchieren, welche Daten in welchen Zyklen und in welchen räumlichen Bezügen vorhanden sind – insbesondere für das Quartier Medinghoven. Einbezogen waren die Planer/-innen und andere Fachkräfte der strategischen Ebene (Jugendhilfeplanung, Schulentwicklungsplanung, Statistikstelle der Stadt Bonn, Stabsstelle Integration, Gesundheitsamt/Stabsstelle Gesundheitsförderung) sowie diejenigen Mitarbeiter/-innen, welche eine örtliche Zuständigkeit für das Quartier Medinghoven hatten (z.B. die Jugendpflege, FFE). Nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens konnten die beiden Projektmitarbeiterinnen mit Unterstützung der Projektleitung im Mai 2019 ihre Arbeit in Anbindung an das Sachgebiet „Sozialplanung und Quartiersentwicklung“ im Amt für Soziales und Wohnen aufnehmen. - Wegen des verspäteten Maßnahmenbeginns verkürzte sich die Projektlaufzeit auf 20 Monate (Mai 2019- Dezember 2020). Einstieg in den Quartiersentwicklungsprozess Medinghoven Zeitgleich mit der durchgeführten Sichtung des bereits vorliegenden Datenmaterials verschaffte sich das Projektteam vor Ort einen Überblick über Angebote, Bedarfe und Ressourcen und ermittelte Kooperationspartner/-innen für die ab Herbst 2019 geplanten partizipativen Verfahren. Das so auf verschiedenen Ebenen gesammelte Datenmaterial wurde einzelnen „Handlungsfeldern“ zugeordnet und in sog. „Expert/-innenforen“ im Quartier zur Diskussion gestellt: Foren zu den Handlungsfeldern… durchgeführt am: Bildung und Betreuung: 23.09.2019 Besondere Lebenslagen: 25.09.2019 Nachbarschaft, Begegnung und Vernetzung: 26.09.2019 Pflege und Gesundheit: 04.02.2020Seite 10 von 128 7 Mit lokalen Akteur/-innen sowie Vertreter/innen vorgeordneter Dienststellen wurden in diesen Veranstaltungen Bedarfslagen erörtert und Anregungen für den weiteren Prozess gesammelt. Explizit beleuchtet wurden dabei auch einige der im Vorfeld des „ZiQ“-Prozesses öffentlich bereits diskutierten Annahmen zu besonderen lokalen Bedarfen2 im Quartier Medinghoven. Die Ergebnisse dieser vier Expert/-innenforen sind in der Anlage 5) „Ergebnisse Expert/- innenforen“ dokumentiert; darin auch eine Liste der teilnehmenden Einrichtungen. Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Projektverlauf In den Folgemonaten war die Projektarbeit erheblichen Einschränkungen unterworfen. - Das Forum zum Thema „Wohnen und Wohnumfeld“ musste Corona-bedingt entfallen. Ursprünglich terminiert für den 23.03.2020, wurde es zunächst nachterminiert für November 2020 und dann erneut verschoben auf das Frühjahr 2021. Geplant ist, dessen Ergebnisse in das „Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) Hardtberg“ einzubeziehen; die stadtinterne Abstimmung läuft. - Im März 2020 konnte eine neu gegründete Arbeitsgruppe für die Planung eines Stadtteilfests noch, wie geplant, „analog“ zusammenkommen. - Doch in den Folgemonaten gestaltete sich die Umsetzung geplanter Projekte unter den Auflagen der Corona-Schutzverordnungen zunehmend schwierig: Einerseits, weil die Umstellung auf digitale Verfahren wegen der häufig unzureichenden technischen Rahmenbedingungen nicht überall möglich war, andererseits, weil auch für analoge Veranstaltungen (wo sie noch zulässig waren) wegen der insgesamt gestiegenen Nachfrage geeignete, „Corona-konforme“ Sitzungsräume kaum noch zur Verfügung standen. - Vor allem jedoch kam der laufende Betrieb der Medinghover Einrichtungen (Schulen, KiTas, Stadtteilbüro, offene Kinder- und Jugendarbeit) teilweise zum Stillstand bzw. erforderte zusätzliche Maßnahmen, so dass den Kooperationspartner/-innen vor Ort eine aktive Unterstützung des ZiQ-Prozesses unter den Pandemie-Bedingungen nur bedingt zuzumuten war. Dennoch wurde der Kontakt zu den Einrichtungen im Stadtteil gehalten. Dies zum einen, um ihnen Informationen zu den Auswirkungen der wechselnden Corona-Verordnungen auf die Arbeit vor Ort zu vermitteln und zum anderen, um konkrete Anliegen zu unterstützen (z.B. die Organisation von Räumen für neue Angebote). Darüber hinaus wurden für 2020 Beteiligungsverfahren (Kinderreporter, Erzähl-Cafés) vorbereitet sowie lokale Projekte und Aktionen geplant (Projektbeschreibungen s. dazu Pkt. 4). Einige Projekte konnten wegen der Pandemie nicht durchgeführt werden, sollen jedoch nach Beendigung des ZiQ-Prozesses im Stadtteil umgesetzt werden, sobald die pandemische Lage es erlaubt. 2 So wurde etwa ein Bedarf gesehen an der Einrichtung neuer bzw. an einer Erweiterung bestehender Beratungsangebote (Beratung für Spielsüchtige/ Schuldnerberatung), aber auch an Angeboten für ältere Bewohner/innen im Stadtteil sowie an einer Stärkung von Vernetzungsaktivitäten („Schaffung eines Quartiersmanagements“)Seite 11 von 128 8 2.2 Recherche des Status Quo Untersuchungszeitraum Als Stichtag wurde der zu Beginn des Prozesses ein Jahr zurückliegende 31.12. 2017 (Berichtsjahr 2017) vereinbart. So sollte sichergestellt werden, dass grundsätzlich verfügbare Daten ab Frühjahr 2019 in aufbereiteter Form vorliegen 3. Soziodemografische Daten Die Statistikstelle der Stadt Bonn stellt regelmäßig soziodemografische Daten (zu Alter/Herkunft/ Transferleistungsbezug, Haushaltsstruktur) auch kleinräumig - auf Ebene der statistischen Bezirke – zur Verfügung; so dass für das Quartier Medinghoven (s. dazu Kap.3 „Das Quartier Medinghoven“) wichtige Basisinformationen für die kleinräumige Beschreibung des „Status quo“ bereitstanden. Kennzahlen zu Bestand und Nutzung vorhandener Angebote Zu beachten ist jedoch, dass der Blick auf diese soziodemografischen Daten allein nicht genügt, um belastbare Aussagen zu „Bedarfen“ und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen, also Planungsempfehlungen zu formulieren. Denn: Erst im Abgleich von angenommen „Bedarfen“ (dies auf Basis der soziodemografischen Daten) und dem „Bestand“ – also der bereits vorhandenen sozialen Infrastruktur - werden Lücken, aber auch Überschneidungen und Parallelstrukturen sichtbar. Daher wurden in einem nächsten Schritt die im Sozialamt, Jugendamt, Schul- und Gesundheitsamt vorhandenen Planwerke und verfügbaren Daten4 zu… Art, Umfang und Ausstattung der verschiedenen Angebote und Maßnahmen sowie zu Nachfrage, Inanspruchnahme (Nutzung) der Maßnahmen/Angebote gesichtet. Von besonderem Interesse war, ob die Daten auch kleinräumig auf Ebene des Quartiers Medinghoven vorlagen. Wo nötig, wurden ergänzend eigene Auswertungen durchgeführt – dies z.B. dort, wo Daten zwar erhoben, bisher jedoch nicht (bzw. nicht regelmäßig) ausgewertet oder aber sie noch nicht kleinräumig analysiert worden sind5. Einholung zusätzlicher Informationen zu „Bestand“ Die Erkenntnisse zur vorhandenen sozialen Infrastruktur des Quartiers Medinghoven wurden nach „Handlungsfeldern“ zusammengefasst und ergänzt durch weitere „weiche“ Informationen, so z.B. zu Einrichtungen/Angeboten, welche zwar außerhalb des Quartiers Medinghoven liegen, jedoch gut erreichbar sind (zu Fuß, per ÖPNV) und daher eine bedarfsdeckende Funktion für das Quartier haben (könnten)6 und 3 Die Daten für ein aufgrund der Corona-Pandemie mehrfach verschobenes Expert/-innenforum zum Thema „Wohnen und Wohnumfeld“ wurden zwischenzeitlich aktualisiert (Stand Januar 2020). 4 Daten zur Inanspruchnahme von Angeboten/Maßnahmen des Sozialamtes, Schulentwicklungsplanung; Berichte des Gesundheitsamtes; verschiedene Planungswerke/Berichte/Daten aus der Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe (KiTa-Bedarfsplanung, offene Kinder- und Jugendarbeit, Jugendberufshilfe, Erziehungshilfen u.a.) 5 Wohnungsvormerkungen von Wohnungssuchenden aus Medinghoven; Fälle Schuldner- und Sozialberatung aus Medinghoven, Fälle im Bereich der Jugendberufshilfe u.a. 6 NZ Brüser Berg; Haus der Bonner Altenhilfe, Wilhelmine-Lübke-Heim, AWO-Begegnungsstätte, Jugendzentrum St. Martin (alle Duisdorf)Seite 12 von 128 9 zu Angeboten von Einrichtungen, welche zunächst nicht im Fokus der Sozialraumanalyse standen (z.B. Private Fördereinrichtungen, eine örtliche Klinik, gewerbliche Angebote, Vereine). Einholung zusätzlicher Informationen zu „Bedarfen“ Einen ersten Einstieg in die Bedarfsanalyse lieferten die soziodemografischen Daten der Statistikstelle. Darüber hinaus wurden spezifische Erkenntnisse zu lokalen Bedarfen eingeholt: Mittels einer schriftlichen Abfrage bei den Trägern der örtlichen Einrichtungen und Angebote wurden deren Erkenntnisse zu Bedarfen verschiedener Zielgruppen im Stadtteil recherchiert. In bilateralen Gesprächen mit den örtlichen Einrichtungen wurden deren spezifische Bedarfe, aber auch Ressourcen erfragt. Zudem wurden Ergebnisse aus Sonderprojekten, die in den letzten Monaten in und um Medinghoven stattgefunden haben7, mit in die Analyse einbezogen. Nicht zuletzt wurde die Presseberichterstattung zum Quartier Medinghoven recherchiert. 