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210175 · Beschlussvorlage

Masterplan Innere Stadt Bonn 2.0 - Räumliche Festlegung als Stadtumbaugebiet gem. § 171 b BauGB

Nummer
210175
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
17.03.2021
Letzte Änderung
19.09.2026
  1. Sitzung des Hauptausschusses anstelle des Rates nach § 60 Abs. 2 GO NRW 06.05.2021 Entscheidung federführend
  2. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 27.04.2021 Empfehlung
  3. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 13.04.2021 Anhörung
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Beschlussvorlage
öffentlich
210175
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
61 Stadtplanungsamt
Dezernat:
Dez. III
Masterplan Innere Stadt Bonn 2.0 - Räumliche
Festlegung als Stadtumbaugebiet gem. § 171 b
BauGB
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Bonn 13.04.2021 Anhörung
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 27.04.2021 Empfehlung
Rat 06.05.2021 Entscheidung
Beschlussvorschlag
Zur Durchführung und Umsetzung der Maßnahmen des Masterplans Innere
Stadt Bonn 2.0 wird eine Festlegung als Stadtumbaugebiet gem. § 171 b
BauGB beschlossen. Die räumliche Abgrenzung ist in der Anlage dargestellt.
Begründung
Aufgrund der Zuordnung in das neue Förderprogramm „Lebendige Zentren“ ist
eine räumliche Festlegung als Stadtumbaugebiet gem. § 171 b BauGB
erforderlich, um Städtebaufördermittel zu erhalten. Die Abgrenzung des
Fördergebietes durch den Konzeptbeschluss des Rates im Jahr 2013 (DS
1311934) ist nach einer aktuellen Rückmeldung des Fördergebers zum Antrag
der Stadt Bonn nicht mehr ausreichend und kann auf die Fortführung des
Masterplanprozesses 2.0 nicht übertragen werden.
Ausgangslage – Förderphase 1.0
Der Rat der Stadt Bonn hat im Jahr 2013 den Masterplan Innere Stadt Bonn
(siehe Anlage) als integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept
beschlossen. Es stellt im Grundsatz die Programmatik der
Innenstadtentwicklung für mindestens 15 Jahre dar. Neben der Erarbeitung
eines Maßnahmenkataloges wurde ein räumlicher Geltungsbereich definiert,
innerhalb dessen die vorgesehenen Maßnahmen durchgeführt werden sollten
und die räumliche Abgrenzung des Fördergebietes durch Beschluss des Rates
festgelegt (DS 1311934).
Im Rahmen der Erstellung des Konzeptes wurden verschiedene Formen des
Dialogs durchgeführt, um eine Vielzahl an Akteuren der Stadtgesellschaft in
den Prozess einzubeziehen. Dabei erfolgte die Ausarbeitung des Konzeptes
auf drei Ebenen (Arbeitsebene, Diskursebene, Informationsebene). So waren
neben den beiden beauftragten Büros alle beteiligten Ämter der Stadt Bonn,Seite 1 von 76

Seite 2
sowie Interessenvertreter der Behörden (z.B. Polizei und Obere
Denkmalbehörde), Institutionen wie z.B. Tourismus + Congress GmbH,
Stadtwerke Bonn, Städtisches Gebäudemanagement usw. vertreten. Für die
Öffentlichkeit bestand die Möglichkeit, sich in vier öffentlichen Foren über den
jeweiligen Arbeitsstand des Masterplans zu informieren und Anregungen und
Ideen mitzuteilen (DS 1211025). Die vielen Vorschläge, die im Rahmen einer
Vielzahl von Veranstaltungen geäußert wurden, sind mit- und untereinander
abgewogen und das Ergebnis in das Konzept integriert worden.
Aufbauend auf den intensiven Erarbeitungsprozessen hat die Stadt Bonn den
ersten Förderantrag zur Aufnahme in das Förderprogramm „Aktive Stadt- und
Ortsteilzentren“ (Masterplan 1.0) beantragt und bewilligt bekommen (DS
1610011). Bis zuletzt wurden daraus noch die Maßnahmen Remigiusplatz und
die Umgestaltung der Grünfläche Stockentor bis Alter Zoll (1. Bauabschnitt)
finanziert.
Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Umsetzung
Im Rahmen der Vorbereitung und Umsetzung der Maßnahmen wurden bereits
während der ersten Förderphase und zur Vorbereitung der zweiten
Förderphase Öffentlichkeitsbeteiligungen in unterschiedlichen Formaten
durchgeführt. Als beispielhafte Projekte sind hier zu nennen:
- die Planungswerkstatt Ermekeilkaserne 2015
- die Teilnahme am Tag der Städtebauförderung 2016 mit öffentlichen
Informationsveranstaltungen
- die Umgestaltung der Grünfläche „Baumschulwäldchen“ 2016, 2018
- der erste Bauabschnitt im Stadtgarten/am Alten Zoll 2017, 2019
- der öffentliche Stadtspaziergang zu den Projekten des Masterplans 2.0 im
Sommer 2020, begleitet durch den Städtebau- und Gestaltungsbeirat sowie
- der Startschuss der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Umgestaltung der
Rheinuferpromenade über die kürzlich durchgeführte digitale Beteiligung über
die Plattform bonn-macht-mit.de im Frühjahr 2021
Auch die weiteren künftigen Masterplanprojekte werden durch kreative Formen
der Bürgerbeteiligung vorbereitet und begleitet werden.
Förderphase 2.0
Der Rat der Stadt Bonn hat am 1. September 2020 den Beschluss gefasst, eine
zweite Förderperiode 2.0 einzuleiten, um die begonnenen Einzelmaßnahmen
zielgerichtet fortzuführen und weitere Projekte anzustoßen (siehe DS 201300).
In 2020 hat der Bund eine neue Förderstruktur im Bereich der
Städtebauförderung aufgebaut und die Förderkulisse von bisher sechs auf drei
neue Förderprogramme gestrafft. Die Förderkulisse „Aktive Stadt- und
Ortsteilzentren“, in die der Masterplan Innere Stadt Bonn bisher eingebettet
war, ist ausgelaufen und wurde durch das neue Förderprogramm „Lebendige
Zentren“ ersetzt.
Die Verwaltung hat daher einen Förderantrag auf Städtebauförderung für das
Förderprogramm „Lebendige Zentren“ für die Jahre 2021 bis 2025 eingereicht.
Dieser Antrag wurde fristgerecht zum 30. September 2020 bei der zuständigen
Bezirksregierung Köln unter „Masterplan Innere Stadt Bonn 2.0“ mit 12Seite 2 von 76

Seite 3
Einzelmaßnahmen eingereicht. Da im soeben vom Land NRW veröffentlichten
neuen Programmaufruf 2022 für dieses Teilprogramm ausschließlich mit einer
förmlichen Gebietskulisse nach dem besonderen Städtebaurecht operiert
werden soll, schlägt die Verwaltung vor, dieser Anforderung durch Festlegung
des Gebietes des Masterplans Innere Stadt als Stadtumbaugebiet gem. § 171b
nachzukommen. Unmittelbaren Rechtswirkungen für private Dritte werden
durch diese Festlegung nicht ausgelöst.
Anlage/n
1 Masterplan2.0_Stadtumbaugebiet_gem_§171b_BauGB (öffentlich)
2 Broschuere-Masterplan-Innere-Stadt-Bonn (öffentlich)Seite 3 von 76

Bundesstadt Bonn
Masterplan. Innere Stadt. Bonn 2.0
Abgrenzung des Stadtumbaugebietes gem. § 171b BauGB
Stadtbezirk Bonn
Ortsteil Nordstadt / Weststadt / Südstadt / Bonn Castell
Amt 61-21Seite 4 von 76

Masterplan „Innere Stadt“ BonnSeite 5 von 76

IMPRESSUM
Auftraggeber
Bundesstadt Bonn
Stadtplanungsamt
Konzeptionelle Bearbeitung
Prof. Kunibert Wachten
Michael Hehenkamp
Daniela Hessing
Inga Bergmann
Thomas Figgener
Hanna Joost
Michael Kloos
Boris Mehlkopf
Hendrik Neubauer
Stephan Rach
Lech Sawicki
Jens Tempelmann
mit Unterstützung von:
Topp, Huber-Erler, Hagedorn, Darmstadt
Prof. Dipl.-Ing Carsten Hagedorn
Dominik Könighaus
Prozessbegleitung
Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle
Sarah Ginski
Bonn, Dortmund, Schwerte, im März 2012Seite 6 von 76

Masterplan „Innere Stadt“ BonnSeite 7 von 76

Luftbild der Kernstadt BonnSeite 8 von 76

Inhalt
Masterplan • „Innere Stadt“ Bonn
0. Kurzfassung S.06
1. Anlass und Aufgabe des Masterplans „Innere Stadt“ Bonn S.10
2. Der Masterplan im Dialog S.12
3. Ausgangslage und Zielsetzungen S.15
• 3.1 Image und Stadtbild
• 3.2 Demografischer Wandel
• 3.3 Kultur, Freizeit und Tourismus
• 3.4 Grün- und Freiräume
• 3.5 Wohnen
• 3.6 Öffentlicher Raum und Einzelhandel
• 3.7 Arbeit und Wirtschaft
• 3.8 Nachhaltige Mobilität
• 3.9 Klima, Energie und Umwelt
4. Handlungsfelder der Stadtentwicklung S.26
• 4.1 „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“
• 4.2 „City funktional und gestalterisch stärken“
• 4.3 „Innere Stadt zum Rhein öffnen“
• 4.4 „Potenziale der Universität in der Stadt nutzen“
• 4.5 „Verflechtungs- und Zugangsräume aufwerten“
5. Erschließung der „Inneren Stadt“ S.36
• 5.1 Der Masterplan und der Verkehrsentwicklungsplan 2020
• 5.2 Verbesserungen im Erschließungssystem
• 5.3 Weitere Verkehrsprojekte
6. Gesamtdarstellung des Masterplans S.42
7. Leitmotive der Stadtentwicklung S.44
• 7.1 „Urbanes C“
• 7.2 „Bonner Promenaden“
• 7.3 „Grüne Trittsteine“
8. Planungskultur und Verfahren zur Projekt- und Standortentwicklung S.54
9. Ausblick S.57
I. Arbeitsgrundlagen • Bildnachweise S.58
II. Anhang: Projekt- und Maßnahmenliste S.60Seite 9 von 76

0. Masterplan „Innere Stadt“ Bonn
Kurzfassung
6
Bonn ist eine Stadt mit einem außerordentlich
hohen Bekanntheitsgrad im Vergleich zu Städten
ähnlicher Größe – ein Geschenk der Geschichte.
Die Stadt Bonn ist Bundesstadt, sie ist Beetho-
venstadt. Große Unternehmensmarken sind hier
zuhause, die Universität und Museen ziehen die
Menschen hierher. Bonn befindet sich mitten im
Wettbewerb der Städte um Touristen, Fachkräf-
te, Studierende, Einwohnerinnen und Einwohner.
Der Ausbau der Lebensqualität in der Stadt emp-
fiehlt sich daher von selbst. Der Masterplan „In-
nere Stadt“ nimmt sich dieser zentralen Aufgabe
Bonns an und versteht sich als Orientierungsrah-
men für die räumliche und funktionale Entwick-
lung der „Inneren Stadt“ Bonns.
Ausgangslage und Zielsetzung
Die Ausgangslage ist vielschichtig und reich an
Potenzialen. Das heutige Image Bonns wurde
vornehmlich von der Entwicklungsgeschichte als
Hauptstadt geprägt. Stadträumlich bildet es mit
Beuel, Bad Godesberg und Hardtberg eine poly-
zentrale Struktur. Demografisch nimmt Bonn eine
Ausnahmestellung ein. Die Universität bedingt
die ewige Verjüngungskur. Bonn ist aber nicht
nur jung, sondern wächst entgegen allen demo-
grafischen Trends. Die gute wirtschaftliche Basis
sorgt weiterhin für den Zuzug von Fachkräften.
Die „Innere Stadt“ ist belebt, bewohnt und bie-
tet ein vielfältiges Angebot. Die Vorgebirgsland-
schaft und die Lage am Rhein stecken wichtige
Eckpunkte für die Raumentwicklung ab.
Einkaufsstadt, Universitätscampus, Dienstleistun-
gen, Kulturstandort, Verkehrsknoten und nicht
zuletzt Wohnort, die Innenstadt vereint zentrale
Funktionen und Einrichtungen auf sich. Das Zent-
rum präsentiert sich heute fast ein wenig selbstbe-
zogen und vernachlässigt die Verknüpfungen zu
den umliegenden Quartieren. Das wird durch die
Führung der Verkehrstrassen verstärkt. So kehrt
die City bis heute dem Rhein eher den Rücken zu.
Die künftige „Innere Stadt“ Bonn hingegen öff-
net sich und strahlt nicht nur sinnbildlich sondern
vor allem funktional über ihre heutigen Grenzen
hinaus. In der Konsequenz weitet der Masterplan
die Perspektive auf und entwirft über das ange-
stammte Terrain hinaus die „Innere Stadt“.
Fünf Handlungsfelder
Zentrale Herausforderungen und Aufgaben, die
es im Rahmen einer zukunftsfähigen Gestaltung
der “Inneren Stadt” zu lösen gilt, werden in fünf
Handlungsfeldern beschrieben.
Die Aufgabe „Wohnen in der Inneren Stadt
stärken“ zielt im Bestand sowie bei Neubauten
auf die Bildung von Mischstrukturen ab. Idealer-
weise gesellen sich zu den Wohnnutzungen auch
Büro- oder Dienstleistungsnutzungen oder auch
Kulturfunktionen. Neubau-Potenziale bieten die
Standorte der Poliklinik und der VHS, Zahnklinik/
Finanzamt und Johanneshospital, Kurfürsten-
brauerei und Viktoriabadareal sowie die Ermekeil-
kaserne. Ein Schwerpunkt der Bestandsentwick-
lung bildet die Nordstadt. Gelingt es hier durch
Verkehrsberuhigung und Aufwertung des öffent-
lichen Raums die Wohnqualität zu verbessern,
führt dies erfahrungsgemäß auch zu privaten In-
vestitionen in Immobilien. Der Masterplan betont
im Rahmen der Stärkung des Wohnens die Ent-
wicklung von attraktiven Frei- und Grünräumen,
sozialer Infrastruktur und Nahversorgung. So wird
die „Innere Stadt“ erst attraktiv für Wohnungs-
suchende.
Die Aufgabe „City funktional und gestalterisch
stärken“ stellt eine der zentralen Hauptaufgaben
dar. Als zentraler Funktions- und Repräsentati-
onsraum ist die City stetigen Herausforderungen
ausgesetzt. Dazu zählen immer kürzere Moder-
nisierungszyklen der Einzelhandels- und Dienst-Seite 10 von 76

