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210368 · Große Anfrage

Gewaltpräventionskonzept für Bonn und den Stadtteil Bad Godesberg

Nummer
210368
Art
Große Anfrage
Veröffentlicht
24.03.2021
Letzte Änderung
19.09.2026
  1. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 16.06.2021 Kenntnisnahme
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Untergeordnet

  1. 210368-01 ST Gewaltpräventionskonzept für Bonn und den Stadtteil Bad Godesberg

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Große Anfrage
öffentlich
210368
Fragesteller/in:
Inge Stauder
Jens Röskens
CDU Bezirksfraktion Bad Godesberg
23.03.2021 gez. Jansen
Gewaltpräventionskonzept für Bonn und den
Stadtteil Bad Godesberg
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Bad Godesberg 13.04.2021 Kenntnisnahme
Fragestellung
Die Verwaltung wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:
1. Wie sieht zurzeit nach den Handlungsempfehlungen zur kommunalen
gewaltpräventiven Arbeit in Bonn von Prof. Dr. Ulrich Wagner (Philipps-
Universität Marburg) die Organisationsstruktur für die gewaltpräventive
Arbeit aus? Gibt es noch einen Runden Tisch in Bonn und Bad
Godesberg zur Gewaltprävention mit allen relevanten beteiligten
Institutionen, der regelmäßig tagt?
Werden die Stadtteilarbeitskreise an der Gewaltprävention beteiligt?
Wurde inzwischen eine zentrale Koordinations- und Fachstelle
Gewaltprävention eingerichtet?
2. Welche der unten genannten Handlungsempfehlungen wurden
inzwischen besonders in den Fokus genommen? Gibt es diesbezüglich
eine Priorisierung? Wird es in Kürze dazu wieder eine gesamtstädtische
Darstellung mit einer Auswertung geben?
3. Nach den Handlungsempfehlungen zur kommunalen gewaltpräventiven
Arbeit in Bonn (s.Nr.5) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ulrich Wagner
von der Philipps-Universität Marburg sollten gewaltpräventive
Maßnahmen passgenau anhand der Bedarfe der Stadtteile ausgewählt
werden. Entsprechende Ressourcen sollten nach den Belastungen im
Stadtteil verteilt werden. Gibt es für Bad Godesberg nach einer
profunden Situationsanalyse (s. Handlungsfeld Nr.4) auf der Grundlage
entsprechender Untersuchungen einen besonderen Bedarf für
gewaltpräventive Maßnahmen und wenn ja werden diese mit allen
beteiligten Institutionen abgestimmt?
Begründung
Nach dem Gewaltvorfall mit Todesfolge für Niklas Pöhler in Bad Godesberg
wurde das Thema „Gewalt“ stärker als bisher gesamtstädtisch in den Fokus
genommen und es wurde ein Runder Tisch „Gewaltprävention“ eingerichtet, derSeite 1 von 3

