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210373 · Mitteilungsvorlage

Tätigkeitsbericht der Leitstelle Klimaschutz zu Klimaschutz und Klimaanpassung 2020

Nummer
210373
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
19.04.2021
Letzte Änderung
19.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 01.06.2021 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
210373
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Tätigkeitsbericht der Leitstelle Klimaschutz zu
Klimaschutz und Klimaanpassung 2020
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
21.04.2021 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Am 20. Mai 2020 hatte die Verwaltung dem damaligen Ausschuss für Umwelt
und Verbraucherschutz den letzten Tätigkeitsbericht der Leitstelle Klimaschutz
für das Jahr 2019 vorgelegt.
Der als externes Dokument beigefügte aktuelle Fortschrittsbericht umfasst den
Berichtszeitraum 2020.
Die vorangegangenen Berichte sind hier zu finden:
Klimaschutzbericht 2019 (DS 200267)
Klimaschutzbericht 2018 (Boris alt: DS 1911015)
Klimaschutzbericht 2011 – 2017: (Boris alt: DS 1811483)
Anlage/n
1 Gesamtbericht Klimaschutz & Klimaanpassung 2020 (öffentlich)Seite 1 von 30
Tätigkeitsbericht der Leitstelle
Klimaschutz zu Klimaschutz
und Klimaanpassung
Fortschreibung 2020
vorgelegt von der Leitstelle Klimaschutz
im Amt für Umwelt und Stadtgrün
der Stadt Bonn
(Stand der Maßnahmen: 31.12.2020)Seite 2 von 30
Seite 2Seite 3 von 30
Seite 3
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung ................................................................................................................. 5
2 Organisation des Klimaschutzes in der Verwaltung ..................................................... 5
3 Klimaschutzziele ......................................................................................................... 6
4 Strategien, Konzepte .................................................................................................. 7
5 Klimanotstand und Beschluss Klimaneutralität 2035 ................................................... 9
5.1 Klimanotstandskatalog .................................................................................................... 9
5.2 Klimaneutralität 2035.................................................................................................... 10
5.3 Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“.................................................. 10
6 CO2-Bilanz Bonn....................................................................................................... 11
7 Kooperationen ......................................................................................................... 11
8 Projekte und Maßnahmen im Bereich Klimaschutz.................................................... 12
8.1 Energieeffizienzstandard ............................................................................................... 12
8.2 Kommunale Gebäude, Anlagen...................................................................................... 13
8.2.1 Neubau und Sanierung ................................................................................................................... 13
8.2.2 Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden ............................................................................ 13
8.3 Versorgung, Erneuerbare Energien ................................................................................ 13
8.3.1 Solarverpflichtung (DS 201344) ...................................................................................................... 13
8.3.2 Förderprogramm Photovoltaik (DS 201342) .................................................................................. 14
8.3.3 Ausbauinitiative „Solares Bonn“ (DS 201399) ................................................................................ 14
8.3.4 Ausbau-Stand Photovoltaik, Solarthermie, Fernwärme ................................................................. 14Seite 4 von 30
Seite 4
8.4 Mobilität....................................................................................................................... 16
8.4.1 Ladeinfrastruktur ............................................................................................................................ 16
8.4.2 Emissionsfreie Innenstadt .............................................................................................................. 16
8.5 Interne Organisation ..................................................................................................... 17
8.5.1 Mitarbeitermobilität ....................................................................................................................... 17
8.5.2 Papieratlas ...................................................................................................................................... 18
8.5.3 Postversand mit GoGreen .............................................................................................................. 19
8.5.4 Fortbildungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter........................................................ 20
8.6 Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung .................................................. 21
8.6.1 Klimaschutzkampagne „Neu denken. Einfach handeln.“ ............................................................... 21
8.6.2 Bonner Energietage ........................................................................................................................ 22
8.6.3 Stadtradeln ..................................................................................................................................... 23
8.6.4 Klima-Fahrradtour .......................................................................................................................... 24
8.6.5 Dicker Pulli-Tag ............................................................................................................................... 25
8.6.6 Weitere Vernetzungsaktivitäten..................................................................................................... 26
9 Projekte und Maßnahmen im Bereich Klimaanpassung............................................. 26
9.1 Überblick ...................................................................................................................... 26
9.2 Förderprogramm Begrünung (DS 201243) ...................................................................... 27
9.3 mutabor - Mikroskalige Untersuchung und Aktivierung der technischen und planerischen
Anpassungs-kapazität der Stadt Bonn zur Reduzierung des Hitzestresses........................ 28
9.4 ISKAS – Informationssystem für klimaangepasste Stadtplanung ..................................... 29
9.5 KlimNet – Stadt und Land im Fluss ................................................................................. 29
Das Dokument ist für doppelseitigen Druck formatiert.Seite 5 von 30
Seite 5
1 Einführung
Der Bericht zu Aktivitäten und Maßnahmen der Stadt Bonn im Klimaschutz und zur Anpassung
an den Klimawandel konzentriert sich auf den unmittelbaren Tätigkeitsbereich der Leitstelle
Klimaschutz (LSK) und Kooperationszusammenhänge der LSK mit anderen Fachämtern und
externen Organisationen. Er ergänzt damit andere Tätigkeits- oder Fachberichte wie z.B. der
Bonner Energie Agentur, der Verbraucherzentrale oder von Ämtern der Stadtverwaltung.
Der vorliegende Fortschreibungsbericht umfasst den Zeitraum von Januar bis Dezember 2020.
Ergänzend sind verfügbar:
 Bericht vom 20. Mai 2020 = Berichtsjahr 2019 (ALLRIS DS 200276)
 Bericht vom 27. März 2019 = Berichtsjahr 2018 (BoRIS alt DS 1911015)
 Bericht vom 30. Mai 2018 = Berichtsjahre 2011 – 2017 (BoRIS alt DS 1811483)
2 Organisation des Klimaschutzes in der Verwaltung
Die LSK koordiniert Aktivitäten innerhalb der Verwaltung und in Kooperation mit Dritten. Im
Rahmen von Vorlagen für Ratsgremien, insbesondere in der Bauleitplanung, ist die LSK in
Verbindung mit dem Amt für Umwelt und Stadtgrün als Organisationseinheit gesondert
zeichnungsberechtigt. Die LSK vertritt die Stadt Bonn in lokalen und regionalen Kooperationen
zum Klimaschutz.
Bei Besetzung aller Stellen entsprechen diese unter Berücksichtigung von Teilzeiten und
partieller Mitarbeit in der LSK einem Äquivalent von 4,59 Vollzeitstellen.
Als Klimaschutzmanagementsystem bedient sich die Stadt Bonn seit 2003 des European
Energy Award (EEA). In einem Energieteam, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
verschiedener Ämter, der Stadtwerke Bonn Energie und Wasser (SWB EnW) sowie der
Verbraucherzentrale umfasst, werden jährlich Klimaschutzmaßnahmen in einem
Energiepolitischen Arbeitsprogramm zusammengefasst und die Umsetzung der geplanten
Maßnahmen in internen Audits bewertet. Nach externen Auditierungen wurde die Stadt Bonn
bereits mehrfach als Klimafreundliche Kommune mit dem EEA ausgezeichnet. 2020 war sie
zum fünften Mal seit 2003 unter den ausgezeichneten Städten dabei. Drei Mal holte sie sogar
den European Energy Award in Gold, zuletzt im Jahr 2015. In der Auszeichnungsrunde 2020
erreichte die Stadt 73,9 Prozent der möglichen Punkte und lag damit nur knapp unter den für
eine Gold-Auszeichnung erforderlichen 75 Prozentpunkten.Seite 6 von 30
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Abbildung 1: Übergabe des European Energy Award 2020 (© Spritzlicht Fotografie / EA.NRW)
3 Klimaschutzziele
Bonn soll bis 2035 klimaneutral werden. Das hat der Stadtrat in seiner Sitzung am 7.
November 2019 beschlossen. Um dieses Ziel zu erreichen, sieht der Ratsbeschluss
verschiedene Maßnahmen vor, etwa eine Optimierung der Energiekonzepte städtischer
Neubauten oder eine Reduzierung des Individualverkehrs verbunden mit einer Förderung des
ÖPNV. Für den „Konzern Stadt“, d.h. neben der Verwaltung auch der Stadtwerke Bonn GmbH,
sowie der Bonn Orange AöR sollen die Treibhausgasemissionen bilanziert und - sofern nicht
reduzierbar - kompensiert werden. Zusammen mit dem Beschluss „Klimanotstand und
Umsetzung Klimamaßnahmen“ vom Mai 2020 bildet er die Basis für eine Reihe von
Maßnahmen, die im Laufe des Jahres 2020 beschlossen wurden. Sie werden in einer eigens
eingerichteten Steuerungsgruppe mit zugeordneten Arbeitsgruppen unter der Leitung der
Leitstelle Klimaschutz koordiniert. Die Umsetzung erfolgt durch die jeweils zuständigen Ämter
in eigener Verantwortung. Einen Überblick gibt Kapitel 5.
