210040 · Mitteilungsvorlage
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kinder- und Jugendhilfe in Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 210040
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 17.02.2021
- Letzte Änderung
- 19.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Kenntnisnahme
Dateien
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Mitteilungsvorlage öffentlich 210040 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 51 Amt für Kinder, Jugend und Familie Dezernat: Dez. V Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kinder- und Jugendhilfe in Bonn Beratungsfolge Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 11.03.2021 Kenntnisnahme Mitteilung: Die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie hat vielfältige und teils erhebliche Folgen für die Situation von Kindern und Jugendlichen sowie für die diversen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe. Die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie stellen für Familien eine erhebliche Belastung dar. Innerfamiliäre Spannungen und Belastungen nehmen aufgrund des anhaltenden Lockdowns und der Kita- und Schulschließungen zu. Dies gilt – auch nach Rückmeldungen durch Jugendhilfeträger – insbesondere für Familien, die durch eine Hilfe zur Erziehung unterstützt werden aber auch für Familien mit wenigen sozialen, wohnräumlichen und finanziellen Ressourcen. Sowohl die Fachkräfte als auch die Adressaten*innen der Kinder- und Jugendhilfe sind mithin täglich von den vielfältigen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie betroffen. Das Amt für Kinder, Jugend und Familie informiert daher mit dieser Mitteilungsvorlage ausführlich über die aktuellen Auswirkungen der Corona- Pandemie auf die unterschiedlichen Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe in Bonn: 1) Hilfen zur Erziehung: a. Publikumsverkehr / Termine / Erreichbarkeit Die Bonner Stadtverwaltung hat aus Gründen des Gesundheitsschutzes derzeit grds. alle Dienststellen für den Publikumsverkehr geschlossen. Ein Besuch ist daher derzeit ausschließlich nach zuvor getätigter Terminvereinbarung möglich. Termine für persönliche Gespräche werden nur bei hierfür zwingend notwendigen Anlässen vergeben. Dementsprechend sind seit Dezember 2020 auch die Bezirksstellen und Besonderen Fachdienste des FFE in Bezug auf Termine vor Ort grundsätzlichSeite 1 von 10 Seite 2 geschlossen. Die Arbeit der Fachdienste für Familien- und Erziehungshilfe (FFE) findet aber weiterhin statt. Die Mitarbeitenden in den Bezirksstellen sind sowohl telefonisch als auch per Mail durchgehend während der Öffnungszeiten erreichbar. Zudem ist eine ausreichende Präsenz vor Ort in den Dienststellen und der sog. Anwesenheitsdienst sichergestellt, auch für eventuelle Krisensituationen. Beratungsgespräche und Hilfestellungen des FFE erfolgen derzeit überwiegend in Form von telefonischen Kontakten. Die technische Ausstattung des FFE wurde zudem so verbessert, dass Fallbesprechungen und Hilfeplangespräche mit Eltern und Hilfeanbietern auch als Videokonferenzen durchgeführt werden können. Darüber hinaus finden aber auch nach wie vor persönliche Gespräche vor Ort (oder an anderen Orten) und Hausbesuche statt, wenn diese aus fachlicher Sicht zwingend erforderlich ist. b. Kinderschutz / Hausbesuche / Gerichtstermine etc. Der Kinderschutz hat in Bonn auch während der Pandemie weiterhin höchste Priorität. Dies gilt z. B. insbesondere für akute Krisen in Familien oder auch für Fälle mit Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung. Alle in diesem Zusammenhang