leistungsflächen, Barrierefreiheit im öffentlichen
Raum und nicht zuletzt die Frage, welche Wege
in Baukultur und in der Entwicklung des Stadtbil-
des eingeschlagen werden soll. Kleinteiliger Ein-
zelhandel in vorwiegend historischen Gebäuden
konzentriert sich im Norden des Zentrums um die
Bereiche der Sternstraße, der Friedrichstraße und
der Bonngasse. Durch Verdichtung und Verknüp-
fung dieser Standorte lässt sich diese Qualität des
Bonner Einzelhandels weiter ausbauen. Im Zen-
trum bestimmen Händler mit größeren Flächen
und hoher Frequenz die Nachfrage. Hier bieten
sich das Bahnhofsareal, das Viktoriabad und der
umgebaute Stadthaussockel für Flächen- und
Branchenergänzungen an.
Die „Innere Stadt“ zeichnet sich insgesamt durch
eine beachtliche baukulturelle Qualität aus, mit
der jedoch nicht überall pfleglich umgegangen
wird. So wird im Masterplan am Bonner Müns-
ter mit dem Martinsplatz Nachholbedarf gese-
hen. Hier sind verkehrliche Eingriffe angeraten,
um die funktionale und räumliche Verknüpfung
des Münsters mit der Kreuzkirche wie auch die
Einbindung der Universität und des künftig neu-
en Viktoriabadareals erheblich zu verbessern. Da-
mit erhält der Raum eine Übergangsfunktion für
die Innenstadt und den Hofgarten. Das Münster
selbst, wenn der Zugang zum Kreuzgang für die
Öffentlichkeit verbessert ist, würde als Ort der
Einkehr inmitten des städtischen Tagesgeschäfts
gestärkt.
Die Aufgabe „Innere Stadt zum Rhein öff-
nen“ setzt mitten im Zentrum an. Es gilt, die
Verknüpfungen so zu gestalten, dass vor allem
Fußgänger- und Radverkehr barrierefrei und ori-
entierungssicher das Rheinufer und die Rhein-
promenade erreichen. Dies wird momentan vor
allem von Verkehrstrassen behindert. In Ufernähe
sollten Korrespondenzen und Verbindungen zum
Beueler Ufer verstärkt werden. Derzeit bestehen
insbesondere im Uferbereich der Beethovenhalle
und der Oper Gestaltungsdefizite, so dass die Be-
reiche ihrer repräsentativen Funktion sowie ihrer
wichtigen stadträumlichen Bedeutung nicht mehr
gerecht werden.
Die Aufgabe „Potenziale der Universität in
der Stadt nutzen“ ist mit dem Standortentwick-
lungskonzept auf den Weg gebracht. Die Univer-
sität will sich in Zukunft auf vier Standorte kon-
zentrieren, von denen drei direkt innerhalb oder
im Nahbereich der Inneren Stadt liegen. Nun gilt
es, diese Raumansprüche auch zu decken. In der
Diskussion ist das Viktoriabadareal genauso wie
die Kinderklinik. Die stadtstrukturell prägende
Achse der Poppelsdorfer Allee stellt in diesem Zu-
sammenhang eine qualitätvolle Wegeverbindung
zwischen dem Campus Poppelsdorf mit dem City
Campus dar, aber auch hier sind Barrieren zu
überwinden. Zum Campus Endenich muss eine
solche komfortable Verbindung erst entwickelt
werden, die durch eine Umstrukturierung des
ehemaligen Güterbahnhofareals erreicht werden
kann. Die Umnutzung bietet über den Brücken-
schlag hinaus Flächenpotenziale für Neubauten,
deren Nutzungen sich an das Thema Universität
anschließen können, als auch die Möglichkeit zur
Anlage von Frei- und Grünflächen, die hier neue
Aufenthaltsqualitäten entstehen lassen. Mit neu-
en Querungen im Osten über die Bahntrasse und
im Westen über die BAB 565 ließen sich darüber
hinaus die angrenzenden Stadtteile besser anbin-
den.
Eben derartige neue Querungen werden durch
die Aufgabe „Verflechtungs- und Zugangsräu-
me aufwerten“ weiter beschrieben. Wesent-
liche Zielsetzung ist es, stärkere Verknüpfungen
zwischen den unterschiedlichen Quartieren der
“Inneren Stadt” herzustellen und die Zugänge
in Richtung Innenstadt zu verbessern. Gestal-
tungsdefizite treten vor allem an Peripherien der
Stadtteile auf. Zwischen den Quartieren fehlen
vorrangig kleinräumige Verknüfungen. Auch die
Freiraumqualitäten sind auszubauen. Für die At-
traktivität der Verbindungen sind Ankerpunkte
mit hoher Frequenz wichtig wie zum Beispiel das
Stadthaus, das durch attraktive Nutzungen und
Funktionen im Erdgeschossbereich einen Ent-
wicklungsschub auslösen kann. Ein solcher Schub
kann auf weitere Standorte in der “Inneren Stadt”
übertragen werden, wo die Realisierung gemischt
genutzter Quartiere zu wünschen wäre.
Der Masterplan und der Verkehrs-
entwicklungsplan 2020
Die räumlich-funktionale Entwicklung der „Inne-
ren Stadt“ ist Hand in Hand mit ihrer Verkehrsent-
wicklung zu gestalten. Der zurzeit in der Endab-
stimmung befindliche Verkehrsentwicklungsplan
2020 (VEP 2020) trifft die notwendigen Aussagen
zur Verbesserung der Erschließungsqualität bei
umweltverträglicher Organisation des Verkehrs
für die gesamte Stadt.
Der Masterplan nimmt auf der Grundlage des VEP
2020 einen verkehrlichen Einschnitt in die Innen-
stadtstruktur vor, um die gewünschten Raumqua-
litäten und funktionalen Verknüpfungen plane-
risch verwirklichen zu können. Der Cityring wird
zum Citybogen. Erfahrungsgemäß muss ein Ver-
kehrsring nicht als Kreis geführt sein, um seine
Funktion zu erfüllen. Konkret bedeutet dies, dass
die Rathausgasse, die Straße Am Hof, der Mar-
tinsplatz, die Wesselstraße, die Straße Am Haupt-
bahnhof und die Maximilianstraße für den moto-
risierten Individualverkehr gesperrt werden, nicht
jedoch für den öffentlichen Verkehr, den Radver-
kehr und den Anliefer- und Anwohnerverkehr.
Im Masterplan wird beschrieben, wie sich dieser
Schnitt auswirkt. Diese Eingriffe werden um wei-
tere Maßnahmen ergänzt wie die Umgestaltung
des Verkehrsraumes im Bereich des Stadthauses.
7.Seite 11 von 76

Die drei Leitmotive
Der Masterplan erfindet nichts, sondern bedient
sich in der Wahl der Leitmotive in der Stadtge-
schichte. In drei prägnanten, historisch vorge-
gebenen Leitmotiven der Bonner Stadtstruktur
werden die zahlreichen Projekte der fünf Hand-
lungsfelder zusammengeführt: Allen Motiven
ist gemeinsam, dass sie am Rhein beginnen und
enden und damit einen Beitrag dazu leisten, die
Stadt erlebbar an das Flussufer anzuschließen.
Das „Urbane C“
Das Leitmotiv „Urbanes C“ verbindet die öffent-
lichen Räume – Plätze, Straßen, Gassen – entlang
der historischen Wallanlage, verknüpft öffentli-
che, soziale und kulturelle Einrichtungen und be-
zieht neue Entwicklungsstandorte ein, beginnend
an der Beethovenhalle über die Theater- und
Kasernenstraße, das Sterntor, den Münster- und
Martinsplatz, das Umfeld des Viktoriabades bis
hin zum Rhein. Neue stadträumliche Chancen
zur Erweiterung des Zentrums werden durch die
Umgestaltung der Verkehrsräume entlang des
heutigen Cityrings gesehen. Das „Urbane C“ ver-
klammert zudem die City mit dem ehemaligen
Rheinviertel, das heute wegen der starken Zäsur
der Oxfordstraße nicht mehr als Teil der früheren
umwallten Stadt wahrgenommen wird.
„Bonner Promenaden“
Mit den „Bonner Promenaden“ soll das im Stadt-
bild unverwechselbare Band der Poppelsdorfer
Allee als Motiv aufgenommen werden. Es dient
dazu, neue „gute Adressen“ zu entwickeln, die
bisher trotz ihrer zentralen Lage peripheren Cha-
rakter haben. Ursächlich verbinden die Prome-
naden die vier Universitätsstandorte in der Stadt
prägnant und leicht orientierbar. Die „neue“
Nußallee nimmt die historische Idee der zweiten
auf das Poppelsdorfer Schloss ausgerichteten
Achse auf, denn Residenz und Hofgarten, Pop-
pelsdorfer Schloss und Allee waren ursprünglich
als Ensemble der kurfürstlichen Schlösser geplant.
Die fortgesetzte Nußallee kann zum Rückgrat
des Campus Poppelsdorf und Campus Endenich
werden. Eine „Ergänzungsallee“ in der Lage der
heutigen Immenburgstraße auf dem Areal des
ehemaligen Güterbahnhofs soll späterhin Impuls-
geber für städtebauliche Entwicklungen sein, die
der zentralen Lage des Geländes gerecht werden.
Zusammen mit der innerstädtischen Rheinprome-
nade entsteht so ein Promenaden-Geviert, das
den Rhein innerstädtisch erschließt.
„Grüne Trittsteine“
Die „Grünen Trittsteine“ stärken die wichtigen
Verbindungen zwischen den Grün- und Freiräu-
men und verknüpfen diese zu einem Gesamt-
gefüge. Darüber werden in Wohnquartieren der
„Inneren Stadt“ Anziehungspunkte mit hoher
Aufenthaltsqualität ausgebildet. In das Konzept
fügen sich auch kleinere bisher unbeachtete
Grünräume wie die rheinseitige Anlage um den
Römerkran. Innerstädtische Potenziale bieten
Räume wie der Chlodwigplatz. Der Masterplan
zeigt ebenso die Bildung von Grünzüge auf. So
soll der Rheindorfer Bach an die neuen Trittsteine
angebunden werden. Im direkten Verknüpfungs-
bereich zwischen der Nordstadt, der Innenstadt
und der Weststadt soll der Alte Friedhof als Rück-
zugsraum aufgewertet werden. In Kombination
mit dem Viktoriadreieck ergeben sich hier ganz
neue innerstädtische Freiraumqualitäten. Bei Um-
nutzungen wie sie in der Ermekeilkaserne oder
Leitmotiv: BONNER PROMENADENLeitmotiv: URBANES C
8Seite 12 von 76

Leitmotiv: GRÜNE TRITTSTEINE Überlagerung der Leitmotive
auch der Kinderklinik möglich sind, ist darauf zu
achten, dass neben den Aufenthaltsqualitäten im
öffentlichen Raum ausreichend Grün- und Frei-
räume entstehen.
Planungskultur und Verfahren zur Projekt-
und Standortentwicklung
Der vorliegende Masterplan basiert auf der guten
Tradition der Bonner Planungskultur. Für die we-
sentlichen Entwicklungsstandorte und umzuge-
staltenden öffentlichen Räume werden mit dem
Masterplan Verfahrenspakete vorgeschlagen,
die eine gute Qualität in der künftigen Entwick-
lung wichtiger Projekte garantieren sollen. Das
Spektrum reicht von vorbereitenden Verfahren
wie „Runder Tisch“ über Wettbewerbe bis hin
zu Investorenauswahlverfahren. Partizipatorische
Elemente spielen weiterhin eine Rolle und führen
den begonnenen Dialog zwischen der Politik, der
Verwaltung, der Stadtgesellschaft, Grundeigentü-
mern, Planern und Architekten weiter.
Fazit
Das nächste Ziel ist, den Masterplan als überge-
ordnetes, integriertes und durch einen Beteili-
gungsprozess qualifiziertes Planungskonzept in
Form eines politischen Grundsatzbeschlusses zu
verabschieden. Diese Grundlage kann dazu die-
nen, Fördermittel des Bundes und Landes für die
künftige Umsetzung von Projekten und Maßnah-
men zu beantragen. Neben den notwendigen
politischen Beschlüssen ist im Zuge der künftigen
Umsetzung des Masterplans die Mitwirkung der
Stadtgesellschaft sowie die Bereitstellung weite-
rer finanzieller Mittel weiterhin erforderlich.
9.Seite 13 von 76

Räumlicher Betrachtungsbereich
1. Anlass und Aufgabe des
Masterplans „Innere Stadt“ Bonn
10Seite 14 von 76

Alle Städte müssen nach Außen und Innen glei-
chermaßen attraktiv sein. Wettbewerbsfähig-
keit und Lebensqualität sicherzustellen, sind
die beiden wesentlichen Aufgaben der Stadtent-
wicklung. Der Entwicklung der „Inneren Stadt“
kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da
insbesondere die Innenstadt zentrale Funktionen
und Einrichtungen der Stadt bündelt und die In-
nenstadt stellvertretend für die gesamte Stadt
über ihre Grenzen hinaus ausstrahlen muss. Dies
gilt auch für Bonn, wenngleich Bonn’s Bild über-
deutlich von der besonderen Entwicklungsge-
schichte als jahrzehntelange Hauptstadt geprägt
ist und Bonn mit den ehemals selbständigen Städ-
ten Beuel, Bad Godesberg und Hardtberg eine
polyzentrale Stadtstruktur aufweist.
Die Stärkung der „Inneren Stadt“ genießt zu-
dem im Zuge des gesellschaftlichen und demogra-
fischen Wandels eine hohe Priorität in der Stadtent-
wicklungspolitik. Der Trend der Rückwanderung
aus dem Umland in die Städte führt zu einer neu-
en Wertschätzung urbanen Wohnens. Denn nur in
der „Inneren Stadt“ lässt sich mit kurzen Wegen
eine breite Palette an Versorgungsangeboten – von
der täglichen und medizinischen bis hin zur schuli-
schen und kulturellen Versorgung – erreichen, was
für eine kontinuierlich älter werdende und sich in
den Vorstellungen von Lebensstilen differenzieren-
den Gesellschaft ein wichtiges Qualitätsmerkmal
ist. Und auch aus ökologischen und wirtschaftli-
chen Gründen ist die Rückkehr in die Innenstädte
vorrangig zu fördern.
Als Reaktion auf diesen tief greifenden Bedeu-
tungswandel der Innenstadt hat der Rat der Stadt
Bonn die Verwaltung beauftragt, einen städtebau-
lichen Masterplan für das erweiterte Gebiet des
Bonner Zentrums zusammen mit den angrenzen-
den innenstadtnahen Arealen der Nord-, West-
und Südstadt erarbeiten zu lassen. Ziel ist es, eine
Gesamtperspektive für die räumliche Entwicklung
der „Inneren Stadt“ Bonns in den nächsten 10-20
Jahren aufzuzeigen, um die Potenziale des inneren
Wachstums und Wandels auszuloten und auszu-
schöpfen. Dies kann nur gelingen, wenn die ge-
genseitigen Abhängigkeiten und Befruchtungen
zwischen dem Zentrum und den angrenzenden
Quartieren im Zusammenhang betrachtet werden,
um zu einer nachhaltig attraktiven und leistungsfä-
higen „Inneren Stadt“ zu kommen.
Der Masterplan „Innere Stadt“ Bonn wurde seit
Herbst 2010 im Auftrag der Stadt Bonn durch die
Büros
• netzwerk. stadtforschung, beratung und kom-
munikation | Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle und
• scheuvens+wachten | Prof. Rudolf Scheuvens
und Prof. Kunibert Wachten
bearbeitet. Während die konzeptionelle Bear-
beitung durch „scheuvens + wachten“ erfolgte,
wurde die Prozessbegleitung durch „netzwerk“
gestaltet.
Der Masterplan versteht sich als Orientierungs-
rahmen für die räumliche und funktionale Ent-
wicklung der „Inneren Stadt“ Bonns. Er bündelt
bisherige Ziele, Programme und Projekte und ver-
weist auf neue, notwendige Akzentsetzungen.
Alle Projekte werden in den Kontext einer nachhal-
tigen Stärkung der „Inneren Stadt“ gestellt. Damit
werden auch unterschiedliche zeitliche Reichwei-
ten der konzeptionellen Vorschläge angesprochen.
Manche Projekte sind konkret und können zeitnah
umgesetzt werden. Andere Aussagen wiederum
zeigen langfristige Entwicklungsperspektiven auf,
sind aber gleichwohl wichtig, um den längerfristig
angelegten Orientierungsrahmen des Masterplans
nachvollziehbar zu machen.
In diesem Sinne ist der Masterplan auch eine un-
verzichtbare Grundlage zukünftiger Anträge
für Förderprogramme des Bundes und Landes.
Nicht minder wichtig ist aber auch das Einwerben
der Mitwirkungsbereitschaft der zahlreichen priva-
ten Akteure, die Interesse an einer attraktiven und
leistungsfähigen „Inneren Stadt“ haben und sich
dafür engagieren. Die Erarbeitung des Masterpla-
nes konnte deshalb nur auf der Grundlage eines
dialogorientierten, kooperativen Prozesses er-
folgen. Von Beginn an wurde die Kooperation mit
Vertreterinnen und Vertretern, Einwohnerinnen und
Einwohner, der Politik, der Wirtschaft, der Wissen-
schaft, der Kultur und der Verwaltung gesucht.
11.Seite 15 von 76