Das im Dezember 2019 beschlossene „Leitbild der Stadt Bonn zu Klimaschutz und
Klimaanpassung“ (ALLRIS DS 190114) hat weiterhin Gültigkeit. Darin sind folgende Ziele
verankert:
 Die Treibhausgasemissionen in Bonn werden bis zum Jahr 2030 um mindestens 40
Prozent gegenüber 1990 reduziert, verbunden mit einem zweijährlichen Monitoring.
 Die Stadt wird bis spätestens 2035 klimaneutral.
 Die Energieversorgung wird sukzessive bis 2035 nahezu vollständig auf regenerative
Energien umgestellt.
 Die Stadt Bonn entwickelt sich kontinuierlich zur klimaresilienten Stadt weiter und
trägt dazu bei, die Vulnerabilität zu reduzieren.
Das Leitbild enthält außerdem acht Handlungsgrundsätze zur Erreichung dieser Ziele.Seite 7 von 30
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Die im Leitbild genannte Zielsetzung „mindestens 40% bis 2030“ entspricht den angepassten
Zielen im Konvent der Bürgermeister für Klima und Energie (Covenant of Mayors), dem die
Stadt 2009 beigetreten war. Die Verpflichtung gegenüber der EU zur Senkung der CO2-
Emissionen um mindestens 20% bis 2020 läuft im Jahr 2020 aus. Die Stadt Bonn wird auf
Beschluss des Rates dem neuen Konvent für Klima und Energie (Covenant of Mayors for
Climate and Energy) beitreten. Damit verpflichtet sie sich dann zu einer CO2-Reduktion von
mindestens 40% bis 2030.
Im Rahmen der Klima-Bündnis-Mitgliedschaft der Stadt Bonn (siehe auch Kapitel 7) haben
sich die Mitglieder einer Selbstverpflichtung unterworfen, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr
2030 zu halbieren (Referenzjahr 1990). Langfristig sollen die Emissionen auf 2,5 Tonnen CO2-
Äquivalente pro Einwohner/in und Jahr sinken.
Im Integrierten Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept hat die Stadt Bonn in 2013 die
Möglichkeiten einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 40% bis 2020 untersuchen lassen.
Als Ergebnis wurde eine Reduzierung um 28% auf der Grundlage der Umsetzung eines
umfassenden Maßnahmenkatalogs für möglich gehalten. Erforderlich dafür wäre ein
städtisches Budget von 53 Millionen Euro gewesen. Eine Umsetzung wurde nicht
beschlossen.
Abbildung 2: Bonner CO2-Einsparziele in Beschlüssen, Konzepten und Organisationen
4 Strategien, Konzepte
Im Jahr 2011 hat der Rat der Stadt Bonn vor dem Hintergrund der Nuklearkatastrophe in
Fukushima den Masterplan „Energiewende und Klimaschutz in Bonn“ mit einem
umfangreichen Maßnahmenkatalog beschlossen (BoRIS alt: DS1111026NV7). Über den
Umsetzungsstand hat die Verwaltung den Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz in
der Sitzung am 08.01.2013 (DS 1212611NV3) und am 05.04.2016 (DS 1111026NV12)
unterrichtet.Seite 8 von 30
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Ein Beschlusspunkt im Masterplan sah die Darstellung von Maßnahmen vor, mit denen das
Ziel einer 40%-igen CO2-Reduktion bis 2020 erreicht werden könnte. Zu diesem Zweck hat
die Verwaltung, gefördert durch die Nationale Klimaschutzinitiative, ein Integriertes
Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept (IKSK) unter Beteiligung Externer erarbeiten
lassen. Das IKSK wurde dem Ausschuss für Umwelt- und Verbraucherschutz in der Sitzung
am 10.12.2013 (DS1111026NV10) vorgestellt. Im Ergebnis zeigte es auf, dass bei der
Umsetzung eines umfangreichen Maßnahmenkatalogs 28% weniger CO2-Emissionen allein
durch städtisches Handeln bis 2020 zu erzielen wären. Dafür wären Investitionen bzw.
Mittelbereitstellungen in Höhe von 53 Millionen Euro erforderlich. Eine Umsetzung des
Konzeptes wurde nicht beschlossen. Aus dem IKSK hat die Verwaltung jedoch Anregungen
zur Umsetzung nicht oder nur geringfügig investiver Maßnahmen aufgenommen. Andere
Maßnahmen konnten bzw. können im Rahmen von Förderprojekten umgesetzt werden. Ein
Teil der noch nicht umgesetzten Maßnahmen ist in den Maßnahmenkatalog zum
Klimanotstand aufgenommen worden (siehe 5.1).
Einen Teil des IKSK stellen auch Konzepte zur Anpassung an den Klimawandel dar. Im
Ergebnis wurde insbesondere der dringende Bedarf nach qualifizierten Grundlagen als
fundierte Planungs- und Abwägungsbasis verdeutlicht. Aus diesem Grund hatte sich die Stadt
Bonn von September 2016 bis September 2019 am Forschungsvorhaben ZURES beteiligt,
über welches sowohl eine aktuelle Stadtklimaanalyse als auch eine Planungshinweiskarte
sowie Szenarien für die künftige Entwicklung erarbeitet worden sind. Aktuell ist ein Projekt
„mutabor“ in Vorbereitung, welches an den ZURES-Ergebnissen anknüpft (siehe 9.3). Im
Rahmen des Klimanotstandskatalogs sind ebenfalls verschiedene Maßnahmen der
Klimawandelanpassung vorgesehen, u.a. ein Förderprogramm für Gebäude- und
Fassadenbegrünung (siehe 9.2).
Eine weitere im Masterplan von 2011 aufgeführte Einzelmaßnahme war die Gründung eines
Klimaschutzbeirates, „der unter Beteiligung von Politik und Vertreterinnen und Vertretern
gesellschaftlicher Gruppen das Energiekonzept/Masterplan begleitet.“ Der Beirat wurde
Anfang 2013 gegründet und hat die Erstellung des IKSK begleitet. Auf der Grundlage des IKSK
diskutieren die Mitglieder seitdem Klimaschutzmaßnahmen und können Empfehlungen an den
Umweltausschuss aussprechen. In 2020 hat der Beirat vier Empfehlungen bzw.
Stellungnahmen erarbeitet. Alle Protokolle und Empfehlungen werden dem Umweltausschuss
als Mitteilungsvorlage zugeleitet. Informationen zum Klimaschutzbeirat sind auch auf der
Website der Stadt eingestellt: www.bonn.de/klimaschutzbeirat.
2017 bis 2018 hat sich die Stadt Bonn am Pilotprojekt „Global Nachhaltige Kommune in NRW“
beteiligt. Als Ergebnis wurde eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie für Bonn erarbeitet,
die im Februar 2019 vom Rat der Stadt beschlossen wurde (Bo-RIS alt: DS 1812770). Mit ihr
soll das kommunale Verwaltungshandeln in Bonn systematisch mit Blick auf nachhaltige
Entwicklung und die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele dargestellt und mit ersten Schritten
daran ausgerichtet werden. Die Nachhaltigkeitsstrategie bildet insofern einen weiteren
Handlungsrahmen für die Aktivitäten der LSK.Seite 9 von 30
Seite 9
5 Klimanotstand und Beschluss Klimaneutralität 2035
Der Bonner Stadtrat hatte am 4. Juli 2019 beschlossen, eine Resolution zur Ausrufung des
Klimanotstandes zu unterstützen (BoRIS alt DS 1911216). Damit hat sich Bonn anderen
Kommunen angeschlossen und bekräftigt, dass Klimaschutz im kommunalen Handeln
höchste Priorität haben muss. Im November 2019 folgten unter anderem der Beschluss, dass
Bonn bis 2035 klimaneutral werden soll (DS 190232) und ein weiterer, der die Umsetzung
verschiedene Maßnahmen im Zuge des Klimanotstands beinhaltet und dabei vor allem noch
offene Maßnahmen des Integrierten Klimaschutzkonzeptes von 2013 in den Blick nimmt (DS
190248).
Aus diesen beiden Beschlüssen ergaben sich in der Folge zahlreiche Aufgaben, Vorlagen und
Beschlüsse. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick für das Jahr 2020 gegeben, für Details
wird auf die entsprechenden Vorlagen im ALLRIS verwiesen.
5.1 Klimanotstandskatalog
Nach Ausrufung des Klimanotstandes wurde vom damaligen Oberbürgermeister Ashok
Sridharan eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe eingerichtet und beauftragt, in Abstimmung
mit allen Ämtern Maßnahmen zu sammeln und zu listen. Der kurz darauf gefasste
Ratsbeschluss „Umsetzung Klimamaßnahmen“ (190248) verfolgt eine ähnliche Zielsetzung.
