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211222 · Beschlussvorlage

ISEK Innenstadt Bad Godesberg - Antrag auf Städtebaufördermittel 2022-2025 hier: Projektliste samt Zeitplan und Finanzierungsübersicht für den Förderantrag

Nummer
211222
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
10.08.2021
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Kulturausschusses 14.09.2021 Anhörung
  2. Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr 18.08.2021 Anhörung
  3. Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 26.08.2021 Anhörung
  4. Sitzung des Rates 16.09.2021 Entscheidung federführend
  5. Sitzung des Hauptausschusses 07.09.2021 Empfehlung
  6. Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 29.09.2021 Anhörung
  7. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 01.09.2021 Empfehlung
  8. Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Gesundheit 26.08.2021 Anhörung
  9. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 26.08.2021 Anhörung
  10. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 02.09.2021 Anhörung
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Untergeordnet

  1. 211222-03 AA CDU-Änderungsantrag: ISEK Innenstadt Bad Godesberg - Antrag auf Städtebaufördermittel 2022-2025 hier: Projektliste samt Zeitplan und Finanzierungsübersicht für den Förderantrag Antrag zur Vorlage 211222-02
  2. 211222-02 ISEK Innenstadt Bad Godesberg - Antrag auf Städtebaufördermittel 2022-2025 hier: Projektliste samt Zeitplan und Finanzierungsübersicht für den Förderantrag
  3. 211222-01 ST ISEK Innenstadt Bad Godesberg - Antrag auf Städtebaufördermittel 2022-2025 hier: Projektliste samt Zeitplan und Finanzierungsübersicht für den Förderantrag

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Beschlussvorlage
öffentlich
211222
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
61 Stadtplanungsamt
Dezernat:
Dez. III
ISEK Innenstadt Bad Godesberg - Antrag auf
Städtebaufördermittel 2022-2025
hier: Projektliste samt Zeitplan und
Finanzierungsübersicht für den Förderantrag
Beratungsfolge
Ausschuss für Mobilität und Verkehr 18.08.2021 Anhörung
Ausschuss für Europa, Internationales,
Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit
26.08.2021 Anhörung
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
26.08.2021 Anhörung
Ausschuss für Soziales, Migration und
Gesundheit
26.08.2021 Anhörung
Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und
Vergabe
31.08.2021 Anhörung
Bezirksvertretung Bad Godesberg 31.08.2021 Empfehlung
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 02.09.2021 Anhörung
Hauptausschuss 07.09.2021 Empfehlung
Kulturausschuss 14.09.2021 Anhörung
Rat 16.09.2021 Entscheidung
Begründung der Dringlichkeit:
Die Vorlage ist dringlich, da mit ihr die Grundlage für die Erarbeitung eines
umfangreichen Antrags auf Städtebaufördermittel gelegt wird, der spätestens
am 30.09.2021 eingereicht werden muss. Bei einer Beschlussfassung nach
dieser Frist kann ein Förderantrag erst wieder zum 30.09.2022 gestellt werden,
so dass eine entsprechende Verzögerung in der Einwerbung und Nutzung von
Fördermitteln entstehen würde.
Beschlussvorschlag
1. Der Rat stimmt der in der Vorlage dargestellten und als Anlage beigefügten
Projektliste mit Finanzierungübersicht und Zeitplan zu und beauftragt die
Verwaltung, diese Projekte fristgerecht zum 30.09.2021 als Förderantrag
zur Städtebauförderung für die Jahre 2022-2025 anzumelden. Die
erforderlichen Mittel werden im Haushalt bereitgestellt.
2. Zur Begleitung und Sicherung der planmäßigen Umsetzung des
umfangreichen Förderpakets wird ein Beirat aus Politik und Verwaltung
eingerichtet.Seite 1 von 182
Seite 2
3. Die Verwaltung wird beauftragt, die förderunschädlichen Vorarbeiten für die
einzelnen Projekte bereits jetzt in die Wege zu leiten und Planungen im
Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel zu beauftragen.
4. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass die förderunschädlichen Vorarbeiten zur
Umsetzung mit hoher Priorität zu bearbeiten sind und daher in den
beteiligten Fachbereichen die Priorität der Erarbeitung von
Verwaltungsstellungnahmen zu Anfragen und Anträgen aus den Gremien
ggf. dahinter zurückstehen müssen.
Begründung
Das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept für die Innenstadt Bad Godesberg
(ISEK) wurde nach einem umfangreich erarbeiteten Leitbildprozess Anfang
2020 vom Rat beschlossen (DS-Nr. 190431) und stellt im Grundsatz die
Programmatik der Innenstadtentwicklung für mindestens 15 Jahre dar (s.
Anlage 2 ISEK Bad Godesberg). Aufbauend auf den Ergebnissen des
Leitbildprozesses plant die Stadt Bonn für die Jahre 2022 bis 2025
Städtebaufördermittel zu beantragen.
Nachdem der Rat die von der Verwaltung erarbeitete Projektliste aus Projekten
des Leitbilds und ISEKs von 2020 konkretisiert beschlossen hat (DS-Nr.
210791), hat die Verwaltung die einzelnen Maßnahmen mit einer
Kostenübersicht samt Umsetzungszeitraum versehen.
Grob lassen sich die Projekte in zwei Förderphasen unterscheiden. Zum einen
handelt es sich um Projekte, die, teils basierend auf vorhandenen Planungen,
teils auf noch zu erstellenden Planungen, im Förderzeitraum umgesetzt
werden. Zum anderen geht es um Projekte, die im Zeitraum ab 2025 planerisch
vorbereitet und ggf. bis zur Entscheidungsreife qualifiziert werden sollen, aber
erst in einem 2. Förderzeitraum ab 2026 zur Umsetzung kommen sollen (s.
Anlage 1 Projektliste ISEK Bad Godesberg).
Zu 1.:
Für einen Förderantrag für die Jahre 2022 bis 2025 hat die Verwaltung den
Gremien bereits eine Vorschlagsliste der Projekte für den Förderantrag
vorgelegt (DS-Nr. 210791). Diese wurde vom Rat am 28.06.2021 beschlossen.
Auf dieser Grundlage mit insgesamt 16 Projekten wurden weitere Gespräche
mit der Bezirksregierung geführt und weitere Anregungen zur
Förderantragstellung und Projektumsetzung eingeholt.
Insgesamt sollen folgende 18 Einzelprojekte zur Förderung angemeldet werden
(s. Anlage 1 Projektliste ISEK Bad Godesberg).
Von denen sind
- 3 baulich/investiv
- 8 vorbereitend
(von diesen sind bereits 2 vorbereitend gestartet/abgeschlossen)
- 7 begleitendSeite 2 von 182
Seite 3
Die Einzelnen Projekte sind:
A 1 Masterplan Öffentlicher Raum
(Bereits gestartetes Projekt, das im Zuge des Antrags auf
Städtebaufördermittel im Nachgang
gefördert werden soll)
Ziel des Wettbewerbs zur Neugestaltung des öffentlichen Raumes in der
Innenstadt von Bad Godesberg (DS-Nr. 202028) ist die Schaffung einer
planerischen Grundlage für die Beseitigung der in der Innenstadt
bestehenden gestalterischen, städtebaulichen und funktionalen Mängel des
öffentlichen Raums. Hierzu sollen eine überzeugende übergeordnete
Leitidee/Vision (Masterplan) erarbeitet werden, die Strahlkraft besitzt, um
die Godesberger Bürgerschaft und Geschäftsleute für den anstehenden
Transformationsprozess zu aktvieren und motivieren. Des Weiteren sind
konkrete Gestaltungsvorschläge und Nutzungskonzepte für die
Neugestaltung prioritärer Räume zu entwickeln. Dabei steht die Identität
und Orientierung für „neue“ und „alte“ Bad Godesberger und die
Einzigartigkeit des Ortes ebenso im Fokus wie die zukunftsfähige,
klimaangepasste und wassersensitive Stadt mit hoher Authentizität und
Nutzerfreundlichkeit. Die sukzessive Umsetzung des Masterplans für den
öffentlichen Raum soll ab 2022 in drei Bauabschnitten erfolgen (Siehe
nachfolgende Projekte Nr. A2.1 - A2.3).
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2020/2021 290.000€ 203.000€ 87.000€
A 2.1 / 2.2 / 2.3
Umgestaltung Öffentlicher Raum (1. + 2. + 3. Bauabschnitt)
Im Rahmen eines Masterplans für den öffentlichen Raum (Projekt Nr. A1)
werden unter Beteiligung der Bad Godesberger Akteurs- und Bürgerschaft
und raumspezifischer Nutzergruppen einheitliche und aufeinander
abgestimmte Gestaltungsziele und -leitlinien sowie konkrete
Gestaltungsvorschläge für die gesamte Innenstadt (Fußgängerzone,
zentrale Plätze, Spielplätze, Grün- und Parkanlagen, Eingangsbereiche in
die Innenstadt) entwickelt. In diesem Zusammenhang sollen auch
Vorschläge zur Reduktion von Hitzebelastungen im öffentlichen Raum in
der Bad Godesberger Innenstadt erarbeitet werden. Der Masterplan stellt
ein rahmensetzendes städtebaulich-freiraumplanerisches Gesamtkonzept
dar, das Leitlinien zur Gestaltung der öffentlichen Räume der Innenstadt
enthält. Im Ergebnis soll eine Gestaltungssprache erarbeitet werden, die
den vorhandenen Strukturen und der Geschichte Bad Godesbergs mit den
gesundheitsbezogenen Angeboten und Einrichtungen (Bad, Heilquellen,
Trinkpavillon usw.), der Kurfürstlichen Zeile sowie der politischen
Bedeutung als Standort von Botschaften und Konsulaten etc. die gleiche
Bedeutung zumisst wie den Anforderungen an eine ökologisch undSeite 3 von 182
Seite 4
klimatisch angepasste, moderne und den heutigen Ansprüchen genügende
Innenstadt. Mit Hilfe dieser übergeordneten Masterplanung soll die
planerische Grundlage für die Beseitigung der in der Innenstadt von Bad
Godesberg bestehenden gestalterischen, städtebaulichen und funktionalen
Mängel des öffentlichen Raums geschaffen werden. Die sukzessive
Umsetzung soll in drei Bauabschnitten erfolgen (1. Am Frohnhof, 2.
Theaterplatz, 3. Villichgasse).
Investive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
1. BA 2022 2.233.333€ 1.563.333€ 670.000€
2. BA 2023 1.433.333€ 1.003.333€ 430.000€
3. BA 2024 3.033.334€ 2.123.334€ 910.000€
B 4 Ort der Begegnung
In Fortführung und als Vertiefung des Leitbildprozesses soll in der Bad
Godesberger Innenstadt ein „Ort der Begegnung“ eingerichtet werden. An
diesem Ort wird in unterschiedlichen Formaten (Workshops, Vorträge,
Diskussionsforen und informelle Begegnungen) ein Dialog mit Godesberger
Bürger/-innen, Vereinen und Gewerbetreibenden organisiert.
Vor Ort begleitet ein Koordinator/eine Koordinatorin das Verfahren; sein
Arbeitsplatz befindet sich im zum Objekt gehörigen Büro. Er/Sie steht den
örtlichen Akteur/innen im Rahmen von Sprechzeiten in der Einrichtung zur
Verfügung, organisiert die Raumvergabe und begleitet hier platzierte
Veranstaltungen; dies in engem Austausch mit dem Citymanagement
(Projekt-Nr. E 4).
Das bis 31.12.2022 initiierte Zentrenmanagement sowie das
Citymanagement können die Einrichtung ebenfalls nutzen und so die
eigenen Belange auch über die hier tätigen Akteur/-innen (Vereine,
Wohlfahrt, Bürger/-innen) kommunizieren und die Aktivitäten aufeinander
abstimmen.
Darüber hinaus steht der Veranstaltungsraum für extern (z.B. von Vereinen)
organisierte Arbeitsgruppen, Diskussionsforen, Vortragsveranstaltungen
(dies alles im Kontext „Ort der Begegnung“) u.ä. zur Verfügung.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2022-2025 359.510€ 251.657€ 107.853€
C 1 Mobilitätskonzept
Das Mobilitätskonzept soll allgemeine Handlungsempfehlungen und
konkrete Maßnahmenvorschläge liefern, wie die Erreichbarkeit der Bad
Godesberger Innenstadt – insbesondere durch den Umweltverbund -
verbessert und die Zuwegungen attraktiver gestaltet werden können. Nach
einer umfangreichen Analyse der Bestandssituation sollen u.a.
Skizzen/Entwürfe erarbeitet werden, diese verkehrsplanerischen Ziele mit
den Ergebnissen des städtebaulichen Wettbewerbsverfahren zu
kombinieren.Seite 4 von 182
Seite 5
Beispielhafte Maßnahmen des Mobilitätskonzepts sind die Planungen für
einen Ausbau der Radverbindungen in der Bad Godesberger Innenstadt,
Querungsstellen für Fußgänger sowie eine Mobilstation am Bad
Godesberger Bahnhof. Untersucht werden sollen auch abschnittsweise
verkehrsberuhigende Maßnahmen auf dem Haupterschließungsnetz in der
Innenstadt und das Angebot für den Ruhenden Verkehr.
Eine Förderung nachhaltiger und umweltfreundlicher Maßnahmen steht bei
allen Maßnahmen ebenso im Fokus wie eine generelle Verbesserung des
Angebots. Ladestationen und Infrastruktur für E-Autos sowie Carsharing-
Angebote sind daher an der Mobilstation anzusiedeln.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2022 150.000€ 105.000€ 45.000€
D1 Tourismus-/ Freizeit-/ Kultur-/ Sportkonzept
Das Ziel dieser Maßnahme ist die Erstellung eines Konzepts für die
Bereiche Tourismus, Freizeit, Sport und Kultur, das die
stadtbezirksspezifischen Belange in diesen Themenfeldern konkretisiert
und weiterentwickelt. Für die bestehenden Veranstaltungsorte und
Kultureinrichtungen (z. B. Schauspielhaus, Stadthalle, Kleines Theater,
Deutsches Museum) sind neue Nutzungskonzepte zu prüfen, die neben
dem Erhalt der bisherigen Funktionen eine konzeptionelle
Weiterentwicklung der jeweiligen Einrichtung beinhaltet und die
Erschließung neuer Nutzergruppen ermöglicht. Das Konzept beinhaltet
Empfehlungen, wie das Thema Tourismus zukünftig in Bad Godesberg
stärker berücksichtigt werden kann. Hierbei sind insbesondere das
Alleinstellungsmerkmal des Diplomatenstandorts und des Politik-Tourismus,
aber auch die Bedeutung als Bad- und Gesundheitsstandort sowie die
besondere Lage am Rhein mit der Rheinpromenade und dem
Rheinauenpark in den Fokus zu rücken. Das Ziel ist es, den Standort
insgesamt für Besucherinnen und Besucher (als Tages- und
Übernachtungsgäste) durch spezifischere Angebote attraktiver zu machen.
