← Vorlagen

210040 · Mitteilungsvorlage

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kinder- und Jugendhilfe in Bonn

Nummer
210040
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
17.02.2021
Letzte Änderung
19.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie 11.03.2021 Kenntnisnahme
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 100,4 KB Öffnen ↗

Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.

Text anzeigen (24.362 Zeichen)
Mitteilungsvorlage
öffentlich
210040
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
51 Amt für Kinder, Jugend und Familie
Dezernat:
Dez. V
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die
Kinder- und Jugendhilfe in Bonn
Beratungsfolge
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 11.03.2021 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie hat vielfältige und teils
erhebliche Folgen für die Situation von Kindern und Jugendlichen sowie für die
diversen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie stellen für Familien eine
erhebliche Belastung dar. Innerfamiliäre Spannungen und Belastungen nehmen
aufgrund des anhaltenden Lockdowns und der Kita- und Schulschließungen zu.
Dies gilt – auch nach Rückmeldungen durch Jugendhilfeträger – insbesondere
für Familien, die durch eine Hilfe zur Erziehung unterstützt werden aber auch
für Familien mit wenigen sozialen, wohnräumlichen und finanziellen
Ressourcen.
Sowohl die Fachkräfte als auch die Adressaten*innen der Kinder- und
Jugendhilfe sind mithin täglich von den vielfältigen Maßnahmen zur
Eindämmung der COVID-19-Pandemie betroffen.
Das Amt für Kinder, Jugend und Familie informiert daher mit dieser
Mitteilungsvorlage ausführlich über die aktuellen Auswirkungen der Corona-
Pandemie auf die unterschiedlichen Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe in
Bonn:
1) Hilfen zur Erziehung:
a. Publikumsverkehr / Termine / Erreichbarkeit
Die Bonner Stadtverwaltung hat aus Gründen des Gesundheitsschutzes derzeit
grds. alle Dienststellen für den Publikumsverkehr geschlossen. Ein Besuch ist
daher derzeit ausschließlich nach zuvor getätigter Terminvereinbarung möglich.
Termine für persönliche Gespräche werden nur bei hierfür zwingend
notwendigen Anlässen vergeben.
Dementsprechend sind seit Dezember 2020 auch die Bezirksstellen und
Besonderen Fachdienste des FFE in Bezug auf Termine vor Ort grundsätzlichSeite 1 von 10

Seite 2
geschlossen. Die Arbeit der Fachdienste für Familien- und Erziehungshilfe
(FFE) findet aber weiterhin statt. Die Mitarbeitenden in den Bezirksstellen sind
sowohl telefonisch als auch per Mail durchgehend während der Öffnungszeiten
erreichbar. Zudem ist eine ausreichende Präsenz vor Ort in den Dienststellen
und der sog. Anwesenheitsdienst sichergestellt, auch für eventuelle
Krisensituationen.
Beratungsgespräche und Hilfestellungen des FFE erfolgen derzeit überwiegend
in Form von telefonischen Kontakten. Die technische Ausstattung des FFE
wurde zudem so verbessert, dass Fallbesprechungen und Hilfeplangespräche
mit Eltern und Hilfeanbietern auch als Videokonferenzen durchgeführt werden
können.
Darüber hinaus finden aber auch nach wie vor persönliche Gespräche vor Ort
(oder an anderen Orten) und Hausbesuche statt, wenn diese aus fachlicher
Sicht zwingend erforderlich ist.
b. Kinderschutz / Hausbesuche / Gerichtstermine etc.
Der Kinderschutz hat in Bonn auch während der Pandemie weiterhin höchste
Priorität. Dies gilt z. B. insbesondere für akute Krisen in Familien oder auch für
Fälle mit Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung. Alle in diesem
Zusammenhang notwendigen persönlichen Kontakte, Hausbesuche, Termine in
Einrichtungen (oder an anderen Orten), Gerichtstermine usw. werden weiterhin
durchgeführt, sofern sie fachlich erforderlich sind.
Meldungen auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung werden gemäß den
bestehenden Standards im FFE nachgegangen. Bei gewichtigen
Anhaltspunkten für eine Gefährdung wird die Situation der Kinder vor Ort in den
familiären Haushalten überprüft.
Bei der Durchführung von persönlichen Gesprächen, Hausbesuche etc. werden
die Abstands- und Hygienevorgaben des RKI eingehalten, sofern und soweit
dies möglich ist (was jedoch insbesondere bei Hausbesuchen nicht immer
realisierbar ist).
Die Zahl der Meldungen möglicher Kindeswohlgefährdungen sind während der
aktuellen Lockdown-Phase erheblich zurückgegangen.
c. Situation bei den Bonner Trägern der Hilfen zur Erziehung
Die ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen zur Erziehung werden
(durch die Träger der freien Jugendhilfe) weiterhin – auch während der
Pandemie – geleistet und fortgeführt. Dies stellt alle Beteiligten (einschließlich
der betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien) vor große und immer neue
Herausforderungen.
Im ambulanten Bereich finden inzwischen viele Beratungen per Telefon und
Video statt, sofern dies aus fachlicher Sicht ausreichend und vertretbar ist. Aber
auch in diesem Bereich gibt es nach wie vor vielfach die Notwendigkeit zur
Durchführung persönlicher Kontakte, einschließlich Hausbesuchen etc.Seite 2 von 10

