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210992-12 · Beschlussvorlage

Grundsatzentscheidung zur Festlegung künftiger Klärschlammverwertung; hier Klärschlammtransport von der Kläranlage Bonn Salierweg zur neuen Klärschlammverwertungsanlage (KVA) in Köln Merkenich

Nummer
210992-12
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
19.03.2025
Letzte Änderung
02.11.2026
  • Bad Godesberg Stadtbezirk· Alt-Godesberg Hauptort
  • Salierweg Straße· Graurheindorf, Bonn
  • Markt Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Römerstraße Straße· Nordstadt, Bonn
  • Bonn Stadtbezirk
  • Beuel Stadtbezirk· Beuel-Mitte
  1. Sitzung des Rates 08.05.2025 Entscheidung federführend
  2. Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 13.05.2025 Empfehlung
  3. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 01.04.2025 Empfehlung
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Beschlussvorlage
öffentlich
210992-12
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
66 Tiefbauamt
Dezernat:
Dez. III
Grundsatzentscheidung zur Festlegung künftiger
Klärschlammverwertung; hier
Klärschlammtransport von der Kläranlage Bonn
Salierweg zur neuen
Klärschlammverwertungsanlage (KVA) in Köln
Merkenich
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
05.03.2025 Empfehlung
Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und
Vergabe
13.05.2025 Empfehlung
Rat 08.05.2025 Entscheidung
Begründung der Eilbedürftigkeit:
Die KLAR GmbH will den BImSchV-Genehmigungsantrag einreichen. Die Ent-
ladeleitung vom Hafen zur KVA wird Bestandteil der Genehmigung sein.
Wenn die Entscheidung über eine LKW-Verladung rechtzeitig getroffen wird,
kann die KLAR GmbH den Antrag noch vor Abgabe (bei einer Entscheidung für
LKW) ändern.
Aktuell geht die KLAR aufgrund der Beschlusslage von einer Verladung per
Schiff aus. Die Verladung des Klärschlamms auf LKWs erfordert aber eine we-
sentlich andere Verladetechnik (s. Begründung Vorlage).
Ein Beschluss ist daher dringend erforderlich, da bei einer späteren Änderung
der Zeitplan gefährdet wäre. Im schlimmsten Fall wären Regressansprüche
möglich.
Beschlussvorschlag
1. Der Ratsbeschluss vom 28.06.2021 DS-Nr. 210992-02 AA, den
Klärschlammtransport von der Kläranlage Bonn Salierweg zur neuen
Klärschlammverwertungsanlage (KVA) in Köln Merkenich über
Transportschiffe mit umweltfreundlichen Antrieben durchzuführen, wird
aufgehoben.
2. Dem Klärschlammtransport von der Kläranlage Bonn Salierweg zur neuenSeite 1 von 28
Seite 2
Klärschlammverwertungsanlage (KVA) in Köln Merkenich per LKW mit
umweltfreundlichen Elektro-Antrieb wird vorbehaltlich der Empfehlung des
Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe zugestimmt.
3. Die Verwaltung prüft vorbehaltlich der Empfehlung des Ausschusses für
Finanzen, Beteiligungen und Vergabe in Abstimmung mit der KVA, ob die
dortige Planung für eine perspektivische Option des Schiffstransports
offengehalten werden kann, um bei sinkenden Schiffstransportkosten die
Transportart neu überdenken zu können.
Begründung
Die Stadt Bonn ist im Sommer 2022 als Gesellschafterin der
Klärschlammverwertung am Rhein GmbH (KLAR GmbH) zum Neubau einer
Klärschlammverwertungsanlage in Köln beigetreten, um ab 2029 die
Verwertung der Bonner Klärschlämme langfristig sicherzustellen. Die KLAR
plant zurzeit in Köln- Merkenich den Neubau der KVA. Der Baubeginn ist für
Ende 2025, die Inbetriebnahme für 2029 vorgesehen.
Zum Zeitpunkt der damaligen Entscheidungsfindung über die Art und Weise
des Transports des Klärschlamms von Bonn nach Köln standen nur
dieselbetriebene Lkw am Markt zur Verfügung. Aufgrund der Nähe der Bonner
Kläranlage und der neu zu errichtenden Verwertungsanlage in Köln zum Rhein
kam die Idee auf, den Klärschlamm per Schiff zu transportieren. Das Schiff
sollte mit einem umweltfreundlichen Antrieb ausgestattet werden.
Diese Idee fußte auf der Annahme, dass zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme der
Anlage, also Jahre später, entsprechende Schiffe und Antriebe zur Verfügung
stehen würden. Die HGK (Häfen und Güterverkehr Köln AG) gab in den
seinerzeitigen Gesprächen an, zu gegebener Zeit in der Lage zu sein, den
Transport mit einem solchen Schiff zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen
anzubieten. Allerdings waren 2022 weder geeignete Schiffe noch
umweltfreundliche Antriebe am Markt verfügbar, so dass eine belastbare
Kostenschätzung kaum möglich war.
Diese Unwägbarkeiten hat die Verwaltung in der ursprünglichen Vorlage
„Grundsatzentscheidung zur Festlegung künftiger Klärschlammverwertung –
DS 210992“ dargestellt (Auszug aus Vorlage: „Sollte ein Schiffstransport
hinsichtlich der Höhe der hieraus resultierenden Gebühren nicht darstellbar
sein, besteht die Möglichkeit einer Anlieferung per Lkw.“)
Zunächst fiel daher die Empfehlung der Verwaltung unter dem Gesichtspunkt
der Kostenvergleichbarkeit für die Transportvariante „Schiff mit
umweltfreundlichem Antrieb“ als die Transportart mit einer deutlichen
geringeren Umweltbelastung gegenüber derjenigen mit dieselbetriebenen LKW.
Mittlerweile zeichnet sich die Verfügbarkeit von Transportschiffen mit
Elektroantrieb ab, aber auch elektrobasierte LKW stehen heute seitensSeite 2 von 28
Seite 3
verschiedener Anbieter am Markt zur Verfügung.
Inzwischen hat die Planung einen Detaillierungsgrad erreicht, der auf der Basis
marktverfügbarer Technologie eine belastbarere Schätzung der Kosten für den
Schiffstransport ermöglicht.
Für die Klärschlammbe- und -entladung des Schiffes wäre eine Hafenanlage in
Bonn im Bereich der Kläranlage Salierweg und in Köln Merkenich im Bereich
der neuen Klärschlammverwertungsanlage erforderlich. An der neuen
Klärschlammverwertungsanlage in Köln wäre die Nutzung des Hafens Köln
Niehl II, an der Kläranlage Salierweg die Nutzung des benachbarten Bonner
Hafens vorgesehen.