Beide Arbeitsaufträge wurden daher in einer Arbeitsgruppe unter Leitung der LSK
zusammengefasst, ein erster Maßnahmenkatalog erarbeitet und in mehreren Runden mit den
betroffenen Ämtern abgestimmt. Als Ergebnis wurde eine Liste von rund 150 größeren bis
kleinen Einzelmaßnahmen vorgelegt. Von diesen können einige in eigener Verantwortung von
den jeweils federführenden Ämtern umgesetzt werden, während viele andere einer weiteren
Qualifizierung und Differenzierung und erneuten politischen Beschlussfassung bedürfen. Die
Vorlage der Verwaltung „Klimanotstand und Umsetzung Klimamaßnahmen“ wurde am 7. Mai
2020 vom Rat beschlossen (200016-3 AA).
Um die einzelnen Maßnahmen zielgerichteter bearbeiten zu können, wurde die ursprünglich
eingesetzte Arbeitsgruppe mit Personen aus weiteren Ämtern erweitert und zusätzlich vier
Arbeitsgruppen eingesetzt, in denen die Bearbeitung der Einzelmaßnahmen vorangetrieben
wurde (Bauen/Sanieren/Erneuerbaren Energien, Klimaneutraler Konzern, Kommunikation,
Klimaanpassung). Die Steuerungsgruppe und die Arbeitsgruppe werden von der LSK geleitet
bzw. moderiert.
Aus dem Zuständigkeitsbereich der LSK wurden im Sommer 2020 die ersten fünf Maßnahmen
der Politik vorgelegt und am 1. September 2020 vom Rat beschlossen:
 201344: Solarverpflichtung (siehe 8.3.1)
 201342: Förderprogramm Photovoltaik (siehe 8.3.2)
 201339: Ausbauinitiative „Solares Bonn“ (siehe 8.3.3)
 201243: Förderprogramm Begrünung (siehe 9.2)
 201373: Klimaneutrale Stadtverwaltung 2035 (siehe 5.2)Seite 10 von 30
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Die Solarverpflichtung für Neubauten beim Verkauf städtischer Grundstücke soll bereits ab 1.
Januar 2021 gelten, eine Ausweitung auf Verfahren im Rahmen der Bauleitplanung ist in
Prüfung. Die Förderprogramme und die Beratungsangebote starten voraussichtlich ab Mitte
2021, da die erforderlichen Mittel in Höhe von fünf Millionen Euro zunächst mit dem nächsten
Doppelhaushalt bereitgestellt und die benötigten zusätzlichen Stellen besetzt werden müssen.
5.2 Klimaneutralität 2035
Ein klimaneutraler Konzern bis 2035 war eine der Maßnahmen im Klimanotstandskatalog und
ist als Ziel auch Bestandteil des Ratsbeschlusses zur Klimaneutralität 2035. Der
Ratsbeschluss zur Klimaneutralität von 2035 nennt hier neben der Stadtverwaltung im engeren
Sinne explizit die Stadtwerke Bonn und BonnOrange als Teil des „Konzerns Stadt Bonn“.
Vorgesehen ist laut Beschluss vom 1. September 2020 zunächst eine extern beauftragte
Bestandsaufnahme der Treibhausgasemissionen und eine Szenarienentwicklung mit
Maßnahmenvorschlägen zur Erreichung des für den Konzern Stadt Bonn vorgegebenen Ziels
der Klimaneutralität bis 2035. Für die externe Beauftragung wurden Mittel von 120.000€ in den
Entwurf des Doppelhaushalts 2021/2022 eingestellt (201373).
Die LSK, Stadtwerke und BonnOrange sind zur Vorbereitung und Umsetzung in engem
Austausch, um ein einheitliches Vorgehen bei den Konzerntöchtern sicherzustellen.
5.3 Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“
Das im Dezember 2020 gestartete, zweijährige Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future – Wir fürs
Klima“ begleitet den Ratsbeschluss, dass Bonn bis 2035 klimaneutral werden soll. Es sorgt
dafür, dass Bonnerinnen und Bonner den Weg Richtung Klimaneutralität 2035 mitgestalten
können.
Das Ziel von Bonn4Future ist es, das Know-How und die Erfahrungen der Bürgerinnen und
Bürger, von Verwaltung und Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zusammenzubringen
um gemeinsam das Ziel, Bonn bis 2035 klimaneutral zu machen, zu erreichen.
„Bonn4Future“ wurde von Bonn im Wandel e.V. und der Klimawache Bonn durch einen
Bürgerantrag initiiert und das Konzept im Anschluss zusammen mit der Verwaltung der Stadt
ausgearbeitet. Der Rat der Stadt Bonn hat am 1. September 2020 das Mitwirkungsverfahren
beschlossen. Stadt und Bonn im Wandel e.V. treten in diesem innovativen Verfahren als
Kooperationspartner auf, die Durchführung wird aus städtischen Mitteln finanziert (DS
201084).
Hauptverantwortlich für die Koordination ist der gemeinnützige Verein „Bonn im Wandel“. Von
Seiten der Stadtverwaltung wird das Vorhaben durch eine halbe Stelle bei der LSK koordiniert
und begleitet. Neben dem Fachamt ist auch die städtische Koordinierungsstelle
Bürgerbeteiligung beteiligt.
Im Jahr 2020 standen die Ausarbeitung des Konzeptes, der Abschluss des
Kooperationsvertrages und der Aufbau der Projektstruktur im Vordergrund. Seit Dezember
2020 ist das Projekt nun in der Umsetzung.Seite 11 von 30
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Das Verfahren besteht aus mehreren Bausteinen: Bei einem Klimatag werden die
Bonnerinnen und Bonner aufgerufen, gemeinsam Vorstellungen für ein klimaneutrales Bonn
zu erarbeiten sowie Ideen zu entwickeln, wie neue Zielgruppen erreicht werden können. Im
Mittelpunkt des Verfahrens stehen die Klimaforen. Dort erarbeiten 100 zufällig ausgewählte
Bürgerinnen und Bürger zusammen mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft,
Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik Strategien und konkrete Vorschläge
zum Umgang mit der Klimakrise. Ergebnisse und Ideen aus den Foren werden in die
Verwaltung und in die Politik gespiegelt. Sie dienen zur Orientierung und Unterstützung bei
der Weiterentwicklung der bereits vorhandenen Klimaschutz-Maßnahmenkataloge.
Neben den Veranstaltungen ist eine digitale Nachhaltigkeitsplattform ein weiterer wichtiger
Baustein im Verfahren. Diese macht Initiativen und Organisationen sichtbar, die sich für eine
lebenswerte und faire Stadt einsetzen und das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 unterstützen.
Die städtische Beteiligungsplattform „Bonn-macht-mit.de“ wird während des gesamten
Verfahrens eingebunden. Ein Prozess-Beirat mit Mitgliedern aller gesellschaftlicher Gruppen
sowie eine begleitende wissenschaftliche Evaluation sorgen für eine hohe Qualität des
Mitwirkungsverfahrens.
Nach positiver Evaluation liegt der Fokus im zweiten Projektjahr auf der Ansprache einer
breiten Öffentlichkeit. Die Ergebnisse aus der ersten Phase sollen gemeinsam mit den
gewonnenen Partnern in breite Bevölkerungsschichten getragen werden und die Verlagerung
des Prozesses auf die Stadtbezirksebene wird vorbereitet. Auch in der zweiten Phase finden
wieder ein Klimatag und die Klimaforen statt.
Das Verfahren ist zunächst bis zum Ende des Jahres 2022 ausgelegt. Bei entsprechendem
politischen Beschluss könnte es im Anschluss in Form von Klimaquartieren weitergeführt
werden. Dabei soll der Prozess auf die Stadtteilebene verlagert werden.
6 CO2-Bilanz Bonn
Die Leitstelle Klimaschutz erstellt seit 2008 zweijährliche CO2-Bilanzen für die Stadt Bonn. Die
aktuellen Berechnungen aus dem Jahr 2019 reichen bis zum Jahr 2016 (ALLRIS 190689). Die
CO2-Bilanz wird alle zwei Jahre erstellt, das nächste Mal also im Jahr 2021, dann für die Jahre
bis einschließlich 2018. Der zeitliche Rückstand bis zur Fertigstellung einer jeweiligen CO2-
Bilanz resultiert daraus, dass zur Berechnung erforderliche Daten zum Teil erst mit
mehrjähriger Verzögerung zur Verfügung stehen.
