210955 · Mitteilungsvorlage
Denkmalrelevante Vorlagen in anderen Ratsgremien
Kerndaten
- Nummer
- 210955
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 29.05.2021
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Unterausschusses Denkmalschutz Kenntnisnahme
Dateien
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Mitteilungsvorlage öffentlich 210955 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III Denkmalrelevante Vorlagen in anderen Ratsgremien Beratungsfolge Unterausschuss Denkmalschutz 15.06.2021 Kenntnisnahme Mitteilung: Dem Unterausschuss für Denkmalschutz werden zur Sitzung am 15.06.2021 folgende Vorlagen zur Kenntnis gegeben: 1. Bürgerantrag: Antrag auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt- Gymnasiums (GRS) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) 210341 Bürgerantrag 210341-01 ST Stellungnahme der Verwaltung 210341-02 AA Änderungsantrag 210341-03 ST Stellungnahme der Verwaltung 2. Antrag auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (GRC) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) 210296 Beschlussvorlage 3. Sachstand Welterbestätte Niedergermanischer Limes 210871 Mitteilungsvorlage 4. Instandsetzungsarbeiten Endenicher Burg 210705 Antrag 5. Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum Bonn auf das Gelände des ehemaligen Klosters in Bonn-Endenich 210686 BeschlussvorlageSeite 1 von 192 Seite 2 6. CDU: Gestaltungssatzung für Oberkassel 210672 Antrag 210672-01 ST Stellungnahme der Verwaltung 7. Aktueller Sachstand Beethovenhalle 210329 Große Anfrage 210329-01 ST Stellungnahme der Verwaltung 8. Zustand des Bodendenkmals Möllestomp 210490 Große Anfrage 210490-01 ST Stellungnahme der Verwaltung 9. Maßnahmen zur Realisierung und Finanzierung einer öffentlichen Toilette mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten am Frankenbad 210386 Antrag 210386-01 ST Stellungnahme der Verwaltung 10. Barrierefreies Frankenbad 202166 Beschlussvorlage 11. Atrium des Frankenbades als öffentlicher Begegungsort 200153 Große Anfrage 200153-1 ST Stellungnahme der Verwaltung 12. Zukunft und Sanierung des Frankenbades 210197 Beschlussvorlage 210197-01 AA Änderungsantrag 13. BBB-Antrag zur Barrierefreiheit des Frankenbades 201548 Antrag 14. Zukunft der Oper und des Schauspielhauses 210904 AntragSeite 2 von 192 Seite 3 Anlage/n 1 zu 1. 210341 Bürgerantrag (öffentlich) 2 zu 1. 210341-01 ST (öffentlich) 3 zu 1. 210341-02 AA (öffentlich) 4 zu 1. 210341-03 ST (öffentlich) 5 zu 2. 210296 Beschlussvorlage (öffentlich) 6 zu 3. 210871 Mitteilungsvorlage (öffentlich) 7 zu 4. 210705 Antrag (öffentlich) 8 zu 5. 210686 Beschlussvorlage (öffentlich) 9 zu 6. 210672 Antrag (öffentlich) 10 zu 6. 210672-01 ST (öffentlich) 11 zu 7. 210329 Große Anfrage (öffentlich) 12 zu 7. 210329-01 ST (öffentlich) 13 zu 8. 210490 Große Anfrage (öffentlich) 14 zu 8. 210490-01 ST (öffentlich) 15 zu 9. 210386 Antrag (öffentlich) 16 zu 9. 210386-01 ST (öffentlich) 17 zu 10. 202166 Beschlussvorlage (öffentlich) 18 zu 11. 200153 Große Anfrage (öffentlich) 19 zu 11. 200153-1 ST (öffentlich) 20 zu 12. 210197 Beschlussvorlage (öffentlich) 21 zu 12. 210197-01 AA (öffentlich) 22 zu 13. 201548 Antrag (öffentlich) 23 zu 14. 210904 Antrag (öffentlich)Seite 3 von 192 Bürgerantrag § 24 GO - Öffentlich öffentlich 210341 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Amt der Oberbürgermeisterin und für strategische Projekte Dezernat: Dez. OB 20.03.2021 Bürgerantrag: Antrag auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (GRS) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 14.04.2021 Entscheidung Inhalt des Bürgerantrages Der Antrag thematisiert die finanzielle Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (GRS) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC). Einzelheiten zur Begründung ergeben sich aus beigefügtem Bürgerantrag. Anlage/n 1 Bürgerantrag (öffentlich) 2 Bürgerantrag - komplett (nichtöffentlich)Seite 11 von 77Seite 4 von 192 Freunde und Ehemalige des Förderverein für den Gymnasial-Ruder-Club (GRC) Schüler-Ruder-Club (SRC) am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bonn e.V. am Friedrich-Ebert-Gymnasium Bonn e.V. Daniel Naumann – Vorsitzender – Ramin Fleckner – Vorsitzender - www.rudern-ema-feg.de 1) Frau Oberbürgermeisterin 16. Februar 2021 Katja Dörner Berliner Platz 2 53103 Bonn 2) An die Vorsitzenden der im Rat der Stadt Bonn vertretenen Fraktionen und Gruppen Antrag auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums ( GRC) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, Sehr geehrte Vorsitzende der Fraktionen und Gruppen im Stadtrat, wir bitten Sie, den in der Anlage näher beschriebenen Antrag auf Förderung des Neubaus für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (GRC) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) in die Beratungen zum Haushalt 2020/2021 und die mittelfristige Finanzplanung einzubeziehen. Der Stand der Bauplanung, mit Unterstützung des Sportamts, sowie die geplante Vorfertigung machen erste Investitionen in 2021 und die Fertigstellung in 2022 möglich. Nach vielen gescheiterten Ansätzen eröffnet sich jetzt eine realistische Chance auf einen Neubau auf einem Grundstück in Beuel, das den Vereinen 2020 vom Stadtplanungsamt vorgeschlagen wurde. Für den Bau liegt der Entwurf eines international renommierten Architektur-Büros vor, der das Bootshaus mit seiner energiesparenden Bauweise zum Vorzeigeobjekt für Bonn auf dem Weg zur Klima-neutralen UN-Stadt machen könnte. Als Modellvorhaben sollen auch zusätzliche Mittel bei Bund und Land eingeworben werden. Für zwei Varianten liegt eine Kostenschätzung nach DIN 276 vor. Falls die Stadt Bonn die vollständige Finanzierung mit weiteren Geldgebern im Haushalt 2021/22 nicht leisten kann, besteht die Option, in einem ersten Bauabschnitt die Er- schließung, Bodenplatte und eine einfache Bootshalle, eventuell auch schon den Steg zu errichten. Basis: Schätzung nach DIN 276/2.Ebene inkl. Außenanlagen, Planung 20%, Umsatzsteuer 1. Bau-Abschnitt, Bodenplatte, Erschließung, einfache Halle 500.000 € Anlegesteg, Verankerung am Ufer 280.000 € 2. Bau-Abschnitt, kleinere Variante 3.500.000 € Gesamt 4.300.000 € Wir bitten den Stadtrat, im Haushalt 2021/22 wenigstens die Finanzierung des ersten Bauabschnitts vorzusehen. Wir danken der Stadt für die Unterstützung seit der Gründung des GRC 1906 und des SRC 1953, auch nach dem Ver- kauf unserer Bootshäuser in der Gronau. Wir bitten um wohlwollende Prüfung und stehen gern für Gespräche bereit. Mit freundlichen Grüßen Daniel Naumann Ramin Fleckner (Ehemallige und Freunde GRC) (Förderverein SRC) gez. Louisa Schreier Jonas Flöck (Vorsitzende GRC) (Vorsitzender SRC)Seite 22 von 77Seite 5 von 192 Begründung Die Vereine, gegründet 1906 und 1953, sind durch Regatten und Wanderfahrten in Deutschland, zum Teil auch in Eu- ropa, erfolgreich, angesehen und bekannt. Bonn ist seit Jahrzehnten ein Zentrum für Schülerrudern in Deutschland. Nicht nur Privatschulen, sondern auch Beethoven, EMA und FEG haben Schülerrudervereine Die Unterbringung ist dring- lich wegen des drohenden Umzugs aus der befristet von der Stadt überlassenen Lagerhalle in der Dietrichstraße. Die Unterbringung von GRC und SRC war seit 2005 immer wieder Gegenstand der Beratungen des Stadtrates. In der Sitzung vom 2. April 2019 hat der Sportausschuss die Verwaltung (einstimmig) beauftragt, eine Beschlussvorlage zur langfristigen Unterbringung von GRC und SRC vorzulegen (Drucksache 1911022EB4). Wir bitten daher, das Thema in die Haushaltsberatungen aufzunehmen und in dem weiteren Verfahren gemeinsam mit uns zu prüfen, wie die Unterbringung jetzt auf Dauer gelöst werden kann. Die beiden Ehemaligen-Vereine möchten gern als Bauherren die Stadtverwaltung von dieser zusätzlichen Aufgabe entlas- ten und können sich an der Einwerbung weiterer Geldgeber, sowie – wie früher – an der Finanzierung beteiligen. Wie schon bisher bei der Standort-Suche, sind wir bereit, mit weiteren Sportvereinen zu kooperieren. Dazu sind wir be- reits mit der Bonn International School im Gespräch, die ernsthaftes Interesse am Aufbau einer Rudergruppe hat. Beitrag zur Nachhaltigkeit Baumschlager Eberle Architekten ist ein weltweit tätiges Büro. Gegründet 1985 in Vorarlberg, verfügt es derzeit über elf unabhängige Dependancen sowie sich entwickelnde asiatische Tochtergesellschaften. Neben dem Schwerpunkt Woh- nungs- und Bürobau ist es in den Bereichen Bildung und Kultur, Gesundheit und Sport, Transport und Verkehr tätig. Das Werk umfasst rund 500 realisierte Projekte auf drei Kontinenten in 20 Ländern. Zum Nachhaltigen Bauen sagt Baum- schlager Eberle: Nachhaltigkeit, Unser Beitrag: Langlebigkeit ist der wesentliche ökologische, ökonomische und kulturelle Beitrag, den ein Gebäude leisten kann. In diesem Sinn bauen wir umfassend nachhaltig: mit Blick auf Ressourcen und Energie, auf Qualität und Nutzungsneutralität. Option Fertigstellung bis 2022 oder zwei Bauabschnitten bis 2023 Der Fortschritt bei der Bauplanung für das Projekt und die geplante Vorfertigung überwiegend aus Holz machen erste Investitionen in 2021 und die Fertigstellung in 2022 möglich. Vorgespräche mit dem Bauordnungsamt und allen zu betei- ligenden Ämtern haben bereits stattgefunden. Uns ist bewusst, dass der geplante Bau einen finanziellen Kraftakt für die Stadt bedeutet. Wir haben deshalb angedacht, das Projekt über zwei, notfalls auch drei Haushaltsjahre zu strecken und zunächst mit einer ersten Baustufe zu beginnen, die eine Unterbringung der Boote für den aktiven Ruderbetrieb erlaubt, Mehr dazu unter www.rudern-ema-feg.de und in den angehängten weiteren InformationenSeite 33 von 77Seite 6 von 192 Weitere Informationen zum Antrag zur Förderung für Neubau Bootshaus für Schülerrudern Projekt: Bau eines Bootshauses für Schülerrudervereine von EMA und FEG Standort: Beuel, Elsa-Brändström-Straße / Rheinau- Straße, unbebaut, im Eigentum der Stadt, Im Bebauungsplan 1991 für „Boots- und Vereinshaus“ vorgesehen, damals für ARC Rhenus Bauherren: Beide Ehemaligen-Vereine, deren Bootshäuser die Stadt Bonn 1966 mit allen Sportanlagen in der Gronau für 90 Mio DM an den Bund verkauft hat. Das Bootshaus des GRC (gegründet 1906) an der Hermann-Ehlers-Str. war im Eigentum des Ehemaligen-Vereins seit 1921. Beim Bootshaus des SRC (gegründet 1956) wird die Historie noch geprüft. Schülerrudern: In den Schülerrudervereinen werden Sportbetrieb, Vereinsleben, Regatta-Beteiligungen, Wanderfahrten im Inland und Europa, Reparaturen, Mitgliederwerbung, Finanzen, etc von den Schülern und Schüler- rinnen selbstständig organisiert. Ein/e Vertreter/in der Schule steht beratend zur Seite. Das führt zum - Erlernen einer gesunden Ausdauer-Sportart, die in der Natur ausgeübt wird und - stärkt Team-Geist, Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit, - erweitert den Horizont in jeder Hinsicht, Erlernen handwerklicher Fähigkeiten durch Bootsreparatu- ren, selbstständige Reisen im in- und Ausland, - Referenz und Unterstützung beim beruflichen Fortkommen und sozialem Aufstieg also eine Mischung aus Sportverein, Pfadfinder und demokratischer Selbstverwaltung Schülerrudern ist in vielen Städten in Deutschland verbreitet, bekanntes Beispiel ist die Ruderriege der Lauenburgischen Gelehrtenschule, aus der von den Schülern mit Karl Adam der Ratzeburger Ruder- club gegründet wurde. In Bonn gibt es Schülerrudern nicht nur an Privatschulen, sondern auch an öf- fentlichen Schulen wie Beethoven-Gymnasium, EMA und FEG. Schülermannschaften und Ehemalige waren erfolgreich bei Landes-, Bundes-, Europa-, Weltmeister- schaften und Olympischen Spielen. Beispiele Valerie Viehoff vom SRC, die in Sidney Silber im Leicht- gewichts-Doppelzweier erruderte, Helmut Wolber, GRC, vierter im Doppelvierer der Olympischen Spiele in Montreal. Ausbildung, Training, Fahrten und Vereinsleben sind seit 2014 sehr eingeschränkt. 