Eine Gegenüberstellung der Kosten bei Schiffs-, Elektro-LKW und Diesel-LKW
mit den jeweiligen Auswirkungen auf die Abwassergebühren ergibt nun ein Bild,
dass sowohl den Diesel-LKW-Transport als auch in noch sehr viel deutlicherem
Maß den Schiffstransport als die kostenintensiveren Transportvarianten
ausweist (vgl. hierzu auch Anlage 1).
Schiff LKW Elektro LKW Diesel
Schmutzwasser-
gebühr SW (Ct/m³) 12,96 Ct/m³ 1,96 Ct/m² 3,49 Ct/m³
Niederschlagswasser-
gebühr NW (Ct/m²) 6,44 Ct/m² 0,97 Ct/m² 1,74 Ct/m²
Kostenfaktor SW u. NW
bezogen auf E-LKW 6,7-fach 0 1,8-fach
Musterhaushalt MH
(€/Jahr) 27,17 € 4,11 € 7,32 €
Abwassergebühren-
erhöhung MusterhaushaltSeite 3 von 28
Seite 4
in % bezogen auf 2025 4,1 % 0,6 % 1,1 %
Musterhaushalt (
€/über 25 Jahre) 839,00 € 148,00 € 283,00 €
Kostenfaktor zum
Elektro-LKW (25 Jahre) 5,7-fach 0 1,9-fach
Der Stromverbrauch wurde wie folgt kalkuliert:
Elektro-LKW: maximal 5 Fahrten/Tag bei einer Transportentfernung von 96 km
hin und zurück. Bei 1,2 kWh/km ergibt sich ein Strombezug von ca. 124.800
kWh pro Jahr.
E-Schiff: Stromverbrauch von ca.1.600.000 kWh pro Jahr (Schiffsantrieb für die
Fahrt vom Hafen Köln zum Hafen Bonn und Pumpenleistung vom Schiff zum
Klärschlammbunker der KVA.
Kosten können in der Gebührenkalkulation Berücksichtigung finden, wenn sie
betriebsbedingt sind und einen unmittelbaren Bezug zur betreffenden
öffentlichen Einrichtung haben. Diese Berücksichtigungsfähigkeit ist
grundsätzlich bei den Kosten für den Klärschlammtransport von Bonn zur
neuen KVA in Köln- Merkenich zu bejahen.
Die Auswahl der konkreten Transportvariante ist dabei im Hinblick auf eine
gebührenrechtlich zwingende „Notwendigkeit“ der Kosten primär unter
Berücksichtigung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit,
lediglich sekundär auch unter Berücksichtigung anderweitiger Faktoren
vorzunehmen. Im Hinblick auf die jetzt ermittelten, hohen Kostenunterschiede
sowohl bei den Gebührensätzen für Schmutzwasser und Niederschlagswasser
als auch bei den Kosten für den Bonner Musterhaushalt zwischen der
Transportlösung mit Schiff und den Transportlösungen mit Diesel-LKW können
daher gebührenrechtlich – in Gestalt einer Ermessensreduktion auf Null – aus
Sicht der Verwaltung, lediglich die Transportkosten des Klärschlamms per
Elektro-Lkw in der Gebührenkalkulation Berücksichtigung finden.
Demgegenüber sind die überdurchschnittlich hohen Kosten für die
Transportlösung per Schiff gebührenrechtlich nicht berücksichtigungsfähig, so
dass eine Refinanzierung dieser Kosten durch die Gebührenerhebung nicht
erfolgen kann. Von daher müssten diese Kosten wiederrum aus dem
allgemeinen Haushalt getragen werden, was aus Sicht der Verwaltung
allerdings auch mit Blick auf die aktuelle städtische Haushaltslage und die
allgemein zu beachten- den Haushaltsgrundsätze von Wirtschaftlichkeit undSeite 4 von 28
Seite 5
Sparsamkeit sehr kritisch zu betrachten ist.
Letztlich kann somit unter Berücksichtigung der gebühren- und
haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen und zu den heute bestehenden
Kostengrößen ein Klärschlammtransport mittels Elektro-LKW in Betracht
kommen. Vor dem Hintergrund, dass mit elektrobetriebenen Lkw auch ein
umweltfreundlicher Transport des Klärschlamms sichergestellt werden kann,
erscheint deren Einsatz unter Umwelt- und Klimaaspekten auch vertretbar.
Um angesichts der langen Nutzungsdauer der KVA in Merkenich alle
Transportoptionen offen zu halten, sofern sich in der Zukunft Technologien
ergeben, die zu einer Reduzierung der Kosten für den Schiffstransport führen,
sollte in Zusammenarbeit mit der Kölner Seite geprüft werden, inwieweit die
weitere Planung darauf ausgerichtet werden kann.
Zwischenzeitlich wurde aus den Reihen der Politik die Frage aufgeworfen, ob
sich durch den Bau einer Schlammdruckleitung zwischen der Kläranlage
Salierweg und der autobahnnahen Kläranlage Beuel E-Lkw-Fahrten über die
Römerstraße vermeiden ließen. Dies hätte zur Folge, dass Klärschlamm von
Beuel aus zunächst zur Anlage Salierweg gepumpt, dort der Faulung zugeführt
und im Anschluss gemeinsam mit dem Klärschlamm der Kläranlage Salierweg
und Bad Godesberg zurück nach Beuel gepumpt werden müsste. Da sich
entwässerter Schlamm nicht über derart große Distanzen per Rohrleitung
fördern lässt, müsste Nassschlamm gepumpt werden, der wiederum nicht für
eine Lkw-Beladung geeignet ist. Es wären demnach eine neue Pumpstation auf
der Kläranlage Salierweg, eine zusätzliche Schlammdruckleitung im
vorhandenen Rheindüker unterhalb der Nordbrücke und von dort durch das
Landschaftsschutzgebiet bis zur Kläranlage Beuel, eine
Schlammentwässerungsanlage mit Betriebshalle und eine Lkw-Verladestation
in Beuel neu zu bauen. Zuzüglich weiterer Kosten (Personalkosten etc.) ist
diese Idee in keiner Weise wirtschaftlich oder gar gebührentauglich.
