210086-03 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Ergänzung/Anpassung der Anlagerichtlinie
Kerndaten
- Nummer
- 210086-03 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 19.09.2021
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe Empfehlung
- Sitzung des Rates Genehmigung
Dateien
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 210086-03 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 20 Stadtkämmerei Dezernat: Dez. II Ergänzung/Anpassung der Anlagerichtlinie Beratungsfolge Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 29.09.2021 Empfehlung Rat 28.10.2021 Genehmigung Inhalt der Stellungnahme: Die Verwaltung beantwortet die Fragestellungen der Politik wie folgt: 1. Die Verwaltung legt vor einer Entscheidung über die Vorlage ergänzend dar, welche konkreten Erfahrungen zur Revision der noch mit dem letzten Finanzanlagebericht (Drs. 201502, S. 14) im Ergebnis vertretenen Ablehnung von Aktienanlagen in Fremdwährung geführt haben. Die Verwaltung begründete ihren Vorschlag Fremdwährungen in einen kleineren prozentualen Umfang zuzulassen, mit der stetigen Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsansatzes und der damit verbundenen Reduzierung des Anlageuniversums. Seit dem Finanzanlagebericht 2019 auf den in der Frage Bezug genommen wird und der im Jahr 2020 den städtischen Gremien vorgelegt wurde, hat die Stadt Bonn, die bereits in der Umsetzung beschriebenen befindlichen Nachhaltigkeitsansätze seit Ende 2020 verpflichtend für die Vermögensverwaltung umgesetzt. Damit wurde z.B. der Nachhaltigkeitsansatz um nachhaltige Produkte und Dienstleistungen erweitert sowie die Berücksichtigung des internationale Kriterium UN Global Compact vorgegeben. Dadurch und durch die Erweiterung der Ausschlusskriterien (z.B. fossile Energien) wurde seit 2018 das Anlageuniversums von rund 1.000 Titel auf noch 500 auswählbarer Unternehmen aus der Eurozone reduziert und es erscheint nun notwendig, zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie (engere Auslegung der Nachhaltigkeitsstrategie in Bezug auf ESG und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen) sowie weitere Anpassung an gesellschaftlichen Entwicklungen, dassSeite 1 von 4 Seite 2 Anlageuniversum über die Zulassung von Fremdwährungen zu erweitern. Auch die im Bonner Koalitionspapier formulierten Ausschlusskriterien würden bei einer Umsetzung zu einer weiteren Reduzierung des Anlageuniversums führen. Von den aktuell unter Nachhaltigkeitsaspekten ausgewählten Unternehmen aus der Eurozone sind zwar lediglich rd. 65 und damit etwa 13% dieses Universums im Fonds ausgewählt, allerdings ist zu berücksichtigen, dass deutlich weniger als die unter Nachhaltigkeitsaspekten verbleibenden Unternehmen überhaupt in Frage kommen, denn im Hinblick auf Aktieninvestments wird die mögliche Auswahl zusätzlich reduziert durch: unattraktive fundamentale Unternehmensdaten oder durch unzureichende Liquidität der Aktie, im Hinblick auf Anleiheinvestitionen durch unzureichende Bonitätsratings, unattraktive fundamentale Unternehmensdaten, unzureichende Liquidität oder schlicht dadurch, dass Unternehmen zwar als Aktiengesellschaft, aber nicht als relevanter Anleiheemittent am Kapitalmarkt auftreten. Bezüglich des Fremdwährungsrisikos ist darauf hinzuweisen, dass durch eine Erweiterung des Anlageuniversums gleichzeitig auch wieder Risiken reduziert werden. Für die vergangenen drei Jahre lässt sich für den Fonds auf Basis der Entwicklung des globalen Aktienindex "MSCI-Welt" ermitteln, dass eine Allokation von internationalen Aktien zwar zu mehr Risiko im Sinne von Volatilität (Standardabweichung p.a.) und maximalem Kursverlust (Maximum Drawdown) geführt hätte, aber auch zu mehr Ertrag/Performance (s. folgende Tabelle). Vergleicht man den Ertrag für das eingegangene Risiko mit dem Ertrag für eine risikolose Anlage (Sharpe Ratio), so steigt dieser mit der Fremdwährungsquote an, d.h. das Eingehen des Fremdwährungsrisikos wäre für die hier betrachteten Fremdwährungsanteile von 5% oder 7,5% "effizient" gewesen. FX 0,00% FX 5,00% FX 7,50% Performance 3 Jahre 7,73% 9,48% 10,35% Performance p.a. 2,51% 3,06% 3,33% Standardabweichung p.a. 6,60% 6,99% 7,20%Seite 2 von 4 Seite 3 Sharpe Ratio 0,4 0,5 0,5 MaxDrawDown -9,07% -9,55% -9,79% Vor dem Hintergrund, dass