7 Kooperationen
Die im Klimaschutzbericht 2011 bis 2019 genannten Kooperationen der Stadt Bonn im Bereich
Klimaschutz und Klimaanpassung bestehen auch in 2020 weiter fort:
 Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder:
www.klimabuendnis.org
 Covenant of Mayors: www.konventderbuergermeister.euSeite 12 von 30
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 Region Köln-Bonn e.V., www.region-koeln-bonn.de
 BürgerEnergie Rhein-Sieg eG: http://www.be-rhein-sieg.de
 Bonner Energie Agentur: www.bonner-energie-agentur.de
 Energieberatung Verbraucherzentrale Bonn:
https://www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/bonn-energieberatung
8 Projekte und Maßnahmen im Bereich Klimaschutz
8.1 Energieeffizienzstandard
Aktuell wird auf der Grundlage des Ratsbeschlusses „Energieeffizienzstandards im Neubau“
vom 22.10.2015 der KfW-Effizienzhaus55-Standard für Wohn- und Nichtwohngebäude
bezogen auf die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 verpflichtend
festgeschrieben (DS 1512547). Am 1. November 2020 ist das Gebäudeenergiegesetz - GEG
anstelle der bisherigen Energiesparverordnung (EnEV) in Kraft getreten. Da die
Anforderungen an die Energieeffizienz bei Neubauten (Jahres-Primärenergiebedarf und
Transmissionswärmeverlust) identisch sind, haben auch die darüberhinausgehenden
städtischen Anforderungen gemäß dem genannten Ratsbeschluss weiterhin Bestand. Diese
gelten beim Verkauf städtischer Grundstücke, bei vorhabenbezogenen Bebauungsplänen
sowie bei Wettbewerben und Ausschreibungen.
2020 war die LSK in rund 35 Bebauungsplanverfahren eingebunden. Im Bereich Wettbewerbe
bzw. Ausschreibungen sind 2020 folgende zu nennen:
 Wettbewerb Ersatzneubau für die Zentralmensa, ein Studierendenservicezentrum
und Studentisches Wohnen des Studierendenwerks Bonn (Projekt Carré
Nassestraße)
 Wettbewerb Entwicklung eines Wohn- und Büroquartiers Bonn-Plittersdorf,
Kennedyallee/Ahrstraße
 Bieterkolloquien / fachliche Bewertungsgremien Neubau Bundesamt für Sicherheit in
der Informationstechnik (BSI)
 Städtebaulicher Wettbewerb urban_dot
 Städtebaulicher Realisierungswettbewerb Ortsteilentwicklung Bonn-Roleber
 Städtebaulicher und freiraumplanerischer Wettbewerb Arminiusstraße
Darüber hinaus war die LSK in die Integrierten Stadtentwicklungskonzepte Bad Godesberg
und Beuel-Ost eingebunden.Seite 13 von 30
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8.2 Kommunale Gebäude, Anlagen
Der Anteil städtischer Gebäude an der gesamtstädtischen CO2-Bilanz beträgt zwar nur drei
Prozent, jedoch sollte die Stadt als Gebäudeeigentümerin Vorbild für klimafreundliches
Handeln sein. Die Stadt Bonn legt seit 2007 Standards für Neubauten und Sanierungen fest,
die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen.
8.2.1 Neubau und Sanierung
Das SGB arbeitet derzeit an der Aktualisierung des „Planungsleitfaden für Modernisierungs-,
Neubau-, Umbau-, Erweiterungsbau und Bauunterhaltungsmaßnahmen“. Die energetischen
Anforderungen werden mit der LSK abgestimmt. Für Neubauten gilt derzeit noch der Standard
des KfW-Effizienzhaus55 unter der Verwendung von Passivhauskomponenten. Sanierungen
entsprechen dem Neubaustandard nach EnEV.
8.2.2 Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden
Zum 31. Dezember 2020 sind 61 Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden mit einer
Gesamtleistung von 1.155 kW(p) in Betrieb. Darüber hinaus haben die Stadtwerke Bonn in
2020 sechs neue Photovoltaikanlagen mit insgesamt 190 kW(p) auf städtischen Gebäuden
gebaut bzw. begonnen, von denen zwei im Januar und vier voraussichtlich im Frühjahr 2021
in Betrieb genommen werden. Außerdem wird der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf dem
Gelände der vier städtischen Kläranlagen weiter voran getrieben.
8.3 Versorgung, Erneuerbare Energien
Am 1. September 2020 wurden mehrere Vorlagen der Verwaltung von der Politik beschlossen,
die den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Bonn zum Ziel haben. Sie waren im Rahmen
des Klimanotstands-Kataloges vorgeschlagen und nach politischem Auftrag weiter
ausdifferenziert worden.
8.3.1 Solarverpflichtung (DS 201344)
Ab 1. Januar 2021 wird die Installation von Photovoltaikanlagen bei bestimmten
Neubauvorhaben verpflichtend. Und zwar immer dann, wenn städtische Grundstücke verkauft
werden und bei der Aufstellung vorhabenbezogener Bebauungspläne. Eine Verpflichtung in
städtebaulichen Verträgen - wie sie derzeit bereits für einen erhöhten Energieeffizienzstandard
von Neubauten gilt – soll vorbehaltlich einer rechtlichen Prüfung umgesetzt werden. Die
Prüfung war Ende 2020 noch nicht abgeschlossen. Die Solarverpflichtung entfällt, wenn eine
PV-Anlage vor Ort nachweislich nicht wirtschaftlich ist. Für den entsprechenden Nachweis wird
die Stadt ein einheitliches Berechnungsmodell vorgeben. Weil PV-Anlagen nicht in Konkurrenz
zu Dachbegrünungen und zur Solarthermie stehen sollen, entfällt die Verpflichtung zudem,
wenn eine entsprechende alternative Nutzung des Daches geplant ist.Seite 14 von 30
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8.3.2 Förderprogramm Photovoltaik (DS 201342)
Weil die Möglichkeiten der Stadt, über einer Solarverpflichtung Einfluss zu nehmen, auf
Neubauten beschränkt ist, soll ein Förderprogramm zusätzlichen Anreiz bieten, damit sich
mehr Eigentümerinnen und Eigentümer von Bestandsgebäuden für die Installation einer PV-
Anlage entscheiden.
Gefördert werden neu installierte Anlagen, die nicht ohnehin aufgrund der Solarverpflichtung
errichtet werden müssen. Die Fördersumme wird nach Leistung bestimmt, für ein Kilowatt-
Peak soll es 150 Euro geben. Im Schnitt rechnet die Verwaltung mit einer Förderhöhe von
1.000 Euro pro Anlage. Eine Million Euro soll hierfür bereitgestellt werden, davon 500.000 Euro
im Doppelhaushalt 2021/2022. Das Programm kann erst starten, wenn der Haushalt
2021/2022 verabschiedet worden ist.
8.3.3 Ausbauinitiative „Solares Bonn“ (DS 201399)
In Bonn könnte bei einer Nutzung aller geeigneten Dachflächen die Hälfte des aktuellen
Strombedarfs durch Photovoltaikanlagen regenerativ gedeckt werden. Derzeit werden nur
rund 2% des Potenzials genutzt. Die „Ausbauinitiative Solares Bonn“ hat die teilweise
Erschließung dieses Potenzials zum Ziel. Es ergänzt damit das Förderprogramm um best-
practise-Beispiele, Öffentlichkeitsarbeit und Beratung.
Zum einen will die Stadt selbst mit gutem Beispiel vorangehen und verschiedene
Musterprojekte auf städtischen Gebäuden umsetzen. Gleichzeitig soll ein breites
Beratungsangebot aufgebaut werden, welches Eigentümerinnen und Eigentümern vor und
während der Installation sowie bei Bedarf auch während des Betriebs der Solaranlage neutrale
und kostenlose Unterstützung bietet. Eigentümerinnen und Eigentümer geeigneter
Dachflächen will die Stadt direkt ansprechen, begleitend soll eine öffentlichkeitswirksame
Kampagne für den Ausbau der Solarenergie werben.
Für die zunächst auf drei Jahre befristete Ausbauinitiative werden insgesamt Mittel in Höhe
von 2.678.000 Euro bereitgestellt, davon im Doppelhaushalt 2021/2022 zunächst 2.340.000
Euro. Die Besetzung der dafür vorgesehenen Stelle und der Start des Programmes können
erst nach Verabschiedung des Haushaltes 2021/2022 erfolgen.
8.3.4 Ausbau-Stand Photovoltaik, Solarthermie, Fernwärme
8.3.4.1 Photovoltaik
Im Jahr 2020 wurden in Bonn mit 239 Photovoltaikanlagen so viele Anlagen installiert wie noch
nie in einem Jahr. Die vergleichsweise geringe Gesamtleistung aller zugebauten Anlagen lässt
auf den Aufbau eher kleinerer Anlagen schließen – eine mögliche Folge der
Eigenverbrauchsoptimierung und weiter sinkender Einspeisevergütungen. Hier wird jedoch
möglicherweise Flächenpotenzial verschenkt. Die Stadt hofft, dem mit dem geplanten
Förderprogramm entgegenzuwirken.
Insgesamt waren in Bonn am 31. Dezember 2020 1.932 Photovoltaikanlagen mit einer
Gesamtleistung von 20.515 Kilowatt (peak) installiert.Seite 15 von 30
Seite 15
Abbildung 3: Entwicklung des Photovoltaikzubaus in Bonn 1990-2020
8.3.4.2 Solarthermieanlagen
Der Zubau von solarthermischen Anlagen verharrt weiter auf einem niedrigen Niveau. Die
Gründe sind vielfältig. Ein Nachteil ist eindeutig die zeitliche Differenz von Einstrahlung und
Energiebedarf. Das macht eine ausschließliche Nutzung der Solarenergie zu Heizzwecken
unmöglich.