2.3 Kommunikation und Interaktion mit lokalen Einrichtungen, Bürger/-innen und Kommunalpolitik; Öffentlichkeitsarbeit Vor-Ort-Präsenz und „Kümmern“ Anders, als zunächst angedacht, wurde nach Prüfung der Rahmenbedingungen (räumliche Gegebenheiten, technische Umsetzbarkeit, verfügbare Sachmittel) darauf verzichtet, während des Projektes eigene Büroräume für die Quartierskümmerin vor Ort anzumieten8. Die „Quartierskümmerin“ war jedoch regelmäßig vor Ort, so dass ein intensiver Austausch mit den dortigen Einrichtungen (Medinghovener Schulen, OGS und Schulsozialarbeit, örtliche KiTas, Jugendzentrum, Spielhaus, Stadtteilbüro der Diakonie) gesichert war. Darüber hinaus war die Quartierskümmerin per Mail und Telefon erreichbar und nutzte die vorhandenen Netzwerke: Stadtteil-Arbeitskreis Medinghoven9 Im Stadtteil-Arbeitskreis Medinghoven sind überwiegend Mitarbeiter/-innen lokaler Kinder- und Jugendeinrichtungen organisiert, es nehmen jedoch auch einzelne interessierte Kommunalpolitiker/- innen, Vertreter/-innen von Kirchengemeinden, Vereinen und der Polizei teil. Zu Beginn des Projektes wurde mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie vereinbart, dass der „Stadtteil-Arbeitskreis Medinghoven“ genutzt werden kann, um dort Belange des Quartiersentwicklungs-Prozesses einzuspielen. Dies waren z.B. Terminvereinbarungen (Vorbereitungen Stadtteilfest) und Informationen zu Aktivitäten und Veranstaltungen im Kontext des „ZiQ“-Projektes. - 2020 konnte der Arbeitskreis aufgrund der Corona-Pandemie nur einmal tagen. „Stadtteilgespräch“ in der „Wohnung“ der ev. Kirchengemeinde Hardtberg Im Laufe des Prozesses entwickelte sich ein neues Angebot im Stadtteil. Die evangelische Kirchengemeinde Hardtberg stellte eine ehemals anderweitig genutzte Wohnung im „Martin Bucer- Haus“ für Zwecke der Begegnung zur Verfügung. Mithilfe des ehrenamtlichen Engagements einiger 7 Ergebnisse einiger Stadtteilbegehungen, die z.B. im Kontext des „Gewaltpräventionskonzeptes für die Stadt Bonn“ oder auf Initiativen der Kommunalpolitik in den letzten Jahren durchgeführt worden sind 8 S. dazu auch „Revitalisierung der Ladenzeile“; Kap.4.2.1 9 Federführung Amt für Kinder, Jugend und FamilieSeite 13 von 128 10 Bürger/-innen entstand dort- neben anderen Angeboten- mit dem sog. „Stadtteilgespräch“ ein Forum, das grundsätzlich allen interessierten Bürger/-innen zur Verfügung steht. Dieses Format wurde mehrfach genutzt, um zu unterschiedlichen Fragestellungen im Rahmen des Projektes zu berichten, Anliegen aus der Bürgerschaft aufzunehmen und an zuständige Verwaltungsstellen weiter zu vermitteln10. Solche Anfragen betrafen etwa die Einrichtung einer neuen Kindertagespflege in der Medinghovener Mitte, den baulichen und sonstigen Zustand der sog. „Ladenzeile“ und die Suche nach geeigneten Räumen für geplante Angebote bzw. die Weitervermittlung in Hilfeangebote in Einzelfällen. Öffentlichkeitsarbeit Das Interesse an den durchgeführten Maßnahmen war insbesondere im Stadtbezirk Hardtberg groß; so haben die Medien wiederholt ausführlich über das Projekt berichtet11. Kommunikation mit interessierten Kommunalpolitiker/-innen Wie von der Kommunalpolitik gewünscht, wurde darüber hinaus sowohl über Berichterstattung in den Ratsgremien als auch mittels unterjähriger Informationsgespräche mit interessierten Vertreter/-innen der Kommunalpolitik ein regelmäßiger Austausch zum Sachstand gepflegt. 10 https://hardtberggemeinde.de/2019/11/04/neu-stadtteilgespraeche-medinghoven/ 11 S. Anlage 7) PresseberichteSeite 14 von 128 11 3. Das Quartier Medinghoven Aus Gründen der Lesbarkeit wird darauf verzichtet, die Ergebnisse (Einzeldaten, Tabellen) des oben beschriebenen Analyseprozesses in den Fließtext zu integrieren; folgende Dokumente sind als Anlagen12 beigefügt: 3.1 Ortsteilprofil Zu Beginn des Prozesses wurde ein sog. „Ortsteilprofil“ für den statistischen Bezirk Medinghoven erstellt. Dieses bündelt Informationen zur Bevölkerungsstruktur (Anzahl Einwohner/-innen, Altersstruktur, Zuwanderung…); Historie (Informationen zu prägenden Denkmälern, wichtige Siedlungsphasen…); baulichen Struktur (Siedlungstypen, räumliche Gliederung); Lage des Ortsteils in der Stadt und zu sonstigen geografischen Bedingungen; Nahversorgung (Täglicher Bedarf, medizinische Versorgung); Mobilität (Anbindung ÖPNV, wichtige Verkehrsadern, Radwege); sozialen Infrastruktur (Schulen; Kindertageseinrichtungen; Beratungs-, Bildungs- und Begegnungsstätten für unterschiedliche Zielgruppen; Pflegeangebote…); Ausstattung mit Sport- und Spielplätzen, Grünflächen, Parks 13. Das Ortsteilprofil ist als Anlage 2) beigefügt. 3.2 Sozialraumanalyse Die für die verschiedenen Expert/-innenforen erstellten Power Point-Präsentationen (s. 2.3) wurden in einer Sozialraumanalyse zusammengeführt. Sie enthält neben soziodemografischen Daten auch weitergehende qualitative Daten zu Kapazität, Profil und Nutzung der verschiedenen Einrichtungen (Versorgungsquoten/Platzzahlen; Fallzahlen; Besucherzahlen etc.). - Die Sozialraumanalyse ist als Anlage 3) beigefügt. 3.3 Ergebnisse der Expert/-innenforen Auf Basis der Sozialraumanalyse wurden vertiefende Diskussionen in den Expert/-innenforen geführt. Ziel war, die aus den Daten gewonnenen Erkenntnisse mit den persönlichen Eindrücken der Expert/- innen abzugleichen, weitere Informationen aus dem Stadtteil zu erhalten und die Bedarfe der verschiedenen Zielgruppen zu konkretisieren. Der Austausch erfolgte je nach Gruppengröße im Plenum mit allen anwesenden Expert/-innen oder aber in Fragen-zentrierten Kleingruppen.– Die Aussagen der Teilnehmer/-innen (O-Töne) wurden protokolliert, nach Themenbereichen zusammengefasst, kommentiert und den am Prozess beteiligten Ämtern mit der Bitte um Rückmeldung zurückgespielt.- Eine Zusammenfassung der so gewonnenen Erkenntnisse ist der Anlage 4) zu entnehmen. 12 Anlage 2) Ortsteilprofil; Anlage 3) Sozialraumanalyse; Anlage 4) Ergebnisse der Expert/-innenforen 13 Quelle: 62-41 Geodaten; 62-44 Statistikstelle; eigene Recherchen bei Fachämtern und vor Ort im Stadtteil; Berichtsjahr/Stichtag: 31.12.2017Seite 15 von 128 12 4. Angestoßene Quartiersprojekte und -entwicklungsprozesse Die gewonnenen Erkenntnisse flossen unmittelbar in die Konzipierung/Initiierung verschiedener quartiersbezogener Projekte ein: 4.1 Besondere Beteiligungsprojekte für ausgewählte Zielgruppen Im Sommer und Herbst 2020 sollten zwei umfangreiche Beteiligungsprojekte für unterschiedliche Zielgruppen (Kinder, aber auch ältere Menschen) durchgeführt werden. Die Planungen sind bereits abgeschlossen (s. nachstehende Projektbeschreibungen). Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Beteiligungsprojekte verschoben werden: Da alle Formate vom direkten Austausch leben, wurde nach einiger Überlegung darauf verzichtet, sie in digitaler Form durchzuführen. Außerdem schien es nicht zumutbar, die Kooperationspartner zusätzlich zu ihrem wegen der Corona-Pandemie sehr aufwändigen Kerngeschäft mit Sonderprojekten zu belasten. Sobald die Umstände größere Gruppenveranstaltungen wieder zulassen, werden die Beteiligungsprojekte durchgeführt. 4.1.1 „Die Kinderreporter“ Die „Kinderreporter“ sind als Kooperationsprojekt mit der örtlichen Grundschule, der städtischen Schulsozialarbeit und einer Reporterin geplant. Projektziele im Sinne einer sozialen Quartiersentwicklung: Die Schüler/-innen finden Zugang zu Menschen verschiedener Altersstufen und unterschiedlichem kulturellen Hintergrund; unterschiedliche Generationen kommen miteinander ins Gespräch. So werden Bewohner/-innen erreicht, die bisher wenig zu Wort gekommen sind. Erkenntnisse werden gewonnen zu Bedarfen der Kinder und darüber, wie die Kinder ihren Stadtteil wahrnehmen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Migrationsgeschichten werden herausgearbeitet. Dadurch soll ein „Wir“-Gefühl im Stadtteil über kulturelle Grenzen hinweg geschaffen werden. Vorhandene Angebote werden bekannt gemacht bzw. es werden Anregungen für neue Angebote gewonnen. Pädagogische Projektziele: Erfahren von Selbstwirksamkeit (z.B. Erwachsene hören mir zu, wenn ich etwas frage/wissen möchte) Spracherwerb, Üben von Gruppenarbeit, Kommunikationsübungen (richtig Fragen, Zuhören lernen, Verstehen) prakt. Übungen (Lesen, Fotografieren, Schreiben) Projektphasen Phase 1) Methodische Vorbereitung der Kinder in der GGS Medinghoven: Die Schule platziert das Projekt im Sachunterricht; u.a. sollen Fotografien und Bilder der Kinder zum Thema „Mein (Lieblings-)platz in Medinghoven“ hergestellt werden; eine Journalistin unterstützt bei der Vorbereitung der Interviews Phase 2) Die Kinder führen Interviews in ihrem Umfeld: Freund/-innen und Familie, Nachbar/- innen, zufällige Passant/-innen werden anhand eines zuvor erarbeiteten Interview-Leitfadens zu ihren Erfahrungen in und mit dem Stadtteil („(M)eine Heimat Medinghoven“) befragt. Die im öffentlichen Raum geführten Interviews werden begleitet von Erwachsenen. Phase 3) Nachbereitung der Interviewphase: In der GGS Medinghoven werden die Interviews in 2x 2 Schulstunden für die Dokumentation aufbereitet.Seite 16 von 128 13 4.1.2 Zwei Erzählcafés für ältere Menschen zum Thema „(M)eine Heimat Medinghoven“ Um auch in einen Austausch mit älteren Menschen zu kommen, sollen durch eine Journalistin zwei Erzählcafés zum Thema „Meine Heimat Medinghoven“ gestaltet werden. Ziel ist, anhand (protokollierter) biografischer Erzählungen nachvollziehen zu können, wie die Integration der verschiedenen in den vergangenen Jahrzehnten zugewanderten Menschen geglückt ist bzw. ob und in welcher Form vielleicht bis heute Hemmnisse bestehen. Zudem sollen bestehende Angebote bekannt gemacht und Zugänge erleichtert werden. Im Vorfeld werden beide Veranstaltungen intensiv beworben. 4.1.3 Dokumentation „Buch für Medinghoven“ Durch eine externe Honorarkraft werden die Ergebnisse sowohl der Kinderbeteiligung (Interviews, Bilder, Fotos) als auch der Erzähl-Cafés in Form eines „Buches für Medinghoven“ (u.U. auch mehrsprachig) dokumentiert. Ziele: Die im Projekt geführten Gespräche und die Veröffentlichung eines Buches über Medinghoven geben Impulse für eine solidarische Wahrnehmung von Nachbarschaft und Stadtteil (Entwicklung eines „Wir-Gefühls“); das Image des Stadtteils verbessert sich durch öffentlichkeitswirksame Aktionen; die kulturelle Buntheit und das Potential des Stadtteils als „Ankommens-Stadtteil“ wird herausgearbeitet; vorhandene Angebote werden bekannt gemacht; Anregungen für neue gesammelt. 