sich Marktlagen ändern, sind Prognosen in die Zukunft mit Unsicherheit behaftet. Aus diesem Grund schlägt die Verwaltung auch vor, den Fremdwährungsanteil insgesamt auf 7,5 % auf festgelegte Währungen und diese, wie in der vorgelegten Anlagerichtlinie beschrieben, auf einen bestimmten Anteil zu begrenzen. Eine Entscheidung gegen die Zulässigkeit von Fremdwährungen würde in der Folge dazu führen, dass der Nachhaltigkeitsansatz der Stadt Bonn nur noch sehr eingeschränkt weiterentwickelt werden kann. Weitere Ausschlusskriterien, eine Anhebung des ESG-Scores oder eine Anhebung des Umsatzanteils nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen in Kombination mit dem ESG- Score würden letztlich nicht mehr vorgenommen, da das Anlageuniversum als nicht mehr ausreichend erscheint. 2. Die Verwaltung wird zudem gebeten, darzulegen welche alternativen Anlageformen, etwa in Gestalt von Immobilien, private equity und Mikrofinanz, oder der Anlage in Aktienfonds statt Einzelwerten gesehen werden und wie dies unter den Gesichtspunkten Ertragschancen und Risiko sowie Liquiditätssicherung bewertet wird. Die Verwaltung hat diese möglichen Ansätze bereits in der Vergangenheit mit den Vermögensverwaltern besprochen. Die durch die Verwaltung aufgezeigten und durch die Politik angesprochenen Alternativen, werden nachfolgend bewertet: Aktienfonds: Erfüllen in der Regel nicht zu 100 % die städtischen Nachhaltigkeitskriterien (Ausschlusskriterien, ESG-Score, Umsatzanteil nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen) kosten einen zusätzlichen Ausgabeaufschlag und führen damit letztlich zu einer geringeren Rendite als bei Direktanlagen in Aktien. Zudem ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der Vermögenshöhe der Stadt Bonn auch bei der Bonner Direktanlage die Diversifikation / Risikostreuung mit Einzeltiteln nach den Vorgaben der Stadt optimal erreicht werden kann, quasi wie in einem Aktienfonds. Immobilienfonds: Stellen eine nicht liquide Anlage dar, auch bei Umsetzung über einen offenen Fonds eingeschränkte Verfügbarkeit, da Kündigungsfristen einzuhalten sind. Fondsanteile müssen mindestens zwei Jahre lang gehaltenSeite 3 von 4 Seite 4 werden und können nur unter Beachtung einer Kündigungsfrist von einem Jahr zurückgegeben werden. Vor dem Hintergrund Corona und der aktuell nicht einschätzbaren Entwicklungen auf dem Gewerbeimmobilienmarkt stellen Immobilien vor dem Hintergrund des Risikos (Vermietungs- und Bewertungsänderungen) aktuell keine Anlageoption dar. Geschlossene Immobilienfonds dienen i.d.R. zur Finanzierung eines oder weniger konkreter Projekte, z.B. einer bestimmten Immobilie, eines Windparks oder eines Solarparks und entspricht einer unternehmerischen Beteiligung mit dem Risiko eines Kapitalverlustes, ggf. Nachschusspflichten. Aufgrund einer Rückgabemöglichkeit i.d.R frühesten nach zehn Jahren ergibt sich eine geringe Liquidität der Anlage bei eingeschränkter Risikostreuung. Keine laufende Bewertung des Investments und somit fehlende Transparenz. Mikrofinanzanlagen: Mikrofinanz ist ein wichtiges Instrument der Entwicklungspolitik. Hierunter versteht man die Vergabe von Kleinstkrediten (= Mikrokrediten) an Kleinunternehmer/innen in Entwicklungsländern. Diese Anlageform wäre aktuell nicht möglich, da hierbei immer Fremdwährungsrisiken eingegangen werden müssten, da in EUR keine Mikrokredite vergeben werden. Bei einem konservativen Anleger wie der Stadt Bonn, wäre grundsätzlich (vorausgesetzt Fremdwährung sind zulässig) vor dem Hintergrund des erhöhten Ausfallrisikos nur eine kleine Beimischung denkbar, wobei eine Rendite hieraus kaum messbar wäre. Geringe Liquidität sowie relativ hohe Fondkosten. Der Aspekt einer gerechten Welt wäre bei einer solchen Finanzanlage in den Vordergrund zu stellen. Private Equity: Private Equity bezeichnet privates Beteiligungskapital, das in nicht börsennotierte Unternehmen investiert wird. Investiert wird meist über einen geschlossenen Fond, so dass das Kapital nur sehr eingeschränkt verfügbar ist, bzw. erst nach einer gewissen Laufzeit. Risiken sind deutlich höher (Kapitalverlust) als bei der Aktienanlage, damit nicht für konservativen Anleger geeignet. Anlage/n KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 06:57 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de