Am 31. Dezember 2020 waren in Bonn 2.070 solarthermische Anlagen mit einer Gesamtfläche
von 17.500 m² installiert.
Abbildung 4: Entwicklung thermischer Solaranlagen in Bonn 1988-2020Seite 16 von 30
Seite 16
8.3.4.3 Fernwärme
Aktuell ist das Bonner Fernwärmenetz rund 120 Kilometer lang. Angeschlossen sind rund
2.700 Gebäude (Vorjahr 2.500), vom Einfamilienhaus über große Wohngebäudekomplexe
über das historische Bonner Münster und die Häuser der Museumsmeile bis hin zum Post
Tower. Das Ziel der Ausbau-Initiative „Fernwärme 2020“ von 8 Megawatt wurde im Jahr 2019
erreicht. Die Kampagne wurde umbenannt in „Die neue Fernwärme“. Inzwischen liegt der
Ausbau im Bonner Norden bei 10 Megawatt. Bezogen auf das gesamte Bonner
Fernwärmenetz wurden im Jahr 2020 Neuanschlüsse mit einer Leistung von 7,8 MW erstellt.
Vor dem Hintergrund der Ausbau-Initiative treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der
Stadtwerke und der Stadtverwaltung halbjährlich zum Austausch über den Fortschritt des
Ausbaus sowie die geplanten Bautätigkeiten, auf die die Stadt Bonn Einfluss hat oder in die
sie eingebunden ist. Bisher haben dreizehn Fachgespräche dieser Art, organisiert durch die
LSK, stattgefunden.
8.4 Mobilität
8.4.1 Ladeinfrastruktur
Die Stadt Bonn und die SWB EnW arbeiten eng zusammen, um den weiteren Ausbau der
Ladeinfrastruktur auf Bonner Stadtgebiet voranzutreiben.
SWB EnW betreibt im Bonner Stadtgebiet derzeit an 49 Standorten insgesamt 62 öffentlich
und halböffentlich zugängliche E-Ladestationen (insgesamt 110 Ladepunkte), die mit
BonnNatur-Strom versorgt werden. 2020 hat SWB EnW die ersten zwei Schnellladestationen
mit einer Ladeleistung von bis zu 150 kW im öffentlichen Raum in Betrieb genommen. Eine
aktuelle Übersicht der SWB EnW Ladepunkte sowie aller Ladepunkte des TankE-Netzwerks
sind unter nachfolgendem Link zu finden: https://www.stadtwerke-bonn.de/fuer-zuhause/e-
mobility/elektrotankstellen/.
Des Weiteren werden bei Bonner Unternehmen 170 gewerbliche Ladepunkte durch die SWB
EnW betrieben, das sind 55 mehr als im Vorjahr.
8.4.2 Emissionsfreie Innenstadt
Das Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bundesstadt Bonn
zusammen mit den Stadtwerken Bonn. Es wird über das Programm
„KommunalerKlimaschutz.NRW“ mit dem Sonderförderbereich „Emissionsfreie Innenstadt“
der Landesregierung Nordrhein-Westfalen mit 11,5 Millionen Euro gefördert. Ziel des
Projektes ist die Stärkung der multi- und intermodalen, umweltfreundlichen Mobilität. Bis Ende
2022 sollen folgende Maßnahmen umgesetzt werden:
 Einrichtung von 36 Mobilstationen inklusive vier Fahrradparkhäusern und Ladesäulen
mit Fokus auf E-Taxis,
 Ausbau von Abschnitten von Radschnellrouten und
 die weitere Beschaffung von E-Fahrzeugen für den städtischen Fuhrpark.Seite 17 von 30
Seite 17
8.5 Interne Organisation
8.5.1 Mitarbeitermobilität
Die Stadt Bonn ist als große öffentliche Arbeitgeberin im besonderen Maße verpflichtet, auch
im Bereich Mobilität eine Vorbildfunktion einzunehmen. Dazu gehört unter anderem auch, die
Sensibilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für mobilitätsbewusstes Verhalten sowohl für
die Wege zum Dienst als auch bei dienstlich notwendigen Fahrten zu fördern. In 2020 wurde
ein Mobilitätspaket verabschiedet, welches u.a. vergünstigte Konditionen für das Jobticket,
Preiserhöhung für Dauerparkplätze sowie Anreize zur Fahrradnutzung enthält.
8.5.1.1 Fuhrparkmanagement
Aktuell befinden sich folgende Typen von Elektrofahrzeugen im städtischen Bestand:
 49 Pedelecs (davon 3 Lasten-Pedelecs)
 19 Elektro-PKW
 25 Elektro-LKW
 2 Hybrid-LKW
8.5.1.2 CO2-Kompensation von dienstlichen Flugreisen in der Stadtverwaltung
Nicht vermeidbare dienstliche Flugreisen werden seit 2010 mittels Zahlungen an die
gemeinnützige GmbH „atmosfair“ kompensiert (www.atmosfair.de). Die Gelder werden nach
dem CDM Gold Standard in Projekte zur CO2-Einsparung in Entwicklungsländern investiert.
Jahr Anzahl
Flüge
Zahlung
Euro
CO2
kg
2010/2011 118 1.876,00 73.170
2012 63 962,00 35.240
2013 16 622,00 21.935
2014 53 1.371,00 53.690
2015 36 1.169,00 45.440
2016 75 1.652,00 63.814
2017 85 1.272,00 44.032
2018 58 1.409.00 54.924
2019 49 1.274,00 53.132
2020 3 101,00 4.244
Abbildung 5: Übersicht der CO2-Kompensation mit atmosfair 2010-2020Seite 18 von 30
Seite 18
In der Tabelle sind die jährlich geleisteten Kompensationsbeiträge der Stadtverwaltung Bonn
dargestellt. Durch die pandemiebedingten Einschränkungen wurden ab März 2020 so gut wie
keine Dienstreisen mehr durchgeführt, so reduzierte sich auch die Zahl der dienstlichen
Flugreisen im Jahr 2020 deutlich.
8.5.2 Papieratlas
Die Stadt Bonn verwendet für ihren Bedarf an Büro- und Kopierpapier in der Verwaltung zu
100 Prozent Recyclingpapier mit dem Blauen Engel, einem Güte- und Prüfsiegel für Papiere,
die vollständig aus Altpapier hergestellt werden.
Zum elften Mal in Folge wurde die Stadt für ihren Einsatz von und für Recyclingpapier mit dem
Blauen Engel im Rahmen des bundesweiten Städtewettbewerbs „Papieratlas 2020“
ausgezeichnet. Sie gehört somit wiederum zu den „Recyclingpapierfreundlichsten Städten
Deutschlands“.
Die Herstellung von Recyclingpapier spart im Vergleich zu Frischfaserpapier rund 70 Prozent
Wasser und 60 Prozent Energie. In Bonn wurden so in den vergangenen elf Jahren über 63
Millionen Liter Wasser und über 13 Millionen Kilowattstunden Energie eingespart. Die
eingesparte Menge an Wasser entspricht dem täglichen Trinkwasserbedarf von über 526.000
Bundesbürgerinnen und -bürgern. Mit der eingesparten Energie könnten über 3.750 Drei-
Personen-Haushalte ein Jahr lang versorgt werden. Die Höhe des Papierverbrauchs selbst
geht in die Wertung für den Papieratlas nicht ein, wird jedoch von der Stadt ebenfalls erfasst
(die Zahlen für 2020 lagen zum Redaktionsschluss noch nicht vor).
Abbildung 6: Papierverbrauch (Bonner Stadtverwaltung, Schulen, Hausdruckerei) 2010-2019
Die Verwaltung nutzt ausschließlich Recycling-Papier. Leider sind beim Papierverbrauch nach
sinkenden Zahlen seit 2015 in 2019 wieder steigende Zahlen zu verzeichnen. Ob dies ein
Ausreißer oder Trend ist, wird erst in den Folgejahren deutlich werden.Seite 19 von 30
Seite 19
In der Hausdruckerei kam 2019 kein Frischfaser-Papier zum Einsatz. Erfreulich ist hier
außerdem der stetig sinkende Verbrauch seit 2016, der auf ein wachsendes Bewusstsein
bezüglich eines realistischen Auflagenbedarfs in den Ämtern und auf eine zunehmende
Nutzung digitaler Werbemöglichkeiten schließen lässt.
Zum Verbrauch in den Schulen ist anzumerken, dass diese regelmäßig informiert und gebeten
werden, ihren Papierbedarf über den bestehenden Rahmenvertrag der Stadt zu decken. Die
auf diesem Wege beschafften Papiermengen sind im Diagramm abgebildet. Die Schulen
bestellen zum Teil jedoch auch dezentral – diese Mengen tauchen in den oben dargestellten
Zahlen naturgemäß nicht auf. Für die Schulen existieren aufgrund dieser Praxis keine
abschließenden Zahlen zum Gesamt-Verbrauch. Der im Diagramm ablesbare Aufwärts-Trend
seit 2013 ist demnach nicht notwendigerweise mit einem steigenden Verbrauch
gleichzusetzen, sondern zeigt vielmehr an, dass die von der Stadt favorisierte zentrale
Beschaffung in den Schulen seitdem wieder deutlich zunimmt.