Darüber hinaus soll das Konzept Vorschläge formulieren, wie der
Tourismus- und Kulturstandort Bad Godesberg in Zukunft stärker beworben
und vermarket werden kann.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2023 70.000€ 49.000€ 21.000€
D 2.1 Wettbewerb Rheinpromenade
Die Bad Godesberger Rheinpromenade soll in der 2. Förderphase ab 2026
umfangreich umgestaltet und aufgewertet werden. Weitere Ziele im
Rahmen der Aufwertungsmaßnahme sind die Sicherung der hohen
Aufenthaltsqualität sowie die gestalterische und funktionale
Weiterentwicklung der Rheinpromenade. Hierfür soll vorab ein
Wettbewerbsverfahren realisiert werden. Unter Beteiligung der BadSeite 5 von 182
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Godesberger Akteurs- und Bürgerschaft werden zudem konkrete
Gestaltungs- und Nutzungsvorschläge für die Promenade erarbeitet.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2025 270.000 € 189.000€ 81.000€
D 3 Image- und Marketingkonzept
Um das Image nachhaltig zu verbessern und zugleich die Identität der
Bewohner- und Besucherschaft mit der Innenstadt von Bad Godesberg zu
stärken, wird nach einer umfangreichen Analyse eine neue, moderne
Corporate Identity gemeinsam mit lokalen Akteuren erarbeitet. Darauf
basierend wird auch ein Corporate Design mit Vorlagen für Plakate, Flyer
usw. zur Verwendung für die lokalen Akteure bereitgestellt.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2024 200.000€ 140.000€ 60.000€
E 1 Hof- und Fassadenprogramm
Mit dem Hof- und Fassadenprogramm soll der Erhalt und die Aufwertung
von Geschäfts- und Wohngebäuden mit der Schaffung von
Investitionsanreizen für die Eigentümerschaft gefördert werden. Hierzu
gehört ebenfalls die gestalterische Aufwertung sowie Verschönerung der
Fußgängerzone, der Einkaufsstraßen sowie des privaten Wohnumfelds mit
der Verbesserung des Mikroklimas.
Zum Start des Hof- und Fassadenprogramms wird die Verwaltung eine
kommunale Richtlinie erstellen, welche die Umsetzungsmodalitäten des
Förderprogramms definiert und welche vom Rat zu beschließen ist. Anhand
dieser Förderrichtlinien werden die Eigentümer über die Inhalte und Vorteile
des Hof- und Fassadenprogramms informiert.
Durch die finanzielle Unterstützung kann die notwendige Attraktivierung der
Wohn- und Geschäftsgebäude in Gang gesetzt werden. Zusammen mit den
geplanten gestalterischen Maßnahmen im öffentlichen Raum und den
Maßnahmen der lokalen Ökonomie kann die Innenstadt von Bad
Godesberg insgesamt aufgewertet und erlebbar gestaltet werden. Die
Betreuung des Programms übernimmt das Projekt E 2 der
Stadtteilarchitekt/die Stadtteilarchitektin.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2024-2025 300.000€ 105.000€ 45.000€
Hierbei berücksichtigt werden müssen die privaten Investitionen (nicht
förderfähige Einnahmen) in Höhe von mindestens 150.000 Euro.
E 2 StadtteilarchitektSeite 6 von 182
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Zur Motivation und Aktivierung der Wohnimmobilieneigentümerschaft und
Geschäftsinhaber, in den Immobilienbestand zu investieren, ist eine
aufsuchende und beratende Arbeit erforderlich. Diese Aufgabe soll durch
einen externen Dienstleister übernommen werden. Dieser erarbeitet in für
die Eigentümerschaft kostenlosen Erstberatungsgesprächen Möglichkeiten,
wie aufgrund der individuellen Sachlage ein Aufwertungsprozess für die
Immobilie/n gestaltet werden kann. Diese Beratung ist eine aktivierende
Anschubberatung, die allerdings nicht die traditionellen
Architektenleistungen ersetzt oder in Konkurrenz zu kostenpflichtigen
Beratungsleistungen steht, wie sie durch Architekten, Verbraucherzentralen
oder private Energieberatungs-Unternehmen angeboten werden. Vielmehr
geht es um eine aktivierende Grundberatung zu Art und Umfang
gewünschter Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen, zu
Fördermöglichkeiten und Finanzierung.
Die Grundlage sowie der Prozess der Beratung werden im Städtebaulichen
Nutzungskonzept (E3) beschrieben und die konkreten Ziele der Beratung
für die einzelnen Teilbereiche der Innenstadt definiert.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2023-2025 260.000€ 182.000€ 78.000€
E 3 Städtebauliches Nutzungskonzept
Aufbauend auf dem Wettbewerbsergebnis des Masterplanes für den
öffentlichen Raum wird in 2022 eine weitergehende städtebauliche
Betrachtung zur Weiterentwicklung und Herausbildung einer robusten
Struktur für die Bad Godesberger Innenstadt der Zukunft erarbeitet.
Umsetzungsziele sind u.a.
- - - - - die Erhöhung des Wohnanteils für eine zukunftsfähige
Nutzungsmischung
- - - - - das Beheben städtebaulicher Missstände im Sinne
einer Stadtreparatur.
So soll der Wandel der Innenstadt sowohl durch die Neugestaltung des
öffentlichen Raumes als auch durch das Aufzeigen von städtebaulichen
Entwicklungsperspektiven aktiv gesteuert und unterstützt werden. Die
Prozesssteuerung übernimmt der Stadtteilarchitekt bereits ab 2023.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2023 80.000€ 56.000€ 24.000€
E 4 Citymanagement
E 5 Verfügungsfonds
E 6 Öffentlichkeitsarbeit
Zur Bewältigung der komplexen Abstimmungsprozesse umfasst dieser
Baustein die Qualitätssicherung eine nach außen gerichtete Position als
Stadtteillotse und Lobbyist vor Ort im Rahmen eines Citymanagements.Seite 7 von 182
Seite 8
Über qualitätsvolle, gut aufbereitete Öffentlichkeitsarbeit und die Initiierung
von Runden Tischen (z.B. Themen Einzelhandel, Klimaschutz, Wohnen und
Sanierung etc.) sollen die Innenstadtakteure sowie die Wohnbevölkerung
über die Projekte und Gesamtmaßnahmen informiert und einbezogen
werden. Die Beauftragten sollen darüber hinaus mit festen Präsenzzeiten
als Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung stehen. Die Vernetzung der
Innenstadtakteure und der Wohnbevölkerung untereinander und die
Aktivierung privater Investitionen sowie die Vernetzung zu anderen
Projekten gehören ebenfalls zum Aufgabenspektrum des
Citymanagements. Sofern möglich soll der Aufbau und die Unterstützung
privater Netzwerke und Initiativen (auch in Verbindung mit lokalen
Verfügungsfonds) gefördert und koordiniert werden.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2022-2025 E 4 535.000€ 374.500€ 160.500€
2022-2025 E 5 180.000€ 63.000€ 27.000€
2022-2025 E 6 60.000€ 42.000€ 18.000€
Hierbei berücksichtigt werden müssen der private Eigenanteil Dritter (nicht
förderfähige Einnahmen) in Höhe von mindestens 90.000 Euro.
E 7 Evaluierung und Fortschreibung ISEK
Bei einem Programm der Stadterneuerung mit dem Ziel der umfassenden
Beteiligung und Mobilisierung von privaten Investitionen ist es
nachvollziehbar, dass sich bei der Projektdauer von mehreren Jahren ein
Anpassungsbedarf ergibt und Änderungen erforderlich werden. In der
Bundesstadt Bonn und insbesondere in Bad Godesberg stehen zudem in
der nahen Zukunft wichtige Entscheidungen über Investitionen in öffentliche
Infrastruktureinrichtungen an. Mit dem ISEK wurden die aktuellen privaten
und öffentlichen Überlegungen und Planungen nach bestem Wissen
berücksichtigt. Allerdings ist die Umsetzung einzelner Maßnahmen zum Teil
noch ungewiss und zeitlich nicht genau zu definieren. Somit ist die
Evaluierung der Wirkung bisheriger Umsetzungsschritte sowie die
Anpassung der Entwicklungsstrategien an zukünftige Bedarfe und an den
Prozessfortschritt sinnvoll.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2025 60.000€ 42.000€ 18.000€
E 9 Prozesssteuerung
Zur Bewältigung der komplexen internen Abstimmungsprozesse, die zur
zeitgerechten und stringenten Umsetzung der vielen zur Förderung
angemeldeten Projekte stattfinden werden, ist die Beauftragung eines
externen Büros vorgesehen. Dieses soll wesentliche Bausteine im
Prozessmanagement übernehmen. Hier wird eine umfängliche, nach innenSeite 8 von 182
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gerichtete Projektsteuerung verlangt, die die Abstimmung mit Blick auf die
Gesamtmaßnahme koordiniert und steuert. Eine fachliche Begleitung dieser
Projekte bietet sich zudem an, um die geplanten Umsetzungszeiträume
besser zu koordinieren, mit den Fördervoraussetzungen abzustimmen und
so zur erfolgreichen Umsetzung beizutragen.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2022-2025 600.000€ 420.000€ 180.000€
E 8 Leitbild und Erstellung Integriertes Stadtteil-
entwicklungskonzept (ISEK)
(Bereits abgeschlossenes Projekt, das im Zuge des Antrags auf
Städtebaufördermittel im Nachgang gefördert werden soll)
Der Rat der Stadt Bonn hat in seiner Sitzung am 6. Februar 2020 ein neues
Leitbild für den Stadtbezirk Bad Godesberg sowie ein sogenanntes
Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) für die Innenstadt von Bad
Godesberg beschlossen (DS.-Nr. 190431).
Über einen Zeitraum von circa einem Jahr wurden Leitbild und ISEK durch
die Verwaltung in Zusammenarbeit mit einem externen Planungsbüro sowie
unter Beteiligung einer breiten Öffentlichkeit erarbeitet. Wichtige
Meilensteine dabei waren die drei Leitbildkonferenzen im Stadtteil, in denen
die Vorschläge für Ziele, Maßnahmen und Prioritäten mit den teilnehmenden
Bürgerinnen und Bürgern erörtert wurden. Aufbauend auf dem Leitbild für
den Stadtbezirk wurden konkrete Maßnahmen, Zukunftsperspektiven und
Projekte für die Innenstadt in Form eines ISEK erarbeitet, die in einen
Zeitraum von ca. 20 Jahren umgesetzt werden sollen.
Konsumtive Gesamt- Städtebau- Eigenanteil
Umsetzung kosten förderung Stadt Bonn
2019/2020 76.000€ 53.200€ 22.800€
Gesamtvolumen 2022-2025 10.190.510 €
davon nicht förderfähige Kosten 240.000 €
davon förderfähig Städtebauförderung 9.950.510 €
davon Städtebauförderung (70%) 6.965.357 €
davon Eigenanteil Stadt Bonn (30%) 2.985.153
€
Die Stadt ist angehalten alle Kosten durch das Einbringen weiterer
Finanzierungsmöglichkeiten und Fördermöglichkeiten anderer Programme
subsidiär zu reduzieren, so dass die restlichen förderfähigen Ausgaben zu 70%
seitens der Städtebauförderung und zu 30% seitens der Stadt getragenSeite 9 von 182
Seite 10
werden. Die Stadtverwaltung wird somit kontinuierlich parallel alternative
ergänzende Fördermöglichkeiten prüfen, die subsidiär zur Städtebauförderung
greifen könnten.
Ebenfalls werden vor Förderantragstellung zum 30.09.2021 noch die KAG
Mittel (Kommunalabgabengesetz) sowie die Kosten für das Herstellen von ggf.
erforderlichen PKW-Parkplätzen (welche nicht Förderfähig sind) von der
Verwaltung berechnet und von den zu beantragenden Kosten reduzierend
abgezogen. Die zu beantragenden förderfähigen Kosten können sich somit
noch reduzieren.
Der von der Haushaltsanmeldung abweichende Mehrbedarf bei den Projekten
A1 und C1 wird überplanmäßig bereitgestellt. Die Deckung erfolgt aus dem
Budget des Stadtplanungsamtes.
Zu 2:
Rückblickend auf die Umsetzungsphase vergleichbarer
Städtebauförderprojekte wie z.B. im ersten Förderabschnitt zum Masterplan
Innere Stadt Bonn, hat sich gezeigt, dass der Frage einer regelmäßigen
Einbeziehung politischer Mandatsträgerinnen und –träger aus
Fachausschüssen und Bezirksvertretung in die Koordination und Verankerung
des Umsetzungsprozesses ein hoher Stellenwert beizumessen ist.
Erfahrungsgemäß gelingt dies optimal durch einen gremienübergreifend
zusammengesetzten Beirat. Die Verwaltung schlägt daher vor, einen solchen
Beirat ebenfalls für Bad Godesberg einzurichten, welcher mindestens zweimal
jährlich einberufen wird. Hierzu wird die Verwaltung bei Bewilligung der
Fördermittel einen Besetzungsvorschlag in die politischen Gremien einbringen.
Verwaltungsintern wird die bereits eingerichtete Lenkungsgruppe aus dem
Planungs- und Umweltdezernat und dem Dezernat für Kultur und Sport
fortbestehen.
Zu 3 und 4:
Da Planungen generell förderunschädlich sind, wird die Verwaltung die Zeit bis
zum Bewilligungsbescheid nutzen, um die einzelnen Projekte planerisch weiter
zu konkretisieren bzw. zur Umsetzung im Rahmen der vorhandenen Mittel
vorzubereiten. Vorrang haben dabei die Projekte, die einerseits einen langen
Planungsvorlauf aufgrund der Komplexität und Beteiligung der Öffentlichkeit
haben, und jene, deren Umsetzung in den ersten Jahren des Förderzeitraumes
vorgesehen sind. Somit nimmt der Rat zur Kenntnis, dass diese Vorarbeiten zur
Umsetzung mit hoher Priorität zu bearbeiten sind und daher im Zeitraum in den
beteiligten Fachbereichen die Priorität der Erarbeitung von
Verwaltungsstellungnahmen zu anderweitigen Anfragen und Anträgen aus den
Gremien ggf. dahinter zurückstehen müssen. Dies gilt solange die zusätzlichen
Personalstellen aus der Stellenplanfortschreibung 2021/22 in den
jeweiligen Fachbereichen noch nicht besetzt sind.
Die Verwaltung weist außerdem darauf hin, dass seitens des Tiefbauamtes fürSeite 10 von 182
Seite 11
die Umsetzung des Projektes A 2.1, 2.2 und 2.3 "Umgestaltung Öffentlicher
Raum 1, 2 und 3 Bauabschnitt" der Bedarf einer zusätzlichen
Verkehrsplanungsstelle E12 im Tiefbauamt gesehen und diese seitens des
Tiefbauamtes im Rahmen der Stellenplanfortschreibung 2023/2024 angemeldet
werden wird.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe
1.09.02
Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
Maßnahmen d. bes.