Zu einer weiteren Frage nach der Austrittsmöglichkeit aus dem KLAR-
Kooperationsvertrag ist Folgendes zu sagen:
Ein Austritt aus der KLAR ist nicht realistisch. Die beiden denkbaren
Alternativstandorte für eine KVA auf der Anlage Salierweg oder am Standort
der MVA Bonn wurden seinerzeit politisch intensiv diskutiert und letztlich
verworfen. An den Alternativstandorten müsste die für einen wirtschaftlichen
Betrieb erforderliche Mindestmenge von ca. 35.000 t TS/a thermisch verwertet
werden. Da Bonn nur ca. 7.000 t beisteuert, wäre eine Kooperation mit
Umlandgemeinden erforderlich. Die Anlieferung von dort hätte an beiden
Standorten erheblichen Lkw-Verkehr zur Folge, was seinerzeit eines der
wichtigsten Ausschlusskriterien war.
Abgesehen davon, dass sich an dieser Sachlage nichts geändert hat, sind die
Umlandgemeinden inzwischen in Form der KKP Partner der KLAR GmbH,
stünden also für eine Lösung in Bonn nicht mehr zur Verfügung.
Eine Kündigung des Gesellschaftervertrags wäre theoretisch mit einer Frist von
36 Monaten zum Ende eines Geschäftsjahres möglich. Da eine Anlage anSeite 5 von 28
Seite 6
einem Bonner Standort von Grund auf neu projektiert werden müsste, wäre
eine Fertigstellung bis 2029 vollkommen unrealistisch.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.11.03 Entwässerung und
Abwasserbeseitigung
1.11.03.01 Entwässerung und
Abwasserbeseitigung (KRE)
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen 2.430.000 € 5.66.06.1103.1002/
785200
ab 2025 Haushalt 2025ff
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
Vergebl. Planungsk.
Betriebskosten
9.332,35€
63.644,13 €
36.863,79€
365.000 €
166001103/nr.elev
166001103/72.1000
166001103/72.1000
166001103/ 70.100
72.1000
2024
2025
ab 2029 Haushalt 2029ff
Einzahlungen /
Erträge
365.000€ ab 2029 Abwassergebühren
Haushaltsbelastung
jährlich
0€
Anlage/n
1 Anlage 0 (öffentlich)
2 Anlage 1 - Zusammenstellung Auswirkungen der Varianten auf
Abwassergebühr (öffentlich)
3 Anlage 2 - Investitionskosten Verladung Schiff (öffentlich)
4 Anlage 3 - Hauptabmessungen Schiffskörper (öffentlich)
5 Anlage 4 - Baukosten Klärschlammschiff (öffentlich)
6 Anlage 5 - Kosten Herstellung Rohrleitung und Stromversorgung (öffentlich)
7 Anlage 6 - Wirtschaftlichkeitsrechnung Schiff (öffentlich)Seite 6 von 28
Seite 7
8 Anlage 7 - Kosten Klärschlammentladung in Köln (öffentlich)
9 Anlage 8 - Kosten LKW Diesel (öffentlich)
10 Anlage 9 - Kostenvergleich Varianten (öffentlich)
11 Anlage 10 - Auswirkungen auf Abwassergebühr (Musterhaushalt) (öffentlich)Seite 7 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Detaillierte Darstellung der untersuchten Varianten
Klärschlammtransport per Schiff mit
umweltfreundlichem Antrieb
Zur Umsetzung der Maßnahme „Klärschlammtransport per Schiff“ sind die drei folgenden
Teilmaßnahmen erforderlich.
1. Klärschlammverladung auf der Kläranlage Salierweg und dem Hafen Bonn
2. Klärschlammtransport per Schiff
3. Klärschlammentladung Köln und Transport zur neuen KVA
Zu 1. Klärschlammverladung auf der Kläranlage
Salierweg und dem Hafen Bonn
Zur Umsetzung dieser Maßnahme wird auf die Beschlussvorlage 241292 verwiesen.
Der wesentliche Teil der technischen Anlagen liegt auf dem Gelände der Kläranlage
Salierweg, ein geringer Teil auf dem Gelände des Hafens Bonn.
Die Anlagen würden für den Transport des entwässerten Klärschlamms aus dem Gebäude
der Schlammentwässerung mittels Pumpen und Rohrleitung zu neu zu errichtenden
Klärschlammsilos genutzt, die zur Zwischenspeicherung des Klärschlamms erforderlich
wären. Von den Klärschlammsilos würde eben- falls mittels Pumpen und Rohrleitung der
Weitertransport vom Gelände der Kläranlage zur nahe gelegenen Übergabestelle am
vorgesehenen Liegeplatz des Klärschlammschiffes im Bonner Hafen erfolgen.
Die Beladung würde innerhalb von 4 bis 8 Stunden erfolgen. Anschließend führe das Schiff
zum Hafen Köln Niel II
Die voraussichtlichen Investitionskosten betragen ca. 7.455.000 Euro netto. (vgl. Anlage
2)
Zu 2. Klärschlammtransport per Schiff
Gemäß Ratsbeschluss soll der Klärschlammtransport per Schiff mit umwelt- freundlichen
Antrieben erfolgen.
Schiffe, die zum Transport von Klärschlamm geeignet sind und eingesetzt wer- den, sind
am Markt nicht vorhanden. Dies betrifft vor allem auch entsprechende Transportschiffe mit
umweltfreundlichen Antrieben.
Daher müsste das erforderliche Schiff komplett als Einzelanfertigung neu konzipiert,
geplant und gebaut werden.Seite 8 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
In Abhängigkeit von den technischen, betrieblichen und logistischen Erfordernissen des
Betriebes der Kläranlage Salierweg und der neuen Klärschlammverwertungsanlage KVA in
Köln wurden im Vorfeld mögliche Randbedingungen für die Schiffsbeladung mit
Klärschlamm im Hafen Bonn sowie die Schiffsentladung im Hafen Köln Niehl sowie
technische Randbedingungen und Vorgaben für das Klärschlammtransportschiff durch die
KLAR GmbH und das Fachamt erarbeitet.
Auf dieser Grundlage wurde eine Machbarkeitsstudie zur Aufstellung eines
Schiffskonzeptes für den Transport von Klärschlamm und eine Kostenschätzung erstellt.
Folgende Punkte wurden untersucht:
- Antriebskonzept für den umweltfreundlichen Schiffsantrieb
- Konzept für die Lager- und Fördertechnik auf dem Schiff mit Festlegung der Schiffsgröße
- Grobschätzung der Kosten für das Schiff und Schiffstechnik.