4.2 Projekte zur Gestaltung des öffentlichen Raums 4.2.1 Revitalisierung der Ladenzeile Die „Ladenzeile“ im Kernbereich Medinghovens ist wegen ihres Funktionsverlustes als Nahversorgungszentrum für den Stadtteil und des damit einhergehenden wenig attraktiven Erscheinungsbildes seit Jahren ein beherrschendes Thema der öffentlichen Diskussion. Die Ursachen hierfür sind- neben globalen Entwicklungen, welche derzeit massiv auf die Entwicklung von Ortszentren durchschlagen (Zunahme des Online–Handels; pandemische Lage) auch in örtlichen Rahmenbedingungen zu suchen: Komplexe Eigentumsverhältnisse erschweren eine zentrale Steuerung: Die verschiedenen Objekte – meist bestehend aus einem Ladenlokal im Erdgeschoss und Wohnungen in den darüber liegenden Geschossen- gehören verschiedenen privaten Eigentümer/-innen; die in der Ladenzeile verfügbaren Gewerbeflächen sind nicht groß genug für heutige Erfordernisse; die lokale Kaufkraft der Wohnbevölkerung ist gering; zusätzliche Kaufkraft aus umliegenden Stadtteilen ist nicht zu generieren: Eine attraktive Einkaufszone (Duisdorf Mitte) befindet sich in fußläufiger Entfernung; andere Nachbarbezirke verfügen ebenfalls über Einzelhandelszentren mit ähnlichen Problemstellungen); im Stadtteil sind keine demografischen Entwicklungen („Gentrifizierung“) zu beobachten, die neue Nutzungskonzeptionen am Standort Medinghoven begünstigen würden; die in Medinghoven verfügbaren Immobilien stehen im Wettbewerb mit anderen Gewerbeimmobilien in attraktiveren Lagen (Innenstadt, Nebenzentren).Seite 17 von 128 14 Nutzung von leerstehenden Ladenlokalen durch ein Quartiersmanagement: Da eine Revitalisierung der Ladenzeile durch Ansiedelung von Einzelhandel wenig erfolgversprechend scheint, wurde in den vergangenen Jahren in Medinghoven wiederholt eine Belegung der leerstehenden Objekte mit sozialen Einrichtungen angeregt; zuletzt konkret mit einem Quartiersmanagement. Die Aufgabe eines Quartiersmanagements umfasst schwerpunktmäßig die Unterstützung der Aktivitäten der lokalen Einrichtungen, die Koordination und Moderation lokaler bürgerschaftlicher Beteiligungsprozesse, die Weiterleitung von Anliegen aus der Bewohnerschaft sowie die Kommunikation/Abstimmung zwischen den verschiedenen lokalen Akteur/-innen und städtischen Ämtern/Dienststellen. Im Mittelpunkt der täglichen Arbeit eines QMs stehen somit Kontakte zu anderen Multiplikator/-innen im Stadtteil und zur Stadtverwaltung. Ein „Quartiersmanagement“ ist jedoch - anders als die „Begegnungs- und Nachbarschaftszentren“ - keine „Offene Tür“ mit einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm (Kurse, Vorträge, Beratungsangebote, offene Begegnungsangebote für verschiedenen Zielgruppen). Insofern ist ein Quartiersmanagement nur bedingt geeignet, das Erscheinungsbild seiner Umgebung maßgeblich zu verändern (z.B. durch Erhöhung des Publikumsverkehrs). Zu Projektbeginn wurde daher eine Abfrage zu sonstigen Nutzungsoptionen der Ladenlokale gestartet. Sechs Träger haben sich an der Abfrage beteiligt und Projektideen für die Nutzung der Räume eingebracht; z.T. auch mit einer Kalkulation der angedachten Öffnungszeiten. Allerdings waren auch diese Angebote nicht geeignet, eine nachhaltige Belegung der Räume zu garantieren bzw. das Nebenziel „Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes der Ladenzeile“ abzusichern. Vor diesem Hintergrund und angesichts des Umstandes, dass es im Stadtteil sowohl Begegnungseinrichtungen als auch Vernetzungsstrukturen gibt, erschien der Aufwand für Instandsetzung, sächliche wie personelle Ausstattung (die langfristig aus kommunalen Mitteln zu tragen gewesen wäre) einer solchen zusätzlichen Einrichtung in Medinghoven … weder innerhalb der Förderlaufzeit umsetzbar14 noch- angesichts eines zu Beginn der Projektzeit als gering eingeschätzten Bedarfes an zusätzlichen Vernetzungsaktivitäten- als verhältnismäßig. Stattdessen wurde eine private Initiative unterstützt, in den Räumlichkeiten eine Kindertagespflegeeinrichtung zu installieren. Die Kindertagespflege ist seit Sommer 2020 am Netz und bereits voll belegt. Zusätzlich begleitet wird das Vorhaben durch saisonale Dekorationsaktionen15 in der Medinghovener Ladenzeile. Durch solche Aktionen soll eine Imageverbesserung der Ladenzeile insgesamt erreicht werden. 14 Die inzwischen etablierte Kindertagespflege benötigte eine Vorlaufzeit von einem knappen Jahr. 15 S. Anlage 7) PresseberichteSeite 18 von 128 15 4.2.2 AG Grün und Gestaltung Aus dem Stadtteilgespräch formierte sich eine weitere Interessensgruppe, die sogenannte „AG Grün und Gestaltung“. Dieses Forum wurde unterstützt, indem Kooperations- und Vernetzungsmöglichkeiten aufgezeigt und Projektideen eingebracht wurden. Wegen der Corona- Pandemie konnte bisher nur ein Stadtteil-Rundgang mit dem Schwerpunkt Grün umgesetzt werden 16; das Thema wird auch in das für das 3. Quartal 2021 geplante Forum „Wohnen und Wohnumfeld“ eingespielt (sofern die pandemische Lage dies zulässt). 4.2.3 Wegweiser-System In den „Expert/-innenforen“ wurde mehrfach berichtet, dass es im Stadtteil Medinghoven an einer guten Ausschilderung der Einrichtungen fehle. Auch in den Stadtteilgesprächen und in der AG Grün und Gestaltung wurde dies angesprochen. Erste Planungen hinsichtlich eines Wegweiser-Systems sind angelaufen; ein Budget steht zur Verfügung. Die Wohnungsbaugesellschaften haben ihre Bereitschaft signalisiert, das Projekt aktiv mit eigenen Mitteln zu unterstützen. 4.3 Projekte zur Unterstützung der Stadtteilorganisation und Vernetzung 4.3.1 Übersicht über vorhandene Angebote Auf Wunsch der pädagogischen Akteure im Stadtteil sowie zum Zwecke der Bestandserhebung wurde eine Liste aller im Stadtteil vorhandenen Einrichtungen und deren regelmäßiger (vorbehaltlich: Corona!) Angebote17 erstellt. Die Einrichtungen wurden angeschrieben und um eine Aufstellung ihrer Angebote mit ergänzenden Informationen zu Zielgruppen etc. gebeten. Die eingegangenen Rückmeldungen wurden anhand der Internetauftritte der Träger und Vorort-Recherchen ergänzt. 4.3.2 Stadtteilkalender Von städtischer Seite wurde geprüft, ob und in welcher Form die Führung eines von allen Einrichtungen genutzten lokalen Veranstaltungskalenders in Medinghoven möglich ist. Die Bereitstellung/Betreuung eines solchen Stadtteil-Kalenders kann nicht durch die Stadt Bonn erfolgen; hierfür müssten örtliche vorhandene Ressourcen verwendet werden. Das Stadtteilbüro verfügt nach eigenen Angaben jedoch nicht über die Kapazitäten, um eine solche Aufgabe zu übernehmen18. 4.3.3 Stadtteilfest Schon vor Beginn des Quartiersentwicklungsprozesses war der Wunsch nach einem Stadtteilfest für den Stadtteil geäußert worden. Das Fest soll einerseits Kindern und Familien im Stadtteil Medinghoven ein attraktives Aktionsangebot bieten, andererseits den lokalen Einrichtungen und Vereinen als Plattform zur Information und Präsentation ihrer Angebote dienen. Für den Projektzeitraum wurde diese Aufgabe der Quartierskümmerin übertragen19. Es wurde eine Planungsgruppe gebildet 16 https://ga.de/bonn/hardtberg/medinghoven-kahle-baumbeete-sollen-aufbluehen_aid-48877345 17 Anlage 4) Übersicht zu Medinghovener Einrichtungen und deren Angeboten: Die Übersicht wurde aus Gründen der Lesbarkeit beschränkt auf Informationen zum Träger, Durchführungsort und zur Art des jeweiligen Angebotes (z.B. „Sprachförderung“, „Formularhilfe“, „Gewaltprävention“).; Weitere Informationen (Kontaktdaten, Zielgruppen, Veranstaltungszeiten) sind jedoch in der Basisdatei enthalten und stehen für weitere Planungszwecke zur Verfügung. 18 S. dazu auch Ausführungen in Kap. 5.4 „Vernetzungsstrukturen; Notwendigkeit eines Quartiersmanagements“ 19 In früheren Jahren wurde diese Aufgabe von den örtlich zuständigen Jugendpfleger/-innen wahrgenommen.Seite 19 von 128 16 bestehend aus Vertreter/-innen der Medinghovener Einrichtungen, der örtlichen Politik, von Wohnungsbaugesellschaften, der Jugendpflegerin sowie engagierten Bürger/-innen. Ursprünglich wurde als Termin für die Ausrichtung des Festes der 25.09.2020 avisiert (Veranstaltungsort: Rund um die GGS Medinghoven und das Martin-Bucer-Haus); am selben Tag sollte auch das Schulfest der GGS stattfinden, so dass Synergien möglich schienen. Die Großveranstaltung konnte wegen der Auflagen der Corona-Verordnungen nicht durchgeführt werden; die Planungen wurden vorerst ausgesetzt. 4.3.4 Corona-konforme Kleinveranstaltungen Stattdessen wurden in der Arbeitsgruppe alternative „Corona-konforme“ Angebote und Veranstaltungen erwogen. Insbesondere die von der Pandemie stark betroffenen Kinder sollten in den Blick genommen werden. So wurde für Dezember 2020 ein Gaukler engagiert, der auf dem Schulhof der Grundschule für deren Schüler/-innen, aber auch die Kinder der umliegenden Kitas Aktionen durchführen sollte. Darüber hinaus dient die Aktion dazu, Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen unter den pädagogischen Akteuren in Medinghoven weiter zu festigen. Auch auf Durchführung dieser Kleinveranstaltung musste nach Rücksprache mit den beteiligten Einrichtungen Corona-bedingt kurzfristig verzichtet werden. 4.3.5 Weitere Projekte (auch anlässlich Corona-bedingter Bedarfe) Aufsuchende Jugendarbeit im Umfeld der GGS Medinghoven Für eine wiederkehrende Problematik mit Jugendlichen auf dem Schulhof der Grundschule konnte eine kurzfristige Lösung gefunden werden. Jugendliche treffen sich am späteren Abend auf dem Schulhof und dem Schulgelände. Oft werden im Nachgang zu diesen Treffen Vandalismus-Schäden und Müll sowie Zigarettenkippen auf dem Gelände entdeckt. Durch die Kooperation von Jugendamt, Schule und Sozialamt konnten Einsätze einer pädagogischen Fachkraft des Bonner Eventsprinters organisiert werden, die regelmäßig sowie nach Absprache spontan den Schulhof aufsucht, um mit den Jugendlichen vor Ort in Kontakt zu treten und eine Lösung der Problematik mit den Jugendlichen anzustreben. Internetcafé für Eltern Durch die Kontaktverbote in der Coronapandemie wurde deutlich, dass die Eltern der Medinghovener Kinder einen erheblichen Bedarf im Bereich Gebrauch digitaler Medien haben. Gemeinsam mit Schule und Schulsozialarbeit wurde ein Konzept erarbeitet, um die Eltern zu befähigen, ihren Kindern trotz der Kontaktbeschränkungen einen Zugang zu Unterrichtsmaterialien zu ermöglichen. Hierfür stellt das örtliche Jugendzentrum an einem Vormittag pro Woche für zwei Stunden seine Räumlichkeiten zur Verfügung. Vor Ort betreuen zwei pädagogische Fachkräfte (päd. Fachkraft und Schulsozialarbeit des Bezugsraums Hardtberg), die von den Schulen im Einzugsgebiet Hardtberg geschickten Eltern und unterstützen die Eltern bei der Beschaffung des Unterrichtsmaterials für die Kinder. Weitere Beratungsbedarfe werden an das Stadtteilbüro vermittelt. Das Konzept befindet sich noch in der Prüfung.Seite 20 von 128 17 Kooperation mit dem Theater Bonn In Kooperation mit dem Theater Bonn konnten im Juni 2021 Hinterhof-Konzerte in Medinghoven veranstaltet werden. Die „musikalischen Hausbesuchen“ wurden mit digitalen Gesprächen und Corona-konformen Ortsbegehungen von 50-33 und dem Theater vorbereitet. Neben der Planung von Veranstaltungen im Quartier wurden Kontakte zu Ansprechpartnern und Gruppen vermittelt, um perspektivisch Quartiersbewohnern und Quartiersgruppen auch den Besuch in der Oper zu ermöglichen. Code4space Die Schüler der 4. Klasse haben beim Grundschulwettbewerb code4space teilgenommen und konnten sich für die Endrunde qualifizieren. Mit dem Wettbewerb von Code4Space, dem Coding-Wettbewerb der Roberta-Initiative des Fraunhofer IAIS und der Stiftung erste deutsche Astronautin gGmbH soll MINT-Bildung spielerisch und frühzeitig gefördert werden. Für den Mikrocontroller Calliope mini schrieben die Kinder Programme und führte mit ihm Experimente durch. Die Calliope der Medinghovener Schüler konnte Beethovens Ode an die Freude spielen und die körperliche Fitness der Astronautin messen. Die Teilnahme an der Endrunde wurde durch 50-33 unterstützt. 