210175 · Beschlussvorlage
Masterplan Innere Stadt Bonn 2.0 - Räumliche Festlegung als Stadtumbaugebiet gem. § 171 b BauGB
Kerndaten
- Nummer
- 210175
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 17.03.2021
- Letzte Änderung
- 19.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Hauptausschusses anstelle des Rates nach § 60 Abs. 2 GO NRW Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen Empfehlung
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Anhörung
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Beschlussvorlage öffentlich 210175 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III Masterplan Innere Stadt Bonn 2.0 - Räumliche Festlegung als Stadtumbaugebiet gem. § 171 b BauGB Beratungsfolge Bezirksvertretung Bonn 13.04.2021 Anhörung Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 27.04.2021 Empfehlung Rat 06.05.2021 Entscheidung Beschlussvorschlag Zur Durchführung und Umsetzung der Maßnahmen des Masterplans Innere Stadt Bonn 2.0 wird eine Festlegung als Stadtumbaugebiet gem. § 171 b BauGB beschlossen. Die räumliche Abgrenzung ist in der Anlage dargestellt. Begründung Aufgrund der Zuordnung in das neue Förderprogramm „Lebendige Zentren“ ist eine räumliche Festlegung als Stadtumbaugebiet gem. § 171 b BauGB erforderlich, um Städtebaufördermittel zu erhalten. Die Abgrenzung des Fördergebietes durch den Konzeptbeschluss des Rates im Jahr 2013 (DS 1311934) ist nach einer aktuellen Rückmeldung des Fördergebers zum Antrag der Stadt Bonn nicht mehr ausreichend und kann auf die Fortführung des Masterplanprozesses 2.0 nicht übertragen werden. Ausgangslage – Förderphase 1.0 Der Rat der Stadt Bonn hat im Jahr 2013 den Masterplan Innere Stadt Bonn (siehe Anlage) als integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept beschlossen. Es stellt im Grundsatz die Programmatik der Innenstadtentwicklung für mindestens 15 Jahre dar. Neben der Erarbeitung eines Maßnahmenkataloges wurde ein räumlicher Geltungsbereich definiert, innerhalb dessen die vorgesehenen Maßnahmen durchgeführt werden sollten und die räumliche Abgrenzung des Fördergebietes durch Beschluss des Rates festgelegt (DS 1311934). Im Rahmen der Erstellung des Konzeptes wurden verschiedene Formen des Dialogs durchgeführt, um eine Vielzahl an Akteuren der Stadtgesellschaft in den Prozess einzubeziehen. Dabei erfolgte die Ausarbeitung des Konzeptes auf drei Ebenen (Arbeitsebene, Diskursebene, Informationsebene). So waren neben den beiden beauftragten Büros alle beteiligten Ämter der Stadt Bonn,Seite 1 von 76 Seite 2 sowie Interessenvertreter der Behörden (z.B. Polizei und Obere Denkmalbehörde), Institutionen wie z.B. Tourismus + Congress GmbH, Stadtwerke Bonn, Städtisches Gebäudemanagement usw. vertreten. Für die Öffentlichkeit bestand die Möglichkeit, sich in vier öffentlichen Foren über den jeweiligen Arbeitsstand des Masterplans zu informieren und Anregungen und Ideen mitzuteilen (DS 1211025). Die vielen Vorschläge, die im Rahmen einer Vielzahl von Veranstaltungen geäußert wurden, sind mit- und untereinander abgewogen und das Ergebnis in das Konzept integriert worden. Aufbauend auf den intensiven Erarbeitungsprozessen hat die Stadt Bonn den ersten Förderantrag zur Aufnahme in das Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ (Masterplan 1.0) beantragt und bewilligt bekommen (DS 1610011). Bis zuletzt wurden daraus noch die Maßnahmen Remigiusplatz und die Umgestaltung der Grünfläche Stockentor bis Alter Zoll (1. Bauabschnitt) finanziert. Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Umsetzung Im Rahmen der Vorbereitung und Umsetzung der Maßnahmen wurden bereits während der ersten Förderphase und zur Vorbereitung der zweiten Förderphase Öffentlichkeitsbeteiligungen in unterschiedlichen Formaten durchgeführt. Als beispielhafte Projekte sind hier zu nennen: - die Planungswerkstatt Ermekeilkaserne 2015 - die Teilnahme am Tag der Städtebauförderung 2016 mit öffentlichen Informationsveranstaltungen - die Umgestaltung der Grünfläche „Baumschulwäldchen“ 2016, 2018 - der erste Bauabschnitt im Stadtgarten/am Alten Zoll 2017, 2019 - der öffentliche Stadtspaziergang zu den Projekten des Masterplans 2.0 im Sommer 2020, begleitet durch den Städtebau- und Gestaltungsbeirat sowie - der Startschuss der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Umgestaltung der Rheinuferpromenade über die kürzlich durchgeführte digitale Beteiligung über die Plattform bonn-macht-mit.de im Frühjahr 2021 Auch die weiteren künftigen Masterplanprojekte werden durch kreative Formen der Bürgerbeteiligung vorbereitet und begleitet werden. Förderphase 2.0 Der Rat der Stadt Bonn hat am 1. September 2020 den Beschluss gefasst, eine zweite Förderperiode 2.0 einzuleiten, um die begonnenen Einzelmaßnahmen zielgerichtet fortzuführen und weitere Projekte anzustoßen (siehe DS 201300). In 2020 hat der Bund eine neue Förderstruktur im Bereich der Städtebauförderung aufgebaut und die Förderkulisse von bisher sechs auf drei neue Förderprogramme gestrafft. Die Förderkulisse „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, in die der Masterplan Innere Stadt Bonn bisher eingebettet war, ist ausgelaufen und wurde durch das neue Förderprogramm „Lebendige Zentren“ ersetzt. Die Verwaltung hat daher einen Förderantrag auf Städtebauförderung für das Förderprogramm „Lebendige Zentren“ für die Jahre 2021 bis 2025 eingereicht. Dieser Antrag wurde fristgerecht zum 30. September 2020 bei der zuständigen Bezirksregierung Köln unter „Masterplan Innere Stadt Bonn 2.0“ mit 12Seite 2 von 76 Seite 3 Einzelmaßnahmen eingereicht. Da im soeben vom Land NRW veröffentlichten neuen Programmaufruf 2022 für dieses Teilprogramm ausschließlich mit einer förmlichen Gebietskulisse nach dem besonderen Städtebaurecht operiert werden soll, schlägt die Verwaltung vor, dieser Anforderung durch Festlegung des Gebietes des Masterplans Innere Stadt als Stadtumbaugebiet gem. § 171b nachzukommen. Unmittelbaren Rechtswirkungen für private Dritte werden durch diese Festlegung nicht ausgelöst. Anlage/n 1 Masterplan2.0_Stadtumbaugebiet_gem_§171b_BauGB (öffentlich) 2 Broschuere-Masterplan-Innere-Stadt-Bonn (öffentlich)Seite 3 von 76 Bundesstadt Bonn Masterplan. Innere Stadt. Bonn 2.0 Abgrenzung des Stadtumbaugebietes gem. § 171b BauGB Stadtbezirk Bonn Ortsteil Nordstadt / Weststadt / Südstadt / Bonn Castell Amt 61-21Seite 4 von 76 Masterplan „Innere Stadt“ BonnSeite 5 von 76 IMPRESSUM Auftraggeber Bundesstadt Bonn Stadtplanungsamt Konzeptionelle Bearbeitung Prof. Kunibert Wachten Michael Hehenkamp Daniela Hessing Inga Bergmann Thomas Figgener Hanna Joost Michael Kloos Boris Mehlkopf Hendrik Neubauer Stephan Rach Lech Sawicki Jens Tempelmann mit Unterstützung von: Topp, Huber-Erler, Hagedorn, Darmstadt Prof. Dipl.-Ing Carsten Hagedorn Dominik Könighaus Prozessbegleitung Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle Sarah Ginski Bonn, Dortmund, Schwerte, im März 2012Seite 6 von 76 Masterplan „Innere Stadt“ BonnSeite 7 von 76 Luftbild der Kernstadt BonnSeite 8 von 76 Inhalt Masterplan • „Innere Stadt“ Bonn 0. Kurzfassung S.06 1. Anlass und Aufgabe des Masterplans „Innere Stadt“ Bonn S.10 2. Der Masterplan im Dialog S.12 3. Ausgangslage und Zielsetzungen S.15 • 3.1 Image und Stadtbild • 3.2 Demografischer Wandel • 3.3 Kultur, Freizeit und Tourismus • 3.4 Grün- und Freiräume • 3.5 Wohnen • 3.6 Öffentlicher Raum und Einzelhandel • 3.7 Arbeit und Wirtschaft • 3.8 Nachhaltige Mobilität • 3.9 Klima, Energie und Umwelt 4. Handlungsfelder der Stadtentwicklung S.26 • 4.1 „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“ • 4.2 „City funktional und gestalterisch stärken“ • 4.3 „Innere Stadt zum Rhein öffnen“ • 4.4 „Potenziale der Universität in der Stadt nutzen“ • 4.5 „Verflechtungs- und Zugangsräume aufwerten“ 5. Erschließung der „Inneren Stadt“ S.36 • 5.1 Der Masterplan und der Verkehrsentwicklungsplan 2020 • 5.2 Verbesserungen im Erschließungssystem • 5.3 Weitere Verkehrsprojekte 6. Gesamtdarstellung des Masterplans S.42 7. Leitmotive der Stadtentwicklung S.44 • 7.1 „Urbanes C“ • 7.2 „Bonner Promenaden“ • 7.3 „Grüne Trittsteine“ 8. Planungskultur und Verfahren zur Projekt- und Standortentwicklung S.54 9. Ausblick S.57 I. Arbeitsgrundlagen • Bildnachweise S.58 II. Anhang: Projekt- und Maßnahmenliste S.60Seite 9 von 76 0. Masterplan „Innere Stadt“ Bonn Kurzfassung 6 Bonn ist eine Stadt mit einem außerordentlich hohen Bekanntheitsgrad im Vergleich zu Städten ähnlicher Größe – ein Geschenk der Geschichte. Die Stadt Bonn ist Bundesstadt, sie ist Beetho- venstadt. Große Unternehmensmarken sind hier zuhause, die Universität und Museen ziehen die Menschen hierher. Bonn befindet sich mitten im Wettbewerb der Städte um Touristen, Fachkräf- te, Studierende, Einwohnerinnen und Einwohner. Der Ausbau der Lebensqualität in der Stadt emp- fiehlt sich daher von selbst. Der Masterplan „In- nere Stadt“ nimmt sich dieser zentralen Aufgabe Bonns an und versteht sich als Orientierungsrah- men für die räumliche und funktionale Entwick- lung der „Inneren Stadt“ Bonns. Ausgangslage und Zielsetzung Die Ausgangslage ist vielschichtig und reich an Potenzialen. Das heutige Image Bonns wurde vornehmlich von der Entwicklungsgeschichte als Hauptstadt geprägt. Stadträumlich bildet es mit Beuel, Bad Godesberg und Hardtberg eine poly- zentrale Struktur. Demografisch nimmt Bonn eine Ausnahmestellung ein. Die Universität bedingt die ewige Verjüngungskur. Bonn ist aber nicht nur jung, sondern wächst entgegen allen demo- grafischen Trends. Die gute wirtschaftliche Basis sorgt weiterhin für den Zuzug von Fachkräften. Die „Innere Stadt“ ist belebt, bewohnt und bie- tet ein vielfältiges Angebot. Die Vorgebirgsland- schaft und die Lage am Rhein stecken wichtige Eckpunkte für die Raumentwicklung ab. Einkaufsstadt, Universitätscampus, Dienstleistun- gen, Kulturstandort, Verkehrsknoten und nicht zuletzt Wohnort, die Innenstadt vereint zentrale Funktionen und Einrichtungen auf sich. Das Zent- rum präsentiert sich heute fast ein wenig selbstbe- zogen und vernachlässigt die Verknüpfungen zu den umliegenden Quartieren. Das wird durch die Führung der Verkehrstrassen verstärkt. So kehrt die City bis heute dem Rhein eher den Rücken zu. Die künftige „Innere Stadt“ Bonn hingegen öff- net sich und strahlt nicht nur sinnbildlich sondern vor allem funktional über ihre heutigen Grenzen hinaus. In der Konsequenz weitet der Masterplan die Perspektive auf und entwirft über das ange- stammte Terrain hinaus die „Innere Stadt“. Fünf Handlungsfelder Zentrale Herausforderungen und Aufgaben, die es im Rahmen einer zukunftsfähigen Gestaltung der “Inneren Stadt” zu lösen gilt, werden in fünf Handlungsfeldern beschrieben. Die Aufgabe „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“ zielt im Bestand sowie bei Neubauten auf die Bildung von Mischstrukturen ab. Idealer- weise gesellen sich zu den Wohnnutzungen auch Büro- oder Dienstleistungsnutzungen oder auch Kulturfunktionen. Neubau-Potenziale bieten die Standorte der Poliklinik und der VHS, Zahnklinik/ Finanzamt und Johanneshospital, Kurfürsten- brauerei und Viktoriabadareal sowie die Ermekeil- kaserne. Ein Schwerpunkt der Bestandsentwick- lung bildet die Nordstadt. Gelingt es hier durch Verkehrsberuhigung und Aufwertung des öffent- lichen Raums die Wohnqualität zu verbessern, führt dies erfahrungsgemäß auch zu privaten In- vestitionen in Immobilien. Der Masterplan betont im Rahmen der Stärkung des Wohnens die Ent- wicklung von attraktiven Frei- und Grünräumen, sozialer Infrastruktur und Nahversorgung. So wird die „Innere Stadt“ erst attraktiv für Wohnungs- suchende. Die Aufgabe „City funktional und gestalterisch stärken“ stellt eine der zentralen Hauptaufgaben dar. Als zentraler Funktions- und Repräsentati- onsraum ist die City stetigen Herausforderungen ausgesetzt. Dazu zählen immer kürzere Moder- nisierungszyklen der Einzelhandels- und Dienst-Seite 10 von 76 leistungsflächen, Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und nicht zuletzt die Frage, welche Wege in Baukultur und in der Entwicklung des Stadtbil- des eingeschlagen werden soll. Kleinteiliger Ein- zelhandel in vorwiegend historischen Gebäuden konzentriert sich im Norden des Zentrums um die Bereiche der Sternstraße, der Friedrichstraße und der Bonngasse. Durch Verdichtung und Verknüp- fung dieser Standorte lässt sich diese Qualität des Bonner Einzelhandels weiter ausbauen. Im Zen- trum bestimmen Händler mit größeren Flächen und hoher Frequenz die Nachfrage. Hier bieten sich das Bahnhofsareal, das Viktoriabad und der umgebaute Stadthaussockel für Flächen- und Branchenergänzungen an. Die „Innere Stadt“ zeichnet sich