210790-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Kostenfreie Hygieneprodukte für Frauen/Mädchen in Schulen und anderen Einrichtungen
Kerndaten
- Nummer
- 210790-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 27.05.2021
- Letzte Änderung
- 19.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Gesundheit Kenntnisnahme
- Sitzung des Schulausschusses Kenntnisnahme
- Sitzung des Hauptausschusses Kenntnisnahme
Dateien
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 210790-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 40 Schulamt Dezernat: Dez. V Kostenfreie Hygieneprodukte für Frauen/Mädchen in Schulen und anderen Einrichtungen Beratungsfolge Ausschuss für Soziales, Migration und Gesundheit 27.05.2021 Kenntnisnahme Schulausschuss 02.06.2021 Kenntnisnahme Hauptausschuss 17.06.2021 Kenntnisnahme Zu 1. Die Stadt Hamm hat das „Pilotprojekt zur kostenlosen Bereitstellung von Damenhygieneartikeln in Behörden, Schulen und öffentlichen Einrichtungen“ in der Ratssitzung am 23.03.2021 beschlossen, siehe Anlage (Erfahrungswerte liegen noch nicht vor). Zu 2. Die Verwaltung hatte in ihrer Stellungnahme 210096-02 ST auf die zu erwartenden Problemstellungen, die durch die Auslage von Hygieneartikeln in Schultoiletten zu erwarten sind, hingewiesen. Abweichend vom Antrag schlägt die Verwaltung bei Annahme des Antrages und entsprechender Beschlussfassung im Hauptausschuss vor, jeweils eine Pilotschule je Schulform auszuwählen, an der in den Sanitäranlagen durch das SGB in angemessener Zahl Spender für Menstruationsprodukte montiert und entsprechend regelmäßig bestückt werden. Die Ergebnisse bzw. Erfahrungen sind nach 6-12 Monaten zu evaluieren und können als Grundlage für die etwaige Ausweitung einer Ausstattung von Schulen mit entsprechenden Spendereinheiten dienen. Zu 3. Entsprechend der Objektausstattungsliste des SGB sind Hygienebehälter mit Deckel und Beutelspender grundsätzlich in jeder Damen-/Mädchentoilette vorzuhalten. Bei Herren-/Jungentoiletten ist mind. ein solcher Behälter in einer entsprechend gekennzeichneten Toilette zu montieren. Bei Annahme des Antrags und entsprechender Beschlussfassung imSeite 1 von 4 Seite 2 Hauptausschuss wird das SGB die städtischen Schultoiletten dahingehend überprüfen, ob in den städtischen Schultoiletten für Mädchen ausreichend Behältnisse in den Toilettenkabinen zur Verfügung stehen, um Hygieneprodukte ordnungsgemäß zu entsorgen und ob die entsprechenden Hinweise (ggf. mehrsprachig) zur ordnungsgemäßen Entsorgung von Hygieneprodukten vorhanden sind. Zu 4. Bei Annahme des Antrags und entsprechender Beschlussfassung im Hauptausschuss wird die Verwaltung eine 6-monatige, testweise Zurverfügungstellung im Stadthaus einrichten. Anlage/n 1 Anlage 210790 (öffentlich)Seite 2 von 4 Antrag Datum Nummer 02.03.2021 0122/21 Absender Wird von der Verwaltung ausgefüllt Aufgenommen in d. TO d. Sitzung d. Gremiums SPD-Ratsfraktion Westhofenstraße 1 59065 Hamm Rat Adressat am Herrn Oberbürgermeister Marc Herter Theodor-Heuss-Platz 16 59065 Hamm 23.03.2021 16:00 Gremium Sitzungstermin Federführender Dezernent Rat 23.03.2021 16:00 I Betreff Beteiligte Dezernenten Pilotprojekt zur kostenlosen Bereitstellung von Damenhygieneartikeln in Behörden, Schulen und öffentlichen Einrichtungen II IV Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, das erste Mal tritt sie durchschnittlich zwischen dem elften und vierzehnten Lebensjahr auf und beeinflusst das Leben von Mädchen und Frauen von diesem Zeitpunkt an monatlich bis zum Beginn der Wechseljahre. Rund 500-mal in ihrem Leben stellt sie Mädchen und Frauen vor Herausforderungen. Wir sprechen von der monatlichen Regelblutung, der Menstruation oder auch Periode genannt. Die Periode