Folgende technischen/betrieblichen/logistischen Rahmenbedingungen sind in der
Konzeptstudie mitberücksichtigt:
 Klärschlammtransportmenge aus Bonn pro Woche ca. 800 Tonnen bzw. m³
 Klärschlammeigenschaften: Feststoff-Gehalt des Klärschlamms: 24-28% TS
(i.M. 25% TS)
 Wöchentlicher Pendelverkehr zwischen Hafen Bonn und Hafen Köln
- Beladedauer in Bonn: 4 bis 8 Stunden
- Entladedauer in Köln: 3 bis 5 Tag
- Liegezeit in Köln: ca. 6 Tage
 Flachwasseroptimierte Bauweise
 Transport des Klärschlamms vom Schiff am Anleger in im Hafen Köln mittels
Pumpentechnik (auf dem Schiff) und Rohrleitung zum ca. 400 m entfernten
Klärschlammannahmebunker der neuen KVA
 Sicherstellung von Geruchsdichtigkeit, Explosionsschutz, Schallschutz der
Fördertechnik etc.
 Bereitstellung landseitiger Stromversorgung
Die Machbarkeitsstudie kommt zu folgenden Ergebnissen:Seite 9 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
 Hauptabmessungen Schiffskörper: s.
Anlage 3
 Technisches Konzept (Klärschlamm-Be- und Entladung)
Von der Siloanlage auf der KA Salierweg würde der Klärschlamm mit Pumpen über
Verbindungsleitungen zum Hafen Bonn und dort bugseitig auf das Schiff gepumpt.
Das Schiff verfügt über einen geschlossenen Laderaum mit vier Klärschlamm- containern, in
denen der Klärschlamm gelagert wird. Jeder Container hat eine
Kapazität von 240 m³.
Der Klärschlamm wird über ein Rohrleitungssystem mit acht Abwurfpunkten je Container in
den vier Klärschlammcontainern gleichmäßig verteilt. Die Container sind in
Kassettenbauweise ausgeführt und zur Entleerung mit Schubböden und mittiger
Austragsschnecke ausgerüstet.
Die Umschlagtechnik zur Entladung des Klärschlamms befindet sich komplett an Bord des
Schiffes.
Die Klärschlammentladung der einzelnen Container würde über die Austragsschnecken zu
einer Dickstoffpumpe in Schiffsmitte erfolgen. Von dort würde der Klärschlamm zum
Vorschiff zu speziellen Entladepumpen gepumpt. Die Fördermenge beträgt 10 m³KS/h.
Zur Entladung des Klärschlamms würde die Entladeleitung des Schiffs an eine noch zu
bauende Druckrohrleitung am Liegeplatz im Hafen Köln angeschlossen. Durch diese
Druckrohrleitung würde der Klärschlamm vom Schiff zur ca. 400 Meter entfernten
Klärschlammverbrennungsanlage direkt in den Klärschlammannahmebunker gepumpt.
Das Schiff würde in einer flachwasseroptimierten Bauweise geplant. Der An- trieb würde
mit 2 Festpropellern auf Welle mit Düse erfolgen. Dabei handelt es sich um ein
hocheffizientes Antriebssystem mit guter Flachwassergängigkeit.
Der Tiefgang bei voller Fahrt entspricht dem mindestens befahrbaren Wasser- stand von
1,42 m Bonner Pegel. Bezogen auf den Pegelstand der letzten 30 Jahren lagen 37 Tage
im Durchschnitt unter dem Wasserstand. Für diesen Fall wäre der Klärschlammtransport
per LKW als Ersatz vorgesehen, sofern der Rheinpegel länger als eine Woche
durchgehend unter diesem Pegelstand liegt.
 Schiffsantrieb
Beim Antriebskonzept wurden drei Antriebsvarianten untersucht:
 batterieelektrischer Antrieb
 Diesel-Batterie Hybrid Antrieb
 Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb
Die Wahl des Antriebssystems wird hauptsächlich auf Basis der Verfügbarkeit und der
Umweltverträglichkeit getroffen.Seite 10 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
 Batterieelektrischer Antrieb
Mit einem rein Batterie-elektrisch betrieben Schiff entfallen sowohl die lokalen Emissionen,
also auch die Zulassungsschwierigkeiten. Die Umweltfreundlichkeit hängt in diesem Fall
maßgeblich vom eingekauften Strommix ab. Somit wird das Schiff mit rein Batterie-
elektrischem Antriebsstrang geplant. Die Strecke zwischen Bonn beträgt 43 km und kann
vollständig aus den an Bord installierten Batterien geleistet werden. Dazu wird geplant,
dass das Schiff im Hafen Köln-Niehl II und auch im Hafen der AZS in Bonn geladen wird.
Es wird im Konzept mit einer Batteriekapazität von 3100 kWh geplant.
 Diesel-Batterie Hybrid Antrieb
Das Diesel-Hybrid System verspricht die Unabhängigkeit von Ladestellen. Je- doch wird
das Schiff weiterhin mit lokalen CO2-Emissionen betrieben, da die Fahrt zwischen Köln
und Bonn nicht durch die Batterie allein abgebildet werden kann.
 Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb
Im Fall eines Wasserstoff-Hybriden Systems würde das Dieselgeneratorset durch eine
Wasserstoff-Brennstoffzelle ersetzt. Damit würden die CO2- Emissionen entfallen, jedoch
wird ein kosten- und wartungsintensives System eingebaut. Beispielsweise müssen die
Brennstoffzellen alle 100 Betriebsstunden einer Durchsicht unterzogen werden, was
geschultes Personal voraussetzt. Für die Zulassung einer Brennstoffzelle auf einem Schiff
gibt es kein standardisiertes Verfahren, vielmehr muss diese in einer speziellen
Gutachterverfahren erlangt werden. Zusätzlich ist die Anzahl der möglichen
Betankungsstellen begrenzt.
Damit erfüllt der Batterie-elektrische Antrieb die Maßgabe, einen umweltfreundlichen
Klärschlammtransport zu gewährleisten, am sichersten.
 Kosten des Klärschlammschiffs
Die voraussichtlichen Baukosten des Klärschlammtransportschiffes mit
batterieelektrischem Antrieb betragen ca. 15.700.000 Euro netto.
Die Baukosten des Schiffes mit Diesel-Batterie Hybrid Antrieb und mit Wasserstoff
Brennstoffzelle betragen jeweils ca. 14.900.000 Euro netto und ca. 18.100.000 Euro netto.
Die Kosten ergeben sich nach der Leistungsbeschreibung wie in Anlage 4 dar- gestellt.Seite 11 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Zu 3. Klärschlammentladung Köln und Transport
zur neuen KVA
Für die Klärschlammentladung des Schiffes wäre der Hafens Köln Niehl II in Köln
Merkenich im Bereich der neuen Klärschlammverwertungsanlage vorgesehen.