Seite 3
Für den Bereich Integrationsassistenzen an Schulen kann festgehalten werden,
dass diese die Kinder im Rahmen der Beschulung im Distanzunterricht je nach
individuellem Bedarf im häuslichen Umfeld begleiten bzw. ihre Begleitung auf
alternativen Wegen wie Skypen, Videokonferenzen, Telefonaten, etc.
sicherstellen, unter anderem um die betreffenden Kinder bei der Teilhabe an
Bildung kontinuierlich zu unterstützen.
Auch die Hilfen im Bereich der stationären Jugendhilfe finden – trotz Pandemie
und Lockdown –ununterbrochen und kontinuierlich statt. Die
Herausforderungen in diesem Bereich sind sehr vielfältig. Unter anderem waren
in den letzten Monaten diverse Wohngruppen aufgrund von bestätigten
Coronainfektionen komplett unter Quarantäne gestellt und mussten dennoch –
auch während der Quarantänezeit – eine Versorgung und Betreuung der dort
lebenden Kinder und Jugendlichen sicherstellen. Zudem stellt die Beschulung
in Form des Distanzunterrichts bei Kindern und Jugendlichen, die in stationären
Einrichtungen leben, eine besondere Herausforderung und Belastung dar
(sowohl für die Träger und Betreuenden als auch für die betreuten Kinder und
Jugendlichen).
Außerdem wurde bereits unmittelbar nach Beginn der Krise speziell für den
Bereich der Hilfen zur Erziehung ein eigener Krisenstab gebildet. In diesem
Krisenstab sind sowohl Leitungskräfte verschiedener Erziehungshilfeträger als
auch Leitungskräfte des Bonner Amtes für Kinder, Jugend und Familie
vertreten. Der Krisenstab hat sich erstmals bereits am 16.03.2020
zusammengefunden und inzwischen vielfach getagt.
Im Vorfeld der jeweiligen Krisenstabssitzungen wurden bei allen Trägern
aktuelle Probleme u. Ä. schriftlich abgefragt, so dass jeder Träger fortwährend
die Möglichkeit hatte, aktuelle Fragestellungen und Rückmeldungen in die
Sitzungen des Krisenstabs einzubringen. Die Ergebnisse der Krisenstäbe
wurden jeweils protokolliert und unmittelbar nach der Sitzung an alle Träger der
Erziehungshilfe versendet.
Im Ergebnis konnten dadurch die jeweils aktuellen Probleme, Themen und
Fragestellungen sehr zeitnah aufgegriffen und geklärt sowie verbindliche
Vorgehensweisen vereinbart und Orientierungshilfen an alle Träger transparent
kommuniziert werden. Diese Vorgehensweise wurde und wird dabei seitens der
Erziehungshilfeträger ausdrücklich gelobt und als sehr hilfreich empfunden.
Aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen im Bereich der Hilfen zur
Erziehung hat der gesamtstädtische Krisenstab der Stadt Bonn in seiner
Sitzung am 20.01.2021 außerdem beschlossen, für alle Mitarbeitenden der
Bonner Erziehungshilfeträger anlassunabhängige Testmöglichkeiten
anzubieten.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich alle Mitarbeitenden im
Bereich der Hilfen zur Erziehung tagtäglich einer besonderen Verantwortung
und vielfältigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Corona-
Pandemie stellen. Dies geschieht stets zum Wohle und zum Schutz der
hilfebedürftigen Kinder und Jugendlichen in Bonn. Dass dies so hervorragendSeite 3 von 10