notwendigen persönlichen Kontakte, Hausbesuche, Termine in Einrichtungen (oder an anderen Orten), Gerichtstermine usw. werden weiterhin durchgeführt, sofern sie fachlich erforderlich sind. Meldungen auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung werden gemäß den bestehenden Standards im FFE nachgegangen. Bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Gefährdung wird die Situation der Kinder vor Ort in den familiären Haushalten überprüft. Bei der Durchführung von persönlichen Gesprächen, Hausbesuche etc. werden die Abstands- und Hygienevorgaben des RKI eingehalten, sofern und soweit dies möglich ist (was jedoch insbesondere bei Hausbesuchen nicht immer realisierbar ist). Die Zahl der Meldungen möglicher Kindeswohlgefährdungen sind während der aktuellen Lockdown-Phase erheblich zurückgegangen. c. Situation bei den Bonner Trägern der Hilfen zur Erziehung Die ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen zur Erziehung werden (durch die Träger der freien Jugendhilfe) weiterhin – auch während der Pandemie – geleistet und fortgeführt. Dies stellt alle Beteiligten (einschließlich der betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien) vor große und immer neue Herausforderungen. Im ambulanten Bereich finden inzwischen viele Beratungen per Telefon und Video statt, sofern dies aus fachlicher Sicht ausreichend und vertretbar ist. Aber auch in diesem Bereich gibt es nach wie vor vielfach die Notwendigkeit zur Durchführung persönlicher Kontakte, einschließlich Hausbesuchen etc.Seite 2 von 10 Seite 3 Für den Bereich Integrationsassistenzen an Schulen kann festgehalten werden, dass diese die Kinder im Rahmen der Beschulung im Distanzunterricht je nach individuellem Bedarf im häuslichen Umfeld begleiten bzw. ihre Begleitung auf alternativen Wegen wie Skypen, Videokonferenzen, Telefonaten, etc. sicherstellen, unter anderem um die betreffenden Kinder bei der Teilhabe an Bildung kontinuierlich zu unterstützen. Auch die Hilfen im Bereich der stationären Jugendhilfe finden – trotz Pandemie und Lockdown –ununterbrochen und kontinuierlich statt. Die Herausforderungen in diesem Bereich sind sehr vielfältig. Unter anderem waren in den letzten Monaten diverse Wohngruppen aufgrund von bestätigten Coronainfektionen komplett unter Quarantäne gestellt und mussten dennoch – auch während der Quarantänezeit – eine Versorgung und Betreuung der dort lebenden Kinder und Jugendlichen sicherstellen. Zudem stellt die Beschulung in Form des Distanzunterrichts bei Kindern und Jugendlichen, die in stationären Einrichtungen leben, eine besondere Herausforderung und Belastung dar (sowohl für die Träger und Betreuenden als auch für die betreuten Kinder und Jugendlichen). Außerdem wurde bereits unmittelbar nach Beginn der Krise speziell für den Bereich der Hilfen zur Erziehung ein eigener Krisenstab gebildet. In diesem Krisenstab sind sowohl Leitungskräfte verschiedener Erziehungshilfeträger als auch Leitungskräfte des Bonner Amtes für Kinder, Jugend und Familie vertreten. Der Krisenstab hat sich erstmals bereits am 16.03.2020 zusammengefunden und inzwischen vielfach getagt. Im Vorfeld der jeweiligen Krisenstabssitzungen wurden bei allen Trägern aktuelle Probleme u. Ä. schriftlich abgefragt, so dass jeder Träger fortwährend die Möglichkeit hatte, aktuelle Fragestellungen und Rückmeldungen in die Sitzungen des Krisenstabs einzubringen. Die Ergebnisse der Krisenstäbe wurden jeweils protokolliert und unmittelbar nach der Sitzung an alle Träger der Erziehungshilfe versendet. Im Ergebnis konnten dadurch die jeweils aktuellen Probleme, Themen und