5. Abschließende Bewertung der vorhandenen sozialen Infrastruktur 5.1 Lebenslagen im Stadtteil Medinghoven Das zu Beginn des Prozesses zusammengetragene Datenmaterial zeigt für den Stadtteil Medinghoven durchgängig hohe Werte bei kritischen soziodemografischen Indikatoren (z.B. Anteil verschiedener Transferleistungsempfänger/-innen an der Bevölkerung)20. - Diese kritischen Indikatoren waren Anlass der verstärkten Befassung mit dem Quartier und bildeten den Hintergrund für den Förderantrag zum Projekt „Zusammen im Quartier“. Die in den Expert/-innenforen und durch eigene Erhebungen gewonnenen Erkenntnisse bestätigen und konkretisieren die Einschätzung von Medinghoven als einem Quartier, in dem viele Menschen mindestens vorübergehend in prekären Verhältnissen leben. Dies ist insofern wenig überraschend, als sich im Kernbereich des Stadtteils vergleichsweise günstige (ehem. geförderte) Wohnungen befinden. Unter den Neubürger/-innen befinden sich daher viele Menschen mit geringen wirtschaftlichen Ressourcen und anderen Teilhabe-Hemmnissen (z.B. geringe Sprach- und Systemkenntnisse). Wie eine Auswertung der sog. „Wohnungsvormerkungen21“ vermuten lässt, würden viele Bewohner/- innen gerne fortziehen, sofern die Umstände (berufliche Situation, Klärung von Bleibe-Perspektiven, Verfügbarkeit einer besseren Wohnung) es erlauben. Die freiwerdenden Wohnungen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut an Wohnungssuchende mit geringen ökonomischen und anderen Ressourcen vermietet – zumal bei einem Teil dieser Wohnungen noch ein Belegrecht seitens der Stadt Bonn besteht. 20 Daten der Statistikstelle 31.12.2017/z.T. aktualisiert (31.12.2019). - Der Anteil der alleinerziehenden Haushalte ist hingegen nicht mehr- wie in früheren Jahren- deutlich erhöht, sondern liegt nur noch knapp über dem gesamtstädtischen Durchschnitt (Rang 22 von insgesamt 62 stat. Bezirken); dies ist vermutlich auf gewachsene Anteile von Familien mit Migrationshintergrund (an HH) zurück zu führen. 21 Quelle: Amt 50Seite 21 von 128 18 Bereits 2015 stellte das Amt für Kinder, Jugend und Familie im Rahmen der Freizeitstätten- Bedarfsplanung zur Wohnsituation in Medinghoven fest: „Wahrgenommen wird eine anhaltende Bewohnerfluktuation, was Möglichkeiten zum Aufbau von Bindungen, Kontinuität und Verbindlichkeiten einschränkt“, und empfahl: „Um die Situation zu verbessern, wird ein kontinuierlicher Runder Tisch zum Mietmanagement und besserer Vernetzung der Wohnungsbaugesellschaften untereinander auch von Seiten der Wohnbaugesellschaften selbst angeregt und über die Bezirksverwaltungsstelle Hardtberg einberufen.“ (S.108 ff.) Prognose: Bei gleichbleibender Struktur des lokalen Wohnungsmarktes wird der Stadtteil auch künftig diese Funktion eines „Ankommens-Stadtteils“ in der Stadt Bonn haben. Empfehlung der Projektgruppe: Das Thema „Wohnen“ wird im „Forum Wohnen“ vertieft behandelt, sobald die pandemische Lage dies zulässt. Ortsnahe Beratungsangebote für Menschen mit ökonomischen und integrativen Unterstützungsbedarfen sind in solchen Einzugsgebieten unverzichtbar. 5.2 Soziale Infrastruktur 5.2.1 Regelangebote für Kinder und Jugendliche Der Stadtteil verfügt derzeit über fünf Kindertagesstätten und eine Grundschule (OGS Plus). Ein Ausbau beider Bereiche ist in Planung22;23 . - Im Quartier befinden sich zudem eine Realschule sowie zwei Förderschulen; andere weiterführende Schulen liegen in erreichbarer Nähe im Stadtbezirk. Im Kontext ihrer (vor)schulischen Bildungs- und Betreuungsangebote werden an KiTas und Schulen regelmäßig Reihenuntersuchungen des Gesundheitsamtes durchgeführt. Sie sind geeignet, unterschiedliche Förderbedarfe frühzeitig zu erkennen und in Maßnahmen zu vermitteln und damit ein wichtiges Präventionsinstrument. Die Schulsozialarbeiter/-innen sind ebenfalls an die Regeleinrichtung Schule angebunden. Daneben finden sich in Kitas und Schulen weitere präventive Förderprojekte. Sie werden meist in Zusammenarbeit mit externen Trägern und städtischen Dienststellen (Stabsstelle Integration; Amt 51) realisiert: So bieten z.B. die örtlichen Familienzentren ihrem Selbstverständnis entsprechend familienunterstützende Aktivitäten der Sprachförderung, der Gewaltprävention, der Erziehungs- und Gesundheitsberatung, aber auch der Bewegung an und werden in der GGS Medinghoven gewaltpräventive und integrative Projekte durchgeführt. 22 Für den Ausbau des vorschulischen Bildungsbereiches wurde bereits der Neubau einer bis zu achtgruppigen Kindertagesstätte beschlossen. 23 Laut Ratsbeschluss soll die OGS-Platzquote in 2 Förderstufen auf mindestens 80% ausgebaut werden. Die erste Stufe dieses Ausbaus ist schon erfolgt und besonders die OGSPLUS Schulen profitieren davon. Im Februar 2020 wurde im Rat eine Schulbauleitlinie verabschiedet, mit der IST und SOLL-Stand an allen Standorten erhoben und nachfolgend priorisiert werden wird. Diese Prioritätenliste soll dann systematisch abgearbeitet werden.Seite 22 von 128 19 Alle diese Angebote werden nicht öffentlich beworben, da sie sich an die eigene Klientel (Schüler/innen der Schulen, Kinder/Eltern der verschiedenen Kitas) wenden. Insofern sind sie nicht unmittelbar „sichtbar“. Da sie jedoch in ein nachhaltiges System eingebunden sind, erreichen sie ihre Zielgruppen. Bewertung Grundsätzlich sind die Regeleinrichtungen im Stadtteil ausgerichtet auf die besonderen Bedarfe des Quartiers; Schulentwicklungs- und Kindertagesstätten-Bedarfsplanung werden in unterschiedlichen Fortschreibungszyklen aktualisiert. Zudem wird das Programm aller Einrichtungen durch vielfältige Sonderprojekte ergänzt. Empfehlung der Projektgruppe: Eine nachhaltige Ausstattung mit den Regelangeboten der (vor)schulischen Bildung (KiTas, Schulen) ist in diesem Quartier unverzichtbar und sollte vordringliches Planungsziel aller Teilplanungen sein.Seite 23 von 128 20 5.2.2. Förder- und Hilfeangebote für Kinder, Jugendliche und Familien Einige stadtweit bzw. überörtlich arbeitende Einrichtungen bieten Sprechstunden und andere Angebote in Medinghoven für Kinder, Jugendliche und Familien an (z.T. explizit für solche mit Zuwanderungshintergrund). Hierzu gehören die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Bonn; der Jugendmigrationsdienst (Unterstützung bei der beruflichen Integration für junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte) ehrenamtliche Angebote für Kinder (Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung) Bewertung: Ein die Regeleinrichtung ergänzendes, ausdifferenziertes Förder- und Hilfeangebot ist im Stadtteil vorhanden. Rein ehrenamtliche Angebote sind allerdings nur bedingt geeignet, dauerhaft Defizite aufzufangen; dies zeigte sich exemplarisch während der Pandemie an vielen Stellen. 5.2.3 Beratungsangebote für Menschen in prekären Lebenslagen Die vergleichsweise hohen Anteile von Empfänger/-innen wirtschaftlicher Hilfen aus dem Quartier Medinghoven (in Relation zur Gesamtheit der Hilfeempfänger/-innen) sind erste Indikatoren dafür, dass die Zugänge in Hilfen in Medinghoven offenbar funktionieren. Der Stadtteil verfügt mit der Sozial- und Schuldnerberatung der Diakonie, einer damit verknüpften ehrenamtlichen Formularhilfe sowie niederschwelligen Beratungsangeboten in den lokalen Familienzentren über ein ortsnahes Beratungsangebot für die oben beschriebenen Zielgruppen. Auch andere lokale Einrichtungen unterstützen bei Antragstellung. Zudem befinden sich auch das Jobcenter und die Agentur für Arbeit in erreichbarer Nachbarschaft. Bewertung: Grundsätzlich stehen kompetente Ansprechpartner/-innen in den genannten Einrichtungen vor Ort zur Verfügung. Spezifische wirtschaftliche Hilfen (BuT, Bonn-Ausweis) kommen in den Familien an. Empfehlung der Projektgruppe: Die personelle und sächliche Ausstattung der Sozial- und Schuldnerberatungsstelle ist laufend im Gespräch mit dem Träger und entsprechend den jeweiligen Fallzahlen anzupassen.Seite 24 von 128 21 5.2.4 Weitere kommunal finanzierte Angebote für die Zielgruppe „Kinder, Jugendliche“ (und deren Familien) Hier sind zwei Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu nennen, die beide fest im Stadtteil etabliert sind: Das Jugendzentrum im Martin-Bucer-Haus und das städtische Spielhaus, welches auch als Anlaufpunkt für die Eltern (Mütter) fungiert. Im Nachbarbezirk Duisdorf befindet sich mit dem Jugendzentrum „OT St. Martin“ eine weitere gut erreichbare Einrichtung für junge Menschen, welche bei einer rein quartiersbezogenen Betrachtung aus dem Blick gerät. Über die Nutzung dieser Einrichtung durch Kinder/Jugendliche aus dem Stadtteil Medinghoven lagen keine aktuellen Informationen vor. Der Freizeitstätten-Bedarfsplan der Stadt Bonn stellte in seiner letzten Fortschreibung (2015) zum seitens der Mitarbeiter/innen der lokalen Einrichtungen benannten Bedarf an Angeboten für Kinder und Jugendliche in Medinghoven fest: „Gewünschte Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche sind geschlechterdifferenzierende Angebote, Selbstbehauptungstraining, Sport, Kultur, Begegnung, Antiaggressionstraining und Sozialkompetenztraining“ (S.108 ff.). Im Jugendzentrum im Martin-Bucer-Haus wurde vor ca. 2 Jahren ein offenes Angebot für Mädchen installiert. Allerdings ist die Besucherschaft des Bucer-Hauses weiterhin (Stand 2017) ganz überwiegend (92%) männlich. In Kooperation mit der Stabsstelle Integration wurden zwischenzeitlich mehrere befristete Sonderprojekte im Stadtteil durchgeführt; siehe dazu auch Pkt. 5.5. „Angebote für besondere Zielgruppen“. Bewertung: Die von den Fachkräften der verschiedenen Einrichtungen angesprochenen Problemlagen sind tief verwurzelt in den biographischen Erfahrungen der jungen Menschen. Befristete Sonderprojekte scheinen wenig geeignet, nachhaltig Wirkung zu erzeugen. Empfehlung der Projektgruppe: Gewachsene personale Beziehungen bieten eine gute Basis für pädagogische Intervention. Eine auskömmliche und stabile Personalsituation in den vorhandenen Einrichtungen ist daher unerlässlich. Das Amt für Kinder, Jugend und Familie prüft im Nachgang des Projektes, ob die Mädchenarbeit in ihrer derzeitigen Form den Bedarfen im Stadtteil hinreichend Rechnung trägt.Seite 25 von 128 22 5.2.5 Angebote für besondere Zielgruppen In den Expert/-innenforen wurden Bedarfe spezifischer Zielgruppen benannt, die den Mitarbeiter/- innen der örtlichen Einrichtungen in ihrem Umfeld bekannt geworden sind. Gemeinsam ist ihnen, dass diese Zielgruppen selbst – aus unterschiedlichen Gründen- nur selten Ihre Unterstützungsbedarfe formulieren und Hilfen nachfragen können bzw. wollen: In der Öffentlichkeit auffällige junge (männliche) Erwachsene: Diese sind häufig nicht mehr über schulische bzw. Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit ansprechbar (Ende der Schulpflicht; Überschreiten der Altersgrenze 21 Jahre). – Mithilfe verschiedener Institutionen (Event-Sprinter, der Straßensozialarbeit des Amtes 51, Jugendzentrum, andere, befristete Projekte) wurde diese Gruppe regelmäßig im Rahmen niederschwelliger mobiler oder aber befristeter Sonderprojekte (Sucht- und Gewaltprävention) angesprochen24. Auch engagierte Bürger vor Ort stehen im Kontakt mit diesen jungen Menschen und bemühen sich um Deeskalation. Der Polizei sind die Treffpunkte der jungen Männer im Stadtteil bekannt. In den vergangenen Monaten war Medinghoven mehrfach Einsatzort größerer polizeilicher Maßnahmen (im Kontext Drogenkriminalität); es bleibt abzuwarten, ob sich daraus auch Auswirkungen auf die jugendliche „Szene“ vor Ort ergeben. Sicherheit und „subjektives Sicherheitsempfinden“ im Stadtteil: Das Thema „Sicherheit“ im öffentlichen Raum wurde gelegentlich angesprochen; allerdings zeigten sich die meisten Teilnehmer/-innen der Foren überzeugt, dass die Bewohner/-innen- auch Kinder und Jugendliche- sich im Stadtteil frei bewegen können. 25 Bewertung: Vor Ort werden präventive, ordnungsrechtliche und polizeiliche Maßnahmen eingesetzt. Empfehlung der Projektgruppe: S. aktuelle Planungen zum Einsatz des Eventsprinters im Umfeld der GGS Medinghoven; Pkt. 4.3.5 Mädchen/junge Frauen mit auffälligem Verhalten: Es ließ sich nicht ermitteln (Datenschutz), ob die seitens der Jugendarbeiter/-innen angesprochene Mädchengruppe identisch ist mit einer bereits vor etlichen Jahren im Stadtteil aktiven Gruppe - bzw. auch, ob Mitglieder dieser Gruppe zwischenzeitlich im Rahmen von „Hilfen zur Erziehung“ betreut werden. Letzteres lässt der hohe Anteil von Mädchen an den erzieherischen Hilfen im Quartier Medinghoven vermuten. - Der Fachdienst für Familien- und Erziehungshilfe ist im Stadtteil-AK vertreten und insofern gut eingebunden in das Netzwerk des Stadtteils. Im Kontext der Sozialraumarbeit wurden in der Vergangenheit bereits mehrere Mädchenprojekte initiiert. Auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie arbeitet der Fachdienst weiter. Bewertung: Die Frage, ob und in welchem Maße abweichendes Verhalten von Mädchen/jungen Frauen auch aktuell noch ein Thema im Stadtteil ist, konnte im Kontext des ZiQ-Projektes nicht beantwortet werden. Empfehlung der Projektgruppe: S. dazu Pkt. 5.2.4 Frauen in Zuwandererfamilien: Vereinzelt wurde berichtet, dass es Frauen aus Zuwandererfamilien der jüngsten Generation im Stadtteil gäbe, die aufgrund mangelnder 24 Corona-bedingt findet das Angebot derzeit nicht statt. 25 Dies bestätigt auch eine aktuell veröffentlichte Studie der Universität Marburg, welche 2018 im Kontext der Erarbeitung eines „Gewaltpräventionskonzeptes für die Stadt Bonn“ durchgeführt wurdeSeite 26 von 128 23 Sprachkenntnisse/kulturell bedingter Vorstellungen zur Rolle der Frau weitgehend abgeschottet seien. Näheres (z.B. zur Zahl der Betroffenen) ist nicht bekannt. - Diese Frauen lassen sich nur indirekt erreichen- z.B. über die Kindertageseinrichtungen, Schulen und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, mit denen sie ihrer Kinder wegen in Kontakt stehen; oder über Beratungsstellen, welche die Frauen wegen verschiedener Unterstützungsbedarfe bereits kennen. Solche Zugänge werden aktiv genutzt: - Im Stadtteil befinden sich sowohl zwei Familienzentren als auch eine Gruppe der „Frühen Hilfen“, deren Fokus insbesondere auf der Unterstützung von Frauen mit eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten liegt. - Auch die „Kleiderstube“ und das „Begegnungscafé“ der ökumenischen Flüchtlingshilfe sowie das Interkulturelle Frauenturnen werden von Migrantinnen gut angenommen. Bewertung: In Medinghoven gibt es niederschwellige Zugänge für Frauen aus Zuwandererfamilien. Allerdings lassen sich mittel- und langfristige „Wirkungen“ solcher Angebote nur durch biografische Analysen nachweisen. Empfehlung der Projektgruppe: Sobald die pandemische Lage dies erlaubt, werden persönliche Migrationserfahrungen älterer Frauen im Rahmen eines der noch ausstehenden Partizipationsprojekte (Erzählcafé „(M)eine Heimat Medinghoven“) thematisiert. Anhand der Biographien älterer Migrantinnen sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, unter welchen Bedingungen Integration am Beispiel des Quartiers Medinghoven gelingen kann. Menschen mit Behinderungen: In den Expert/-innenforen wurde auch die Situation von Medinghovener Familien mit behinderten Kindern angesprochen. Auffällig war die unterdurchschnittliche Inanspruchnahme von Integrationsassistenzen an den örtlichen Schulen. Seitens der Grundschule wurde dies erklärt mit dem pädagogischen Leitziel der Schule, Inklusion als integrativen Teil des Schulalltags zu leben. Empfehlung der Projektgruppe: Es wird geprüft, ob die betroffenen Familien in Medinghoven hinreichend über das Angebot der Integrationsassistenzen informiert sind. Ältere, alleinlebende Menschen: Vereinzelt wurde von älteren Menschen berichtet, die wenig Zugang zu Hilfeangeboten hätten. Viele der in Medinghoven lebenden älteren Menschen mit Zuwanderungshintergrund sind in den 1980er Jahren aus den ehemaligen GUS-Staaten und Osteuropa in den Stadtteil gezogen26 und dürften über familiäre und nachbarschaftliche Netze in Bonn verfügen bzw. auch in einer nahegelegenen Baptistengemeinde eingebunden sein. Andere ältere Bewohner/-innen wohnen außerhalb des Kernbereichs von Medinghoven und verfügen zumeist über gute Ressourcen (z.B. eigenes KFZ, Haus- oder Wohnungseigentum, Medienkompetenz, Vernetzung in örtlichen Gremien, etwa der Kirchengemeinden). - Im Expert/-innenforum „Alter und Pflege“ sowie an anderer Stelle wurde deutlich, dass die in den Nachbarbezirken Brüser Berg und Duisdorf gelegenen Einrichtungen (Nachbarschaftszentrum Brüser Berg, Begegnungsstätte der AWO und DRK-Treff in 26 Die Zuwanderung der jüngeren Vergangenheit erfolgte hingegen überwiegend aus den Krisengebieten des Nahen und mittleren Ostens. Unter diesen Neubürger/-innen finden sich jedoch nur wenige ältere MenschenSeite 27 von 128 24 Duisdorf) mit Bildungs- und Begegnungsangeboten für ältere Menschen bekannt sind und auch von Medinghovener Bürger/-innen genutzt werden. - Mit der „Wohnung“ im Martin Bucer-Haus steht seit einigen Monaten ein weiterer, zentral gelegener Treffpunkt im Quartier für diese Altersgruppe zur Verfügung. - Das nahegelegene „Haus der Bonner Altenhilfe“ im Nachbarbezirk Duisdorf ist ein kompetenter Ansprechpartner in Fragen rund um Alter, Pflege und Teilhabe. Das Angebot umfasst auch Hausbesuche (Wohnberatung, Pflegebegutachtung) und engagiert sich zurzeit bei der Organisation von Nachbarschaftshilfen im Kontext der Corona-Lage. - Darüber hinaus gibt es Krankenhausbesuchsdienste (Malteserkrankenhaus) der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde im örtlichen Klinikum. - Der Mittagstisch in der benachbarten vollstationären Pflegeeinrichtung „Wilhelmine- Lübke-Haus“ ist öffentlich zugänglich. Bewertung: Die Infrastruktur in und um Medinghoven bietet für ältere Menschen vielfältige Möglichkeiten der Teilhabe und Beratung. Empfehlung der Projektgruppe: Allerdings sollte eine Verbesserung der Zugänge zu den lokalen Angeboten z.B. durch verstärkte Bewerbung und einen Ausbau der Kooperation zwischen den Einrichtungen erreicht werden. 5.3 Vernetzungsstrukturen; Notwendigkeit eines Quartiersmanagements Stadtteil-AK Medinghoven der Jugendpflege: Seit 2010 wird durch die Jugendpflege des Amtes für Kinder, Jugend und Familie das Konzept der „Stadtteilkoordination – Vernetzte Kooperation“, durch die städtische Jugendpflege umgesetzt. In diesem Rahmen werden Projekte und Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit durch die mitwirkenden Einrichtungen geplant und realisiert. Der Stadtteil Medinghoven verfügt über einen eigenen „Stadteil-Arbeitskreis“, der von der Jugendpflege des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Bonn betreut wird. Dies ist insofern bemerkenswert, da das Einzugsgebiet der anderen Bonner Stadtteil-Arbeitskreise in der Regel sehr viel größer ist und zumeist mehrere Ortsteile umfasst – und Medinghoven zudem ein relativ kleiner Stadtteil ist. Hier wurde also bereits den häufig anzutreffenden besonderen Bedarfen der Bewohnerschaft des Stadtteils Medinghoven Rechnung getragen. Damit steht ein gutes Steuerungselement vor Ort zur Verfügung. Stadtteilbüro der Diakonie: Das seit 2004 personell sehr konstante Stadtteilbüro der Diakonie ist eine gute Anlaufstelle für Menschen im Quartier. Neben der dort angebundenen Sozial- und Schuldnerberatung hält es niedrigschwellige Begegnungs- und Bildungsangebote vor und richtet sich damit an alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von Alter, Herkunftsland, Bildungsniveau oder Einkommen. Durch die Anwesenheit „vor Ort“ können lokale Entwicklungen und Probleme erkannt und entsprechende Angebote initiiert werden. Neben konkreter, oftmals existenzsichernder Hilfestellung im Einzelfall wird hiermit ein Beitrag zum friedlichen Miteinander der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in den Stadtteilen geleistet. - Das Stadtteilbüro fördert die Einbindung von Ehrenamt: Ehrenamtlich tätige Bürger/-innen aus dem Umfeld der evangelischen Kirchengemeinde und der ökumenischen Flüchtlingshilfe organisieren in Medinghoven eine Reihe von Angeboten. Hier bewährt sich auch die Zusammenarbeit mit dem Nachbarschaftszentrum Brüser Berg, welches sich seit Jahren in der Gewinnung von freiwilligen Unterstützer/-innen profiliert. Allerdings – wie auchSeite 28 von 128 25 während