insgesamt durch eine beachtliche baukulturelle Qualität aus, mit der jedoch nicht überall pfleglich umgegangen wird. So wird im Masterplan am Bonner Müns- ter mit dem Martinsplatz Nachholbedarf gese- hen. Hier sind verkehrliche Eingriffe angeraten, um die funktionale und räumliche Verknüpfung des Münsters mit der Kreuzkirche wie auch die Einbindung der Universität und des künftig neu- en Viktoriabadareals erheblich zu verbessern. Da- mit erhält der Raum eine Übergangsfunktion für die Innenstadt und den Hofgarten. Das Münster selbst, wenn der Zugang zum Kreuzgang für die Öffentlichkeit verbessert ist, würde als Ort der Einkehr inmitten des städtischen Tagesgeschäfts gestärkt. Die Aufgabe „Innere Stadt zum Rhein öff- nen“ setzt mitten im Zentrum an. Es gilt, die Verknüpfungen so zu gestalten, dass vor allem Fußgänger- und Radverkehr barrierefrei und ori- entierungssicher das Rheinufer und die Rhein- promenade erreichen. Dies wird momentan vor allem von Verkehrstrassen behindert. In Ufernähe sollten Korrespondenzen und Verbindungen zum Beueler Ufer verstärkt werden. Derzeit bestehen insbesondere im Uferbereich der Beethovenhalle und der Oper Gestaltungsdefizite, so dass die Be- reiche ihrer repräsentativen Funktion sowie ihrer wichtigen stadträumlichen Bedeutung nicht mehr gerecht werden. Die Aufgabe „Potenziale der Universität in der Stadt nutzen“ ist mit dem Standortentwick- lungskonzept auf den Weg gebracht. Die Univer- sität will sich in Zukunft auf vier Standorte kon- zentrieren, von denen drei direkt innerhalb oder im Nahbereich der Inneren Stadt liegen. Nun gilt es, diese Raumansprüche auch zu decken. In der Diskussion ist das Viktoriabadareal genauso wie die Kinderklinik. Die stadtstrukturell prägende Achse der Poppelsdorfer Allee stellt in diesem Zu- sammenhang eine qualitätvolle Wegeverbindung zwischen dem Campus Poppelsdorf mit dem City Campus dar, aber auch hier sind Barrieren zu überwinden. Zum Campus Endenich muss eine solche komfortable Verbindung erst entwickelt werden, die durch eine Umstrukturierung des ehemaligen Güterbahnhofareals erreicht werden kann. Die Umnutzung bietet über den Brücken- schlag hinaus Flächenpotenziale für Neubauten, deren Nutzungen sich an das Thema Universität anschließen können, als auch die Möglichkeit zur Anlage von Frei- und Grünflächen, die hier neue Aufenthaltsqualitäten entstehen lassen. Mit neu- en Querungen im Osten über die Bahntrasse und im Westen über die BAB 565 ließen sich darüber hinaus die angrenzenden Stadtteile besser anbin- den. Eben derartige neue Querungen werden durch die Aufgabe „Verflechtungs- und Zugangsräu- me aufwerten“ weiter beschrieben. Wesent- liche Zielsetzung ist es, stärkere Verknüpfungen zwischen den unterschiedlichen Quartieren der “Inneren Stadt” herzustellen und die Zugänge in Richtung Innenstadt zu verbessern. Gestal- tungsdefizite treten vor allem an Peripherien der Stadtteile auf. Zwischen den Quartieren fehlen vorrangig kleinräumige Verknüfungen. Auch die Freiraumqualitäten sind auszubauen. Für die At- traktivität der Verbindungen sind Ankerpunkte mit hoher Frequenz wichtig wie zum Beispiel das Stadthaus, das durch attraktive Nutzungen und Funktionen im Erdgeschossbereich einen Ent- wicklungsschub auslösen kann. Ein solcher Schub kann auf weitere Standorte in der “Inneren Stadt” übertragen werden, wo die Realisierung gemischt genutzter Quartiere zu wünschen wäre. Der Masterplan und der Verkehrs- entwicklungsplan 2020 Die räumlich-funktionale Entwicklung der „Inne- ren Stadt“ ist Hand in Hand mit ihrer Verkehrsent- wicklung zu gestalten. Der zurzeit in der Endab- stimmung befindliche Verkehrsentwicklungsplan 2020 (VEP 2020) trifft die notwendigen Aussagen zur Verbesserung der Erschließungsqualität bei umweltverträglicher Organisation des Verkehrs für die gesamte Stadt. Der Masterplan nimmt auf der Grundlage des VEP 2020 einen verkehrlichen Einschnitt in die Innen- stadtstruktur vor, um die gewünschten Raumqua- litäten und funktionalen Verknüpfungen plane- risch verwirklichen zu können. Der Cityring wird zum Citybogen. Erfahrungsgemäß muss ein Ver- kehrsring nicht als Kreis geführt sein, um seine Funktion zu erfüllen. Konkret bedeutet dies, dass die Rathausgasse, die Straße Am Hof, der Mar- tinsplatz, die Wesselstraße, die Straße Am Haupt- bahnhof und die Maximilianstraße für den moto- risierten Individualverkehr gesperrt werden, nicht jedoch für den öffentlichen Verkehr, den Radver- kehr und den Anliefer- und Anwohnerverkehr. Im Masterplan wird beschrieben, wie sich dieser Schnitt auswirkt. Diese Eingriffe werden um wei- tere Maßnahmen ergänzt wie die Umgestaltung des Verkehrsraumes im Bereich des Stadthauses. 7.Seite 11 von 76 Die drei Leitmotive Der Masterplan erfindet nichts, sondern bedient sich in der Wahl der Leitmotive in der Stadtge- schichte. In drei prägnanten, historisch vorge- gebenen Leitmotiven der Bonner Stadtstruktur werden die zahlreichen Projekte der fünf Hand- lungsfelder zusammengeführt: Allen Motiven ist gemeinsam, dass sie am Rhein beginnen und enden und damit einen Beitrag dazu leisten, die Stadt erlebbar an das Flussufer anzuschließen. Das „Urbane C“ Das Leitmotiv „Urbanes C“ verbindet die öffent- lichen Räume – Plätze, Straßen, Gassen – entlang der historischen Wallanlage, verknüpft öffentli- che, soziale und kulturelle Einrichtungen und be- zieht neue Entwicklungsstandorte ein, beginnend an der Beethovenhalle über die Theater- und Kasernenstraße, das Sterntor, den Münster- und Martinsplatz, das Umfeld des Viktoriabades bis hin zum Rhein. Neue stadträumliche Chancen zur Erweiterung des Zentrums werden durch die Umgestaltung der Verkehrsräume entlang des heutigen Cityrings gesehen. Das „Urbane C“ ver- klammert zudem die City mit dem ehemaligen Rheinviertel, das heute wegen der starken Zäsur der Oxfordstraße nicht mehr als Teil der früheren umwallten Stadt wahrgenommen wird. „Bonner Promenaden“ Mit den „Bonner Promenaden“ soll das im Stadt- bild unverwechselbare Band der Poppelsdorfer Allee als Motiv aufgenommen werden. Es dient dazu, neue „gute Adressen“ zu entwickeln, die bisher trotz ihrer zentralen Lage peripheren Cha- rakter haben. Ursächlich verbinden die Prome- naden die vier Universitätsstandorte in der Stadt prägnant und leicht orientierbar. Die „neue“ Nußallee nimmt die historische Idee der zweiten auf das Poppelsdorfer Schloss ausgerichteten Achse auf, denn Residenz und Hofgarten, Pop- pelsdorfer Schloss und Allee waren ursprünglich als Ensemble der kurfürstlichen Schlösser geplant. Die fortgesetzte Nußallee kann zum Rückgrat des Campus Poppelsdorf und Campus Endenich werden. Eine „Ergänzungsallee“ in der Lage der heutigen Immenburgstraße auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs soll späterhin Impuls- geber für städtebauliche Entwicklungen sein, die der zentralen Lage des Geländes gerecht werden. Zusammen mit der innerstädtischen Rheinprome- nade entsteht so ein Promenaden-Geviert, das den Rhein innerstädtisch erschließt. „Grüne Trittsteine“ Die „Grünen Trittsteine“ stärken die wichtigen Verbindungen zwischen den Grün- und Freiräu- men und verknüpfen diese zu einem Gesamt- gefüge. Darüber werden in Wohnquartieren der „Inneren Stadt“ Anziehungspunkte mit hoher Aufenthaltsqualität ausgebildet. In das Konzept fügen sich auch kleinere bisher unbeachtete Grünräume wie die rheinseitige Anlage um den Römerkran. Innerstädtische Potenziale bieten Räume wie der Chlodwigplatz. Der Masterplan zeigt ebenso die Bildung von Grünzüge auf. So soll der Rheindorfer Bach an die neuen Trittsteine angebunden werden. Im direkten Verknüpfungs- bereich zwischen der Nordstadt, der Innenstadt und der Weststadt soll der Alte Friedhof als Rück- zugsraum aufgewertet werden. In Kombination mit dem Viktoriadreieck ergeben sich hier ganz neue innerstädtische Freiraumqualitäten. Bei Um- nutzungen wie sie in der Ermekeilkaserne oder Leitmotiv: BONNER PROMENADENLeitmotiv: URBANES C 8Seite 12 von 76 Leitmotiv: GRÜNE TRITTSTEINE Überlagerung der Leitmotive auch der Kinderklinik möglich sind, ist darauf zu achten, dass neben den Aufenthaltsqualitäten im öffentlichen Raum ausreichend Grün- und Frei- räume entstehen. Planungskultur und Verfahren zur Projekt- und Standortentwicklung Der vorliegende Masterplan basiert auf der guten Tradition der Bonner Planungskultur. Für die we- sentlichen Entwicklungsstandorte und umzuge- staltenden öffentlichen Räume werden mit dem Masterplan Verfahrenspakete vorgeschlagen, die eine gute Qualität in der künftigen Entwick- lung wichtiger Projekte garantieren sollen. Das Spektrum reicht von vorbereitenden Verfahren wie „Runder Tisch“ über Wettbewerbe bis hin zu Investorenauswahlverfahren. Partizipatorische Elemente spielen weiterhin eine Rolle und führen den begonnenen Dialog zwischen der Politik, der Verwaltung, der Stadtgesellschaft, Grundeigentü- mern, Planern und Architekten weiter. Fazit Das nächste Ziel ist, den Masterplan als überge- ordnetes, integriertes und durch einen Beteili- gungsprozess qualifiziertes Planungskonzept in Form eines politischen Grundsatzbeschlusses zu verabschieden. Diese Grundlage kann dazu die- nen, Fördermittel des Bundes und Landes für die künftige Umsetzung von Projekten und Maßnah- men zu beantragen. Neben den notwendigen politischen Beschlüssen ist im Zuge der künftigen Umsetzung des Masterplans die Mitwirkung der Stadtgesellschaft sowie die Bereitstellung weite- rer finanzieller Mittel weiterhin erforderlich. 9.Seite 13 von 76 Räumlicher Betrachtungsbereich 1. Anlass und Aufgabe des Masterplans „Innere Stadt“ Bonn 10Seite 14 von 76 Alle Städte müssen nach Außen und Innen glei- chermaßen attraktiv sein. Wettbewerbsfähig- keit und Lebensqualität sicherzustellen, sind die beiden wesentlichen Aufgaben der Stadtent- wicklung. Der Entwicklung der „Inneren Stadt“ kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da insbesondere die Innenstadt zentrale Funktionen und Einrichtungen der Stadt bündelt und die In- nenstadt stellvertretend für die gesamte Stadt über ihre Grenzen hinaus ausstrahlen muss. Dies gilt auch für Bonn, wenngleich Bonn’s Bild über- deutlich von der besonderen Entwicklungsge- schichte als jahrzehntelange Hauptstadt geprägt ist und Bonn mit den ehemals selbständigen Städ- ten Beuel, Bad Godesberg und Hardtberg eine polyzentrale Stadtstruktur aufweist. Die Stärkung der „Inneren Stadt“ genießt zu- dem im Zuge des gesellschaftlichen und demogra- fischen Wandels eine hohe Priorität in der Stadtent- wicklungspolitik. Der Trend der Rückwanderung aus dem Umland in die Städte führt zu einer neu- en Wertschätzung urbanen Wohnens. Denn nur in der „Inneren Stadt“ lässt sich mit kurzen Wegen eine breite Palette an Versorgungsangeboten – von der täglichen und medizinischen bis hin zur schuli- schen und kulturellen Versorgung – erreichen, was für eine kontinuierlich älter werdende und sich in den Vorstellungen von Lebensstilen differenzieren- den Gesellschaft ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist. Und auch aus ökologischen und wirtschaftli- chen Gründen ist die Rückkehr in die Innenstädte vorrangig zu fördern. Als Reaktion auf diesen tief greifenden Bedeu- tungswandel der Innenstadt hat der Rat der Stadt Bonn die Verwaltung beauftragt, einen städtebau- lichen Masterplan für das erweiterte Gebiet des Bonner Zentrums zusammen mit den angrenzen- den innenstadtnahen Arealen der Nord-, West- und Südstadt erarbeiten zu lassen. Ziel ist es, eine Gesamtperspektive für die räumliche Entwicklung der „Inneren Stadt“ Bonns in den nächsten 10-20 Jahren aufzuzeigen, um die Potenziale des inneren Wachstums und Wandels auszuloten und auszu- schöpfen. Dies kann nur gelingen, wenn die ge- genseitigen Abhängigkeiten und Befruchtungen zwischen dem Zentrum und den angrenzenden Quartieren im Zusammenhang betrachtet werden, um zu einer nachhaltig attraktiven und leistungsfä- higen „Inneren Stadt“ zu kommen. Der Masterplan „Innere Stadt“ Bonn wurde seit Herbst 2010 im Auftrag der Stadt Bonn durch die Büros • netzwerk. stadtforschung, beratung und kom- munikation | Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle und • scheuvens+wachten | Prof. Rudolf Scheuvens und Prof. Kunibert Wachten bearbeitet. Während die konzeptionelle Bear- beitung durch „scheuvens + wachten“ erfolgte, wurde die Prozessbegleitung durch „netzwerk“ gestaltet. Der Masterplan versteht sich als Orientierungs- rahmen für die räumliche und funktionale Ent- wicklung der „Inneren Stadt“ Bonns. Er bündelt bisherige Ziele, Programme und Projekte und ver- weist auf neue, notwendige Akzentsetzungen. Alle Projekte werden in den Kontext einer nachhal- tigen Stärkung der „Inneren Stadt“ gestellt. Damit werden auch unterschiedliche zeitliche Reichwei- ten der konzeptionellen Vorschläge angesprochen. Manche Projekte sind konkret und können zeitnah umgesetzt werden. Andere Aussagen wiederum zeigen langfristige Entwicklungsperspektiven auf, sind aber gleichwohl wichtig, um den längerfristig angelegten Orientierungsrahmen des Masterplans nachvollziehbar zu machen. In diesem Sinne ist der Masterplan auch eine un- verzichtbare Grundlage zukünftiger Anträge für Förderprogramme des Bundes und Landes. Nicht minder wichtig ist aber auch das Einwerben der Mitwirkungsbereitschaft der zahlreichen priva- ten Akteure, die Interesse an einer attraktiven und leistungsfähigen „Inneren Stadt“ haben und sich dafür engagieren. Die Erarbeitung des Masterpla- nes konnte deshalb nur auf der Grundlage eines dialogorientierten, kooperativen Prozesses er- folgen. Von Beginn an wurde die Kooperation mit Vertreterinnen und Vertretern, Einwohnerinnen und Einwohner, der Politik, der Wirtschaft, der Wissen- schaft, der Kultur und der Verwaltung gesucht. 