Städtbaurechts
1.61.00.09.02.06 Integriertes
Stadtentwicklungskonzept (ISEK)
Bad Godesberg
Investive Kosten der Maßnahme
Betrag € Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen 6.700.000,-- 78.5100 2022 - 2025
Einzahlungen 4.690.000,-- 68.1100 2022 – 2025
Investiver
Finanzsaldo
2.010.000,--
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Betrag € Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
3.250.510,-- 72.1000/74.100
0
2022 - 2025
Einzahlungen /
Erträge
2.275.357,-- 61.1000 2022 - 2025
Haushaltsbelastung
jährlich
243.788,--
Anlage/n
1 Projektliste ISEK Bad-Godesberg (öffentlich)
2 ISEK Bad-Godesberg 2020 (öffentlich)Seite 11 von 182
ISEK INNENSTADT.BAD GODESBERG
2022 2023 2024 2025 ab
2026
Förderzeitraum 1. Phase Förderzeitraum 2. + 3. Phase
Sofortprogramm
Zentrenmanagement 2021-2022
Maßnahmen:
Bauliche
Vorbereitende
Begleitende
C 1 Mobilitätskonzept
E 9 Prozesssteuerung
E 4 Citymanagement
E 6 Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung
E 5 Verfügungsfonds
A 2.1 / 1. Bauabschnitt
Öffentlicher Raum
Am Frohnhof
D 1 Tourismus-/
Freizeit-/Kultur- und
Sportkonzept
A 2.2 / 2. Bauabschnitt
Öffentlicher Raum
Theaterplatz
B 3 Gestaltung /
Aufwertung Godesberg
D 3 Image- und
Marketingkonzept
E 2 Stadtteilarchitekt
E 1 Hof- und Fassadenprogramm
D 2.2 Umsetzung
Aufwertung
Rheinpromenade
B 1 Umsetzung
Kurfürstliche Zeile
B 4 Ort der Begegnung
D 2.1 Wettbewerb
Rheinpromenade
A 2.3 / 3. Bauabschnitt
Öffentlicher Raum
Villichgasse
E 3 Städtebauliches
Nutzungskonzept
Stadtplanungsamt
A 1 Masterplan Öffentlicher Raum (2021)
E 8 Leitbild- und ISEK-Erstellung (2018/19)
E 7 Evaluation und
Fortschreibung ISEK
Bereits gestartete Maßnahmen:Seite 12 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg
Ergebnisse des Leitbildprozesses für den Stadtbezirk und
Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für die
Innenstadt von Bad GodesbergSeite 13 von 182
Dipl.-Geogr. Ursula Mölders
Dr. phil. Sven Wörmer, Geographie
Dr. rer. pol. Bettina Lelong, Dipl. Architektin
Dipl.-Geogr. Barbara Zillgen
Köln, Oktober 2019
Geschäftsführende
Gesellschafter:
Dipl.-Geogr. Ursula Mölders
Stadt- und Regionalplanerin SRL
Dipl.-Ing. Dominik Geyer
Stadtplaner AK NW, Bauassessor
Stadt- und Regionalplaner SRL
Gesellschafter/Seniorpartner:
Dr. Paul G. Jansen
Stadt- und Regionalplanung
Dr. Jansen GmbH
Neumarkt 49
50667 Köln
Fon 0221 94072-0
Fax 0221 94072-18
info@stadtplanung-dr-jansen.de
www.stadtplanung-dr-jansen.deSeite 14 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept
Inhaltsverzeichnis
1 Bad Godesberg gestaltet seine Zukunft 7
1.1 Anlass und Aufgabenstellung 7
1.2 Ein Leitbild für den gesamten Stadtbezirk 7
1.3 Leitbildprozess und Beteiligung 8
1.3.1 Leitbildkonferenzen 9
1.3.2 Expertenworkshops 10
1.3.3 Online-Beteiligung 11
1.3.4 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen 11
1.3.5 Interaktion Fußgängerzone 13
1.3.6 Öffentlichkeitsarbeit 13
1.4 Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für den
Innenstadtbereich (ISEK) 14
2 Gesellschaftliche Veränderungsprozesse und
gesamtstädtische Rahmenbedingungen 15
2.1 Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen 15
2.2 Gesamtstädtische Rahmenbedingungen 17
2.2.1 Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft 17
2.2.2 Sanierung der Kulturlandschaft: Oper, Schauspielhaus und Stadthalle 17
2.2.3 Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept (2008) 18
2.3 Spezifische Herausforderungen in Bad Godesberg 21
2.3.1 Medizintourismus 21
2.3.2 Zusammenleben in Bad Godesberg 22
2.3.3 Wohnen, Nahversorgung und Verkehr 22
2.3.4 Wissens- und Hochschulstandort 23
2.3.5 Kulturstadt und Diplomatenstadt 23
2.3.6 Sicherheit 24
3 Geografische Lage und historische Entwicklung 25
3.1 Geografische Lage 25
3.2 Verkehrsanbindung 25
3.3 Struktur der Ortsteile 26
3.4 Historische und städtebauliche Entwicklung 28
3.5 Die Kurfürstliche Zeile 30
4 Statistische Analyse 33
4.1 Demographische Analyse 33
4.2 Arbeitsmarkt 37
4.3 Wohnungswirtschaftliche Situation 39
4.4 Zusammenfassung und Fazit 42
5 Ortsteilsteckbriefe 43Seite 15 von 182
Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
6 Das neue Leitbild für den Stadtbezirk Bad Godesberg 94
6.1 Einleitung 94
6.2 Die neun Leitbildthemen 94
6.2.1 Leitbildthema 1: Innenstadt – Eine lebendige Mitte mit Lebensqualität 95
6.2.2 Leitbildthema 2: Kurfürstliche Zeile –
Multifunktionales Aushängeschild für Bad Godesberg 97
6.2.3 Leitbildthema 3: Sicherheit – Verbesserung des subjektiven
Sicherheitsgefühls 98
6.2.4 Leitbildthema 4: Respekt und Toleranz –
Zusammenleben in Bad Godesberg für alle 99
6.2.5 Leitbildthema 5: Arbeit und Forschung – innovativ und international 101
6.2.6 Leitbildthema 6: Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport –
Kulturstandort mit Zukunft 102
6.2.7 Leitbildthema 7: Wohnen und Infrastruktur – sozial ausgewogen und
generationengerecht 104
6.2.8 Leitbildthema 8: Neue Mobilität – Bad Godesberg steigt um 106
6.2.9 Leitbildthema 9: Image – Selbstwahrnehmung verbessern, Stärken
hervorheben 107
7 Integriertes Stadtteilentwicklungs-konzept (ISEK) für die
Innenstadt von Bad Godesberg 108
7.1 Entwicklungsziele und Handlungsfelder 108
7.2 Handlungs- und Maßnahmenkonzept 110
7.3 Projektbereich 111
7.4 Handlungsfeld A – Aufwertung des öffentlichen Raums und Verbesserung
des Sicherheitsempfindens 112
7.4.1 Masterplan für den öffentlichen Raum in der Bad Godesberger
Innenstadt 112
7.4.2 Detailplanung und Umsetzung der Maßnahmen aus dem Masterplan
für den öffentlichen Raum 117
7.4.3 Umfassende und langfristige Strategie für mehr Sicherheit 119
7.4.4 Weiterqualifizierung und Fortführung der Ordnungspartnerschaft 121
7.5 Handlungsfeld B – Kommunale Infrastruktur und flankierende
Maßnahmen 124
7.5.1 Architektonische Sanierungs- und Nutzungskonzepte und
deren Umsetzung für die Kurfürstliche Zeile 124
7.5.2 Verstetigung Bürgeramt 128
7.5.3 Städtebauliche Gestaltung der Godesburg inkl. eines neuen
Nutzungs- und Vermarktungskonzepts 130
7.5.4 Begegnungszentrum 133
7.6 Handlungsfeld C – Erreichbarkeit und Mobilität 136
7.6.1 Erstellung eines Mobilitätskonzepts 136
7.6.2 Mobilstation Bahnhof 139
7.7 Handlungsfeld D – Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport 142
7.7.1 Erstellung eines Konzepts „Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport“ 142
7.7.2 Aufwertung der Rheinpromenade 144
7.7.3 Image- und Marketingkonzept für Bad Godesberg 146
7.7.4 Weiterentwicklung Bad- und Gesundheitsstandort 148Seite 16 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept
7.8 Handlungsfeld E – Aktivierung von Eigentümern und
Gewerbetreibenden, Stärkung des Versorgungsstandorts und
Öffentlichkeitsarbeit 150
7.8.1 Hof- und Fassadenprogramm 150
7.8.2 Stadtteilarchitekt/in für baufachliche Beratung der Eigentümerschaft 152
7.8.3 Einrichtung eines Citymanagements 154
7.8.4 Verfügungsfonds zur Förderung privaten Engagements 156
7.8.6 Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung 158
7.8.7 Evaluation und Fortschreibung des ISEK 160
7.9 Konzeptumsetzung und Evaluation 161
7.9.1 Projektkoordination und -umsetzung 161
7.9.2 Evaluationskonzept 162
8 Ausblick 164
9 Anhang 166Seite 17 von 182
Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
In dem nachfolgenden Text verwenden wir eine geschlechtsneutrale Sprache. Bei der konkreten Ansprache von
Personen werden sowohl die weiblichen als auch die männlichen Personen genannt, z. B. „Bewohnerinnen und
Bewohner“. Sollte aus Versehen oder aus Gründen der besseren Lesbarkeit an einigen Stellen nur die männli-
che Form, z. B. „Akteure“ gewählt sein, meinen wir aber immer auch die weiblichen Personen, nämlich die
Akteurinnen. Selbstverständlich sind für uns immer Männer und Frauen gleichzeitig, gleichgestellt und chan-
cengleich angesprochen.
Dieses Gutachten unterliegt dem Urheberrecht. Vervielfältigungen, Weitergabe oder Veröffentlichung des
Gutachtens in Teilen oder als Ganzes sind nur nach vorheriger Genehmigung und unter Angabe der Quelle
erlaubt, soweit mit dem Auftraggeber nichts anderes vereinbart ist. Alle Fotografien, Pläne und Skizzen, die
nicht gesondert gekennzeichnet sind: © Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbHSeite 18 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 7
1 Bad Godesberg gestaltet seine
Zukunft
1.1 Anlass und Aufgabenstellung
Der Stadtbezirk Bad Godesberg blickt auf eine be-
sondere historische Entwicklung zurück. Die schöne
Lage am Rhein machte Bad Godesberg schon in
früheren Zeiten als Wohnort für wohlhabende Be-
völkerungsschichten attraktiv. Noch heute zeugen
die vielen Villen und Sommerresidenzen von diesen
Zeiten. In der Zeit, in der die Stadt Bonn Regie-
rungssitz war, entwickelte sich Bad Godesberg zum
Diplomaten- und Residenzstandort für eine „geho-
bene“ Internationalität. Die damit einhergehende
hohe Kaufkraft im Stadtbezirk spiegelte sich in einer
hoch attraktiven und exklusiven Innenstadtstruktur
wider. Auch die medizinische Versorgung ist bis
heute auf einem hohen Niveau, sodass vor allem
internationale Patienten das Angebot nutzen.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Diploma-
ten, Politiker und gehobenen Beamten sind nach
Berlin gezogen. Die ehemals den Stadtbezirk prä-
gende Internationalität mit Menschen aus bis zu
180 unterschiedlichen Nationen gehört der Vergan-
genheit an. Auch wenn Bad Godesberg noch wichti-
ge Bundesämter und wenige Konsulate bzw. Bot-
schaften beherbergt, ist das internationale Flair zum
Teil durch die Patienten aus dem arabischen Raum
bestimmt, die mit der ganzen Familie für die Zeit
der Behandlung nach Bad Godesberg kommen.
Darüber hinaus wird die Internationalität durch
Touristen oder Gäste, die im Rahmen von Post oder
Telekom beruflich in der Stadt sind, geprägt. Mit
Blick auf die Zeit vor dem Regierungsumzug sind die
oft negativen Schlagzeilen in der Presse umso scho-
ckierender für die Bewohner des Bezirks. Unsicher-
heit im öffentlichen Raum und Trading-down-Pro-
zesse bei den Immobilien und Innenstadtgeschäften
haben zu einer umfassenden Diskussion im Stadtbe-
zirk und in der Politik geführt. Es steht die Frage im
Raum, welche Identität der Stadtbezirk zukünftig
haben wird und welche Stärken und Potenziale dazu
beitragen können, negative Tendenzen auszuglei-
chen und insgesamt zu einem neuen und akzeptier-
ten Gleichgewicht zu führen.
Daher hat die Bundesstadt Bonn beschlossen, ge-
meinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und
Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH als
externer Dienstleisterin ein Leitbild für den Stadtbe-
zirk Bad Godesberg zu erarbeiten. In einem partizi-
pativen Prozess werden alle interessierten Bevölke-
rungs- und Interessengruppen umfassend beteiligt,
um eine möglichst breit und gemeinsam getragene
Vision für den Stadtbezirk Bad Godesberg sowie ein
konkretes Maßnahmenpaket für die Innenstadt von
Bad Godesberg zu entwickeln.
Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung des
Stadtbezirkszentrums als identifikationsstiftendem
Raum. Hier konzentriert sich mit den vorhandenen
Kultur-, Freizeit- und Einzelhandelseinrichtungen
das öffentliche Leben in besonderer Weise. Aber
auch die unterschiedlichen insgesamt dreizehn
Ortsteile sollen im Leitbildprozess und mit ihren
Bezügen zur Innenstadt Berücksichtigung finden.
Der Leitbildprozess umfasst dabei sowohl städte-
bauliche als auch imagefördernde Aspekte. Im Pro-
zessverlauf werden sich aufgrund der kontinuierli-
chen Einbeziehung unterschiedlicher Akteure (Be-
wohnerinnen und Bewohner sowie Interessierte,
Vereine und Initiativen, Gewerbetreibende, Politik
und Verwaltung) und der Beteiligungsveranstaltun-
gen die Inhalte des Leitbildprozesses stetig konkre-
tisieren. Aufbauend auf dem integrierten Entwick-
lungskonzept für Bad Godesberg von 2001 werden
vorhandene Stärken und Schwächen im Stadtbe-
zirkszentrum identifiziert und Entwicklungsmöglich-
keiten aufgezeigt. Das so erarbeitete Konzept bzw.
Leitbild kann dann als Grundlage für alle weiteren
Handlungsschritte und Maßnahmen in den Berei-
chen Stadtentwicklung und -planung und damit als
Orientierungsrahmen für einen Zeitraum von bis zu
20 Jahren dienen.
1.2 Ein Leitbild für den gesamten Stadtbezirk
Mit dem neuen Leitbild soll Bad Godesberg langfris-
tig ein tragfähiges Profil erhalten und zukunftsfähig
gestaltet werden. Ziel ist es, für den Stadtbezirk als
Ganzes eine neue Standortbestimmung zu erarbei-
ten. Im Sinne einer integrierten Betrachtung wer-
den dabei nicht nur das Stadtzentrum, sondern alle
Ortsteile in ihren unterschiedlichen Prägungen
einbezogen. Aufbauend auf dem Leitbild für den
Stadtbezirk, das neben grundlegenden Zielen undSeite 19 von 182
8 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Leitlinien auch konkrete Umsetzungsschritte bein-
haltet, werden konkrete Maßnahmen und Projekte
für die Innenstadt erarbeitet.