Eigentümer des Hafen Köln Niehl II ist die Häfen u. Güterverkehrs Köln AG
(HGK), betrieben wird der Hafen von der Rheincargo GmbH (RC).
Der Hafen Köln Niehl II besteht aus einem Hafenbecken, jedoch ohne
Schiffsentladevorrichtungen (Krananlagen etc.) und ohne Landstromversorgung.
Gegenstand des Lieferumfangs von HGK bzw. Rheincargo als Hafenbetreiber sind die
Festlegung des Liegeplatzes und die Sicherstellung des landseitigen Zugangs über einen
Steg zum Schiff.
Da keine Schiffsentladevorrichtungen vorhanden sind, müsste der Klärschlamm direkt vom
Schiff über eine neu zu bauende Rohrleitung zum Klärschlammbunker der KVA gepumpt
werden.
Die Entladung des Klärschlammschiffs mittels neu zu bauender Krananlage wurde aus
mehreren Gründen verworfen. Durch den Verzicht auf eine Krananlage konnte zusätzlicher
LKW-Verkehr für den Transport des Klärschlamms vom Hafen zur KVA mit
entsprechender Lärm und möglichen Geruchsentwicklungen vermieden werden. Weiterhin
hätte der nur eingeschränkt zur Verfügung stehende Flächenbedarf für eine Krananlage
künftig zu Konflikten und Einschränkungen der übrigen Hafennutzung und Entladelogistik
geführt. Zur Schiffsentladung müsste daher eine neue Rohrleitung zwischen Hafen und
KVA gebaut werden. Hierzu könnte zum größten Teil eine bestehende Rohr- brücke mit
genutzt werden. Die Anbindung des Schiffs und die Anbindung an den
Schlammannahmebunker müssten neu erstellt werden.
Die wesentlichen Projektteile wären die Trassenplanung, die Anpassungsarbeiten an der
Rohrbrücke und die notwendige technische Ausführung der Anbindung der
Schlammleitung an den Schiffsanleger.
Da im Hafen keine Landstromversorgung vorhanden ist, müsste hier ausgehend von einer
Trafostation ein Stromkabel zur Aufladung der Schiffsbatterien und der
Klärschlammentladetechnik neu verlegt werden.
Die voraussichtlichen Kosten für die Herstellung der Rohrleitung und der Stromversorgung
betragen ca. 1.200.000 Euro netto und ergeben sich wie in Anlage 5 dargestellt.
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für den Klärschlammtransport per Schiff inklusive der
Schlammverladung in Bonn sowie der Schlammentladung in Köln wurde durchgeführt.Seite 12 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Die Abschreibungsdauer des Schiffes beträgt 25 Jahre.
Die Abschreibungsdauer der Pumpstation, der Maschinen- und E-Technik be- trägt 15
Jahre.
Die Anschaffungskosten des Schiffes, der Verladetechnik, der Rohrleitungsplanung
betragen ca. 24.350.000 Euro netto (s. hierzu Anlage 6).
Zu den Anschaffungskosten kommen insgesamt ca. 1.823.000 Euro brutto jährliche
Aufwendungen für Wartung, Instandhaltung, Personal, Stromkosten, Liegegebühren und
sonstige Kosten hinzu.
Rechtliche Betrachtung Klärschlammbeladung in
Bonn
Für die Sicherstellung der Klärschlammbeladung des Schiffes ist der Bonner Hafen
vorgesehen, der in direkter Nachbarschaft zur Kläranlage Salierweg liegt.
Es haben Vorgespräche zwischen der Stadt Bonn und dem Hafenbetreiber Am Zehnhoff-
Söns stattgefunden. Für die Nutzung ist bereits eine Absichtserklärung zwischen den
beiden Parteien unterzeichnet worden, die durch die Kanzlei „Webeler Rechtsanwälte“
erstellt wurde. Diese Absichtserklärung wäre zu widerrufen, sie dient zur Erlangung von
Planungssicherheit bis zum Abschluss eines Pachtvertrages, der im Anschluss
abgeschlossen würde.
Der Pachtvertrag würde die Details zur Hafennutzung, zur Klärschlammverladung, den
Liegeplatz, Haftungsbedingungen sowie Investitions- und Betriebs- kosten etc. enthalten.
Ein solcher Pachtvertrag müsste langfristig, z.B. für 30 Jahre, abgeschlossen werden.
Die Verladung der Klärschlämme in Bonn an einem Tag in der Woche ca. sechs Stunden
beanspruchen. Eine Fläche von ca. 300 m2 auf dem Bonner Hafengelände müsste dafür
reserviert werden.
Klärschlammentladung in Köln
Für die Entladung der Klärschlämme ist die Nutzung des Kölner Hafens Niehl II
vorgesehen, der von der Häfen- und Güterverkehr Köln AG (HGK) bzw. der RheinCargo
betrieben wird.
Auch hier haben Vorgespräche stattgefunden. Die Details bezüglich der
Nutzungsbedingungen und des Liegeplatzes würden in einem Letter of Intent (LOI), der
aktuell kurz vor der Unterzeichnung steht, festgehalten. Der LOI wurde gemeinsam mit
dem Rechtsamt der Stadt Bonn ausgearbeitet und von diesem geprüft. Er dient ebenfalls
zur Erlangung der Planungssicherheit. Auch hier müsste ein Vertrag (Gestattungsvertrag)Seite 13 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
über die langfristige Nutzung des Kölner Hafens für die Klärschlammentladung
abgeschlossen werden. Dieser regelt die Bedingungen der Hafennutzung, den genauen
Liegeplatz, Investitionskosten sowie jährliche Nutzungsentgelte.
Die Laufzeit eines Gestattungsvertrages müsste langfristig, z.B. für 30 Jahre, gelten.
Der Kölner Hafen sollte der Hauptliegeplatz des Klärschlamm-Transportschiffes sein. Es
würde dort etwa 6 Tage in der Woche liegen und währenddessen entladen werden.
Organisation des Schiffstransportes
Ein Schiff, das den Anforderungen umweltfreundlichen Antriebs (elektrisch/ Wasserstoff/
vergleichbar) gerecht wird, müsste erst gebaut werden; derartige Schiffe sind bislang noch
nirgendwo in Betrieb.
Für den Schiffstransport der Klärschlämme wurden verschiedene Vergabestrategien und
Betreibermodelle betrachtet.