Seite 4
gelingt, ist dem enormen Engagement und dem großen Einsatz der
betreffenden Mitarbeitenden zu verdanken.
2) Kindertageseinrichtungen:
Die Kitas haben während des ersten Lockdowns in unterschiedlicher Weise
Kontakt zu den Kindern und ihren Familien gehalten und hatten dabei gut im
Blick, wie es den Kindern ging. Dazu gehörte auch, dass Familien, die z.B.
nicht so gut Deutsch sprechen, die Maßnahmen zu Corona und die
entsprechenden Hintergründe erläutert wurden. Kinder, bei denen das
Kindeswohl gefährdet schien, wurden in die Notbetreuung aufgenommen.
Nach dem ersten Lockdown ließen sich noch keine Aussagen zu den
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Entwicklung der Kinder machen.
Seinerzeit gab es die folgenden Beobachtungen in den städtischen Kitas, die
allerdings keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben:
Die Sorge der Kitas, dass Kinder bei der Rückkehr neu eingewöhnt werden
müssten, bestätigte sich nicht. Auch wurde in der Regel keine Verunsicherung
und Angst – ausgelöst durch Corona – bei den Kindern festgestellt. Sowohl
Kinder als auch Fachkräfte waren froh, den Alltag wieder gemeinsam
verbringen zu können. Das derzeitige, sehr starre System der
vorgeschriebenen Gruppensettings haben die Kinder ohne Problem
angenommen. Mehrere Kita-Leitungen aus unterschiedlichen Sozialräumen
berichteten, dass sie den Eindruck hätten, dass den Kindern die Zeit mit den
Eltern gutgetan habe und sie deutliche Fortschritte in der Entwicklung gemacht
hätten.
Auch jetzt im eingeschränkten Pandemiebetrieb halten die Einrichtungen so gut
es geht Kontakt zu den Familien. Die Nutzung der Betreuung ist in den Kitas
sehr unterschiedlich. In manchen Einrichtungen werden derzeit 10%, in
anderen 70% der Kinder betreut (Stand: 01.02.2021).
Insbesondere an Standorten, an denen Kinder besonders von einem
regelmäßigen Besuch der Kita profitieren würden – z.B. weil in der Familie nicht
deutsch gesprochen wird oder die Wohnungssituation sehr beengt ist – ist die
Nutzung eher gering.
Zwischenzeitlich dauern die Beschränkungen so lange an, dass grundsätzliche
Überlegungen zu treffen sind, welche Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung
aller Kinder möglich sind.
Kinder sind in besonderer Weise Leidtragende der Pandemie. Da sie nicht in
erster Linie selbst gefährdet sind (sie erkranken ja häufig gar nicht, sondern
übertragen nur), schützen sie durch ihren Verzicht auf Kontakte die
Erwachsenen. Sie passen sich bereitwillig und vertrauensvoll den
Gegebenheiten an. Grundsätzlich kann derzeit nur vermutet werden, welcheSeite 4 von 10