Fragestellungen sehr zeitnah aufgegriffen und geklärt sowie verbindliche Vorgehensweisen vereinbart und Orientierungshilfen an alle Träger transparent kommuniziert werden. Diese Vorgehensweise wurde und wird dabei seitens der Erziehungshilfeträger ausdrücklich gelobt und als sehr hilfreich empfunden. Aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen im Bereich der Hilfen zur Erziehung hat der gesamtstädtische Krisenstab der Stadt Bonn in seiner Sitzung am 20.01.2021 außerdem beschlossen, für alle Mitarbeitenden der Bonner Erziehungshilfeträger anlassunabhängige Testmöglichkeiten anzubieten. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich alle Mitarbeitenden im Bereich der Hilfen zur Erziehung tagtäglich einer besonderen Verantwortung und vielfältigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Corona- Pandemie stellen. Dies geschieht stets zum Wohle und zum Schutz der hilfebedürftigen Kinder und Jugendlichen in Bonn. Dass dies so hervorragendSeite 3 von 10 Seite 4 gelingt, ist dem enormen Engagement und dem großen Einsatz der betreffenden Mitarbeitenden zu verdanken. 2) Kindertageseinrichtungen: Die Kitas haben während des ersten Lockdowns in unterschiedlicher Weise Kontakt zu den Kindern und ihren Familien gehalten und hatten dabei gut im Blick, wie es den Kindern ging. Dazu gehörte auch, dass Familien, die z.B. nicht so gut Deutsch sprechen, die Maßnahmen zu Corona und die entsprechenden Hintergründe erläutert wurden. Kinder, bei denen das Kindeswohl gefährdet schien, wurden in die Notbetreuung aufgenommen. Nach dem ersten Lockdown ließen sich noch keine Aussagen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Entwicklung der Kinder machen. Seinerzeit gab es die folgenden Beobachtungen in den städtischen Kitas, die allerdings keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben: Die Sorge der Kitas, dass Kinder bei der Rückkehr neu eingewöhnt werden müssten, bestätigte sich nicht. Auch wurde in der Regel keine Verunsicherung und Angst – ausgelöst durch Corona – bei den Kindern festgestellt. Sowohl Kinder als auch Fachkräfte waren froh, den Alltag wieder gemeinsam verbringen zu können. Das derzeitige, sehr starre System der vorgeschriebenen Gruppensettings haben die Kinder ohne Problem angenommen. Mehrere Kita-Leitungen aus unterschiedlichen Sozialräumen berichteten, dass sie den Eindruck hätten, dass den Kindern die Zeit mit den Eltern gutgetan habe und sie deutliche Fortschritte in der Entwicklung gemacht hätten. Auch jetzt im eingeschränkten Pandemiebetrieb halten die Einrichtungen so gut es geht Kontakt zu den Familien. Die Nutzung der Betreuung ist in den Kitas sehr unterschiedlich. In manchen Einrichtungen werden derzeit 10%, in anderen 70% der Kinder betreut (Stand: 01.02.2021). Insbesondere an Standorten, an denen Kinder besonders von einem regelmäßigen Besuch der Kita profitieren würden – z.B. weil in der Familie nicht deutsch gesprochen wird oder die Wohnungssituation sehr beengt ist – ist die Nutzung eher gering. Zwischenzeitlich dauern die Beschränkungen so lange an, dass grundsätzliche Überlegungen zu treffen sind, welche Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung aller Kinder möglich sind. Kinder sind in besonderer Weise Leidtragende der Pandemie. Da sie nicht in erster Linie selbst gefährdet sind (sie erkranken ja häufig gar nicht, sondern übertragen nur), schützen sie durch ihren Verzicht auf Kontakte die Erwachsenen. Sie passen sich bereitwillig und vertrauensvoll den Gegebenheiten an. Grundsätzlich kann derzeit nur vermutet werden, welcheSeite 4 von 10 Seite 5 Folgen die