Der Dialogprozess zur Erarbeitung des Master-
plans „Innere Stadt“ Bonn gliedert sich in drei
Etappen, in denen in unterschiedlichen Perso-
nenkreisen und mit verschiedenen Formen des
Dialogs der gemeinsame Austausch über die Aus-
gangslage, Zielsetzungen und Projektideen statt-
gefunden hat.
In der ersten Etappe – der Erkundungs- und
Entdeckungsphase – wurden zunächst Informa-
tionen gesammelt und unterschiedliche Sichtwei-
sen zusammengetragen. Durch die Untersuchung
vorliegender und laufender Programme, Konzep-
te, Gutachten, Planungen und Projekte wurden
die funktionalen und städtebaulichen Ausgangs-
punkte analysiert und bewertet. Im Dialog wurde
zudem erörtert, an welche Planungen und Prozes-
se angeknüpft werden kann und welche Fragen
und Probleme besonderer Beachtung bedürfen.
In der zweiten Etappe – der Vertiefungs- und
Eckpunktephase – wurden die Zielsetzungen für
die künftigen Entwicklungen aufgestellt und fünf
zentrale Handlungsfelder herausgearbeitet. Dar-
aus wurden räumliche und thematische Konkreti-
sierungen abgeleitet.
Ziel der dritten Etappe – der Ergebnis- und
Entscheidungsphase – war es, alle Ergebnisse
zusammenzuführen, sie im Zusammenhang dar-
zustellen und sie schließlich im Hinblick auf ihre
Bedeutung für die zukünftige baulich-räumliche
Entwicklung zu gewichten.
Um die Vielzahl der Akteure in den Prozess einzu-
beziehen, wurden auf der Informations-, Arbeits-
und Diskussionsebene verschiedene Formen des
Dialogs durchgeführt.
Die Ämter-/Plus-Runde galt dem Informationsaus-
tausch und der Diskussion mit allen Dienststellen
der Verwaltung sowie verwaltungsnahen Institu-
tionen. So konnten alle wichtige Informationen
und Projekte der einzelnen Ressorts in die Erar-
beitung des Masterplans „Innere Stadt“ Eingang
finden.
Um den frühzeitigen und kontinuierlichen Aus-
tausch mit der Politik sicherzustellen, wurde eine
Begleitgruppe eingerichtet, in der alle Ratsfrak-
tionen vertreten sind. Darüber hinaus wurden in
regelmäßigen Abständen die politischen Gremien
2. Der Masterplan im Dialog
3. Werkstatt
Bericht von einem der fünf Spaziergänge im Rahmen des 2. Forums
12Seite 16 von 76

Route: „Innere Stadt zum Rhein öffnen“Route: „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“
Route zur Erläuterung des Handlungsfeldes:
„Potenziale der Universität in der Stadt nutzen“
Route zur Erläuterung des Handlungsfeldes:
„Verflechtungs- und Zugangsräume aufwerten“
Im Rahmen der Durchführung des zweiten
öffentlichen Forums fand die Führung von
fünf Spaziergängen jeweils zu den erarbeiteten
Handlungsfeldern des Masterplanes statt.
Route: „City funktional + gestalterisch stärken“
der Stadt Bonn sowie der Verwaltungsvorstand
über den Stand der Arbeit informiert.
Bei der Komplexität der Aufgabe galt es aber auch,
den Gedanken- und Ideenaustausch mit zahlrei-
chen weiteren Akteuren aus Wirtschaft und Ge-
sellschaft zu suchen. Dafür wurden zu Beginn des
Prozesses rund 40 Gespräche mit Schlüsselperso-
nen aus der Bonner Stadtgesellschaft geführt.
Diese Schlüsselpersonen und weitere im Bereich
der „Inneren Stadt“ Bonn beruflich und ehren-
amtlich engagierte Personen wurden zu regelmä-
ßigen Werkstätten eingeladen, um gemeinsam
über die unterschiedlichen Einschätzungen, In-
teressen und Perspektiven zu diskutieren, Wider-
sprüche und Gemeinsamkeiten aufzudecken und
eine Verständigung über Konzepte und Projekte
anzustreben. Da einige Verbände, Initiativen und
Akteursgruppen teilweise bereits konkrete Ideen
entwickelt hatten, erhielten sie im Rahmen einer
Werkstatt die Möglichkeit, ihre Projekte und Kon-
zepte in einem „Markt der Ideen“ der Öffentlich-
keit zu präsentieren.
Für ein breites Publikum bestand in vier öffentli-
chen Foren die Chance, sich über den jeweiligen
Arbeitsstand des Masterplans zu informieren, Kri-
tik zu üben und Anregungen zu geben. Im Rah-
men des zweiten öffentlichen Forums wurden
auch fünf Stadtspaziergänge unter dem Motto
„Stadt erleben und mitreden!“ – geführt von
einem Team aus ortskundigen Bürgerinnen und
Bürgern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
der Stadt Bonn – angeboten, die ein reges Inte-
resse fanden. Die Routen der Stadtspaziergänge
orientierten sich an den fünf erarbeiteten Hand-
lungsfeldern.
Eine Online-Beteiligung im Frühjahr 2011 bot da-
rüber hinaus Gelegenheit, Anregungen zu den
fünf zentralen Handlungsfeldern zu geben und
Abschlussplenum im Rahmen des 4. öffentlichen ForumsPräsentation des Masterplans zur 4. Ämterrrunde
13.Seite 17 von 76

Erarbeitungsphasen und Beteiligungsformen im Rahmen der Entwicklung des Masterplans
diese zu bewerten. Hierbei gingen über 100
Anregungen ein, die entweder direkt in den
Masterplan eingeflossen sind oder an die zu-
ständigen Ämter in der Stadtverwaltung weiter-
gegeben wurden. Zusätzlich zu dieser zeitlich
befristeten Online-Aktion wurde der gesamte
Planungsprozess im Internet begleitet. Alle Ver-
anstaltungen sowie die Stadtspaziergänge und
Präsentationen beim „Markt der Ideen“ wurden
im Netz dokumentiert. Das Interesse an den In-
formationen war bislang sehr groß. Allein bis
Anfang Dezember 2011 konnte die Stadt über
15.000 Aufrufe der Seite verzeichnen. Die In-
ternetseite soll auch den weiteren Fortgang des
Masterplans „Innere Stadt“ Bonn festhalten.
Mit Erstellung des Masterplans ist der Prozess
aber noch längst nicht abgeschlossen. Die Um-
setzung der im Plan benannten Zielsetzungen,
Projekte und Maßnahmen bedarf der weiteren
Verständigung und des kontinuierlichen Ein-
werbens von privater Mitwirkungsbereitschaft
jeglicher Art, denn Stadtentwicklung ist eine
Gemeinschaftsaufgabe. Alle profitieren von
einer attraktiven und leistungsfähigen Stadt. In
Zukunft wird es deshalb noch stärker als heu-
te darauf ankommen, dass der Schulterschluss
zwischen öffentlichem und privatem Engage-
ment und Mitteleinsatz gesucht wird. Die Mas-
terplanerarbeitung markiert somit eine Etappe
eines zu verstetigenden Prozesses.
14Seite 18 von 76

3. Ausgangslage und Zielsetzungen .
Im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung
ist es für alle Städte und Gemeinden eine vorran-
gige Aufgabe, eine demografiefeste und klimage-
rechte Gestaltung ihrer Städte voranzutreiben.
Dabei wirkt eine demografiefeste Stadtentwick-
lung mit ihrer Ambition, leistungsfähige Wohn-,
Versorgungs- und Dienstleistungsangebote für die
Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt in allen
Lebensphasen zu erzeugen, in verschiedene Inter-
aktionsbereiche hinein. Die Handlungsbereiche ei-
ner klimagerechten Stadtentwicklung liegen in der
kommunalen Bau-, Freiraum- und Verkehrspolitik.
Aber welche Themenfelder sind insbesondere
im Bereich der „Inneren Stadt“ für künftige
Entwicklungsaktivitäten wesentlich? Was sind
generelle Zielsetzungen und warum konzentriert
sich die Planung so sehr auf den Bereich der „In-
neren Stadt“? Diesen Fragestellungen soll nachge-
gangen werden.
Warum ist eine Konzentration auf die „Inne-
re Stadt“ wesentlich? Stadtzentren definieren in
aller Regel das soziale, ökonomische und kulturel-
le Profil einer Stadt. Sie sind Kristallisationspunk-
te für alles, was Stadt bedeutet und ausmacht.
Letztlich steht die Innenstadt als Stellvertreter für
die Gesamtstadt. Sie ist ein Ort der Identifikation,
der lokalen Geschichte und des kulturellen Erbes.
Regionale und lokale Eigenarten spiegeln sich in
städtebaulichen Qualitäten, in Gebäuden, im öf-
fentlichen Raum, aber auch in Veranstaltungen
wider. Durch das Zentrum bekommt eine Stadt ihr
individuelles Bild, ihr Gesicht und ihre Visitenkarte.
Hier bündeln sich repräsentative und öffentliche
Gebäude, identitätsstiftende Plätze, Parks und Kul-
tureinrichtungen.
Auch wenn dies allein schon Grund genug wäre,
sich verstärkt der Entwicklung der „Inneren Stadt“
zu widmen, so kommen weitere Gründe hinzu. Die
vergangenen Jahrzehnte waren durch einen enor-
men Zuwachs von Siedlungsflächen im Umland
der Städte gekennzeichnet. Auch wenn die Sub-
urbaniserungsprozesse keinesfalls abgeschlossen
sind, so zeichnet sich parallel dazu ein neuer Trend
ab. Es gibt eine neue Wertschätzung für urbanes
Wohnen in gemischten Strukturen. Einerseits zie-
hen gerade ältere Bevölkerungsgruppen aus dem
Umland zurück in die Städte. Andererseits wol-
len jüngere Bevölkerungsgruppen (auch in der
Phase der Familiengründung) die Stadt gar nicht
erst verlassen. Beides führt zu neuen Nachfrager-
gruppen städtischer Wohnformen. Der Förderung
dieses Trends auf kommunaler Ebene, der immer
wieder auch als „Renaissance der Innenstädte“
bezeichnet wurde, widmen sich inzwischen auch
zahlreiche Bund- und Länderprogramme, aktuell
etwa das „Weißbuch Innenstadt“ des Bundesmi-
nisteriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.
Strukturelle Veränderungen führten in den Städten
zu funktionalen und räumlichen Neuordnungen.
Der wirtschaftliche Wandel brachte innenstadt-
nahe, vormals unzugängliche Flächen- und Ent-
wicklungspotenziale hervor. Darüber hinaus er-
möglichen veränderte Arbeits- und Lebensweisen
neue Nutzungsmischungen. Beide Entwicklungen
tragen dazu bei, dass die Kernbereiche der städ-
Luftbild der Bonner Innenstadt
15.Seite 19 von 76