der aktuellen Pandemie deutlich wird- sind ehrenamtlich Unterstützungsangebote nicht geeignet, strukturelle Defizite von Regeleinrichtungen dauerhaft zu kompensieren. Das Stadtteilbüro ist vernetzt mit weiteren Akteuren innerhalb und außerhalb des Stadtteils (Kirchengemeinden, Schulen, dem Amt für Kinder, Jugend und Familie, örtlichen Vereinen). - Vom Stadtteilbüro der Diakonie wird eine Medinghovener Mieter/-inneninitiative koordiniert. Sie war zum Forum Wohnen eingeladen. Da es Corona-bedingt verschoben werden musste, ist bisher kein Kontakt zu dort organisierten Mieter/-innen zustande gekommen. Auch hier kann an bestehende Strukturen angeknüpft werden. Bewertung: Grundsätzlich verfügt der Stadtteil über gute Vernetzungsstrukturen für den Austausch mit Bürger/-innen und Einrichtungen vor Ort. Ein zusätzliches, permanent vor Ort präsentes Quartiersmanagement erscheint daher nicht erforderlich. Empfehlungen der Projektgruppe: Im Austausch mit dem Träger wird von der Verwaltung geprüft, wie der Bereich der Gemeinwesenarbeit dauerhaft konkretisiert und gestärkt werden kann. Durch die Nutzung gemeinsamer Tools (Veranstaltungskalender, aktualisierte Angebotsübersicht; evtl. auch Nutzung weiterer digitaler Tools) können vorhandene Strukturen ggf. unterstützt werden. Es wird geprüft, ob eine Weiterentwicklung der Stadtteil-AKs (Fokus auf weitere Zielgruppen, Aufnahme weiterer Einrichtungen; ämterübergreifende Nutzung der AKs für quartiersbezogene Planungen und Aktivitäten) zu organisatorischen, aber auch konzeptionellen Synergien bei der Quartiersentwicklung führen könnte.Seite 29 von 128 26 6. Erkenntnisse zu planungsrelevanten Rahmenbedingungen Die Befassung mit dem Lupenbezirk Medinghoven erbrachte eine Reihe von grundsätzlichen Erkenntnissen zur Planungsorganisation der Ämter und Fachbereiche des Sozialdezernates, aber auch anderer hier relevanter städtischer Ämter (Stadtplanung, Gesundheitsamt…), welche im Förderprojekt Baustein 3 „Daten für Taten- Aufbau einer integrierten Sozialberichterstattung“ vertieft analysiert werden. Der Bericht wird voraussichtlich im 2. Quartal 2021 vorgelegt. Folgende Themen wurden identifiziert, die einer weiteren grundsätzlichen Betrachtung bedürfen: Planungsprozesse sind in allen Ämtern unterschiedlich organisiert und zudem auf unterschiedlichen Ebenen der Verwaltung angebunden. Häufig werden Planungsprozesse delegiert an externe Büros und auf Teilziele beschränkt. Im Zuge der Planungen werden eine Vielzahl von zusätzlichen Gremien installiert (Projekt-, Lenkungsgruppen, Beiräte, Runde Tische etc.) – auf der anderen Seite fehlen Foren für einen regelmäßigen, nicht ausschließlich Anlass- bezogenen Austausch der jeweiligen Fachplaner/-innen zu Grundsatzthemen. So fehlt es an Informationen über parallellaufende Planungen und es entwickelt sich kein einheitliches Verständnis von Zielen, Begriffen und Methoden. Evaluation bestehender Angebote: Aussagekräftige, aktuelle Daten zur sozialen Infrastruktur und deren Nutzung sind nicht für alle Angebote verfügbar und mussten für Medinghoven z.T. nacherhoben werden. Auch dort, wo Informationen regelmäßig vorhanden sind, werden sie nicht immer systematisch evaluiert. Dies liegt daran, dass es häufig keinen entsprechenden „Auftrag“ bzw. eingeübte Planungsverfahren gibt. Dort, wo Teilplanungen vorhanden sind (z.B. Freizeitstätten-Bedarfsplanung; Pflegeplanung), werden sie in vergleichsweise langen Zyklen fortgeschrieben27; entsprechend können sie auf akute Bedarfslagen bzw. Erwartungen nur schwer reagieren. Erkenntnisse aus befristeten Sonderprojekten werden mit den Regel-Teilplanungen kaum „verschnitten“. Ortsteilprofile: Ortsteilprofile bieten eine gute Grundlage für Stadtentwicklungsprozesse; dies wurde auch im Quartiersentwicklungsprozess in Medinghoven deutlich. Bisher werden solche Ortsteilprofile ausschließlich anlassbezogen erstellt; dies zudem durch externe Institute/Planungsbüros, welche ihrerseits wiederum auf die einzelnen Fachämter der Verwaltung zugehen, um dort die einzelnen Kennzahlen/Informationen zu erfragen. Daher stehen lediglich für einzelne Quartiere- und dies nicht nachhaltig fortgeschrieben- solche Profile zu Verfügung. Systematische Bestandserfassung: Die im Prozess erstellte Datei mit qualitativen Informationen sowohl zu den Angeboten der Einrichtungen im Stadtteil Medinghoven als auch von Einrichtungen in benachbarten Quartieren hat sich als geeignet erwiesen für die Bewertung der Versorgung eines Quartiers mit sozialen Angeboten und Dienstleistungen. Bislang waren derart aufbereitete Informationen nicht systematisch verfügbar. 27 in Abhängigkeit der rechtlichen Rahmenbedingungen der einzelnen Angebote/MaßnahmenSeite 30 von 128 27 Produktdefinition Immer wieder zeigte sich im Verlauf der Planungen im Lupenbezirk Medinghoven, dass zentrale, sowohl von der Öffentlichkeit, den Medien, aber auch der Fachöffentlichkeit verwendete Begriffe nicht hinreichend definiert sind. Dies führt zu Missverständnissen betreffend die jeweiligen Aufgaben, Kernkompetenzen und Rollen der verschiedenen Einrichtungen (und die ihrer Mitarbeiter/-innen) So erscheint beispielsweise eine nähere Bestimmung des Begriffs der „Gemeinwesenarbeit“ in Abgrenzung von der des „(systematischen) Quartiersmanagements“ erforderlich, ebenso wie eine inhaltliche Füllung der Begriffe „Begegnungszentrum“, „Quartierszentrum“, „Quartiersmanagement“, „Nachbarschaftszentrum“ etc. 7. Zielerreichung Zu Beginn des Projektes wurden verschiedene Ziele für die Quartiersentwicklung im Lupenbezirk Medinghoven formuliert. Im Folgenden werden diese Ziele abgeglichen mit den Ergebnissen der oben beschriebenen operativen und strategischen Aktivitäten: Identifizierung und Nutzung kommunaler Steuerungsmöglichkeiten, insbesondere in der Unterstützung von Quartiersentwicklungsprozessen: Ziel erreicht; siehe dazu Empfehlungen unter 5.3 „Vernetzungsstrukturen; Notwendigkeit eines Quartiersmanagements“ sowie unter Pkt. 6 „Erkenntnisse zu planungsrelevanten Rahmenbedingungen“ Ressourcenorientiertes Handeln: Ziel erreicht; s. dazu Ausführungen unter 4.2.1 „Revitalisierung der Ladenzeile“ Qualifizierung/Verstetigung bestehender Strukturen/Ressourcen (falls erforderlich) Ziele teilweise erreicht; Empfehlungen zur Angebotsentwicklung sind unter Pkt. 5.2 „Soziale Infrastruktur“ formuliert. Verbesserung der Zugänge in die Hilfesysteme (falls erforderlich): Ziele im Projektverlauf nicht erreicht; s. dazu Ausführungen zu den -Corona bedingt verschobenen - „Bürgerbeteiligungsprojekten“ unter Pkt. 4.1 Schaffung neuer Angebote/Maßnahmen/Strukturen (falls erforderlich): Ziele teilweise erreicht (s. dazu 4.2 „Projekte zur Gestaltung des öffentlichen Raums“ sowie 4.3.2 bis 4.3.5 „Projekte zur Unterstützung der Stadtteilorganisation und Vernetzung“); letztere mussten Corona-bedingt ebenfalls verschoben werden.Seite 31 von 128 28 Anlagen Anlage 1) Projektsteckbriefe Bausteine 1 und 3 Anlage 2) Ortsteilprofil Anlage 3) Sozialraumanalyse Anlage 4) Übersicht zu Medinghovener Einrichtungen und deren Angebote Anlage 5) Ergebnisse der Expert/-innenforen Anlage 6) Materialien Öffentlichkeitsarbeit Anlage 7) PresseberichteSeite 32 von 128 1 Abschlussbericht Baustein 3 „Daten für Taten/Aufbau einer kleinräumigen Sozialberichterstattung „Zusammen im Quartier (ZiQ)“/ „Aufbau einer integrierten, kleinräumigen, systematischen und nachhaltigen Sozialberichterstattung in der Stadt Bonn“ Der hier vorgelegte Bericht dokumentiert die Tätigkeiten im Rahmen des Förderprojektes „Zusammen im Quartier („ZiQ“) / Baustein 3 „Daten für Taten/Aufbau einer kleinräumigen Sozialberichterstattung“. Er befasst sich mit grundsätzlichen Aspekten einer integrierten, kleinräumigen und nachhaltigen Sozialberichterstattung und –planung, beschreibt deren strukturelle Voraussetzungen und entwickelt Empfehlungen zum Aufbau einer integrierten Sozialberichterstattung für die Stadt Bonn. Gliederung Seite 1. Hintergrund der Bewerbung 2 1.1 Politische Beschlusslage 1.2 Potenziale des Förderprogrammes „ZIQ“ 1.3 Ziele einer integrierten, kleinräumigen Sozialberichterstattung (ikSb) 2. Zeitlicher Ablauf 5 2.1 Vorbereitung der Bewerbung 2.2 Recherche des Status quo 2.3 Verwaltungsinterne Organisation; Erprobung von Methoden und Verfahren 3. Erkenntnisse betreffend aktuelle Bedingungen 7 3.1 Wissenstransfer 3.2 Planungsorganisation 3.5 Weitere Rahmenbedingungen 4. Weiteres Verfahren 9 4.1 Anbindung und personelle Ausstattung der Sozialplanung 13 4.2 Zeitplan Anlagen 15Seite 33 von 128 2 1. Hintergrund der Bewerbung 1.1 Politische Beschlusslage Die Entscheidung zur Bewerbung auf zwei Projektbausteine des Förderprogramms „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW zur Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut in besonders benachteiligten Quartieren basiert auf mehreren politischen Beschlüssen der Bundesstadt Bonn. Ziel war, bei deren Umsetzung das Förderprogramm unterstützend einzubinden1: Sozialberichterstattung: Im März 2017 hat der Ausschuss für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen einen Beschluss zum Thema „Sozialdaten pro statistischem Bezirk“ gefasst (DS 1710761¸ Hauptausschuss: Mai 2017). Hiermit wurde die Verwaltung beauftragt, eine Übersicht über verschiedene demografische Daten und konkret benannte Sozialdaten auf Ebene der statistischen Bezirke der Stadt Bonn zu erstellen. Damit verbunden war die Erwartung, durch eine solche Berichterstattung Verwaltung, Politik und freie Träger in die Lage zu versetzen, zielgruppenspezifische Handlungsempfehlungen zur Stärkung der sozialen Situation in den Stadtteilen zu entwerfen, wie sie in einem weiteren Beschluss des Ausschusses für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen bereits 2015 (DS 1510323 NV3), wie folgt benannt wurden: Identifizierung von Vierteln mit besonderen Herausforderungen, Schaffung von Entscheidungsgrundlagen für Politik, Schaffung einer Basis für effektives, zielgerichtetes Handeln vor Ort. Systematische Quartiersentwicklung im Quartier Medinghoven: Aus Sicht der Verwaltung bot es sich an, diesen gesamtstädtischen Auftrag zu spezifizieren, exemplarisch im Bonner Stadtteil Medinghoven umzusetzen und so einem weiteren Ratsbeschluss (DS 1810331NV3) Rechnung zu tragen: Die Stadt Bonn fördert mit ausschließlich kommunalen Mitteln das sog. „Systematische Quartiersmanagement“. Diese sollen zunächst in bis zu acht besonders belasteten Quartieren für eine nachhaltige Quartiersentwicklung eingesetzt werden (DS 1212599NV4). Allerdings stehen in diesem Budget nur begrenzte Mittel zur Verfügung. Daher wurde die Verwaltung beauftragt, die Förderlandschaft auf geeignete Förderprogramme für eine Anschubfinanzierung des Quartiers „Medinghoven“ zu prüfen. Auch inhaltlich gab es für den Quartiersentwicklungsprozess in Medinghoven Vorgaben der Politik. So sollte die Erneuerungsstrategie partizipativ mit unterschiedlichen Akteuren vor Ort erarbeitet und von der Verwaltung - ggf. mit externer Unterstützung - aktiv begleitet werden. Der politische Auftrag hebt in einigen Zielen die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen in Medinghoven, dem „jüngsten“ von insgesamt 62 Bonner statistischen Bezirken hervor– bezieht aber ausdrücklich auch andere Bevölkerungsgruppen (ältere Menschen, schwer erreichbare Zielgruppen) mit ein. Daneben werden Aspekte der Stadtentwicklung (z.B. Leerstände) durch den Auftrag angesprochen. Fortschreibung des Integrierten Entwicklungskonzeptes Hardtberg: Neben den o.g. pol. Beschlüssen sollte auch eine enge Verknüpfung mit der durch das Stadtplanungsamt zu erarbeitenden Fortschreibung des integrierten Entwicklungskonzeptes („IEK“) für den Stadtbezirk Bonn-Hardtberg (zu welchem der Stadtteil Medinghoven gehört) sichergestellt werden. (DS-Nr.1610742 und 1711709NV3). 