8.5.3 Postversand mit GoGreen
Wie bereits seit 2009, nahm die Stadt Bonn auch
2020 als Partnerin am „GoGreen“-Programm der
Deutschen Post DHL teil, mittels dem die CO2-
Emissionen, die durch die Transport-Logistik beim
Brief- und Paketversand entstehen, finanziell
ausgeglichen werden.
Die Investitionen der Kompensationsbeiträge
erfolgt in internationale Klimaschutzprojekte nach
dem im Kyoto-Protokoll verankerten Clean
Development Mechanism nach dem zertifizierten
Gold Standard.
2019 wurden 69,75t CO2 kompensiert. Das
Zertifikat für 2020 lag zum Zeitpunkt der
Berichtserstellung noch nicht vor.
www.dpdhl.de/gogreen-projekte
Abbildung 7: GoGreen-Zertifikat 2019Seite 20 von 30
Seite 20
8.5.4 Fortbildungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Die 2019 ins Leben gerufenen Fortbildungsreihe „Info-Lunch“ wurde auch 2020 fortgesetzt.
Rund einmal im Monat informieren Kolleginnen und Kollegen einander in einstündigen
Veranstaltungen zur Mittagszeit über ihre Arbeitsbereiche mit Bezug zur Bonner
Nachhaltigkeitsstrategie. Die LSK konzipiert und realisiert diese Reihe gemeinsam mit der
SDG-Koordinatorin im Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit. Bei der
Organisation unterstützt das Personal- und Organisationsamt.
Aufgrund der Corona-Pandemie konnten im Frühjahr mehrere der geplanten Info-Lunches
nicht stattfinden. Im Sommer waren Präsenzveranstaltungen möglich, während von Herbst bis
Jahresende die Veranstaltungen digital realisiert wurden. Dies tat dem Interesse keinen
Abbruch. Vielmehr nahmen an den Online-Veranstaltungen auch Mitarbeitende teil, denen der
Weg ins Stadthaus sonst zu weit gewesen wäre.
Stattfinden konnten u.a. die Info-Lunches zu Klimaanpassung, dem Jobwärts-Programm oder
der Ressource Müll. Die Reihe wurde – im Rahmen der Corona-Möglichkeiten – wieder gut
angenommen und wird in 2021 fortgeführt.
Abbildung 8: Auszug aus dem Info-Lunch-Flyer 2020Seite 21 von 30
Seite 21
8.6 Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung
Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit musste eine Reihe von Veranstaltungen und Aktionen
corona-bedingt ausfallen:
 Tag der E-Mobilität (Aktionstag der Initiative e-start)
 Kindermeilen (zu-Fuß-Kampagne des Klima-Bündnisses für Kitas und Grundschulen)
 Klimareise (Exkursionstag für eine Schulklasse zu Organisationen und Unternehmen,
die klimafreundliche Akzente setzen)
 Netzwerk „Schule trifft Verwaltung“ (Austauschveranstaltung mit der
Umweltverwaltung für Bonner Lehrkräfte)
Andere mussten zeitlich verlegt oder konzeptionell angepasst werden. Dennoch konnten eine
Reihe von Aktivitäten auch weiterhin durchgeführt werden.
8.6.1 Klimaschutzkampagne „Neu denken. Einfach handeln.“
Die städtische Klimaschutzkampagne steht seit 2019 unter dem Slogan „Neu denken. Einfach
handeln. Gemeinsam fürs Klima.“ Die Kampagne, die sich an die gesamte Bonner
Stadtgesellschaft richtet, hat zum Ziel, für den Klimaschutz vor Ort und im Alltag zu
sensibilisieren und zu motivieren. Dabei will sie auch den persönlichen und gesellschaftlichen
Mehrwert von lokalem Klimaschutz aufzeigen und auf diese Weise zum Mitmachen motivieren.
In 2020 wurden drei neue Themen-Motive realisiert. Während 2019 gezielt Menschen
angesprochen worden waren, hat die LSK in 2020 einen öffentlichen Aufruf gestartet, der
Bonnerinnen und Bonner einlud, sich mit ihrem Thema und Engagement zu bewerben. Mehr
als 20 Interessierte meldeten sich, von denen schließlich drei ausgewählt wurden:
 Familienmobilität mit Fahrrad, ÖPNV und Carsharing
 Ressourcenschonung im Repair Café der Ermekeilinitiative
 Impulse zur Klimaanpassung durch „Grüne Inseln“ im Stadtbild
Abbildung 9: Plakatmotive der Klimakampagne 2020 (© Kolja Matzke / Bundesstadt Bonn)Seite 22 von 30
Seite 22
Die Plakate wurden auf Großflächen, Plakaten und Postkarten realisiert und über die Social-
Media-Kanäle der Stadt beworben. Auf der Website werden neben den Engagierten auch
weitere Informationen und Links zur Verfügung gestellt, die Allen einen Einstieg für eigenes
Engagement bieten.
Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit weitestgehend abgesagten öffentlichen
Aktionstage (wie dem Tag der Artenvielfalt oder der Rundum fair) konnten leider keine
Aktionsstände der Kampagne im Rahmen solcher Tage realisiert werden.
www.bonn.de/klimaschutz
8.6.2 Bonner Energietage
Das neue Konzept der Bonner Energietage, welches 2019 erarbeitet worden war, konnte 2020
corona-bedingt nicht in der gewünschten Form vorgestellt werden. Die große Infoveranstaltung
auf dem Münsterplatz musste entfallen. Die begleitenden Programmpunkte fanden z.T. als
Online-Veranstaltungen statt. Es wurden Vorträge über Wasserstoff, Heizungstausch,
Photovoltaik und das Solardachkataster angeboten. Ebenso fanden unter Einhaltung aller
Hygieneregeln zwei Sanierungsrundgänge statt.
https://www.bonner-energietage.de
Abbildung 10: Logo der Bonner EnergietageSeite 23 von 30
Seite 23
8.6.3 Stadtradeln
Bonn nimmt seit 2012 an der Kampagne STADTRADELN des Klima-Bündnis teil. Ziel der
Kampagne ist, dass möglichst viele Bürger und Bürgerinnen in Teams um die Wette radeln
und Radkilometer für den Klimaschutz sammeln. Die Auswertung durch das Klima-Bündnis
erfolgt bundesweit. Die LSK übernimmt die Projektkoordination vor Ort.
2020 fand das Stadtradeln corona-bedingt im September und nicht wie geplant im Mai statt.
2.894 Aktive beteiligten sich und erradelten 506.421 km. Im Schnitt fuhr jede und jeder
Teilnehmende rund 175 Kilometer. So konnte 74 Tonnen CO2 eingespart werden. Die
Teilnahmezahlen lagen rund 9% unter denen des Rekord-Jahres 2019, aber gleichzeitig 60%
über denen von 2018. Das ist angesichts geringerer Pendler-Mobilität durch mehr home office
sehr erfreulich. Möglicherweise hat das eingeschränkte Freizeit- und Urlaubsangebot in der
Pandemie dazu beigetragen, dass mehr Menschen mit dem Rad ihr engeres Umfeld
erkundeten.
Am eigens für das Bonner STADTRADELN ausgerufenen Schulwettbewerb nahmen 58
Schulteams teil. Die 448 Kinder und Jugendliche radelten 49.468 Kilometer. Die sieben
erfolgreichsten Teams gewannen Preise für die Klassenkassen.
Eine Abschlussveranstaltung zur Übergabe der Urkunden konnte nicht stattfinden. Die
Urkunden und Preise wurden daher postalisch zugestellt.
www.bonn.de/stadtradeln
Abbildung 11: STADTRADELN – Infoscreen-Motiv 2020 (© Bundesstadt Bonn)Seite 24 von 30
Seite 24
8.6.4 Klima-Fahrradtour
Die LSK bietet seit 2017 in Kooperation mit dem ADFC Fahrradtouren zu Klimaschutz- und
Nachhaltigkeitsprojekten in Bonn an. Die LSK wählt die Ziele aus und stellt Kontakte her, der
ADFC plant die Streckenführung, überwiegend abseits der Hauptstraßen, und begleitet die
Gruppen. In 2020 konnte corona-bedingt nur eine Tour angeboten werden.