tischen Lagen seit einiger Zeit einen tiefgreifenden
Bedeutungswandel erfahren, mit dem eine neue
Wertschätzung einhergeht.
Auch die Stadt Bonn kann und will sich diesen
Trend zunutze machen, um trotz steigender Be-
völkerungszahlen zugleich nachhaltig mit Flächen
zu wirtschaften und deren Neuinanspruchnahme
zu begrenzen. Hierzu müssen im Kernbereich Flä-
chenpotenziale identifiziert, bestehende Quartiere
bedarfsorientiert angepasst und privat(-wirtschaft-
liche) Akteure aktiviert werden. Doch gerade an
die Entwicklung dieser Kernbereiche werden an-
gesichts ihrer Nutzungsdichte und herausragenden
Funktionen heute komplexe und mehrdimensiona-
le Herausforderungen gestellt. Dazu zählen:
Klimatische Veränderungen: In den Städten –
vor allem in ihren Kernbereichen – besteht durch
Produktion, Verkehr und Gebäude ein sehr hoher
Energieverbrauch mit entsprechend hohem CO2-
Ausstoß. Es bestehen aber auch besonders hohe
Energieeinsparpotenziale und das notwendige
Knowhow zu deren Nutzung. Die Konsequenz für
die Stadtentwicklungspolitik liegt auf der Hand:
Sie muss in eine integrierte Energie-, Klima- und
Umweltpolitik eingebettet sein.
Demografische Entwicklungen und sozia-
ler Wandel: Kompakte Stadtstrukturen gelten
aufgrund kurzer Wege und hoher Dichte an inf-
rastrukturellen Einrichtungen und medizinischer
Versorgung als Erfolgsmodell angesichts einer älter
werdenden Gesellschaft. Die soziale Heterogenität
in der „Inneren Stadt“ bringt wiederum aber auch
großes Konfliktpotenzial mit sich. „Innere Städte“
sind Orte der Begegnung. Dort treffen viele ver-
schiedene Bevölkerungsgruppen aufeinander und
so sind sie auf der einen Seite Orte der Integration
und der Polarisierung auf der anderen. Daraus re-
sultiert eine große Herausforderung der Stadtent-
wicklung, denn die Stärkung des gesellschaftlichen
Zusammenhalts ist eine wichtige Zukunftsaufgabe.
Wirtschaftsstrukturelle Veränderungen: Die
Zentren als Arbeitsstätten haben eine traditionelle
Funktion. Jedoch dominiert dort heute nicht mehr
das produzierende Gewerbe sondern die Dienst-
leistungen. So sind günstige Nutzungskombinati-
onen von Einzelhandel im Erdgeschoss, Büros und
Wohnungen in den Obergeschossen ein innerstäd-
tisches Idealbild, das es zu stärken gilt. Viel zu viele
Frequenzbringer in Form von großen Unterneh-
men, öffentlichen Einrichtungen der Verwaltung,
der Bildung und der Kultur wie kommunale Dienst-
stellen oder Universitäten wurden an den Rand der
Städte verlegt und fehlen in Innenstädten als be-
lebende Elemente. Die Idee der Stadt der kurzen
Wege muss daher künftig mehr Beachtung finden.
Die „Inneren Städte“ bieten in Form von Brachen
und Leerständen die Chance, neue Funktionsan-
gebote oder kreative Neu- oder Zwischennutzun-
gen zu entwickeln und somit wieder mehr Leben
an diese Orte zu bringen. Wirtschaft, Einzelhandel
und Dienstleistung haben eine Frequenz- und Ag-
glomerationswirkung, die sich positiv auf die schon
sehr alte Marktfunktion der Zentren auswirkt, die
als Versorgungsfunktion eine wichtige stadtgestal-
terische und soziale Aufgabe der Stadt erfüllt.
Veränderungen des Einzelhandels: Die zent-
ralen Bereiche einer Stadt waren schon seit jeher
Orte des Handels. Die Vielfältigkeit unterschied-
lichster Einkaufsmöglichkeiten gehört fest zu ei-
nem lebendigen Zentrum. Doch der Strukturwan-
del im Einzelhandel bedroht diese Vielfalt. Der
Einzelhandel gehört in die Stadtzentren, die auch
wieder als Investitionsstandorte gesehen werden.
Dieser Trend muss fortgeführt werden.
Zielgruppenspezifische und angemessene
Wohnraumversorgung: „Innere Städte“ bie-
ten gute Voraussetzungen für das Wohnen. Die
Zentralität und Vitalität der Innenstädte werden
durch einen Kranz gut funktionierender urbaner
Quartiere mit guter Wohnqualität in unmittelba-
rer Nachbarschaft unterstützt. Die bauliche Dich-
te, Angebotsvielfalt, umfangreiche Infrastruktur-
ausstattung und vielfältige Bausubstanz erfüllen
unterschiedlichste Ansprüche. Allerdings finden
sich in den zentralen Bereichen der Städte meist
eher kleine Haushalte. Der Anteil an Ein-Personen-
Haushalten ist besonders groß und vor allem jun-
ge Erwachsene wohnen derzeit in den „Inneren
Städten“. Das sich aus der sozialen Heterogeni-
tät ergebende Konfliktpotenzial sowie ein hohes
Preisniveau hält bestimmte Bevölkerungsgruppen
hingegen davon ab, in das Stadtzentrum zu zie-
hen. Vor allem für Familien fehlt es an ausreichend
großen Wohnungen zu bezahlbaren Preisen. Für
die Stärkung innerstädtischen Wohnens ist jedoch
nicht allein der Wohnraum ausschlaggebend, son-
dern darüber hinaus Bildungs-, Kultur und sonstige
Infrastruktureinrichtungen, auch Grünanlagen ha-
ben eine hohe Bedeutung. Der Trend der Reurba-
nisierung kann daher nur durch eine Kombination
aus unterschiedlichen Wohnangeboten und einem
attraktiven Wohnumfeld erfolgreich aufgegriffen
werden und muss in die innenstadtnahen Quartie-
re gelenkt werden.
Veränderung der Mobilität, des Verkehrs und
Stadtraums: In den „Inneren Städten“ treffen
viele Verkehrsarten auf engem Raum aufeinander.
Um die Mobilitätsvielfalt für die Stadtbewohnerin-
nen und -bewohner zu sichern, sind die Entwick-
lung eines nachhaltigen Verkehrssystems und die
Verkehrssicherheit von hoher Bedeutung für die
zentralen Bereiche von morgen. Auch die Lärm-
minderung und Sicherung der Luftqualität sind be-
deutende Aspekte, wenn es um die Erhöhung der
Attraktivität von „Inneren Städten“ geht.
Jede Stadt muss auf diese Herausforderungen ihre
eigenen Antworten finden. Die Stadt Bonn geht
dafür einen besonderen Weg, indem sie die übliche
16Seite 20 von 76

Betrachtung der Innenstadt auf die „Innere Stadt“
ausweitet. Die Ausdehnung über die engere Innen-
stadt Bonns hinaus erweist sich als sinnvoll, da die
angrenzenden Bereiche wichtige funktionale Ver-
flechtungen mit der Innenstadt Bonns und damit
wichtige Aufgaben für die Gesamtstadt überneh-
men. Zumal insbesondere die Ränder der Stadttei-
le und die Schnittstellen zwischen den einzelnen
Stadtteilen in der Vergangenheit oftmals weniger
Beachtung fanden und sich innerhalb dieser Berei-
che erhöhter Handlungsbedarf abzeichnet.
3.1 Image und Stadtbild
In der Vergangenheit wurde das Image der Stadt
deutlich von der Hauptstadtfunktion und dem
Regierungsviertel bestimmt. Identitätsträger der
Innenstadt – wie das Bonner Münster, die Kreuz-
kirche oder das Residenzschloss – traten in den
Hintergrund. Daher ist in der Bundesstadt zukünf-
tig die „Innere Stadt“ Bonns als Identitätsträger
für die Gesamtstadt zu stärken. In ihrer kleintei-
ligen Baustruktur ist an vielen Orten die Historie
der Stadt ablesbar. Ihren besonderen Charme er-
hält die Bonner Innenstadt durch ihre unverwech-
selbare Struktur, die Kompaktheit und Über-
schaubarkeit der City. Unübersehbar gruppiert
sich um den Hofgarten herum der Bildungsstand-
ort Universität. So prägen die Studierenden auch
das kulturelle und soziale Milieu. Kulturhistorisch
wird Bonn als Beethovenstadt wahrgenommen,
während die Bedeutung August Mackes für die
Stadtgeschichte bisher brach liegt. Stadträumlich
spielt zudem der Rhein für die Innenstadt eine un-
tergeordnete Rolle, auch hier gibt es großes Poten-
zial für die künftige Stadtentwicklung.
Die Innenstädte sind mit ihren kulturellen Anzie-
hungspunkten, Plätzen, Baudenkmälern, Theatern
und den Kirchen Orte der Identifikation. Es gilt, das
Stadtbild als wesentlichen Imagefaktor stär-
ker zu fördern. Die besonders markanten Orte
sind in ihren historischen Strukturen stadträumlich
stärker herauszuarbeiten. Die Stadt Bonn sollte am
historisch gewachsenen Maßstab festhalten und
damit ihre Proportionen wahren. Neue Strukturen
sollten sich nur behutsam einfügen und keine his-
torischen Zeugnisse der Baukultur verstellen. Bon-
ner Baukultur bedeutet auch die Wertschätzung
der repräsentativen Nachkriegsarchitektur des 20.
Jahrhunderts. Mit der angestrebten Hinwendung
zum Wasser erhält auch die Innenstadt-Silhouette
vom Rhein aus eine neue Bedeutung.
Im Rahmen der Profilierung des Bonner Images gilt
es, vorhandene Potenziale wie die Universität
stärker zu akzentuieren und die Stadt wieder als
Bildungsstadt im Bewusstsein zu verankern. Die
Universität ist seit jeher ein wichtiger Faktor der
Stadtentwicklung. Einen weiteren Schub erhält die
Universität mit der jüngsten Gesamtkonzeption für
die zukünftige Standortentwicklung, die auch den
Campus Poppelsdorf und den Campus City mit zu
ihren Kernstandorten zählt.
Städte mit einem positiven Image, einer attraktiven
Innenstadt mit besonderem Flair und hohen Frei-
raumqualitäten besitzen eine deutlich bessere Aus-
gangslage im Wettbewerb mit anderen Städten.
Auch Bonn buhlt um Unternehmerinnen und Un-
ternehmer, Einwohnerinnen und Einwohner und
Bürgerinnen und Bürger. Ziel zukünftiger Entwick-
lungsaktivitäten sollte es daher sein, die beachtli-
che baukulturelle Qualität, das vielfältige Angebot
sozialer und kultureller Infrastruktur wie auch das
Flair und die Atmosphäre öffentlicher Räume zu si-
chern und qualitätvoll weiter zu entwickeln. Eine
attraktive Wasser- und Ufernutzung kann da-
bei – wie andere Städte zeigen – zu einer Visiten-
karte einer Stadt und einem besonderem Image-
träger werden.
3.2 Demografischer Wandel
Es gibt kaum eine Veränderung, die die Gesell-
schaft in Deutschland mehr beeinflussen wird als
der demografische Wandel. Wir werden weniger,
wir werden älter, wir werden vielfältiger. Mit die-
sen drei Trends werden zahlreiche Städte in Zu-
kunft zu kämpfen haben. Die Stadt Bonn scheint
hinsichtlich dieser Entwicklungen gegen den Strom
zu schwimmen. Die Prognosen sagen für die Stadt
Bonn zukünftig einen weiteren Bevölkerungs-
zuwachs voraus. Der Alterungsprozess der Bonner
Bevölkerung wird für Bonn deutlich langsamer als
für andere Städte und Gemeinden in Nordrhein-
Westfalen vorausgesagt, sodass die Stadt im Jahr
2025, mit 44 Jahren ein vergleichsweise geringes
Durchschnittsalter vorzuweisen haben wird. Ein
entscheidender Faktor dabei ist der hohe Studie-
rendenanteil, der den Alterungsprozess deutlich
hemmt. In Relation zum Bevölkerungsanteil von
52.000 Einwohnerinnen und Einwohner, die der-
zeit in der „Inneren Stadt“ wohnen, haben die
rund 8.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und
ca. 27.000 Studierende der Universität Bonn einen
positiven Einfluss auf die Bevölkerungsstruktur der
Stadt Bonn. In Sachen Vielfalt liegt Bonn hingegen
Koblenzer Tor
17.Seite 21 von 76

voll im demografischen Trend. Dafür sorgen zum
einen die Studierenden, zum anderen sind im Zuge
des gelungenen wirtschaftlichen Umbaus zur pros-
perierenden Bundesstadt viele neue Arbeitneh-
merinnen und Arbeitnehmer und deren Familien
zugezogen.
Die erwarteten Zuwächse der Bonner Bevölkerung
für die kommenden Jahre können nach den Pro-
gnosen nur dann erzielt werden, wenn die Stadt
Bonn weiterhin für viele als Wohnstandort attraktiv
ist und dadurch ein positives Wanderungsverhal-
ten verzeichnet werden kann. Wie für alle Städte
wird es daher auch für die Stadt Bonn entschei-
dend sein, in den nächsten Jahren, Wohnraum zu
erzeugen und die Wohnumfelder attraktiver
zu gestalten.
Bonn muss sich auf den Trend einrichten, dass in
Zukunft mehr Menschen in der Innenstadt woh-
nen wollen. In erster Linie werden dies – den Pro-
gnosen nach – ältere Menschen sein. Gleichzeitig
muss sich die Stadt damit auseinandersetzen, wie
sie junge Menschen innerhalb der Stadtgrenzen
halten oder aus anderen Städten abwerben kann.
Eine Anpassung der zukünftigen Stadtentwicklung
an diese beschriebene Situation bedeutet in erster
Konsequenz, dass eine entsprechende Weiterent-
wicklung des städtischen Wohnungsmarktes
vorzunehmen ist. Hier müssen die Angebote auf
verschiedenste Anforderungen eingehen. Wäh-
rend dabei insbesondere für die älteren Stadtbe-
wohnerinnen und -bewohner die Themen der
Barrierefreiheit, betreutes Wohnen oder Gene-
rationen-Wohngemeinschaften eine besondere
Rolle spielen, ist beispielsweise für junge Fami-
lien ein ausreichendes Maß an finanzierbarem,
attraktivem und familiengerechtem Wohnraum
bereitzustellen. In zweiter Konsequenz muss aber
auch der Stadtraum an diese Situation angepasst
werden. Sowohl ältere Menschen als auch Kinder
verlangen nach einer orientierungssicheren und
barrierefreien Gestaltung des öffentlichen Rau-
mes. Generationenübergreifend werten die Bil-
dungs- und Freizeitangebote das Lebensumfeld
auf. Die Nahversorgung muss insgesamt stimmen.
Die Lebensqualität steigt mit schwindenden Um-
weltbelastungen wie Abgasen und Lärm. Es gilt,
ein qualitätsvolles Wohnumfeld zu entwickeln, das
mehrgenerationentauglich ist.
3.3 Kultur, Freizeit und Tourismus
Die Stadt Bonn hat mit dem Imageträger Beet-
hoven ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal im
Bereich der Kultur. August Macke, einer der wich-
tigsten Maler des Expressionismus, tritt dagegen
bisher in den Hintergrund. Das gilt auch für das
Imagethema Rhein. Mit dem Projekt „Stadt
zum Rhein“ im Rahmen der Regionale 2010 wur-
de jedoch ein Anfang gemacht. Nun gilt es, die-
se Konzeption umzusetzen und die Innenstadt in
Richtung Rhein zu öffnen. Öffnung ist ein gutes
Stichwort. Die Universität sollte in Zukunft besser
mit den bestehenden Kultur- und Bildungsangebo-
ten kooperieren und umgekehrt. Last but not least
Prognose der Bertelsmann Stiftung zum demografischen Wandel in der Stadt Bonn
Quelle: http://www.wegweiser-kommune.de
Bonner Oper und Umfeld
18Seite 22 von 76