Seite 5
Folgen die Pandemie für Kinder bezogen auf ihre Entwicklung haben wird, auch
wenn diese aktuell vielleicht gar nicht sichtbar werden.
Wenn man sich vorstellt, dass ein Jahr Pandemie im Leben eines 5-jährigen
Kindes 10 Jahre im Leben eines 50-jährigen Menschen bedeuten, wird klar, wie
einschneidend die Einschränkungen für Kinder sind – zumal junge Kinder noch
nicht über die Fähigkeit verfügen, zu erkennen, dass es sich um einen sehr
kleinen zeitlichen Ausschnitt ihres Lebens handelt. Für sie ist die Pandemie ihr
Leben.
Kinder müssen derzeit ihre originären Bedürfnisse nach Kontakt, Spiel mit
anderen, Bewegung, Spontanität etc. über einen langen Zeitraum weitgehend
unterdrücken. Der Hirnforscher Gerald Hüther geht davon aus, dass die Gefahr
besteht, dass Kinder den Zugang zu diesen Bedürfnissen verlieren und diese
gar nicht mehr wahrnehmen. Da Kinder sehr anpassungsfähig sind, fügen sie
sich in die Situation.
Als professionelle Begleiter*innen in Kita, offener Jugendarbeit und OGS
braucht es Wissen über die Auswirkungen der Pandemie bei Kindern, ein
hohes Maß an Selbstreflektion (Stichwort: eigene Ängste) sowie an Sensibilität
gegenüber dem, was die Kinder zeigen. Ggfs. bedarf es auch zusätzlichen
Fachwissens, um nach der Pandemie zu einer Aufarbeitung beitragen zu
können.
Auch die Ängste und der Druck der Eltern (Soll ich mein Kind zuhause
betreuen? Wie sieht meine berufliche Zukunft aus? etc.) wirkt sich auf die
Kinder, aber auch auf das Verhältnis zwischen Eltern und Kita aus. Wenn hier
Spannungen entstehen, bekommen Kinder leicht das Gefühl, zwischen den
Stühlen zu sitzen oder sogar selbst an den Konflikten Schuld zu haben.
Kinder in besonderen Lebenslagen sind nicht nur in ihrer
Persönlichkeitsentwicklung bedroht, sondern auch in ihren Bildungschancen.
Das betrifft auch den Bereich der Sprache. Inwieweit dies in Kita und Schule
aufzuholen ist, bleibt abzuwarten.
3) (Offene) Jugendarbeit:
Angebote der Offenen Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit sind seit
Beginn der Corona-Pandemie kaum planbar und mussten häufig flexibel
angepasst werden. Während des ersten und des zweiten Lockdowns waren
alle Präsenzangebote nicht zulässig. Jungen Menschen fehlte damit ein
wichtiges Element der sozialen Infrastruktur und der Bildungslandschaft der
Bundesstadt Bonn. Die Angebote der Offenen Jugendarbeit bieten jungen
Menschen einen wichtigen Sozialisationsraum und tragen zur Förderung zu
eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten bei.
Jugendverbandsarbeit und Offene Jugendarbeit ermöglichen dabei informelle
und non-formale Bildungsprozesse. Sie knüpfen immer an den Interessen,
Bedürfnissen und Bedarfen der jungen Menschen an, orientieren sich anSeite 5 von 10