nimmt keine Rücksicht auf den Zeitpunkt oder die Lebenssituation, lässt sich nicht beeinflussen oder regulieren. Daher passiert es nicht selten, dass Mädchen und Frauen plötzlich und unerwartet in die Situation kommen, dass sie akut Damenhygieneartikel benötigen. Diese Situationen ereignen sich auf der Schultoilette vor einem wichtigen Referat, auf der Toilette der Arbeitsstelle, während eines langen Tages oder auf einer öffentlichen Toilette, vor einem wichtigen Gespräch. Situationen in denen Mädchen und Frauen massiv eingeschränkt werden und mit Scham reagieren. Scham und Einschränkungen für einen natürlichen biologischen Prozess des weiblichen Körpers. Zu dieser Problematik kommt die Tatsache, dass laut des ALG-II-Regelsatzes (ab Januar 2021) einer alleinstehenden oder alleinerziehenden Person 17,02 € des Gesamtsatzes von 446 € für den Einkauf von Gesundheits- und Pflegeartikeln pro Monat zur Verfügung stehen. Mädchen und Frauen werden hier vor besondere Herausforderungen gestellt, denn sie müssen neben Hygieneprodukten des täglichen Bedarfs, auch Menstruationsartikel wie Binden und Tampons erwerben. Die Kosten für diese Produkte werden monatlich auf bis zu 15 € geschätzt – Schmerzmittel oder ähnliche mit der Menstruation verbundene Kosten sind dort noch nicht mit eingerechnet. Das Problem, das hier deutlich wird, hat seit einiger Zeit einen Namen: Man spricht von Periodenarmut. Armut, die auftritt, wenn sich Mädchen und Frauen diese Produkte nicht mehr leisten können. Sie beginnen Stoffreste zu benutzen, die eine gesundheitliche Gefahr darstellen, nehmen weniger bis gar nicht am gesellschaftlichen Leben teil, so dass man auch von sozialen und psychischen Problemen in Folge der Periodenarmut spricht. Auch an Hammer Schulen berichten Lehrer:innen und Sozialarbeiter:innen über Scham bei Schülerinnen und die Nutzung von Stoffresten und Klopapier statt hygienischer Artikel. Obwohl die genauen Zahlen und Untersuchungen zu dem Thema in Deutschland gänzlich fehlen, zeigt ein Blick in unser Nachbarland Großbritannien, wie akut dieses Problem die Lebensrealität von Mädchen und Frauen bedroht. Dort kann sich eines von zehn Mädchen im Schulalter keineSeite 3 von 4 2 Binden und Tampons leisten. In Schottland ist seit Ende 2020 gesetzlich geregelt, dass in öffentlichen Einrichtungen (insbesondere Schulen und Universitäten) Menstruationsartikel kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Neuseeland und zuletzt Frankreich stellen inzwischen auch an öffentlichen Orten Damenhygieneartikel zur Verfügung. Diesen Beispielen wollen wir als Stadt Hamm folgen und einen Beitrag zur Enttabuisierung des Themas Menstruation leisten und mit konkreter Unterstützung Frauen und Mädchen im Alltag stärken. Daher beantragt die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Hamm: 1. Die Verwaltung wird beauftragt in einem Pilotprojekt an weiterführenden Schulen unterschiedlicher Schulform sowie in Bürgerämtern und weiteren öffentlichen Gebäuden die kostenlose Ausgabe von Menstruationsartikel einzurichten. Dafür werden hygienische und vandalismussichere Spender für Damenbinden und Tampons, die eine kontrollierte Ausgabe ermöglichen, angeschafft und installiert. 2. In einer zweijährigen Pilotphase sollen Erfahrungen, Reaktionen und Kosten des Angebots mit einer wissenschaftlichen Evaluation ermittelt werden. 3. Für das Pilotprojekt sind 20.000 Euro im Haushalt der Stadt Hamm einzustellen. gez. Sabine Zumbrink Vorsitzende des Ausschusses Gleichstellung und Vielfalt gez. Jule Pletschen Gleichstellungspolitische Sprecherin FdR gez. Robin Baranski FraktionsgeschäftsführerSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 10:12 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de