Die 20 Teilnehmenden erfuhren auf der Tour am 22. August an sechs Stationen
Wissenswertes aus erster Hand von Vertreterinnen und Vertretern der jeweiligen Institutionen
bzw. Orte: Die „Gartenschaft“ der Stadtfrüchtchen e.V. am Nesselroder Hof ist ein Beispiel
einer Urban Gardening-Initiative auf Flächen, die von der Stadt gepachtet wurden. Hier
gärtnern zahlreiche Menschen aus der Nachbarschaft; der Garten steht der Öffentlichkeit zur
Erholung zu Verfügung. Auf dem Nordfriedhof wurden auf der sogenannten „Zukunftsallee“
die städtischen Strategien bei der Baumauswahl vor dem Hintergrund des sich auch in Bonn
wandelnden Klimas vorgestellt. Das Naturschutzgebiet Düne Tannenbusch ist ein
naturschutzfachliches Kleinod inmitten der Stadt. Hier konnten die Teilnehmenden bei einem
geführten Rundgang Schätze der Tier- und Pflanzenwelt der Düne kennenlernen. Das
ehrenamtlich betriebene Repair Café Graurheindorfer Burg ist ein gemeinsames Projekt von
Haus Müllestumpe und „Bonn im Wandel e.V.“ und bietet außer dem Repair-Café auch
Möglichkeiten des Selber-Machens im Rahmen der Offenen Werkstatt an. Hier wurde auch
das Lastenradverleih-Projekt „Bolle“ von Bonn im Wandel e.V. vorgestellt. Den Abschluss
bildete die Kläranlage Salierweg, wo ein Überblick über eine moderne
Abwasserbehandlungsanlage bis hin zur Klärschlammverbrennungsanlage gegeben wurde.
Abbildung 12: Teilnehmende der Klima-Fahrradtour 2020 (© C. Walter/ Bundesstadt Bonn)Seite 25 von 30
Seite 25
8.6.5 Dicker Pulli-Tag
Initiiert durch einen Bürgerinnenantrag fand am 7. Februar 2020 in Bonn der „Dicker-Pulli-Tag“
statt - ein Aktionstag zum Thema Klimaschutz und Energieeffizienz, an dem die Heizungen zu
Hause oder bei der Arbeit um mindestens ein Grad heruntergeregelt werden sollen. Die
Verwaltung war von der Politik im Juni 2019 beauftragt worden diesen Tag zu unterstützen.
Oberbürgermeister Ashok Sridharan übernahm die Schirmherrschaft des Tages. Die LSK
koordinierte die Teilnahme aller interessierten städtischen Stellen. Eingebunden waren das
Schulamt, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Amt für Internationales und Globale
Nachhaltigkeit, SGB sowie der Personalrat.
36 Kitas und Schulen beteiligten sich an dem Tag. Die Absenkung der Temperatur war
aufgrund der heterogenen Situation in den einzelnen Einrichtungen insgesamt ein
aufwändiges Unterfangen: Eine Reihe von Einrichtungen sind auf die zentrale Gebäudetechnik
beim SGB aufgeschaltet und konnte nur von dort gesteuert werden; ein weiterer Teil verfügt
über eine Heizungsanlage vor Ort, die von den Haumeisterinnen und Haumeistern zu
bedienen waren; in einigen Einrichtungen konnten Temperaturen individuell vom Personal
eingestellt werden. Für die KiTas war eine zentrale Absenkung durch das SGB technisch zwar
möglich, aber nicht umsetzbar, da nicht bekannt ist, in welchen Räumen der KiTas sich jeweils
U3-Kinder aufhalten – diese waren laut politischem Beschluss von der Teilnahme
ausgenommen. Die KiTas konnten demnach nur teilnehmen, wenn individuell regelbare
Thermostate in den einzelnen Räumen vorhanden waren. Von den Schulen und Kitas gab es
dennoch mehrheitlich positives Feedback, weil in der Regel der Tag genutzt wurde, um – auch
ohne Temperaturabsenkung – verschiedene Unterrichtseinheiten oder Aktionen zu
Klimaschutz und Energie durchzuführen. Gefroren wurde nach Kenntnis der LSK nirgends.
Wie viele Mitarbeitende der
Verwaltung sich in ihren Büros
beteiligten, ist nicht bekannt. Da die
Teilnahme freiwillig war, kamen nur
solche Büros in Frage, in denen die
Mitarbeitenden die Temperatur selbst
und individuell regeln können, z.B. das
Alte Rathaus, das Rathaus Beuel,
nicht aber das Stadthaus mit seinen
Großraumetagen.
Im Foyer des Stadthauses waren
Stände der LSK, der Bonner Energie
Agentur und der Verbraucherzentrale
NRW aufgebaut, an denen Information und Beratung zu Heizungs- und Energiefragen für die
interessierte Öffentlichkeit geboten wurde.
Aufgrund des – im Verhältnis zur CO2-Einsparung – sehr großen Aufwandes für die Regelung
der zentralen Gebäudetechnik wird sich die Stadt vorerst nicht mehr an Folgeveranstaltungen
mit dem gleichen Konzept beteiligen.
https://www.dicker-pulli-tag-bonn.de/Dicker-Pulli-Tag-2020
Abbildung 13: Beratungsangebot zum Dicker-Pulli-Tag
im Stadthaus-Foyer (© Bundesstadt Bonn)Seite 26 von 30
Seite 26
8.6.6 Weitere Vernetzungsaktivitäten
Zwecks Austausch und Vernetzung nehmen die Mitarbeitenden der LSK regelmäßig bei
Veranstaltungen teil, folgen Einladungen für Diskussionsrunden oder Vorträge und
organisieren diese auch selbst. In 2020 waren es insgesamt corona-bedingt weniger Anlässe,
diese zumeist in digitaler Form:
 Digitainable Thinkathon, Innovation Campus Bonn (online, 28. April 2020):
Teilnahme LSK
 Nachhaltigkeit trotz(t) Krise, Klimadiskurs NRW e.V. (online, 24. Juni 2020):
Teilnahme LSK
 Workshop zu Zielen der kommunalen Klimaneutralität, gemeinsam mit UNFCC
und ICLEI (21. Juli 2020)
 Klimaschutz und Klimaanpassung in der Bauleitplanung, Wiss. Fachtagung der
TU Berlin (online, 7.-8. September 2020): Teilnahme LSK
 Netzwerktreffen energieeffizientes und solares Bauen der Energieagentur.NRW,
(online, 6. Oktober 2020): Teilnahme LSK
 Klima-Bündnis Jahrestagung und Mitgliederversammlung „Lokale Wege aus der
Krise“ (online, 6.-8. Oktober 2020): Teilnahme LSK
 Daring Cities-Konferenz, ICLEI und Stadt Bonn (online, 22. Oktober 2020):
„Ambition through Participation – Citizens driving Climate Neutrality“; gemeinsame
Session der LSK und des Amtes für Internationales und Globale Nachhaltigkeit
 Green Cities (VHS Bonn, 30. Oktober 2020); Vortrag und Teilnahme
Podiumsdiskussion LSK
 Kommunale Klimakonferenz, difu (online, 30. November und 01. Dezember 2020):
Teilnahme LSK
 Partnertag „Gebäudehülle“ der Bonner Energie Agentur, KHS St. Augustin (12.
Dezember 2020): Teilnahme LSK
9 Projekte und Maßnahmen im Bereich Klimaanpassung
9.1 Überblick
Die im Rahmen des Forschungsvorhabens ZURES entwickelte Klimaanalyse sowie die
Planungshinweiskarte liefern seit Ihrer Fertigstellung eine qualifizierte Grundlage zur
Ersteinschätzung stadtklimatischer Belange. Diese ist zum Beispiel im Rahmen der
Bauleitplanung erforderlich. Die Planungshinweiskarte zeigt in Orientierung an der jeweiligen
bioklimatischen Bedeutung der Freiflächen bzw. der bioklimatischen Belastung in den
Siedlungsräumen das lokale Handlungserfordernis zur Umsetzung von Maßnahmen auf.
Welche Maßnahmenpotenziale zur Reduktion von Hitzebelastung konkret vorliegen, soll im
Rahmen eines neuen Projektes – MUTABOR – näher untersucht werden. Zudem wird im
Rahmen dieses Vorhabens der mögliche Kühleffekt der ermittelten Maßnahmenpotenziale
berechnet und eine Strategie zu deren Hebung erstellt werden.Seite 27 von 30
Seite 27
Die Verwaltung hat im Rahmen des Maßnahmenpaketes zum Klimanotstand ein
Förderprogramm Begrünung vorgeschlagen, welches im September 2020 durch den Rat
der Stadt Bonn beschlossen wurde. Förderfähige Maßnahmen des voraussichtlich im Sommer
2021 startenden Programms werden Dach- und Fassadenbegrünungen sowie die
Entsiegelung und Begrünung von Flächen sein. Um das Budget zur Förderung dieser
Maßnahmen zu erhöhen, stellte die Verwaltung im Dezember 2020 einen Antrag für ein
„Förderprogramm Begrünung“ im Sonderprogramm „Klimaresilienz in Kommunen“.
9.2 Förderprogramm Begrünung (DS 201243)
Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes
Nordrhein-Westfalen veröffentlichte am 19. Oktober 2020 das Sonderprogramm
„Klimaresilienz in Kommunen“. Im Rahmen dieses Programms stellte die Verwaltung am 18.