11.Seite 15 von 76 Der Dialogprozess zur Erarbeitung des Master- plans „Innere Stadt“ Bonn gliedert sich in drei Etappen, in denen in unterschiedlichen Perso- nenkreisen und mit verschiedenen Formen des Dialogs der gemeinsame Austausch über die Aus- gangslage, Zielsetzungen und Projektideen statt- gefunden hat. In der ersten Etappe – der Erkundungs- und Entdeckungsphase – wurden zunächst Informa- tionen gesammelt und unterschiedliche Sichtwei- sen zusammengetragen. Durch die Untersuchung vorliegender und laufender Programme, Konzep- te, Gutachten, Planungen und Projekte wurden die funktionalen und städtebaulichen Ausgangs- punkte analysiert und bewertet. Im Dialog wurde zudem erörtert, an welche Planungen und Prozes- se angeknüpft werden kann und welche Fragen und Probleme besonderer Beachtung bedürfen. In der zweiten Etappe – der Vertiefungs- und Eckpunktephase – wurden die Zielsetzungen für die künftigen Entwicklungen aufgestellt und fünf zentrale Handlungsfelder herausgearbeitet. Dar- aus wurden räumliche und thematische Konkreti- sierungen abgeleitet. Ziel der dritten Etappe – der Ergebnis- und Entscheidungsphase – war es, alle Ergebnisse zusammenzuführen, sie im Zusammenhang dar- zustellen und sie schließlich im Hinblick auf ihre Bedeutung für die zukünftige baulich-räumliche Entwicklung zu gewichten. Um die Vielzahl der Akteure in den Prozess einzu- beziehen, wurden auf der Informations-, Arbeits- und Diskussionsebene verschiedene Formen des Dialogs durchgeführt. Die Ämter-/Plus-Runde galt dem Informationsaus- tausch und der Diskussion mit allen Dienststellen der Verwaltung sowie verwaltungsnahen Institu- tionen. So konnten alle wichtige Informationen und Projekte der einzelnen Ressorts in die Erar- beitung des Masterplans „Innere Stadt“ Eingang finden. Um den frühzeitigen und kontinuierlichen Aus- tausch mit der Politik sicherzustellen, wurde eine Begleitgruppe eingerichtet, in der alle Ratsfrak- tionen vertreten sind. Darüber hinaus wurden in regelmäßigen Abständen die politischen Gremien 2. Der Masterplan im Dialog 3. Werkstatt Bericht von einem der fünf Spaziergänge im Rahmen des 2. Forums 12Seite 16 von 76 Route: „Innere Stadt zum Rhein öffnen“Route: „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“ Route zur Erläuterung des Handlungsfeldes: „Potenziale der Universität in der Stadt nutzen“ Route zur Erläuterung des Handlungsfeldes: „Verflechtungs- und Zugangsräume aufwerten“ Im Rahmen der Durchführung des zweiten öffentlichen Forums fand die Führung von fünf Spaziergängen jeweils zu den erarbeiteten Handlungsfeldern des Masterplanes statt. Route: „City funktional + gestalterisch stärken“ der Stadt Bonn sowie der Verwaltungsvorstand über den Stand der Arbeit informiert. Bei der Komplexität der Aufgabe galt es aber auch, den Gedanken- und Ideenaustausch mit zahlrei- chen weiteren Akteuren aus Wirtschaft und Ge- sellschaft zu suchen. Dafür wurden zu Beginn des Prozesses rund 40 Gespräche mit Schlüsselperso- nen aus der Bonner Stadtgesellschaft geführt. Diese Schlüsselpersonen und weitere im Bereich der „Inneren Stadt“ Bonn beruflich und ehren- amtlich engagierte Personen wurden zu regelmä- ßigen Werkstätten eingeladen, um gemeinsam über die unterschiedlichen Einschätzungen, In- teressen und Perspektiven zu diskutieren, Wider- sprüche und Gemeinsamkeiten aufzudecken und eine Verständigung über Konzepte und Projekte anzustreben. Da einige Verbände, Initiativen und Akteursgruppen teilweise bereits konkrete Ideen entwickelt hatten, erhielten sie im Rahmen einer Werkstatt die Möglichkeit, ihre Projekte und Kon- zepte in einem „Markt der Ideen“ der Öffentlich- keit zu präsentieren. Für ein breites Publikum bestand in vier öffentli- chen Foren die Chance, sich über den jeweiligen Arbeitsstand des Masterplans zu informieren, Kri- tik zu üben und Anregungen zu geben. Im Rah- men des zweiten öffentlichen Forums wurden auch fünf Stadtspaziergänge unter dem Motto „Stadt erleben und mitreden!“ – geführt von einem Team aus ortskundigen Bürgerinnen und Bürgern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Bonn – angeboten, die ein reges Inte- resse fanden. Die Routen der Stadtspaziergänge orientierten sich an den fünf erarbeiteten Hand- lungsfeldern. Eine Online-Beteiligung im Frühjahr 2011 bot da- rüber hinaus Gelegenheit, Anregungen zu den fünf zentralen Handlungsfeldern zu geben und Abschlussplenum im Rahmen des 4. öffentlichen ForumsPräsentation des Masterplans zur 4. Ämterrrunde 13.Seite 17 von 76 Erarbeitungsphasen und Beteiligungsformen im Rahmen der Entwicklung des Masterplans diese zu bewerten. Hierbei gingen über 100 Anregungen ein, die entweder direkt in den Masterplan eingeflossen sind oder an die zu- ständigen Ämter in der Stadtverwaltung weiter- gegeben wurden. Zusätzlich zu dieser zeitlich befristeten Online-Aktion wurde der gesamte Planungsprozess im Internet begleitet. Alle Ver- anstaltungen sowie die Stadtspaziergänge und Präsentationen beim „Markt der Ideen“ wurden im Netz dokumentiert. Das Interesse an den In- formationen war bislang sehr groß. Allein bis Anfang Dezember 2011 konnte die Stadt über 15.000 Aufrufe der Seite verzeichnen. Die In- ternetseite soll auch den weiteren Fortgang des Masterplans „Innere Stadt“ Bonn festhalten. Mit Erstellung des Masterplans ist der Prozess aber noch längst nicht abgeschlossen. Die Um- setzung der im Plan benannten Zielsetzungen, Projekte und Maßnahmen bedarf der weiteren Verständigung und des kontinuierlichen Ein- werbens von privater Mitwirkungsbereitschaft jeglicher Art, denn Stadtentwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Alle profitieren von einer attraktiven und leistungsfähigen Stadt. In Zukunft wird es deshalb noch stärker als heu- te darauf ankommen, dass der Schulterschluss zwischen öffentlichem und privatem Engage- ment und Mitteleinsatz gesucht wird. Die Mas- terplanerarbeitung markiert somit eine Etappe eines zu verstetigenden Prozesses. 14Seite 18 von 76 3. Ausgangslage und Zielsetzungen . Im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung ist es für alle Städte und Gemeinden eine vorran- gige Aufgabe, eine demografiefeste und klimage- rechte Gestaltung ihrer Städte voranzutreiben. Dabei wirkt eine demografiefeste Stadtentwick- lung mit ihrer Ambition, leistungsfähige Wohn-, Versorgungs- und Dienstleistungsangebote für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt in allen Lebensphasen zu erzeugen, in verschiedene Inter- aktionsbereiche hinein. Die Handlungsbereiche ei- ner klimagerechten Stadtentwicklung liegen in der kommunalen Bau-, Freiraum- und Verkehrspolitik. Aber welche Themenfelder sind insbesondere im Bereich der „Inneren Stadt“ für künftige Entwicklungsaktivitäten wesentlich? Was sind generelle Zielsetzungen und warum konzentriert sich die Planung so sehr auf den Bereich der „In- neren Stadt“? Diesen Fragestellungen soll nachge- gangen werden. Warum ist eine Konzentration auf die „Inne- re Stadt“ wesentlich? Stadtzentren definieren in aller Regel das soziale, ökonomische und kulturel- le Profil einer Stadt. Sie sind Kristallisationspunk- te für alles, was Stadt bedeutet und ausmacht. Letztlich steht die Innenstadt als Stellvertreter für die Gesamtstadt. Sie ist ein Ort der Identifikation, der lokalen Geschichte und des kulturellen Erbes. Regionale und lokale Eigenarten spiegeln sich in städtebaulichen Qualitäten, in Gebäuden, im öf- fentlichen Raum, aber auch in Veranstaltungen wider. Durch das Zentrum bekommt eine Stadt ihr individuelles Bild, ihr Gesicht und ihre Visitenkarte. Hier bündeln sich repräsentative und öffentliche Gebäude, identitätsstiftende Plätze, Parks und Kul- tureinrichtungen. Auch wenn dies allein schon Grund genug wäre, sich verstärkt der Entwicklung der „Inneren Stadt“ zu widmen, so kommen weitere Gründe hinzu. Die vergangenen Jahrzehnte waren durch einen enor- men Zuwachs von Siedlungsflächen im Umland der Städte gekennzeichnet. Auch wenn die Sub- urbaniserungsprozesse keinesfalls abgeschlossen sind, so zeichnet sich parallel dazu ein neuer Trend ab. Es gibt eine neue Wertschätzung für urbanes Wohnen in gemischten Strukturen. Einerseits zie- hen gerade ältere Bevölkerungsgruppen aus dem Umland zurück in die Städte. Andererseits wol- len jüngere Bevölkerungsgruppen (auch in der Phase der Familiengründung) die Stadt gar nicht erst verlassen. Beides führt zu neuen Nachfrager- gruppen städtischer Wohnformen. Der Förderung dieses Trends auf kommunaler Ebene, der immer wieder auch als „Renaissance der Innenstädte“ bezeichnet wurde, widmen sich inzwischen auch zahlreiche Bund- und Länderprogramme, aktuell etwa das „Weißbuch Innenstadt“ des Bundesmi- nisteriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Strukturelle Veränderungen führten in den Städten zu funktionalen und räumlichen Neuordnungen. Der wirtschaftliche Wandel brachte innenstadt- nahe, vormals unzugängliche Flächen- und Ent- wicklungspotenziale hervor. Darüber hinaus er- möglichen veränderte Arbeits- und Lebensweisen neue Nutzungsmischungen. Beide Entwicklungen tragen dazu bei, dass die Kernbereiche der städ- Luftbild der Bonner Innenstadt 15.Seite 19 von 76 tischen Lagen seit einiger Zeit einen tiefgreifenden Bedeutungswandel erfahren, mit dem eine neue Wertschätzung einhergeht. Auch die Stadt Bonn kann und will sich diesen Trend zunutze machen, um trotz steigender Be- völkerungszahlen zugleich nachhaltig mit Flächen zu wirtschaften und deren Neuinanspruchnahme zu begrenzen. Hierzu müssen im Kernbereich Flä- chenpotenziale identifiziert, bestehende Quartiere bedarfsorientiert angepasst und privat(-wirtschaft- liche) Akteure aktiviert werden. Doch gerade an die Entwicklung dieser Kernbereiche werden an- gesichts ihrer Nutzungsdichte und herausragenden Funktionen heute komplexe und mehrdimensiona- le Herausforderungen gestellt. Dazu zählen: Klimatische Veränderungen: In den Städten – vor allem in ihren Kernbereichen – besteht durch Produktion, Verkehr und Gebäude ein sehr hoher Energieverbrauch mit entsprechend hohem CO2- Ausstoß. Es bestehen aber auch besonders hohe Energieeinsparpotenziale und das notwendige Knowhow zu deren Nutzung. Die Konsequenz für die Stadtentwicklungspolitik liegt auf der Hand: Sie muss in eine integrierte Energie-, Klima- und Umweltpolitik eingebettet sein. Demografische Entwicklungen und sozia- ler Wandel: Kompakte Stadtstrukturen gelten aufgrund kurzer Wege und hoher Dichte an inf- rastrukturellen Einrichtungen und medizinischer Versorgung als Erfolgsmodell angesichts einer älter werdenden Gesellschaft. Die soziale Heterogenität in der „Inneren Stadt“ bringt wiederum aber auch großes Konfliktpotenzial mit sich. „Innere Städte“ sind Orte der Begegnung. Dort treffen viele ver- schiedene Bevölkerungsgruppen aufeinander und so sind sie auf der einen Seite Orte der Integration und der Polarisierung auf der anderen. Daraus re- sultiert eine große Herausforderung der Stadtent- wicklung, denn die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Wirtschaftsstrukturelle Veränderungen: Die Zentren als Arbeitsstätten haben eine traditionelle Funktion. Jedoch dominiert dort heute nicht mehr das produzierende Gewerbe sondern die Dienst- leistungen. So sind günstige Nutzungskombinati- onen von Einzelhandel im Erdgeschoss, Büros und Wohnungen in den Obergeschossen ein innerstäd- tisches Idealbild, das es zu stärken gilt. Viel zu viele Frequenzbringer in Form von großen Unterneh- men, öffentlichen Einrichtungen der Verwaltung, der Bildung und der Kultur wie kommunale Dienst- stellen oder Universitäten wurden an den Rand der Städte