müssen neben der „Hochkultur“ mehr Räume für
subkulturelles Leben in der Stadt entwickelt wer-
den, um dem studentischen Leben Freiräume in
der Stadt zu geben. Planerisch bedeutet dies, Be-
reiche der „Inneren Stadt“ offen zu halten, damit
sich dort „kreative Milieus“ bilden können.
Um im nationalen und internationalen „Konzert“
der Städte konkurrieren zu können, gilt es, vor-
handenes Potenzial zu nutzen, um die Bonner
Kulturlandschaft noch vielfältiger zu gestalten.
Der Erhalt und die Stärkung vorhandener Kul-
turangebote hat dabei Vorrang vor der Ent-
wicklung neuer Angebote. Dazu ist eine Zusam-
menarbeit der verschiedenen Institutionen wie der
Stadt, wirtschaftlichen Institutionen und der Uni-
versität wünschenswert.
In den Innenstädten sind neben dem Infrastruktur-
angebot auch kulturelle Einrichtungen zu stärken
und altersübergreifende Angebote zu entwickeln,
um die Innenstädte wieder zu beleben. Es bietet
sich an, Partner in der Kultur- und Kreativwirtschaft
für diese Entwicklung zu suchen, die leer stehende
Gebäude und Brachflächen um- oder zwischen-
nutzen. Wettbewerbe und Modellprojekte sind
in diesem Zusammenhang ideale Plattformen für
Kunstschaffende und Kreative. Für die Finanzie-
rung können in geeigneten Fällen auch Fördermit-
tel bereitgestellt werden.
Bonn ist mit seinen Nachkriegsbauten ein begeh-
bares Museum der Zeit nach dem 2. Weltkrieg,
museal abgerundet wird dies durch das Haus der
Geschichte. Für Touristen ist die Stadt Bonn auch
das Tor zum einzigartigen Rheintal. Diese touristi-
schen Alleinstellungsmerkmale gilt es, noch besser
zu kommunizieren.
Weitere Impulse zur Stärkung der Lebendigkeit der
Innenstadt werden durch die Events im öffentli-
chen Raum gesetzt. In der jüngsten Vergangenheit
ist jedoch vielfach zu beobachten, dass sich die
Städte mit ihrer Veranstaltungsdichte überschla-
gen. Bei der Programmentwicklung ist künftig
darauf zu achten, dass Qualität vor Quantität
steht. Darüber hinaus sollten auch die Anwoh-
nerinnen und Anwohner durch Angebote ange-
sprochen werden. Über den Event hinaus wissen
Bewohnerinnen und Bewohner wie Besucherinnen
und Besucher öffentliche Räume mit hoher Auf-
enthaltsqualität und Freizeitangeboten zu schät-
zen. Will man hingegen das Nachtleben aktivieren,
bietet es sich an, räumliche Nischen in der Stadt
abseits von Wohnquartieren zu suchen, um Nut-
zungskonflikte zu vermeiden.
3.4 Grün- und Freiräume
Durch die Stadtumlandkooperationen im Zuge der
Regionale 2010 werden die regionalen Grünzüge –
wie z.B. das Grüne C – künftig zu erlebbaren Land-
schaftsräumen umgestaltet, die das Kultur- und
Naturerbe der Region hervorheben. Diese Potenzi-
ale gilt es, stärker mit der Freiraumstruktur der
Stadt Bonn zu verknüpfen, wozu Bezüge in den
Landschaftsraum weiter ausgebaut werden müs-
sen. Der Rhein hat für die Stadtentwicklung
eine zentrale Bedeutung, da er innerhalb des
Stadtraums Qualitäten für Freizeit, Wohnen und
Arbeiten ausbildet. Um die Erlebbarkeit der Fluss-
lage zu stärken, ist die Zugänglichkeit des Rheins
für unterschiedliche Nutzergruppen zu erhöhen
und die Rheinpromenade umzugestalten, so dass
höhere Aufenthaltsqualitäten angeboten werden
können. Qualitätvolle Zugänge und attraktive
Verbindungen an das Wasser werden momentan
durch bauliche Barrieren verstellt, außerdem lässt
die Gestaltung der Wegeverbindungen zu wün-
schen übrig: „Es gibt keine Stadt am Rhein, die so
wenig am Rhein liegt wie Bonn!“ (Zitat aus dem 1.
öffentlichen Forum)
Die Lage am Wasser sollte künftig zu einer „neuen
Adresse“ führen und kann zu einer erfolgreichen
Standortentwicklung der Stadtmitte beitragen.
Dem Schutz und der Profilierung der vorhandenen
Freiräume am Wasser kommt daher eine wesentli-
che Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der
„Inneren Stadt“ zu. Da es zudem keine oder nur
wenige systematische Verbindungen zwischen den
Luftbild der Poppelsdorfer Allee mit dem Botanischen Garten
19.Seite 23 von 76

verschiedenen Freiräumen gibt, gilt es neben dem
Ausbau des bereits bestehenden innerstädtischen
Freiraumsystems, Verknüpfungen zwischen den
Grünräumen aufzubauen.
Nicht nur um Aufenthaltsqualitäten für die Besu-
cherinnen und Besucher der Stadt Bonn anbieten
zu können, sondern auch um den „Wohnstand-
ort“ der „Inneren Stadt“ zu stärken, sind die Wei-
terentwicklung der vorhandenen Grün- und
Freiräume und deren Vernetzung wichtige Ziel-
setzungen des Masterplans. Zur Verbesserung der
Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner
sind eine nutzergerechte Ausgestaltung der Grün-
flächen und die Zugänglichkeit zu den Freiräumen
im Wohnumfeld wichtige Faktoren der künftigen
Stadtentwicklung. Es gilt, neue konsumfreie Räu-
me zu erzeugen, die als ruhige, grüne „Inseln“ im
Stadtraum Rückzugsmöglichkeiten bieten. Sie leis-
ten auch einen hohen ökologischen Beitrag und
haben eine besondere Bedeutung für das Stadtkli-
ma. Im Rahmen zukünftiger Entwicklungsaktivitä-
ten gilt es, für etwaige Nutzungskonflikte frühzei-
tig zu klären, inwieweit der Freiraumentwicklung
Vorrang vor der Nachverdichtung von Arealen ge-
währt werden soll. Neben der Aufwertung vorhan-
dener Grünanlagen ist die Entwicklung von Freiflä-
chen ein wichtiges Ziel in diesem Themengebiet.
3.5 Wohnen
Die Stadt Bonn steht in den nächsten Jahren vor
der Herausforderung einer wachsenden Bevölke-
rung. Das stetige Bevölkerungswachstum führt
zu einem angespannten Wohnungsmarkt,
was bereits heute festzustellen ist. Flächenpoten-
ziale zur Neuausweisung von Wohnbauland sind
– wenn vorhandene Freiraumqualitäten der „Inne-
ren Stadt“ gesichert werden sollen – nur begrenzt
vorhanden. Zudem ändern sich auch in Bonn die
Ansprüche an Wohnungen. Anforderungen an
Größe, Zuschnitt und Ausstattung von Wohnun-
gen entwickeln sich weiter. Das gilt sowohl für den
Neubau von Wohnungen als auch für den Woh-
nungsbestand. Der Status quo ist durch ein Neben-
einander unterschiedlicher Quartiere mit jeweils ei-
genen Qualitäten gekennzeichnet. Zum Teil liegen
Stadtteile mit starkem Bevölkerungswachstum und
Quartiere mit Bevölkerungsrückgang sehr dicht
nebeneinander. Zwischen den nördlichen und den
südlichen Wohnlagen existiert ein starkes Preisge-
fälle auf dem Wohnungsmarkt. Einige Quartiere
der „Inneren Stadt“ sind trotz ihrer unmittelbaren
Nähe durch die Hauptverkehrsstraßen von der In-
nenstadt abgeschnitten.
Aufgrund der dichten Besiedelung sind die Städte
von einer bevölkerungsstrukturellen Entwicklung,
bedingt durch den demografischen Wandel sowie
die Pluralisierung (Ausdifferenzierung der Lebens-
stile), in besonderem Maße betroffen. Im Rahmen
des ExWoSt-Forschungsprojektes „Kommunale
Konzepte: Wohnen“ wurde für die Entwicklung
der Stadt Bonn ein dynamisches Konzept erarbei-
tet, mit dem Ziel, für verschiedene Standorttypen
und Nachfragergruppen Handlungsempfehlungen
zu geben und somit eine „nachfrageorientierte
Mietlagenkarte der Stadt Bonn (Stand 01.06.2011)
Quelle: Stadt Bonn • Gutachterausschuss für Grundstückswerte
Mietlagenwerte:
sehr gut
gut
mittel
einfach
Hofgarten
20Seite 24 von 76

Angebotspolitik“ zu betreiben. Ein Ergebnis ist,
dass integrierte und gemischte Wohnkonzepte
sowohl für ältere Menschen als auch für Familien
mit Kindern sinnvoll erscheinen. Der Trend „Zurück
in die Stadt“ wurde für die Zielgruppe der älteren
Menschen mit Veränderungsbedarf und die „Emp-
ty-Nest“-Haushalte bestätigt.
Diese Nachfrage gilt es zu bedienen. Neue Wohn-
projekte wie die „Wahlverwandtschaften“ oder
das Wohnprojekt „Amaryllis“ im Stadtteil Beu-
el, haben Modellcharakter für die Bildung neuer
Gemeinschaftsformen, die auch über das Bonner
Stadtgebiet hinaus Wirkung zeigen. Nur mangelt
es momentan an flächendeckenden Angeboten
nachbarschaftlicher Wohnformen und kleinerer
Wohnungen mit guter infrastruktureller Versor-
gung. Die Planung konzentriert sich derzeit auf die
Identifikation von Flächenpotenzialen, die kurz- bis
mittelfristig projektiert werden sollen.
Eine Schlüsselaufgabe für die Stärkung des inner-
städtischen Wohnens stellt das Ausbalancieren
zwischen der Entwicklung neuer Wohnangebote
durch Nachverdichtung, Ertüchtigung des breiten
Wohnungsbestandes und der Berücksichtigung
vorhandener Freiraumqualitäten dar. Für die Pla-
nung und Gestaltung des Wohnraums gilt das
Prinzip der Flexibilisierung, um auf die sich än-
dernden Bedürfnisse der Zielgruppen reagieren zu
können. Es etablieren sich aktuell Wohnkonzepte
wie generationsübergreifende Projekte, aber diese
brauchen in der Weiterentwicklung Spielräume, da
die Ausdifferenzierung dieser Wohnformen noch
nicht abgeschlossen ist. Zu achten ist auf die Ent-
wicklung von preiswertem Wohnraum, da inner-
städtische Lagen in Teilbereichen den oberen Rand
des Preisniveaus bilden und so die Alternative des
Stadtrandhauses für viele realisierbarer erscheint.
Um der Abwanderung in die Vorstadt entgegen-
zuwirken, sind die Gründung neuer Trägerschaften
und andere Kooperationsformen zu fördern. Wie
schon im Themenfeld „Demografischer Wandel“
beleuchtet, ist die Aufwertung des gesamten
Wohnumfeldes von zentraler Bedeutung. Einzel-
handel und Dienstleistungen, öffentlicher Raum
und Verkehr sowie die soziale Infrastruktur sind
auf die Wachstumszielgruppen, ältere Menschen
und Familien mit Kindern, auszurichten.
3.6 Öffentlicher Raum und Einzelhandel
In der Stadt Bonn besteht nicht nur auf innerstädti-
scher Ebene sondern ebenfalls im Vergleich zu an-
deren Kommunen der Region im Rhein-Sieg-Kreis
mit der City ein wirtschaftlich starkes Handels-
zentrum. Mit mehr als 120.000 qm Einzelhan-
delsfläche weist die City annähernd ein Drittel der
gesamtstädtischen Handelslagen auf. Zudem zeigt
sich die Bonner Bevölkerung als sehr kaufkräftig.
Was die Einzelhandelszentralität angeht, fällt die
Stadt jedoch hinter seinen Nachbarn Siegburg zu-
rück. Kurze Wege und ein vielfältiges Spektrum an
Einzelhandelsangeboten sowie kulturellen und in-
stitutionellen Einrichtungen tragen zu der Attrak-
tivität der Bonner City bei. Neben den Filialisten,
die für die Anziehungskraft über die Stadtgrenzen
hinaus von hoher Bedeutung sind und wesentlich
auf die Stabilität der Einzelhandelsstruktur wirken,
verleiht der Besatz an inhabergeführten Ge-
schäften in der Innenstadt sowie die in vielen Be-
reichen wahrzunehmende historische Baustruktur
der City ein besonderes Flair. Darüber hinaus ist für
Bewohnerinnen und Bewohner der Innenstadt die
Nahversorgung gewährleistet, die zudem durch
Wohnen in der Thomas-Mann-Straße
Geschäftslage am Münsterplatz
Sternstraße
21.Seite 25 von 76

eine Reihe angrenzender Ortsteilzentren ergänzt
wird. Mit Wegen geringer als 500 Metern zum
nächstgelegenen Lebensmittelbetrieb ist die Nah-
versorgungssituation in der „Inneren Stadt“ Bonn
insgesamt als gut zu bezeichnen.
Die Bonner City erhält ihre identitässtiftende Wir-
kung aus der Kompaktheit der Innenstadt, aus der
Vielzahl attraktiver öffentlicher Räume, den in ei-
nigen Teilbereichen wahrnehmbaren historischen
Baubeständen sowie ihrer funktionalen Dichte
und Vielfalt. Das umfassende Angebot und das
breite Spektrum an Handelseinrichtungen ma-
chen daneben die Anziehungskraft der Bonner
Innenstadt aus. Den bestehenden Mix aus Han-
dels-, Dienstleistungs- und Kulturangeboten
gilt es weiterhin zu sichern und die oberzentrale
Versorgungsfunktion der City zu stärken, um die
Vorrangstellung im interkommunalen Wettbewerb
nicht zu verlieren.
Neben der rein quantitativen Ausstattung der
City an Einzelhandelseinrichtungen ist dies eben-
falls durch eine attraktive Nutzungsmischung an
Dienstleistungs-, Gastronomie, Kultur- und Wohn-
einrichtungen zu stärken. Der Handelsstandort
Bonn hat eine Alleinstellung aufgrund der inhaber-
geführten Angebote am Branchenmix, der andern-
orts vor allem durch die übliche Zusammensetzung
aus Filialisten, Kaufhäusern und Einkaufszentren
Standort
Sparkasse
Standort
Stadthaus
Standort
Bahnhofsumfeld
Kölnstraße
Versorgungsbereiche in der „Inneren Stadt“ Bonn
Quelle: Stadt Bonn • Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept, 2008
Bonner Innenstadt
Nordstadt
Weststadt
Beuel
Vilch
Arndtstraße
Bonner Talweg /
Rittershausstraße
Südstadt /
Weberstraße
Endenich
Poppelsdorf
KessenichLengsdorf
Amsterdamer Straße
Alt-Tannenbusch
Standort
Viktoriabad
existierender
Versorgungsbereich
Standort zur
Neuentwicklung
22Seite 26 von 76

geprägt ist. Diese Mischung bedarf einer stetigen
Beachtung in der Gestaltung der Innenstadt. Denn
durch die Aufgabe großer Kaufhäuser und Fach-
handelsgeschäfte kann die Gefahr bestehen, dass
diese erschüttert wird.
Um die Attraktivität der Einzelhandelsangebote
in Zukunft sicherzustellen, ist zu prüfen, an wel-
cher Stelle in der Innenstadt geeignete Flächen
gefunden werden können, mit denen durch die
Entwicklung neuer Handelslagen eine gute Ein-
bindung in die bestehende Einzelhandelsstruktur
gewährleistet werden kann, so dass der Bestand
sinnvoll ergänzt und Synergieeffekte erzielt wer-
den können. Durch die Entwicklung neuer Flächen-
angebote soll keine Verlagerung der bestehenden
Passantenströme erfolgen, sondern sie sind in die
bestehenden Lagen zu integrieren. Neben den
Flächen, die derzeit mit dem Neubau der Sparkas-
senzentrale entwickelt werden, existieren mit dem
Standort des stillgelegten Viktoriabades, mit den
Entwicklungsoptionen am Standort des Stadthau-
ses sowie den Flächen im Bahnhofsumfeld weitere
drei Areale für eine nennenswerte Gestaltung des
Einzelhandels in der Bonner City. Über Umfang,
Lage, Maßstab und Dichte möglicher Neuentwick-
lungen bestehen in der hiesigen Diskussion unter-
schiedliche Auffassungen.
Des Weiteren sollten nicht nur die „Toplagen“ der
City im Fokus stehen, sondern auch die preisgüns-
tigeren Einzelhandelslagen in den Randzonen
miteinbezogen werden, um allzu großen Dispari-
täten innerhalb der City entgegenzuwirken. Dazu
sind Strategien zu entwickeln, wie private Einzel-
handelstreibende besser in zukünftige Entwick-
lungsaktivitäten einbezogen und die Kooperati-
on zwischen privaten und öffentlichen Akteuren
nachhaltig gestärkt werden können. Im Rahmen
der Standortentwicklung spielt für die Sicherung
der Einzelhandelsstruktur ebenfalls die Erreichbar-
keit und Organisation des ruhenden Verkehrs eine
entscheidende Rolle. Als A-Zentrum ist die Innen-
stadt nicht nur über den öffentlichen Verkehr gut
anzubinden, ebenfalls ist die gute Erreichbarkeit
für den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu
gewährleisten.
3.7 Arbeit und Wirtschaft
Die Bonner City besitzt mit ihren zentralen Han-
dels- und Dienstleistungslagen eine hohe Wirt-
schaftskraft innerhalb des gesamten Stadtgebie-
tes, deren Funktion es weiterhin zu stärken gilt.
Der ausgebaute Dienstleistungsstandort spielt
auf dem Büroflächenmarkt eine wichtige Rolle.
Die Innenstadt erweist sich bereits heute als wich-
tiger Wirtschaftsstandort nicht nur für die Stadt
Bonn, sondern für die gesamte Region. Die City
stellt damit nicht nur für die Bürgerinnen und Bür-
ger, sondern auch für den Wirtschaftssektor einen
wichtigen Repräsentationsraum dar. An ihr lässt
sich stellvertretend die Leistungsfähigkeit einer
Stadt ablesen. Im Rahmen künftiger Entwicklungs-
aktivitäten bedarf es daher der Sicherung großer
Arbeitgeber in der Innenstadt, damit Arbeitsplätze
Brachenverteilung der Bonner Wirtschaftssektoren
für den Bereich der „Inneren Stadt“ Bonnfür den Bereich der Gesamtstadt Bonn
Luftbild der Bonner Universität
23.Seite 27 von 76

