210605 · Große Anfrage
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Menschen mit Migrationsgeschichte in Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 210605
- Art
- Große Anfrage
- Veröffentlicht
- 14.04.2021
- Letzte Änderung
- 19.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Integrationsrates Kenntnisnahme
Dateien
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Große Anfrage öffentlich 210605 Fragesteller/in: Frau Öztoprak, Herr Dilbar (SPD-Liste) 13.04.2021 Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Menschen mit Migrationsgeschichte in Bonn Beratungsfolge Integrationsrat 05.05.2021 Kenntnisnahme Fragestellung Die Verwaltung wird gebeten, in der nächsten Sitzung des Integrationsrates die folgenden Fragen zu beantworten. Wenn im Folgenden nicht genauer spezifiziert, wird für alle folgenden Fragen gebeten sie dort, wo sinnvoll nach den folgenden Gruppen aufzuschlüsseln a. Menschen mit Migrationshintergrund mit deutscher Staatsangehörigkeit b. Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit c. Geflüchtete Fragen: 1. Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Beschäftigungssituation für Menschen mit Migrationshintergrund in Bonn 2020 im Vergleich zu 2019 ausgewirkt? Insbesondere: a. Wie viele Menschen in Bonn mit Migrationshintergrund gingen 2019 beziehungsweise 2020 einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach? b. Welche Informationen liegen darüber vor, inwiefern Sektoren in denen überdurchschnittlich Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt sind, besonders von den Folgen (Kurzarbeit, Kündigungen etc.) der Pandemie betroffen sind? c. Wie hat sich die Anzahl der Anträge auf ALG-II im Jobcenter entwickelt? Gibt es spezielle Überbrückungsangebote? 2. Wie hat sich die Lebenssituation für Geflüchtete in Bonn durch die Pandemie verändert (insb. Gesundheit, Verfahrensdauer, Sprachkurse)? Insbesondere: a. Für Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben b. Wie werden Geflüchtete und Neuankömmlinge in Bonn über fremdsprachige Informationsmaterialien zur Pandemie (Corona-Seite 1 von 3 Seite 2 Schutzmaßnahmen, Informationen über Impfungen…etc) informiert? 3. Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Menschen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem in Bonn 2020 im Vergleich zu 2019 ausgewirkt? Insbesondere: a. Welche Unterstützungsangebote sind für Schüler*innen mit Migrationshintergrund erstellt worden? Wie sind diese angenommen worden? b. Sind Maßnahmen ergriffen worden, um Studierende aus dem Ausland zu unterstützen? Wie sind diese Maßnahmen, falls vorhanden, angenommen worden? c. Wurden Personen, die im Besitz eines deutschen Aufenthaltstitels zum Zweck der Ausbildung, des Studiums oder der Erwerbstätigkeit waren und bedingt durch Corona, ihren Ausbildungsplatz, Arbeitsplatz oder ihren Studienplatz verloren haben, der Aufenthaltstitel entzogen oder die Verlängerung verweigert? d. Wie läuft die Terminvergabe beim Ausländeramt zum Zweck der Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis? Wie gedenkt die Behörde den vielen Menschen, dessen Aufenthaltstitel abgelaufen ist, diesen zeitnah zu verlängern. e. Wie kann das Ausländeramt bei Notfällen erreicht werden? Etwa wenn Studierende mit abgelaufener Aufenthaltserlaubnis wieder in ihre Heimat reisen müssen und davor ihre Aufenthaltserlaubnis verlängern müssen. 4. Welche Kenntnisse hat die Stadtverwaltung über die Entwicklung der Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen von Menschen mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung bedingt durch die Pandemie? (Bitte auch um Einschätzung der Beratungsstellen, z. B. des Antidiskriminierungsbüros oder der Anlauf- und Beratungsstelle für von Antisemitismus -Betroffene.) 5. Wie hat sich die Corona-Pandemie für Menschen mit Migrationshintergrund bezüglich des Zugangs zur Gesundheitsversorgung und insbesondere den Impfungen auswirkt? Insbesondere: a. Gibt es Hinweise, dass es bei der Impfkampagne bestimmte Bedarfe an zusätzlichen, ggf. muttersprachlichen, Informationen gibt? Werden die Menschen erreicht und können sie ihr Angebot wahrnehmen? b. Inwiefern stellen ausländische Krankenversicherungskarten, auch von EU-Bürger*innen, ggf. ein bürokratisches Hindernis dar? Wie können pragmatische Lösungen dafür aussehen? Wie sieht die Situation für Menschen ohne Krankenversicherung in Bonn aus? Gibt es ausreichende Unterstützungsangebote?Seite 2 von 3 Seite 3 Begründung Die Corona-Pandemie stellt unsere Gesellschaft vor gesundheitliche, aber auch soziale und wirtschaftliche Herausforderungen. Studien von Oxfam oder der Hans-Böckler-Stiftung belegen, dass bedingt durch die Pandemie die soziale Ungleichheit im Land zunimmt. Es zeigt sich, dass im Zuge dessen, Menschen mit Migrationshintergrund in vielerlei Hinsicht stärker von den Folgen der Pandemie betroffen sind. Gerade in zentralen Bereichen wie dem Arbeitsmarkt, dem Bildungs- und Gesundheitswesen, verstärken und potenzieren sich ohnehin schon bestehende soziale Verwerfungen. Für viele ausländische Bürger*innen haben die Corona-Pandemie und ihre sozialen und wirtschaftlichen Folgen auf mehreren Ebenen Auswirkungen: Falls durch den Verlust der Arbeit oder durch Kurzarbeit der Lebensunterhalt nicht mehr gesichert ist, droht in bestimmten Fällen der Verlust der Aufenthaltserlaubnis. Neben der wirtschaftlichen Existenz ist also auch die weitere Aufenthaltsperspektive in Deutschland in Gefahr. Das betrifft vor allem Personen, die im Besitz eines Aufenthaltstitels zum Zweck der Ausbildung, des Studiums oder etwa der Erwerbstätigkeit sind. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Corona-Situation die soziale Ungleichheit im Bildungswesen noch verschärft hat. Dies betrifft vor allem auch Kinder und Jugendliche aus Familien mit Migrationsgeschichte in sozial prekären Verhältnissen. Auch im Gesundheitswesen sind die Zugänge für Menschen mit Einwanderungsgeschichte oftmals erschwert. Insbesondere in Zeiten der Pandemie gilt es einen Fokus darauf zu legen, ob und inwiefern alle Menschen in gleicher Weise je nach Priorisierung) vom Impfangebot Gebrauch machen können oder ob es gegebenenfalls diesbezüglich diskriminierende bürokratische, auch sprachliche, Hürden gibt. Dadurch, dass die Pandemie grundsätzlich soziale Ungleichheiten wie unter einem Brennglas verschärfen kann, ist es wichtig, die Auswirkungen der Pandemie für Menschen mit Migrationshintergrund in den Bereichen des Arbeitsmarktes, des Bildungswesens und des Gesundheitswesens auch in Bonn genauer zu betrachten, um ausgehend von den Befunden passgenaue Lösungs- und Unterstützungsmöglichkeiten entwickeln zu können. Anlage/n KeineSeite 3 von 3
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 02:13 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de