Pandemie für Kinder bezogen auf ihre Entwicklung haben wird, auch wenn diese aktuell vielleicht gar nicht sichtbar werden. Wenn man sich vorstellt, dass ein Jahr Pandemie im Leben eines 5-jährigen Kindes 10 Jahre im Leben eines 50-jährigen Menschen bedeuten, wird klar, wie einschneidend die Einschränkungen für Kinder sind – zumal junge Kinder noch nicht über die Fähigkeit verfügen, zu erkennen, dass es sich um einen sehr kleinen zeitlichen Ausschnitt ihres Lebens handelt. Für sie ist die Pandemie ihr Leben. Kinder müssen derzeit ihre originären Bedürfnisse nach Kontakt, Spiel mit anderen, Bewegung, Spontanität etc. über einen langen Zeitraum weitgehend unterdrücken. Der Hirnforscher Gerald Hüther geht davon aus, dass die Gefahr besteht, dass Kinder den Zugang zu diesen Bedürfnissen verlieren und diese gar nicht mehr wahrnehmen. Da Kinder sehr anpassungsfähig sind, fügen sie sich in die Situation. Als professionelle Begleiter*innen in Kita, offener Jugendarbeit und OGS braucht es Wissen über die Auswirkungen der Pandemie bei Kindern, ein hohes Maß an Selbstreflektion (Stichwort: eigene Ängste) sowie an Sensibilität gegenüber dem, was die Kinder zeigen. Ggfs. bedarf es auch zusätzlichen Fachwissens, um nach der Pandemie zu einer Aufarbeitung beitragen zu können. Auch die Ängste und der Druck der Eltern (Soll ich mein Kind zuhause betreuen? Wie sieht meine berufliche Zukunft aus? etc.) wirkt sich auf die Kinder, aber auch auf das Verhältnis zwischen Eltern und Kita aus. Wenn hier Spannungen entstehen, bekommen Kinder leicht das Gefühl, zwischen den Stühlen zu sitzen oder sogar selbst an den Konflikten Schuld zu haben. Kinder in besonderen Lebenslagen sind nicht nur in ihrer Persönlichkeitsentwicklung bedroht, sondern auch in ihren Bildungschancen. Das betrifft auch den Bereich der Sprache. Inwieweit dies in Kita und Schule aufzuholen ist, bleibt abzuwarten. 3) (Offene) Jugendarbeit: Angebote der Offenen Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit sind seit Beginn der Corona-Pandemie kaum planbar und mussten häufig flexibel angepasst werden. Während des ersten und des zweiten Lockdowns waren alle Präsenzangebote nicht zulässig. Jungen Menschen fehlte damit ein wichtiges Element der sozialen Infrastruktur und der Bildungslandschaft der Bundesstadt Bonn. Die Angebote der Offenen Jugendarbeit bieten jungen Menschen einen wichtigen Sozialisationsraum und tragen zur Förderung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten bei. Jugendverbandsarbeit und Offene Jugendarbeit ermöglichen dabei informelle und non-formale Bildungsprozesse. Sie knüpfen immer an den Interessen, Bedürfnissen und Bedarfen der jungen Menschen an, orientieren sich anSeite 5 von 10 Seite 6 aktuellen Entwicklungen und sind somit von stetigem Wandel geprägt. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind zwei herausragende Merkmale, die sich in der Bewältigung der Corona-Pandemie als sehr vorteilhaft und hilfreich gezeigt haben. Angesichts der Kontaktbeschränkungen als Maßnahme gegen die Corona- Pandemie war und ist die Jugendarbeit gefordert, sich flexibel an die aktuelle Situation anzupassen. Dabei gingen die Beschränkungen von einem vollständigen Verbot von Präsenzangeboten bis hin zu Angeboten für kleine Gruppen mit 5, 10, 20 oder 30 Teilnehmenden. Wichtige Prinzipien der Offenen Jugendarbeit, wie freiwillige und wechselnde Teilnahme und Offenheit sind während der Corona-Pandemie nicht umsetzbar. Um jungen Menschen weiterhin Unterstützung bieten zu können, waren sowohl eine Anpassung der Angebotsformen als auch neue fachliche Herangehensweisen