durch Verlagerung von Unternehmenssitzen nicht
verloren gehen und Kaufkraft nicht schwindet. Zu
den wichtigen Arbeitgebern der „Inneren Stadt“
zählt die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Univer-
sität. Die Sicherung von Flächen zur Entwicklung
der Universität in der „Inneren Stadt“ besitzt da-
her eine hohe Priorität, zumal die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter und die Studierenden erheblich
zur Vitalität der Stadt beitragen. Daneben gibt es
bereits Profile, die es in Zukunft auch weiterhin zu
stärken gilt. Hier sind die Bestrebungen für den
Ausbau des UNO-Standortes und zur Siche-
rung der Bundeseinrichtungen im Stadtgebiet
zu nennen.
Wichtig ist die Weiterentwicklung der Wirt-
schaftscluster aus den Bereichen der Gesund-
heitswirtschaft, der Informations- und Kom-
munikationstechnologien und der Sparte der
Geoinformationsbranche. Gerade in der Bonner
Wissenslandschaft sind positive Wechselwirkun-
gen für die Entstehung neuer Unternehmensfel-
der zu erwarten. Darüber hinaus bietet Bonn mit
seinen börsennotierten Unternehmen im Kom-
munikations- und Informationstechnologiesektor
weitere Potenziale für die Bildung weiterer Arbeits-
plätze. Die großen Arbeitgeber in der Stadt binden
wiederum kleinere Dienstleistungseinrichtungen,
Kanzleien, Praxen und Büros.
Wie bereits in den verwandten Themenfeldern
konstatiert, spielen wachsende Ansprüche an Le-
bens- und Arbeitsumfeld für die Akquisition qua-
lifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
eine steigende Rolle. Dazu zählen ansprechende
Wohnlagen, attraktive Stadtzentren mit einem
umfangreichen Angebotsspektrum aus Handels-,
Kultur-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen sowie
hohe Frei- und Grünraumqualitäten.
3.8 Nachhaltige Mobilität
Hauptbahnhof und Busbahnhof (ZOB) schließen
die „Innere Stadt“ Bonn an den öffentlichen Per-
sonennahverkehr (ÖPNV) an. Allerdings fehlt es
stadtgestalterisch an einem einladenden Entrée in
die Stadt. Nach wie vor bildet das Zentrum in seiner
Funktion als Wirtschaftsstandort ein wichtiges Ziel
für den MIV und den Lieferverkehr. Den ruhenden
Verkehr bedient ein dichtes Netz von Parkhäusern,
Beruhigung des MIV ist und bleibt allerdings ein
zentrales Thema in Bonn. Gleichzeitig gilt es, über
die Fußgängerzonen und die öffentlichen Plätze
in der Innenstadt die Fußläufigkeit – das schnelle
Erreichen unterschiedlicher Nutzungen und Funk-
tionen in der „Inneren Stadt“ – und das Radver-
kehrssystem weiter zu stärken.
Bonn hat sich für das Jahr 2020 das Ziel gesetzt,
Fahrradhauptstadt zu werden. Das erfordert ein
hierarchisches System für den Alltagsverkehr. Der
Radverkehrsanteil in der Stadt Bonn soll mittel- bis
langfristig deutlich auf 25% gesteigert werden.
Für die „Innere Stadt“ Bonn bedeutet dies in Zu-
kunft ein alternatives Mobiltitätskonzept zu ent-
wickeln. Neben einem zuverlässigen öffentlichen
Verkehrssystem müssen attraktive Fuß- und Rad-
wegeverbindungen treten. Gerade im Hinblick auf
den demografischen Wandel ist ein sicherer Fuß-
verkehr für alle Nutzergruppen herzustellen. Für
die Erreichbarkeit von Zentren wird dem motori-
sierten Verkehr von Seiten der Wirtschaft hohe Pri-
orität zugesprochen. Um jedoch die „Innere Stadt“
Bonns für Besucherinnen und Besucher und für Be-
wohnerinnen und Bewohner lebenswert zu gestal-
ten, bedarf es Alternativen wie der E-Mobilität und
Umverteilungsprojekten wie Carsharing. Es geht
aber auch um das Ausloten von Planungsspielräu-
men und das Infragestellen althergebrachter Ver-
kehrsgewohnheiten. Andere deutsche Städte wa-
gen dies über Modelle wie shared space. Dies sind
Mischverkehrsräume, in denen sich MIV, ÖPNV,
Rad- und Fußgängerverkehre gleichberechtigt ne-
beneinander bewegen.
Zudem sind gestalterische Maßnahmen im Be-
reich der Verkehrsräume zu beachten. Das schließt
die Neugestaltung von Straßenräumen zur Verbes-
serung der Aufenthaltsqualität mit ein. Es gilt, die
Quartiere, die mitunter durch Verkehrsbarrieren
voneinander getrennt werden, durch komfortab-
lere Querungsmöglichkeiten miteinander zu ver-
binden. Im Zuge dieser Zielsetzung drängt sich das
mehrfach erwähnte Handlungsfeld „Innere Stadt
zum Rhein öffnen“ nach vorne. Hier soll die par-
tielle, aber wesentliche Qualität des Stadtraumes,
die Wasserlage, neu inszeniert werden.
3.9 Klima, Energie und Umwelt
Der Klimawandel und seine Folgen sind in Deutsch-
land mittlerweile deutlich spürbar. Auch die Stadt-
planung kommt nicht umhin, sich mit den klima-
tischen Veränderungen und ihren Auswirkungen
auf die Gestaltung von Stadträumen auseinander-
zusetzen. Neben den Themen Wärmeinseln, Wind-
feldern, Versiegelung und Schadstoffbelastung
steht für die Stadt Bonn der Hochwasserschutz
im Fokus. Spätestens seit den beiden Jahrhun-
Bonner ZOB
24Seite 28 von 76

derthochwassern von 1993 und 1995 wissen die
Verantwortlichen, vor welchen großen Herausfor-
derungen sie von Zeit zu Zeit stehen werden. Da-
mals kam es zu Rekordpegelständen von über 10
Metern, die bis dato für die Rheinanwohnerinnen
und -anwohner und städtischen Behörden unvor-
stellbar gewesen waren.
Im Masterplan wird eine Aufwertung und Neu-
gestaltung des Uferbereiches der „Inneren Stadt“
empfohlen. Für diesen Bereich stellt sich die Hoch-
wassergefahr zwar weniger kritisch dar, es gilt je-
doch auch hier das Gebot der Wachsamkeit. So
sollten auch an dieser Stelle, trotz eines effektiven
Hochwasserschutzes von mehr als 7,5 Metern im
Bereich des „Alten Zolls“, stets die drohenden
Gefahren kalkuliert werden. Darüber hinaus ist zu
erwägen, inwieweit das Thema Hochwasser auch
gestalterisch wirksam werden kann. Beispielsweise
gibt es in der HafenCity Hamburg Terrassen, die
bei Hochwasser geplant geflutet werden können.
Hierüber führt man „unbequeme“ Themen wie
die Folgen des Klimawandels in das öffentliche Be-
wusstsein ein.
Durch den Klimawandel werden die ohnehin be-
stehenden Probleme eines Stadtklimas verschärft.
Durch die von der Sonne aufgeheizten Gebäude
entstehen Wärmeinseln, durch den mangelnden
Luftaustausch mit dem Umland werden städtische
Windfelder verursacht. Plötzliche und unerwartet
starke Niederschläge überschwemmen die versie-
gelten Flächen und fluten die Kanalisation. In Ver-
längerung dieser symptomatischen Problematik
muss sich die zukünftige Stadtentwicklung prä-
ventiv mit den Aufgabenfeldern des Klimaschutzes
z.B. energieeffiziente Mobilität, energetische Sa-
nierung von Gebäuden, sorgfältiger Umgang mit
erneuerbaren Energien und der Ressource Boden
beschäftigen.
Ressourcenorientierte Infrastrukturplanung und
Eindämmung des Flächenverbrauchs sind wichtige
Stichwörter in diesem Bereich. Auch die Revitali-
sierung innerstädtischer Brachflächen und Baulü-
cken fördert die Innenentwicklung und reduziert
die Flächeninanspruchnahme einer Stadt. Einer
zukunftsorientierten Stadtentwicklung gelingt es
eine ausgeglichene Flächeninanspruchnahme
zu forcieren, deren Ergebnis eine gute Balance zwi-
schen einer strukturierten Nachverdichtung und
der Entwicklung qualitativ hochwertiger Freiräume
im Stadtraum ist.
Luftbild der Bonner Innenstadt
Baulücke an der Bornheimer Straße
25.Seite 29 von 76

26
Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“Entwicklung des Viktoriabadareals
zu einem gemischt genutzten
Quartier inklusive WohnnutzungenEntwicklung der Ermekeil-
kaserne als einen besonderen
Standort in der SüdstadtEntwicklung des Standortes Poli-
klinik zu einem gemischt genutzten
Quartier inklusive WohnnutzungenGestalterische Aufwertung der
Bornheimer Straße zur Verbes-
serung des WohnumfeldesGestalterische Aufwertung
der Kölnstraße zur Verbes-
serung des WohnumfeldesEntwicklung des Standortes Kinder-
klinik zu einem gemischt genutzten
Quartier inklusive WohnnutzungenGestalterische Aufwertung des
Chlodwigplatzes, um Aufent-
haltsqualitäten zu erzeugenAusschöpfen der Flächen-
potenziale für studentische
Wohnformen
4. Handlungsfelder der StadtentwicklungSeite 30 von 76

27.
Fünf zentrale Handlungsfelder wurden formuliert.
Diese orientieren sich an den thematischen Zielset-
zungen der Stadtentwicklung und repräsentieren
die Ziele für die künftige Gestaltung der „Inneren
Stadt“ Bonn. In der Beschreibung der Handlungs-
felder werden die zentralen Herausforderungen
und Aufgaben benannt, die es im Rahmen einer
zukunftsfähigen Gestaltung der „Inneren Stadt“
zu lösen gilt.
4.1 „Wohnen in der Inneren Stadt stärken“
Die Aufgabe, die „Innere Stadt“ als Wohnstand-
ort zu stärken, teilt sich in die Ertüchtigung der
Wohnungsbestände als auch in die Entwicklung
neuen Wohnraums. Dazu sind in der „Inneren
Stadt“ fehl- oder mindergenutzte Standorte so-
wie innerstädtische Baulücken und Brachflächen
zu betrachten. Eine Mobilisierung integrierter und
brach gefallener Flächen, ein gezieltes Leerstands-
management spielen eine wichtige Rolle für die
Identifikation neuer Wohnpotenziale. Bei allen
Flächenoptionen ist die Entwicklung zu gemischt
genutzten Strukturen, welche neben Wohn- auch
Büro- oder Dienstleistungsnutzungen oder auch
Kulturfunktionen beinhalten, wesentliche Zielset-
zung des Masterplans „Innere Stadt“.
Im nördlichen Bereich der „Inneren Stadt“ beste-
hen Flächenpotenziale für Neubauten. Hier sind
die Standorte der Poliklinik und der VHS an der
Wilhelmstraße als auch die Standorte Zahnkli-
nik / Finanzamt und das Johanneshospital zu
nennen. An der Bornheimer Straße gesellt sich das
Areal der ehemaligen Kurfürstenbrauerei dazu.
Im östlichen Bereich der Bonner Innenstadt sind
im Zuge der Umstrukturierung des Viktoriabad-
areals unterschiedliche Funktionen an dem Stand-
ort zu erzeugen, wobei auch Wohnnutzungen rea-
lisiert werden sollten.
Im südlichen Bereich der „Inneren Stadt“ stellen
die Ermekeilkaserne und die Kinderklinik die
beiden einzigen großflächigeren Flächenoptionen
dar, die erkennbar eine Umgestaltung zulassen.
Für beide Gebiete gilt, auch grüne Freibereiche
für die neuen Wohnnutzungen aber auch die
schon vorhandenen angrenzenden Wohnlagen
zu erzeugen.
Ein Schwerpunkt im Bestand bilden die Wohnla-
gen an der Kölnstraße und ebenso an der Born-
heimer Straße. Beide Teilbereiche weisen neben
gestalterischen Defiziten in den Bestandsgebäu-
den eine erhebliche Verkehrsbelastung auf, so
dass insbesondere in diesen Lagen bedingt durch
die hohen Verkehrsströme und die Lärmemissi-
onen vermehrt Leerstände zu verzeichnen sind.
Durch Eingriffe in den Verkehr lassen sich deutli-
che Verbesserungen der Wohnqualität erzeugen.
Durch eine attraktivere Gestaltung der öffentlichen
Räume können Anreize gebildet werden, private
Investitionen in die Modernisierung der Wohnbe-
stände freizusetzen. Daher ist zu prüfen, inwieweit
Verkehre aus der Bornheimer Straße und der Köln-
straße herausgenommen und andere ergänzende
Maßnahmen durchgeführt werden können.
Neben der Bildung neuer Wohnangebote für
unterschiedliche Nachfragegruppen ist für eine
Wohnstandortwahl die Hebung der Lebens- und
Wohnqualität in den verschiedenen Quartieren von
entscheidender Bedeutung. Eine ausreichende
Versorgung mit attraktiven Freiräumen und
Grünanlagen in der direkten Wohnumgebung,
VHS Wilhelmstraße
Wohnlagen an der Bornheimer Straße
Blick vom Dach des Stadthauses auf den Alten FriedhofSeite 31 von 76