Das Ziel des Leitbildprozesses ist es daher, gemein-
sam mit der Akteurs- und Bürgerschaft Zukunfts-
perspektiven für einen Zeitraum von ca. 20 Jahren
zu erarbeiten und ein Maßnahmenpaket für die
Innenstadt zu schnüren.
Dabei gelten folgende Grundsätze:
Ein Leitbild leitet den Weg.
Ein Leitbild visualisiert die gewünschte Zu-
kunft.
Das Leitbild ist für alle in Bad Godesberg le-
benden und tätigen Menschen bestimmt.
Es setzt Leitlinien für die Umsetzung von Maß-
nahmen in den nächsten ca. 20 Jahren.
Es umfasst Ziele und Planungsvorgaben.
Der Leitbildprozess soll u. a. folgende Fragen be-
handeln:
Welche Identität soll der Stadtbezirk künftig
haben?
Welche Stärken und Potenziale können dazu
beitragen?
Welche negativen Tendenzen müssen ausge-
glichen werden?
Im Ergebnis steht eine umfassende Dokumentation
von Stärken, Schwächen, Zielen, Handlungsbedar-
fen sowie Ideen und Maßnahmen für die Umset-
zung.
Hohe politische Relevanz des Leitbilds
Die Bundesstadt Bonn misst dem Leitbild eine hohe
Relevanz zu. Sowohl die Bezirksvertretung Bad
Godesberg als auch der Rat der Bundesstadt Bonn
werden das Leitbild beschließen. Es wird zukünftig
bei allen politischen Beratungen und Beschlüssen
berücksichtigt und ist Bestandteil der gesamtstädti-
schen Planung. Das Leitbild wird so zu einer Selbst-
verpflichtung für Verwaltung, Politik und die Öffent-
lichkeit.
Das Leitbild untergliedert sich in mehrere Leitbild-
themen mit verschiedenen inhaltlichen und räumli-
chen Schwerpunkten, die wesentlich sind für die
weitere Entwicklung Bad Godesbergs. Die im Leit-
bild für diese Themen aufgeführten Ziele und mög-
lichen Maßnahmen zur Zielerreichung beziehen sich
auf das Handeln aller – das heißt aller Bewohnerin-
nen und Bewohner Bad Godesbergs, Vereine, Bür-
gerinitiativen, Politik, Stadtverwaltung, interkom-
munale Akteure, Unternehmen, Gastronomen,
Einzelhändler, Immobilieneigentümer etc. Das Leit-
bild beschreibt dabei die Zukunft des Stadtbezirks
im lokalen und gesamtstädtischen sowie regionalen
Kontext.
1.3 Leitbildprozess und Beteiligung
Der Leitbildprozess startete im März 2018 mit ei-
nem ausführlichen Auftaktgespräch von verschie-
denen Fachbereichen der Stadtverwaltung und dem
bearbeitenden Büro Stadt- und Regionalplanung Dr.
Jansen GmbH. Anschließend erfolgten bis Mai 2018
die Bestandserhebung und Bestandsanalyse im
gesamten Stadtbezirk und die Auswertung von
bisherigen Gutachten und Statistiken zu Bad
Godesberg.
Abbildung 1: Zeitplan des Leitbildprozesses
In einer Besprechung mit dem Beirat Bürgerbeteili-
gung wurde das Beteiligungskonzept durch Stadt
und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH vorgestellt
und diskutiert.
Bis zu den Sommerferien 2018 erfolgte auf Basis der
Bestandsanalyse und den Ergebnissen aus den un-
terschiedlichen Beteiligungsbausteinen die Erarbei-
tung eines Entwurfs für das Leitbild, das bis Ende
September 2018 konkretisiert wurde.Seite 20 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 9
Aus dem Leitbild ergibt sich die Erarbeitung eines
Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts
(ISEK) für einen räumlichen Teilbereich Bad Godes-
bergs. Bei dem ISEK handelt es sich um ein konkre-
tes Maßnahmen- und Projektpaket für die kom-
menden ca. fünf Jahre. Aufgrund des hohen Hand-
lungsbedarfs, den die Akteurs- und Bürgerschaft für
die Bad Godesberger Innenstadt mehrfach deutlich
benannt hat, wird das ISEK für den Innenstadtbe-
reich erstellt. Das ISEK wird mit kurzfristig umzuset-
zenden Maßnahmen ergänzt und ab September
erarbeitet.
Das Leitbild mit dem Entwicklungskonzept für die
Innenstadt (ISEK) wird mit dem Lenkungskreis (Ver-
treter der städtischen Fachverwaltungen) und dem
Begleitgremium (Vertreter aus der Bad Godesber-
ger Akteursschaft, Politik und Stadtverwaltung) ab
Oktober 2018 abgestimmt. Im Anschluss wird Stadt-
und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH die in diesen
Gremien geäußerten Anmerkungen einarbeiten. Im
Anschluss wird das Leitbilddokument ab November
in den politischen Gremien diskutiert. Eine Be-
schlussfassung durch die Bezirksvertretung Bad
Godesberg und den Rat der Stadt Bonn erfolgt
2019.
Prozessbegleitend tagt regelmäßig die Lenkungs-
gruppe, um den Entwicklungsstand und den Prozess
zu besprechen. Das Begleitgremium tagt insgesamt
vier Mal während des Prozesses. Es setzt sich aus
Bezirksbürgermeisterin Stein-Lücke, Mitgliedern
aller Fraktionen der Bezirksvertretung Bad Godes-
berg, drei Mitgliedern des Beirats Bürgerbeteiligung
(je ein Beiratsmitglied aus Politik, Verwaltung und
Bürgerschaft) und Akteuren aus der Stadtgesell-
schaft in Bad Godesberg sowie zwei Vertreter/innen
der Verwaltung zusammen.
Die Entwicklung des Leitbilds geht einher mit einer
Vielfalt von Partizipationsbausteinen, um einen
möglichst transparenten Entwicklungsprozess zu
gewährleisten, eine große Vielfalt von Personen und
Gruppen in Bad Godesberg zu erreichen und deren
Meinung in das Leitbild und das ISEK einfließen zu
lassen. Die interessierte Bürgerschaft wird auf diese
Weise frühzeitig einbezogen, und deren Anregun-
gen werden im Leitbild verankert.
Die gesammelten Anregungen aus den unterschied-
lichen Beteiligungsformaten fließen jeweils in die
nächste Beteiligungsrunde ein. Das gebündelte Fazit
wird dann zur Diskussion gestellt. Beispielsweise
sind die Anregungen aus der ersten Leitbildkonfe-
renz, der Online‐Beteiligung und der Kinder- und
Jugendbeteiligungen gebündelt in das Arbeitspro-
gramm der zweiten Leitbildkonferenz eingegangen
und legten die Basis für die weitere Verfeinerung
des ersten Konzeptentwurfs.
1.3.1 Leitbildkonferenzen
Auf insgesamt drei Leitbildkonferenzen werden
Bausteine des Leitbilds erarbeitet und der jeweilige
Stand des Konzepts diskutiert.
Am 19. April 2018 fand die 1. Leitbildkonferenz in
der Bad Godesberger Stadthalle statt, an der 450
Personen teilnahmen. Sie bildete den übergeordne-
ten öffentlichen Auftakt für den Diskussionsprozess.
Hier wurden der Ablauf des Leitbildprozesses sowie
die Ausgangssituation vorgestellt. Das Ziel der ers-
ten Leitbildkonferenz war, von den Teilnehmenden
zu erfahren, wo konkreter Handlungsbedarf im
Stadtbezirk erforderlich ist und wo die Schwerpunk-
te der zukünftigen Interventionen liegen sollen. Vor
und während der Veranstaltung hatten die Bürge-
rinnen und Bürger die Möglichkeit, an Stellwänden
im Eingangsbereich der Stadthalle die Orte, die sie
mögen bzw. nicht mögen, mittels Klebepunkten zu
markieren. Im Anschluss an einen Vortrag im Ple-
num startete der Ideenmarkt an insgesamt sechs
Themenständen. Alle Interessierten konnten von
Stand zu Stand gehen und ihre Wünsche und Anre-
gungen aufschreiben oder mit den Moderatoren
besprechen.
Abbildung 2: Eindrücke von der LeitbildkonferenzSeite 21 von 182
10 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Die 2. Leitbildkonferenz am Donnerstag, 12. Juli
2018, markierte den zweiten großen Schritt des
Diskussionsprozesses. Nachdem es das Ziel der
1. Leitbildkonferenz war, von den Teilnehmerinnen
und Teilnehmern die konkreten Handlungserfor-
dernisse im Stadtbezirk zu erfahren, wurden in der
2. Leitbildkonferenz Ziele und Maßnahmen für die
Umsetzung bis zum Jahr 2025 präsentiert und zur
Abstimmung gestellt. Etwa 250 Personen waren der
Einladung gefolgt. Alle Ergebnisse der bisherigen
Beteiligungsschritte sowie Hinweise der Verwaltung
waren in den ersten Leitbildentwurf eingeflossen,
der auf der 2. Leitbildkonferenz vorgestellt wurde.
Er umfasste
eine Zusammenfassung aller Beteiligungser-
gebnisse zu Themenschwerpunkten (Leitbild-
themen),
die Festlegung von vier Prämissen,
die zentralen Schwerpunktziele und Leitlinien
und
die Maßnahmen für die Umsetzung bis 2025.
Die Formulierung von Prämissen ergab sich aus der
Notwendigkeit, die Diskussion im Stadtbezirk zu
versachlichen, zukunftsorientiert auszurichten und
zu einem konstruktiven Miteinander zu finden.
Folgende vier Prämissen wurden vorgeschlagen:
1. Es gibt keine rückwärtsgewandte Entwicklung –
Früher ist vorbei!
2. Bad Godesberg wird nicht mehr schlecht gere-
det!
3. Die Umsetzung des Leitbilds braucht Zeit! Das
Leitbild ist erst der Beginn!
4. Die Umsetzung des Leitbilds braucht SIE! Sie
sind Bad Godesberg!
Während der 2. Konferenz konnten die Teilneh-
menden in Gruppen von je acht Personen die unter-
schiedlichen Leitbildthemen und die Vorschläge für
Maßnahmen diskutieren. Sie hatten somit die Mög-
lichkeit abzuwägen, ob diese ihrer Meinung nach
wichtige und richtige Ziele bzw. wichtige und richti-
ge Maßnahmen für Bad Godesberg sind. Alle Teil-
nehmenden hatten zudem die Möglichkeit, auf
einem Stimmzettel individuell über jedes einzelne
Ziel und jede einzelne Maßnahme abzustimmen
und fehlende Aspekte zu ergänzen.
Die Auswertung floss in den weiteren Prozess der
Leitbildentwicklung ein. Die dritte Leitbildkonfe-
renz hat im März 2019 stattgefunden. Hierbei stand
das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept
für die Innenstadt von Bad Godesberg im Fokus der
Veranstaltung. Nach einem Vortrag über Hand-
lungsfelder und mögliche Maßnahmen und Projekte
fand an verschiedenen Thementischen eine Diskus-
sion und Weiterentwicklung der vorgeschlagenen
Maßnahmen und Projekte für die Innenstadtent-
wicklung statt. Auch bei diesem Format hatten die
Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit von Tisch
zu Tisch zu wechseln und sich vielseitig in den Pro-
zess einzubringen. Am Ende der Veranstaltung wur-
de der Ende 2018 vom Rat der Bundesstadt Bonn
beschlossene Leitbildentwurf für den gesamten
Stadtbezirk in gedruckter Form an die Bürgerschaft
verteilt. Die Bürgerschaft hatte die Möglichkeit ab
Beendigung der dritten Leitbildkonferenz an einer
erneuten Onlinebeteiligung teilzunehmen und An-
merkungen zum Leitbildentwurf zu machen.
1.3.2 Expertenworkshops
Nach der ersten Leitbildkonferenz und den Beteili-
gungsverfahren mit Kindern und Jugendlichen, die
im Mai 2018 durchgeführt wurden, haben Stadt und
Planungsbüro zu fünf Expertinnen- und Experten-
runden eingeladen, um themenspezifische Inhalte
für die Entwicklung des Stadtbezirks Bad Godesberg
zu konkretisieren. Zu folgenden Themen fanden an
Expertinnen- und Expertenworkshops statt:
1. Entwicklung „Kurfürstliche Zeile“
2. Entwicklung Innenstadt
3. Kultur, Tourismus und Freizeit
4. Integration und Vielfalt
5. Jung sein in Bad Godesberg – Alt werden in Bad
GodesbergSeite 22 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 11
Die Teilnehmenden der Workshops wurden sowohl
von dem Lenkungskreis als auch vom Begleitgremi-
um zum Leitbild Bad Godesberg vorgeschlagen und
auf die Anzahl von ca. 20 Personen begrenzt. Bei
der Auswahl wurde auf ein ausgewogenes Verhält-
nis von unterschiedlichen Interessenvertreterinnen
und -vertretern, Multiplikatorinnen und Multiplika-
toren, Akteursschaft und „Insiderinnen und Insi-
dern“ geachtet.
Die Ergebnisse der Workshops wurden dokumen-
tiert und in den ersten Leitbildentwurf eingearbei-
tet und damit auf der 2. Leitbildkonferenz allen
anwesenden Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt.
1.3.3 Online-Beteiligung
Zusätzlich waren alle Interessierten eingeladen,
zwischen dem 20. April und dem 21. Mai 2018 an
der Onlinebeteiligung auf der Webseite „Bonn-
macht-mit.de“ teilzunehmen. Im Zuge dessen konn-
ten die Bürgerinnen und Bürger konkrete Hand-
lungsbedarfe im Stadtbezirk aufzeigen sowie Anre-
gungen und Wünsche äußern.
Die Onlinebeteiligung bestand aus zwei Teilen. Im
ersten Teil hatten die Teilnehmenden die Möglich-
keit, Anregungen auf einer interaktiven Karte einzu-
tragen. Sie wurden gebeten, für einen oder mehre-
re Ortsteile im Stadtbezirk Bad Godesberg Orte zu
markieren und dazu Anregungen, Ideen und Wün-
sche zu notieren. Die Anregungen konnten sich auf
den eigenen Wohnort, aber auch auf jeden anderen
beliebigen Ort im Stadtbezirk beziehen. Die gesetz-
ten Markierungen wurden dann Oberthemen zuge-
ordnet, wie zum Beispiel Kulturangebot verbessern,
Treffpunkt schaffen oder Sauberkeit verbessern.
Im zweiten Teil konnten die Teilnehmenden einen
Fragebogen ausfüllen. Es wurden Fragen zum
Image, Charaktereigenschaften sowie zu den rele-
vanten Themen der zukünftigen Entwicklung des
Stadtbezirks gestellt. Hier konnten die Teilnehmen-
den vorgegebene Charaktereigenschaften aus-
wählen, die ihrer Meinung nach aktuell das Image
von Bad Godesberg widerspiegeln. Anschließend
sollten Charaktereigenschaften gewählt werden, die
wünschenswert für das künftige Bad Godesberg
sind. Freie Nennungen waren zu den Handlungsbe-
darfen möglich.