Dezember 2020 einen Antrag für ein „Förderprogramm Gebäudebegrünung“.
Zur Förderung von Dach- und Fassadenbegrünungen bei privaten und gewerblich genutzten
Gebäuden wurde das im Rahmen des Sonderprogramms maximal mögliche Budget in Höhe
von 300.000€ mit einer Förderquote von 100% sowie eine Laufzeit vom 01.04.2021 –
31.12.2022 beantragt. Der zuständige Projektträger Jülich prüft die eingehenden Anträge nach
dem Eingangsdatum und wird nach erfolgter Prüfung eine Rückmeldung in Form einer
Bewilligung, Nachforderungen oder Ablehnung geben. Fristen für eine Rückmeldung werden
seitens des Projektträgers nicht genannt.
Im Rahmen des Programms zum Klimanotstand hat der Rat der Stadt Bonn in seiner Sitzung
am 01. September 2020 die Vorlage der Verwaltung beschlossen, ein Beratungs- und
Förderprogramm Begrünung (DS 201243) aufzulegen und eine entsprechende Förderrichtlinie
zu entwickeln. Im Doppelhaushalt 2021/2022 wurden hierfür die im Beschluss benannten
Kosten in Höhe von 110.000€ angemeldet. Diese Kosten teilen sich auf in 100.000€ für die
Förderung von Dach- und Fassadenbegrünungen sowie die Entsiegelung und Begrünung von
Flächen sowie 10.000€, die zur Bewerbung des Förderprogramms (Gestaltung und Druck von
Kommunikationsmitteln z.B. von Roll-Ups, Flyern, Postkarten, Broschüre inkl. Kosten für die
Bilderstellung) eingesetzt werden sollen. Für die Umsetzung des Programms ist eine halbe
Stelle im Rahmen der Stellenplanfortschreibung vorgesehen.
Im Rahmen des Sonderprogramms „Klimaresilienz in Kommunen“ kann die Förderung von
Maßnahmen der Dach-/ Fassadenbegrünung auf privat und gewerblich genutzten
Immobilien/Gebäuden über die Kommunen beantragt werden. Eine Förderung von Personal
oder von weiteren Maßnahmen wie Entsiegelung zwecks Begrünung oder Öffentlichkeitsarbeit
ist nicht möglich.
Im Fall einer Bewilligung des eingereichten Antrags kann daher die im Sonderprogramm
„Klimaresilienz in Kommunen“ beantragte Summe von 300.000€ nur zur Förderung von
Maßnahmen zur Gebäudebegrünung verwendet werden. Die Verwaltung wird in dem Fall
einen Vorschlag für die Politik erarbeiten, wie die ursprünglich im Beschluss vorgesehene
Summe für Maßnahmen der Klimaanpassung verwendet werden kann. Sowohl die genannte
Personalstelle als auch die beschlossene Summe für die Öffentlichkeitsarbeit werden
unabhängig von der Förderzusage wie geplant eingesetzt.Seite 28 von 30
Seite 28
9.3 mutabor - Mikroskalige Untersuchung und Aktivierung der
technischen und planerischen Anpassungs-kapazität der Stadt
Bonn zur Reduzierung des Hitzestresses
Im Kontext der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) fördert das Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Maßnahmen zur Anpassung an den
Klimawandel. Die LSK hat sich im Rahmen eines zweistufigen Verfahrens um Fördermittel zur
Durchführung des Projektes „MUTABOR“ (Langtitel: „Mikroskalige Untersuchung und
Aktivierung der technischen und planerischen Anpassungskapazität der Stadt Bonn zur
Reduzierung des Hitzestresses“) beworben. Nach Einreichung der Projektskizze zum 31.
Oktober 2018 sowie des Vollantrags zum 15. Juni 2019, wurde der Antrag am 04. Dezember
2020 durch den zuständigen Projektträger ZUG (Zukunft-Gesellschaft-Umwelt) bewilligt.
Die Projektidee knüpft unmittelbar an den Ergebnissen an, die im Rahmen des durch das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojektes
„ZURES“ (Langtitel: „Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und Risikoanalyse als Instrument zur
Stärkung der Resilienz von Städten und urbanen Infrastrukturen“) erarbeitet wurden. Im Zuge
von ZURES (Laufzeit: September 2016 – August 2019) war u.a. eine gesamtstädtische
Klimaanalyse sowie eine darauf basierende Planungshinweiskarte für Bonn entwickelt
worden. Diese Karten liefern seitdem eine qualifizierte Grundlage zur Ersteinschätzung
stadtklimatischer Belange, welche z.B. im Rahmen von Bebauungsplanverfahren erforderlich
ist. Für die Erstellung der Planungshinweiskarte wurde anhand der Klimaanalyse die jeweils
räumlich konkretisierte bioklimatische Situation bewertet und ein entsprechendes
Handlungserfordernis bzw. die Priorität der Maßnahmenumsetzung abgeleitet.
MUTABOR knüpft an dieser Stelle an und soll ergänzend zur lokalspezifischen
Handlungspriorität die tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Eine möglichst
genaue Ermittlung der lokalen Maßnahmenpotenziale soll dazu beitragen,
Planungsempfehlungen deutlich konkretisieren zu können. Nach erfolgter Potenzialermittlung
wird in einem nächsten Schritt eine gesamtstädtische mikroskalige Modellierung des
möglichen Kühleffekts bei Realisierung der identifizierten Maßnahmenpotenziale erfolgen.
Zudem soll abschließend eine handlungsorientierte Strategie zur Erschließung der Potenziale
entwickelt werden.
Das Projekt wird unter Leitung der Stadt Bonn (Amt für Umwelt und Stadtgrün, Leitstelle
Klimaschutz) und unter Beteiligung der Projektpartner GEO-NET Umweltconsulting und
berchtoldkrass space & options durchgeführt. Für die Stadt Bonn wurde eine auf die Laufzeit
des Projektes befristete Personalstelle in Teilzeit (50%) mit dem Projektantrag bewilligt. Für
das Projekt ist eine Laufzeit von insgesamt zwei Jahren vorgesehen. Gemäß
Bewilligungsbescheid vom 04. Dezember 2020 startet das Projekt offiziell am 01. Februar
2021. Praktisch können die Arbeiten jedoch erst mit der Besetzung der Personalstelle
beginnen.Seite 29 von 30
Seite 29
9.4 ISKAS – Informationssystem für klimaangepasste Stadtplanung
Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV)
entwickelte gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) ein Informationssystem für
klimaangepasste Stadtplanung in NRW (ISKAS). Die Stadt Bonn wirkte als Praxispartner über
die Auswahl geeigneter Modellquartiere, die Bereitstellung von Modelleingangsdaten sowie
die Beteiligung an Abstimmungsrunden an der Entwicklung des Informationsdienstes mit.
Abbildung 14: Beispiel-Grafiken aus der ISKAS-Anwendung (© Deutscher Wetterdienst)
Zielgruppe zur Anwendung des Informationssystems sind kleine und mittlere Kommunen,
welche nicht über eigene Klimaanalysekarten und über noch wenig Erfahrung im Bereich der
Hitzeanpassung verfügen. Das Informationssystem wurde durch das LANUV in das
Fachinformationssystem Klimaanpassung des Landes NRW eingebunden. Bezogen auf
verschiedene Bebauungstypen gibt ISKAS Informationen dazu, wie sich Kombinationen von
Klimaanpassungsmaßnahmen in Verbindung mit Nachverdichtung auf die Temperaturen
auswirken.
Das Projekt wurde im Jahr 2020 erfolgreich beendet. Zur Präsentation der Ergebnisse fand im
Juni 2020 eine gemeinsame Pressekonferenz des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft,
Natur- und Verbraucherschutz NRW, des Landesamtes für Natur, Umwelt und
Verbraucherschutz, des DWD sowie der Stadt Bonn statt.
https://www.lanuv.nrw.de/klima/klimaanpassung-in-nrw/fis-klimaanpassung-nordrhein-
westfalen/hitzeangepasste-quartiersplanung
9.5 KlimNet – Stadt und Land im Fluss
Mit dem Projekt KlimNet verfolgten der Wissenschaftsladen Bonn, die Ruhr-Universität
Bochum, die Universität Bonn sowie die Städte Bonn und Gelsenkirchen das Ziel, Bürgerinnen
und Bürger für den Klimawandel zu sensibilisieren sowie Wissen und Engagement zur
Klimaanpassung zu mobilisieren und zu bündeln.
Im Rahmen des Projektes wurden verschiedene Formate und Methoden zur Kommunikation
von Themen der Klimaanpassung erprobt. Neben Exkursionen, Aktionstagen und Workshops
wurden auch virtuelle und Citizen-Science-Elemente genutzt. Über die Ergebnisse des
Projektes, welches im Jahr 2020 abgeschlossen wurde, informiert der entwickelte
Handlungsleitfaden (siehe hierzu www.klimalandschaften-nrw.de).Seite 30 von 30

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Datenstand: 02.11.2026, 17:57 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de