1 S. Anlage 1: Projektsteckbriefe Förderprogramm-Baustein 1 + 3Seite 34 von 128 3 1.2 Potenziale des Förderprogrammes „Zusammen im Quartier“ Die oben beschriebenen Aufträge erforderten nach Einschätzung der Verwaltung den Einsatz zusätzlicher personeller Ressourcen. Zudem erschien eine enge Einbindung der hierfür eingesetzten Fachkräfte in die zuständige Organisationseinheit der Stadt Bonn („Sozialplanung und Quartierentwicklung“) sinnvoll, da für die Umsetzung der Arbeitsaufträge neben der fachlichen Qualifikation auch Kenntnisse der örtlichen Strukturen und Akteure sowie von Verwaltungsabläufen erforderlich sind 2 ; s. auch Pkt. 2.3 Im Prozess müssen sowohl „operative“ Methoden (der sozialen Arbeit vor Ort im Quartier) als auch „strategische“ Methoden (der Sozialwissenschaft) eingesetzt werden. Dazu gehören…: die Aufbereitung unterschiedlicher Datenquellen (Bestands- und Nutzungsanalyse, Presserecherche, Berichte der Träger zu ihren Angeboten/Maßnahmen); die Koordination einer prozessbegleitenden Abstimmung mit den lokalen, aber auch an anderen Stellen (Verwaltung, Kommunalpolitik) tätigen Akteur/-innen (Einrichtung bzw. Nutzung von vorhandenen Arbeitsgremien, Fertigen von Beschlussvorlagen, Öffentlichkeitsarbeit): die Konzeptionierung, Durchführung und Auswertung verschiedener themenbezogener Expert/-innenforen; die Konzeptionierung, Durchführung und Auswertung von Bürgerbeteiligungsverfahren für unterschiedliche Zielgruppen; die Entwicklung lokaler pädagogischer, sozialer und anderer gemeinschaftlicher Projekte in Kooperation mit den örtlichen Einrichtungen. Die Bausteine 1 und 3 des Förderprogramms „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW zur Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut in besonders benachteiligten Quartieren boten in ihrer Verknüpfung nach Einschätzung der Stadt Bonn gute Voraussetzungen, dieser Ausgangslage Rechnung zu tragen, da hier die Möglichkeit bestand, sowohl operativ mit den Methoden der sozialen Arbeit („Kümmern“) auf Ebene des „Lupenbezirkes“ Medinghoven als auch strategisch-gesamtstädtisch – dies mithilfe der sozialwissenschaftlichen Fachkraft- agieren zu können. Der Blick in einen „Lupenbezirk“ (Hier: Medinghoven) ist zudem besonders geeignet, Zusammenhänge sichtbar und verständlich zu machen, die bei „versäulten“ und/oder gesamtstädtischen Planungsansätzen wegen deren Komplexität oft aus dem Blick geraten. Folgende Annahmen stützen diese Einschätzung: Eine „Sozialraumanalyse“ ist ein lokaler „kleiner“ Sozialbericht; „Quartiersentwicklung“ ist „gelebte Sozialplanung“; je kleinräumiger die Problemanalyse („Lupe“), desto differenzierter und überprüfbarer sind die Erkenntnisse zu Bedarfen verschiedener Zielgruppen und zu Bekanntheit, Nutzung, Akzeptanz und Wirksamkeit von Angeboten; die Verknüpfung mit partizipativen Verfahren (die sich in einem Quartier relativ gut organisieren lässt) erhöht Transparenz, Akzeptanz und Wirksamkeit der Planungen bei allen Akteur/-innen - Bürger/-innen, Verwaltung, Politik, Wohlfahrt. Die Anschaulichkeit der einzelnen Projektschritte ermöglicht ein besseres Verständnis von Planungsprinzipien als bloße organisationstheoretische Ausführungen. 2 S. Anlage 2: Kurzkonzept Sozialplanung;Seite 35 von 128 4 Exkurs: Anmerkung zur Schnittstelle des Quartiersentwicklungsprozesses in Medinghoven mit den methodischen Überlegungen einer integrierten Sozialberichterstattung3 Die Projektaktivitäten im Quartier Medinghoven orientierten sich an folgenden Zielen: Identifizierung und Nutzung kommunaler Steuerungsmöglichkeiten, insbesondere hinsichtlich eines Quartiersentwicklungsprozesses; (ggf.) Qualifizierung/ Verstetigung bestehender Strukturen/Ressourcen; (ggf.) Schaffung neuer Angebote/Maßnahmen/Strukturen; Verbesserung der Zugänge in die Hilfesysteme; Nutzung partizipativer Verfahren (Beteiligung von Bürger/-innen); Einbindung von lokalen und anderen Expert/-innen Begleitend regelmäßige Information der Kommunalpolitik. Um über den Projektzeitraum hinaus nachhaltige Effekte für Quartiersentwicklungsprozesse im Allgemeinen zu erzielen, waren bei den lokalen, auf Medinghoven bezogenen Aktivitäten folgende Prinzipien leitend: Systematisierung des Prozesses/ Entwicklung einer universell auch auf andere Quartiersentwicklungsprozesse anwendbaren Methodik; Entwicklung universell nutzbarer Instrumente; Ressourcenorientierung; Einbeziehung stadtplanerischer Aspekte (allgemeine stadtgesellschaftliche Entwicklungen) Abgleich mit Planungen der Ämter des Sozialdezernates und anderer städtischer Ämter und Dienststellen (Gesundheitsamt, Stadtplanung, Stabstelle Integration u.a.). Damit sollten anhand eines konkreten lokalen Planungsverfahrens gleichzeitig Grundlagen für eine systematische, nachhaltige Sozialberichterstattung entwickelt werden. 1.3 Ziele einer integrierten, kleinräumigen Sozialberichterstattung („ikSb“) Eine integrierte, kleinräumige Sozialberichterstattung („ikSb“) soll (im Idealfall) …die nachhaltige Fortschreibung von Kennzahlen und Berichten der Ämter/Dienststellen der Sozialverwaltung und Einbindung vorhandener Teilplanungen organisieren/ unterstützen; …die Vernetzung zwischen Ämtern und Dienststellen, strategischer und operativer Ebene fördern (dies auch unter Berücksichtigung der Erkenntnisse des Controllings); …die sich aus demographischen Trends ergebenden Bedarfe in verschiedenen Handlungsfeldern („Bedarfserfassung“) frühzeitig erkennen helfen; …Grundlagen für lokale, kleinräumige Planungen schaffen; …Akzeptanz, Nutzung, Auslastung und Wirkung der bestehenden Infrastruktur („Bestandserfassung“) in den Fokus nehmen; …ggf. neue Maßnahmen mit entwickeln; … kommunale Steuerungsmöglichkeiten und deren Grenzen aufzeigen; und so bei der Formulierung und Operationalisierung gesamtstädtischer Ziele unterstützen 3 Verweis auf: Abschlussbericht ZiQ- BS 1: Anlage 3: Sozialraumanalyse Medinghoven (Stand: 2017)Seite 36 von 128 5 - dies alles im Austausch mit den Ämtern und Dienststellen vorwiegend, jedoch nicht ausschließlich des Sozialdezernates. 2. Zeitlicher Ablauf 2.1 Vorbereitung der Bewerbung Bereits im Bewerbungsprozess (2018) wurden die zu beteiligenden städtischen Akteur/-innen (Gesundheitsamt, Stabsstelle Integration, Jugendamt, Schulamt, verschiedene Abteilungen des Amtes für Soziales und Wohnen; Stadtplanung, Statistikstelle) über die Bewerbung auf zwei Projektbausteine des Programmes „Zusammen im Quartier“ informiert. Die Bewerbung wurde positiv beschieden; mit Zusage des Fördergebers begannen Ende 2018 projektvorbereitende Arbeitstreffen mit den von dort benannten Vertreter/-innen der Fachbereiche, um zunächst zu recherchieren, welche Daten in welchen Zyklen und in welchen räumlichen Bezügen vorhanden sind. Nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens konnten die beiden Projektmitarbeiterinnen mit Unterstützung der Projektleitung im Mai 2019 ihre Arbeit in Anbindung an das Sachgebiet „Sozialplanung und Quartiersentwicklung“ im Amt für Soziales und Wohnen aufnehmen. 2.2 Recherche des Status Quo Folgende Quellen wurden für die Erhebung des Status quo während der ersten Monate der Projektlaufzeit quo genutzt: Bevölkerungsstrukturdaten und Berichte der Statistikstelle Teilplanungen und Berichte der Fachämter (Freizeitstättenbedarfsplanung, KiTa- Bedarfsplanung; Schulentwicklungsplanung, OGS-Planungen, Berichte des Gesundheitsamtes, Pflegeplanung, Planungen der Suchthilfe etc.) Daten zu Bedarf/ Bestand/ Nutzung von Angeboten und Hilfen (z.B. Nutzung von Beratungs-, Begegnungsangeboten; Wirtschaftliche Hilfen für verschiedene Zielgruppen); hier wurden sowohl vorhandene Daten der Fachbereiche/des Controllings als auch solche aus eigenen Erhebungen betrachtet. Parallel dazu wurden aus diesen Quellen die kleinräumigen Daten und Informationen für den Lupenbezirk Medinghoven zusammengestellt und, falls notwendig und möglich, durch eigene Recherchen auch vor Ort ergänzt. Eine ausführliche Beschreibung der Ergebnisse findet sich im Bericht zum Baustein 1. 2.3 Verwaltungsinterne Organisation; Erprobung von Methoden und Verfahren in laufenden Planungsprozessen Die oben beschriebenen fachlich-inhaltlichen Ziele wurden durch verwaltungsinterne Strukturveränderungen, beginnend in 2018, unterstützt. Mit der Etablierung des Sachgebietes 50-33 „Sozialplanung und Quartiersentwicklung“ innerhalb des Amtes 50 wurde die Möglichkeit geschaffen, aktuelle, lokale Planungsaktivitäten von Beginn an in gesamtstädtische Überlegungen einzubetten und dabei systematisch bestimmte Instrumente und Verfahren zu nutzen. 