32 Ruderboote, Sportgeräte im Anschaffungswert von etwa 500.000€, können nicht täglich genutzt werden. Finanzierung: Die beiden Schülerrudervereine sind finanziell nicht in der Lage, das Bootshaus aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Die Mitgliedsbeiträge orientieren sich am Taschengeld der Schülerinnen und Schüler. Ziel: - Zuschüsse der Stadt Bonn - einzuwerbende weitere Mittel als Modellvorhaben für Nachhaltiges Bauen von NRW und Bund, Europäischer Union (New Green Deal), KfW- und Bank-Darlehen - Spenden von Eltern, Ehemaligen und Unternehmen Kosten: Wir stehen am Anfang der Planungen. Details zum Gebäude, den Kosten und der Finanzierung stehen noch nicht fest. Baukonzept und Konzept zur Finanzierung hängen voneinander ab. Für zwei Varianten liegt eine Kostenschätzung nach DIN 276 vor. Wenn die Stadt Bonn das Vorhaben grundsätzlich unterstützt, sollen die Kosten bei der konkreten Planung des Gebäudes und durch Her- stellung mit vorgefertigten Teilen weiter gesenkt werden.Seite 44 von 77Seite 7 von 192 Stadt Bonn hat auch seit 1966 Verantwortung für Unterbringung übernommen Bis 1967 hatten beide Vereine ihre Bootshäuser (GRC seit 1921, SRC seit 1963) an der Herrmann-Ehlers-Str., wo dann das Abgeordnetenhaus „Langer Eugen“ errichtet wurde. Die Stadt hat 1966 alle Sportanlagen in der Gronau verkauft und dafür 90 Millionen DM erlöst. Die Stadt hat den Schülern zum Ausgleich durch Vertrag mit dem Bonner Ruder-Verein 1882 eV ein neues Bootshaus zur Verfügung gestellt. Aufgrund dieser Vereinbarung hat der BRV 1882 auf seinem Grundstück auf Kosten der Stadt ein Bootshaus gebaut, das GRC und SRC 30 Jahre bis Ende 2002 mietfrei zur Verfügung stand. Von 2005 bis Ende 2014 hat die Stadt für die Unterbringung beider Vereine im Bootshaus der Universität Bonn gesorgt. Seither bringt die Stadt die Boote provisorisch an wechselnden Standorten unter, die Sportbetrieb und Vereinsleben erheblich beeinträchtigen. Im Anschluss an ein Gespräch mit OB, Oberstadtdirektor und weiteren leitenden Personen der Verwaltung am 28. Nov. 2019 hat das Stadtplanungsamt im Juli 2020 den Standort in Beuel vorgeschlagen, Seither haben wir mit freundlicher Unterstützung des Sportamtes, des Bauordnungsamtes, Liegenschaftsamt, Kataster- amt, Amt für Denkmalschutz, der Bezirksregierung (wegen des Denkmalschutzes in der Rheinaue) und dem Wasser- und Schifffahrtamt die Planung vorangetrieben. Das Verhalten der Stadt Bonn gegenüber „ihren“ Schülerruderern erregt weite Aufmerksamkeit, bei den Schülerinnen und Schülern, den betroffenen Schulen, Ehemaligen und den Sportvereinen. So hat der Stadtsportbund alle OB-Kandida- ten bei ihrer Vorstellung vor der Kommunalwahl 2020 nach ihrer Position zu einem neuen Bootshaus befragt. Fast alle haben sich eindeutig für eine baldige Lösung ausgesprochen. Unterstützung durch Ehemalige und Freunde Ehemalige und Freunde wollen, auch aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrung überzeugt, zum Erhalt des Schülerruderns beitragen. Das Grundstück soll von der Stadt Bonn in Erbpacht übernommen werden. Die Stadt müsste dann nicht mehr allein für die Investition und den Unterhalt des Bootshauses sorgen, nicht mehr die Miete einer Bootshalle zahlen. könnte eine geringfügige Erbpacht und Ersparnisse bei der Landschaftspflege erzielen. Obwohl zwei Vereine mit ihren Booten, ihrem Sportbetrieb und Vereinsleben zu berücksichtigen sind, soll gegenüber dem Bebauungsplan auf eine Erweiterung der Nutzfläche oder die Unterbringung wieder in zwei Bootshäusern verzichtet werden, um die Erteilung der Baugenehmigung zu beschleunigen und die Investitionskosten möglichst gering zu halten.Seite 55 von 77Seite 8 von 192 Freunde und Ehemalige des Förderverein für den Gymnasial-Ruder-Club (GRC) Schüler-Ruder-Club (SRC) am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bonn e.V. am Friedrich-Ebert-Gymnasium Bonn e.V. Daniel Naumann – Vorsitzender – Ramin Fleckner – Vorsitzender - www.rudern-ema-feg.de Stadt Bonn 20. März 2021 Bürgerbüro Berliner Platz 2 53103 Bonn Bürgerantrag gemäß § 24 Gemeindeordnung NW zu unserem Antrag vom 16. Februar 2021 auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Ru- dervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums ( GRC) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) Sehr geehrte Damen und Herren, wir bitten Sie auf Empfehlung aus dem Stadtrat, unseren Antrag vom 16. Februar als Bürgerantrag zu behan- deln. Wir danken für diese Empfehlung aus dem Rat und die wohlwollende Resonanz aus den Fraktionen auf unseren Antrag. Diese ersten positiven Reaktionen haben uns darin bestärkt, die Planung voran zu treiben. In diesen Tagen rei- chen wir beim Bauordnungsamt eine Bauvoranfrage ein, wie sie uns die Leiterin bei einem Vorgespräch empfoh- len hat, um die planungsrechtliche Zulässigkeit des Vorhabens zu prüfen. Dies erlaubt es der Stadt Bonn, das Vorhaben als Modellprojekt für Klima-gerechtes Bauen mit uns in den nächs- ten zwei Jahren zu verwirklichen. Die ersten Reaktionen bei Schülerinnen und Schülern, Ehemaligen und Freun- den, sowie bei Architekten zeigen, dass dieses Konzept schon jetzt große Aufmerksamkeit und Zustimmung er- fährt. Wir arbeiten weiter an der Detailplanung, um so gegenüber der ersten Kostenschätzung nach DIN 276 Einsparun- gen und Kostensicherheit zu erzielen. Außerdem können wir nur so ermitteln, wie ein erster Bauabschnitt ausse- hen kann und was er voraussichtlich kostet. Wir haben in unserem Antrag vom 16. Februar den Stadtrat darum gebeten, im Haushalt 2021/22 wenigstens die Finanzierung des ersten Bauabschnitts vorzusehen, den wir mit 500.000 € für eine einfache Halle mit Erschließung, Bodenplatte und Planung plus 280.000 € für Steg, Planung, Genehmigung und notwendige Verankerung veranschlagt haben. Die Angaben für die Halle sind geschätzt, die Kosten für den Steg beruhen auf einem ausge- arbeiteten Angebot einer Werft aus der Region. Zur Finanzierung haben wir in unserem Antrag geschrieben: Die beiden Schülerrudervereine sind finanziell nicht in der Lage, das Bootshaus aus eigenen Mitteln zuSeite 66 von 77Seite 9 von 192 finanzieren. Die Mitgliedsbeiträge orientieren sich am Taschengeld der Schülerinnen und Schüler. Unser Ziel: - Zuschüsse der Stadt Bonn - einzuwerbende weitere Mittel als Modellvorhaben für Nachhaltiges Bauen von NRW und Bund, Europäischer Union (New Green Deal), KfW- und Bank-Darlehen - Spenden von Eltern, Ehemaligen und Unternehmen. Bei der geschätzten Summe von 780.000€ für den ersten Bauabschnitt könnte die Finanzierung so aussehen: 390.000 € Stadt Bonn 300.000 € Eigenmittel durch 150.000 € Spenden in 2021 und 150.000 € aus Aktion „1.000 Ehemalige spenden 10 Jahre je 100 €“ 90.000 € sonstige Zuschüsse Die Resonanz auf unseren Vorschlag zur Förderung des Schülerruderns und auf den Architekten-Entwurf zum Nachhaltigen Bauen hat bereits nach zwei Monaten zu mehr als 80.000 € Spenden von Aktiven, Ehemaligen und Freunden geführt. Dies ist ein Beleg für den Wert, den Ehemalige, Eltern und andere Freunde, überwiegend Bon- ner Bürger, dem Schülerrudern für die berufliche und soziale Entwicklung beimessen und Jüngeren ermöglichen wollen, die das nicht aus eigener Kraft finanzieren können. Die Spendenziele von 150.000€ in 2021 und weitere 150.000 €, über die nächsten 10 Jahre verteilt, sowie wei- tere öffentliche Zuschüsse halten wir daher für realistisch, wenn die Herstellung des vollständigen Bootshauses mit dem zweiten Bauabschnitt in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen wird. Wir danken dem Stadtrat und der Verwaltung für die bisherige wohlwollende Unterstützung unseres Projektes, wie auch für die Förderung seit der Gründung des GRC 1906 und des SRC 1953, auch nach dem Verkauf unserer Bootshäuser in der Gronau durch die Stadt an den Bund. Wir bitten um wohlwollende Prüfung und stehen gern für Gespräche bereit. Mit freundlichen Grüßen Daniel Naumann Ramin Fleckner (Ehemallige und Freunde GRC) (Förderverein SRC) Louisa Schreier Jonas Flöck (Vorsitzende GRC) (Vorsitzender SRC)Seite 77 von 77Seite 10 von 192 Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 210341-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 52 Sport- und Bäderamt Dezernat: Dez. IV 20.03.2021 Bürgerantrag: Antrag auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (GRS) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 14.04.2021 Entscheidung Inhalt der Stellungnahme: Die Verwaltung verweist auf ihre Mitteilungsvorlage DS 210296. Diese hat folgenden wortlaut : Die unzureichende Situation für die Unterbringung der Boote der Schüler- Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums und des Friedrich-Ebert- Gymnasiums war in den vergangenen Jahren wiederholt Gegenstand politischer Beratungen und Anträge. Die Ruderboote dieser beiden Vereine werden seit vielen Jahren provisorisch zwischengelagert. Zuletzt wurde die Verwaltung mit Beschluss des Rates vom 7. November 2019 beauftragt, eine grundsätzliche Unterbringung von Rudergerätschaften planungsrechtlich und baulich sicherzustellen. (DS 190066). Auf dieser Grundlage hat die Verwaltung mit den Vertretern der Schüler- Rudervereine im Hinblick auf eine langfristige Lagerungsmöglichkeit der Ruderboote regelmäßige Gespräche geführt und die in Betracht kommenden Grundstücke einer systematischen Prüfung unterzogen. Dabei konnte die Verwaltung eine Grundstücksfläche in Beuel, Elsa- Brändström-Straße, identifizieren, die für den Bau eines Bootshauses in Frage kommen kann. Seit den 1990er Jahren ist diese in der Rheinaue liegende Fläche als Sondergebiet für die Errichtung eines Boots- und Vereinshauses planungsrechtlich festgesetzt. Es besteht dort also geltendes Baurecht. Der vorgesehene Standort befindet sich innerhalb des Denkmals Rheinauenpark, d.h. grundsätzlich ist die Bauplanung frühzeitig mit der hier zuständigen Denkmalbehörde bei der Bezirksregierung Köln abzustimmen, diese ist im Baugenehmigungsverfahren zu beteiligen. Des Weiteren sind die SWB zu beteiligen, da in diesem Bereich eine Wasserleitung verläuft.Seite 11 von 22Seite 11 von 192 Seite 2 Die Schülerrudervereine planen nunmehr die Errichtung eines Gebäudes an diesem Standort. Mit Schreiben vom 16. Februar 2021 haben die Vertreter der beiden Schüler- Rudervereine einen Antrag auf Förderung des Neubaus eines Boothauses eingereicht. Dieser Antrag, der sowohl der Verwaltung als auch den Vorsitzenden der im Rat vertretenen Fraktionen und Gruppen zugegangen ist, ist als Anhang beigefügt. Da die Schüler-Rudervereine förderfähige Vereine nach den Sportförderrichtlinien der Bundesstadt Bonn sind, wertet die Sportverwaltung das Vorhaben als Antrag nach Abschnitt I, Ziff. 3.1 der Sportförderrichtlinien. Danach kann für den Neubau von vereinseigenen Anlagen ein Zuschuss gewährt werden, der bis zu 50 % der als zweckgerichtet und erforderlich anerkannten Kosten betragen kann. Auch wenn derzeit noch nicht alle notwendigen Unterlagen (Baupläne, Kostenvoranschläge, Finanzierungspläne usw.) vorliegen, ist die Maßnahme aus Sicht der Sportverwaltung als grundsätzlich förderfähig anzusehen. Weitere Fördervoraussetzungen müssten im Verlauf des Jahres geschaffen werden und bis zum 31.10. müssten prüfbare Bauunterlagen nachgereicht werden. Jedoch stehen im laufenden Haushalt keine Fördermittel mehr zur Verfügung und auch in den Folgejahren kann die zur Realisierung des Vorhabens beantragte Fördersumme aus diesem Haushaltsansatz nicht in Aussicht gestellt werden, da sie den jährlichen Rahmen der Sportfördermittel übersteigt. Für die gesamte Sportförderung der Bonner Vereine steht ein Etat in Höhe von derzeit 1,6 Mio. € zur Verfügung, etwa ein Viertel davon ist für die Bezuschussung von Baumaßnahmen vorgesehen. Hierüber sind die Antragsteller von der Sportverwaltung zwischenzeitlich informiert worden. Beschlussvorschlag für Bürgerausschuss: Der Bürgerantrag wird im beantragten Umfang abgelehnt, die antragstellenden werden entsprechend den Ausführungen in der Stellungnahme der Verwaltung über die aktuelle Situation informiert. Mit diesem Votum und der Beratung im Bürgerausschuss ist das in § 24 GO NRW für die formelle Beratung von Bürgeranträgen vorgesehen Verfahren zum Abschluss gelangt. Anlage/n KeineSeite 22 von 22Seite 12 von 192 Änderungsantrag öffentlich 210341-02 AA Antragsteller/in: Florian Bräuer FDP-Fraktion im Rat der Stadt Bonn Nicole Bonnie CDU-Fraktion im Rat der Stadt Bonn Bürgerantrag: Antrag auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (GRS) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) Antrag zur Vorlage 210341 Beratungsfolge Sportausschuss 22.04.2021 Entscheidung Inhalt des Änderungsantrags Die von den Antragsstellern beabsichtigte Summe für den 1. Bauabschnitt in Höhe von 390.000 Euro wird im Rahmen der Haushaltsberatungen für die Jahre 2021/2022 zusätzlich zu bisherigen Sportfördermitteln berücksichtigt. Begründung Erfolgt mündlich. Anlage/n KeineSeite 11 von 11Seite 13 von 192 Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 210341-03 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 52 Sport- und Bäderamt Dezernat: Dez. IV Bürgerantrag: Antrag auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (GRS) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) Beratungsfolge Sportausschuss 26.05.2021 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Die Verwaltung fügt dem Vorgang ein Unterstützungsschreiben der Schulkonferenz des Friedrich-Ebert-Gymnasiums bei. Anlage/n 1 Unterstützungsschreiben Friedrich-Ebert-Gymnasium (öffentlich)Seite 11 von 22Seite 14 von 192 Von: FEG Sekretariat <feg.sekretariat@schulen-bonn.de> Gesendet: Mittwoch, 12. Mai 2021 14:20 An: Dörner, Katja (Dez_OB) <katja.doerner@bonn.de> Betreff: Ruderclub Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dörner, die Schulkonferenz des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (FEG) hat sich am 11.05.2021 mit dem Antrag des Schülerruderclubs des FEG und des EMA zum Bau eines Bootshauses beschäftigt und festgestellt, dass die Gemeinde (Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte) hinter dem Ansinnen des Ruderclubs steht. Mit freundlichen Grüßen ___________________________ Friedrich-Ebert-Gymnasium Ollenhauerstraße 5 53113 Bonn Tel.: 0228-777520 Fax: 0228-777524 feg.sekretariat@schulen-bonn.de FEG-Bonn.deSeite 22 von 22Seite 15 von 192 Mitteilungsvorlage öffentlich 210296 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 52 Sport- und Bäderamt Dezernat: Dez. IV Antrag auf Förderung des Neubaus eines Bootshauses für die Schüler-Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (GRC) und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (SRC) Beratungsfolge Sportausschuss 22.04.2021 Kenntnisnahme Mitteilung: Die unzureichende Situation für die Unterbringung der Boote der Schüler- Rudervereine des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums und des Friedrich-Ebert- Gymnasiums war in den vergangenen Jahren wiederholt Gegenstand politischer Beratungen und Anträge. Die Ruderboote dieser beiden Vereine werden seit vielen Jahren provisorisch zwischengelagert. Zuletzt wurde die Verwaltung mit Beschluss des Rates vom 7. November 2019 beauftragt, eine grundsätzliche Unterbringung von Rudergerätschaften planungsrechtlich und baulich sicherzustellen. (DS 190066). Auf dieser Grundlage hat die Verwaltung mit den Vertretern der Schüler- Rudervereine im Hinblick auf eine langfristige Lagerungsmöglichkeit der Ruderboote regelmäßige Gespräche geführt und die in Betracht kommenden Grundstücke einer systematischen Prüfung unterzogen. Dabei konnte die Verwaltung eine Grundstücksfläche in Beuel, Elsa- Brändström-Straße, identifizieren, die für den Bau eines Bootshauses in Frage kommen kann. Seit den 1990er Jahren ist diese in der Rheinaue liegende Fläche als Sondergebiet für die Errichtung eines Boots- und Vereinshauses planungsrechtlich festgesetzt. Es besteht dort also geltendes Baurecht. Der vorgesehene Standort befindet sich innerhalb des Denkmals Rheinauenpark, d.h. grundsätzlich ist die Bauplanung frühzeitig mit der hier zuständigen Denkmalbehörde bei der Bezirksregierung Köln abzustimmen, diese ist im Baugenehmigungsverfahren zu beteiligen. Des Weiteren sind die SWB zu beteiligen, da in diesem Bereich eine Wasserleitung verläuft. Die Schülerrudervereine planen nunmehr die Errichtung eines Gebäudes an diesem Standort. Mit Schreiben vom 16. Februar 2021 haben die Vertreter der beiden Schüler- Rudervereine einen Antrag auf Förderung des Neubaus eines Boothauses eingereicht. Dieser Antrag, der sowohl der Verwaltung als auch denSeite 11 von 66Seite 16 von 192 Seite 2 Vorsitzenden der im Rat vertretenen Fraktionen und Gruppen zugegangen ist, ist als Anhang beigefügt. Da die Schüler-Rudervereine förderfähige Vereine nach den Sportförderrichtlinien der Bundesstadt Bonn sind, wertet die Sportverwaltung das Vorhaben als Antrag nach Abschnitt I, Ziff. 3.1 der Sportförderrichtlinien. Danach kann für den Neubau von vereinseigenen Anlagen ein Zuschuss gewährt werden, der bis zu 50 % der als zweckgerichtet und erforderlich anerkannten Kosten betragen kann. Auch wenn derzeit noch nicht alle notwendigen Unterlagen (Baupläne, Kostenvoranschläge, Finanzierungspläne usw.) vorliegen, ist die Maßnahme aus Sicht der Sportverwaltung als grundsätzlich förderfähig anzusehen. Weitere Fördervoraussetzungen müssten im Verlauf des Jahres geschaffen werden und bis zum 31.10. müssten prüfbare Bauunterlagen nachgereicht werden. Jedoch stehen im laufenden Haushalt keine Fördermittel mehr zur Verfügung und auch in den Folgejahren kann die zur Realisierung des Vorhabens beantragte Fördersumme aus diesem Haushaltsansatz nicht in Aussicht gestellt werden, da sie den jährlichen Rahmen der Sportfördermittel übersteigt. Für die gesamte Sportförderung der Bonner Vereine steht ein Etat in Höhe von derzeit 1,6 Mio. € zur Verfügung, etwa ein Viertel davon ist für die Bezuschussung von Baumaßnahmen vorgesehen. Hierüber sind die Antragsteller von der Sportverwaltung zwischenzeitlich informiert worden. Anlage/n 1 Antrag Schülerrudervereine (nichtöffentlich)Seite 22 von 66Seite 17 von 192 SeiteSeite 18 von 192 SeiteSeite 19 von 192 SeiteSeite 20 von 192 SeiteSeite 21 von 192 Mitteilungsvorlage öffentlich 210871 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Dezernat IV Dezernat: Sachstand Welterbestätte Niedergermanischer Limes Beratungsfolge Kulturausschuss 08.06.2021 Kenntnisnahme Mitteilung: Stand des Verfahrens Im April 2015 unterzeichneten Vertreter der Niederlande sowie der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Vereinbarung mit dem Ziel, gemeinsam den Niedergermanischen Limes als Erweiterung der schon bestehenden UNESCO-Welterbestätte "Frontiers of the Roman Empire – Grenzen des Römischen Reiches" in die UNESCO-Welterbeliste einschreiben zu lassen. Der von den beteiligten Parteien gemeinsam ausgearbeitete Antrag wurde am 9. Januar 2020 von den Ständigen Vertretern der Niederlande und Deutschlands bei der UNESCO unterzeichnet und anschließend dort von den Niederlanden als Konsortialführer zur Begutachtung eingereicht. Damit wurde das Antragsverfahren offiziell eröffnet. Im September 2020 haben Experten von ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) für die UNESCO die Orte des Niedergermanischen Limes besichtigt. In der zweiten Juli-Hälfte 2021 findet die 44. Sitzung des UNESCO- Welterbekomitees statt, in der die Entscheidung über die Anerkennung des Niedergermanischen Limes als Welterbe erfolgen soll. Genauere Informationen zur Sitzung und den Entscheidungsvorlagen werden Anfang Juni 2021 erwartet. Organisation in NRW Zwischen den beteiligten Kommunen und Kreisen sowie dem Landschaftsverband Rheinland soll im Fall einer positiven Entscheidung eine Kooperationsvereinbarung geschlossen werden, die das zukünftige Management der Welterbestätte Niedergermanischer Limes regelt. Mit ihr verpflichten sich die Kommunen und Kreise, die Welterbestätte Niedergermanischer Limes in seiner Gesamtheit gemeinsam sowie seine Bestandteile in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu schützen, zu pflegen, nachhaltig weiterzuentwickeln, und sich aktiv in den Prozess der PräsentationSeite 11 von 22Seite 22 von 192 Seite 2 und Vermarktung des Niedergermanischen Limes einzubringen. Entsprechende finanzielle und personelle Ressourcen wären bereit zu stellen. Geplant sind gemeinsame Projekte (z.B. ein Limes-Radweg) und auch individuelle Projekte der Kommunen und Kreise. Das MHKBG hat für Projekte im Zusammenhang der Welterbestätte Niedergermanischer Limes Fördermittel in Höhe von 1,5 Millionen (für 2021/2022) bereitgestellt. Der Landschaftsverband Rheinland hat sich bereit erklärt, die Funktion des offiziellen Welterbebeauftragten für den Niedergermanischen Limes in Nordrhein-Westfalen (Sitemanager) und damit das übergeordnete Projektmanagement - zunächst für vier Jahre - zu übernehmen. Die beteiligten Kommunen und Kreise bilden gemeinsam mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland sowie dem Welterbebeauftragten einen Lenkungskreis, an dem auch Vertreterinnen und Vertreter der Obersten Denkmalbehörde sowie der Bezirksregierungen Düsseldorf und Köln als Gäste teilnehmen. Für Bonn nimmt derzeit Frau Dr. Schneider-Bönninger – in Vertretung Herrn StBR Wiesner – an den Sitzungen des Lenkungskreises teil. Die nächste Sitzung ist für den 23. Juni 2021 vorgesehen. Organisation in Bonn Die verwaltungsinterne Organisation wird derzeit noch erarbeitet, da mit dem Thema unterschiedliche Bereiche der Verwaltung befasst sein werden. Ausblick Die Verwaltung wird nach der Sommerpause in den zuständigen Ratsgremien über die aktuellen Entwicklungen und die weiteren konzeptionellen und organisatorischen Überlegungen berichten. Anlage/n KeineSeite 22 von 22Seite 23 von 192 Antrag öffentlich 210705 Antragsteller/in: Elmar Conrads-Hassel Thomas Fahrenholtz Brigitta Poppe-Reiners 27.04.2021 gez. Reeh-Schall Instandsetzungsarbeiten Endenicher Burg Beratungsfolge Bezirksvertretung Bonn 18.05.2021 Entscheidung Inhalt des Antrags Die Oberbürgermeisterin wird gebeten, folgende Maßnahmen zu veranlassen: 1. das Aussehen der Fassade durch schnelle Maßnahmen, wie durch Malerarbeiten, instand zusetzen. 2. die Unebenheiten in den Kopfsteinpflasterzuwegungen zu beheben. 3. das Außengelände der Endenicher Burg durch angemessene Grünpflege, insbesondere durch die Entfernung von Wildwuchs, Unkraut und Unrat, in einen ansehbaren Zustand zu versetzen. Begründung Begründung: Die Endenicher Burg ist in der Denkmalliste der Stadt Bonn eingetragen. Das Gebäude wird aktiv genutzt. Es beherbergt eine Stadtteilbibliothek wird von vielen Vereinen genutzt. Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, benötigen eine kontinuierliche Zuwendung und Pflege, um in Schuss gehalten zu werden. Geschieht dies nicht regelmäßig, steigen die Kosten für Reparaturen und Instandsetzung überproportional. Der in den beigefügten Photos abgebildete Zustand hält nun schon viele Jahre an. Es empfiehlt sich, so bald wie möglich zu handeln, um zukünftige Kosten niedrig zu halten. Anlage/n 1 Fotos (öffentlich)Seite 11 von 1111Seite 24 von 192 Seite 22 von 1111Seite 25 von 192 Seite 33 von 1111Seite 26 von 192 Seite 44 von 1111Seite 27 von 192 Seite 55 von 1111Seite 28 von 192 Seite 66 von 1111Seite 29 von 192 Seite 77 von 1111Seite 30 von 192 Seite 88 von 1111Seite 31 von 192 Seite 99 von 1111Seite 32 von 192 Seite 1100 von 1111Seite 33 von 192 Seite 1111 von 1111Seite 34 von 192 Beschlussvorlage öffentlich 210686 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 41 Kulturamt Dezernat: Dez. IV Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum Bonn auf das Gelände des ehemaligen Klosters in Bonn-Endenich Beratungsfolge Kulturausschuss 08.06.2021 Empfehlung Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 09.06.2021 Empfehlung Betriebsausschuss SGB 23.06.2021 Empfehlung Rat 24.06.2021 Entscheidung Beschlussvorschlag Die Verlagerung der Gedenkstätte auf das Gelände des ehemaligen Klosters Endenich wird weiterverfolgt. Die Verwaltung wird beauftragt, alle Klärungen im Zusammenhang mit einem eventuellen Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum Bonn auf das Gelände des ehemaligen Klosters Endenich herbeizuführen und dem Rat einen Beschlussvorschlag für die konkrete Umsetzung vorzulegen. Um eine verifizierbare Kostenschätzung vornehmen zu können, sind zunächst Architekten und Fachplaner zu beauftragen. Hierfür werden zunächst Planungsmittel in Höhe von 200.000 € bereitgestellt. Begründung Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind seit dem 01.01.2021 in städt. Trägerschaft. Bereits im Jahr 2017 kam der bisherige Trägerverein auf die Stadt zu und bat um Unterstützung für das Vorhaben, die Gedenkstätte auf das Gelände des ehemaligen Klosters in Endenich zu verlagern. Das Erzbistum Köln als Grundstückseigentümer hat dem damaligen Oberbürgermeister Sridharan im Oktober 2018 seine Zustimmung zur Unterbringung der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Endenich erklärt und diese Zusage gegenüber der Verwaltung auf NachfrageSeite 11 von 7755Seite 35 von 192 Seite 2 im März 2021 bestätigt. Die Umsetzung könnte durch Abschluss eine Erbpachtvertrages mit Kauf des Gebäudes oder Anmietung durch die Stadt, die inzwischen Träger der Gedenkstätte ist, und Erzbistum erfolgen. Das Erzbistum möchte allerdings nicht selber bauen. Der Trägerverein erhielt von der Landeszentrale für politische Bildung NRW im Jahr 2019 eine Bewilligung von Projektmitteln i.H.v. 60.000 EUR für Inhaltliche, bauliche und kalkulationstechnische Vorarbeiten zur Errichtung einer Gedenkstätte am historischen Standort in den Wirtschaftsgebäuden des ehemaligen Klosters in Endenich. Mit diesen Mitteln wurde ein Projektmitarbeiter eingestellt und mit der Erstellung eines Gutachtens für den beabsichtigten Förderantrag zur finanziellen Unterstützung der Baumaßnahme an die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) beauftragt. Außerdem wurden von einem Architekten ein erster Flächennachweis erstellt. Die Ergebnisse dieser Vorarbeiten sind als Anlagen 1 und 2 beigefügt. Kurz-Zusammenfassung der inhaltlichen Vorarbeiten: Der Standort befände sich in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, deren Zustand weitestgehend dem Originalzustand vor 1945 entspricht und deren nachträgliche Umbauten zurückgebaut werden können. Es handelt sich hierbei um einen Standort mit verschiedenen Alleinstellungsmerkmalen: o Die mehrmonatige Nutzung eines Klosters als Internierungslager an sich ist einzigartig, die Dauer der Nutzung/ Internierung stellt eine weitere Besonderheit dar. o Endenich war nach jetzigem Forschungsstand das einzige Ghettolager im Westen, noch dazu in einem beschlagnahmten Kloster, so dass einer zukünftigen Gedenkstätte an diesem Ort überregionale, ja nationale Bedeutung zukommt (Voraussetzung für eine (Mit)Finanzierung durch den Bund). Die derzeitige Ausstellung würde sich am neuen Standort ändern, um den Gegebenheiten Rechnung zu tragen: o Der Ort würde im Hauptraum thematisiert werden – Klosternutzung, Ghettolager, Nachkriegsnutzung, Internierte und Kirchengeschichte o Die anderen sechs Ausstellungsräume werden die Täter – und Opferperspektive der einzelnen Opfergruppen thematisieren. Neu hinzukommen wird die Institutionsgeschichte und die Nachkriegsperspektive (Erinnerungskultur in der Bundesrepublik/ Bundeshauptstadt Bonn) o Fazit des Gutachtens: In Endenich wird eine deutliche Verbesserung der Raumsituation erreicht werden (größere Ausstellungs- und Veranstaltungsräume) was zu einem großen Bedeutungszuwachs für die Gedenkstätte und die Erinnerungskultur der Bundestadt führenSeite 22 von 7755Seite 36 von 192 Seite 3 wird. Gelegentlich wird die zentrumsferne Lage der zukünftigen Gedenkstätte als Argument gegen dieselbe ins Feld geführt. Die Besuchererhebungen anderer Gedenkstätten (bundesweit) zeigen, dass auch ein etwas abseitiger Standort sich keineswegs nachteilig auf das Besucherinteresse auswirkt - im Gegenteil wirkt sich ein historischer Standort diesbezüglich positiv aus. Bauliche und kalkulationstechnische Vorarbeiten Ein erstes Planungskonzept wurde durch einen vom früheren Trägerverein beauftragten Architekten in 2019 erstellt. In der Fortführung dieses Konzepts wären zunächst statische und technische Randbedingungen zu klären. Die erforderliche Teilungsvermessung durch ein Vermessungsbüro wurde in 2019 im Auftrag des Erzbistums durchgeführt. Das Erzbistum ist hier in Vorleistung getreten. Sollte es nicht zu einem Bau kommen, muss die Stadt dem Erzbistum die Kosten erstatten. Nach Durchführung einer europaweiten Ausschreibung für die Beauftragung eines Architekten könnte mit der Planung begonnen werden. Eine verifizierbare Kostenangabe liegt noch nicht vor. Hierfür sind zunächst Architekten und Fachplaner zu beauftragen. Hierfür wären zunächst Planungsmittel in Höhe von 200.000 € bereitzustellen. Die Schätzung der Einrichtungskosten liegt bei rd. 1 Mio. EUR. Noch nicht beziffert werden können evtl. anfallende Kosten für zusätzliches Personal der Gedenkstätte zur Erstellung der neuen Ausstellung. Darüber muss aber noch abschließend entschieden werden. Zu klären ist, ob das nicht von den vorhandenen MA geleistet werden kann. Wenn die Gedenkstätte aus dem Viktoriakarree ziehen muss und es dann keinen Interimsstandort gibt, stünde das gesamte Personal für Umzug und Neukonzeption zur Verfügung. II. mögliche bzw. noch zu klärende Förderungen: Bund: o Die Frist zur Beantragung von Mitteln nach der Gedenkstättenkonzeption des Bundes endet am 31. August eines Jahres. o Voraussetzung ist ein Finanzierungskonzept für das gesamte Projekt einschließlich der Umbau- und Sanierungsarbeiten, bei dem von Land und Kommune Mittel in derselben Höhe eingebracht werden, wie sie beim Bund beantragt werden. o Voraussetzung ist ferner, dass der zukünftigen Gedenkstätte an diesem Ort überregionale, ja nationale Bedeutung zukommt. o Außerdem muss der nachhaltige Betrieb gesichert sein. o Ein - noch so gutes - inhaltliches Konzept allein reicht für die Antragstellung nicht aus.Seite 33 von 7755Seite 37 von 192 Seite 4 Land: o Landeszentrale für politische Bildung NRW keine Förderung von baulichen Maßnahmen inhaltliche Förderung möglich: Ausstellungskonzeption und –bau Pädagogische Konzeption und päd. Programme (Rundgänge, Schulungen etc.) inhaltliche Forschung und Arbeiten ergänzend zum Konzept und zur Ausstellung (Grundlagenforschung) o LVR (ob Förderung von Baumaßnahmen möglich ist, muss noch geklärt werden) o NRW-Stiftung o Mittel aus "Heimat"-Topf Nach entsprechender Beschlussfassung müssen zunächst weiterführende Planungsarbeiten unter Berücksichtigung der bereits vom Verein als ehemaligem Träger der Gedenkstätte geleisteten Vorarbeit erstellt werden. Hierfür wären zunächst Planungsmittel in Höhe von 200.000 € bereitzustellen. Anschl. sind Erbpachtverhandlungen durch das Amt 03 mit dem Erzbistum aufzunehmen. Abhängig von der zeitlichen und finanziellen Planung sind Fördermittel bei Bund und Landschaftsverband und evtl. weiteren Fördergebern zu beantragen. Beabsichtigte Antragstellung BKM bei entsprechendem Planungsfortschritt: 31.08.2022 Anlagen: Planung Waldorf und Konzept Dr. Platz Finanzielle Auswirkungen: Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 01.29 Gebäudemanagement Bonn 1.20.10.01.29.01 Gebäudemanagement Bonn Investive Kosten der Maßnahme Betrag Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen 200.000 € (2021) 604300 200.000 € Gesamthaushalt Einzahlungen Investiver Finanzsaldo 200.000 € (2021)Seite 44 von 7755Seite 38 von 192 Seite 5 Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Betrag Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich Anlage/n 2 Planung Waldorf (öffentlich) 3 Konzept Dr. Platz (öffentlich)Seite 55 von 7755Seite 39 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Standort - LuftbildSeite 66 von 7755Seite 40 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Standort - AnbindungSeite 77 von 7755Seite 41 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Standort - ParkplätzeSeite 88 von 7755Seite 42 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Standort - UmgebungSeite 99 von 7755Seite 43 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Fassaden BestandSeite 1100 von 7755Seite 44 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Erdgeschoss BestandSeite 1111 von 7755Seite 45 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Dachgeschoss Bestand KAPELLENSTRASSESeite 1122 von 7755Seite 46 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Details 1 BestandSeite 1133 von 7755Seite 47 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Details 2 BestandSeite 1144 von 7755Seite 48 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. 5000 Historische Planung Kuhstände 1909Seite 1155 von 7755Seite 49 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Historische Planung Kuhstände 1910 5000/5001 Historische Planung Kuhstände 1910Seite 1166 von 7755Seite 50 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Historische Planung Pferdestall 1911 5000/5001 Historische Planung Pferdestall 1911Seite 1177 von 7755Seite 51 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Referenzen - Jüdisches Museum MünchenSeite 1188 von 7755Seite 52 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Referenzen - Jüdisches Museum MünchenSeite 1199 von 7755Seite 53 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Referenzen - Gedenkstätte DüsseldorfSeite 2200 von 7755Seite 54 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Referenzen - Yad VashemSeite 2211 von 7755Seite 55 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Modell Bestand 5000/5001 Modell Bestand 5000/5001 Modell Bestand Erdgeschoss DachgeschossSeite 2222 von 7755Seite 56 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de EINFAHRT PRIESTER- SEMINAR ZUGANG GEDENK- STÄTTE KAPELLENSTRASSE PARKPLATZ GEDENKSTÄTTE 3 PKW ODER 1 REISEBUS EINGANG BESUCHER ZUGANG MITARBEITER ZUR MARTERKAPELLE 5000/5001/9980 Erschließung GedenkstätteSeite 2233 von 7755Seite 57 von 192 VERWALTUNG AUSSTELLUNG EINGANG SEMINARRAUM WC Foyer Flur 14m² WC 14m² WC 13m² Seminarraum 172 m² Verwaltung 52m² Besprechung 19m² Leitung 21m² Foyer 66m² Flur 6m² Küche 6m² Aus. 18m² Aus. 22m² Aus. 68m² Aus. 51m² Eingang 59m² Theke Aus. 20m² Bibiliothek 29m² Lager 16m² WC 7m² Archiv 20m² Aus. 17m² Garderobe Ausstellung 17m² Aus. 20m² WC 12m² Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 3501/3502/3503/3551/3552/3553/3600/5000/5001 Grundriss Schema V1 OBERGESCHOSS 1/200 ERDGESCHOSS 1/200Seite 2244 von 7755Seite 58 von 192 VERWALTUNG AUSSTELLUNG EINGANG SEMINARRAUM WC Foyer Treppe Seminarraum 195m² WC 6m² WC 6m² Lager 10m² Foyer 43m² Archiv 23m² Leitung 21m² Verwaltung 52m² Flur 10m² Gedenkraum 30m² WC 15m² WC 15m² Ausstellung 73m² Austellung 53m² WC 7m² Bibliothek 29m² Besprech 17,5m² Austellung 47m² Küche Flur 15m² Flur 9m² Flur 3,3m² Eingang 69m² Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 3322/3325/3332/3334/3600/5000/5001 Grundriss Schema V2 ERDGESCHOSS 1/200 OBERGESCHOSS 1/200Seite 2255 von 7755Seite 59 von 192 Ausstellung 68 m² Ausstellung 11 m² Ausstellung 22 m² Ausstellung 20 m² Ausstellung 17 m² Eingang 49 m² Ausstellung 22 m² Flur 20 m² Archiv 29 m² WC WC WC WC Flur 6 m² Ausstellung 22 m² Lager 6 m² PUMI 4 m² Gedenkraum 17 m² Gedenkraum 18 m² Bibliothek 30 m² Besprechung 22 m² Flur 7 m² Flur 17 m² Terrasse 14 m² WC 7 m² WC 7 m² Verwaltung+Leitung 70 m² Seminarraum 179 m² Foyer 35 m² Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de VERWALTUNG AUSSTELLUNG EINGANG SEMINARRAUM WC Foyer 3580/3581/3600/5000/5001 Grundriss Schema V3 Erdgeschoss 1/200 Obergeschoss 1/200Seite 2266 von 7755Seite 60 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 3303/3304/3305/3306/3307/3555/3556/3557/3558/3559 Flächenvergleich V1 - V3 3303/3304/3305/3306/3307/3555/3556/3557/3558/3559 Flächenvergleich V1 - V3 170 m² DAUERAUSSTELLUNG 139 m² VERWALTUNG 60 m² Raumprogramm - m² - m² EG OG 202 m² 149 m² 194 m² 43 m² 68 m² 172 m² 66 m² EG OG 218 m² 189 m² 58 m² FOYER GEDENKSTÄTTE FOYER VERSAMMLUNG VERSAMMLUNGSRAUM 202 m² 179 m² 215 m² 49 m² 35 m² Variante 1 Variante 2 Variante 3Seite 2277 von 7755Seite 61 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Perspektive Saal 1Seite 2288 von 7755Seite 62 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 3600/5000/5001 Perspektive Saal 2Seite 2299 von 7755Seite 63 