verlegt und fehlen in Innenstädten als be- lebende Elemente. Die Idee der Stadt der kurzen Wege muss daher künftig mehr Beachtung finden. Die „Inneren Städte“ bieten in Form von Brachen und Leerständen die Chance, neue Funktionsan- gebote oder kreative Neu- oder Zwischennutzun- gen zu entwickeln und somit wieder mehr Leben an diese Orte zu bringen. Wirtschaft, Einzelhandel und Dienstleistung haben eine Frequenz- und Ag- glomerationswirkung, die sich positiv auf die schon sehr alte Marktfunktion der Zentren auswirkt, die als Versorgungsfunktion eine wichtige stadtgestal- terische und soziale Aufgabe der Stadt erfüllt. Veränderungen des Einzelhandels: Die zent- ralen Bereiche einer Stadt waren schon seit jeher Orte des Handels. Die Vielfältigkeit unterschied- lichster Einkaufsmöglichkeiten gehört fest zu ei- nem lebendigen Zentrum. Doch der Strukturwan- del im Einzelhandel bedroht diese Vielfalt. Der Einzelhandel gehört in die Stadtzentren, die auch wieder als Investitionsstandorte gesehen werden. Dieser Trend muss fortgeführt werden. Zielgruppenspezifische und angemessene Wohnraumversorgung: „Innere Städte“ bie- ten gute Voraussetzungen für das Wohnen. Die Zentralität und Vitalität der Innenstädte werden durch einen Kranz gut funktionierender urbaner Quartiere mit guter Wohnqualität in unmittelba- rer Nachbarschaft unterstützt. Die bauliche Dich- te, Angebotsvielfalt, umfangreiche Infrastruktur- ausstattung und vielfältige Bausubstanz erfüllen unterschiedlichste Ansprüche. Allerdings finden sich in den zentralen Bereichen der Städte meist eher kleine Haushalte. Der Anteil an Ein-Personen- Haushalten ist besonders groß und vor allem jun- ge Erwachsene wohnen derzeit in den „Inneren Städten“. Das sich aus der sozialen Heterogeni- tät ergebende Konfliktpotenzial sowie ein hohes Preisniveau hält bestimmte Bevölkerungsgruppen hingegen davon ab, in das Stadtzentrum zu zie- hen. Vor allem für Familien fehlt es an ausreichend großen Wohnungen zu bezahlbaren Preisen. Für die Stärkung innerstädtischen Wohnens ist jedoch nicht allein der Wohnraum ausschlaggebend, son- dern darüber hinaus Bildungs-, Kultur und sonstige Infrastruktureinrichtungen, auch Grünanlagen ha- ben eine hohe Bedeutung. Der Trend der Reurba- nisierung kann daher nur durch eine Kombination aus unterschiedlichen Wohnangeboten und einem attraktiven Wohnumfeld erfolgreich aufgegriffen werden und muss in die innenstadtnahen Quartie- re gelenkt werden. Veränderung der Mobilität, des Verkehrs und Stadtraums: In den „Inneren Städten“ treffen viele Verkehrsarten auf engem Raum aufeinander. Um die Mobilitätsvielfalt für die Stadtbewohnerin- nen und -bewohner zu sichern, sind die Entwick- lung eines nachhaltigen Verkehrssystems und die Verkehrssicherheit von hoher Bedeutung für die zentralen Bereiche von morgen. Auch die Lärm- minderung und Sicherung der Luftqualität sind be- deutende Aspekte, wenn es um die Erhöhung der Attraktivität von „Inneren Städten“ geht. Jede Stadt muss auf diese Herausforderungen ihre eigenen Antworten finden. Die Stadt Bonn geht dafür einen besonderen Weg, indem sie die übliche 16Seite 20 von 76 Betrachtung der Innenstadt auf die „Innere Stadt“ ausweitet. Die Ausdehnung über die engere Innen- stadt Bonns hinaus erweist sich als sinnvoll, da die angrenzenden Bereiche wichtige funktionale Ver- flechtungen mit der Innenstadt Bonns und damit wichtige Aufgaben für die Gesamtstadt überneh- men. Zumal insbesondere die Ränder der Stadttei- le und die Schnittstellen zwischen den einzelnen Stadtteilen in der Vergangenheit oftmals weniger Beachtung fanden und sich innerhalb dieser Berei- che erhöhter Handlungsbedarf abzeichnet. 3.1 Image und Stadtbild In der Vergangenheit wurde das Image der Stadt deutlich von der Hauptstadtfunktion und dem Regierungsviertel bestimmt. Identitätsträger der Innenstadt – wie das Bonner Münster, die Kreuz- kirche oder das Residenzschloss – traten in den Hintergrund. Daher ist in der Bundesstadt zukünf- tig die „Innere Stadt“ Bonns als Identitätsträger für die Gesamtstadt zu stärken. In ihrer kleintei- ligen Baustruktur ist an vielen Orten die Historie der Stadt ablesbar. Ihren besonderen Charme er- hält die Bonner Innenstadt durch ihre unverwech- selbare Struktur, die Kompaktheit und Über- schaubarkeit der City. Unübersehbar gruppiert sich um den Hofgarten herum der Bildungsstand- ort Universität. So prägen die Studierenden auch das kulturelle und soziale Milieu. Kulturhistorisch wird Bonn als Beethovenstadt wahrgenommen, während die Bedeutung August Mackes für die Stadtgeschichte bisher brach liegt. Stadträumlich spielt zudem der Rhein für die Innenstadt eine un- tergeordnete Rolle, auch hier gibt es großes Poten- zial für die künftige Stadtentwicklung. Die Innenstädte sind mit ihren kulturellen Anzie- hungspunkten, Plätzen, Baudenkmälern, Theatern und den Kirchen Orte der Identifikation. Es gilt, das Stadtbild als wesentlichen Imagefaktor stär- ker zu fördern. Die besonders markanten Orte sind in ihren historischen Strukturen stadträumlich stärker herauszuarbeiten. Die Stadt Bonn sollte am historisch gewachsenen Maßstab festhalten und damit ihre Proportionen wahren. Neue Strukturen sollten sich nur behutsam einfügen und keine his- torischen Zeugnisse der Baukultur verstellen. Bon- ner Baukultur bedeutet auch die Wertschätzung der repräsentativen Nachkriegsarchitektur des 20. Jahrhunderts. Mit der angestrebten Hinwendung zum Wasser erhält auch die Innenstadt-Silhouette vom Rhein aus eine neue Bedeutung. Im Rahmen der Profilierung des Bonner Images gilt es, vorhandene Potenziale wie die Universität stärker zu akzentuieren und die Stadt wieder als Bildungsstadt im Bewusstsein zu verankern. Die Universität ist seit jeher ein wichtiger Faktor der Stadtentwicklung. Einen weiteren Schub erhält die Universität mit der jüngsten Gesamtkonzeption für die zukünftige Standortentwicklung, die auch den Campus Poppelsdorf und den Campus City mit zu ihren Kernstandorten zählt. Städte mit einem positiven Image, einer attraktiven Innenstadt mit besonderem Flair und hohen Frei- raumqualitäten besitzen eine deutlich bessere Aus- gangslage im Wettbewerb mit anderen Städten. Auch Bonn buhlt um Unternehmerinnen und Un- ternehmer, Einwohnerinnen und Einwohner und Bürgerinnen und Bürger. Ziel zukünftiger Entwick- lungsaktivitäten sollte es daher sein, die beachtli- che baukulturelle Qualität, das vielfältige Angebot sozialer und kultureller Infrastruktur wie auch das Flair und die Atmosphäre öffentlicher Räume zu si- chern und qualitätvoll weiter zu entwickeln. Eine attraktive Wasser- und Ufernutzung kann da- bei – wie andere Städte zeigen – zu einer Visiten- karte einer Stadt und einem besonderem Image- träger werden. 3.2 Demografischer Wandel Es gibt kaum eine Veränderung, die die Gesell- schaft in Deutschland mehr beeinflussen wird als der demografische Wandel. Wir werden weniger, wir werden älter, wir werden vielfältiger. Mit die- sen drei Trends werden zahlreiche Städte in Zu- kunft zu kämpfen haben. Die Stadt Bonn scheint hinsichtlich dieser Entwicklungen gegen den Strom zu schwimmen. Die Prognosen sagen für die Stadt Bonn zukünftig einen weiteren Bevölkerungs- zuwachs voraus. Der Alterungsprozess der Bonner Bevölkerung wird für Bonn deutlich langsamer als für andere Städte und Gemeinden in Nordrhein- Westfalen vorausgesagt, sodass die Stadt im Jahr 2025, mit 44 Jahren ein vergleichsweise geringes Durchschnittsalter vorzuweisen haben wird. Ein entscheidender Faktor dabei ist der hohe Studie- rendenanteil, der den Alterungsprozess deutlich hemmt. In Relation zum Bevölkerungsanteil von 52.000 Einwohnerinnen und Einwohner, die der- zeit in der „Inneren Stadt“ wohnen, haben die rund 8.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ca. 27.000 Studierende der Universität Bonn einen positiven Einfluss auf die Bevölkerungsstruktur der Stadt Bonn. In Sachen Vielfalt liegt Bonn hingegen Koblenzer Tor 17.Seite 21 von 76 voll im demografischen Trend. Dafür sorgen zum einen die Studierenden, zum anderen sind im Zuge des gelungenen wirtschaftlichen Umbaus zur pros- perierenden Bundesstadt viele neue Arbeitneh- merinnen und Arbeitnehmer und deren Familien zugezogen. Die erwarteten Zuwächse der Bonner Bevölkerung für die kommenden Jahre können nach den Pro- gnosen nur dann erzielt werden, wenn die Stadt Bonn weiterhin für viele als Wohnstandort attraktiv ist und dadurch ein positives Wanderungsverhal- ten verzeichnet werden kann. Wie für alle Städte wird es daher auch für die Stadt Bonn entschei- dend sein, in den nächsten Jahren, Wohnraum zu erzeugen und die Wohnumfelder attraktiver zu gestalten. Bonn muss sich auf den Trend einrichten, dass in Zukunft mehr Menschen in der Innenstadt woh- nen wollen. In erster Linie werden dies – den Pro- gnosen nach – ältere Menschen sein. Gleichzeitig muss sich die Stadt damit auseinandersetzen, wie sie junge Menschen innerhalb der Stadtgrenzen halten oder aus anderen Städten abwerben kann. Eine Anpassung der zukünftigen Stadtentwicklung an diese beschriebene Situation bedeutet in erster Konsequenz, dass eine entsprechende Weiterent- wicklung des städtischen Wohnungsmarktes vorzunehmen ist. Hier müssen die Angebote auf verschiedenste Anforderungen eingehen. Wäh- rend dabei insbesondere für die älteren Stadtbe- wohnerinnen und -bewohner die Themen der Barrierefreiheit, betreutes Wohnen oder Gene- rationen-Wohngemeinschaften eine besondere Rolle spielen, ist beispielsweise für junge Fami- lien ein ausreichendes Maß an finanzierbarem, attraktivem und familiengerechtem Wohnraum bereitzustellen. In zweiter Konsequenz muss aber auch der Stadtraum an diese Situation angepasst werden. Sowohl ältere Menschen als auch Kinder verlangen nach einer orientierungssicheren und barrierefreien Gestaltung des öffentlichen Rau- mes. Generationenübergreifend werten die Bil- dungs- und Freizeitangebote das Lebensumfeld auf. Die Nahversorgung muss insgesamt stimmen. Die Lebensqualität steigt mit schwindenden Um- weltbelastungen wie Abgasen und Lärm. Es gilt, ein qualitätsvolles Wohnumfeld zu entwickeln, das mehrgenerationentauglich ist. 3.3 Kultur, Freizeit und Tourismus Die Stadt Bonn hat mit dem Imageträger Beet- hoven ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal im Bereich der Kultur. August Macke, einer der wich- tigsten Maler des Expressionismus, tritt dagegen bisher in den Hintergrund. Das gilt auch für das Imagethema Rhein. Mit dem Projekt „Stadt zum Rhein“ im Rahmen der Regionale 2010 wur- de jedoch ein Anfang gemacht. Nun gilt es, die- se Konzeption umzusetzen und die Innenstadt in Richtung Rhein zu öffnen. Öffnung ist ein gutes Stichwort. Die Universität sollte in Zukunft besser mit den bestehenden Kultur- und Bildungsangebo- ten kooperieren und umgekehrt. Last but not least Prognose der Bertelsmann Stiftung zum demografischen Wandel in der Stadt Bonn Quelle: http://www.wegweiser-kommune.de Bonner Oper und Umfeld 18Seite 22 von 76 müssen neben der „Hochkultur“ mehr Räume für subkulturelles Leben in der Stadt entwickelt wer- den, um dem studentischen Leben Freiräume in der Stadt zu geben. Planerisch bedeutet dies, Be- reiche der „Inneren Stadt“ offen zu halten, damit sich dort „kreative Milieus“ bilden können. Um im nationalen und internationalen „Konzert“ der Städte konkurrieren zu können, gilt es, vor- handenes Potenzial zu nutzen, um die Bonner Kulturlandschaft noch vielfältiger zu gestalten. Der Erhalt und die Stärkung vorhandener Kul- turangebote hat dabei Vorrang vor der Ent- wicklung neuer Angebote. Dazu ist eine Zusam- menarbeit der verschiedenen Institutionen wie der Stadt, wirtschaftlichen Institutionen und der Uni- versität wünschenswert. In den Innenstädten sind neben dem Infrastruktur- angebot auch kulturelle Einrichtungen zu stärken und altersübergreifende Angebote zu entwickeln, um die Innenstädte wieder zu beleben. Es bietet sich an, Partner in der Kultur- und Kreativwirtschaft für diese Entwicklung zu suchen, die leer stehende Gebäude und Brachflächen um- oder zwischen- nutzen. Wettbewerbe und Modellprojekte sind in diesem Zusammenhang ideale Plattformen für Kunstschaffende und Kreative. Für die Finanzie- rung können in geeigneten Fällen auch Fördermit- tel bereitgestellt werden. Bonn ist mit seinen Nachkriegsbauten ein begeh- bares Museum der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, museal abgerundet wird dies durch das Haus der Geschichte. Für Touristen ist die Stadt Bonn auch das Tor zum einzigartigen Rheintal. Diese touristi- schen Alleinstellungsmerkmale gilt es, noch besser zu kommunizieren. Weitere Impulse zur Stärkung der Lebendigkeit der Innenstadt werden durch die Events im öffentli- chen Raum gesetzt. In der jüngsten Vergangenheit ist jedoch vielfach zu beobachten, dass sich die Städte mit ihrer Veranstaltungsdichte überschla- gen. Bei der Programmentwicklung ist künftig darauf zu achten, dass Qualität vor Quantität steht. Darüber hinaus sollten auch die Anwoh- nerinnen und Anwohner durch Angebote ange- sprochen werden. Über den Event hinaus wissen Bewohnerinnen und Bewohner wie Besucherinnen und Besucher öffentliche Räume mit hoher Auf- enthaltsqualität und Freizeitangeboten zu schät- zen. Will man hingegen das Nachtleben aktivieren, bietet es sich an, räumliche Nischen in der Stadt abseits von Wohnquartieren zu suchen, um Nut- zungskonflikte zu vermeiden. 