4 4 S. Anlage 2: Kurzkonzept Sozialplanung;Seite 37 von 128 6 Bereits an dieser Stelle sei ausdrücklich bemerkt, dass im Projektzeitraum viele der gewonnenen Erkenntnisse und entwickelten Instrumente auch in über das Sachgebiet hinausreichende Planungen eingeflossen sind: Innerhalb des Amtes 50 wurde eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe gegründet, welche Ziele und Kennzahlen des Wirkungsorientierten Haushaltes (WOH) überarbeitet. Zudem wurden während der 2. Hälfte des Projektzeitraums neue Formen des ämterübergreifenden Austauschs, hier vor allem zwischen den Ämtern 50 und 61 genutzt, um anhand aktueller Fragestellungen des laufenden Verwaltungsgeschäfts beispielhaft verschiedene Methoden und Planungs-Tools zu entwickeln und erproben. Dies waren u.a.: - Erprobung eines systematisierten Bedarfsermittlungsverfahrens im Kontext der „Machbarkeitsstudie Begegnungszentrum Auerberg“ 5; - Entwicklung einer standardisierten Erfassung der Angebote von sozialen Einrichtungen im Quartier am Bespiel des Bezirks Medinghoven; 6 - Entwicklung eines standardisierten Ortsteilprofils (auch für Zwecke der Stadtplanung); 7 - Entwicklung von zielgruppenspezifischen Beteiligungsverfahren für den Quartiersentwicklungsprozess in Medinghoven 8 ; - Erarbeitung eines Grundsatzpapiers zum Einsatz von Beteiligungsformaten 9. 2.4 Hemmnisse bei der Umsetzung Auswirkungen der Corona-Pandemie: Der Projektverlauf war Corona-bedingt ab Frühjahr 2020 deutlich eingeschränkt. Eine ursprünglich für Mai 2020 geplante Inhouse-Veranstaltung, deren Ziel es war, alle beteiligten städtischen Ämter frühzeitig und umfassend über die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse zu unterrichten, in den fachlichen Austausch zu gehen und so die weitere verwaltungsinterne Abstimmung systematisch vorzubereiten (Siehe dazu das beigefügte Programm10), wurde mehrfach verschoben. Ein digitales Ersatz-Format musste angesichts der Größe des Teilnehmerkreises und der Komplexität des Themas schließlich verworfen werden. Die verwaltungsinterne Abstimmung konnte daher nicht innerhalb des Projektzeitraums abgeschlossen werden. Um den Prozess dennoch zeitnah fortsetzen und nachhaltige Effekte erzielen zu können, wurden unabhängig von der oben beschriebenen Veranstaltung jedoch bereits erste Gesprächsrunden mit einzelnen Fachbereichen terminiert. Sobald die pandemische Lage es wieder erlaubt, wird die Inhouse-Veranstaltung als gemeinsames Forum aller beteiligten Ämter nachgeholt. Siehe dazu auch Pkt. 4. „Weiteres Verfahren“ 5 Verweis auf: Anlage zur Beschlussvorlage DS 190233 – Fachwerkstatt zur Machbarkeitsstudie Begegnungszentrum Auerberg 6 Verweis auf: Abschlussbericht ZiQ- BS 1: S. Anlage 4: Übersicht der Einrichtungen und deren Angebote in Medinghoven (Stand 2019) 7 S. Anlage 5: Ortsteilprofil Medinghoven 8 Verweis auf: Abschlussbericht ZiQ- BS 1: Kapitel 4.1 „Bürgerbeteiligungsprojekte für ausgewählte Zielgruppen“ 9 S. Anlage 3: Anmerkungen der Sozialplanung zum Thema Bürgerbeteiligung 10 S. Anlage 4: Programm „Halbzeit“-Veranstaltung zum ZiQ-Baustein 3Seite 38 von 128 7 3. Erkenntnisse zu aktuellen Rahmenbedingungen Im Laufe der Befassung mit den vorgefundenen Daten verlagerte sich die Analyse von der Datensammlung und –sichtung (wie sie im Kontext der Analyse des Lupenbezirkes Medinghoven erfolgte) zunehmend hin zur Formulierung der strukturellen Vorbedingungen einer nachhaltigen Sozialberichterstattung und –planung. Denn: Bestimmte „Gelingensbedingungen“ sind für eine nachhaltige Sozialberichterstattung und -planung unabdingbar; sie lassen sich wie folgt zusammenfassen. Systematischer Wissenstransfer (auch über Ämtergrenzen hinaus) - s. dazu 3.1 Wissenstransfer Regelmäßige Verfügbarkeit (Rhythmisierte Fortschreibung) qualitativ guter (aussagekräftiger, aktueller) fortgeschriebener Kennzahlen; Operationalisierte (messbare) Ziele; miteinander kompatible Planungsstandards der kooperierenden Fachbereiche; regelmäßige Evaluation der Umsetzung von Planung sowie der erzielten Ergebnisse („Wirkung“/ Planungskreislauf); Gemeinsames Methodenverständnis in den beteiligten Fachämtern: Welche Instrumente sind für welche Zwecke geeignet? 11 - s. dazu 3.2 Planungsorganisation Kenntnis kommunaler Steuerungsmöglichkeiten wie auch deren Grenzen Frühzeitige Identifizierung von Zielkonflikten - s. dazu 3.3 Weitere Rahmenbedingungen Bei der Befassung mit den Planungswerken und den Formen der internen und ämterübergreifenden Vernetzung bei den in Stadt- und Quartiersentwicklungsprozessen kooperierenden Ämtern sowie anhand zahlreicher Einzelvorgänge (Quartiersentwicklungsprozesse im Lupenbezirk Medinghoven, in Bad Godesberg, in Auerberg, in der inneren und äußeren Nordstadt und in Tannenbusch) zeigte sich jedoch, wie unterschiedlich diese organisiert sind. Dies wirkt sich auf die o.g. Gelingensfaktoren unmittelbar aus. Es gibt Ansätze in den Ämtern des Sozialdezernates (und kooperierenden Ämtern), ihre Planverfahren nachhaltig zu gestalten; dies zeigt sich u.a. in einer Fülle der Arbeitsgremien, welche sich amtsintern und ämterübergreifend mit unterschiedlichen Planungen (Einzelprojekte, Gesamtstrategien) befassen: Lenkungs- und Projektgruppen, -beiräte, Qualitätszirkel zu unterschiedlichen Fragestellungen, befristet tätige und dauerhaft eingerichtete Arbeitskreise; z.T. unter Beteiligung Externer (Anbieter von Leistungen; Politik), Ortsteilbezogene und gesamtstädtisch agierende Gremien. Allerdings sind diese organisatorisch oft nicht aufeinander abgestimmt und auf unterschiedlichen Stufen der Hierarchie organisiert. Die Vielzahl der zu beteiligenden Personen und Hierarchiestufen führen zu Zeitverzögerungen im Ablauf. 11 S. Anlage 3: Anmerkungen der Sozialplanung zu gelingender Bürgerbeteiligung, 2021Seite 39 von 128 8 Die fortschreitende Digitalisierung hat hierbei zu einer weiteren Zunahme der Komplexität geführt: Immer mehr Informationen müssen in immer kürzeren Zeiträumen verarbeitet werden; dies führt jedoch häufig eher zu einer Verlangsamung als zu einer Beschleunigung von Prozessen. 3.1 Wissenstransfer Das – durchaus umfangreiche! - Wissen der Fachämter ist nicht systematisch auffindbar und häufig an unterschiedlichen Orten (Intranet, Ratsinformationssystem; BABS; sonstige amtsinterne Plattformen) gespeichert. Diese Orte werden zudem laufend neu organisiert und durch weitere Informationsquellen (apps) ergänzt. Die Recherchen gestalten sich daher aufwändig und erfordern zahlreiche Rück- und Nachfragen. Beispiele: Planungswerke der Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplanung oder anderer Fachbereiche (z.B. Pflegeplanung) sind nur nach systematischer Recherche, welche grundsätzliche Kenntnis zu den vorhandenen Berichten bereits voraussetzt, auffindbar (z.B. unter Verwendung einer bekannten Drucksachennummer bei BoRIS/AllRis), nicht jedoch auf dem Weg einer Schlagwortsuche im Intranet. Daten und Dokumente sind z.T. an Orten abgelegt, wo man sie nicht erwartet (z.B. die „Schulstatistik“ in einem Ordner „Formulare und Vordrucke“). Es gibt keinen regelmäßigen (also nicht unmittelbar „Anlass-bezogenen“) Austausch der Fachplaner/-innen der Ämter (Jugendhilfeplanung, Schulentwicklungsplanung, Sozialplanung, Gesundheitsplanung, Ortsteilplanung). - Das erschwert die Entwicklung eines wechselseitigen Verständnisses für die jeweiligen fachlichen Rahmenbedingungen (Rechtliche, organisatorische) sowie einer gemeinsamen Sprache (s. dazu auch 3.2 „Planungsstandards“). - Zudem fehlt damit die Möglichkeit, sich ämterübergreifend zu relevanten Informationen (z.B. zu anderweitig laufenden, inhaltlich relevanten Prozessen/Projektaktivitäten oder zu in der Vergangenheit bereits „geprüften“ Fragestellungen) auszutauschen. Das Fehlen gemeinsamer Leitlinien und Ziele, Standards, Begriffe und Basisinformationen erschwert dann die meist kurzfristig und unter Zeitdruck durchzuführenden „Anlass- bezogenen“ Ämterabstimmungsprozesse (also z.B. im Kontext konkreter Planungsvorhaben der Stadt- und Quartiersentwicklung oder bei Anfragen von Externen betreffend bestimmte Bedarfslagen in der Stadt). Beispiel: Während der Projektlaufzeit wurde das Institut empirica von Amt 61 mit der Entwicklung einer Demografie-orientierten Potenzialanalyse (DOP) und der Erstellung einer „Quartierstypologie“ beauftragt (Im Kontext der Bonner Nachhaltigkeits-Strategie; Ds.-Nr.: 200651). Amt 50 wurde erst nach Auftragsvergabe eingebunden, so dass eine fachliche Abstimmung über gemeinsame Standards betreffend gemeinsame, verbindliche Quartiersdefinitionen nicht mehr möglich war.Seite 40 von 128 9 Fortbildungen – auch zum Thema „Sozialplanung“ - werden angeboten und genutzt. Allerdings bleibt im Verwaltungsalltag wenig Raum für grundsätzliche Reflexion und die Übertragung der theoretischen Erkenntnisse in die tägliche Praxis, so dass diese nur selten für die Organisation fruchtbar gemacht werden können. Das Wissen verbleibt bei den Kolleg/-innen, welche eine solche Fortbildung besucht haben; eine regelmäßige Weitergabe/Umsetzung wird nicht systematisch praktiziert. Nicht zu unterschätzen als Hemmnis für einen guten Wissenstransfer ist die Personalfluktuation, welche in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat. Die Ursachen dafür liegen sowohl in Umstrukturierungen als auch einem Generationenwechsel in allen Ämtern. Dies führt zu Informationsverlusten, zum Erliegen von begonnenen Prozessen sowie zu Kommunikationsproblemen. Beispiele: Innerhalb des Projektzeitraums kam es im Amt 50 zu personellen Wechseln von Amts-, Abteilungs- und Sachgebietsleitungen, darüber hinaus gab es während des Projektzeitraums größere organisatorische Veränderungen im Sachgebiet 50-33. Vergleichbare Zuständigkeitswechsel gab es auf nahezu allen Hierarchieebenen auch bei anderen beteiligten Ämtern (Jugendamt, Schulamt, Gesundheitsamt, Stadtplanung). Seitens der Querschnittsämter steht nur ein geringer technischer und methodischer Support zur Verfügung; insbesondere betreffend digitale Prozesse und die Unterstützung bei digitalisierten Erhebungen und Auswertungen. Beispiel: Mit Unterstützung von Kolleg/-innen des Amtes 10 wurde mit der Digitalisierung von zwei Jahreserhebungen, die Amt 50 in Quartierseinrichtungen durchführt, begonnen. Allerdings kam es wegen mehrerer Personalwechsel immer wieder zu Verzögerungen im nunmehr rund 2 Jahre andauernden Prozess.Seite 41 von 128 10 3.2 Planungsorganisation Die soziodemografischen Daten der Statistikstelle stehen regelmäßig sowohl für interne
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