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Perspektive GedenkraumSeite 3300 von 7755Seite 64 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Perspektive SeminarraumSeite 3311 von 7755Seite 65 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Perspektive VerwaltungSeite 3322 von 7755Seite 66 von 192 Projektstudie Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e.V. waldorfplan Architekturbüro Dipl. Ing. Martin Waldorf Kapellenstr.48 53115 Bonn T: 0049 228 3905915 info@waldorfplan.de 5000/5001 Perspektive BesprechungSeite 3333 von 7755Seite 67 von 192 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e. V. Dr. Johannes Platz Endenich – ein Ghettolager im Westen Antrag 1Seite 3344 von 7755Seite 68 von 192 1. Kurzzusammenfassung Am historischen Ort des Ghettolagers Endenich, in dem die Bonner Jüdinnen und Juden ab Juni 1941 bis Juli 1942 interniert waren, soll die Gedenkstätte Bonn neu aufgestellt werden. Zentral ist der Blick auf die Opfer des NS, der ergänzt wird um die Perspektive auf die Täter. Auf mikrohistorischer Ebene soll in konzeptioneller Erweiterung der bisherigen Perspektive auf die Verfolgten des Nationalsozialismus in Bonn auch die Geschichte der Täterinnen und Täter integriert werden. Dabei wird das Ghettolager Endenich, das im Juni 1941 gegründet wurde und der Konzentration der Jüdinnen und Juden sowie der Vorbereitung ihrer Deportation diente, im Zentrum der Darstellung stehen. Methodisch fokussiert die Darstellung auch auf die Konzepte und Ideen, die Leitbilder und Leitbegriffe der volksgemeinschaftlichen Ideologie, die für die Täterinnen und Täter handlungsleitend waren. Auf der Quellengrundlage der Dokumentation der Gedenkstätte und der Erweiterung des quellenmäßigen Zugriffs durch den Übergang der Gedenkstätte in städtische Trägerschaft und die organisatorische Eingliederung in den Geschäftsbereich des Stadtarchivs als Forschungs- und Vermittlungseinrichtung wird die Quellenbasis in der Konzeptions- und Erarbeitungsphase der neugestalteten Ausstellung erheblich erweitert. Ziel der Neugestaltung der Ausstellung ist es, die Gedenkstätte nach den Grundsätzen einer modernen und gegenwartsbezogenen Public History neu aufzustellen. Dabei fällt besonders ins Gewicht, dass sie zukünftig an einem historischen Ort lokalisiert werden soll. Dieser historische Ort ist das erwähnte, von der Gestapo 1941 beschlagnahmte Kloster Mariahilf der Benediktinerinnen zur Ewigen Anbetung in Bonn-Endenich. In ihm wurde ein Ghettolager eingerichtet. Ende April 1941 konfiszierte die Gestapo Außenstelle Bonn im Verlauf des sogenannten „Klostersturms“ das Kloster Mariahilf und zwang die dort lebenden Nonnen im Verlauf eines Tages, das Kloster zu verlassen. Ab Juni 1941 wurden Bonner Jüdinnen und Juden und solche aus dem Bonner Umland, die dort unter Aufsicht der Gestapo und innerhalb einer Struktur der Selbstverwaltung, wie sie für die Ghettos typisch war, interniert. Wie andere Sammellager, die in der jüngeren Forschung verstärkte Aufmerksamkeit erfahren, diente es der Vorbereitung der Deportationen, jedoch war die Internierungsdauer von bis zu einem Jahr länger als in vielen vergleichbaren 2Seite 3355 von 7755Seite 69 von 192 Sammellagern. Die räumliche Konzentration und die Deportationen stellten entsprechend dem Hilbergschen Modell des „Vernichtungsprozesses“ notwendige, aber nicht alleine hinreichende Stufen innerhalb dieses Prozesses dar. Deshalb sollen die Vorstufen in Bonn und im Umland und die nachfolgenden Stufen im Osten ebenfalls Gegenstand der Ausstellung sein. Insgesamt wurden die im Lager Endenich Internierten in vier Schüben im Juni und Juli 1942 deportiert. Die insgesamt 479 internierten Jüdinnen und Juden im Ghettolager Endenich wurden über das Kölner Messelager in Deutz vom Bahnhof Deutz mit den von dort ausgehenden Deportationszügen nach Theresienstadt, Sobibor und Majdanek sowie Maly Trostinez verbracht. In letzteren Lagern wurde sie nach Eintreffen ermordet. Die Deportation, die in Sobibor und Majdanek endete, hatte zunächst den Zielort Lublin: von dort kamen 100 Menschen ins nahe gelegene Vernichtungslager Majdanek und 700 Menschen ins weiter entfernt gelegene Vernichtungslager Sobibor nordwestlich von Lublin. Auch die in das Ghettolager Theresienstadt verbrachten Jüdinnen und Juden wurden im weiteren Verlauf der Deportationen in andere Lager ermordet. So überlebten lediglich 13 der 479 in Endenich internierten und aus Bonn deportierten Jüdinnen und Juden die Shoah. Darüber hinaus wurden auch nicht im Ghettolager internierte Bonner Jüdinnen und Juden deportiert; z. B. nach Litzmannstadt in einer früheren Deportation im Oktober 1941. Die Gedenkstätte für das Ghettolager Endenich besitzt in der der deutschen und internationalen Gedenkstättenlandschaft ein Alleinstellungsmerkmal, insofern sie auch die Vorgeschichte der Konfiskation im nationalsozialistischen „Klostersturm“ thematisiert. Reichsweit wurden ca. 300 Klöster und kirchliche Liegenschaften beschlagnahmt. Es wäre in Zukunft die einzige Gedenkstätte in einer solchen Liegenschaft. Auch unter den Gedenkstätten, die sich in Deutschland und international mit Stätten der Deportationen der Jüdinnen und Juden bzw. der Sinti und Roma befassen, hebt es sich als Ghettolager dadurch hervor, dass es an Internierte, die im Lager bis zu gut einem Jahr festgehalten worden sind, erinnert, also eben keine reine „Durchschleusungsinstitution“ war. Die Internierten waren gezwungen unter einer Struktur der Selbstorganisation und -verwaltung zu leben. Schließlich wird die Erinnerungs- und Vergangenheitspolitik in der Bundeshauptstadt bzw. Bundesstadt Bonn zu einem weiteren neuen Gegenstand der Darstellung, in dem die Verschränkung von Bundes- und Lokalpolitik betont wird. 3Seite 3366 von 7755Seite 70 von 192 Der Idee, die Gedenkstätte und das NS-Dokumentationszentrum an einem historischen Ort neu zu gestalten, liegt ein langer Prozess zugrunde. Erste Impulse gingen von einer Sonderausstellung der Gedenkstätte Bonn 1992 aus. In den folgenden Jahren wurden die Kontakte zum Kloster Mariahilf und nach dessen Auflösung 2001 mit dem dort nun angesiedelten Priesterseminar vertieft sowie Kontakte zum Erzbistum geknüpft. Im Verlauf von Begegnungswochen und Schülerworkshops arbeitete die Gedenkstätte an neuen, partizipationsorientierten Formaten ihrer Bildungsarbeit unter Einbeziehung des historischen Ortes. Leitung, MitarbeiterInnen und Vorstand der Gedenkstätte prüften ab 2016 verschiedene alternative historische Orte auf die Eignung als Lokalität einer Gedenkstätte an einem der Bonner historischen Orte. Dabei wurde intensiv der Forschungsstand, die Eigentumsverhältnisse, die Gegebenheiten vor Ort, mögliche räumliche Lösungen und die Erschließung in einem intensiven und vertieften Vorgehen verglichen. Schließlich wurde der Standort in Endenich favorisiert. Nach einer architektonischen Projektstudie im Jahr 2019, bei der die Bausubstanz auf ihre Eignung geprüft wurde, konnte 2020 schließlich mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung NRW ein Projekt realisiert werden, um inhaltliche und konzeptionelle Vorarbeiten zu einer Neugestaltung der Gedenkstätte am historischen Ort zu erarbeiten. Auf dieser Grundlage wurde die These, dass es sich beim Sammel- und Internierungslager „Kapellenstraße 6“ – unter diesem Namen firmierte das Lager – um ein „Ghettolager im Westen“ (Astrid Mehmel) handelte, auf einer internationalen Tagung der Arolsen Archives zur Geschichte der Deportationen im November 2020 zur Diskussion gestellt.1 1 Johannes Platz: Ein Ghettolager im Westen. Das Sammel- und Deportationslager im konfiszierten Klostergebäude in Bonn-Endenich, Paper zur Konferenz „Deportationen im Nationalsozialismus: Quellen und Forschungen“ der Arolsen Archives am 2.–4. November 2020 (online).; Astrid Mehmel: „Auch Endenich ist vielleicht noch das Ende nich“, [Ms. abgeschlossen]. 4Seite 3377 von 7755Seite 71 von 192 2. Spezifik des historischen Ortes und seiner Geschichte Alleinstellungsmerkmale Die Gedenkstätte am historischen Ort des Ghettolagers Endenich weist Alleinstellungsmerkmale im Hinblick auf die Geschichte und die Vorgeschichte der Deportationen auf. Gegenüber anderen historischen Orten der Deportation wie der geplanten Gedenkstätte Hannoverscher Bahnhof in Hamburg und Mahnmalen an Sammel- und Deportationslagern hebt sich der historische Ort des Ghettolagers Endenich aufgrund der Dauer der Internierung der Jüdinnen und Juden von bis zu über einem Jahr hervor. Die Vermittlung der historischen Gegebenheiten in einem „Ghettolager im Westen“ sind ein Alleinstellungsmerkmal in der bundesdeutschen Gedenkstättenlandschaft. Dies findet darin seinen Ausdruck, dass die Jüdinnen und Juden stärker in eine Struktur der Selbstverwaltung und Selbstorganisation unter den Zwangsbedingungen des Ghettolagers eingebunden waren. Hier werden die Bemühungen des Vorsitzenden des Ghettolagers, die Internierten zu ernähren und versorgen in die Darstellung einfließen. Die Lebenswelt und der Alltag im Lager unterschied sich auch erheblich von anderen Orten der Konzentration von Jüdinnen und Juden, wie den Ghettohäusern, den sogenannten Judenhäusern, insofern sie eine größere Gemeinschaft bildeten. Im Alltag mussten die internierten Jüdinnen und Juden Zwangsarbeit leisten. Die jüngsten Befunde zum Ghettolager Endenich ergänzen den neueren Forschungsstand zur Ghettoforschung im Osten und den heute als Ghettohäuser verstandenen „Judenhäusern“.2 Als historische Bausubstanz, die der Gedenkstätte Bonn als Lokalität dienen könnte, ist auf der Liegenschaft des Klosters Endenich der Wirtschaftsgebäudekomplex erhalten geblieben. Es hat nur geringfügige Veränderungen in der Nachkriegszeit erfahren, die laut der Expertise des Architekten Martin Waldorf aufgrund der Baustruktur die nötigen Voraussetzungen bietet, um die neugestaltete Dauerausstellung, die Räume für Verwaltung und Infrastruktur der Gedenkstätte aufzunehmen, ohne den historischen Charakter des Ortes aufzuheben. Der Rückbau von nachträglichen Einbauten ist denkmalsgerecht möglich. 2 Als wegweisend gilt in der jüngeren Ghettoforschung Andrea Löw: Juden im Getto Litzmannstadt. Lebensbedingungen, Selbstwahrnehmung, Verhalten, 2. Auflage, Göttingen 2010. 5Seite 3388 von 7755Seite 72 von 192 Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal besäße eine Gedenkstätte am historischen Ort des Klosters Endenich im Hinblick auf die Geschichtsschreibung des nationalsozialistischen „Klostersturms“. Es bildet dabei einen herausgehobenen Ort unter den etwa 300 beschlagnahmten Klöstern und anderen katholischen Liegenschaften, weil es an diese Repressionswelle erinnern würde. Die Klostergemeinschaft der Benediktinerinnen zur Ewigen Anbetung wurde 1941 Opfer des antiklerikalen Kampfes Himmlers und der Nationalsozialisten. Es wäre die einzige Gedenkstätte in einer solchen in den 1940er- Jahren konfiszierten Liegenschaft. Dies ist gerade im Hinblick auf die landesgeschichtliche Erinnerung in Nordrhein-Westfalen von Bedeutung. Darüber hinaus besitzt es Ausstrahlung, was die Aktivitäten in allen katholischen Gebieten des Deutschen Reichs betrifft. Innerhalb der Gesamtheit der konfiszierten Liegenschaften sticht das Kloster ebenfalls hervor, da die Nutzung als Ghettolager sich von anderen, verbreiteteren Nutzungen der konfiszierten Gebäude unterscheidet. Diese wurden in großer Zahl als Umsiedlerlager der Volksdeutschen Mittelstelle und als Lazarette im Kriegseinsatz genutzt; in einigen wurden in der Nachkriegszeit DP-Camps eingerichtet. Hervorzuheben ist, dass die Gedenkstätte im Ghettolager Endenich schließlich eine herausgehobene Rolle einnimmt, insofern sie in der Bundesstadt Bonn angesiedelt ist. Dies ermöglicht, die Vergangenheits- und Erinnerungspolitik im Bund lokal wie in der Funktion Bonns als Hauptstadt zu thematisieren. Zum einen hatte die erst zögerlich sich entwickelnde Erinnerungspolitik, bei der auf eine Phase des Beschweigens in den 1950er-Jahren die allmähliche Zunahme erinnerungspolitischer Aktivitäten folgte und sich in parlamentarischen Debatten und Entscheidungen manifestierte, nur ein bescheidenes Gewicht in der hauptstädtischen Repräsentation. Dies lag auch daran, dass sich für die Erinnerungspolitik und -kultur die Vergangenheitspolitik der Regierung als hemmend erwies, insofern diese neben normativen Abgrenzungen gegenüber dem Nationalsozialismus in der unmittelbaren Nachkriegszeit und bis in die 1960er-Jahre auf die Integration ehemaliger, vorgeblich demokratisch gewendeter Nationalsozialisten setzte. Diese Vergangenheitspolitik in den einzelnen Ministerien in der Bundeshauptstadt Bonn ist in den vergangenen Jahren verstärkt ins öffentliche und wissenschaftliche Interesse gerückt, so dass einzelne Bundesministerien selbst die NS-Geschichte der Vorgängerinstitutionen und die Nachgeschichte in der jungen Bundesrepublik von unabhängigen Historikerkommissionen untersuchen ließen. 