Ebenfalls betrachtet wurde die Möglichkeit des Baus zweier kleiner statt eines großen
Schiffs, um die Transportleistung jederzeit, auch bei Defekt eines Schiffes, sicherzustellen.
Da aber bereits der Kauf eines Schiffes zu erheblichen Kosten führt, wurde diese Variante
verworfen.
Wettbewerblicher Dialog, Planung, Schiffsbau und
Dienstleistung
Unter anderem wurde der Abschluss eines langfristigen Dienstleistungsvertrages
untersucht, der die Planung, den Bau und die Zurverfügungstellung eines Schiffes
einschließlich der Verladelogistik und die langfristige Transportdienstleistung beinhaltet
und im Rahmen eines wettbewerblichen Dialogs ausgeschrieben werden soll. Der Kauf
eines Spezialschiffes für den Klärschlammtransport mit umweltfreundlichem Antrieb im
Rahmen eines Dienstleistungsvertrages birgt für den Dienstleister die Schwierigkeit der
Finanzierung, da inner- halb der Laufzeit eines entsprechenden Vertrages, z.B. 30 Jahre,
nicht nur die Finanzierung, sondern auch die Abschreibung amortisiert werden müsste. Bei
der Einwerbung von Fremdkapital kann dies zu Problemen führen.
Weiterhin besteht das Risiko der erheblichen Dauer des wettbewerblichen Dia- logs, der
die Planungsphase des Schiffes mitumfasst, verbunden mit dem Risiko, dass das
Verfahren nicht zwingend zu einem wirtschaftlichen Ergebnis führen muss.
Die rechtliche Gestaltung, das Eigentum am Schiff dem Dienstleister zu über- lassen und
eine langfristige rechtliche Bindung mit diesem einzugehen, birgt erhebliche rechtliche und
wirtschaftliche Risiken.
Das Insolvenzrisiko des Dienstleisters birgt die Gefahr, dass die Leistungserbringung
wegfällt und der Erwerb des Schiffes in diesem Fall nur schwer zu sichern wäre. Im Falle
der Insolvenz des Dienstleisters steht dem Insolvenzverwalter ein nicht ausschließbares
Recht der Erfüllungs-bzw. Nichterfüllungswahl des Dienstleistungsvertrages zu. Es lässtSeite 14 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
sich insoweit rechtlich nicht aus- schließen, dass der Dienstleistungsvertrag
möglicherweise vorzeitig endet und die Versorgungssicherheit gefährdet ist.
Hinzu kommt die Entstehung eines Abhängigkeitsverhältnisses der Stadt Bonn vom
Dienstleister. Zwar können Vertragsstrafen vereinbart werden. Diese wären aber bei
Leistungsverweigerung des Dienstleisters faktisch nicht erfolgreich einzufordern. Eine
Kündigung des Vertrages und die Ersatzbeschaffung eines Schiffes könnte mehrere Jahre
dauern.
Über eine Vertragslaufzeit, die der Abschreibungs- und Amortisationsdauer des Schiffes
entspricht, z.B. von 20-30 Jahren, sind Leistungsstörungen nicht aus- zuschließen, denen
sich mit sekundären Ansprüchen wie Schadenersatz- oder Vertragsstrafenansprüchen nur
eingeschränkt begegnen lässt. Die Kündigung als Ultima Ratio ist faktisch
ausgeschlossen, da die Stadt Bonn über kein Er- satzschiff verfügt. Die Stadt Bonn gerät
insoweit aus der Alleinstellung des Dienstleisters heraus sehr schnell in eine
wirtschaftliche Druck- und Abhängigkeitssituation.
Im Rahmen des wettbewerblichen Dialogs sind die Bieter mit den Planungskosten für das
Schiff belastet, ohne dass sie eine sichere Aussicht auf den Auftrag haben. Die
Bereitschaft zur Teilnahme wird als gering eingeschätzt.
Eine Risikobeschränkung ließe sich durch die Gründung einer gemeinsamen
Schiffseignergesellschaft bzw. die gesellschaftliche Beteiligung am Unternehmen des
Schiffseigners oder Dienstleisters erreichen. Gegenstand des Vergabeverfahrens könnte
dann der Erwerb eines Geschäftsanteils und die Erteilung von Aufträgen an die
gemeinsame Gesellschaft sein. Im Falle der Insolvenz könnte die Stadt Bonn das Schiff
bzw. den Geschäftsanteil übernehmen. Im Falle der Leistungsstörung oder
Nichterbringung der Transportleistung könnte auf die Willensbildung der Gesellschaft
Einfluss genommen werden.
Insgesamt ist die Vergabe des Auftrags über den Bau und Betrieb des Schiffes an einen
Dritten als langfristigen Dienstleistungsauftrag nicht zu empfehlen.
Ing.-Büro und nachfolgende Komplettvergabe
Ferner wurde die Beauftragung eines Ingenieur-Büros mit dem Ziel der Erstellung einer
Bauvorschrift betrachtet. In diesem Fall könnte der Bau des Schiffs und die Erbringung der
Dienstleistung durch die Stadt Bonn beauftragt werden. Die Risiken der Insolvenz oder der
Nichterfüllung der Leistung gelten analog zu vorgenannter Variante. Vorteilhaft wäre eine
bessere Umsetzbarkeit der Vergabe des Schiffsbaus und der Transportdienstleistung
gegenüber dem wettbewerblichen Dialog, für den die Bereitschaft zur Teilnahme als noch
geringer eingeschätzt wird. Aus diesen Gründen wird diese Variante nicht weiterverfolgt.
Ing.-Büro und nachfolgende Einzelvergabe
Schiffsbau (Werft) und Trans- port (Dienstleister)
Die Möglichkeit der Erstellung einer Bauvorschrift, mit welcher der Bau des Schiffes
ausgeschrieben und der Betrieb im Anschluss als Dienstleistungsvertrag separatSeite 15 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
ausgeschrieben werden kann, wurde ebenfalls betrachtet. Die Stadt Bonn würde dann
Eigentümer des Schiffes. Sowohl das Rechtsamt der Stadt Bonn als auch die
bearbeitende Anwaltskanzlei sehen insbesondere im Erwerb des Schiffes durch die Stadt
Bonn Vorteile. Bei Insolvenz eines Dienstleisters könnte entsprechend ein neuer beauftragt
werden. Bei einer Schlechtleistung des Dienstleisters könnte diesem gekündigt und ein
Dritter beauftragt werden.
Baukosten für das Schiff fallen unabhängig davon an, ob das Schiff durch die Stadt Bonn
oder einen privaten Dienstleister finanziert wird, wobei die Stadt Bonn möglicherweise als
Gebietskörperschaft günstigere Kreditkonditionen erhält.