Seite 6
aktuellen Entwicklungen und sind somit von stetigem Wandel geprägt.
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind zwei herausragende Merkmale, die
sich in der Bewältigung der Corona-Pandemie als sehr vorteilhaft und hilfreich
gezeigt haben.
Angesichts der Kontaktbeschränkungen als Maßnahme gegen die Corona-
Pandemie war und ist die Jugendarbeit gefordert, sich flexibel an die aktuelle
Situation anzupassen. Dabei gingen die Beschränkungen von einem
vollständigen Verbot von Präsenzangeboten bis hin zu Angeboten für kleine
Gruppen mit 5, 10, 20 oder 30 Teilnehmenden. Wichtige Prinzipien der Offenen
Jugendarbeit, wie freiwillige und wechselnde Teilnahme und Offenheit sind
während der Corona-Pandemie nicht umsetzbar. Um jungen Menschen
weiterhin Unterstützung bieten zu können, waren sowohl eine Anpassung der
Angebotsformen als auch neue fachliche Herangehensweisen notwendig.
Digitale Angebote wurden ebenso wie kontaktarme entwickelt. Die Kreativität
reichte dabei von Kreativ-Paketen für zu Hause über digitale Kontaktangebote
bis hin zu Sportangeboten per Live-Stream.
In den vergangenen Monaten führte die ständig notwendige Anpassung der
Hygienekonzepte und die Entwicklung neuer fachlicher Herangehensweisen zu
einem enormen Arbeitspensum bei den pädagogischen Fachkräften. Angebote
waren kaum planbar und mussten häufig flexibel angepasst werden. Trotz des
hohen Einsatzes führten die pandemiebedingten Einschränkungen teilweise
zum Kontaktverlust zu den Besucherinnen und Besuchern der Angebote.
Digitale Kontaktmöglichkeiten wurden von Jugendlichen beispielsweise gut
angenommen und stellten für Kinder häufig eine größere Hürde dar. In vielen
Fällen wurden durch die Pandemie auch bei Kindern und Jugendlichen viele
Fragen, Unsicherheiten und Ängste geweckt, die durch die begrenzten
Angebotsmöglichkeiten nur bedingt berücksichtigt oder aufgefangen werden
konnten.
Es hat sich gezeigt, dass im Bereich der Digitalisierung noch viele
Entwicklungen möglich und notwendig sind. Im Bereich der wissenschaftlichen
Fachexpertise wird derzeit häufig von einem Dreiklang aus Präsenzangeboten,
aufsuchenden Angeboten und digitalen Angeboten gesprochen. Diese müssen
konzeptionell verankert und gut aufeinander abgestimmt sein.
Im Bereich der Richtlinienförderung konnten eine gute Regelung zu
beispielsweise temporär erhöhten Fördersätzen und ein vereinfachtes
Antragsverfahren dazu beitragen, die Träger und Fachkräfte besonders zu
unterstützen, auch während der Corona-Zeit passende Maßnahmen anzubieten
und durchzuführen. Insgesamt ist aber ein erheblicher Einbruch der
Maßnahmen und Teilnehmer*innenzahlen gegenüber den Vorjahren
festzustellen.Seite 6 von 10

Seite 7
4) Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
Im Bereich des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes gab es in den
Fachstellen Medienpädagogik und Prävention seit der Corona-Pandemie einen
Personalwechsel. Die Fach- und Koordinierungsstelle Gewaltprävention wird
voraussichtlich im April 2021 besetzt. Für die neuen Fachkräfte im Bereich
erzieherischer Kinder- und Jugendschutz ist es derzeit schwierig sich zu
vernetzen und ihre Angebote bekannt zu machen. Aufgrund der
außerordentlichen Belastung der pädagogischen Fachkräfte in den
unterschiedlichsten Einrichtungen wie Jugendzentren oder Schulen bestanden
dort keine Kapazitäten für die Teilnahme oder Durchführung an
Präventionsangeboten. Deutlich wurde aber der enorme Unterstützungsbedarf
hinsichtlich digitaler Angebote. Die Fachstelle Medienpädagogik hat daher
gerade einen starken Fokus auf Digitalisierung. Insgesamt wird im Bereich des
Kinder- und Jugendschutzes derzeit verstärkt konzeptionell gearbeitet und
Angebote und Fortbildungsveranstaltungen vorbereitet.
5) Jugendsozialarbeit
Die Angebote der Jugendsozialarbeit (Beratungsstelle für Jugendberufshilfe
und Straßensozialarbeit) waren ebenfalls durch die Regelungen der
Coronaschutzverordnung erheblich eingeschränkt. Präsenzangebote waren
hier nur in Ausnahme- und Krisenfällen möglich. Somit sind auch für die
Angebote der Jugendsozialarbeit erhebliche Auswirkungen auf die Beratung
und Unterstützung junger Menschen mit sozialen Benachteiligungen oder
individuellen Beeinträchtigungen festzustellen. Die gewohnten und eingeübten
Beratungssettings konnten hier über lange Zeiträume nicht genutzt werden.
Beratungen mussten per Telefon oder in digitaler Form erfolgen. Hierdurch kam
es zu einer deutlichen Verlangsamung des Beratungsprozesses und Minderung
von Lerneffekten durch sehr erschwertes oder teilweise unmögliches
gemeinsames Arbeiten an Dokumenten (Bewerbungsschreiben etc.). Bei
jungen Menschen, bei denen keine telefonischen oder digitalen
Kontaktmöglichkeiten bestanden, kam es unweigerlich zu Kontaktverlusten.
Wenn Beratungen technisch möglich waren, sank oftmals der erreichbare
Komplexitätsgrad der Zusammenarbeit erheblich.
Die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Beratungsstelle für
Jugendberufshilfe in den Schulen konnten unter strenger Beachtung der
Hygienevorschriften nur in den Zeiten durchgeführt werden, in denen der
Präsenzunterricht gestattet war. Neben den direkten Angeboten für und mit
jungen Menschen gestaltete sich aber auch der Austausch und die Vernetzung
mit anderen Institutionen (Jobcenter, Berufsberatung, Schulsozialarbeit,
Bewährungshilfe, Jugendgerichtshilfe, Jugendhilfeträger) nur über digitale
Medien schwieriger und zeitaufwändiger.Seite 7 von 10