Insgesamt haben mehr als 5.000 Personen das On-
lineportal angeklickt. Es wurden 556 Meinungen
und 698 Kommentare verfasst, sowie 619 Bewer-
tungen abgeben. Die Ergebnisse wurden dokumen-
tiert und in den ersten Leitbildentwurf eingespeist.
Im Anschluss an die dritte Leitbildkonferenz wurde
eine zweite Onlinebeteiligung durchgeführt. Bürge-
rinnen und Bürger hatten die Möglichkeit, den Ent-
wurf des Leitbilds für den gesamten Stadtbezirk auf
der Website der Bundesstadt Bonn oder als ge-
druckte Form am Ende der Leitbildkonferenz zu
erhalten und diesen im Rahmen der Onlinebeteili-
gung zu kommentieren. Auch die zweite Onlinebe-
teiligung lief vier Wochen. Die hierbei gesammelten
Anregungen flossen ebenfalls in das Leitbild ein.
1.3.4 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Im Rahmen zweier altersspezifischer Veranstaltun-
gen konnten Kinder und Jugendliche ihre eigene
Perspektive auf Bad Godesberg darstellen.
Zukunftsworkshop Bad Godesberg
Zunächst fand am Mittwoch, 9. Mai 2018, der Zu-
kunftsworkshop Bad Godesberg statt. Im Rahmen
des „Sozialen Tages“ an der Otto-Kühne-Schule und
in Kooperation mit dem Bürger.Bad.Godesberg e. V.
hatten 19 Schülerinnen und Schüler im Alter von
zehn bis 19 Jahren die Möglichkeit, über ihre Ideen
und Visionen für den Stadtbezirk Bad Godesberg zu
diskutieren.
Der Zukunftsworkshop wurde im Trinkpavillon im
Stadtpark Bad Godesberg veranstaltet. Zu Beginn
des Workshops wurden die Schülerinnen und Schü-
ler zu einer Reise durch den Alltag eingeladen. Ge-
zielt wurde nach Details zu den Themen „Wohnen“,
„Schulweg“ und „Freizeit“ gefragt. Ziel war es, den
typischen Alltag der anwesenden Jugendlichen ken-
nenzulernen und ihnen die Möglichkeit zu geben,
Probleme selbstständig zu identifizieren.Seite 23 von 182
12 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Abbildung 3: Beschreibung von Problemen und
positiven Wahrnehmungen auf Karteikarten
Im ersten Block sollten die Schülerinnen und Schü-
ler auf einer Karteikarte aufschreiben, was ihnen an
ihrem Wohnort gefällt und was ihnen nicht gefällt.
Dies wurde zudem symbolisch mit einem Smiley
gekennzeichnet.
Im zweiten Teil hatten die Kinder und Jugendlichen
die Möglichkeit, die gesammelten Ideen und Vor-
schläge zu visualisieren. Hierfür wurden zwei Stell-
wände mit Karten von Bad Godesberg bereitge-
stellt. Auf der ersten Karte war Bad Godesberg
komplett abgebildet, auf der zweiten Karte ein
Ausschnitt rund um die Innenstadt. Die Schülerin-
nen und Schüler sollten mit Hilfe von Klebepunkten
in zwei unterschiedlichen Farben die Orte markie-
ren, die für Kinder und Jugendliche wichtig sind. Oft
wurde hier Bezug auf Outdoor-Hobbys genommen.
Abbildung 4: Diskussion der Schüler zu spezifischen
Orten in Bad Godesberg
Wie zuvor sollten die Schülerinnen und Schüler hier
auf Karteikarten zusammenfassen, welche Orte für
sie in Bad Godesberg besonders wichtig sind, was
Bad Godesberg ausmacht und was ihnen in Bad
Godesberg fehlt.
Im dritten Block des Tages konnten die Schülerin-
nen und Schüler selbstständig an die Arbeit gehen.
Unter dem Motto „Wie soll sich der Stadtpark ver-
ändern, damit ich mich hier gerne und häufig auf-
halte?“ sollten sie in Kleingruppen durch den Stadt-
park laufen und Verbesserungsvorschläge sammeln.
Der Stadtpark soll als Veranschaulichungsbeispiel
dienen, um Lob und Kritik zu äußern sowie selbst
kreative Verbesserungsvorschläge zu entwickeln.
Der letzte Workshop war für die Schülerinnen und
Schüler mit einer gewissen Herausforderung ver-
bunden. Sie sollten sich Bad Godesberg in der Zu-
kunft vorstellen, unabhängig davon, ob es sich um
ein gewünschtes oder erwartetes Zukunftsszenario
handelt. So kamen eine ganz Reihe von Ideen und
Vorschläge unter dem Motto „Meine Vision für Bad
Godesberg“ zusammen.
Go Open 2018
Am 22. Mai 2018 befragten Mitarbeiter von Stadt-
und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH in Zusam-
menarbeit mit dem Jugendzentrum K7 die Kinder
und Jugendlichen beim Spiel- und Begegnungsfest
Go Open 2018 zum Leitbildprozess. Auf dem Spiel-
platz an der Rigal'schen Wiese präsentierten an
diesem Tag Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit
ihr pädagogisches Angebot der Öffentlichkeit.
Anhand eines Informationsplakats wurde in leicht
verständlicher Sprache der Leitbildprozess erläu-
tert. Drei Aufgaben warteten auf die Kinder und
Jugendlichen, um ihr Wissen, ihre Erfahrungen und
Wünsche rund um die Entwicklung des Stadtbezirks
Bad Godesberg zu ermitteln. In diesem Zusammen-
hang wurde einerseits mit Karten vom Stadtbezirk
und vom Innenstadtbereich gearbeitet. Anderer-
seits wurden die Zukunftsvisionen der Kinder und
Jugendlichen für den Stadtbezirk Bad Godesberg
mit Hilfe von Postkarten und dem Einsatz eines
kurzen Fragebogens erarbeitet und festgehalten.
Die erste Mitmachaktion für die Kinder und Jugend-
lichen waren zwei Stellwände, auf denen mit Hilfe
von Klebepunkten Orte markiert werden sollten, die
ihnen besonders gut gefallen und Orte, die ihnenSeite 24 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 13
nicht gefallen. Zu sehen waren jeweils zwei Karten,
eine vom Zentrum Bad Godesbergs und eine vom
gesamten Stadtbezirk.
Im nächsten Schritt ging es für die Kinder und Ju-
gendlichen auf eine Reise in die Zukunft. Sie durften
Wünsche und Kritik in Form einer Vision für das Jahr
2030 äußern und auf Postkarten zusammenfassen.
Die dritte Beteiligungsaktion wurde ebenfalls in
Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendzent-
rum K7 durchgeführt. Die Kinder und Jugendlichen
sollten mit Hilfe eines Fragebogens eine kurze Ein-
schätzung zum Stadtbezirk abgeben. Mit Hilfe einer
Ratingskala (10 = sehr gerne/sehr gut, 0 = über-
haupt nicht gerne/sehr schlecht) sollte bewertet
werden, wie gerne die Kinder in Bad Godesberg
leben und wie sie das Freizeitangebot für Kinder
und Jugendliche bewerten.
Den Ratingskalen folgten vier offene Fragen. Hier
wurde nach Verbesserungsvorschlägen, den Ange-
boten für andere Altersgruppen, Prioritäten der
Stadtentwicklung und der Attraktivität der Innen-
stadt gefragt.
Im Nachgang zu der Veranstaltung auf der Ri-
gal'schen Wiese fanden im Rahmen der Offenen
Jugendarbeit ergänzende Beteiligungen statt. Diese
wurden von den Jugendzentren K7 und Rheingold
(in Trägerschaft der Katholischen Jugendagentur
gGmbH) in deren Räumlichkeiten organisiert und
durchgeführt.
1.3.5 Interaktion Fußgängerzone
Anfang November fand eine Beteiligungsveranstal-
tung für alle Bürgerinnen und Bürger in der Innen-
stadt von Bad Godesberg statt. Hierbei stand die
Erarbeitung von Maßnahmen für das Integrierte
Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) im Mit-
telpunkt. Die Aktion diente einerseits der Präsenta-
tion und Bewertung von möglichen Maßnahmen
und Projekten zur Aufwertung und zukünftigen
Entwicklung der Innenstadt, die bereits in früheren
Beteiligungsveranstaltungen von der Bürgerschaft
genannt wurden. Darüber hinaus sollten gemein-
sam weitere Umsetzungsschritte entwickelt wer-
den.
Abbildung 5: Diskussion zu spezifischen Orten und
Themen in der Innenstadt von Bad Godesberg
Wie in Abbildung 5 dargestellt, hat eine Planungs-
diskussion vor Ort in der Fußgängerzone stattge-
funden. Auf einem großen Stadtplan wurden Pro-
jekte und Ziele diskutiert, an Ständen konnten die
Passanten miteinander ins Gespräch kommen und
ihre Wünsche für Maßnahmen und Projekte zur
Innenstadtentwicklung nennen.
1.3.6 Öffentlichkeitsarbeit
Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH un-
terstützt die Stadt Bonn bei der Pressearbeit. Auf
der Website der Stadt Bonn können sich interessier-
te Bürgerinnen und Bürger ausführlich über den
Leitbildprozess informieren und Dokumentationen
der einzelnen Beteiligungsbausteine herunterladen.
Ein Newsletter informiert in zum Teil mehreren
Sprachen über anstehende Veranstaltungen.
Vor der ersten Leitbildkonferenz wurde der Prozess
in einem Pressegespräch zusammen mit der Stadt-
verwaltung und einem Interview mit Stadt- und
Regionalplanung Dr. Jansen GmbH vorgestellt. Pres-
seerklärungen werden zu den jeweiligen Veranstal-
tungen herausgegeben. Jede einzelne Veranstaltung
wird auf der Internetseite der Stadt und mit Flyern
und Plakaten beworben. Vor der dritten Leitbild-
konferenz fand ein zweites Pressegespräch statt, in
dem erneut der gesamte Prozess sowie die Zielset-
zung der bevorstehenden Leitbildkonferenz erläu-
tert wurden.Seite 25 von 182
14 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
1.4 Integriertes städtebauliches
Entwicklungskonzept für den
Innenstadtbereich (ISEK)
Der größte Handlungsbedarf im Stadtbezirk Bad
Godesberg besteht derzeit im Innenstadtbereich.
Um auf die bestehenden Defizite und Bedarfe ent-
sprechend reagieren zu können, wird für den Innen-
stadtbereich ein integriertes städtebauliches Ent-
wicklungskonzept (ISEK) erarbeitet. Ein ISEK gilt, im
Gegensatz zum Leitbild, nur für einen bestimmten,
räumlich abgegrenzten Bereich im Stadtbezirk.
Die Erstellung eines konkreten Maßnahmenkatalogs
mit Prioritätensetzung, Durchführungszeiträumen
und Kostenschätzung sowie die sich anschließende
Konkretisierung und die Umsetzung der Projekte
erfolgen unter Beteiligung der Bad Godesberger
Akteurs- und Bürgerschaft. Für die Umsetzung des
Maßnahmenpakets streben Stadt Bonn und Be-
zirksvertretung Bad Godesberg eine Unterstützung
mit Finanzmitteln aus der Städtebauförderung an.
Teil des Maßnahmenpakets ist ein Masterplan für
die Gestaltung des öffentlichen Raums, der u. a.
einheitliche und aufeinander abgestimmte Gestal-
tungsvorgaben umfasst. Insbesondere für die als
problematisch empfundenen Bereiche der Innen-
stadt werden strukturelle und gestalterische Lö-
sungsansätze für eine Aufwertung erstellt.
Zusätzlich zu den geplanten Maßnahmen im öffent-
lichen Raum wird eine Angebots- und Qualitätsof-
fensive für den Bereich Einzelhandel und Dienstleis-
tungen die Neuansiedlung vorzugsweise qualitativ
hochwertiger Betriebe verfolgen. Dies kann bei-
spielsweise durch Nutzung leerstehender Ladenlo-
kale geschehen. Ein aktives Leerstands- und Ansied-
lungsmanagement soll für einen attraktiven Bran-
chenmix und eine gute Einkaufsatmosphäre sorgen.
Außerdem sollen bestehende Betriebe durch geziel-
te Beratungen zu aktuellen Themen im Handel un-
terstützt werden.
Ziel des ISEKs ist die Belebung der Bad Godesberger
Innenstadt, die sich aus einer gelungenen Kombina-
tion von Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Gast-
ronomieangeboten ergibt. Eine mögliche Maßnah-
me ist eine Ausweitung des Gastronomieangebots,
u. a. zur Belebung von Plätzen, oder die Entwicklung
zielgerichteter Konzepte, die den Erlebniseinkauf in
der Bad Godesberger Innenstadt abrunden und so
die Verweildauer erhöhen (Shopping als Event). Um
neben den Bereichen Einzelhandel, Dienstleistun-
gen und Gastronomie auch die Eigentümerschaft in
den Aufwertungsprozess einzubeziehen, wird die
Möglichkeit der Gründung einer Immobilien- und
Standortgemeinschaft (ISG) geprüft. Es wird außer-
dem angestrebt, den Aufwertungsprozess durch die
Einrichtung eines Projekt- und Citymanagements
über mehrere Jahre begleiten zu lassen.Seite 26 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 15
2 Gesellschaftliche Veränderungs-
prozesse und gesamtstädtische
Rahmenbedingungen
2.1 Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen
Bad Godesberg unterliegt gegenwärtig, wie alle
anderen Kommunen in Deutschland, gesamtgesell-
schaftlichen Veränderungen, die sich auf die kon-
kreten baulichen Strukturen und die Lebensbedin-
gungen vor Ort niederschlagen und damit tiefgrei-
fende Herausforderungen, aber auch Chancen für
die Stadtentwicklung darstellen. Zu diesen gesell-
schaftlichen Trends zählen u. a. der demographi-
sche Wandel, der Wandel in der Arbeitswelt, die
Veränderungen im Einzelhandel und der Wandel in
der Mobilität. Alle Bereiche werden zudem mehr
oder weniger stark durch Digitalisierung und Ver-
netzung beeinflusst.
Demographischer Wandel
Mit dem demographischen Wandel werden zu-
sammenfassend verschiedene Veränderungen und
Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in
Deutschland bezeichnet. Die Veränderungen betref-
fen u. a. die Altersstruktur der Bevölkerung, die
Anteile von Menschen mit und ohne Migrationshin-
tergrund und die Entwicklung der Geburten- und
Sterbezahlen. Für Deutschland heißt das, dass zu-
nehmend mehr ältere Menschen hier leben werden
und dass ohne neu Hinzuziehende die Bevölkerung
Deutschlands abnehmen wird. Aufgrund niedriger
Geburtenraten und steigender Lebenserwartung
werden die sozialen Sicherungssysteme belastet.
Außerdem kommt es zu einer Ausdifferenzierung
der Lebensstile. Insgesamt ergibt sich ein wesent-
lich bunteres gesellschaftliches Bild. Eltern und
Kinder leben auf unterschiedliche Art zusammen, es
können verschiedene sexuelle Orientierungen offen
gelebt werden, zugewanderte Menschen aus ande-
ren Staaten bringen ihre Sprachen und kulturellen
Prägungen mit nach Deutschland etc.