6Seite 3399 von 7755Seite 73 von 192 Rückwirkungen hatte die anfangs formelhafte und ritualisierte Erinnerungskultur nicht zuletzt auf der kommunalen Ebene und in der Interaktion zwischen dem federführenden Bundesministerium des Innern und der Stadtverwaltung der Bundeshauptstadt Bonn. Forschungsstand und Quellenlage Im Folgenden wird die Forschungs- und Quellenlage zum Sammellager in der Kapellenstraße 6 in Bonn-Endenich dargestellt und erörtert, inwiefern es sich bei diesem Lager um ein „Ghettolager im Westen“ gehandelt hat. Ein Ghettolager war es, weil die internierten Jüdinnen und Juden dort anders als in den anderen Deportationslagern, etwa in Berlin, auf die Dauer von bis zu einem Jahr interniert waren, zur Zwangsarbeit gezwungen wurden und es Strukturmerkmale, insbesondere der Selbstverwaltung unter der Aufsicht der Gestapo aufwies, die es mit den großen Ghettolagern im Osten teilte. Zwar sind die Größenordnungen verschieden, aber dennoch trägt das Lager in der Kapellenstraße die Züge eines Ghettolagers. In der Gedenkstättenlandschaft in Deutschland, insbesondere im Vergleich zu Mahnmalen und Gedenkstätten, die sich mit der Deportation von Jüdinnen und Juden – sowie Sinti und Roma – befassen ist dies ein Alleinstellungsmerkmal. Typologie der Lager Das Lager Endenich lässt sich in die Typologie der NS-Lager wie folgt verorten. Aufgrund der aufgezwungenen Selbstverwaltung und Selbstorganisation unter der Leitung des Bonner Rechtsanwaltes Siegmund Meyer betrachtet die Gedenkstätte Bonn das Lager Endenich als Ghettolager, denn es war weitaus mehr als ein kurzzeitiges Lager, im Durch- und Übergangsprozess zur Ermordung der Jüdinnen und Juden. Dieter Pohl arbeitet im abschließenden Band des Sammelwerkes „Der Ort des Terrors“ die Strukturmerkmale der Ghettos aus, die der Absonderung der Jüdinnen und Juden von der übrigen Bevölkerung dienten. Die Ghettoisierten wurden einem strengen Arbeitszwang unterworfen. Michael Wildts Überlegungen zur Geschichte der nationalsozialistischen Lager unterscheidet von den Funktionen her Inklusion und Exklusion als analytische Leitbegriffe, denen er den Vernichtungszweck der 7Seite 4400 von 7755Seite 74 von 192 Vernichtungslager zur Seite stellt.3 Das ermöglicht ihm, die Vielfalt der Lager in der nationalsozialistischen Gesellschaft zu analysieren, die eben nicht nur die Zwangslager umfasste, sondern auch inkludierende Lager, die der Stärkung der „Volksgemeinschaft“ und damit vergemeinschaftenden Zwecken dienten. Die Vergemeinschaftung und die damit verbundene Ausgrenzungspolitik der „Gemeinschaftsfremden“ wird ein leitender Gesichtspunkt der Neugestaltung der Ausstellung. Hier kann an den jüngeren Forschungsstand der Forschungen zur nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ angeknüpft werden. Die NS-Politik der „Vergemeinschaftung“ und die damit verbundene Ausgrenzung soll ein zentraler Aspekt und leitender Gesichtspunkt in der Ausstellung sein. Damit wird an den aktuellen Forschungsstand zum Verständnis der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ als „Mythos, wirkungsmächtige soziale Verheißung oder soziale Realität im ‚Dritten Reich‘“ angeknüpft werden angeknüpft.4 Auch die Ghettoisierung in Endenich stärkte in dieser Form die Volksgemeinschaft der Nicht-Ausgeschlossenen, wie Sandra Dentler zeigt. Der Gegensatz zwischen der volksgemeinschaftlichen Integration und dem Zweck des Ausschlusses der Juden wird in dieser Fallstudie hervorgehoben, weil sich der Ausschlusscharakter des Ghettolagers Endenich mehrfach in den Quellen findet.5 Die räumliche Konzentration in Sammel- und Deportationslagern, aber auch die räumliche Separierung der Jüdinnen und Juden in eigenen Judenhäusern, die sie isolierten und konzentrierten, ist ein Bestandteil und ein Strukturmerkmal des von Raul Hilberg beschriebenen Prozesses der „Vernichtung der europäischen Juden“.6 Der exkludierende Charakter des Ghettolagers Endenich liegt offen zu Tage und findet sich auch in den Quellen. NSDAP-Kreisleiter Cuno Eichler fasst die Funktion des Lagers wie 3 Michael Wildt[/Marc Buggeln]: Lager im Nationalsozialismus. Gemeinschaft und Zwang, in: Wildt, Michael: Die Ambivalenz des Volkes. Der Nationalsozialismus als Gesellschaftsgeschichte, Berlin 2019 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft), S. 223–268; vgl. auch den vergleichend angelegten Band von Bettina Greiner/Alan Kramer (Hg.): Die Welt der Lager. Zur „Erfolgsgeschichte“ einer Institution, Hamburg 2013. 4 Detlef Schmiechen-Ackermann (Hg.): ‚Volksgemeinschaft‘: Mythos, wirkungsmächtige soziale Verheißung oder soziale Realität im ‚Dritten Reich‘, Paderborn 2012 (Nationalsozialistische ‚Volksgemeinschaft‘; 1); Dietmar van Reeken/Malte Thießen (Hg.): ‚Volksgemeinschaft als soziale Praxis‘. Neue Forschungen zur NS-Gesellschaft vor Ort. Paderborn 2013 (Nationalsozialistische ‚Volksgemeinschaft‘; 4); schließlich ist der bilanzierende Sammelband zu nennen, Detlef Schmiechen_ Ackermann/Marlis Buchholz/Bianca Roitsch/Christiane Schröder (Hg.): Der Ort der ‚Volksgemeinschaft‘ in der deutschen Gesellschaftsgeschichte, Paderborn 2018 (Nationalsozialistische ‚Volksgemeinschaft‘; 7). 5 Sandra Dentler „Volksgemeinschaft“ in Bonn. Die Bonner Gesellschaft und die Judenverfolgung von 1933 bis 1942, München 2020, https://edoc.ub.uni-muenchen.de/26506/, S. 187–219. 6 Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden, 3 Bde., Frankfurt am Main 1990. 8Seite 4411 von 7755Seite 75 von 192 folgt zusammen: „Wir wollen die Juden ganz aus dem Stadtbild der Stadt Bonn ausschließen.“7 Forschungsstand Zur Geschichte des Klosters Mariahilf als beschlagnahmte Liegenschaft liegen Untersuchungen von Marcel Albert und von eher populärwissenschaftlicher Natur von Herbert Weffer vor. Sie erlauben die Rekonstruktion der Geschichte der Benediktinerinnen zur Ewigen Anbetung.8 Die Ereignisse um die Beschlagnahme des Klosters durch die Bonner Gestapo finden Berücksichtigung in Annette Mertens umfassender Studie zu „Himmlers Klostersturm“, die die Prozesse in den Kontext der nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen gegen die katholische Kirche stellt und deren Weg bis zu den Wiedergutmachungsverfahren der Nachkriegszeit zeichnet.9 Deportationslager sind in den vergangenen Jahren verstärkt in der zeitgeschichtlichen Forschung thematisiert worden. Diese belegt die Bedeutung und unterstreicht den Plan, die Gedenkstätte Bonn an einem solchen historischen Ort einzurichten. Zum Vergleich mit anderen Sammel- und Deportationslagern laden die Arbeiten von Akim Jah zum Berliner Sammellager im jüdischen Altenheim in der Großen Hamburger Straße,10 von Philipp Dinkelacker zum Berliner Sammellager in der Synagoge in der Levetzowstraße, sowie der Sammelband, der aus einer Ausstellung über die verschiedenen Sammellager in Wien von Dieter J. Hecht, Michaela Raggam-Blesch und Heidemarie Uhl 7 NSDAP, Gau Köln-Aachen, Kreisleitung Bonn, Kreisleiter Eichler an das Wirtschafts- und Ernährungsamt, Abt. B, der Stadt Bonn, Bonn, 11.08.1941, in Archiv der Gedenkstätte Bonn, Ordner Ausstellung Endenich. Zur „Vernichtung durch Arbeit“ vgl. Michael Wildt: „Arbeit macht frei“. Zugehörigkeit, Ausgrenzung, Vernichtung durch Arbeit im Nationalsozialismus, in: Wildt, Michael: Die Ambivalenz des Volkes. Der Nationalsozialismus als Gesellschaftsgeschichte, Berlin 2019 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft), S. 199–222. Zur Semantik und Praxis von deutscher Arbeit und ihren gedachten Gegensätzen vgl. Asster, Felix/Lelle, Nikolaus (Hg.): „Deutsche Arbeit“. Kritische Perspektiven auf ein ideologisches Selbstbild, Göttingen 2018; Buggeln, Marc/Wildt, Michael (Hg.): Arbeit im Nationalsozialismus, München 2014; Schatz, Holger/Woeldike, Andrea: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion, Münster 2001 (Reihe antifaschistischer Texte; 9). 8 Weffer, Herbert: Endenich. Die Geschichte eines Bonner Vorortes, Bonn-Endenich 1987. Herbert Weffer: Das Kloster Mariahilf der Benediktinerinnen und die Marterkapelle in Bonn-Endenich, Bonn- Endenich 2001; 9 Annette Mertens: Himmlers Klostersturm: der Angriff auf katholische Einrichtungen im Zweiten Weltkrieg und die Wiedergutmachung nach 1945, Paderborn 2006 (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe B: Forschungen; 108). 10 Akim Jah: Die Deportation der Juden aus Berlin. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik und das Sammellager Große Hamburger Straße, Berlin 2013 (Studien zum Nationalsozialismus); Dinkelaker, Philipp: Das Sammellager in der Berliner Synagoge Levetzowstraße 1941/42, Berlin 2017 (ZeitgeschichteN; 18). 9Seite 4422 von 7755Seite 76 von 192 hervorgegangen ist, ein.11 Gemeinsam ist diesen bekannteren Sammel- und Deportationslagern und den bislang vernachlässigten Lagern, dass sie im wesentlichen temporären Charakter hatten und die Internierten vorrangig zum Zweck der Vorbereitung ihrer Deportation aufnahmen. Die Jüdinnen und Juden blieben für die Zeit der Internierung dem Prozess der so genannten „Durchschleusung“ im Verlauf einiger Tage unterworfen. Dabei wurde das Gepäck durchsucht, vor allem aber das Vermögen der Jüdinnen und Juden in Vermögenserklärungen erfasst und zur späteren Einziehung sowie die Deportation selbst vorbereitet. Von diesen Lagern unterscheidet sich das Lager Endenich durch die langwährende aufgezwungene Selbstorganisation und die Internierungsdauer von bis zu über einem Jahr. Es liegen Arbeiten zu den Deportationen, die zwischen 1938 und 1945 von Köln-Deutz ausgingen, insbesondere aber auch zum Messelager Köln-Deutz, vor. Das Messelager Deutz und der Bahnhof Köln-Deutz waren die letzten Stationen für die in Endenich internierten Jüdinnen und Juden unmittelbar vor der Deportation, ebenso wie das Internierungslager Köln-Müngersdorf.12 Regional fällt noch das ländliche Internierungslager in Much im heutigen Rhein-Sieg-Kreis, dem früheren Landkreis Bonn ins Gewicht, wozu ein Gedenkbuch von Bruno Reifenrath vorliegt und vereinzelt lokalhistorische Beiträge.13 Das Überblickswerk von Albert Gottwald und Diana Schulle 2005 bietet Einblicke in die Grunddaten der Deportationen, die aus dem Deutschen Reich abgingen.14 Dieter Corbach hat einen Teil der Deportationslisten der Deportationen, die von Köln-Deutz gen Osten gingen, rekonstruiert. Sie sind nach der letzten Wohnadresse, die im Falle des Ghettolagers Endenich „Kapellenstraße 6“ lautete, recherchierbar. Für die Kölner Deportationen steht im Kölner NS-DOK (EL-DE-Haus) eine Datenbank der Deportationsopfer bereit; die Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum Bonn e. V. verfügt ebenfalls über eine eigene Datenbank zu den von Bonn aus Deportierten, die den Forschungsstand von Corbach wesentlich erweitert. 11 Dieter J. Hecht/Michaela Raggam-Blesch/Heidemarie Uhl (Hg.): Letzte Orte. Die Wiener Sammellager und die Deportationen 1941/42, Wien/Berlin 2019. 12 Dieter Corbach: Sechs Uhr ab Messe Köln-Deutz. Deportationen 1938–1945, Köln 1999 (Spurensuche jüdischen Wirkens; 6); Carola Fings: Messelager Köln. Ein KZ-Außenlager im Zentrum der Stadt, Köln 1996 (Schriften des NS-Dokumentationszentrms der Stadt Köln; 3). Zum anderen Kölner Internierungslager in Köln Müngersdorf siehe Kurt Schlechtriemen: Opfer des Nationalsozialismus in Köln-Müngersdorf, Köln 2017. 