3.4 Grün- und Freiräume Durch die Stadtumlandkooperationen im Zuge der Regionale 2010 werden die regionalen Grünzüge – wie z.B. das Grüne C – künftig zu erlebbaren Land- schaftsräumen umgestaltet, die das Kultur- und Naturerbe der Region hervorheben. Diese Potenzi- ale gilt es, stärker mit der Freiraumstruktur der Stadt Bonn zu verknüpfen, wozu Bezüge in den Landschaftsraum weiter ausgebaut werden müs- sen. Der Rhein hat für die Stadtentwicklung eine zentrale Bedeutung, da er innerhalb des Stadtraums Qualitäten für Freizeit, Wohnen und Arbeiten ausbildet. Um die Erlebbarkeit der Fluss- lage zu stärken, ist die Zugänglichkeit des Rheins für unterschiedliche Nutzergruppen zu erhöhen und die Rheinpromenade umzugestalten, so dass höhere Aufenthaltsqualitäten angeboten werden können. Qualitätvolle Zugänge und attraktive Verbindungen an das Wasser werden momentan durch bauliche Barrieren verstellt, außerdem lässt die Gestaltung der Wegeverbindungen zu wün- schen übrig: „Es gibt keine Stadt am Rhein, die so wenig am Rhein liegt wie Bonn!“ (Zitat aus dem 1. öffentlichen Forum) Die Lage am Wasser sollte künftig zu einer „neuen Adresse“ führen und kann zu einer erfolgreichen Standortentwicklung der Stadtmitte beitragen. Dem Schutz und der Profilierung der vorhandenen Freiräume am Wasser kommt daher eine wesentli- che Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der „Inneren Stadt“ zu. Da es zudem keine oder nur wenige systematische Verbindungen zwischen den Luftbild der Poppelsdorfer Allee mit dem Botanischen Garten 19.Seite 23 von 76 verschiedenen Freiräumen gibt, gilt es neben dem Ausbau des bereits bestehenden innerstädtischen Freiraumsystems, Verknüpfungen zwischen den Grünräumen aufzubauen. Nicht nur um Aufenthaltsqualitäten für die Besu- cherinnen und Besucher der Stadt Bonn anbieten zu können, sondern auch um den „Wohnstand- ort“ der „Inneren Stadt“ zu stärken, sind die Wei- terentwicklung der vorhandenen Grün- und Freiräume und deren Vernetzung wichtige Ziel- setzungen des Masterplans. Zur Verbesserung der Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner sind eine nutzergerechte Ausgestaltung der Grün- flächen und die Zugänglichkeit zu den Freiräumen im Wohnumfeld wichtige Faktoren der künftigen Stadtentwicklung. Es gilt, neue konsumfreie Räu- me zu erzeugen, die als ruhige, grüne „Inseln“ im Stadtraum Rückzugsmöglichkeiten bieten. Sie leis- ten auch einen hohen ökologischen Beitrag und haben eine besondere Bedeutung für das Stadtkli- ma. Im Rahmen zukünftiger Entwicklungsaktivitä- ten gilt es, für etwaige Nutzungskonflikte frühzei- tig zu klären, inwieweit der Freiraumentwicklung Vorrang vor der Nachverdichtung von Arealen ge- währt werden soll. Neben der Aufwertung vorhan- dener Grünanlagen ist die Entwicklung von Freiflä- chen ein wichtiges Ziel in diesem Themengebiet. 3.5 Wohnen Die Stadt Bonn steht in den nächsten Jahren vor der Herausforderung einer wachsenden Bevölke- rung. Das stetige Bevölkerungswachstum führt zu einem angespannten Wohnungsmarkt, was bereits heute festzustellen ist. Flächenpoten- ziale zur Neuausweisung von Wohnbauland sind – wenn vorhandene Freiraumqualitäten der „Inne- ren Stadt“ gesichert werden sollen – nur begrenzt vorhanden. Zudem ändern sich auch in Bonn die Ansprüche an Wohnungen. Anforderungen an Größe, Zuschnitt und Ausstattung von Wohnun- gen entwickeln sich weiter. Das gilt sowohl für den Neubau von Wohnungen als auch für den Woh- nungsbestand. Der Status quo ist durch ein Neben- einander unterschiedlicher Quartiere mit jeweils ei- genen Qualitäten gekennzeichnet. Zum Teil liegen Stadtteile mit starkem Bevölkerungswachstum und Quartiere mit Bevölkerungsrückgang sehr dicht nebeneinander. Zwischen den nördlichen und den südlichen Wohnlagen existiert ein starkes Preisge- fälle auf dem Wohnungsmarkt. Einige Quartiere der „Inneren Stadt“ sind trotz ihrer unmittelbaren Nähe durch die Hauptverkehrsstraßen von der In- nenstadt abgeschnitten. Aufgrund der dichten Besiedelung sind die Städte von einer bevölkerungsstrukturellen Entwicklung, bedingt durch den demografischen Wandel sowie die Pluralisierung (Ausdifferenzierung der Lebens- stile), in besonderem Maße betroffen. Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsprojektes „Kommunale Konzepte: Wohnen“ wurde für die Entwicklung der Stadt Bonn ein dynamisches Konzept erarbei- tet, mit dem Ziel, für verschiedene Standorttypen und Nachfragergruppen Handlungsempfehlungen zu geben und somit eine „nachfrageorientierte Mietlagenkarte der Stadt Bonn (Stand 01.06.2011) Quelle: Stadt Bonn • Gutachterausschuss für Grundstückswerte Mietlagenwerte: sehr gut gut mittel einfach Hofgarten 20Seite 24 von 76 Angebotspolitik“ zu betreiben. Ein Ergebnis ist, dass integrierte und gemischte Wohnkonzepte sowohl für ältere Menschen als auch für Familien mit Kindern sinnvoll erscheinen. Der Trend „Zurück in die Stadt“ wurde für die Zielgruppe der älteren Menschen mit Veränderungsbedarf und die „Emp- ty-Nest“-Haushalte bestätigt. Diese Nachfrage gilt es zu bedienen. Neue Wohn- projekte wie die „Wahlverwandtschaften“ oder das Wohnprojekt „Amaryllis“ im Stadtteil Beu- el, haben Modellcharakter für die Bildung neuer Gemeinschaftsformen, die auch über das Bonner Stadtgebiet hinaus Wirkung zeigen. Nur mangelt es momentan an flächendeckenden Angeboten nachbarschaftlicher Wohnformen und kleinerer Wohnungen mit guter infrastruktureller Versor- gung. Die Planung konzentriert sich derzeit auf die Identifikation von Flächenpotenzialen, die kurz- bis mittelfristig projektiert werden sollen. Eine Schlüsselaufgabe für die Stärkung des inner- städtischen Wohnens stellt das Ausbalancieren zwischen der Entwicklung neuer Wohnangebote durch Nachverdichtung, Ertüchtigung des breiten Wohnungsbestandes und der Berücksichtigung vorhandener Freiraumqualitäten dar. Für die Pla- nung und Gestaltung des Wohnraums gilt das Prinzip der Flexibilisierung, um auf die sich än- dernden Bedürfnisse der Zielgruppen reagieren zu können. Es etablieren sich aktuell Wohnkonzepte wie generationsübergreifende Projekte, aber diese brauchen in der Weiterentwicklung Spielräume, da die Ausdifferenzierung dieser Wohnformen noch nicht abgeschlossen ist. Zu achten ist auf die Ent- wicklung von preiswertem Wohnraum, da inner- städtische Lagen in Teilbereichen den oberen Rand des Preisniveaus bilden und so die Alternative des Stadtrandhauses für viele realisierbarer erscheint. Um der Abwanderung in die Vorstadt entgegen- zuwirken, sind die Gründung neuer Trägerschaften und andere Kooperationsformen zu fördern. Wie schon im Themenfeld „Demografischer Wandel“ beleuchtet, ist die Aufwertung des gesamten Wohnumfeldes von zentraler Bedeutung. Einzel- handel und Dienstleistungen, öffentlicher Raum und Verkehr sowie die soziale Infrastruktur sind auf die Wachstumszielgruppen, ältere Menschen und Familien mit Kindern, auszurichten. 3.6 Öffentlicher Raum und Einzelhandel In der Stadt Bonn besteht nicht nur auf innerstädti- scher Ebene sondern ebenfalls im Vergleich zu an- deren Kommunen der Region im Rhein-Sieg-Kreis mit der City ein wirtschaftlich starkes Handels- zentrum. Mit mehr als 120.000 qm Einzelhan- delsfläche weist die City annähernd ein Drittel der gesamtstädtischen Handelslagen auf. Zudem zeigt sich die Bonner Bevölkerung als sehr kaufkräftig. Was die Einzelhandelszentralität angeht, fällt die Stadt jedoch hinter seinen Nachbarn Siegburg zu- rück. Kurze Wege und ein vielfältiges Spektrum an Einzelhandelsangeboten sowie kulturellen und in- stitutionellen Einrichtungen tragen zu der Attrak- tivität der Bonner City bei. Neben den Filialisten, die für die Anziehungskraft über die Stadtgrenzen hinaus von hoher Bedeutung sind und wesentlich auf die Stabilität der Einzelhandelsstruktur wirken, verleiht der Besatz an inhabergeführten Ge- schäften in der Innenstadt sowie die in vielen Be- reichen wahrzunehmende historische Baustruktur der City ein besonderes Flair. Darüber hinaus ist für Bewohnerinnen und Bewohner der Innenstadt die Nahversorgung gewährleistet, die zudem durch Wohnen in der Thomas-Mann-Straße Geschäftslage am Münsterplatz Sternstraße 21.Seite 25 von 76 eine Reihe angrenzender Ortsteilzentren ergänzt wird. Mit Wegen geringer als 500 Metern zum nächstgelegenen Lebensmittelbetrieb ist die Nah- versorgungssituation in der „Inneren Stadt“ Bonn insgesamt als gut zu bezeichnen. Die Bonner City erhält ihre identitässtiftende Wir- kung aus der Kompaktheit der Innenstadt, aus der Vielzahl attraktiver öffentlicher Räume, den in ei- nigen Teilbereichen wahrnehmbaren historischen Baubeständen sowie ihrer funktionalen Dichte und Vielfalt. Das umfassende Angebot und das breite Spektrum an Handelseinrichtungen ma- chen daneben die Anziehungskraft der Bonner Innenstadt aus. Den bestehenden Mix aus Han- dels-, Dienstleistungs- und Kulturangeboten gilt es weiterhin zu sichern und die oberzentrale Versorgungsfunktion der City zu stärken, um die Vorrangstellung im interkommunalen Wettbewerb nicht zu verlieren. Neben der rein quantitativen Ausstattung der City an Einzelhandelseinrichtungen ist dies eben- falls durch eine attraktive Nutzungsmischung an Dienstleistungs-, Gastronomie, Kultur- und Wohn- einrichtungen zu stärken. Der Handelsstandort Bonn hat eine Alleinstellung aufgrund der inhaber- geführten Angebote am Branchenmix, der andern- orts vor allem durch die übliche Zusammensetzung aus Filialisten, Kaufhäusern und Einkaufszentren Standort Sparkasse Standort Stadthaus Standort Bahnhofsumfeld Kölnstraße Versorgungsbereiche in der „Inneren Stadt“ Bonn Quelle: Stadt Bonn • Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept, 2008 Bonner Innenstadt Nordstadt Weststadt Beuel Vilch Arndtstraße Bonner Talweg / Rittershausstraße Südstadt / Weberstraße Endenich Poppelsdorf KessenichLengsdorf Amsterdamer Straße Alt-Tannenbusch Standort Viktoriabad existierender Versorgungsbereich Standort zur Neuentwicklung 22Seite 26 von 76 geprägt ist. Diese Mischung bedarf einer stetigen Beachtung in der Gestaltung der Innenstadt. Denn durch die Aufgabe großer Kaufhäuser und Fach- handelsgeschäfte kann die Gefahr bestehen, dass diese erschüttert wird. Um die Attraktivität der Einzelhandelsangebote in Zukunft sicherzustellen, ist zu prüfen, an wel- cher Stelle in der Innenstadt geeignete Flächen gefunden werden können, mit denen durch die Entwicklung neuer Handelslagen eine gute Ein- bindung in die bestehende Einzelhandelsstruktur gewährleistet werden kann, so dass der Bestand sinnvoll ergänzt und Synergieeffekte erzielt wer- den können. Durch die Entwicklung neuer Flächen- angebote soll keine Verlagerung der bestehenden Passantenströme erfolgen, sondern sie sind in die bestehenden Lagen zu integrieren. Neben den Flächen, die derzeit mit dem Neubau der Sparkas- senzentrale entwickelt werden, existieren mit dem Standort des stillgelegten Viktoriabades, mit den Entwicklungsoptionen am Standort des Stadthau- ses sowie den Flächen im Bahnhofsumfeld weitere drei Areale für eine nennenswerte Gestaltung des Einzelhandels in der Bonner City. Über Umfang, Lage, Maßstab und Dichte möglicher Neuentwick- lungen bestehen in der hiesigen Diskussion unter- schiedliche Auffassungen. Des Weiteren sollten nicht nur die „Toplagen“ der City im Fokus stehen, sondern auch die preisgüns- tigeren Einzelhandelslagen in den Randzonen miteinbezogen werden, um allzu großen Dispari- täten innerhalb der City entgegenzuwirken. Dazu sind Strategien zu entwickeln, wie private Einzel- handelstreibende besser in zukünftige Entwick- lungsaktivitäten einbezogen und die Kooperati- on zwischen privaten und öffentlichen Akteuren nachhaltig gestärkt werden können. Im Rahmen der Standortentwicklung spielt für die Sicherung der Einzelhandelsstruktur ebenfalls die Erreichbar- keit und Organisation des ruhenden Verkehrs eine entscheidende Rolle. Als A-Zentrum ist die Innen- stadt nicht nur über den öffentlichen Verkehr gut anzubinden, ebenfalls ist die gute Erreichbarkeit für den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu gewährleisten. 