28Entwicklung des
Bahnhofumfeldes mit
EinzelhandelsnutzungenEntwicklung der Erdge-
schosszone des Stadthauses
mit EinzelhandelsnutzungenSicherung der
Kleinteiligkeit der
EinzelhandelsstrukturStärkung der Wegebezie-
hungen von der Innen-
stadt in Richtung RheinEntwicklung des Viktoriabades zu
einem gemischt genutzten QuartierStädtebauliche Aufwertung
des Kaiserplatzes und des
Vorbereiches der KreuzkircheÖffnung des Bonner Münsters als
Ruhebereich in der Innenstadt
Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „City gestalterisch und funktional stärken“
das Sicherstellen der wohnungsnahen Versorgung
mit Gütern des täglichen Bedarfes und auch die
Nähe zu sozialer Infrastruktur sind wesentliche
Rahmenbedingungen für die zukünftige Stadt-
entwicklung. Potenziale zur Entwicklung der Frei-
flächen bieten für den nördlichen und westlichen
Bereich der „Inneren Stadt“ eine gestalterische
Aufwertung und Weiterentwicklung der Freiberei-
che (unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes)
in der Umgebung der Beethovenhalle, des Alten
Friedhofes und des Baumschulwäldchens. Auch
das Viktoriadreieck bietet die Chance zur Entwick-
lung einer Grünanlage. Für den südlichen Bereich
der „Inneren Stadt“ bekommt die Grünfläche um
die St. Elisabeth-Kirche eine neue Bedeutung, um
künftig verstärkt für angrenzende Wohnlagen als
Frei- und somit als Erholungsbereich zu dienen.
Auch lassen sich die Freiraumqualitäten des Sport-
platzes, der südlich der Reuterstraße / Ecke Haus-
doffstraße in der Nähe der Ermekeilkaserne liegt,
in Zukunft stärker einbeziehen.
4.2 „City funktional und gestalterisch
stärken“
Für die künftige Entwicklung der „Inneren Stadt“
aber auch für die Gesamtstadt stellt die Gestaltung
der City eine der wesentlichen Aufgaben der Stadt-
planung dar. Dauerhafte Herausforderungen an
die Entwicklung der Innenstadt werden – beispiels-Seite 32 von 76

29.
weise durch immer kürzere Modernisierungsinter-
valle im Einzelhandel – gestellt. Eine barrierefreie
Gestaltung aufgrund demografischer Verände-
rungen sind in diesem Zuge nur einer von vielen
Aspekten, die einen Anpassungsbedarf an die Ge-
staltung öffentlicher Räume wie auch an Gebäu-
den begründen. Im Kern aller Aktivitäten geht es
darum, die Attraktivität der Innenstadt zu stärken
und die Imagewirkung weiterzuentwickeln.
Kleinteilige Handelsstrukturen in vorwiegend
historischen Gebäuden sind charakteristisch für
das Flair der Bonner Innenstadt. Diese konzentrie-
ren sich im Norden des Zentrums um die Bereiche
der Sternstraße, der Friedrichstraße und der Bonn-
gasse. Im Rahmen der Bestandssicherung und einer
zukunftsfähigen Gestaltung preiswerter Handelsla-
gen bieten sich durch eine bessere Verknüpfung
dieser Standorte mit den Einzelhandelslagen der
Nordstadt neue Potenziale. Soll das gelingen,
muss die Barrierewirkung der Oxfordstraße und
des Bertha-von-Suttner-Platzes abgebaut werden.
Entwicklungspotenziale bieten sich darüber hinaus
durch die Zusammenlegung einzelner Geschäfte
innerhalb geschlossener Baublöcke durch eine hof-
seitig geführte Passage.
Neben der Förderung kleinteiliger Geschäftsein-
heiten, bedarf es der Bereitstellung geeigneter
Flächen für eine Modernisierung großflächiger
Einzelhandelsstrukturen, da diese wichtige An-
gebote mit hoher Anziehungskraft für Besucherin-
nen und Besucher von außerhalb darstellen und
den Kaufkraftzufluss nach Bonn positiv begüns-
tigen. Von den in der Diskussion stehenden drei
Standorten in der Bonner City wird das Areal am
Bahnhof für eine derartige Entwicklung favorisiert.
Für den Bahnhof als Standort spricht die verkehrli-
che Anbindung, aber auch, dass die existierenden
Lauflagen in der Innenstadt keine Veränderungen
erfahren. Darüber hinaus wird mit der Ertüchti-
gung des Stadthausumfeldes ein weiteres Potenzi-
al für zusätzliche Einzelhandelsangebote gesehen.
Damit erfährt die gut frequentierte Lauflage des
Stadthauses eine zusätzliche Stärkung, die auch
für die Anbindung der Nordstadt an die Bonner
City einen Vorteil darstellt. Eine funktionale Neu-
gestaltung des Stadthaussockels ergibt zusammen
mit einer räumlichen Verlagerung des Verkehrs zur
Erschließung der Parkgarage Chancen, aus dem
Korridor ähnlichen Stadtraum entlang der Max-
straße und des weiteren Umfeldes am Stadthaus
neue Aufenthaltsqualitäten im öffentlichen Raum
zu generieren.
Neben diesen beiden Standorten befindet sich
durch die Aufgabe des Viktoriabades ein weiteres
Flächenpotenzial am östlichen Rand der Innen-
stadt. Als Entwicklung wird hier eine moderate
Erweiterung von Einzelhandelsflächen als sinnvoll
erachtet, wenngleich sich für den Standort auf-
grund der Nähe zum Hauptgebäude der Univer-
sität sowie zum Rhein zusätzliche Nutzungsmög-
lichkeiten anbieten. Neben der Etablierung von
Einzelhandels- und Gastronomieangeboten wer-
den als zusätzliche Optionen die Entwicklung von
Wohnnutzungen sowie Erweiterungsangebote für
die Universität gesehen.
Die beachtliche baukulturelle Qualität, das viel-
fältige Angebot sozialer und kultureller Infrastruk-
tur wie auch das Flair und die Atmosphäre öffent-
licher Räume zu sichern und qualitätvoll weiter zu
entwickeln, sind ebenso wichtige Zielsetzungen
des Handlungsfeldes. Neben der Bereitstellung
von Flächen für notwendige Modernisierungen im
Luftbild Bahnhofsbereich
Belderberg
Kaiserplatz mit Blick auf das Bonner MünsterSeite 33 von 76

30Stärkung der Freiraumqualitäten im Umfeld der
Beethovenhalle / Verbesserung der Verbindung
zwischen Stiftsplatz, Beethovenhalle und RheinDifferenziertes Wegesystem
entwickeln: Fußgängerverbin-
dungen barrierefrei gestaltenDifferenziertes Wegesystem ent-
wickeln: Komfort der Wegeführung
für Radfahrer optimierenDifferenziertes Wegesystem ent-
wickeln: Komfort der Wegeführung
für Radfahrer optimierenAufwertung und Gestaltung des
Rheinufers und der RheinpromenadeVerbesserung der Radverkehrs-
und MobilitätsangeboteStärkung der Zugänglichkeit
zum Rhein zwischen
Bischofsplatz und Altem ZollNeugestaltung des Platzbereiches /
Aufwertung der Grünstrukturen im
Umfeld RömerkranStädtebauliche Gestaltung des Umfeldes der
Oper / Aufwertung der Verbindung zum Rhein
zwischen Marktplatz, Brüdergasse und OperHerstellen von SichtbeziehungenNeugestaltung der Platzbereiche an
den Zugängen zum Rhein, Öffnung
der Blickbeziehungen zum Wasser
Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „Innere Stadt zum Rhein öffnen“
Einzelhandel kommt der Inwert-Setzung der Bon-
ner Baukultur eine entscheidende Rolle zu, um zur
Schärfung des Images der Innenstadt beizutragen.
Das Bonner Münster mit dem Martinsplatz,
Keimzelle der historischen Entwicklung, ist einer
der räumlichen Impulse der künftigen Stadtent-
wicklung. Aktuell stellt der Bereich jedoch einen
wenig qualitätvollen Teilabschnitt in der City dar.
Deren Wahrnehmbarkeit wird durch die verkehr-
liche Abwicklung über den Martinsplatz und die
Straße Am Neutor erheblich eingeschränkt. Die
räumliche und visuelle Verknüpfung des Bonner
Münsters mit der Kreuzkirche wie auch die Ein-
bindung der Universität und des angrenzenden
Viktoriabad Areals in die Innenstadt werden durch BrüdergasseSeite 34 von 76

31.
die Barrierewirkung des Cityrings erschwert. Für
diesen – gerade auch wegen seiner räumlichen
Enge vom Verkehr dominierten – Bereich sind
Möglichkeiten zu prüfen, wie die Barrierewirkung
abgebaut werden kann. Eine verkehrliche Neuord-
nung im Vorbereich der Kreuzkirche und des Kai-
serplatzes bietet das Potenzial, das Bonner Müns-
ter zusammen mit der Kreuzkirche effektvoller
miteinander zu verknüpfen. Damit rücken auch die
Innenstadt und der Hofgarten enger aneinander,
so dass die Scharnierfunktion des Kaiserplatzes
innerhalb des Stadtgefüges eine höhere Bedeu-
tung erhält. Durch die gestalterische Aufwertung
können Räume mit unterschiedlichen Verweilqua-
litäten entwickelt werden. So bietet neben dem
Kaiserplatz ein umgestalteter Martinsplatz Mög-
lichkeiten zur Belebung der Stadt. Mit einer stär-
keren Einbeziehung des Kreuzganges würde sich
darüber hinaus innerhalb der Innenstadt ein intro-
vertierter Raum anbieten, in dem man den sonsti-
gen Trubel der Stadtkulisse hinter sich lassen kann.
4.3 „Innere Stadt zum Rhein öffnen“
Der Rhein durchquert das Stadtgebiet von Bonn
und bietet als Erholungsraum mit den angren-
zenden Flächen enorme Potenziale für verschie-
dene Nutzungen. Unterschiedlicher könnten die
Rheinufer in Bonn allerdings nicht sein: Auf der
rechtsrheinischen Seite ist der Uferbereich mit dem
Stadtteil Beuel und den angrenzenden Wohn-
gebieten unmittelbar vernetzt, während auf der
linksrheinischen Seite die Verbindung an den Rhein
nur in wenigen Bereichen erkennbar ist. Geprägt
ist der Raum durch Bundesbauten, dem markanten
Post-Tower und meist für Büronutzung geprägte
Villen. Im nördlichen Abschnitt der Rheinpromena-
de bestimmen Wohnnutzungen und gastronomi-
sche Angebote den Raum. Es bestehen fast keine
direkte Wegeverbindungen von der Innenstadt bis
hin zum Rhein, räumliche
Barrieren erschweren die
Erreichbarkeit des Flusses
und Gebäude und Gärten
sind von der Uferprome-
nade nicht einsehbar. Um
die Attraktivität dieser Be-
reiche und die Erlebbarkeit
des Rheins zu verbessern,
bedarf es einer Aufwer-
tung und Gestaltung
des Rheinufers und der
Rheinpromenade. Um
die Stadtsilhouette mit be-
sonderen Akzenten deut-
licher in den Vordergrund
zu stellen, ist das Rheinu-
fer als Standort für Kultur,
Gastronomie und Wohnen
weiterzuentwickeln. Ne-
ben öffentlichen Räumen
können auch private Flä-
chen zum Wasser geöffnet
werden, um Standortqualitäten auszubilden. Die
Orientierung zwischen Rheinufer und Innenstadt
ist in weiten Teilen verbesserungswürdig, da vor-
handene räumliche Barrieren wie Verkehrstrassen
die Wegeverbindungen in Richtung Rhein behin-
dern. Um eine Öffnung der „Inneren Stadt“ in
Richtung Rhein zu ermöglichen, sind Beziehungen
zum Rhein bereits in der City zu erzeugen. Um für
unterschiedliche Nutzergruppen die Zugänglich-
keit zum Rhein zu gewährleisten, gilt es, Verknüp-
fungen zum Wasser barrierefrei und orientie-
rungssicher zu gestalten.
Auch sollten Korrespondenzen zum Beueler Ufer
hergestellt werden, um Verbindungen zwischen
den beiden Rheinufern auf- bzw. auszubauen. Ins-
besondere sind Querungspunkte wichtig, so dass
die Qualität der Brückenköpfe stärker in den Fokus
genommen werden muss. Platzbereiche an den
Zugängen zum Rhein sind zudem neuzugestalten,
so dass Blickbeziehungen zum Wasser in den un-
terschiedlichen Teilbereichen der „Inneren Stadt“
gestärkt werden.
Derzeit bestehen im Ufer-
bereich der Beethoven-
halle Gestaltungsdefizite,
so dass der Bereich seiner
repräsentativen Funktion
sowie seiner wichtigen
stadträumlichen Bedeu-
tung nicht mehr gerecht
wird. Zur Steigerung der
Aufenthaltsqualität sind
die Freiraumqualitäten im
Umfeld der Beethoven-
halle zu stärken. Hier sind
die Flächen dem denkmal-
würdigen Charakter ent-
sprechend aufzuwerten.
Um die Verknüpfungs-
wirkung zu verbessern,
ist die Verbindung zwi-
schen dem Stiftsplatz, der
Beethovenhalle und dem
Rhein auszubauen.Rheinpromenade - Erzberger Ufer
Vorbereich an der OperSeite 35 von 76

32Herstellen einer barrierefreien Verbindung zwi-
schen dem Güterbahnhofareal und der NordstadtStärkung der Verbin-
dungsachse Poppels-
dorfer Allee durch
eine Gestaltung der
UnterführungExpansion und Kon-
zentration der Bonner
Universität an den
Standorten Campus
City, Poppelsdorf und
EndenichAusbilden einer attrak-
tiven PlatzgestaltungVerknüpfung über die Immen-
burgstraße und die Haltestelle
Bonn-West herstellenEntwicklung des Standortes Kinderklinik
zu einem gemischt genutzten Quartier
inklusive UniversitätsnutzungenEntwicklung des Standortes
Viktoriabad zu einem gemischt
genutzten Quartier inklusive
UniversitätsnutzungenStärkung der attraktiven Verbin-
dungsachse Poppelsdorfer AlleePotenziale des
ehemaligen
Schlachthof-
standortes für
die Weiter-
entwicklung
des nördlichen
Bereiches nutzenStädtebauliche Aufwer-
tung des Kaiserplatzes
und des Vorbereiches
der Kreuzkirche
Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „Potenziale der Universität in der Stadt nutzen“
Ein weiterer Schwerpunktbereich ist neben der
Beethovenhalle auch das Umfeld der Oper, wo
Defizite in der Gestaltung bestehen. Dort ist das
Umfeld neu zu strukturieren und die Verbindung
zum Rhein zwischen dem Marktplatz, der Brüder-
gasse und der Oper aufzuwerten. Auch die Ver-
knüpfung zwischen dem Bischofsplatz und
dem „Alten Zoll“ ist zu verbessern, um einen
weiteren attraktiven Zugang zum Wasser anbie-
ten zu können. Der „Alte Zoll“ bietet mit den
Resten der historischen Befestigungsanlage und
dem Zugang zum Stadtgarten einen touristischen
Ankerpunkt, allerdings ist der Zugang zum Rhein
in diesem Bereich besonders problematisch, da
die Uferpromenade nur über eine Treppenanlage
zu erreichen ist. Auch dieser Bereich ist barriere-
arm und orientierungssicher zu gestalten, so dass
unterschiedliche Nutzergruppen an den Rhein ge-
langen können.
4.4 „Potenziale der Universität in der Stadt
nutzen“
Als einer der besten Wissenschaftsstandorte der
Welt wird die Rheinische Friedrich-Wilhelm-Univer-
sität ihrem Ruf als traditionsbewusste Forschungs-
universität von internationalem Rang gerecht. Die
Lage der Universität inmitten der Bonner City gilt
es für die Profilbildung der „Inneren Stadt“ zu nut-
zen. Angesichts der anstehenden EntwicklungenSeite 36 von 76