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die Entwicklung eines gesamtstädtischen Gewaltpräventionskonzeptes
beschloss. Bei der Zusammenarbeit des Amtes für Kinder, Jugend und Familie
mit der Arbeitsgruppe Sozialpsychologie der Universität Marburg 2017 wurde
die Entwicklung eines gesamtstädtischen Konzepts zur Gewaltprävention
beschlossen, um die Gewaltprävention in der gesamten Stadt
weiterzuentwickeln und Maßnahmen abzustimmen. Die Arbeitsgruppe arbeitet
u.a. mit dem Polizeipräsidium Bonn, der Staatsanwaltschaft Bonn, dem
Amtsgericht, dem Schulamt, den VertreterInnen der offenen Kinder- und
Jugendarbeit, den VertreterInnen der Kirchengemeinden, dem Stadtsportbund,
der Schulpsychologie und den VertreterInnen von Schulen zusammen.
Nach zweijähriger Zusammenarbeit mit den oben genannten Institutionen,
Befragungen, Bestandsaufnahmen, einer Dunkelfelduntersuchung, Auswertung
von gesammelten Daten sowie der Polizeilichen Kriminalstatistik, der
Bevölkerungsstatistik, Hintergrundgesprächen, Stadtteilbegehungen und
einigen Konzeptworkshops wurden Ende 2019 folgende Empfehlungen für den
Ausbau einer koordinierten Gewaltprävention Bonn im Hinblick auf die
Zielgruppe der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgesprochen:
1. Eine gemeinsame Haltung in der Stadt Bonn zur Ächtung von Gewalt
etablieren und verbreiten. Dabei sollten politische
EntscheidungsträgerInnen, städtische und staatliche Schlüsselakteure,
freie Träger, VertreterInnen der Zivilgesellschaft sowie Kinder und
Jugendliche einbezogen werden.
2. Einigung auf ein gemeinsames handlungsleitendes Verständnis von
Aggression und Gewalt in Institutionen und in der Stadt.
3. Eine gemeinsame Strategie und darauf aufbauende Handlungskonzepte
zum Umgang mit gewalttätigem Verhalten in Institutionen und in der
Stadt entwickeln.
4. Monitoringinstrumente zu Gewalt und Kriminalitätsfurcht einrichten, um
objektiv und vergleichbar Daten zur Belastung und Entwicklung zu
erhalten.
5. Gewaltpräventive Maßnahmen anhand der Bedarfe der Stadtteile
auswählen und Ressourcen nach den Belastungen im Stadtteil
verteilen.
6. Qualitativ hochwertige und evaluierte Präventionsmaßnahmen
auswählen, fördern und implementieren.
7. Bestehende Gewaltpräventionsmaßnahmen in Institutionen und darüber
hinaus stärken, aufeinander abstimmen und vernetzen.
8. Kostengünstige und zweckmäßige Instrumente zur Selbstevaluation zur
Verfügung stellen, um Gewaltpräventionsmaßnahmen auf deren
Prozessqualität und Wirksamkeit überprüfen zu können.
9. Finanzierungsmöglichkeiten für Präventionsmaßnahmen stärken,
transparent und zugänglich machen.
10.Fach- und themenbezogene Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote
ausweisen sowie die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte
fördern.
11.Eine zentrale öffentliche Internetplattform aufbauen und transparente
Kommunikationsstrukturen etablieren
12.Eine zentrale Struktur der Gewaltprävention einrichten.Seite 2 von 3

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Die Bezirksfraktion der Bad Godesberger CDU möchte sich gerne über den
aktuellen Sachstand zur Weiterentwicklung des gesamtstädtischen Konzepts
für die operative Gewaltprävention in der Zielgruppe Kinder, Jugendliche und
junge Erwachsene informieren. Das Gedenken an den verstorbenen Niklas
Pöhler ist sehr präsent und erst kürzlich hat es wieder eine gewalttätige
Auseinandersetzung in der Nähe der Gedenkstätte gegeben. Der Bericht der
Universität Marburg vom 29.07.2019 kommt zu der Erkenntnis, dass das
Ausmaß an Gewalt im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten nicht
außergewöhnlich ist und in den letzten Jahren eher insgesamt zurückgegangen
ist.
Die Ergebnisse der Stadtteilbegehungen in Bad Godesberg werden in dem
vorgelegten Bericht der Marburger Uni vom 19.12.2019 dargestellt und nennen
viele Verbesserungsvorschläge auf mehreren Ebenen, die auch beim ISEK
berücksichtigt werden können.
Qualitätsorientierte gewaltpräventive Maßnahmen mit entsprechenden
Vernetzungsstrukturen sind insgesamt von großer Bedeutung, damit die
Gewaltkriminalität nicht wieder ansteigt, sondern weiter abnimmt. Die
Arbeitsgruppe Sozialpsychologie der Marburger Universität wurde mit dem
Auftrag betraut "ein gesamtstädtisches Konzept zu entwickeln, mit dem in Bonn
koordiniert präventiv gegen physische Gewalthandlungen, seelische
Verletzungen sowie gegen die systematische Ausgrenzung einzelner oder
bestimmter Gruppen von sozialer Beteiligung vorgegangen werden kann.“
Der Einfluss von gewalthaltigen Medien auf das Verhalten von Kindern und
Jugendlichen ist bekannt. Die veränderten Lebensweisen und das veränderte
Freizeitverhalten während der Pandemie könnte auch entsprechende
Auswirkungen auf das Gewaltpotenzial bei Kindern, Jugendlichen und
Erwachsenen haben, wie verschiedene Untersuchungen vermuten lassen, so
dass die gesamte Thematik von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist.
Anlage/n
KeineSeite 3 von 3

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Datenstand: 02.11.2026, 18:23 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de