3.7 Arbeit und Wirtschaft Die Bonner City besitzt mit ihren zentralen Han- dels- und Dienstleistungslagen eine hohe Wirt- schaftskraft innerhalb des gesamten Stadtgebie- tes, deren Funktion es weiterhin zu stärken gilt. Der ausgebaute Dienstleistungsstandort spielt auf dem Büroflächenmarkt eine wichtige Rolle. Die Innenstadt erweist sich bereits heute als wich- tiger Wirtschaftsstandort nicht nur für die Stadt Bonn, sondern für die gesamte Region. Die City stellt damit nicht nur für die Bürgerinnen und Bür- ger, sondern auch für den Wirtschaftssektor einen wichtigen Repräsentationsraum dar. An ihr lässt sich stellvertretend die Leistungsfähigkeit einer Stadt ablesen. Im Rahmen künftiger Entwicklungs- aktivitäten bedarf es daher der Sicherung großer Arbeitgeber in der Innenstadt, damit Arbeitsplätze Brachenverteilung der Bonner Wirtschaftssektoren für den Bereich der „Inneren Stadt“ Bonnfür den Bereich der Gesamtstadt Bonn Luftbild der Bonner Universität 23.Seite 27 von 76 durch Verlagerung von Unternehmenssitzen nicht verloren gehen und Kaufkraft nicht schwindet. Zu den wichtigen Arbeitgebern der „Inneren Stadt“ zählt die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Univer- sität. Die Sicherung von Flächen zur Entwicklung der Universität in der „Inneren Stadt“ besitzt da- her eine hohe Priorität, zumal die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Studierenden erheblich zur Vitalität der Stadt beitragen. Daneben gibt es bereits Profile, die es in Zukunft auch weiterhin zu stärken gilt. Hier sind die Bestrebungen für den Ausbau des UNO-Standortes und zur Siche- rung der Bundeseinrichtungen im Stadtgebiet zu nennen. Wichtig ist die Weiterentwicklung der Wirt- schaftscluster aus den Bereichen der Gesund- heitswirtschaft, der Informations- und Kom- munikationstechnologien und der Sparte der Geoinformationsbranche. Gerade in der Bonner Wissenslandschaft sind positive Wechselwirkun- gen für die Entstehung neuer Unternehmensfel- der zu erwarten. Darüber hinaus bietet Bonn mit seinen börsennotierten Unternehmen im Kom- munikations- und Informationstechnologiesektor weitere Potenziale für die Bildung weiterer Arbeits- plätze. Die großen Arbeitgeber in der Stadt binden wiederum kleinere Dienstleistungseinrichtungen, Kanzleien, Praxen und Büros. Wie bereits in den verwandten Themenfeldern konstatiert, spielen wachsende Ansprüche an Le- bens- und Arbeitsumfeld für die Akquisition qua- lifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine steigende Rolle. Dazu zählen ansprechende Wohnlagen, attraktive Stadtzentren mit einem umfangreichen Angebotsspektrum aus Handels-, Kultur-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen sowie hohe Frei- und Grünraumqualitäten. 3.8 Nachhaltige Mobilität Hauptbahnhof und Busbahnhof (ZOB) schließen die „Innere Stadt“ Bonn an den öffentlichen Per- sonennahverkehr (ÖPNV) an. Allerdings fehlt es stadtgestalterisch an einem einladenden Entrée in die Stadt. Nach wie vor bildet das Zentrum in seiner Funktion als Wirtschaftsstandort ein wichtiges Ziel für den MIV und den Lieferverkehr. Den ruhenden Verkehr bedient ein dichtes Netz von Parkhäusern, Beruhigung des MIV ist und bleibt allerdings ein zentrales Thema in Bonn. Gleichzeitig gilt es, über die Fußgängerzonen und die öffentlichen Plätze in der Innenstadt die Fußläufigkeit – das schnelle Erreichen unterschiedlicher Nutzungen und Funk- tionen in der „Inneren Stadt“ – und das Radver- kehrssystem weiter zu stärken. Bonn hat sich für das Jahr 2020 das Ziel gesetzt, Fahrradhauptstadt zu werden. Das erfordert ein hierarchisches System für den Alltagsverkehr. Der Radverkehrsanteil in der Stadt Bonn soll mittel- bis langfristig deutlich auf 25% gesteigert werden. Für die „Innere Stadt“ Bonn bedeutet dies in Zu- kunft ein alternatives Mobiltitätskonzept zu ent- wickeln. Neben einem zuverlässigen öffentlichen Verkehrssystem müssen attraktive Fuß- und Rad- wegeverbindungen treten. Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel ist ein sicherer Fuß- verkehr für alle Nutzergruppen herzustellen. Für die Erreichbarkeit von Zentren wird dem motori- sierten Verkehr von Seiten der Wirtschaft hohe Pri- orität zugesprochen. Um jedoch die „Innere Stadt“ Bonns für Besucherinnen und Besucher und für Be- wohnerinnen und Bewohner lebenswert zu gestal- ten, bedarf es Alternativen wie der E-Mobilität und Umverteilungsprojekten wie Carsharing. Es geht aber auch um das Ausloten von Planungsspielräu- men und das Infragestellen althergebrachter Ver- kehrsgewohnheiten. Andere deutsche Städte wa- gen dies über Modelle wie shared space. Dies sind Mischverkehrsräume, in denen sich MIV, ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehre gleichberechtigt ne- beneinander bewegen. Zudem sind gestalterische Maßnahmen im Be- reich der Verkehrsräume zu beachten. Das schließt die Neugestaltung von Straßenräumen zur Verbes- serung der Aufenthaltsqualität mit ein. Es gilt, die Quartiere, die mitunter durch Verkehrsbarrieren voneinander getrennt werden, durch komfortab- lere Querungsmöglichkeiten miteinander zu ver- binden. Im Zuge dieser Zielsetzung drängt sich das mehrfach erwähnte Handlungsfeld „Innere Stadt zum Rhein öffnen“ nach vorne. Hier soll die par- tielle, aber wesentliche Qualität des Stadtraumes, die Wasserlage, neu inszeniert werden. 3.9 Klima, Energie und Umwelt Der Klimawandel und seine Folgen sind in Deutsch- land mittlerweile deutlich spürbar. Auch die Stadt- planung kommt nicht umhin, sich mit den klima- tischen Veränderungen und ihren Auswirkungen auf die Gestaltung von Stadträumen auseinander- zusetzen. Neben den Themen Wärmeinseln, Wind- feldern, Versiegelung und Schadstoffbelastung steht für die Stadt Bonn der Hochwasserschutz im Fokus. Spätestens seit den beiden Jahrhun- Bonner ZOB 24Seite 28 von 76 derthochwassern von 1993 und 1995 wissen die Verantwortlichen, vor welchen großen Herausfor- derungen sie von Zeit zu Zeit stehen werden. Da- mals kam es zu Rekordpegelständen von über 10 Metern, die bis dato für die Rheinanwohnerinnen und -anwohner und städtischen Behörden unvor- stellbar gewesen waren. Im Masterplan wird eine Aufwertung und Neu- gestaltung des Uferbereiches der „Inneren Stadt“ empfohlen. Für diesen Bereich stellt sich die Hoch- wassergefahr zwar weniger kritisch dar, es gilt je- doch auch hier das Gebot der Wachsamkeit. So sollten auch an dieser Stelle, trotz eines effektiven Hochwasserschutzes von mehr als 7,5 Metern im Bereich des „Alten Zolls“, stets die drohenden Gefahren kalkuliert werden. Darüber hinaus ist zu erwägen, inwieweit das Thema Hochwasser auch gestalterisch wirksam werden kann. Beispielsweise gibt es in der HafenCity Hamburg Terrassen, die bei Hochwasser geplant geflutet werden können. Hierüber führt man „unbequeme“ Themen wie die Folgen des Klimawandels in das öffentliche Be- wusstsein ein. Durch den Klimawandel werden die ohnehin be- stehenden Probleme eines Stadtklimas verschärft. Durch die von der Sonne aufgeheizten Gebäude entstehen Wärmeinseln, durch den mangelnden Luftaustausch mit dem Umland werden städtische Windfelder verursacht. Plötzliche und unerwartet starke Niederschläge überschwemmen die versie- gelten Flächen und fluten die Kanalisation. In Ver- längerung dieser symptomatischen Problematik muss sich die zukünftige Stadtentwicklung prä- ventiv mit den Aufgabenfeldern des Klimaschutzes z.B. energieeffiziente Mobilität, energetische Sa- nierung von Gebäuden, sorgfältiger Umgang mit erneuerbaren Energien und der Ressource Boden beschäftigen. Ressourcenorientierte Infrastrukturplanung und Eindämmung des Flächenverbrauchs sind wichtige Stichwörter in diesem Bereich. Auch die Revitali- sierung innerstädtischer Brachflächen und Baulü- cken fördert die Innenentwicklung und reduziert die Flächeninanspruchnahme einer Stadt. Einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung gelingt es eine ausgeglichene Flächeninanspruchnahme zu forcieren, deren Ergebnis eine gute Balance zwi- schen einer strukturierten Nachverdichtung und der Entwicklung qualitativ hochwertiger Freiräume im Stadtraum ist. Luftbild der Bonner Innenstadt Baulücke an der Bornheimer Straße 25.Seite 29 von 76 26 Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“Entwicklung des Viktoriabadareals zu einem gemischt genutzten Quartier inklusive WohnnutzungenEntwicklung der Ermekeil- kaserne als einen besonderen Standort in der SüdstadtEntwicklung des Standortes Poli- klinik zu einem gemischt genutzten Quartier inklusive WohnnutzungenGestalterische Aufwertung der Bornheimer Straße zur Verbes- serung des WohnumfeldesGestalterische Aufwertung der Kölnstraße zur Verbes- serung des WohnumfeldesEntwicklung des Standortes Kinder- klinik zu einem gemischt genutzten Quartier inklusive WohnnutzungenGestalterische Aufwertung des Chlodwigplatzes, um Aufent- haltsqualitäten zu erzeugenAusschöpfen der Flächen- potenziale für studentische Wohnformen 4. Handlungsfelder der StadtentwicklungSeite 30 von 76 27. Fünf zentrale Handlungsfelder wurden formuliert. Diese orientieren sich an den thematischen Zielset- zungen der Stadtentwicklung und repräsentieren die Ziele für die künftige Gestaltung der „Inneren Stadt“ Bonn. In der Beschreibung der Handlungs- felder werden die zentralen Herausforderungen und Aufgaben benannt, die es im Rahmen einer zukunftsfähigen Gestaltung der „Inneren Stadt“ zu lösen gilt. 4.1 „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“ Die Aufgabe, die „Innere Stadt“ als Wohnstand- ort zu stärken, teilt sich in die Ertüchtigung der Wohnungsbestände als auch in die Entwicklung neuen Wohnraums. Dazu sind in der „Inneren Stadt“ fehl- oder mindergenutzte Standorte so- wie innerstädtische Baulücken und Brachflächen zu betrachten. Eine Mobilisierung integrierter und brach gefallener Flächen, ein gezieltes Leerstands- management spielen eine wichtige Rolle für die Identifikation neuer Wohnpotenziale. Bei allen Flächenoptionen ist die Entwicklung zu gemischt genutzten Strukturen, welche neben Wohn- auch Büro- oder Dienstleistungsnutzungen oder auch Kulturfunktionen beinhalten, wesentliche Zielset- zung des Masterplans „Innere Stadt“. Im nördlichen Bereich der „Inneren Stadt“ beste- hen Flächenpotenziale für Neubauten. Hier sind die Standorte der Poliklinik und der VHS an der Wilhelmstraße als auch die Standorte Zahnkli- nik / Finanzamt und das Johanneshospital zu nennen. An der Bornheimer Straße gesellt sich das Areal der ehemaligen Kurfürstenbrauerei dazu. Im östlichen Bereich der Bonner Innenstadt sind im Zuge der Umstrukturierung des Viktoriabad- areals unterschiedliche Funktionen an dem Stand- ort zu erzeugen, wobei auch Wohnnutzungen rea- lisiert werden sollten. Im südlichen Bereich der „Inneren Stadt“ stellen die Ermekeilkaserne und die Kinderklinik die beiden einzigen großflächigeren Flächenoptionen dar, die erkennbar eine Umgestaltung zulassen. Für beide Gebiete gilt, auch grüne Freibereiche für die neuen Wohnnutzungen aber auch die schon vorhandenen angrenzenden Wohnlagen zu erzeugen. Ein Schwerpunkt im Bestand bilden die Wohnla- gen an der Kölnstraße und ebenso an der Born- heimer Straße. Beide Teilbereiche weisen neben gestalterischen Defiziten in den Bestandsgebäu- den eine erhebliche Verkehrsbelastung auf, so dass insbesondere in diesen Lagen bedingt durch die hohen Verkehrsströme und die Lärmemissi- onen vermehrt Leerstände zu verzeichnen sind. Durch Eingriffe in den Verkehr lassen sich deutli- che Verbesserungen der Wohnqualität erzeugen. Durch eine attraktivere Gestaltung der öffentlichen Räume können Anreize gebildet werden, private Investitionen in die Modernisierung der Wohnbe- stände freizusetzen. Daher ist zu prüfen, inwieweit Verkehre aus der Bornheimer Straße und der Köln- straße herausgenommen und andere ergänzende Maßnahmen durchgeführt werden können. Neben der Bildung neuer Wohnangebote für unterschiedliche Nachfragegruppen ist für eine Wohnstandortwahl die Hebung der Lebens- und Wohnqualität in den verschiedenen Quartieren von entscheidender Bedeutung. Eine ausreichende Versorgung mit attraktiven Freiräumen und Grünanlagen in der direkten Wohnumgebung, VHS Wilhelmstraße Wohnlagen an der Bornheimer Straße Blick vom Dach des Stadthauses auf den Alten FriedhofSeite 31 von 76 28Entwicklung des Bahnhofumfeldes mit EinzelhandelsnutzungenEntwicklung der Erdge- schosszone des Stadthauses mit EinzelhandelsnutzungenSicherung der Kleinteiligkeit der EinzelhandelsstrukturStärkung der Wegebezie- hungen von der Innen- stadt in Richtung RheinEntwicklung des Viktoriabades zu einem gemischt genutzten QuartierStädtebauliche Aufwertung des Kaiserplatzes und des Vorbereiches der KreuzkircheÖffnung des Bonner Münsters als Ruhebereich in der Innenstadt Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „City gestalterisch und funktional stärken“ das Sicherstellen der wohnungsnahen Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfes und auch die Nähe zu sozialer Infrastruktur sind wesentliche Rahmenbedingungen für die zukünftige Stadt- entwicklung. Potenziale zur Entwicklung der Frei- flächen bieten für den nördlichen und westlichen Bereich der „Inneren Stadt“ eine gestalterische Aufwertung und Weiterentwicklung der Freiberei- che (unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes) in der Umgebung der Beethovenhalle, des Alten Friedhofes und des Baumschulwäldchens. Auch das Viktoriadreieck bietet die Chance zur Entwick- lung einer Grünanlage. Für den südlichen Bereich der „Inneren Stadt“ bekommt die Grünfläche um die St. Elisabeth-Kirche eine neue Bedeutung, um künftig verstärkt für angrenzende Wohnlagen als Frei- und somit als Erholungsbereich zu dienen. Auch lassen sich die Freiraumqualitäten des Sport- platzes, der südlich der Reuterstraße / Ecke Haus- doffstraße in der Nähe der Ermekeilkaserne liegt, in Zukunft stärker einbeziehen. 