notwendig. Digitale Angebote wurden ebenso wie kontaktarme entwickelt. Die Kreativität reichte dabei von Kreativ-Paketen für zu Hause über digitale Kontaktangebote bis hin zu Sportangeboten per Live-Stream. In den vergangenen Monaten führte die ständig notwendige Anpassung der Hygienekonzepte und die Entwicklung neuer fachlicher Herangehensweisen zu einem enormen Arbeitspensum bei den pädagogischen Fachkräften. Angebote waren kaum planbar und mussten häufig flexibel angepasst werden. Trotz des hohen Einsatzes führten die pandemiebedingten Einschränkungen teilweise zum Kontaktverlust zu den Besucherinnen und Besuchern der Angebote. Digitale Kontaktmöglichkeiten wurden von Jugendlichen beispielsweise gut angenommen und stellten für Kinder häufig eine größere Hürde dar. In vielen Fällen wurden durch die Pandemie auch bei Kindern und Jugendlichen viele Fragen, Unsicherheiten und Ängste geweckt, die durch die begrenzten Angebotsmöglichkeiten nur bedingt berücksichtigt oder aufgefangen werden konnten. Es hat sich gezeigt, dass im Bereich der Digitalisierung noch viele Entwicklungen möglich und notwendig sind. Im Bereich der wissenschaftlichen Fachexpertise wird derzeit häufig von einem Dreiklang aus Präsenzangeboten, aufsuchenden Angeboten und digitalen Angeboten gesprochen. Diese müssen konzeptionell verankert und gut aufeinander abgestimmt sein. Im Bereich der Richtlinienförderung konnten eine gute Regelung zu beispielsweise temporär erhöhten Fördersätzen und ein vereinfachtes Antragsverfahren dazu beitragen, die Träger und Fachkräfte besonders zu unterstützen, auch während der Corona-Zeit passende Maßnahmen anzubieten und durchzuführen. Insgesamt ist aber ein erheblicher Einbruch der Maßnahmen und Teilnehmer*innenzahlen gegenüber den Vorjahren festzustellen.Seite 6 von 10 Seite 7 4) Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz Im Bereich des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes gab es in den Fachstellen Medienpädagogik und Prävention seit der Corona-Pandemie einen Personalwechsel. Die Fach- und Koordinierungsstelle Gewaltprävention wird voraussichtlich im April 2021 besetzt. Für die neuen Fachkräfte im Bereich erzieherischer Kinder- und Jugendschutz ist es derzeit schwierig sich zu vernetzen und ihre Angebote bekannt zu machen. Aufgrund der außerordentlichen Belastung der pädagogischen Fachkräfte in den unterschiedlichsten Einrichtungen wie Jugendzentren oder Schulen bestanden dort keine Kapazitäten für die Teilnahme oder Durchführung an Präventionsangeboten. Deutlich wurde aber der enorme Unterstützungsbedarf hinsichtlich digitaler Angebote. Die Fachstelle Medienpädagogik hat daher gerade einen starken Fokus auf Digitalisierung. Insgesamt wird im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes derzeit verstärkt konzeptionell gearbeitet und Angebote und Fortbildungsveranstaltungen vorbereitet. 5) Jugendsozialarbeit Die Angebote der Jugendsozialarbeit (Beratungsstelle für Jugendberufshilfe und Straßensozialarbeit) waren ebenfalls durch die Regelungen der Coronaschutzverordnung erheblich eingeschränkt. Präsenzangebote waren hier nur in Ausnahme- und Krisenfällen möglich. Somit sind auch für die Angebote der Jugendsozialarbeit erhebliche Auswirkungen auf die Beratung und Unterstützung junger Menschen mit sozialen Benachteiligungen oder individuellen Beeinträchtigungen festzustellen. Die gewohnten und eingeübten Beratungssettings konnten hier über lange Zeiträume nicht genutzt werden. Beratungen mussten per Telefon oder in digitaler Form erfolgen. Hierdurch kam es zu einer deutlichen Verlangsamung des