Für Bad Godesberg stellen sich folgende Fragen:
Gibt es ausreichend bezahlbaren und barriere-
freien Wohnraum?
Wo können Wohnungsangebote geschaffen
werden, in denen alle Generationen aufeinan-
der treffen?
Gibt es genug Teilhabemöglichkeiten sowohl
für Alteingesessene als auch Neuhinzugezoge-
ne?
Wie kann die kulturelle Vielfalt wertgeschätzt
und ihre Potenziale entfaltet werden?
Wandel der Arbeitswelt
Der demographische Wandel beeinflusst auch die
Arbeitswelt, denn ohne eine gesteuerte Zuwande-
rung bedeutet er eine Alterung und Schrumpfung
der inländischen Arbeitskräftepotenziale. Der tech-
nologische Wandel, d. h. Digitalisierung und Vernet-
zung, wirken sich auf alle öffentlichen und privaten
Lebensbereiche aus und damit auch auf die Ar-
beitswelt. Weniger qualifizierte Tätigkeiten fallen
durch den Einsatz von Computern weg, sodass Qua-
lifizierung und Weiterbildung noch wichtiger wer-
den. Die digitale Vernetzung macht das Arbeiten
von jedem Ort aus und zu jeder Zeit möglich. Je
mehr die Leistungsfähigkeit der digitalen Technik
steigt, desto mehr Leistung wird jedoch auch von
den Arbeitnehmern erwartet. Die Arbeit verdichtet
sich, neue Dienstleistungen, Produkte und Ge-
schäftsmodelle entstehen. Berufe und Arbeitsorte
wandeln sich (z. B. Zunahme von Formen des Zu-
sammenarbeitens in meist größeren, offenen Räu-
men, sog. Co-working-Spaces). Darüber hinaus wirkt
sich die Globalisierung auf lokale Arbeitswelten aus:
Sie stehen in Konkurrenz zu anderen Weltregionen
mit geringeren Arbeitskosten, der Wettbewerbs-
druck erhöht die Notwendigkeit von technischen
Innovationen und Produktivitätssteigerungen. Das
vernetzte Arbeiten im Homeoffice ermöglicht die
verbesserte Vereinbarung von Beruf und Familie
oder Pflege. Die gestiegene Erwerbsbeteiligung von
Frauen ist angesichts der immer älter werdenden
Gesellschaft und in Zeiten des Fachkräftemangels in
einigen Branchen von hoher Relevanz. Eine hohe
Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter ist
die Grundlage für eine entsprechende Absicherung
im Alter.
Für Bad Godesberg stellen sich dabei u. a. folgende
Fragen:
Wie und wo kann Raum für neue Arbeitsfor-
men geschaffen werden, und welche Infra-
struktur wird dafür benötigt?Seite 27 von 182
16 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Wie können die Bewohner des Stadtbezirks
beim lebenslangen Lernen unterstützt werden,
welche Bildungsangebote braucht es?
Handel im Wandel
Die Digitalisierung zeigt auch im Einzelhandel gra-
vierende Auswirkungen. So verlagert sich das Kauf-
verhalten vom stationären Geschäft zunehmend in
den Online-Handel. Einkäufe lassen sich bequem
von zu Hause aus und zu jeder Zeit erledigen, und
wenn die gelieferte Ware doch nicht den eigenen
Wünschen entspricht, so kann sie gratis zurückge-
schickt werden. Auch Waren des täglichen Bedarfs
wie Lebensmittel werden vermehrt online bestellt.
Die rapide wachsenden Umsatzzahlen im Online-
Handel verdeutlichen den Trend. Er manifestiert
sich in geringer frequentierten Einzelhandelslagen.
Ladenlokale stehen leer. Eine Abnahme des Online-
Handels mit gleichzeitiger Wiederbelebung minder-
attraktiver Lagen ist wenig wahrscheinlich. Der
zunehmende Lieferverkehr vergrößert das Ver-
kehrsaufkommen in den Städten und belastet das
Klima.
Für Bad Godesberg stellen sich hier u. a. folgende
Fragen:
Wie kann mit den Leerständen umgegangen
werden?
Welche alternativen Nutzungsformen bieten
sich an (Zwischennutzung, Pop-up-Stores
etc.)?
Wie können lokale Lieferdienste organisiert
werden?
Wie können die Einkaufslagen in der Innen-
stadt aufgewertet werden?
Welche Gestaltung sollte der öffentliche Raum
haben?
Wie können Immobilieneigentümer, Händler
u. a. besser aktiviert werden?
Wie könnten Angebote für Jugendliche in der
Innenstadt aussehen?
Mobilität im Wandel
Vor allem in den Großstädten ändert sich das Mobi-
litätsverhalten. Das Auto als Statussymbol verliert
bei jüngeren Menschen in Deutschland an Wichtig-
keit. Der Führerschein wird oft gar nicht oder erst
spät erworben und nicht unbedingt ein Auto ge-
kauft. Die Automobilität nimmt dementsprechend
in den letzten zwei Jahrzenten bei jüngeren Men-
schen deutlich ab, während sie bei älteren Men-
schen angestiegen ist (z. B. aufgrund zunehmender
Automobilität bei Frauen). Die Menschen nutzen
vermehrt die Möglichkeit multimodal von A nach B
zu kommen, indem sie mehrere Verkehrsmittel
kombinieren (z. B. Auto, Bahn, Fahrrad), um zur
Arbeit zu kommen. Mit technologischen Neuerun-
gen entstehen neue Formen des Antriebs (Gas,
Strom aus Sonne und Wind etc.) und neue Mobili-
tätsformen wie Elektroautos oder E-Bikes, die sich
auch im öffentlichen Raum auswirken (z. B. Ladesta-
tionen). Mit dem Trend der Share-Economy neh-
men Sharing-Angebote im Bereich der Mobilität
und ihre Nutzung beständig zu (Carsharing, Mit-
fahrgelegenheiten, Leihfahrräder etc.). Bürgerbusse
übernehmen öffentliche Mobilitätsangebote, wo
Kommunen die entsprechende Daseinsvorsorge
eingestellt haben. Die Digitalisierung ist auch hier
ein wichtiger Hintergrundtreiber. Sie ermöglicht
u. a. die Erreichbarkeit von kleinen, lokalen Anbie-
tern, das Zusammenführen verschiedener privater
Nutzer, Flexibilität und die kurzfristige Buchung von
Mobilitätsangeboten.
Für Bad Godesberg stellen sich hier u. a. folgende
Fragen:
Welche aktuellen Mobilitätsangebote fehlen in
Bad Godesberg, die für Einwohner wie Pendler
und Gäste interessant sein könnten?
Sind die verschiedenen Verkehrsträger und
Mobilitätsangebote untereinander gut ver-
netzt?
Wie gut sind die einzelnen Ortsteile durch
öffentlichen Nahverkehr angebunden?Seite 28 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 17
2.2 Gesamtstädtische Rahmenbedingungen
Neben gesellschaftlichen Einflussfaktoren haben
auch Entscheidungen, die auf gesamtstädtischer
Ebene der Bundesstadt Bonn getroffen werden,
Einfluss auf die Gestaltung Bad Godesbergs. Man-
che Vorhaben, die auf Stadtteilebene relevant sind,
können nicht ohne die nötigen Schritte auf gesamt-
städtischer Ebene umgesetzt werden (z. B. Ent-
scheidung über einen Schwimmbadbetrieb).
2.2.1 Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft
Bonn verfügt insgesamt über zwei Schwimmhallen,
fünf Freibäder (davon zwei in Bad Godesberg, Frei-
bad in Friesdorf und Rüngsdorf) und ein kombinier-
tes Hallen-/Freibad mit einem Kletterwald. Hinzu
kommt das schwimmsportliche Trainingszentrum
im Sportpark Nord.
Im April 2017 stimmten die Bonner Bürger in einem
Bürgerentscheid mit knapper Mehrheit dafür, das
Kurfürstenbad in Bad Godesberg zu schließen.
51,64 % sprachen sich gegen den Erhalt des Hallen-
bads aus. Im Stadtbezirk Bad Godesberg stimmten
nur 32,41 % für eine Schließung, 67,59 % waren für
den Erhalt des Bades.
Für Dezember 2018 war bis vor kurzem der Baube-
ginn eines neuen Zentralbads im Ortsteil Dottendorf
geplant (Wasserlandbad), das im Jahr 2021 eröffnet
werden sollte. Es sollte u. a. das Kurfürstenbad in
Bad Godesberg (seit Mitte Mai 2016 geschlossen)
und das Frankenbad in der Bonner Nordstadt erset-
zen. Die Schließung des Frankenbads war nach der
Eröffnung des Wasserlandbads angesetzt.
In einem Bürgerentscheid im August 2018 votierten
etwa 52 % der Bonner Wählerinnen und Wähler
gegen den Bau des geplanten Wasserlandbads. Nur
etwa 48 % stimmten für die Realisierung des Neu-
bauvorhabens. Im Stadtbezirk Bad Godesberg fiel
das Ergebnis deutlicher aus. Hier stimmten lediglich
37 % für den geplanten Neubau. Mit 63 % waren in
Bad Godesberg die Neubaugegner in der deutlichen
Mehrheit.
Bisherige Berechnungen hatten eine Kostenerspar-
nis von ca. 31,5 Mio. Euro des Neubaus inkl. Be-
triebskosten über 30 Jahre veranschlagt. Die Sanie-
rung und Modernisierung von Kurfürstenbad und
Frankenbad inklusive der Betriebskosten käme die
Stadt Bonn demnach deutlich teurer.
Derzeit wird ein gesamtstädtisches Bäderkonzept
unter Beteiligung der Bürgerschaft bis Ende 2019
erstellt.
2.2.2 Sanierung der Kulturlandschaft: Oper,
Schauspielhaus und Stadthalle
Die Bundesstadt Bonn hat mit ihrem „Kulturkonzept
für die Stadt Bonn 2012 - 2022“ eine umfangreiche
Bestandsaufnahme und den Rahmen für die künfti-
ge kulturelle Entwicklung vorgelegt. In den Jahren
2013 und 2014 beliefen sich die Ausgaben für die
Kultur auf etwa 7 % des Gesamthaushalts. Damit
nahm Bonn im bundesweiten Städtevergleich einen
Spitzenplatz ein. Dies entspricht dem Selbstbild als
Kulturstadt mit 2000-jähriger Geschichte, die ihre
Traditionen und ihr Brauchtum pflegt, gleichzeitig
aber ein aktuelles, attraktives und qualitativ hoch-
wertiges kulturelles Angebot in allen Sparten vor-
hält.
Oper und Schauspiel verteilen sich auf verschiedene
Standorte in der Stadt Bonn (Innenstadt, Beuel, Bad
Godesberg). Die Bonner Oper befindet sich im In-
nenstadtbereich in direkter Lage zum Rhein. Das
Schauspielhaus Bad Godesberg ist das größte
Schauspielhaus der Stadt Bonn und der erste Thea-
terneubau der Bundesrepublik in der Nachkriegs-
zeit. Das Gebäude wurde in der Bad Godesberger
Innenstadt in den frühen 1950er-Jahren erbaut.
Abbildung 6: Schauspielhaus in Bad Godesberg
(ehemals Kammerspiele)
Im Kulturkonzept wurde vorgeschlagen, das Schau-
spielhaus und die Oper Bonn an einer Stelle zu-
sammenzufassen, um damit überregionale Strahl-
kraft zu generieren. Im Dezember 2015 beschloss
der Kulturausschuss, das Godesberger Haus zur
zentralen Spielstätte für Theaterstücke in Bonn zuSeite 29 von 182
18 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
machen. Das bislang in der Halle Beuel spielende
städtische Theater nutzt seitdem das Schauspiel-
haus in Bad Godesberg. Es musste die Beueler Halle
verlassen, um dort Platz für die Aufführungen des
nicht von der Stadt finanzierten Pantheon-Theaters
zu schaffen. Der Bestand des Schauspiels schien
damit auch über das Jahr 2018 hinaus gesichert.
Die Diskussion um das sanierungsbedürftige Opern-
haus hat jedoch auch die Debatte um das Schau-
spielhaus neu belebt. Brandschutzmängel in Oper
und Schauspielhaus müssen möglichst zeitnah be-
hoben werden. Die Stadt hat dafür aus Mitteln des
laufenden Haushalts für 2017 und 2018 rund 6 Mio.
Euro zur Verfügung gestellt. Im Falle einer Sanie-
rung der Oper soll dies wegen des Beethovenjahres
jedoch erst nach 2020 richtig beginnen.
Es wird derzeit diskutiert, inwieweit statt einer
Instandsetzung ein Abriss des vorhandenen Opern-
gebäudes und ein Neubau sinnvoll wären, der auch
das Schauspiel Bonn mit einer eigenen Bühne auf-
nimmt (Zweispartenhaus). Befürchtet wird u. a. eine
Steigerung der Sanierungskosten aufgrund vorher
nicht absehbarer bautechnischer Rahmenbedingun-
gen.
Als Standort für einen möglichen Kultur-Neubau ist
Bad Godesberg vorgesehen, um die Schließung des
Kurfürstenbads zu kompensieren. Der Wegzug einer
weiteren bedeutungsvollen städtischen Einrichtung
gilt als schwer vermittelbar. Sollte das Schauspiel in
einen Neubau verlagert werden, so müsste für das
derzeitige Gebäude eine andere öffentliche Nut-
zung gefunden werden, die die Innenstadt belebt.
Es könnte als Treffpunkt für die Godesberger Verei-
ne und freie Kulturangebote dienen, für den Fall,
dass die Stadthalle abgerissen würde (z. B. freie
Gruppen, Gastspiele, Theateraufführungen, auch
des Theaters Bonn). Auch dann muss das Gebäude
saniert werden.
Als Standort für einen Kultur-Neubau ist das Gelän-
de der Stadthalle Bad Godesberg in der Diskussion,
die ebenfalls stark sanierungsbedürftig ist. Der
Neubau könnte aber auch in der Bonner Innenstadt
an der Stelle des bisherigen Opernhauses am
Rheinufer entstehen.
Das Gebäude der Stadthalle Bad Godesberg gilt als
prägnantes Beispiel des Baustils der 1950er-Jahre
und soll ab 2020 saniert werden. Die Halle bietet
Räume unterschiedlicher Größe und Form und ist
mit Messen, Tagungen und Festen zu 80 % ausge-
lastet. Sie steht unter Denkmalschutz. Ein Abriss
käme nur infrage, wenn die Mehrheit des Rats für
eine Aufhebung stimmen würde. Bei einer Sanie-
rung müsste ein tragendes Konzept auf Basis aktuel-
ler Auslastung und künftiger Potenziale erstellt
werden, um zusätzlich zum Raumangebot für die
ortsansässigen Vereine eine Möglichkeit zur Er-
schließung neuer Nutzerkreise zu eröffnen und vom
Tagungs- und Kongressmarkt der Bundes- und UN-
Stadt Bonn zu profitieren. Eine sanierte Stadthalle
oder ein Neubau würde in jedem Fall zur angestreb-
ten Belebung der Innenstadt beitragen.