4.2 „City funktional und gestalterisch stärken“ Für die künftige Entwicklung der „Inneren Stadt“ aber auch für die Gesamtstadt stellt die Gestaltung der City eine der wesentlichen Aufgaben der Stadt- planung dar. Dauerhafte Herausforderungen an die Entwicklung der Innenstadt werden – beispiels-Seite 32 von 76 29. weise durch immer kürzere Modernisierungsinter- valle im Einzelhandel – gestellt. Eine barrierefreie Gestaltung aufgrund demografischer Verände- rungen sind in diesem Zuge nur einer von vielen Aspekten, die einen Anpassungsbedarf an die Ge- staltung öffentlicher Räume wie auch an Gebäu- den begründen. Im Kern aller Aktivitäten geht es darum, die Attraktivität der Innenstadt zu stärken und die Imagewirkung weiterzuentwickeln. Kleinteilige Handelsstrukturen in vorwiegend historischen Gebäuden sind charakteristisch für das Flair der Bonner Innenstadt. Diese konzentrie- ren sich im Norden des Zentrums um die Bereiche der Sternstraße, der Friedrichstraße und der Bonn- gasse. Im Rahmen der Bestandssicherung und einer zukunftsfähigen Gestaltung preiswerter Handelsla- gen bieten sich durch eine bessere Verknüpfung dieser Standorte mit den Einzelhandelslagen der Nordstadt neue Potenziale. Soll das gelingen, muss die Barrierewirkung der Oxfordstraße und des Bertha-von-Suttner-Platzes abgebaut werden. Entwicklungspotenziale bieten sich darüber hinaus durch die Zusammenlegung einzelner Geschäfte innerhalb geschlossener Baublöcke durch eine hof- seitig geführte Passage. Neben der Förderung kleinteiliger Geschäftsein- heiten, bedarf es der Bereitstellung geeigneter Flächen für eine Modernisierung großflächiger Einzelhandelsstrukturen, da diese wichtige An- gebote mit hoher Anziehungskraft für Besucherin- nen und Besucher von außerhalb darstellen und den Kaufkraftzufluss nach Bonn positiv begüns- tigen. Von den in der Diskussion stehenden drei Standorten in der Bonner City wird das Areal am Bahnhof für eine derartige Entwicklung favorisiert. Für den Bahnhof als Standort spricht die verkehrli- che Anbindung, aber auch, dass die existierenden Lauflagen in der Innenstadt keine Veränderungen erfahren. Darüber hinaus wird mit der Ertüchti- gung des Stadthausumfeldes ein weiteres Potenzi- al für zusätzliche Einzelhandelsangebote gesehen. Damit erfährt die gut frequentierte Lauflage des Stadthauses eine zusätzliche Stärkung, die auch für die Anbindung der Nordstadt an die Bonner City einen Vorteil darstellt. Eine funktionale Neu- gestaltung des Stadthaussockels ergibt zusammen mit einer räumlichen Verlagerung des Verkehrs zur Erschließung der Parkgarage Chancen, aus dem Korridor ähnlichen Stadtraum entlang der Max- straße und des weiteren Umfeldes am Stadthaus neue Aufenthaltsqualitäten im öffentlichen Raum zu generieren. Neben diesen beiden Standorten befindet sich durch die Aufgabe des Viktoriabades ein weiteres Flächenpotenzial am östlichen Rand der Innen- stadt. Als Entwicklung wird hier eine moderate Erweiterung von Einzelhandelsflächen als sinnvoll erachtet, wenngleich sich für den Standort auf- grund der Nähe zum Hauptgebäude der Univer- sität sowie zum Rhein zusätzliche Nutzungsmög- lichkeiten anbieten. Neben der Etablierung von Einzelhandels- und Gastronomieangeboten wer- den als zusätzliche Optionen die Entwicklung von Wohnnutzungen sowie Erweiterungsangebote für die Universität gesehen. Die beachtliche baukulturelle Qualität, das viel- fältige Angebot sozialer und kultureller Infrastruk- tur wie auch das Flair und die Atmosphäre öffent- licher Räume zu sichern und qualitätvoll weiter zu entwickeln, sind ebenso wichtige Zielsetzungen des Handlungsfeldes. Neben der Bereitstellung von Flächen für notwendige Modernisierungen im Luftbild Bahnhofsbereich Belderberg Kaiserplatz mit Blick auf das Bonner MünsterSeite 33 von 76 30Stärkung der Freiraumqualitäten im Umfeld der Beethovenhalle / Verbesserung der Verbindung zwischen Stiftsplatz, Beethovenhalle und RheinDifferenziertes Wegesystem entwickeln: Fußgängerverbin- dungen barrierefrei gestaltenDifferenziertes Wegesystem ent- wickeln: Komfort der Wegeführung für Radfahrer optimierenDifferenziertes Wegesystem ent- wickeln: Komfort der Wegeführung für Radfahrer optimierenAufwertung und Gestaltung des Rheinufers und der RheinpromenadeVerbesserung der Radverkehrs- und MobilitätsangeboteStärkung der Zugänglichkeit zum Rhein zwischen Bischofsplatz und Altem ZollNeugestaltung des Platzbereiches / Aufwertung der Grünstrukturen im Umfeld RömerkranStädtebauliche Gestaltung des Umfeldes der Oper / Aufwertung der Verbindung zum Rhein zwischen Marktplatz, Brüdergasse und OperHerstellen von SichtbeziehungenNeugestaltung der Platzbereiche an den Zugängen zum Rhein, Öffnung der Blickbeziehungen zum Wasser Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „Innere Stadt zum Rhein öffnen“ Einzelhandel kommt der Inwert-Setzung der Bon- ner Baukultur eine entscheidende Rolle zu, um zur Schärfung des Images der Innenstadt beizutragen. Das Bonner Münster mit dem Martinsplatz, Keimzelle der historischen Entwicklung, ist einer der räumlichen Impulse der künftigen Stadtent- wicklung. Aktuell stellt der Bereich jedoch einen wenig qualitätvollen Teilabschnitt in der City dar. Deren Wahrnehmbarkeit wird durch die verkehr- liche Abwicklung über den Martinsplatz und die Straße Am Neutor erheblich eingeschränkt. Die räumliche und visuelle Verknüpfung des Bonner Münsters mit der Kreuzkirche wie auch die Ein- bindung der Universität und des angrenzenden Viktoriabad Areals in die Innenstadt werden durch BrüdergasseSeite 34 von 76 31. die Barrierewirkung des Cityrings erschwert. Für diesen – gerade auch wegen seiner räumlichen Enge vom Verkehr dominierten – Bereich sind Möglichkeiten zu prüfen, wie die Barrierewirkung abgebaut werden kann. Eine verkehrliche Neuord- nung im Vorbereich der Kreuzkirche und des Kai- serplatzes bietet das Potenzial, das Bonner Müns- ter zusammen mit der Kreuzkirche effektvoller miteinander zu verknüpfen. Damit rücken auch die Innenstadt und der Hofgarten enger aneinander, so dass die Scharnierfunktion des Kaiserplatzes innerhalb des Stadtgefüges eine höhere Bedeu- tung erhält. Durch die gestalterische Aufwertung können Räume mit unterschiedlichen Verweilqua- litäten entwickelt werden. So bietet neben dem Kaiserplatz ein umgestalteter Martinsplatz Mög- lichkeiten zur Belebung der Stadt. Mit einer stär- keren Einbeziehung des Kreuzganges würde sich darüber hinaus innerhalb der Innenstadt ein intro- vertierter Raum anbieten, in dem man den sonsti- gen Trubel der Stadtkulisse hinter sich lassen kann. 4.3 „Innere Stadt zum Rhein öffnen“ Der Rhein durchquert das Stadtgebiet von Bonn und bietet als Erholungsraum mit den angren- zenden Flächen enorme Potenziale für verschie- dene Nutzungen. Unterschiedlicher könnten die Rheinufer in Bonn allerdings nicht sein: Auf der rechtsrheinischen Seite ist der Uferbereich mit dem Stadtteil Beuel und den angrenzenden Wohn- gebieten unmittelbar vernetzt, während auf der linksrheinischen Seite die Verbindung an den Rhein nur in wenigen Bereichen erkennbar ist. Geprägt ist der Raum durch Bundesbauten, dem markanten Post-Tower und meist für Büronutzung geprägte Villen. Im nördlichen Abschnitt der Rheinpromena- de bestimmen Wohnnutzungen und gastronomi- sche Angebote den Raum. Es bestehen fast keine direkte Wegeverbindungen von der Innenstadt bis hin zum Rhein, räumliche Barrieren erschweren die Erreichbarkeit des Flusses und Gebäude und Gärten sind von der Uferprome- nade nicht einsehbar. Um die Attraktivität dieser Be- reiche und die Erlebbarkeit des Rheins zu verbessern, bedarf es einer Aufwer- tung und Gestaltung des Rheinufers und der Rheinpromenade. Um die Stadtsilhouette mit be- sonderen Akzenten deut- licher in den Vordergrund zu stellen, ist das Rheinu- fer als Standort für Kultur, Gastronomie und Wohnen weiterzuentwickeln. Ne- ben öffentlichen Räumen können auch private Flä- chen zum Wasser geöffnet werden, um Standortqualitäten auszubilden. Die Orientierung zwischen Rheinufer und Innenstadt ist in weiten Teilen verbesserungswürdig, da vor- handene räumliche Barrieren wie Verkehrstrassen die Wegeverbindungen in Richtung Rhein behin- dern. Um eine Öffnung der „Inneren Stadt“ in Richtung Rhein zu ermöglichen, sind Beziehungen zum Rhein bereits in der City zu erzeugen. Um für unterschiedliche Nutzergruppen die Zugänglich- keit zum Rhein zu gewährleisten, gilt es, Verknüp- fungen zum Wasser barrierefrei und orientie- rungssicher zu gestalten. Auch sollten Korrespondenzen zum Beueler Ufer hergestellt werden, um Verbindungen zwischen den beiden Rheinufern auf- bzw. auszubauen. Ins- besondere sind Querungspunkte wichtig, so dass die Qualität der Brückenköpfe stärker in den Fokus genommen werden muss. Platzbereiche an den Zugängen zum Rhein sind zudem neuzugestalten, so dass Blickbeziehungen zum Wasser in den un- terschiedlichen Teilbereichen der „Inneren Stadt“ gestärkt werden. Derzeit bestehen im Ufer- bereich der Beethoven- halle Gestaltungsdefizite, so dass der Bereich seiner repräsentativen Funktion sowie seiner wichtigen stadträumlichen Bedeu- tung nicht mehr gerecht wird. Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität sind die Freiraumqualitäten im Umfeld der Beethoven- halle zu stärken. Hier sind die Flächen dem denkmal- würdigen Charakter ent- sprechend aufzuwerten. Um die Verknüpfungs- wirkung zu verbessern, ist die Verbindung zwi- schen dem Stiftsplatz, der Beethovenhalle und dem Rhein auszubauen.Rheinpromenade - Erzberger Ufer Vorbereich an der OperSeite 35 von 76 32Herstellen einer barrierefreien Verbindung zwi- schen dem Güterbahnhofareal und der NordstadtStärkung der Verbin- dungsachse Poppels- dorfer Allee durch eine Gestaltung der UnterführungExpansion und Kon- zentration der Bonner Universität an den Standorten Campus City, Poppelsdorf und EndenichAusbilden einer attrak- tiven PlatzgestaltungVerknüpfung über die Immen- burgstraße und die Haltestelle Bonn-West herstellenEntwicklung des Standortes Kinderklinik zu einem gemischt genutzten Quartier inklusive UniversitätsnutzungenEntwicklung des Standortes Viktoriabad zu einem gemischt genutzten Quartier inklusive UniversitätsnutzungenStärkung der attraktiven Verbin- dungsachse Poppelsdorfer AlleePotenziale des ehemaligen Schlachthof- standortes für die Weiter- entwicklung des nördlichen Bereiches nutzenStädtebauliche Aufwer- tung des Kaiserplatzes und des Vorbereiches der Kreuzkirche Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „Potenziale der Universität in der Stadt nutzen“ Ein weiterer Schwerpunktbereich ist neben der Beethovenhalle auch das Umfeld der Oper, wo Defizite in der Gestaltung bestehen. Dort ist das Umfeld neu zu strukturieren und die Verbindung zum Rhein zwischen dem Marktplatz, der Brüder- gasse und der Oper aufzuwerten. Auch die Ver- knüpfung zwischen dem Bischofsplatz und dem „Alten Zoll“ ist zu verbessern, um einen weiteren attraktiven Zugang zum Wasser anbie- ten zu können. Der „Alte Zoll“ bietet mit den Resten der historischen Befestigungsanlage und dem Zugang zum Stadtgarten einen touristischen Ankerpunkt, allerdings ist der Zugang zum Rhein in diesem Bereich besonders problematisch, da die Uferpromenade nur über eine Treppenanlage zu erreichen ist. Auch dieser Bereich ist barriere- arm und orientierungssicher zu gestalten, so dass unterschiedliche Nutzergruppen an den Rhein ge- langen können. 