Durch die höheren Risiken der oben dargestellten Varianten und den entsprechend
geringeren Risiken im Zusammenhang mit dem Eigenerwerb des Schiffes ist diese Variante
vorzugswürdig.
Klärschlammtransport per umweltfreundlichem
batteriebetriebenem Elektro-Lkw
Als Alternative zum Schiffstransport können die Klärschlämme per elektrisch betriebener
Lkw zur Klärschlammverbrennungsanlage nach Köln Merkenich transportiert werden.
Bei der hier untersuchten Variante wird der Klärschlammtransport in Eigenregie des
Tiefbauamtes untersucht. Für die Betrachtung wurde der Erwerb von 2 batteriegetriebenen
Elektro-Lkw (Zugmaschine) sowie der Klärschlammtransport mit eigenem Personal
untersucht. Da ein ganzjähriger, kontinuierlicher täglicher Transport während der
werktäglichen Annahmezeiten der KVA in Köln gewährleistet sein muss, wird in dieser
Untersuchung zur Abdeckung von Urlaubszeiten, Krankheit und möglichem Schichtbetrieb
von 4 Lkw-Fahrern aus- gegangen.
Die Untersuchung des Klärschlammtransportes mit einem externen Dienstleister
einschließlich Elektro-LKW wurde für diese Untersuchung verworfen, da zurzeit nicht
sichergestellt werden kann, ob entsprechende Elektro-Lkw aufgrund der für Lkw sehr
geringen Kilometerlaufleistung zur Verfügung gestellt werden.
Die Variante Klärschlammverladung auf der Kläranlage Salierweg und Lkw- Transport zu
einer externen Verbrennungsanlage wurde in einer Machbarkeitsstudie „Strategien und
Alternativen zur zukünftigen Klärschlammentsorgung und Einflüsse auf den Standort der
Kläranlage Salierweg in Bonn“ 2018 unter- sucht Diese Untersuchung wurde die
Betrachtung der baulichen Maßnahmen zugrunde gelegt.
Klärschlammverladung in Bonn
Die Klärschlammverladung erfolgt analog zum Schiffstransport ausgehend von Containern
mit Auflieger auf der Kläranlage Salierweg, die der Zwischenspeicherung des
entwässerten Klärschlamms dienen.
Entsprechende Rohrleitungen und Pumpen, mit Hilfe derer der Klärschlamm aus derSeite 16 von 28
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maschinellen Schlammentwässerung zum Aufstellplatz der Lkw- Verladung in
unmittelbarer Nähe gepumpt werden muss, werden, wenn auch in erheblich geringerem
Umfang als bei der Variante zum Schiffstransport, eben- falls benötigt.
Über ein System von z.B. Spiralförderern kann jeder Container am Aufstellplatz einzeln
beschickt werden. Bei der Anlagenkonzeption der Schlammverladung mit einer dem Stand
der Technik entsprechenden Überdachung ggfls. mit vollständiger Einhausung mit
Schnelllauftoren und Anschluss Ablufterfassung/-behandlung versehen.
Ausgehend von einer anfallenden Schlammenge von ca. 100 m³/d, kann durch die
Bereitstellung von 6 x 25 m³ Containern eine Zwischenlagerkapazität von ca. 2 Tagen
ohne den Einsatz von weiteren Containern sichergestellt werden. Durch zusätzliche
Container mit entsprechenden Rangierfahrten der E-Lkw kann die Zwischenlagerkapazität
im Bedarfsfall erweitert werden.
Klärschlammentladung in Köln
Die Entladung der Klärschlämme in der Klärschlammverbrennungsanlage Köln Merkenich
erfolgt ausgehend von den Lkw direkt in den Schlammbunker, ohne dass es einer
Schlammdruckleitung bedarf. Die Annahme in Köln findet werk- tags in der Zeit von 6 bis
22 Uhr statt.
Die voraussichtlichen Anschaffungskosten inklusive der Technik für die
Klärschlammverladung betragen 2.042.000 Euro netto und setzen sich wie
in Anlage 7 dargestellt zusammen.
Zu den Anschaffungskosten kommen insgesamt ca. 365.000 Euro brutto jährliche
Aufwendungen für Wartung und Instandhaltung, Personal und sonstige Kosten.
Ein Vergleich mit dem Klärschlammtransport per herkömmlicher Lkw ergibt eine Differenz
von 947 Euro netto pro Tonne Klärschlamm zugunsten der elektrischen Variante. Damit ist
die Benutzung der elektrischen Lkw die preisgünstigste Transportmöglichkeit.
Klärschlammtransport per dieselbetriebener Lkw
Als weitere Alternative zum Schiffstransport kann der Klärschlammtransport durch einen
externen Dienstleister mit herkömmlichem dieselbetriebenem Lkw erfolgen.
Die erforderlichen baulichen Maßnahmen auf der Kläranlage Salierweg zur Verladung des
Klärschlamms sind identisch zu der vorherigen Untersuchung mit Elektro-Lkw.
Die Ver- und Entladung des Klärschlamms erfolgt analog zur Elektro-Lkw- Variante
ausgehend von der maschinellen Schlammentwässerung auf der Kläranlage Salierweg,
Transport und Entladung direkt in den Schlammbunker in der
Klärschlammverbrennungsanlage Köln Merkenich (s. Anlage 8).
Zu den Kosten für die baulichen Maßnahmen kommen insgesamt ca. 925.000 Euro brutto
jährlich als Aufwendungen für den Klärschlammtransport durch einen Dienstleister, für
Wartung, Instandhaltung, Personal und sonstige Kosten hinzu.Seite 17 von 28
Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Kostenvergleich der untersuchten Varianten und
Auswirkung auf die Ab- wassergebühren
In Anlage 9 sind die Investitionskosten und die Betriebskosten (im ersten
Betrachtungsjahr) dargestellt.
Auf Grundlage der ermittelten Kosten wurde eine Kostenvergleichsrechnung über einen
Zeitraum von 25 Jahren aufgestellt. Hierbei wurden Baukosten- und
Betriebskostensteigerungen berücksichtigt.
Die Kosten für der Bonner Musterhaushalt bei Umsetzung der jeweiligen Maß- nahmen
wurde auf dieser Basis abgeschätzt.
Die Ergebnisse sind in der Anlage 10 für den Bonner Musterhaushalt (4 Personen, 150 m3
Jahres-Wasserverbrauch, 120 m2 befestigte Fläche) dargestellt und betragen im Jahr
2025 663,60 Euro Abwassergebühren.