2.2.3 Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept
(2008)
Die Weiterentwicklung der Bad Godesberger Innen-
stadt ist eingebettet in das Bonner Einzelhandels-
und Zentrenkonzept von 2008, das kontinuierlich
fortgeschrieben wird. Das Konzept stellt Bonn in
den Kontext der europäischen Stadt, das heißt, es
weist der Innenstadt bzw. den Stadtbezirkszentren
und sonstigen zentralen Bereichen eine herausge-
hobene Funktion zu. Die Konzentration städtebauli-
cher und infrastruktureller Investitionen auf die
zentralen Bereiche zeigt den Stellenwert, den die
Bundesstadt Bonn dem Ziel der Entwicklung der
Zentren in den letzten Jahren beigemessen hat.
Neben der Zentralität – also der vorrangig quantita-
tiven Komponente – soll auch die Vielfalt an Funkti-
onen in der Innenstadt, den Stadtbezirkszentren
und sonstigen zentralen Bereichen erhalten und
gestärkt werden. Eine Mischung von Einzelhandel,
Dienstleistungen, Gastronomie, Kultur und Wohnen
wird angestrebt.
Der Einzelhandel dient zunächst und in erster Linie
der Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des
kurz-, mittel- und langfristigen Bedarfs. Neben die-
ser eigentlichen Aufgabe erzeugt Einzelhandel in
integrierten Lagen städtische Bedingungen wie
Dichte, Frequenz und Mischung. Ihm werden des-
halb stadtbildende Funktionen zugesprochen –
städtisches Leben, urbane Attraktivität und Multi-
funktionalität. Um diese stadtbildprägende Kraft
und die Nahversorgung sämtlicher Bevölkerungstei-Seite 30 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 19
le aufrechtzuerhalten, bedarf es der gezielten Len-
kung der Einzelhandelsentwicklung. Mit dem künf-
tig zunehmenden Anteil älterer Menschen (demo-
graphischer Wandel) steigt sonst auch die Zahl der
potenziell unterversorgten Haushalte.
Abbildung 7: Überblick über die zentralen Bereiche
der Stadt Bonn
Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2008
Ein kompaktes Zentrum mit kurzen Wegen ist dabei
eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung
und das Entstehen lebendiger urbaner Räume. Die
flächendeckende Versorgung der Einwohner mit
Gütern des kurzfristigen Bedarfs – insbesondere im
Bereich Nahrungs-/Genussmittel – verkürzt eben-
falls die zurückzulegenden Wege.
Bad Godesberg
Als Stadtbezirkszentrum gehört die Innenstadt von
Bad Godesberg zum Zentrumstyp B des Bonner
Zentrenkonzepts und ist das größte dieser Art. Die
Stadtbezirkszentren Beuel und Duisdorf fallen eben-
falls in diese Kategorie, die Innenstadt Bonn ist
Zentrumstyp A. In den Stadtbezirkszentren sollen
Einzelhandelsangebote in allen Bedarfsbereichen
und ein breites einzelhandelsnahes Dienstleistungs-
angebot (Apotheken, Reisebüros etc.) zu finden
sein. Sie bilden außerdem ein Bindeglied zwischen
dem A-Zentrum Innenstadt und den C-Zentren mit
einem Kunden-Einzugsbereich über den Stadtbezirk
hinaus.
Im Stadtbezirk Bad Godesberg befinden sich neben
dem Stadtbezirkszentrum auch zwei C-Zentren
sowie sechs D-Zentren, die jeweils gestärkt oder
gesichert werden müssen.
Abbildung 8: Zentrale Bereiche im Stadtbezirk
Godesberg
Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2008
Das Stadtbezirkszentrum liegt unmittelbar unter-
halb der Godesburg in relativ zentraler Lage im
Stadtbezirk und wird im Wesentlichen durch die
Straßen Am Kurpark und Löbestraße im Süden, die
Burgstraße im Norden, die Schwertberger Straße im
Westen und die Bahntrasse im Osten begrenzt. Die
zum Teil stark befahrenen Straßen stellen eine
deutliche Barriere zwischen dem Zentrum und den
angrenzenden Bereichen dar. Im Bereich des Aenn-
chen-Platzes und an der Plittersdorfer Straße trifft
man jedoch auf bemerkenswert urbanes Leben und
einige Spezialgeschäfte, sodass hier die Abgrenzung
auf die andere Straßenseite ausgeweitet wurde.Seite 31 von 182
20 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Abbildung 9: Stadtbezirkszentrum Bad Godesberg
Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept, Fort-
schreibung
Bad Godesberg verfügt über ausreichende Flächen
auch für großflächigen Einzelhandel innerhalb des
Zentrums sowohl in der Fronhof-Galeria, der Passa-
ge in der Schultheissgasse/Vilichgasse, dem Alt-
stadtcenter und neben dem Kinopolis, sodass eine
weitere Ausweitungsnotwendigkeit nicht besteht.
Das Kinopolis (Moltkestraße 7 – 9) ist ein Kinozent-
rum in Bad Godesberg mit elf Sälen, in denen aktu-
elle Spielfilme gezeigt werden. Darüber hinaus gibt
es Angebote für spezielle Zielgruppen (z. B. Senio-
ren). Hier werden Filme teilweise in Originalsprache
gezeigt, was gerade von den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern der internationalen Einrichtungen in
Bonn geschätzt wird.
Das Zentrum ist mit einem DB-Bahnhof an das
überörtliche ÖPNV-Netz angeschlossen. Die Linien
63 und 16 verbinden Bad Godesberg mit der Bonner
City. Die Ortsteile sind mit Bussen an das Zentrum
angeschlossen.
Die Ortsteilzentren Plittersdorf und Mehlem (Zen-
trentyp C) sollen ein vollständiges Angebot im kurz-
fristigen Bedarfsbereich anbieten, sowie zentren-
prägende Dienstleistungen. Im Vordergrund steht
die Versorgungsfunktion für die umliegende Bevöl-
kerung mit kurzfristigen Gütern. Ziel ist es, das An-
gebot im kurzfristigen Bereich zu erhalten, um Kun-
denbindung und darauf aufbauende Angebote aus
anderen Bedarfsbereichen zu ermöglichen.
In der amerikanischen Siedlung, Friesdorf, Rüngs-
dorf, Pennenfeld, Lannesdorf und Heiderhof befin-
den sich reine Nahversorgungszentren mit nur ge-
ringem Angebot an Einzelhandels- und Dienstleis-
tungsnutzungen (Zentrentyp D). Sie erfüllen die
Mindestanforderung für zentrale Bereiche (mindes-
tens ein Lebensmittelgeschäft). Ziel ist der Erhalt
und wenn möglich eine Stärkung bzw. Erweiterung,
um die Nahversorgung auch weniger mobiler Bevöl-
kerungsteile zu gewährleisten.Seite 32 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 21
2.3 Spezifische Herausforderungen in Bad
Godesberg
Es gibt darüber hinaus mehrere Themen, die für Bad
Godesberg spezifisch sind und die Entwicklung kon-
struktiver und zukunftsorientierter Konzepte erfor-
dern.
2.3.1 Medizintourismus
In ganz Deutschland steigt die Zahl der aus dem
Ausland kommenden Patienten, die sich stationär
behandeln lassen. Im Jahr 2006 waren es ca. 54.000
Patienten, im Jahr 2015 schon 103.000 Patienten.
Aktuell steigen die Zahlen nicht weiter an. Die meis-
ten Patienten kommen aus den Nachbarländern wie
Polen, den Niederlanden oder Frankreich, denn vor
allem Patienten in den Grenzregionen nutzen die
Behandlungsmöglichkeiten im nahen Ausland. Wei-
tere Herkunftsländer sind Russland, die anderen
GUS-Staaten und die arabischen Golfstaaten.
Nachteile durch die ausländischen Patienten in den
Praxen ergeben sich kaum für deutsche Patienten.
Eher im Gegenteil: Durch die Mehreinnahmen ge-
winnen die Krankenhäuser große zusätzliche Ein-
nahmen, mit denen Personal eingestellt oder neue
medizinische Geräte angeschafft werden können.
Allein das Gesundheitssystem in ganz Deutschland
verdient im Jahr geschätzt ca. 1,2 Milliarden Euro an
den Medizintouristen. Aber auch weitere positive
Effekte auf die lokale Wirtschaft sind keinesfalls
außer Acht zu lassen. Ein weiterer Milliardenbetrag
kommt mindestens den Bereichen Tourismusin-
dustrie, Beherbergung und Handel zugute.
Im Jahr 2015 besuchten rund 1.200 Patienten Bonn.
Ein Teil von ihnen ließ sich in einer der 20 Kliniken,
Fachambulanzen und Krankenhäuser in Bad Godes-
berg behandeln. Damit ist der Medizintourismus ein
wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bad Godesberg.
Teile der Bad Godesberger Innenstadt sind entspre-
chend von arabischen Geschäften und Immobilien-
maklern geprägt, denn der größte Teil der Patienten
in Bad Godesberg stammt aus arabischen Ländern
wie Katar, Kuwait und Saudi-Arabien. In Bad Godes-
berg hat sich infolgedessen in den letzten 20 Jahren
eine große arabische Gemeinschaft gebildet. Sie ist
einer der Gründe dafür, dass sich arabische Medi-
zintouristen gerne in Bad Godesberg behandeln
lassen. Ebenso schätzen sie die gute Infrastruktur,
die vielen Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten sowie
die gute Erreichbarkeit Bad Godesbergs. Die meis-
ten Patienten reisen in der arabischen Ferienzeit an,
zwischen April und Oktober. Dabei werden sie oft
von mehreren Angehörigen begleitet, da sie finan-
ziell von ihren Herkunftsländern bei den Behand-
lungskosten und Reisekosten unterstützt werden.
Medienberichten zufolge erhalten beispielsweise
Katarer pro Woche 4000 Euro „Taschengeld“ für
sich und bis zu zwei Begleitpersonen.
Die meisten Patienten bleiben einige Wochen oder
Monate und möchten in dieser Zeit nicht in Hotel-
zimmern wohnen. Apartments werden oft zu un-
verhältnismäßigen Preisen an die Touristen vermie-
tet. Einige zahlen bis zu 6.000 oder 7.000 Euro pro
Monat. Deswegen wird es für einheimische Bürger
schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Zweckentfremdung ist demzufolge ein großes Prob-
lem. 2013 hat die Bundesstadt Bonn die „Satzung
zum Schutz und Erhalt von Wohnraum im Gebiet
der Bundesstadt Bonn“ erlassen und eine „Task
Force Zweckentfremdung“ gegründet, die Bußgel-
der von bis zu 50.000 Euro verhängen kann. Dabei
wurde festgestellt, dass teilweise Kellerräume,
Büroflächen, Praxen und ganze Häuser ungeneh-
migt in Wohnungen umgewandelt wurden. Aller-
dings ist eine tatsächliche Zweckentfremdung oft
schwierig nachzuweisen. Oft sind die Eigentumsver-
hältnisse unklar, oder es werden Langzeit-Mietver-
träge vorgelegt bzw. angegeben, dass die Wohnung
Familienmitgliedern oder Freunden zur Verfügung
gestellt wird.
Ein weiteres Problem der Untervermietung sind die
unterschiedlichen Lebensstile, die in den Wohnhäu-
sern aufeinander prallen. Nachbarn fühlen sich
beispielsweise durch ständigen Mieterwechsel be-
lästigt. Es wird außerdem über fehlende Sauberkeit,
Beschädigungen an Gemeinschaftseinrichtungen
sowie Lärmbelästigung geklagt. Ein weiterer Streit-
punkt sind Umlagekosten für Müllgebühren und
Energiekosten.
Der Medizintourismus bringt demnach Bad Godes-
berg einige Vorteile, verursacht aber auch eine
Reihe Herausforderungen. Die Gesundheitswirt-
schaft sowie die lokale Tourismusindustrie, die
Beherbergung und der Handel profitieren von den
zahlreichen und zahlungskräftigen Kunden. VonSeite 33 von 182
22 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
hoher Relevanz sind aber auch die Eindämmung der
Zweckentfremdung von Wohnraum und das Gegen-
steuern bei unverhältnismäßig hohen Gewerbe-
und Wohnungsmieten. Auch muss das Miteinander
von Medizintouristen und einheimischer Bevölke-
rung kontinuierlich beobachtet und moderiert wer-
den.
2.3.2 Zusammenleben in Bad Godesberg
Das Thema Integration nimmt einen breiten Raum
im Leitbildprozess ein. Manche Bewohner Bad
Godesbergs beklagen, dass der Medizintourismus
dazu führe, dass Burka tragende Frauen das Stadt-
bild der Innenstadt prägen. Dieser Angst vor „Über-
fremdung“ setzen wiederum andere Bürger ein
Bedürfnis nach mehr Austausch und Miteinander
entgegen. Die kulturelle Vielfalt, die durch die Zu-
wanderung vieler Menschen aus anderen Staaten
und Kulturen entstehe, sei als Chance zu sehen. Die
Integrationsmöglichkeit von vollverschleierten
Frauen wird von einigen Bürgern jedoch kritisch
gesehen, da es die Verschleierung erschwere, mit
ihnen Kontakt aufzunehmen bzw. unklar sei, ob ein
Kontakt überhaupt gewünscht sei.
Zum Thema Zusammenleben und Vielfalt gehört
aber auch die Inklusion von Menschen mit Behinde-
rungen, nicht zuletzt über eine barrierefreie Gestal-
tung des öffentlichen Raums. Hier sind Strategien
gegen die zunehmende Isolation älterer Menschen
oder jüngerer Personen ohne soziale Einbindung
gefragt.
Grundsätzlich stellen sich einige Bürgerinnen und
Bürger vor, dass Bad Godesberg eine Heimat für alle
und generationenfreundlicher sein solle. Dazu ge-
hören Bürger aus den unterschiedlichen Einkom-
mensschichten – jeder soll es sich leisten können, in
Bad Godesberg zu leben. In den verschiedenen
Formaten der Bürgerbeteiligung wurde deutlich,
dass viele Bürgerinnen und Bürger die mangelnde
soziale Durchlässigkeit in einigen Wohnquartieren
kritisieren. Wohlhabende Bewohner grenzen sich
auch baulich ab, was einen Eindruck von Segregati-
on hinterlässt. Die Schere zwischen Arm und Reich
sei in Bad Godesberg besonders groß und verursa-
che extreme Unterschiede beim Zugang zu Bildung
und Partizipation.
2.3.3 Wohnen, Nahversorgung und Verkehr
Die Wohnungssuche gestaltet sich in Bad Godes-
berg zum Teil schwierig, der Wohnungsmarkt gilt als
angespannt. Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist
knapp. In diesem Zusammenhang stößt die Zweck-
entfremdung von Wohnraum für die Vermietung an
Medizintouristen auf Kritik. Kontrollen sowie die
Eindämmung bzw. zweckgemäße Rückführung der
Wohnungen werden gefordert (Durchsetzung der
Zweckentfremdungssatzung).