4.4 „Potenziale der Universität in der Stadt nutzen“ Als einer der besten Wissenschaftsstandorte der Welt wird die Rheinische Friedrich-Wilhelm-Univer- sität ihrem Ruf als traditionsbewusste Forschungs- universität von internationalem Rang gerecht. Die Lage der Universität inmitten der Bonner City gilt es für die Profilbildung der „Inneren Stadt“ zu nut- zen. Angesichts der anstehenden EntwicklungenSeite 36 von 76 33. für den Ausbau der Universitätseinrichtungen be- steht die Chance, diese stärker in der Stadtstruktur zu akzentuieren. Unumstritten bindet die Universi- tät nicht nur qualifizierte Einwohnerinnen und Ein- wohner an die Stadt, sondern ist auch ein wichti- ger Motor für den Wirtschafts- und Kulturbetrieb. Für die künftige Entwicklung der Hochschule wur- de ein Standortentwicklungskonzept erarbeitet. Im Kern beinhaltet das Konzept eine Expansion und Konzentration der Einrichtungen und Institu- te auf vier wesentliche Standorte. Davon be- finden sich drei Campus-Bereiche direkt innerhalb oder im Nahbereich der „Inneren Stadt“: • der City Campus mit dem Hauptgebäude des Residenzschlosses am Hofgarten, • der Poppelsdorfer Campus mit seinen Entwick- lungspotenzialen um den Bereich nördlich der Carl-Troll-Straße und • der Endenicher Campus auf dem ehemaligen Standort der Immenburg westlich an die „Inne- re Stadt“ angrenzend. Für eine stärkere Öffnung der Universität sind räumliche Verflechtungen von Universität und In- nenstadt zu stärken. Zur langfristigen Sicherung besteht der Bedarf, erforderliche Raumansprüche für eine Entwicklung des City Campus in der In- nenstadt vorzuhalten. Die Chancen, die sich mit der Entwicklung des Viktoriabadareals in unmit- telbarer Nähe zum Hauptgebäude bieten, sind für Expansionsansprüche der Universität mit zu nut- zen. Entlang der im Zuge der Universitätsentwick- lung entstandenen Achse der Adenauer Allee ste- hen mit der Aufgabe des Kinderklinikstandortes weitere Flächenpotenziale zur Sicherung universi- tärer Entwicklungen bereit. Für die Bildung kom- fortabler Wegeverbindungen entlang dieser Achse werden mit der Neugestaltung der Uferpromenade am Rhein, der Sicherung der Freiraumqualitäten am Hofgarten sowie der Erneuerung des Stadtgar- tens wichtige Impulse gesetzt. Im Zuge zunehmenden Verkehrsaufkommens zwi- schen den Campus-Standorten sind neue Konzep- te zu entwickeln, wie das Mobilitätsaufkommen umweltverträglich gestaltet werden kann. Die Förderung des Radverkehrs wird hier eine zentrale Rolle einnehmen. Dafür sind jedoch Wegeverbin- dungen für Fußgänger und Radfahrer attraktiver und in Teilen auch sicherer zu gestalten. Die stadt- strukturell prägende Achse der Poppelsdorfer Allee stellt in diesem Zusammenhang eine qualitätvolle Verbindung zwischen dem Campus Poppelsdorf mit dem City Campus dar. Der Engpass an der Bahnunterführung der Poppelsdorfer Allee ist jedoch, durch die Anlage einer zweiten Unter- führung als separate Spur für den Radverkehr zu beheben. Ebenfalls zeigt sich für eine komfortable Verbindung die heutige Gestaltung des Scharnier- punktes Kaiserplatzes mit der derzeitigen verkehr- lichen Situation als unbefriedigend. Mit einer He- rausnahme des Verkehrs im Querungsbereich der Maximilianstraße ebenso wie mit einer Verlagerung des ÖPNV aus der Straße Am Neutor bieten sich räumliche Gestaltungsmöglichkeiten für attraktive, komfortable und sichere Wegeverbindungen in die Innenstadt wie zum Residenzschloss. Neben der Verknüpfung dieser Standorte wird künftig entscheidend sein, wie für eine Expansi- on am Campus Endenich eine komfortable Ver- bindung für den Rad- und Fußverkehr entwickelt werden kann. Dazu bietet sich mit einer Umstruk- Standort der KinderklinikHauptgebäude der Universität Koblenzer Tor und ViktoriabadSeite 37 von 76 34Herstellen einer barrierefreien Verbindung zwischen dem Güter- bahnhofareal und der NordstadtAufwertung der Wohnlagen an der Bornheimer StraßeAusbildung einer attraktiven Platz- und GrüngestaltungAusgestaltung von Toren zur „Inneren Stadt“ für eine verbesserte OrientierungAusgestaltung von Toren zur „Inneren Stadt“ für eine verbesserte OrientierungAufwertung der Wohnlagen an der KölnstraßeGestalterische Aufwertung des StiftsplatzesEntwicklung der Standorte der Poliklinik und der VHSEntwicklung der Kurfür- stenbrauereiStädtebauliche Gestal- tung der ViktoriabrückeEntwicklung der Erdgeschosszone des Stadthauses Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „Verflechtungs- und Zugangsräume aufwerten“ turierung des ehemaligen Güterbahnhofareals an der Endenicher Straße eine Vielzahl von Po- tenzialen. Hintergrund der hier aufgezeigten Ent- wicklung stellen die historischen Konzeptionen zur Anlage zentraler Achsen dar. Ähnlich der Poppel- dorfer Allee sollte eine Achse vom Poppelsdorfer Schloss zum Schloss Brühl errichtet werden, die in der heutigen Stadtstruktur die Nußallee und die Kaufmannstraße darstellen. In langfristiger Perspektive könnte auf dem Gelän- de des Güterbahnhofs diese Achse bis zur Immen- burgstraße fortgeführt werden. Als Pendant zum Botanischen Garten bietet die Entwicklung des Be- reiches eine Aufwertung der Standortadresse des eher untergenutzten Areals. Aufgrund der Nähe zu den universitären Einrichtungen wären weitere Ef- fekte, neue Nutzungsmöglichkeiten für technolo- gie- und wissensaffine Einrichtungen etablieren zu können. Mit der Bildung neuer Freianlagen wäre eine Steigerung der Umfeldqualitäten zu erzielen. Auch besteht das Potenzial für die „kreative Sze- ne“ Teilabschnitte offen zu lassen, damit sich dort „kreative Milieus“ bilden können. Mit neuen Que- rungen im Osten über die Bahntrasse und im Wes- ten über die BAB 565 ließe sich die Standortgunst durch eine verbesserte Erreichbarkeit der angren- zenden Quartiere auch mit der Haltestelle Bonn- West erheblich steigern.Ausgestaltung von Toren zur „Inneren Stadt“ für eine verbesserte OrientierungSeite 38 von 76 35. 4.5 „Verflechtungs- und Zugangsräume auf- werten“ Wesentliche Zielsetzung in diesem Handlungsfeld ist es, stärkere Verknüpfungen zwischen den unterschiedlichen Stadtteilen der „Inneren Stadt“ herzustellen und die Verbindungen in Richtung Innenstadt zu verbessern. Räumliche Mängel kon- zentrieren sich in der „Inneren Stadt“ vorrangig an den Rändern der Stadtteile, daher sind insbeson- dere dort Verbindungen aufzubauen und Gestal- tungsdefizite im Straßenraum und im öffentlichen Raum auszugleichen. Es gilt, die Potenziale der inneren Peripherien für die Entwicklung der „In- neren Stadt“ zu nutzen. Für einen beispielhaften Umgang werden dazu in diesem Handlungsfeld die nördlichen und westlichen Bereiche der „Inne- ren Stadt“ näher betrachtet. Bislang ruft die Bahnlinie zwischen der Weststadt und der Nordstadt eine deutliche Barrierewirkung hervor. Fehlende Übergänge erschweren die Ver- knüpfung angrenzender Bereiche der „Inneren Stadt“, weshalb neue Querungsmöglichkeiten insbesondere für den Fuß- und den Radverkehr zu entwickeln sind. Zwischen den Quartieren fehlen vor allem klein- räumige Verknüpfungen. So trennt die Oxford- straße die Innenstadt stark von der Nordstadt ab. Da nicht nur die Oxfordstraße, sondern der gesam- te Cityring eine deutliche Barriere in der „Inneren Stadt“ darstellt, ist eine bessere Anbindung der Stadtteile an die Innenstadt in vielen Teilabschnit- ten anzustreben. Die verschiedenen Quartiere müssen künftig besser über Verkehrstrassen hin- weg miteinander verknüpft werden. Im Zuge der notwendigen Sanierung der Viktoriabrücke ist es Ziel, eine Anbindung an die Thomastraße zu erzeu- gen, um eine Verbindung der zentralen Hauptver- kehrsstraßen in Ost-West und Nord-Süd Richtung zu erhalten. Um eine verbesserte Orientierung im Straßenraum zu erzeugen, sind Knotenpunkte in der „Inneren Stadt“ aus- zugestalten. Hauptsächlich geht es dabei um Bereiche, die direkt an der Autobahn 565 liegen oder auch um Teilabschnitte am Hochsta- den-, Kaiser-Karl- und Au- gustusring. Wie bereits im Handlungs- feld Wohnen beleuchtet, sind die Wohnlagen an der Bornheimer Straße und an der Kölnstraße aufzuwer- ten, um dem gesamten Wohnumfeld eine neue Attraktivität zu geben. Von der Entwicklung neu- er Aufenthaltsqualitäten in diesen Bereichen der In- neren Stadt profitieren nicht nur die Bewohnerin- nen und Bewohner, sondern auch Besucherinnen und Besucher der Stadt. Beispielsweise stellt die Bornheimer Straße eine wichtige Verbindung zwi- schen der Innenstadt und kulturell wie touristisch bedeutsamen Einrichtungen wie dem August- Macke-Haus und dem Bonner Kunstverein dar. Um die Aufenthaltsqualität in der „Inneren Stadt“ deutlich zu stärken, sind neben Maßnahmen im Straßenraum oder im öffentlichen Raum auch Frei- raumqualitäten auszubauen. Insgesamt bestehen in der Nordstadt nur wenig öffentlich nutzbare Parkanlagen oder auch kleinere, grüne Plätze. Ei- nige vernachlässigte Grünräume bedürfen der in- tensiven Pflege wie z.B. der Alte Friedhof, welcher aufgrund seiner kunsthistorisch wertvollen Grab- mäler unter Denkmalschutz steht. Wichtiger Standort, der direkt in der Verbindung zwischen der Innenstadt und der Nordstadt liegt, ist das Stadthaus Bonn. Um die städtebauliche Situation des Stadthauses zu verbessern und eine gute Anbindung von der Innenstadt an die Nord- stadt zu ermöglichen, sind attraktive Nutzungen im Erdgeschossbereich zu etablieren. Weiterhin kann in der Nordstadt die Entwicklung der Standor- te der Poliklinik und der VHS durch die Realisie- rung gemischt genutzter Quartiere einen wesent- lichen Entwicklungsschub auslösen. Durch eine Neugestaltung der Grün- bereiche können hier neue Verbindungsmög- lichkeiten innerhalb der Stadtquartiere entwickelt werden. Die Verbesse- rung der Verbindungen ist insbesondere mit einer funktionalen Stärkung neuer Entwicklungen in der „Inneren Stadt“ zu betrachten. August-Macke-Haus an der Bornheimer Straße Wohnlagen an der KölnstraßeSeite 39 von 76 5. Erschließung der „Inneren Stadt“ Vorhandenes Hauptstraßennetz zur Erschließung der „Inneren Stadt“Welschnonnenstraße, SandkauleKölnstraßeBornheimer StraßeHeinrich-Böll-RingBonner TalwegReuterstraßeMeckenheimer AlleeEndenicher StraßeOxfordstraßeAdenaueralleeKaiser-Karl- RingThomastraßeRabinstraßeBelderberg 36Seite 40 von 76 5.1 Der Masterplan und der Verkehrsent- wicklungsplan 2020 Die räumlich-funktionale Entwicklung der „In- neren Stadt“ muss Hand in Hand mit ihrer Ver- kehrsentwicklung gehen. Der zurzeit in der Endab- stimmung befindliche Verkehrsentwicklungsplan 2020 (VEP 2020) trifft die notwendigen Aussagen zur Verbesserung der Erschließungsqualität bei umweltverträglicher Organisation des Verkehrs für die gesamte Stadt. „Die Stadt Bonn möchte in Zukunft den in der Stadt fließenden Verkehr umweltverträglicher und nach- haltiger als heute bewältigen. Mit dem VEP 2020 wird ein Konzept für ein integriertes, verkehrssek- torübergreifendes Handlungskonzept vorgelegt, dessen Umsetzung dazu beitragen wird, die als Umweltverbund bezeichneten Verkehrsmittel Fuß, Rad und ÖPNV zu fördern und zu stärken. Gleich- zeitig soll der MIV weiterhin zur Funktion der Stadt beitragen können. Die vier Verkehrsmittel werden eigenständig behandelt und aufeinander abge- stimmt. Wie die vorgeschlagenen Maßnahmen zeigen, soll der ÖPNV weiter entwickelt und dem Fuß- und Radverkehr wieder mehr Gewicht gege- ben werden“. (Aus der Kurzfassung des VEP 2020) Der Masterplan „Innere Stadt“ stützt sich auf die Aussagen des VEP 2020 modifiziert, ergänzt und konkretisiert sie jedoch dort, wo durch Verände- rungen des Erschließungssystems der „Inneren Stadt“ wesentliche räumliche und funktionale Qualitätsverbesserungen zu erwarten sind oder neue städtebauliche Entwicklungsperspektiven eröffnet werden können. Deshalb spielen für den Abgleich der Aussagen der beiden Planwerke vor- rangig zwei Fragen eine zentrale Rolle: • Wo und wie lassen sich durch Veränderungen des Verkehrsgerüstes Lagequalitäten verbes- sern, insbesondere zur Stärkung des innerstäd- tischen Wohnens und der zentralen Funktionen der City? • Wo sind welche verkehrlichen Vorleistungen zur Verbesserung der Qualitäten im öffentlichen Raum notwendig, um insbesondere die Verbin- dungen und Verflechtungen zwischen der City und den umliegenden Vierteln attraktiver und komfortabler zu gestalten? Diese zusammenhängende Auseinandersetzung mit verkehrs- und städtebaulichen Aspekten ist notwendig, wenn für die Entwicklung der „In- neren Stadt“ wichtige Perspektiven umgesetzt werden sollen: • Stärkung des Wohnens in der „Inneren Stadt“, vor allem auch preisgünstiges Wohnens, wofür kleinere w
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