Die Voraussetzungen des §82 GO NRW (vorläufige Haushaltsführung) sind erfüllt, da es
sich um eine vertraglich vereinbarte Fortsetzungsmaßnahme handelt.
Für den Klärschlammtransport per Schiff sind bereits investive Planungskosten in Höhe
von 109.840,27 € angefallen.
Wenn der Transport auf umweltfreundlichen Elektro-LKW umgestellt werden soll, ist dieser
Betrag als vergebliche Planungskosten in den Aufwand umzubuchen.
Die investiven Auszahlungen werden durch die jährlich anfallenden kalkulatorischen
Abschreibungen, die durch die Abnutzung des herzustellenden Anlagevermögens entstehen,
und die kalkulatorischen Zinsen als Aufwand durch die Abwassergebühren refinanziertSeite 18 von 28
Anlage 1
Schiff Elektro-
LKW
dieselbetriebener
LKW
Schmutzwassergebühr SW
(Ct/m³)
12,96
Ct/m³
1,96
Ct/m²
3,49 Ct/m³
Niederschlagswassergebühr
NW (Ct/m²)
6,44
Ct/m²
0,97
Ct/m²
1,74 Ct/m²
Kostenfaktor SW u. NW
bezogen auf E-LKW
6,7-
fach
0 1,8-fach
Musterhaushalt MH
(€/Jahr)
27,17
€
4,11 € 7,32 €
Abwassergebührenerhöhung
Musterhaushalt in %
bezogen auf 2025
4,1 % 0,6 % 1,1 %
Musterhaushalt (€/über 25
Jahre)
839,00
€
148,00 € 283,00 €
Kostenfaktor zum Elektro-
LKW (25 Jahre)
5,7-
fach
0 1,9-fachSeite 19 von 28
Anlage 2
Angaben in Euro
Schlammverladung (Silos, Pumpen-
technik, Stromversorgung)
5.350.000 €
Sonstiges/ Unvorhersehbares 505.000 €
Planung 1.600.000 €
Gesamtsumme netto 7.455.000 €
Mehrwertsteuer 19% 1.416.450 €
Gesamtsumme brutto 8.871.450 €Seite 20 von 28
Anlage 3
- Hauptabmessungen Schiffskörper:
Länge ca. 85,90 m
Breite ca. 11,45 m
Seitenhöhe 3,00 m
Tiefgang leer 1,10 m
Tiefgang beladen 2,00 m
Verdrängung (T=2,00 m) ca. 1650 m³
Maximale Geschwindigkeit 16 km/h
Installierte Antriebsleistung 2 x 440 kW
Besatzung 3 Personen + 1 Person als
ReserveSeite 21 von 28
Anlage 4
Leistungsbeschreibung Batterie-
Elektrisch
Diesel-
Hybrid
Wasserstoff-
Hybrid
Schiffskosten 9.700.000 € 9.100.000 € 11.700.000 €
Klärschlammtechnik 3.100.000 €
Summe netto 12.800.000
€
12.200.000
€
14.800.000 €
Zulassungs- /
Nebenkosten
ca. 180.000
€
ca. 180.000
€
ca. 220.000
€
Unvorhersehbares/
Sonstiges
2.011.900 € 1.857.000 € 2.253.000 €
Planung 700.000 € 700.000 € 800.000 €
Summe netto 2.891.900 € 2.737.000 € 3.273.000 €
Gesamtsumme netto 15.691.900
€
14.937.000
€
18.073.000 €
Mehrwertsteuer 19% 2.981.461 € 2.838.030 € 3.433.870 €
Gesamtsumme brutto 18.673.361
€
17.775.030
€
21.506.870 €Seite 22 von 28
Anlage 5
Angaben in Euro (netto)
Schlammentladung (Rohrleitung,
Anbindung Rohrbrücke,
Stromversorgung)
1.043.600 €
Unvorhersehbares/ Sonstiges 111.540 €
Planung 42.000 €
Summe netto 1.197.140 €
Mehrwertsteuer 19% 227.457 €
Gesamtsumme brutto 1.424.597 €Seite 23 von 28
Anlage 6
Kosten in EURO
(brutto)
Klärschlammverladung auf der Kläranlage
Salierweg
8.871.000 €
Klärschlammschiff 18.674.000 €
Klärschlammentladung Köln 1.425.000 €
Gesamtsumme 28.970.000 €Seite 24 von 28
Anlage 7
Angaben in Euro
(netto)
Elektrisch
betriebener E-Lkw-
Zugmaschine
2x, je 350.000 700.000 €
Klärschlammverladung
inkl.Planung,
Sonstiges etc.
1.342.000 €
Summe netto 2.042.000 €
Mehrwertsteuer 19% 388.000
€
Gesamtsumme brutto 2.430.000 €Seite 25 von 28
Anlage 8
Angaben in Euro
(netto)
Klärschlammverladung
inkl.Planung,
Sonstiges etc.
1.328.000 €
Summe netto 1.328.000 €
Mehrwertsteuer 19% 252.320 €
Gesamtsumme brutto 1.580.320 €Seite 26 von 28
Anlage 9
Kosten in
EURO (brutto)
Klärschlammtra
nsport per
Schiff
Klärschlammtra
nsport per
Elektro-Lkw
Klärschlammtra
nsport per
dieselbetriebe
ne Lkw
Investitionsk
osten
28.970.000 2.430.000 1.580.320
Betriebskoste
n
1.823.000 360.000 925.000Seite 27 von 28
Anlage 10
Schiff Elektro-
LKW
dieselbetriebener
LKW
Schmutzwassergebühr SW
(ct/m3)
12,96
Ct/m3
1,96
Ct/m3
3,49 Ct/m3
Niederschlagswassergebühr
NW (Ct/m2)
6,44
Ct/m2
0,97
Ct/m2
1,74 Ct/m2
Kostenfaktor SW u. NW
bezogen auf E-LKW
6,7-
fach
0 1,8-fach
Musterhaushalt MH
(€/Jahr)
27,17
€
4,11 € 7,32 €
Abwassergebührenerhöhung
Musterhaushalt in %
bezogen auf 2025
4,1 % 0,6 % 1,1 %
Musterhaushalt (€/über 25
Jahre)
839,00
€
148,00 € 283,00 €
Kostenfaktor zum Elektro-
LKW (25 Jahre)
5,7-
fach
0 1,9-fachSeite 28 von 28

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Datenstand: 02.11.2026, 20:14 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de