13 Bruno H. Reifenrath: Die Internierung der Juden in Much. Ein Buch des Gedenkens, Siegburg 1982 (Veröffentlichung des Geschichts- und Altertumsvereins für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis; 15); Jan Tiemann: Warten auf die „Sonderbehandlung“. Die Internierung der Juden aus dem Siegkreis, im Sammellager Much vor 70 Jahren, in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 27, 2012, S. 72–77. 14 Alfred Gottwald/Diana Schulle: Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich von 1941–1945, Wiesbaden 2005. 10Seite 4433 von 7755Seite 77 von 192 International ist die Dauerausstellung und die Gedenkstätte des Sammel- und Deportationslagers Kazerne Dossin vergleichend in die Konzeptentwicklung für eine zukünftige Gedenkstätte am historischen Ort in Bonn-Endenich einbezogen worden, weil hier ein wegweisendes, wenn auch nicht unumstrittenes Beispiel der Gedenkstättenarbeit vorliegt, das die NS-Geschichte der Deportationen und der Judenverfolgung mit Querschnitten durch die internationale Menschenrechtsgeschichte verknüpft.15 Außerdem wurde die projektierte Anlage des Gedenkortes Hannoverscher Bahnhof in Augenschein genommen. Quellenlage Die Quellenlange ist disparat. Eine eigene Überlieferung des Ghettolagers Endenich existiert nicht mehr. Es finden sich Hinweise in Beständen von Behörden, die mit dem Ghettolager Endenich zu tun hatten, im Stadtarchiv. Dort findet sich auch das Hausbuch des Klosters. Es existieren dort auch die sogenannte Hausliste, die die Aufnahme in das Ghettolager und einige Grunddaten, wie den letzten Wohnort dokumentiert sowie die Deportation. Diese Liste ist bei Neugebauer 1964 ediert. Hinzu kommen ZeitzeugInnenberichte, etwa solche, die im Verlauf von Wiedergutmachungsverfahren zustandekamen, die die die Internierung und die Deportation zum Gegenstand hatten. Es existieren darüber hinaus einige wenige ZeitzeugInnenberichte von nichtjüdischen BesucherInnen des Lagers. Besonders hervorzuheben sind die Berichte der Überlebenden Else Waldmann und Anneliese Nossbaum, geb. Winterberg, Dora Philippson, Ada Levy und anderen sowie die zahlreichen Briefe von Ruth Hadassah Herz an ihren Onkel in Palästina und die weiterer Gefangener aus dem Ghettolager in 15 Zur Geschichte der Kazerne Dossin als NS-Sammel- und Deportationslager vgl. Markus Meckl: Wartesaal vor Auschwitz: Das Lager Mechelen (Malines), in: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Terror im Westen. Nationalsozialistische Konzentrationslager in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg 1940–1945, Metropol, Berlin 2009, S. 39–49; Laurence Schram: L‘antichambre de Auschwitz. Dossin, Bruxelles 2017; Insa Meinen: Die Shoah in Belgien, Darmstadt 2009; Andreas Pflock: Auf vergessenen Spuren. Ein Wegweiser zu Gedenkstätten in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Hrsg.: Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006; Materialien der Gedenkstätte Kazerne Dossin: Kazerne Dossin (Hg.): Kazerne Dossin. Memorial, Museum and Documentation Centre on Holocaust and Human Rights, Mechelen 2012; Kazerne Dossin (Hg.): Kazerne Dossin. Holocaust - Mensenrechten, Gent 2019. Die Problematik solcher Kontextualisierungen, wie sie besonders in Verknüpfungen postkolonialer Forschungen mit Holocaustforschung auftritt, hat Steffen Klävers nachdrücklich aufgezeigt. Die damit verbundenen Probleme reichen von logischen und historischen Inkonsistenzen der Argumentation bis zu Relativierungen der Shoah, vgl. ders.: Decolonizing Auschwitz? Komparativ-postkoloniale Ansätze der Holocaustforschung, Berlin/Boston 2019. 11Seite 4444 von 7755Seite 78 von 192 den Archiven von Yad Vashem, der Gedenkstätte und des Stadtarchivs Bonn sowie im der Gedenkstätte bekannten Privatbesitz. Die Geschichte des historischen Ortes: Die Gemeinschaft Kapellenstraße 6 in Endenich – Ein Ghettolager im Westen Der „Klostersturm im Rheinland“ Die Entscheidung der Gestapo, ein Lager im Kloster Mariahilf der Benediktinerinnen zur Ewigen Anbetung einzurichten, erfolgte während des sogenannten „Klostersturms“, bei dem die Nationalsozialisten katholische Ordensgebäude konfiszierten und für ihre Zwecke als Lazarette, Kliniken, „Umvolkungslager“ und im Endenicher Fall als Ghettolager einrichteten bzw. verwendeten. Dazu vertrieben sie die Ordensgemeinschaften von ihren angestammten Besitzungen. Der Begriff „Klostersturm“ stammt aus den Quellen und wurde von den Leidtragenden dieser Politik verwendet. Einer der Schwerpunkte dieser Politik lag im Rheinland. Das Kloster in Endenich, das 1857 gegründet wurde, gehörte der Kongregation der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament an. Das Kloster bewirtschafte landwirtschaftliche Flächen und verfügte über einen eigenen, heute noch erhaltenen Wirtschaftsgebäudekomplex, in dem die Gedenkstätte Bonn Raum finden soll.16 Im April 1941 fiel die Entscheidung der Gestapo, das Kloster zu konfiszieren und am 30. April 1941 beschlagnahmte die Gestapo Außenstelle Bonn das Kloster Mariahilf in Bonn- Endenich handstreichartig.17 16 Vgl. Weffer: Kloster Maria Hilf; Pars nostra ad Pedes ejus. Unser Anteil zu seinen Füßen. 100 Jahre Benediktinerinnen der ewigen Anbetung, Bonn 1857, Bonn-Endenich 1957, Rhede [1957]; Gelobt und angetet sei ohne Ende. 21.11.1857-21.11.1982. Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung Bonn [1982]; Anja Ostrowitzki: Bonn, in: Marcel Albert (Bearbeiter): Frauen mit Geschichte. Die deutschsprachigen Klöster der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament, Str. Ottilien 2003 (Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens; 42), S. 59–103. 17 Annette Mertens: Klostersturm im Rheinland 1940–1942, in: LVR-Portal Rheinische Geschichte http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/klostersturm-im-rheinland- 1940–1942/DE-2086/lido/57d1363aa733c3.96098249#toc-23. 12Seite 4455 von 7755Seite 79 von 192 Von diesem Vorgang berichtet eine Quelle, das handschriftliche Hausbuch des Klosters, ausführlich. Sechs Gestapobeamte zwangen die Nonnen, die Vorbereitungen zur Räumung des Klosters innerhalb weniger Stunden zu treffen. Die Nonnen wurden mit Bussen samt weniger tragbarer Habe in andere Klöster überführt. Das restliche Inventar wurde mit dem Klostergebäude und der Kasse des Klosters konfisziert.18 Im Zusammenhang der Vertreibung aus dem Kloster verlegte die Gestapo auch kranke und pflegebedürftige Nonnen. Das Wirtschaftspersonal, das zwei Knechte der angeschlossenen Landwirtschaft umfasste, blieb an Ort und Stelle. Erinnerungsgeschichtlich ist interessant, dass in zwei Festschriften zum hundertjährigen und hundertfünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Endenicher Benediktinerinnen zwar diese Vertreibung während des „Klostersturms“ Erwähnung findet, die im Folgenden beschriebene Weiternutzung des Klosters als Ghetto-/Sammel- und Deportationslager jedoch mit nur knappen Worten beschrieben ist, wohingegen die Zerstörung des Klosters in Folge eines alliierten Bombardements breiter referiert wird, die auf die anschließend an die Lagernutzung stattgefundene Wehrmachtsnutzung des Gebäudekomplexes als Funkstation zurückzuführen ist.19 Bemerkenswert ist allerdings auch, dass die Benediktinerinnerinnen in den genannten Festschriften das Sammel- und Deportationslager bereits als „Ghetto“ bezeichneten. Die Internierung und Konzentration der Bonner Jüdinnen und Juden Ab Juni 1941 erging der Befehl an Bonner Jüdinnen und Juden und Jüdinnen und Juden aus dem Bonner Umland, sich sukzessive im Klostergebäude, das für ca. 120 Nonnen ausgelegt war, einzufinden. Dies war der letzte Aufenthaltsort nach der bereits erfolgten Konzentration der Jüdinnen und Juden in Judenhäusern, bevor sie etwa ein Jahr später deportiert wurden. Bei den ab 1941 internierten Jüdinnen und Juden handelte es zunächst sich um Bonner Jüdinnen und Juden. Ab Jahresbeginn 1942 folgten Jüdinnen und Juden aus Beuel, Bad 18 Zum allgemeinen Vorgang und der Vorgehensweise der Gestapo vgl. ebd. Vgl. auch Auszug aus dem Hausbuch der Benediktinerinnen zur Ewigen Anbetung vom 30.4.1941, Kopie in Akte Endenich, Archiv der Gedenkstätte Bonn. 19 So ist es jedenfalls in der Festschrift vom zum 100-jährigen Jubiläum der Benediktinnrinnen in Bonn- Endenich verzeichnet. Vgl. Pars nostra ad Pedes ejus. Unser Anteil zu seinen Füßen. 100 Jahre Benediktinerinnen der ewigen Anbetung, Bonn 1857, Bonn-Endenich 1957, Rhede [1957], S. 21–23; Gelobt und angebetet sei ohne Ende. 21.11.1857-21.11.1982. Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung Bonn [1982], S. 22–25. In der Broschüre zum 125. Jubiläum findet auch die Gedenktafel, die am Gebäude am 8. November 1981 angebracht wurde, Erwähnung, die von Oberbürgermeister Dr. Hans Daniels enthüllt wurde. 13Seite 4466 von 7755Seite 80 von 192 Godesberg, Ludendorf, Meckenheim und Rheinbach aus dem Kreis Bonn-Land. Noch kurz vor Auflösung des Lagers traf ein Transport aus Euskirchen ein. Im Lager Endenich herrschten die Rahmenbedingungen einer Struktur der Selbstverwaltung, wie sie für die Ghettos typisch war.20 Unter dem Vorsitz Siegmund Meyers, eines Bonner Rechtsanwaltes, der schon zuvor verantwortliche Positionen in der Jüdischen Gemeinde Bonns übernommen hatten, lebten die internierten Jüdinnen und Juden unter Zwangsbedingungen, jedoch trug die verordnete Selbstverwaltung dazu bei, dass sie zentrale Aspekte des Lebens im Ghettolager organisieren konnten und dabei ihre bescheidenen Gestaltungsspielräume nutzen konnten. Den Jüdinnen und Juden, von denen ungefähr 40 % Zwangsarbeit verrichten mussten, war der Ausgang aus dem Internierungslager zu anderen Zwecken nur begrenzt erlaubt. Die Zwangsarbeit erfolgte unter anderem bei der Müllabfuhr, der Stadtreinigung, im Straßenbau, in den Tongruben von Witterschlick, in der Wandplattenfabrik Wessels in Ransdorf und der Stadtreinigung.21 Von den 378 mit Stand vom 24. April 1942 Internierten leisteten 154 Ghettobewohner Zwangsarbeit. Der Anteil der Zwangsarbeit leistenden Männer lag bei 97 Personen, der Anteil der Frauen bei 57. Der überwiegende Anteil war zu schwerer Zwangsarbeit gezwungen, galt mithin als SchwerarbeiterIn.22 Allerdings war das Lager nach außen hin nicht vollständig abgeschottet, so dass Besuch von ehemaligen Nachbarinnen und Nachbarn sowie Freundinnen und Freunden außerhalb des Lagers mit Einschränkungen empfangen werden konnte, wovon einige ZeitzeugInnen berichten. Die Familien wohnten auf beengten und kleinen Zimmern zusammen, teils mit eigenem Mobiliar. Die Stimmung im Lager sei sehr schlecht gewesen, berichten ZeitzeugInnen. 20 Vgl. Dieter Pohl: Ghettos, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hg.) Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 9: Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager. Sonderlager, Zigeunerlager. Zwangsarbeiterlager, München 2009, S. 161–191. Michael Wildt, Michael[/Marc Buggeln]: Lager im Nationalsozialismus. Gemeinschaft und Zwang, in: Wildt, Michael: Die Ambivalenz des Volkes. Der Nationalsozialismus als Gesellschaftsgeschichte, Berlin 2019 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft), S. 223–268. Bettina Greiner/Alan Kramer (Hg.): Die Welt der Lager. Zur „Erfolgsgeschichte“ einer Institution, Hamburg 2013. 21 Hierzu existieren Zeitzeugenberichte u. a. von Else Waldmann und Briefe von Ruth Hadassah Herz. Vgl. hierzu Ruth Schlette: „Ich hoffe trotzdem bald in Palästina ein neues Leben anfangen zu können. Ruth Hadassah Herz (1925–1942) und ihre Briefe, in: Bonner Geschichtsblätter 51/52, 2001, 122– 175. Darüber hinaus dokumentieren Fotos die Zwangsarbeit. 22 Gemeinschaft Bonn Kapellenstraße 6, an das Wirtschafts- und Ernährungsamt der Stadt Bonn, z. Hd. des Herrn Berndt, Bonn, 24. April 1942, Archiv der Gedenkstätte Bonn, Ordner Ausstellung Endenich. 