Seite 8
Seit einiger Zeit registriert die Beratungsstelle für Jugendberufshilfe eine
steigende Anzahl von Beratungen und eine Zunahme von hilfesuchenden
jungen Menschen. Da die Folgen des Home Schoolings inklusive nicht
durchführbarer Praktika und des Wegfalls großer Teile der sozialen
Infrastruktur sich auch in der Zukunft weiter auswirken werden, wird auch
zukünftig mit einem hohen Beratungs- und Unterstützungsbedarf, einer sehr
hohen Auslastung aller Beratungsangebote und einer weiterhin großen
Belastung der pädagogischen Fachkräfte gerechnet.
6) Internationale Begegnungsstätte
Die Bildungsangebote der Internationalen Begegnungsstätte des Amtes für
Kinder, Jugend und Familie sind unterschiedlich stark von den Maßnahmen zur
Reduzierung des Infektionsgeschehens betroffen. Während des ersten und des
zweiten Lockdowns waren alle Präsenzangebote untersagt und durften nicht
stattfinden. Von Mitte Mai bis zu den Sommerferien und ab Ende der
Sommerferien 2020 durften Bildungsangebote mit Einschränkungen
durchgeführt werden. Während der Sommerferien war es möglich ein
reduziertes Ferienangebot für einige wenige anzubieten. Zur Wahrung der
Mindestabstände musste bei allen Bildungskursen die Anzahl der
Teilnehmer*innen auf etwa die Hälfte bzw. maximal 8 Personen begrenzt
werden. Bei gleichbleibender hoher oder steigender Nachfrage konnte und
kann somit vielen Kindern quer durch alle Altersstufen kein entsprechendes
Förderangebot gemacht werden.
Inzwischen finden vier Kurse für Jugendliche aus Abschlussklassen digital statt.
Die Dozenten*innen der Internationalen Begegnungsstätte berichteten von
wahrnehmbaren größeren Lerndefiziten bei den Kindern und Jugendlichen. Die
Sorge der Eltern spiegeln diese wider. So berichten Eltern mit
Migrationshintergrund über eine Überforderung bei der Begleitung ihrer Kinder
in der derzeitigen Schulphase.
7) Erziehungs- und Familienberatung
Im ersten Lockdown gab es in der städtischen Erziehungsberatungsstelle (EB)
einen Rückgang der Fallzahlen. Viele Familien gingen offenbar davon aus,
dass die städt. EB geschlossen sei. Zudem gab es wenig Zeit für Beratung
zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung. Im Jahresdurchschnitt stieg die
Zahl der begonnenen Beratungen jedoch um ca. 35% im Vergleich zum Vorjahr
an (trotz Rückgang beim ersten Lockdwon). Im vierten Quartal 2020, als die
Corona-Fallzahlen anstiegen, betrug die Steigerung der begonnenen
Beratungen sogar ca. 80%.
Auch die konfessionellen Beratungsstellen berichteten von einer Steigerung der
Anmeldezahlen im Vergleich zu den Vorjahren. Besonders Jugendliche
ersuchten vermehrt Unterstützung.Seite 8 von 10