33.
für den Ausbau der Universitätseinrichtungen be-
steht die Chance, diese stärker in der Stadtstruktur
zu akzentuieren. Unumstritten bindet die Universi-
tät nicht nur qualifizierte Einwohnerinnen und Ein-
wohner an die Stadt, sondern ist auch ein wichti-
ger Motor für den Wirtschafts- und Kulturbetrieb.
Für die künftige Entwicklung der Hochschule wur-
de ein Standortentwicklungskonzept erarbeitet. Im
Kern beinhaltet das Konzept eine Expansion und
Konzentration der Einrichtungen und Institu-
te auf vier wesentliche Standorte. Davon be-
finden sich drei Campus-Bereiche direkt innerhalb
oder im Nahbereich der „Inneren Stadt“:
• der City Campus mit dem Hauptgebäude des
Residenzschlosses am Hofgarten,
• der Poppelsdorfer Campus mit seinen Entwick-
lungspotenzialen um den Bereich nördlich der
Carl-Troll-Straße und
• der Endenicher Campus auf dem ehemaligen
Standort der Immenburg westlich an die „Inne-
re Stadt“ angrenzend.
Für eine stärkere Öffnung der Universität sind
räumliche Verflechtungen von Universität und In-
nenstadt zu stärken. Zur langfristigen Sicherung
besteht der Bedarf, erforderliche Raumansprüche
für eine Entwicklung des City Campus in der In-
nenstadt vorzuhalten. Die Chancen, die sich mit
der Entwicklung des Viktoriabadareals in unmit-
telbarer Nähe zum Hauptgebäude bieten, sind für
Expansionsansprüche der Universität mit zu nut-
zen. Entlang der im Zuge der Universitätsentwick-
lung entstandenen Achse der Adenauer Allee ste-
hen mit der Aufgabe des Kinderklinikstandortes
weitere Flächenpotenziale zur Sicherung universi-
tärer Entwicklungen bereit. Für die Bildung kom-
fortabler Wegeverbindungen entlang dieser Achse
werden mit der Neugestaltung der Uferpromenade
am Rhein, der Sicherung der Freiraumqualitäten
am Hofgarten sowie der Erneuerung des Stadtgar-
tens wichtige Impulse gesetzt.
Im Zuge zunehmenden Verkehrsaufkommens zwi-
schen den Campus-Standorten sind neue Konzep-
te zu entwickeln, wie das Mobilitätsaufkommen
umweltverträglich gestaltet werden kann. Die
Förderung des Radverkehrs wird hier eine zentrale
Rolle einnehmen. Dafür sind jedoch Wegeverbin-
dungen für Fußgänger und Radfahrer attraktiver
und in Teilen auch sicherer zu gestalten. Die stadt-
strukturell prägende Achse der Poppelsdorfer Allee
stellt in diesem Zusammenhang eine qualitätvolle
Verbindung zwischen dem Campus Poppelsdorf
mit dem City Campus dar. Der Engpass an der
Bahnunterführung der Poppelsdorfer Allee
ist jedoch, durch die Anlage einer zweiten Unter-
führung als separate Spur für den Radverkehr zu
beheben. Ebenfalls zeigt sich für eine komfortable
Verbindung die heutige Gestaltung des Scharnier-
punktes Kaiserplatzes mit der derzeitigen verkehr-
lichen Situation als unbefriedigend. Mit einer He-
rausnahme des Verkehrs im Querungsbereich der
Maximilianstraße ebenso wie mit einer Verlagerung
des ÖPNV aus der Straße Am Neutor bieten sich
räumliche Gestaltungsmöglichkeiten für attraktive,
komfortable und sichere Wegeverbindungen in die
Innenstadt wie zum Residenzschloss.
Neben der Verknüpfung dieser Standorte wird
künftig entscheidend sein, wie für eine Expansi-
on am Campus Endenich eine komfortable Ver-
bindung für den Rad- und Fußverkehr entwickelt
werden kann. Dazu bietet sich mit einer Umstruk-
Standort der KinderklinikHauptgebäude der Universität
Koblenzer Tor und ViktoriabadSeite 37 von 76

34Herstellen einer barrierefreien
Verbindung zwischen dem Güter-
bahnhofareal und der NordstadtAufwertung der Wohnlagen
an der Bornheimer StraßeAusbildung einer attraktiven
Platz- und GrüngestaltungAusgestaltung von Toren zur „Inneren Stadt“
für eine verbesserte OrientierungAusgestaltung von Toren
zur „Inneren Stadt“ für eine
verbesserte OrientierungAufwertung der Wohnlagen
an der KölnstraßeGestalterische Aufwertung
des StiftsplatzesEntwicklung
der Standorte
der Poliklinik
und der VHSEntwicklung
der Kurfür-
stenbrauereiStädtebauliche Gestal-
tung der ViktoriabrückeEntwicklung der
Erdgeschosszone
des Stadthauses
Räumliche Schwerpunktbereiche des Handlungsfeldes: „Verflechtungs- und Zugangsräume aufwerten“
turierung des ehemaligen Güterbahnhofareals
an der Endenicher Straße eine Vielzahl von Po-
tenzialen. Hintergrund der hier aufgezeigten Ent-
wicklung stellen die historischen Konzeptionen zur
Anlage zentraler Achsen dar. Ähnlich der Poppel-
dorfer Allee sollte eine Achse vom Poppelsdorfer
Schloss zum Schloss Brühl errichtet werden, die in
der heutigen Stadtstruktur die Nußallee und die
Kaufmannstraße darstellen.
In langfristiger Perspektive könnte auf dem Gelän-
de des Güterbahnhofs diese Achse bis zur Immen-
burgstraße fortgeführt werden. Als Pendant zum
Botanischen Garten bietet die Entwicklung des Be-
reiches eine Aufwertung der Standortadresse des
eher untergenutzten Areals. Aufgrund der Nähe zu
den universitären Einrichtungen wären weitere Ef-
fekte, neue Nutzungsmöglichkeiten für technolo-
gie- und wissensaffine Einrichtungen etablieren zu
können. Mit der Bildung neuer Freianlagen wäre
eine Steigerung der Umfeldqualitäten zu erzielen.
Auch besteht das Potenzial für die „kreative Sze-
ne“ Teilabschnitte offen zu lassen, damit sich dort
„kreative Milieus“ bilden können. Mit neuen Que-
rungen im Osten über die Bahntrasse und im Wes-
ten über die BAB 565 ließe sich die Standortgunst
durch eine verbesserte Erreichbarkeit der angren-
zenden Quartiere auch mit der Haltestelle Bonn-
West erheblich steigern.Ausgestaltung von Toren zur „Inneren Stadt“
für eine verbesserte OrientierungSeite 38 von 76

35.
4.5 „Verflechtungs- und Zugangsräume auf-
werten“
Wesentliche Zielsetzung in diesem Handlungsfeld
ist es, stärkere Verknüpfungen zwischen den
unterschiedlichen Stadtteilen der „Inneren Stadt“
herzustellen und die Verbindungen in Richtung
Innenstadt zu verbessern. Räumliche Mängel kon-
zentrieren sich in der „Inneren Stadt“ vorrangig an
den Rändern der Stadtteile, daher sind insbeson-
dere dort Verbindungen aufzubauen und Gestal-
tungsdefizite im Straßenraum und im öffentlichen
Raum auszugleichen. Es gilt, die Potenziale der
inneren Peripherien für die Entwicklung der „In-
neren Stadt“ zu nutzen. Für einen beispielhaften
Umgang werden dazu in diesem Handlungsfeld
die nördlichen und westlichen Bereiche der „Inne-
ren Stadt“ näher betrachtet.
Bislang ruft die Bahnlinie zwischen der Weststadt
und der Nordstadt eine deutliche Barrierewirkung
hervor. Fehlende Übergänge erschweren die Ver-
knüpfung angrenzender Bereiche der „Inneren
Stadt“, weshalb neue Querungsmöglichkeiten
insbesondere für den Fuß- und den Radverkehr zu
entwickeln sind.
Zwischen den Quartieren fehlen vor allem klein-
räumige Verknüpfungen. So trennt die Oxford-
straße die Innenstadt stark von der Nordstadt ab.
Da nicht nur die Oxfordstraße, sondern der gesam-
te Cityring eine deutliche Barriere in der „Inneren
Stadt“ darstellt, ist eine bessere Anbindung der
Stadtteile an die Innenstadt in vielen Teilabschnit-
ten anzustreben. Die verschiedenen Quartiere
müssen künftig besser über Verkehrstrassen hin-
weg miteinander verknüpft werden. Im Zuge der
notwendigen Sanierung der Viktoriabrücke ist es
Ziel, eine Anbindung an die Thomastraße zu erzeu-
gen, um eine Verbindung der zentralen Hauptver-
kehrsstraßen in Ost-West und Nord-Süd Richtung
zu erhalten. Um eine verbesserte Orientierung im
Straßenraum zu erzeugen, sind Knotenpunkte in
der „Inneren Stadt“ aus-
zugestalten. Hauptsächlich
geht es dabei um Bereiche,
die direkt an der Autobahn
565 liegen oder auch um
Teilabschnitte am Hochsta-
den-, Kaiser-Karl- und Au-
gustusring.
Wie bereits im Handlungs-
feld Wohnen beleuchtet,
sind die Wohnlagen an der
Bornheimer Straße und an
der Kölnstraße aufzuwer-
ten, um dem gesamten
Wohnumfeld eine neue
Attraktivität zu geben.
Von der Entwicklung neu-
er Aufenthaltsqualitäten
in diesen Bereichen der In-
neren Stadt profitieren nicht nur die Bewohnerin-
nen und Bewohner, sondern auch Besucherinnen
und Besucher der Stadt. Beispielsweise stellt die
Bornheimer Straße eine wichtige Verbindung zwi-
schen der Innenstadt und kulturell wie touristisch
bedeutsamen Einrichtungen wie dem August-
Macke-Haus und dem Bonner Kunstverein dar.
Um die Aufenthaltsqualität in der „Inneren Stadt“
deutlich zu stärken, sind neben Maßnahmen im
Straßenraum oder im öffentlichen Raum auch Frei-
raumqualitäten auszubauen. Insgesamt bestehen
in der Nordstadt nur wenig öffentlich nutzbare
Parkanlagen oder auch kleinere, grüne Plätze. Ei-
nige vernachlässigte Grünräume bedürfen der in-
tensiven Pflege wie z.B. der Alte Friedhof, welcher
aufgrund seiner kunsthistorisch wertvollen Grab-
mäler unter Denkmalschutz steht.
Wichtiger Standort, der direkt in der Verbindung
zwischen der Innenstadt und der Nordstadt liegt,
ist das Stadthaus Bonn. Um die städtebauliche
Situation des Stadthauses zu verbessern und eine
gute Anbindung von der Innenstadt an die Nord-
stadt zu ermöglichen, sind attraktive Nutzungen
im Erdgeschossbereich zu etablieren. Weiterhin
kann in der Nordstadt die
Entwicklung der Standor-
te der Poliklinik und der
VHS durch die Realisie-
rung gemischt genutzter
Quartiere einen wesent-
lichen Entwicklungsschub
auslösen. Durch eine
Neugestaltung der Grün-
bereiche können hier
neue Verbindungsmög-
lichkeiten innerhalb der
Stadtquartiere entwickelt
werden. Die Verbesse-
rung der Verbindungen
ist insbesondere mit einer
funktionalen Stärkung
neuer Entwicklungen in
der „Inneren Stadt“ zu
betrachten.
August-Macke-Haus an der Bornheimer Straße
Wohnlagen an der KölnstraßeSeite 39 von 76

5. Erschließung der „Inneren Stadt“
Vorhandenes Hauptstraßennetz zur Erschließung der „Inneren Stadt“Welschnonnenstraße,
SandkauleKölnstraßeBornheimer
StraßeHeinrich-Böll-RingBonner TalwegReuterstraßeMeckenheimer AlleeEndenicher StraßeOxfordstraßeAdenaueralleeKaiser-Karl-
RingThomastraßeRabinstraßeBelderberg
36Seite 40 von 76

5.1 Der Masterplan und der Verkehrsent-
wicklungsplan 2020
Die räumlich-funktionale Entwicklung der „In-
neren Stadt“ muss Hand in Hand mit ihrer Ver-
kehrsentwicklung gehen. Der zurzeit in der Endab-
stimmung befindliche Verkehrsentwicklungsplan
2020 (VEP 2020) trifft die notwendigen Aussagen
zur Verbesserung der Erschließungsqualität bei
umweltverträglicher Organisation des Verkehrs für
die gesamte Stadt.
„Die Stadt Bonn möchte in Zukunft den in der Stadt
fließenden Verkehr umweltverträglicher und nach-
haltiger als heute bewältigen. Mit dem VEP 2020
wird ein Konzept für ein integriertes, verkehrssek-
torübergreifendes Handlungskonzept vorgelegt,
dessen Umsetzung dazu beitragen wird, die als
Umweltverbund bezeichneten Verkehrsmittel Fuß,
Rad und ÖPNV zu fördern und zu stärken. Gleich-
zeitig soll der MIV weiterhin zur Funktion der Stadt
beitragen können. Die vier Verkehrsmittel werden
eigenständig behandelt und aufeinander abge-
stimmt. Wie die vorgeschlagenen Maßnahmen
zeigen, soll der ÖPNV weiter entwickelt und dem
Fuß- und Radverkehr wieder mehr Gewicht gege-
ben werden“. (Aus der Kurzfassung des VEP 2020)
Der Masterplan „Innere Stadt“ stützt sich auf die
Aussagen des VEP 2020 modifiziert, ergänzt und
konkretisiert sie jedoch dort, wo durch Verände-
rungen des Erschließungssystems der „Inneren
Stadt“ wesentliche räumliche und funktionale
Qualitätsverbesserungen zu erwarten sind oder
neue städtebauliche Entwicklungsperspektiven
eröffnet werden können. Deshalb spielen für den
Abgleich der Aussagen der beiden Planwerke vor-
rangig zwei Fragen eine zentrale Rolle:
• Wo und wie lassen sich durch Veränderungen
des Verkehrsgerüstes Lagequalitäten verbes-
sern, insbesondere zur Stärkung des innerstäd-
tischen Wohnens und der zentralen Funktionen
der City?
• Wo sind welche verkehrlichen Vorleistungen
zur Verbesserung der Qualitäten im öffentlichen
Raum notwendig, um insbesondere die Verbin-
dungen und Verflechtungen zwischen der City
und den umliegenden Vierteln attraktiver und
komfortabler zu gestalten?
Diese zusammenhängende Auseinandersetzung
mit verkehrs- und städtebaulichen Aspekten ist
notwendig, wenn für die Entwicklung der „In-
neren Stadt“ wichtige Perspektiven umgesetzt
werden sollen:
• Stärkung des Wohnens in der „Inneren Stadt“,
vor allem auch preisgünstiges Wohnens, wofür
kleinere w

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Datenstand: 02.11.2026, 23:51 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de