14Seite 4477 von 7755Seite 81 von 192 Selbstverwaltung und Versorgung Zur Selbstverwaltung zählte die Aufgabe, die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen. Hierzu haben sich als Quellen Schriftwechsel mit städtischen Ämtern und von öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Kammern und Innungen sowie der NSDAP- Kreisleitung erhalten, in denen von städtischer Seite rigide mit Siegmund Meyer um Quoten und Warenverkehr gerungen und Meyer mit Geschick versuchte, diesem entgegenzuwirken. Meyer verglich Mengen und Quoten akribisch mit Zuteilungen der internierten Jüdinnen und Juden in Köln, um eine bessere Versorgungssituation auszuhandeln. Die veranschlagten und gelieferten Nahrungsmittel wurden mit dem Vermögen der internierten Jüdinnen und Juden verrechnet, mussten demzufolge von ihnen selbst bezahlt werden. Dies ist durchaus eine Form der Enteignung. Es war aus der Sicht der nationalsozialistischen Machthaber und Verantwortlichen nicht ihre Aufgabe, als Urheber der Internierung für die Internierten zu sorgen, sondern deren eigene Aufgabe, diese am kontingentierten und kontrollierten Markt einzukaufen. Auch über individuelle Möglichkeiten des Einkaufs zu reglementierten Tageszeiten innerhalb ausgesprochen schmaler Ausgangszeitkorridore verhandelte Siegfried Meyer. Hierbei kam die rigide Haltung der Geschäftseigner den Intentionen der nationalsozialistischen Machthaber entgegen. Wie andere Sammellager, die in der jüngeren Forschung verstärkte Aufmerksamkeit erfahren, diente das Ghettolager Endenich dazu, die Deportationen vorzubereiten, jedoch war die Internierungsdauer bis zu einem Jahr länger als in vielen vergleichbaren Sammellagern. Die räumliche Konzentration und die Deportationen stellten entsprechend dem Hilbergschen Stufenmodell des „Vernichtungsprozesses“ notwendige, aber nicht hinreichende Stufen innerhalb dieses Prozesses dar.23 Erste Deportationen von Jüdinnen und Juden fanden im Laufe der Monate Dezember 1941 und Januar 1942 statt, bei denen 72 Internierte in Kölner Lager bzw. ein Altersheim überstellt wurden. Die im Lager Endenich Internierten wurden im Juni am 14./15. Juni sowie am 19./21. und 27. Juli 1942 deportiert.24 Die insgesamt 479 internierten Jüdinnen und Juden im Ghettolager Endenich erhielten den Deportationsbefehl. In Köln wurden sie zur 23 Vgl. Raul Hilbergs knappe Zusammenfassung der Struktur des Vernichtungsprozesses in ders.: Die Vernichtung der europäischen Juden, 3 Bde., Bd. 1, Frankfurt am Main 1990, S. 56–66. 24 Vgl. Gottwald/Schulle: Die „Judendeportationen“, S. 216–219, S. 243, S. 303. 15Seite 4488 von 7755Seite 82 von 192 unmittelbaren Vorbereitung der Deportation nach einem Transport mit Bussen und Lastwagen, bei dem sie bescheidenes Deportationsgepäck mitführen durften, für einen kurzen Zeitraum in das Messelager Köln-Deutz zur sogenannten „Durchschleusung“ eingewiesen.25 Von dort deportierte man sie mit den vom Köln-Deutzer Bahnhof ausgehenden Deportationszügen nach Sobibor und Majdanek, Theresienstadt, Minsk/Maly Trostinez.26 Die Deportation, die in Sobibor und Majdanek endete, hatte zunächst den Zielort Lublin: von dort kamen 100 Menschen ins nahe gelegene Vernichtungslager Majdanek und 700 Menschen ins weiter entfernt gelegene Vernichtungslager Sobibor nordwestlich von Lublin.27 Von den 479 in Endenich internierten und aus Bonn deportierten Jüdinnen und Juden überlebten lediglich 13 die Shoah. Darüber hinaus wurden auch nicht im Ghettolager internierte Bonner Jüdinnen und Juden deportiert; z. B. nach Litzmannstadt in einer früheren Deportation im Herbst 1941. 28 Das zurückgelassene Mobiliar und Vermögen, dessen Wert nach der Räumung des Klosters im Juli 1942 mit 80.000,-- bis 100.000,-- RM beziffert wurde, wurde versteigert und durch das Finanzamt verwertet. 25 Corbach, Dieter: Sechs Uhr ab Messe Köln-Deutz. Deportationen 1938–1945, Köln 1999 (Spurensuche jüdischen Wirkens; 6); Fings, Carola: Messelager Köln. Ein KZ-Außenlager im Zentrum der Stadt, Köln 1996 (Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln; 3). 26 Petra Rentrop: Tatorte der „Endlösung“. Das Ghetto in Minsk und die Vernichtungsstätte von Maly Trostinez, Berlin 2011, S. 203, S. 206ff.; Corbach: 6.00 Uhr ab Köln-Deutz, S. 143ff; Corbach: 6.00 Uhr ab Messe Köln-Deutz, S. 157–171. Zu Sobibor vgl. Yitzhak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard Death Camps, Bloomington 1999; Sara Berger: Experten der Vernichtung. Das T4-Reinhardt-Netzwerk in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka, Hamburg 2013 (Studien zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts); Stephan Lehnstaedt: Der Kern des Holocaust: Bełżec, Sobibór, Treblinka und die Aktion Reinhardt, München 2017; Jules Schelvis: Vernichtungslager Sobibór, 3. Auflage, Münster 2018 (Reihe antifaschistischer Texte). Zu Theresienstadt klassisch H. G. Adler: Theresienstadt. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Göttingen Wallstein 2012 (= 2. Auflage 1960); Wolfgang Benz: Theresienstadt. Täuschung und Vernichtung, München 2013. Anna Hájková: The Last Ghetto. An Everyday History of Theresienstadt, Oxford 2020. 27 Gottwaldt/Schulle: Die „Judendeportationen“, S. 216–219. 28 Vgl. Astrid Mehmel: „Auch Endenich ist das Ende nich“, [Manuskript, in Vorbereitung]. 16Seite 4499 von 7755Seite 83 von 192 Fazit Die Gemeinschaft Kapellenstraße 6 lässt sich als „Ghettolager im Westen“ beschreiben. Insbesondere die Verantwortung der Selbstorganisation, die in der Organisation des Alltags beginnend bei der Ordnung des Lagers durch Kontrolle des Ein- und Ausgangs ergab und die unmittelbare Verantwortung für Fragen der Versorgung, deren Kosten die jüdische Lagergemeinschaft aus ihrem Vermögen tragen mussten und bei denen ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach keine Vergünstigungen für den Bezug in Großhandelsmengen eingeräumt wurden, macht deutlich, dass das Lager den Charakter und bestimmte Funktionsbereiche eines Ghettolagers hatte. Der antisemitische Charakter der Versorgungspolitik und die Einhaltung dieses Charakters in wirtschaftlicher Hinsicht (Ausschluss von Großhandelspreisen) und die exkludierende Form (Ausschluss aus der Stadt) werden in den Quellen mehrfach als Zweck der Internierung angegeben. Es gibt zwar Hinweise, jedoch steht noch offen zu klären, inwieweit die Gefangenen die Internierten auch in kulturellen und rituellen Fragen Formen von Selbstständigkeit und Selbstorganisation bewahren konnten. Es gibt eindeutige Belege in ZeitzeugInnenberichten (etwa von Anneliese Nossbaum geb. Winterberg), dass die Gemeinschaft Kapellenstraße 6 eine Form von Beschulung organisierte. Diese setzte die Tätigkeit der Jüdischen Schule (gegründet 1934/35) fort, an der Anneliese Winterbergs Vater Siegfried Winterberg, der die Beschulung im Ghettolager ausübte, bereits Lehrer gewesen war. Laut Erlass hatte die Beschulung jüdischer Kinder zum 1. Juli 1942 zu enden, also kurz vor der Deportation. Ob der jüdische Kultus insgesamt eingehalten werden konnte, ist unsicher. Es gibt ZeitzeugInnenberichte, die von jüdischen Gottesdiensten berichten. Sicher ist, dass die Verantwortlichen im Wirtschafts- und Ernährungsamt keine religiösen Rücksichten nahmen und den Leiter der Gemeinschaft auch samstags, also am Schabbat, zu Besprechungen, einbestellten. Alle erwähnten Eigenständigkeiten können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zwangsgemeinschaft im Ghettolager Endenich über beinahe keine Handlungsspielräume verfügte, was die Mitwirkung bei der Organisation der Deportation betraf, sondern dass Siegmund Meyer gezwungen war, die Listen für die Transporte fristgemäß zu liefern und so deportierten die Nazis am Ende das ganze Ghettolager und es mutet prophezeiend an, dass der Bonner Professor Dr. Felix Haussdorff, der sich kurz vor seiner dortigen Internierung das Leben nahm, in seinem Abschiedsbrief schrieb: „Auch Endenich ist noch vielleicht das Ende nicht!“ 17Seite 5500 von 7755Seite 84 von 192 Die Erinnerungs- und Vergangenheitspolitik in der Bundeshauptstadt und der Bundesstadt Bonn Die Anfänge der Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit liegen in Bonn im Zusammenhang mit der Wiedergutmachung auch in der Jüdischen Gemeinde Bonns. Anders als in den durch die Shoah dezimierten größeren jüdischen Gemeinden wie etwa Münchens Jüdischer Gemeinde konnte sich die Jüdische Gemeinde, auch angesichts der sehr kleinen Zahl überlebender Juden keine eigene Kommission leisten, die die Verbrechen dokumentierte. Die jüdische Gemeinde steuerte aber ihre Expertise in Wiedergutmachungsverfahren bei.29 In der Bonner Mehrheitsgesellschaft, in den Bundesbehörden und Ministerien war die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit gering ausgeprägt. Die Mehrheitsgesellschaft reflektierte die vergangenen Ereignisse nicht. Beschweigen, Abwehr und Verdrängung überwogen zunächst, was auch mit der Reintegration von ehemaligen Nationalsozialisten zusammenhing. Der Zeitzeugenbericht von Jens-Jürgen Ventzki, der als Kind des ehemaligen NS- Oberbürgermeisters von Litzmannstadt/Lodz Werner Ventzki dort sowie in Berlin und Bonn aufgewachsen ist, dokumentiert die Situation und den Einfluss einiger Nationalsozialisten in Bonn eindringlich. Der ehemalige Oberbürgermeister, der mit den NS-Besatzungsverhältnissen eng vertraut war, war auf hoher Ebene im Ministerium des von Theodor Oberländer geführten Vertriebenenministeriums tätig.30 Institutionell war das Bonner Seminar für Politische Wissenschaften, an dem seit 1959 der Hochschullehrer Karl Dietrich Bracher lehrte, von Bedeutung. Die ersten wissenschaftlichen Anstöße, den Nationalsozialismus zu analysieren, stammten in hohem Ausmaß aus der Politikwissenschaft. Bracher wurde mit seinen Klassikern über den Niedergang der Weimarer Republik und „Die deutsche Diktatur“ stilprägend für die Bonner Schule der Politikwissenschaften. Ihm und seinem Kollegen Hans-Adolf 29 Zur frühen Beschäftigung mit der Shoah vgl. Regina Fritz/Éva Kovács/Béla Rásky (Hg.): Als der Holocaust noch keinen Namen hatte. Zur frühen Aufarbeitung des NS-Massenmordes an den Juden,/Before the Holocaust Had Its Name. Early Confrontations of the Nazi Mass Murder of the Jews, Wien 2016 (Beiträge zur Holocaust-Forschung des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust- Studien); Hans-Christian Jasch/Stephan Lehnstaedt (Hg.): Verfolgen und Aufklären. Die erste Generation der Holocaustforschung/Crimes Uncovered. The First Generation of Holocaust Researchers, Berlin 2019; Laura Jockusch: Collect and Record! Jewish Holocaust Documentation in Early Postwar Europe, Oxford/New York 2012. 30 Hans-Jürgen Ventzki: Seine Schatten, meine Bilder. Eine Spurensuche, Innsbruck/Wien/Bozen 2011. 18Seite 5511 von 7755Seite 85 von 192 Jacobsen und deren Pionierarbeiten zur Erforschung des Nationalsozialismus begegneten ein Teil der Bonner Historiker und Wissenschaftler anderer Disziplinen mit Skepsis. Zunächst galt der Blick dieser Schule der Bonner Politikwissenschaften der Reichsebene und nicht den lokalen Gegebenheiten vor Ort. Wohingegen an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf und in der Germania Judaica in Köln auch landesgeschichtlich orientierte Untersuchungen und Ausstellungen zur Geschichte der Juden bis in die jüngste Zeitgeschichte der Juden im Rheinland bereits in den 1960er-Jahren stattfanden.31 Besonders im Hinblick auf die Vergangenheitspolitik fällt die dynamische, wechselseitige Beziehungsgeschichte der beiden deutschen Staaten ins Gewicht. Denn nicht nur in den sogenannten „Braunbücher[n]“ und in politisch inszenierten Strafprozessen in Abwesenheit, wie den gegen den Bundesminister für Vertriebene Theodor Oberländer, trachtete die DDR immer wieder Einfluss auf die westdeutsche Öffentlichkeit zu gewinnen, indem sie die NS-Kontinuitäten in der Gesellschaft der Bundesrepublik betonte und ein Bild einer „faschistischen und militaristischen“ Bundesrepublik zeichnete. Gegenstand wird die asymmetrisch verflochtene Beziehungsgeschichte beider deutscher Staaten im Hinblick auf die Vergangenheitspolitik sein.32 Diese strahlte auch auf die westdeutsche Neue Linke aus, aus deren Reihen eine der ersten Thematisierungen des „braunen Bonns“ stammte, das die Verhältnisse in Bonn jed
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 22:58 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de