Seite 9
In den Erziehungsberatungsstellen wurde deutlich, dass besonders die
Belastung bei Jugendlichen sehr hoch ist. Suizidgedanken und depressive
Verstimmungen wurden häufiger berichtet, aber auch aggressive
Verhaltensweisen oder exzessiver Medienkonsum. In den Entwicklungsphasen
der Kindheit und Adoleszenz ist der soziale Kontakt in der Freundesgruppe
besonders wichtig und wird schmerzlich vermisst. Auch war/ist die hohe
Belastung der Familien im Lockdown Thema (Zerrissenheit zwischen
Homeoffice bei gleichzeitiger Kinderbetreuung, Home Schooling, fehlende
Ausgleichsmöglichkeiten, wie Sport und Freunde treffen). Eltern berichten
häufig über Sorgen um ihre Kinder und den Druck der Arbeitgeber, trotz
gleichzeitiger Betreuung der Kinder im Homeoffice volle Leistung zu bringen.
Bestehende Konflikte (z.B. nach Trennung und Scheidung der Eltern)
verschärften sich bei hohen Belastungen der Einzelnen. Eltern und Fachkräfte
berichten über fehlende Therapieplätze. Teilweise wird dies durch die
Beratungsstellen kompensiert, um die langen Wartezeiten bis zum
Therapiebeginn (häufig länger als ein halbes Jahr) zu überbrücken.
Erstmals bzw. vermehrt wurden Telefon- und Videoberatungen sowie
Beratungs-Spaziergänge angeboten, zudem präventive Veranstaltungen im
Online-Format. Dies nahmen Ratsuchende dankbar an. Eine Beratung face-to-
face ist zwar immer noch meist der fachliche bessere Weg, Online-Beratungen
schützen jedoch das Personal und die Ratsuchenden vor Ansteckung und
entlasten auch teils bei knappen Zeitressourcen der Eltern durch wegfallende
Wegzeiten. In fachlich notwendigen Fällen ist die Präsenz-Beratung in den
Beratungsstellen unter Einhaltung der Corona-Schutz-Regeln noch möglich –
auch dies nehmen die Ratsuchenden dankbar an.
In 2020 wurden jedoch weniger präventive Veranstaltungen, Fortbildungen und
Sprechstunden in Familienzentren und Schulen angeboten. Die technischen
und fachlichen Vorbereitungen für Online-Formate mussten erst getroffen
werden, Angebote vor Ort konnten nicht mehr im gleichen Maße stattfinden. In
2021 werden Online-Veranstaltungen und -Sprechstunden angeboten und
bereits jetzt sehr gut nachgefragt.
Die Wartezeiten für eine Beratung konnte trotz steigender Fallzahlen gering
gehalten werden und Ratsuchenden konnte bei hohem Leidensdruck ein
schnelles Terminangebot gemacht werden.
8) Schulpsychologie
Die Anmeldezahlen in der Schulpsychologie befinden sich seit Beginn der
Corona-Pandemie auf ähnlich hohem Niveau wie 2019. Allerdings wurden aus
Gründen der Niederschwelligkeit während des ersten Lockdowns 2020 die
Telefonberatungen über die Corona-Hotline nicht in die Statistik aufgenommen.
Außerdem wurden deutlich weniger Fortbildungen durchgeführt. Insgesamt sind
jedoch deutlich mehr Beratungsanfragen von belasteten Lehrkräften, Eltern undSeite 9 von 10

Seite 10
Schülerinnen und Schülern eingegangen. Die Beratungsanfragen in allen
Beratungsstellen sind häufig deutlich komplexer und dringender, die
Belastungen der Ratsuchenden sind hoch.
In der Schulpsychologie ist Schulabsentismus häufig Thema. Viele Beratungen
zum Thema Kindeswohlgefährdung wurden geführt sowie Beratungen dazu,
wie Schulen mit ihrer Sorge, dass es den Kindern zuhause nicht gut geht,
umgehen können. Viele Schülerinnen und Schüler mit Angstsymptomatik
meldeten sich an. Neben den Einzelberatungen wurde deshalb auch eine
Gruppe im Online-Format zu dem Thema angeboten.
Anlage/n
KeineSeite 10 von 10

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

bonn.social/@biz ↗
Im ALLRIS öffnen ↗

Datenstand: 02.11.2026, 23:11 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de