Einige Bürger sprechen sich dafür aus, stärker für
den sozialen Wohnungsbau zu werben, um eventu-
elle Widerstände in Quartieren aufzuheben, in de-
nen Neubauvorhaben geplant seien. Der bezahlbare
Wohnraum solle barrierefrei sein, zentral liegen und
ein grünes Wohnumfeld bieten. Außerdem wird bei
der Schaffung von Mehrgenerationenhäusern Be-
darf gesehen.
In den Ortsteilen fehlen einigen Bürgerinnen und
Bürgern notwendige Nahversorgungsangebote, so-
dass sie für viele Waren des täglichen Bedarfs in die
Innenstadt fahren müssen. Es wird allgemein ein
Rückgang in der Versorgung festgestellt und eine
Sicherstellung der Nahversorgungszentren einge-
fordert. Gerade für Seniorinnen und Senioren man-
gele es an spezifischen Versorgungsangeboten.
Auch werden mehr öffentliche Toiletten gewünscht.
Insgesamt sollten Zugänge und Wege barrierefrei
gestaltet werden.
Die gute Anbindung Bad Godesbergs an Straße und
Schiene führt auch zu unerwünschten Beeinträchti-
gungen: die Lärmbelastung im Stadtbezirk ist an
einzelnen Stellen erhöht und wird von den Bürge-
rinnen und Bürgern als Einschränkung der Wohn-
qualität wahrgenommen.
Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs wird als
verbesserungswürdig angesehen. Die Taktung von
Bussen und Bahnen sei zu erhöhen, und vor allem
die Verbindung zwischen den Ortsteilen zu verbes-
sern. Die Fahrradmobilität sehen einige Bürgerin-
nen und Bürger als gefährdet an, da auf Radfahrer
zu wenig Rücksicht genommen werde. Insgesamt
sei die Fahrradinfrastruktur unbefriedigend und
müsse ausgebaut werden. Auch das Carsharing sei
verbesserungswürdig.Seite 34 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 23
2.3.4 Wissens- und Hochschulstandort
Ein weiteres Ergebnis der Beteiligung stellt Bad
Godesbergs Funktion als Forschungs- und Hoch-
schulstandort in den Fokus. Obwohl die Stadt Bonn
eine Universitätsstadt ist, liegt kein Institut oder
Fachbereich innerhalb der Bad Godesberger Gren-
zen. Auch studentisches Leben ist im Bezirk nicht
präsent. Bad Godesberg profitiert daher nicht vom
Universitätsstandort Bonn.
Eine Ansiedlung von Studierenden im Stadtbezirk
sei jedoch wünschenswert, um eine Verjüngung der
Altersstruktur zu erreichen. Daher sei bei allen
Maßnahmen die junge Ziel- oder Nutzergruppe zu
berücksichtigen und zu fördern. Es wird erwartet,
dass ein höherer Anteil Studierender an der Bevöl-
kerung Bad Godesbergs positive Auswirkungen auch
auf andere Bevölkerungsteile, das Kulturangebot,
die Gastronomie, den Einzelhandel und das Image
hat.
Es wird daher vorgeschlagen, die Leerstände an der
prominenten Kurfürstlichen Zeile als Hochschul-
standort zu nutzen. Des Weiteren können andere
leerstehende Gebäude im Bezirk als Studenten-
wohnheime genutzt werden. Auch die Ansiedlung
von Start-ups sollte im Fokus des Bezirks stehen.
Das Potenzial des Wissenschaftszentrums in Hoch-
kreuz sollte noch viel stärker zugunsten der Ent-
wicklung eines Hochschulstandorts Bad Godesberg
genutzt werden.
2.3.5 Kulturstadt und Diplomatenstadt
Einige Bad Godesberger Bürgerinnen und Bürger
regen an, dass kulturelle Einrichtungen in Bad
Godesberg und Bonn miteinander kooperieren und
ein gemeinsames Marketing für ihre kulturelle An-
gebote erstellen. Im Musikbereich seien das bei-
spielsweise die Musikschule Bonn, das Rock- und
Pop-Zentrum Bonn, Marios Musikschule, der Histo-
rische Gemeindesaal Bad Godesberg, die Zentrifuge
im Haus der Luft- und Raumfahrt, die Kleine
Beethovenhalle Muffendorf, Musikkneipen wie Elpi
(Burgstraße), Big Daddy (Friesdorf) und Kirchenkon-
zerte (St. Marien, Erlöserkirche, Johanneskirche, St.
Hildegard, St. Servatius etc.) etc.
Der Erhalt des Schauspielhauses und des Kleinen
Theaters ist für einige Bürger ein wesentlicher Be-
standteil einer vielfältigen und hochwertigen Kultur-
landschaft. Auch die Förderung von Kleinkunst (s.
Theaterprojekt „im Schaufenster“) gehört in den
Bereich Darstellende Künste.
In der zukünftigen Entwicklung Bad Godesbergs
kann auf ein reiches historisches Erbe zurückgegrif-
fen werden. Hierfür ist aus Bürgersicht jedoch die
Erhaltung der wesentlichen Godesberger Wahrzei-
chen notwendig. So sollte die Godesburg als Thema
wieder stärker in den Fokus gerückt werden. Dazu
gehört der Burgberg mit seinen Wegen, die Godes-
burg mit Turm und Restaurant, der Burgfriedhof,
Aussichtspunkte am und auf dem Burgweg und die
Anbindung der Innenstadt an den Burgberg. Auch
der Blick aus dem Zentrum auf den Burgberg gehört
dazu sowie die Stollen im Burgberg und etwaige
Ritterfeste.
Saniert worden sind bereits der Bergfried der
Godesburg, die Michaelskapelle und die Redoute,
der Draitschbrunnen wurde neu angelegt. Als wei-
tere Wahrzeichen sollten die Stadthalle, das Schau-
spielhaus und das Bad Godesberger Rathaus gesi-
chert werden.
Bad Godesberg – Diplomatenstadt am Rhein
Bad Godesberg ist aufgrund der ehemaligen Haupt-
stadtfunktion Bonns außerdem ein Stadtbezirk mit
jahrzehntelanger internationaler Tradition, die auch
heute noch andauert. Diese Internationalität kann
expliziter gelebt und auch vermarktet werden. Bei-
spielsweise könnte mit „50 Jahre Diplomatie am
Rhein“ geworben werden, denn auch heute noch
leben zahlreiche UN-Diplomaten, Mitarbeiter von
Konsulaten und Außenstellen der Berliner Botschaf-
ten in Bad Godesberg. Es ist davon auszugehen,
dass die Organisation der Vereinten Nationen wei-
ter wachsen wird.
Das Thema „Diplomatenstadt Bad Godesberg“ ist
auch Inhalt einer Vereinsgründungsinitiative Bad
Godesberger Botschaften. Sie möchte die Erinne-
rung an das diplomatische Erbe und die Anfangsjah-
re der Bundesrepublik Deutschland wach halten.
Bad Godesberg habe das Bild Nachkriegsdeutsch-
lands entscheidend geprägt. Die Botschaftsgebäude
seien dabei Orte, an denen Geschichte geschrieben
wurde, vor allem die der früheren Alliierten USA,
Frankreich, Großbritannien und Sowjetunion. Um
die Rolle Bad Godesbergs in den Jahren 1949 bisSeite 35 von 182
24 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
1999 zu erläutern und zu würdigen, plant der Ver-
ein Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen,
Jahrestage, Forschungsarbeiten sowie eine Zusam-
menarbeit mit entsprechenden Institutionen und
Organisationen wie zum Beispiel dem Haus der
Geschichte, der Bundeszentrale für politische Bil-
dung oder dem internationalen Club La Redoute.
Angestrebt ist, über bundesweite Zusammenarbeit
mit entsprechenden Einrichtungen einen Politiktou-
rismus zu etablieren. Touren durch ehemalige Bot-
schaften werden bereits seit einigen Jahren durch-
geführt. Außerdem möchte der Verein die Umnut-
zung leerstehender Botschaftsgebäude unterstüt-
zen.
2.3.6 Sicherheit
Ein Thema, das die Bad Godesberger Akteurs- und
Bürgerschaft während des gesamten Leitbildprozes-
ses in besonderer Weise bewegte, ist ein sich in den
letzten Jahren verschlechterndes subjektives Si-
cherheitsempfinden im öffentlichen Raum. Dies
betrifft in erster Linie den Innenstadtbereich und
die Parkanlagen und dort wiederum vor allem den
Zeitraum der Abendstunden.
Wie unsicher ist Bad Godesberg wirklich?
Die aktuelle Kriminalstatistik 2017 der Polizei Bonn
zeigt auf, dass die Gesamtkriminalität, d. h. die
Anzahl angezeigter Straftaten, in der Region Bonn
abnimmt und auf dem niedrigsten Stand seit 21
Jahren liegt.
Abbildung 10: Gesamtkriminalität im Zuständig-
keitsbereich der Polizei Bonn
Quelle: Kriminalistik der Polizei Bonn 2017
Für Bad Godesberg vermeldet die Polizei Bonn, dass
im Jahr 2017 581 Straftaten weniger als im Jahr
2016 angezeigt wurden, was einen deutlichen
Rückgang um 9,5 % auf 5.524 Straftaten und den
niedrigsten Stand seit 1995 bedeutet.
Abbildung 11: Gesamtkriminalität im PKS-Bereich
Bad Godesberg
Quelle: Kriminalistik der Polizei Bonn 2017
Trotz alledem ist das Sicherheitsgefühl vieler Bürger
gesunken. Um diesem Gefühl entgegenzuwirken,
setzt die Polizei auf vermehrte Kontrollen.
Die Kriminalstatistik der Polizei Bonn zeigt, dass ein
Großteil der Straftaten in der Region Bonn von
Erwachsenen begangen wird, nämlich 78 %. Dabei
beging die Gruppe der Jugendlichen zwischen 14
und 18 Jahren 9,3 % der Straftaten, also nur jeder
zehnte Straftäter kam aus dieser Altersgruppe (Kin-
der: bis 14 Jahre, Jugendliche: 14 bis 18 Jahre, Her-
anwachsende: 18 bis 21 Jahre, Erwachsene: ab 21
Jahre).
Einfluss der Medien
Die mediale Darstellung einzelner negativer Ereig-
nisse in Bad Godesberg hat dabei in der Vergangen-
heit zu einem sich verschlechternden Bild des ge-
samten Stadtbezirks in der Öffentlichkeit beigetra-
gen. Ohne diese negativen und z. T. tragischen Er-
eignisse zu leugnen, sind diese dennoch nicht reprä-
sentativ für Bad Godesberg und spiegeln nicht das
typische Alltagsleben im Stadtbezirk wider. Es er-
scheint daher wichtig, dass Polizei und Stadtverwal-
tung transparent und objektiv über das tatsächliche
Gefährdungspotenzial anhand der Kriminalstatistik
und deren Entwicklung in den vergangenen Jahren
informieren.Seite 36 von 182
Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 25
3 Geografische Lage und historische
Entwicklung
3.1 Geografische Lage
Die Bundesstadt Bonn ist eine kreisfreie Stadt im
Regierungsbezirk Köln. Sie liegt im Süden Nord-
rhein-Westfalens an der Grenze zu Rheinland-Pfalz
und gehört zur Metropolregion Rheinland. Im Nor-
den grenzt sie an den Ballungsraum Köln/Lever-
kusen. Die umliegenden Städte und Gemeinden
sind Bornheim und Troisdorf im Norden, Alfter im
Westen, Meckenheim und Wachtberg im Süden und
Königswinter und Sankt Augustin im Osten.
Die Bundesstadt Bonn liegt im Übergang vom Mit-
telrheingebiet zur Niederrheinischen Bucht, der
durch den Godesberger Rheintaltrichter markiert
wird. Der Rhein trennt die Stadt in einen linksrheini-
schen und einen rechtsrheinischen Bereich, wobei
der linksrheinische die größere Fläche besitzt. Im
Süden und Westen der Stadt grenzt Bonn an die
Ausläufer der Eifel. Im Osten der Stadt befindet sich
das Siebengebirge. Im Norden geht das Stadtgebiet
in die Kölner Bucht über.
Die Bundesstadt Bonn ist in vier Stadtbezirke unter-
teilt, die Bezirke Bonn, Bad Godesberg, Beuel und
Hardtberg. Bad Godesberg liegt im Süden der Stadt
und wird im Osten durch den Rhein begrenzt. Er
grenzt südlich an das Bundesland Rheinland-Pfalz.
Bad Godesberg
Der Stadtbezirk besitzt eine Ausdehnung von etwa
7 km in West-Ost-Richtung und ca. 7,8 km in Nord-
Süd-Richtung und umfasst 13 Ortsteile. Der Stadt-
bezirk hat ca. 73.000 Einwohner und ist damit der
zweitgrößte Bezirk von Bonn.
Der westlich des Stadtbezirks gelegene Kottenforst
und das Siebengebirge auf der anderen Rheinseite
sind attraktive Naherholungsziele der Bad Godes-
berger Bevölkerung.
3.2 Verkehrsanbindung
Der Stadtbezirk ist aus verkehrlicher Sicht innerhalb
der Region und darüber hinaus gut angebunden. An
der nördlichen Grenze liegt die A 562. Des Weiteren
führt die B 9 in Nord-Süd-Richtung durch Bad
Godesberg und liefert einem unmittelbaren An-
schluss in die Bonner Innenstadt und an die A 565.
Die Autobahn A 562 bietet eine Anschlussmöglich-
keit an die Autobahn A 59 und damit eine schnelle
Anbindung an umliegende Städte sowie eine direkte
Verbindung zum Köln/Bonner Flughafen.
Bad Godesberg ist an den Schienenpersonenverkehr
(SPNV) angebunden. Der Bahnhof Bad Godesberg
befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt.
Der zweite Bahnhof liegt in Mehlem bzw. Lannes-
dorf. Die Bahnhöfe werden regelmäßig von ver-
schiedenen Regionalbahnen bzw. Regionalexpress-
zügen angefahren. Der RE 5 (RRX) Rhein-Express
und die RB 26 Mittelrhein-Bahn bieten eine Verbin-
dung in weite Teile des Rheinlands und zum Mittel-
rhein, wie zum Beispiel Köln, Koblenz und Mainz.
Weitere Ziele wie Ahrweiler und Wuppertal erreicht
man mit der RB 30 Rhein-Ahr-Bahn bzw. der RB 48
RheinWupper-Bahn. Mit diesen Linien ist auch die
Bonner Innenstadt zügig zu erreichen. Es besteht
eine Anbindung an den Hauptbahnhof Bonn. Zwei
Stadtbahnlinien fahren von Bad Godesberg aus in
Richtung Bonn-Tannenbusch und Köln-Niehl. Über
verschiedene Buslinien werden der restliche Stadt-
bezirk sowie die Nachbargemeinde Meckenheim
erschlossen.
Mit der guten Anbindung, der regionalen Einbin-
dung sowie der unmittelbaren Nähe zur Innenstadt
von Bonn verfügt der Stadtbezirk Bad Godesberg
über gute Voraussetzungen als attraktiver 

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

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Datenstand: 02.11.2026, 17:59 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de