Beratungsprozesses und Minderung von Lerneffekten durch sehr erschwertes oder teilweise unmögliches gemeinsames Arbeiten an Dokumenten (Bewerbungsschreiben etc.). Bei jungen Menschen, bei denen keine telefonischen oder digitalen Kontaktmöglichkeiten bestanden, kam es unweigerlich zu Kontaktverlusten. Wenn Beratungen technisch möglich waren, sank oftmals der erreichbare Komplexitätsgrad der Zusammenarbeit erheblich. Die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Beratungsstelle für Jugendberufshilfe in den Schulen konnten unter strenger Beachtung der Hygienevorschriften nur in den Zeiten durchgeführt werden, in denen der Präsenzunterricht gestattet war. Neben den direkten Angeboten für und mit jungen Menschen gestaltete sich aber auch der Austausch und die Vernetzung mit anderen Institutionen (Jobcenter, Berufsberatung, Schulsozialarbeit, Bewährungshilfe, Jugendgerichtshilfe, Jugendhilfeträger) nur über digitale Medien schwieriger und zeitaufwändiger.Seite 7 von 10 Seite 8 Seit einiger Zeit registriert die Beratungsstelle für Jugendberufshilfe eine steigende Anzahl von Beratungen und eine Zunahme von hilfesuchenden jungen Menschen. Da die Folgen des Home Schoolings inklusive nicht durchführbarer Praktika und des Wegfalls großer Teile der sozialen Infrastruktur sich auch in der Zukunft weiter auswirken werden, wird auch zukünftig mit einem hohen Beratungs- und Unterstützungsbedarf, einer sehr hohen Auslastung aller Beratungsangebote und einer weiterhin großen Belastung der pädagogischen Fachkräfte gerechnet. 6) Internationale Begegnungsstätte Die Bildungsangebote der Internationalen Begegnungsstätte des Amtes für Kinder, Jugend und Familie sind unterschiedlich stark von den Maßnahmen zur Reduzierung des Infektionsgeschehens betroffen. Während des ersten und des zweiten Lockdowns waren alle Präsenzangebote untersagt und durften nicht stattfinden. Von Mitte Mai bis zu den Sommerferien und ab Ende der Sommerferien 2020 durften Bildungsangebote mit Einschränkungen durchgeführt werden. Während der Sommerferien war es möglich ein reduziertes Ferienangebot für einige wenige anzubieten. Zur Wahrung der Mindestabstände musste bei allen Bildungskursen die Anzahl der Teilnehmer*innen auf etwa die Hälfte bzw. maximal 8 Personen begrenzt werden. Bei gleichbleibender hoher oder steigender Nachfrage konnte und kann somit vielen Kindern quer durch alle Altersstufen kein entsprechendes Förderangebot gemacht werden. Inzwischen finden vier Kurse für Jugendliche aus Abschlussklassen digital statt. Die Dozenten*innen der Internationalen Begegnungsstätte berichteten von wahrnehmbaren größeren Lerndefiziten bei den Kindern und Jugendlichen. Die Sorge der Eltern spiegeln diese wider. So berichten Eltern mit Migrationshintergrund über eine Überforderung bei der Begleitung ihrer Kinder in der derzeitigen Schulphase. 7) Erziehungs- und Familienberatung Im ersten Lockdown gab es in der städtischen Erziehungsberatungsstelle (EB) einen Rückgang der Fallzahlen. Viele Familien gingen offenbar davon aus, dass die städt. EB geschlossen sei. Zudem gab es wenig Zeit für Beratung zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung. Im Jahresdurchschnitt stieg die Zahl der begonnenen Beratungen jedoch um ca. 35% im Vergleich zum Vorjahr an (trotz Rückgang beim ersten Lockdwon). Im vierten Quartal 2020, als die Corona-Fallzahlen anstiegen, betrug die Steigerung der begonnenen Beratungen sogar ca. 80%. Auch die konfessionellen Beratungsstellen berichteten von einer Steigerung der Anmeldezahlen im Vergleich zu den Vorjahren. Besonders Jugendliche ersuchten vermehrt Unterstützung.Seite 8 von 10 Seite 9 In den Erziehungsberatungsstellen wurde deutlich, dass besonders die Belastung bei Jugendlichen sehr hoch ist. Suizidgedanken und depressive Verstimmungen wurden häufiger berichtet, aber auch aggressive Verhaltensweisen oder exzessiver Medienkonsum. In den Entwicklungsphasen der Kindheit und Adoleszenz ist der soziale Kontakt in der Freundesgruppe besonders wichtig und wird schmerzlich vermisst. Auch war/ist die hohe Belastung der Familien im Lockdown Thema (Zerrissenheit zwischen Homeoffice bei gleichzeitiger Kinderbetreuung, Home Schooling, fehlende Ausgleichsmöglichkeiten, wie Sport und Freunde treffen). Eltern berichten häufig über Sorgen um ihre Kinder und den Druck der Arbeitgeber, trotz gleichzeitiger Betreuung der Kinder im Homeoffice volle Leistung zu bringen. Bestehende Konflikte (z.B. nach Trennung und Scheidung der Eltern) verschärften sich bei hohen Belastungen der Einzelnen. Eltern und Fachkräfte berichten über fehlende Therapieplätze. Teilweise wird dies durch die Beratungsstellen kompensiert, um die langen Wartezeiten bis zum Therapiebeginn (häufig länger als ein halbes Jahr) zu überbrücken. Erstmals bzw. vermehrt wurden Telefon- und Videoberatungen sowie Beratungs-Spaziergänge angeboten, zudem präventive Veranstaltungen im Online-Format. Dies nahmen Ratsuchende dankbar an. Eine Beratung face-to- face ist zwar immer noch meist der fachliche bessere Weg, Online-Beratungen schützen jedoch das Personal und die Ratsuchenden vor Ansteckung und entlasten auch teils bei knappen Zeitressourcen der Eltern durch wegfallende Wegzeiten. In fachlich notwendigen Fällen ist die Präsenz-Beratung in den Beratungsstellen unter Einhaltung der Corona-Schutz-Regeln noch möglich – auch dies nehmen die Ratsuchenden dankbar an. In 2020 wurden jedoch weniger präventive Veranstaltungen, Fortbildungen und Sprechstunden in Familienzentren und Schulen angeboten. Die technischen und fachlichen Vorbereitungen für Online-Formate mussten erst getroffen werden, Angebote vor Ort konnten nicht mehr im gleichen Maße stattfinden. In 2021 werden Online-Veranstaltungen und -Sprechstunden angeboten und bereits jetzt sehr gut nachgefragt. Die Wartezeiten für eine Beratung konnte trotz steigender Fallzahlen gering gehalten werden und Ratsuchenden konnte bei hohem Leidensdruck ein schnelles Terminangebot gemacht werden. 8) Schulpsychologie Die Anmeldezahlen in der Schulpsychologie befinden sich seit Beginn der Corona-Pandemie auf ähnlich hohem Niveau wie 2019. Allerdings wurden aus Gründen der Niederschwelligkeit während des ersten Lockdowns 2020 die Telefonberatungen über die Corona-Hotline nicht in die Statistik aufgenommen. Außerdem wurden deutlich weniger Fortbildungen durchgeführt. Insgesamt sind jedoch deutlich mehr Beratungsanfragen von belasteten Lehrkräften, Eltern undSeite 9 von 10 Seite 10 Schülerinnen und Schülern eingegangen. Die Beratungsanfragen in allen Beratungsstellen sind häufig deutlich komplexer und dringender, die Belastungen der Ratsuchenden sind hoch. In der Schulpsychologie ist Schulabsentismus häufig Thema. Viele Beratungen zum Thema Kindeswohlgefährdung wurden geführt sowie Beratungen dazu, wie Schulen mit ihrer Sorge, dass es den Kindern zuhause nicht gut geht, umgehen können. Viele Schülerinnen und Schüler mit Angstsymptomatik meldeten sich an. Neben den Einzelberatungen wurde deshalb auch eine Gruppe im Online-Format zu dem Thema angeboten. Anlage/n KeineSeite 10 von 10
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 23:11 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de